Full text : Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften. Erste Abteilung VIII. Band. Geld und Banken. I. Teil Das Geld. (1_8)

1.  Kapitel.  Die  Entstehung  des  Geldes.  $  5.  25

Modifikationen  später  über  ganz  Vorderasien,  Ägypten  und  Griechen-Jand
  verbreitet  hat.  Gold  und  Silber  standen  zu  einander  in  dem  als
fest  angenommenen  Wertverhältnis  von  13'/s  zu  1;  die  Gewichtseinheit
war  für  Gold  und  Silber  in  der  Weise  verschieden,  daß  die  (leichtere)
Mine  Gold  gleich  10  Minen  Silber  galt.  Auf  Grund  dieses  Systems
bestand  namentlich  in  Babylonien  eine  entwickelte  Geldwirtschaft  und
auf  dieser  beruhend,  sogar  ein  umfangreicher  Kreditverkehr.  von  dem
sich  Zeugnisse  in  unzähligen  Keilinschriften,  die  unter  den  Trümmern
der  babylonischen  Städte  gefunden  wurden,  erhalten  haben.  Trotz
dieser  hohen  Entwicklung  ist  von  Münzprägung  für  jene  Zeit  noch
keine  Spur  nachzuweisen.  Man  begnügte  sich  damit,  die  Barren  nach
den  Unterabteilungen  des  Gewichtssystems  in  eine  für  den  Verkehr
handliche  Form  zu  bringen,  in  Ziegel  und  Stücke  von  bestimmtem
Gewichte,  die  kleineren  Stücke  auch  in  die  Form  von  Ringen,  von  denen
sich  auf  ägyptischen  Denkmälern  zahlreiche  Abbildungen  erhalten  haben.
Gegen  Betrug,  namentlich  in  bezug  auf  den  Feingehalt,  bestand  in
der  Herstellung  solcher  gleichartiger  Metallstücke  noch  keine  hinreichende
  Sicherheit  Der  Gedanke  der  Beglaubigung  des  Feingehaltes
und  Gewichtes  der  Barren  und  Ringe  durch  eine  Stempelung,  die  sich
ja  den  Edelmetallen  leicht  aufprägen  läßt,  liegt  außerordentlich  nahe,
und  es  ist  auffallend,  daß  man  erst  verhältnismäßig  spät  auf  diesen
Gedanken  gekommen  zu  sein  scheint;  im  alten  Babylonien  und  Ägypten
kannte  man  eine  solche  Stempelung,  wie  bereits  erwähnt,  überhaupt
nicht.  Bei  den  Juden  wurde  vor  dem  Babylonischen  Exil  das  Metallgeld
  nur  zugewogen;  ebenso  bei  den  Griechen  zur  Zeit  Homzss  und
bei  den  Römern  wahrscheinlich  bis  zur  Zeit  der  Dezemvirn  (pendere  —
wiegen;  davon  expensa,  stipendium  usw).  Der  chinesische  Tael  ist
heute  noch  nur  eine  Gewichtseinheit  ungeprägten  Silbers.

Die  ältesten  mit  einer  gleichartigen  Stempelung  versehenen  Edelmetallstückchen
  stammen,  soweit  unsere  Kenntnis  reicht,  aus  dem  kleinasiatischen
  Grenzgebiet  der  griechischen  und  orientalischen  Kultur  und
gehören  dem  7.  Jahrhundert  vor  Christi  Geburt  an.  Schon  HErovor
hat  behauptet,  daß  die  Lyder  die  ersten  Menschen  gewesen  seien,  die
goldene  und  silberne  Münzen  geprägt  haben.  Die  neueren  Forschungen
und  Münzfunde  haben  diese  Annahme  durchaus  bestätigt.  Von  Lydien
aus  scheint  sich  die  Erfindung  der  Münze  rasch  über  Vorderasien  und
Griechenland  verbreitet  zu  haben,  und  nach  und  nach  hat  sie  sich  die
ganze  Welt  erobert.

Die  ältesten  Iydischen  Münzen,  die  wir  kennen,  sind  von  sehr  einfachem
  Außeren;  sie  sind  ovale  Metallplättchen,  die  auf  der  einen  Seite
eine  Anzahl  paralleler  Streifen  aufweisen,  auf  der  andern  einige  unregelmäßige
  Vertiefungen.  Etwas  späteren  Ursprungs  sind  die  Stücke,
die  auf  der  einen  Seite  ein  eigentliches  Münzbild,  z.  B.  einen  Löwen-