Dresden. 91
Seitdem hat sich das Verhältnis derart wesentlich zugunsten der eigent—
lichen Industrie verschoben, daß Dresden heute die größte Industrie unter
allen fächsischen Städten besitzt. Rechnet man zur Industrie die gewerblichen
Betriebe, die Motoren verwenden oder mindestens 10 Arbeiter beschäftigen,
läßt also Gärtnereien, Handelsgeschäfte, Verkehrsunternehmungen beiseite, so
bestehen nach dem Stande vom 1. Mai 1903 1624 industrielle Unter-
nehmungen mit 54 958 Arbeitern, darunter 17727 Arbeiterinnen; 10 903
Arbeiter gehören zu den 11 Großbetrieben (500 und mehr Arbeiter). Auf
1000 Einwohner kommen etwa drei Fabriken und 115 Arbeiter. Die
Fabrikarbeiter machen in der westlichen Leipziger Vorstadt und der südlichen
Wilsdruffer Vorstadt 56,6 9% und 58,6 90 der Bevölkerung, in der Villen-
vorstadt Strehlen nur 2,2 % aus. Die Dresdner Industrie ist ungewöhn-
lich vielseitig, doch sind von besonderer Bedeutung: die Nahrungsmittel-
industrie, das Bekleidungs= und Reinigungsgewerbe, die Industrie der
Holz= und Schnitzstoffe, die Maschinenindustrie, die Metallverarbeitung, die
Zigarettenindustrie. Durch die Eingemeindungen ist der Charakter als
Industriestadt nicht erheblich verschärft worden.
Die Bevölkerung besteht zum großen Teile aus Zugewanderten. Im
Jahre 1900 waren von 1000 männlichen Einwohnern geboren: 377,52 in
Dresden, 376,15 im übrigen Sachsen, 197,91 im übrigen Deutschland,
36,79 in Österreich, 11,63 anderwärts.
Zur staatlichen Einkommensteuer waren im Jahre 1900 eingeschätzt:
physische Personen
bis zu 400 Mk. Einkommen 6904
„ „ 1 100 „ „ 115512
„ „ 1 600 „ „ 32 303
„ „ 2800 „ „ 19773
„ „ 4300 „ „ 8 280
„ „ 6300 „ » 4079
„ „ 12000 „ „ 3 807
„ „ 20 000 „ „ 1554
1385
Zusammen: 193 690
Dem Personenverkehr innerhalb des Stadtgebiets dienen vor allem
elektrische Straßenbahnen, die im Besitze zweier Aktiengesellschaften, der
Dresdner und der Deutschen, sind 1. Die Stadt übt ihren Einfluß auf Grund
über 20 000
1 Vgl. hierzu den Nachtrag S. 181.