die Erregtheit der Gemüter im Gefolge der Verkündigung der
päpstlichen Unfehlbarkeit, kam der Zusammenbruch des napoleonischen
Kaisertums von Papstes Gnaden bei Sedan, kam das
Einrücken der Italiener in Rom! Unter so bewandten Umständen
beschlossen die römischen Kirchenfürsten in deutschen Landen,
auf der ganzen Linie mobil zu machen, indem sie die Wahlen
zum preußischen Landtage und zum ersten Deutschen Reichstage
in die Hand nahmen, um die ‚„katholische‘‘ Fraktion wieder
erstehen zu lassen. ,‚Katholische‘‘ Männer jeder politischen
Richtung wurden auf den Schild gehoben, indes nur solche, die
für die Wiederherstellung des päpstlichen Kirchenstaates, nötigenfalls
mittels des deutschen Schwertes, einzutreten bereit waren.
Der Weizen der Reichensperger und Mallinckrodt schoß wieder
in die Halme. Sie selbst operierten mit wohlerwogener Klugheit
und Vorsicht. Ihr Wahlaufruf ging nur dahin, Männer zu
wählen, welche für unversehrte Aufrechterhaltung der durch
die preußische Verfassungsurkunde gewährten Selbständigkeit
der Kirche in Verwaltung und Ordnung ihrer Angelegenheiten
eintraten, insbesondere auch hinsichtlich der Bildung und Entwicklung
„kirchlicher Gesellschaften‘, worunter natürlich Orden
und Klöster gemeint waren; sowie für den konfessionellen
Charakter des Volksunterrichts und zugleich für Unterrichtsfreiheit
kurzweg, damit auch rein kirchliche
Schulen erstehen konnten. Zu diesem „kirchlichen Programm“,
welches offenbar die Hauptsache war, wurden dann, um der
angestrebten Fraktion neben dem konfessionellen ein „politisches‘
Gepräge zu geben, noch die Wahrung des föderativen
Charakters des Reiches, Dezentralisation der Verwaltung
und Verwirklichung der Selbstverwaltung des Volkes in Gemeinde,
Kreis und Provinz gefordert. Auch für eine möglichst
weitgehende finanzielle und militärische Erleichterung sollte
eingetreten werden. Endlich gab die Organisation „katholischer“
Arbeiter- und Gesellenvereine den Anlaß, auch die soziale Vorsorge
für den Arbeiterstand aufs Programm zu bringen, das
derart ein demokratisches Gepräge erhielt.
Das Ergebnis für den preußischen Landtag waren 57 Volksboten,
welche als unentwegte Verfechter der Ecclesia militans
nach Berlin zogen.
Triumphierend konnte August Reichensperger, welcher
1867 von der politischen Bühne abgetreten war und nun wieder