Der Refrain. 303
Vater, ich preise dich!
's ist ja kein Kampf für die Güter der Erde,
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte;
D'rum fallend und siegend preis' ich dich.
Gott, dir ergeb' ich mich!
Gott, dir ergeb' ich mich!
Wenn mich die Donner des Todes begrüßen,
Wenn meine Adern geöffnet fließen:
Dir, mein Gott, dir ergeb' ich mich !
Vater, ich rufe dich!
§ 113. Ahrnlich wie der Refrain verhalten sich noch einige
Versarten, die einen besonders künstlichen Bau, eine besonders
künstliche Stellung von Reimen oder auch eine eigentümliche
Wiederkehr derselben haben. Da bei diesen Versarten in die
besonders künstliche Form ein besonderer Wert gelegt wird, so
ist es auch Aufgabe des Vortrags diese künstliche Form dem
Hörer zu vermitteln, sie ihm anschaulich zu machen. Wie vorher
der Refrain, so müssen auch hier die künstlich gestellten und
verschlungenen Reime dem Hörer bemerkbar gemacht werden.
Dieses Bemerkbarmachen der Reime, ohne sie wirklich stark zu
accentuieren, gehört ebenfalls zu den Feinheiten des Vortrags,
wo die Beschreibung mit Worten schwerlich ausreicht. Es ist
ein eigentümlicher Tonfall, der hier angewandt werden muß.
Vielleicht läßt sich an einzelnen Beispielen am besten nachweisen,
was hier gemeint ist.
Zu diesen künstlichen Formen gehört zunächst das Triolett,
welches einen dreimal wiederkehrenden Refrain in künstlicher
Verschlingung mit anderen Versen hat.
In dem folgenden Triolett spreche man den Refrain gleich
das erstemal mit etwas Bedeutung, das zweitemal nicht laut,
aber sehr langsam, das drittemal lauter und lebendiger im
Zeitmaß, auf der Höhe der Steigerung.
Wer einmal sich nicht freuen mag,
Dem fruchten nicht Ermunterungen;
Es flieht der Freude Huldigungen
Wer einmal sich nicht freuen mag.
(Steigernd von hier an.)
Und wird ihm auch den ganzen Tag
„Freut euch des Lebens“ vorgesungen —
Wer einmal sich nicht freuen mag,
Dem fruchten nicht Ermunterungen.