Contents : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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nur  zu  dem  Zwecke  errichtet  zu  sein,  um  die  Evangelischen  zusammenzubringen;
  nachdem  dies  erreicht  war,  verschwand  er  wieder,
ohne  dafs  er  denen,  die  ihn  abschlossen,  eine  bestimmte,  feste
Richtung  gegeben  oder  ein  dauerndes  inneres  Einvernehmen  zwischen
ihnen  geschaffen  hätte,  wozu  das  rein  negative  Moment  der  Feindschaft
  wider  die  kirchlichen  Neuerungen  nicht  ausreichte.  Kardinal
Albrecht  verfolgte  nach  wie  vor  seine  selbstische  schwankende
Politik,  die  ihn  bald  als  Anhänger  des  Kaisers,  bald  als  Vertreter
ständisch-kurfürstlicher  Interessen,  immer  aber  ohne  ein  sicheres  Ziel
und  feste  Grundsätze  erscheinen  liefs.  Sein  Bruder  Markgraf
Joachim  von  Brandenburg  hielt  sich  bei  den  inneren  Reichshändeln
  mehr  zurück,  wie  er  denn  auch  in  Speier  ohne  triftigen  Grund
ausblieb.  Er  spielte  eine  wenig  glänzende  Rolle;  bis  zur  Schlacht
von  Pavia  hatte  er  fast  unablässig  wider  den  Kaiser  intrigutert;
seitdem  jetzt  die  Würfel  des  Geschickes  zu  Karls  Gunsten  gefallen
zu  sein  schienen,  war  er  vor  allem  bemüht,  dessen  Gnade  zu  gewinnen;
  er  hegte  damals  sogar  den  Plan,  wenn  der  Kaiser  nach
Italien  komme,  demselben  unaufgefordert  zuzuziehen  und  ihn  zur
Krönung  nach  Rom  zu  geleiten!).  Dieses  hyperloyale  Bestreben,
dem  Kaiser  zu  gefallen,  mufste  denn  natürlich  Joachim  nur  um  so
mehr  bei  der  alten  Kirche  festhalten,  wennschon  auch  ihn  „keine
tiefe  religiöse  Ueberzeugung  zum  Vertreter  des  Papismus  machte,“  ?)
sondern  weit  eher,  wie  schon  im  Anfang  dieses  Kapitels  bemerkt
wurde,  ein  übertriebenes  Gefühl  für  Autorität,  sowie  die  innere
Verbissenheit  eines  mittelmäfsigen  Geistes,  der  Groll  darüber,  dafs
die  Dinge  ihre  wichtigsten  Impulse  nicht  von  ihm  oder  seinem
Kreise  aus  empfingen.  Mehr  noch  als  Joachim  schien  freilich
Herzog  Georg  von  Sachsen  Grund  zur  Unzufriedenheit  zu  haben
über  die  Wendung,  welche  die  Dinge  neuerdings  in  Norddeutschland
  genommen  hatten.  Als  Friedrich  der  Weise  ins  Grab
sank,  hatte  Georg  gemeint,  jetzt  werde  seine  Zeit  kommen;

')  Vgl.  das  Schreiben  des  Kurfürsten  von  Sachsen  an  Herz.  Heinrich
von  Mecklenburg  vom  26.  Mai  1526,  nachdem  der  Herzog  ihn  von  diesem
Plane  Joachims  und  den  Bemühungen  Herzog  Albrechts  von  Mecklenburg,
des  Schwiegersohnes  Joachims,  auch  ihn,  Heinrich,  für  die  Sache  zu  gewinnen,
in  Kenntnis  gesetzt  hatte.  Johann  von  Sachsen  gab  darauf  nur  die  lakonische
  Antwort,  wenn  es  des  Kaisers  Wille  wäre,  die  deutschen  Fürsten  bei
Hair  haben,  so  würde  er  nicht  unterlassen  haben,  dieselben  zu  sich  zu
entbieten.

”)  Vgl.  Droysen,  Gesch.  d.  preufs.  Politik  II,  2  8.195.