250 Bortrag des Lyrischen.
Weit, weit von hier entfernet seine Schritte! —
Befreit von Sorgen mich, eh' ihr zu sprechen
Beginnet. Ich befürchte bösen Zwist,
Wenn du, o König, nicht der Billigkeit
Gelinde Stimme hörest, du, mein Bruder,
Der raschen Jugend nicht gebieten willst. —
Betäubt, verworren, mit sich selbst entzweit
Und mit der Welt, verehrte, heil'ge Jungfrau,
Siehst du mich hier. Die Angst des Augenblicks,
Die Sorge für die Zukunft treiben mich
In deine Gegenwart, in der ich Linderung
Des ungeheuren ÜMbels hoffen darf. —
Sie kommen, tragen meine Habe fort,
Das Letzte, was von köstlichem Besitz
Mir übrig blieb. Wird es mir auch geraubt?
Ein günst'ger Wind bewegt die Wimpel seewärts,
Bald werd' ich alle Segel schwellen sehn.
Die Flotte löset sich vom Hafen ab,
Und nun das Schiff, das mich Unsel'ge trägt!
Man kommt, man fordert mich an Bord. O Gott,
Ist denn der Himmel ehern über mir?
Dringt meine Jammerstimme nicht hindurch? —
Du wirst mich ängstigen daß ich zuletzt kaum traue ein Glas
Wasser zu begehren. Bruder, was enthält der Brief? Sieh wie er
zittert, wie ihn aller Mut verläßt. —
Um Gottes willen nichts von Privilegien. Ich wittere den Geruch
von einem Exekutionsmorgen. Die Sonne will nicht hervor, die Nebel
stinken.
Gott, Gott, wo bin ich? Und so ganz allein!
Wo bleibt meine Mutter? Und der Graf?
Ward nicht hinter uns geschossen? Und das hat den Grafen oder
meine Mutter getroffen! —
Verzeihen Sie, mein Herr, wir sind von Räubern überfallen worden.
Da kamen uns gute Leute zu Hülfe! Dieser ehrliche Mann hob mich aus
dem Wagen und brachte mich hierher. Allein ich erschrecke mich allein
gerettet zu sehen. Meine Mutter ist noch in Gefahr. Hinter uns ward
sogar geschossen! Sie ist vielleicht tot — und ich lebe! Ich muß fort,
ich muß wieder hin, wo ich gleich hätte bleiben sollen. —
Aber wenn ihnen nichts widerfahren, wenn meine Ahnungen mich
trügen, warum sind sie nicht schon hier? Warum kommen sie nicht mit
Ihnen? —