Herstellung von Fleischkonserven.
ein Drittel derjenigen Fleischmenge zu Wurstwaren verarbeitet wird, die sie im
Monatsdurchschnitte der Zeit vom 1. Oktober 1915 bis 31. Dezember 1915 verarbeitet
haben.
§ 4. Die Vorschriften in §§ 1 bis 3 gelten nicht für die Herstellung von Fleischkonserven
und Wurstwaren zur Erfüllung von Verträgen, die unmittelbar mit den
Heeresverwaltungen und der Marineverwaltung abgeschlossen sind.
§ 5. Die Beamten der Polizei und die von der zuständigen Behörde beauftragten
Sachverständigen sind befugt, in die Räume der Betriebe, die von den Vorschriften
der §§ 1 bis 3 betroffen werden, jederzeit einzutreten, daselbst Besichtigungen
vorzunehmen, Geschäftsaufzeichnungen einzusehen und nach ihrer Auswahl
Proben zur Untersuchung gegen Empfangsbestätigung zu entnehmen.
Die Unternehmer sowie die von ihnen bestellten Betriebsleiter und Aufsichtspersonen
sind verpflichtet, den Beamten der Polizei und den Sachverständigen
Auskunft über das Verfahren bei Herstellung der Erzeugnisse, über die zur Verarbeitung
gelangenden Stoffe, insbesondere auch über deren Menge und Herkunft,
zu erteilen.
§ 6. Die Sachverständigen sind, vorbehaltlich der dienstlichen Berichterstattung
und der Anzeige von Gesetzwidrigkeiten, verpflichtet, über die Einrichtungen und
Geschäftsverhältnisse, welche durch die Aufsicht zu ihrer Kenntnis kommen, Verschwiegenheit
zu beobachten und sich der Mitteilung und Verwertung der Geschäftsund
Betriebsgeheimnisse zu enthalten. Sie sind hierauf zu vereidigen.
§ 7. Die Unternehmer der von den Vorschriften der §§ 1 bis 3 betroffenen
Betriebe haben einen Abdruck dieser Verordnung in ihren Betriebsräumen auszuhängen.
§ 8. Die Landeszentralbehörden erlassen die Bestimmungen zur Ausführung
dieser Verordnung.
Der Reichskanzler kann Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung
zulassen; für die Herstellung von Frischwurst können auch die Landeszentralbehörden
Ausnahmen zulassen.
§ 9. Mit Geldstrafe bis zu fünfzehnhundert Mark oder mit Gefängnis bis zu
drei Monaten wird bestraft
1. wer den Vorschriften der §§ 1 bis 3 und 5 Abs. 2 zuwiderhandelt;
2. wer der Vorschrift des § 6 zuwider Verschwiegenheit nicht beobachtet
oder der Mitteilung oder Verwertung von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen
sich nicht enthält;
3. wer den im § 7 vorgeschriebenen Aushang unterläßt;
4. a auf Grund des § 8 Abs. 1 erlassenen Bestimmungen zuwiderhandelt.
In dem Falle der Nr. 2 tritt die Verfolgung nur auf Antrag ein.
§ 10. Die zuständige Behörde kann Betriebe schließen, deren Unternehmer
oder Leiter sich in Befolgung der Pflichten unzuverlässig zeigen, die ihnen durch
diese Verordnung oder die dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen auferlegt sind.
Gegen die Verfügung ist Beschwerde zulässig. Über die Beschwerde entscheidet
die höhere Verwaltungsbehörde endgültig. Die Beschwerde bewirkt keinen Aufschub.
§ 11. Die Vorschriften dieser Verordnung finden auf die Herstellung von
Fleischkonserven und Wurstwaren durch Verbrauchervereinigungen auch dann Anwendung,
wenn die Herstellung nicht gewerbsmäßig erfolgt.
§ 12. Diese Verordnung tritt mit dem 4. Februar 1916 in Kraft. Der Reichskanzler
bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.
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