Full text: Verfassung und Verwaltungsorganisation der Städte Königreich Sachsen (Vierter Band Erstes Heft)

Dresden. 119 
als Staatsorgan und der vielgelesene „Dresdner Anzeiger“ als städtisches 
Organ abhängig ist, teils weil sie sich scheut, Partei zu ergreifen. Es ist 
das ein Übelstand, der das allgemeine Interesse an kommunalen Dingen 
und die wohltätigen Folgen eines solchen Interesses empfindlich hintanhält. 
Einen wirksamen Rückhalt in der Presse hat nur die sozialdemokratische 
Partei mit ihrer „Sächsischen Arbeiterzeitung“. 
Die Wahlen der Jahre 1900 bis 1904 haben für die Jahre 1901 
bis 1905 eine Zusammensetzung des Stadtverordnetenkollegiums nach folgenden 
Berufsklassen ergeben: 
1901 1902 1903 1904 1905 
Industriellel 15 16 12 12 8 
Handwerkkrer 10 9 15 14 10 
Kaufleute. 11 9 11 9 19 
Arzte und Apothekkerr 6 6 8 8 9 
Lehrer, Schriftsteller usw.. . . 7 7 5 5 6 
Rechtsanwällt. 8 8 7 8 8 
Rentrer 9y 7 8 7 5 
Sonstige .. 8 10 3 14 11 
Die Einteilung in die angegebenen Klassen besagt an sich nicht viel. 
Ein Stadtverordnetenkollegium mit 8 Industriellen, 19 Kaufleuten und 
8 Rechtsanwälten kann einen ganz anderen Charakter tragen als das 
Dresdner. In diesem gehören die Industriellen und Kaufleute fast durchweg 
dem sogenannten Mittelstande an, und auch die akademisch Gebildeten be— 
wegen sich zumeist in seinen Bahnen. Bemerkenswert ist, daß sich unter 
den Stadtverordneten kein höherer Beamter, kein Großkaufmann, kein Groß- 
industrieller und kein Fabrikarbeiter befindet. Stadtverordnetenvorsteher ist 
zur Zeit ein Rechtsanwalt. 
Offizielle Fraktionen bestehen nicht, doch treten die der Reform- 
partei und der konservativen Partei angehörenden Stadtverordneten mit 
ihren Parteigenossen zu Besprechungen zusammen. Der Parteirichtung nach, 
d. h. Mitglieder der betreffenden politischen Organisationen sind 1905: 
ca. 36 Reformer, ca. 20 Konservative, 3 Nationalliberale. Die übrigen ge- 
hören keiner Partei an, neigen aber den Reformern und Konservativen zu. 
Ein Gegensatz zwischen Ansässigen und Unansässigen hat sich im Stadt- 
verordnetenkollegium nie besonders bemerkbar gemacht. Die Hausbesitzer- 
partei, die den in den 70er Jahren vorherrschenden Nationalliberalismus 
zurückdrängte, ist eine wirtschaftliche Gruppe, die auch von vielen An- 
sässigen bekämpft wird. Der Gegensatz zwischen Hausbesitzerverein und 
Mietbewohnerverein, der eine Zeitlang überwog, ist sehr zurückgetreten.
	        
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