was an Strammheit und Bestimmtheit in ihm gelebt hat und
ihm anerzogen worden ist, und er greift in Tat und Wort so
gut durch, wie man es von einem alten Tressenträger nur er-
warten kann. Heute nimmt er sich den Haase vor, den
Schieber der Unabhängigen und Geschobenen der Sparta-
kisten, der vor ihm in stundenlanger Rede eine Totenklage um
die unschuldigen Lämmer Liebknecht und Luxemburg ge-
halten und wilde Angriffe gegen die „blutrünstige“ Regie-
rung gerichtet hat. Noske beherrscht mit seinem mächtigen
Kommandoton den Saal noch weit mehr als der Kriegs-
minister von Falkenhapyn den Reichstag am Zaberntage,
und befindet sich im übrigen ungefähr in derselben Lage, um-
beult von der äußersten Linken. Wie Beilhiebe krachen seine
Worte da binein. Den Soldatenräten, die überall, wo sie
den Unabhängigen nahestehen, den Grenzschutz Deutschlands
verhindern und durch ihre sonstigen Taten „das Reich atomi-
sieren“, liest er zuerst den Text, dann aber den Haase und Ge-
nossen selbst. Am 5. Dezember, so sagt Noske, habe er sich
unter das Berliner Volk gemischt und überall gehört, wie die
niedrigsten Instinkte und der Blutrausch der Menge aufge-
reizt wurden. Am 6. Dezember seien diese Reden dann von
Lastautos herunter gehalten worden, die bereits mit Ma-
schinengewehren bestückt waren. „Wo war da Herr Haase,
als Menschenleben in Gefahr waren?“ schmettert Noeke in
die Versammlung. Bermutlich ist der Hase damals eiligst
zu Holze gehoppelt. Sein Genosse Henke war genau so in
den kritischen Tagen Bremens von dort abwesend. Als dort
die Kugeln pfiffen, war auch der unabhängige Stadtkomman-
dant plötzlich unauffindbar. Heute, wo doch nur Worte
pfeifen, ist Herr Haase zum Schluß ebenfalls verschwunden.
Es ist ihm wohl nicht ganz geheuer. Er hat zuerst leidenschaft-
liche Zwischenrufe gemacht und ist dabei immer wieder von
dem tosenden Entrüstungssturm der Umsitzenden übertönt
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