4 Einleitung.
Gedankengang seiner Rede überlegt und sich eingeprägt haben,
und auch in dieser Beziehung kann man sagen daß ihm seine
Rede, also der Inhalt des Vorzutragenden, etwas Objektives
geworden, daß er also etwas Gegebenes sei.
Die andere Gattung des Vortrags besteht darin nicht seine
eignen, sondern die Gedanken Anderer durch das lebendige Wort
einem Kreise von Hörern zu vermitteln. Diese Art des Vortrags
übt als Beruf vornehmlich der Schauspieler. Gleichfalls geübt
wird diese Art des Vortrags durch Vorlesen. In den Fall dies
thun zu sollen kommt fast jeder im Leben, ohne daß hier ein
Beruf vorliegt.
Der Unterschied des Vortrags des Schauspielers von dem
des Vorlesers ist ein sehr wesentlicher. Der Schauspieler unterstützt
seine Worte mit allen entsprechenden Stellungen, Bewegungen
und Gebärden des Körpers, er giebt seine Persönlichkeit auf,
um eine andere anzunehmen, er trägt nicht bloß vor, er ste lI
dar. Dem Vorleser dagegen ist die Unterstützung durch Gebärden,
überhaupt die Anwendung der körperlichen Beredsamkeit
nicht gestattet.
Diese an sich eigentlich scharf geschiedenen Gattungen des
Vortrags berühren sich doch zuweilen. Der Schauspieler kann
oft in die Lage kommen Redner zu sein, der Redner vermag
oft die Lebhaftigkeit seines Vortrags durch die Mittel des Schauspielers,
namentlich durch Gebärdensprache, zu steigern. Doch
muß das von allen Seiten mit der größten Uünsicht und Mäßigung
geschehen, soll es nicht in einen Fehler ausarten, welchen dic
Zuhörer bald herausfühlen. Man sagt daher bei dem Mißbrauch
mit Recht von einem Schauspieler tadelnd: er habe einen
oratorischen Vortrag, von einem Redner dagegen: sein
Auftreten sei zu theatralisch.
Aus dem Gesagten geht hervor daß der vollendete Ausdruck
des Wortes noch durch die sogenannte körperliche Beredsamkeit
unterstützt wird. Diese zu lehren ist besondere Aufgabe der
Schauspielkunst und kann deshalb hier nicht in Frage kommen.
Der Zweck dieses Buches beschränkt sich darauf den Vortrag zu
erläutern, soweit er durch die Sprache erreicht, vermittelt wird.
Was die körperliche Beredsamkeit betrifft, so kann höchstens
darauf hingedeutet werden daß man die eben genannten Fehler
vermeide und namentlich als Redner nicht theatralisch sei. Ruhe
im Außern, Würde und Anstand sind namentlich die Eigenschaften,
die den Redner zieren, — im allgemeinen hüte man
sich vor dem „zu viel thun“. Man verfällt dann zu leicht