Full text : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

—  1561  —

wieder,  und  machte  dieselben  Angriffe  auf  seine  Unschuld,  verschwand
aber  als  sie  bei  ihm  wieder  nicht  ankam.  Infolge  davon  gab
der  Student  seine  Wohnung  auf.

202.  Verschiedene  Gespenster  zu  Leipzig.
Gräße,  Bd.  I,  Ar.  419.

In  der  Klostergasse  neben  der  früheren  Post  soll  sich  dann  und
wann  eine  Nonne  zeigen,  welche  bis  an  das  sogenannte  Barfußpförtchen
  geht  und  dort  verschwindet.  Ferner  erzählt  man  von
einem  Münche,  der  an  gewissen  Tagen  des  Jahres  um  Mitternacht
in  die  Aeukirche  geht.  Ebenso  hat  von  der  Nonnen=  bis  zur  Barfußmühle
  sich  zu  Zeiten  eine  weiße  Gestalt  gezeigt,  welche  in  der
Volkssprache  „Federsuse“  genannt  ward.  Zur  Zeit  des  Leipziger
Aufstandes  von  1830  erschien  eine  weiße  Frau  auf  dem  neuen
Kirchhofe  an  dem  sogenannten  Geisterpförtchen,  und  im  Schrötergäßchen,
  welches  ohngefähr  nur  vier  Ellen  breit  war  und  vom
Postplatz  zum  Windmühlengäßchen  führte,  soll  sich  vor  Jahren
ebenfalls  eine  weiße  Gestalt  gezeigt  haben,  und  dem  Nachtwächter
auf  die  Schultern  gesprungen  sein,  welcher  endlich  daran  gewöhnt
mit  seiner  anscheinend  leichten  Last  auf  dem  BRüchen  seinen  Dienst
bis  Mitternacht,  wo  sie  verschwand,  versah.

203.  Das  Ritterloch  bei  Leipzig.

Gräße,  Bd.  1,  Nr.  431;  novell.  beh.  von  Backhaus,  Die  Sagen  der  Stadt
Leipzig.  Leipzig  1844.  S.  37  ff.

Da  wo  sich  die  von  Schleußig  kommende  Elster  in  zwei  Arme
teilt,  von  denen  der  eine  nach  Lindenau,  der  andere  nach  Alt-Leipzig
zu  strömt,  befindet  sich  eine  Stelle,  welche  von  den  Fischern  das
Ritterloch  genannt  wird.  Es  sollen  nämlich  zu  Ende  des  15.  Jahrhunderts
  einmal  zwei  junge  Edelleute,  welche  zu  Leipzig  studierten
und  ursprünglich  durch  das  Band  eifrigster  Freundschaft  verbunden
  waren,  sich  einer  schönen  Leipzigerin  wegen,  welche  beide
liebten,  veruneinigt  haben.  Sie  beschlossen  also  um  den  Besitz  derselben
  zu  Kämpfen  und  trafen  in  dem  daher  angeblich  so  genannten
Streitholze  zwischen  dem  Schleußiger  und  dem  Lindenauer  Damme