Full text : Die Frau als Hausärztin.

310  Normale  Entbindung.

Fig.  187  des  Beckens  mit  Durchmessern)  überwinden  und  durch  die  Beckenhöhle
  durch,  natürlich  in  der  erweiterten  Scheide  steckend,  den  Beckenboden
und  damit  auch  den  Scheideneingang  erreichen.  Während  die  überwindung
des  Beckeneinganges  meist  viele  Stunden  dauert,  findet  die  Ausstoßung  aus
Gebärmutter  und  Scheide  viel  schneller  und  ruckweise  statt.  Bei  kräftigen
Wehen  wird  der  Kopf  meist  so  energisch  herausgetrieben,  daß  bei  Erstgebärenden
mit  schwachen  Geweben  nur  durch  geschickt  ausgeführten  Dammschutz  ein  Einreißen
  des  Dammes  verhindert  werden  kann.  Auf  Tafel  Nr.  8  und  9  wird  uns
das  Einschneiden  des  Kopfes  dargestellt,  wie  er  aus  der  geöffneten  Scheide
hervortritt  und  mit  jeder  Wehe  weiter  vorgedrängt  wird,  ferner  die  schützende
Hand  der  Geburtsbelferin,  die  fest  auf  den  Damm  drückt,  um  den  Druck  des
harten  Kopfes  nach  oben  abzulenken  und  dadurch  die  scharf  gespannte  Damm-·
  haut  zu  entlasten.
Bei  schnell  vordringendem
  Kopf
und  weichen  Geweben
  reißt  sie  oft
ein  wie  dünnes
Papier.  Über  die
Erhaltung  des

Dammes  und  seine
Bedeutung  werden
wir  später  noch
sprechen.  Fig.  184
zeigt  den  Stand
der  vollen  Gebärmutter
  und  den
Gebärmutter  mit  Mutterkuchen,  Nabelschnur  und  Kind.  Sitz  der  Plazenta.

Ist  der  Kopf  durchbrochen,

  wobei  sich  der  Kreißenden  meist  ein  Schrei  entringt,  weil  dieser
Teil  der  Geburtsarbeit  mit  elementarer  Kraft  geleistet  wird,  welcher  die
Frau  widerstandslos  unterworfen  ist,  dann  drängen  unter  verschiedenen
Wendungen  die  Schultern  nach,  und  nun  tritt  auch  die  Möglichkeit  ein,  nachzuhelfen
  und  die  Ausstoßung  des  Kindes  zu  beschleunigen,  indem  die  Hebamme
das  Kind  unter  den  Schultern  faßt,  und  den  kindlichen  Körper  vorsichtig
herauszieht.  Oft  schon  während  dieses  Aktes  oder  unmittelbar  darnach,  nachdem
  Luft  auf  das  Kind  eingewirkt  hat,  macht  es  die  ersten  Atemzüge,  stößt
den  ersten  Schrei  aus,  was  das  Ohr  der  erschöpften  jungen  Mutter  ganz
eigentümlich  berührt.  Schreit  es  nicht  wenige  Minuten  nach  der  Ausstoßung,
dann  müssen  ihm  Mund  und  Nase  gereinigt  werden,  die  zuweilen  von  Schleimmassen
  verstopft  sind,  oder  es  müssen  Belebungsversuche  gemacht  werden.
Letztere  Notwendigkeit  pflegt  nur  nach  schweren  Geburten,  welche  für  das