Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Kameradschaftskochapparat,  die  Offizierskoffer  und
Zeltgerät.

Die  Gerätewagen,  deren  das  Feldlazarett  vier  mit
sich  führt,  sind  dieselben  wie  die  Packwagen  95  und
95  n.  K.  Sie  bergen  unter  anderm  die  Lazarettwäsche
  und  Lazarettbekleidung,  die  Bettrollen,  Bettund
  Kopfpolsterbezüge,  wollenen  Decken,  Badewannen,
  Eßnäpfe,  Küchengeschirr  und  Konserven  sowie
sonstige  Lazaretteinrichtungsgegenstände  (Tafel  III,
Fig.  1,  2  und  3).

evor  die  Arzte  allgemein  beritten  waren,  hatte
man  zu  ihrer  Besörderung  wiederholt  eine  Art  Omnibus
  erprobt.  Mit  der  Einführung  der  Beritten-III.

  Technik  und  Kriegführung

machung  der  Arzte  blieb  nur  übrig,  für  die  Beamten
einen  Transportwagen  zu  bauen.  Das  Modell  des
Beamtenwagens  veranschaulichen  Tafel  III,  Fig.  4.
das  einer  Feldküche  endlich  Tafel  III,  Fig.  5  und  6.

Die  gesamten  Bestimmungen  über  Anlage,  Ausrüstung,
  Verwendung  usw.  der  Feldlazarette  sind  in
der  Kriegssanitäts-Ordnung  vom  27.  Januar  1807
niedergelegt.

In  neuester  Zeit  kommen  neben  den  von  Pferden
gezogenen  Krankentransportwagen  die  Kraftwagen
zu  immer  ausgedehnterer  Verwendung;  vgl.  darüber
den  Aufsatz  -Kraftwagen  und  Kraftwagenzüge  im
Krieges  mit  Tafeln,  S.  279.

Die  landwirkschaftlichen  Maschinen
im  Beltkriege
von  Regierungsrat  H.  Bock  in  Berlin-Steglitz

Hierzu  Tafeln  2  Landwirtschaftliche  Maschinen  IIVe

Schon  in  früheren  Kriegen  hat  der  Mensch,  der  Not
gehorchend,  Pflug  und  Sense  zur  Waffe  umgeschmiedet,
  wie  kann  es  uns  daher  verwundern,  wenn  auch
in  dem  furchtbaren  Völkerringen  unserer  Tage  die
Werkzeuge  des  friedlichen  Landmanns  als  wirkungsvolle
  Abwehrmittel  verwendet  worden  sind.  So  hat
manche  Egge  im  Verein  mit  anderen  Geräten  ein
gefährliches  Verhau  gegen  feindliche  Annäherungsversuche
  bilden  neiien,  und  Pflüge  und  Grubber
haben  hinter  unseren  zurückgehenden  Truppen  die
Anmarschstraßen  des  Feindes  gründlich  zerstören
müssen.  Natürlich  bedeutet  die  Verwendung  landwirtschaftlicher
  Geräte  auf  dem  Kriegsschauplatze  selbst
nur  eine  Nebenrolle,  die  Hauptarbeit  unserer  hilfreichen
  Sklaven  der  Technik  legt  auch  jetzt  noch  auf
friedlichem  Gebiete,  doch  sind  die  Rückwirkungen  des
Krieges  auf  die  Maschinen  und  ihre  Herstellung  mannigfaltig
  und  einschneidend.  Wie  auf  anderen  Gebieten
  der  Technik  war  auch  hier  manche  Schwierigkeit,
hervorgerufen  durch  Mangel  oder  Beschlagnahme  der
Nohstofe,  zu  überwinden.  Z.  B.  mußten  Ledertreibriemen
  zum  Teil  durch  Stahlbänder  oder  Kamelhaargurte
  ersetzt  werden.  Die  Bronzenot  trieb  zur  ausgedehnteren
  Anwendung  voön  Kugel=  oder  Rollenlagerung.
  Das  fehlende  Gummi  spielt  bei  landwirtschaftlichen
  Maschinen  keine  besondere  Rolle,  dagegen
wirkte  der  Mangel  an  leicht  verdampfenden  Brennstoffen,
  besonders  an  Benzin,  erheblich  auf  die  Benutzung
  der  kraftspendenden  Maschinen  im  landwirtschafrichen
  Betriebe  insofern  ein,  als  munmehr  eine
Umschaltung  der  Kraftmaschinen  auf  die  zur  Verfügung
  stehenden  Brennstoffe  erforderlich  wurde.  Eine
ganze  Reihe  von  Geräten  oder  Maschinen  tauchte
wieder  auf,  oder  es  traten  neue  hinzu,  je  nachdem
ein  im  Absterben  begriffener  Zweig  landwirtschaftlicher
  Erzeugung  wieder  belebt,  durch  den  Krieg  überhaupt
  erst  geschaffen  oder  nutzbringend  gemacht  wurde.
Erinnert  sei  nur  an  den  wiederaufgenommenen  Flachsund
  Hanfbau,  an  den  verstärkten  Anbau  von  Futtermitteln,
  Mais  u.  dgl.,  ferner  an  die  erhöhte  Wiesenpflege,
  Moorkultur  usw.

Enze  weitere  Kriegsfolge,  ist  die  Vorsorge  für  die
Weiterbeschäftigung  der  Verstümmelten  in  der  Landwirtschaft.
  Wenn  einerseits  die  größten  Anstrengungen

  gemacht  werden,  durch  erprobte  Ersatzglieder
eine  möglichst  weitgehende  Leistungsfähigkeit  bei  diesen
  Invaliden  zu  erreichen,  so  muß  dirsem  Streben
andrerseits  durch  entsprechende  Rücksichtnahme  beim
Bau  der  Geräte  und  Maschinen  Rechnung  getragen
werden.  Bekanntlich  geht  das  Streben  neuerlich  nicht
mehr  nach  einer  Universalhand,  sondern  man  sucht
dem  Verstümmelten  eine  für  seine  besondere  Berufsarbeit
  geeignete  Arbeitsvorrichtung  als  Ersatzglied
zu  liefern.  Für  den  landwirtschaftlichen  Arbeiter  ist
ein  Handersatz  bestimmt,  der  auf  Grund  von  Versuchen
  im  Königlichen  orthopädischen  Reservelazarett
Nürnberg  hergestellt  wird.  Der  nach  allen  Richtungen
  schwenkbar  an  der  Schulter  befestigte  und  vom
lemstumpf  zu  bewegende,  hülsenartige  Handersatz
dient  zur  Aufnahme  verschiedener,  durch  Klemmschraube
  zu  befestigender  Geräte:  ein  Haken  zum
Tragen  von  Lasten,  Körben,  Gießkannen  u.  dgl.,
eine  schwenkbare  Klemmhülse  zum  Halten  der  Karrenoder
  Pfluggriffe  oder  der  Sense,  ja,  es  läßt  sich  hier.
mit,  wie  Versuche  ergaben,  sogar  das  Dreschen  mit
dem  Flegel  erreichen.  Eine  dreizackige  Kralle  soll
zum  Scharren  beim  Unkrautjäten,  zum  Heranholen
und  Stzonen  der  Zweige  beim  Pflücken  des  Obstes.
beim  Beschneiden  der  Bäume  und  Sträucher  und
zu  ähnlichen  Arbeiten  im  Garten  und  Weinberg  dienen.
  Trotz  der  vollkommensten  Ersatzglieder  wird
bei  der  Herstellung  der  Maschinen  auf  eine  verminderte
  Leistungsfähigkeit  Rücksicht  genommen  werden
müssen.  Man  wird  also  für  Beinverletzte  und  sonst
körperlich  geschwächte  Leute  möglichst  auf  allen  Ackereräten

  eine  Sitzgelegenheit  schaffen  müssen;  außer

en  Handhebeln  wird  man  auch  Fußhebel  zur  Bedienung
  der  Maschinen  vorsehen,  soweit  es  angängig
erscheint.  Schon  werden  von  verschiedenen  Firmen
Sensen  für  Linkshändige  und  Rechen  und  Hacken  für
Einarmige  angeboten.  Bipparts  Zughacke  mit  verlängertem
  Stiel  zum  Auflegen  auf  die  Schulter  soll
besonders  dem  Einarmigen  das  leichtere  -Rückwärtshacken
  ermöglichen.

Sehr  sorgfältig  wird  man  weiter  erwägen  müssen,
inwieweit  eine  Ausdehnung  der  Schutzvorrichtungen
an  den  einzelnen  Maschinengattungen  mit  Rücksicht
auf  die  verminderte  Beweglichkeit  Kriegsbeschädigter
und  die  Verwendung  ungeübter  Hilfskräfte  erforderlich
  erscheint.  Im  nachstehenden  soll  bei  Beschreibung
der  einzelnen  Maschinen  immer  auf  die  diesbezüglichen,
  schon  vorhandenen  oder  noch  erwünschten  Abänderungen
  hingewiesen  werden.