— 30 —
Sehatum auctoritas, penes nationem libertas.“ Das war das Einzige, was sie für
liesglation in Anspruch nahmen, aber sie erschlugen mit dieser Freiheit eben die staatliche
Existenz.
Wenn der Herr Vorredner der heutigen Fortschrittspartei in Preußen das Lob
ertheilt, daß sie sich niemals mit fremden Bestrebungen eingelassen habe, so rechnet er
offenbar die polnischen Bestrebungen nicht zu den fremden, es sind einheimische. Ich erinnere
mich wenigstens, daß ich s. Z., vor etwa 4 Jahren, in einem sehr bitteren und
anstrengenden Kampfe der verbündeten polnischen und Fortschrittspartei auf einem anderen
Boden gegenüber gestanden habe.
Erwiderung auf die Rede des Abgeordneten von Carlowitz in
Betreff der Luxemburger Frage und den Beziehungen zu
Süddeutschland.
18. März.
(Nachdem der Abgeordnete Ahlmann den von ihm und von dem Abgeordneten Kryger
gestellten Antrag nochmals vertheidigt, sprach der Abgeordnete v. Carlowitz für seinen Zufatzantrag,
kam aber nochmals auf die Luxemburger Angelegenheit und die Beziehung des Norddeutschen
Bundes zu Süddeutschland zurück. Zur Erwiderung seiner Bemerkungen sagte der
Vorsitzende der Bundescommissarien:)
Der Herr Redner hat ungeachtet meiner bündigen Versicherung, die ich, wie ich
glaube in der letzten Sitzung gegeben habe über die Beziehungen Preußens und des Norddeutschen
Bundes zu Süddeutschland, heute von Neuem das Schreckbild aufgestellt eines
Bündnisses zwischen den süddeutschen Staaten und dem Auslande gegen Preußen. Ich
glaubte mich neulich deutlich genug ausgesprochen zu haben; ich sehe aber heut, daß ich
selbst von einem so einsichtigen und mit den Geschäften vertrauten Politiker, wie der Herr
Vorredner ist, nicht verstanden bin. Ich freue mich daher, hinzufügen zu können, daß diejenigen
Beziehungen zwischen Norddeutschland und Süddeutschland, die ich mir neulich
nur anzudeuten erlaubte, bereits seit dem Friedensschluß vertragsmäßig verbürgt sind.
Ich hoffe, dies wird den Herrn Vorredner darüber vollständig beruhigen. Der Herr
Vorredner hat eine eigenthümliche Neigung verrathen, kitzliche und schwierige Fragen zu
berühren, diese und eine, die mir der Mühe in der That noch weniger werth schien, die
Luxemburgische. Ich habe mich schon vorher über diese ausgesprochen, soweit wie es nöthig
war; ich glaube, der Herr Vorredner ist mit sich selbst darüber in Widerspruch getreten,
indem er es für eine der schwächsten Seiten des früheren Bundes hielt, daß solche Souveraine,
die außerhalb des Bundes ein größeres Gebiet besäßen, Mitglieder geworden
wären. Nichtsdestoweniger schlägt er selbst in diesem Augenblick vor, den König der Niederlande
als Großherzog von Luxemburg wieder in den Bund aufzunehmen oder dem
Großherzog das Großherzogthum, daß er mit vollem Rechte besitzt, abzunehmen, tertium
non datur. Der Herr Vorredner sprach eine Art von Vorwurf gegen mich aus — der
Vorwurf trifft mich persönlich — daß die Siege unserer Truppen in Nikolsburg nicht
hinreichend ausgenutzt wären. Ich bedaure, daß mir sein Rath damals nicht zur Seite
gestanden, vielleicht hätten wir dann mehr erlangt. Die Luxemburgische Frage aber, meine
Herren, kann der Herr Vorredner auch heute noch auf eigene Hand auf sich nehmen, und
wenn es ihm gelingt, den Großherzog zu disponiren, daß er sich dem Norddeutschen Bund
anschließt, dann wird er sich vielleicht sagen können, eine europäische Frage geschaffen zu
haben, ob etwas Weiteres, das bliebe abzuwarten.