Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

Die Angriffspläne der Entente 
## die Schlachtenfolge an der Somme sich zum Ende neigte, ohne ent- 
scheidende Ergebnisse zu reifen, die Russen vor der Karpathenfront 
niedersanken und die Trümmer der rumänischen Armeen hinter den Sereth 
wichen, wurden in England und Frankreich große Besorgnisse laut. Man 
sah den feindlichen Speerwall im Westen stets von neuem erstehen, hörte 
im Geiste den Marschteritt deutscher Divisionen schallen, die aus Numänien 
zurückkehrten, erfuhr, daß im Innern Deutschlands neue Regimenter, In- 
famerie- und Jägerdivisionen gebildet wurden, und wußte, daß Rußlands 
ngriffskraft erschöpft war. Die Furcht vor einer großen deutschen Offen- 
sive ging. um. Man beschloß ihr zuvorzukommen und sich in den ersten 
crockenen Frühlingstagen mit #bermacht auf den Feind zu stürzen, der 
sich an der Somme und in der Walachei so furchebar erwiesen hatte, daß 
man ihn troßh seiner Blutverluste und troh der Schlappen, die er vor Berdun 
erlitten, für fähig hielt, wieder zum Angriff zu schreiten und die Entschei- 
dung auf den Schlachtfeldern des Westens schon im Jahre 1917 herbei- 
zuführen. 
Aus dieser Furcht spricht die Scheu vor der deutschen Leistung, die 
Bewunderung der deueschen Macht. Während die Deutschen auf allen 
Fronten in Anspruch genommen, mit perlender Stirn ums Leben gefochten 
und durch das friderizianische „Uncerwegs" bedrückt, vom Siegen müde, 
vom Kampfe mit wachsender Abermacht tief erschöpft, vom Hunger heim- 
gesucht und an Rohstoffen darbend nur noch daran denlen konnten, den 
Schild vorzuhalten und sich für das Jahr 1917 zur Abwehr bereitzustellen, 
spähten die Mächte der Entente nach den Anzeichen deutscher Offensive 
und rüsteten aus Furcht vor diesem Gegenschlag auf allen Kriegsschau- 
plätzen, um dem Gegner zuvorzukommen und den Generalangriff im Vor- 
frühling des neuen Kriegsjahres zu erneuern. 
Die Häupter des weltpolicischen Herzensbundes einigten sich schon im 
November auf die Grundzüge dieser allgemeinen Frühlingsoffensive. Es 
gelang dem französischen Generalstab zum erstenmal, seinen Einfluß ent- 
scheidend geltend zu machen und die Verbündeten für einen zeitlich und 
räumlich genau festgelegten strategischen Dlan zu gewinnen. Der Dlan 
gehorchte den Verhältnissen. Die MRussen sollten im Oslen, die Orient- 
armee in Mazedonien, die Ikaliener am Isonzo, Engländer und Fran- 
zosen im Westen zu bestimmten Fristen mit versammelten Kräften zum 
Angriff auf die ihnen gegenüberslehenden Armeen der Verbündeten über-