266 Rußland. (Januar 13.)
der erheblicher Mißwachs dort aufgetreten, wo im vorhergehenden Jahre
der Ertrag über dem Durchschnitt gewesen war. Augenscheinlich liegt die
nächste Ursache der letzten Mißernten nicht in der Erschöpfung der ertragreichen
Ländereien, sondern in Umständen zufälligen Charakters. Viel
mehr Grund ist zu der Annahme vorhanden, daß es sich in den letzten
Jahren um die gewöhnlichen und in den Witterungsverhältnissen ihre Erklärung
findenden Ernteschwankungen handelt, welche der russischen Landwirtschaft
von jeher bekannt sind. Jede Gegend des großen Reichs hat
ihren natürlichen Wechsel von reichen und dürftigen Erntejahren, und das
Zusammentreffen der Witterungsverhältnisse ist mitunter derart, daß dadurch
ein Abweichen des Gesamtergebnisses der Ernte im ganzen Reich erheblich
nach oben oder nach unten vom Mittel bedingt wird. Nach den Notjahren
1891 und 1892 kamen die beispiellos reichen Ernten 1893 und 1894, sowie
die recht guten Jahre 1895 und 1896. Auf die unbefriedigenden Ernteerträge
von 1897 und 1898 folgte die Ernte des Jahres 1899, welche
über dem Mittel ausfiel, jedoch durch ungünstige Witterungsverhältnisse
während der Erntezeit gelitten hatte. Schließlich bietet der gegenwärtige
vorzügliche Stand der Wintersaaten gegründete Aussicht auf eine gute
Ernte im kommenden Jahre. Es scheint, daß in dem steten periodischen
Wechsel von guten und schlechten Ernten nunmehr gute Jahre bevorstehen,
welche die Bevölkerung für die von ihr durch die Mißernten erlittenen
Verluste entschädigen dürften.“
Ueber die Eisenbahnen sagt der Bericht: Im Januar 1889 betrug
die Länge des Eisenbahnnetzes 27 458 Werst; davon entfielen auf die
Staatsbahnen nur 6470 Werst, d. h. 23,6 Prozent, wogegen alle übrigen
Bahnen mit 20 988 Werst, d. i. 76,4 Prozent, unter der Leitung von 42
einzelnen Privatgesellschaften standen. Jede von diesen Gesellschaften führte
ihren Betrieb fast ganz selbständig, befolgte ihre eigene Tarifpolitik, ohne
sich im geringsten um das staatliche Gesamtinteresse zu kümmern. Der
Betrieb sowohl der Staatsbahnen, als auch der privaten, vom Staat
garantierten Linien brachte der Staatskasse ungeheure Verluste; 1889 betrug
dieser Verlust die Summe von 30,5 Millionen Rubel, während die Garantieschuld
der privaten Gesellschaften den enormen Betrag von 984 Millionen
Rubel erreichte. Im Interesse des Landes war eine fortgesetzte und dabei
rasche Weiterausbauung des Eisenbahnnetzes geboten, das Interesse der
Reichskasse dagegen erforderte eine Verminderung der Ausgaben. Die dann
eingeleitete Verstaatlichung führte zu folgenden Ergebnissen: Von den 42
privaten Eisenbahngesellschaften find gegenwärtig nur noch neun verblieben,
wobei die Gesamtlänge der in ihrer Verwaltung befindlichen Bahnen
14728 Werst, und zusammen mit den im Bau befindlichen Linien
(6414 Werst), den Lokal= und schmalspurigen Bahnen (721 Werst), im
ganzen 21 863 Werst beträgt; die Ausdehnung der Staatsbahnen ist jedoch
seit 1889 von 6470 auf 28927 Werst, und wenn man die im Bau befindlichen
Linien (4496 Werst) hinzurechnet, auf 33 423 Werst (davon im
europäischen Rußland 23 705 Werst) gestiegen. Somit ist die Gesamtlänge
des Eisenbahnnetzes, die sich 1889 auf 27 458 Werst, und mit Einschluß
der im Bau befindlichen Linien (1032 Werst) auf 28 490 Werst belief,
gegenwärtig ohne die außerhalb der Grenzen Rußlands belegene Chinesische
Ostbahn auf 55 286 Werst, d. i. fast um das Doppelte angewachsen, wobei
die Ausdehnung der Staatsbahnen jetzt 60,5 Prozent, die der Privatbahnen
— 39,5 Prozent beträgt. In derselben Zeit ist auch der Bestand
des rollenden Materials bedeutend vermehrt worden, indem zur Anschaffung
von Lokomotiven, Personen= und Güterwagen 290 Millionen Rubel aufgewendet
worden sind und die Anzahl der Lokomotiven und Personenwagen