Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Aug. Anf. 5 111
4 5 Meilen und das entfernteste Bielostol 20 Meilen von der preußischen
Grenze entfernt liegen. Diese fünf russischen Kavalleriedivisionen umklammern
vollständig die Provinz Ostpreußen. Die Russen waren zwar niemals
um Gründe verlegen, diese auffallende Anhäufung einer so zahlreichen
Kavallerie an ihrer Westgrenze zu erklären, aber diese Gründe einmal
soll in den westlichen Gouvernements das Pferdefutter billiger sein. ein andermal
wird einfach darauf hingewiesen, daß dieser Verhältnis immer so gewesen
sei — sind so wenig stichhaltig, daß der wirkliche Grund für diese
Maßregel nicht gut verdeckt werden kann. Und der besteht einfach darin, daß
Rußland nur an seiner Westgrenze. einen größern Krieg zu erwarten hat und
daraufhin seine Vorbereitungen trifft. Ähnlich wie Frankreich, wo ja alles
militärische Interesse nach der Ostgrenze neigt, in deren Nähe mehrere Kavalleriedivisionen“
untergebracht hat, so trifft Rußland seine Vorbereitungen
in erster Linie für den Kriegsfall an seiner Westgrenze. Man kann aus
dieser Voraussicht und aus dem Bestreben, an seinen westlichen Grenzen so
stark wie möglich zu sein, Rußland in keiner Weise einen Vorwurf machen,
aber ebensowenig kaun man es Deutschland verargen, wenn es die eigentümliche
Verteilung der russischen Kavallerie im Auge behält und danach seine
Gegenmaßregeln trifft.
Anf. August. (Deutsches Reich.) Der Kaiser ladet die
Könige von Spanien und Serbien und den Pringen von Wales zu
den im künftigen Monat bevorstehenden großen Kaisermanövern bei
Homburg ein.
1. Angust. (Preußen.) Die preußischen Bischöfe treten unter
dem Vorsitze des abgesetzten Erzbischofs von Köln in aller Stille
in Mainz zusammen und erklären sich ihrerseits einstimmig für
Einholung der im neuesten kirchenpolitischen Gesetze geforderten Dispense
behufs Zulassung einer großen Anzahl bisher nicht anerkannter
Priester zur Besetzung der nunmehr von der Anzeigepflicht befreiten
Hilfspriesterstellen. Der Beschluß wird indes erst der Genehmigung
und Entscheidung des Papstes unterbreitet.
5. August. (Deutsches Reich.) Die ultramontane Zentrumspartei
macht aus ihren politischen Handelsgeschäften mit den anderen
Extremen und mit der Regierung gar kein Hehl mehr.
In der in Wiesbaden von der dortigen Zentrumspartei abgehaltenen
Wahlversammlung zeichnet der Abg. Lieber die gegenwärtig beliebte Methode,
das politische Leben der Nation in Interessengruppen aufzulösen und diese als
Vorspann zumal für steuerpolitische Zwecke Zu beuntzen. Dabei meint er,
für das Tabakmonopol würde viel zu haben sein, aber das Zentrum denke
an keine Handelsgeschäfte. Darauf nimmt ein anderer Redner das Wort,
welcher durch seine Berufung auf seine Intimität mit Windthorst den Eindruck
hervorruft, als spreche er im Einverständnisse mit dem abwesenden
Zeutrumsführer. Er stimmt dem Abg. Lieber zwar bei, fügt aber hinzu,
daß man es der Zentrumspartei gewiß nicht übel nehmen könne, wenn sie
kirchliche Kongzessionen gegen kleine Dienste politischer Art eintausche, wo sich
Gelegenheit hierzu biete. So würden beispielweise auf dem Zollgebiete etwaige
Wünsche der Regierung befriedigt werden können der Reduer dentet speziell
eine Erhöhung der Getreidegzölte an und wenn gegen das Zugeständnis