312
Kameradschaftskochapparat, die Offizierskoffer und
Zeltgerät.
Die Gerätewagen, deren das Feldlazarett vier mit
sich führt, sind dieselben wie die Packwagen 95 und
95 n. K. Sie bergen unter anderm die Lazarettwäsche
und Lazarettbekleidung, die Bettrollen, Bettund
Kopfpolsterbezüge, wollenen Decken, Badewannen,
Eßnäpfe, Küchengeschirr und Konserven sowie
sonstige Lazaretteinrichtungsgegenstände (Tafel III,
Fig. 1, 2 und 3).
evor die Arzte allgemein beritten waren, hatte
man zu ihrer Besörderung wiederholt eine Art Omnibus
erprobt. Mit der Einführung der Beritten-III.
Technik und Kriegführung
machung der Arzte blieb nur übrig, für die Beamten
einen Transportwagen zu bauen. Das Modell des
Beamtenwagens veranschaulichen Tafel III, Fig. 4.
das einer Feldküche endlich Tafel III, Fig. 5 und 6.
Die gesamten Bestimmungen über Anlage, Ausrüstung,
Verwendung usw. der Feldlazarette sind in
der Kriegssanitäts-Ordnung vom 27. Januar 1807
niedergelegt.
In neuester Zeit kommen neben den von Pferden
gezogenen Krankentransportwagen die Kraftwagen
zu immer ausgedehnterer Verwendung; vgl. darüber
den Aufsatz -Kraftwagen und Kraftwagenzüge im
Krieges mit Tafeln, S. 279.
Die landwirkschaftlichen Maschinen
im Beltkriege
von Regierungsrat H. Bock in Berlin-Steglitz
Hierzu Tafeln 2 Landwirtschaftliche Maschinen IIVe
Schon in früheren Kriegen hat der Mensch, der Not
gehorchend, Pflug und Sense zur Waffe umgeschmiedet,
wie kann es uns daher verwundern, wenn auch
in dem furchtbaren Völkerringen unserer Tage die
Werkzeuge des friedlichen Landmanns als wirkungsvolle
Abwehrmittel verwendet worden sind. So hat
manche Egge im Verein mit anderen Geräten ein
gefährliches Verhau gegen feindliche Annäherungsversuche
bilden neiien, und Pflüge und Grubber
haben hinter unseren zurückgehenden Truppen die
Anmarschstraßen des Feindes gründlich zerstören
müssen. Natürlich bedeutet die Verwendung landwirtschaftlicher
Geräte auf dem Kriegsschauplatze selbst
nur eine Nebenrolle, die Hauptarbeit unserer hilfreichen
Sklaven der Technik legt auch jetzt noch auf
friedlichem Gebiete, doch sind die Rückwirkungen des
Krieges auf die Maschinen und ihre Herstellung mannigfaltig
und einschneidend. Wie auf anderen Gebieten
der Technik war auch hier manche Schwierigkeit,
hervorgerufen durch Mangel oder Beschlagnahme der
Nohstofe, zu überwinden. Z. B. mußten Ledertreibriemen
zum Teil durch Stahlbänder oder Kamelhaargurte
ersetzt werden. Die Bronzenot trieb zur ausgedehnteren
Anwendung voön Kugel= oder Rollenlagerung.
Das fehlende Gummi spielt bei landwirtschaftlichen
Maschinen keine besondere Rolle, dagegen
wirkte der Mangel an leicht verdampfenden Brennstoffen,
besonders an Benzin, erheblich auf die Benutzung
der kraftspendenden Maschinen im landwirtschafrichen
Betriebe insofern ein, als munmehr eine
Umschaltung der Kraftmaschinen auf die zur Verfügung
stehenden Brennstoffe erforderlich wurde. Eine
ganze Reihe von Geräten oder Maschinen tauchte
wieder auf, oder es traten neue hinzu, je nachdem
ein im Absterben begriffener Zweig landwirtschaftlicher
Erzeugung wieder belebt, durch den Krieg überhaupt
erst geschaffen oder nutzbringend gemacht wurde.
Erinnert sei nur an den wiederaufgenommenen Flachsund
Hanfbau, an den verstärkten Anbau von Futtermitteln,
Mais u. dgl., ferner an die erhöhte Wiesenpflege,
Moorkultur usw.
Enze weitere Kriegsfolge, ist die Vorsorge für die
Weiterbeschäftigung der Verstümmelten in der Landwirtschaft.
Wenn einerseits die größten Anstrengungen
gemacht werden, durch erprobte Ersatzglieder
eine möglichst weitgehende Leistungsfähigkeit bei diesen
Invaliden zu erreichen, so muß dirsem Streben
andrerseits durch entsprechende Rücksichtnahme beim
Bau der Geräte und Maschinen Rechnung getragen
werden. Bekanntlich geht das Streben neuerlich nicht
mehr nach einer Universalhand, sondern man sucht
dem Verstümmelten eine für seine besondere Berufsarbeit
geeignete Arbeitsvorrichtung als Ersatzglied
zu liefern. Für den landwirtschaftlichen Arbeiter ist
ein Handersatz bestimmt, der auf Grund von Versuchen
im Königlichen orthopädischen Reservelazarett
Nürnberg hergestellt wird. Der nach allen Richtungen
schwenkbar an der Schulter befestigte und vom
lemstumpf zu bewegende, hülsenartige Handersatz
dient zur Aufnahme verschiedener, durch Klemmschraube
zu befestigender Geräte: ein Haken zum
Tragen von Lasten, Körben, Gießkannen u. dgl.,
eine schwenkbare Klemmhülse zum Halten der Karrenoder
Pfluggriffe oder der Sense, ja, es läßt sich hier.
mit, wie Versuche ergaben, sogar das Dreschen mit
dem Flegel erreichen. Eine dreizackige Kralle soll
zum Scharren beim Unkrautjäten, zum Heranholen
und Stzonen der Zweige beim Pflücken des Obstes.
beim Beschneiden der Bäume und Sträucher und
zu ähnlichen Arbeiten im Garten und Weinberg dienen.
Trotz der vollkommensten Ersatzglieder wird
bei der Herstellung der Maschinen auf eine verminderte
Leistungsfähigkeit Rücksicht genommen werden
müssen. Man wird also für Beinverletzte und sonst
körperlich geschwächte Leute möglichst auf allen Ackereräten
eine Sitzgelegenheit schaffen müssen; außer
en Handhebeln wird man auch Fußhebel zur Bedienung
der Maschinen vorsehen, soweit es angängig
erscheint. Schon werden von verschiedenen Firmen
Sensen für Linkshändige und Rechen und Hacken für
Einarmige angeboten. Bipparts Zughacke mit verlängertem
Stiel zum Auflegen auf die Schulter soll
besonders dem Einarmigen das leichtere -Rückwärtshacken
ermöglichen.
Sehr sorgfältig wird man weiter erwägen müssen,
inwieweit eine Ausdehnung der Schutzvorrichtungen
an den einzelnen Maschinengattungen mit Rücksicht
auf die verminderte Beweglichkeit Kriegsbeschädigter
und die Verwendung ungeübter Hilfskräfte erforderlich
erscheint. Im nachstehenden soll bei Beschreibung
der einzelnen Maschinen immer auf die diesbezüglichen,
schon vorhandenen oder noch erwünschten Abänderungen
hingewiesen werden.