IV Naturlehre. 81
gesteigert, daß das Erz schmilzt, und es bildet sich Eisen, das nach unten tropft und
sich am Grunde des Ofens, auf dem „herde“ sammelt. Von dort wird das geschmolzene
Eisen von Zeit zu Zeit abgelassen; es fließt in längliche Sandformen, in denen
es erstarrt. Da der Ofen, einmal angezündet, dauernd in Betrieb sein muß, wird
von oben schichtweise Eisenerz und Brennmaterial nachgefüllt.
b) Verwendung. Das auf diese Weise gewonnene Roheisen enthält 20—4 %
kohlenstoff. Es läßt sich zwar feilen, bohren und in Formen gießen („Gußeisen“,),
ist aber spröde. Darum kann man es nur zu Uöpfen, Ofen und solchen Maschinenteilen
verarbeiten, die keine große Festigkeit bedingen. — Um es für Schmiede= und
Schlosserarbeiten verwendbar zu machen, muß ihm durch ein besonderes Schmelzverfahren
der Kohlenstoff bis auf etwa 1/12%% entzogen werden. Es entsteht dann das
Schmiede= oder Stabeisen, das zäh und dehnbar ist. Daher kann man es hämmern
und walzen. In der Elühhitze wird es weich, so daß sich getrennte Stücke unter
dem Dammer zusammen „schweißen“ lassen. Man verfertigt daraus Träger für
Bauten, Ketten, Bleche für Dampfkessel usw. — Eisen, das 0,5— 1,60% Kohlenstoff
enthält, bezeichnete man früher als Stahl. Jetzt ist die Bezeichnung (Stahl oder
Eisen) mehr oder weniger willkürlich, weil es viele öwischenstufen gibt. Wenn man
glühenden Stahl plötzlich in Wasser abkühlt, wird er sehr hart. Da er zugleich
elastisch ist, wird er zu Feilen, Sensen, Messer= und Säbelklingen, sowie zu Nadeln,
Uhrfedern usw. verarbeitet. — Gegossenen Stahl nennt man Gußstahl. Er wird
zur Herstellung von Geschützrohren und Maschinenteilen aller Art verwendet. —
Wiederhole, was wir über den Magnetismus des Eisens erfahren haben!
Lösen wir etwas Eisen in verdünnter Schwefelsäure auf, und dampfen wir die
grünliche Hlüssigkeit ein, so scheiden sich grüne Kristalle von Eisen vitriol aus. Im
großen gewinnt man das Eisenvitriol aus dem messinggelben Schwefelkies (S. 71).
Fügen wir zu einer Lösung von Eisenvitriol Gerbsäure (§. 86), so wird die Slüssigkeit
schwarz. Darum verwendet man Eisenvitriol zur herstellung der Tinte. Zuch in der
Färberei und in andern Gewerben wird das wichtige Salz vielfach benutzt.
XI. Don den Uährstoffen.
Diejenigen Stoffe der Nahrung, die für den Zufbau und die Erhaltung unfres
Körpers erforderlich sind, nennt man nhährstoffe. Außer Wasser und Salzen
(Kalksalze, Kochsalz) sind es Sucker, Stärke, Eiweiß und Sette.
1. Der Sucker ist in Wurzeln, Stengeln und Früchten weit verbreitet (Fruchtzucker;
Trauben= oder Stärkezucker) und auch in der Milch der Säugetiere vorhanden
(Milchzucker). Die Suckerart, die wir zumeist verwenden, wird aus dem Safte
der Zuckerrüben hergestellt (Rübenzucker). — Sie werden sorgfältig gereinigt und in
„Schnitzel“ zerschnitten, aus denen man den zuckerhaltigen Jaft gewöhnlich durch Kuslaugen
gewinnt. Dieser „Dünnsaft“ enthält aber außer Sucker noch andre Stoffe,
insbesondere Eiweiß, Säuren und Farbstoffe, von denen er befreit werden muß.
Dann filtriert man ihn durch Tierkohle, um ihn zu entfärben. Der geläuterte Saft
wird in besonders eingerichteten Gefäßen zu „Dicksaft“ eingedampft, aus dem sich der
Sucker in kleinen Kristallen abscheidet. Nachdem der so erhaltene „Rohzucker“ in
Schleudermaschinen von dem „Sirup“ befreit worden ist, wird er nochmals gereinigt,
vraffiniert"“. Dann stellt man aus ihm die „Suckerhüte“ und den „Würfelzucken“ hher.
Franke-Schmeil, Realienbuch. Kusg. A. IV. naturlehre. 2. Kufl. 6 00icternetie