Die ãsterreiqhisq·nigarise Mo#narchie. (Dezember 4.—7.) 219
und allgemein bekannten und zugänglichen Aeußerungen der deutschen Staatsmänner,
insbesondere auf die bereits gestern zitierte Aeußerung Herrn
von Kühlmanns (s. Tl. 1 S. 880), der klipp und klar erklärt hat, es gebe
kein Friedenshindernis außer Elsaß-Lothringen. Ich gehe weiter und sage:
Wenn man glaubt, daß eine Unklarheit über diese Frage bei der Entente
den Krieg verlängert, so verneine ich dies kategorisch. Die Ententemächte
müssen sich über den Standpunkt Deutschlands in dieser Frage vollkommen
klar sein. Auch kann die Entente jeden Tag die Probe auf das Exempel
machen und dieses Wort des Staatssekretärs zum Ausgangspunkte nehmen
und verlangen, daß es in die Tat umgesetzt werde. Dann wird es sich
erweisen, wer den Frieden nicht will, ob dies Deutschland oder die Entente
ist. Es ließen sich dafür, daß die westliche Entente für den Frieden nicht
reif ist, zahllose Beispiele anführen, die allen Herren bekannt sind. Warum
hat dieselbe die Papstnote nicht einmal beantwortet? Predigen die Minister
Englands und Frankreichs nicht täglich den Krieg? Der Herr Deleg. Lovaszy
hat ferner den Wunsch ausgesprochen, ich möge in irgendeiner Form auf
Deutschland einwirken, damit es sich in der belgischen Frage klarer äußere.
Schon aus den Ausführungen, die ich gestern zu entwickeln die Ehre hatte,
geht hervor, daß ich ihm in diesem Punkte nicht Folge leisten kann, weil
ich auf dem Standpunkte stehe, daß die Ausführungen der deutschen Staatsmänner
in diesem Punkte vollkommen klar und unzweideutig sind und weil
man trotz des besten Verhältnisses zu einem Verbündeten keine Ratschläge
über derartige taktische Fragen geben kann.
Graf Karolyi hat gestern gesagt, er habe als Ergebnis seiner Schweizer
Reise die Ueberzeugung mitgebracht, daß Amerika es mit dem Kriege
sehr ernst meine. Daran hat er meiner Ansicht nach übertrieben pessimistische
Konklusionen geknüpft. Ich möchte dem gegenüber betonen: Ich
kenne zwar die Herren von der Entente nicht, mit denen er in der Schweiz
gesprochen hat, aber ich halte es für wahrscheinlich, daß Mitglieder der
Entente, wenn sie mit einem ungarischen Herrn zusammenkommen, ihm
nicht sagen werden, daß Amerika nicht die Absicht habe, Ernst zu machen,
sondern daß diese Herren unter allen Umständen, ob sie es nun glauben
oder nicht, so sprechen werden, wie sie es dem Grafen Karolyi gegenüber
etan haben. Aber ich gehe weiter. Ich will gar nicht leugnen, daß die
tente zum Teile wirklich glaubt, die amerikanische Hilfe werde in ganz
großem Maßstabe geleistet werden, daß sie sich tatsächlich an diese Hoffnung
klammert und davon eine Wendung des Krieges erhofft. Aber ich
frage mich, ob die Entente sich nicht irrt. Es ist sehr leicht gesagt, Millionenarmeen
von Amerika nach Europa zu werfen. Ob ein solches Projekt aber
auch realisierbar ist, werden wir erst sehen. Ich kann mich auf sehr maßgebende
Militärs bei uns und bei unseren Verbündeten berufen, welche
eine Hilfeleistung in dem Umfange, wie sie heute von der Entente vorausgesetzt
wird, für ausgeschlossen halten. Daß auf amerikanischer Seite die
Absicht besteht, der Entente ernstlich zu Hilfe zu eilen, leugne ich nicht
und ist ein weiterer Schritt in dieser Richtung immerhin zu verzeichnen.
Die Ausführungen Herrn Wilsons, in welchen er die Kriegserklärung an
uns, die wir bereits gestern besprochen haben, dem Kongreß empfiehlt, will
ich hier nicht im Detail besprechen. Ich frage mich nur, wie es möglich
ist, daß ein führender Staatsmann, sei er auch auf der Gegenseite, dieses
Maß von Unverständnis für unsere Verhältnisse aufbringen und mit derartigen
Argumenten die öffentliche Meinung seines Landes irreführen kann.
Der Herr Deleg. Lovaszy hat gestern eine gewisse Verschiedenheit
zwischen den Anschauungen der Grafen Tisza und Andrassy einerseits und
meiner Wenigkeit andererseits in bezug auf unser Verhältnis zu Deutsch-