Full text : Der Reichstag von Nürnberg 1522-23.

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angebracht  hatte,  mindestens  als  ebenso  unpolitisch  und  unklug
  erwiesen.  Dieser  Umstand  konnte  nicht  ohne  Einfluss
auf  die  Beratungen  bleiben,  welche  eine  Antwort  auf  Adrians
Wünsche  zum  Ziele  hatten.

Wir  haben  gesehen,  wie  sowohl  im  Regiment  als  auch
im  Ständerat  die  Ansicht  durchgedrungen  war,  es  könne
erst  ‘nach  eingehender  Besichtigung  und  Besprechung  der
schriftlich  niedergelegten  Meinungs-  und  Willensäusserungen
des  Papstes  diesem  ein  Bescheid  gegeben  werden.  Schon  damit
hatte  man  dem  Nuntius  gezeigt,  dass  man  die  Bestimmungen
des  Wormser  Reichsabschiedes  nicht  mehr  ihrem  ganzen
Umfange  nach  anzuerkennen  gewillt  war  und  schon  im  Begriff
  stand,  eine  neue  Norm  für  diese  kirchlichen  Fragen  zu
schaffen.

Aus  vier  Geistlichen  und  vier  Weltlichen  setzte  sich
ein  Ausschuss  zusammen,  welcher  die  Aufgabe  hatte,  für  die
dem  Nuntius  schriftlich  zu  übermittelnde  Antwort  eine  Grundlage
  auszuarbeiten.!)  Diese  sollte  dann  zu  weiterer  Prüfung
dem  grossen  Ausschuss  der  Stände  vorgelegt  und  in  der  dadurch
  gewonnenen  Umgestaltung  dem  Regiment  zur  Begutachtung
  übermittelt  werden.  Auf  diese  Weise  musste  es
möglich  werden,  die  verschiedensten  Ansichten  zu  Tage  zu
fördern  und  in  gebührender  Weise  zu  berücksichtigen.  Natürlich
  kam  aber  das  meiste  darauf  an,  wie  die  erste  grundlegende
  Fassung  ausfallen  würde  Da  ist  es  nun  für  den
gedeihlichen  Fortgang  der  romfeindlichen  Bewegung  ein
ausserordentlicher  Vorteil  gewesen,  dass  in  jenen  engeren
Ausschuss  ein  Mann  gewählt  wurde,  der  bei  umfassendstem
Verständnis  für  die  Ziele  dieser  Bewegung”)  und  bei  ausge-1)

  Planitz  am  15.  Jan.  1523.  „Iczuntt  handelt  man  des  Luthers
halben  auff  des  bebstl.  nunctio  übergebene  suplicacion.  Darzcu  haben
die  geistlichen  vorordentt  den  erczbischoff  v.  Salczburgk,  der  hatt  es
annemen  mussen,  wie  woll  er  es  eczlich  mall  abschluge,  den  bischoff
v.  Augspurgk,  die  zwen  vicarien  v.  Bambergk  u.  Freysingen,  her
Hanssen  von  Schwarczbergk,  er  Sebastian  vom  Rotenheyn  u.  doctor
Werter  u.  doctor  Zcoch,  Meydburgischer  canczler,  gott  gebe  das  sie
wollen  treffen  und  gutt  machen.“

2)  Vgl.  Luthers  Brief  an  Schwarzenberg  v.  21.  Sept.  1522  (de