Das politische Stärkeverhältnis 52
Feldgeschütz mußte micten im Kriege mit einem weitschießenden Nohr aus-
gerüstet werden — hatten die Schaffung mächtiger Tankgeschwader verhindert.
Die Deutschen rückten daher mit wenigen Sturnmwagen in die Schlacht.
Die Kavallerie focht im Westen zu Fuß;z was noch im Sattel saß, rict gen
Narwa und Poltawa. Um so zahlreicher waren die bespannten Geschütze,
Munitionsstaffeln und Kolonnen, aber die Pferde litten Hafermangel und
hatten infolge der dürftigen Ernährung mit Rauhfutter einen großen Teilihrer
Leistungsfähigkeit eingebüßt. Auch die Leistungsfähigkeit der Lokomotiven
und der Kraftwagen war gesunken, seit kostbare Metalle und Metallmischungen
seltener geworden waren und Kessel, Motore und Triebräder aus Ersatzstoffen
hergestellt werden mußten. Am schlimmsten machte sich der Mangel an Leder
geltend. Aber der kriegerische Geist, die Schulung und das Selbstvertrauen
des deutschen Heeres, das auf allen Schlachtfeldern Europas siegreich ge-
fochten und im Kampfe mit der Dbermacht die schönsten Kränze an seine
Fahnen geheftet halte, ließen alle Mängel der Ausrüstung, alle Entbehrungen
der Truppe vergessen. War auch manches nicht mehr wie es sein sollte, hatte
der Krieg als Dauereinrichtung auch Schäden gezcitigk, die das Berhälenis
des Offiziers zum Soldaten beeinträchtigte, so lebte dech im Heere noch
das alte Oflichtbewußtsein, war sein unendlich verzweigter Organismus
doch nech von so viel todesverachtender Hingebung ans große Ganze durch-
drungen, daß die Treue zum Vaterland, die damals schon von 1½⅛ Millionen
mit dem Tode besiegelt worden war, noch größere Opfer fordern konnte,
als der Deutsche bis auf diesen Tag gebracht hatte.
Das politische Stärkeverhälenis
Als Hindenburg seine Streiker zum lezten großen Angriff rief, schwanden
alle Schatten. Die entmannende Propaganda, die keils von Moskau ihren
Ursprung genommen, keils durch Sendlinge der Entente im Innern Deuesch-
lands genährt worden war, verlor ihre werbende Kraft.
Das Gertrauen des Heeres in Hindenburg und Ludendorff hatte nicht
gelitten. Die Person des Kaisers war dem Auge und dem Gefühl der Armee
mehr und mehr entrückt worden, sein von innerer Unruhe verzehrtes, mühsam
zusammengehaltenes Wesen ließ keine schrankenlose Hingabe an seine Person
mehr aufkommen, aber das Symbol der Kaiserkrone, unter der die deutschen
Lande im Jahre 1871 sich endlich wieder zu einem Ganzen zusammengefunden
hatten, ohne fortgeschrittene politische Ideen zur nationalen Wiedergeburt zu
Gast zu laden, glänzte noch Über Wilhelms Haupte und spiegelte noch die
Herrlichkeit des zu unerhörtem materiellen Wohlergehen gelangten Reiches.
Am 13. Februar 1918 trafen Hindenburg, Ludendorff und Graf Hert-
ling im kaiserlichen Hoflager zu Homburg ein, um die militärische und poli-