72 Schlacht bei Mars la Tour.
seine Söhne tapferer, heldenmüthiger, an allen heroischen Tugenden
reicher gewesen sind, als an dem blutigen Tage von Mars
la Tour.
Die Verluste der Preußen beliefen sich auf nahezu 12000 Mann,
die Franzosen verloren mit Einschluß der Gefangenen 17000 Mann.
Marschall Bazaine hatte erkannt, daß an ein Entkommen über Ver—
dun nicht zu denken sei, es blieb ihm jetzt nur noch ein einziger Weg
übrig, um aus seinem Gefängniß zu entkommen, es war der Weg
nach Nordwesten über Briey und Montmedy. Am 17. August gönnte
er seinen erschöpften Truppen Ruhe und suchte durch kleinere Gefechte,
besonders der Artillerie, den Feind zu beschäftigen und aufzuhalten.
Nach Paris sandte er eine Siegesdepesche, welche die leichtgläubige
Hauptstadt wiederum in einen Taumel der überschwänglichsten
Freudenbezeugungen und der kinderhaftesten Prahlerei versetzte. Wie
diese Siegesdepesche aber aufzufassen sei, bewies der Umstand, daß der
Ministerpräsident Graf Palikao die Armirung der Pariser Vertheidigungswerke
anordnete. Der Kaiser ernannte den General Trochu zum
Kommandanten und Gouverneur von Paris, die Mobilgarde, welche
man im Lager von Chalons einzuüben im Begriff war, wurde nach
dem Lager von St. Maur, fast unter den Mauern von Paris gelegen,
zurückgezogen. Alle diese extremen Maßregeln waren nicht im
Stande, die Pariser von ihrem Siegestaumel zu ernüchtern, nur über
einen Umstand wunderten sich die klugen Leute: weßhalb nämlich Bazaine
wohl nicht seine Verwundeten nach Verdun geschickt habe? Trotz
allen Kopfzerbrechens konnte die „große Nazion“ diese wunderbare
Maßregel nicht ergründen.
Marschall Bazaine konnte natürlich mit Gewißheit darauf rechnen,
daß die preußischen Truppen, welche ihn am 16. August geworfen,
ihn auch weiter verfolgen würden, und um den erwarteten Angriff
möglichst erfolgreich abschlagen und sich dadurch den Weg öffnen oder
freihalten zu können, führte er seine Armee nicht bis Metz zurück,
sondern ging nur etwa eine Meile weiter östlich und nahm hier auf
der gebirgigen Hochebene eine gewaltig starke Stellung auf dominirenden
Höhen ein, und dazu versäumte er nichts von alle dem, wodurch
die Kunst die natürliche Festung seines Lagers noch verstärken