128 Die gallischen Kelten. Kap. IVII.
durch die Gewalt der Waffen bestimmt. So stellt die Korporation
die Einheit der in Bünde und Stämme zersplitterten Nation dar.
Während Caesar zwar ihre Eigenart schildert, zeigt er doch
nicht, wie sie bei den Gallien bewegenden Ereignissen sich verhielten.
Nur den Druiden Divitiakus, einen Freund des Cicero,
zeichnet er als den Führer der romfreundlichen Partei bei den
mächtigen Haeduern, als einen dem Caesar persönlich Ergebenen
mit grosser Wärme I 19, 20, 81, 32.
Die Lehre der Druiden umfasst Wissenschaft und Religion,
die Gestirne und ihren Lauf, die Grösse der Erde und ihrer
Länder, die Macht und die Gewalt der unsterblichen Götter und
die Seelenwanderung. Wie die Germanen rechnen sie den Tag vom
Abend ab und zählen nach Nächten, nicht nach Tagen. Germ. 11.
Zahlreiche Schüler, uneigennützige und durch die bevorzugte
Stellung der Druiden verführte, strömen ihnen zu. Viele
wandern nach Britannien, um an der Quelle zu studieren. Einige
bleiben zwanzig Jahre lang im Unterricht, bei welchem der Stoff
geheim gehalten, nicht niedergeschrieben wird und in einer
grossen Menge von Versen auswendig zu lernen ist.
Die Funktionen der Druiden.
Sie versehen den Gottesdienst, besorgen die Opfer, öffentliche
(auch Menschenopfer) und private, erklären die Satzungen
der Religion, und üben alljährlich im Land der Karnuten die
Rechtspflege. Hier finden sich die Parteien, Stammverbände
und Private ein, und es werden fast alle Streitigkeiten des Strafrechts
und des Privatrechts geschlichtet (insbesondere werden
Mord, Nachlasssachen, Grenzstreitigkeiten genannt) und Bussen
und Strafen festgesetzt. Die Entscheidungen werden mit Ehrerbietung
entgegengenommen. Die Vollstreckung des Urteils
wird Stämmen und Privaten gegenüber durch Interdikt erzwungen,
Der Gebannte wird einem Nichtswürdigen gleich erachtet, es wird
ihm kein Recht und keine Ehrenstelle gewährt und der Verkehr
mit ihm ausgeschlossen. Gall. VI 13, 14, 16—18.