Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aunim̃er  93

Vollsische  Aundschan,

Das  Gemeindebeamtengeseß.

Das  Gemeindebeamtengesetz  wird  in  der  Kammer
  der  Reichsräte  in  der  Vollsitzung  am  Samstag,
  29.  April,  zur  Beratung  stehen.  In  den
letzten  Wochen  haben  im  vereinigten  ersten  und
dritten  W  dieser  Kammer  längere  Berajjungen
  des  Gesetzentwurfes  stattgefunden.  Dabei
  wurde  eine  Reihe  von  Artikeln  gestrichen.
namentlich  auf  dem  Gebiete  der  Difsziplinarbestimmungen.


1-.
Verschledene  Nacheichten,

Wien,  18.  April.  Im  Militär-Rekonvaleszentenheim
  in  Rudolfeheim  hat  gestern  der  Insanterist
  Fichtner  in  einem  Anfall  von  Wahnsinn
  eine  Schreckenstat  verübt.  Er  schoß  zwei
Stunden  lang  herum  und  lötele  dabei  sechs  Personen
  und  verletzte  fünf  schwer.  Um  31=  Uhr
vormitlags  gab  Fichiner  aus  seinem  Dienstgemehr
  auf  die  im  Wachzimmer  anwesenoe
Mannschaft  zahlreiche  Schüsse  ab,  von  denen
mehrere  tödlich  trasen.  Hierauf  schoß  er  zwei

-iunden  lang  zum  Fenster  hinaus,  ohne  daß
c  der  militärischen  Bereilschaft  oder  der  Feuerwehr,
  die  aus  drei  Schlauchlagen  Wasserstrahlen
gegen  ihn  richtele,  gelungen  wäre,  #Um  beizulommen.
  Er  verichoß  im  ganzen  14  Magazine,
bis  er  endlich  von  der  Feuerwehr  entwaffnel
und  gefesselt  ruerden  lonnte.  Gelötet  wurden
im  Wachzimmer  ein  Felduebel,  ein  Zugführer
und  ein  Soldat.  Alle  anderen  Opfer  des  Irrfinnigen
  wurden  bei  dem  Fersuch  inn  unschäd
lich  zu  machen,  geloltel.  a  die  Kugeln  des
Fichlner  in  eine  beiuchte  ZSna  ze  cinichlugen.
musile  der  Strahenverleln  te  wWahrend  zmei  -Stun.
den  unterbleiben.  Fickhiner  unrde  schließlich  verlebt
  auf  die  Psychiatrüce  Staltion  rerbrachl.

Wien,  18.  April.  Dieser  Tage  ist  in  Wien
infolge  schwerer  Erlallung  ein  alteres  alleine
hendes  Fraulein  geitorben.  Als  kürzlich  ein  An
Uurm  auf  die  Kolonialläden  staltsand.  um  sich
mil  Kassee  und  Zucker  zu  versorgen,  siellte  sich
bei  schlechtem  Wetier  auch  die  betreisende
Dame  an,  um  sich  grünolich  einzudecken.  Dabei
erlältele  sie  sich  und  ging  nunmehr  mit  Tod  ab.
In  der  Wohnung  fanden  sich  etwma  80  Kilogramm
  Zucer,  welche  da-  beiressende  Fräulein
fur  sich  allein  vorgelauft  hatte.  Das  ist  ein  Beweis,
  wie  unvernünftig  und  rücksichtslos  manche
Leute  sind  aus  lauter  Angit,  daß  die  Lebensmittel
  ausgehen  köônnten.

Bern,  13.  April.  Der  „Seklolo“  melder
aus  Bari:  In  der  Katbedrale  der  Stadi  Anrria
  brach  eine  heftige  Feuersbrunst  aus,  die
das  denlmürdige,  im  Jahre  1046  begonnene
Bauwerk  sast  vollständig  zerstörte.  Auch  der
Vischofspalast  scheint  verloren  zu  sein.

Mailand,  18.  April.  Laut  hiesigen  Blätler
  uurde  aus  dem  Wertsachenbureau  des
Mailänder  Hauptbahnhofes  von  einem  19  jähr.
Angestellten,  der  flüchtig  ist,  ein  Diebstahl  von
338  000  Lire  verübt.

 

 

Münchener  Neuigkeilen
München.  18.  April.  Wie  im  Magistrat
mitgeteilt  rurde,  hat  ein  Spender  20  000  Mk.
schenlungsweise  überlassen  zum  Ankauf  billiger

Lebensmittel  für  Minderbemittelle.

München,  17.  April.  „Erinnerungen  aus
jungsten  Tagen“  betitelte  sich  ein  gehaltreicher
Vortrag,  den  der  Präsident  des  Oberkonsistoriums,
  Dr.  v.  Bezzel,  im  Erangelischen  Verein
Et.  Lulas  vor  zahlreicher  Zuhorerschaft  hielt.
Der  Vortragende  reiste  auf  zahlreiche  Bitten  aus
dem  Felde  und  der  Heimat  am  22.  März  uber
Köln-Aachen  nach  dem  vestlichen  Kriegsschauplatz.
  Die  Eindrücke,  die  er  von  der  Bevölkerung
in  Brüssel  erhalten  hatte,  waren  wenig  erbaulier
  noch  erquickender  Art;  es  schien  sich  ein
Nachlleben  zu  entwickeln,  das  den  Namen  Brüssels
  als  des  „Klein-Paris“  vollkommen  rechtsertigte.
  In  den  französischen  Gegenden  war  die
Aufnahme  freundlich  und  gütig,  in  den  Quartieren
  trug  sie  den  Charakter  einer  meist  erzwungenen
  und  daher  mäßig  sichtbaren  Freundlichkeit.
Bei  der  besseren  französischen  Bevölkerung  zeigte
sich  durchwegs  eine  Abneigung  gegen  die  Republik
  u.  starke  royalistische  Gesinnungen.  Der  Unmut
  gegen  die  Advokalenherrschaft  ist  sehr  verbreitet.
  Auch  ein  ernster  religiöser  Sinn  war  zu
beobachten,  ein  Sinn,  der  sich  nicht  darin  genugen
  ließ,  die  Vorschriften  der  Kirche  zu  ersullen,
  der  auch  auf  tiefe  innere  Fragen  einzugehen
  gewillt  war.  Ein  Gedanke  aber  beseelt
und  erfüllt  alle,  der  Gedanke  nach  Rache,  der
seit  Jahrzehnten  ein  gefahrlicher  Agitationsshloff
  war.  Das  niedere  Volk  ist  irreligiös,  hält
sich  sern  von  der  Kirche,  ron  dem  Einfluß  der
Geistlichkeit  und  dem  Einfluß  der  Schule.  Arbeit
  ist  auch  nicht  die  gröhte  Tugend  der  Franzosen.
  Es  ist  ein  eigenarliges,  leichtlebiges  Volk.
*  0  *  schilderte  darauf  seine  Eindrücke  bei  unsächn
  Feldgrauen  und  über  die  deutschen  Maßeen
  in  den  besetzten  Gebieten.  Er  gewann
Einblick  in  mehrere  Kasernen,  darunter  eine  auf
Kähnen  eingerichtete,  und  war  erfreut,  zu  sehen,
wie  gut  und  trefflich  unsere  Leute  untergebracht
lsind.  Auffallend  mar  ihm  die  Unmtstelhare
der  Freude  der  Leute,  zu  kochen.  Auch  in
Schützengräben  und  Ws  durfte  der  Hiit

 

 

    
    
      

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ner  Einblick  tun.  Er  konnte  sich  hiezu  erst  entschließen,
  als  ihm  Geifslliche  mitteilten,  daß  die
Leute  seinen  Besuch  erwarten  und  für  Grüße
aus  der  Heimat  sehr  zugänglich  und  dankbar
ind.  Mit  Ben  underung  und  Ehrfurcht  sprach
der  Vortragende  von  den  korperlichen  und  inneren
  Leistungen  unserer  Leute.  Diese  Schützengräben
  kann  man  sich  nicht  ernst,  eng  und  fjauber
genug  vorstellen.  An  mancher  Schiehscharte  war
das  fränlische  Bauerngärtchen  angelegt;  irgend
eine  Blume  war  neben  dem  Tode  hingepflanzt.
Dieser  Ernst  der  Pflicht  und  diese  Ausdauer  und
Geduld  war  auch  in  den  Lazaretten  zu  beobach
ten.  Während  der  Franzose  meist  wehleidig  und
empfindlich  ist,  trägt  der  Deutsche  den  Schmerz
nicht  nur  mit  sloischem  Gleichmut,  sondern  mit
dem  ganzen  Ernist  seiner  Pflicht.  Redner  war  es
eine  freudige  und  mundersame  Aufgabe,  den
Gesunden  und  Kranken  das  Wort  Gottes  zu
predigen.  In  der  Frühe,  bevor  die  Leute  in  die
Schuhengräben  gezogen  sind,  hat  er  eine  kurze
Morgenandacht  von  10  Minuten  gehalten;  mit
einem  Segenswunsch  und  Händedruck  hat  er
sich  dann  von  ihnen  verabschiedet.  Er  hat  nie
den  Dam  an  die  Soldaten  zurücktreten  lassen.
In  seinen  kurzen  Ansprachen  hat  er  das  Wort
eines  Offiziers  befolgt:  Kommet  nicht  zu  uns,
um  uns  Buße  zu  predigen,  kommet  und  bringet
uns  die  freudige  Botschaft.

Nedner  wurde  vom  Kronprinzen  Rupprecht
mit  großer  Freundlichkeit  und  Güte  empfangen,
ebenso  von  Prinz  Franz,  der  als  Brigadekommandeur
  mitten  unter  seinen  Truppen  sich  des
gemütlichen  bayerischen  Tones  nicht  entschlagen
hat,  und  weiters  von  Prinz  Adalbert.  Auch  im
Großen  Hauptquartier  wurde  er  vom  Keiser
eipfangen.  Er  fand  den  Kaiser  hochgemut  und
frohgestinumt.  Aus  den  Gesprächen  des  Kaisers
gemann  er  den  Eindruck:  so  spricht  ein  Mann
und  so  handelt  ein  Führer,  der  den  Mut  eines
guten  Gewissens  hat,  hier  ist  nichts  von  gesieigertem
  Enthusiasmus  zu  fühlen,  nichts  von
gekünftelter  Ruhe,  sondern  die  Einfachheit  der
Ueberzeugung,  daß  der  gerechten  Sache  der  Sieg
solgen  wird.  (M.  N.  N.)

—  Vachrichler.

Bamberg,  18.  April.  Durch  den  Frost  in
der  Nacht  auf  Montag,  der  auf  den  Höhen  bis
zu  3  Grad  erreichte,  haben  neben  den  anderen
Obstbäumen  vor  allem  die  Nußbaumanlagen
im  Fränlischen  großen  Schaden  gelitten.  Soweit
  bis  jetzt  Meldungen  vorliegen,  sind  die
durch  die  warme  Märzsonne  bereits  weiler  fortgeschrittenen
  Nußbaumanlagen  um  Scheßlitz

rum,  an  den  Hängen  von  Roschlaub,  Pausdorf,
  Schlappenreuth,  Würgau.  Pünzendorf  und
Zeckendorf  sehr  schwer  in  letzter  Nacht  milgenommen
  worden,  so  daß  auf  eine  völlige  Mißernte
  hier  gerechnek-  werden  muß.  Nur  die  geschützt
  an  den  Häusern  siehenden  Bäume  haben
weniger  Schaden  gelitten.  Ebenso  sind  die  groben
  Nußbaumgärten  im  Stübiger  Tale  sowie
auf  den  Höhen  bei  Dörnwasserlos,  Wattendorf
  ufu.  ohne  Schaden  davongekommen.  Auch
ini  Staffelsteiner  Lande,  dem  eigentlichen  jräntischen
  Nußbauernbezirk,  somie  in  der  Lichten.
seljer  Gegend,  haben  die  Bäume  durch  den
Frost  und  starken  Reif  der  letzten  Nacht  schuer
gelitten,  wenn  auch  etwas  weniger  als  bei  Scheßltz.
  Um  einen  Begriff  von  dem  durch  starlen
Abschlag  infolge  Mililärlieferungen  etwas  verringerten
  Nußbaumbestand  im  Fräntischen  zu
geben,  genüge,  daß  einzelne  „Nußbauern“  alljährlich
  über  100  Zentner,  manche  Dörfer  400
bis  500  Zentner  Walnüsse  auf  den  Markt  bringen.
  Da  die  Preise  für  Nüsse,  infolge  des  aus
ihnen  hewinnbaren  wohlschmedenden  Oeles,  in
den  letzten  zwei  Jahren  ums  Doppelte  gestiegen
lind,  ist  der  Schaden  sehr  groh,  der  unseren  fränischen
  Nußbaumländern  durch  eine  Miherute

 

 

erwächst.  4

 

Grenzlande.

Salzburg.  18.  April.  Auf  dem  Schlachtoieb-=markt
  beschlagnahmte  die  Militärbehörde  sämtliches
  aufgetriebene'  Vieh.  Die  zahlreichen  Händler
  aus  Ungarn  ufm.  erhoben  ein  großes  Geschrei.
  doch  waten  alle  Ausgänge  miltitärisch
besetzt.  Dann  bekamen  die  hiefigen  Fleischhauer
von  der  Militärbehörde  genügend  Vieh  zugewiesen
  und  dieses  wurde  hierauf  zum  Höchstpreis
  von  3.18  Kronen  das  Kilogramm  rertauft.
  Dadurch  sind  Mittel  geschaffen  worden,
um  den  das  Vieh  verteuernden  Zuischenhandel
auszuschalten.

Innsbruck.  13.  April.  Bei  Jerzens  im
Ligtale  ist  ein  großes  Stuck  der  Kiywand  abebrochen.
  Der  Felssturz  machie  die  Talstraße
Inpassteakar.  Eine  größere  Anzahl  Schafe  wurde
getötet.

 

Bad  Aibling,  18.  April.  Nach  kurzem  Leiden
  starb  das  im  Altet  von  82  Jahren  slehende
Fräulein  Anna  Beck.  Sie  war  die  älteste  Tochter
  des  Bezirfsarztes  Tr.  Desiderius  Beck,  des
einstigen  Gründers  unseres  heurigen  Bades.
Am  Montag  rurde  bei  dem  Oekonomen  und
Fuhrwerksbesizzer  Franz  Zehetmaier  hier  ein
Einbruch  verübt,  wobei  den  Tätern  vier  Uhren,
einige  Uhrketten  und  Schnucksachen  in  die  Hände
fielen.  Man  vermutet,  daß  dieser  Diebstahl
von  jungen  Bürschchen  verübt  worden  ist.

Stefanskirchen,  18.  April.  In  einem  Stadel
  im  Walde  bei  Reikering  fand  die  Gendarmerie
  von  Rosenheim  dieser  Tage  eine  aus  Niederbayern
  stammende  Dienstmagd,  welche  schon
seit  zwei  Tagen  dort  weilte  und  einem  Kinde,
einem  Knaben,  das  Leben  geschenkt  hatie.  Die
Gendarmerie  sorgte  für  die  Unterbringung  von
Mutter  und  Kind.  Die  Dienstmagd  war  zuleczt
  in  der  Gegend  von  Sölhuben  in  Stellung.

prien,  18.  April.  Der  Kirchenbauverein
Prien  verfügt  jetzt  uber  einen  Fonds  von  Mi.
60  284,  welcher  Betrag  das  Sammelergebnis
von  13  Jahren  darstellt.  Das  erzbischöfliche
Ordinariat  hat  die  Ausarbeitung  eines  Kirchenaiweiterungoplanes
  zwecks  Feststellung  des  Ko-#enpunktes
  einverlangt.  Dabei  haben  sich  der
Kardinal  und  das  Generalkonservatorium  für
Seilenschiffe  entschieden,  da  der  Raumgerinn
dadurch  größer  wird  wie  durch  eine  Kirchenverlängerung.
  Dieser  Erweiterungsbau  würde
90  000  Mk.  erfordern.  Mit  der  inneren  Einrichtung,
  der  Erneuerung  der  ganzen  Kirche  und
der  Aufstellung  einer  neuen  Orgel  werden  sich
die  Kosten  um  50  000  Mk.  auf  140  000  Mk.
erböhen.  Turch  Heranziehung  des  Kuliuszehentbaufonds,
  durch  mancherlei  Leistungen  der
Pfarrgemeinden  usw.  ständen  alles  in  allem
so  viele  Mittel  zur  Verfügung,  daß  noch  15  1000
Mark  aufzubringen  wären.  Tiese  Summe  könnte
in  drei  bis  fünf  Jahren  aufgebracht  werden.
Demnächst  soll  ein  Modell  der  Kirche  mit  dem
Erweiterungsbau  aufgestellt  werden.

Prien,  18.  April.  Die  Villa  des  Postschaff.
neks  Franz  Mühlbauer  dabier  ging  läuflich  in
den  Besitz  der  Freiin  v.  Brachel  auf  Frauenchiemsee
  über.

Traunstein,  18.  Aptil.  Der  Magistrat  in
Traunstein  bewilligte  den  Arbeitern  eine  Zulage
  von  täglich  15  Psg.,  für  die  Ehefrau  und
jedes  Kind  unter  16  Jahren  von  10  Pfg.

Mühldorf  a.  J.,  18.  April.  Der  verstorbene
Reichsrat  v.  Auer  hat  zugunsten  der  Gemeinde
Egglkosen  100  000  Mark  als  Stiftung  für  Er.
richtung  einer  Kinderbewahranstalt,  sowie  einer
ambulanten  Krankenpflegestation  teslamentarisch
permacht.

Boññer-tãg,  20.  April  1816

Resenheim,  19.  April.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Geoug  Elas,  Hausbesitzerssohn  aus  Bad  Aibling,
  Soldat  im  227.  Preuß.  Res.-Inf.-gt.
Auszeichnungen  im  Felde.  Ter  Artillerie-Unteroffizier
  Karl  Laur  aus  Prien  wurde
mit  dem  Militärverdienstkreuz  3.  Klasse  mit  der
Krone  und  mit  Schwertern  ausgezeichnet.

Todeserklärung  verschollener
Kriegsteilnehmer.  Der  Bundesrat  beschloß
  den  Erlaß  einer  Verordnung,  die  die  To
deserklärung  der  im  gegemwärtigen  Kriege  verschollenen
  Kriegsteilnehmer  im  Anschluß  an  die
Vorschriften  des  Bürgerlichen  Gesetzbuches  re
geli.  Tie  Todesertlärung  kann  beantragt  wer
den,  wenn  von  dem  Verschollenen  ein  Jahr
leine  Nachricht  eingegangen  ist.  Unter  dieser
Voraussetzung  itt  sie  schon  rährend  des  Kriegezuiässig.
  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  der
Zivilprozeßordnung,  deren  Vorschriften  in  eini
gen  Punkien  ergänzt  murden,  wobei  neben  einer
zweckmäßigen  Vereinfachung  auf  Verstärkung  der
Bürgschaften  für  eine  richtige  Entscheidung  Be
dacht  genommen  ist.

Siegesgeläute.  Im  Amteblan  der  Erz
diözese  München-Freising  mird  ein  Erlaß  der
Regierung  von  Oberbayern  vom  3.  April  191,
veröffentlicht,  wonach  der  König  berei  un
lterm  8.  November  1915  die  Gesuche  des  erzb.
Ordinariats  und  des  Obertonsioriums  um  Ge
nehmigung  eines  festlichen  Geläutes  bei  beden.
tungsvollen  Wassenerfolgen  zustimmend  bean:
wWortet  hat.  Bei  Beflaggung  der  Stiaatsgebäuc-=sind
  die  Kuchen  unmittelbar  davon  in  Kennn:
zu  senen,  von  mehreren  Kirchen  desselben  Orte
soll  das  Geläute  u  omoglich  gleickzellig  vorge
nommen  werden.

Gendarmeriedienst.  Auf  Ansuche:
murde  der  Gendarmeriewachtmeister  Franz  Re:
ter  in  Prien  ab  1.  Mai  in  den  Ruhestand  ver
sjetzt.  Verset  murde  der  Gendarmeriewacht
meister  Georg  Ben  von  Anger  nach  Prien  und
der  Gendarm  Jofef  Winzlmeier  von  Pörnback.
Bl.  Pfaffenhofen,  auf  Ansuchen  auf  die  Kl.
Gendarmerie-Hauptstation  Aibling.

Karfreitag.  Der  Karfreitag  itt  in  lath.
liichen  Orten  kein  Feiertag  im  Sinne  der  Genm#erdeordnung.
  Es  ist  hiernach  erlaubt,  die  Ge
schäfte  Sffen  zu  halten.  In  dielen  i#t  es  dem
freien  Uebereinkommen  der  Inhaber  mit  der
Angestellien  überlassen,  ob  leytere,  soweit  sie
sich  zur  erangelischen  Konseision  bekennen,  fei
haben.  Die  meisten  Geschäfte  handeln  hiernach.
Anders  verfahren  die  Behorden.  Der  Post
dienst  ist  in  Rsenlei  oc  folgt  geordnet:  Am
Karfreitag  sind  die  Poitschalter  dahier  wie  an
Sonn=  und  Feiertagen  geoffnet,  d.  i.  von  7  bis
8  und  10  bis  12  Uhr  vorminags.  Auch  findet
an  diesem  Tage  im  Stadtbezirte  nur  eine  ein.
malige  Zuftellung  ron  Polktsendungen  statt,  und
zuar  vormittags.  Im  hbiesigen  Landbesiel:
bezirte  rubt  die  Zunellung  im  allgemeinen  gan;
bzw.  sie  hat  wie  an  Sonntagen  zu  erfolgen.

Heringsverkauf.  Der  Kriegsausschuß
der  Siadt  Rosenbe:  in  hat  fur  die  kommenden
Fasttage  eine  gloßere  Partie  Heringe  ange
kauft,  nelche  in  den  einschlagigen  hiesigen  Geschäften
  zum  Preise  von  2,  Pfg.  für  drei  Stuck
von  heute  ab  zu  haben  find.  Heringe  sind  ein
sehr  nahrhaftes  Essen  und  lassen  sich  auf  viele
Arten  zubereiten.  Sehr  beliebt  sind  sie  zu  Kar
toffeln  oder  als  Heringsalat,  wozu  an  Stelle
des  Oeles  ebmas  Milch  verwendet  werden  kann.

Viktualienmarkt.  Am  Gründonners.
lag  werden  2  Zentner  Schmalz  in  Halbpfund-Ballen
  aus  den  Beständen  der  Stadt  am  Vil
luclienmarkt  abgegeben.  Um  rmeiter  bei  der
detzeitigen  Knapphen  an  Erzeugnisien  der  Milch
u  itischaft  dem  gesteigerten  Feubedurfnis  in  den
Familien  nährend  der  Kartage  Rechnung  zu
tragen,  uurde  eine  großere  Menge  Margarine
bester  Zualilät  erworben.  Auch  hiervon  werden
am  Gründonnerstag  3  Zeniner  auf  dem  Wochenmartt
  verkauft.

Zur  Lage  der  Penisionisten.  Zu  denjenigen
  Kreisen,  die  unter  der  jenigen  Teuerung
am  schmersten  leiden.  geboren  die  bayerischen
Pensionisten,  besonders  die  Altpensionisten.  E
mag  deshalb  für  die  Beteiligten  von  Intereis##
sein,  wmie  sich  Finanzminier  v.  Breunig  zu
dem  von  der  libderalen  und  sozialdemokratischen
Fraliion  gestellten  Antrag  auf  Gewährung  vont
Ausbesserungen  bezu.  Teucrungsbeihilfen  an  die
Alipensionisten  und  deren  Hinterbliebenc  in  der
Landtagesitzung  vom  2.  März  1.  J.  dußertc.
Er  bemertte:  „Eine  weitere  Frage  hat  der  Ab
gcordnete  Loweneck  berührt,  das  ilt  die  Frage,
ob  nicht  auch  den  Altpenjionären  eine  kräfngere
Oilfe  gewährt  werden  müsse.  Ich  habe  ber
fruherer  Gelegenbei#t  in  diesem  hohen  Hause  schon
beltont,  daß  es  mir  in  meiner  Stellung  als  Fi
nanzminister  ganz  besonders  schmer  fallt.  die
sen  Alltpensionären  gegenüber  nicht  mit  anderen
Mitteln  rechnen  zu  konnen,  als  ich  es  bisher  getlan
  habe,  sondern  sie  auf  den  Weg  der  Inanspruchnahme
  der  Unterstutzungen  verweisen  zu
mussen,  von  denen  ich  aber  ausdrücklich  erklür!
labe,  daß  sie  gar  nicht  den  Charakter  von  Unterstügungen
  tragen  sollen,  sondern  den  Charalter
  und  auch  den  Namen  von  förmlichen  Bei- 



hilfen  belommen.  Ich  glaube  also,  daß  durch
Erneiterung  der  Fonds,  die  hiefür  vorhanden