Full text : Amtliche Kriegsdepeschen Band 3 (3)

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letzteres  hätte  in  dem  Sinne  aufgefaßt  werden  können.  daß  England  die  volle
Vernichtung  Deutschlands  wünsche  und  Rußland  und  die  anderen  Verbündeten
im  Schlepptau  nach  sich  ziehe.

Darum  gibt  die  Regierung  von  Großbritannien  durch  ihren  Botschafter  in
Madrid  folgende  Antwort:  »Die  Regierung  Seiner  Majestät  wäre  bereit,  eine
Mitteilung  zu  erhalten,  die  die  Regierung  von  Deutschland  ihr  bezüglich  des
Friedens  zu  machen  wünschen  würde;  sie  würde  diese  Mitteilung  zum  Gegenstand
  einer  Beratung  mit  ihren  Verbündeten  machen.  Dies  wäre  wörtlich  zu
übermitteln.e  Angesichts  der  dringenden  Notwendigkeit  die  äußerste,  allergrößte
  Vorsicht  in  den  Beziehungen  zu  unserem  Feinde  zu  beobachten,  der  vor
keinerlei  gewissenlosen  Verdrehungen  der  Worte  und  Grundsätze  Halt  macht.
ist  der  Antwort  Englands  eine  besonders  kurze  Fassung  verliehen  worden.  Bei
der  Beratung  über  diese  Antwort  in  der  heutigen  Versammlung  der  Botschafter
hei  Balfour  kamen  wir  einstimmig  zum  Entschluß,  daß  Deutschlands  Ziel  -  -  das
ganze  Manöver  schreiben  wir  Kühlmann  zu  —  darin  besteht,  die  Verbündeten
zu  einer  Beratung  über  Friedensbedingungen  mit  Deutschland  zu  verleiten.
Der  gegenwärtige  Versuch  Deutschlands  bestätigt  meine  im  Telegranım  vom
7.120.  9,  Nr.  761.  geäußerten  Befürchtungen.  Wir  stellten  fest.  daß  man
Deutschland  erklären  müsse:  wenn  durch  die  gegenwärtige  kurze  Mitteilung
die  Angelegenheit  in  Fluß  kommen  sollte,  dal3  wir  cine  genaue  Angabe  seiner
Kriegsziele  erwarten,  und  daß  wir  in  keinem  Fall  auf  Separatverhandlungen
eines  unserer  Verbündeten  mit  Deutschland  eingehen  werden,  desgleichen  auch
nicht  auf  Kollektivverhandlungen,  ehe  wir  entschieden  haben,  ob  die  gesamten
Kriegsziele  Deutschlands  für  uns  annehmbar  sind.  Einstimmig  wurde  festgestellt,
  daß  jetzt,  mehr  als  je,  eine  volle  Eintracht  unter  den  Verbündeten  nötir
sei.  Deutschland  wandte  sich  zweifellos  aus  dem  Grunde  an  Eingland,  weil
Eugland  gegenwärtig  unstreitig  die  vorherrschende  Stellung  im  Bündnis  einnimmt.


Unter  dem  Eindruck  des  von  England  kürzlich  in  Mesopotamien
errungenen  Sieges  und  der  großen  Erfulge  an  der  Westiront  hat  sich  in  der
Stimmung  der  Armee  und  des  Landes  zweifellos  ein  großer  Umschwung
zugunsten  der  Überzeugung  vom  Eudsieg  vollzogen.  Alle
Aussagen  weisen  im  Gegenteil  darauf  hin,  daB  der  Geist  der  deutschen
Truppen  entsprechend  gesunken  ist.  Während  der  Diskussion  äußerte  ich  die
Überzeugung,  daß  Rußland  gemeinsam  mit  den  Verbündeten  den  oben  dargelegten
  Standpunkt  vertreten  wird,  d.h.  daß  vor  Eintritt  in  irgendwelche  Verhandlungen
  mit  Deutschland.  wir  in  Kenntnis  gesetzt  werden  müssen,  was  es
anstrebe,  und  daß  wir  danach  unter  uns  in  Erwägung  darüber  einzutreten  haben,
ob  Deutschlands  Ziele  eine  für  uns  annehmbare  Grundlage  der  Verhandlungen
bilden.  Da  dieser  Schritt  Deutschlauds  und  unsere  bierdurch  bervorgernfene
Beratung  ein  großes  Geheimnis  darstellen,  erklärte  ich  Balfour  währen«  der
Sitzung,  daß  ich  meiner  an  Sie  gerichteten  Mitteilung  einen  besonders  vertraulichen
  Charakter  verleihen  werde,  und  daß  unsere  Regierung  bei  den  außerordentlich
  schwierigen  Verhältnissen  des  gegenwärtigen  Augenhlicks  ohne
Zweifel  doch  wohl  begreifen  werde,  wieweit  eine  Bekanntgabe  dieses  Geheim-