228 Leidliches Einvernehmen. 1865
jedem ÜUbelstand schaffen, feste Faust bei jeder Widerspenstig-
keit zeigen. Ist erst Gehorsam im Gemüthe, wird auch nicht
fern die Liebe sein. Dann wird man auch anfangen dürfen,
ganz regelrecht nach der Schablone zu verwalten. Bis dahin
aber muß ich die Arme frei haben, und vor Allem bitte ich
für einen fröhlichen Beginn um eine tüchtige Summe Geldes,
damit ich dem Volke den fruchtbaren Segen der preußischen
Herrschaft augenfällig machen kann.“ Bismarck hatte ihm
von Herzen zugestimmt. Nichts desto weniger blieb dem
General, so geistreich und hochgestellt er war, vielfaches Lehr-
geld in der Schule des preußischen Verwaltungsdienstes nicht
erspart.
Als er in Schleswig ankam, betraf sein erstes Gespräch
mit Zedlitz die Einrichtung und Besetzung der Verwaltungs-
ämter. Nach den Erfahrungen, welche Zedlitz mit einem fast
selbständigen Regierungscollegium gemacht, wurde sogleich be-
schlossen, daß er die Civilverwaltung allein führen würde,
unterstützt durch eine ausreichende Anzahl von Räthen in
verschiedenen Bureaux, als technischen und ausführenden Ge-
hülfen. Die Bezirks= und Gemeindebehörden sollten einst-
weilen die bisherige, wenn gleich vielfach fragwürdige, Orga-
nisation und Competenz behalten. Es blieb die große Schwierig-
keit, die Personenfrage. Zedlitz erläuterte dem General, die
Entlassung der bisherigen, augustenburgisch gesinnten Beamten
und Fernhaltung aller ihrer Parteigenossen bei der neuen
Besetzung sei selbstverständlich. Aber auch die sogenannte
Nationalpartei sei nicht zu gebrauchen. Ebenso wie die
Augustenburger, stäken sie tief in demokratischer Wühlerci,
und vor Allem, kaum Einer von ihnen besäße die für den
Beamten erforderliche juristische und finanzielle Bildung. Es