—_— 3 —
nur zu dem Zwecke errichtet zu sein, um die Evangelischen zusammenzubringen;
nachdem dies erreicht war, verschwand er wieder,
ohne dafs er denen, die ihn abschlossen, eine bestimmte, feste
Richtung gegeben oder ein dauerndes inneres Einvernehmen zwischen
ihnen geschaffen hätte, wozu das rein negative Moment der Feindschaft
wider die kirchlichen Neuerungen nicht ausreichte. Kardinal
Albrecht verfolgte nach wie vor seine selbstische schwankende
Politik, die ihn bald als Anhänger des Kaisers, bald als Vertreter
ständisch-kurfürstlicher Interessen, immer aber ohne ein sicheres Ziel
und feste Grundsätze erscheinen liefs. Sein Bruder Markgraf
Joachim von Brandenburg hielt sich bei den inneren Reichshändeln
mehr zurück, wie er denn auch in Speier ohne triftigen Grund
ausblieb. Er spielte eine wenig glänzende Rolle; bis zur Schlacht
von Pavia hatte er fast unablässig wider den Kaiser intrigutert;
seitdem jetzt die Würfel des Geschickes zu Karls Gunsten gefallen
zu sein schienen, war er vor allem bemüht, dessen Gnade zu gewinnen;
er hegte damals sogar den Plan, wenn der Kaiser nach
Italien komme, demselben unaufgefordert zuzuziehen und ihn zur
Krönung nach Rom zu geleiten!). Dieses hyperloyale Bestreben,
dem Kaiser zu gefallen, mufste denn natürlich Joachim nur um so
mehr bei der alten Kirche festhalten, wennschon auch ihn „keine
tiefe religiöse Ueberzeugung zum Vertreter des Papismus machte,“ ?)
sondern weit eher, wie schon im Anfang dieses Kapitels bemerkt
wurde, ein übertriebenes Gefühl für Autorität, sowie die innere
Verbissenheit eines mittelmäfsigen Geistes, der Groll darüber, dafs
die Dinge ihre wichtigsten Impulse nicht von ihm oder seinem
Kreise aus empfingen. Mehr noch als Joachim schien freilich
Herzog Georg von Sachsen Grund zur Unzufriedenheit zu haben
über die Wendung, welche die Dinge neuerdings in Norddeutschland
genommen hatten. Als Friedrich der Weise ins Grab
sank, hatte Georg gemeint, jetzt werde seine Zeit kommen;
') Vgl. das Schreiben des Kurfürsten von Sachsen an Herz. Heinrich
von Mecklenburg vom 26. Mai 1526, nachdem der Herzog ihn von diesem
Plane Joachims und den Bemühungen Herzog Albrechts von Mecklenburg,
des Schwiegersohnes Joachims, auch ihn, Heinrich, für die Sache zu gewinnen,
in Kenntnis gesetzt hatte. Johann von Sachsen gab darauf nur die lakonische
Antwort, wenn es des Kaisers Wille wäre, die deutschen Fürsten bei
Hair haben, so würde er nicht unterlassen haben, dieselben zu sich zu
entbieten.
”) Vgl. Droysen, Gesch. d. preufs. Politik II, 2 8.195.