Full text : Blätter für Rechtsanwendung. XXI. Band. (21)

246  Dritter  Tell:  Das  Lehrlingswesen  im  Handelsgewerbe.

wirtschaftliche  Lage  der  deutschen  Handlungsgehilfen  im  Jahre  1908“
im  Selbstverlage  des  Verbandes).  Nach  diesen  Erhebungen  (S.  60  ff.
der  Schrift)  ergibt  sich  bezüglich  der  sozialen  Herkunft  von  32741
Handlungsgehilfen  folgendes  Bild.

Beruf  des  Vaters  (der  Mutter)  Anzahl  Voie  10,deer
Selbstandiger  Laufmann  .......  3324  10,16
betreibender  9836  30,04
!s•F  nann  .......  2659  r4m.

Freie  is  KK  669  2,66
Oeffentlicher  Beamter  5386  16,.45
Prlvatangestellter  3926  11,99
Gehllfe,  Arbelter  u.  ä.  6210  18,96
Ohne  genaue  Angabe  531  162
32741  100,00

Wenn  auch  diese  Statistik  sowohl  nach  der  zufälligen  Zusammensetzung
  des  erfaßten  Personenkreises  wie  auch  nach  der  Art  der
Berufsgruppierung  kein  ohne  weiteres  als  typisch  anzusehendes  und
auch  kein  besonders  eingehendes  Bild  gibt,  so  zeigt  sie  doch,  in  wie
großem  Umfange  die  minderbemittelten  Volkskreise  an  der  Rekrutierung
  der  Gehilfenschaft  beteiligt  find.  Geht  man  von  der  Voraussetzung
  aus,  daß  auch  ein  Teil  der  Bäter,  die  öffentliche  Beamte
und  Arbeiter  waren,  sich  in  ihrem  wircschaftlcchen  Niveau  dem  des
Arbeiters  näherten,  so  würde  mindestens  ein  Viertel  des  kaufmännischen
  Nachwuchses  aus  den  wirtschaftlich  wenig  gefestigten  Volksschichten
  st  ammen.  Auch  ein  nicht  geringer  Teil  der  selbständigen
Bewerbetreibenden  und  selbständigen  Landwirte  müssen  zu  dieser
Kategorie  gerechnet  werden.  Es  zeigte  sich  auch,  daß  die  Söhne  der
selbständigen  Gewerbetreibenden,  Privatangestellten,  selbständigen
Landleung  Gehilfen  und  Arbeiter“  sich  in  ungünstigeren  Einkommensverhältnissen
  befanden  als  die  anderen.

Die  letztgenannte  Tatsache  deutet  schon  darauf  hin,  daß  die  aus
den  betreffenden  Bevölkerungskreisen  entstammenden  Lehrlinge  im
Durchschnitt  nicht  das  Maß  an  Leistungen  erreichen  konnten  wie  die
aus  anderen  Schichten  kommenden  Lehrlinge.  Damit  ist  naturgemäß
  über  deren  Intelligenz  und  Arbeitskraft  noch  nichts  gesagt.
Die  Gründe  werden  vielmehr  zum  nicht  geringen  Teile  darin  zu
suchen  sein,  daß  sie  keine  bessere  Schulbildung  sich  aneignen  konnten,
daß  sie  minder  gute  Lehrstellen  aufsuchen  und  daß  sie  sich  den  weniger
aussichtsreichen  Geschäftszweigen  zuwenden  mußten.  Immerhin  ist
aber  auch  die  Tatsache  nicht  außer  Acht  zu  lassen,  daß  die  Kinder
der  unbemittelten  Volkskreise  im  Durchschnitt  ein  geringeres  Maß
an  Geistiger  Ausbildung  und  Lebensgewandtheit  mitbringen.

ergleicht  man  unter  diesen  Gesichtspunkten  den  gegenwärtigen
Zustand  mit  dem  früheren,  stellt  man  die  Tatsachen  einander  gegen-