Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

1086  Schwaben  u.  Neuburg.

holt  werden.  Die  Kaiser  des  fränkisch-salischen  Hauses  dagegen  verfügten
willkürlich  über  die  Abtei  und  gaben  sie  als  königliches  Gut  sogar  Lalen  zu  Lehn,
bis  das  Wormser  Concordat  1122  das  Stift  gegen  solche  Eingriffe  sicher  stellte,
indem  von  nun  an  der  Abt  von  den  Conventualen  gewählt  und  vom  Keiser
durch  Ueberreichung  des  Scepters  mit  den  Regalien  belehnt  werden  sollte.
Der  erste  Abt  dieses  Benediktinerstiftes  war  Audogar  l.  v.  773—796,  welcher
von  Kaiser  Karl  zum  Vorsteher  bestimmt  wurde  und  von  diesem  Schutz  und
Schirm  für  das  Kloster  erlangte.  Dem  Schirmvogte  schrieb  Kaiser  Karl  drei
Eide  vor:  1)  den  eines  nützlichen  Advokaten;  2)  jenen,  daß  er
von  dem  Gerichtsertrag  .  Theile  an  den  Abt  abliefern  wolle,
und  3)  daß  er  von  den  Kellhöfen,  Leibeigenen  und  Kloster  bauern
nichts,  nicht  einmal  das  Uebernachten  fordern  solle.  Wann
dem  Abte  des  Stiftes  Kempten  die  Fürstenwürde  verliehen  wurde,  läßt  sich
nicht  bestimmt  angeben,  nur  soviel  wissen  wir,  daß  er  in  der  Mitte  des  zwölften
Jahrhunderts  schon  zu  den  geistlichen  Fürsten  gezählt  wurde.  Stift  und  Statt
Kempten  standen  selten  in  guten  Beziehungen  zueinander  (sieh  S.  1022  dieses
Brs)  und  als  im  dreißigjährigen  Kriege  das  Stift  von  den  Schweden  Unsägliches
  zu  leiden  hatte,  wofür  der  Abt  die  Stadt  Kempten  verantwortlich
machen  wollte  und  sogar  deßhalb  beim  Reichshofrath  gegen  sie  Klage  erheb,
konnte  ein  besseres  Einvernehmen  um  soweniger  erzielt  werden,  als  es  dem
Stifte  trotz  der  altstädtischen  Einsprache  im  Jahre  1728  gelang,  das  Stift
zur  Stadt  zu  erheben  und  Stadtrechte  zu  erlangen.  Das  Reichsstift  Kempten
hat  von  773  an  bis  zu  seiner  Auflösung  1803  also  während  seines  mehr  als
tansendjährigen  Bestands  104  Abte  gehabt,  von  denen  der  letzte  Castolus  von
Reichlin-Meldegg  1793  gewählt  wurde,  aber  schon  ein  Jahr  nach  der  Aufhebung
  des  Stiftes  starb.  Der  Fürstabt  dieses  Reichsstiftes  war  der  römischen
  Kaiserin  Erzmarschall,  und  in  geistlichen  Dingen  exemt  stand  er  unmittelbar
  unter  dem  päbstlichen  Stuhle.  Das  Kapitel  zählte  20  Mitglieder,
welche  alle  adeliger  Abkunft  sein  mußten.  Diese  Reichsprälatur  hatte  mit
Ausnahme  des  Dorfes  Binswangen  und  mehrerer  Ortsantheile  zerstreut  liegender
  Dörfer  ein  zusammenhängendes  geschlossenes  Gebiet  mit  der  Stifssta
  dt,  sieben  Märkten,  85  Dörfern  und  vielen  Höfen  und  Schlößern
in  folgenden  acht  Pflegämtern:  Hohenthann,  Grönenbach,  Falken,  Sulz-  und
Wolkenberg,  Liebenthan,  Kemnat  und  Thingau,  welche  unter  der  fürstlichen
dunch  die  Rechte  der  Landschaft  eingeschränkten  Regierung  zu  Kempten  standen.
Buchenberg,  marktberechtigtes  Pfarrdorf  im  Landkapitel  Legau,  mit  einer
sehr  schönen  Rirche  und  Resten  eines  römischen  Wachtthurmes  mit  Wall  und
Graben,  erhielt  vom  Kaiser  Friederich  III.  1185  Marktrechte.  Der  Kirchensatz
  gehörte  von  Alters  her  dem  Stifte  Kempten.  Durach,  Pfarrderf  im
Landkapitel  Kempten,  zeigt  noch  Ueberreste  römischer  Fortifikationen,  aus  wolchen
im  Mittelalter  eine  Burg  erstand,  von  der  noch  ausehnliche  Reste  vorhamden
sind.  Früher  war  der  Ort  im  Besitze  der  von  Schellenberg,  kam  aber  im