Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

kleineren  Reichsstände,  deren  Gebiet  zwischen  den  Bundesgliedern  lag,  so  wie
die  Reichsritterschaft,  wurden  dieser  neuen  Souveränen-Hoheit  untergeben,
und  letztere  dahin  bestimmt,  daß  sie  Gesetzgebung,  oberste  Gerichtsbarkeil,  Oberpolizei,
  Militärconscription  und  Abgabenwesen  in  ihrer  Person  vereinigten.  Die
alten  ständischen  Einrichtungen  waren  durch  solchen  Machtspruch  abgeschafft.
Auch  die  alte  Stadt  Nürnberg  verlor  ihre  Unmittelbarkeit  und  ward  dem  König
von  Baiern  zuertheilt.  Um  dem  Bunde  auch  eine  militärische  Wichtigkeit
zu  geben,  bestimmte  man  die  Contingente  für  Kriegsfälle.  Frankreich  stellte
200,000  Mann,  Baiern  20,000,  Würtemberg  12,000,  Baden  8000,  Berg
5000,  Hessen  -Darmstadt  4000,  die  übrigen  zusammen  4000  Mann.

Franz  II.,  ohne  Mittel,  dieser  grenzenlosen  Willkür  entgegenzutreten,  zog
wenigstens  den  Vortheil  aus  derselben,  daß  er  die  für  ihn  nothwendig  gemachte
Enthebung  der  bisherigen  Reichsmitglieder  von  ihren  Pflichten  gegen  ihn  dazu
benutzte,  sich  seinerseits  der  aus  seiner  Stellung  zum  Reiche  entspringenden  Verpflichtungen
  zu  entheben  und  seine  deutschen  Länder  zu  dem  äftreichischen
Staatskörper  zu  ziehen.  Er  behielt  jetzt  nur  noch  den  Titel  eines  Kaisers  v  von
Oestreich.  Diese  Erklärung  erfolgte  am  6ten  August  1806.

Das  preußische  Kabinet  stellte  sich  dieser  Begebenheit  gegenüber  anders,
wie  es  ja  auch  in  der  Natur  der  Sache  lag,  da  seit  dem  Fürstenbunde  hier
auf  Lösung  der  bisherigen  Verhältmisse  hingearbeitet  war,  freilich  nur,  um
Preußen,  nicht  einen  anderen  Staat,  an  die  Spitze  der  Angelegenheiten  zu
stellen.  Napoleon  wußte  diesem  Wunsche  wenigstens  einige  Nahrung  zu  geben,
um  sicherer  sein  eigenes  Ziel  zu  erreichen.  Man  schmeichelte  Preußen  mit  der
freigewordenen  Kaiserkrone  und  einem  Protektorate  über  den  Norden  Deutschlands,
  wie  dieses  ja  schon  faktisch  von  dem  Frieden  von  Basel  bis  zu  dem
von  Lüneville  stattgefunden  hatte.  Gegen  das  Ende  des  Monats  Juli  theilte
Laforest  dem  preußischen  Kabinette  mit,  indem  er  den  Rheinbund  als  eine  nothwendige
  Vervollständigung  des  Preßburger  Friedens  darstellte:  „dem  König  von
Preußen  werde  es  von  seinem  Hofe  aus  vollkommen  freigelassen,  einen  nordischen
  Bund  in  Deutschland  abzuschließen,  der  Kaiser  werde  demselben
kein  Hinderniß  entgegensetzen.“

Haugwitz,  auch  jetzt  noch  voll  Zutrauen  auf  die  freundliche  Gefinnung
des  Kaisers,  schrieb  um  diese  Zeit  von  Berlin  aus:  „Auch  wir  werden  unseren
Bund  haben;  die  Minister  berathschlagen  in  diesem  Augenblicke  über  die  Bedingungen,
  unter  welchen  sich  die  deutschen  Staaten  an  Preußen  anschließen
werden.  Hessen-Cassel  ist  schon  bereit,  man  erwarte  jeden  Tag  einen  Abgeordneten
  von  Sachsen.“  Allein  auch  dies  war  nur  eine  eitle  Lockspeise;  das
französische  Kabinet  arbeitete  in  Sachsen,  wie  in  Cassel,  nach  Kräften  den
Wünschen  Preußens  entgegen;  ja  man  soll  dem  Kurfürsten  von  Hessen-Cassel
mit  dem  Verluste  von  Hanau  gedroht  haben,  im  Falle  er  dem  nordischen
Bunde  beiträte.  An  die  Hansestädte  erging  sogar  ein  bestimmtes  Verbot
dagegen.