in der Stille Maßregeln zu kräftigem Eingriff vorbereitet. Der einzige Vertraute
seiner tiefangelegten Absichten unter den Fürsten war der große Kurfürst.
Schon ein Jahr vor Jakob's I). Thronbesteigung war der Plan eines gewaffneten
Einschreitens durch Wilhelm mit voller Billigung Friedrich Wilhelms
entworfen, ja schon der Oberfeldherr des Invasionsheeres, in der Person des
Marschalls von Schomberg, welcher um der Religion willen Frankreich verlassen
hatte, bezeichnet. Doch der Augenblick einer günstigen Ausführung schien
noch nicht gekommen, da durch den thörichten Versuch des Herzogs von Monmouth
für den Augenblick Jakobs Herrschaft befestigt worden war. Um jeden
Verdacht zu vermeiden, trat der Marschall als General en chef aller brandenburgischen
Truppen, geheimer Staats= und Kriegsrath und Statthalter von Preußen
mit einem Jahrgehalte von 30,000 Thalern in des großen Kurfürsten Dienste.
Außperdem ward ein Vertrag geschlossen oder wenigstens entworfen, durch welchen
sich Friedrich Wilhelm verpflichtete, 8000 Mann für Subsidien in das Clevische
zu senden, um das Unternehmen gegen England zu unterstützen. So bot er von
allen Fürsten Europas zuerst die Hand zu einem Bunde, welcher die Uebermacht
Frankreichs brechen, Deutschland vor einer Zerstückelung durch den rastlosen Eroberer
bewahren sollte (1687).
Jedoch mit raschen Schritten nahte damals der große Fürst dem Ziele
seines irdischen Lebens. Schon seit einer geraumen Zeit litt er an schweren gichtischen
Anfällen, namentlich beim Wechsel der Jahreszeiten. Auch im März 1688
hatte sich wie gewöhnlich gichtische Geschwulst eingefunden, doch achtete der fürstliche
Kranke wenig darauf, und hoffte auf die Heilkraft des kommenden Frühlings.
Diesmal war die Krankheit bedenklicher als je, und artete zuletzt in
Wassersucht aus. Friedrich Wilhelm selbst fühlte deutlich die nahende Auflösung.
Um die Mitte des Aprils sprach er mehremals die Ahnung aus, daß der 27.
oder 28. des Monats sein Todestag sein würde. Dennoch schien es, als ob die
Krankheit noch einmal vorüberziehe, doch es war nur täuschender Schein.
Trotz des qualvollen Zustandes war Friedrich Wilhelm seiner langjährigen
Gewohnheit gemäß mit dem Beginn des Frühlings nach Potsdam gezogen, und
hatte dort unausgesetzt den Staatsgeschäften obgelegen. Am 27. berief er noch
einmal den Geheimenrath und richtete an ihn im Beisein des Kurprinzen einige
auf sein Dahinscheiden vorbereitende Worte. Er empfahl seinem Nachfolger, „sich
in allen Angelegenheiten an die alten bewährten Diener zu halten, und denen,
die ungerechte Rathschläge geben, das Ohr nicht zu leihen; vor Allem aber den
Ruhm, den er ihm als Erbtheil hinterließe, zu bewahren und zu vermehren. Nie
solle der Prinz die nöthige Vorficht vergessen, weil ihn selbst die Erfahrung
gelehrt, daß Ruhe und Sicherheit ohne eine eiserne Hand und ohne ein stehendes
Heer nicht zu bewahren sei; so möge er dasselbe halten und üben, um des Landes
Sicherheit und das Ansehen seines Hauses zu behaupten.“ Keiner der Anwesenden
enthielt sich bei diesem Auftritte der Thränen.