Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

Während  auf  den  Schlachtfeldern  die  Blutströme  der  Millionen  zu  einem
roten  Ozcan  zusammeneinnen,  schwillt  immer  höher  eln  zweltes  Meer  des
Leids:  ein  Ozean  von  Tränen

England  wird  nicht  satt:  diese  zähen  Deutschen,  Madjaren,  Türken  wollen
und  wolien  sich  nicht  auerotten  lassen  #  .  Alfo  Hilfe  berl  Auf  allen  Meeren
schwimmen  sie  heran,  die  ung  en  Vernichtungewlllens:
  Inder  und  #  Kanadler  und  Arabe  Marokkaner
und  Anamiten  —  ein  ethnographlsches  Sammelsurlum,  wie  es  Ernst  Hellemanns
köstlich-grausiges  Flugblatt:  „Verteldiger  der  Kultur  I“  verewigt  hat.

Die  wenigen  Völker  Europas  aber,  die  sich  noch  nicht  entschiossen  haben,
sich  au  dem  großen  Kesseltreiben  zu  beteiligen,  werden  mit  List  und  Beredsamkelt,
  mit  „Diplomatie“  und  Spionage,  mit  Versprechungen  und  Drohungen
umworben,  gepreßt,  gehetzt.  Schon  ist  Ztallen  erlegen

Umsonst  hat  Deutschland  selnen  besten  Diplomaten,  den  Ex-Nelchskanzler
Fürsten  Bülow,  nach  Rom  geschickt.  Der  Bielgewandte  bat  endlose  Vermittlungsverhandlungen
  geführt.  Um  den  einstigen  Drelbundegenossen  beim  Worte
zu  halten,  hat  die  Doppelmonarchie  sich  berelt  gefunden,  den  Ansprüchen  der
Irredenta  lu  weitestem  Maße  entgegenzukommen.  Das  itallenische  Sprachgeblet
  in  Südtirol,  das  ganze  Land  um  Trient  und  elulge  von  Ztalienern  bewohnte
  Geblete  am  Fsonzo  hatte  Wien  an  Rom  abtreten  wollen.  Aber  Stalien
hatte  auch  Triest  verlangt,  Osterreich--Ungarne  einzigen  großen  Seehafen

„Der  letzte  und  volle  Wert  einee  Bündnissee  kann  nur  im  Ernstfalle  erprobt
werden,“  meint  Fürst  Bülow  resigniert.  Vielleicht  konnte  Italien  nicht  andere
handeln,  ohne  sich  selbst  der  Vernichtung  preiszugeben.  Ein  Staat  mit  einer
Seeküste  von  der  Ausdehnung  der  itallenischen,  deren  wichtigste  Städte  elnem
Uo#erfall  vom  Meere  her  schutzlos  preisgegeben  sind,  war  als  Verbündeter  wohl
überhaupt  nur  so  lange  von  Wert,  ale  England  nicht  auf  der  Gegenseite  stand  —
England,  das  den  Beitritt  Itallens  zum  Dreibund  einst  begrüßt  hatte,  als  es
mit  seinen  Sympathlen  noch  auf  dessen  Seite  gestanden  ..  Zedenfalle  hat  der
Ecfolg  dem  Worte  vom  „Sacro  -egolsmo“  von  der  belligent  Selbstsucht,  Fechtger
geben.  J  stam  23.  Mall915
offen  au  die  Seite  uuserer  Feinde  stelite  —  also  zu  einer  Zeit,  ale  Gorlice  bereite
  geglückt,  Przempfl  bedroht,  der  große  Umschwung  an  der  Ostfront  eingeleitet
  war.  Itallen  hatte  wohl  nicht  mehr  zurũckgekonnt  ...  Diellelcht  unter
dem  Druck  dieses  Wandeie  hielt  es  sich  in  selner  Krlegführung  einigermaßen
zurück  und  war  infolgedessen  für  die  Entente  ein  Bundeesgenosse  von  besonderer
Art.  Es  hatte  bel  seinem  Beltritt  erklärt,  es  verfechte  nur  „rein  italienische  Zwecke“.
Es  beschränkte  sich  auf  den  Angriff  auf  Osterreich  und  lehnte  jede  Beteiligung
am  Kampf  auf  anderen  Kriegsschauplätzen  ab.

Eine  Krlegserklärung  an  Deutschiand  wurde  zunächst  nicht  erlassen.  Und
da  auch  Deutschland  einstweilen  aus  wirtschaftlichen  Gründen  davon  absah,
dem  erklärten  Feinde  selnes  Verbündeten  seinerseits  den  Krieg  zu  erklären,  so
stellte  sich  ein  seltsamee  Bild  heraus.  Um  kelnen  Zweifel  an  seiner  militärischen
Haltung  gegenüber  Italien  zu  lassen,  rüstete  Deutschland  das  „Alpenkorpea“
aus  und  stelite  es  den  Osterreichern  für  ihre  Kämpfe  in  Tirol  zur  Verfügung.

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