—,-E0.
Jahrgang
Ar. 116
Dieustag, 1I0. Maĩ 1914
Rosenheimer Anzeiger
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Rosenheimer Tagblakt
Amtkliches Publikalions--Organ
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Schluß der önseraten-Annahm'e 1 Uhr mlttags.
Die heutige Kummer umfaßt 6 Sciten.
Keues vem Tage
18. Mai.
Iwei bayerische Fliegeoffiziere, welche sich am
Prinz-Heinrichflug bleiligten, sind in Baden
albgestũrzt. Einer davon ist unter dem bren—
nenden Motor vollsändig verbrannt.
Det Reichstag hat am Samstag das Spion igegeseh
angenommen. Auch der Etat ist jett
in zweiter Lesung elledigt.
In Berlin ereignelen sich am Sonntag zmei
große Familientragödien. In den einem Falle
wurde ein Vater von seinem Sohne erschossen.
im anderen Falle -ötete ein junger Mann
seinen Bruder.
Die beiden Franzosen, welche einen Kolmarer
Chauffeur in den Volesen ermordeten und beraubten,
sind in Le havre feslgenommen worden.
Der eine erschah sich bei der Fesmahme.
In den italienischen Alpen sind drei Touristen
abgestürzt. Sie vurden ganz zerschmettert.
Bolilische Rundschan.
Baye rn
Der Forstetat.
Auch am Sanistag setzte die Kammer der
Abgeordneten die allgemeinen Erörterungen zum
Tlal der Forsten, Jagden und Triften forl.
Der Schwerpunkt der Debatte ruhte im wesentlichen
auf der Betonung der gemeindlichen und
privaten Forst- und Weiderechte in den Staatswaldungen
gegenüber den Bestrebungen dor
Jorsiverwaltung, eine Schmälerung, wenn nicht
gaar Beseiligung diestr historischen Nuhungsrechte
durchzusetzen. Von den Liberalen, den
Lauerischen Bauernbümlern und der Freien Vereinigung
sind auch dementsprechende Anträge zurt
Elat gestellt, die jetztlebhafte Vertretung sanden.
Auch auf Zentiumsseite trat man im all-Zgemeinen
den Ausfühmungen der vorauegehendnn
Parteiredner über die geforderten Garanlien
für Gewährleisimg der Nutzungerechte seilens
des Staates bei. Finanzminisier v. Breu-—
ni] wird sich am kommenden Dienstag zu den
rielverzweigten Fragen des vorliegenden Etats
äußern.
Zur Vorgeschichte des Gemeindebeamtengesetzes.
Aus der Vorgeschichte des Gemeindebeamtengesetzee“
wiederholten die „M. N. N.“ auch
nach dem offiziösen Dementi ihre Angaben.
Daraushin widmete die „Bayer. Staatsttg.“
den „M. N. N.“ am Samslag ein neues Dementi,
in dem es heißt: „Demgegenüber sei wiederholt
auf das bestimmteste erllärt, daß alle
diese Behauptungen ausnahmslos frei erfunden
lino und den Tatsachen durchaus widersprechen.
Der Versuch der „Münch. Neuest. Nachr.“, trotz
der Nichtigstellung die Behauptung über ein
angebliches Eingreifen Sr. Majestät des Königs
aufrechtzuerhalten, muß auf das schärsste
Krückgewwiesen werden“ Auch jetzt erklären die
„M. N. N.“, daß ihr Gewährsmann an seinen
Prient ne sesihalte.
Steuererhöhung in Sicht?
n der Samstagsitzung der Kammer der
Abgeordneten gab Abg. Steininger der Hoffnung
Ausdruck, daß die Mehreinnahmen aus
den Forsten doch soweit iim Budget sich geltend
machen würden, daß die von der Staatregierung
eingebrachten neuen Steuervorlagen, wie
das Gebührengesetz und die Wertzuwachsszeuer,
sich erübrigen würden. Und soweit dann die
Einnahmen zur Abgleichung bes Budgets nicht
ausreichen scllien, wäre es besser, so meinte
Abg. Steininger, wenn diese vielbekämpften
Steuervorlagen zurückgestellt blieben und der
Mehrbedarsf dann durch -allgemeine Steuer—
zuschläx gedeckt würde. Die jetzigen Steuervorlagen
könnten immer noch für die nächsten
Sessionen reserviert werden. Lierzu bemerkt eine
liberale Korrespondenz: Diese Aeußerung eine
einflußreichen Mitgliedes der Mehrheitsparte.
ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Einmal
scheint sie darzutun, daß in der Zentrumspartei
teine rechte Neigung besteht, die Steuer
gesetze des Herrn v. Breunig ietzt anzunehmen.
Dann aber hat der Zentrumsredner als erster
das Gespenst einer allgemeinen Steuererhöhung
sozusagen mit Fleisch und Blut gefüllt, inden
Zentrumsredners wohl nicht unbeachtet las'sen
können.
Deutschland.
Aus dem Reichstag.
Der Neichetag hat am Samstag den Elat
in zweiter Lesung erledigt. Auch das Spionagegesetz
wurde in der Fassung, die es von der
Kommission erhalten hat, angenommen.
Die Besoldungsvorlage.
Die bisherigen Verb bandlungen über die Bel
Ersmvnoucllc haben zu einer Einigung zwi—
schen den Verbündeten Regierungen und berrn
Reichstag leider nicht geführt, da der Rei-btay
bei den Beschlüssen seiner Kommission siehien
geblieben ist, die die Regierungen von vorneherrin
nicht. annehmen zu können erklärt hamen.
Inzwischen ist im Reichstag ein Antrag eingebracht
worden, der die Wiederherstellung der
Regierungsvorlage bezweckt, aber nur ein: Erlanzung
des Entwurfs durch Aufnahme der
Vorichrift wünscht, daß im Herbst 1915 ein (Se.
schentwurf vorgelegt wird, der die Bezüge der
Veamten mehrerer Klassen für das Jahr 1018
ansbessert. Hiezu scheint die Negierung nachzu
geben. Die „Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt nämlith#
offizis: Wenn die Verbündeien Regierungen
sich bereit finden sollten. dem ð Antrag zuzustimmen,
so würde das im Interesse der in -*
Novelle bedachten Beamten geschehen, die beim
Nichtmustandekommen der Vorlage auf nicht absehbare
Zeit hinaus auf die ihnen zugedachte
Einsommenverbesserungen verzichten müßten. An.
dercrseils ergibt sich allerdings aus der Sachlage,
daß die in dem Antrag gewählte Fassung
des Enlwurfs das äußerste Maß dessen darstellen
würde, was die Genehmigung der Verbindelen
Regierungen finden könnte.
Hof- und Personalnachrichten.
München, 17. Mai. Der Kronprinz
vollendct am Montag sein 45. Lebensjahr.
Ganz Bayern nimmt an dieser Feier den innig—
sten Anteil.
Köln, 16. Mai. Heme vormittan trat Erz
bischofs LDartmann in Begleltung weier Ge—
— M. Hamburg, Hannober, —— — Köln ic.
Sozlale Rundschau.
UAugsburg, 17. Mai. Die Tarifveshandlungen
im Brauereigewerbe sind seitens
der Arbeitgeber abgebrochen worden.
Zugleich erllärten dieie dabei. daß sie den
angeblich angedrohten Vontott einzelner Vrauereien
durch die Arbeiterschaft sofort durch eine
Aus'perrung der sämtlichen organisierten Arbeiter
beantworten müßten.
Perschiedene Rachrichlen.
Verlin, 17. Mai. Die 77jährige Almosenempfängerin
Maler wurde in ihrer Wohnung
an einem Bettpfonen hängend erdrosselt auigesunden.
Ohne zweifel wurde die Greisin ermordet,
wahrscheinlich schon am Freitag. Auf
die Ergreifung des Täters in eine Selhnun
von 1000 Mk. ausgesetzt.
Berlin, 17. Mai. Ein Straßburger
Kaufman, der vor einigen Tagen eine Geschafts
reise nach Rußland zu machen hatte, wurde
beim Ueberschreilen der russischen Grenze verhaftet
und in ein rusiisches Negiment gesdeckt
Der Kaufmann. dessen Vater seit 1870 in
Straßburg ansässig in, ist nämlich, wie sich
heraur irellte, russischer Staatsangehöriger und
er muß nun wahrscheinlich seiner Dienstpflicht
in Rußland genügen, trondem er kein Wort
rusiisch versteht und vorher überhaupt noch nicht
in Rußland war
Leipzig, Mai. Die Leipziger Polizei
ist einer wWrrien von Mädchenhändlern aaf
bie Spur getommen. Die Besiyerin eines N
fentlichen Hauses ist auf dem Hauptbahnhef
in demselben Augenbli verhaftet worden, als
sie #t Oilfe eines stellenlosen Kellners ein jundces
Mädchen verschleppen wollte. Die weit:-ren
Nachforschungen führten noch zur Verhaflund
drei anderer Leute, die schon wegen Mädchenhandels
borbes 4r sind
Halberstadt, 17. Mai. Auf dem biesigen
Flugplatz sind ¾Mi nachmitlag 5 Uhr zw
auswartige Militärflicger, der Leutnant t•
gandt vom Infanterie-Regiment 122 und Oberl
utnant W ger vom Pionierbataillon Rauch,
Gök##n dämon.
31 Roman von Alchard Marsh.
Er führte uns dn Gang hinunter. Wir
folgten. v are nicht was die andern dachten.
Ich weiß nur, daß ich von einem Gefühl lebhaftesten
Woehegeng ersült war. Die Dame ließ
ihre Hand in meine schlipfen. Sie war eiskkalt.
Ihre Finger bebten. soch da hätte ich sie gerne
daran verhindert, das sichna be zu sehen. Ich
konnte es nicht. Es var, als würden wir in
einem Traume zusammm weiter geführt. Die
hanze- Zeit hindurch bate ich die Empfindung,
da##n Inppektor Symondsam Fruhigsten war, wohingegen
Hume einem Manne glich, der zur Hinrichtung
gcht.
3
Kapitel 24.
Im Zimmer.
Ein großes kahles, heunenähnliches Zimmer.
Die Wände waren, wie es beim Ga eslicht schien,
nur gestrichen mit einr unbestimmten grauen
Farbe. Der Fußboden war unbedeckt. An einem
Eie stand eine Artk von hölzernem Podium.
ies und ein großes Alelierfenster liesten vermurten,
daß es ursprünglich einem Künstler als
Alelier gedient hatle. Icht enthielt es weiter keine
lünstlerischen Gerätschasten. Die Möbel waren
nur spärlich. In einer Ecke stand ein unordentliches,
zerwühltes Feldtett, das augenscheinlich
seit ver Benutzung nicht wieder gemacht worden
war. Dann waren zwei kleine Tische da. einer
stand an der Wand, der andere in der Mitte des
Jimmers. Beide warenmit Gläsern und Flaschen
beech. Flaschen standen überhaupt überall upnher
zwar gefüllt miut allen nur erdenkhare
er oen verantwortlicher Stelle im Landtag zus nerawitare und des Geheimselretäre die Reite,s die eine Landung vornehmen wollten, infolge
den Cedanken allgemeiner Steuerzuschläge ver nach Rom an, um aus den Händen des Papsie Flügelbruch= * aus 500 Meter Löhe abgestürzt.
iündete. Die Regierung wird die Anregung des! den Kardinalshut zu empfangen. Beide waren sofort tot.
Sorten von Spirituosen — Weine, Schnäpsfe, in geSslschten. Papieren und Patron aller Feder „Heraus mit der Sbuache. Bernstein heraus
Biere. Champagner schien siemweise getrunten u chjer haben sicher von Bernstein gehert. damit! Laut, Mensch, lau
worden zu sein. Auf der Erde, in den Ecken,
beim Bett sah man mindestene noch rn Duend
uneröffnete Flaschen, von allen Größen, Sorten
und Formen. Drei oder vier Stühle, verschiedener
Art, vervollständigten die Einrichtung des Zimmers;
außerdem freilich gewahrte man auf dem
Podium noch einen großen, mit roter Seide
bespannten Wandschirm. Dieser Wandschirm war
das erste, was einem beim Eintrin in die Augen
el. Man dachte, es mußte das Modell eines
Bildhauers dahinter verborgen sein.
Lawrence legte den Finger auf den Mund,
während er die Tür für uns offen hielt. „Bst! Sie
ist da, hinter dem Schirm! Horch! Können Sie
ihr Lachen hören?“
Diesmal hörte ich jedensalls nichts. Kein
Ton war zu vernehmen. Und da alle Sinne
aufs äußerste angespannt waren, schien es laum
denkbar, daß uns ein Laut entgehen sollte. Kaum
waren wir alle eingetrelen, als eine Tür auf der
andern Seite des Zimmers behutsam geöffnet
wurde, zögernd, als Jei der Eintretende sich seines
Empfanges nicht ganz sicher. Herein trat der
nicht abzuschüttelnde err Bernstein und außerdem
der junge Tom Moore! Beim Aublick ihres
Bruders schmiegte Frzulein Moore sich noch enger
an mich an. er Juspeltor schien die neuen
Ankömmlinge nur mit Argwohn anzusehen, als
wäre er im weisel ob nicht noch andere Per-1vnt
heß Lo
er sind diese beiden? Und woher kommen
irern: erllirte es ihm.
„Inspekk Symonds, erlauben Sie mir,
Ihnen Herrn dia ernstein vorzustellen, Händler
ja, ich habe von Bernstein gehört. Also
Sie fino Herr Isaac Bernstein? Und wer ist der
andere eHerr
Dieser andere Herr ist nur“ — mit einem
Seitenblick auf die Dame — „uur ein Dieb.“
„Ich bin kein Dieb! Ich will Eie lehren,
mich Dieb zu schimpfen! Gerade Sie
Diese Antwort des jungen * klang halb
weinerlich. halb trotzig. Bernstein ergriff nun
.Herr Somonds, ich freue mich sehr, Sie zu
treffen. Unser — unser Frcund hier liebt ein
Späßchen. Sie müssen ihn nicht ernst nehmen.
Er hat eine Art und % DTin e zu sagen, die
er selbst nicht meint. W'SeeG nur herein,
um ihm eben ein 22 lan ie zu sagen —
nur ein Wort; ich hoffe, Sie verzeihen mir darum
mein Eindringen hier. Lawrence ich — ich lam
mit unserm jungen Frcund eben vonch den hinteren
G Modelle zu benutgzen Ppflegten —
weil — weil ich Ihnen was zu sagen habe.
Mächten, Sie eben für einen Monut mit mir beiseit
„Nein, Bernstein, lein Gedanke d’ran. Was
Sie mir zu sagen haben, können Sie ssfene
sagen — laut, aus voller Brust! Ich werde das,
was ich zu sagen habe, auch laut sagen, so daß
alle es hören können — Eie und sie.“
.Nun, Lawrence, ich bitte Eie, seien Sie vernünfüg.
Lassen Sie mich, doch nur ein paar
Worte . "#hen sprechen.“
Er t dicht an ihn heran und dämpfte
seine —- zu einem Flüstern. Lawrence packte
ihn * beiden Schultern und schüttelte ihn hin
„Lassen Sie, Lan Furnnt Sie tun mir weh.“
„Weh tun? Weh tun? Wenn ich Ihnen nur
könnte so weh lun wie Sie mir, mein Burschchen!
Warum haben Sie Ihre Haut nicht in Sicherheit
gebracht und Fesengeld gegeben? JFür mich
aibt es leine Neltung, ihretwegen, und wegen
des Gesichts und der Worte. gab
es noch eine Chance, aber jetzt auch nicht achr.
Jett nicht mehr!“
Er stieß den Juden von sich, sodaß dieser
taumelnd durchs Zimmer flog. Mit stammelnden
Lippen wandie Herr Bernstein sich an den Inspektor:
„Herr Symonds! Er — er ist nicht ganz
richtig im Kopfe; er ist aufgeregt; er hat getrunken
— sehen Sie nur diese Flaschen
i- streckte lachend den Arm aus.
Sehen Sie diese Züaschen an! Veweie cines
Niesiisre Aber ich will noch eine heben.
Er nahm aiee Champagnerflasche aus der
Sammlung in der Ecke heraus und schlug den
Hals mit einem e er so geschickt ab, daß
man auf ziemliche Uebung schließen mußte. Der
Champagner schäumte auf. Er füllie ein Wasserglas
damit und trank es auf einen Zug aus.
„Das ist samoses Zeug! So 5e ichs gern.“
Bernstein leulte die Aufmerksamkeit des Inspeltors
auf fein, Benehmen
„Schen Sie! So Wat er's — trinken —
trinken — trinlen. Nichts als trinken tut er. Sie
lönnen darum auch nichts auf sem Raisonnieren
aben wenn er cinen respektablen Mann beimvit.“
.
[Korktegung solgt.)
*⅜9½„
2
1
E
«
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——
*§5
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