Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

II.  Die  Breeresschöpkfung,  die  bewaffnete  Hentralität
und  der  Welkfälilsche  Friede.  1643  1648.

Der  Stettiner  Vertrag  schien  ein  großer  Erfolg:  daß  er
es  nicht  war,  ergab  sich,  als  es  ihn  auszuführen  galt.  Die
finanzielle  und  wirtschaftliche  Bedrängnis  blieb  dieselbe:  selbst
dem  Hofe  fehlten  die  nötigen  Naturalien.  Neue  Hilfsquellen
waren  bei  dem  Ruin  der  Landwirtschaft  auf  Jahre  hinaus
nicht  zu  hoffen.  Dazu  verlangte  der  kaiserliche  General  von
Krockow  Durchzug  und  Unterhalt  für  seine  Truppen.  Ihn  ge—
währen  hieß  den  Stillstand  mit  Schweden  gleich  wieder  brechen.
Finanziell  so  wenig  wie  militärisch  und  politisch  war  der  Kur—
fürst  der  Mark  Herr.  Nur  mit  Hilfe  der  anderen  Lande  konnte
man  sie  zu  retten  hoffen.

Aber  auch  in  Cleve  wirtschaftete  man  seit  1635  mit  einem
Defizit  von  10  000  Thalern  jährlich.  Dennoch  hatte  die  neue
Regierung  sich  allmählich  emporgearbeitet:  sie  hielt  an  dem
Schwartzenbergschen  System  fest,  ließ  den  von  den  Ständen
als  „Complice“  des  Herrn  Meisters  heftig  angefeindeten  Landrentmeister
  Lukas  Blaspeil  nicht  fallen,  hielt  die  Landegeinkünfte
zur  Verfügung  des  Landesherrn  und  gewann  durch  Auslösung
der  verpfändeten  Domänen  sogar  leidliche  finanzielle  Sicherheit.
So  konnte  sie  auch  die  günstige  politische  Konstellation  benntzen,
um  die  fremden  Besatzungen  loszuwerden.  Im  Sommer  1643
zogen  die  Hessen  ab.  Die  Niederländer  räumten  einen  Teil
der  von  ihnen  innegehabten  Plätze:  nur  Wesel,  Nees  und
einige  andere  Orte  behielten  sie  als  Unterpfand  für  die  leidige
Hoffysersche  Schuld,  an  deren  Abstoßung  noch  nicht  zu  denken
war.  Eine  Annäherung  an  die  Republik  und  an  Frankreich
ergab  sich  als  natürliche  Konsequenz  davon.

Die  Cnutscheidung  aber  erfolgte  in  Preußen.  Dort  war