Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

Bie  A#errrichisch-ungarische  Monarchie.  (August  30.)  169

reich:  Rudolf  Merta,  Biktor  Stein,  Eduard  Burian.  Für  die  rumänische
Le.  Partei  in  Oesterreich:  Georg  Grigorivici.  Für  die  ital.  soz.  Partei  in

esterreich:  Balentino  Pittoni.  Für  die  südslaw.  soz.  Arbeiterpartei  in  Oesterreich:
Dr.  Heinrich  Tuma,  Anton  Kristan.  Für  die  ukrain.  soz.  Partei  Oesterreichs:
Wladimir  Temnpzkyi.  Für  die  Vereinigte  soz.  Partei  Bulgariens:  A.  Zankow,
Dr.  P.  Diidroff.

30.  Aug.  Bildung  des  endgültigen  Kabinetts  Seidler.

Die  bisherigen  Leiter  der  Ministerien  (s.  S.  124  f.)  werden  zu  Ministern
ernannt;  nur  der  Leiter  des  Handelministeriums  Dr.  v.  Mataja  und  der
Leiter  des  Ackerbauministeriums  Dr.  v.  Ertl  werden  unter  Anerkennung
ihrer  geleisteten  Dienste  von  der  Leitung  ihrer  Ministerien  enthoben.  An
ihre  Stelle  wird  Universitätsprof.  Dr.  Frhr.  v.  Wieser  zum  Handelsminister
  und  Graf  Silva-Tarouca  zum  Ackerbauminister  ernanm.  Der
bish.  Leiter  des  Handelsministeriums  Dr.  Mataja,  der  Sektionschef  Dr.
v.  Zolger  (Südslaw.),  der  Sektionschef  Dr.  v.  Twardowski-Skrzypna
und  Universitätsprof.  Dr.  Horbaczewski  (Ruth.)  wurde  zu  Ministern
ohne  Portefeuille  ernannt.  Dr.  Twardowski-Skrzypna  bleibt  mit  den
von  ihm  in  seiner  bisherigen  Eigenschaft  versehenen  Agenden  betraut.  Dr.
Mata  ja  und  Dr.  Horbaczewski  werden  die  Vorarbeiten  für  die  Schaffung
eines  Ministeriums  für  soz.  Fürsorge  und  für  Volksgesundheit  zu  leiten.
haben.  Die  besondere  Aufgabe  des  Dr.  v.  Zolger  wird  es  sein,  sich  fallweise
  auf  Wunsch  des  Ministerrates  und  unbeschadet  der  Zuständigkeit  der
verschiedenen  Zentralstellen  und  sonstigen  Verwaltungsinstanzen  mit  der
einheitlichen  Vorbereitung  solcher  mit  dem  Kriege  zusammenhängender  Verwaltungsangelegenheiten
  der  Regierung,  die  den  Wirkungskreis  mehrerer
Ministerien  berühren,  zu  befassen,  um  deren  einvernehmliche  Austragung  oder
Vereilltellung  für  die  Beschlußfassung  im  Ministerrate  zu  erleichtern.

ie  Ernennungen  begleitet  das  offiziöse  „k.  k.  Tel.-Korr.-Bur.“  mit
folgendem  Kommentar:  In  ernster  Zeit  tritt  die  neue  Regierung  vor  die
Oeßentlichteit  Da  die  politischen  Parteien  selbst  die  Schaffung  eines
parlament.  Kabinetts,  zu  welchem  das  bisherige  Provisorium  hätte  überleiten
  sollen,  als  nicht  zeitgemäß  bezeichneten,  wurde  das  Definitivum  in
einer  anderen  Richtung  gefunden.  Die  neue  Regierung  ist  aus
Beamten  und  Fachleuten  gebildet.  Ihr  sachliches  Programm  kann
kein  anderes  sein,  als  es  jede  Regierung  aus  den  gebieterischen  Notwendigkeiten
  der  Zeit  heraus  zu  verwirklichen  härte.  Der  allgemeine
Kurs  erfährt  keine  Aenderung.  Auf  die  bisherigen  Spitzen  des
parlament.  Betriebes  wird  auch  künftig  gerechnet.  Doch  soll  die  Zusammensetzung
  des  Kabinetts  es  den  bisher  dissentierenden  politischen  und  nationalen
Elementen  erleichtern,  sich  mit  diesem  Kurse  zu  befreunden  und  an  positiver
Arbeit  teilzunehmen.  Die  neue  Regierung  strebt  vor  allem  die  Kräftigung
und  Belebung  der  inneren  Wirtschaft,  die  Verbesserung  und  Sicherung  der
Bersorgung  für  die  Gesamtheit  wie  für  den  einzelnen  an.  Sie  will  die
Bedürfnisse  der  Kriegführung  unter  allen  Umständen  gewährleisten,  zugleich
aber  die  Opfer  der  Bevölkerung  auf  das  geringste  zulässige  Maß  zurückführen.
  Sie  ist  hierbei  von  der  Ueberzeugung  geleitet,  daß  darin  die  beste
Bürgschaft  für  eine  rasche  und  glückliche  Beendigung  des  Krieges  liegt,
wie  sie  die  glänzenden  Leistungen  der  Streitkräfte  der  Monarchie  und  ihrer
treuen  Verbündeten  znversichtlich  erwarten  lassen.  Zugleich  sollen  die  Vorbedingungen
  für  eine  möglichst  reibungslose  Ueberleitung  der  Kriegswirtschaft
  in  normale  Verhältnisse  und  für  eine  segensreiche,  die  Rückschläge
des  Krieges  rasch  überwindende  Friedensentwicklung  geschaffen  werden.
Die  Regierung  wird  sich  bei  ihren  einschlägigen  Bemühungen  stets  den