Full text : Blätter für Rechtsanwendung. XLII. Band. (42)

230  Abolf  Held.  (230

halten  und  so  hatte  ich  kein  Bedürfniß,  mich  seiner  speriell  zu  erinnern,
wenn  ich  etwa  an  den  „herrlichen“  Bastiat  dachte.

Nun  aber,  von  ihm  angeredet,  halte  ich  mich  für  verpflichtet,  ihm  zu  antworten
  und  dem  „Publikum  von  gesundem  Menschenverstand“,  an  das  er
sich  wendet,  in  aller  Kürze  meine  Meinung  von  Herrn  Block's  Angriffen
darzulegen  —  wohlgemerkt,  nur  meine  Meinung;  nicht  zugleich  die  von
A.  Wagner,  Laveleye,  Brentano  oder  gar  die  von  H.  Rösler.

Herr  Block  möchte  mich  „zurückrufen  auf  den  richtigen  Weg“,  mich
warnen  vor  der  „Irrlehre,  daß  man  im  Großen  und  Ganzen  durch  andere
Mittel  als  Fleiß  und  Sparsamkeit  wohlhabend  werden  könne“.  Herr  Block
wollte  sich  damit  wohl  einen  kleinen  Scherz  erlauben;  denn  er  spricht  ja  im
Namen  der  Missenschaft.  Nun  habe  ich  nie  gezweifelt,  daß  Fleiß  und
Sparsamkeit  die  unentbehrlichen  Tugenden  find,  durch  die  das  Individuum
auf  redlichem  Wege  reich  werden  kann.  Aber  niemals  war  es  Aufgabe
der  Wissenschaft  nur  dem  Individuum  gute  Lehren  zu  geben,  sondern  diese
bestand  allezeit  darin,  dem  Zusammenhang  der  Dinge  im  Großen  nachzuforschen.
  Und  der  richtige  Weg  der  Wissenschaft  war  und  wird  immer  der
sein,  alle  aufgetauchten  Probleme  furchtlos  und  vorurtheilsfrei  aufs  Gründlichste
  zu  untersuchen,  während  Ablehnung  eines  Problems  einfach  Vogel-Strauß-Politik,
  aber  nicht  Wissenschaft  ist.

Deshalb  habe  ich  z.  B.  gleich  Anderen  untersucht,  was  denn  das
Sondereigenthum  eigentlich  ist,  wie  und  warum  es  sich  entwickelt  hat,  in
welcher  Ausdehnung  es  heute  gegenüber  dem  Gesammteigenthum  besteht.
Ich  habe  gefunden,  daß  es  für  den  Kulturfortschritt  nothwendig  und  unentbehrlich
  ift,  weil  nur,  wenn  es  besteht,  Fleiß  und  Sparsamkeit
  der  Individnen  zur  höchsten  Entfaltung  kommen
können.  Wo  ist  da  der  falsche  Weg  der  Wissenschaft,  wo  die  gefährliche
Irrlehre?  Ist  es  gefährlich  und  falsch,  wenn  ich  die  Thatsache  zugestehe,
daß  das  Sondereigenthum  nicht  immer  vorgeherrscht  hat,  auch  heute  nicht
unbedingt  und  in  schroffster  Ausbildung  besteht  und  immer  Einschränkungen
unterliegen  wird,  wenn  ich  der  Meinung  bin,  daß  z.  B.  Forstschutzgesetze
die  Freiheit  des  Waldeigenthümers  beschränken  können,  wenn  ich  mit
Hoffmann  der  Ansicht  bin,  der  Eigenthümer  habe  moralische  Pflichten,  und
wenn  ich  es  für  wünschenswerth  halte,  daß  möglichst  Viele  Eigenthum  erwerben
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Mein  Verbrechen  besteht  also  darin,  daß  ich  das  Eigenthum  überhaupt
untersuche,  statt  es  mit  gedanken=  und  wortloser  Ehrfurcht  vorauszusetzen.
Ich  bin  unbequem  Denjenigen,  die  gewohnt  find,  eine  Nationalökonomie  zu
treiben,  ohne  über  das  Vermögensrecht  nachzudenken.  Bequemlichkeit  war
aber  nie  ein  Requifit  der  Wissenschaft.  Ich  bitte  nicht,  wie  Herr  Block,
das  Publikum,  sich  ein  paar  auf  den  gesunden  Menschenverstand  berechnete
Argumente  einleuchten  zu  lassen;  ich  bin  so  kühn,  das  Publikum,  welches
urtheilen  will,  zu  bitten,  es  möge  meine  Schriften  ganz  lesen  und
dann  erwarte  ich  ruhig  das  Urtheil,  ob  ich  auf  falschem  Wege  und  gefährlich
  bin  oder  nicht.  Das  Publikum,  das  den  für  gefährlich  hält,  der
„gedacht  hat“,  kümmert  mich  nicht.  Ein  verständiges  Publikum  wird
es  auch  nicht  für  unwissenschaftlich  halten,  wenn  ich  oft  von  Tendenzen
spreche,  denn  wenn  es  sich  um  Prüfung  von  Ansichten  handelt,  die  nicht
sowohl  innerlich  falsch  und  unlogisch,  als  willkürlich  in  ihren  Aus-