Volltext : Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Erster Teil. Bis zum zweiten Pariser Frieden. (24)

Der  Societät  droht  die  innere  Auflösung  (1715.16).  203

res,  als  was  sie  geleistet,  ihr  kaum  abgefordert  werden,  man  wolle
denn  von  einem  kaum  geborenen  Kinde  die  Thaten  eines  gesetzten
Mannes  fordern«.

In  demselben  Schreiben  (Nr.  167)  berichtet  der  Secretar,  CoLas
sei  beim  Könige  in  Ungnade  gefallen  —  seine  Grosssprechereien
wurden  durchschaut  —,  und  das  habe  der  Societät  auf's  Neue  geschadet:
  »Herr  Horrnans,  der  Astronom,  hat  «die  Gabe  nicht,  opera
supererogatoria  zu  thun«;  »Herr  SPENER  ist  uns  ein  unersetzlicher
Verlust«:  »Herr  La  Croze  hat  sich  von  Anfang  der  Soeietät  geäussert
  und  ist  gar  selten  in  denen  Versammlungen  erschienen«.
Noch  immer  müsse  man  auf  den  Seidenbau  hofien,  für  den  sich
Hr.  vox  Grumkau  interessirtt.  »Nur  ist  auch  hiebei  das  Unglück,
dass  dem  König,  welcher  noch  als  Kronprinz  der  Sache  überaus
zugethan  gewesen,  dieselbe  in  odium  Societatis  dermassen  verleidet
worden,  dass  er  sie  nur  en  ridieule  handelt.«  Die  Vorbereitung
des  2.  Bandes  der  Aliscellanea  stocke,  weil  die  beiden  Directoren,
denen  die  Arbeit  obliegt,  dureh  schwere  Krankheit  arbeitsunfähig
seien.  »Dem  Könige  ist  zwar  mit  gelehrten  Sachen  nichts  gedienet;
denn  er  fraget  nicht,  was  die  Societät  denke  oder  erfinde,  sondern
nur  was  sie  thue;  vor  der  Welt  aber  sich  in  Reputation  zu  erhalten,
  würde  freilich  nöthig  sein,  mit  etwas  Neues  aufzutreten.«  »Hr.
Frisch,  dessen  ich  eher  gedenken  sollen,«  —  endlich  geschielit  dem
wackeren  Mann  Gerechtigkeit  —  »ist  ohne  Widerrede  der  activeste,
aber  unter  so  viel  Objecte  zerstreuet,  dass  man  oft  kaum  weiss,
wo  man  ihn  suchen  soll.«

Schliesslich  kündigt  der  Secretar  in  diesem  Briefe  an,  dass  er,
der  schon  seit  einiger  Zeit  Erzieher  eines  Königlichen  Prinzen  (Solın
des  Markgrafen  Pritıee  WiLnerm)  sei,  mit  diesem  auf  Reisen  gehen
werde  und  dazu  einen  längeren  Urlaub  erbeten  habe.  Sein  Gehalt
war  ja  auf  die  Hälfte  herabgesetzt.  Der  Urlaub  wurde  ihn  bewilligt
  (zunächst,  wie  es  scheint,  auf  zwei  Jahre).  und  in  seinem
letzten  Schreiben  an  Leimsız  (15.  Juni  1715)  verweist  er  diesen  in
Bezug  auf  die  Soeietätsgeschäfte  an  den  Vicepräsidenten,  den  Hotprediger.


SPENER  gestorben,  CuxEau  seit  langer  Zeit  hinfällig  (er  verschied
am  30.  December  1715),  Scuorr  arbeitsunfähig,  Horrmaxx,  der  Astronom,
  lässig,  La  Croze  olıne  wirkliches  Interesse  für  die  Sache,  der

Scceretar  auf  Reisen  —  nur  der  verzagte  Hofprediger  und  der  rüstige
Frisch  blieben  übrig!  Sie  allein  bildeten  die  Soeietät  —  aher  Frıscu

gehörte  nicht  zum  Coneilium!  Wohl  verlor  sie  im  Juni  1715  ihren