Volltext : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

766  1611-  330.

August29.  heschwerten,  nicht  bestraft  sondern  sogar  noch  erhöht  wurden.  Daraus  kann
man  aber  abnehmen,  wessen  man  sich  künftig  von  diesen  Leuten  zu  versehen
  baben  wird,  die  gegen  die  evangelischen,  besonders  gegen  die
unierten  Stände  jetzt  nur  noch  rachgieriger  sein  werden.  Dass  sie  bisher
in  ihrem  Vorhaben  zurückgehalten  wurden,  ist  nur  der  Zusammensetzung
  der  Unierten  zu  danken;  man  wird  die  Anschläge  jener  durch
Fortsetzung  der  Union  hoffentlich  auch  künftig  abwenden  können.

Da  es  eben  zur  Zeit  das  Ansehen  hat,  als  ob  sich  die  Gegner
aufs  Aeusserste  bemühen  wollten,  ihr  Intent  durch  Vorschub  des  Papstes
und  seines  Anhanges,  die  „das  arbitrium  pacis  et  belli“  fast  ganz  in
Händen  haben,  durchzusetzen  und  wie  im  vorigen  Jahr  dazu  Kriegs
volk  zu  werben,  so  haben  alle  Unierten  erklärt,  bei  dieser  Union
beständig  zu  bleiben  in  der  Zuversicht,  dass,  wenn  man  dem  Zweck
der  Union  nachgeht,  durch  diese  Zusammensetzung  alles  Unheil  von
ihnen  und  ihren  Untertanen  abgewendet  werden  wird.

I.  Hauptpunkt:  Erhaltung  und  Fortsetzung  der  Union.  Man
war  einhellig  der  Meinung,  dass  die  Union,  wenn  ihrer  Verfassung  und  den
bisherigen  Abschieden  nachgegangen  wird,  —  wozu  sich  alle  Unierten
geneigt  zeigten,  —  bei  männiglich  Ansehen  gewinnen  wird.  Bei  den
verschiedenen  Zügen  und  „geschwinden  Empörungen‘“  des  vorigen  Jahres
konnten  freilich  Mängel  nicht  ausbleiben,  die  teils  am  BRechnungs-,
teils  am  Kriegswesen,  endlich  an  den  zu  Schweinfurt  übergebenen
Gravamina  der  unierten  Städte!  hafteten.  Zu  künftiger  Vermeidung
solcher  Mängel  hat  man  gleich  anfangs  die  Prüfung  der  Rechnungen
einem  besonderen  Ausschuss  überwiesen;  das  Ergebnis  der  Prüfung
ist  in  dem  Rechnungsabschied?  niedergelegt,  womit  die  meisten
Mängel  beseitigt  sind.  Da  eine  Reihe  von  Unrichtigkeiten  daraus
entsprungen  sind,  dass  die  Rechnungen  von  zu  viel  Personen  geführt
wurden,  so  soll  künftig  ein  Generalpfennigmeister  verordnet
werden,  dem  das  ganze  Rechnungswesen  untersteht  und  der  aus  all
den  Nebenrechnungen  ein  Ganzes  machen  und  jene  als  Beilagen
in  die  Hauptrechnung  bringen  soll;  Zahlungen  darf  er  nur  mit
Wissen  des  Generals  und  der  Kriegsräte  leisten.  Ueber  Artillerie,
Munition,  Material-  und  Fortifikationssachen  sind  besondere  Rechnungen
zu  führen.  —  Ein  Mangel  ist  auch,  dass  einige  die  Frist  zur  Ent
richtung  ihrer  Quoten  nicht  einhalten.  Es  wurde  deshalb  vorgeschlagen,
sich  bestimmter  Legstätten  zu  vergleichen,  statt  dass  jeder  Stand
vermöge  des  ahausischen  Abschieds  seine  Quote  bei  sich  behält;  man  hat
es  aber  mit  Rücksicht  auf  die  Abwesenheit  einiger  Stände  diesmal  noch
bei  diesem  Abschied  und  bei  der  dort  vorgesehenen  Visitation  gelassen.
  —  Da  viele  Stände  mit  ihren  Quoten  ganz  im  Rückstand  bleiben,
so  ist  zur  Erhaltung  der  Gleichheit  beschlossen  worden,  die  Säumigen
durch  Entsendung  einer  eigenen  Person  zur  Gebühr  zu  ermahnen.  Aus  den
eingebrachten  Restanten  sollen  dann  zunächst  jene  Stände  befriedigt

ı  No.  107.
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