Full text : Realienbuch Nr. 3 (3)

II  Erdkunde.  65

die  aus  dem  Lothringischen  Stufenlande  kommt.  Am  Nordrande  der  Krdennen  findet
man  große  Lager  von  Steinkohlen  und  Eisenerzen,  die  vielen  Tausenden  Erwerb  gewähren.
  In  TLüttich  (160)  blüht  besonders  die  Metallwaren=  und  Waffenfabrikation;
an  andern  Orten  sind  GElasfabriken  und  Uöpfereien  entstanden.  Die  Steinbrüche
des  Maastales  liefern  wertvolle  Bau=  und  Dflastersteine.

2.  Niederbelgien  ist  die  wellenförmige  Ebene,  die  jenseits  der  Schelde  in
die  Marschen  übergeht.  Mächtige  Dämme  und  Dünen  schützen  das  Land  vor  Uberflutungen.
  Die  Stürme  der  Uordsee,  die  über  die  niederen  Flächen  dahinbrausen,  hindern
den  Baumwuchs.  Daher  ist  das  Gebiet  waldarm.  Der  fruchtbare  Boden  wird  vortrefflich
angebaut  (Getreide,  Suckerrübe,  Sichorie,  Hopfen,  Slachs,  Raps).  In  einzelnen  Gegenden
kann  man  jährlich  zweimal  ernten.  Nach  dem  Getreide  bringt  man  noch  Klee  oder
Rüben  ein.  Unfruchtbares  Gebiet  findet  sich  östlich  der  Schelde.  Es  ist  sandige,
moorige  heide  (Geest),  die  mit  der  Lüneburger  heide  ähnlichkeit  hat.  hier  wird  wie
auf  den  feuchten  Marschen  Diehzucht  betrieben  (Brabanter  Pferde,  Limburger  Käse).
Ungefähr  in  der  Mitte  des  Landes  liegt  Brüssel  (mit  Dororten  508),  die  hauptstadt
Belgiens.  Es  besitzt  regen  handel,  sowie  blühende  Industrie  (Brüsseler  Spitzen  und  Teppiche)
  und  ist  der  Mittelpunkt  der  Kunst  und  Wissenschaft  des  Königreiches.  Gent  (162),
das  an  der  Schelde  gelegen  ist,  hat  große  Baumwollspinnereien  und  Webereien.

Die  Küste  Belgiens  ist  stark  versandet,  so  daß  an  ihr  keine  guten  häfen  angelegt
werden  konnten.  Da  aber  die  großen  Seeschiffe  mit  der  Slut  weit  in  die  Scheldemündung
  einfahren  können,  ist  Antwerpen  (292),  das  vortreffliche  hafenanlagen
besitzt,  zu  einer  wichtigen  Seehandelsstadt  geworden.  Der  kleine  hafen  von  Ostende
(41)  ist  für  den  Personenverkehr  zwischen  dem  Lestlande  und  England  von  Bedeutung.
Der  Ort  besitzt  auch  ein  vielbesuchtes  Seebad.

3.  Bewohner.  Belgien  ist  infolge  seiner  Fruchtbarkeit  und  reichen  Bodenschätze
  nächst  dem  Königreich  Sachsen  dasjenige  Land  Europas,  welches  am  dichtesten
bevölkert  ist.  Den  Süden  Belgiens  bewohnen  die  französisch  redenden  Wallonen,
den  Norden  die  germanischen  Dlaemen  (Flamländer).  Alle  bekennen  sich  zur  römischkatholischen
  Kirche.  Die  Dolksbildung  steht  auf  niedriger  Stufe.

10.  Luxemburg.

Das  Großherzogtum  Luxemburg  (fast  so  groß  wie  Mecklenburg-Str.)  wird  von  Belgien,
Deutschland  und  Frankreich  umschlossen.  Es  nimmt  den  Südabfall  der  Ardennen  und  den
angrenzenden  Teil  des  Lothringischen  Stufenlandes  ein.  In  den  Slußtälern  wird  Obstund
  Weinbau  betrieben;  auf  den  geldern  gedeiht  besonders  viel  Weizen.  Die  höhen  sind  mit
Wäldern  und  Wiesen  (Diehzucht!)  bedeckt.  Da  der  Boden  Eisenerze  birgt,  bildet  auch  der  Bergbau.
eine  wichtige  Erwerbsquelle.  Die  hauptstadt  ist  Cuxemburg  (21).—  die  Bewohner  (237)  sind
Deutsche  und  gehören  der  römisch-katholischen  Kirche  an.  Die  Eisenbahnen  des  Landes  werden
vom  Deutschen  Reiche  verwaltet;  ebenso  bildet  Luxemburg  mit  unserm  vaterlande  ein  Sollgebiet.

11.  Die  Uiederlande  (Holland).

Das  Königreich  der  Uiederlande  (etwas  größer  als  die  Drov.  Dommern)  nimmt
den  Westzipfel  des  großen  Uorddeutschen  Tieflandes,  also  das  Mündungsgebiet  von
Rhein,  Maas  und  Schelde  ein.  (Gib  die  Grenzen  an!)  Wie  die  deutschen  Gebiete
an  der  Uordsee  besteht  holland  aus  einer  breiten  heide=  und  Moorlandschaft,  der
Geest,  und  einem  ausgedehnten  Marschlande,  das  durch  einen  langen,  oft  unterbrochenen
  Dünenzug  vom  Meere  geschieden  ist.

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