Full text: Verfassung und Verwaltungsorganisation der Städte Königreich Sachsen (Vierter Band Erstes Heft)

Dresden. 89 
industrielle Unternehmungen wurden aus Dresden hinausverlegt oder von 
vornherein auswärts eröffnet. Städtische Werke mußten jenseits der Stadt— 
grenzen errichtet werden, so eine Gasanstalt in dem Dorfe Reick, das infolge— 
dessen von der Stadt jährlich über 14000 Mark Steuern bezieht. 
Betrachtet man als Dresdens Wirtschaftsgebiet einen Kreis um den 
Schloßturm als Mittelpunkt mit einem Radius von 10 km, so trat 
augenfällig hervor, daß die Entwicklung der Stadt hinter der Entwicklung 
des außerstädtischen Wirtschaftsgebiets zurückblieb. Es wuchsen an Einwohner- 
zahl: jene von 1880 bis 1890 um 25 %, von 1890 bis 1900 um 1900; 
dieses von 1880 bis 1890 um 360%, von 1890 bis 1900 um 8700. 
Von den 194 500 Menschen, um die sich das Wirtschaftsgebiet im letzten 
Jahrzehnt vor den abschließenden Einverleibungen vermehrte, kommen 27% 
auf die Stadt, 7300 auf den Umkreis. 1871 umfaßte Dresden noch 70% 
aller im Wirtschaftsgebiet Lebenden, 1900 nur noch 56 %. Nach den großen 
Eingemeindungen hat sich das Verhältnis auf 76 °% zugunsten der Stadt 
verschoben. 
Dresden selbst hatte zwar immer noch eine starke Zuwanderung. Ihr 
hielt aber eine starke Abwanderung die Wage. Personen, die in Dresden 
ihren Unterhalt erwarben, verlegten ihren Wohnsitz in die Vororte. Im 
Winter 1900 waren von allen erwachsenen Männern der nächsten Vor- 
orte 40 % in Dresden beschaftigt. Das Steuersoll nahm von 1895 bis 
1900 in Dresden um 34,6 %, in den Vororten um 101 zu. 
Die Vororte hemmten aber nicht nur die natürliche Entwicklung der 
städtischen Steuerkraft, sondern nahmen sie noch besonders in Anspruch; denn 
die Anstalten, die Zuschüsse seitens der Stadt erfordern, z. B. Schulen und 
Krankenhäuser, wurden weitgehend von den Vororten benutzt. Die auf die 
Schulkinder der Vororte entfallenden Zuschüsse betrugen 1901 allein 
12 810 Mark. 
Besonders dringend war das Interesse der Stadt, die Bebauung 
ihres Wirtschaftsgebiets zu leiten und Zustände wie in dem früheren 
Vororte Striesen zu verhindern, dessen Bebauungsplan die Rüsichten 
auf das Stadtinnere in besonders hohem Maße hintansetzt. Große Auf- 
gaben, wie die Einrichtung der Schwemmkanalisation, die Erbauung eines 
Schlachthofs, konnten nur im Hinblick auf die Vororte in Angriff genommen 
werden. Polizeiliche und hygienische Maßnahmen durften nicht durch allzu- 
nahe Grenzen gehemmt werden. 
Gehört trotz den Einverleibungen heute noch nicht der volle oben an- 
genommene Wirtschaftskreis politisch zur Stadt, so ist die Freiheit ihrer 
Entwicklung doch für absehbare Zeiten im wesentlichen gesichert. Ein Teil
	        
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