Full text : Sächsische Staatszeitung. Jahrgang 1914. (207)

iberaus  sichwierigen  Eituationen  ...

gine  Erslaruns  Eir  G.  Orev-.

vorlegenden  Nummer  einer  Londoner  Zei#tung
civer  2u#  entuehmen  wir  den  Bericht  über  eine
28  des  Ünterhauses  vom  27.  August,  in  welcher
ung  sselretär  bes  Auswärtigen  auf  eine  Inter-Sigane
  soziolislschen  Abgeordneten  Keir  Hardie
miteme  Auslünfte  □##  .
6.  orausgehenden  diplomatiscken  Verhandlungen
zrung  die  dubei  erwähnten  Alteustücke  sind  einem  von
teisschen  Regierung  im  August  veröffeutlichten  Weißengli
  ommen,  dos  uns  noch  nicht  vorliegt.  Hr.  Keir
Fetnschte:  zu  wisseu,  ob  die  im  Weiszbuch  erwähnte
bie  u  n  einer  friedlichen  Erledigung,  die  der  deutsche
un  #r  gemacht  habe,  und  ferner  seine  Einladung
A1  -P  aastSselretär  des  Auswärtigen,  Vorschläge  zu
don  die  als  Balis  für  die  Neutralität  dienen  könnlen,
  pobinett  vorgelegt  worden  und  von  ihm  in  Erdem
  ezogen  seien;  und,  falls  dies  nicht  geschehen  sei,
—  die  so  weitreichende  Moͤglichleten  entin
  solcher  Weise  verworfen  worden  seien.

en,  auf  antwortete  Sir  Edward  Grey:  „Es  waren
berssaliche  Auregungen,  welche  der  beutsche  Aoib-
  am  1.  August  wachte,  ohne  autorisiert  zu  lein,
ue  vom  deutschen  Reichskanzler  vorgetraogenen
baibttbebi-  ungen  zu  ändern.  Das  Kabinett  jedoch
a

4  dlesen  mit  eigener  per#s###cher  Gefahr  für  ihn

ein  Morgen,  das  ist  Sonntag,  den  2.  August,

zu  hen,  une  deuen  wir  neutral  bleiben

sien  bönst  sorgfältig  in  Erwäaung  und  kaom  zu  dem

bdoh  der  Resvekt  für  die  Rentralitat  Belgiens

ieser  Bedingungen  sein  müsse.  Schon  am

uli  war  dem  deutschen  Reichskanzler  mitgeteilt
ben,  daß  wir  dies  nicht  verschachern  könnten.“

m  Montag,  den  3.  August,  gab  ich  eine  demrecheme
  Erklärung  im  Hause  ab.  Ich  habe  den
schen  Votschafter  auf  dessen  eigenes  Ersuchen  an
eiag  wieder  gesehen  und  er  drängte  mich  sehr  stark,
eich  er  erklärte,  daß  er  die  Pläne  der  deuts#en
Krrischen  Leitung  nicht  kenne,  die  Neutral  ität  Be  giens
t  zu  einer  unserer  Bedingungen  zu  machen,  wenn
in  Hauje  sorechen  würde.  Es  war  ein  Tai  großen
krruges,  denn  wir  hatien  eine  Kabineit  sihung  am
egen  und  ich  hatte  keine  Zeit,  die  Unterhaltung  aufzronen.
  Teshaib  erscheint  sie  nicht  in  dem
ßbus,  aber  es  war  unmöglich,  diese  Bedingung
ickéinziehen,  ohne  unsere  Zusttmmung  zur  Ver  etung
Vertrags  und  folglich  zu  einem  Ungriff  auf  Belgien

teilen.
iurdhem  ich  im  Hause  gesprochen  hatte,  gaben  wir
speutschen  Regierung  die  Mitteilung,  die  im  Weißmitgeteilt

  K  und  welche  die  Neutraltät  von  Belgien
emt  eir  dward  Goschens  Bericht  über  die  Anr-K
  auf  die  Mitteilung  war  nicht  eingegangen,  als  d.8
buqh  gedruckt  und  vorgelegt  wurde.  Sie  wird  dem
2  zur  Vervollständigung  des  Weißbuchs  vorpt
  werden.
Ich  bin  gefragt  worden,  warum  ich  mich  nicht  auf
123  des  Weißbuches  bezog  (das  ist  das  Ersuchen  der
#schen  Toischaf  ers,  Vorschlöge  für  eine  Basis  der
ichen  Neutralitat  zu  machen.  D.  Schriftl.),  als  ich  im
die  am  3.  August  sprach.  Wens  ich  mich  auf  Anungen
  über  unsere  Neut  ralitätsbedingungen  bezogen
.,  so  hätte  ich  mich  auf  Nr.  85  beziehen  müssen,
dlüch  auf  die  Vorschläge,  welche  nicht  der  deutsche
Kchafter  rersönlich,  jondern  der  deut  sa#e  Reichskanzler
Uio  machte  und  welche  der  Premierminister  in  der
1o  verurteilte.  Es  würde  dies  unsere  Ankiage  gegen
deuts#e  Regierung  viel  stärker  gemacht  haben,  als  ich
in  meiner  Rede  erscheinen  ließ.  Ich  enthielt  mich
kols  abschtiich,  dies  zu  tun.  Lassen  Sie  mich  noch  dies
die  von  dem  deutschen  Botschafter  gemachten  persön- 



 

Vorschläge  im  Unterichiede  von  denjeuigen,  die  er
ens  seiner  Regierung  vorbra  hte,  hin  zufügen.  Er  ar-Exte
  für  den  Frieden,  aber  wirkliche  Autorität
Lerlin  besaß  er  nicht  und  andere  g.eich  ihm  auch
An  Und  dies  ist  ein  Grund,  warum  unsere  Friedensengungen
  mißlangen.“
Keir  Hardie:  Wurde  irgendwelcher  Versuch  untermin,
  mit  Teutschland  auf  der  Grundlage  der
Sihrics  des  Boischafters  in  Verhandlungen
celen

Eir  Cdward  Grey:  „Der  deutsche  Botschafter  gab
burei  #rundlagen  für  Vorschläge.  Es  war  der  deutsche
[skanz.er,  der  die  Grundlae  für  Vorschläge  m  chie.
vot  saiter  fragte,  intem  er  ohne  Autorinerung  aus
et  perfön,  icher  Initiarive  sprach,  ob  wir  Bedin-#
  lormulieren  würden,  bei  denen  wir  neuntral
u.  Wir  iroten  in  die  Frage  ein  und  die  Bedinn
  wurden  im  Hanse  kiargestellt  und  dem  deutschen
bhafter  mitgerei.t.“  (eifall.)

lederum  erhob  sich  Hr.  Keir  Hardie.  Das  Haus
ungeduldig.  Man  schrie:  „Niedersetzen!“  Aber  er
cte:  „Desavouierte  die  deutsche  Behörde  in  Bectin
Auregungen  ihres  Botschafters“,  fragte  er,  „und
irgenowelcher  Bersuch  unternonmen,  festzuneellen,
weit  die  deutsche  Regierung  den  von  ihrem  Boter
  gemachten  Anregungen  zusimmen  wärde?“

ierauf  sogte  Sir  Eoward  Grey=  „Ich  möchte  keine
erständnisse  in  diesem  Punkte  bestehen  lassen.  Der
che  Botschafter  machte  und  keine  Vorschläge,  die
denen  verschieden  waren,  welche  seine  Regierung
c  hatte.  Der  deutsche  Botschafter  gab  uns  niemals
Andeuzung,  daß  Deutschland  imstande  sein  würde,
Bedingungen  der  belgischen  Neutrelität  anzunen.
  Im  Gegenteil.  Er  deutete  mir  an,  daß  wir
hüingungen  nicht  stellen  sollten,  weil  er  fürchte.
unr  Cegierung  würde  nicht  imst.  nde  sein,  sie  anzuls

  Keir  Hardie  noch  etwas  antworten  wollte,
er  von  dem  entrüsteten  Hause  niedergeschien.
#atriot  rief  ihm  zornig  das  Wort  Feigling  zu.
Erdeit  bat  der  Zührer  der  Arbelter####g
Sefen,.  indem  er  ollein  gegen  die  Regierung  und
behenre  Mehrhelt  aufzukreten  wagte.  Ein  sehr
5  „der  Bahrheit  auf  den  Grund  zu
aerren  düese  Haltung  des  Hauses  gerade  nicht.
bere  des  dentichen  Votschafters,  von  der  Hr.
8  orechen  r——0  die
Mauien  Mecbenalb  im  #abou  Leabet“  ver-   


  
   
  
   
 
   
 
 
  
   
 

 

die  der  euglischen  Kriegs-  nich

 

öslen#e#ichten  Artilel  erwähnt  ist.  Diese  Anregung  gin
nach  Namsoy  Machonald  dahin,  Euglaun  möge  selb
leine  Borschläge  für  eine  Besis  jormulieren,  auf  der  es
Nneutral  bleiben  könne,  und  der  Botschafter  schlug  selbst
als  Grundlage  der  Nentralität  die  Unverlettlichleit
Scankreichs  und  seiner  Kolonlen  vor.  Gir  Edward  Grey  hat
lich  nach  Mocdonalds  Darlegung  gewei#ert,  eine  Neutralitär
auf  dieser  Grundlage  Überhe#upt  in  Erwsgung  zu  ziehen
und  hat  das  Gespräch  dem  Parlame#nt  nicht,  wenigstens
t,  so  lange  es  noch  Einfluß  auf  die  Entwickluug
der  Dinge  haben  konnte,  mitgeieilt,  wie  er  auch  ein
on#  eres  Gespräch  mit  dem  Botschafter,  in  dem  dieser
ringend  bat,  die  Neutralität  Belgiens  nicht  als  Bedin-Zung
  der  englisuen  Autorität  im  Parloment  zu  proklamieren,
  gar  nicht  in  seinem  Weibbuch  witgeteilt  hat,  wie
er  sagt,  weil  er  keine  Zeit  gehabt  habe,  das  Gespräch
aufzuzeichnen.

Es  ist  nicht  leicht,  aus  dem  Labyrinth  diplomatischer
Anregungen  und  „Wißverständuisse“  einen  Wen  zu  finden.
So  biel  darf  man  aber  als  festnehend  annehmen,  daß  für
Englands  Bruch  mit  Deutschtand  die  Verletzunz  der  belgischen
  Neutralität  nur  den  Vorwand  gelielert  hat,  um
vor  dem  Parlament  und  dem  Lande  die  Attitude  eines
Paladius  des  Rechis  annehmen  zu  können.

Der  woahre  Gru#nd  des  Bruches.

Der  wirkliche  Geuud,  warum  Englano  in  den  Krieg
eingegriffen  hat,  ist  von  Sir  Grey  in  seiner  großen  Unterhausrede
  für  den  Krieg  am  3.  Augun  teutlich  gesagt
  worden.  Mit  größerer  Deutlichleit  und  vor  allem
Ehrlichkeit  hat  ihn  der  britische  Botschofter  in  Wien,
Sir  Maurice  Bunsen  in  einem  Gespräch  am  Tage  seiner
Abreise  von  Wien  klargelegt.  Der  Lotschafter  sagte  nach
dem  Bericht  eines  Wiener  Blattes:

Der  Krieg  ist  gewiß  ein  Unglück,  ein  um  so  größeres,  als,
wie  ich  glaube,  beide  Teile  im  Recht  sind.  Wr  hatten  zu  überlegen,
  welches  das  schlimmere  Übel  wäre:  Am  Krieg  lteilonnehmen
oder  nicht  teilzunehmen.  Vielfach  ist  gesagt  worden  —  und  auch
diese  Meinung  ist  nicht  ganz  unbegründet  —  es  wäre  für  England
  vorteilhafter  gewesen,  Neutralttät  zu  bewahren  und  nach
Erschöpfung  aller  leile  mit  frischen  Kraften  ein  ugreifen,  um  den
Frieden  nach  einem  für  uns  passenden  Zuschnitt  erzwingen  zu
können.  Allein  einer  näheren  Erwägung  konnte  diese  Ansicht
nicht  standhalten.  Wir  müssen  mit  der  Möhlichkeit  rechnen,  daß
unsere  beiden  Freunde  von  einer  raschen  Latastrophe  ereilt
werden,  und  müssen  alles  aufbieten,  diese  Katastrophe  zu  verhindern.
  Doher  unser  Eingreifen.

Es  gibt  aber  auch  einen  zweiten,  noch  wichtigeren  Grund
bierfür.  Tie  ganze  englische  Politik  basiert  auf  dem  Prinzip  des
europäischen  Gleichgewichts.  Wir  hoffen  und  wünschen,  der  Areg  möge
so  ausgehen,  daß  keine  der  beiden  Machtegruppen  ganz  entscheidend
siegt,  denn  für  England  wäre  ein  entscheidendes  Uberwiegen  des
russischen  Einflusses  in  Europa  mindestens  ebeuso  unangenehm
und  gefährlich,  wie  deutsche  Superoritat.  Ein  übermächtiges
  Rußland  wäre  für  uns  sehr  unbequem  und  von  bedenklichen
  Konsequenzen.  Deshalb  hegen  wir  auch  den  Wuusck,
der  Krieg  möge  einen  Ausgang  nehmen,  durch  den  das  europäische
  Gleichgewicht  nicht  wesentlich  gestört  werde.
Angesichts  der  mililär'schen  Übertegenheit  Deutschlands  und
Onerreich-Ungarns  den  Franzosen  und  NRussen  gegenüber  mußten
wir  sonach  trotz  allen  Bedenleus  und  zu  einem  sofortigen  Eingreisen
  in  den  Krieg  entschlietzen.  Der  Er-tschluß  ist  uns  nicht
leicht  gefallen,  alleln  wie  die  Tinge  politisch  und  militarisch  liegen,
Ist  die  uriegstettnahme  Englands  unerlaßlch.

Es  in  jo,  wie  es  Hr.  Mochdonald  überzengend  dartlnt:
  Die  Haltung  Englands  laog  schon  jest,  ls  man  von
deutsluer  Seite  noch  immer  glaubte,  durch  Zageständni  ise
seine  Neutralitär  erreichen  zu  können,  und  es  waren
lediglich  kalte  Erwägungen  der  Macht=  und  Profitpolitik,
die  Rücksicht  auf  das  „Gleichgemicht“,  wie  es  En  jland
versteh:,  von  der  oie  iktatoren  des  englischen  Kabiuetts
Vereitet  wurden,  als  sie  Teursohland  den  Krieg  erklarten.

 

Der  Krieg  nach  drei  Fronten.

Zur  Lage.

Unterstützungen  für  die  Familien  von  Kriegern.

Die  auf  Grund  der  Neichs  #ejetze  vom  28.  Februar
1888  und  4.  August  1914  zuntänditen  Uncerstützungen
für  Familien  der  in  den  Kriegsdienst  einget  etenen
Mannsch  ften  tragen  nicht,  wie  vielfach  ongenommen
wird,  den  Charalter  von  Urmenunterstütunges,  sondern
e:  sind  Zuwendungen,  die  unbemitielten  Angehsrigen
dieser  Mannschoften  zu  gewähren  sind.  Es  werden  i#½
Falle  der  Bedürftigkeit  gewährt  für  die  EChefran  in  den
Sommermonaten  bis  eisschließlich  Oktober  min  estens
9  M.  in  den  Wintermosaten  bis  April  12  M.,  für  die
übrigen  in  Bet  racht  kommenden  Personen  (Kinder  2c.)
mindestens  6  M.  monatlich.  Die  Unterstützungen  werden
halbmenatlich  im  vorans  bezablt.  Die  Unterstüun  isanträge
  sind  von  den  Empiangsberechtigten  bei  den
Gemeindebehörden,  in  den  Städten  beim  Mogistrat  des
Uufenthaltsortes  zu  stellen,  wo  auch  jede  weitere  Auskunit
  erteilt  wird.  Den  Anträgen  sind  die  Answeise  in
Fomilienuntersiüthungsangelegenbeiten,  die  sich  dei  den
Kriegsbeorderungen  befinden  nud  bei  Abstempelung  durch
die  Truppenteile  2c.  den  Emof#ngsberechtigten  durch  die
Einberusenen  augehen,  beizufügen.  Die  Angehoörigen
sönnen  sich  auch  an  die  zustäudigen  Bezirlatommandos
wegen  Ausstellung  von  Bescheinigungen  über  den  ersolgten
  Diensteintritt  melden.  n  auch  diese  Bescheinigung
  nicht  alsbald  zu  beschaffen,  so  empfiehlt  es
ch,  den  ##a#  und  die  Bermittlung  der  Gemeinbebehörden
in  Anspruch  zu  nehmen.

Verpflegung  von  Kricoßgelangenen.

Die  Veroflegung  der  Kriegsgefangenen  hat
wegen  ihrter  angebli  u  zu  weitgebenden  Güte  eine  ab-##
  e  Bentteilung  ersahren.  Diese  Berpflegung  überschreitet
  aber  nicht  das  normale  Maß  der  Beksstigung,
und  es  liegt  nicht  im  Bellebe#n  der  Militärverwaltung,
sie  zu  erhöhen  oder  zu  verringern,  sie  wird  vielmeor
genau  nach  den  Bestimm##en  der  Kriegsverpflegungsvorschrift
  gewährt.  Die  in  dieser  Vorschrift  ausgesetzten
Preise  entsorechen  den  Preisen  der  Lebensmittel.  Besondere
  Zugaben  zu  der  von  den  Lagerkommandanturen
gerrüften  Kost  bezahlen,  wenn  es  können,  die  gesangenen
  Offiziere  und  Manus  bassen  aus  ihrer  Tasche.
In  #brigen  trägt  auch  nicht  die  eigene  Heeresverwaltung
die  Kosten  der  Gesangenennterhaltang;  diese  wecken
vielmehr  bei  Briebensschiuß  vom  Gegner  zurückgesordert.

Bewerkt  wird  noch,  daß  bei  der  den  Unternehmern  der
eksstigung  unserer  Gesangenen  zuzubilligenden  Bereütung
  auf  den  Kopf  des  BPesangenen  alle  die  Unkosten
such  mit  einbegrissen  sind,  die  dem  Unternehmer  z.  B.
durch  Berleibang  von  Glas,  Geschier,  Kochgeräten  und
enberres  er  wachsen.  Für  die  Beköstigung  unserer  eigenen
Leute  wiro  nicht  unerheblich  mehr  anögegeben,  als  für
die  der  Gesengenen.  Die  Brot'ortion  der  letzteren  ist
neuerdings  von  750  auf  500  g  berebgeseyt  worden.
Einer  auf  voher  Kultursiufe  stehenden  Nation,  wie  der
deut  schen,  ist  es  nicht  würdig,  den  Haß  gegen  den  Feind
auf  die  wehrlosen  Gefangenen  auszudehnen.  Wir  hoffen
und  wünschen,  doß  die  gefangenen  deutschen  Soldaten
bei  unseren  Gegnern  ebenfalls  eine  menschenwürdige  Behandlung

  genießen.
——

Die  „Tordd.  Aug.  Z1g.“  schreibt:  Während  sich  die  in
den  ersten  Mobilmachungstazen  hier  und  da  ausgetretene
Schen  vor  den  Papiergelde  sehr  bald  und  allgemein  gegeben
  hat,  werden  immer  noch  große  Bestände  an  Gold
in  privaten  Händen  zurückgehalten.  Von  einer  fachmännischen
  Seite  wuree  der  auf  solche  Weise  der  Reihzbank
  vorenthaltene  Goldschatz  vor  einiger  Zeit  auf
1500  Mill.  berechuet.  Nimmt  man  auch  an,  daß  seit
jeuer  Berechnung  schon  einiges  Gold  in  den  Verkehr
zurückgebracht  worden  ist  und  daß  der  eine  oder  der
andere  Private  oder  Geichäftsmann  inzwischen  zur
besseren  patriotischen  Einsicht  gekommen  ist,  so  steht  doch
jest,  daß  noch  große  Mengen  Gold  verborgen  gehalten
werden.  Hier  und  da  habes  sich  private  Kreise  bemüht,
zuruckgehaltenes  Gold  einzusammeln  und  der  Rei  sbank
zu  lbergeben.  Die  Tarsache,  daß  in  kleinen  Ortschaften
3-  bis  4000  M.  zusammengebracht  werden  konnten,  läßt
darauf  schließen,  welchen  Umiang  die  Unsitte,  sich  einen

Goldschatz  für  die  Kriegszeit  anzulegen,  anugenommen
  hat.  Der  in  einzelnen  Fällen  gelungene
  Versuch,  das  vorhandene  Gold  durch  Ver-.

  rauenspersonen  einzusammeln  und  behufs  Umwechslung
  in  Vanknoten  an  die  Reichsbank  abzuführen.
sollte  allgemeinste  Nachahmung  finden.  Geht  mit  solchen
bemühungen  eine  zweckmäbige  ernente  Aufklärung  Hano
in  Hand  über  den  Ge.dwert  unserer  Banknoten  und  über
den  Man  zel  an  patrionscher  Gennnung,  der  im  Einbehalten
  des  dem  Reiche  notwendigen  Goldes  liegt,  so
kann  es  an  Erfolg  nicht  fehlen.  Die  Verstärkung  des
Goldbestands  der  Reichsbank  ist  für  die  Zeit  des  K#rieges
nicht  nur  von  auße:2ordentlicher  wirtschoftlicher,  sondern
auch  von  hervorragen  der  volttischer  Bedentung.

Feldpostsendungen.

Am  1.  September  ist  in  Frankreich  ein  Lastauto  mit
zablreichen  Ponsäcke  für  das  Fedvostamt  des  Gardekorvs
  und  für  die  Zeldpostexped  tionen  der  1.  und
2.  Garde  Infanteriedivision  sowie  der  19.  und  20.  Jusanterediv#ision
  aus  bisher  nicht  aufgeklärier  Ursache  in
Brand  geraten  und  die  Post  durch  Zeuer  vollstön  ig  vernichtet
  norden.  Es  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  der
Brand  durch  Selbstentzündung  von  Zündhölz  ben  oder
ionstigen  feuergelährlichen  Gegenständen,  in  die  Feldpostlendungen
  verpackt  waren,  ent  sanden  ist.  Aus  Anlaß
dieses  Vorkommnisses  wird  darauf  aufmerksom  gemacht,
daß  Zündhölzchen,  wie  überhaupt  alle  durch  Reibung,
Lafzudraug,  Druck  oder  sonft  leicht  entzün  dlichen  Sachen
mit  der  Post  nicht  versandt  werden  durfen.  Durch  Zuwiderhandlung
  gegen  dieses  Verbot  werden  in  erster
Linie  unsere  im  Zelde  slehenden  Truppen  geschävigt,  weil
Sendungen  mit  leicht  entzündlichen  Gegenständen  eine
ständige  Gefahr  für  die  übrigen  sehnsüchtig  erwarteien
Feldpostiendungen  bilden.

Kleine  Nachrichten.

Brinz  Sigismund,  der  zweite  Sohs  des  Hrinzen
Oe#lsrich  von  Preußen,  itt  als  Seekadett  in  die  Narine
eingetreten,  und  zwar  in  die  Matrtosenartillerieabteilung.


ur  Bedienung  kriegsgefangener  Offizlere  werden
leine  Mannuschaften  des  deutschen  Heeres  lommandiert.
Sosern  diese  Ofsziere  keine  Boten  oder  Diener  mitgebracht
haben,  werden  junge  Leute  ihrer  Nationalität  in  der  unbedingt
notwendigen  Zahl  aus  den  Mannschaftsgesongenenlagern  herangezogen.


Der  Krieg  mit  Belgien  und  Frankreich.

Generalquartiermeiter  #.  Stein  dat  gestern  nachmittag
  —  wir  veröffentlichten  die  Meldung  um  ½é  Uhr
darch  Sonderdlatt  —  mitgeteilt,  daß  oie  Augriffslämpfe
un  bie  vefestigungen  von  Nancy  am  Sonnabend  begonnen
  haben,  und  daß  von  Maubenge  zwei  Forts  und
deren  Zwischenstellungen  gesallen  u#nd,  todaß  das
Attilleriesener  nun  auch  gegen  die  Stedt  gerichter
werden  kounte,  die  bereits  an  verschie  denen  Stellen
breunt.  Den  U#griffskämpfen  auf  Nancy  wohnte  Se.
Meijestät  der  Kaiser  bei.

Tie  beiden  Stellen  der  Mitteilung  des  Veneral--duartietmeil#ers
  h#oben  folgenben  Wortlant:

Großesb###tquartier,  6.  September.  Se.  Majestät
der  Kaiser  wohnte  gestern  den  Angriffskämpfen  um  die
Befestigungen  von  Nauch  bei.

Von  Masbeuge  sind  zwei  Fort##  und  deren  Zwischenstelungen
  gefallen.  Das  AUctilleriefener  konnte  gegen  die
Stet  gerichtet  werden.  Sie  brennt  an  verschiedenen
Stellen.

&  di  abt  des  öischen  Departements

e.  —.  am  der  Menrtthe  unb
am  A###in-Marn-Kenal.  —  10000  Etrwohmner.
  Geschichtlich  is  Nancy  bekannt  durch  die  Kämpfe,  die
Karl  der  Kühne  im  Jahre  1475  um  die  Stads  führte  und  beonders
  durch  die  Schlacht  am  5.  Jonnar  1477,  in  der  narl  der
Kh##e  von  dem  Herzog  Nen  von  Lothringen  mit  Hilse  der
Schwel  wurde.  nand  in
ener  Guckt  den  Tod.  Von  1755  bis  1766  war  Nancy  die
Nesidens  des  vertriebenen  Königs  von  Polen,  Stanislaus  Mescmel,
v#n#ch  siel  es  wieber  an  Frankreich  ##rück.  Nauch  legt  an  der
Bat#linie  Meyz—Pont  à  Monusson—Epinal  und  ist  Gudpunkt  der
Li###  VBerdun—Toul.  Die  Stadt  wurde  im  Jahre  1870  durch
einen  Handstreich  weniger  Ulanen  mmes.  Seither  sind  auf
den  die  Stadt  Suuut  Lre  4½%  —  a  enbte

  den  Charakter  einer  ung
n  frron  ungefahr  15000  Uinan


t  Nord
wolhnern,  1½  im  —  ——  #“,  —.

 

——
(Vortseung  in  der  1.  Beilage,)