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        <title>der Weltkrieg 1914. Band 2.</title>
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            <idno>Weltkrieg_1914_2</idno>
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                                                            Der
                                          Weltkrieg  1914

Seht  die  vielen  Völker  alle,  die  sich  wider  uns  verschworen,
Die  vor  dünkelhafter  Ehrsucht  völlig  den  Verstand  verloren,
Unverzagt  nur,  meine  Helden !  Ttefft  sie  mit  dem  Wetterschlage
Eures  Zornes,  Eurer  Hiebe,  daß  die  Menschheit  künftiger  Tage
Diesem  Sturmlauf  ohnegleichen,  diesem  Sieg  der  Minderzahl
Wider  eine  Welt  von  Neidern  türm’  ein  bleibend  Ehremmal !


1760.                                                            Friedrich  dert  Große.

 

                                 Die  Wahrheit  ins  Ausland.


                                       Zweiter  Band

 

Bearbeitet  von  Generalsekretär  Paul  Breithaupt.


                                             Reichsverlag
Berlin  W.  35,  Lützow-  Straße  80-90,  Telefon:  Amt  Lützow  1262.
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                                     Die  Wahrheit  ins  Ausland.

Vom  „Weltkrieg  1914“  erscheint  nach  wenigen  Monaten  bereits  die
dritte  Ausgabe;  fortgeführt  bis  zum  Jahresschluß,  auch  sonst  verbessert,
mit  einem  übersichtlichen  Inhaltsverzeichnis  versehen,  wodurch  eine
bequeme  Benutzbarkeit  erst  ermöglicht  wird.

Die  steigende  Nachfrage  nach  unserm  „Weltkrieg  1914“  beweist  wohl,
daß  das  Werk  einem  Bedürfnis  entgegengekommen  ist;  und  zwar  in
beiden  Zwecken,  denen  es  dienen  soll.  Zunächst:  die  gewaltigen  Vorgänge
  des  Krieges  in  ihrer  immer  wachsenden  Fülle  der  Erinnerung
gegenwärtig  zu  halten;  dann  aber  —  und  das  darf  als  Hauptabsicht
gelten  —  die  Wahrheit  über  den  Krieg  in  dem  systematisch
  belogenen  Ausland  zu  verbreiten.

Nach  einem  bekannten  Ausspruch  wird  nirgends  mehr  gelogen  als
auf  der  Jagd,  bei  den  Wahlen  und  im  Kriege.  Was  den  Krieg  anlangt,
so  können  wir  diese  Meinung  für  uns  ablehnen;  unfre  Generalstabsberichte
  sind  Muster  von  Wahrhaftigkeit.  Die  Lügenhaftigkeit  der  französischen
  Kriegsdepeschen  ist  dagegen  aus  der  Zeit  des  ersten  Napoleon
und  aus  1870/71  schon  hinlänglich  bekannt.  Frankreich  ebenbürtig  ist
diesmal  in  der  Fabrikation  verlogener  Darstellungen  das  verbündete
England,  bei  dem  sich  auch  hier  das  Zurücktreten  der  germanischen
Charakterverbesserung  und  das  Ueberwiegen  der  keltischen  Grundeigenschaften
  zeigt.  Daß  der  moskowitische  Mitverschworene  den  Genossen  im
Lügen  nicht  nachsteht,  ist  selbstverständlich.  Will  man  aber  bei  der
Beurteilung  dieser  Lügerei  einen  Unterschied  machen,  so  muß  man  sagen,
daß  der  russische  Betrieb  immer  noch  der  am  wenigsten  unanständige  ist.

Diese  Lügenwaffe  der  Gegner  wird  für  uns  doppelt  empfindlich
dadurch,  daß  in  jahrzehntelangen  Bemühungen  die  Bevölkerungen  der
verschiedenen  Staaten,  der  uns  feindlichen  wie  der  neutralen,  im  Sinne
der  jetzigen  Lügendepeschen  bearbeitet  wurden,  so  daß  sie  für  alle  deutschfeindlichen
  Entstellungen  überaus  empfänglich  gemacht  sind,  die  heutige
Lügensaat  also  auf  günstigen,  gründlich  vorbereiteten  Boden  fällt.

Die  bekanntesten  Werkzeuge  für  diese  Bearbeitung  sind  die  englischen
und  französischen  Depeschenbüros  Reuter  und  Havas;  fie  beherrschen
den  größten  Teil  des  Auslands  und  stellen  sich  skrupellos  in  den  Dienst
rücksichtsloser  Regierungen.  Dagegen  kann  unser  Wolffsches  oder  das
österreichische  Telegrafenbüro  nicht  aufkommen,  schon  weil  die  Regierungen,
  die  ja  auch  zu  ihnen  maßgebende  Beziehungen  haben,  in  der  Gestaltung
  und  Benutzung  der  öffentlichen  Meinung  des  Auslands  hinter
ihren  Konkurrenten  zurückstehen.

Franzosen  und  Engländer  haben  es  verstanden,  sich  überall  im  Auslande
  gefügige  Zeitungen  zu  verschaffen,  durch  finanzielle  Beeinflussung
in  erster  Linie.  In  Italien,  wo  der  französische  Botschafter  Barrère
besonders  fruchtbar  in  diesem  Sinne  gewirkt  hat,  und  in  allen  romanischen
  Staaten,  auf  dem  Balkan  namentlich  in  Griechenland,  in  Nord-
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        wie  in  Südamerika  wirkte  seit  langem  fast  die  gesamte  Presse  in  englischfranzösischem
  Sinne.  

Die  Frucht  dieser  Saat,  die  uns  auch  in  Friedenszeiten  vielen
Schaden  getan,  ist  in  diesem  Krieg  geerntet:  die  öffentliche  Meinung,
auch  des  neutralen  Auslandes  hat  sich  weit  überwiegend  auf  die  antideutsche
  Seite  gestellt.  ·

Freilich:  die  Wirkung  dieser  Lügenpädagogik  wäre  doch  nicht  so
durchschlagend  gewesen,  wenn  in  jenen  Landen  nicht  innere  Gegensätze
zu  deutschem  Wesen  vorhanden  wären.  Fleiß,  Wissen,  Gewissenhaftigkeit,
Ordnungsliebe  und  Opferwilligkeit  haben  den  Deutschen  zu  großen  politischen
  und  wirtschaftlichen  Erfolgen  geführt;  haben  ihm  aber  auch
Neider  und  Hasser  in  Menge  erstehen  lassen.  Der  Versuch,  durch  Fleiß
und  Wissen  dem  deutschen  Mitbewerber  in  der  Welt  gleichzukommen,
ihn  gar  unterzukriegen,  liegt  weder  dem  Engländer  noch  den  andern;
jetzt  soll  er  nach  langgehegtem  Plan  mit  Gewalt  kleingemacht  werden.

Jedenfalls  ist  es  unsrerseits  versäumt  worden,  die  Bearbeitung  der
öffentlichen  Meinung  des  Auslandes  durch  unsre  Gegner  mit  entsprechenden
  Gegenmitteln  zu  bekämpfen.  Die  ausländische  Presse  ist
zum  großen  Teile  mehr  oder  weniger  käuflich;  die  Zahlungsmethoden
mögen  hier  feiner,  dort  gröber  sein.  Auch  die  in  Laienkreisen  bis  vor
kurzem  sehr  angesehene  „Times“  spielt  hier  eine  wenig  erbauliche  Rolle.
Wie  sie  sich  gegen  bestimmte  Summen  den  Regierungen  zur  Verfügung
stellt,  darüber  ist  erst  kürzlich  allerlei  enthüllt  worden;  sie  verschmäht
selbst  kleine  Staaten  nicht.  Paraguay  zahlt  ihr  jährlich  2000  Pfund
Sterling.  Die  argentinische  Regierung  hat  neuerdings  einen  ähnlichen
Erpressungsversuch  der  „Times“  abgelehnt.  Daß  ihr  ihre  berühmte
russische  Beilage  enorme  Summen  einbrachte,  war  in  fachmännischen  und
politischen  Kreisen  ein  offenes  Geheimnis.  Wenn  jetzt  bekannt  wird,
daß  die  russische  „Nowoje  Wremja“  denselben  Geldmännern  gehört  wie
die  „Times“,  so  kann  man  sich  ungefähr  denken,  welch  tendenziöse  unterirdische
  Maulwurfsarbeit  hier  getrieben  wurde.  Die  „Times“  rühmte
sich  ganz  offen,  daß  dieser  Krieg  ihr  Krieg  wäre.  —  Dies  ein  Beispiel
für  viele.

In  Deutschland  wäre  es,  —  das  darf  zum  Ruhme  unsrer  Presse
gesagt  werden  —  völlig  undenkbar,  daß  deutsche  Zeitungen  im  Solde  des
Auslandes  stehen.  Das  erklärt  manche  Versäumnisse,  die  wir  draußen
begangen,  entschuldigt  sie  aber  nicht.  Denn  diese  Versäumnisse  haben  uns
ernsten  Schaden  bereitet.  Dazu  kam  noch,  daß  England  in  der  Lage  war,
unsre  direkten  Kabelverbindungen  zu  zerstören.  „Deutschland  ist  vom
internationalen  Nachrichtenverkehr  abgeschnitten,  kann  sich  gegen  Lügen
nicht  verteidigen“  klagte  der  Kanzler  im  Beginn  des  Krieges.

All  diesen  Uebelständen  muß  durch  den  Frieden  und  nach  dem
Frieden  mit  Nachdruck  abgeholfen  werden.  Das  wird,  wenn  des  Krieges
Stürme  schweigen,  eine  unfrer  Hauptaufgaben  sein,  und  nicht  die
leichteste.

Aber  selbstverständlich  konnte  der  Angriff  gegen  die  Großmacht  Lüge,  die
gegen  uns  aufgeboten  ist,  nicht  bis  zum  Friedensschluß  aufgeschoben  werden,
er  mußte  sofort  erfolgen.  Und  das  ist  in  reichem  Maße  geschehen.  Der  Kanzler,
  Botschafter,  wirtschaftliche  und  wissenschaftliche  Körperschaften,  engere
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        Kreise  und  einzelne  hervorragende  und  bekannte  Persönlichkeiten  haben  versucht,
  zunächst  im  neutralen  Ausland  durch  mündliche  Aussprache,  durch
Schriften  und  Zeitungen  aufklärend  zu  wirken.  Nicht  überall  scheint  man  die
tichtigen  Wege  eingeschlagen  zu  haben  und  ist  dadurch  vom  Ziele  abgekommen.
  Mit  allzu  stürmischen  und  pathetischen  Vorstößen  ist  nichts
auszurichten.  Vor  allem  aber  mangelte  es  an  der  einheitlichen  und
kritischen  Leitung;  wir  baren  auf  diesen  Kampf  nicht  vorbereitet,  und
so  fehlte  die  Organisation  dafür.  Eine  ruhige,  sachliche,  aktenmäßige
Darstellung,  wie  sie  unser  Buch  bietet,  wird  noch  immer  das  wirksamste
Mittel  der  Aufklärung  sein.

So  sind  denn  auch  schon  Erfolge  zu  verzeichnen.  Stimmen,  die  die
Lügenmethoden  entrüstet  ablehnten,  hat's  von  Anfang  an  in  allen
Ländern  gegeben.  Aber  fie  bildeten  eine  verschwindende  Minderheit  und
konnten  gegenüber  der  Gewalttätigkeit  der  Mehrheit  nicht  aufkommen.
Dieselbe  Gewaltätigkeit  wird  den  Bemühungen  entgegengestellt,  der
Wahrheit  den  Weg  zu  ebnen.  An  letzter  Stelle  steht  der  berühmte
englische  Zensor,  der  an  Willkür  und  grober  Entstellungskunst  alles  übertrifft,
  was  aus  den  schwärzesten  Zeiten  deutscher  Reaktion  berichtet  wird.

Die  deutschen  Erfolge  auf  den  Schlachtfeldern  werden  auch  weiterhin
der  deutschen  Wahrheit  das  Ohr  des  Auslands  am  wirksamsten  öffnen.
Aber  wir  dürfen  daneben  nicht  in  der  stillen  Arbeit,  in  dem  stillen  Kampfe
gegen  die  Lüge,  nachlassen.  Das  Ringen  um  die  gute  Meinung  des  Auslandes
  ist  für  uns  nicht  etwa  nur  ein  ethisches  Bedürfnis,  sondern  die
Lüge,  mit  der  wir  es  zu  tun  haben,  ist  eine  wirkliche  Macht,  die  die
Stellung  des  Feindes  mittelbar  und  unmittelbar  stärkt  und  festigt.
Darum  ist  es  Pflicht,  im  Kampfe  dagegen  nicht  zu  erlahmen,  wenns  auch
ein  Stellungskampf  ist,  bei  dem  der  Erfolg  Schritt  vor  Schritt  errungen
werden  muß.  Schließlich  wird  uns  auch  hier  der  Sieg  zufallen.
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                                     Inhaltsverzeichnis


Abberufung  des  englischen  Vize-Admirals

  Troubridde

Abbruch  der  diplomatischen  Beziehungen

  Montenegros  zu
Deutschland

—  der  diplomatischen  Beziehunzwischen

  Oesterreich  und

Frankreich'  .
—  der  diplomatischen  Beziehunzwischen
  Oesterreich:  und

Abfuhr,  Eine,  Englands  ..

Abkommen,  Ein  deutsch-russisches  .

Ablehnung  englischer  Auszeichnungen
  seitens  deutscher  Universitätslehrer


Ableugnungen,  Englische  und  französische

Abmarsch  der  Russen,  Der,

aus
Galizien
Abö,  Der  deutsche  Konsul  in,  hingerichtet!

Abreise  des  deutschen  Botschafters
von  Paris
—  des  deutschen  Gesandten  aus
Belgrad

—  der  deutschen  und  österr.  Diplomaten
  aus  Aegypten

—  des  englischen  und  belgischen
Vertreters  aus  Berlin

—  des  französischen  Botschafters
  von  Wien

—  des  Großherzogs  von  Mecklenburg--Schwerin
  nach  dem
Kriegsschauplatz  .

—  des  Kaisers  zur  Armee

—  des  österr.-ung.  Botschafters
von  London

—  des  österr.--ung.  Potschafters
von  Petersbung

—  des  g#ugischen  Botschafters
aus  Konstontinopel.

—  des  russischen  Gesondten  aus
Teheran

Absage,  Eine  dänische,  an  bie  Verbümdeten


Abschied  des  deutschen  Skutari-Detachements
  von  Wien

 

Selte

435

106

183
625
229

243
317
531
332

73

340

77
114
145
138
144

95
674
742

348
227

                                                                                                         Seite

Abschied  des  französischen  Generalissmus?




Abschiedsworte,  Kaiserliche,  an  aus-  "

ziehende  Kadetter
—  des  Kaisers  an  seine  Garde
Abschwenkung  der  deutschen  Armee
nach  Süden
„Abukir“,  Der  englische  Panzerkreuzer,
  in  den  Grund  gebohrt
Achterklärung,  Türkische,  gegen  den
„Sultan“  von  Aegypten
Admiral  Jellicon,  Der  „unvergleichliche
  Dienst“  des
Adresse  der  holländischen  Kolonie  in
Berlin  an  den  Kaiser

Adria,  Die  französische  Flotte  wieder
in  der.

Afghanen,  170  000,  gegen  Indien

Afghanenarmee,  Einmarsch  einer.  in
Indien ?
Afghanische  Aufmarsch,  Der,  gegen
Indien
—  Grenze,  Kämpfe  an  der
Afghanistan  gegen  Rußland
—  greift  an
Aegypten,  Abreise  der  deutschen  und
österr.  Diplomaten  aus
—  Die  Annexion  von,  durch
England  .
Aufstand  in..
Englands  Mißtrauen  gegen  .
Englands  Völkerrechtsbruch  in
Ein  englischer  Gewaltakt
gegen  die  Deutschen  in.
Englische  Gewalttat  gegen
den  Vizekönig  von
Englische  Gewalttätigkeiten
gegen  deutsche  Diplomaten  in
Türkische  Achterklärung  **
den  „Sultan“  von  
Türkischer  Vormarsch  in
unter  dem  Kriegsrecht
Vergewaltigung  Deutscher  in
Verhaftung  dvon  Deutschen  in
verweigert  England  den  Gehorsam

Zusammenstöße  zwischen  indischen
  und  englischen  Trup.
pen  in.  .

lllllll  l  llll

180
156

.  273

438

669

155

442
700

589
738
4901

340
847
742
274
667
4903
231
869
720
694

49
267

661
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                                                        II                                                                                Aegyptens  Souveränität  übernimmt

England  ...

—  Vergewaltigung  168,

—  Verteidigung  ..

Aegypter,  Die,  lassen  sich  nicht  nach
Europa  verschicken

Aegptische  Araber,  Gärung  unter

Aegypische.  Grenze,  Türkische  Kavallerie
  an  der
Aegyptischer  Protest,  Ein.
Aeltesten,  Die,  der  Berliner  Kaufmannschaft
  an  den  Großadmiral
  o.  Tirpitz.  .
Aermelkanal,  Das  Ende  der  Handelsschiffahrt
  durch  den
Ahlers,  Konsul,  zum  Tode  verurtellt
wegen  Spionage

 

—  freigesprochen  .
Aisne, Von den Kämpfen an der ...
Der  deutsche  Sturmangriff  an
der

—  Ein  französisches  Kommuniqué

  über  die  Schlacht  an  der
Akaba,  Das  Gefecht  bei

—  Engl.  Mißerfolg  gegen  705,

Alarmnachrichten,  Gegen  die  Verbreiter
  übler

Albanische  Küste,  Italienische  Kriegsschiffe
  an  der

Allensteiner  Reglerung,  Rückkehr  der

Allenstein,  Kavalleriegefechte  bei,
und  Johannisburg  .

Allgemeine  Wehrpflicht,  Die,
England ?

Amerika  gegen  England

—  gegen  englische  Uebergriffe

—  protestiert  „freundschaftlich“

gegen  England..

—  Der  Sieg  der  Wahrheit  in
Amerikaner  protestieren  gegen  die

deutschfeindlichen  Lügen
—  Ein,  über  Deutschlands  gerechte
  Sache

Amerikanische  Botschafter  in  Berlin,
Gerard,  Der,  über  die  amerikan.
  Rüstungslieferungen  .
Botschafter  in  Berlin,  Der,
gegen  die  Auslandslügen
Hilfsbereitschaft  in  Bayern
Journalisten  von  England  gemaßregelt

Schadensersatzforderung  gegen
England
–  Waffenlieferungen  für  die
Verbündeten,  Protest  Deutschlands
  gegen  deie
Amerikanischer  Dank  an  die  Hamburg-Amerika-Linie

—  Protest  gegen  die
Diebespolitik

in

englische

Selte

685

813

552
314

608

503

712
531

826
848

381

412
444
694
dadð

89

662
268
19
659

718

644

397
136

786

172
104

462
869

731
104
110



 

Amerikanischer  Protest  gegen  England
Amerikanisches  Urteil,  Ein,  über
englische  Heuchelei  ..
Amerikas  Aufgaben  im  Weltkrieg
Wilson  über  .

Amiens besetzt ?.
Amnestieerlaß  des  Großherzogs  von

Hessen
—  des.  Königs-  von  Bayern
Amtliche  Bericht.  Der  französische,
über  die  große  Schlacht.
Der,  über  die  Zusammenkunt

in  Malmö

—  deutsche  Erklärung.  Eine,
über  das  französische  Gelbbuch


—  deutsche  Meldung  über  die
Beschießung  der  englischen
Küste  .

—  Mitteilungen  über  Deutsch--Ostafrika
  .    

russische  Bekanntgabe  über
den  Untergang  der  „Pallada"
Amtlicher  österreichischer  Bericht,
Ein,  über  den  Riesenkampf
mit  den  Russen.  .  .
Anerkennung  des  Kaisers  für  die
österreichischen  Mörserbatterien
—  Französische,  der  deutschen
Flugleistungen
für  das  2.  bayerische  Armee-—korps

—  Kaiserliche,  für  die  Garde-Ersatztruppen

Anfrage,  Eine,  Amerikas  in  London
—  Deutschiands  an  Frankreich
über  seine  Haltung  im  Falle
eines  deutsch-russ.  Krieges
—  Eine,  Deutschlands  an  unsre
Feinde  wegen  der  Prisengerichte
  .
Angola,  Unruhen  in  ..
Angriff,  Abgewiesener  englischer,  auf
unsere  Küste  862,.
Der,  auf  die  „Dum-  Dum-Kultur!.
  .
Der,  auf  Tsingtau
eines  englisch-  französischen
Geschwaders  auf  die  Dardanellenforts

Der  englische,  bei  Tscheschme
Erfolgreicher,  gegen  die  feindlichen
  Stellungen  b.  Chaleau-Thierry

Angriffe  auf  Tingian  emeuert.
Angst,  Die,  der  Antwerpener
—  Englische  ..
Anleihe,  30  Millionen-,  der  Schwe  weiz
Anleiheversuch,  Ein  französischer,  in
Amerika  gescheitert
Anleiheversuche,  Mißglückte französische
  ....

—

fran-Seite


641

451

824
221

24
97

543
551

845

845
460

776
320

463

11

242

695

283
530

691

44

61

241
672
111
326

46
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                                                       III                                                                                Annexion  Aegyptens  durch  England

—  von  Zypern  durch  England  

Anschlag  Englands,  Ein  neuer,  auf
das  Völkerrecht

—  Ein  englischer,  in  Deutschland

Ansprache  des  Kaisers  an  die  Ost-—armee

—  Eine,  des  Kaisers  an  die
Truppen  .
—  Kaisers  an  die  Volksmenge
  .  11,
—  des  Königs  von  Bayern  an
seine  ausziehenden  Landsturmleute
  .
—  Eine,  des  Königs  von  Bayern
—  des  Reichskanzlers  ans  Volk
Antivari,  Beschießung  von,  durch
österreichische  Kriegeschisse“  
—  von  den  Oesterreichern  bombardiert.

Antwerpen,  Ausfall  der  Belgier  aus
abgeschlaogen  .195,
Ein  „Zeppelin“  über

meisters  von

Seite

847

700

827
070
822
186

13
534
737

13

95
412

319

211,  512
Eine  Mahnung  des  Bürger-  279

—  Der  Rat  für  Landesverteidigung
  in  325
—  Ein  deutsches  Flugzeug  über  470
—  Beginn  der  Beschießung
von  *  488
—  2  Forts  vor,  gefallen  493,  510
—  Die  ersten  Granaten  in  513
—  3  Forts  vor,  genommen.  518
—  Neue  Erfolge  vol  530
—  Ein  englisches  Hülfskorp=  vor,
auf  dem  Rückzuge  546
—  Der  Kampf  um.  547
—  Die  Beschießung  von  s60,  559
—  Die  Ansage  der  Beschießung  von  554
—  Englische  Schiffsgeschütze  in  559
—  Die  Uebergabe  von,  durch
England  verhindert.  544
—  Aufgebot  der  Jugend  von  565
—  Die  letzten  Stunden  von.  568
—  in  deutschem  Besitz  570
—  Die  Besatzung  von,  geflohen  574
—  Die  Frucht  der  drei  englischen
Marinebrigaden  von  578
—  Der  Kommandant  von,  gefangen
  581
—  Die  Siegesbeute  in.  581
—  Die  aus,  entkommenen  englischen
  Marinesoldaten  .  590
—  Der  deutsche  Kommandant  ,
von..  593
—  Engländer  über  angenügende
englische  Hilfe  in  ..  596
—  Die  englische  Hilfe  für.   617
—  Das  deutsche  Regiment  in  618

—  Beselers  Erlaß  an  die

 

Antwerpener,  Die  Angst  der

Antwerpens  Bedrängnis
Antwort  Frankreichs  an  Deutsch
land
—  an  Japan

—  des  Kaisers  an  die  deutschen

Erwerbsstände
—  Die  rechte

—  Serbiens  .  das  österr.  ung.  "

Ultimatum  ..
—  Eine  tapfere,  der  Türkei
—  Die,  Wilsons  on  Kaiser  Wilhelm.

—  Eine  würdige

Apia  besetzt  von  den  Engländern.
Araber,  Die,  gegen  die  Engländer
Arbeiterführer,  Ein  englischer,  über
das  englische  Weißbuch
Arbeiterpartei,  Die,  Englands,  gegen
Greys  Politik
Arbeitersyndikat,  Eine  Abordnung
des  französischen,  bei  General
«  Gallieni..  .
Arbeitslose  600  000,  in  Paris
Arbeitslosenfürsorge,  Der  Reichskanzler
  zur
Argonnen.  Ein  deutscher  Erfolg  in den

„Ariadne“,  Kampf  und  Untergang
der  201,
Ammeebefehl  des  bayerischen  Kronprinzen

—  des  Feldzeugmeisters  Potloret
—  des  Generals  o.  Kluck
—  Hindenburgs
—  des  Königs  von  Sachsen.
Armee  Dankl,  Die  Kämpfe  ader
—  Der  Kaiser  bei  der  dritten
—  Des  Kaisers  Dank  an  die
dritte
—  Englische  Klagen  über  die
französische
—  Glückwunsch  der,  an  die  Kaiserliche
  Marine
Ammeekorps,  Dank  des  Kommandierenden
  Generals  des  21.,  an
Elsaß-Lothringen  .

—  2.,  Siegesbeute  des

—  2.  bayerisches,  Anerkennung
für  das.

—  14.  *  des  Führers
des

—  Das  17

—  17.,  General  von  Mackensen.
an  das

—  Ein  ganzes  russisches,  von  den
Türken  bei  Köpriköi  geschlagen
  ..

Seite

241

575

.  531

18
176

490

554
549

205
380

321

328

710
307

722
710
743
639

248
515

266

230

87
127
335
300

222
297

220

728
        <pb n="10" />
                                                   IV

Armenische  Grenze,  Niederlage  der
Russen  an  der
Arretierung  eines  englischen  Botaillons
  298
Artillerie,  Vorzügliche  Leistungen
unserer  44
Artilleriekampf,  Der,  an  der  flandrischen
  Küste  680
—  Der,  in  Belgien  812

Asquith  über  den  Ernst  der  Lage  15
Der  Reichsbanzler  an.  .  .  323
Antemate,  Der  Gemeinderat  von
Metz  gegen  die  vorgekom-  -
menen  154
—  gegen  englische  Beamte  in Indien  «
589

„Audarious“,  Der  englische  Ueberdreadnought,
  gesunken  7565

Aufgabe,  Die,  der  österreichisch  -ungarischen

  Armee  vollkommen  gelungen

  418
Aufgebot,  Letztes,  Frankreichs  247,  286
und  445

—  der  Jugend  von  Antwerpen  565
Aufgefangene  französische  Befehle.  485
Aufmarsch,  Unser  ungestörter  130
Aufregender  Kampf  in  den  Lüften

an  der  englischen  Küste  6864

Aufruf  an  die  deutschen  Bäder  132
—  an  die  Holländer  in  Deutschland

  114

—  Der,  an  alle  Mohammedaner  723
—  an  die  norwegische  Kolonie  in

Berlin  .  1109

—  der  „Berliner  Frauenhilfe“  J790
—  Bischöflicher,  für  Posen  und

Gnesen  114
—  der  Belagerer  oon  Antwerpen
  an  die  Belgier  553

—  der  Deutsch-Amerikaner  75,  343
—  des  deutschen  Kaisers  an  Heer
und  Marine  ..  75
—  der  deutschen  Studenten  78
—  des  französischen  Generalissimus
  an  die  Elsässer  107
—  des  französischen  Präsidenten  216

—  des  Generalgouverneurs  von
Belgien  301
—  des  Grnerois  Gallieni  an  die
Pariser  226
—  des  Großherzogs  oon  Baden
an  seine  Badener  24
—  des  Großherzogs  von  Hessen
an  sein  Volk  26

—  des  Großherzogs  von  Mecklenburg-Strelitz
  an  sein  Land  104
–  des  Großherzogs  von  Alten-  3

—  der  Kaiserin  an  das  deutsche
Volk  80

—  der  Kaiserin  an  die  deutschen
Frauen  80

 

Aufruf  des  Kameruner  Gouverneurs
der  Königin  von  Bayern  an
die  bayerischen  Frauen

—  des  Königs  von  Bayern  an

seine  Bayern

—  des  Königs  von  Sachsen  an

sein  Heer  .  ..
—  des  Königs  von  Sachsen  an
sein  Volk
—  des  Königs  oon  Württemberg
an  sein  Volk
—  Der,  zur  Empörung  gegen  die
Engländer  in  Inden
—  Ein,  aus  den  Lüften
—  Ein,  der  neuen  französischen
Regierung
—  Ein,  der  polnischen  Nationalregierung

—  Ein  russischer,  an  die  deutschen
Soldaten  .
—  Ein,  der  Ukrainer
—  Ein,  der  Vertreter  deutscher
Wissenschoft  und  Kunst  an  die
Kulturwelt
Unser,  an  die  Kulturwelt
Aufrufe  zur  Erntearbeit.  .
Aufruhr  in  Kairo
Aufschneiderei,  Englische
Aufstand,  Der,  Dewets.
—  in  Aegopten  und  im  Sudan
—  Der,  im  Kaukasus
—  Der,  in  Somaliland
Aufstandsbewegung  in  Marokko  390,
„Augsburg",  Libau  vom  Kreuzer,
in  Brand  geschossen  ..
Augustom,  3000“  russische  Gefangene



—  Schwere  Niederlage  der
Russen  bei

Ausfall  aus  Antwerpen  zurückge--wiesen


—  Erfolgreicher,  aus  Przemysl  833

—  Ein,  aus  Tsingtau
Ausfüllung  der  Heereslücken  in
Frankreich
Ausländer,  Keine,  an  deutschen
Schulen
—  Keine,  auf  deutschen  Thronen !
Ausschreitungen,  Deutschfeindliche,  in
London
Austauschtruppen,“  Englische,  für  Indien
  ..

„Australia“,  Das  große  Schlachtschiff,
  verloren.
Australier,  Die,  besetzen  die  deutsche

Insel  Neupommern
—  *  Erbitterung  der,  über
japanische  Bündnis
Ausweisung    der  Deutschen  in  Hongkong


Selte
619

77

23
23
26

614
553

196
171

237

525

539

691
742
171
614
561

19

523
518
319

842
704

787
225

610
766
815
794
467
671
        <pb n="11" />
                                                         V                                                                       Ausweisung  der  letzten  Deutschen  aus Paris

Auszeichnungen,  Ablehnung  "  englischer,
  seitens  deutsch.    Universitätslehrer


—  für  Heerführer  182,  206,  207,

222,  230,  264,  265,  272,  338,

350.  508,  530.  532.  605,  712,

Automobilunfall  des  Prinzen  August
Wilhem

Automobilunfug,  Der  88


                              B.

Baden,  Aufruf  des  Großherzogs
von,  an  seine  Badener
—  Der  Großherzog
Kaiser  Wilheln
—  Telegramm  des  Kaisers  an
den  Großherzog  von.
Badener,  Auszeichnung  für  den  Führer
  der  .  .
Bäder,  Aufruf  an  die  deutschen  ..
Balkanbund,  Russische  Bemühungen
um  einen  neueun.
Balkonstaaten,  Die,  weisen  die  Verlockungen
  des  Dreiverbands
zurück
Ballin,  ein  „Zeuge“  der  „Times“
Ballons,  Verbot  von  Aufstiegen  von
Luftfahrzeugen  und,  in  der
Brovinz  Brandenburg  und
Berlin
Baltische  Meerbusen,  Die  Sperrung
des,  durch  die  Russen.  .
Barbarei  Englilche.  ..
—  Russische
„Barboren“,  Englisches  Zeugnis  für
die  deutschen  ...
—  Französiches  Zeugnis  für  die

–  Wir  und  die  anderen  .
Battenberg,  Prinz  Ludwig  von,  tritt
zurück
Batterien,  Zwei,  erobert  .
Batum   von   türk.  Kreuzern  bombardiert

—  Die  Russen

auf
—  Der  türkische  Vormarsch  auf
—  Türkische  Erfolge  bei
—  Die  Türken  vorn.
Bayerische  Prinzen,  Die,  im  Felde
Bayern,  Amnestieerlaß  des  Königs
von
—  Eine  Ansprache  des  Königs
von
—  Aufruf  des  Königs  von,  an
seine  Bayern
—  Aufruf  der  Königin  von,  an
die  bayerischen  Frauen

von,  an

"  zu  rückgetrieben

Seite

243

786

.  755

94

755

222
132

790

501
747

15
92
717
43
546

363
367

675
160

698
749
755
785
814

97
737

22

77

 

 

Bayern,  Das  Aushalten  der,  unter  den

schwierigsten  Verhältnissen

—  in  Kriegszustand

—  Der  König  von,  an  sein  Heer

—  Der  König  von,  an  seine
Landsturmleute

—  Der  König  von,  an  den  Kaiser

—  Der  König  von,  an  seine
Truppen

—  Der  König  von,  über
Krieg  mit  England  ..

—  König  von,  über  den  Sieg
seines  Sohnes

—  Prinz  Heinrich  von,  vernichtet
eine  Abteilung  französischer
Dragoner  117,

Beduinen,  2000,  in  Aegypten  eingefallen




Befestigung  Lembergs  durch  die
Russen  .
Befestigungen  um  Paris  ...
Begeisterung,  Deutschnationale,  der

Elsässer
Beginn  Der,  des  türkisch-russischen
Kampfes
Beglückwünschung    der  95er  durch  den
Kaiser

Behandiung,  Die,  deutscher  Gefangener
  in  England
—  der  Deutschen  Verwundeten
in  Frankreich  .
—  Die,  verwundeter  Kriegsgefangener
  in  Deutschland
Belleidsdepesche  des  Kaisers  an  den
Fürsten  zur  Lippe
Beileidskundgebung  des  Königs  von
Bayern  an  den  Fürsten  zur
Lippe
Belagerung
zweite
Belagerungszustand  in  Bulgarien
—  und  Mobilmachung  in  der
Türkei  .

Belfort,  Deutsche  Flieger  über  ..

—  Schweres    deutsches  Geschütz
bei

—  von  der  Zivilbevölkerung  verlassen


Belgien  bleibt  feindlich.  ..

—  Deutsche  Nonnen  in,  verhaftet
  ..

—  Das  deutsche  Regiment  in

—  Die  deutsche  Verwaltung  für

—  Deutsche  Warnungen  an
Frankreich  und  Belgien.

—  Englische  Soldaten  an

—  gibt  seine  Niederlage  zu

—  Kriegserklärung  Oester  reichs
an  .

—  Die  Post  in  .

—Ruckkehr der  Königin  von

 

von  Przemysl,  #  Die

verden



Seite

287
11

534
21
562
75
171

226

643
534

26
674

382
398
327
272

243

733
143

25
298

606

579
147

41
184
123
204
337
190

231
267
        <pb n="12" />
                                                           VI                                                                                 Belgien,  Tadelloses  Verhalten  der
deutschen  Soldaten  in.

—  Verhandlungen  Deutschlands
mit.

—  Ein  weiterer  Beweis  für
den  geplanten  Einmarsch  der

Franzosen  in  ..
Belgiens  Abfall  von  der  Neutralität
—  Antwort
—  Neutralität  25,  261,  360.
—  Neutralitätsbruch
Belgier,  Der  ordnungslose  Rückzug
der

—  Die,  sprengen  ihre  Kirchtütme

—  Wie  die,  durch  Deutschland
ziehen  wollten  ..

—  10000  tote  und  verwundete

—  Die,  beschießen  ihre  eigenen

Kirchen  .
Belgiern,  Den,  der  Weg  nach  Ostende

abgeschnitten).

Belgische  Abteilung,  Eine,  gefangen

genommen

—  Deputation  bei  dem  König
von  England

—  Einberufung  ins  Heer,  Deutscher
  Einspruch  gegen

—  Entschädigungsansprüche  gegen
  England

—.  Fahnen  in  Brüssel,  Verbot

—  —  Auffindung,  in
Brüssel.  .

—  Generalstab,  Der,
———  .

—  Gesandte  in  Berlin,  Abreise

des.

—  Gesandte  in  Dänemark,  Wie
der,  lügt
Gewalttätigkeiten,  Verfügung,

betr.  die  Mitwirkung  der  Geverläßt



richte  bei  der.  Erörteung,
gegen  Deutsche  ..

—.Graubuch  Das..

—  Greuel,  Feststellung  der

—  Hyänen,  Die

—  König,  Die'  Schuld  des,  am
Krieg

—  Konigin,  Die,  hat  Antwerpen
verlassen  .

—  Königspaar,  Das,  auf  der
Flucht

—  Neutralität,  Der  englisch-belgische
  Bruch  der
Protestkommission  bei  Wilson

—  Protestkommission,  Wilsons
Antwort  an  dei

—  Regierung,  Die,  geht  nach
Frankreich  .

Belgischer  Ministerialerlaß  über  die
Behandlung  deutscher  Gefangener


Seite

604

147
763
767

663
523

569

622
248

660
392

322
77
825

220
570
318
111
515
204
559

59V7
44

438
594

824

 

Belgrad  Abreise  des  deutschen  Ge  ,-sandten  in


 —in Flammen
—  eingenommen
—  Feierlicher  Einzug  der  Oesterreicher
  in.
—  von  den  Oesterreichern  ge.
räumt
Bemerkenswerte  Erklärung  eines
englischen  Diplomaten  über
Deutschland
Beobachtungsposten,  Ein,  auf  der

Kathedrale  in  Reims
Bericht,  Objektiver,  des  Vizerektors
der  Universität  Löwen
—  Der  amtliche,  über  die  Zusammenkunft

  in  Malmö  .  .
—  Englischer,  über  den  Kampf
bei  den  Falklandsinseln  ..
Berlin,  Der  Kaiser  an  die  Bürger
schaft  von  .
Bernstorff,  Graf,  über  den  Krieg.
Beschießung,  Die  Ansage  der  von
Antwerpen  ...
Neue,  Cattaros
eines  dänischen  Unterseebootes
der  Dardanellenforts  ..
Erfolglose,  von  Tsingtau.



von  Antivari  .
von  Antwerpen  488,  550,
von  Madras  durch  die
„Emden“.  447,

—  von  Reims

—  von  Sewaftopol  durch  die
Türken

Beschimpfung,  Eine,  verwundeter

Engländer  nicht  vorgekommen

Beschlagnahme  eines  amerikanischen  
Schiffes  durch  einen  englischen
Kreuzer

—  eines  deutschen  Lazarettschiffes
  durch  die  Engländer.

—  der  türkischen  Dreadnoughts,
Eine  Kundgebung  gegen  die
Beseitigung.  der  belgischen  Fahnen

Brüssel  .
Beselers  Erlaß  an  die  Antwerpener
—  Ein  österreichischer  Glückwunsch

  für  General  von
Besatzung  Antwerpens,  Die,  in  voller
Auflösung  geflohen
Besetzung  Luxemburgs  durch  deutsche
Truppen  ..
—  der  Schantungbahn  ..
Besichtigung  der  österr.-ung.  Nordarmee
  durch  den  Oberbefehlshaber
  Erzherzog  Friedrich
Bestialitäten,  Französische
Bestien  —  keine  Soldaten
Betrug,  Eine  unga  ische
über  den  englischen

 

Stimme

Sette
96
314
793
814

840

340
436
281
851
sss
466

554
638
698
644

95
559

448
398

713
716

641
640
142

392
575

642
574

21
523

510
453
592

88
        <pb n="13" />
                                                 VII                                                                                   Bettag,  Ein  allgemeiner,  vom  Kaiser
für  Preußen  angeordnet.
Beute,  Die,  von  Tsingtau
Beweis,  Ein  neuer,  für  Rußlands
Kriegsvorbereitungen  ..
—  Ein  weiterer,  für  den  geplanten
  Einmarsch  der  Franzosen
in  Belgien
Bewunderung  Italenische,  für  General
  von  Kluck
Beyers,  Absage  des  Burengenerals,
an  England
Der  Burengeneral,  ertrunken
und  Dewet  als  Führer.
Bilanz,  Die,  des  Krieges  .
Bileca,  Die  Niederlage  der  Montenegriner
  bei
Bischof  von  Paderborn,  Der  Fürst
von  Lippe  an  den
Bischöfe,  Ein  Hirtenbrief  der  deutschen,
  über  den  Krieg
Bischöflicher  Aufruf  für  Gnesen  und
Posen
Bissing,  General  o.,  Generalgouver-=neur

  von  Belgien  ..
Björn  deutsche

Björnson,  Der
Reichskanzler  und.
Blaujacken,  Eine  Heldentat  unserer
Unfre

Blockade  der  montenegrinischen  Küste

Bloßstellung  der  belgischen  Regierung
Blumenthal,  der  frühere  Colmarer
Bürgermeister,  steckbrieflich
verfolgt
Hoch=  und  Landesverräter
Bode,  Generaldivektor  Dr.  v.,  Eine
Erklärung  des,  wegen  der
Reimser  Kathed  rale  .
Bombardement  von  Rancy  durch
einen  „Zeppelin“  .
Bombenwerfer,  Der,  von  Lüttich  .
Bordeaux,  Die  Verlegung  der  französischen
  Regierung  nach
Die  ftanzösischen  Staatege
walten  in.
Bosnien,  Siege  ..
–  Siegreiche  briägig=  Schloct

Botha-  über  den  Krieg  .
—  marschiert  gegen  Deutsch·Sid·

westafrika
—  gegen  Dewet.
Botschaft,  Die  deutsche,  aus  Japon
abgereist
—  Deutsche,  in  Petersburg,

Plünderung  der
—  Deutsche,  in  Petersburg,  Hofrat
  Kattner  ermordet  in  der
—  Oesterreichische,  in  Rom,  Personalwechsel
  der
Botschafter,  Abreise  des  französischen
von  Wien

Seite

19
813

246

555
442
832
666
897
284
344
866
114
783
159

177
106

329

270
384
452

868
152

219

239
561

646
439
732
244

66
116
103
114

VII

 

Botschafter,  Abreise  des  österreichischungarischen,

  von  London
über  die  amerikanischen
Rüstungslieferungen  .-Ankunft
  des  neuen  österrreichisch-ungarischen,
  in  Rom.
Graf  Bernstorff  über  den

*  6  emstorf)  Erklärungen

Graf  von  Rex  beim  Abschied

von  Japan.  ..

Graf  Szapary  in  Berlin

Der  italienische,  in  Berlin,

reist  nach  Rom.

Der  italienische,  in  Berlin,  bei

San  Ginliano

österr.-ung.,  Abreise  des,  von

Petersburg

Der  österr.-ung.  bei  Kaiser

Wilhelm  ..

in  Paris,  London,  St.  Pe.

tersburg,  Der  Reichskanzler

an  die  deutschen
Ankunft

Prinz  Hohenlohe,
des,  in  Berlin
Protest  der  amerikanischen,  in
Paris  bei  der  französischen
Regierung

in  Rom,  Fürst  Bülow  zum

ernannt

russische,  Abreise  des,  aus
Konstantinopel  ..

Der  russische,  in  Berlin  erhält
  seine  Pässe

Der  spanische.  in  Wien  zur Lage

 Botschafterwechsel,  Spanischer,  in
Paris

Boulogne  von  den  Franzosen  geräumt ?

  222,

Boykott,  Englischer,  amerikanischer
Firmen  mit  deutschen  Teilhabern
  .

Brand  der  Kathedvale  von  Reims.

Brandmal.  Ein,  der  französischen
Justiz  ..
Braunschweig,  Die  Regentschaft  in
„Breslau“  und  „Göben“  zerstören
einige  französische  Mitielmeer·
häfen
Die  Heldentat  der
Breslau,  Der  Kaiser  in.
Brief,  Der,  eines.  belgischen  Grafen
an  seine  Mutter  .  .
—  Ein  offener,  an  den  Zaren
Brieftauben,  150  französische,  beschlagnahmnt

Briey,  Das  Erzbecken  von  ..
Britische  Kolonie  in  Berlin,  Erklärung
  der

Der  amerikanische,  in  Berlin

Seite

144

786
126

44

676
121

105
144
95

116

57
160
273
815
674

18
182
267
267

173
430

784

74
105

811

504
365

22
679

176
        <pb n="14" />
                                                  VIII

Seite

Brooklyns  Deutsch-Amerikaner  an
den  Kaiser  13
Bruch  Englands  mit  Deutschland  252—256
Brügge,  Ein  deutscher  Flieger    über  591
—  Kämpfe  bei  589
—  von  uns  besetzt  .  602
Brügges  Kunstschätze  u  i  622

Brüssel,  80  Millionen  Schaden  deutschen

  Besitztums  in  .  500
—  bileibt  in  deutschen  Händen  411
—  Die  Unseren  in.  .163
—  Haussuchung  in  der  deutschen

Gesandtschaft  in  .  ..  137
—  Unsere  Reiter  in  ..  174

Zum  deutschen  Einmarsch  in  167
Brüssels  Zahlungsverweigerung,  Die

Antwort  auf.  44
Brüsseler  Polizei,  Eine  Lektion  für
die  704
—  Bürgermeister  Max,  Der,  verhaftet
  444.  487
–  Bürgermeister  Magx,  Vom  330
„Brunnenvergiftung“  503
Brutalität,  Eine  neue  englische
gegenüber  Neutralen  422
—  Gegen  Englands  ..  337
Bülow,  Kaiser  Franz  Josef  an  den
Fürsten  .  151

—  Eine  Kundgebung  des  Fürsten  81
—  Oberpräsident  o,  an  Herzog
Ernst  Günther  zu  Schleswig-Holstein

  ..  143
—  Ein  Tagesbefehl  des  Generalobersten

  o.  .  296
—  Fürst,  über  den  Krieg  256
—  Fürst,  zum  Botschofter  in

Rom  ernannt  815

Bündnis,  Ein,  auf  Leben  und  Tod  85
Bürgermeister  Max  vdon  Brüssel
deutscher  Kriegsgefangener  509
Bürgerschaft  von  Berlin,  Der  Kaiser
an  die  466
Bukarest,  Türkische  Minister  .in  154
„Bulwark“,  Das  englische  Linienschiff,

  vernichtet.  779
Bundesfürsten,  Die  deutschen,  und
der  Kaiser  16

—  Die  deutschen,  wünschen,  daß
Kaiser  Wilhelm  das  Eiserne

 

Kreuz  anlege  61
Bundesgenossen,  Unsere,  kämpfen  er

folgreich  ...  .  .  142
Bundesratssitzung  12
Bundesregierungen,  Der  Reichskanzler

  an  deie  59
Bulgaren,  Die,  beschießen  ein  russisches

  Kanonenboot  672

Bulgarien,  Belagerungszustand  in  .143
—  duldet  keine  Nötigung  durch

 

Rußland  .  175
—  erkennt  seine  Feinde  .  .  172
gegen  Serben  387

Bulgarien  läßt  sich  nicht  kaufen.
Mobilmachung  in
—  Neutralitätserklärung
—  Neue  russische  Angehörigten

—  Politiischer  Mord  in
—  unbedingt  neutral
—  verweigert  die  Durchfuhr  von
russischem  Kriegsmaterial
—  weist  russische  Anerbietungen
zurück
Bulgarische  Absage,  Eine,  an  Rußland
  .
—  Ministeerpräsident  Eine  Warnnung
  des
Bulgarisches  Ultimatum,  Ein,  an
Serbien?  ..
—  Wort,  Ein  kräftiges

  ..
Bulgarisch-griechisches  Grenzgefecht

—  -serbische  Spannung,  Die,
wächst.
Buren,  Englische  Liebeswerbungen.
um  die
Erfolge  der
Die,  gegen  die  Offensive  gegen
Deutsch-Süd  west.
—  Die,  und  der  Krieg
—-  aufstand,  Der,  in  Sundafrika
670.  674.  708.  709.
—  general  Beyers’“  Absage  an
—  England
—  kommando,  Rebellion  eines
—  oberst  Maritz,  Der  Vertrag

—  —  wieder  im  Feld.  .
Buxton,  Mordanschlag  auf  d.  Brüder

C.

Calais,  Ein  deutsches  Flugzeug  über
—  „kein  vitaler  Punkt“  für  die
Engländer
Camp  des  Romains,  Tagesbefehl
zur  Erstürmung  des  Forts
Carnegie  auf  dem  Rückzuge
Casablanca,  Die  Todesurteile  von,
kassiert
Cattaro  von  den  Franzosen  beschossen
—  Wirkungslose  Beschießung  von
—  Feindliche  Schiffe  vor
—  Französische  Geschütze  zur  Beschießung
  von
—  Neue  Beschießung  von
—  Französischer  Kreuzer  beschädigt
  vor
Chamberlain,  Houston  Stewart.
gegen  England  .
Chatt-el-Akab  Gefechte am.
Chilenische  Kriegsschiffe,  Im  Bau  begriffene,
  von  England  mit

Beschlag  belegt

327

Seite

107
15

232
662
348
503
322
790
549

508

675
679
676
722
422
41
658
739

442
593

757

873
601

500
657

529
319

842
214
218
389

443
500

543
249
710

369
        <pb n="15" />
                                                                 IX                                                                    Chilenische  Küste,  Der  amtliche  deutsche

Bericht  über  den  Seesieg  an

der.

China  gegen  England  und  Rußland
—  Erregung  in  ..

—  Notenwechsel  zwischen

Deutschland  und

Chinas  Neutralität  durch  Japan  verletzt-


  Chinesen, Japanische  Grausamkeiten
gegen
Chinesischer  Protest,  Ein,  in  Tokio

701.

Seite

731
382
401
730
599

556
576

und  736

Chinesisch-japanische  Spannung
Cholera,  Die,  in  Nisch
Christliche  Gewertschaften,  5-Millionenspende
  der
Churchill  über  den  Ausfall  des
Krieges
—  Eine  Rede  des  Marineministers
  .
als  Befreiungsprophet“
der  Maulheld  .
kein Napoleon..
der  Allerweltsmensch
über  die  englische  Flotte
Churchills  Dank  an  Japan
—  Sündenregister
Clemenceau  als  Verleumder
—  fordert  die  Wahrheit
Clemenceaus  neuer  Schwindel
Coburg-Gotha,  Der  Herzog  von,  sagt
sich  von  England  los
Colmar,  Steckbrief  hinter  dem  Bürgermeister
  von
Communiqué,  Ein  französisches,  über
die  Schlacht  an  der  Aisne
—  Der  Wortlaut  d.  französischen
„Cressy“,  Der  englische  Panzerkreuzer,
  in  den  Grund  gebohrt
Cumberland,  Glückwunsch  des  deutschen
  Kaisers  an  den  Herzog
von
„Curie“,  Das  französische  Unterseeboot,
  vernichtet
Cuxhaven,  Abgewiesener  englischer
Angriff  auf  862,
Chenstochau—Sosnowice,  Die  Eisenbahn,
  in  deutschem  Betrieb
—  Die  deutsche  Verwaltung  in
—  Der  russische  Zusammenbruch
bei
Czernowitz,  Erfolgreicher  Vorstoß  bei
—  Die  Oesterreicher  in.  .
—  Abzug  der  Russen  aus.

11111

D.

Dämmernde  Erkenninis  in  Serbien
Dänemark,  Neutralitätserklärung  von

81.

603
370

111
311
341
343

607
624

641

782
639
645
396
219
666

208
270

44
545

438

431
854
866

219
44

816
242
642
643

595
14
125

 

Dänische  Absage,  Eine,  an  die  Verbündeten

—  Kolonie,  Die,  in  Berlin  97.
Dänischen  Minen,  Die,  und  England
Dampferdienst  Folkestone—Ostende,
Unterbrechung  des

Dampfer,  Ein  englischer,  versenkt
„Indion  Prince“,  Der  englische,
  vom  „Kronprinz  Wilhelm“
  vernichtet  ...

—  Sieben  englische,  von  der
„Karlsruhe“  versenkt

—  Vier  englische,  von  der
„Emden“  versenkt

eines  deutschen  Generals  an

seine  Soldaten  .

an  die  elsässischen  Truppen

Der  grinsende

Kaiser  Franz  Josefs  an  seine

Heerführer

—  des  Kaisers  an  die  Befreier

Ostpreußens
hol-Dank



—  des  Kaisers  an  die
ländische  Kolonie  in  Berlin
Kaiserlichen
Kaiserlicher,  an  die  Truppen
der  rumänischen  Kolonie  in
Berlin  an  Deutschland
—  Ungarischer,  an  Kaiser  Wil-—.

Der,  verwund.  Franzosen  321,
Dank,  Die  Armee,  in  heftigem
Kampfe  242.
Dardanellen,  Schließung  der
—  Zur  Sicherung  der

—  Zur  Sperrung  der  485.  501.
591

Dardanellenforts,  Die,  angegriffen.
—  Die,  beschossen  ..
Dardanellensperre,  Die  Aufhebung
der,  abgelehnt  .
Daressalam  von  den  Engländern  angegriffen

Das  abgekartete  Spiel
England  und  Japan
Dementierung  russischer  Truppenlandungen
  in  Frankreich
Demission  der  englischen  Marinemission
  in  Konstantinopel
Delarey  über  den  Krieg
—  Die  Schüsse  auf  .
Dementiert,  Wie  die  englische  Re—
gierung  .
Denkmäler,  Schonung  der  geschichtlichen

Denkschrift  der  deutschen  Regierung

gegen  französische  Greuel
—  der  deutschen  Regierung  über
die  Stellung  Englands  und
Frankreichs  zu  der  Londoner
Seekriegsrechts-Erklärung

zwischen

178.

Seite

348
126
49

314

321

460
504
489

496
404
158
285
290
168
193
121
109

94
771

248

75
154

698
550
109
42
291
343
334
516
229
572

625

648
        <pb n="16" />
                                                            X                                                                           Denkschrift  des  Reichskolonialamts
über  Deutsch-Ostafrikas  Heldenkampf


Depeschenwechsel,  Deutsch  englischer
vor  dem  Kriege

Dernburgs  Aufgabe  in  Amerika

Desertionen,  Die  russischen

Deutsch-Umerikaner,  Aufruf  der  75.

—  Brooklyns,  Die,  an  den  Kaiser

Deutsch-amerikanischer  Glückwunsch,
ein
Deutsche  Boden,  Der,  von  den  Franzosen
  gesäubert  -  -.
Deutschen,  Die,  vor  Dünkirchen
—  Die,  in  Kapland
—  Südmarokkos,  Die,  in
französischer  Gefangenschaft
—  Die,  sind  alle  „Verbrecher“
Deutschenhetz  eines  italienischen
Blattes
Deutsche  Regierung,  Erklärug  der
—  —  Die,  und  Hollands-Neutralität


Deutsche  Regiment,  Das,  in  Ant-.
werpen  
—  Reiter  in  Troyes
—  Truppen  in  Frankreich,  Das
korrekte  Verhalten  der  .
—  Zeitungen  in  Japan,  Verbot
  zweier
Deutschfeindliche    Zeitung  in  Christiana.
———
Deutschland,  Die  Mobilmachung  in
im  Kampf  mit  den  Kolonien
der  feindlichen  Mächte
kämpft  für  die  Zivilisation·
und  China  .
und  England
und  der  große  Krieg
und  die  Londoner  Deklaration
und  die  Südafrikanische  Union
und  die  Türkei
Deutsch  Ostafrika,  Kämpfe  in.
Amtliche  Mitteilungen  über

Deutsch-Ostafrikas  Heldenkampf.
Deutsch-Südwestafrika,  Botha  marschiert

  gegen
—  Ein  Gefecht  in.
—  Eine  Niederlage  der  Engländer

  in.
portugiesische  Niederniderlage in

—  Eine
Deutschtum,  Das,  ist  es,  gegen  das

——.i

 

lage  in
Rußland  kämpft
Dewet  des  Meeres,  der
—  und  Beyers  als  Führer
—  Botha  gegen.
Dewets  Aufstand
—  Ein  Sieg

Seite

678
164

398
138

343
13

326
108

435

439
316

97
431

348

618
280

345
399

389
12

111

730
537
44
691
820
154

295
460

878

439
487

849

394
499
666
732

691
719

 

Dewets  Gefangennahnme  312,

Diplomat,  Bemerkenswerte  Erklärung
  eines  englischen,  über
Deutschland

Diplomaten,  Englische  —
keiten  gegen  deutsche,  in

-  Aegypten...

Disziplin,  Ein  ehrendes  Zeugnis  für
die  vortreffliche,  unserer
Truppen  ....

Dixmuiden  gestürmt

Dokument,  Ein  amtliches,  über  die
Greueltaten  der  Russen

—  Ein  würdiges,  der  Triple-  .

entente

Dover,  Ein  deutsches  Unterseeboot
vernichtet  das  englische  Kanonenboot
  „Niger  auf  der  Höhe
von

—  Ein  deutscher  Fleger  über.

Dreodnought,  Ein  französischer,  erfolgreich

  torpedirt

Drina,  Kämpfe  an  der,  und  Save

Dreibundspolitik

Dreiverbandsverlockungen,  Die,  von
den  Balkanstaaten  zurückgewiesen


Dreiverband,  Flottendemonstration  .

des,  gegen  die  Türkei

—.  Die  Staaten  des,  schließen

keinen  Einzelfrieden  ..

—Turkei  und..

—  Das  Verbrechen  des
Duala,  Die  Besetzung  von  .  ..
Dünkirchen,  Die  Deutschen  vor

—  Kanonendonner  bei

—  Der  Kampf  um.

—  Gegen

Düsseldorfer  Luftschiffhalle,  Der  englische

  Fliegerangriff  auf  die

Düsseldorf,  Feindliche  Flieger  über

Dumamitglieder,  Sozialdemokratische,
verhaftet

—  Alle  radikalen.  verhaftet

in  der

Dum-Dum-Geschosse  249.  261  273.
318.  357.  35.  371.  380.  397.

414.  417.  464.
—  Ableugnung  der,  seitens
Englande

—  Amtliche  Erklärung  über  die
—  in  Berlin
—  bei  Engländern  und  Franzosen

—  Die  englische  Regierung  liefert

—  Frankreich  rüstet  die  Franktireurs
  aus  mit.

—  und  die  französische  Regierung

—  Französische  Ausflüchte  wegen
der  Verwendung  von  .

Seite

816

.340

231

412
718
405

137

725

852

153
113
501

490

240.
364

330

482
605
611
612
618

445
47

759

841
«  Duma,  Russische  Unverschämtheiten

93

280.
406.
478.

261
212
269
197
198
371

300
298

47
        <pb n="17" />
                                                   XI

Seite

„Dum-Dum-Kultur",  Der  Angriff
auf  die  283
Durazzo,  Feindliche  Schiffe  vor.  389

Durchbruch,  Ein  französischer,  abgewiesen
  332

Durchbruchsversuch  bei  Nieuport,
Ein,  von  uns  abgewiesen  696

–  Der  russische,  bei  Lemberg
abgeschlagen  237

Durchfuhr  russischen  Kriegsmaterials
von  Bulgarien  verweigert  503

Ehrentag,  Ein,  des  Reichstags  27
Einberufung  des  deutschen  Reichstoags

  .  12.  16
—  ins  Heer,  Deutscher  Einspruch
gegen  belgische  556

Eindruck,  Der,  der  österreschischen
Siege  in  Konstantinopel.  239

Eingebrachte  Dampfer  in  Swminemünde
  *  591
Eingeständnie,  Frankreichs  ..  184

—  Ein  wichtiges,  betr.  der  französischen
  Dum-Dum-Geschosse  357
Eingreifen,  Das,  Portugals  774
Einmarsch,  Zum  deutschen  in  Brüssel  167

—  der  Franzosen  in  Belgien,
Ein  weiterer  Beweis  für  den  83

—  Türkischer,  in  Rußland  728
Einnahme  von  Belgrad  793
—  der  Feste.  Givet  211

Ein  topferer  Deutscher  in  Samon  643
Einzelfrieden,  Kein,  darf  von  den
Staaten  des  Dreiverbandes

geschlossen  werden  240
Einzug,  Feierlicher,  der  Lesterreicher
in  Belgrad  .  814

—  der  Japaner  in  Tsingtau  742
Eisenbahn  Sosnowioe—Czenstochau
Die,  in  deutschem  Betrieb.  219
Eiserne  Kreuz  1.  und  2.  Klasse,  Das,
für  Erzherzog    Friedrich  286
—  Das,  für  General  v.  Strantz  338
—  Das,  für  den  Großherzog  von
Oldenburg  350.  530
—  für  die  Helden  der  „Emden“  695
—  Das,  für  Herzog  Ernst  von
Sachsen-Altenburg  ..  399
—  Das,  1.  und  2.  Klasse  für  den
Herzog  von  —

 

Gotha  .  508
—  für  Hellmuth  Hirth.  236
—  für  Flieger  Ingold  286
—  1.  und  2.  Klasse,  Das,  für
Kaiser  Wilhelm  681
—  1.  Klasse,  Das  für  den  Kommandanten
  von  „U.  9"  455
—  1.  und  2.  Klasse,  Das,  für  den
König  von  Sachsen  651

Eiserne  Kreuz,  1.  u.  2.  Kl.,  Das,  f.  d.
Erzherzog  Leopold  Salvator
—  1.  und  2.  Klasse,  Das,  für  den
österreichischen  Thronfolger
—  1.  Klasse,  Das,  für  Prinz
Eitel  Friedrich.
—  1.  und  2.  Klasse,  Das,  für
Prinz  Friedrich  Leopold  von
Preußen

—  1.  und  2.  Klasse  für  Pizeadmiral

  Graf  v.  Spee
Eiserne  Kreuze,  110,  für  das  Infanterie-Regiment
  Nr.  883
Eitel  Frieprich,  ern  rn  des
1.  Garderegiments

Elsaß,  Zurückweichen  der  Franzosen

im  Ober-—

  Die  deutschen  Grenzschutztruppen

  im  Ober-—
  Lothringen,  In,  alles  gui
—  Dank  des  kommandierenden
Generals  des  21.  Armeekorps

Elsässer,  Deutschnationale  Begeisterung

  den
Elsässische  Kriegsschauplatz,  Vom
—  Truppen,  Dank  an  die
„Emden“,  Der  Streifzug  des  Kreuzers
  .
Die  beschießt  Madras
Die,  dor  Pondichery.
Vier  englische  Dampfer  von
der,  versenkt
Jagd  auf  die
Die,  arbeitet  weiter
Die  Opfer  der
Die,  vernichtet  einen  #enischen
  Dampfer
Die  neuen  Taten  der
Der  Kaiser  an  die  Stadt
Dos  Eiserne  Kreuz  für  die
Helden  der
Das  letzte  Gesecht  der
Das  Schicksal  der
„Eine  neue,  stärkere,  wird  er
stehen“  ..  .
—  „Mannschaft,  Jagd  auf  die
—  Die  Landungsabteilung  der
noch  in  Freiheit
—  Das  Gefecht  der,  mit  dem
Kreuzer  „Sydney“  ..
England,  Das  abgekartete  Spiel  zwischen
  Japan  und.
—  Die  allgemeine  Wehrpflicht  in
—  Anerikanische  Schadensersatzforderung
  gegen
annektiert  Aegypten
annektiert  Zypern  ..
billigt    Japans  Vorgehen  bei
Besitzergreifung  d.  Schantungbahn
  .....  
—  Deutschland  und

1

Seite
776
774
264

272
us
294
16
174.
89
178
127
26
404

49
447

4537

489
581
641

662
673
686

695
720
720

741
754

756
777

  422
229

869
694

611
537

TI
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                                                XII                                                                                       England  hat  keine  Eile

—  ins  Stammbuch
und  die  Inder
und  Japan
Keine  Mobilmachung  in
macht  reinen  Tisch
Moratorium  in.
und  die  Neutralen
stiehlt  türkische  Kriegsschiffe
vom  ersten  Augenblick  zum

1111  l  111

Kriege  entschlossen  69.
—  Wann  hat,  den  Krieg  begonnen?
  434.

Wie,  den  Krieg  vorbereitete
Englands  Bruch  mit  Deutschland

Brutalität,  Gegen
Fiasko  in  Bulgarien
Flotte

getäuschte  Hoffnung  auf  Ruß—-land


Haltung  unverständlich  .
Kriegserklärung  an  Oesterreich-Ungarn.

militärische  Schwäche  .
Mißtrauen  gegen  Aegypten  .
Neutralitätsbruch,  Gegen
Ohnmacht  gegen  Unterseeboote

Politik,  Unterstaatssekretär
Trevelyan  über  .

Verantwortung  für  den  Weltkrieg
  .
—  Verrat  an  Ulster  .

—  Verrat  a.  d.  weißen  Rasse  1851,
—  vorsichtige  Offensive
Engländer,  Die,  verprügeln

Inder
—  Ein,  gegen  die  Mär  von
den  deutschen  Grausamkeiten
—  Ein,  gegen  England
—  über  ungenügende
Hilfe  für  Antwerpen

Englische  Armee  geschlagen  bei  St.
Quentin.
—  Armee,  Vermehrung  der,  um
eine  halbe  Million  .
—Barbarei..  .
-  Befürchtungen.
—  Botschafter  in  Berlin,  „  Abreise
des
—  Entsatz,  Der
Flotte,  Eine  „Heldentat-  der
Greueltaten
Klagen  über  die  franzößische
Armee
Kriegsführung
Marine,  Verluste  der
Marinemission,  Die,  hat  die
Türkei  verlassen
—  Ostküste,  Die  Verteidigung  der

ihre

englische  

bis

Seite

608
436
567
359

10

401
73
517
92

144

539
475

252
256
397
390

3

612
104

116
481
274
747
497

295

505

512
168
444

869

433
106

596

191

87
717
472

77
219

109

232

230
717
437

221
240

 

Englische  Panzerkreuzer,  Drei,  vernichtet

—  Pressestimmen
—  Regierung,  Wie  die,  dementiert
  ,.
Rückzugsgefechte,  Die
Schande

Schwestern.  in  Brüssel  weigern

  sich,  verwundete  deutsche

Soldaten  zu  pflegen

—  Seeräubereien

—  Stimmen,  Die

—  Vergewaltigungsversuche  der

»  nordischen  Mãchte  .

—  Wut  .
Verluste  Die

Englische;  Bericht

—  Betrug,  Eine  ungarische
Stimme  über  den.

Dampfer  versenkt

Kleinkrieg  in  unseren  Kolonien


—  Kriegskredit,  2  Milliarden
Englisches  Hilfskorps,  Ein,  vor
Antwerpen“  auf  dem  Rückzuge

—  Weißbuch,  Ein  Nachtrag
aus  dem.  .
—  Zeugnis,  Ein,  für  die
deutschen  Barbaren  .
Entflohen,  Ein  —
englischer  Major
Entsatz.  Der  englische
Entschädigungsansprüche,  Belgische,

gegen  England
Entscheidung,  Noch  keine,  in  Frankreich


—  Die,  in  der  Lust
–  Die,  in  Ostgalizien  .
—  Vor  der,  im  Westen
Entscheidungskampf,  Der,  zwischen
Oesterreichern  und  Russen.
Entscheidungskämpfe,  Bevorstehende,
in  Serben
Entscheidungsschlacht  im  Westen,
Der  Höhepunkt  der
Enttäuschung,  Die,  Englands  581,

Enttäuschungen,  Die,  unserer
Feinde  im  Westen

Enver  Pascha  an  Kronprinz
Wilhelm

Entwaffnung  von  22  000  Soldaten
  in  Holland
Entwickelung  der  Kampffronten  im

Kaukasus
Erbeutung  von  zahlreichen  französischen
  Feldzeichen,  Geschützen

  und  Gefangenen
Erbitterung  des  Islams  gegen
England
—  in  Persien  gegen  Rußland

Seite

229
245
478

668
242
739

231
443
239

#414

321

325
675

546
212
546

44
219

440
403
214
484
203
722

560
615

624
696
583

702

179

671
661
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                                                          XIII                                                                             Erbitterung,  Wachsende,  der  Türkei
gegen  England  .

Erfolg,  Ein  deutscher, in den
Argonnen
Der  Östereichische,  gegen  die
Serben
—  Türkischer,  im  Kaukasus  .
—  Ein  neuer  türkischer,  gegen
die  Russen  ....
Erfolge   der   Buren.....
—  —  Deutsche,  im  Westen.
Englische,  in  Südafrika
Neue,  im  Osten
in  Ost  und  West
der  Oesterreicher

in  den  Ar.

171,  173,

Seite

96

710

690
794

737

722
157
813
791

386,  595

177  233,  439,  646,  690,  709

Neue,  bei  Reims  und  Verdun
über  die  Russen  95,  97,  99,

101,

Türkische,  bei  Batum  .  ..
im  Westen  657,
Erklärung  der  deutschen  Regierung
—  Eine,  der  japanischen  Regierung


Erklärungen  des  Botschafters  Gusen
  Bernstorff
Minister-—

  des  italienischen
präsidenten
Erkrankung  d.  Generals  o.  Moltke
—  Leichte,  des  Kaiserrs.
Ermordung  des  österreichischen
Thronfolgeres
Ernst  der  Lage,  Asquith  über  den
Erntearbeit,  Aufruf  des  Kultusministeriums
  zur
Eroberung  zweier  Batterien,  einer
Fahne  und  500  Gefangener
Eröffnung  des  Reichstags,
liche,  durch  den
Erregung  in  China
—  in  Persien
Erschießung,  Unrechtmäßige,
Deutschen  in  Ostende
Erstürmung,  Die,  von  Köpriköl
durch  die  Türken
—  von  Sabatsch.  .
Erwerb  deutscher  Schiffe.  durch  die
Vereinigten  Staaten ?  .

Erwerbsstände,
deutschen

Kaiser  .

eines

Kundgebungen  der

Feier-413


550

785
689

431
241
44
503
654
822

3
15

20
160
27
401
434
313

728
153

279

480

—  Antwort  des  Kaisers  an  die

deutschen
Erzausfuhr,  Die  britische  Unterbindung
  der  schwedischen
Erzbecken,  Das,  von  Longwy  und
Briey
Erzbischof  von  Lemberg,  Der,  von
den  Russen  verhaftet
Erzbischöfliche  Stuhl  von  Posen-Gnesen,
  Besetzung  des
Erzherzog  Friedrich  aon  Hindenburg

490
494
679
291

107
784

XIII

 

6————.[  —  —  ——  —  —..—.

Falsche  Gerüchte

Erzherzog  Friedrich,  Der  Oberbefehlshaber,
  besichtigt  die
österreichische  Nordarmee
Friedrich  erhält  das  Eiserne
Kreuz  1.  und  2.  Klasse

—  Leopold  Salvator  an  Kaiser

Wilhelm

Es  geht  weiter  vorwärts  im  Westen

497,

„Es  wird  weitergedroschen“  schreibt
Hindenburg

Exekutionskomitee  des  Internationalen

  Sozialistischen  Bureaus,

  Aufruf  des  .

J.

Fähre  Saßnitz—Trelleborg,  Unerwarteter
  Erfolg  der

Fälschen,  Wie  die  Engländer

Fälscherkünste  Englands,  Die  deutsche
  Regierung  gegen  die

Fälschungsversuche,  Die  Wiener
Regierung  gegen  englischrussische


Fahne,  Eroberung  einer,  bei  Tirlemont


Falkenhayn,  Kriegsminister  von,
zum  Chef  des  Generalstabernannt


Falklandsinseln,  Die  Seeschlacht
bei  den  829
Englischer  Bericht  über  den
Kampf  bei  den  .

Feindesschiffe  vor  Durazzo  und
Cattaro  ....

Feindliche  Nachrichten  vom  Fall
Tsingtaus=Feldgeistlicher,

  Ein  deutscher,  mißhandelt


Feldlazarett,  Ein  deutsches,  von

den  Franzosen  zerstört
Feldpostsendungen,  Bekanntmachung
über  die
—  Zurückhaltung  der
Feste  Boyen  von  den  Russen  belagert

Festsetzung  oller  wehrfähigen.  Engländer
  in  Deutschland
Feuer,  Unter  deutschen
„Figaro“",  Die  Wunder  des
Finanzlage  Frankreich
Finnische  Meerbusen,  Englische  Unterseeboote
  ..
Finnland,  Ernste  Loge  in.

—  im  Kriegszustaoadd
Fischdampfer,  Ein  englischer,  *

Minen  gelaufen  .
Fischerflottille,  Eine  englische,  in

der  Nordsee  gefangen

Seite

510
286
777
524

277

285

457

457
160

825
830
863

389
682
630
341

134
238

315

698
182
361
586

762
376

15
48

240
II*
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                                                         XIV                                                                    Flandrische  Küste,
an  der  .
—  Kampf  um  die
Fleet-in-being-Taktik,  Die
Flieger,  Braver  österreichischer,  gefallen

Deutsche  an  die  Russen  .
—  Nicht  schießen  auf
über  Antwerpen  ..
—  —  Belfort  und  Nancy
—  —  dem  Kanal  ..
—  —  Paris  475,  562.
Deutscher,  im  Kampf  an  der
englischen  Küste  .
über  Brügge
—  Dover  .
—  Joffres  Hauptquartier



1
111

—  Rouen
—  St.  Omer
Versailles
Feindliche.  über  Düsseldorf
„  Drei,  über  Freiburg
  i.  B.
französische,
Friedrichshafen
Hirth  erhält
Kreuz.
—  Ingold  erhält.

—  Japanische,  über  Tsingtau  .
—  Nur  deutsche,  über  Berlin
Fliegerangriff,
die  Düsseldorfer  Luftschifhalle

Fliegerbomben  in  Gent  ..
Fliegertruppe,  Freiwillige  vor,  für  d.
Flotte  Der
Die,  nach  den  Philippinen
abgegangen
deutsche,  Englands  Maßnahmen
  gegen  die
Englands,  Tie
englische,  Churchill  über  die
englische,  im  Sturm,  Die
französische,  wieder  in  der
Adria,  Die
Furcht  vor  der  deutschen
Oesterreichisches  Lob  für  die
deutsche  .
—  Russische,  unterwegs,  Die
—  Türkische,  auf  der  Fahrt,  Die
—  Unsere,  in  der  Ostsee
Flottenangriff,  Deutscher,  auf  Englands
  Küste
Flottendemonstration  des  Dreiverbandes
  gegen  die  Türkei

Flottenkämpfe  im  Schwarzen  Meer
746,
Flottenmobilisierung  in  Portugal.

111411

Feindliche,

"  über

das  Eiserne

das  Eiserne
.286

Vereinigten  Staaten,

Seite
Artilleriekampf
680

643
42

688

438

89
382
298
701
580

864
591
852

603
591
602
313
17

6826

756
286

271

Der  englische,  auf

445

243
(117

573

491

782
389

442
402

129
583

672
281

843
490

755
668

 

Flottenverein,  Der  deutsche

Flucht  der  drei  englischen  Marine-  526

.  brigaden  von  Antwerpen
—  der  russischen  Armeen

—  der  serbischen  Regierung
nach  Uesküb
Flugzeug,  Ein  deutsches,  über  Antwerpen



—  Ein  deutsches,  über  Calais

—  Ein  französisches,  heruntergeschossen


—.  Ein  französiche“,  beschlagnahmt


Fortschritte,  Deutsche,  im  Westen  676.

Frankreich,  Bruch  des  Völkerrechts

durch.

—  Friedens-  und  Neutralitätsbruch
  durch

—  Deutsche  Warnunden  an
und  Belgien  .  .  .

Frankreichs  Antwort

—  Kregserklärung  an  Oester-  .

reich.
—  Eingeständnis  .  ...
 —letzte  Aufgebot  ..247,
—  Angst  vor  der  Wahrheit
—  Geldnöte  .  .
—letzte Kraft..
Franktireurkrieg,  Englischer  Zeuge
über  den
—  Englische  Stimme  über  den
—  Der  beldgische,  in  englischer
und  französischer  Beleuchtung
Franktireurbanden  in  Rußland
Franktireurs,  Frankreich  rüstet  die,
mit  Dum-Dum  -Geschossen

aus
Franz  Josef,  Kaiser,  an  den  Fürsten
Bülow  .
Franzosentage,  Bewegte,  in  Kaisersberg


Französische  —.  Englische  Klagen
  über  die
—  Auffassung  von  der  Lage  an
der  Westfront
—  Ausflüchte  wegen  der  Verwendung
  von  Dum-Dum-Geschossen
  .
—  Dragonerabteilung,
von  Prinz  Heinrich
Bayern  vernichtet
Flotte,  Die,  wieder  in  der

Eine,
von

Adria  .
Friedensbruch,  Der
Generale,  30  neue

Generale,  21,  gefallen
Generalissimus,  Der,  verlangt
seinen  Abschiedd
Gesandte  in  München,  Dem,
die  Pässe  zugestellt.
Grenzverletzungen  .
Kammer,  Einberufung  der

Seite
128

844

470
20

724

19
24

123
18

101
184
445
338
423
561
276
357

498
195

380

151

359
230
378

47

117

442

86
686
647

200
69

25
69
        <pb n="21" />
                                              XV                                                                                     Französische  Kammersitzung

Kriegsführung

Niederlagen,  Eingeständnis

der

Regierung  und  bie  Dum-Dums-Geschosse



Regierung,  Die,  verläßt  Paris

Staatsgewalten,  Die,  in

Bordeaux

Verwundete,  Dank  von,  an

einen  deutschen  Arzt

Französischer  Dreadnought,  Ein,  erfolgreich
  torpediert

Franzöisches    Kriegsministerium,
Der  Wechsel  im
Kriegsschiff,  Ein,  vermchtet,
zwei  schwer-  beschädigt
Ministerium,  Die  neue  Zusammensetzung
  des
Mißtrauen  gegen  spanische
Zeitungen
Selbstzeugnis  über  die  Zuchtlosigkeit
  der  französischen
Truppen  .
Frauen,  Würdelose  deutsche
Frauenhilfe  in  Kriegszeit
Frauenverein  vom  Roten  Kreuz,
Kundgebungen  des  deutschen,
  für  die  Kolonien
Freiburg  i.  B.  von  drei  feindlichen
Fliegern  bombardiert

zöfischer  Mohammedaner  242

Freiwillige  vor  für  die  46  Fliegertruppe!
Fremdenlegionäre,  Deutsche  ..
Gnadenerlaß  für  deutsche  .
French  über  die  Schlacht  an  der
Aisne  ..

Frenchs  Kriegsbericht
Freude  in  Berlin  über  den  Sieg
bei  Lagarde
Oesterreichische,  über  den
Sieg  bei  Mühlhausen.
Oesterreichische,  über  unsere
Erfolge
unserer  Bundesgenossen  an
unseren  Siegen
in  der  Türkei  über  die  deutschen
  und  österreichischen  Siege
Frieden,  Auch  Oesterreich-Ungarn
will  keinen  schwächlichen
Frieden
will  das

 

—
—!4#
—

——

—  Keinen  faulen,
deutsche  Volk.

Friedensabsichten,  Keine  deutschen
Friedensbruch,  Der  französische
Friedensliebe  Deutschlands,  Die,
in  amtlicher  belgischer  Beleuchtung
  .....
Friedensvermittelung,  Erfolglose,
der  Vereinigten  Staaten.

Seit  
74

200

298
216

321

3844
470
871

468

142
79

145

.  826
Freilassung  kriegsgefangener  fran-247



117
107
134

445
305

101
101
163
109
233

374

605

399
86

309
329

XV

 

Friedrichshafen,  Zwei  fronzösische
Flieger  über
Fünf  Millionen  Russen  gegen  Wien
und  Berlin
Fürst  Bülow  über  den  Krieg
Furcht  der  Engländer  vor  dem
deutschen  Einfall.
—  Englands  vor  einem  indischen
  Aufstand
—  vor  der  deutschen  Flotte
„Furchtbarste  Abschnitt“,  Der,  des
Krieges

Galizien.  Das  russische  Manifest  in
Vorstoß  der  Russen  in,  obgewiesen

Russische  Hunnentaten  in
Lügen  über  den  Stand  der
Oesterreicher  in  ..
Deutsch  osterreichische  Offensive.

100  000  Russen  gefallen  in
Abmarsch  der  Russen  aus
Niederlage  der  Russen  an
der  Grenze  von.
Umschwung  in.
Oesterr.-ung.  Sieg  in  Sst-Ueber
  10  000  Russen  gesangen
  genommen  in  ..

Gallieni,  Aufruf  des  Generals,  an

die  Pariser
Garde,  eklshlswor  des  Kaisers
Gorde-F#sochen

oseerüch=Anerkennung
  für  die
Gärung  in  Indien

—  uunter  den  ögyptischen  Ava-Gebweiler,

  Warnung  an  die  Zivilbevölkerung
  von

Gedrückte  Stimmung  in  Petersburg

Gefahr,  Die  andere

Gefangene,  Behondlung  seindlicher,
  in  Deutschland

—  Behandlung  deutscher,  in
Englnd

—  Deutsche,  in  England  niedergeschossen.


Die  deutschen,  von  Robertsheights
  in  Süd-Afrika
Offiziere,  1920  russische,  im
Deutschland
Gefangenenlager,  Schlechte  Behandlung
  der
im  Londoner  ...
Gefangen- nahme Dowets-..812,
von  80  000  Russen  in  3
Wochen  durch  die  Ostarmee
Gefecht  am  Nyaassasee
bei  Akaba

Internierten

Seite

756

507

r  s  5

8  S
*
Wi

455

497
531

545
587
681
829
226
156

463
738

314
125
373
467
49
382
762
350
483
772
X
793

312
694
        <pb n="22" />
                                           XVI                                                                                     Gefecht  bei  Zandfontein  ..
—  Siegreiches,  bei  Stallupönen
Gefechte  om  Thatt-el-Arab  Z
—  bei  Khenifro  in  Marokko
—  Die  ersten
gegen  die  Russen
—  Siegreiche,  bei  Gent
—  vor  Paoris
Geheimakten,  Auffindung
gischer,  in  Brüssel

bel-Geiseln,

  Verhaftung  von,  durch  die

Franzosen
Geistlichen,  Die  gefangenen  französischen,
  werden  wie  Offiziere
  von  uns  behandelt.
Geistliche,  Französische,  von  ihren
Soldaten  verhöhnt
Gelbbuch,  Das  französische
Geldmangel  in  Frankreich  .
Geldmarkt,  Völliger  Zusammenbruch
  des  englischen
Geldnöte,  Die,  Frankreich
Generale,  21  französische,  gefallen
Generalquartiermeister,  Der  neue

—  .  Voigts-Rhetz,  gestorben
Generalstab,  Der  belgische,  verläßt
Antwerden
Generalstabschef.  Der  deutsche,
über  das  Kriegsziel.  .
—v. Falkenhayn
—v. Moltke  auf  .  Ham·
burg
Gent,  Fliegerbomben  in.
—  Bevorstehende  Kämpfe  bei
—  Der  deutsche  Einmarsch  in.
Gerechte  Sache  Deutschlands,  Ein
Amerikaner  über  de
Gesandte,  Der  deutsche,  in  Bukarest
  reist  nach  Berlin
—  Der  deutsche,  in  Serbien  ouf
der  Fahrt  nach  Berlin
—  Der  russische,  reist  aus  Teheran
  ab.  „
Gesandter  Freiherr  v.  Schoen  in
München
Gesandtschaft,  Haussuchung  in  der
deutschen,  in  Brüssel
Geschütz,  Schweres  deutsches,  bei
Belfort  ..
Geschütze,  Aufstellung  der  ersten  eroberten
  seindlichen
—  Einholung  erbeuteter,  in
Berlin  .
—  Eroberte,  91,  122,  172,  178,
185,  200,  218,  229,  262,
Gesundheitszustond,  Der,  unserer
Truppen
Getäuschte  Hoffnung  Englands,
Die,  auf  Rußland
Gewaltakt,  Ein  englischer,  gegen
die  Deutschen  in  Aegypten

österreichischen,

Seite
706
153
710
766

606
252

396

594
521
845
326
173
423
647
512
749

322

446
825

687

243
582
589

136

367
144
742
127
137

122
211
201
205
612
667

 

Gewaltakt,  Englischer,  gegen  d.  Vizekönig
  von  Aegypten

Gewalttaten  der  französischen  Armee
in  Frankreich

Gewalttätigkeiten,  Englische,  gegen
deutsche  Diplomaten  m
Aegypten  .

—  Reichskommissar  zur  Erörterung
  belgischer,  gegen
Deutsche

Gewerbe,  Des  Kaisers  Wunsch  an
das  deutsche
Gewerkschaften,  Die  englischen,

gegen  die  allgemeine  Wehrpflicht


Seite

493
419

231

220
552

Gewissen,  Das  schlechte,  der  Franzosen

  .
Gilgenburg,  Großer  bei,
und  Ortelsburg
Giolitti  über  Italiens  Neutralität
Givet,  Einnahme  der  Feste
„Glasgow“,  Der  englische  Kreuzer,
vernichtet?  .
-Der  englische  Kreuzer,  in
Chile  interniert  ...
Glückwunsch  der  Armee  an  die  Kaiserliche
  Marine
—  des  Deutschen  Kaisers  an  den
Herzog  von  Cumberland
—  Oesterreichischer,  für  General
don  Beseler
—  der  Stadt  Wien  an  Hindenburg

Glückwunschtelegramm    des  Kaisers
Franz  Joseph  an  Kaiser
Wilhelm  .  .
Gnadenerlaß,  Ein,  des  Kaisers
—  für  deutsche  Fremdenlegionäre
„  Gneisenau-  und  „Scharnhorst"“  vor

Sieg

Tahiti
—  und  -Schornhorst-  vor  Papeete

—  bei  den  Falklandsinseln  gesunken
  .  .
„Goeben“,  Die  Heldentat  der
—  und  „Breslau“  zerstören
einige  französische  Mittelmeerhäfen

Goltz,  Entsendung  des  Freiherrn

v.  d.,  nach  Konstantinopel
—  Generalfeldmarschall  v.  d.,
an  die  deutsche  Jugend
Gouvernement  Suwalki  unter
deutscher  Verwaltung,  Das  332.
Gouverneur  von  Warschau  gefangen
Graf  Berchtold  an  den  Reichskanzler
Graf  von  Leyden  an  Sir  Frank
Lascelles
Granaten,  Die  ersten,  in  Antwerpen
Grant  duff,  englischer  Gesandter
in  Bern,  und  der  schweizerische
  Bundesrat  ..

397
197
493
211
371

705

87
431
642
510
186

21
134
521
577
829
105

74
783

  102

356
740
818

40
513

827
        <pb n="23" />
                                                 XVII.

 

Seite                                                                        Seite
Graubuch,  Das  belgische  570  Großherzog  v.  Mecklenburg-Strelitz,
Grauenhaftes  Geständnis,  Ein  417  Aufruf  des,  an  sein  Land  104
Grausamkeit,  Französische  4327  —  —  zieht  ins  Feld  104
—  Serbische  544  —  von  Oldenburg,  Dos  Eiserne
Grausamkeiten,  Ein  Engländer  Kreuz  1.  Kl.  für  den  350
gegen  die  Mär  von  deutschen  433  —  —  Wie  der,  das  Eiserne
—  Japanische,  gegen  Chinesen  556  Kreuz  sich  erwarb  530
—  Protest  der  Heeresleitung  Großherzoginwitwe  Luise  von
gegen  Lügen  über  deutsche  192  Baden  Der   Kaiser an  die  272
—  „und  Schandtaten,  Russische  234  Großkampfschiff  „Audacious“,  Das
Grenzkämpfe,  Glückliche,  im  Osten  englische,  gesunken  7565
und  Westen  8329  Großwesir,  Der,  an  den  russischen
Grenzschutztruppen,  Die  deutschen,  Minister  des.  Aeußern  Saso-
  in  Ober-Elsaß        89  25   nom    692
Genzverletzungen  Französische    ..  ..
Greuel französische, Die deutsche  Gummiknüppel  Russische  Offiziere  am
Regierung  gegen  625  ·««««·
Greueltaten,  belgische,  Feststellung
der  318
—  Englische  489  232  625  H.
—  Französische  ...  ,
—  Russische.  344,  383  Hafen  von  Southampton,  Der,  ge-—
  der  Russen,  Ein  amtliches  sperrt.  431
Dokument  über  die  405  „Halcyon",  Das  englische  Kano-—
  Serbische,  in  Makedonien.  177  nenboot,  in  den  Grund  be4
der  Turkos  .494  bohrt  «  695
Grev.  Der  Freiheitsheld  39  Haltung  Ialiens,  Die  683
der  Lügner  522  Hamburg-Amerika-Linie,  Amerika-—
  Macdonald  gegen  836  nischer  Dank  an  die  104
—  über  die  Haltung  Englands  70  „Hamburg",  Das  Regiment,  im
—  Was,  dem  Reichskanzler  zu  Feuer  268
antworten  wei  375  Handelsdampfer,  Ein  englischer,
Greys  Arkonum  für  den  „inneren“  von  „U  17“  versenkt.  635
Frieden  385  Handelskammer,  Der  Deutsche
—  Das  „Mißverständnis-  Mister  235  Kaiser  an  die  italienische,  in
—  Verhandlungen  mit  Lich-  Berlin  126
nowsty.  293  Handelsschiffahrt,  Das  Ende  der,
Griechenland,  Bevorsiehende  Mobil-  203  durch  den  Aermelkanal  531
ierung  in  ..  delsschiffe,  Vier  englische,  ver-—
  Kabinettswechsel  i  331  Handelsschiffe    Englische  863
—  und  die  Türkei  2351  Handelvertreter  mit  Deutschland,  «
Griechenlands  Mobilisierung  .  226  Das  englische  Regierungs-—
  Neutralitet  Venizelos  über  .  200  verbot  über  den  455
—  Neutralität,  Venizelos  über  Handschreiben,  Ein,  des  Papstes  an
Griechische  Beschwerden  gegen  den  Sultan  865
Türkei  und  Bulgarien  476  Handstreich,  Mißlungener,  der  rus-—
  Landung  in  Santi  Quaranta  675  sischen  Flotte  687
Griechisch-bulgarisches  Grenzgefecht,  —  Oesterreichischer,  an  der  un-
  675  trren  Donau  100
Großadmiral  v.  Tirpitz  über  die  Handstreiche  österreichischer  Polen
Heldentat  des  „U  9.  468  gegen  die  Russen  99
Große  Hauptquartier,  Das,  hat  Hannover,  Huldigungstelegramm
Koblenz  verfassen  199  aus,  an  den  Kaiser  72
Großfürsten,  Zwei  russische,  gefallen  296  Harnack  fertigt  engilsche  Theolo-Großherzog
  von  Baden  an  Kaiser  gen  492
Wilhelm  ..  755  Hartlepool  oschezen  843
—  von  Baden  an  seine  Badener  24  Hausen,  Generaloberst  o.,  Aus
—  von  Hessen,  Amnestieerlaß  zeichnung  des  230
des  24  Haussuchung  in  der  deutschen  Ge-—
  —  „  Aufruf  des,  an  sandtschaft  in  Brüssel  137
sein  Volk  26  Havre,  Zwei  englische  Dampser
—  —  ,  Ein  Brief  des  221  vor,  versenkt.  781
        <pb n="24" />
                                      XVIII                                                                                           „Hawke“,  Der  englische  Kreuzer,  in
Grund  geschossen
—  Der  Untergang  des
Heer,  Des  Kaisers  Neujahrsgruß  en,
und  Marine
erresleitung.  Protest  der  deutschen,
en  Lügen  über  deutsche
raufamkeiten
Heereslücken  in  Frankreich,
füllung  der.
Heilige  Kaorawane,  Die,  von  den
Engländern  festgehalten
„Heilige  Krieg',  Der,  in  Marokko
—  Der  Sultan  verkündet  den.
—  Die  Wirkung  des,  in  Marokko

—  Der  Wortlaut  der  Erklärung

Heimhalen  der  Italiener
Frankreich

„Hela“,  Der  kleine  Kreuzer,
Erund  geschossen

—  172  Monn  von  der,  gerettet


—  Die  Perluste  des  Kreuzers
Held,  Ein,  auf  der  Lokomotive

Helden  „Die  Deutschen  fochten  vie

Heldenhaftigkeit,  Türkische
Heldenkampf,  Der,  Deutsch-Ostafrikas

Heldenmütiger  Kampf  um  Tsingtau
  517,

„Heldentat“",  Die  englische,  gegen
Noassoe
—  Eine,  der  englischen  Flotte
Heldentat,  Die,  der  „Goeben“  und
„Breslau“  .
—  Die,  der  „Königin  Luise“
—  Die,  des  „U.  9“
—  eines  österreichischen  Morineunteroffiziers

Heldentaten,  König  Georgs  Bewunderung
  der  englischen
Helgoland,  Bericht  eines  Augengeugen
  über  die  Seeschbacht
bei..  .
Das  Seetreffen  bei
—  Die  englischen  Verluste  bei

Helmer,  Steckbrief  gegen  den
Rechtsanwalt
Helsingfors,  Englische  Unterseeboote

Ausaus



Hereros,  Die,  im  Gefolge  der  Engländer


Herzog  von  Cumberland,  Glückwunsch

  des  Deutschen  Kaisers

  an  den

von  Sachsen-Altenburg,  Auf—

ruf  des  .  .

Ein  Kriegesbrief  des

erhält  das  Eiserne  Kreuz

606

XVIII

Seite

607
872

192
787
364
276
726
733
734
152

331

452

641
878
693

155
109

105
89
469

191

201
202
266

466
762
40

431

73
367
399

 

Herzog  von  Sachsen-Koburg-Gotha
,  erhältl  das SiIberne Kreuz  1.-u. 2. Kl.
Hessen,  Amnestieerlaß des Groß-«
  herzogs von..
—  Aufruf  des  Großherzogs
von,  an  sein  Volk
—  Ein  Brief  des  Großherovon
  .
Hetze,  Englische
Heuchelei,  Ein  amerikanisches  Urteil
über  englische
Hilferuf  Englands  an  Portugal
—  Poincarés  on  den  Zaren
Hilfskorps,  Organisation  von,
Südfrankreich
Hilfskreuzer,  Ein  deutscher,  zerstört
—  Ein  englischer,  gesunken
„Prinz  Wilhelm“,  Der
deutsche,  vernichtet  4  englische
Handelsschiffe  .
Hilfstruppen,  Kanadische,  in  Engin



Hindenbrg  an  Ergherzog  Friedrich
Dank  des  Kaisers  an

Glückwunsch  der  Stadt  Wien

an  .

—  österreichischer  Regimentsinhaber


—  Ritter  des  Ordens  Pour  le
méörite

—  schreibt:  „Es  wird  weitergedroschen"“.



über  die  Russen
Hindenburg=  Armeebefehl:

Dank  an  die  Stadt  Magde- 



burg

—  Ernennung  zum  Ceneralfeldmarschall.
  ...

—  großer  Sieg

—  Siege  und  die  Petersburger
Siegesbericht  an  den  Kaiser

Hinterlist,  Die,  der  Russen

Hirtenbrief,  Ein,  der  deutschen  Bischöfe
  über  den  Krieg

Hirth,  Hellmuth,  erhält  das  Eiserne

Kreuz
Hoch=  und  Landesoerräter  Blumenthal
  ..
Hochverrat  in  Kamerun  ..
"Hogue"  Der englische Panzerkreuzer
  in  den  Grund  gebohrt


Hoheitszone,  Die  türkische,  ausgedehnt.


Hohenlohe,  Ankunft  des  Botschafters
Prinz,  in  Berlin

Höhepunkt,  Der,  der  Entscheidungsschlacht

  im  Westen

Holland,  22  000  Soldaten  entwaffnet

  in  ..
—  Thronrede  der  Königin  von

Seite

508
24
26

221
274

451
610
278
417

205
291

784

510
789
265
748
743
269
781
318
531
332
301
866
286
384
618
438
566
160
560

583
339
        <pb n="25" />
                                               XIX                                                                                      Hollands  Neutralität  ..
—  —  Die  deutsche  Regierung

—  England  gebrochen
Holländer  in  Deutschland,  Aufruf
an  die

Holländische  Anerkennung
—  Entrüstung  über  den  russischen
  Völkerrechtsbruch
—  Grenze,  Scharmützel  an  der
—  Kolonie  in  Berlin,  Adresse
der,  an  den  Kaiser
—  Kolonie  in  Berlin,  Des  Kaisers

  Dank  an  die
—  Spympathiekundgebungen  in
Hannver
Holländischer  Protest,  Ein,  gegen

die  englische  Seeräuberei
Holländisches  Schiff,  Ein,  von  den
Russen  versenkt
—  Wort,  Ein,  für  die  deutschen
„Hunnen  "  ..
Homerulebill,  Die
Hongkong,  Ausweisung  der  Deutschen
  in
Honvedkaovallerie,  Der  Vorstoß  der
Hospitalschiff  „Ophelia“,  Das,  und
die  amtlichen  englischen  Lügen

Hug,  Steckbrief  gegen  den  Zahnarzt
Huldigung  der  österr.-ung.  Wehrmacht

  an  Kaiser  Franz  Josef

Huldigungstelegramm  aus  Hannover
  an  den  Kaiser

Hunnen,  Die  englischen

—  Ein  holländisches  Wort  für
die  deutschen

Hunnenkrieg,  Vom

Hunnentaten,  Russische,  in  Galizien

Hyänen,  Die  belgischen

J.

Illusionen,  Keine,  mehr  in  London
Inder,  Die,  und  England
—  Japanische  Hilfe  gegen  die
aufständischen
—  Die  Engländer
ihne  ......
„Indian  Prince“  vom  „Kronprinz
Wilhelm“  vernichtet
Indien,  Blutige  Zusommenstöße  in
Einmarsch  einer  Afghanenarmee
  in ?
—  Attentat  gegen  englische  Beamte
  in.
—  Der  Aufruf  zur  Empörung
gegen  die  Engländer  in
—  Volle  Revolution  an  den
Grenzen  von  ..
—  170  000  Afghanen  begen
—  Gärung  in  .

verprügeln

Seite
69

348
453

114
209

135

155
168

474
117
280

340.

671
189

708
466
169

72
739
523
111

519
567

399
869

460
518

589
589
614
700

700
738

 

Indien,  Der  afghanische  Aufmarsch

gegen
—  Englische  Austauschtruppen

für
Indische  Krieger  unterwegs  ,.
—Truppen in Frankreich ?
—  —  in  Marselle
—  Aufstand,  England=  Furcht
vor  einen
Infamie,  Eine  neue  belgische
Infonterie-Regiment  Nr.  83,  110
Eiserne  Kreuze  für  das.
—  Nr.  95,  Beglückwünschung
des,  durch  den  Kaiser
Ingold,  Der  Flieger  erhält  das
Eiserne  Kreig
Insterburg,  Wie
derließ
Interregnum,  Russisches,  in  Wehlau

Interview,  Das,  des  deutschen  Kronprinzen

Irland,  Die  englandfeindliche  Bewegung
  ..
Islam,  Die  Erbitterung  des,  gegen
England  .
—  Der,  gegen  Rußland.
Islamitische  Bewegung,  Die
Italien,  Teilmobilisierung  in
—  und  Oesterreich-Ungarn.
—  und  unsere  Feinde
—  Verlängerung  des  Moratoriums
  „„  ..
—  Die  Wahrheit  siegt  in  .
—  Weitere  Mobilmachung  in.
Staliens  Haltung  175,  423,
Neutralität  177,  246,
—  —  Kundgebungen  für
—  —  Giolitti  über
—  Salandra  appelliert  an  die
Klugheit
—  Stellungnahme  .
Italiener,  Die,  besetzen  Valona.  .
—  Heimholung  der,  aus  Frankreich

Italienische  Bewunderung  für  General
  v.  Kluck
—  Botschafter  in  Berlin,  Der,
reist  nach  Rom  .  .  .  106,
—  Kriegsminister,  Der,  zurück-Rennenkampf.

  

getreten
—  Kriegsschiffe  an  der  albanischen
  Küste
—  Ministerium,  Das,  tritt  zurück
—  Ministerpräsident,  Der,  appelliert
  an  die  Klugheit  Italiens
  ....
—  Ministerpräsident,  Erklärungen
  des

Italienische  Marineminister.

Rüctritt
  des  ..

Seite

738

766
321
337

329
339

nßvv

875
778

671
482
623

69

404

81
474
637

370
502
43
86
10
620

152

109
566
662
677

66
503
113
        <pb n="26" />
                                           XX                                                                                            Italienische  Stimmen  über  die  Heldentat
  des  „U  9"

—  Vertreter  in  Berlin,  Eine
Erklärung  dens

Italienisches  Zeugnis  begen  den
Dreiverband  ..

Iwangorod,  Die  Kämpfe  bei

—  Russische  Niederlage  vor

Jaffa,  Englische  Kreuzer  vor
Jagd  auf  die  „Emden“-  Mann-Seite



447

192

380
590
644
691

.  754

—  Die,  auf  unsere  Kreuzer
Jagdfahrten  der  „Karlsruhe"“,  Die

Jogow,  Staatssekretär  v.,  über  den

englischen  Kriegsvorwand  .

über  Vergeltungsmaßregeln


Jahrgang  1915,  Der  französische

Jap,  Die  Insel,  von  den  Dapane
besetzt

Japan,  Abbruch  der  diplomatischen
Beziehungen  zwischen  Oesterreich
  und.

—  Das  abgekartete  Spiel  zutschen
  England  und

Antwort  an.

besetzt  die  Marschall-Karolineninseln.



—  bietet  Tsingtau  ehrenvolle

Uebergabe  an

—  gibt  Kiautschou  nicht  zurück

—  Diie  deutsche  Botschaft  obgereist

  aus

—  und  England

—  Die  kriegsfeindliche,  Beweng


—  Oestreichische  Stimmen  über
—  raubt  weiter

—  Verbot  deutscher  Zeitungen

—  verletzt  Chinos  Neutralität
—  will  auch  keinen  Sonderfrieden
  schließen
Japans  Absichten  226,
—  abwartende  Haltung  14,
87

und

—  Ein  Ultimatum,  an  Deutschland?


Japaner,  Die,  rüsteten  schon  Anfangs
  Juli  zum  Kriege
—  Die,  in  Schantung
—  Die,  vor  Tsingtau
—  Einzug  der,  in  Tsingtau
Japanisch-chinesische  Spannung
Japanische  Botschafter  in  Rom,
Die  „Norddeutsche“  gegen  den
—  Grausamkeiten  gegen  Chinesen
—  Flieger  über  Tsingtau
—  Hilfe  gegen  die  aufständischen
  Inder  .

652
744

677
792

183

42
176

636

827

244
359

432
160

707

399
599

276
76
116

152

354
766
497
742

603
274
556
271

339

 

Japanische  Kriegserklärung,  Zur

Der  Wortlaut  der
—  Parlament,  Das,  aufgelöst
—  Regierung,  Eine  Erklärung

der  .
—  Schiffe  auf  dem  Plan  .
—  Truppen  auf  dem  Wege,  nach
Europa
—  Truppensendungen  nach  Europa,
  Keine
Ultimatum,  Das  .
Japanischem  Geschäftsträger  in
Berlin,  die  Pässe  zugestellt
Japanischer  Gouverneur,  Ein,  auf
chinesischem  Gebiet.
—  Minensucher,  Ein,  vor  Kioutschou
  gesunken
Japanisches  Torpedoboot,  Ein,  gesunken
  ...  .723

Jellicoe,  Der  „unvergleichliche

dienst-  des  Admirals

Joffre,  Telegrammwechsel  zwischen

—  verlangt  seinen  Abschied   271  .
Weihrauch für      ..."
Joffres  Aufruf  an  die  Elsässer  ..
—Proglamation an die Elsässer....
  .  .
—Tagesbefehl l.
Johannisburg,  Kavalleriegesechte
bei,  und  Allenstein
Journalisten,  Maßregelung  omerikanischer,
  durch  England.
Jubel,  Der,  in  Königsberg
Jugend,  deutsche,  Generalfeldmarschall
  v.  d.  Goltz  an  die
—  militärische  Vorbereitung  der
deutschen.

Justizmord,  Die  deutsche  Regierung

  zu  dem  Pariser
—  Englischer,  an  einem  deutschen
  Konsul
—  Ein  fronzösischer
Justizmorde,  Zwei  neue,  an  Deutschen
  in  Marokko

K.

Das  chinesisch-japanische,
durchgeschnitten?  .
Kabinett  Salandra-Sonnino,  Das,

gebildet
Kabinettswechsel  in  Griechenland
Kadetten,  Kaiserliche  Abschiedsworte
  an  ausziehende
Kairo,  Aufruhr  in
Kaiser  Franz  Josephs  Dank  an
Botschafter  Szoegyeny-Marich
—  —  und  die  polnische  Legion
  .
—  —  an  Potiorek  .
——anden Sultan.

Kabel,

Seite
101
194
856

241
705

229

240
158

176

736
344

289

200
107

641
271

19

462
323

102
188
788

826
L2

811

351

698
331

180

106

287
742
714
        <pb n="27" />
                                                   XXI                                                                           Kaiser,  Neujahrsgruß  des,  an  Heer
und  Marine
—  Nerujahrswünsche  des,  an

den  König  von  Bayern
—  Abreise  des,  zur  Armee
—  Abschiedsworte  des,  an  seine

Garde

—  Ansprache  des,  on  die  Ostarmee


—  Eine  Ansprache  des,  an  die
Truppen.

Ansprache  des,  ans  Vole  11,
Aufruf  des,  an  das  deutsche
Volk

—  Der,  an  die  Besatzung  von
Tsingtau  ..  .

Der,  in  Breslau
Der,  an  die  Bürgerschaft  von

-

Berlin.

—  Danksagung  des,  für  die
Huldigung  der  Berliner  Bevölkerung


—  Die  deutschen  Bundesfürsten
und  der

—  Der,  an  das  deutsche  Heer
und  die  deutsche  Marine
Der,  bei  der  dritten  Armee.

Der,  an  die  Stadt  Emden
Der,  erhält  den  mecklenburgischen
  Verdienstorden  1.  u.
2.  Klasse

Der,  an  General  v.  Mackensen
Glückwunsch  des,  an  den  Herzog
  von  Cumberland

Ein  Gnadenerlaß  des.

1#

Der,  an  den  Großherzog
von  Baden

—  Der,  an  die  Handelskammer
in  Berlin

—  Der,  bei  der  Kluckschen
Armee  .

—  Der,  ordnet  einen  allgemeinen

  Bettag  für  Preußen  an

—  Der,  und  die  Provinz  Ost--preußen


—  Der,  für  Ostpreußen

—  Der,  in  ostpreußischen  Stellungen
  .

— Der  bei  den  Truppen  in
Polen  

—  Eine  Rede  des,  auf  dem
Schlachtfelde

—  Der,  und  die  Regierungsgeschäfte

  ..

—  Der,  an  den  Reichetanzler
zum  Geburtstag

—  Von  den  Söhnen  des

—  Telegramm  d.  Deutsch-  Amerikaner
  Brooklyns  an  den.

—  Der,  über  Tsingtaus  Heldenkampf.


—  und  Volk

Seite

872

874
138

156
822

186
13

80

652
811

466

20
16
75

515
686

532
758

431
21

555
126

710
19

187
519

791
812
316
168

786
532

13

715
13

 

Kaiser,  Der,  wieder  im  Felde  .

Dank  des,  an  die  Dritte  Armee

—  Dank  des,  an  Hindenburg

—  Dank  des,  an  die  holländische
  Kolonie  in  Berlin

—  Wunsch,  Des,  on  das  deutsche
  Volk

—  Der,  zum  Fall  o.  Maubeuge

—  Der,  an  den  Großherzog  von
Baden

—  Der,  an  die  Großherzogin-Witwe
  von  Baden

—  Der,  legt  aus  Wunsch  der
Bundesfürsten  dos  Eiserne
Kreuz an

—  Der,  an  die  Norwegische  Ko
lonie  in  Berlin

—  Der,  an  österreich.  Arbeiter

—  Der,  an  den  österreichischen
Thronfolger  .

—  Der,  an  Präsident  Wilson  .

—  Segengruß  des,  an  seine
Tochter  .  ...

—  Der,  an  den  Sultan

—  Telegrammwechsel
dem  Sultan  und  dem.

—  Der,  verzichtet  auf  seine  englischen
  militärischen  Titel

—  Der,  an  die  Westfalen

—  Der,  an  den  Zaren  65,

„Kaiser  Wilhelm  der  Große“  vom
Kommandanten  selbst  gesprengt.


—  —  Der  —  auf  den
Hilfskreuzer  .

Kaiserin,  Die,  an  die  deutschen
Frauen  .

—  Die,  in  Westpreußen  279,.
Kaiserliche  Abschiedsworte  an  ausziehende
  Kadetten
—  Anerkennung  für  die  Garde-Ersatztruppen


Kaiserlicher  Dank  121,  178,
Kaiserrede,  Eine,  in  Feindesland.

Kamelreiter,  Eine  Schlappe  der
englischen  .  .

Kamerun,  Gute  Nachrichten  aus

—  Hochverrat  in.

—  Kriegsaufruf  des  Gouverneurs
  von  ....

—Kämpfe in .

Kommedre  französische,  Schließung  der

Kommersitzung,  Französische  .
Kampf  Der blutigie, um die Uferlinie



—  Der,  flandrische
Küste  ...

—  Der,  an  der  Marne  in  französischer
  Darstellung

—  Der,  an  der  Nethe

um  die

zwischen

Seite

850

266

168

552
270

755
272

61

118
399

774
263

171
737

443

207
264

463
527

80
285

180
463
193
711
766
596
618

619
782

267
74

661
643

292
565
        <pb n="28" />
                                         XXII                                                                                              Kampf,  Ein,  bei  Seebrügge
—  und  Untergang  der" Ariadne“.

Der,  im  Westen  ..
Kämpfe  an  der  afghanischen  Grenze
bei  Brügge  .
in  Deutsch-Ostafrika
an  der  Drina  und  Sovne
Die,  in  Galizien  591,
Bevorstehende,  bei  Gent.
zwischen  Gent  und  Brügge
Die,  bei  Jwangorod.
in  Kamerun  .
Die,  in  den  Karpathen
Die,  im  Kaukasus  692,
in  Nordwestbelgien
Die,  bei  Noworadomst  und
Lodz  entwickeln  sich  günstig
Die,  der  Oesterreicher  in  Polen,
  Galizien  und  Serbien
im  Persischen  Golf  .
Die,  in  Polen
Die,  bei  Przemysl
in  Russisch-Polen  ..
Die,  an  der  Scheldelinie
mit  Serben  und  Montenegrinern
  ....
Die,  in  Serdien
in  Südafrika
in  Togo

Kanadische,  Hilfstruppen  in  England

Kanal,  ——-  Flieger  über  dem

Kanonenboot,  Ein  englisches,  vernichtet
  725,

—  „Halcyon“,  Das  englische,
in  den  Grund  gebohrt

—  Ein  russisches,  von  Bulgaren
  beschossen

Kapitulationen,  Die  Aufhebung
der,  in  der  Türkei

-Ar-320,

  345,
Kapland,  Die  Deutschen  iun
Karawane,  Die  heilige,  von  den

Engländern  festgehalten
Karlsruhe“  Der  Kreuzer,  im
Kampfe  .  ...
Die,  bei  Barbados
Die,  versenkt  sieben  englische
Dampfer  .  .
Die,  im  Atlantik
Die  Opfer  der
Die,  arbeitet  weiter
Die  Jagdfahrten  der
Der  Kapitän  der,  gegen  englische
  Verleumdungen  ..
Karolineninseln,  Die,  von  Japan
besetzt
Karpothen,  Die  Kämpfe  in  den
—  Plänkeleien  an  den
—  Die  Vertreibung  der  Russen
aus  den

Seite
592

307
716
509
589

.  295

153

582
593
591
782
637
757
611

793
695
757
814
642

572

775
782
338
701
726
695
672
312
u-435

364

271
297

504
644
671
691
744

828
636
637
471

777

 

Karpathenangriff,  Der  zurückgeschlagene,
  der  Russen.

Karpathenpässe,  Die  Russen  in  den,
geschlagen  .

Kasso,  Verhaftung  des  russischen  i  ün.

gerrichtsministers,  in  Deutschland


Kathedrale  von  Reime,  Brand  der

—  —  Ein  Beobachtungsposten
auf  der.
—  —  zur  Beschießung  der
—  —  Eine  deutschfeindliche
Protestversammlung  in  Rom
wegen  der  Beschießung  der
—  —  Deutsche  Entgegnung  auf
die  Protestresolution  in  Rom
Kauffahrteischiffe,    Beschlagnahmte
Kaufmannschaft,  Die  Aeltesten  der
Berliner,  an  den  Großadmiral
  v.  Trpiz
Kaukasus,  Der  Aufstand  im.
—  Der  Kriegsbeginn  um
-Die  Kämpfe  im.  692,
—  Entwicklung  der  Kampffronten
  im.
Die  Russen  im,  ,geschlagen  .
Türkischer  Vormarsch  im  ..
Die  türkische  Offensive  im
Türkischer  Sieg  im  725,
Türkischer  Erfolg  im.
Kavalleriebrigade,  Eine  englische,  geschlagen

Kavalleriedioisionen,  Drei  russische,
geschhlagen  197,
Kaovalleriegefechte  bei  Allenstein  und
Johannisburg  .
Kaysersberg,  Die  bewegten  Fran-.
zosentage  in  ..
Kettner,  Hofrat,  in  Deleraburs  ermordet..


Khedive,  Der,  gegen  den  englischen

Völkerrechtsbruch  .

—  Vergewaltigung  des,  durch
England

—  Protest  des,  gegen.  Englands
Vorgehen

—  Englisches  Ultimatum  an  den

Khenifra,  Die  Gefechte  bei,  in
Marokko  .

Kiautschou,  Antwort  des  Gouver.
neurs  von

—  Oesterreichische  Bewunderung
für  den  Gouverneur  von

—  Der  Kampf  um  .

—Englische Truppen  vor-.

—  Ein  japanischer  Minensucher
gesunken  vor.

—  Ein  japanischer  Kreuzer  vor
vernichtet  .

—  Die  Verteidigung  von

Seite

513

430
435
440
471
472
105

712
171

757
702
713
720
722

855
794

179
705
19

359
116

274
331

463
487
766
161
169
47
466
556

620
645
        <pb n="29" />
                                        XXIII                                                                                            Kiautschou,  Ein  japanisches  Torpedoboot
  vor,  gesunken
—  wird  von  Japan  nicht  zurückgegeben


Kibarty  erstürmt  von  deutschen
Truppen  ..
Kiew,  Trostlose  Lage  in  ..
Kirchürme,  Die  Belgier  sprengen

ihre

Kitchener,  Telegrammwechsel.  zwischen
  Joffre  und.  271,

Kitcheners  Zukunftsarmee,  Die
„Times“  über

Kluck,  Italienische  Bewunderung  für
General  v.

—  Der  Kaiser  bei  der  Armee  des
Generals  von
König  Albert  von  Belgien  schlecht
unterrichtet
von  Bayern,
des

Ammestieerlaß
Eine  Ansprache  des
an  den  Fürsten  zur  Lippe
Der,  an  sein  Heer
Der,  an  den  Kaiser
Der,  über  den  Krieg  mit
England  ..
an  seine  Landsturmleute
über  den  Sieg  seines
Sohnes
Neujahrswünsche  des  an
den  Kaiser
Ludwig  an  seine  Bayern.
Carol  von  Rumänien  an
Kaiser  Wilhelm.

Carol  gestorben
Georgs  Bewunderung  der
englischen  Heldentaten

von  Sachsen  erläßt  einen
Armeebesmehe
—  an  sein  Heer

—  an  sein  Volk

—  Der,  verleiht  dem  Kaiser
das  Ritterkreuz  und  das

Großkreuz  des  Heimrichs-Ordens
  ...
Dek,  an

111

von  Württemberg,
seine  Truppen
—  —  an  sein  Volk
Könige  von  Dänemark,  Schweden
und  Norwegen,  Die,  kommen

in  Malmö  zusammen  ..
Königliche  Akademie  der  Künste,  Die,
über  die  Beschießung  von

Reims  ..
Königin  von  Bayern,  Die,  an  die
beayerischen  Frauen

—  von  Belgien,  Rückkehr  der

Königin  Luise“,  Heldentat  der
Königsberg,  Der  Jubel  in  Seemannstat der


—

„Königsberg“,  Eine  neue
mannstat  der

Seite
723
827

70
616

289
44

710

97

737.

243
333
21

75
534

171
874
322
573
191
639

23
23

651

26

840

441

77
267
89
323

578

XXIII

 

 

 

„Königsberg“,  Die,  im  Rusidschifluß
eingeschlossen
—  Die,  vernichtet  den  „Pegasus“
Köpriköi,  Die  Erstürmung  von,  durch
die  Türken  .
—  Der  türkische  Sieg  bei.  .
Kolonie,  Die  englische,  in  Frankfurt
am  Main  an  Lord  Noberts
Kolonien  der  feindlichen  Mächte,
Deutschland  im  im  Kampfe  mit
den  ..
Nachrichten  aus  unseren
Kundgebungen  des  deutschen
Frauenvereins  vom  Roten
Kreuz  für  die
Englischer
unseren  .
Kämpfe  in  den
Staatssekretär  Dr.  Solf  über
den  Verlust  unserer
Der  Raubkrieg  gegen  unsre
Koloß,  Der  tönerne  ..
Kolubara,  Die  Schlacht  an  der
Kommandant,  Der  deutsche,  von  Antwerpen

Kommandierender  General  des  21.
Armeekorps,  Dank  des,  an
Elsaß-Lothringen
Kommandostellen,  Deutsche,  Veränderungen

  in  .
Englischer

Kleinkrieg  in

Kommandowechsel,  im

Mittelmeer.

Konstantinopel,  Außerordentlicher
Mimisterrat  in

—  Demission  der  englischen  Marinemission
  un.

—  Der  Eindruck  der  österreichischen
  Siege  in
Konsul  Ahlers  wegen  Spionage  zun

Tode  verurteilt
freigesprochen
—  in  Bafra,  Der  englische,

verhaftet.
—  Der  deutsche,  in  Abö  hinge
richtet?  .

Konsulate,  Kundgebungen  vor  den
·  deutschen,  türkischen  und  bulgarischen,
  in  Ofenpest.
Konsulatsverweser  in  Kowno,  Der

deutsche,  an  den  Reichskanzler
Kontinentalsperre  gegen  England
Kontrebande  von  einem  deutschen
Torpedoboot  beschlognahmt.
Korff,  Der  Gouverneur  von  Warschau,
  Baron  v.,  gefangen
Korpsbefehl  des  Generals  von
Iylander
Korrekte  Verhalten,  Dos,  der  deutschen
  Truppen  in  Frankreich
Kosaken  zurückgeschlagen  von  den
Oesterreichern  ...

Seite

720
436

728
732

111

138

145
325

433
453

551

162
780

593

127
364
336

674
313
2539

826
848

695
332

131

61
276

558
740
234
345
153
        <pb n="30" />
                                                     XXIV                                                                               Kraftwagen,  Das  Aufhalten  der  85,

—.  Die  unselige  Jagd  auf
Krakau,  Die  Russen  vor,  geschlagen
Krasnick,  Die  Schlacht  bei

—  3000  Russen  gefangen  bei.

—  Der  Schütte-Lanz  im  Feuer

bei.  „
Kronkentransportabteilung,  -  eine

deutsche,  bei  Valenciennes

überfallen

Kreuzer  „Augsburg“,  Libau  vom,  in
Brand  geschossen  .-„Emden“,

  Das  letzte  Gefecht

des.

—  Der,  vor  Pondichery

—  Das  Schicksal  des

—  Der  Streifzug  des

Glasgow,  Der  englische,
vernichtet ?  .

—  —  Der  englische,  in  Chile
interniert

Die,  „Goeben“  und  „Breslau“

  zerstören  einige  französische

  Mittelmeerhäfen

—  „Hawke“,  Der  englische,  in
Grund  geschossen

—  „Hela“,  Der  kleine,  in  Grund

geschossen  .
—  —  Die  Verluste  des
—  „Hermes“  „  Der  englische,

durch  ein  deutsches  Unterseeboot
  vernichtet
—  „Karlsruhe“,  Der,  im  Kampf
Der,  versenkt  sieben  englische

  Dampfer  ..
—  Die  Jagdfahrten  des.

—  "Königsberg"  vernichtet  den
—"Pegasus"  «-  im  Rufidschifluß  eingeschlossen


„Leipzig“,  Der,  in  Tätigkeit
—  Neue  Beute  des
„Magdeburg",  Zum  Untergang

  des
—  Englischer,  „Pathfinder“,  Verluste

  des  ..
—  „Pegasus“,  Der  englische,
vernichtet
—  Die,  „Scharnhorst-  und

„Gneisenau“  vor  Tahiti

—  „Stettin“  im  Gefecht

—  „Takatschio“,  Der  japanische,
vernichtet

—  „York“  gesunken  .

—  Hilfs-,  „Kaiser  Wilhelm  der
Große“  von  seinem  Kommandanten
  gesprent

—  Hilfs-,  „Kaiser  Wilhelm  der
Große“,  Der  Ueberfall  auf

Seite

94

126

823
186
185

189

511
19

720
487
720
49

371
705

74
606

331
364

271

504
744

436.

720
522
705
346
266
436

521
396

.643

694

463
527

 

XXIV

Kreuzer,  Hilfs-,  „Kronprinz  Wilhelm“
  vernichtet  den  engl.
Dampfer  „Indian  Prince“

—  Ein  deutscher,  im  Roten
Meere

—  Deutscher,  und  Torpedobovote,
Tollkühner  Kampf  Z

—  Diutscher,  ehrenvoller  untereines



—  Englische,  vor  Jaffa  ..

—  Ein  englischer,  untergegangen

—  Französische,  zwei,  vor  Cattaro
  beschädigt

—  Ein  japanischer,  vor  Kiautschou

  vernichtet
—  Unsere,  schädigen  das  englische
  Prestige  .
—  Zerschossene  englische,  in

ägyptischen  Häfen
Kreuzergeschwader,  Zum  Untergang

unseres
Krieg,  Der,  begonnen  durch  die

Russen  14,

—  Die  Bilanz  des

—  Kein  lahmer,  zur  See

—  Monn  hat  England  den,  begonnen?


Kriegsakt,  Ein  englischer,  brger  die
Türkei

Kriegsanleihen.  Die  deutschen

—  4½  Milliarden  deutsche,  gezeichnet
  .

—  Das  Gesamtergebnis  der  deutschen


—  Zeichnungen,  Noch  70  Millionen
  Zuwachs  an  deutschen

—  Ergebnis  der  deutschen

—  Deutsche,  über  3  Milliarden
eingezahlt.  .

—  10  Milliarden  englische

—  in  England,  7  Milliarden,  bewilligt


Kriegsausbruch,  Die  Vorgänge  vor
Kriegsbeginn,  Der,  im  Kakasus

Kriegsberichte,  Amtliche  deutsche  24,
68,  73,  74,  77,  83,  89,
91,  97,  98,  69.  00,  101,
108,  14,  148,  153,  167,
174,  177,  179,  181,  182,
189,  191,  195,  197,  204,
205,  206,  211,  214,  217,
229,  238,  291,  292,  318,
323,  331,  332,  355,  419,
435.,  474,  493,  510,  518,.
530,  551,  559,  570,  574,
577,  595,  598,  602,  606,
610,  614,  617,  634,  640,
647,  654,  657,  661,  664,.
667,  673,  676,  680,  683,
687,  689,  694,  696,  701,

Seite

460
613
200
188
691
252
543
620
785
241
836

18
.897
101

484

491
268

401
46

452
558

637
743

745

686
        <pb n="31" />
                                             XXV                                                                             Kriegsberichte,  Amtliche  deutsche
703,  705,  710,  713,  716,
718,  720,  724,  727,  731,
732,  735,  736,  741,  746,
747,  752,  756,  759,  761,
765,  773,  776,  780,  785,
787,  791,  793,  811,  812,
813,  815,  817,  819,  821,
823,  826,  829,  830,  832,
834,  840,  842,  846,  848,
849,  850,  851,  854,  856,.
857,  861,  864,  865,  907.

englische  260,  305,  698,
720,  726,  813,
französische  175,  464,
481,  543,  545,  550,  557,
568,  573,  580,  588,
österr.-ungarische  88,  89,
92,  95,  96,  99,  100,  117,
125,  142,  143,  153,  185,
196,  198,  214,  218,  222,
223,  242,  247,  248,  272,
267,  312,  325,  343,  354,
395,  439,  440,  460,  488,
543,  545,  557,  560,  561,
569.,  574,  578,  587,  590,.
600,  606,  610,  611,  622,
642,  646,  654,  662,  663,.
665,  670,  674,  680,  681,
688,  690,  695,  698,  705,
709,  714,  718,  721,  722,
725,  726,  729,  733,  734,.
736,  738,  741,  742,  745,
748,  754,  758,  759.  763,
766,  775,  779,  780,  783,
785,  788,  791,  792,  793,
812,  814,  816,  817,  818,
821,  823,  826,  829,  831
833,  835,  841,  847,  349.
851,  852,  854,  855,  856,
857,  862,  867,  869,  871,
russische  209,  556,  582,
588,  743,
türkische  687,  694.  709,
720,  722,  728,  732,  733,
737,  746,  749,  755,  758,.
788,  814,  817,  821,  827,
830,  847,  852,  861,
Kriegsbeute  und  Erfolge  in  Serbien
—  Russische,  in  Berlin
Kriegsbrief,  Ein,  des  Herzogs  don
Altenburg  .
Kriegserklärung,  Bevorstehende  Portugals ?
  ..
Deutsche,  an  Rußland  ..
Englands  an  Oesterreich-  -Ungarn
  ....
—an die Türkei  690,

1111

—  an  die  Türkei
Zur  japanischen.

Frankreichs  an  Oesterreich

Seite

875
bos

620

874
788

868

665
300

367

563
18

116
700
101
702
161

XXV

 

 

 

Kriegserklärung,  Der  Wortlaut  der
japanischen
Die  offizielle  türkische,  an
Rußland,  Frankreich  und
England
—  Oesterreich-Ungarns  an  Belgien
  .  .
—  —  an  Rußland
—  —  an  Serbien
Kriegserklärungen,  Die,  Frankreichs
und  Englands  an  Oesterreich-Ungarn
  sind  keine  Ueberraschungen
  in  Wien
Kriegefeindliche  Bewegung,  Die,  in

Japan
Kriegsfreiwillige,  1250  000  in
Oesterreich--Ungarn  .
Kriegsführung,  Englische
—  Französische
—  Russische
Kriegsgefangene,  Die  Behandlung

verwundeter,  in  Deutschland.
in  Deutschkand  und  Oesterreich
108,  160,  172,  178,  217,  218,
229,  262,  313,  314,  354,  523,
657,  704,  729,  766,  775,  785.
französische  Mohammedaner
freigelassen
Die  Gesamtzahl
Deutschland
Kriegsgesangener  englischer  Major.
Ein,  entflohen
Kriegsgerichtliches  Verfahren  gegen  den
den  gefangenen  russischen
General  Martos
Kriegsjahr  1914,  Eine  Wirtschaftschronik
  des  .
Kriegskommission,  Die,  des  Reichstags
  ..
Kriegskosten  für  England  in  der  Sekunde
  11  Pfund.
—  920  Millionen  Mark  englische,
im  ersten  Kriegsmonat
Kriegskredit,  2  Milliarden  englischer
—  Neuer  englischer,  von  41/2  
Milliarden  Mark
Kriegslage,  Zur
Die  französische  Regierung
über  die  .
Die,  in  Galiz  ien
Günstige,  für  Deutschland  und
Oesterreich  .
Günstige,  im  Westen
Keine  Veränderung  in  der,  im
Westen
Die,  im  Osten.  217,
Die,  in  Ost  und  West
Der  Reichskanzler  über  die
Der  russische  Generalstab  über
die
im  Westen,  Ein  umfassender
Bericht  über  die  .

der,  "  in

Seite

194

723

190
77

121
432
247
717
366
652

327

829
242
872
414

373

790
594

675

731
703

230
662

489
324

443

610
794

556
189
        <pb n="32" />
                                         XXVI                                                                                           Kriegslage,  Die  im  Westen
Kriegslazarett,  Das  deutsche,  in  Lille
abgebrannt
Kriegsleitung,  französische,  Vertrauen
in  die
Kriegsmaterial,  Bulgarien  verweigert
  die  Durchfuhr  des  russischen
Kriegemimster,  italienischen,  Rücktrit
des.  .
—  Der  neue  italienische  ..
Kriegsministerium,  Anderweitige
Einteilung  des  deutschen
—  Wechsel  im  französischen
Kriegsrecht  in  Portugiesisch-Kongo.
Kriegsrisiko-Versicherung,  Die,  belgischer
  Schiffe  x
Kriegsschauplatz,  Vom  elsässischen
—  —  galizischen  serbischen
."156,

—  —  serbischen
—  —  westlichen
Kriegsschiff,  Ein  englisches,  in  der
Nordsee  gesunken
—  Ein  französisches,
zwei,  schwer  beschädigt
Kriegsschiffe,  Die  Beschlagnahme  der
türkischen  .
—  Englische,  vor  Ostende  ..
—  Eine  Kundgebung  gegen  die
Beschlagnahme  der  türkischen
—  Oesterreichische,  beschießen
Antivari  ..
—  Unsere,  auf  der  Engländerjagd
—  Die  weitere  „Erwerbung“
englischer
Kriegssitzung  des  Reichstags,  Die
zweite
Kriegstrauung  des  Grafen  Solms.
Baruth  und  der  Prinzessin
Adelheid  zu  Schleswig  Hol.
stein.
—  des  Prinzen  Oskar
Kriegsvorbereitungen  der  Engländer
und  Belgier,  Wann  die,  begomen
  hahen
—  der  Türkei
Kriegsvorwand,  Ein,  für  Portugal
Kriegsziel,  Reichskanzler  und  Generalstabschef
  über  das
—  Unser  .  336,
Kriegszustand  in  Bayern
–  Finnland  im
—  in  Holland

—  Die  österreichische  Küste  in.

—  Rußland  zwingt  uns  den,  auf
—  Verordnung  betr.  die  Erklärung
  des

Kronprinz  von  Rumänien,  Der,  gegen

  russenfreundliche  Treibereien

—  Rupprecht,  Auszeichnung  des
—  —  an  seine  Truppen
—  Rupprechts  Sieo  bei  Metz.

vernichtet,

XXVI

Seite

  217

521
184
503

566
579

133
344
602
350
148
722
733
437
302
40

156
592

142

95
228

369
795

17.

22

392

291

446

360
11
15
73

106
10

11

512
207

  208

168

 

 

Kronprinz  Wilhelm,  Generalleutnant

—  —  und  der  Kommandant  der
Festung  Longmy

—  —  Siegesmeldung  des
—  —  an  Enver  Pascha
—  Wilhelms  Sieg  bei  Longwy
Kronprinz,  Aeußerungen  des  deutschen,
  über  den  Kampf  um

unser  nationales  Leben
„Kronprinz  Wilhelm“  vernichtet  den
englischen  Dampfer  „Indian

Kronprinzliche  Armee,  Die,
Longwy  vorgedrungen.

Kronstadt,  Die  Entscheidung  bereits
getroffen  in  ..

Kronzeuge,  Der  spanische  Botshater
  als  ..

Krupp  von  Bohlen  und  Halbach,
Herr  und  Frau,  spenden  eine
Million  für  den  Kriegsliebesdienst


—  Frau  Bertha,  stiftet  1/2  Million
  für  den  Kriegsliebesdienst


Kulturwelt,  Unser  Aufruf  andie  525

Kultusministerium,  Aufrufe  des,  zur
Erntearbeit

Kundgebung  des  deutschen  Frauenvereins
  vom  Roten  Kreuz
für  die  Kolonien

—  des  Fürsten  Bülow,  Eine
—  der  Liberalen  Italiens  für  die
Neutralität,  Eine
Kundgebungen  vor  den  deutschen,  türkischen
  und  bulgarischen  Kon-·
sulaten  in  Ofenpest  ..

—  der  deutschen  Erwerbsstände
—  Deutschfeindliche,  in  Saigon

—  in  Paris

über

Kunstdenkmäler,  Schonung  der,  in

Antwerpen  und  Mecheln
Kunstschätze  Brüoes,  Die,  unbe- Kunstwerke  geschädigt

  Die  Beschützung  belgischer,
  durch  Deutschland.

C.

Lagarde,  Freude  über  den  Sieg  bei
—  Ueber  1000  Gefangene  bei.
—  Sieg  be  .

Lage, Die ,in  Galizien.
—  Die,  in  Paris

Londsturm,  Verordnung  betr.  den

Aufruf  des  deutschen

—  Aufruf  an  den  österreichischen

  «

—  Der  deutsche,  einberufen  ..

—  Nur  ausgebildeter,  wird  eingestellt


—  Mobilmachung  des  deutschen

Landsturmaufgebot,  Zum  deutschen

Seite
238

318
180

606

179

875

460
195

136

163

120
539

145
81

131
460
471

487
622
376
101
108

101
670

nn

16

103
129

132

195

140
        <pb n="33" />
                                             XXVII                                                                     Landsturmaufgebot,  Keine  Beunruhigung
  wegen  des  ...
Landsturmleute,  Der  König  von
Bayern  an  seine  ...
Landtag,  Der  gothaische,  u.  d.  Thronfolge
  in  Sachsen-Kobg.-Gotha
Landungsmannschaft  der  „Emden“,
Die,  noch  in  Freiheit
Landwehr,  Siegreiches  Gefecht  der
schlesischen
Lazarett,  Ein  deutsches,  überfallen
Lazarettschiff,  Ein  deutsches,  von  den
Engländern  beschlagnahmt
—  „Ophelia“,  Die  Besatzung  des
«  deutschen  beschimpft  und  mißhandelt


Lebensmittel  und  Verwundetenfürsorge,
  1  500  000  Mark  für.
„Leipzig“  bei  den  Falklandinseln  ge
sunken  ..
—  Neue  Beute  der
„Leipzigs“  Taten
Léman,  General,  an  König  Albert
—  General,  Kommondant  von

Lüttich,  gefangen  .
Schlacht  bei,  vor  der

Lemberg,  Die
Entscheidung
—  Der  neunte  Tag  der  Schlacht
bei
Der  Angriff  auf
Der  russische  Durchbruchversuch
  bei,  abgeschlagen  .
Die  Wahrheit  über
Räumung  von.
Die  Schlacht  bei
Die  neue  Schlacht  bei.
Der  Erzbischof  von,  von  den
Russen  verhaftet
—  den  Russen  befestigt
Libau  in  Brand  geschossen
—  Vorstoß.  unserer  Flotte  nach
Libyen,  Zusicherung  der  Pforte  wegen

272,

Lichnowsky,  Greys  Verhandlungen
mit  dem  Fürsten
Liebeswerbungen,  Englische,  um  die

Buren
Lille,

Das  deutsche  Kriegslazarett
in,  abgebrannt

—  Deutsches  Vorgehen  bei  Zypern

Limanowa,  Der  österreichische  Sieg

bei

„Linie  von  Stahl“,  Die  deutsche  .

Linienschiff  „Bulwark“,  Das  englische,
  vernichtet

Lippe,  de  Fürst  von,  an  den  Bischof
von  Paderborn  ..

—  Prinz.  Friedrich  Wilhelm  zur,

gefallen
Liquidation  des  deutschen  Grundbesitzes
  in  Rußland.  .

XXVII

Seite

133
534
719
756

268
630

640

727
111

829
705
522
292

160

207

218
222

237
238
247
312
286
291
643

19
747
683
293
676
821
680
848
466
779
344
143

654

 

 

Lloyd  George,  Eine  englische  Zurechtweisung
  für.
Lodz  von  den  Verbündeten  besetzt
—  Günstige  Entwicklung  der
Kämpfe  bei,  und  Noworadomst
  .....
—Einnahme von

Lokomotivführer,  Ein  heldenhafter  .

Londoner  Deklaration,  Deutschland
und  die
—  Dekloration,  Norwegen  gegen
die  Verletzung  der
—  Gefangenenlager,  Schlechte
Behandlung  von  Aerzten  und
Patienten  in
Londons  Angst  vor  Spionen  und
Zeppelinen  .
Longwy,  Ein  Sieg  des  deutschen
Kronprinzen  bei  .

—  Die  kronprinzliche  Armee  vorgedrungen
  über
—  Der  deutsche  Kronprinz  und
der  Kommandant  d.  Festung
—  Das  Erzbecken  von
Lord  Roberts  gestorben
Lothringen,  Verfolgung  der  geschlagenen
  Franzosen  in  .  ..
Lötzen  von  den  Russen  belagert
Löwen  zerstört.  .
—  Die  Wahrheit  über  221,
—  Der  Zustand  der  Stadt
Lüderitzbucht  besetzt
Lüge,  Die  englische
—  Eine  englische,  über  die
deutsche  Sozialdemokratie
—  Die  englisch-französische
—  Die  Organisierung  der
Lügen,  Amerikaner  protestieren  gegen
  die  deutschfeindlichen

amerikanische  Botschafter
  inm  Berlin  über  die  Auslands.


—  Derbe
—  Deutschfeindliche  Auslands-  .
—  Englische  Presse-  gegen
Deutschland
—  Freche  Auslands-—

  Das  Hospitalschiff  ——"Ophelia"
und  die  amtlichen  englischen.

—  Protest  der  Heeresleitung
gegen,  über  deutsche  Grausamkeiten


—  Der  Reichskanzler  gegen  die,
des  Dreiverbande

—  rusisische,  Oesterreich-Ungarn

#  gegen

—  Russische,  über  einen  Sies  bei
Lemberg  .

—  Schamlose  .

—  Ungeheuerliche  französische

Seite

209

793
819
452

691
519

772
396

179
186

195

318
679
734

179
315
195
534
264

40
469

623
159

397

172
593
149

154

163

708

192
48
384
278

544
320

III
        <pb n="34" />
                                                    XXVIII                                           Seite                           Seite  
Lügen,  Die,  unserer  Feinde  130
—  weiter,  Die  Franzosen.  196
Lügenbericht  der  „Times"“  283
Lügenhafte  Berichie  über  den  Stand
der  Oesterreicher  in  Galizien  460
Lügenmeldung,  Auf  der  Spur  einer
französischen  .  ..  566
—  des  Bureou  Reuter  278
Lügenmeldungen,  Oesterreich  gegen
die  russisch-englischen  .  275
—  der  Verbündeten,  Gegen  die  391
Lügenpresse,  Die  „Humanité"  gegen  561
Lügenversuch,    Ein  japanischer  284
Lügner  Gorey,  Der  522
Lügt,  Wie  der  belgische  *  in
Dänemark  825
Lüttich,  Handstreich  auf.  81
—  im  Sturm  genommen.  83
—  fest  in  unserer  Hand.  91
—  Die  Wahrheit  über  die  Erstürmung
  von  98
—  Das  Ende  von  146
—  Der  Bombenwerfer  von  152
—  Der  Kommandant  der
Festung,  gefangen  160
Luftfahrzeuge  und  Zeppeline,  Unsere  77
—  Verbot  von  Aufstiegen  von,
und  Ballons  in  der  Provinz
Brandenburg  und  Berlin  15
Luftflotte,  Unsere,  vor  dem  Feinde  374
Luftkampf,  Der,  über  Paris  211
Luftschiff  Schütte-Lanz,  Das,  im
Feuer  bei  Krasnick  189
Luftschiffe  u.  Flieger,  Nur  deutscheüber
  Berlin  ..  85
Luftschiffhalle  in  Düsseldorf,  Der
englische  Fliegerangriff  auf
die  445
—  in  Düsseldorf,  Die,  durch.  eine
Fliegerbombe  zerstört  559
Luxemburg  von  deutschen  Truppen
besetzt  21
—  Die  deutsche  Entschädigung  an  446
—  ½.  Million  Entschädigung  für  777
Luxemburger,  Eine  Spende  des  Kaisers
  an  die  397
Lyk,  Der  Sieg  von.  297
M.
Macdonald  gegen  Greg  836
Mockensen,  Der  Kaiser  an  den  General  758

—  Pour  le  mérite  für  Gene-  "
—.  786
—  Geneval  v.,  an  das  17.  e
——  220
Madras,  Die  Beschießung    von,
durch  die  „Emden  .  447,  448
„Magdeburg“,  Zum  Untergang  der  346

XXVIII

 

Mahnung,  Eine,  des  Antwerpener
Bürgermeisters  ..
—  Eine,  d.  Herresleitung  an  die
Bevölkerung  .  .
-Eine an Rumänien
 Mahnwort, Ein -,an England ..
Majestätbeleidiger, Der russische.
Makedonten,  Serbische  Greueltaten

an........
„Malachite“,  Der  englische  Dampfer,

von  einem  deutschen  Unterseeboot
  versenkt  ..
Malmö,  Zusammenkunft  der  drei
nordischen  Könige  in  ..
—  Der  amtliche  Bericht  über  die
Zusammenkunft  in  ..
„Man  fühlt  den  Zusammenbruch"“
Manga  Bell  hingerichte.
Manisfest  des  Kaisers  von  Oesterreich
—  Das  russische,  in  Galizien
—  Ein,  des  Zaren
Maria-Theresia-Orden,  Verleihung
des  Großkreuzes  des,  an  Kaiser
  Wilhelm
Marine,  Des  Kaisers  Neujahrsgruß
an  Heer  und
—  Kaiserliche,  Glückwunsch  der
Armee  an  die

–  Telegrammmwechsel  zwischen
der  österreichischen  und  der
deutschen

—  Verluste  der  englischen
Marine=  umd  Militärkonvention,  Die
englisch-russische  ...
Marineabkommen,  Das,  zwischen
England  und  Rußland
Marineminister,  Eine  Rede  des  englischen

Marinemission,  Die  englische,  hat  die
Türkei  verlassen
—  Die  englische,  zerhßt  Konstantinopel

—  Die  aus  türkischen  Diensten
ausgeschiedene  englische,  begibt
  sich  nach  Sebastopol
Marinesoldaten,  Die  ous  Antwerpen
entkommenen  englischen
Maritz  in  der  Offensive
—  auf  deutschem  Gebiet  .
—  Der  Vertrag  des  Burenobersten
  ..
-an Kolonel Brits  .

—  Burenoberst,  wieder  im  Feld
Maritz-Leute  stoßen  mit  Regierungstruppen
  zusammen
Marmarameer,  Das  ganze,  als  Territorialgewässer

Marne.  Die  große  Schlacht  an  der
Marokko,  Aufstandsbewegungin  390.
—  Die  Deutschen  in  Süd-,  in

französischer  Gefangenschaft
—  französische  Kolonie

Seite

279

167
693
177

782
840
851
539
618

377
689

187
872

87
723
437
576
652
341
221
343

48

590
658
663

757
761
873

532
279
561

49
319
        <pb n="35" />
                                              XXIX                                                                           Marokko,  Die  Gefechte  bei  Rhenifta
  in

—  Der  „Heilige  Krieg“
—  der  Mohammedaneraufstand

—  Neue  Kämpfe  in.

—  Schwere  französische  Schlappen in

—  Verletzung  des  Völkerrechts
durch  die  Franzosen  in  .

—  Die  Wirkung  des  Heiligen
Krieges  in

—  Zwei  neue  Justigmorde  an
Deutschen  in

Marschallinseln,  Die,  von  Japanern
besetzt

Martos,  Kriegsgerichtliches  Verfahren
  gegen  den  gefangenen
russischen  General

—  will  nicht  Martos  sein.

—  Der  russische  Mordbrennergeneral
  .

Maß-Asche  Seen,  der  Sieg  an  den

Maßnahmen  Englands  gegen  die
deutsche  Flotte

Maßregelung  amerikanischer  Jourmalisten
  durch  England.

Maubeuge,  Die  Engländer  onge·
schlossen  bei
—  Sturm  auf
—  gefallen
—  Kaiser  Wilhelm  zum  Fall  von
Maueranschlag,  Vorgefundener  französischer,
  in  Ober-Elsaß
Max,  Die  Verhaftung  des  Brüsseler
Bürgermeisters    .  444,
—  Brüssels  Bürgermeister,  deutscher
  Kriegsgefangener
Mecheln  unter  Wasser  .
«—Einzug der Deutschen in.
Mecklenburg-  Schwerin,  Der  Großherzog
  von,  an  seine  Truppen
—  Abreise  d.  Großherzogs  von,
nach  dem  Kriegsschauplatz
Mecklenburg-Strelitz,  Der  Großherzog
  von,  zieht  in  Feld.“
—  Aufruf  des  Großherzogs  von.
an  sein  Land
Mecklenburger,  Die,  im  Felde
Mecklenburgische  Militärverdienstorden
  1.  und  2.  Klasse,  Der,
für  den  Kaiser
Memel,  Der  russische  Vorstoß  auf,
zurückgeschlagen
Menschlichkeit,  Der  spanische  Bot-.
schafter  als  Kronzeuge  für  die
deutsche
Metz,  Der  Gemeinderat  von,  gegen
die  vorgekommenen  Attentate
—  Großer  Sieg  bei,  über  die
Franzosen

766
276

753
432

793
179
735
811

373
381

40
359

491

  462

195
238
262
270

342

—

145
104

104
43

532

163

154
168

 

 

XXIX

Metz;  Die  französische  Meldung  von
der  Schlacht  bei.

Meuterei  serbischer  Truppen  ..

Mexiko, Neue Spannung  zwischen
und der Union..  .

Meyer-Waldeck  an  den  Kaiser  ..

Militärärzte,  Sanitäter  und  Pflegerinnen,
  Gefangene  deutsche,  im
Paris.  zu  Gefängnis  verur-—

  Das,  Urteil  gegen  die  deutschen,
  ausgehoben
Milttärisch=  Maßnahmen  in  Ruß-Mililtärische

  Titel,  Der  Kaiser  verzichtet
  auf  seine  englischen
Militärkonvention,  französisch-englische,
  Seit  wann  besteht  die?
Militärmission,  deutsche,  Die  Tätigkeit
  der,  in  der  Türkei
Millerand,  Poincaré  an  Kriegsminister
Minen,  die  dänischen,  und  England
Englische,  in  der  Nordsee
—  Ein  englischer  Fischdampfer
auf,  gelaufen
—  Wirkung  der,  an  der  englischen
  Küste
Die  treibenden  englischen
Minenfrage  in  der  Nordsee,  Eine

amtliche  deutsche  Erklärung
Minengefahr,    Die,  an  der  englischen
Ostküste

Minenlegen  in  der  Nordsee,  Die
Neutralen  protestieren  gegen
das
Minenleger,  Ein
Ostende
—  Zwwei  russische,  versenkt  .
Minensperrung  der  russischen  Ostsee
Minensucher,  Ein  japanischer,  vor
Kiautschou  gesunken
Ministerrat  in  Konstantinopel:.
Mißerfolg,  Englischer,  gegen  Akaba
Mißtrauen  Englands  gegen  Aegypten
Franösisches,  gegen  spanisiche
Zeitungen
Mißverständnis,  Ein  doch  russisches
—  Das,  Mister  Greyos
Mittelmeer,  Beginn  der  Feindseligkeiten
  im  ..
—  palischer  Kommandowechsel

Mittelmeerhäfen,  Einige  französische,
durch  deutsche  Kriegschisse
zerstört.  .
Mitrowitza,  Die  Schlacht  bei.
Mlawa  besetzt
Mobilisierumg  in  Bulgarien  
—  Keine,  in  England.
—  in  Deutschland

—  —  erfolgt  vorschriftsmäßig  v

deutscher,  vor

Seite

175
552

724

724
263

731
285

8262

  565

674
705
274

871
332
235
117
336

74
251

150
107

10
12
81

III*
        <pb n="36" />
                                               XXX                                                                                 Mobilisierung,  Bevorstehende,  Griechenlande

Griechenlande
in  Italien  ..
Montenegros.
Teilweise,  in  Oesterreich  -ungarn
Allgemeine,  in  Oesterreichh-Ungarn

  11,
Rußlands  vor  dem  Kriege  erwiesen

zum  Schutze  der  Neutralttät
Schwedens

in  Serbien

Teil-,  und  Neutralität  der

Türkei  ..

—  und  Belagerungszustand  in  der
Türkei  .

—  der  Türkei  200,

Mörser,  Die  42er,  vor  Verdun

Mörserbatterien,  Anerkennung  des
Kaisers  für  die  österreichischen

Mohammedaner,  Der  Aufruf  an  alle
—  Die,  in  Indien  und  Aegypten

—  Kriegsgefangene  französische
freigelassen                          242
Mohanimedaneraufstand,  Der,  in
Marokko  .

Moltke  Erkrankung  des  Generals

—  auf  Schloß  Homburg

—  über  die  deutsch-österreichische

Waffenbrüderschaft
Monaco  an  der  Seite  unserer  Feinde

Montenegro  am  Ende
—  Mobilmachung  in.
—  Kriegserklärung,  an  Oesterreich-Ungarn.

—  bricht  seine  Beziehungen  zu
Deutschland  ab  .
—  Erfolge  gegen  .
Montenegriner,  Glückliche  Kämpfe
der  Oesterreicher  gegen  die
—  Die  Niederlage  der,  bei  Bileca
—  Desterreichiche  Erfolge  über
die

Montenegrinische  Brigaden,  Zwei,
vollständig  geschlagen
—  Generalkonsul,  Der,  in  Hamburg,
  legt  sein  Amt  nieder
—  Küste,  Blockade  der

Montmedy,  Deutsche  Umgehungsbahn
  bei  .

Moratorium  in  England  ..
—  in  England,  Das  Ende  des
—  in  Italien,  Verlängerung  des
—  Kein  allgemeines,  in  Deutschland

—  Verlängerung  des  englischen.

in  der  Schweiz  .  16,«

Seite

226

226

9
9

15
587
25
17
9
25
25
251
471

776
723

247
753

654
687

754
132

822

95

106
143

96
284

519

146
106

262

73
443
474

85
488

 

Moralischer  Zusammenbruch, England
  über  unseren
Mord,  Ein  politischer,  in  Neu-Bul-Eng-





garien  662
Mordanschlag  auf  die  Brüder  Burton  601
—  Der,  auf  einen  öteerreichischen
Truppenführer  .  670
Moskau,  Der  Zar  reist  nach  .  144
Moskowiter,  Der  schweifwedelnde  135
—  Das  Slawentum  gegen  die  110
Motorbatterien,  Oesterreichische  217
Motorboote,  Freiwillige  .  548
Mühlhausen,  Sieg  bei  97
—  Die  Franzosen  in.  200
v.  Müller,  Kommandant  der  „Emden“,
  erhält  d.  Eiserne  Kreuz
1.  und  2.  K.  695
Munitionsversorgung  der  Engländer
in  Beligen  .  280
Muselmanen,  Das  Vorgehen  der  533
—  Die,  stehen  auf  .«.  614
N.
Nachweis,  Ein  neuer,  für  den  französischen
  Neutralitätsbruch  293
Namur,  Beschießung  von.  4  179
—  Die  Forts  von,  gefallen  18386
—  Eine  Bekanntmachung  des
,  Kommendanten..  210
Nancy,  Das  Zeppelin-Bombarde
ment  von.  868
—  Deutsche  Flieger  über  298
—  Sturm  auf  .  238
Narewarmee,  Die  Pernichtung  der  .  206
Narkotisches  Pulver  190
Nethe,  Deutscher  Uebergang  über  die  560
—  Kampf  an  der  565
Nerven,  Die  stärksten,  werden  stegen  748
Neuguinea.  Deutsch-,  Die  Engländer
388
"  Neujahr-gruß  Des  Kaisers,  an  Heer
und  Marine  872
Neujahrswünsche  des  Kaisers  an  den
König  von  Bayern  874
—  des  Königs  von  Bayern  an
den  Kaiser  874
Neupommern,  Die  Insel,  durch  die
Australier  besetzt.  794
Neuserbien,  Zu  den  Kämpfen  in.  490
Neutrale,  Eine  neue  englische  Brutalität
  gegenüber  42
—  England  und  die  517
Neutralität  Belgiens  25
261,  369,  763
—  Belgiens  Abfall  von  der  655
—  Englisch-belgischer  Bruch  der
belgischen  597
—  Bulgariens  15
—  Dänemarks  i4,  81,  125
—  Griechenlands  .  390
—  Griechenlands,  Ventzelos
über  die  499
        <pb n="37" />
                                           XXXI                                                                                         Neutralität  Hollands,  Die  von
Deutschland  respektierte

Die  holländische,  von  England
  gebrochen
Italien  177,  246,
—  Giolitti  über  de
—  Kundgebungen  für  die

1111111

Norwegens
Portugals
Rumäniens  .  75,
Die  rumänische  Regierung
wahrt  die

Schwedens  17,  60.  131,

Gegenseitige,  zwischen
Schweden  und  Norwegen
Mobilmachung  zum  Schutze
der,  Schwedens

der  Türkei,  Die,  nicht  käuflich
und  Teilmobilisierung  der
Türkei

—  der  Vereinigten  Staaten  75,

Neutralitätsbruch  Belgiens,  Der
—  Ein  neuer  Nachweis  für  den
französischen
—  Englischer  .
—  Gegen  Englands  .
Nida,  Siegreiches  Vorgehen  des
österreich.ungarischen  Heeres
an  der.
Niedergeschlagenheit,  Tiefe,  in  Paris
Niederlage  d.  britisch-  südafrikonüschen
Truppen
—  Eine,  der  Engländer  in
Deutsch-Südwestafrika
—  Die  englische,  nach  dem  amtlichen
  englischen  Bericht
—  Englische,  in  Ostafrika
—  Japanisch-englische,  vor
Tsingtau
—  der  Montenegriner  bei  Bileco
—  Neue,  der  Serben
–  Schwere,  der  Russen  bei  Augustow.
  .
—  der  Russen  vor  Iwangorod  .
—  Russische,  an  der  galizischen
Grenze
—  Russische,  in  Ungarn
—  Vollständige  Irussische  in  Ungarn

Il

der  Schweiz  75,  84,
Spaniens  125,  175,  267,  271,

XXXI

Seite

453
370
493
502

15
150
372

43
393

87

25
44
637

301

25
835

767
293

282
747

855
582

544

849

260
774

542
284
518
644

545
775

543

—  ine  portugiesische,  i.  Deutsch-Südwestafrika

—  der  Russen  an  d.  armenischen
Grenze
Niederlagen,  Eindeständnis  d.  französischen
  .

—  Neue  serbische  .
Niederlande,  Die,  im  Kriegszustande
Nieuport,  Ein  Durchbruchsversuch

bei,  von  uns  abgewiesen

867
868

209
379

73
696

 

 

Seite
„Niger",  Dos  englische  Torpedokanonenboot,
  vor  Dover  in
den  Grund  gebohnt.  725
Nonnen,  Mrutsche,  in  Belgien.  ver-  G

haftet
Nordamerikanis  che  Werften  liefern
Unterseeboote  an  England  751
„Norddeutsche“,  Die,  gegen  Grey  390
—  Die,  gegen  den  japanischen
Botschafter  in  Rom  ..  274
Norddeutscher  Lloyd,  Spende  des.  129
Nordische  Mächte,  Britische  Vergewaltigungsversuche
  der.  231
Nordsee,  Eine  amtliche  deutsche  Erklärung
  z.  Minenfrage  in  der  724
—  Eine  englische  Fischerflottille

in  der,  gefangen  240
—  Englische  Minen  in  der  513
—  Die  ganze,  von  England  als

Kriegsgebiet  erklärt  690
—  Die,  ist  frei  138

—  Die  Neutralen  protestieren
gegen  das  Minenlegen  in  der  731

—  Seeschlacht  in  der  200,  843
—  Die  Sperrung  der,  durch

England  706
Norwegen  gegen  die  Verletzung  der

Londoner  Deklaration  519

—  Die  Zensur  422

Norwegens  Einspruch  gegen  die
Vergewaltigung  der  Schiff-  703


fahrt  —
Norwegische  Gastfreundschaft,  Die  127

—  Kolonie  in  Berlin,  Aufruf  an
die  119

—  Kolonie  in  Berlin,  Die,  an
den  Kaiser  ..  116

Norwegischer  Admiral,  Ein,  über  die
Heldentat  des  „U.  9“  -  450
Note,  Die  „Oesterreich-Ungarn=  an Serbien  44

Notenwechsel  zwischen  Deutschland  30

„Nürnberg“  Die  im  „Stillen  Ozean?  294
—  ebenfalls  zum  Sinken  gebracht

  .  830
—  Wie,  unterging  ..  .  .  .  6833
—  Der  letzte  Gruß  der  84
Ryassa.  Die  englische  "Heldentat"
gegen       155
Nyassabe  Das  Gefecht  am  .  .  .  312
0.

Oberbefehlshaber,  Der  österreichische,
besichtigt  die  Nordarmeen  510

Ober-Elsaß,  Vorgefundener  französicher
  Maueranschlag  im  342

—  Zurückweichen  der  Franzosen

im.  174
Oberkommandierende,  Der  englische.
in  Frankreich  146

Odessa,  Siegreiche  Revolution  in  194
        <pb n="38" />
                                                  XXXII                                                                            Oesterreich-Ungarn,  Abbruch  der  diplomatischen
  Beziehungen  zwischen,
  und  Japan  .  ..

—  Das  einige
—  Die  Ermordung  des  Thronfolgers
  von.

Manifest  des  Kaisers  von

will  auch  keinen  schwächlichen

Frieden  .

—  und  die  serbische  Note
—  Teilweise  Mobilisierung  in

Oesterreich-Ungarns  Erfolge  gegen

Serbien  ..

Ultimatum  an  Serbien

Kriegserklärung  an  Serbien

Kriegserklärung  an  Rußland

Note  an  Serbien
Oesterreich-ung.  Botschafter“  in  Petersburg,
  Abreise  des
Bündnis  mit  Deutschland  auf
Leben  und  Tod
Erfolge  in  Galizien
Erfolge  in  Serbien

—  Grenztruppen  schlagen  die
Russen  zurück
—  Heer,  Erfolgreiches

Vorrücken
  des,  in  Serbien  .
—  Material,  aus  den
—  Seesieg,  Ein,  in  der  Straße

von  Otranto
—  Wehrmacht,  Huldigung  der,
an  Kaiser  Fronz  Joseph
—  Zirkularnote
Oesterreichs  Krieg  gegen  Serbien  .
—  Kriegserklärung  an  Belgien
Oesterreicher,  Die,  im  Angriffskampf
in  Serbien
—  drängen  gegen  Przemysl  vor
—  Erfolgreiche  Vorstöße  der
—  Die  ersten  Gefechte  der,  gegen
die  Russen
—  Glückliche  Kämpfe  der,  bee
die  Montenegriner

Oesterreichische  Botschaft  in  Nom,

Personalwechsel  in  der

—  Erfolge  in  Galizien

—  Erfolge  über  die  Montenegriner


—  Erfolge  gegen  die  Russen  171,

—  Erfolge  in  Serben

—  Erfolge  gegen  Serben  und
Montenegriner  .

—  Fortschritte  in  Serbien

—  Küste,  Die,  im  Kriegszustand

—  Offfensive,  Die,  Wiederaufnahme
  der,  im  Norden

—  Siege  über  die  Russen

—  Stmmen  über  Japan

—  Vormarsch,  Der#.

XXXI·

Seile

183
395

3
9

374
4
9

177
3

9
77

allgemeine  Mobilmachung  11,  1

95

5
698

95

125
55

169

183

190

508
560
92

10
674

233
173
439

646
718
106

533
183
160
170

 

 

Oesterreichischer  Vorstoß,  Der,  an  der
russischen  Grenze
Oesterreichischer  Kriegsschauplatz,
Hoffnungsvolle  Nachrichten
vom
—  Landsturm,  Aufruf  an  den
—  Marineunteroffizeer,  Heldentat
eines.  .
—  Schlachtbericht  ...
Ofenpest,  Kundgebungen  vor  den
deutschen,  türkischen  und  bulgarischen
  Konsulaten  in
Offener  Brief  on  Botha
—  Brief,  Ein,  an  den  Zaren
Offensive,  Deutsche,  ouf  der  ganzen
Linie  von  Nieuport  bis  La
Bassee
Deutsch-österreichische,  in  Galizien


Die  französische,  abgewiesen

 

Oesterreichische,  gegen  Polen

gescheitert.
Offiziell  russische  Bekanntgabe  der
Kämpfe  im  südlichen  Ostpreußen

Offiziere  or0  russische,  in  Deutschan

Offiziersverluste,  Die,  der  Engländer
—  Die  russischen“
Okkupation  Aegyptens,  Am  32.  Gedenktag
  der
Oldenburg,  Das  Eiserne  Kreuz  1.  Kl.
für  den  Großherzog  von  ..
—  Wie  der  Großherzog  von,
sich  das  Eiserne  Kreuz  erwarb

Opfer,  Die  ,  der  „Emden“
Die,  der  „Karlsruhe
Ophelia,  Dos  Hospitalschiff.  und  die
amtlichen  englischen  Lügen
—  Die  Besatzung  des  deutschen
  Lazarettschiffs,  in  Engband
  beschimpft  und  mißhan-Orangebuch,

  Aus  dem  russischen
Organisation  von  Hilfskorps  in  Südfrankreich
  ..
„Organisierte  Plünderung“  des
Schlosses  Montmart
Ortelsburg,  Großer  Sieg  bei  Silgenburg
  und  .
Ostafrika  An  der  Grenze  von
Ein  deutscher  Sieg  in.

—  Englische  Niederlage  in

—  Kämpfe  in.

—  Schwere  Verluste  der  eng
länder  .  .
Wieder  ein  Kampf  in

Ostasien,  Deutsch-österreichische
Waffenbrüderschaft  in

Die,  gegen  Serben  432,

Seite

172

196
103

88
680

131
495
365

651

488
614
759
741

Die  russische,  gegen  Ostpreußen

596

209
483

470
792

530
655
671

708

727
476

417
750
197
794
344

753
43

180
        <pb n="39" />
                                             XXXIII                                                                                        Ostasien,  Die  Kämpfe  in
—  Der  Krieg  in  .
Osten,  Die  amtliche  -  der
Lage  im  ..  ..
—  Kriegslage  im..
—  Eine  Riesenschlacht  im.
—  Schwierige  Kriegführung  im.
Ostende,  Engl.  Kriegsschiffe  vor
—  Der  Vormarsch  auf
—  eingenommen
—  Deutscher  Schutz  für
Ostgallzien,  Die  Entscheidung  in
Ostküste,  englische,  Die  Verteldigung

Ostpreußen,  ,  Der  Kaiser  für  ..
Der Kaiser und die Provinz        

—  Offizielle  russische  Bekanntgabe

  der  Kämpfe  im  südlichen
—  Russen  in,  vollständig  ge.
schlagen  .

—  Die  Russengreuel  in
—  Rußland  gibt  seine  Niederlage

  in,  zu

—  Das  Scheitern  der  russischen

—  Ein  Sieg  #in
Die  Staatshilfe  für
—  Die,  ist  frei
—  Minensperrung  der  russischen
Ostseeflotte,  Kreuzfahrt  unserer

Otranto,  Ein  österr.-ungarischer  See.
.  854

sieg  in  der  Straße  von

Ozeanien,  Die  Kämpfe  iu
P.
Pallada“,  Amtliche  russische  Bekanntgabe
  über  den  Untergang

—  Keine  deutschen  Verluste  bei
der  Vernichtung  der
Panik  unter  den  Serben  an  der  bulgarischen
  Grenze
Panzerkreuzer,   Drei  englische,  ver-—

  "Pallada"    Der  russische  vernichtet


Papst,  Ein  Handschreiben  des,  an
den  Sultan  .
Paris, 600 000 Arbeitslose in.
—  Ausweisung  der  letzten  Deutschen
  aus.  .  .
Befestigungen um 

Kundgebungen  in
Lage  in,  Die
Luftkampf  über,  er
Tiefe  Niedergeschlagenheit  in
vor  der  Belagerung  ..
Pariser,  Aufruf  des  Generals  Gallieni
  an  die
Parlament,  Das  japanische,  aufgelöst

illlII

XXXIII

Selte

435
489

181

  217
  563

181

  502
601
  602
.663
  214

240

519

187
209
323

383

333

  596

178

550

169
608
314

446

  566
176

434
588
865

230

445

8334
Deutsche  Flieger    über  475,  562,  580

9
233

211

582

240
  226

856

 

Parteien,  Keine,  mehr
Passage,  Freie,  für  deutsche  Reservisten
  auf  neutralen  Schiffen
Pãsse  zugestellt,  Dem  französischen
Gesandten  in  München  die
—  zugestellt,  Dem  russischen  Botschafter
  in  Wien  die
Patentkrieg,  DTer
"Pathfinder"  Verluste  des  englischen
Kreuzers
—  von  einem  deutschen  Unterseeboot
  vernichtet  .

Patrollien,  Russische,  zurückgeschlagen

Pegasus,    Der  englische  Kreuzer,
vernichtet

Perser,  Die  gegen  Russen·  und  Engländer

Persten,  Erregung  in
Vor  der  Revolution  in
—  Die  Russen  in  ..
—  Erbitterung  in,  gegen  Ruß-—

  fordert,  —  russischer

  Truppen
Persische  Ein  englisches  Kanonenboot
  vernichtet  im
—  —  Kämpfe  im

Persischer Anrgriff auf   Russland,    Ein
Petersburg gedrückte Stimmung in    
Pflegerinen,  Gefangene  deutsche, in
  Paris  zu  Gefängnis  verurteilt

Pforte,  Die,   gegen  den  Dreiverband
Philippinen,  Die  Flotte  der  Vereinigten
  Staaten  abgegangen
nach  den
„Pistole,  Die,  gegen  Englands  Herz=Plänkeleien
  an  den  Karpathen
Plünderung  der  deutschen  Botschaft
in  Petersburg
—  der  französischen  Soldaten  im
eigenen  34
—  Organmisierte,  des  Sofe
Montmort
Poincaré  in  Petersburg
—  Aufruf  des
an  das  Land.
—  Hilferuf  an  den  deren
—  an  Wilson  .  ...
—  als  Verleumder  337,
—  Telegramm  an  Wilson  wegen
Dum--Dum-Geschosse
—  geht  an  die  Front.
—  bei  den  englischen  Truppen  .
an Kriegsminister Millerand

Polen,  Handstreiche  öserreichischer,
gegen  die  Russen

Präsedenten,  *

—  Proklaomation  an  die
—  Eine  deutsche  Proklamaiion
im  Königreich

Seite
145

86
266
161

436
547

434
613

661
693

  726

757

491
373

784
417

573

501
471

  682

750

216

278
  323

530

557

215
347
        <pb n="40" />
                                                        XXXIV                                                                         Polen,  Deutscher  Vormarsch  in
Russisch-—

  Der  Umschwung  in..
—  Die  Streitmacht  der  Deutschen
  und  Oesterreicher  in
—  Die  Schlachtlinie  der  Deutschen
  und  Oesterreicher  in.
—  Oesterreich.  Offensine  gegen
—  Kaiser  Wilhelm  bei  den
Truppen  in  ..
—  Die  Siegesbeute  bei  den
Kämpfen  in  ..
Polizei  Brüssels,  Eine  Lektion  für  die
Polnische  Legionen,  Errichtung  von
—  Legion,  Kaiser  Franz  Josef

–  und die Nationalregierung,  Ein  Aufruf
  der

Portugal  auch  gegen  uns ?
Bevorstehende  Kriegserklärung
  .
bleibt  neutral
Englands  Hilferuf  an.
Unruhen  in
besinnt  sich  .
Ein  Kriegsvorwand  für  ..
Mobilisierung  der  Flotte  in
Eingreifen  von
kampfbereit  «
Portugiesisch-Kongo,  Kriegsrecht  in.
Portugiesische  Kabinett,  Das,  tritt
zurück  «
—  Neutralität,  Die
—  Niederlage,  Eine,  in  Deutsch
Südwestafrika
Post,  Die,  in  Belgen
Potiorek,  Armeebefehl  des  Feldzeugsmeisters

—  Kaiser  Franz  Joseph  an  ..
„Pour  le merite  an  an  Kaiser  Franz
Josef.
—  für  General  v.  Mackensen
—  für  Hindenbuntg
Presse,  Die  rumänische  Sozialdemokratie
  gegen  die  russenfreundliche
  ...
Pressestimmen  Englische  .
—  Englische,  über  die  Vernichtung
  der  englischen  Kreuzer
Pressezensur  in  Paris
Presselügen,  Englische,
Deutschland
Prestige,  Das  englische.  durch  unsere
Kreuzer  geschädigt
„Primo“,  Der  englische  Dampfer,
von  einem  deutschen  Unterseeboot
  versenkt.
Prinz  August  Wilhelm  bri  einem
Automobilunfall  verletzt
—  Eitel  Friedrich,  Das  Eiserne
Kreuz  1.  Klasse  für
Eitel  Fritzl

gegen

516.

XXXIV

Seite

545
587

600

664
741

812
873

704
151

287

171
604

568
610
640
642
666
668
774
815
602

819
150

867
231

722
293

786
265

562
40
497

154
785

782
755

264
561

 

Prinz  Ernst  von  Sachsen-Meiningen
gefallen
—  Enrnst  von  Sachsen-Meiningen,
Zum  Tode  des
—  Flriedrich  Leopold  von  Preußen,
  Auszeichnung  des
—  Friedrich  von  Sachsen-Meiningen,
  Ein  Brief  des  gefal-–

  Friedrich  Wilhelm  zur  Lippe
Flallen
—  Heorg  von  Serbien  detverwun-—

  Heinrich  von  Bayern  Reitergefecht
  des  101,
—  Hennrich  von  Preußen  und
der  König  von  England.
—  Hohenlohe,  Ankunft  des  Botschafters,
  in  Berlin
—  Joachim  an  die  Großherzogin
  Wittwe.  von  Baden
Joachim  an  einen  Regimentskameraden
  ..
—  Oskar  im  Felde  erkrankt
—  von  Wales  bleibt  zu  Hause
„Prinz  Wilhelm“,  Der  deutsche
Hilfskreuzer,  vernichtet  vier
englische  Handelsschiffe
Prisengerichte,  Eine  Anfrage  bei  unseren
  Feinden  wegen  der
—  Russische  
Proklamation  an  die  Polen
—  des  Gouverneurs  von  Tsingtou.
  ..
—  Deutsche,  an  die  Buren
—  Joffres  an  die  Elsässer
Prophet,  Ein  französischern
Protest  Amerikas  gegen  England,
Ein

—  Amerikas  gegen  England,  Ein
freundschaftlichen

—  Anmerikanischer,  gegen  die
englische  Diebespolitik

—  des  amerikanischen  Botschafters

  bei  der  franzosischen  Re

gierung  .

Ein  Ägyptischer  ...

Chinas in Tokio Ein..

Deutschlands  gegen  amerikanische

  Waffenlieferungen  an

die  Verbündeten

—  der  Engländer  in  Deutschland
an  die  englische  Regierung

—  der  Heeresleitung  gegen
Lügen  über  deutsche  Grausamkeiten


—  Holländischer,  gegen  die  englische
  Seeräuberel

—  des  Khedive  gegen  Englands
Vorgehen

—  der  Neutralen  gegen  Minenlegung
  in  der  Nordsee

215,

Seite

287
294
272

206
143
161
226
403

313

462
401

242
347
637
669
641
652
641
718
110
273
503
736
731

693

192
44
463
731
        <pb n="41" />
                                                       XXXV                                                                            Protest  Oesterreichs  gegen  die  Verletzung
  der  Genser  Konvention.


—  der  Schweiz  in  Bordeant  und
London  wegen  Verletzung
der  schweizerischen  Neutralität

—  der  Schweizer  gegen  unsere
Verleumden

Protestkommission,  Die  belgische,
bei  Wilson

—  belgische,  Wilsons  Antwort
an  .

Protestnote  Die  bel  gische

Protestversammlung,  Deutschfeindliche,
  in  Rom  wegen  der  Beschießung
  der  Kathedrale  von
Reims

Protestversammlungen,  Wilson  oerbietet
  belgische,  gegen  deutsche
Greuel

Przemysl,  Angriffe  auf,  zusammengebrochen



Die  Oesterreicher  drängen  vor

gegen  der  Russen  vor
entsetzt  574,
befreit

von  General  Radto  Dimitrieff
  zur  Uebergabe  aufge·
gefordert

Die  Kämpfe  bei.  .
34  000  Russen  gefangen  bei.
Zweite  Belagerung  von

hält  sich  wacker  .
Russen  bei,  zurückgeschlagen  .

R.

Radko  Dimitrieff  vor  Przemysl
Radom,  Die  Deutschen  in.  ..
Rebellion  eines  Burenkommandos
Rechtfertigung,  Eine  nontastbare,
der  deutschen  Armee
Rede,  Eine,  des  Kaiser  auf  dem
Schlachtfelde  ..
Regentschaft,  Die,  in  Braunschweig
Regierung,  Die  belgische,  geht  nach

Frankreich  .  ....
Eine  Veröffentlichung

  der.

—  Die  deussche,  gegen  Englands
Fälscherkünste

—  Die  deutsche,  gegen  französische
  Greuel

—  Die  deutsche,  zu  dem  Pariser
Justizmord

—  englische,  Das  Verbot  der,
über  den  Handelsverteht  mit
Deutschland

Erfolgreicher  Ausfall  aus  833,

XXXV

Seite

586

762
394
414
438

261

471

424
557
560
573

590
579

642
642
733
779
791
842

600
593

316
76

594
583
457
625
788

455

 

Regierung,  Die  österreichische,  gegen

englisch-  russische  Fälschungs- 



Seite

versuche  457
Regierungserklärung,  Eine  italienische
  370
Regierungsgeschäfte,  Der  Kaiser  und
dieie  168
Regiment  „Bremen“,  Tausend  Gefangene
  durch  das  441
Reichskanzler,  Ansprache  des,  an  die
Volksmenge  ..  12,  13
—  Der,  an  die  Botschafter  in
Paris,  London,  Petersburg  57
—  Des,  an  d.  Bundesregierungen  59
—  Der,  und  Björn  Björnson  159
—  Der,  an  die  Amerikaner  244
—  Der,  an  Asquith  323
—  und  Generalstabschef  über
das  Kriegsziel  446
—  Der,  zur  Arbeitslosenfürsorge  683
—  Dank  des,  an  den  Kaiser  786
—  Der,  über  die  Kriegslage  790
—  Der,  an  den  Grafen  Berchtold“
  „  819
—  Der,  gegen  die  Taschenspielerei
  Vivianis  857
Reichskolonialamt,  Denkschrift  des,
über  Deutsch-Ostafrikos  Heldenkampof.
  878
Reichstaog,  Einberufung  des  deutchen
  12,  16
—  Feierliche  Eröffnung  des,
durch  den  Kaiser  27
—  Ein  Ehrentag  des  27
—  Die  Kriegskommission  des.  790
—  Die  zweite  Kriegssitzung  des
deutschen  795
Reims,  Deutscher  Sieg  zwischen    Verdun
  und.  214
—  Besetzung  von  Z  229
—  Einnahme  von,  durch  eine
sächsisische  Husarenpatroullie“  250
—  Beschießung  von  398
—  Neue  Erfolge  be  43
—  Brand  der  Kathedrale  von  430
—  Ein  Beobachtungsposten  auf
der  Kathedrale  von  435
—  Zur  Beschießung  der  Kathe-  -
drale von.  440
—  Die  königliche  Akademie  der
Künste  über  die  Beschießung
von  441
—  neun  Tage  lang  bombordiert  515
—  wieder  beschossen  574
—  Neue  Angriffe  bei  ..  741
Reimser  Kathedrale,  Eine  Erklärung
des  Generaldirektors  Dr.  von
Bode  wegen  der  452
Reise  des  Grasen  Tisza  in  das
deutsche  Hauptquartier  752
Rekrutierung.  in  England  349
Rekrutierungen,  Neue,  in  Oesterreich  142
        <pb n="42" />
                                           XXXVI                                                                                  Rennenkampf.  Wie,  Insterburg  verließ

Repressionsmaßregeln  gegen  die  Verletzer
  des  Völkerrechts
Revolution,  Siegreiche,  in  Odessa
—  Volle,  an  den  Grenzen  Indiens

Riesenschlacht,  Eine,  im  Osten  .
Die  kommende,  im  Osten
—  Die,  im  Westen  .  353,
Ritterlichkeit,  Von  der  englischen
Roberts  an  die  englischen  Kinder
—  Lord,  gestorben
Rotes  Kreuz,  Kundgebungen  des
deutschen  Frauenvereins  vom,
für  die  Kolonien
Rotes  Meer-  Ein  deutscher  Kreuzer im

—  die  Türken  am
Rouen,  Ein  deutscher  Flieger  über
—  von  den  Franzosen  geräumt
Rückkehr  der  belgischen  Königin
Rücktritt  des  italienischen  Kriegsministers

—  des  italienischen  Marineministers

—  des  italienischen  Ministeriums
—  des  portugiesischen  Kabinetts

Rückzug  der  Allierten,  Beginnender,
an  der  Aisne-Linie
—  Der  Belgier,  Der  ordungslose
—  der  Russen
Rückzugsgefechte,  Die  englischen  .
Rüstung der   Japaner  schon  Anfangs
zum  Kriege
Rüstungskredit,  50  —  Kronen,
  in  Schweden
Rumänen,  Graf  Tisza  an  die
—  Ein  Treugelöbnis  der  ungarländischen

Rumãnien  Türkische  Ministerreife"
nach
—  Eine  Mahnung  an
—  König  Karol  von,  an  Kaiser
Wilhelm.
—  Russische  Verdächtigungen
gegenübeer
—  Der  Kronprinz  oon,  gegen
russenfreundliche  Treibereien
—  König  Karol  von,  gestorben
—.  Der  Thronwechsel  in
Rumäniens  Neutralitt  75,
—  Haltung
Rumänische  Kolonie  in  Berlin,  Dank

—  Parteien  Die  Einigkeit  der

—  Regierung,  Die,  wahrt  die
Neutralität  ....

—  Aufforderung,  Eine,  z.  Eingreifen
  für  Deutschland

XXXVI

Seite

389

134
194

700

.563

590
565
288
570
734

145
613
672
591

237
267

566
113
677
819

483

821
245

111
113

162

144
167

322
498
512
573
575

372
612

109
377

43
464

 

Rumänische  Sozialdemokratie,  Die,
gegen  die  russenfreundliche  

Rupprecht,  Der  Sieg  des  Kronprinzen,
  bei  Metz  .
—  Auszeichnung  d.  Kronprinzen
—  Kronprinz,  an  seine  Truppen
Rußland,  Deutsche  Kriegserklärung
—  Fremde  Staatsongehörige  in
—  gibt  seine  Niederlage  in  Ostpreußen
  zu
hat  vor  edem  Kriege  mobil
gemacht
Der.  Krieg  eröffnet  von
Militärische  Maßnahmen  in.
Ultimatum  Deutschlande  an.
zwingt  Deutschland  den
Kriegszustand  auf
Rußlands  Botschafter  in  Berlin  erhält
  seine  Pässe  .
Kriegsvorbereitungen,  Ein
neuer  Beweis  für
—  Marine,
für.
Schuld  an  dem  Weltkriege
Schwindelerfolge  .  .
Stellungnahme  zum  österreichisch-ungarischen
  Ultimatum
  an  Serbien
Russen,  Die  ersten  Gefechte  der
Oesterreicher  gegen  dee
100  000,  in  Galizien  gefallen
Die,  im  Kaukasus  geschlagen
Die,  vor  Krakau  geschlagen
29  000,  von  den  Oesterreichern,

  “gefangen  vollständig

Die,  in  Ostpreußen vollständig-
  geschlagen
Die,  in  Persien
Die,  an  der  ungarischen
Grenze  zurückgeschlagen
in  den  verbündeten  Heeren
Die,  versenken  ein  holländisches
  Schiff  ..
Die  völlig  geschlagen
Die,  bei  Worschau  geschlagen
Die,  weichen  überall  zurück
Die,  om  Wysztyter-See  geschlagen

—  Zurückdrängen  der,  gegen  die
Weichsel.
Russengreuel,  Die,  in  Ostpreußen  .
Russische  Angriffe  ouf  Przemysl  zusammengebrochen

—  Angriffe  bei  Wirballen
zurückgeschlogen
Armeekorps,  Fünf,  geschlagen
—  Bemühungen  um  einen
neuen  Balkonbund
—  Generalstab,  Der,  über  die
Kriegslage  .

Vorschußlorbeeren

Seite

562
168

207
208

18
164

333
337
14
10
11
10
18
248

871
144

497
713
823
775

323
613

543
314

117
292
732
569
713

543
383

557

573
197

790
556
        <pb n="43" />
                                         XXXVII                                                                              Russische  Grausamkeiten  u.  Schandtaten“)

  Deutsche  Truppen
überschreiten  die
Guthaben  gesperrt
Kavalleriebrigade,  Eine,  vernichtet


Kavalleriedivisionen  zurückschlagen


Kavalleriedioisionen,  Drei,

Revolutionären  in  Odessa
über
Offiziere  mit  dem  Gummiknüppel
  .
Orangebuch,  Aus  dem.
Patrouillen  zurückgeschlagen
Schlappe,  Eine  .
Stimmungen
Truppen  auf  dem  Wege  nach
Frankreich
Ungehörigkeit  in  Bulgarien  .
Unterrichtsminister  Kasso,
Verhaftung  des,  in  Deutschland
  .  .
—  Verluste,  Die  516,
Verluste,  Große,  in  Ungarn
—  „Treue“
Russischer  Offizier,  Ein,  über  die  Behandlung
  in  Deutschland
—  Vorstoß  auf  Memel  zurückgeschlagen

Russisch-türkische  Spannung
—  türkischer  Krieg  in  Sicht ?

„S.  116“  untergegangen.
Sobatsch,  Erstürmung  oon
Sachsen,  Ein  Armeebefehl  des
Königs  von  .
—  Aufruf  des  Königs  von.  an
sein  Heer
—  —  an  sein  Volk
—  Der  König  von,  an  den  Sieger
  von  Tannenberg
Die tapferen

„Altenburg,  Herzog  von,  erhält

  dos  Eiserne  Kreuz

—  —  Ein  Kriegsbrief  des  Herzogs
  von

—  „-Coburg-Gotha,  Der  gothaische
  Landtag  und  die  Thronfolge
  in.

—  —  Verleihung  des  Eisernen
Kreuzes  1.  und  2.  Klasse  an
den  Herzog  von  ..

—  Meiningen,  Ein  Brief  des
gefallenen  Prinzen  Friedrich
von

—  —  Prinz  Ernst  von,  gefallen

geschlagen  197,
Landtruppen  gehen  zu  den

XXXVII

Seite

234

24
70

73
77
705

194
319

476  ff.

161
97
370

247
232

25
832
553

371

449

68
574
204

558
153

639

23
23

208
290

399
367

719

206
287

 

Saigon,  Deutschfeindliche  Kundgebungen
  in.
Salandra  appelliert  an  die  Klugheit
Italiens
—  unterstreicht  Italien“  Neutralität

Salandras  Erklärungen  .
Samoa,  von  den  Engländern  besetzt
—  Der  Gouverneur  von,

gefangen

—  Englische  Verwaltung  in

—  Ein  tapferer  Deutscher  in

Samsonowms  Tod,  Generaau

San  Giuliano,  Der  italienische
Botschafter  in  Berlin  bei

—  gestorben  ...

St.  Omer,  Ein  deutscher  Flieger

über    ...
St.  Quentin,  Die  englische  Armee
schlagen  bei
Save,  Kämpfe  an  der  Drina  und
Scarborough  beschossen
Schabatz,  Einnahme  von
Schaden,  80  Millionen,  deutschen
Besitztums  in  Brüssel
Schadensersatzforderung,  Amerikanische,
  gegen  England
Schädigungen  des  englischen  Prestige
durch  unsere  Kreuzer
Scham,  Eine  Stimme  der
Schande,  Englische
Schandtaten,  Die  belgischen,  gegen
die  Deutschen
—  Amtliche  Feststellungen  über
de  belgischen
—  Die  belgischen,  gegen  bdie
Deutschen
—  und  Grausamkeiten.  Russische
Schantung,  Die  Japaner  ..
Schantungbahn,  Die  Besetzung  der
—  Chinesischer  Protest  gegen  die
japanische  Besetzung  der
Die,  in  japanischen  Händen.
—  England  billigt  Japans  Vorgehen
  bei  der  Besitzergreifung

der

Scharmützel  an  der  holiändischen
Grenze.

—  in  Transovaal

„Scharnhorst“  und  Gneisenau  vor

—  und  „Gneisenau“  vor  Papeete


—  bei  den  Faltlandsinseln  gesunken


Schatt-el-Arab,  Der,  von  den  Türken
gesperrt

Scheitern,  Das,  der  russischen  Offensive
  gegen  Ostpreußen

Schelde,  Die  Schlacht  an  der  564,

Scheldemündung,  Deutsche  Geschütze
beherrschen  die

Seite

471
86

177
503
270

272
287
643
209

144
605

191
153
843
156

785

478

91
151
91
234
766
523

576

611

726
521
577
89
753

596
572

666
        <pb n="44" />
                                         XXXVIII                                                                              Scheußlichkeiten  der  Turkos,  Ein
englischer  Bericht  über  die

Schiffahrt,  Schwedens  und  Norwegens
  Einspruch  gegen  die
Vergewaltigung  der

Schiffsgeschütze,  Englische,  in  Antwerpen
  ..

Schiffsverluste  Englische

Schlacht.  Die,  in  Galizien

Die,  an  der  Kolubara

Die,  bei  Krasnick

bei  Lemberg  272,  286,  312,

—  Der  neunte  Tag  der

—  Stillstand  der

—  Die,  vor  der  Entscheidung

Die  große,  an  der  Marne

bei  Metz,  Die  französiche

Meldung  der

Die,  bei  Mitrowitza

Die,  in  Mittelgalizien

Die,  von  Paris  bis  Verdun

Eine,  bei  Perone

746,  756,

Die,  in  Polen
Die,  an  der  Schelde
Siegreiche,  in  Bosnien
Die,  an  der  Weichsel
im  Westen,  Günstiger  Stand
der
Die,  bei  Dpern
Schlachten,  Die,  in  Polen
—  Die,  im  Westen  und  Osten
Schlachtbericht,  Der  französische
Schlachtlage,  Zurückhaltende  französische
  Urteile  über  die
Schlachtlinie,  Die,  der  Deutschen  und
Oesterreicher  in  Polen
Schlachtschiff  „Australia“,  Das  große
australische,  verloren!  .
Schlappe,  Eine,  der  englischen
Kamelreiter
—  Schwere  französische,  in  Ma-Schlopnont

  Neue,  der  Franzosen  in
Morokko  -

Schlechte  Behandlung  der  im  Londoner

  Gefangenenlager  Internierten


Schlesische  Landwehr,  Siegreiches
Herzog  "  Ernst

Gefecht  de
Schleswig  Holstein,
Günther  zu,
dent  v.  Bülow  .
—  Kriegstrauung  des  Grafen
Solms--Bamih  mit  der  Prinzessin
  Adelheid  dvon.
Schließung  der  französischen  Kammer
Schlüsselpunkt,  Der,  der  serbischen
Stellungen  genommen
„Schnelligkeit,  Schnelligkeit"
Schoen,  Freiherr  von,  Gesandter  in
München  .
Schreckliche  Zustände  in  Serbien

248,
610,

an  Oberpräsi-XXXVIII



Seite

315
703
559
547
665
760

186
326

  218

325
207

279.

175
251
622
397
490
816
564
646
5909

374
620
222
640
557
368
654
815
766
762

793

772

143
17
267

734
299

127
565

 

(Schütte  Banz“ im Feuer bei Krasnick

Schützengraben,    Der,  Noye-Arras  .
Schuld,  Die,  des  belgischen  Königs
an  dem  Krieg  .....
Schulen,  deutsche,  Keine  Ausländer
an.........
Schulschiff,  Ein  englisches,  gesunken
Schutz,  Deutscher,  für  Ostende
Schutzgebiete,  Die  deutschen
Schutztruppengefechte,  Neue
Schwarze  Meer,  Russische  Kriegsvorbereitungen
  im

im  Feuer  bei  Kras-—

  Flottenkämpfe  im  “  746.
Schwarzmeer-Flotte,  Die  russische,
Unterwegs

Schweden  betont  seine  Neutralität

Seite

189.
621

515

225
376
663
192
338

579
755

579
393

—  50  Mill.  Kronen  Rüstungskredit

  in  ..

—  Mobilmachung  zum  Schutze
der  Neutralität  in.

—  und  Norwegen  sichern  sich
gegenseitige  Neutralität  zu.

Schwedens  Einspruch  gegen  die  Vergewaltigung

  der  Schiffahrt,

—  Neutralität  ..  17,  69,

Schwedische  Erzausfuhr,  Die  britische
  Unterbindung  der

—  Kolonie  in  Berlin,  Sympathiekundgebung

  der

—  Mißstimmung  gegen  Ensland

  .  .

Schweiz,  Mobilmachung  in  der
Die  Bestimmungen  der
Mobilmachung  der

—  Die  Neutralität  der  75,  84,

—  30  Millionen  Anleihe  der

—  Die,  protestiert  wegen  Verletzung

  ihrer  Neutralität

Schweizer  Ohrfeige,  Eine,  für  verleumderische
  französische  Offiziere


—  Protest  gegen  unjere  Verleumder



Schwierige  Kriegführung  im  Osten.

Schwierigkeiten  der  Verbündeten.

Schwindel,  Ein  neuer,  Clemenceaus

Schwindelerfolge  Rußlands

See,  Der  Kampf  zur  .

—  Kein  lahmer  Krieg  zur
Seebrügge,  Ein  Kampf  der  ..
Seegefecht,  Das,  in  der  Nordsee

—  Ein  österreichisch-französisches
Seehelden,  Unseren,  zum  Gedächtnis
Seekampf  an  der  belgischen  Küste
Seeminen,  Die  englischen
Seeräuberei,  Ein  holländischer  Protest

  gegen  die  englische  .

Seeräubereien,  Englische

Seerechts-Konferenz,  England  will
die  Beschlüsse  der,  aufheben

 

111
25
87

703
131

494
118

403
16

17
404
111

762

465

394
181
593
666
144
405
101
592
620
622
841
639
520

44
242

672
        <pb n="45" />
                                                     XXXIX                                                                       Seeschlacht  in  der  Nordsee  200,
—  bei  Helgoland,  Die
—  an  der  chilenischen  Küste,

Der  Verlauf  der
—  —  Der  amtliche  deutsche  Bericht
  über  deie  701,
—  Die,  bei  den  Falklandsinseln

Seesieg,  Ein  österr.  ungarischen,  in

der  Straße  von  Otranto

Seesoldaten,  Englische,  in  Belgien

Seeversicherungsgesellschaft,  Gründung

  einer  deutschen

Sennheim,  Siege  bei,  und  Tann

Senussi,  Die,  in  Aegypten

Serajewo,  Das  Urteil  von  ..

Serbien,  Ultimatum  Oesterreich-Ungarns

  on

Antwort  auf  d.  oesterreichischungarische

  Ultimatum

Mobilmachung  in  .

Die  Note  Oesterreich  Ungarns

Der  erste  Schiag.  gegen
Der  deutsche  Gesandte  in,  auf
der  Fahrt  nach  Berlin

Prinz  Georg  von,  verwundet
Die  Strafexpedition  gegen
Die  österreichischen  Siege  in
343,  379,  446,  506,  543,
604,  714,  721,  734,
Der  Zusammenbruch  in  407,
Die  Offensive  gegen
Schreckliche  Zustände  in
Dämmernde  Erkenntnis  in.
Kriegsbeute  und  Erfolge  in
Oesterreichische  Fortschritte  in
Bevorstehende  Entscheidungskämpfe
  n
Das  Vordringen  der  besterreicher
  in
im  Todeskampfe
Serben,  Die,  von  allen  Seiten  bedrängt

Panik  unter  den,
bulgarischen  Grenze  ..
Die  schweren  Verluste  der
Die,  über  die  Save  zurückgeworfen

die  Vernichung  der,  in  Slawonien

Serbenflucht,    Die  über  die  Donau
Serbengesindel,  das  barbarische

Serbische  Note,  Oesterreich-Ungarn
und  die  .

—  Greueltaten  in  Makedonien

—  Kampfesweise  314,

—  Verluste  in  Höhe  von  60  000
Mann

1111111

an  der

—

Divisionen,  Zwei,  ausgerieben
Grausamkeit  .
Truppen,  Meuterei  bei

——#t
—
——·

201,

Vom  Kriegsschauplatz  in  156,

432.

XXXIX

Seite

843
202

701

731
829

451
543
544
552

 

 

Seite

Serbische  Regierung,  Flucht  der,
nach  Uesküb  564
—  Armeen,  Zwei,  geschlagen  714
—  Hauptmacht,  Die,  auf  dem
Rückzuge  714
—  Hauptarmee,  Verfolgung  der  726
—  Stellungen,  Der  Schlüsselpunkt
  der,  genommen  7934
Serbischer  Vorstoß,  Ein  neuer  329
Serbisch-bulgarische  Spannung,  Die,
wächst  679
Sewastopol  aufs  neue  von  den  Türken
  beschossen  .  713
Sieg,  Ein  deutscher,  in  Ostafrika  .  668
—  Deutscher,  zwischen  Reims
und  Verdun  214
—  Ein,  Dewets  719
—  gegen  die  Franzosen  bei  Lagarde
  101
—  gegen  die  Franzosen  bei
Mülhausen  97
—  Großer  deutscher,  über  die
Russen  736
—  Großer,  über  die  Russen  bei
Gilgenburg  und  Ortelsburg  197
—  Großer,  Hindenburgs  318
—  Großer,  bei  Metz  über  die
Franzosen  .  168
—  Der  große,  im  Osten  844
—  des  Kronprinzen  bei  Verdun  292
—  Der,  von  Lyk  ..  297
—  Der,  an  d.  masurischen  Seen  359
—  Ein'  Oesterreichisch-ungarischer,
in  Ostgalizien  631
—  Ein,  in  Ostpreußgeen  178
—  auf  dem  rechten  deutschen
Flügel  im  Westen  3474
—  Ein,  südafrikanischer
Truppenabteilungen  504
—  der  Türken  am  Tochorokt  3814
—  der  Türken  über  die  Engländer
  818
—  der  Türken  über  die  Engländer
  und  Russen  758
—  Der  türkische,  bei  Köpriköl  .  732
—  Neuer  türkischer  733
—  Türkischer,  im  Kaukasus  855
Siege  in  Bosnien  561
—  Deutsche,  bei  Semheim  und
Tann  ..  402
—  in  Frankreich  und  Belgien  .  179
—  Herrliche,  in  West  und  Ost  204
—  Neue,  in  Ost  und  West  551
—  Oesterreichische,  über  die
Russen  .  183
—  in  Ost  und  West  ..  577
Siegesbeute,  Die,  in  Antwerpen  581
—  Die,  der  Armen  229
—  des  2.  Armeekorps  335
—  Reiche,  im  Osten  324
—  Die,  bei  den  Kämpfen  in
Polen  .  873
        <pb n="46" />
                                                   XI                                                                              Siegesmeldung  des  deutschen  Kronprinzen

—  des  Kaisers  vom  Fall  Antwerpens

Siegreiches  Vorgehen  des  österr.
ungarischen  Heeres  an  der
Nida  .
Sinai-Halbinsel,  Türkischer  Einmarsch
  in  die
Skutari-Detachement,  Das  deutsche
—  Abschied  des  deutschen,  von
Wien
Slawentum,  Das,  gegen  die  Moskowiter,
  
Slawonien,  Die  Vernichtung  der
Serben  in  ..
Söhne  des  Kaisers,  Von  den
Solf,  Staatssekretär  Dr.,  über  den
Verlust  unserer  Kolomen
Somaliland,  Aufstand  im.
Sonderfrieden,  Auch  Japan  will
.  keinen,  schließen
Sorquitten,  Schloß,  von  den  Russen
in  Brand  geschossen  .
Sosnowice—Czenstochau,  Die
Eilenbohn.  in  deutshem  Be-Southamton,

  Der  Hasen  von,  gesperrt


Souveränitar  Aegyptens?  England
„übernimmt“

Sozialdemokrat,  Ein  deutscher,  über
französischen  Vandalismus

Sozialdemokraten  über  den  Krien
Sozialdemokratie,  Die  englische,  für
und  gegen  den  Krien
Die  rumänische,  gegen  die
russenfreundliche  Presse
—  Eine  englische  Lüge  über  die
deutsche
Sozialdemokratische  Dumamitglieder
verhaftet  .
—  Parteivorstand,  Ertlärung
des  deutschen  Z
—  Stimme,  Eine
Spanien,  Neutratitätserklärung

bleibt  neutral  2067,  271,

Spanische  Botschafter,  Der,  als
Kronzeuge

—  Botschafter  in  Wien,  Der,  zur

—  Zellungen,  Nronzäflsh=Mißtrauen
  gesen  .

Spanischer  Botschafterwechsel  in
Paris  .

Spannung,  Russisch-türkische  ...

Die,  zwischen  Serbien  und

Bulgarien  wächst.

Spee,  Vizeadmiral  Graf  o.,  erhäli
das  Eiserne  Kraz  1  1.  und  2.
Klasse  .

180
576

696
183

227
110

446
532

453

614

345
276
219
41

513.

122
507
562
623
759

277
82

175
637

163
182
871

267
574

679

713

XI.

 

Spende  der  christlichen  Gewerkschaften
  in  Höhe  von  5  Millionen

Mark
Eine,  des  Kalsers  an  die
Luxemburger

—  des  Kaisers  für  den  vaterländischen

  Frauenverein
—  des  Norddeutschen  Llyod
Sperrung,  Die,  des  baltischen
Z„  Meerbusens  durch  die  Russen
—  der  Dardanellen,  Zur
—  der  Nordsee,  Die,  wurch  England

russischer  Guthaben  bei
deutschen  Großbanken
Spione,  Gegen  die,  in  Deutschland
Londons  Angst  vor  Zeppelinen
  und.  .
Spionitis,  Gefährliche  französische  .
Stmägkngähmäge  Fremde,  in  Rußland
  ..  .
Staatseinkünfte,  Die  englijchen.
Staatshilfe  für  Ostpreußen
Staatsmänner,  Englische,  über  ihre
serbischen  Bundesgenossen
Staatssekretär  v.  Jagow  über  den
englischen  Kriegspvorwand
Stallupönen,  Siegreiches  Gefecht  bei
Stärke,  Die,  von  Tstngtooo
Steckbrief  gegen  „Hansi“
—  —  Rechtsanwalt  Helmer
—  —  Zahnarzt  Hug
den  früheren  Bürgermeister

  von  Colmar,  Blumenthal.

—  —  Wetterle
Stellung,  Die  neue,  der  Oesterreicher


Stellungnahme  Italiens
Stellvertretungs-Erlasse  des  Kaisers
„Stettin“,  Der  Kreuzer,  im  Gefecht
Stimme,  Eine  englische,  für  uns
Stimmungen,  Russische
Stimmungsmache,  Verunglückte  englische



Stimmungsumschwung  in  Amerika

„Stolze  Regiment“,  Das,  des  Zaren
Strafexpedition,  Die,  gegen  Serbien
Strantz,  General  v.,  erhält  das
Eiserne  Kreuz  1.  u.  2.  Kl.
Streitmacht,  Die,  der  Deutschen  und
Oesterreicher  in  Polen
Studenten,  Aufruf  der  deutschen
Stützpunkt  der  Russen,  Ein,  von  den
Türken  besetzt.  .
Sturdza,  Demeter,  gestorben
Sturm,  Deutscher,  auf  Nancy  und
Maubeuge
Sturmangriff,  Der  deutsche  an  der
Aisne  ......  .
Sudan,  Aufstand  im

der  Dardanellen  4385,  501,

Seite

111
397

97
129

92

706

70
686

396
532

164
501
550

303

153
673
466
46
466

270
447

342

10
139
396
318
370

272

313
215
173

338

78

821
639

238

42
742
        <pb n="47" />
                                                 XLI                                                                                        Südafrika,  Englische  Erfolge  in
— gegen Deutschland

—  gegen den  Krieg  ...

—  Kämpfe  in  .  350,

—  Niederlage  der  englischen
Truppen  in  ..

—  —  Zurückbehaltung  englischer
Truppen  in

Südafrikanische  Union,  die

Deutschland
Südsee,  Wie  England  in  der,
räubert
Südwest,  Englische  Verluste  n.
Suezkonal,  Die  Ueberwachung  des
—  Der  Kampf  um  den.
—  Der,  durch  die  Ergländer  gesperrt

und

Heer
Der  Kaiser  Franz Josef 
Der  Kaiser    Wilhelm

Telegrammwechsel  zwischen
dem,  und  Kaiser  Wilhelm.
Der,  verkündet  den  heillgen

Krieg
Ein  Handschreiben    d.  Papstes

Sultan“  von  Aegypten,  Türkische
Achterklärung  gegen  den

Suwalki,  Das  Gouvernement,  unter
deutscher  Verwaltung  332,

Sven  Hedin  in  Antwerpen

Sympathlekundgebung  der  dänischen
Kolonie  in  Berlin

—  der  holländischen  Kolonie  in
Hannover  ..

—  der  schwedischen  Kolonie  in
Berlin  ..

Szopary  Botschafter  Graf  von,  in
Berlin

Szögyenn-Marich  beim  deutschen
Kaiser
—  Kaiser  Franz  Josefs  Dank  an

T.

Todelloses  Verhalten  der  deutschen
Soldaten  in  Belgien
Tagebuch,  Aus  dem,  eines  französischen
  Truppenarztes  ..
Tagesbefehl,  franzößischer,  Wie  ein,
aussieht
zur  Erstürmung  des  Forts
Camp  des  Romains
des  Generalissimus  Joffre
des  Generalobersten  von
Bülow
des  Generals  von  Mackensen
an  das  17.  Armeekorps
Tann,  Siege  bei  Sennheim  und.
Tannenberg.  Die  Russen  über  ihre
Niederlage  bei  ..
Taten,  Die,  der  türkischen  Flotte

579
97

118
121

106
106

604
539

529
271

296

220
402

265
676

XLI

 

 

„Taube“,  Eine  deutsche,  über  Antwerpen




„Tauben“,  Deutsche,  über  —

Teheran,  Abreise  des  russischen  Gesandten aus


Telesunker,  Festnahme  von  unbefugten



Telegramm  des  deutschen  Botschafters

  in  Wien  an  den  Reichskanzler
  60,.
des  deutschen  Konsulatsverwesers
  in  Kowno  an  den
Reichskanzler

des  deutschen  Botschafters  in
Petersburg  an  den  Reichskanzler
  ..  .61,
des  deutschen  Gesandten  in
Bern  an  den  Reichskanzler
des  Reichskanzlers  an  den
deutschen  Botschafter  in  London
  62,  63,  64,
des  Reichskanzlers  on  den
deutschen  Botschafter,  in
Poris  64,
des  —————  35
in  Petersburg  an  den  Kaiser
des  Reichskanzlers  on  den
deutschen  Botschafter  in  Rom
des  deutschen  Botschafters  in
Paris  an  den  Reichskanzler
des  Prinzen  Heinrich  von
Preußen  an  den  König  von
England

des  Königs  von  England  an
Prinz  Heinrich  ..

des  Kaisers  an  den  König

don  England  165,
—  des  Königs  von  England  an
den  Kaiser  165,

des  deutschen  Botschafters  in
London  a.  d.  Reichskanzler  165,
des  Kaisers  an  den  König
von  Württemberg  180,
des  Kaisers  Franz  Joseph  an
Kaiser  Wilhelm  .186,
des  Kaisers  an  den  Kaiser
Franz  Josef  ..

des  Königs  von  Württemberg
  on  den  Kaiser
des  Kaisers  an  den  Großherzog

  von  Baden  218,
—  des  Kaisers  an  den.  König
von  Sachsen

Telegrammrechsel  zwischen  Zar  und

König  von  England
zwischen  Kaiser  Wilhelm  und
dem  König  von  Sachsen
zwischen  Joffre  und  Kitchener
  ...271
zwischen  dem  Sultan  und
Kaiser  Wilhelm  ...

Seite

382
475
742
152

61

62
62

166

164
165
166
166

199
193
193

555
266
112
270
289
443
        <pb n="48" />
                                     XLII                                                                                              Telegrammwechsel  zwischen  d.  österreichischen
  und  der  deutschen

Marine
—  zwischen  dem  Kaiser  und  dem
König  von  Bayern
Termonde  von  den  Deutschen  beschossen

—  genommen
Territorialgewässer,  Das  ganze

Mormarameer  als
Theologen,  Abfertigung  englischer,
durch  Harnock
Thronfolge  in  den  Herzogtümern  

Koburg  und  Gotha,  Gesetz
über  deie
—  Die,  in  Koburg-Gotha  und
der  gothaische  Landtag
Thronfolger,  Die  Ermordung  des,
von  Oesterreich-Ungarn

—  österreichischer,  Militärische
Ernennung  des

—  Der  österreichische,  an  Kaiser
Wilhelm

Thronrede  der  Königin  von  Holland
Thronwechsel,  Der,  in  Rumänien
Tilsit  noch  Vertreibung  der  Russen
„Times“,  Die  gerüffeite  .
—  Lügendericht  der
Die  mahnt  zur  Geduld
Die  hat  Respekt  vor  uns
—  die,  Lügen  gestraft
—  gegen  „Times"  .  ".
—  Ballin,  ein  „Zeuge“  der
Tirpitz  über  die  Heldentat  des  „19“
—  Die  Aeltesten  der  Berliner
Kaufmannschaft  an  den  Großadmiral
  v.
Tisza  an  die  Rumänen
—  über  Englonds  Falschheit  .
—  reist  in  das  deutsche  Hauptdquartier

Tod,  Der,
Beyers.
—  des  Prinzen  Ernst  von  Soachsen-Meiningen,
  Zum.
—  des  russischen  Generals  Somsonom..

Todesstoß,  Der,  für  England  ..
Todesurteil,  Das,  gegen  Konsul
Ahlers  aufgehoben  ...
Todesurteile,  Die,  in  Marokko  gegen
  drei  deutsche  Ansiedler
kassiert
Togo,  Besitznahme  der  Hauptstadt
von,  durch  die  Engländer
—  Kämpfe  in

Torpedoboot,  Ein  deutsches,

schlagnahmt  Kontrebande

„S.  116“  untergegangen

—  Ein  englisches,  aufgelaufen

—  Ein  japanisches,  vor  Kiautschou
  gesunken

des  Burengenerals

be-Seite



723
874

239

239
532
492

534

719

576
774

339

575
378
271
283
536
546

697
747
468

712
113
511
752
832
294

209
483

848

842

92
782

558
558
646

723

XLII

 

Torpedoboot,  ein  japan.  gesunken
Torpedoboote,  Vier  deutsche,  verloren

—  Zwei  französische,
Torpedobootszerstörer,

eines  japanischen
Tot  oder  verwundet,  10  000  Russen
vor  Przemysl  .  .
Transvaal,  Scharmützel  in
Traum,  Ein  kurzer

Treugelöbnis  der  ungarländischen
Rumänen  1
Tripleentente,  Die  verlogene  ...
Ein  der,  würdiges  Dokument
—  Türtische  Stimmen  gegen  die
—  und  Türkei
Tripolis  Ein  französischer  Uebergriff
Trostlofs  Loge  in  Kiew  .
Troyes,  Deutsche Reiter in
Truppenansammlungen,  Türkische,
in  Syrien
Truppenlandungen,  russische,  Keine
in  Frankreich  ..
Tschechen,  Die  Haltung  der  ..
Tscheschme,  Der  englische  Angriff  bei
Tsingtau,  Die  deutschen  Familien
aus,  in  Sicherheit  ..
Geschwader,  Von  unserem.
Japanische  Flieger  über
Die  Japaner  vor  ..
Heldenmüllger  Kampf  um
Der  Angriff  auf
Japanisch-englische  Niederlage
vor  .
eine  harte  Nuß
Zwei  Forts  von,  zerstört
gefallen  ..
Eine  Proklamation  des  Gouverneurs
  von
Erfolglose  Beschießung  von.
Der  Kaiser  an  die  Besatzung
von
Die  Stärke  vo
Erneuerung  der  Angriffe  auf
Feindliche  Nachrichten  vom
Fall  von
wird  ehrenvolle  Uebergabe  
von  den  Japanern  angeboten
Heroischer  Widerstand  in
Deutscher  Heldenkampf  in
Ein  Ausfall  aus
gefallen
Zum  Falle  von

gelungen  Z

Untergang

Der  Kaiser  über,  Heldenkampf
  .

—  Der  Gouverneur  von,  an  den
Kaiser  ..

Einzug  der  Japaner  in.
Die  Gefangenen  und  Gefallenen
  von  ....
Die  Beute  von

Seite
736

610
573

291

573
726
359

162

137
141
167

616
280

486

292
125
686

197
229
271
497
517
530

542
603
612
617

637
644.

652
673
681

682

685
692
693
704
708
714

715

724
742

776
813
        <pb n="49" />
                                                XLIII                                                                                    Türkei,  Neutralität  und  Teilmobilisierung
  der
Belagerungszustand  und  Mobilmachung
  in  der
Wachsende  Erbitterung  der
gegen  England

Aus  der.

Die,  und  Deutschland
Tripleentente  und
Mobilisierung  der  200,
Die,  vor  der  Entscheidung
Die  englische  Marinemission
hat  die,  verlassen
Feeude  über  die  deutschen  und
  und  österreichischen  Siege  in

HIIIIII

Kriegsvorbereitungen  der
Die  Aushebung  der  Kapitulationen
  in  der  312,  320,
und  Dreiverband

Die,  gegen  die  englischen

Drohungen

erklärt  das  ganze  Marmarameer
  als  Territorialgewässer
Die,  bleibt  fest  .
Eine  tapfere  Antwort  der
Die,  schlägt  los  ..
Englands  Kriegserklärung  an

Französische  Kriegserklärung
an  die  .
Türken,  Die  am  Roten  Meere
Die,  beschießen  erneut  Sewastopol

—  Die,  erstürmen  Köpriköi  .
—  Die,  vor  Batum
—  Sieg  der,  über  die  Engländer
Türkische  Kriegsschiffe  von  England
zurückbehalten
Ministerreise  nach  Rumänien
Minister  in  Bukarest  
russischer  Krieg  in  Sicht?
Marine,  Verrätereien  englischer

  Instruktionsoffiiere
der

—  Truppenansammlungen  *
Syrien
Hoheitszone,  Die,  ausgedehnt
Vorbereitungen

„englische  Verstimmung,  Die
Kavallerie  an  der  ägyptischen
Grenze

-russischer  Kampf,  Der  Beginn
  des  .
Flotte  Der  Taten  der
Heldenhaftigkeit.
Einmarsch  in  die  Sinal-Halbinsel,
  Der  ...

Kreuzer  bombardieren  Batum

Vormarsch  in  Aegypten!  und
im  Kaukasus,  Der  ..

Zeite

25
25

96
147
154
167
231
214

221

291

345
364

499
532
563
640
672
700

702
672

713

728
814
818

92
144

164
204

334
486
566

581
604

608

674
676

696
698

720

XIIII

 

1

 

Türkische  Offensive,  Die,  i.  Kaukasus
Siege  im  Kaukasus  725,
Einmarsch  in  Rußland,  Der
Sieg,  Der,  bei  Köpriköbh
Erfolg,  Ein  neuer,  gegen  die
Russen

Vormarsch  auf  Batum,  Der

Siege  über  Englönder  und

Russen  .
—  Vordringen  i.  Kaukasus,  Das
—  Achterklärung  gegen  den

„Sultan“  von  Aegypten

Turkos,  Ein  englischer  Bericht  über
die  Scheußlichkeiten  der
Greueltaten  der

U.

„U  9“  vernichtet  drei  englische  Panzer  ·
kreuzer
wieder  unversehrt  daheim  .
Italienische  Stimmen  über  die
Heldentat  des
Ein  norwegischer  Admiral  über
die  Heldentat  des
Das  Eiserne  Kreuz  1.  Kl.  für
den  Kommandanten  von
Die  Wirkung  der  Tat  des,
auf  England.
Großadmiral  v.  Tirpitz  über
die  Heldentat  des

–  vernichtet.  den  Kreuzer  „Howte“
„U  17“  versenkt  einen  englischen  Handelsdampfer.

  ..

„U  18“  gesunken

„U  21“  vernichlet  den  enalischen  Kreuzer
  „Pathfinder'
Die  erfolglose  Jagd  auf  ..
Ueberdreadnought  „Audacious“,  Der
englische,  gesunken
Ueberfall  auf  den  Hilfskreuzer  „Kaiser
Wilhelm  der  Große
—  einer  deutschen  Krankentransportabteilung
  bei  Valenciennes
—  aoauf  ein  deutsches  Lazarett.

Ueberfälle,  Gegen  die  heimtückischen,
im  Feindeslande

Uebergabe  Antwerpens  von  England
verhindert  ...

Uebergang,  Deutscher,  über  die  Nethe
Uebergriffe,  Amerika  gegen  englische
—  Neue  englische,  gegen  Holland
Ueberschreiten  des  Ufer-Opern-Kanals
Uesküb,  Flucht  der  serbischen  Regierung
  nach.
Ukas,  Ein  neuer  Zaren-  .
Ukrainer,  Die  österreichischen,  gegen
Rußland  ..
—Ein  Aufruf  der..
--Ein  Appell  der,  an  die  Bulgaren


Seite

722
855
728
732

737
755

758
843

869

315
494

438.
438

47

455
460
468
652

765

436
W

765
527
511

226

560

294
654

564
131

93
237

302

IV
        <pb n="50" />
                                           XLIV                                                                                          Ukrainische  Nationalrat,
Rußland
Ulanenstreich,  Ein  kühner  .
Ulster,  Englands  Verrat  an
Ultimatum  Oesterreich-  Ungarns  an
Serbien
Antwort  Serbiens  auf  das
österreichisch-ungarische  ..
bulgarisches  an  Serbien,  Ein?
Deutschlands  an  Rußland
Englisches,  on  den  Khediven
Japans  an  Deutschland
Japans  an  Deutschland
—  Kein  britisches,  an  die  Türkei
Umfassungsbewegung.  Eine  deutsche,
im  Osten  .
Umgehung  der  russischen  Armee
Umgehungsbahn,  Deutsche,  bei  Monmedy

Umschwumg,  Der,  in  Polen  und  Galizien

Unerwarteter  Erfolg  der  Fähre  Saßnitz—Trelleborg
  .
Ungarn,  Große  Russenverluste  in.
—  Nord--,  gesäubert  von  den
Russen  ..  .
—  Vertreibung  der  Russen  aus
—  Vollständige  russische  Niederlage
  ..
Ungarische  Grenze,  Die  Russen  an
der,  zurückgeschlagen  .
—  Stimme,  Eine,  über  den
englischen  Betrug.
Ungarischer  Dank  an  den  Deutschen
Kaiser
Ungehörigkeit,  Russische  in  Bulgarien
Union.  Neue  Spannung  zwischen
Mexiko  und  der
Universitätslehrer,  Die  deutschen,  lehnen
  die  englischen  Auszeichnungen
  ab
Unmenschlichkeit,  Russische  ..
Unmenschlichkeiten  der  russischen  Heerführer

Unruhen  in  Angola-—
  in  Portugal
Untergang,  Ehrevollen,  eines  deutschen
  Kreuzers
eines  englischen  Kreuzers
des  „Hawke"
Kampf  u.,  der  „Ariadne“  201.
der  Kreuzer  -Schamhorst“,
„Gneisenau"  und  „Leipzig“
—  der  „Magdeburg",  Zum
Unterhändler,  Deutsche,  von  den  Franzosen
  gefangen
Unterseeboot  „A.  E.  I.“,  Das  englische,
  gesunken

Der,  gegen

—  „Curie“",  Das  französische
vernichtet
—  „D  5“,  Das  englische,  untergegangen

  .
Dänisches,  beschossen

Seite

152
453

312

3

8
508
11
187
152
158
132

558

189

262
587
285

606
543

88

94
232

330

243

353
297.

695
640

188

252

607
307

829

346
453
442
854

695
638

XIIV

–—  —-J

 

Unterseeboot,  Deutsches,  vernichtet
den  engl.  Kreuzer  „Hermes“
Deutsches,  vernichtet  vor  Dover
  das  engl.  Kaononenboot
„Niger"  
Deutsches,  versenkt  zwei  englische

  Dampfer  vor  Havre

—  „E.  5“,  Das  engliche,  vernichtet


—  Englisches,  unten

—  Englisches,  in  rund  geschossen

„U  18“,  Das  deutsche,  gesunken
—  Verlust  eines  deutschen
Unterseeboote  Deutsche,  im  Sunde.
Deutsche,  an  der  Ostküste  Englands
  und  Schottlands
Die  jüngsten  Erfolge  unserer
Englands  Ohnmacht  gegen.
Englische,  in  Helsingfors
Keine  Lieferung  von  amerikanichen,
  an  die  kriegführenden

Staaten

—  von  nordamerikanischen  Werften
  an  England  geliefert

Unterstatsserreiohg  Trevelyan  über
Englands  Politik.

3  Russische,  in  der
Duma

Unzufricdenhein  Englische,  mit  der  russischen
  Kriegsführung  .-Urteil,

  Das,  gegen  gefangene  deutsche

  „Militärärzte
gegen  die  deuts  chen
Miltitärärzte  aufgehoben
Das,  von  Serajewo
Zurückhaltende  französiche,
über  die  Schlachtlage

Urteile,

 

V.

„V.  187“,  Der  letzte  Kampf  von
Valona  von  den  Jtalienern  besetzt

Vandalismus,  französischer,  Ein  deutscher
  Sozialdemokrat  über
Vaterländ.  Frauenverein,  Spende
des  Kaisers  für  den
Venhzelas  ie  Griechenlands  Neutraitä

Verantwortung,  Die,  Englands  für
den  Weltkrieg
Veränderungen  in  deutschen  Kommandostellen

Verbot  deutscher  Zeitungen  in  Japan
Verbrechen,  Das,  des  Dreiverbandes
Verdächtigungen,  Russische,  Rumäniens
Verdun,  Deutscher  Sieg  zwischen
Reims  und
—  Sieg  des  Kronprinzen  bei-—
  Neue  Erfolge  bei
—  Ein  Sperrfort  der  Festung,  gefallen
  .
Die  42er  Mörser  vor
Die  Hauptstellung  bei,  erobert.

Seite

680

  725

781

617
399
162
765
150
74
105
647
497
762

211
43
41

471
667
        <pb n="51" />
                                        XLV                                                                                                Vereinigte  Staaten,  Die  Neutralität
der
Verfolgung  der  geschlagenen  Russen

—  der  in  Lothringen  —
Franzosen
—  der  serbischen  Hauptarmee
Verfügung,  betr.  die  Mitwirkung  der
Gerichte  bei  der  Erörterung
belgischer  Gewalttätigkeitenen  gégen
  Deutsche
Vergeltungsmaßregeln,  Die,  gegen  bie
Engländer
—  Staatssekretär  Jagow  über

Vergewaltigung,  Die,  Aegyptens
—  Deutscher  in  Aegypten  ...
—  des  Khediven  durch  England
—  der  Schiffahrt  durch  England,

Schwedens  und  Norwegens
Einspruch  gegen  die  .

Vergewaltigungsorriuch=  Britische,  der

nordischen  Mächte

Verhaftung,  Die,  des  Brüsseler  Bürgermeisters

  ..  .

—  von  Deutschen  in  Aegypten

von  Geiseln  durch  die  Franzosen

des  russischen  Unterrichtsministers

  Kasso  in  Deutschland

sozialdemokratischer  Dumamitglieder


nsr  Deutschlands  mit  Belgien

Verlauf  Der,  der  Sesschlacht  an  der
chilenischen  Küste
Verleihung  des  Grostkreuzes  des  Maria-Theresia-Ordens

  an  Keiser
Wilhelm
—  eines  österreichischen  Regimentan
  Hindenburg  .  ..
Verletzung  des  Völkerrechts  durch
Frankreich  in  Marokko
Verleumder,  Clemenceau  als
—  der  deutschen  Truppen,
englischer  Gesandter  als
—  Schweizer  Protest  gegen  unsere
Verleumderin  deutscher  Soldaten,
Eine  englische,  in  England  verurteilt.

Verleumderische  französische  Offiziere,
Eine  Schweizer  Ohrfeige  für
Verleumdung,  Eine,  Deutschlands
—  Eine  dreiste  russische
—  Der  Gipfel  lügenhafter
Verleumdungen,  Unerhörte
—  Widerrufene
Verlust,  Ein  schwerer,  der  deutscher

Flotte
Verluste,  dee,  der  Engländer  .
-Englische in Südwest.
—  Mann  englische
Die  englischen,  bei  Helgoland
der  englischen  Marine

Ein.

s——

—4——

726

396
  326

358

2389

  239
500

  437

XLV

Seite

179

2#

704
677
485
449
331

 

703
231
487

267
396

759

701

187
789
179

394

465

250
47

518
829

753
266

 

Verluste,  Die  großen  belgischen,  bei
Namur  ..
Große  englishe  -
Große  rulklche  in  Ungarn
Die,  des  Kreuzers  „Hela“
des  „Pathfinder“.  ...
Die  russischen  516,
Schwere  englische,  in  Ostafrika
Die  schweren,  der  Serben.
Die,  unserer  Feinde
Vermichter,  Der,  des  englischen  Kreuzers
  „Hermes“  wohlbehalten
zurück
Lemichung  des  englischen.  Kreuzers
„Pegasus“  .
—  einer  russischen  **

—  ge  der  Narewarmee
—  der  Serben  in  Slawonien
Veröffentlichung,  Eine,  der  deutschen
Regienggaga
Verordnung,  betr.  den  Aufruf  des
deutschen  Landsturmm
—  betr.  die  Erklärung  des  Kriegszustandes.


Verrat,  Englands,

Rasse  ..
3  3  ..
erräter  r  Zar  empfängte.
—  Weill,  TDer
Verrätereien  englischer  Instruktionsoffiziere
  der  türkischen  Marine
Versailles,  Ein  deutscher  Flieger  über
Verstimmung,  Die  türkisch-englische
Verteidigung,  Die,  Aegyptens
—  der  englischen  Ostküste
—.  Die,  von  Kiautschun
Vertrag,  Der,  des  Burenobersten
Maritz
Vertrauen“  in  die  französische  Kriegseitung

Vertreibung  der  Russen  aus  den  Krpathen

—  der  Russen  aus  Ungarn.  .
Verwaltung,  Die  deutsche,  für  Belgien
—  Deutsche,  in  Russisch-Polen
Verwundete,  Die  Behandlung  der
deutschen,  in  Frankreich
Gute  Behandlung  englischer,
  durch  die  Deutschen
100  000  englische  und  französische,
  in  der  Aisneschlocht
—  und  tote  Belgier,  10  000
Vermundetenfürsorge,  150  000  Mark
für  Lebensmittel  und
Verwundetentransporte.  Deutsche,  an.
gegriffen  ..
Verzicht  des  Koisers  auf  seine  engillichen
  militärischen  Titel
Vivianis  Taschenspielerei,  Der
Reichskanzler  gegen
Vizeadmiral  Froubrigge  Der  englische
abberufen

an der weißen
151,

Seite

356

266
832
753

270

621

687
436
73

583
16
11

168

341

853

313

.813

240
645

757
184
777
184

  497

398
394

474
663

111
630

  207

857
435

IV
        <pb n="52" />
        Seite                                            XLVI
Voigts-Rhetz,  Generalmajor  v.,  zum
Generalquartiermeister  ernannt  512
—  Generalquartiermeister  v.,  gestorben
  .749
Volk,  Ansrache  des  Kaisers  ans  11
—  Ansprache  des  Reichskanzlers
ans  12
—  Kaiser  und  .  13
Völkerrecht.  Bruch  des,  durch  Frank-  14
—  Repressivmaßregein  gegen
die  Verletzer  des  134
—  Rußland  als  Verächter  jelichen    126
—  Verletzung  des,  durch  Frankreich
  in  Marokko  179
-  Englands  in  Aegypten  266
—  neuer  englischer,  zur  See  384
—  Englischer  404
—.  Holländische  Entrüstung  über
den  russischen  135
—  Der  Khedive  gegen  den  englischen
  .  274
Völkerrechtsbrüche  Rußlands  3384
Vom  Haß  verblendete  Pariser  Richter  760
Vorbereitung.  Militärische,  der  deutschen
  Jugend.  188
Vordringen  der  Weutschen  bei  Zypern
und  Lille  680
—  Das,  der  österr.  ung.  Armee
in  Serbien  141,  729
—  Siegreiches,  der  Oesterreicher
gegen  Rußland  194,  5768
Vorgänge,  Die,  vor  Kriegsausbruch  388
Vormarsch,  Deutscher,  in  Russisch-Polen
  100,  545
—  Deutscher,  auf  Südpolen.  555
—  Der  österreichische  170
—  Der  östernichsch-ungansche  in
Russisch-Polen  745
—  Der,  der  Türken  788
—  Der  türkische,  in  Aegypten  u.
im  Kaukasus  .  720
—  Der  türkische,  auf  Batum  755
Vorrücken,  Erfolgreiches,  des  öster
ungar.  Heeres  in  Serbien  125
—  der  Oesterreicher  in  Russisch-Polen
  117
Vorschußlorbeeren  für  Rußlands  Ma—
rine  660
Vorstoß  der  deutschen  Fotte  nach
—  Libau..  .747
—  Ein  französischet,  abgewiesen  .  467
—  Der  gescheiterte,  an  die
deutsche  Küste  862,  866
—  Ein,  der  Russen  in  Galizien
abgewiesen  394
Vorstöße,  Erfolgreiche,  der  deserreicher
  92
—  Französische,  abgewiesen.  .  510
—  der  Russen  bei  Lyn  abge
wiesen  .  602

XLVI

 

 

 

Vorwärtsdringen  unserer  Truppen  im
Westen

W.
Waffenbrüderschaft,  Deutsch-österreichische,
  in  Ostasten

—  Moltke  über  die  deutsch-öster-.

reichische
Waffenerfolg,  Ein  glänzender  deut--

  scher........
Waffenlieferungen  für  die  Verbündeten,

  Deutschland  protestiert
gegen  die  amerikanischen
Wahrheit,  Englische  und  deutsche
Frankreichs  Angst  vor  der
Die,  über  Lemberg
Der  Sieg  der,  in  Amerika
—  Die,  siegt  in  Italen
Wales,  Der  Prinz  von,  bleibt  zu

Mocsschene  Die,  v  von  den  Deutschen

besetzt
Wann  hat  England  den  Krieg  begonnen?
  ..  484,

Warnung,  Deutsche,  an  Rußland
Eine,  des  bulgarischen  Ministerpräsidenten

—  an  die  Zivilbevölkerung  oon
Gebweiler
Warnungen,  Deutsche,  an  Franreich
  und  Belgien  .

Warschau  von  den  Russen  geräumt.
soll  geräumt  werden
—  Die  Russen  geschlagen  bei.
Der  Gouverneur  von, gefangen




Warum  England  den  Keg  entfesselte

  ..
Was  sie  alles  versprechen  ..

—  wir  in  fünf  Kriegsmonaten
erreicht  habeen
Weddigen,  Kapitänleutnant,  erhält

das  Eiserne  Kreuz  1.  Kl.
Wehlau,  Russisches  Interregnum  in
Wehrpfüicht,  Die  allgemeine,  in  Eng-—

  Die  englischen  Gewerkschaften
gegen  die  allgemeine
Weichsel,  Die  Schlacht  an  der

Zurückdrängen  der    Russen  ge·
gen  de
Weihrauch  für  Joffre
Weill,  Der  Verräter

Weltkrieg,  Rußlands  Schuld  an  dem

Weißbuch,  Dos  deutsche
—  englische,  Ein  Nachtrag  aus
dem

—  Ein  weiteres  englisches,  über

den  Kriegsausbruch
Weiße  Flagge,  Rennenkampf  fordert
auf  zum  Schießen  auf  die

Seite

647

180
754
791
731
386
338
238
644
288
401
281

539
148

549
125

123
104

617
732
740

393
43

896
455

229

290
599

543
365

883

871
37

212
407
428
        <pb n="53" />
                                                  XLVII                                                                                      Weiße  Rasse,  Englands  Verrat  an der
Waltz  (gen.  Hansi),  Steckbrief  gegen
den  Kunstmaler

„Wenn  Deutschland  siegt

Werber,  Französische,  im  Italien

Werften,  Nordamerikanische,  liefern
Unterseeboote  an  England

Westen,  Deutsche  Erfolge  im.
—  Die  Kriegslage  m.
—  Ein  umfassender  Bericht  über
die  Kriegslage  .  ..
—  Vor  der  Entscheidung  im.

Westfalen,  Kaiser  Wilhelm  an  die

Westfront,  Französische  Auffassung
von  der  Lage  an  der

„Westminster  Gazette“,  Eime  Aeußerung
  der.

Westpreußen,  Die  Kaiserin  mn  278
Wetterlé,  Steckbrief  hinter
Wortlaut,  Der,  der  Erklärung  des
Helligen  Krieges
—  Der,  der  lopanschen  Kriegs
erklärung  .

Wie  England  den  Krieg  vorbereitete
Engländer  fälschen

ein  deutscher  Prinz  stirbt“
Wien  beglückwünscht  Hindenburg.

Wilson  für  die  Neutralität  der
Union  ...
—  Kaiser  Wilhelm  an
—  Poincaré  an  ..
—  über  Amerikas  Aufgaben  im
Weltkrieg
—  verbietet  belgische  Protestversammlungen


Wilsons  Antwort  an  Kasser  Wil.

helm
—  Antwort  an  die  belgische  Protestkommission
  ..
Wilna-Armee,  Keine,  mehr  ..
Winterfeldzug,  In  Erwartung  des.
Wirbale  Dioe-  Russen  bei,  zurückgeschlagen

Wirkung,  Die,  des  Heiligen  Krieges
in  Marokko
—  Die,  der  Heldentat  des.  „U  9-auf
  England  ...
Wirtschaftschronik,  Eine,  des  Kriegsjahres
  1914
Witte,  Graf,  über  Rußlands  ernste

Wühlarbeit,  Gefährliche,  in  Brüssel
Würdelose  deutsche  Frauen
Württemberg,  Aufruf  des  Königs

von,  an  sein  Volk
Wunder,  Die,  des  „Figaro“

Wysziyterfee,  Die  Russen  geschlagen am

XLVII

Selte

168

311
443

751
157
217
189
484

264
378

17

284
47

734

194

45
355
312
510
351
263
323
824

424

554
438

342

510
573
735
460

439
296
142

26
361

713

 

 

„„  –—  ·"·  —  ——..

 

X.

Tylander,  Korpsbefehl  des  Gererals
  v.

Y.

„York“,  Der  große  Kreuzer,  gesunken
Ypern  umzingelt..  ..
Schlacht  bei
Deutsche Vordringen  bei
Lille  und
—  Neue  —  Fortschritte  bei
Yferlinie,  Der  Kampf  um  die

Yfer—Ypern-Kanal  von  uns  über.
schritten  .  .

Vordringen  bei

Z.

Zahlungsfristen.  Verlängerung  der.

in  Deutschland  ..
Zahlungsverbot  gegen  England
—  gegen  Frankreich
Zandfondain,  Das  Gefecht  bei.
Zar,  Der,  an  den  deutschen  Kaiser    65,

Der  deutsche  Kaiser  an den

-

Der,  empfängt  Verräter
der.  an  den  König  von  Eng.
land

Ein  Manifest  des
Der,  reist  nach  Moskau
Zaren-Ukas,  Ein  neuer
Zensur,  Die,  in  Norwegen
„Zeppelin“,  Ein,  über  Antwerpen

.  214,

—  über  Flandern  ...

—über  Paris       -..  .470,

—über Warschau.  ..

—  über  Westflandern  .

—-Bombardemant-  Das von
Nancy

„Zeppeline“,  Die,  an  der  Arbeit
—  London  Angst  vor  Spionen
und  .
—  und  Luftfahrzeuge,  Unsere  .
..Zeppelin" -Fahrten nach Russland
Zeppelinwerft,  Der  erfolglose  Angriff
  aus  die
—  in  Friedrichshafen  von  zwei
französischen  Fliegern  angegriffen


Zerstörung  französischer  Mittelmeerhäfen
  durch  die  „Goeben“

und  „Breslau“  .
Zeugnis,  Englisches,  für  die  deutschen
"Barbaren“.
—  Französisches,  für  die  deutschen

  „Barbaren“

—  Italienisches,
Dreiverband  .
—  eines  schwedischen  Arztes
Zirkularnote,  Oesterr.-ungarische

gegen  den

Seite

234

604
601
620

661

492

623

706

341

112
689
144
131

42

512
46
670
476
469

868
452

396
77
492

756

756

74
546
363
380

4606
        <pb n="54" />
                                         XLVIII                                                                       Zivilbevölkerung  von  Gebweiler,
Warnung  an  die

—  Die,  verläßt  Belfort

"Zivilisation",  Deutschland  kämpft

für
Zivilverwaltung,  Deutsche,  in  Frankreich

Zuchtlosigkeit  der  französischen  Truppen,
  Ein  fronzösisches  Zeugnis
  über  die

Zu  frischer  Jagd  bereit.

Zupelli  zum  italienischen  Kriegsminister

  ernannt

Zurechweisung  Eine  englische  für
Lloyd  George

Zurückdrängen  der  Russen  gegen  die
Weichsel

Zusammenbruch  der  Angriffe  auf
Przemysl

—[  feindlicher  Angriffe  im  Westen

XLVIII

Seite

125
579

340
679
468
694
579
465

543

557
374

 

Zusammenbruch“,  „Man  fühlt  den
—  Der  russische,  bei  Czenstochau
—  Der  des  russischen  Vormarsches

—  Der,  in  Serbien
—  Völliger,  des  englischen  Geldmarktes

Zusammenstoß  zischen  Moritz-Leuten
  und  Regierungstruppen.
Zusammenstöße,  Blutige,  in  Indien
—  zwischen  indischen  und  englischen
  Truppen  in  Aegypten

Zusicherung  der  Pforte  wegen
Libyens

Zwanzigtausend  Mark  für  ein  deutsches
  Schiff !  ..

Zwangsenteignung  der  Deutschen  in
Rußland

Zypern  von  England  annektiert

Seite

539
816

773
407

173

605
518

661
683
607

654
700
        <pb n="55" />
                                        Der  Weltkrieg  1914

 

 

                                        Die  Wahrheit
                                         ins  Ausland.
        <pb n="56" />
                                               Der  Weltkrieg.

                                        (Fortsetzung.)

                          Türkische  Vorbereitungen.

Paris,  11.  Oktober.  Die  Zeitungen  melden  aus  Atken,  daß
die  Türken  in  Syrien,  Palästina  und  Nordarabien  eine  lebhafte  Tätigkeit
  entfalten.  Sie  ziehen  dort  Truppen  zusammen,  befestigen  wichtige
Punkte  und  die  in  das  Innere  führenden  Straßen.

                                                 (Deutscher  Courier,  12.  Oktober.)

                             Die  Siegesbeute  in  Antwerpen.
                                                    Hannover,  11.  Oktober.

Der  Rotterdamer  Mitarbeiter  des  „Hannoverschen  Couriers“  meldet:
  Belgische,  in  Holland  internierte  Offiziere  schätzen,  das  noch  20  000
belgische  Truppen  in  Antwerpen  gefangen  sind.  Der  „Nieuwe  Rotterdamsche
  Courant“  gibt  nach  einer  Meldung  aus  Hulst  die  Zahl  der  dort
nach  Holland  übergetretenen  belgischen  Soldaten  auf  26  000  an.  Darunter
  befinden  sich  vier  Generale  und  sieben  Obersten.  Die  Verluste
der  belgisch-englischen  Armee  sollen  15—20  000  Tote  und  Verwundete
betragen.  Belgische  Bahnbeamte  sagen  aus,  daß  den  Deutschen  größere
Mengen  an  Kriegsmaterial,  darunter  ein  Zug  mit  60  000  Gewehren,
in  die  Hände  fielen.  «

                                        Jagd  auf  die  „Emden“.
                                                                                          Köln,  12.  Oktober.
Wie  die  „Köln.  Volksztg.“  aus  russischer  Quelle  meldet,  haben  der
englische  Kreuzer  „Triumph“  und  die  japanischen  Kreuzer  „Nissin“  und
„Kassuga“  in  aller  Eile  Hongkong  in  der  Richtung  nach  dem  Malayischen
Archipel  verlassen,  wo  der  deutsche  Kreuzer  „Emden“  japanische  Reisschiffe
  zerstört  hat.

                        Der  Kommandant  von  Antwerpen  gefangen.

Aachen,  12.  Oktober.  General  Guise,  der  Kommandant  Antwerpens,
  befindet  sich  hier  kriegsgefangen.  Ebenso  wurde  Generalmajor
aes  von  der  Antwerpener  Besatzung  nach  Köln  gebracht.

                                                       (Vossische  Zeitung,  12.  Oktober.)

                              Die  Enttäuschung  in  England.

                                                                                London,  12.  Oktober.
Die  Besetzung  Antwerpens  hat  in  England  sichtlich  großen  Eindruck
gemacht.  Die  „Times“  schreibt:  Der  Fall  Antwerpens  wurde  in  London
als  unvermeidlich  bedauert,  die  Nachricht  aber  mit  Fassung  aufge-                                                                                     37
        <pb n="57" />
                                                  582                                                                                  nommen  Der  moralische  Eindruck  des  Ereignisses  ist  bedeutend,  besonders

  weil  die  Regierung  vorher  den  furchtbaren  Charakter  des  deutschen

Angriffs  verschwiegen  hat.  Der  Besitz  Antwerpens  erhöht  für  die  Deutschen

  die  Möglichkeit,  wenn  sie  aus  Frankreich  vertrieben  werden,  den

Krieg  in  Belgien  anstatt  in  Deutschland  fortzusetzen.  Antwerpens  endgültiges,

  Schicksal  hängt  von  dem  SElück  der  britischen  Truppen  im
Felde  ab.

„Daily  Mail“  sucht  die  Aufmerksamkeit  der  englischen  Bevölkerung
von  der  Katastrophe  abzulenken,  indem  sie  mit  der  ihr  eigenen  Fertigkeit
  eine  furchtbare  Niederlage  der  Deutschen  bei  Quatrecht  zwischen
Gent  und  Termonde  erfindet.

 

                                    Tiefe  Niedergeschlagenheit  in  Paris.
                                                                               Stockholm,  12.  Oktober.

Die  Pariser  Presse  sucht  den  Fall  Antwerpens  als  bedeutungslos
darzustellen,  aber  die  Bevölkerung  läßt  sich  nicht  täuschen.  Laut  schwedischen
  Telegrammen  aus  Paris  herrscht  dort  wieder  die  gleiche  tiefe
Niedergeschlagenheit  wie  in  den  ersten  Septembertagen,  als  die  Ulanen
sich  vor  der  Stadt  zeigten.  (Voss.  Ztg.,  13.  Oktober.)

                                          Bevorstehende  Kämpfe  bei  Gent.

                                                                         Frankfurt  a.  M.,  12.  Oktober.

Nach  Amsterdamer  Meldungen  der  „Frankfurter  Zeitung“  haben
die  Engländer  in  Ostende  wieder  neue  Abteilungen  von  Marinetruppen
gelandet.  Auch  die  Franzosen  sollen  Marinesoldaten  herangeführt  haben,
die  nun  bei  Gent  stehen,  so  daß  dort  eine  Schlacht  zu  erwarten  ist.
Einige  kleinere  Scharmützel  haben  bereits  stattgefunden.  Reuters  Berichte
  aus  belgischer  Quelle  fangen  wiederum  an,  von  einem  Sieg  über
die  Deutschen  zu  reden,  wie  denn  auch  diese  Berichte  noch  eine  halbe
Stunde  vor  der  Uebergabe  Antwerpens  einen  großen  Sieg  über  die

 Deutschen  gemeldet  haben.
                                                                    London,  12.  Oktober.

Dem  „Daily  Mail“  wird  aus  Ostende  gedrahtet,  daß  deutsche
Kavallerie  nahe  bei  Dixmude  bemerkt  wurde.  Dixmude  liegt  14  Meilen
südlich  von  Ostende.  (Voss.  Ztg.,  13.  Oktober.)

                     Der  Bericht  des  russischen  Generalstabs.

W.T.B.  Petersburg,  12.  Oktober.  Der  Generalstab  veröffentlicht
  folgenden  Bericht:

Gestern  griffen  unsere  berittene  Avantgarde  an  mehreren  Stellen
die  deutsche  Vorhut  an,  überwältigten  sie  und  machten  die  übrigen
zu  Gefangenen.  Während  des  Kampfes  wurde  der  Cornett  Prinz  Oley,
der  Sohn  des  Großfürsten  Konstantin,  welcher  zuerst  an  den  Feind  kam,
leicht  durch  einen  Schuß  ins  Bein  verwundet,  wobei  das  Geschoß  das
ganze  Bein  durchdrang.  An  der  preußischen  Front  ist  die  Lage  unverändert.
  Die  Deutschen  benützen  ihre  Eisenbahnnetze,  um  die  Stellung
zu  halten,  welche  sie  an  der  Grenze  einnehmen,  indem  sie  Truppen  von
einem  Platz  zum  andern  bringen.  Am  linken  Ufer  der  Weichsel  kam  es
        <pb n="58" />
                                                  —  583  —

zu  mehrfachen  Vorhutgefechten.  In  Galiziem  bilden.  die  österreichischen
Truppen  einzelne  Gruppen,  die  nach  verschiedenen  Richtungen  vorgehen
Trotz  aller  Vorsicht  ihres  Angriffs  glückte  es  unserer  Kavallerie,  eine
österreichische  Division  auf  dem  Marsche  zu  überraschen  und  zum  Teil
zu  zersprengen.


                    22  000  Soldaten  in  Holland  entwaffnet.

                                                                        Haag,  12.  Oktober.

Halbamtlich  wird  gemeldet,  daß  die  Gesamtzahl  der  auf  holländisches
  Gebiet  übergetretenen  entwaffneten  belgischen  und  englischen
Soldaten  etwa  22  000  beträgt.

Wie  die  holländische  Regierung  mitteilt,  beherbergt  Holland  eine
Million  belgischer  Flüchtlinge.  Der  Amsterdamer  „Telegraaf“  meldet
aus  Sas  van  Gent:  Starke  deutsche  Abteilungen  patrouillieren  an  der
Grenze,  um  versprengte  belgische  Truppen  gefangen  zu  nehmen,  oder  zum
Betreten  holländischen  Gebiets  zu  zwingen.  (W.  T.  B.


                          Die  russische  Flotte  unterwegs.

London,  12.  Oktober.  Die  „Times“  meldet  aus  Sofia:  Hier
wird  amtlich  bestätigt,  daß  die  russische  Flotte  Constanza  passiert  hat
und  südwärts  weiter  gefahren  ist.  (Post,  13.  Oktober.)


                   Eine  Veröffentlichung  der  deutschen  Regierung.

                                                                       Berlin,  12.  Oktober.

Die  Versicherung  der  deutschen  Regierung,  daß  Deutschland  gezwungen
  war,  durch  den  Einmarsch  seiner  Truppen  in  Belgien  einen
beplanten  englisch-französischen  Angriff  von  dieser  Seite  her  zuvorzummen,

  stießen  im  Auslande,  namentlich  bei  den  neutralen  Staaten,
bisher  auf  mehr  oder  weniger  stark  geäußerten  Zweifel.

Durch  die  folgende  amtliche  Veröffentlichung  der  „Norddeutschen
Allgemeinen  Zeitung“  vom  12.  Oktober  ist  nunmehr  die  Reichsregierung
in  der  Lage,  durch  wichtige  Beweisstücke  die  Wahrheit  unserer  Behauptungen
  zu  erhärten,  durch  die  gleichzeitig  aufs  neue  gezeigt  wird,  wie
gemein  und  heuchlerisch  das  englische  Doppelspiel  gegen  Deutschlands

reundschaftspolitik  gewesen  ist:

Durch  die  eigenen  Erklärungen  Sir  Edward  Greys  ist  die  Behauptung
  der  Englischen  Regierung  bereits  als  unhaltbar  erwiesen,  daß  die
Verletzung  der  belgischen  Neutralität  durch  Deutschland  das  Eingreifen
Englands  in  den  gegenwärtigen  Krieg  veranlaßt  hat.  Das  Pathos
sittlicher  Entrüstung,  mit  dem  der  deutsche  Einmarsch  in  Belgien  von
englischer  Seite  zur  Stimmungsmache  gegen  Deutschland  bei  den  Neutralen
  verwertet  worden  ist,  findet  eine  neue  und  eigenartige  Beleuchtung
  durch  gewisse  Dokumente,  die  die  deutsche  Heeresverwaltung  in
den  Archiven  des  belgischen  Generalstabs  in  Brüssel  aufgefunden  hat.

Aus  dem  Inhalt  einer  Mappe,  welche  die  Ausschrift  trägt  „Intervention
  anglaise  en  Belgique“,  geht  hervor,  daß  schon  im  Jahre  1906
die  Entsendung  eines  englischen  Expeditionskorps  nach  Belgien  für  den
Fall  eines  deutsch-französischen  Krieges  in  Aussicht  genommen  war.  Nach
einem  vorgefundenen  Schreiben  an  den  belgischen  Kriegsminister  vom

                                                              37*
        <pb n="59" />
                                                        —  584  —

10  April  1906  hat  der  Chef  des  belgischen  Generalstabs  mit  dem  damaligen
  englischen  Militärattaché  in  Brüssel  Oberstleutnant  Barnardiston
auf  dessen  Anregung  in  wiederholten  Beratungen  einen  eingehenden
Plan  für  gemeinsame  Operationen  eines  englischen  Expeditionskorps
von  100  000  Mann  mit  der  belgischen  Armee  gegen  Deutschland  ausgearbeitet.
  Der  Plan  fand  die  Billigung  des  Chefs  des  englischen
Generalstabs  Generalmajors  Grierson.  Dem  belgischen  Generalstab
wurden  alle  Angaben  über  Stärke  und  Gliederung  der  englischen
Truppenteile,  über  die  Zusammensetzung  des  Expeditionskorps,  die  Ausschiffungspunkte,
  eine  genaue  Zeitberechnung  für  den  Abtransport  und
dergl.  geliefert.  Auf  Grund  dieser  Nachrichten  hat  der  belgische  Generalstab
  den  Transport  der  englischen  Truppen  in  das  belgische  Aufmarschgebiet,
  ihre  Unterbringung  und  Ernährung  dort  eingehend  vorbereitet.
Bis  in  alle  Einzelheiten  ist  das  Zusammenwirken  sorgfältig  ausgearbeitet
  worden.  So  sollten  der  englischen  Armee  eine  große  Anzahl  Dolmetscher
  und  belgische  Gendarmen  zur  Verfügung  gestellt  und  die  nötigen
Karten  geliefert  werden.  Selbst  an  die  Versorgung  englischer  Verwundeter
  war  bereits  gedacht  worden.

Dünkirchen,  Calais  und  Boulogne  waren  als  Ausschiffungspunkte
für  die  englischen  Truppen  vorgesehen.  Von  hier  aus  sollten  sie  mit
belgischem  Eisenbahnmaterial  in  das  Aufmarschgebiet  gebracht  werden.
Die  beabsichtigte  Ausladung  in  französischen  Häfen  und  der  Transport
durch  französisches  Gebiet  beweist,  daß  den  englisch-belgischen  Vereinbarungen
  solche  mit  dem  französischen  Genevalstab  vorausgegangen
waren.  Die  drei  Mächte  haben  die  Pläne  für  ein  Zusammenarbeiten
der  „verbündeten  Armeen“,  wie  es  im  Schriftstück  heißt,  genau  festgelegt.
Dafür  spricht  auch,  daß  in  den  Geheimakten  eine  Karte  des  französischen
Aufmarsches  gefunden  worden  ist.

Das  erwähnte  Schreiben  enthält  einige  Bemerkungen  von  besonderem
  Interesse.  Es  heißt  dort  an  einer  Stelle,  Oberstleutnant  Barnardiston
  habe  bemerkt,  daß  man  zurzeit  auf  die  Unterstützung  Hollands
nicht  rechnen  könne.  Er  habe  ferner  vertraulich  mitgeteilt,  daß  die
Englische  Regierung  die  Absicht  habe,  die  Basis  für  den  englischen  Verpflegungsnachschub
  nach  Antwerpen  zu  verlegen,  sobald  die  Nordsee  von
allen  deutschen  Kriegsschiffen  gesäubert  sei.  Des  weiteren  regte  der
englische  Militärattaché  die  Einrichtung  eines  belgischen  Spionagedienstes
  in  der  Rheinprovinz  an.

Das  vorgefundene  militärische  Material  erfährt  eine  wertvolle  Ergänzung
  durch  einen  ebenfalls  bei  den  Geheimpapieren  befindlichen
Bericht  des  langjährigen  belgischen  Gesandten  in  Berlin  Baron  Greindl
an  den  belgischen  Minister  des  Aeußern,  in  dem  mit  großem  Scharfsinn
  die  dem  englischen  Angebot  zugrunde  liegenden  Hintergedanken
enthüllt  werden  und  in  dem  der  Gesandte  auf  das  Bedenkliche  der
Situation  hinweist,  in  die  sich  Belgien  durch  eine  einseitige  Parteinahme
  zugunsten  der  Ententemächte  begeben  habe.  In  dem  sehr  ausführlichen
  Bericht,  der  vom  23.  Dezember  1911  datiert  ist  und  dessen
vollständige  Veröffentlichung  vorbehalten  bleibt,  führt  Baron  Greindl
aus,  der  ihm  mitgeteilte  Plan  des  belgischen  Generalstabs  für  die  Verteidigung
  der  belgischen  Neutralität  in  einem  deutsch-französischen  Kriege
beschäftigte  sich  nur  mit  der  Frage,  was  für  militärische  Maßnahmen  für
        <pb n="60" />
                                                      —  585  —

den  Fall  zu  ergreifen  seien,  daß  Deutschland  die  belgische  Neutralität
verletze.  Die  Pypothese  eines  französischen  Angriffs  auf  Deutschland
durch  Belgien  habe  aber  gerade  soviel  Wahrscheinlichkeit  für  sich.  Der
Gesandte  führt  dann  wörtlich  folgendes  aus:

„Von  der  französischen  Seite  her  droht  die  Gefahr  nicht  nur  im
Süden  von  Luxemburg.  Sie  bedroht  uns  auf  unserer  ganzen  gemeinsamen
  Grenze.  Für  diese  Behauptung  find  wir  nicht  nur  auf  Mutmaßungen
  angewiesen.  Wir  haben  dafür  positive  Anhaltspunkte.  Der
Gedanke  einer  Umfassungsbewegung  von  Norden  her  gehört  zweifellos  zu
den  Kombinationen  der  Entente  cordiale.  Wenn  das  nicht  der  Fall
wäre,  so  hätte  der  Plan,  Vlissingen  zu  befestigen,  nicht  ein  solches  Geschrei
in  Paris  und  London  hervorgerufen.  Man  hat  dort  den  Grund  gar  nicht
verheimlicht,  aus  dem  man  wünschte,  daß  die  Schelde  ohne  Verteidigung
bliebe.  Man  verfolgte  dabei  den  Zweck,  unbehindert  eine  englische  Garnison
  nach  Antwerpen  überführen  zu  können,  also  den  Zweck,  sich  bei  uns
eine  Operationsbasis  für  eine  Offensive  in  der  Richtung  auf  den  Niederthein
  und  Westfalen  zu  schaffen  und  uns  dann  mit  fortzureißen,  was
nicht  schwer  gewesen  wäre.  Denn  nach  Preisgabe  unseres  nationalen  Zufluchtsortes
  hätten  wir  durch  unsere  eigene  Schuld  uns  jeder  Möglichkeit
begeben,  den  Forderungen  unserer  zweifelhaften  Beschützer  Widerstand  zu
leisten,  nachdem  wir  so  unklug  gewesen  wären,  sie  dort  zuzulassen.  Die
ebenso  perfiden  wie  naiven  Eröffnungen  des  Obersten  Barnardiston  zurzeit
  des  Abschlusses  der  Entente  cordiale  haben  uns  deutlich  gezeigt,  um
was  es  sich  handelte.  Als  es  sich  herausstellte,  daß  wir  uns  durch  die  angeblich
  drohende  Gefahr  einer  Schließung  der  Schelde  nicht  einschüchtern
ließen,  wurde  der  Plan  zwar  nicht  aufgegeben,  aber  dahin  abgeändert,
daß  die  englische  Hilfsarmee  nicht  an  der  belgischen  Küste,  sondern  in  den
nächstliegenden  französischen  Häfen  gelandet  werden  sollte.  Hierfür
zeugen  auch  die  Enthüllungen  des  Kapitäns  Faber,  die  ebensowenig  dementiert
  worden  sind,  wie  die  Nachrichten  der  Zeitungen,  durch  die  sie
bestätigt  oder  in  einzelnen  Punkten  ergänzt  worden  find.  Diese  in  Calais
und  Dünkirchen  gelandete  englische  Armee  würde  nicht  an  unserer  Grenze
entlang  nach  Longwy  marschieren,  um  Deutschland  zu  erreichen.  Sie
würde  sofort  bei  uns  von  Nordwesten  her  eindringen.  Das  würde  ihr
den  Vorteil  verschaffen,  sofort  in  Aktion  treten  zu  können,  die  belgische
Armee  in  einer  GEegend  zu  treffen,  in  der  wir  uns  auf  keine  Festung
stützen  können,  falls  wir  eine  Schlacht  riskieren  wollen.  Es  würde  ihr
ermöglichen,  an  Ressourcen  aller  Art  reiche  Provinzen  zu  besetzen,  auf  alle
Fälle  aber  unsere  Mobilmachung  zu  behindern  oder  sie  nur  zuzulassen,
nachdem  wir  uns  formell  verpflichtet  hätten,  die  Mobilmachung  nur  zum
Vorteil  Englands  und  seines  Bundesgenossen  durchzuführen.  Es  ist  dringend
  geboten,  im  voraus  einen  Schlachtplan  für  die  belgische  Armee  auch
für  diese  Eventualität  aufzustellen.  Das  gebietet  sowohl  das  Interesse  an
unserer  militärischen  Verteidigung,  als  auch  die  Führung  unserer  auswärtigen
  Politik  im  Falle  eines  Krieges  zwischen  Deutschland  und
Frankreich.“"

Diese  Ausführungen  von  vorurteilsfreier  Seite  stellen  in  überzeugender
  Weise  die  Tatsache  fest,  daß  dasselbe  England,  das  sich  jetzt  als
Schirmherr  der  belgischen  Neutralität  gebärdet,  Belgien  zu  einer  einseitigen
  Parteinahme  zugunsten  der  Ententemächte  bestimmt  und  daß  es
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                                                       —  586  —

zu  einem  Zeitpunkte  sogar  an  eine  Verletzung  der  holländischen  Neutralität
  gedacht  hat.  Des  weiteren  erhellt  daraus,  daß  die  Belgische  Regierung,
  indem  sie  den  englischen  Einflüsterungen  Gehör  schenkte,  sich  eine
schwere  Verletzung  der  ihr  als  neutraler  Macht  obliegenden  Pflichten  hat
zuschulden  kommen  lassen.  Die  Erfüllung  dieser  Pflichten  hätte  es  erheischt,
  daß  die  belgische  Regierung  in  ihren  Verteidigungsplänen  auch
die  Verletzung  der  belgischen  Neutralität  durch  Frankreich  vorgesehen  und
daß  sie  für  diesen  Fall  analoge  Verein  barungen  mit  Deutschland  getroffen
hätte,  wie  mit  Frankreich  und  England.  Die  aufgefundenen  Schriftstücke
bilden  einen  dokumentarischen  Beweis  für  die  den  maßgebenden  deutschen
Stellen  lange  vor  Kriegsausbruch  bekannte  Tatsache  der  belgischen  Konnivenz
  mit  den  Ententemächten.  Sie  dienen  als  eine  Rechtfertigung  für
unser  militärisches  Vorgehen  und  als  eine  Bestätigung  der  der  deutschen
Heeresleitung  zugegangenen  Informationen  über  die  französischen  Absichten.
  Sie  mögen  dem  belgischen  Volke  die  Augen  darüber  öffnen,  wem
es  die  Katastrophe  zu  verdanken  hat,  die  jetzt  über  das  unglückliche  Land

hereingebrochen  ist.

                              Frankreichs  Finanzlage.

In  Besprechung  der  Finanzlage  Frankreichs  führt  die  Neue  Züricher
Zeitung  aus:  Während  es  Deutschlands  hervorragender  Organisationsfähigkeit
  gelungen  ist,  mit  der  Begebung  der  Milliardenanleihe  auf  finanziellem
  Gebiete  einen  glänzenden  Erfolg  zu  gewinnen  und  die  wirtschaftlichen
  Kräfte  der  Nation  in  weitgehendster  Weise  für  das  Staatsinteresse
  heran  zuziehen,  hat  Frankreich  gerade  in  einer  großzügigen  Anpassung
  des  Kreditwesens  an  die  Kriegslage  bisher  versagt,  und  durch
ein  unglücklich  formuliertes  Moratorium  seinen  vorhandenen  Reichtum
in  sehr  unzweckmäßiger  Uebervorsicht  immobilisiert  und  lahmgelegt.  Der
Temps  und  andere  große  Blätter  klagen  ständig  darüber,  daß  die  teilweise
  Sperrung.  der  Depositen=  und  Bankguthaben  sogar  angesichts  der
Zeichnung  der  Bons  de  defense  nationale  aufrecht  erhalten  wurde.  Die
Unzufriedenheit  über  das  Moratorium  und  seine  Verlängerung  wird
übrigens  in  Frankreich  immer  allgemeiner.  (Kreuzztg.,  13.  Okt.)


                                Oesterreichischer  Protest.

Wien,  12.  Oktober.  Die  österreichisch-ungarische  Regierung  hat  den
Regierungen  Deutschlands  und  der  neutralen  Staaten  folgende  Verbalnote
  zukommen  lassen:

Die  Sanitätsambulanzen  der  14.  österreichisch-ungarischen  Gebirgsbrigade
  wurden,  so  oft  sie  in  Tätigkeit  traten,  von  den  Montenegrinern
beschossen.  Obgleich  die  Ambulanzen  die  Fahne  mit  dem  Genfer  Kreuz
auf  hohen  Stangen  angebracht  hatten,  beschossen  die  Montenegriner  die
Verbandpläne,  und  zwar  am  13.  August  denjenigen  am  Lissac  und  am
18.  August  den  in  Cerovopolje  in  Montenegro  mit  Schrapnells,  und  am
2.  September  den  Verbandplatz  in  Grahovo  in  Montenegro  mit  Infanteriegeschossen.
  In  Cerovopolje  wurde  die  Errichtung  des  Verbandplatzes
gänzlich  verhindert,  da  die  montenegrinische  Artillerie,  sofort  nachdem
das  Rote  Kreuz  aufgepflanzt  war,  ihr  Feuer  darauf  richtete.  Die  österreichisch-ungarische
  Regierung  erhebt  in  aller  Form  Protest  gegen  diese
Verletzung  der  Genfer  Konvention.  (Dtsch.  Tagesztg.,  13.  Okt.)
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                                                                 —   587   —                                                                                   Der  Umschwung  in  Polen  und  Galizien.

Wien,  12.  Oktober,  mittags.  Amtlich  wird  mitgeteilt:

Unsere  Offensive  hat  unter  vielfachen,  für  unsere  Truppen  durchweg
siegreichen  Kämpfen  den  San  erreicht.  Der  Entsatz  der  Festung  Przemysl
ist  vollzogen.  Nördlich  und  südlich  der  Festung  werden  die  Reste  der
feindlichen  Einschließungsarmee  angegriffen.  Jaroslau  und  Lezajsk  sind
in  unserem  Besitgz.  Von  Sieniawa  geht  ein  starker  Feind  zurück.  Oestlich
Chryrow  schreitet  unser  Angriff  gleichfalls  fort.  In  Russisch-Polen
wurden  alle  Versuche  starker  russischer  Streitkräfte,  die  Weichsel  aus  und
südlich  von  Iwangorod  zu  überschreiten,  abgeschlagen.

                              Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                            v.  Hoefer,  Generalmajor.

                                                          (Tägl.  Rundsch.,  13.  Okt.)


Seit  wann  besteht  die  franzöfisch-englische  Militär-Konvention?

Von  diplomatischer  Seite  wird  dem  Deutschen  Courier  vom  12.  Okt.
geschrieben:  Die  englischen  Staatsmänner  hatten  sich  noch  kurz  vor  Ausbruch
  des  Krieges  gegen  die  Behauptung  wehren  zu  müssen  geglaubt,  daß
zwischen  England  und  Frankreich  irgendwelche  bindende  Vereinbarungen
hinsichtlich  einer  militärischen  Intervention  auf  dem  Kontinent  beständen.
  Heute  weiß  alle  Welt,  daß  die  Herren  Grey  und  Agquith,  Churchill
und  Lloyd  George  nicht  nur  das  Ausland,  sondern  das  eigene  Volk  in
unerhörter  Weise  betrogen  haben.  Tatsächlich  besteht  die  englisch-französische
  Militär-Konvention  seit  der  Zeit,  da  Pichon  Minister  des  Auswärtigen
  in  Frankreich  war.

Die  ersten  Mitteilungen  über  das  Bestehen  einer  zwischen  Frankreich
und  England  geschlossenen  Vereinbarung  hinsichtlich  der  Kooperation  der
beiden  Mächte  zu  Wasser  und  zu  Lande  im  Falle  eines  deutsch-französischen
  Krieges  wurden  bekannt  gelegentlich  einer  Rede,  die  Pichon  in  der
Deputiertenkammer  bei  einer  Debatte  über  die  auswärtige  Politik  hielt.
Pichon  verteidigte  sich  damals  gegen  die  Angriffe,  die  Bündnispolitik  vernachlässigt
  zu  haben,  und  in  der  Erregung  entschlüpfte  ihm  das  Geständnis,
  daß  zwischen  der  französischen  und  der  englischen  Regierung  für  den
Kriegsfall  Verein  barungen  beständen,  über  die  er  jetzt  zwar  nicht  sprechen
dürfe,  die  aber  zu  gegebener  Stunde  sich  für  Frankreich  nützlich  erweisen
würden.  Diese  Erklärungen  des  französischen  Ministers  erregten  damals
in  der  gesamten  politischen  Welt  das  größte  Aufsehen,  und  wenn  Pichon
auch  in  einer  weiteren  Darlegung  den  Eindruck  seiner  Mitteilungen  abzuschwächen
  suchte,  so  war  doch  aller  Welt  klar,  daß  hier  mehr  gesagt
worden  war,  als  den  Beteiligten,  im  besonderen  den  Engländern,  lieb
sein  konnte.  Von  englischer  Seite  erfolgte  denn  auch  kurze  Zeit  darauf
eine  „Richtigstellung“,  da  die  Regierung  durch  das  Geständnis,  hinter  dem
Rücken  des  Parlaments  eine  Vereinbarung  getroffen  zu  haben,  die  England
  zu  gegebener  Stunde  Verpflichtungen  von  ungeheurer  Tragweite
auferlegen  mußte,  stark  kompromittiert  war.  Staatssekretär  Grey  trat
deshalb  mit  entschiedenen  Worten  der  „irrigen“  Auslegung  der  Worte
des  französischen  Ministers  entgegen  und  leugnete  rund  heraus  das  Bestehen
  irgendwelcher  England  in  so  weitgehender  Weise  verpflichtenden
Vertragsbestimmungen.
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                                                            —  588  —

Die  politische  Welt  war  damals  höflich  genug,  von  den  formellen  Erklärungen
  des  englischen  Staatsmannes  Notiz  zu  nehmen;  die  Ueberzeugung,
  daß  eine  französisch-englische  Militärkonvention  wirklich  bestand,
  hatte  sich  aber  seit  jenen  Tagen  nicht  mehr  völlig  verdrängen  lassen,
und  die  Ereignisse  der  letzten  Wochen  sind  ein  Beweis  mehr  dafür,  daß
diese  Ueberzeugung  keine  trügerische  war.  Wie  sich  die  englische  Regierung
  unter  diesen  Umständen  eine  Annäherung  an  Deutschland  dachte,
von  der  in  den  offiziellen  Organen  Großbritanniens  soviel  die  Rede  war,
wenn  gleichzeitig  Verein  barungen  mit  einer  dritten  Macht  bestanden,
deren  Spitze  deutlich  gegen  Deutschland  gerichtet  war,  dieses  Geheimnis
darf  nunmehr  als  endgültig  gelöst  gelten.


              Der  russische  Panzerkreuzer  „Pallada“  vernichtet.

            Wieder  ein  Erfolg  eines  deutschen  Untersee-                                              bootes.

W.T.  B.  Berlin,  13.  Oktober.  Ein  russischer  Panzerkreuzer  der
Bajanklasse  ist  am  11.  Oktober  vor  dem  Finnischen  Meerbusen  durch
Torpedoschuß  zum  Sinken  gebracht  worden.

                                    Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                                                       Behncke.


                          Amtliche  russische  Bekanntgabe.

„Am  11.  Oktober  2  Uhr  nachmittags  (russische  Zeit)  griffen  feindliche
  Unterseeboote  von  neuem  unsere  Kreuzer  „Bajan“  und  „Pallada“,
die  in  der  Ostsee  auf  Vorposten  waren,  an.  Obgleich  die  Kreuzer  sofort
ein  starkes  Artilleriefeuer  eröffneten,  gelang  es  gleichwohl  einem  Unterseeboot,
  Torpedos  gegen  die  „Pallada“  zu  schießen.  Auf  dieser  entstand
eine  Explosion,  und  der  Kreuzer  versank  mit  seiner  ganzen  Besatzung
senkrecht  in  die  Tiefe.“

Die  Kampflage  auf  den  Kriegsschauplätzen.

W.T.  B.  Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  13.  Oktober,
vormittags.  Vom  westlichen  Kriegsschauplatz  liegen  Nachrichten  von  Bedeutung
  nicht  vor.  Heftige  Angriffe  des  Feindes  östlich  Soissons  sind  abgewiesen
  worden.  Im  Argonner  Wald  finden  andauernd  erbitterte
Kämpfe  statt.  Unsere  Truppen  arbeiten  sich  in  dichtem  Unterholz  und
äußerst  schwierigem  Gelände  mit  allen  Mitteln  des  Festungskrieges
Schritt  für  Schritt  vorwärts.  Die  Franzosen  leisten  hartnäckigen  Widerstand,
  schießen  von  den  Bäumen  und  mit  Maschinengewehren  von  Baumkanzeln
  und  haben  neben  etagenweise  angelegten  Schützengräben  starke
festungsartige  Stützpunkte  eingerichtet.

Die  von  der  französischen  Heeresleitung  verbreiteten  Nachrichten  über
die  Erfolge  ihrer  Truppen  in  der  Woevre-Ebene  sind  unwahr.  Nach  Gefangenenaussagen
  ist  den  Truppen  mitgeteilt  worden,  die  Deutschen  seien
geschlagen  und  mehrere  Forts  von  Met  bereits  gefallen.

Tatsächlich  haben  unsere  dort  fechtenden  Truppen  an  keiner  Stelle
Gelände  verloren,  Etain  ist  nach  wie  vor  in  unserem  Besitz.  Die  jetzigen
französischen  Angriffe  gegen  unsere  Stellung  bei  St.  Mihiel  sind  sämtlich
abgewiesen  worden.
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                                                     —  589  —

Unsere  Kriegsbeute  von  Antwerpen  läßt  sich  auch  heute  noch  nicht
übersehen.  Die  Zahl  der  in  Holland  Entwaffneten  ist  auf  annähernd
28  000  Mann  gestiegen.  Nach  amtlichen  Londoner  und  niederländischen
Nachrichten  befinden  sich  hierbei  auch  2000  Engländer.  Scheinbar  haben
sich  viele  belgische  Soldaten  in  Zivilkleidung  nach  ihren  Heimatsorten
begeben.  Der  Gebäude=  und  Materialschaden  in  Antwerpen  ist  gering.
Die  Schleusen=  und  Fährenanlagen  sind  vom  Feinde  unbrauchbar  gemacht
worden.  Im  Hafen  befinden  sich  4  englische,  2  belgische,  1  französischer,
1  dänischer,  32  deutsche  und  2  österreichische  Dampfer  sowie  2  deutsche
Segelschiffe.  Soweit  deutsche  Schiffe  bisher  untersucht  worden  sind,
scheinen  die  Kessel  unbrauchbar  gemacht  worden  zu  sein.

Auf  dem  ostpreußischen  Kriegsschauplatz  verlief  der  11.  Oktober  im
allgemeinen  ruhig.  Am  12.  Oktober  wurde  ein  erneuter  Umfassungsversuch
  der  Russen  bei  Schirwindt  abgewiesen,  sie  verloren  dabei  1500  Gefangene
  und  20  Geschütze.

In  Südpolen  wurden  die  russischen  Vortruppen  südlich  von  Warschau
durch  unsere  Truppen  zurückgeworfen.  Ein  Uebergangsversuch  der  Russen
über  die  Weichsel  südlich  Jwangorod  wurde  unter  Verlusten  für  die
Russen  verhindert.                                            Oberste  Heeresleitung.

 

                                 Kämpfe  bei  Brügge.
                        Der  deutsche  Einmarschin  Gent.

W.T.  B.  Rotterdam,,  13.  Oktober.  Die  deutsche  Vorhut  kämpft
augenblicklich  zwischen  Brügge  und  Ostende.  (Verl.  Tagebl.,  14.  Okt.)

W.T.  B.  Amsterdam,,  13.  Oktober.  Der  „Telegraaf“  meldet  aus
Sas  van  Gent  von  gestern:  Die  Besetzung  von  Selzaete  verlief  ruhig,  nur
gegen  Abend  wurden  einige  Schüsse  auf  Leute  abgegeben,  die  an  der
Eisenbahn  entlang  schlichen.  Ueber  den  Einzug  der  Deutschen  in  Gent
erfahrt  man,  daß  er  mit  klingendem  Spiel  erfolgte,  nachdem  die  letzten
Engländer  die  Stadt  verlassen  hatten.  Sofort  wurden  das  Stadthaus,
die  Postämter  und  Stationen  in  Besitz  genommen,  die  Postkasse  beschlagnahmt
  und  die  beutsche  Flagge  statt  der  belgischen,  französischen  und  englischen
  gehißt.  Durch  eine  Proklamation  wurde  bekanntgemacht,  daß,  wer
wollte.  Montag  und  Dienstag  die  Stadt  verlassen  dürfe,  später  würde
leine  Erlaubnis  zur  Abreise  erteilt  werden.  Viele  Hundert  Belgier  verließen
  die  Stadt.

                  Einmarsch  einer  Afghanenarmee  in  Indien?

                          Attentate  gegen  englische  Beamte.

Wien,  13.  Okt.  Die  „Südslawische  Korrespondenz“  meldet  aus
Konstantinopel:  Auf  Grund  von  Meldungen  türkischer  Blatter  in  Teheran
berichtet  die  Zeitung  „Schems“  aus  Aschkabad  in  Indien,  daß  der  Sohn
des  Emirs  von  Afghanistan  mit  einer  Armee  die  indische  Grenze  angriffsweise
  überschritten  habe.  Das  gleiche  Blatt  meldet  aus  Simla,  daß  das
Erscheinen  des  Kreuzers  „Emden“  vor  Madras  große  Bewegung  unter
den  dortigen  nationalistischen  Parteien  hervocgerufen  hat.  Gegen  englische
  Beamie  wurden  Attentate  verübt,  als  deren  Veranlasser  man  Angehörige
  der  indischen  Unabhängigkeitspartei,  der  stärksten  revolutionären
  Vereinigung  Indiens,  bezeichnet.  Unter  den  kriegerischen  Sikhs  in
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                                                  —  590  —

Nordindien  brach  eine  revolutionäre  Bewegung  aus.  Die  bedeutendste
Zeitung  des  Sikhlandes,  die  „Khalsa  Gazette“,  wurde  von  der  Regierung
unterdrückt.  Hinsichtlich  der  Ueberführung  indischer  Truppen  auf  die
europäischen  Kriegsschauplätze  wird  erklärt,  daß  hierfür  in  erster  Linie
die  Besorgnis  maßgebend  war,  die  Truppen  könnten  bei  einer  möglichen
Aufstandsbewegung  eine  bedenkliche  Rolle  spielen.


                              Der  Entsatz  von  Przemysl.

W.T.  B.  Wien,  13.  Oktober,  mittags.  Amtlich  wird  verlautbart:

Gestern  schlugen  unsere  gegen  Przemysl  anrückenden  Kräfte,  unterstützt
  durch  einen  Ausfall  der  Besatzung,  die  Einschließungstruppen  derart
zurück,  daß  sich  der  Feind  jetzt  nur  mehr  vor  der  Ostfront  der  Festung  hält.
Bei  seinem  Rückzug  stürzten  mehrere  Kriegsbrücken  nächst  Sosnica  ein.
Viele  Russen  ertranken  im  San.  Der  Kampf  östlich  Chyrow  dauert  noch
an.  Eine  Kosakendivision  wurde  von  unserer  Kavallerie  gegen  Drohobycz
geworfen.  In  den  durch  sehr  ungünstige  Witterung  und  schlechte  Wegeverhältnisse
  außerordentlich  erschwerten  Märschen  und  Kämpfen  der
letzten  Wochen  hat  sich  die  Leistungsfähigkeit  unserer  braven  Truppen
glänzend  bewährt.  Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                      v.  Hoefer,  Generalmajor.

                   Die  entkommenen  englischen  Marinesoldaten.

W.T.B.  London,  13.  Oktober.  „Times“  meldet:  Mannschaften
der  Marinebrigade,  die  nach  achttägiger  Abwesenheit  gestern  von  Antwerpen
  in  Dover  ankamen,  erzählten,  sie  seien  acht  Tage  lang  in  der  Hölle
gewesen.  Einmal  seien  sie  zwischen  belgisches  und  deutsches  Feuer  geraten
und  hätten  den  Belgiern  telephonieren  müssen,  das  Feuer  einzustellen.
Trotzdem  einige  Leute  erst  seit  sechs  Wochen  im  Dienst  seien,  hätten  sie  in
den  Schützengräben  unter  dem  Granatfeuer  große  Kaltblütigkeit  gezeigt.
Nach  dem  Abmarsch  von  Antwerpen  seien  sie  vierzig  Meilen  bis  Brügge
marschiert,  von  wo  aus  sie  mit  der  Eisenbahn  weiterbefördert  worden
seien.

Die  Anzahl  der  belgischen  Flüchtlinge  in  England  wird  auf  vierzigtausend
  geschätzt.  Im  Laufe  der  beiden  letzten  Tage  kamen  allein  fünftausend

  an.
                        Die  kommende  „Riesenschlacht“  im  Osten.

London,  13.  Oktober.  „Morningpost“  meldet  aus  Petersburg:

Hier  werden  augenblicklich  die  Kriegsoperationen  in  Rußland  völlig
geheim  gehalten.  Die  Heere  konzentrieren  sich  zu  einer  Riesenschlacht,  die
an  Umfang  alles  übertreffen  wird,  was  man  bisher  gekannt  hat.  Es
wird  wahrscheinlich  noch  eine  Woche  dauern,  bis  man  Nachrichten  von
Bedeutung  erwarten  kann.  (Dtsch.  Tagesztg.,  14.  Okt.)

                             Die  Kämpfe  bei  Jwangorod.

Petersburg,  13.  Oktober.  Der  Große  Generalstab  hat  am
1.  Oktober  folgendes  mitgeteilt:

Auf  dem  linken  Weichselufer  haben  Kämpfe  in  der  Richtung  Jwangorod
  und  Warschau  begonnen;  auf  der  übrigen  Front  sind  keine  Veränderungen
  zu  melden.
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                                                   —  591  —

Petersburg,  13.  Oktober.  Die  „St.  Petersburger  Telegraphen-Agentur“
  meldet:  An  verschiedenen  Punkten  zwischen  Iwangorod  und
Sandomir  sind  Artilleriegefechte  mit  dem  Feinde,  der  bis  zur  Weichsel
vorgerückt  ist,  im  Gange.

                    Sechs  Dampfer  in  Swinemünde  eingebracht.

Stettin,  13.  Oktober.  Die  Stettiner  Neuesten  Nachrichten  melden:
Unter  der  Führung  deutscher  Marinemannschaften  kamen  gestern  abend  in
Swinemünde  an:  Die  Dampfer  „Belle  Fle“  (Kristiania),  „Grimdon“
(Gefle)  und  „Fingal“  (Karlshamn),  alle  drei  von  Schweden  und  Rußland
  mit  Holzfracht  nach  London  bzw.  Grimsby  bestimmt.  Die  Dampfer
wurden  von  deutschen  Torpedobooten  bei  Falsterbo  angehalten.  Während
der  vergangenen  Nacht  wurde  ferner  der  „Dampfer  Louise“  (Vereinigte
Dampfschiffahrtsgesellschaft  Kopenhagen)  mit  Gütern  und  Proviant  für
Rußland  bestimmt,  in  Swinemünde  eingebracht.  Endlich  find  heute  früh
in  Begleitung  eines  deutschen  Torpedobootes  in  Swinemünde  angekommen
  die  Dampfer  „Forc“  (Gothenburg)  und  „Anton“  (Schweden)  mit
Holz  von  Rußland  nach  England  bestimmt.  (Dtsch.  Tagesztg.,  14.  Okt.)

                          Von  den  Kämpfen  in  Galizien.

Wien,  14.  Oktober,  mittags:  Amtlich  wird  verlautbart:

In  der  Linie  Stary—Sambor—Medyka  sind  befestigte  Stellungen
des  Feindes.  Unsere  Truppen  greifen  an.  Diese  Kämpfe  nehmen  an
Ausdehnung  zu.  In  den  Karpathen  nahmen  wir  Toronya  nach  viertägigen
  Kämpfen  und  verfolgten  die  Russen  gegen  Wyskow.  Kleinere
erfolgreiche  Gefechte  mit  zurückgehenden  feindlichen  Abteilungen  fanden
auch  im  Vissotale  statt.  Der  Stllvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                             von  Hoefer,  Generalmajor.


                          „Die  Pistole  gegen  Englands  Herz.“

Die  englischen  Blätter  erkennen  heute  die  Eroberung  Antwerpens
als  eine  militärische  Tat  an,  deren  Hauptbedeutung  für  die  Deutschen
darin  liege,  daß  sie  die  Verbindungslinien  durch  Belgien  sicherer  mache.
Napoleons  Wort,  daß  Antwerpen  die  gegen  Englands  Herz  gerichtete
Pistole  sei,  sei  leere  Rethorik,  solange  die  Pistole  nicht  geladen  sei,  das
bedeute  in  diesem  Falle  von  der  Seeseite  aus,  wo  England  die  Herrschaft
habe.  England  könne  daher  die  Sache  mit  Ruhe  ansehen.

(Tägl.  Rundsch.,  14.  Okt.)

                               Ein  deutscher  Flieger  über  Nouen.

Paris,  14.  Oktober.  Ein  deutscher  Flieger  flog  gestern  nachmittag
über  Rouen.  Er  warf  keine  Bomben  aus,  aber  Zettel  mit  der  Aufschrift:
Franzosen!  Man  betrügt  euch,  überall  hat  man  euch  geschlagen.  Mißtraut
  den  treulosen  Engländern,  die  eure  Freunde  niemals  sein  können.

                         Ein  deutscher  Flieger  über  Brügge.

Der  „Nieuwe  Rotterdamsche  Courant“  meldet  aus  Ardenburg  vom
13.  d.  M.:  In  Brügge  fiel  eine  Bombe  auf  eine  Kaserne.
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                                               —  592  —


                    Englische  Kriegsschiffe  vor  Ostende.

Stockholm,  14.  Oktober.  Aus  dem  Haag  wird  hierher  telegraphiert,
  daß  eine  starke  englische  Flotte  vor  Ostende  eingetroffen  ist,  die
den  Auftrag  hat,  die  Trümmer  des  belgisch-englischen  Heeres,  das  sich  auf
der  Flucht  aus  Antwerpen  befindet,  an  Bord  zu  nehmen,  falls  sich  dies  als
notwendig  erweisen  sollte.

London,,  14.  Oktober.  Nach  den  letzten  Nachrichten  der  „Times“
rückten  die  deutschen  Kolonnen  sehr  stark  vor  in  der  Richtung  Dpern.  In
der  Umgegend  dieser  Stadt  scheinen  die  Deutschen  sehr  zahlreich  zu  sein.

London,,  14.  Oktober.  Die  „Times“  erfährt  aus  Calais,  daß  dort
Hunderte  von  Flüchtlingen  ankommen,  und  daß  sich  das  Gefechtsterrain
immer  mehr  nach  dieser  Richtung  ausbreitet.

Zurückbehaltung  englischer  Truppen  in  Südafrika

London,  14.  Oktober.  „Times"“  meldet  aus  Salisbury#:  Das
Rhodesische  Kontingent,  das  heute  nach  England  abreisen  sollte,  hat  beschlossen,
  in  Afrika  zu  bleiben.  (Tägl.  Rundsch.,  15.  Okt.)


                                 Ein  Kampf  bei  Seebrügge.

W.T.  B.  Amsterdam,,  14.  Oktober.  „Nieuwms  van  den  Dag“
meldet  aus  Selzaete  vom  13.  Oktober:  Die  gestern  hier  eingetroffenen
Deutschen  stellten  die  von  den  Belgiern  zerstörte  Brücke  wieder  her.
Landwehrtruppen  waren  heute  morgen  damit  beschäftigt,  westlich  von  Selzaete
  Laufgräben  aufzuwerfen.  Einige  Bahngleise  waren  zerstört  und
die  Telegraphen=  und  Telephonapparate  vom  Bahnhofe  weggenommen.
—  In  der  Richtung  auf  Seebrügge  ist  anscheinend  ein  Gefecht  im  Gange.
er  hanzen  Vormittag  über  war  von  dort  her  Kanonendonner  vernehmbar.


                            Bestien  —  keine  Soldaten.

Interessante  Notizen  über  die  Art  der  Kriegführung  durch  die  Franzosen
  und  die  Zustände  im  Heere  wurden  in  dem  Tagebuch  eines  französischen
  Offiziers  (Hauptmanns  im  321.  französischen  Reserve-Infanterie-Regiment)
  gefunden.  Der  Offizier  fiel  in  den  großen  Kämpfen  vor
Paris.  Außer  einer  Anzahl  von  belanglosen  Aufzeichnungen,  die  lediglich
Tagesereignisse  registrieren,  finden  sich  in  dem  Tagebuch  folgende  bezeichnende
  Stellen:

„Den  17.  8.  Wir  kommen  durch  Fontaines  bei  Belfort.  Man  sieht
die  ersten  Helme,  die  den  Deutschen  abgenommen  sind  .  Die  Einwohner
  sind  buchstäblich  ausgeplündert  durch  französische  Regimenter,  welche
hier  einquartiert  waren  (das  60.  Regiment).  (Also  französische  Einwohner
  durch  französische  Soldaten!)  Der  Oberst  ist  vor  das  Kriegsgericht
geladen  worden.

       Den  18.  8.  Wir  überschreiten  die  Grenze.

Den  31.  8.  Wir  reihen  in  unsere  Kompagnie  einige  Schwarze  und
einige  Jäger  ein.  Es  kommen  auch  einige  Marokkaner  vorbei.  Einer
hat,  wie  es  scheint,  16  Ohren  in  seinem  Brotbeutel.  Ein  anderer  ist  an
der  Hand  verwundet;  als  ihn  jemand  fragt,  wer  ihm  diese  Verwundung
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                                                     —  593  —

beigebracht  hat,  antwortete  er:  „Dieser  da!“  und  zieht  aus  seinem  Brotbeutel
  einen  abgeschnittenen  Kopf  Man  hat  Mühe,  ihn  zu  veranlassen,
sich  davon  zu  trennen.“

Aus  diesen  Tagebuchblättern  eines  französischen  Offiziers,  deren
Original  sich  nach  der  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  vom  14.  Okt.  in  den  Händen
der  deutschen  Behörden  befindet,  ergibt  sich  erstens,  daß  französische
Truppen  in  Fontaines  bei  Belfort  die  Einwohner  ausgeplündert  haben,
und  zweitens,  daß  ein  Marokkaner  sechzehn  Ohren,  ein  anderer  den  abgeschnittenen
  Kopf  eines  Deutschen  im  Brotbeutel  gehabt  hat.


                           Schwierigkeiten  der  Verbündeten.

Haag,  14.  Oktober.  Die  Berichte  der  englischen  Blätter  über  die
Lage  in  Nordfrankreich  lauten  recht  kleinlaut.  „Daily  Mail“  gibt  zu,
daß  am  Donnerstag  die  Lage  fast  verzweifelt  war  und  daß  alles  verloren
sei,  wenn  es  den  im  Dreieck  Douai—Bethune—Arras  aufgestellten
Deutschen  gelinge,  bei  Lens  durchzubrechen.  Der  militärische  Mitarbeiter
des  „Nieuwe  Rotterdamschen  Courant“  äußert  sich  wie  folgt  über  die
Lage:  Mit  der  Absicht  der  Verbündeten,  den  deutschen  Flügel  zu  umgehen,
  ist  es  nun  aus;  da  die  Deutschen  ihren  Aufmarsch  längs  der  Küste
forisetzen  können,  laufen  die  Verbündeten  vielmehr  Gefahr,  in  Nordfrankreich
  in  eine  schwierige  Lage  zu  geraten.  (Dtsch.  Tagesztg.,  14.  Okt.)

                                             Derbe  Lügen.

W.T.  B.  Berlin,  14.  Oktober.  Die  „St.  Petersburger  Telegraphen-Agentur“
  verbreitet  in  neutralen  Ländern,  Deutschlands  ungeheure
  Verluste  zwängen  die  deutsche  Regierung,  alle  Befreiungsbestimmungen
  vom  Militärdienst  zu  widerrufen.  Da  es  dem  deutschen  Heere
an  Ausrustungsgegenständen  mangele,  sei  der  Befehl  erteilt  worden,  die
Gefallenen  ohne  Uniformen  und  Stiefel  zu  begraben.  Diese  Behauptungen
  des  der  russischen  Regierung  nahestehenden  Telegraphenbureaus
sind  erlogen.

                      Der  Kommandant  der  Festung  Antwerpen.

Metz,  14.  Oktober.  Wie  die  „Metzer  Zeitung“  berichtet,  ist  der
Militärpolizeimeister  von  Metz,  Generalmajor  Freiherr  von  Bodenhausen,
  zum  Kommandanten  der  Festung  Antwerpen  ernannt  worden.

                                                                        (Dtsch.  Tagesztg.,  14.  Okt.)


                         Rebellion  eines  Burenkommandos.

Kapstadt,  13.  Oktober.  (Meldung  des  „Reuterschen  Büros“.)
Infolge  der  Rebellion  eines  kleinen  Kommandos  unter  der  Führung  des
Burenobersten  Maritz,  welches  gegen  Damaraland  vorrückt,  ist  für  ganz
Südafrika  das  Kriegsrecht  verkündet  worden.  Die  Unzufriedenheit  ist
rein  örtlicher  Art.                                 (Tägl.  Rundsch.,  14.  Okt.)

Heftige  Kämpfe  gegen  Gent  und  Brügge.

Der  Besetzung  Gents  durch  die  deutschen  Truppen  ist  unaufhaltsam
der  Weitermarsch  nach  Nordwesten,  nach  Brügge,  dem  letzten  bedeutungsvollen
  Punkte  vor  Ostende  und  etwa  20  Kilometer  von  diesem  Hafen
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                                                   —  594  —

entfernt,  gefolgt,  und  schon  finden  lebhafte  Gefechte  der  beiden  Heere
zwischen  Gent  und  Brügge  statt.  Ein  Telegramm  meldet:

Rotterdam,,  13.  Oktober.  Der  Nieuwe  Rotterdamsche  Courant
meldet  aus  Sas  van  Gent  vom  13.  Oktober:  Die  belgisch-englischen
Truppen,  die  aus  Gent  in  der  Richtung  auf  Brügge  abmarscheirt  waren,
find  von  den  deutschen  verfolgt  und  gestern  abend  eingeholt  worden;  heute
vormittag  war  der  Kampf  im  vollen  Gange.

Nach  einer  späteren  Meldung  desselben  Blattes  muß,  wenn  die  Ortsund
  Zeitangaben  stimmen,  der  Kampf  bereits  in  die  Gegend  von  Brügge
getragen  sein.  Man  meldet:

Amsterdam,  14.  Oktober.  „Nieuwe  Rotterdamsche  Courant“
meldet:  Das  belgische  Heer  ist  in  Brügge  durchgezogen,  während  der
König  und  die  Königin  am  Sonnabend  um  10  Uhr  im  Automobil  durchkamen.
  Am  Montag  nachmittag  wurde  schwerer  Kanonendonner  gehört.


                        Die  belgische  Regierung  geht  nach  Frankreich.
                             König  Albertan  der  Spitzeseines  Heeres.

Bordeaux,  13.  Oktober.  Die  belgische  Regierung  hat,  um  ihre
Handlungsfreiheit  zu  sichern,  beschlossen,  sich  nach  Frankreich  zu  begeben.
Alle  Minister,  mit  Ausnahme  des  Kriegsministers,  haben  sich  heute  vormittag
  in  Ostende  nach  Le  Havre  eingeschifft,  wo  die  französische  Regierung
  alle  zu  ihrer  Unterbringung  nötigen  Maßregeln  getroffen  hat.
Der  König  ist  an  der  Spitze  seines  Heeres  geblieben.  (W.T.  B.)

 

             Der  Krieg  kostet  England  11  Pfund  in  der  Sekunde.

London,  13.  Oktober.  („Vaz  Dias'  Telegr.“)  Der  bekannte  englische
  Sozialpolitiker  Sidney  Webb  hat  einen  Vortrag  über  die  ökonomischen
  Folgen  des  Krieges  für  England  gehalten.  Er  sagt  darin,  daß
der  persönliche  Unternehmungsgeist  durch  den  Krieg  gebrochen  war,  da
er  des  Vertrauens  des  Kapitals,  der  Sicherheit,  der  Schnelligkeit  und  der
Organisation  entbehrte.  So  hatte  beispielsweise  die  englische  Regierung
für  18  Millionen  Lstrl.  Zucker  ausgekauft,  obwohl  sie  sechs  Monate  vorher
nicht  100  000  Lstrl.  zur  Errichtung  einer  Rübenzuckerfabrik  hergeben
wollte.,  Der  Krieg  koste  England  Tag  und  Nacht  11  Lstrl.  in  der  Sekunde.
Ein  Krieg  wie  der  jetzige  komme  wirklich  einem  ökonomischen  Erdbeben
gleich.  Niemand  könne  voraussehen,  bis  zu  welchem  Grad  von  Gutem
oder  Schlechtem  sich  die  Welt  infolge  des  Krieges  verändern  werde,  aber
die  Veränderung  werde  zweifellos  kolossal  sein.

Die  gefangenen  französischen  Geistlichen  werden  wie  Offiziere  behandelt.

Berlin,  13.  Oktober.  Während  in  Deutschland  die  Geistlichen
im  Felde,  soweit  sie  nicht  als  Militär-Seelsorger  Anstellung  finden,  im
allgemeinen  in  der  Krankenpflege  verwendet  werden,  müssen  bekanntlich
die  französischen  Geistlichen  als  einfache  Soldaten  in  den  Reihen  des
Heeres  mit  der  Waffe  kämpfen.

Viele  von  ihnen  sind  infolgedessen  bereits  in  deutsche  Gefangenschaft
geraten  und  in  unseren  großen  Gefangenenlagern  untergebracht.
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                                                     —  595  —

Mit  der  Bitte,  das  Los  dieser  Geistlichen  zu  erleichtern,  wandte  sich
der  Erzbischof  von  Köln,  Kardinal  von  Hartmann,  mit  einer  Throneingabe
  an  Seine  Majestät  den  Kaiser.

Seine  Majestät  der  Kaiser  hat  in  hochherziger  Weise  dieser  Bitte
stattgegeben  und  zu  genehmigen  geruht,  daß  die  gefangenen  französischen
Eeistlichen  wie  Offiziere  behandelt  werden.  (W.  T.  B.)


                      Dämmernde  Erkenntnis  in  Serbien.

Wien,  13.  Oktober.  Die  Südslawische  Korrespondenz  meldet  aus
Nisch:  Der  Narodni  List  veröffentlicht  einen  von  der  Zensur  genehmigten
  Artikel,  in  welchem  ausgeführt  wird:  „Wenn  wir  die  millitärische
Lage  auf  dem  Hauptkriegsschauplatz  ins  Auge  fassen,  so  müssen  wir  zu  dem
Urteil  kommen,  daß  die  russische  Offensive  gescheitert  ist.  Rußland  hat
sich  mehr  zugemutet,  als  es  leisten  konnte.  Was  die  verbündeten  französischen
  und  englischen  Armeen  anbelangt,  so  sind  diese  fast  vollständig  geschlagen.
  Die  unwiderstehliche  Kraft  Deutschlands  hat  in  diesem  Momente
  Belgien  schon  sozusagen  von  der  europäischen  Landkarte  gestrichen.
Das  muß  uns  zu  denken  geben.  Man  könnte  schon  jetzt  jene  Leute  feststellen,
  die  allein  dafür  verantwortlich  sind,  daß  die  Serben  das  Schicksal
Belgiens  teilen  werden.  (B.  Z.,  14.  Okt.)


                              Neue  Erfolge  in  Ost  und  West.
               Der  Tagesbericht  des  Großen  Hauptquartiers.

          Amtlich.  Großes  Hauptqguartier,  14.  Oktober,  mittags.
Von  Gent  aus  befindet  sich  der  Feind,  darunter  ein  Teil  der  Besatzung
von  Antwerpen,  in  eiligem  Rückzuge  nach  Westen  zur  Küste.  Unsre
Truppen  folgen.

Lille  ist  von  uns  besetzt,  4500  Gefangene  sind  dort  gemacht  worden.
Die  Stadt  war  durch  ihre  Behörden  den  deutschen  Truppen  gegenüber  als
„offen“  erklärt  worden,  trotzdem  schob  der  Gegner  bei  einem  Umfassungsversuch
  von  Dünkirchen  her  Kräfte  dorthin  vor,  mit  dem  Auftrage,  sich
bis  zum  Eintreffen  der  Umfassungsarmee  zu  halten.  Da  diese  natürlich
nicht  eintraf,  war  die  einfache  Folge,  daß  die  zwecklos  verteidigte  Stadt
bei  der  Einnahme  durch  unsere  Truppen  Schädigungen  erlitt.

Von  der  Front  des  Heeres  ist  nichts  Neues  zu  melden.

Von  der  Front  dicht  bei  der  Kathedrale  von  Reims  sind  zwei  schwere
französische  Batterien  festgestellt.  Ferner  wurden  Lichtsignale  von  einem
Turm  der  Kathedrale  beobachtet.  Es  ist  selbstverständlich,  daß  alle
unsern  Truppen  nachteiligen  feindlichen  Maßnahmen  und  Streitmittel
bekämpft  werden,  ohne  Rücksicht  auf  die  Schonung  der  Kathedrale.  Die
Franzosen  tragen  also  jetzt  wie  früher  selbst  die  Schuld  daran,  wenn  der
ehrwürdige  Bau  weiter  ein  Opfer  des  Krieges  wird.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatze  sind  in  Kämpfen  bei  Schirwindt
die  Russen  geworfen  und  haben  3000  Gefangene,  26  Geschütze  und  12
Maschinengewehre  verloren.

Lyck  ist  wieder  in  unserem  Besitz.  Bialla  ist  vom  Feinde  geräumt.
Weiter  südlich  sind  beim  Zurückwerfen  russischer  Vortruppen  auf
Warschau  8000  Gefangene  gemacht  und  25  Geschütze  erbeutet.  (W.T.B.)
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                                                   —  596  —

                        Gute  Nachrichten  aus  Kamerun.

         Wolffs  Telegraphisches  Bureau  meldet  amtlich:

Aus  Kamerun  liegt  eine  Meldung  des  Gouverneurs  Ebermaier  von
Anfang  September  vor,  wonach  die  Stimmung  und  Gesundheit  der
weißen  Bepölkerung  ausgezeichnet  sind.  Die  Eingeborenen  verhalten

sich  ruhig.

       Die  gescheiterte  russische  Offensive  gegen  Ostpreußen.
                                                 B-r.  Rasten  burg,  14.  Oktober.

Die  aus  besonderer  Vorsicht  angeordnete  Räumung  des  Ortes  Goldap
von  der  Zivilbevölkerung  hat  zu  unnötigen  Besorgnissen  Anlaß  gegeben
und  zahlreiche  andere  Orte  in  Ostpreußen  sind  völlig  grundlos  von  einem
großen  Teile  der  Einwohnerschaft  während  der  letzten  Wochen  verlassen
worden.  Da  scheint  es  denn  dringend  geboten,  festzustellen,  daß  bisher
alle  Offensivversuche  von  russischer  Seite  gänzlich  gescheitert  sind.  Die
russischen  Streitkräfte  haben  ihre  Stellung.  von  Schirwindt  entlang  der
Grenze  bis  in  die  Gegend  gegenüber  von  Lyck.  Ihre  Truppenzahl  wird
auf  sechs  bis  acht  Armeekorps  geschätzt.  Es  ist  den  russischen  Truppen,
unter  denen  sich  auch  einige  sibirische  Armeekorps  befinden,  nicht  geglückt,
auch  nur  um  einen  Fußbreit  vorzudringen  und  sie  befinden  sich  ausnahmslos
  auf  russischem  Gebiet.  Die  Angriffe  der  Russen,  die  wiederholt
Durchbruchsversuche  vergeblich  unternommen  haben,  erfolgen  zumeist  des
Nachts  und  brechen  im  mörderischen  Feuer  der  deutschen  Maschinengewehre
  zusammen.  Ihre  Verluste  sind  als  sehr  umfangreich  festgestellt
worden,  indes  auf  deutscher  Seite  der  Prozentsatz  an  Verlusten  als  außerordentlich
  gering,  stellenweise  beinahe  als  Null  bezeichnet  werden  kann.
Unsere  Truppen  leisten  Uebermenschliches.  Seit  einer  Reihe  von  Tagen
in  den  Schützengräben  liegend,  brechen  an  ihrem  ehernen  Wall  die
russischen  Angriffe  erfolglos  zusammen.  Von  einer  Gefahr  für  Ostpreußen
kann  also  nach  diesem  Stande  der  Dinge  keine  Rede  sein.

                                                                  (Natl.  Ztg.,  15.  Oktober.)


                  Engländer  über  ungenügende  englische  Hilfe.
                                                                              Rotterdam,  13.  Oktober.

Der  Nieuwe  Rotterdamsche  Courant  meldet  aus  London  vom
13.  Oktober:  Morning  Post  kritisiert  die  vor  dem  Fall  Antwerpens  ergriffenen
  Maßregeln  scharf.  Achttausend  Seesoldaten  mit  einigen  schweren
Geschützen  wären  nach  Antwerpen  gesandt  worden,  während  doch  Stadt
und  Festung  unhaltbar  gewesen  seien.  Man  hätte  sich  entweder  auf  die
belgische  Armee  zurückziehen  und  den  Widerstand  im  offenen  Felde  fortsetzen
  oder  aber  eine  starke  Streitmacht  zum  Entsatz  schicken  müssen.  Dieser
letztere  Weg  würde  der  schlechtere  gewesen  sein,  aber  noch  schlimmer  sei
es  gewesen,  daß  man  eine  schwache  Streitkraft  sandte;  denn  dadurch
seien  die  belgischen  Behörden  nur  zu  vergeblichem  und  unnützen  Widerstande
  ermutigt  worden.                         (Voss.  Ztg.,  15.  Oktober.)

Keine  deutschen  Verluste  bei  der  Vernichtung  der  „Pallada"“.

Das  offizielle  Petersburger  Telegraphenbureau  verbreitet  die  Nachricht
  des  russischen  Admiralstabes,  wonach  bei  der  Vernichtung  des  russi-
        <pb n="72" />
                                                     —  597  —

schen  Panzerkreuzers  „Pallada“  zwei  deutsche  Unterseeboote  versenkt
worden  seien.  Die  Mitteilung  ist,  wie  wir  von  amtlicher  Stelle  erfahren,
in  jeder  Hinsicht  unzutreffend.


              Der  englisch-belgische  Bruch  der  belgischen  Neutralität

ist  vor  aller  Welt  Augen  so  offenbar  geworden,  daß  man  sogar  auf  englischer
  Seite  hier  und  da  aufhört,  ihn  zu  leugnen,  ja,  geradezu  ihn  eingesteht.
  So  bringt  jetzt  die  Londoner  „Times“  einen  Artikel,  der  nicht  mehr
und  nicht  weniger  bedeutet  als  das  Eingeständnis,  daß  England  und
Belgien  zusammen  längst  vor  Ausbruch  des  Krieges  die  belgische  Neutralität
  gebrochen  hatten.  Wir  lesen  darüber  in  der  „Nordd.  Allg.  Ztg."
unter  der  Ueberschrift:  „Die  Beziehungen  Englands  zu  Belgien“:

Der  militärische  Mitarbeiter  der  „Times“  erörtert  in  der  Nummer
vom  12.  d.  M.  die  Beziehungen  Englands  zu  Belgien,  wobei  er  unter
anderem  ausführt:

„Die  Neutralität  war  ein  verhängnisvolles  Geschenk  für  Belgien
und  machte  es  ihm  unmöglich,  militärische  und  andere  Unterhaltungen
zu  führen  und  Abkommen  zu  treffen,  die  eine  schnelle  und  entschiedene
Hilfe  seiner  englischen  Freunde  gesichert  hätten.  Die  englischen  und
belgischen  Stäbe  konnten  über  militärische  Vorbereitungen,  Truppentransportmittel,
  Eisenbahndienst,  Vorratsversorgung  usw.  keine  entsprechenden
  Pläne  machen,  ohne  streng  genommen  die  Neutralität  zuverletzen.
  Wir  konnten  und  wollten  unsere  Armee  nicht  verzetteln,  indem  wir
sie  stückweise  nach  den  unvollkommen  eingerichteten  belgischen  Häfen
sandten.  Uns  war  unsere  Stellung  in  der  französischen  Aufstellung  angewiesen,
  und  wir  mußten  uns  also  nach  dem  französischen  Feldzugsplan
  richten,  da  Frankreich  im  Westen  die  vornehmliche  kriegführende
Partei  zu  Lande  war.“

Diese  Erklärungen  sollen  das  unliebsam  empfundene  Ausbleiben
einer  rechtzeitigen  und  ernstlichen  Hilfe  Englands  für  Belgien  entschuldigen
  und  beschönigen.  Der  Militärpolitiker  der  „Times“  macht  nicht
den  Versuch,  zu  leugnen,  daß  Belgien  berechtigt  war,  eine  viel  weitergehende
  Unterstützung  von  England  zu  erwarten.  Auch  die  „Morning
Post“  hat  es  bekanntlich  getadelt,  daß  England  zur  Rettung  Antwerpens
so  wenig  getan  habe.  Ueber  die  Berechtigung  solcher  Vorwürfe  mögen
sich  Belgier  und  Engländer  untereinander  verständigen.  Für  uns  ist
das  Eingeständnis  des  „Times“-Sachverständigen  wertvoll,  daß  die  englischen
  und  belgischen  Stäbe  militärische  Vorbereitungen  nur  unter  Verletzung
  der  belgischen  Neutralität  verabreden  konnten.  Aus  den  an  dieser
Stelle  veröffentlichten  belgischen  Aktenstücken  geht  aber  zur  Genüge  hervor,
  daß  über  eine  derartige  Verletzung  der  Neutralität  Belgiens  zwischen
amtlichen  englischen  und  belgischen  Stellen  tatsächlich  im  geheimen  Verhandlungen
  gepflogen  und  Verabredungen  getroffen  worden  sind.  Dies
ist  entscheidend  für  die  Begehung  des  Neutralitätsbruchs.  Diese  Feststellung
  machen  wir  auch  gegenüber  der  „Berlingske  Tidende“,  die  vergeblich
  Belgien  mit  dem  Hinweis  zu  entschuldigen  sucht,  daß  es  ja  keinen
Bund  mit  England  und  Frankreich  gegen  Deutschland  geschlossen  habe.

Je  unzweideutiger  der  Bruch  der  belgischen  Neutralität  durch  Belgien
  und  seine  Verbündeten  selber  wird,  um  so  erstaunlicher  wird  es,

                                                 38
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                                                       —  598  —

warum  der  Reichskanzler  vor  versammeltem  Reichstag  und  vor  den  lauschenden
  Ohren  aller  Welt  von  einer,  wenn  auch  nur  formalen  Schuld
Deutschlands  in  der  Angelegenheit  der  belgischen  Neutralität  sprach.
Nicht  nur  unsere  offenen  Feinde,  auch  alle  uns  mehr  oder  minder  abgeneigten
  Leute  unter  den  Neutralen  gehen  sichtbar  mit  diesem  Zeugnis
des  deutschen  Kanzlers  für  Deutschlands  Schuld  hausieren  und  lassen  sich
dieses  Scheinargument  durch  keine  noch  so  handgreifliche  und  vollgewichtige
  Wahrheit  abkaufen.  Uns  kann  auch  das  jetzt,  wo  es  vor  allem
auf  Argumente  der  Tat  ankommt,  einigermaßen  egal  sein.  Stimmungsmäßig
  aber  tut  es  doch  vielerlei  Schaden.  (Tägl.  Rundschau,  15.  Okt.)

                                   Der  Generalstab  zur  Lage.

                    Großes  Hauptgquartier,  15.  Oktober,  mittags.

Bei  Antwerpen  wurden  im  ganzen  4000—5000  Gefangene  gemacht.
Es  ist  anzunehmen,  daß  in  nächster  Zeit  noch  eine  große  Zahl  belgischer
Soldaten,  welche  Zivilkleidung  angezogen  haben,  dingfest  gemacht  wird.

Nach  Mitteilungen  des  Konsuls  von  Terneuzen  sind  etwa  20  000
belgische  Soldaten  und  2000  Engländer  auf  holländisches  Gebiet  überetreten,

  wo  sie  entwaffnet  wurden,  und  ihre  Flucht  muß  in  größter
Fast  vor  sich  gegangen  sein;  hierfür  zeugen  Massen  weggeworfener  Kleidersäcke,
  besonders  von  der  englischen  Royal-Naval-Division.

Die  Kriegsbeute  in  Antwerpen  ist  groß.  Mindestens  500  Geschütze,
eine  Unmenge  Munition,  Massen  von  Sätteln  und  Woylachs,  sehr  viel
Sanitätsmaterial,  zahlreiche  Kraftwagen,  viele  Lokomotiven  und
Waggons,  vier  Millionen  Kilogramm  Getreide,  viel  Mehl,  Kohlen,
Flachs,  für  10  Millionen  Mark  Wolle,  Kupfer  und  Silber  im  Werte  von
etwa  einhalb  Millionen  Mark,  ein  Panzer-Eisenbahnzug,  mehrere
gefüllte  Verpflegungszüge,  große  Viehbestände.

Belgische  und  englische  Schiffe  befanden  sich  nicht  mehr  in  Antwerpen.
Die  bei  Kriegsausbruch  im  Hafen  von  Antwerpen  befindlichen  34  deutschen
  Dampfer  und  drei  Segler  sind  mit  einer  Ausnahme  vorhanden;
jedoch  sind  die  Maschinen  unbrauchbar  gemacht.  Angebohrt  und  versenkt
wurde  nur  die  „Gneisenau“  des  Norddeutschen  Lloyd.

Die  große  Hafenschleuse  ist  intakt,  aber  zunächst  durch  mit  Steinen
versenkte  Kähne  nicht  benutzbar,  die  Hafenanlagen  sind  unbeschädigt.



Die  Stadt  Antwerpen  hat  wenig  gelitten.  Die  Bevölkerung  verhält
  sich  ruhig  und  scheint  froh  zu  sein,  daß  die  Tage  des  Schreckens  zu
Ende  sind,  besonders  da  der  Pöbel  bereits  zu  plündern  begonnen  hatte.

Die  Reste  der  belgischen  Armee  haben  bei  Annäherung  unserer
Truppen  Gent  schleunigst  geräumt.  Die  belgische  Regierung  mit  Ausnahme
  des  Kriegsministers  soll  sich  nach  Le  Havre  begeben  haben.

Angriffe  der  Franzosen  in  Gegend  von  Albert  wurden  unter  erheblichen
  Verlusten  für  sie  abgewiesen;  sonst  im  Westen  keine  Veränderungen.

Im  Osten  ist  der  russische,  mit  starken  Kräften  unternommene  Vorstoß
  auf  Ostpreußen  als  gescheitert  anzusehen.

Der  Angriff  unserer  in  Polen  Schulter  an  Schulter  mit  dem  österreichischen
  Heere  kämpfenden  Truppen  befindet  sich  im  Fortschreiten.
Unsere  Truppen  stehen  vor  Warschau.  Ein  mit  etwa  acht  Armeekorps
aus  Linie  Jwangorod—Warschau  über  die  Weichsel  unternommener
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                                                     —  599  —

 russischer  Vorstoß  wurde  auf  der  ganzen  Linie  unter  schweren  Verlusten
für  die  Russen  zurückgeworfen.

Die  in  russischen  Zeitungen  verbreiteten  Gerüchte  über  erbeutete
deutsche  Geschütze  entbehren  jeder  Begründung.


                           Die  Schlacht  an  der  Weichsel.

Der  „Secolo“  bringt  eine  Drahtnachricht  aus  Petersburg,  wonach
eine  große  Schlacht  am  linken  Ufer  der  Weichsel  stattfindet.  Die  Front
zwischen  Sandomir  und  Petrokoff  soll  beinahe  200  Kilometer  in  Anspruch
  nehmen.  Die  deutsche  Streitmacht  wird  hier  als  stark  angenommen.
Die  Militärkritiker  hoffen,  daß  es  den  Russen  gelingen  werde,  den  Feind
zurückzuhalten  oder  auf  dem  Wege  nach  Warschau  zu  zersprengen.  Andere
meinen,  daß  der  beste  Plan  derjenige  wäre,  den  Feind  aus  seiner
Bafis  zu  locken,  damit  er  seinen  Seitenflügel  in  Galizien  und  in  Nordpolen
  eventuellen  Angriffen  aussetzte.  Andererseits  wird  bemerkt,  daß
politische  Gründe  es  den  Russen  raten,  Warschau  bis  aufs  äußerste  zu
verteidigen.  Der  Zar  sandte  an  die  Bevölkerung  von  Warschau  eine
Ermahnung,  sie  sollten  Vertrauen  auf  die  russischen  Waffen  setzen.

                                                                    (Berl.  N.  Nachr.,  15.  Oktober.)


                          Japan  verletzt  Chinas  Neutralität.
                                                                                  Mailand,  15.  Oktober.
Der  Londoner  „Daily  Telegraph“  erfährt  aus  Peking:  Eine  japanische
  Avantgarde,  die  aus  zwei  Kompagnien  Infanterie  bestand,  hat
Tsinanfu,  die  Endstation  der  Schantung-Eisenbahn,  besetzt.  Sie  hat  sich
heute  ohne  Zwischenfall  des  ganzen  dort  versammelten  rollenden  Materials
  bemächtigt.  Die  fünfte  Diovision  des  chinesischen  Heeres,  10  000
Mann  stark,  die  in  der  Nähe  lagerte,  ist  auf  Beobachtungsposten  geblieben.
  Zwar  sind  fortwährend  Zwischenfälle  vorgekommen,  aber  den
japanischen  Truppen  ist  doch  kein  offener  Widerstand  entgegengestellt
worden.  Ein  ganzer  Bahnbeamtenstab  verläßt  Japan  mit  dem  Zweck,
die  Schantung-Eisenbahn  unter  genau  denselben  Bedingungen  zu  übernehmen
  wie  die  Eisenbahnstrecke  im  Süden  der  Mandschurei.
                                                                           (Voss.  Ztg.,  15.  Oktober.)

                            Kampf  an  der  Meeresküste.
                                                              Kopenhagen,,  14.  Oktober.  (W.T.B.)

Die  „Berlingske  Tidende“  meldet  aus  London:  Ein  englischer  Korrespondent
  traf  in  Veurne  (Furnes)  die  Vortruppen  des  von  Antwerpen
kommenden  belgischen  Heeres  an.  Reisende,  die  gestern  von  Ostende  angekommen
  sind,  haben  einen  heftigen  Kampf  bei  Oostdunkerke  dicht  am
Meere  beobachtet.  «

                                          Panik  in  Ostende.

                                                                           Rotterdam,,  15.  Oktober.

Der  Korrespondent  der  Londoner  „Daily  News“  ist  gestern  abend
aus  Ostende  in  Sluys  angekommen.  Er  berichtet,  es.  hatte  den  Anschein,
als  ob  die  ganze  Bevölkerung  von  Ostende  bald  in  Holland  sein  würde,
solche  Panik  hätte  sie  ergriffen,  als  morgens  um  9  Uhr  wieder  eine
„Taube“  zwei  Bomben  in  der  Nähe  der  Flugzeughalle  warf  und  die
Brauerei  in  Brand  setzte.  Nachmittags  zwei  Uhr  wurde  bekanntgegeben,

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                                                    —   600   —                                                                  daß  keine  Schiffe  mehr  nach  England  abgehen  würden.  Die  Ursache  dieser
Maßnahme  war,  daß  alle  Fahrzeuge  für  den  Transvort  der  zurückziehenden
  Truppen  bereitgehalten  werden  müßten.  Jetzt  begann  eine
große  Auswanderung  zu  Fuß,  mit  Rädern  und  Wagen  nach  Holland.
Flüchtlinge,  die  später  Ostende  verlassen  haben,  erzählen,  daß  gestern
abend  bereits  der  größte  Teil  der  Ueberreste  der  belgischen  Armee  eingeschifft
  gewesen  sei.  In  Eecloo  und  Gent  geht  alles  seinen  gewöhnlichen

  Gang.  Der  Grenzbahnhof  Esschen  ist  gestern  von  deutschen  Truppen
besetzt  worden.  (Berl.  Tgbltt.,  15.  Oktober.)


                                Erfolgreiche  Kämpfe  in  Galizien.
                                                                                        Wien,  15.  Oktober.

Amtlich  wird  verlautbart:  15.  Oktober  mittags:  Gestern  eroberten
unsere  Truppen  die  befestigten  Höhen  von  Starasol.  Auch  gegen  Stary
und  Sambor  gewann  unser  Angriff  Raum.  Nördlich  des  Strwiaz  haben
wir  eine  Reihe  von  Höhen  bis  zur  Südostfront  von  Przemysl  im  Besitz.
Am  San,  flußabwärts  der  Festung,  wird  gleichfalls  gekämpft.  Unsere
Verfolgung  des  Feindes  über  die  Karpathen  hat  Wyszkow  und  Skole
 erreicht.                                    Der  Stellvertreter  des  Generalstabes,

                                                                        v.  Hoefer,  Generalmajor.

                            Radko  Dimitrieff  vor  Przemysl.
                                                                                   Wien,  15.  Oktober.

Aus  dem  Kriegspressequartier  wird  amtlich  gemeldet:  Am  2.  Oktober
um  3  Uhr  nachmittags  wurde  beim  Festungskommando  in  Przemysl  folgender
  an  den  Kommandanten  der  Festung  gerichteter  und  durch  einen
Parlamentär  überbrachter  Brief  präsentiert:

Herr  Kommandant!  Das  Elück  hat  die  k.  u.  k.  Armee  verlassen.
Die  letzten  erfolgreichen  Kämpfe  unserer  Truppen  haben  mir  die  Möglichkeit
  gegeben,  die  Euer  Exzellenz  anvertraute  Festung  Przemysl
zu  umringen,  irgendwelche  Hilfe  für  sie  von  außen  halte  ich  für  unmöglich.
  Um  das  unnütze  Blutvergießen  zu  vermeiden,  finde  ich  es
jetzt  zur  rechten  Zeit,  Eure  Exzellenz  die  Unterhandlung  über  die
Uebergabe  der  Festung  vorzuschlagen,  da  es  in  diesem  Falle  möglich
wäre,  für  sie  und  die  Garnison  ehrenvolle  Bedingungen  beim  Allerhöchsten
  Oberkommando  zu  erbitten.  Falls  Eure  Exzellenz  die  Unterhandlungen
  zu  beginnen  wünschen,  so  wollem  Sie  unserem  entsprechend
bevollmächtigten  Delegierten,  Oberstleutnant  Wandam,  Ihre  Bedingungen
  gütigst  mitteilen.  Ich  benutze  diesen  Anlaß,  um  Eure  Exzellenz
meine  Hochachtung  auszusprechen.  General  Radko  Dimitrieff.

Die  sogleich  auf  dieses  Schreiben  erteilte  Antwort  lautete:  Herr

Kommandant!  Ich  finde  es  unter  meiner  Würde,  auf  Ihr  schimpfliches
Ansinnen  eine  meritorische  Antwort  zu  erteilen.

                                   Der  Kommandant  der  Besatzung  Przemysl.
                                                        (Vossische  Ztg.,  16.  Oktober.)


                    Die  Streitmacht  der  Verbündeten  in  Polen.
                                                                              Kopenhagenr,  15.  Oktober.

Die  „Times“  meldet  aus  Petersburg:  Bisher  ist  festgestellt  worden,
daß  sich  an  der  polnischen  Grenze  über  fünf  deutsche  Armeekorps,  über  acht
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                                                         —  601  —

Reservekorps  und  fünf  Landwehrkorps,  sowie  noch  größere  Verstärkungen
dahinter  befinden,  alles  in  allem  eineinhalb  Millionen  Mann.  Dazu
kommen  noch  270  000  Oesterreicher  an  der  schlesischen  Front.

                                             Dyern  umzingelt.

                                                                    Amsterdam,  14.  Oktober.

Dpern,  in  dem  sich  englische  und  französische  Truppen  befinden,  ist
durch  die  Deutschen  völlig  umzingelt.  Der  Strom  von  Flüchtlingen,  die
sich  auf  dem  Wege  nach  Calais  befinden,  weist  auf  einen  allgemeinen
Vormarsch  der  Deutschen  nach  der  Küste  hin.

Nach  aus  Belgien  vorliegenden  Berichten  haben  die  Deutschen  Dienstag
  abend  die  Grenzstation  Esschen  besetzt.  Das  Leben  in  der  Stadt
Gent  geht  seinen  gewohnten  Gang;  die  Fabriken  arbeiten,  die  Läden
sind  geöffnet.  Der  Bedarf  der  Truppen  wird  mit  Bons  bezahlt.  Aus
Antwerpen  werden  immer  mehr  Truppen  nach  dem  Westen  geschickt.

                                    Der  Vormarsch  auf  Ostende.

                                                                             Amsterdam,,  14.  Oktober.

„Nieuws  van  den  Dag“  meldet  aus  Terneuzen:  Deutsche  Truppen,
die  nach  Tausenden  zählten,  rückten  durch  Selzaete  nach  Westen  vor.  In
Selzaete  wurde  ein  Aufruf  erlassen,  daß  alle  Männer  zwischen  18  und
45  Jahren  sich  binnen  zwei  Tagen  anmelden  müßten.  Heute  früh  wurde
Assenede  besetzt.

Belgische  Berichte  melden,  daß  eine  Truppenmacht  von  mehr  als
100  000  Mann  Deutscher  durch  Gent  gezogen  sei.  Die  Häuser  der  Flüchtlinge,
  die  geschlossen  waren,  hätten  aufgebrochen  werden  müssen,  um  die
Einquartierung  vornehmen  zu  können.  Flüchtlinge  aus  belgischen  Grenzdörfern
  kehren  allmählich  zurück,  da  es  sich  herausstellt,  daß  das  Betragen
der  Deutschen  einwandfrei  ist.  Ueberall  ermahnen  die  Deutschen  die
 Einwohner,  ihren  Wohnort  nicht  zu  verlassen.

                                                                       Frankfurt  a.  M.,  15.  Oktober.

Die  „Frankfurter  Zeitung“"  meldet  aus  Amsterdam:  Nach  Berichten
von  Flüchtlingen  aus  Ostende  hat  sich  das  belgische  Heer  bereits  in  Ostende
  eingeschifft.  Jede  Auskunft  darüber  wurde  aber  verweigert.

                                                                                      London,  15.  Oktober.

„Daily  News“  meldet  aus  Ostende:  Die  Verlegung  des  Sitzes  der
belgischen  Regierung  hat  einen  tiefen  Eindruck  hervorgerufen.  Der  letzte
Kanaldampfer  wurde  geradezu  gestürmt.  An  den  Kämpfen  von  Antwerpen
  hat  auch  der  Sohn  des  Premierministers  Asquith  teilgenommen.


                           Mordanschlag  auf  die  Brüder  Buxton.

                                                                                    Bukarest,  15.  Oktober.

Als  die  Brüder  Buxton  mit  einem  Sohne  des  früheren  bulgarischen
Ministerpräsidenten  Geschow  im  Automobil  zur  Teilnahme  an  dem
Leichenzuge  für  König  Carol  ausfuhren,  feuerte  ein  junger  Türke  namens
Paschil  Hassan,  der  von  Saloniki  gekommen  wat,  vier  Revolverschüsse
auf  sie  ab.  Die  Schüsse  wurden  aus  nächster  Nähe  vom  Trittbrett  des
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                                                          —  602  —

Autos  aus  abgegeben.  Der  eine  der  Brüder  Buxton  erhielt  zwei  Schüsse
in  die  linke  Brustseite,  so  daß  an  seinem  Aufkommen  gezweifelt  wird.  Der
andere  Bruder  wurde  durch  einen  Schuß  in  die  Kinnlade  schwer  verletzt.
Der  junge  Geschow  hat  eine  leichte  Kopfwunde  davongetragen.  Allen
dreien  wurde  in  dem  Hotel,  vor  dem  der  Anschlag  stattfand,  die  erste
Hilfe  zuteil.  Der  Täter,  der  einen  am  26.  September  in  Konstantinopel
visierten  Paß  bei  sich  hatte,  wurde  von  dem  Schofför  zu  Boden  geschlagen

und  dann  verhaftet.  (Vossische  Ztg.,  16.  Oktober.)


                            Ein  deutscher  Flieger  über  St.  Omer.

W.T.  B.  London,  15.  Oktober.  Die  „Times“  melden  aus  Calais:
Ein  deutscher  Flieger  warf  am  Montag  eine  Bombe  über  St.  Omer
nieder,  wodurch  zwei  Personen  getötet  und  sechs  verwundet  wurden.  Fünf
französische  Flugmaschinen  verfolgten  den  Flieger.


                            Kriegsrecht  in  Portugiesisch-Kongo.

Lissabon,  15.  Oktober.  Der  Gouverneur  von  Angola  hat  für
Portugiesisch-Kongo  das  Kriegsrecht  erklärt.

                                                          (Tägliche  Rundschau,  16.  Oktober.)


                          Vorstöße  der  Russen  abgewiesen.

(Amtlich.)  Großes  Hauptquartier,  16.  Okt.  mittags.

Die  Russen  versuchten  am  14.  Oktober,  sich  wieder  in  den  Besitz  von
Lyck  zu  geten.  Die  Angriffe  wurden  zurückgewiesen.  800  Gefangene,
1  Geschütz  und  3  Maschinengewehre  fielen  in  unsere  Hände.
  Brügge  wurde  am  14.,  Ostende  am  15.  Oktober  von  unseren  Truppen

besetzt.

Heftige  Angriffe  der  Franzosen  in  Gegend  nordwestlich  Reims
wurden  abgewiesen.

Die  Franzosen  melden  in  ihren  amtlichen  Bekanntmachungen,  daß  sie
an  verschiedenen  Stellen  der  Front,  z.  B.  bei  Berry-au--Bac,  nordwestlich
Reims,  merkliche  Fortschritte  gemacht  hätten.  Diese  Meldungen  entsprechen
  in  keiner  Weise  den  Tatsachen.  (W.T.B.)


                                Die  Einnahme  von  Ostende.

                                                                   Rotterdam,  16.  Oktober.

Ostende  ist  gestern  von  den  Deutschen  besetzt  worden.  Als  die  deutschen
  Truppen  sich  Ostende  näherten,  waren  die  englischen  Truppen  schon
teilweise  eingeschifft,  teilweise  nach  Süden  abgezogen.  Die  Ueberreste  der
belgischen  Armee  waren  nach  Südwesten  abmarschiert.  In  der  Nähe  der
brabantischen  Grenze  versuchen  immer  noch  vereinzelte  belgische  Abteilungen,
  die  Deutschen  zu  belästigen.  Gestern  sind  zwei  solcher  Truppen,
im  ganzen  121  Mann,  über  die  Grenze  getrieben  und  interniert  worden.
Der  Dienst  am  belgischen  Grenzbahnhof  Esschen  wird  von  deutschen
Marinesoldaten  versehen.  Einer  waltet  am  Schalter,  ein  zweiter  ist  Kontrolleur,
  zwei  fahren  auf  der  Lokomotive  mit,  ein  anderer  ist  als  Schaffner
  tätig.                                                      (Berl.  Tgbl.,  16.  Oktober.)
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                                                   —  603  —

                              Tingtau  eine  harte  Nuß.
                          Japanisch-—chinesische  Spannung.

Die  „Frankfurter  Zeitung“  meldet  aus  London:  „Daily  Telegraph“
erhält  ein  Telegramm  aus  Petling,  daß  die  Beschießung  von  Tfingtau
durch  die  Japaner  zunächst  eine  Verzögerung  erlitt,  weil  infolge  Mangels
an  Straßen  sich  die  Munitionstransporte  verzögerten.  Die  diplomatischen
Beziehungen  zwischen  Tokio  und  Peking  sind  nach  dieser  englischen  Quelle
gespannt.

„Rußkoje  Slowo“  meldet  aus  Tokio,  daß  in  China  ein  vollständiger
Umschwung  zugunsten  Deutschlands  eingetreten  sei.  Die  deutschen  Siegesmeldungen
  werden  von  der  einheimischen  Presse  gefeiert  und  die  Erfolge
in  Tsingtau  und  des  Kreuzers  „Emden“  mit  Jubel  ausgenommen.


                    Der  österreichische  Gegenstoß  gegen  die  Russen.

Der  „Pester  Lloyd“  veröffentlicht  einen  Artikel  von  militärischer
Seite  über  die  zweite  Phase  des  Feldzuges  gegen  Rußland,  in  dem  es

heißt:

Unsere  Armeen  stehen  nun  an  der  Strombarriere  des  San  und  der
Weichsel,  schließen  hier  auf  und  bereiten  den  Uebergang  in  möglichst
breiter  Front  vor.  Im  Süden  ist  Przemysls  mächtiger  Brückenkopf,  der
die  Entfaltung  starker  Kräfte  gegen  das  Vorgelände  von  Lemberg  erleichtert.
  Das  Vorgehen  aus  den  Karpathen  drückt  auf  die  südliche
Flanke  der  russischen  Aufstellungen  westlich  Lembergs.  Wir  dürfen  erwarten,
  daß  diese  Bewegungen  unseres  Heeres  nicht  ins  Stocken  kommen.
Die  günstige  Rückwirkung  auf  die  Lage  in  Polen  wird  sich  dann  unverweilt
  einstellen.  Nun  hat  die  Südgruppe  der  verbündeten  Heere  das
Fortschreiten  der  Nordgruppe  zu  erleichtern,  denn  dort  harren  der  vereinigten
  Streitkräfte  recht  schwierige  Aufgaben.  Erbitterte  Kämpfe  an
der  mittleren  Weichsel  kündigen  den  Beginn  einer  großen  Schlacht  an.

                                  Die  Säuberung  Nordungarns.

             Aus  dem  Kriegspressequartier  wird  amtlich  gemeldet:

Die  Vertreibung  der  Russen  aus  dem  Maramaroser  Komitat  erfolgte
  nach  einer  Reihe  siegreicher  Einzelgefechte.  An  diesen  Aktionen
hatten  auch  Mitglieder  der  polnischen  und  ukrainischen  Legionen  hervorragenden
  Anteil.  Die  Angehörigen  beider  Legionen  zeichneten  sich  hierbei
durch  mutiges  Verhalten  aus.                       (Tägl.  Rundsch.,  16.  Okt.)


                    Ein  deutscher  Flieger  über  Joffres  Hauptquartier.
                                                                           Kopenhagen,  16.  Oktober.

„Nationaltidende"“  meldet  aus  London:  Fortgesetzt  kommen  noch  belgische
  Flüchtlinge  in  England  an.  Es  sind  nun  insgesamt  etwa  160  000
Personen.  Tausende  von  Heimen  öffnen  sich  ihnen.  2500  verwundete
belgische  Soldaten  sind  gestern  angekommen.  König  Albert  will  bei  der
Armee  bleiben.  Die  Königin  weigert  sich,  ihn  zu  verlassen.  Während
eines  Besuches  in  Joffres  Hauptquartier  warf  ein  deutsches  Flugzeug  eine
Bombe  herab,  die  in  der  Nähe  von  Poincaré  und  Joffre  niederfiel.  Das
deutsche  Flugzeug  wurde  von  einem  französischen  verfolgt  und  niedergeschossen.
  «                                                                           (W.  T.  B.)
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                                                       —  604  —

                           Ein  entscheidender  Sieg  über  die  Serben.

W.T.  B.  Wien,  16.  Oktober.  Die  „Südslawische  Korrespondenz“
meldet  aus  Sofia:  Bulgarische  Blätter  veröffentlichen  Berichte  über  einen
entscheidenden  Sieg,  den  die  aufständischen  bulgarischen  Makedonier  bei
Köprülü  gegen  serbische  Truppen  und  serbische  Komitatschis  errungen
haben  sollen.  In  diesen  Kämpfen  sei  der  serbische  Bandenchef  Jwan  Babunski,
  der  Präsident  der  „Natodna  Odbrana“  für  Makedonien,  gefallen.


                              Die  türkisch-englische  Verstimmung.
                                                                      Konstantinopel,  16.  Oktober.
„Taswir-i-Efkiar"  bestätigt,  daß  der  frühere  Befehlshaber  der  türkischen
  Flotte,  Admiral  Limpus,  in  der  russischen  Schwarzmeerflotte
Dienste  genommen  hat.  Die  Nachricht  macht  in  türkischen  Kreisen  einen
üblen  Eindruck  und  trägt  dazu  bei,  die  lebhafte  Verstimmung  gegen
England  zu  verschärfen.  (Berl.  N.  Nachr.,  16.  Okt.)


                         Tadelloses  Verhalten  der  deutschen  Soldaten.

W.T.  B.  Brüssel,  16.  Oktober.  Der  Bürgermeister,  der  seit  fast
10  Wochen  von  deutschen  Truppen  besetzten  Stadt  Wemmel  hat  an  den
Generalgouverneur  Freiherrn  von  der  Goltz  ein  Schreiben  gerichtet,  in
der  er  das  Verhalten  der  deutschen  Soldaten  als  durchaus  tadellos  bezeichnet
  und  in  wärmsten  Worten  die  Gerechtigkeitsliebe  und  entgegenkommende,
  menschenfreundliche  Haltung  des  Platzkommandanten  Oberstleutnants
  von  B.  hervorhebt.  Die  Bevölkerung  Wemmels,  welche  durch
dieses  Vorgehen  von  tiefster  Dankbarkeit  erfüllt  sei,  sehe  deshalb  der  Zukunft
  vertrauensvoll  entgegen.

                      Die  Schantungbahn  in  japanischen  Händen.
                                                                                    Berlin,  16.  Oktober.

Nach  Nachrichten,  die  der  Schantung-  Eisenbahngesellschaft  zugekommen
  sind,  ist  die  Schantungbahn  von  den  Japanern  besetzt;  offenbar
vor  der  Besetzung  sind  eine  große  Anzahl  Lokomotiven  —  anscheinend
durch  Herausnahme  wichtiger  Teile  —  betriebsunbrauchbar  gemacht  und
sämtliche  Bergwerksschächte  unter  Wasser  gesetzt  worden.  Die  Beamten
und  Familien,  erstere,  soweit  sie  nicht  zur  Fahne  einberufen  sind,  befinden
sich  in  der  Zahl  von  106  Personen  an  einem  neutralen  Platze  in  Sicherheit.
  Wie  aus  der  Depesche  hervorgeht,  werden  die  Interessen  der  Gesellschaft
  von  Herrn  Charles  Bearwood  vertreten.  (Tgl.  Rdsch.,  17.  Okt.)

                                     Auch  Portugal?
                                                                                               Wien,  16.  Oktober.

Das  „Wiener  k.  k.  telegr.  Korrespondenzbüro“  meldet  aus  Lissabon:

Dem  Vernehmen  nach  soll  im  Laufe  der  nächsten  Woche  der  Kongreß
einberufen  werden,  um  über  die  Frage  der  Entsendung  eines  Expeditionskorps
  nach  Frankreich  schlüssig  zu  werden.  Es  heißt,  daß  nur  die  republikanische
  Partei  dafür,  die  Bevölkerung  aber  dagegen  sei.

W.T.  B.  London,  15.  Oktober.  Der  frühere  König  Manuel  hat
Sir  Edward  Grey  einen  Besuch  abgestattet.  In  Verbindung  hiermit  ist
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                                                        —  605  —

es  von  Interesse,  daß  der  frühere  portugiesische  Gesandte  Marquis  Soveral
  bei  dem  König  in  Sandringham  weilt.

                                        San  Giuliano  +.

Eine  Meldung,  der  man  seit  Tagen  gewärtig  sein  mußte,  meldet
aus  Rom:

Rom,  16.  Oktober.  Der  Minister  des  Aeußern  Marchese  di  San
Giuliano  ist  heute  nachmittag  gegen  2½  Uhr  gestorben.

                                                       (Tägliche  Rundschau,  17.  Oktober.)


                                Keinen  faulen  Frieden!

W.T.  B.  Köln,  16.  Oktober.  Die  „Kölnische  Zeitung“  bringt  ein
Telegramm  aus  Berlin,  in  welchem  gegenüber  einem  Artikel  des
„Temps“  vom  29.  September,  der  behauptet,  die  deutsche  Regierung  habe
Wilson  den  Gedanken  einer  Vermittlung  eingegeben,  festgestellt  wird,
daß  die  erwähnte  Anregung  Wilsons  ihm  in  keiner  Weise  von  deutscher
Seite  nahegelegt  worden  sei.  Die  deutsche  Regierung,  überzeugt  von  den
guten  Absichten  des  Präsidenten,  habe  ihm  ihren  Dank  für  seine  Bemühungen
  ausgesprochen,  aber  darauf  hingewiesen,  daß  England  sich
wiederholt  dahin  ausgesprochen  habe,  es  werde  den  Krieg  bis  zum
äußersten  führen.  Sie  wolle  im  übrigen  keinen  Zweifel  daran  aufkommen
lassen,  daß  das  deutsche  Volk,  das  solche  Opfer  gebracht  hatte,  nur  einen
Frieden  annehmen  kann,  der  ihm  Bürgschaften  für  seine  Sicherheit  in
der  Zukunft  bringt  und  es  vor  neuen  Ueberfällen  schützt.  Die  vom
„Temps“  angeführten  deutschen  Bedingungen  sind  eine  dem  Bedürfnisse
der  Selbsttäuschung  entsprungene  Erfindung.


                                Die  Deutschen  vor  Dünkirchen.

Haag,  16.  Oktober.  Der  „Rotterdamsche  Courant“  berichtet  über
den  deutschen  Angriff  auf  die  französischen  Marinetruppen  und  Kavallerie
  beschützte  belgische  Armee,  die  aus  Ostende  auf  Dünkirchen  in  völliger
Verwirrung  zurückgeht.  Der  heftigste  Kampf  findet  zwischen  Dixmuiden
und  Roulers  statt.  Der  Berichterstatter  spricht  die  Ansicht  aus,  daß  die
Deutschen  sehr  bald  vor  Dünkirchen  stehen  werden,  wenn,  wie  wahrscheinlich,
  der  Angriff  der  Deutschen  erfolgreich  sein  wird.  Die  belgische
Bevölkerung  flüchtet  in  der  Richtung  Dünkirchen—Boulogne  und  vermehrt
  die  Unordnung  auf  den  öffentlichen  Wegen.  „Da  die  Verbindung
Brügge—Ostende—Nieuport  in  deutschen  Händen  ist“,  so  schließt  der
Bericht,  „so  sind  in  der  Umgebung  Dünkirchens  und  Boulognes  bald  sehr
wichtige  Kämpfe  zu  erwarten.“


       Zusammenstoß  zwischen  Maritz-Leuten  und  Regierungstruppen.

Haag,  16.  Oktober.  Ein  erster  Zusammenstoß  zwischen  den  Leuten,
die  unter  dem  Befehl  des  Generals  Maritz  stehen,  und  den  Regierungstruppen
  hat  bei  Ratedraai  stattgefunden.  Die  ersteren  verloren  70  Gefangene.
  Der  Aufstand  scheint  einen  größeren  Umfang  zu  haben  als  die
englische  Presse  zugibt.  Die  Regierung  sah  sich  genötigt,  zahlreiche  Verhaftungen
  vorzunehmen,  darunter  solcher  Buren,  die  augenblicklich  zwischen
den  Deutschen  und  Maritz  vermitteln.  (Voss.  Ztg.,  17.  Okt.)
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                                                 —  606  —

                          Siegreiche  Gefechte  bei  Gent.

Haag,  16.  Oktober.  Der  Korrespondent  der  „Daily  Mail“  gibt  zu,
daß  am  Sonntag  die  Verbündeten  östlich  von  Gent  eine  sehr  schwere
Niederlage  erlitten.  Sie  mußten  unter  schwerem  deutschen  Geschützfeuer
auf  nächtlichem  Rückzug  eine  Stellung  nach  der  andern  räumen.  Eine
Brigade  verirrte  sich  und  erlitt  schwere  Perluste.

                                                           (Vossische  Ztg.,  17.  Oktober.)


                           Schweres  Geschütz  bei  Belfort.

Köln,  16.  Oktober.  Eine  Züricher  Depesche  der  „Kölnischen  Zeitung“
verfichert,  daß  gegen  die  von  den  Franzosen  östlich  Belfort  bis  ins  Elsaß
vorgeschobenen  Stellungen  bereits  am  Dienstag  schwere  deutsche  Mörser
angesetzt  wurden.  Die  Kämpfe  waren  sehr  heftig.  Die  deutschen  Truppen
gewannen  Boden,  wenn  auch  nur  schrittweise.


                         Die  Vertreibung  der  Russen  aus  Ungarn.

Wien,  16.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  16.  Oktober,  mittags.

Die  Kämpfe  an  unfrer  ganzen  Fromt  von  Stary—Sambor  bis  zur  Sanmündung

  dauerten  gestern  an.  In  der  Marmaros  nahmen  die  den  Feind

verfolgenden  eigenen  Abteilungen  Raho  in  Besitz.  Im  Tale  der  Schwarzen

Bystryca  ziehen  sich  die  Russen  von  unsren  Truppen  bei  Rafailowa  geschlagen
  gegen  Zielona  zurück.

                      Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                                                         v.  Hoefer.  (W.T.B.)

           Der  englische  Kreuzer  „Hawke“  in  Grund  geschossen.

      Aus  London  wird  amtlich  unter  dem  16.  d.  M.  gemeldet:

Am  15.  Oktober  nachmittags  wurde  der  englische  Kreuzer  „Hamke“  in
der  nördlichen  Nordsee  durch  den  Torpedoschuß  eines  Unterseebootes  zum
Sinken  gebracht.  Ein  Offizier,  49  Mann  sind  gerettet  und  in  Aberdeen
gelandet.  Etwa  350  werden  vermißt.  Zu  gleicher  Zeit  wurde  der  Kreuzer
„Theseus“  angegriffen,  aber  ohne  Erfolg.  (W.T.B.)


                                           Die  Kriegslage.

W.T.  B.  Großes  Hauptquartier,  17.  Oktober,  vormittags.
In  Brügge  und  Ostende  ist  reichliches  Kriegsmaterial  erbeutet,  unter
anderem  eine  große  Zahl  Infanteriegewehre  mit  Munition  und  zweihundert
  gebrauchsfähige  Lokomotiven.

mom  französischen  Kriegsschauplatz  sind  wesentliche  Ereignisse  nicht  zu
melden.

Im  Gouvernement  Suwalki  haben  sich  die  Russen  am  gestrigen  Tage
ruhig  verhalten.  Die  Zahl  der.  bei  Schirwindt  eingebrachten  Gefangenen
hat  sich  auf  4000  erhöht,  ebenso  sind  noch  einige  Geschütze  genommen
worden.

        Die  Kämpfe  bei  und  südlich  Warschau  dauern  fort.


                             Bisher  15  000  Russen  gefangen.

Wien,  17.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  17.  Oktober  mittags.
Sowohl  die  in  der  Lmie  Stary—Sambor—Medyka  und  am  San  ent-
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                                                      —  607  —

brannte  Schlacht  als  auch  unsere  Operationen  gegen  den  Dujnester  nehmen
einen  guten  Verlauf.  Nördlich  Wyszkow  wurden  die  Russen  abermals  angegriffen
  und  geworfen.  Bei  Synowucko  forcierten  unsere  Truppen  den
Stryjifluß,  gewannen  die  Höhen  nördlich  des  Ortes  und  nahmen  die  Verfolgung
  des  Feindes  auf.  Etbenso  gelangten  die  Höhen  nördlich  Podbuz
und  südöstlich  Stary-Sambor  nach  hartnäckigen  Kämpfen  in  unseren  Befitz.
Auch  nördlich  des  Strwiazflusses  schreitet  unser  Angriff  vorwärts.  Nördlich
Przemysl  begannen  wir  bereits  auf  dem  östlichen  Sanufer  festen  Fuß  zu
fassen.  Die  Zahl  der  während  unserer  jetzigen  Offensive  gemachten  Gefangenen
  läßt  sich  natürlich  noch  nicht  annähernd  übersehen.  Nach  den  bisherigen
  Meldungen  sind  es  schon  mehr  als  15  000.

                                   Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                                                             von  Hoefer,  Generalmajor.


                                 Der  Untergang  des  „Hawke“.

Kopenhagenn,  17.  Oktober.  Der  Zeitung  „Politiken“  wird  aus
London  zu  dem  Untergang  des  Kreuzers  „Hawke“  noch  gemeldet:  Die
Kreuzer  „Hawke“  und  „Theseus“  befanden  sich  im  Wachtdienst  in  der
Nordsee,  als  sie  zwei  deutsche  Unterseeboote  bemerkten.  „Theseus“  entging
dem  ersten  Angriff  nur  durch  schnelles  Manövrieren  und  entfernte  sich
eiligst.  „Hamke“  wurde  mittschiffs  getroffen.  Das  eine  von  den  deutschen
Unterseebooten  wurde  stark  beschädigt.  Die  Stimmung  in  London  ist
außerordentlich  gedrückt.                                    (Voss.  Ztg.,  18.  Okt.)


                                          Churchill,  der  Maulheld.

Die  Erregung  der  Engländer  über  den  neuen  Erfolg  der  deutschen
Unterseeboote,  zuerst  in  der  Finnischen  Bucht  und  jetzt  wieder  in  der  Nordsee,
  steigt,  wie  dem  „Tag“  aus  Kopenhagen  telegraphiert  wird,  ins  Ungeheure.
  Die  ersten  Blätter,  wie  „Times“  und  „Morningpost“,  machen
Churchill  und  die  Admiralität  en  ihrer  Sorglosigkeit  die  heftigsten  Vorwürfe.
  Andere  sagen:  Dieser  Maulheld  ist  ein  großer  Schaden  für  England.
  Aus  der  Tatsache,  daß  „Hawke“  und  „Theseus“  ältere  Schiffe  sind,
scheint  hervorzugehen,  daß  die  Furcht  vor  deutschen  Unterseebooten  die  Admiralität
  veranlaßt  hat,  die  modernen  Kriegsschiffe  vor  erfolgreichen  Angriffen
  in  Sicherheit  zu  bringen  und  nur  die  älteren  Fahrzeuge  den  Patrouillendienst
  ausführen  zu  lassen.  Außer  den  gemeldeten  50  geretteten
des  „Hawke“  wurden  von  Transportschiffen  noch  weitere  23  Mann  gerettet.
Die  Geretteten  wurden  erst  von  einem  norwegischen  Dampfer  aufgenommen,
der  die  Stelle  eine  Stunde  nach  dem  Angriff  passierte.  (Kreuzztg.,  18.  Okt.)

                           20  000  Mark  für  ein  deutsches  Schiff!

Haag,  17.  Oktober.  Die  Furcht  der  Engländer  vor  deutschen  Unterseebcoten
  hat  schon  vor  der  Vernichtung  der  „Hawke“  das  Verbot  der  Veröffentlichung
  der  Nachricht  veranlaßt,  daß  kanadische  Hilfstruppen  in  Plymouth
  landen  werden.  Preßtelegramme  dieses  Inhalts  wurden  stundenlang
  zurückgehalten.  Die  Londoner  Blätter  waren  über  dieses  Verbot
sehr  ungehalten.  Die  Kanadier  sind  übrigens  bisher  an  Bord  geblieben.
In  ihrer  Ratlosigkeit  verspricht  die  Admiralität  tausend  Pfund  für  Informationen,
  die  die  Aufbringung  oder  Vernichtung  feindlicher  Schiffe  ermöglichen
  und  200  Pfund  für  Nachrichten,  die  zur  Verfolgung  feindlicher  Schiffe
führen.                                                                     (Voss.  Ztg.,  18.  Okt.)
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                                                     —  608  —

                        Minensperrung  der  russischen  Ostsee.

Petersburg,  17.  Oktober.  Da  die  Anwesenheit  von  deutschen
Unterseebooten  am  Eingang  des  Finnischen  Meerbusens  festgestellt  ist,
ebenso  wie  die  Auslegung  von  Minensperren  durch  den  Feind  an  den
Küsten  Rußlands,  so  bringt  die  Kaiserliche  Regierung  zur  öffentlichen
Kenntnis,  daß  die  russischen  Marinebehörden  ihrerseits  gezwungen  sind,
ähnliche  Maßregeln  im  weiten  Umfange  zu  treffen.  Folglich  muß  die
Schiffahrt  in  dem  Gebiet  nördlich  von  58.  Grad  50  Min.  nördlicher  Breite
und  östlich  vom  21.  Grad  null  Min.  östlicher  Länge  von  Greenwich  und
diejenige  am  Eingange  des  Rigaischen  Meerbusens  und  in  den  Küstengewässern
  der  Alandsinseln  für  gefährlich  gelten.  Damit  an  den  Feindseligkeiten
  nicht  Teilnehmende  den  Kriegsgefahren  nicht  ausgesetzt  seien,
sind  Ein=  und  Ausfahrt  des  Rigaischen  und  des  Finnischen  Meerbusens  von
der  Verkündigung  dieser  Bekanntmachung  an  als  geschlossen  anzusehen.

                                 England  hat  keine  Eile !

London,  17.  Oktober.  Der  militärische  Mitarbeiter  der  „Times“
tritt  der  Behauptung  entgegen,  daß  Großbritannien  nur  sechshunderttausend
  Mann  aufstellen  könne  und  schreibt,  daß  bereits  1  200  000  Mann
unter  den  Fahnen  seien.  Die  neuen  Rekruten  meldeten  sich  so  zahlreich,
daß  es  für  die  Leitung  schwierig  sei,  Schritt  zu  halten.  Es  befänden  sich
nunmehr  hunderttausend  Mann  indische  und  kanadische  Truppen  in  Europa.
diese  Mannschaften  und  diejenigen,  welche  nun  in  den  Kolonien  ausgebildet
  würden,  seien  nur  der  Kern,  auf  dem  andere  aufgebaut  werden
könnten.  Großbritannien  habe  einen  Teil  seiner  Avantgarde  (1)  nach
Frankreich  gesandt.  Der  Rest  werde  im  Laufe  des  Frühjahrs  folgen,  die
Hauptstärke  Ende  1915.  Man  habe  keine  Eile.  Infolge  des  großen  Andranges
  von  Freiwilligen  hätten  die  körperlichen  Anforderungen  höher
geschraubt  werden  müssen,  als  sie  es  irgendwo  anders  in  Europa  seien,
andernfalls  wäre  Kitchener  von  dem  Zustrom  von  Freiwilligen  überwältigt
worden.

Zu  diesen  Prahlereien  bemerkt  das  „Wolffsche  Büro“:  Aus  diesen  Enthüllungen
  geht  zunächst  hervor,  daß  England  nicht  die  Hoffnung  hat,  vor
Ende  1915  mit  Deutschland  fertig  zu  werden.  Auch  werden  die  Franzosen
es  mit  wenig  Freude  begrüßen,  daß  ihre  Bundesgenossen  vorerst  keine  Eile
haben,  ihnen  wirksamer  als  bisher  zu  helfen.  Die  Aussicht  auf  kräftigere
Unterstützung  im  Frühjahr  1915  wird  demgegenüber  nur  ein  schwacher
Trost  für  sie  sein;  denn  das  Schicksal  der  auf  britische  Hilfe  vertrauenden
Belgier  redet  eine  allzu  deutliche  Sprache.                            (W.T.B.)


                Türkische  Kavallerie  an  der  ägyptischen  Grenze.
                                Die  Ueberwachung  des  Suezkanals.

Rom,  17.  Oktober.  Der  „Mattino“  meldet  aus  Kairo:  Vor  vierzehn
  Tagen  erschien  ein  türkisches  Kavalleriekorps  an  einem  Punkte,  der
20  Kilometer  von  der  ägyptischen  Grenze  entfernt  ist.  Die  englische  Regierung
  ordnete  auf  alle  Fälle  genaue  Ueberwachung  des  ganzen  Suezkanals
  an,  in  dessen  Mitte  der  Kreuzer  „Warrior“  stationiert  ist,  um  jeder
Eventualität  zu  begegnen.  Mittlerweile  tun  die  Engländer  alles,  um  die
Türken  nicht  vor  den  Kopf  zu  stoßen.  Als  dieser  Tage  einige  türkische
Schiffe  aus  Jemen  den  Kanal  passierten,  ließ  der  englische  Kommandeur
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                                                     —  609  —

den  türkischen  Admiral  kategorisch  auffordern,  vor  der  Weiterreise  seine
Funkenapparate  zu  entfernen.  Der  türkische  Admiral  antwortete  mit  entschiedenem
  „Nein“,  worauf  die  Engländer  nichts  mehr  einzuwenden  wagten.
Die  in  Aegypten  gebliebenen  Deutschen  und  Oesterreicher  werden  wie  Gefangene
  gehalten.  Sie  können  die  Städte  nicht  verlassen,  dürfen  nicht  über
Politik  sprechen  (1)  und  müssen  abends  früh  zu  Hause  sein.  Das  italienische
Generalkonsulat,  das  den  Schutz  der  Oesterreicher  übernommen  hat,  protestierte
  vergebens.                                       (Berl.  Tagebl.,  18.  Okt.)

Stuttgart,  17.  Oktober.  Die  „Süddeutsche  Zeitung“  erfährt  von
ganz  besonderer  Seite  aus  Konstantinopel:  England  hat  einen  Teil  seiner
igyptischen  Truppen,  wie  es  heißt,  15000  Mann,  nach  Frankreich  entsendet.
  Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  waren  hierfür  die  gleichen  Gründe
leitend,  die  die  englische  Regierung  in  Kairo  bewogen  hat,  die  ägyptische
Artillerie,  aber  ohne  Geschütze,  nach  dem  Sudan  zu  setzen  und  der  Infanterie
  die  Patronen  abzunehmen.  Der  Führer  der  ägyptischen  National-=partei,
  Mohammed  Farid  Bei,  hält  sich  zurzeit  in  Konstantinodel  auf.

                                                                                     (W.T.  B.

Konstantinopel,  17.  Oktober.  Hier  sind  in  arabischer  Sprache
abgefaßte  und  in  Syrien  verbreitete  Proklamationen  eingelaufen,  die  den
Titel  tragen:  „Was  die  Engländer  gegen  den  Islam  getan  haben.“  Es
werden  darin  alle  Unglücksfälle  der  Muselmanen  aufgezählt,  die  von  England
  verursacht  worden  sind.                                       (W.T.B.)


                       Scharmützel  an  der  holländischen  Grenze.
W.T.  B.  Amsterdam,  17.  Okt.  „Nieuws  van  den  Dag“"“  meldet
aus  Breda  vom  15.  d.  M.:

An  der  Grenze  bei  Meerle  fand  ein  Scharmützel  zwischen  Deutschen
und  Belgiern  statt.  Drei  Deutsche  sind  gefallen.  Die  Belgier  zogen  sich
über  die  Grenze  zurück,  wo  sie  entwaffnet  wurden.  Alle  jungen  Männer
von  Meerle  bis  Herenthals  sind  geflüchtet.

In  Bierpliet  ist  ein  Zweidecker  gelandet,  der  mit  einem  Franzosen  und
einem  Belgier,  wahrscheinlich  Militärs,  bemannt  war.  Er  ging  wegen
Mangels  an  Benzin  nieder.  Das  Flugzeug  wurde  vorläufig  unter  polizeiliche
  Ueberwachung  gestellt.


                    Der  vollständig  ordnungslose  Rückzug  der  Belgier.

Rotterdam,  16.  Oktober.  Der  „Nieuwe  Rotterdamsche  Courant"
meldet  aus  Maastricht:  Die  Ueberreste  der  belgischen  Armee  aus  Antwerpen,
  die  sich  aus  der  Umgebung  von  Ostende  nach  Dünkirchen  zurückziehen,
  werden  in  ihrem  vollständig  desorganisierten  Rückzug  zwischen  Dixmude
  und  Roulers  von  französischen  Marinetruppen  und  Kanallerie,  welche
dort  Verstärkungen  erhielten,  beschützt.  Am  Donnerstag  mittag  wurde
ihre  Stellung  von  beträchtlichen  deutschen  Truppen  sämtlicher  Waffen  angegriffen.
  Wenn  es,  wie  es  wahrscheinlich  ist,  diesen  deutschen  Truppen
gelingen  wird,  die  Franzosen  zurückzuwerfen,  werden  deutsche  Truppen
bald  vor  Dünkirchen  erscheinen,  das  von  den  Verbündeten  verstärkt  worden
ist.  Die  belgische  Bevölkerung  flieht  eiligst  in  der  Richtung  auf  Dünkirchen
und  Boulogne  und  vergrößert  die  Unordnung  auf  den  Straßen.  Da  der
Verbindungsweg  Brügge—Ostende—Nieuwpoort  in  deutschen  Händen  ist.

 

—
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                                                   —  610  —

sind  in  der  Umgebung  von  Dünkirchen  und  Boulogne  in  kurzem  ernste
Kämpfe  zu  erwarten.                               (Dtsch.  Tagesztg.,  18.  Okt.)


                                    Die  Schlacht  in  Galizien.

Wien,  18.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  18.  Oktober,
mittags.  Unser  Angriff  in  der  Schlacht  beiderseits  des  Strwiazflusses  wurde
gestern  fortgesetzt  und  gelangte  stellenweise  bereits  nahe  an  die  feindlichen

inien  heran.  An  einzelnen  Punkten  arbeiten  sich  unsere  Truppen  wie  im
Festungskriege  mit  Laufgräben  vorwärts.  In  der  vergangenen  Nacht
wurden  mehrere  Angriffsversuche  der  Russen  blutig  abgewiesen.  Auch
heute  ist  die  Schlacht  auf  der  ganzen  Linie  im  Gange.  Unsere  Artillerie
hat  eingegriffen.  Die  Verfolgung  des  nördlich  Wyszkow  geworfenen  Feindes
  wird  fortgesetzt.  Andere  Teile  unserer  über  die  Karpathen  vorgerückten
Kräfte  sind  bis  Lubience  auf  die  Höhen  nördlich  Orow  und  in  den  Raum
von  Uroz  vorgedrungen.  Die  Verluste  der  Russen  bei  ihrem  Angriff  auf
Przemysl  werden  auf  40  000  Tote  und  Verwundete  geschätzt.  (W.  T.B.)

                                     Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                                        von  Hoefer,  Generalmajor.

Die  Russen  geben  ihre  Verluste  selbst  auf  70  000  Mann  an.


                  Deutschfeindliche  Ausschreitungen  in  London.

Amsterdam,  18.  Oktober.  Ernste  deutschfeindliche  Unruhen
fanden  in  der  letzten  Nacht  in  dem  Londoner  Stadtteil  Deptford  statt.
Deutsche  Läden  wurden  geplündert  und  niedergebrannt.  Militär  wurde
zur  Unterdrückung  der  Unruhen  nach  Deptford  ausgeschickt.

                                                                              (Voss.  Ztg.,  19.  Okt.)

                         Verlust  von  vier  Torpedobooten.

Am  17.  Oktober,  nachmittags,  gerieten  unsere  Torpedoboote  „S.  115“,

„S.  117“,  „S.  118“,  „S.  119“  unweit  der  holländischen  Küste  in  Kampf  mit

dem  englischen  Kreuzer  „Undaunted“  und  4  englischen  Zerstörern.  Nach

amtlichen  englischen  Nachrichten  wurden  die  deutschen  Torpedoboote  zum

Sinken  gebracht  und  von  ihren  Besatzungen  31  Mann  in  England  gelandet.

                                Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.

                                             gez.  Behncke.                               (W.  T.B.)

Die  englischen  Verluste  sollen  betragen:  1  Offizier  und  4  Matrosen.
verwundet.  31  Deutsche  wurden  kriegsgefangen.  


                             Englands  Hilferuf  an  Portugal.

Mailand,  18.  Oktober.  Die  „Gazetta“  empfing  ein  offiziöses  Telegramm
  über  Bordeaux,  daß  England  die  bewaffnete  Hilfe  Portugals  für
den  jetzigen  Krieg  verlangte.  Die  portugiesische  Regierung  habe  beigepflichtet
  und  das  Parlament  berufen,  welches  ohne  weiteres  zustimmen  würde.
Ueberall  herrsche  großer  Enthusiasmus  darüber.  (Voss.  Ztg.,  19  .Okt.)

                        Die  Kriegslage  in  West  und  Ost.

Großes  Hauptquartier,  18.  Oktober,  vormittags.  Auf  dem
östlichen  Kriegsschauplatz  ist  der  gestrige  Tag  im  allgemeinen  ruhig  verlaufen.
  Die  Lage  ist  unverändert.
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                                                         —  611  —

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  sind  unsere  Truppen  in  der  Gegend
von  Lyck  im  Vorgehen.  Der  Kampf  bei  und  südlich  Warschau  dauert  an.


               England  für  den  Bruch  der  chinefischen  Neutralität.
Aus  Neuyork  wird  dem  Reuterschen  Büro  vom  15.  d.  M.  gemeldet:
Nach  einem  Telegramm  aus  Peking  erwiderte  Großbritannien  auf  den
Einspruch  gegen  die  japanische  Inbesitzuahme  der  Schantungbahn,  es  sei
nicht  imstande,  den  Verbündeten  zu  hindern.  Japan  habe  keine  Wahl  gehabt,
  da  die  Eisenbahn  den  Deutschen  gehöre,  die  sie  für  militärische  Zwecke
benutzt  hätten.                                                   (W.T.B.)

                                Kämpfe  in  Nordwestbelgien.

Großes  Hauptgquartier,  20.  Oktober,  vormittags.  Die
deutschen,  von  Ostende  längs  der  Küste  vorgehenden  Truppen  stießen  am
Merabschnitt  bei  Nieuport  auf  feindliche  Kräfte.  Mit  diesen  stehen  sie  seit
vorgestern  im  Gefecht.

Auch  gestern  wurden  Angriffe  des  Gegners  westlich  Lille  unter  starken
Verlusten  für  den  Angreifer  abgewiesen.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  hat  sich  nichts  Wesentliches  ereignet.
                                                                                             (W.T.B.)

 

                             Kanonendonner  bei  Dünkirchen.

Kopenhagen,  20.  Oktober.  Bei  Dünkirchen  wird  gewaltiger  Kanonendonner
  seit  gestern  morgen  gehört.  Dort  verlautet,  Torpedoboote
und  Kanonenboote  würden  vom  Kanal  her  verwendet.  Der  Korrespondent
des  Daily  Chronicle  meldet,  die  Deutschen  würden  wahrscheinlich  versuchen,
bei  Dünkirchen  durchzubrechen,  um  in  den  Besitz  der  französischen  Küste  bis
Calais  und  Boulogne  zu  gelangen.

Rotterdam,  20.  Oktober.  Aus  einem  Dorfe  bei  Vpern  mit  Automobil
  eingetroffene  Holländer  erzählten  in  Breda,  dem  Nieuwe  Rotterdamsche
  Courant  zufolge,  daß  in  der  Nähe  von  Ypern  schwer  gekämpft
werde.  Französische  und  englische  Truppen  stehen  dort  deutschen  gegenüber.
  Aus  mehreren  Orten  in  der  Umgegend,  welche  die  Deutschen  besetzten,
  kommen  Verstärkungen  herbei.


                                Die  siegreichen  Kämpfe  in  Galizien.

Wien,  20.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  19.  Oktober  mittags.
In  der  Schlacht  östlich  von  Chyrowm  und  Przemysl  brachte  uns  der  gestrige
Tag  neuerdings  große  Erfolge.  Besonders  erbittert  war  der  Kampf  bei
Mizyniec.  Die  Höhe  Magiera,  die  bisher  in  den  Händen  des  Feindes  war
und  unserem  Vordringen  bedeutende  Schwierigkeiten  bereitet  hatte,  wurde
nach  mächtiger  Artillerievorbereitung  nachmittags  von  unseren  Truppen
genommen.  Nördlich  von  Mizyniec  kam  unser  Angriff  bis  auf  Sturmdistanz
  an  den  Gegner  östlich  Przemysl  bis  in  die  Höhe  von  Medyko  heran.
Am  südlichen  Schlachtflügel  wurden  die  namentlich  gegen  die  Höhen  südwestlich
  Stary—Sambor  gerichteten,  auch  nachts  fortgesetzten  Angriffe  der
Russen  abgeschlagen.  Im  Stryj=  und  Swica-Tale  sind  unsere  Truppen
kämpfend  im  weiteren  Vordringen  begriffen.  Auch  am  San  wurde  gestern
an  mehreren  Punkten  gekämpft.  Ein  nach  Einbruch  der  Dunkelheit  ein-
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                                                          —  612  —

gesetzter  Angriff  auf  unsere  bei  Jaroslau  auf  das  Ostufer  des  Flusses  übergesetzten

  Kräfte  scheiterte  vollständig.  —  In  Russisch-Polen  schlug  vereinigte

  deutsche  und  österreichisch-ungarische  Kavallerie  einen  großen  feindlichen

  Kavalleriekörper,  der  westlich  Warschau  vorzudringen  versuchte,  über

Sochatschew  zurück.  Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                    von  Hoefer,  Generalmajor.

                             Zwei  Tfingtau-Forts  vom  Feind  zerstört.

Haag,  18.  Oktober.  Das  „Reuterbüro“  meldet  offiziell  aus  Tokio:
Am  Mittwochmorgen  wurden  die  Tsingtauforts  Iltis  und  Kaiser  durch
das  englische  und  englisch-japanische  Geschwader  zerstört.  Der  Verlust  der
Engländer  beträgt  einen  Toten  und  zwei  Verwundete.  Die  Japaner
hatten  keine  Verluste.                                                       (W.T.B.)

                                    Die  Haltung  Rumäniens.

Die  Wiener  „Reichspost“  meldet  aus  Bukarest:  Unter  dem  Vorsitz  des
Königs  Ferdinand  fand  eine  Beratung  des  Kabinetts  mit  Hinzuziehung
aller  Parteivorstände  statt.  Im  Verlaufe  der  Besprechungen  wurde  die
bisherige  Haltung  der  Regierung  gebilligt  und  festgestellt,  daß  keine  Ursachen
  vorliegen,  die  geeignet  wären,  eine  Aenderung  der  Haltung  Rumäniens
  zu  bewirken,  zugleich  wurde  die  Bildung  eines  großen  Kabinetts  auf
weiter  Grundlage  erwogen,  und  in  dieser  Beziehung  eine  Uebereinstimmung
  für  den  Möglichkeitsfall  herbeigeführt.                  ( W.T.B.)


                               Der  Kampf  um  Dünkirchen.

W.T.  B.  Kopenhagen,  18.  Oktober.  „Berlingske  Tidende“
meldet  aus  London:  Seit  Donnerstag  steht  ein  verzweifelter  Kampf  in
der  Umgegend  von  Dpern  und  Courtrai,  wo  die  deutschen  Abteilungen  von
Antwerpen  mit  größter  Heftigkeit  auf  den  äußersten  linken  Flügel  der
Franzosen  drücken,  um  eine  Verbindung  zwischen  dem  deutschen  westlichen
Flügel  in  Frannkreich  herzustellen.  Die  Anstrengungen  waren  bisher  erfolglos,
  sie  werden  mit  unverminderter  Gewalt  fortgesetzt.

Gleichzeitig  griff  ein  starkes  gemischtes  deutsches  Korps  die  englische
und  französische  Besatzung  von  Ostende  und  die  französischen
Marinesoldaten  an,  die  den  Rückzug  der  Belgier  nach  Dünkirchen
  deckten  und  eine  verschanzte  Stellung  vorbereiteten.  Der  Ausgang
  des  Kampfes  ist  nicht  bekannt,  doch  wird  nicht  geglaubt,  daß  die  Verbündeten
  ihre  Stellung  halten  werden.  Die  Bewegung  des  Heeres  ist  sehr
durch  die  flüchtende  belgische  Bevölkerung  gehemmt.

Der  nächste  große  Kampf  wird  bei  Dünkirchen  erwartet,  wo  die  Franzosen
  und  Engländer  starke  Feldbefestigungen  um  die  Stadt  angelegt  und
große  Ueberschwemmungen  vorgenommen  haben.  Hier  das  Vorrücken  der
Deutschen  zu  verhindern,  ist  von  allergrößter  Bedeutung,  da  es  dem  linken
Flügel  der  Verbündeten  gilt.

                      Die  getäuschte  Hoffnung  auf  Rußland.

Der  liberale  „Manchester  Guardian“  schreibt:  „Im  August  hielt  man
den  ganzen  Krieg  für  ein  Wettrennen  zwischen  dem  Vormarsch  der
Deutschen  gegen  Paris  und  dem  Vormarsch  der  Russen  gegen  Berlin,  und
als  wir  unsere  Leser  warnten,  den  Druck  in  Richtung  auf  Berlin  nicht
viel  vor  Oktober  zu  erwarten,  hielt  man  uns  für  übertrieben  pessimistisch.“
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                                                         —  613  —

Das  Blatt  fährt  fort:  „Im  Osten  fanden  große  entscheidende  Schlachten
statt,  Die  Niederlage  Samsonows  in  Ostpreußen  war  eine  größere  Affäre
als  selbst  die  Schlacht  bei  Mulden.  Die  Russen  verloren  bei  Mukden  etwas
über  100  000  Mann,  verloren  aber  bei  Tannenberg  dieselbe  Zahl  allein
an  Gefangenen.  Zwei  andere  ernsthafte  Niederlagen  folgten  bei  Insterburg
  und  bei  Lyck.  Die  an  Zahl  stärkste  Armee  kann  Niederlagen  von
solcher  Größe  nicht  ertragen,  ohne  erschüttert  zu  werden.  Ein  Wunder  ist
nicht,  daß  die  Russen  Gelände  verloren,  sondern,  daß  sie  imstande  waren,
hes  so  schnell  zurückzugewinnen,  aber  der  Preis  für  die  Verstärkung  des
russischen  Flügels  in  Ostpreußen  war  der  Verlust  der  Früchte  der  Siege
über  Oesterreich  in  Galizien.  Die  Russen  verloren  in  den  letzten  zehn  Tagen
fast  allen  Boden,  den  sie  durch  zerschmetterte  Siege  über  den  österreichischen
linken  Flügel  gewonnen  hatten.  Das  Blatt  hält  die  russischen  Aussichten
auf  Sieg  an  der  Weichsel  für  gut,  sagt  aber,  es  müsse  die  Tatsache  anerkennen,
  daß  die  Russen  zurückgehen  und  daß  gegenwärtig  eine  Invasion  in
Schlesien  nicht  in  Frage  komme.  Das  Blatt  fragt,  woher  die  Deutschen
all  ihre  Männer  nehmen.  Die  Verbündeten  scheinen  die  Stärke  der  deutschen
Reserven  unterschätzt  zu  haben,  dagegen  sei  die  Reserve  der  russischen  Bevölkerung
  so  unausgebildet,  wie  die  englische.  Da  die  Lebensdauer  in  Rußland
  kürzer  ist,  als  in  Deutschland  und  England,  weisen  die  Reserven  der
ausgebildeten  Männer  einen  stärkeren  Abgang  auf.  Die  gewaltigen  Massen
der  russischen  Bevölkerung  werden  früher  oder  später  ins  Gewicht  fallen,
aber  vielleicht  erst  später.  Einstweilen  befinden  sich  die  Verbündeten  trotz
iherr  Ueberlegenheit  an  Volkszahl  über  Deutschland  und  Oesterreich  tatsächlich
  in  numerischer  Minderheit  auf  den  entscheidenden  Punkten  des
Feldes,  und  zwar  in  diesen  ersten  Monaten  des  Krieges,  auf  die  sich  Deutschlands
  größte  Hoffnungen  gründen.  Später  wird  das  anders  sein,  aber
augenblicklich  sind  alle  Anstrengungen  für  uns  erforderlich.“


                              Die  Russen  in  Persien.

Konstantinopel,  18.  Oktober.  Nach  hier  eingetroffenen  zuverlässigen
  persischen  Nachrichten  haben  die  Russen,  die  ihren  Einfluß  in  Asserbeidschan
  schwinden  sahen,  einen  neuen  Polizeidirektor  in  Täbris  ernannt.
Sie  lassen  russische  Polizisten  aus  dem  Kaukasus  kommen  und  bilden  eine
Geheimpolizei,  die  das  Tun  und  Treiben  der  persischen  Liberalen  überwacht,
  Briefe  und  Postsendungen  öffnet  und  alle  Kaufleute  und  Reisenden
  Verhören  unterzieht.  Es  geht  das  Gerücht,  daß  die  Russen  neue  Truppen
nach  Asserbeidschan  kommen  lassen  wollen.


                      Ein  deutscher  Kreuzer  im  Roten  Meer.

Konstantinopel,  19.  Oktober.  Die  hiesigen  Blätter  berichten,
daß  ein  deutscher  Kreuzer  die  im  Bau  befindliche  Eisenbahnlinie  von
Dschibuti  nach  Adis  Abeba,  die  von  den  Franzosen  gebaut  wird,  bombar-=diert
  habe.  Die  Strecke  sei  zerstört  worden,  wobei  auch  die  Niederlassungen
der  französischen  Kolonie  Schaden  gelitten  hätten.

Eine  amtliche  Bestätigung  dieser  Meldung  liegt  bis  zur  Stunde  nicht
vor,  doch  darf  man  wohl  mit  Bestimmtheit  annehmen,  daß  die  Nachricht
richtig  ist  und  einen  neuen  Beweis  von  dem  Heldenmut  und  der  Angriffslust
  unserer  Auslandskreuzer  erbringt.  Dschibuti  ist  französischer  Besitz  und
Ausgangspunkt  der  nach  der  abessinischen  Hauptstadt  führenden  Eisenbahn.

                                                           39
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                                                —  614  —

                         Aufftand  in  Somaliland.

Konstantinopel,  18.  Oktober.  Von  glaubwürdiger  Seite  haben
die  Blätter  erfahren,  daß  sich  die  Muselmanen  des  Somalilandes  erhoben
und  die  Stadt  Berbera,  den  Hauptort  der  Kolonie,  unter  dem  Oberbefehl
von  Scheichs  angegriffen  haben.  Sämtliche  englische  Offiziere  von  der
Garnison  find  gefangen  genommen  und  die  Stadt  von  den  Muselmanen
besetzt  worden.  Berbera  ist  seit  1884  in  englischem  Besitz.  1871  war  der
Hafen  von  der  ägyptischen  Regierung  besetzt  und  als  Freihafen  erklärt

worden.
                             Die  Muselmanen  stehen  auf!

Die  Blätter  in  Konstantinopel  geben  eine  dem  halbamtlichen  afghanischen
  Organ  „Saradjulahbar“  entnommene  Meldung  wieder,  wonach  infolge
  Verhaftung  des  muselmanischen  indischen  Offiziers  Mehmed  Hafiz,
des  Bruders  der  Fürstin  von  Bhopal,  einer  der  bedeutendsten  muselmanischen
  Fürstinnen  Indiens,  sich  die  Stämme,  deren  Chef  Mehmed.
Hafiz  ist,  erhoben  haben.  Der  englische  Generalgouverneur  versprach,  dem
Gefangenen  die  Freiheit  wiederzugeben.  —  Der  aufständische  Stamm
Djibbour  drängt  die  Indier  zur  Erhebung  gegen  die  Engländer.  Wie  das.
Blatt  „Tasvir-i-Efkiar“  erfährt,  haben  die  Engländer  in  den  letzten  Tagen
120  ägyptische  Beamte  abgesetzt  und  200  ägyptische  Offiziere  aus  dem
Heeresverbande  entfernt.  Man  ist  der  Meinung,  daß  diese  Maßnahmen
getroffen  wurden,  um  die  Situation  der  Engländer  in  Aegypten  zu  retten.

Nach  zuverlässigen  Meldungen  durchfuhren  am  17.  Oktober  drei  aktive
englische  Bataillone  von  Malta  den  Suezkanal  auf  dem  Wege  nach  Indien.
Die  Tatsache  deutet  darauf  hin,  daß  in  Indien  die  Bedrängnis  der  Engländer
  zunimmt.                                         (Berl.  N.  Nachr.,  19.  Okt.)


                      Die  franzöfische  Offenfsive  abgewiesen.
Großes  Hauptquartier,  19.  Oktober,  vormittags.  Angriffsversuche
  des  Feindes  in  der  Gegend  westlich  und  nordwestlich  von  Lille
wurden  von  unseren  Truppen  unter  starken  Verlusten  für  den  Gegner  abgewiesen.
    
Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  ist  die  Lage  unverändert.


                                   Der  Aufruf  zur  Empörung.

Der  indische  Revolutionsausschuß  der  Hindostani  in  S.  Franzisko  verbreitet,
  wie  die  „Mitteilungen  des  Vereins  für  das  Deutschtum  im  Ausland“
  melden,  einen  Aufruf,  der  die  „erfolgreiche  Kulturtätigkeit  der  für
unterdrückte  Völker  so  warm  eintretenden  Engländer"  in  14  Punkten  zusammenfaßt.
  Der  Aufruf  lautet:

1.  Die  Engländer  ziehen  jedes  Jahr  167  Millionen  Dollars  aus  Indien
nach  England.  Dadurch  werden  die  Hindostani  so  arm,  daß  ihr  Einkommen
  täglich  nur  2“  Zent  beträgt.

2.  Die  Grundsteuer  beträgt  über  65  vom  Hundert.

3.  Bei  einer  Bevölkerung  von  240  Millionen  Menschen  betragen  die

Ausgaben
für  Erziehungswesen  Lftrl  25  000  000
für.  Gesundheitspolizei  Lftrl.  6  000  000
dagegen  für  das  Herr  Lftrl.  97  000  000
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                                                         —  615  —

4.  Unter  der  britischen  Herrschaft  haben  die  Hungersnöte  stets  zugenommen.
  In  den  letzten  zehn  Jahren  sind  zwanzig  Millionen  Männer,
Frauen  und  Kinder  verhungert.

5.  Infolge  von  Pest  sind  in  den  letzten  sechzehn  Jahren  acht  Millionen
Menschen  gestorben.  Die  Sterblichkeitsziffer  hat  sich  in  den  letzten
dreißig  Jahren  von  24  auf  34  vom  Tausend  erhöht.

6.  Es  werden  Mittel  aufgewandt,  Uneinigkeit  und  Unordnung  in  den
eingeborener  Staaten  zu  fördern  und  den  britischen  Einfluß  dort  zu
erhöhen.

7.  Engländer  werden  für  die  Ermordung  von  Hindus  und  die  Entehrung
  von  Hindufrauen  nicht  bestraft.

8.  Mit  dem  den  Hindus  und  Mohammedanern  abgenommenen  Geld
werden  die  christlichen  Missionare  unterstützt.

9.  Fortgesetzt  werden  Anstrengungen  gemacht,  um  Feindschaft  zwischen
den  Hindus  und  den  Mohammedanern  zu  erregen.

10.  Die  Kunst  und  das  Kunstgewerbe  Indiens  sind  zum  Besten  Englands
zugrunde  gerichtet  worden.

11.  Mit  indischem  Geld  und  unter  Aufopferung  von  Hindus  als  Soldaten
sind  China,  Afghanistan,  Birma,  Aegypten  und  Persien  bekämpft  und
teilweise  unterjocht  worden.

12.  Die  Bevölkerung  Indiens  beträgt  in  den  Eingeborenenstaaten  70,  in
den  britischen  Gebieten  240  Millionen.

13.  Die  britischen  Truppen  in  Indien  setzen  sich  aus  79  614  englischen

Oufizieren  und  Soldaten,  sowie  38  948  Freiwilligen  zusammen.

14.  Seit  der  Revolution  von  1857  sind  über  fünfzig  Jahre  vergangen.
Eine  andere  ist  jetzt  dringend  nötig.


                                 Englands  Enttäuschung.

Die  „Times“  brachten  am  17.  d.  M.  drei  aufsehenerregende  Leitartikel
  über  einen  Umschwung  Italiens  zugunsten  Deutschlands  und  Österreichs.
  In  dem  ersten  Artikel  heißt  es  nach  einem  Londoner  Bericht  der
„Rhein.  Westf.  Ztg.“:

„Das  Kriegsfieber  in  Italien  kühlt  ab.  Das  österreich-feindliche
Kriegsfieber  wird  in  den  letzten  drei  Wochen  deutlich  zur  Schlacke.  Als
ich  hier  ankam,  erklärten  die  Anhänger  des  Krieges,  wenn  der  Herbst
vorbei  und  das  Korn  und  der  Wein  eingeerntet  wäre,  werde  Italien
die  Neutralität  verlassen.  Aber  nun  ist  Mitte  Oktober,  und  die  Anhänger
  des  Krieges  sprechen  vom  Warten  bis  zum  Frühling.  Eine
Reise  längs  der  Grenze  wird  für  jeden  diese  Haltung  deutlich  machen.
Wie  geschwächt  auch  Österreich  sein  mag,  so  ist  unzweifelhaft  ein  Winterfeldzug
  auf  diesen  schrecklichen  Höhen  kein  einladender  Gedanke.  Es  gibt
Wege,  aber  sie  werden  bald  durch  Schnee  versperrt  sein.  Jedes  Anzeichen
  des  Widerstandes  ist  in  einer  solchen  Gegend  gefährlich,  und  obgleich
  die  Einwohner  der  Trentino  geneigt  sind,  die  Italiener  zu  begünstigen,
  so  haben  sie  dicht  dahinter  die  Einwohner  von  Tirol,  die  alle  in
der  Ueberlieferung  Andreas  Hofers  genährt  sind.“

Der  zweite  Artikel  enthält  folgendes  Bekenntnis:  Die  Oeffentlichsette
  Italiens  ist  gegen  jedes  Einschreiten.  Die  Mehrheit  rechnet  wie
folgt:

„Wir  hatten  ein  Recht,  uns  zu  weigern,  daß  wir  in  einen  Krieg
gerissen  werden,  aber  Vertrag  ist  Vertrag,  und  gegen  unsere  Verbündeten

                                                                     39*
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                                                      —  616  —

zu  fechten,  wenn  wir  nicht  herausgefordert  sind,  wäre  klar  eine  Verletzung
  unserer  Verträge.  Die  Lockungen  der  Triple-Entente  sind  nur
eine  Falle.  Wenn  wir  darauf  hineinfallen,  wird  niemand  uns  mehr
trauen.  Wenn  wir  Oesterreich  anfallen,  so  werden  uns  Oesterreich  und
Deutschland  beim  endlichen  Frieden  hassen,  und  die  anderen  Mächte,  was
sie  auch  sagen  werden,  werden  uns  verachten;  als  eine  stark  bewaffnete
neutrale  Nation,  welche  kriegsbeteit  ist,  ihre  Interessen  zu  schützen,  fünd
wir  in  einer  besseren  Lage.“
Der  dritte  Artikel  trägt  die  Ueberschrift:  „Des  Königs  Haltung.“
„Hätte  es  keinen  Krieg  in  Tripolis  gegeben,  heißt  es  da,  so  würde
Italien  wahrscheinlich  nicht  neutral  wie  heute  sein;  aber  jene  starke  Erfahrung
  hat  manchen  Heißsporn  gezähmt;  allgemein  sagt  man,  daß  der
König  seine  Meinung  dahin  erklärt  hat,  daß  ohne  entscheidende  Herausforderung
  eine  andere.  als  eine  neutrale  Haltung  Italiens  unehrenhaft
ein  würde.  Das  hat  einen  grohen  Eindruck  auf  die  Oeffentlichkeit  gemacht.
  Die  Zeitungen  bringen  stetige  Berichte  vom  Zwiespalt  zwischen
dem  Kriegsminister  und  dem  General  Cadorna,  dem  Haupt  des  Generalstabes.
  General  Grandi  und  General  Tassoni,  der  Minister  und  der
Unterstaatssekretär  des  Krieges,  haben  tatsächlich  abgedankt.  Aber  es
sind  keine  Zeichen  vorhanden,  daß  die  Kriegspartei  Aussicht  hat,  die
Oberhand  zu  bekommen.“
Es  ist  überflüssig  zu  sagen,  die  österreichische  Diplomatie  ist  in  der
Sache  sehr  tätig,  und  beide,  Oesterreich  und  Deutschland,  tun  alles,  um
irgendeinen  Zwischenfall  zu  vermeiden,  der  Italien  einen  Kriegsanlaß  gäbe.


      Englische  Unzufriedenheit  mit  der  russischen  Kriegführung.

W.T.  B.  London,  18.  Oktober.  Der  militärische  Mitarbeiter  der
„Morningpost“  schreibt:  Es  sei  klar,  daß  im  Osten  die  Entwicklung  nicht
ganz  erwartungsgemäß  vonstatten  gehe.  Die  Schlacht,  die  in  der  Nähe
Krakaus  erwartet  wurde,  werde  viel  weiter  östlich  geschlagen  werden.  Die
Russen,  die  zu  Beginn  des  Krieges  die  Initiative  ergriffen  hätten,  seien
inzwischen  genötigt  worden,  diesen  Vorteil  aufzugeben  und  dem  Gegner  den
Angriff  zu  überlassen.  Die  vorrückenden  deutschen  Truppen  seien  aus
diesem  Grunde  imstande  gewesen,  die  Weichsel  ohne  besonderen  Widerstand
zu  überschreiten.  Der  Mitarbeiter  bemerkt  weiter,  die  Bedeutung  von
Premwoel  trete  jetzt  klar  zutage,  und  es  sei  bedauerlich,  daß  es  nicht  gelang,
die  Festung  zu  nehmen.  ·

                                      Trostlose  Lage  in  Kiew.

W.T.B.  Konstantinopel,  18.  Oktober.  Das  hier  erscheinende
persische  Blatt  „Haver“  veröffentlicht  einen  Brief  seines  Kiewer  Korrespondenten,
  in  dem  erzählt  wird,  daß  in  den  letzten  Tagen  25  000  russische
Verwundete  in  Kiew  eintrafen.  Sie  sind  in  der  Nacht  in  die  Spitäler
übergeführt  worden,  um  nicht  die  Aufmerksamkeit  des  Publikums  auf  sich
zu  ziehen.  Alle  öffentlichen  Anstalten  und  großen  Gebäude  wurden  in
Spitäler  umgewandelt.  Die  Verwundeten  heben  die  Tapferkeit  der
deutschen  und  österreichisch-ungarischen  Truppen  lobend  hervor.  Die  russischen
Behörden  nehmen  der  Bevölkerung  alles  Hartgeld  und  verfügen  darüber,
indem  sie  es  gegen  Papiergeld  umwechseln.  Das  Getreide  der  muselmanischen
  Bauern  wird  um  geringes  Entgelt  requiriert.  Die  Militär-
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                                                        —  617  —

behörden  haben  alle  Mühlen  mit  Beschlag  belegt,  was  Teuerung  zur  Folge
hat.  Die  Reichen  verlassen  die  Stadt.  Unter  Christen  und  Muselmanen
herrscht  Unzufriedenheit  mit  der  Regierung.  Die  Kosakengendarmerie  patrouilliert
  Tag  und  Nacht,  um  einer  Erhebung  vorzubeugen.  Die  Briefpost
und  die  Zeitungen  sind  unter  strenge  Zensur  gestellt.  Infolge  des  Alkoholverbots
  hatte  der  russische  Staatsschatz  in  diesem  Jahre  einen  Ausfall  von
einer  Milliarde  Rubel  zu  verzeichnen.

                       Ein  englisches  Unterseeboot  vernichtet.

Berlin,  19.  Oktober.  Das  englische  Unterseeboot  „E  5“  ist  am

18.  Oktober,  nachmittags,  in  der  deutschen  Bucht  der  Nordsee  vernichtet

worden.  Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                                      gez.  Behncke.

                              Zwei  Forts  von  Tsingtau  gefallen.

Kopenhagen,  19.  Oktober.  „Politiken“  meldet  über  London  aus
Peking:  Die  vereinten  britischen  und  japanischen  Kräfte  haben  die  Forts
„Kaiser“  und  „Iltis“  besetzt.

Die  Forts  sind  zweifellos  erst  rach  dapferster  Gegenwehr  gefallen.

Warschau  soll  geräumt  werden.

Die  Krakauer  Zeitung  „Kurier  Codzienny“  vom  18.  Oktober  meldet:
Die  städtischen  und  Staatsbeamten  in  Warschau  haben  den  Befehl
erhalten,  in  dem  Falle,  wenn  die  deutschen  Truppen  30  Meilen  vor  der
Stadt  sind,  Warschau  zu  verlassen  und  nach  Petersburg  zu  flüchten.  Die
Beamten  find  schon  bereit,  jede  Minute  die  Stadt  zu  verlassen.  Die  Bevölkerung
  Warschaus  wurde  aufgefordert,  sich  schleunigst  schon  jetzt  aus
der  Stadt  zu  entfernen,  weil  die  Festung,  wie  der  Militärkommandant
von  Warschau  durch  Anschlag  bekannt  gibt,  mit  allen  Mitteln  und  bis
um  Aeußersten  verteidigt  werden  wird.  Am  letzten  Sonnabend  zeigten
sich  südlich  von  Czenstochau  hinter  Radom  zwei  Zeppeline,  die  von  den
Russen  erfolglos  beschossen  wurden.

                          Die  englische  Hilfe  für  Antwerpen.

Stockholm,  19.  Oktober.  Ueber  die  nach  Antwerpen  gesandte
englische  Seebrigade,  die  bekanntlich  an  der  Verteidigung  der  Festung
kaum  teilgenommen,  sondern  alsbald,  und  hier  mit  besserem  Erfolge,
das  Weite  gesucht  hat,  veröffentlicht  die  „Times“  noch  ein  Schreiben
von  Mr.  Hulke  (Admiralityhouse),  in  welchem  es  heißt:

Als  zuerst  das  Gerücht  umgelaufen  sei,  daß  diese  unausgebildeten
Rekruten  an  die  Front  gehen  sollten,  wurde  es  als  lächerlich  verspottet.
Viele  Offiziere  des  Heeres  und  der  Flotte  bezeichneten  einstimmig  die
Aussendung  der  Brigade  in  ihrem  gegenwärtigen  Zustand  als  überlegten
  Mord.  Offiziere,  Unteroffiziere  und  Soldaten  lachten  über  die
Idee,  im  Kampfe  verwendet  zu  werden.  Als  bald  nach  ihrer  Abreise
zuverlässig  bekannt  wurde,  daß  sie  tatsächlich  nach  Antwerpen  gesandt
worden  seien,  herrschte  im  ganzen  Bezirk  starke  Entrüstung  und  Bestürzung.
  Ein  großer  Teil  der  Leute  war  nicht  ordentlich  ausgerüstet  und
nahezu  unausgebildet.  Die  Offiziere  lernten  erst  die  Anfänge  des  Infanteriedienstes
  und  konnten  die  Kommandos  noch  nicht  auswendig.  Außer-
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                                                         —  618  —

dem  herrschte  ein  großer  Mangel  an  Offizieren.  Der  ersten  Brigade
fehlten  16  Offiziere;  von  den  mitgehenden  14  kannten  nur  4  den  Infanteriedienst.
  Den  Mannschaften  fehlten  Patronentaschen  und  die  vorgeschriebene
  Anzahl  Patronen.  Sie  hatten  nur  Schießübungen  mit  dem
Zielgewehr  auf  30  Schritt  Entfernung  gehabt  und  erhielten  die  Dienstgewehre
  erst  ein  bis  zwei  Tage  vor  der  Abreise.  Ein  Marineunteroffizier
traf  im  Lager  am  Tage  der  Abreise  oder  einen  Tag  zuvor  ein,  um
wenigstens  möglichst  vielen  zu  zeigen,  wie  man  das  Bajonett  aufpflanze.
Unausgebildete  und  schlecht  ausgerüstete  Truppen  in  den  Kampf  zu  entsenden
  kommt  einem  vorbedachten  Mord  gleich.

                            Das  deutsche  Regiment  in  Antwerpen.

                                                                                        Rosendaal,  19.  Oktober.

Der  deutsche  Gouverneur  von  Antwerpen  hat  folgende  Kundgebung
anschlagen  lassen:

„Ich  habe  den  Kriegsoberbefehl  über  Antwerpen  übernommen  und
hoffe,  daß  die  Einwohner  der  Stadt  sich  nicht  durch  Feindseligkeiten,
welcher  Art  es  auch  sei,  hinreißen  lassen  werden.  Sollte  mein  Vertrauen,
das  ich  der  Bevölkerung  entgegenbringe,  getäuscht  werden,  so  werde  ich
nicht  zögern,  die  allerstrengsten  Kriegsmittel  anzuwenden.  Es  liegt  im
Interesse  der  Bürgerschaft,  die  nachstehende  Erklärung  der  Gemeindebehörde
  genau  zu  beachten.

                                Der  Gouverneur  von  Antwerpen:
                                                 Freiherr  v.  Huene.“

                                    Gegen  Dünkirchen.

Rotterdam,  19.  Oktober.  Der  Kriegskorrespondent  des  „Nieumws
Rotterdamschen  Courant"  meldet:

Das  deutsche  Heer,  das  Antwerpen  belagerte,  bewegt  sich  aul-  verschiedenen
  Straßen  in  der  Richtung  auf  Dünkirchen,  das  von  den  Franzosen
  besetzt  und  befestigt  ist.  Südlich  Dünkirchens  befindet  sich  eine
belgische  Armee,  deren  Ueberbleibsel  am  Donnerstag  angekommen  sind.
Ihr  Abzug  glich  einer  Flucht,  ohne  jeden  Zusammenhalt  mit  dem  Teil
der  Armee,  der  vor  der  Besetzung  Antwerpens  nach  Ostende  entkommen
war  und  nach  Boulogne  verschifft  wurde.  Er  sollte  dort  reorganisiert
werden,  um  an  den  Kämpfen  auf  dem  französischen  linken  Flügel  teilzunehmen.
  Dixmuiden,  wo  sich  französische  Seesoldaten  zur  Deckung  des
belgischen  Abzuges  befanden,  ist  wahrscheinlich  gestern  geräumt  worden.
Südlich  Dünkirchen  und  Boulogne  stehen  sehr  starke  französische  Truppenabteilungen.
  ·
                                 Hochverrat  in  Kamerun.
                                   Manga  Bell  hingerichtet.

Die  Koloniale  Korrespondenz  vom  19.  Oktober  meldet:

Der  Ausbruch  des  Krieges  hat  die  Eingeborenen  von  Kamerun,
insbesondere  die  Duala,  lebhaft  beeinflußt  und  zu  hochverräterischen
Umtrieben  geführt.  Mit  erfreulicher  Umsicht  und  Tatkraft  hat  der  Kameruner

  Gouverneur  Evermaier  sofort  eingegriffen  und  den  Haupträdelsführer
  Manga  Bell,  der  schon  während  der  Enteignungsverhand-
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                                                  —  619  —

lungen  sich  aufsässig  gezeigt  hatte,  hinrichten  lassen.  Eine  Sonderausgabe
  des  „Amtsblattes  für  das  Schutzgebiet  Kamerun“  vom  13.  August
macht  der  Bevölkerung  von  Duala  von  der  vollzogenen  Hinrichtung
durch  folgenden  Aufruf  Mitteilung:

                                Ihr  Leute  von  Duala,

an  euch  wende  ich  mich  und  verkünde  euch:  Manga  Bell  ist  heute  durch
den  Strang  gerichtet,  weil  er  sich  als  Verräter  an  Kaiser  und  Reich  erwies.
  Er  hat  im  letzten  Augenblick  bekannt,  daß  er  getrieben  worden  sei
durch  die  Furcht  vor  der  Rache  seiner  Volksgenossen,  derjenigen,  die  ihr
alle  kennt,  die  aus  Furcht  heimlich  im  Hintergrunde  sitzen,  über  Gift
brüten  und  das  Volk  verführen.  Mangas  Blut  komme  über  sie,  die  ihn
auf  den  Weg  des  Verderbens  getrieben.  Wer  nicht  selbst  zum  Verbrecher
werden  will,  wie  Duala  Manga  und  seine  Helfer,  der  reiße  sich  los  von
seinen  Verführern,  die  heimlich  im  Dunkeln  sitzen  und  Gift  brauen.  Wer
es  ehrlich  meint,  der  sei  willkommen.  Ehrlichen  Helfern,  treuen  Untertanen
  wird  die  Regierung  des  Kaisers  stets  gerecht  und  dankbar  sein.
Was  ihr  beklagt,  ist  die  Folge  des  Treibens  jener  Dunkelmänner,  die  —
wie  die  Regierung  weiß  —  schon  immer  am  Werke  waren,  das  Volk  zu
verhetzen,  und  mit  ihren  Gifttränken  das  Volk  in  Schrecken  halten  wollen
und  es  für  sich  unterjochen.  Reißt  euch  los  von  ihnen,  und  ihr  werdet
glücklicher  sein.  Manga  selbst  hat  in  seiner  letzten  Stunde  sein  Volk  gebeten,
  daß  mit  seinem  Tode  die  Treue  zum  Kaiser  und  Gehorsam  gegen
die  Regierung  zurückkehren  möchte  in  die  Herzen  der  Duala.

Der  kaiserliche  Gouverneur  Ebermaier.“

Dazu  wird  von  unterrichteter  Stelle  mitgeteilt,  daß  gegen  Manga
Bell  auf  Anzeige  des  mächtigen  Häuptlings  Joiga  von  Bamum  ein  Verfahren
  eingeleitet  worden  ist.  Er  wurde  beschuldigt,  schon  zur  Zeit  der
Enteignungsverhandlungen  versucht  zu  haben,  unter  den  Häuptlingen
einen  Aufstand  zu  entfachen.  Manga  Bell  wurde  verhaftet.  Das  Verfahren
  hat  dann  so  viel  belastendes  Material  gegen  Manga  Bell  ergeben,
daß  seine  Verurteilung  und  Hinrichtung  erfolgte.

      In  einem  Kriegsaufruf  des  Kameruner  Gouverneurs  heißt  es:

„Ihr  Deutschen  Kameruns!  Wacht  auf!  Bilickt  hin  zur  Heimat,
wo  mit  grenzenlosem  Opfermut  alle  am  Werke  sind  zur  Rettung  des
Vaterlandes!  Mit  einem  Schlage  ist  getilgt  politischer  Hader  und
Zwietracht.

Verschwindend  klein  zwar  gegenüber  den  Millionen,  die  daheim  —
jeder  einzelne  und  alle  miteinander  —  wetteifern,  Gut  und  Blut  dem
Vaterlande  zu  opfern,  ist  unsere  Schar  hier  draußen  auf  Außenwacht.
Klein  zwar,  doch  einig  und  stark,  wie  die  Brüder  in  der  Heimat,  getragen
von  nur  einem  Gedanken,  beseelt  von  nur  einem  Willen:  Aushalten,
komme,  was  wolle!  Das  Letzte  daran  setzen!  Alles  fürs  Vaterland!
Gleich  den  Brüdern  in  der  Heimat  zu  kämpfen  und  zu  sterben  für  des
Rutschen  Volkes  Zukunft,  für  des  Deutschen  Reiches  Macht  und  Herrlichkeit.“


Einen  ähnlichen  Aufruf,  der  aber  mehr  dem  Verständnis  der  Eingeborenen
  angepaßt  ist,  erließ  der  Gouverneur  am  8.  August:  „Für  die
Soldaten  der  Polizeitruppe  und  für  die  farbigen  Angestellten  des  Gou-
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                                                    —  620  —

vernements,  weil  fie  treu  erwiesen  sind,  kommt  die  Prügelstrafe  in  Fortfall,

  ebenso  für  alle  die,  welche  ehrenvoll  aus  diesem  Dienste  ausgeschieden

sind.  Das  gleiche  bestimmt  der  Kommandeur  für  die  Soldaten  der  Schutztruppe.“


                 Ein  japanischer  Kreuzer  vor  Kiautschon  vernichtet.

                                                                              Kopenhagen,  20.  Oktober.

Aus  Tokio  wird  amtlich  gemeldet:  Der  japanische  Kreuzer  „Toka--chiho“
  ist  in  der  Kiautschoubucht  gestern  auf  eine  Mine  gestoßen  und
gesunken.  Von  der  Besatzung  sind  ein  Offizier  und  neun  Mann  gerettet.
Ihr  Leben  müssen  etwa  330  Japaner  verloren  haben.

                             Das  Seegefecht  in  der  Nordsee.
                                                                         Rotterdam,  20.  Oktober.

Wie  der  „Rotterdamsche  Courant“  meldet,  behauptet  der  Kapitän
des  norwegischen  Schiffes  „Drottnig  Sophia“,  der  Zeuge  des  Seegefechts
war,  deutlich  gesehen  zu  haben,  daß  auch  ein  englischer  Zerstörer  durch
einen  Torpedo  getroffen  wurde  und  daß  eine  Dampfwolke  aus  dem
Innern  aufstieg,  woraus  der  Kapitän  auf  eine  Kesselexplosion  schließen

  will.
                                   London,  20.  Oktober.

Der  Kreuzer  „Undaunted“  und  vier  Zerstörer,  die  am  18.  d.  M.
in  Harwich  ankamen,  berichten  über  den  Kampf  in  der  Nordsee  folgendes:
„Wir  verließen  Harwich  am  Sonnabend  zu  einem  Patrouillendienst.  Es
gelang,  die  deutschen  Schiffe  zum  Kampf  zu  zwingen,  die  tapfer  gegen
die  Uebermacht  fochten.  Die  großen  Geschütze  der  „Undaunted“  eröffneten
  das  Feuer  auf  fünf  Meilen.  Der  Kreuzer,  der  durch  die  Begleitschiffe
  gegen  Torpedoangriffe  geschützt  wurde,  richtete  das  Feuer  gegen
zwei  feindliche  Boote,  während  die  britischen  Zerstörer  die  anderen  beschäftigten.
  Die  deutschen  Torpedoboote  sanken  nacheinander,  bis  zuletzt
tapfer  kämpfend.  Das  Gefecht  dauerte  anderthalb  Stunden.

Mailänder  Blättermeldungen  zufolge  ist  in  den  Hafen  von  Molfetta
ein  schwer  havarierter  englischer  Torpedobootszerstörer,  dem  beide  Schlote
weggeschossen  waren,  eingelaufen.  Man  nimmt  an,  daß  das  Boot  bei
Cattaro  beschädigt  wurde.  (Voss.  Ztg.,  21.  Oktober.)

 

                       Die  Italiener  besetzen  Valona.

                                                                      Mailand,  20.  Oktober.

Der  „Secolo“  meldet  aus  Rom:  Nach  unseren  speziellen  Informationen
  ist  gestern  Valona  von  einer  Kompagnie  Marinesoldaten  besetzt
worden.  (Voss.  Ztg.,  21.  Oktober.)

                               Die  Schlacht  bei  Dpern.
                                                                         Haag,  20.  Oktober.
Eine  amtliche  französische  Meldung  berichtet,  daß  gestern  nachmittag
schweres  deutsches  Geschütz  die  Front  von  Nieuwpoort  bis  Vladsloo  östlich
von  Dixmuiden  erfolglos  beschossen  habe.  Die  Belgier  seien  bis  Roulers
vorgerückt.  Den  holländischen  Blättern  wird  unter  gestrigem  Datum  gemeldet:
  Holländer,  die  im  Auto  aus  einem  Dorfe  bei  Dpern  angekommen
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                                                  —  621  —

waren,  teilten  mit,  daß  in  der  Gegend  ein  heftiger  Kampf  von  französischen
  und  englischen  Truppen  gegen  deutsche  Infanterie  im  Gange  sei.

Von  verschiedenen  Orten  in  dem  Raume,  der  durch  die  Deutschen  besetzt
war,  seien  von  allen  Seiten  Truppen  in  der  Richtung  auf  Mypern  gerückt.

                                                                      Köln,  20.  Oktober.

Von  der  holländischen  Grenze  meldet  die  „Köln.  Ztg.“:  Aus  Slouis
wird  dem  „Telegraaf“  unter  gestrigem  Datum  berichtet:  Heute  nacht
wurde  wiederum  Kanonendonner  aus  südwestlicher  Richtung  vernommen.
Die  Deutschen  kämpfen  dort  mit  Franzosen,  Engländern  und  Belgiern
auf  der  Linie  Dpern—Veurne.  (Veurne  liegt  südwestlich  von  Nieuport
in  der  verlängerten  Frontlinie  Lille—  Dpern.)  (Voss.  Ztg.,  21.  Oktober.)

                         Der  Schützengraben  Roye—Arras.
                                                                      Mailand,  20.  Oktober.

Der  „Corriere  della  Sera“  erfährt  aus  Paris:  Laut  dem  „Journal.
de  Rouen“  haben  die  Deutschen  zwischen  Roye  und  Arras  einen  kolossalen
Schützengraben  gefunden,  den  sie  zur  Verschanzung  gegen  die  Franzosen
benutzen:  Es  ist  der  große  Kanal  des  Nordens,  an  dessen  Vervollkommnung
  gearbeitet  wurde.  Es  geht  bei  Arieux  vom  Canal  de  Sense  ab,
der  in  der  Richtung  nach  Peronne  fließt,  sich  ein  Stück  mit  dem  Kanal.
der  Somme  vereinend,  bis  zum  Zufluß  von  Omignon  und  wird  dann
wieder  unabhängig  bis  zum  Kanal  der  Oise.  Seine  Länge  beträgt
95  Kilometer.  Die  Deutschen  benutzten  diesen  tiefen  Schützengraben  noch
in  trockenem  Zustand.  Sie  formten  ihn  zu  einer  starken  Verschanzung
um.  Zahlreiche  Truppen  fanden  dort  Deckung.  Wenn  man  bedenkt,  daß
dieser  Kanal  Lassigny,  Roye,  Nesle  und  Roisel  passiert,  kann  man  sich
vorstellen,  wie  die  wütenden  Schlachten,  die  sich  hier  abspielten,  die  Eroberung
  einerseits  erschwerten  und  die  Verteidigung  erleichterten,  und
man  begreift  die  Langsamkeit,  mit  der  die  französischen  Truppen  angesichts
  einer  solchen  Hemmung  vorschreiten  konnten.  (Voss.  Ztg.,  21.  Okt.)

                             Die  Verluste  unserer  Feinde.

Ueber  die  Verluste  unserer  Feinde  wird  der  „Kreuz-Zeitg.“  vom
20.  Oktober  geschrieben:

Gefangene  haben  wir  bis  Anfang  Oktober  rund  300  000  gemacht.
150  000  Russen  sind  bei  der  Vernichtung  der  Narew=  und  Wilna-Armee
gefallen.  Ferner  gibt  das  französische  Finanzministerium  selber  zu,  daß
aus  den  Kämpfen  zwischen  Marne  und  Oise  über  100  000  Verwundete
zurückgeschafft  worden  sind.

Schon  diese  durchaus  feststehenden  und  unbestreitbaren  Zahlen
ergeben  zusammen  550  000  Mann  feindlicher  Verluste.  Dazu  sind  aber
noch  zu  rechnen  die  belgischen  und  englischen  Verluste  an  Toten  und
Verwundeten,  die  Verluste  der  Franzosen  an  Toten  zwischen  Marne  und
Oise,  ihre  Verluste  an  Toten  und  Verwundeten  in  sämtlichen  Kämpfen
vor  dem  großen  Ringen  an  der  Linie  Verdun—Reims  und  endlich  diejenigen
  in  den  Gefechten  zwischen  Verdun  und  Toul.  Wird  man  diese
mit  200  000  zu  hoch  anschlagen?  Sicherlich  eher  weitaus  zu  gering!  Und
damit  wird  man  zu  dem  sicheren  Schluß  kommen,  daß  die  Gesamtverluste
der  Gegner  allein  im  Kampfe  mit  Deutschland  mindestens  dreiviertel
        <pb n="97" />
                                                  —  622  —

Millionen  Mann  an  Toten,  Verwundeten  und  Gefangenen  betragen.
Und  was  unsre  tapferen  Bundesgenossen  in  Galizien  und  gegen  Serbien
hierzu  noch  hinzugetragen  haben,  wird  die  Million  nicht  nur  voll  machen,
sondern  sie  auch  noch  bedeutend  überschreiten.

Ee  liegt  auf  der  Hand,  daß  das  zahlenmäßige  Uebergewicht  unserer
Feinde  durch  diese  Verluste  ganz  erheblich  an  Ueberzeugungskraft  verloren
  hat.  Gar  nicht  zu  gedenken  des  ungeheuren,  fast  unersetzlichen
Verlustes,  den  besonders  die  Russen  an  Kriegsmaterial  erlitten  haben.

                    Die  Kunstschätze  Brügges  unbeschädigt.

                                                                         Brüssel,  20.  Oktober.

Da  Brügge  ebenso  wie  Gent  ohne  Kampf  von  den  Deutschen  eingenommen
  wurde,  so  haben  die  Gebäude  und  Kunstsammlungen  Brügges
keinerlei  Schaden  erlitten.  Aus  den  Kirchen  und  Museen  wurden  alle
Bilder  der  primitiven  Meister  und  andere  beweglichen  Kunstwerke  ersten
Ranges  schon  im  September  geborgen,  als  ein  Bombardement  befürchtet
wurde.  Aus  der  Frauenkirche  ist  auch  Michelangelos  Mutter  Gottes
entfernt  worden,  während  die  Gräber  Karls  des  Kühnen  und  seiner
Tochter  in  der  Kirche  verblieben.  Aus  dem  Johannesspital  wurden
sämtliche  Bilder  entfernt.  Die  verborgenen  Kunstschätze  befinden  sich  in
der  Stadt,  nicht  in  England.

Die  „Nieuws  van  den  Dag“  meldet  ferner  aus  Vlissingen:  In
Brügge  bewies  die  starke  deutsche  Besatzung  ausgesprochenes  Wohlwollen
gegen  die  Bevölkerung.  Es  herrsche  dort  völlige  Ruhe.  Die  Deutschen
erhielten  bedeutende  Verstärkungen.  (Voss.  Ztg.,  21.  Oktober.)

                   Eine  belgische  Abteilung  gefangen  genommen.

Amsterdam,  20.  Oktober.  „Nieuws  van  den  Dag“  meldet  aus
Sas  van  Gent  vom  19.  Oktober:  In  Blankenberge  (nördlich  von  Brügge)
befanden  sich  3000  belgische  Soldaten  und  2000  Mann  Bürgerwehr.  Als
die  Deutschen  eintrafen,  wurden  die  Belgier  völlig  überrascht,  bevor  sie
flüchten  konnten.

                              Die  Schlacht  in  Mittel-Galizien.
                   Ein  österreichisch-französisches  Seegefecht.

Wien,  20.  Oktober.  (Amtlicher  Bericht.)  Die  Schlacht  in  Mittelgalizien
  hat  namentlich  nördlich  des  Strwiazflusses  noch  an  Heftigkeit
zugenommen.  Unser  Angriff  gewinnt  stetig  Raum  nach  Osten.  Um
einzelne  besonders  wichtige  Höhen  wurde  von  beiden  Seiten  mit  äußerster
Erbitterung  gekämpft.  Alle  Versuche  des  Feindes,  uns  die  Magiera
wieder  zu  entreißen,  scheiterten.  Dagegen  eroberten  unsere  Truppen  die
vielumstrittene  Baumhöhe  nordöstlich  Tyszkowice.  Südlich  der  Magiera
wurde  der  Gegner  aus  mehreren  Ortschaften  geworfen.  In  diesen
Kämpfen  wurden  wieder  viele  Russen,  darunter  ein  General,  gefangen
genommen  und  auch  Maschinengewehre  erbeutet.  Die  Gefangenen  berichten
  von  der  furchtbaren  Wirkung  unseres  Artilleriefeuers.  Südlich
des  Strwziaz,  wo  unsere  Front  über  Stary—Sambor  verläuft,  steht  die
Schlacht.  Stryj,  Körösmezö  und  Sereth  wurden  von  unseren  Truppen
nach  Verteidigung  durch  den  Feind  in  Besitz  genommen.
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                                             —  623  —

Ueber  die  Ereignisse  an  der  Adria  wurde  dem  Armeeoberkommando
berichtet:  Am  Morgen  des  17.  d,  M.  fand  seewärts  von  der  Spitze  von
Ostro  ein  Scharmützel  zwischen  einzelnen  Torpedo=  und  Unterseebooten
nebst  einem  Luftfahrzeuge  und  dem  französischen  Kreuzer  „Waldeck-Rousseau“
  statt.  Trotzdem  der  Kreuzer  unsere  Einheiten  heftig  beschoß,
rückten  sie  unversehrt  ein.  Das  Leuchtfeuer  von  der  Spitze  von  Ostro
wurde  von  dem  französischen  Kreuzer  ebenfalls  beschossen,  doch  nur  an
der  Galerie  unbedeutend  beschädigt.  Das  weiter  seewärts  beobachtete
französische  Gros  verließ  nach  Sichtung  der  Unterseeboote  schleunigst
unsere  Gewässer.  Die  eigenen  Torpedofahrzeuge  unternahmen  in  den
frühen  Morgenstunden  des  18.  einen  Raid  auf  den  Hafen  von  Antivari
und  zerstörten  aus  nächster  Nähe  einige  Magazine  und  beladene  Waggons
durch  Geschützfeuer.

              Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                      von  Hoefer,  Generalmajor.

                    Zahlungsverbot  gegen  Frankreich.

Berlin,  20.  Oktober.  Nach  einer  im  „Reichsgesetzblatt“  vom
20.  Oktober  veröffentlichten  Verordnung  des  Stellvertreters  des  Reichskanzlers
  werden  die  Vorschriften  der  Verordnung  betreffend  Zahlungsverbot
  gegen  England  im  Wege  der  Vergeltung  auch  auf  Frankreich  und
die  französischen  Kolonien  und  auswärtigen  Besitzungen  für  anwendbar
erklärt.
                          Die  islamitische  Bewegung.

Wien,  19.  Oktober.  Die  „Südslawische  Korrespondenz“  meldet  aus
Konstantinopel:  Die  ganze  türkische  Presse  beschäftigt  sich  mit  der  in  allen
mohammedanischen  Ländern  beginnenden  islamitischen  Bewegung.
„Terdschuman-i-Hakikat“  bemerkt,  die  allgemeine  Bewegung  im  Islam
stamme  nicht  etwa  aus  einem  Hasse  der  Mohammedaner  gegen  die  Regierungen
  der  Tripleentente,  sondern  aus  ihrem  Streben,  bei  der  großen
Abrechnung  nach  dem  Kriege  ihre  Existenz  zu  sichern.  „Taswir-i-Efkiar“
erklärt,  die  ägyptische  Frage  stehe  im  ensten  Zusammenhange  mit  der
ganzen  Orientfrage.  —  Türkische  Blätter  veröffentlichen  ferner  einen
Artikel  des  in  Odessa  erscheinenden  „Odesskij  Listok“,  der  infolge  des
Falles  von  Antwerpen  in  scharfen  Ausdrücken  gegen  England  schreibt:
Englands  Vorgehen  erwecke  den  Glauben,  es  wolle  sich  von  andern  die
Kastanien  aus  dem  Feuer  holen  lassen.

Eine  englische  Lüge  über  die  deutsche  Sozialdemokratie.

Der  sozialdemokratische  Parteivorstand  Deutschlands  schreibt  dem
„Vorwärts“:

Der  „Daily  Citizen"  bringt  in  seiner  Nummer  vom  10.  Oktober  einen
Bericht  eines  Berliner  Korrespondenten  über  das  Verbot  des  „Vorwärts“.
In  diesem  Bericht  wird  einleitend  gesagt,  daß  die  „sozialdemokratische
  Partei  am  4.  August  für  die  Kriegskredite  stimmte  allein  wegen
einer  Uebereinkunft  mit  der  Regierung,  daß  die  sozialistische  Presse  wählend
  des  Krieges  alle  Freiheiten  der  übrigen  Presse  genießen  würde.“

Die  Redaktion  fügt  dieser  Korrespondenz  eine  Erklärung  an,  in  der
es  u.  a.  heißt:  „Eine  Feststellung  ist  besonders  interessant.  Es  scheint,  daß
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                                                   —  624  —

das  berühmte  Votum  der  Sozialisten  für  die  Kriegskredite  durch  die
deutsche  Regierung  erkauft  wurde  gegen  verschiedene  Konzessionen.  Die
Regierung  hat  aber  nun  nicht  ihr  Wort  gehalten  und  das  Uebereinkommen
  ist  gebrochen.“

Wir  stellen  gegenüber  diesem  Bericht  des  „Daily  Citizen“,  der  von
einem  „führenden  deutschen  Sozialisten“  stammen  soll,  folgendes  fest:

„Vor  der  Abstimmung  der  sozialdemokratischen  Reichstagsfraktion
vom  4.  August  haben  keinerlei  Verhandlungen  mit  der  Reichsregierung
darüber  stattgefunden,  welche  Haltung  die  Regierung  zur  Sozialdemokratie
  während  der  Dauer  des  Krieges  einnehmen  würde.  Die  Haltung
der  Regierung  zur  Sozialdemokratie  hatte  nicht  den  geringsten  Einfluß
auf  die  Abstimmung  der  sozialdemokratischen  Reichstagsfraktion  vom
4.  August.  Die  deutsche  Sozialdemokratie  hat  von  jeher  eine  Schacherpolitik
  abgelehnt,  bei  der  ihre  Haltung  durch  Konzessionen  der  Regierung
hätte  bestimmt  werden  können.  Vor  und  an  dem  4.  August  ist  von  keiner
Seite  innerhalb  oder  außerhalb  der  Fraktion  auch  nur  der  Versuch  gemacht
worden,  der  sozialdemokratischen  Fraktion  eine  solche  Konzessionspolitik
vorzuschlagen.  Ein  solcher  Versuch  hätte  auch  sofort  eine  einmütige
Zurückweisung  erfahren.“

                            Churchill  —  kein  Napoleon.
                                                                     London,  20.  Oktober.

Der  Lord  der  Admiralität  Churchill  erließ  eine  Kundgebung  an  die
aus  Antwerpen  zurückgekehrten  Marinetruppen,  in  der  es  u.  a.  heißt,  die
Entsendung  habe  den  Teil  einer  großen  Operation  gebildet  zwecks  Unterstützung
  von  Antwerpen,  dessen  Fall  kein  besonderes  Ereignis  sei.  Eingehende
  Erwägungen  hätten  die  Durchführung  des  ursprünglich  gefaßten
  Planes  gehindert.

Zu  dieser  Kundgebung  schreibt  die  Morning-Post:

Wir  wünschen  Churchill  besonders  klar  zu  machen,  daß  diese  harte-Lektion
  ihn  lehren  sollte,  daß  er  kein  Napoleon  ist,  sondern  ein  Minister
der  Krone,  der  keine  Zeit  hat,  Armeen  zu  organisieren  oder  ins  Feld  zu
führen.  Die  Nation  würde  weitaus  mehr  Vertrauen  in  die  Leitung  der
Geschäfte  haben,  wenn  ein  Seemann  oder  ein  wirklicher  Fachmann  im
Seekriege  an  die  Spitze  der  Admiralität  gestellt  würde.  Wir  glauben,
daß  wenn  dies  nicht  geschieht,  das  Empfinden  der  Unsicherheit  in  der
Nation  mit  dem  Fortschreiten  des  Krieges  eher  wachsen  als  abnehmen
wird,  da  sie  vielleicht  besser  wie  die  Regierung  einsieht,  daß  dieser  Krieg
eine  Lebensfrage  ist,  wobei  der  Mißerfolg  absolute  Vernichtung  bedeutet.

                      Die  „Enttäuschungen“  der  Verbündeten.
                                                                  Rotterdam,  20.  Oktober.

Zu  der  Erklärung  Churchills,  daß  der  Entsatz  Antwerpens  geplant
worden  war,  aber  aus  besonderen  Ursachen  und  Rücksichten  sich  als  nicht
ausführbar  erwiesen  hatte,  äußert  sich  der  militärische  Sachverständige  der
Times.  Er  meint,  daß  der  Entsatzplan  scheiterte  infolge  der  Enttäuschung,
die  nur  allzu  vielfach  vorzukommen  pflegt,  wenn  die  Verbündeten  bei
Operationen  zusammenarbeiten.  Der  Times-Mitarbeiter  schätzt  die  Stärkeder
  Deutschen  vor  Antwerpen  auf  45  000  bis  60  000  Mann.  Sie  konnten
die  Stadt  nicht  belagern,  sondern  griffen  einen  Sektor  an  und  brachen
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                                                     —   625   —                                                                       durch.  Wenn  die  Verbündeten  die  Deutschen  mit  rund  50  000  Mann
angegriffen  hätten,  z.  B.  über  Gent  und  Mecheln,  so  hätte  man  einen
Erfolg  dieses  Angriffs  erwarten  können.  Der  Sachverständige  der  Times
nimmt  an,  daß  der  Plan  von  den  Verbündeten  festgestellt  worden  ist,
und  daß  England  bereit  gewesen  sei,  mitzuarbeiten  und  Truppen  dafür
bereithielt.  „Aber  andere  (gemeint  sind  die  Franzosen)  konnten  uns  im
letzten  Augenblick  nicht  helfen.  Dafür  gab  es  unzweifelhaft  gute  Ursachen,
und  wir  können  als  sicher  annehmen,  daß  dies  für  sie  ebenso  gut  wie
für  uns  eine  Enttäuschung  war.“  Die  Ausführungen  schließen  damit,  daß
den  englischen  Behörden  nichts  vorzuwerfen  sei,  und  daß  wegen  jener
Niederlage  kein  Minister  geopfert  werden  dürfe.  Die  Times  empfiehlt
ferner,  jetzt  schon  Kitcheners  Territorial=  und  Reservetruppen  bei  Operationen
  zu  verwenden,  anstatt  fie  erst  noch  ein  halbes  Jahr  Uebungen

machen  zu  lassen.

 

                                Eine  Abfuhr  Englands.
                                                                            Köln,  20.  Oktober.

Die  römische  Zeitung  Vittoria  gibt  jetzt,  wie  die  Köln.  Ztg.  meldet,
auf  den  Artikel  der  Saturday  Review  eine  deutliche  Antwort.  Die  englische
  Zeitung  erklärte,  wenn  sich  Italien  die  Achtung  Europas  bewahren
wolle,  müsse, es  unverzüglich  seine  Absichten  erklären.  Hierzu  erklärt  die
Vittoria,  jetzt  wären  die  Illusionen,  die  man  sich  in  Italien  über  England
gemacht  hätte,  zerstört.  Englands  Schwäche  werde  jetzt  vorzeitig  enthüllt.
  Da  es  nicht  gewagt  habe,  seinen  gefährlichen  Nebenbuhler  Deutschland
  allein  anzugreifen,  habe  es  alle  anderen  in  den  Kampf  geschickt.
England  sei  der  wahre  Anstifter  des  Krieges,  aber  Englands  Krieg  sei
nicht  der  Krieg  Italiens;  England  solle  seinen  Krieg  nur  allein  führen
und  fiegen,  wenn  es  könne.

            Die  deutsche  Regierung  gegen  französische  Greuel.

Die  kaiserlich  deutsche  Regierung  hat  die  nachstehende  Denkschrift
über  die  Verletzung  der  Genfer  Konvention  durch  französische
  Truppen  und  Freischärler,  worin  gegen  deren  völkerrechtswidriges
  Verhalten  scharfer  Protest  erhoben  wird,  der  französischen
Regierung  sowie  den  Regierungen  der  neutralen  Mächte  zugehen  lassen.

Denkschrift.

In  dem  gegenwärtigen  Kriege  haben  französische  Truppen  und  Freischärler
  die  zur  Verbesserung  des  Loses  der  Verwundeten  und  Kranken
bei  den  im  Felde  stehenden  Heeren  getroffenen  Bestimmungen  der  Genfer
Konvention  vom  6.  Juli  1906,  die  von  Deutschland  und  Frankreich  ratifiziert
  worden  find,  in  flagranter  Weise  verletzt.  Aus  der  großen  Zahl  bekanntgewordener
  Fälle  werden  in  den  Anlagen  diejenigen  aufgeführt,
die  bereits  durch  gerichtliche  Vernehmungen  oder  dienstliche  Meldungen
einwandsfrei  festgestellt  worden  sind.

An  der  Spitze  der  Genfer  Konvention  steht  einer  der  ersten  Grundsätze
des  Kriegsrechts,  daß  nämlich  die  Verwundeten  und  Kranken  des  feindlichen
  Heeres  in  derselben  Weise  wie  die  Verwundeten  und  Kranken  des
eigenen  Heeres  geachtet  und  versorgt  werden  sollen  (Artikel  1,  Abs.  1).
Diesem  Grundsatze  haben  französische  Truppen  und  Freischärler  ins  Gesicht
geschlagen,  indem  sie  deutsche  Verwundete,  die  in  ihre  Hände  gefallen
        <pb n="101" />
                                                  —  626  —

waren,  nicht  nur  roh  behandelten,  sondern  sie  auch  bevaubt,  ja  sogar,  undzwar
  teilweise  in  bestialischer  Weise,  verstümmelt  und  ermordet  haben.

Für  die  beweglichen  Sanitätsformationen  ist  in  den  Artikeln  6
und  14  der  Genfer  Konvention  ein  besonderer  Schutz  vorgesehen.  Diesen
Bestimmungen  zuwider  haben  französische  Truppen  deutsche  Automobile
mit  Verwundeten  angegriffen  und  Sanitätswagen  beschossen,  obwohl  das
Zeichen  des  Roten  Kreuzes  deutlich  zu  erkennen  war;  auch  haben  sie
deutsche  Lazarette  überfallen  und  ihres  Personals  und  ihrer  Ausrüstung

Eraubt.

In  völkerrechtswidriger  Weise  haben  sich  ferner  französische  Truppen
gegen  den  Artikel  9  der  Genfer  Konvention  vergangen,  der  das  Sanitätspersonal
  der  kriegführenden  Heere  schützen,  ja  es  sogar  als  neutral  behandelt
  wissen  will.  Wie  sich  aus  den  Anlagen  ergibt,  wurde  der  Führer
einer  Sanitätskolonne  von  einem  französischen  Truppenführer  verhaftet
und  weggeschleppt  und  ein  Arzt.  der  einem  Verwundeten  helfen  wollte,
von  französischen  Truppen  erschossen,  auch  wurden  Aerzte  und  Begleitmannschaften
  eines  Sanitätswagens  unter  Feuer  genommen  sowie  Krankenträger
  bei  der  Bergung  von  Verwundeten  durch  französische  Truppen  und
Freischärler  angegriffen,  verwundet  und  getötet  oder  zu  Kriegsgefangenen
gemacht.  Ebenso  wurde  ein  deutscher  Feldgeistlicher  von  französischen
Truppen  gefangen  genommen  und  wie  ein  gemeiner  Verbrecher  behandelt.

Die  kaiserlich  Deutsche  Regierung  bringt  mit  Entrüstung  diese  dem
Völkerrecht  und  der  Menschheit  hohnsprechende  Behandlung  deutscher
Verwundeten,  deutscher  Sanitätsformationen  und  deutschen  Sanitätspersonals
  zur  öffentlichen  Kenntnis  und  legt  hiermit  gegen  die  unerhörten
Verletzungen  eines  von  allen  Kulturstaaten  geschlossenen  Weltvertrages
feierlich  Werwahrung  ein.

Berlin,  den  10.  Oktober  1914.

Von  den  zahlreichen  aktenmäßigen  Anlagen,  durch  welche  die  Angaben
  der  Denkschrift  leider  überreichlich  erhärtet  werden,  geben  wir  die
folgenden  wieder:

             Beraubung,  Verstümmelung  und  Ermordung
                                deutscher  Verwundeter.

            Militärgerichtliche  Vernehmung  des  Grenadiers  Peter
                       Hänseler  von  der  Garde-Ersatz-Brigade.
            Verhandelt  im  Biwak  Wald  östlich  Mississippi  Farme,  den
                          7.  September  1914,  6  Uhr  nachmittags:

Am  5.  September  früh  wurde  der  Zug  Schütze  der  2.  Kompagnie  vorgeschickt
  mit  dem  Befehl,  die  Eisenbahnbrücke  über  die  Meurthe  nördlich
Rehainviller  zu  besetzen.  Der  Zug  Schütze  besetzte  das  östliche  Meurtheufer,
  von  wo  aus  er  die  Brücke  und  das  westliche  Meurtheufer  unter
Feuer  halten  konnte.  Ich  befand  mich  am  äußersten  rechten  Flügel  des
Zuges  und  hatte  den  Auftrag,  den  gegenüberliegenden  Berg  und  das  Gelände
  zu  beobachten.  Als  der  Befehl  zum  Rückzug  gegeben  wurde,  geriet
ich  in  einen  Sumpf  und  blieb  in  demselben  stecken.  Als  es  mir  gelungen
war,  mich  frei  zu  machen,  war  der  Zug  Schütze  bereits  verschwunden,  und
die  Franzosen  hatten  die  Meurthe  überschritten  und  mir  den  Rückzug  abgeschnitten.
  Um  mich  nicht  gefangennehmen  zu  lassen,  stellte  ich  mich  tot,
in  der  Hoffnung,  eine  Gelegenheit  zu  finden,  mich  zum  Truppenteil  durch-
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                                                  —  627  —

schleichen  zu  können.  Während  ich  dort  lag,  beobachtete  ich  folgende  Vorgänge:
  Die  Franzosen  traten  die  liegengebliebenen  Leute  unseres  Zuges
mit  den  Füßen,  und  als  sie  Lebenszeichen  durch  Schreien  oder  Stöhnen
von  sich  gaben,  hörte  ich  Schüsse;  auch  ich  erhielt  einen  Fußtritt,  verhielt
mich  aber  nach  dem  Erlebten  völlig  ruhig,  so  daß  es  lediglich  diesem  Umstande
  zu  verdanken  ist,  daß  ich  nicht  auch  erschossen  worden  bin.  Bei  eintretender
  Dunkelheit  sah  ich  mich  nach  meinen  verwundeten  Kameraden
um  und  stellte  fest,  daß  meine  verwundeten  Nachbarn  nach  ihrer  Lage  tot
sein  mußten,  während  sie  am  Morgen  nur  leicht  verwundet  worden  waren.
In  der  Dunkelheit  gelang  es  mir,  mich  zu  meinem  Truppenteil  zurückzuschleichen.


       Militärgerichtliche  Vernehmung  des  Jägers  zu  Pferde

       Franz  Mevißen  vom  Jäger-Regiment  zu  Pferde  Nr.  7.

Verhandelt  Mersch  auf  dem  Marsche  von  Luxemburg  nach
Diekirch,  den  11.  September  1914.

Gegenwärtig:  Wagner,  Oberkriegsgerichtsrat,  Voetsch,  Oberkriegsgerichtssekretär.


Es  erscheint  und  erklärt,  auf  die  Bedeutung  des  Eides  hingewiesen,
Jäger  zu  Pferde  Mevißen,  4.  Eskadron,  Jäger-Regiment  zu  Pferde  Nr.  71

Ich  weiß  folgendes  zu  bekunden:

Nach  dem  Gefecht  gegen  die  drei  französischen  Eskadrons  am  7.  d.  M.,
etwa  10  Km.  südwestlich  von  Arlons  auf  belgischem  Gebiet,  hatte  ich  mich
in  der  Nacht  in  einem  Strohdiemen  versteckt.  Von  meinem  Versteck  aus
habe  ich  gesehen,  wie  die  Franzosen  verwundete  deutsche,  noch  lebende

Jäger  zu  Pferde  mit  ihren  Lanzen  erstachen.  Ich  sah  sie  in  der  hellen
Nacht  auf  dem  Gefechtsfeld  umhergehen,  und  hier  und  da  sich  bewegende
daliegende  Jäger  zu  Pferde  erstechen.  Einmal  richtete  sich  ein  Jäger  über
sein  Pferd  auf,  er  wurde  sogleich  erstochen.

Gerichtliche  Vernehmung  des  Musketiers  Mündel  vom
Infanterie-Regiment  Nr.  138.

Kaiserliches  Amtsgericht.  Anwesend:  Amtsrichter  Brehmer,
als  Richter,  Amtsgerichtssekretär  Brubacher,  als  Gerichtsschreiber.

  "
Hochfelden,  den  25.  September  1914.

Am.  25.  August  1914  bin  ich  bei  einem  kleinen  Ort,  welcher  hinter
Lunéville  gelegen  ist,  an  der  linken  Schulter  von  einem  Infanteriegeschoß
  verwundet  worden.

Wir  befanden  uns  bereits  im  Nahkampf  mit  den  Franzosen.  Sie
waren  nur  ungefähr  30  Meter  von  uns  entfernt.  Es  kamen  dann  an
der  Stelle,  wo  ich  lag,  mehrere  Franzosen  vorüber,  von  denen,  bis  auf
einen,  Bajonette  geführt  und  Tornister  getragen  wurden.  Der  eine  hatte
keinen  Tornister  und  kein  Bajonett,  dagegen  einen  Revolver  und  einen
Degen.  Dieser  fragte  zunächst  einen  neben  mir  liegenden  Gefreiten  in
gebrochenem  Deutsch,  an  welcher  Stelle  er  verwundet  sei.  Der  Gefreite
antwortete:  „am  Fuß“  und  zeigte  auf  die  Stelle  hin.  Hierauf  schoß  der
Franzose  dem  Gefreiten  mit  dem  Revolver  durch  den  Kopf.  Alsdann
gingen  die  Franzosen  gegen  die  deutsche  Stellung  vor.  Nach  einigen
Minuten  starb  dann  der  Gefreite.  Nach  ungefähr  einer  Viertelstunde
        <pb n="103" />
                                                      —   628   —                                                                   kamen  die  Franzosen  wieder  zurück  durch  den  Wald  an  mir  vorüber.
Hierbei  schlug  mir  ein  Franzose  mit  dem  Bajonettkolben  gegen  die  rechte
Schläfe  und  noch  über  die  linke  Schulter,  wo  ich  bereits  verletzt  war.  Bei
dem  Schlag  gegen  die  rechte  Schläfe  erlitt  ich  über  dem  rechten  Auge
eine  Verletzung,  welche  blutete.  Diese  Wunde  verlief  auf  der  rechten
Seite  der  Augenbrauen.  Hierzu  habe  ich  zu  bemerken,  daß  die  Franzosen
  gesehen  haben  mußten,  daß  ich  bereits  vorher  an  der  linken
Schulter  verwundet  war,  denn  ich  lag  der  Länge  nach  auf  dem  Boden,
mit  dem  Kopf  auf  dem  Tornister,  und  das  Blut  war  bereits  aus  der  verletzten
  Stelle  der  linken  Schulter  durch  die  Uniform  herauggetreten.

Gerichtliche  Vernehmung  des  Musketiers  Kampen  vom

Infant.-Regiment  Nr.  78  und  des  ordinierenden  Arztes

Dr.  Schlichthorst  vom  Reserve-Lazarett  in  Aurich.
Königliches  Amtsgericht.  Gegenwärtig:  Anmtzgerichtsrat
Dieken  als  Richter,  Aktuar  Flemer  als  Gerichtsschreiber.

Geschehen  zu  Aurich  im  Reserve-Lazarett,
am  29.  September  1914.

Am  29.  August  war  ich  in  der  Schlacht  von  St.  Quentin  in  der  Nähe
des  Dorfes  Guise  durch  einen  Schuß  ins  rechte  Knie  verwundet  liegen  geblieben.
  Als  unsere  Truppen  sich  etwas  zurückgezogen  hatten,  kamen  etwa
gegen  9  Uhr  ungefähr  50  französische  Soldaten  unter  Führung  mehrerer
Offiziere.  Sie  gingen  im  Zickzack  übers  Schlachtfeld,  und  ich  sah,  daß
die  Soldaten  mit  dem  Bajonett  auf  mehrere  am  Boden  liegende  Verwundete
  einstachen.  So  stachen  sie  auch  auf  einen  Verwundeten,  der
höchstens  10  Schritt  von  mir  entfernt  lag.  Als  er  um  Hilfe  rief,  schoß
ihn  ein  französischer  Offizier  mit  einer  Pistole  in  den  Mund,  worauf  er
sofort  tot  war.  Ich  weiß  bestimmt,  daß  der  Täter  ein  Offizier  war.

Sie  kamen  dann  an  mich  heran.  Ich  stellte  mich  tot,  sie  stachen  mehrfach
  mit  einem  Bajonett  auf  mich  ein,  aber  nicht  tief.  Ich  habe  neun
leichte  Verletzungen  davongetragen.  Sie  drehten  mich  auch  mit  den
Bajonettspitzen  auf  die  andere  Seite.  Ein  Bajonettstich  ist  geführt  von
der  rechten  Seite  quer  durch  den  Helm  und  hat  die  linke  Hand,  die  ich
wohl  an  der  linken  Kopfseite  liegen  hatte,  zwischen  Ring=  und  kleinem
Finger  verletzt.  .

Die  Feinde  haben  dann  noch  einige  andere  Verwundete  in  ähnlicher
Weise  behandelt  und  sich  dann,  da  preußische  Truppen  erschienen,  zurückgezogen.


Der  Zeuge  wurde  beeidigt.

Der  Sachverständige  Dr.  Schlichthorst,  auf  die  Bedeutung  und
Heiligkeit  des  Eides  hingewiesen,  erklärte:

Bei  Einlieferung  des  Verwundeten  sah  ich  neben  der  Hauptverletzung
am  rechten  Knie  an  den  übrigen  Körperteilen  mehrfach  oberflächliche
kleine  Verletzungen,  die  zum  Teil  schon  verheilt,  zum  Teil  in  guter  Heilung
begriffen  waren.  Nach  Angabe  des  Verletzten  sollten  diese  Narben
von  Bajonettstichen  herrühren,  die  ihm  französische  Soldaten  beibrachten,
als  er  verwundet  auf  dem  Schlachtfelde  liegen  geblieben  war.  Nach  Art
und  Aussehen  der  Verletzungen  hege  ich  keinen  Zweifel  an  der  Richtigkeit
und  Glaubwürdigkeit  der  Aussage  des  Verwundeten.
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                                               —  629  —

            Bericht  der  Oberärzte  Dr.  Neumann  und  Dr.  Grün-         felder
  vom  bayerischen  Pionier-Regiment  an  die  Etappenkommandantur
  der  7.  Armee  über  die

Beraubung  und  Verstümmelung  deutscher  Soldaten
bei  Orchies.

                            Valenciennes,  den  26.  September  1914.

Das  1.  Bataillon  des  bayerischen  Pionier-Regiments  hatte  den
Auftrag,  gegen  den  Ort  Orchies,  24  Kilometer  von  Valenciennes  entfernt,
  vorzugehen.  Als  das  Bataillon  500  Meter  von  Orchies  entfernt
war,  bemerkte  die  Spitze  im  Straßengraben  den  Leichnam  eines  deutschen
Kameraden  vom  Landwehr-Regiment  Nr.  35.  Es  fielen  sofort  die  bei
sämtlichen  Toten  wiederkehrenden  Erscheinungen  auf,  daß  der  Leichnam
seiner  Schuhe  und  Strümpfe  beraubt  und  sämtlicher  Erkennungszeichen
dar  war.  Der  Mann  war  von  rückwärts  niedergestochen  worden,  lag  aber
auf  dem  Rücken  und  hatte  Mund  und  Nasenlöcher  mit  Sägespänen  vollgepfropft.
  Der  rechte  Arm  war  wie  beim  größten  Teil  der  Leute  in
typischer  Abwehrstellung  erstarrt;  die  Totenstarre  war  noch  nicht  vollkommen
  gelöst.

Nach  weiterem  Absuchen  des  großen  Feldes  fanden  wir  noch  20  Soldaten
  desselben  Regiments.  Ein  Mann,  der  etwa  200  Meter  vor  der
Windmühle  vor  dem  Orte  lag,  hatte  eine  Hiebverletzung  an  dem  rechten
Ohre  erhalten  und  war  sodann,  da  die  Verletzung  nur  eine  Fleischwunde
nach  sich  gezogen  hatte,  in  barbarischer  Weise  mißhandelt  worden;  das
linke  Ohr  war  glatt  abgeschnitten,  das  Gesicht  blaurot.  eine  Folge  des
Erstickungstodes,  an  dem  der  Mann  zugrunde  ging:  Mund,  Nase  und
Augen  waren  mit  Sägespänen  vollgestopft,  am  Halse  Würgezeichen  zu
sehen.  Das  Gras  rings  um  den  Toten  war  in  einem  Umkreis  von  etwa
20  Meter  vollkommen  niedergetreten,  woraus  hervorgeht,  daß  die  barbarische
  Tat  das  Werk  mehrerer  war.  Zu  diesen  Gefallenen  gesellte  sich
noch  ein  Vizefeldwebel,  dem  das  Schädeldach  zertrümmert  war,  das
Gehirn  quoll  heraus.  Ein  vierter  zeigte  an  der  linken  Schläfe  eine
Schnittwunde,  die  nicht  tötlich  gewirkt  haben  kann;  der  Goldfinger  war
diesem  Manne  glatt  am  Knöchel  abgeschnitten,  und  in  der  Bauchwand
saßen  vier  Schußlöcher,  die  vom  Pulverschmauch  eingefaßt  waren,  ein
Zeichen,  daß  die  Schüsse  aus  unmittelbarer  Nähe  abgegeben  waren;  den
Einschußöffnungen  entsprachen  vier  Ausschußöffnungen  am  Rücken.
Außerdem  waren  noch  fünf  Leute  erschlagen  worden.  Sie  zeigten  nur
Verletzungen,  die  durch  stumpfe  Gewalt  herbeigeführt  sein  konnten.  Ein
Mann  hatte  am  rechten  Nasenflügel  einen  Streifschuß,  der  die  Oberlippe
und  das  Kinn  abriß.  Das  Gesicht  war  von  Pulverschmauch  geschwärzt,
die  Wundränder  verbrannt,  ein  Beweis  für  die  unmittelbare  Nähe  des
abgegebenen  Schusses.  Am  barbarischsten  schienen  die  Leute  der  Gegend
mit  einem  Manne  umgegangen  zu  sein,  dem  die  Augen  ausgestochen
waren;  das  rechte  Auge  war  vollkommen  enthöhlt,  das  linke  ausgelaufen.
Die  Todesursache  dieses  Menschen  konnte  nur  auf  diese  Verletzung  zurückgeführt
  werden.

Aus  den  festgestellten  Tatsachen  ergab  sich,  daß  ein  großer  Teil  der
Leute  unverwundet  in  die  Hände  der  Feinde  gefallen  war,  denn  die
Feinde  hatten  einen  Fluchtversuch  unserer  Kameraden  dadurch  zu  verhindern
  versucht,  daß  sie  ihnen  die  Hosenträger  durchschnitten,  sämtliche

                                                                                                    40
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                                                     —  630  —

Knöpfe  abgetrennt  und  sie  der  Schuhe  beraubt  hatten.  Kein  Mann  hatte
seinen  Ring  mehr  an  der  Hand;  die  Stelle,  wo  der  Ring  saß,  war  deutlich
erkennbar

Das  1.  Bataillon  des  bayerischen  Pionier-Regiments  beerdigte  die
21  Leute  in  drei  Gräbern  an  der  Straße  500  Meter  südöstlich  von  Orchies.
Die  Namen  der  Gefallenen  wurden  zum  Teil  festgestellt.

                       Angriff  auf  Verwundetentransporte.

                     Meldung  des  Infanterie-Regiments  Nr.  76  an  die
                      oberste  Heeresleitung.
                                       Bethencourt,  den  10.  September  1914.

Am  8.  September  sind  zwei  Automobile  mit  Verwundeten,  die  die
Genfer  Flagge  führten,  im  Foret  domaniale  von  einer  französischen  Radfahrerabteilung
  unter  Führung  eines  Offiziers  überfallen  worden.  Verwundete

  und  Führer  wurden  ermordet  und  beraubt.  Nur  zwei  Mann
sind  verwundet  entkommen  und  haben  diese  Angaben  dem  Stabsarzt  ihres
Bataillons  gemacht,  der  sie  der  Sanitätskompagnie  in  Gondreville  am  9.

übergab.
                         Ueberfall  auf  ein  Lazarett.

                 Meldung  des  Armeearztes  der  2.  Armee  an  den  Feeld.
                  sanitätschef  im  Großen  Hauptaquartier.

                  Warmererpnville,  den  26.  September  1914.

Kriegslazarett  des  2.  Armeekorps  in  Péronne  von  Franzosen  allen
Personals  und  Materials  beraubt;  Hunderte  von  Verwundeten  ohne

Pflege.      
                     Mißhandlung  eines  deutschen  Feldgeistlichen.

Auszug  aus  einem  Berichte  des  deutschen  katholischen  Feldgeistlichen
Redemptoristenpaters  Bernhard  Brinkmann  über  seine  Gefangennahme

in  Frankreich.  Luxemburg,  den  21.  September  1914.

In  meiner  Eigenschaft  als  deutscher  Feldgeistlicher  begab  ich  mich  am
7.  September  nach  einem  Gefecht  bei  Esternay  nach  Trefols,  um  Verwundeten
  beizustehen;  diese  waren  aber  bereits  abgeholt.  Darauf  traf
ich  noch  drei  müde  Soldaten,  die  dort  zurückgeblieben  waren.  Nach  einer
Weile  kam  unerwartet  eine  französische  Kavalleriepatrouille  mit  einem
Kapitän.  Die  Soldaten  flohen;  ich  blieb.  Der  Kapitän  erklärte  sofort,
es  geschähe  mir  nichts,  ich  sei  frei;  statt  dessen  wurde  ich  von  Gendarmen
abgeführt  und  in  ein  schmutziges  Gefängnis  ohne  Fenster  gebracht.  Ich
war  hungrig  und  durstig  und  erhielt  aber  nichts.

Am  folgenden  Morgen  wurden  mir  noch  etwa  38  Gefangene  zugesellt.
  Wir  mußten  einen  25  bis  30  Km.  langen  Marsch  machen,  ohne
in  dieser  Zeit  irgend  etwas  zum  Essen  zu  erhalten.  Am  nächsten  Morgen
wurden  wir  mit  der  Bahn  weiterbefördert.  Nach  einigen  Stationen
wurde  ich  von  den  anderen  Gefangenen  getrennt  und  einer  neuen  Gendarmerie
  übergeben.  Dann  wurde  ich  unter  Beschimpfungen  und  Drohungen
  der  Bevölkerung  zum  Bahnhof  in  einen  anderen  Zug  gebracht.
Dort  traf  ich  französische  Zivilisten,  die  Ketten  trugen.  Einem  von  ihnen
wurde  die  Kette  von  der  einen  Hand  gelöst  und  an  meine  linke  Hand
geschlossen.  Neben  mir  ein  rechter  französischer  Landstreicher  von  etwa
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                                                        —  631  —

60  Jahren  mit  schmutziger  Kleidung  und  mit  einem  Bündel  Lumpen  auf
seinem  Rücken.  Mit  ihm  bin  ich  an  derselben  Kette  drei  Tage  und  eine
Nacht  hindurch  gewesen.  In  diesem  Aufzuge  durchzogen  wir  viele  Dörfer
unter  Hohn  und  Spott  der  Bevölkerung.

Am  ersten  Abende  bat  ich,  meine  Kette  für  einen  Augenblick  lösen
zu  wollen,  um  meinen  Mantel  anziehen  zu  können  als  Schutz  gegen  das
feuchte  Lager.  „Das  ist  nicht  nötig,“  war  die  barsche  Antwort,  und  man
ging  mit  dem  Licht  hinaus.  Essen  und  Trinken  wurde  nicht  gereicht;
ebensowenig  am  folgenden  Morgen.  Dank  der  Müdigkeit  unserer  Aufseher
  brauchten  wir  an  diesem  Tage  nur  wenig  zu  laufen,  wir  wurden
auf  einem  Wagen  befördert.  Abends  kamen  wir  nach  Maisons,  wo  ein
kleines  Verhör  im  Quartier  eines  Generals  stattfand.  Dann  ging  es
zur  nächsten  Gendarmerie.  Hier  wurden  mir  alle  Sachen  genommen:
Uhr,  Geld,  selbst  meine  Hosenträger.  Ich  mußte  ohne  sie  am  folgenden
Tage  einen  Weg  von  mehr  als  20  Kilometer  zu  Fuß  zurücklegen.  Ja,
sogar  die  Binde  vom  Roten  Kreuz  nahm  man  mir  vom  Arm  weg,  obschon
  ich  mich  im  Besitze  meiner  Papiere  befand,  die  ich  vorgelegt  hatte.

Endlich,  am  Freitag,  den  11.  September,  kamen  wir  nach  Chateau-Thierry.
  Gegen  5  Uhr  wurde  ich  zum  Kriegsgericht  zur  Vernehmung
geführt.  Spät  abends  geht  es  zum  Gefängnis  zurück.  Am  folgenden
Morgen  um  8  Uhr  langte  bei  der  Polizei  ein  Schreiben  über  mich  an.
Es  wurde  mir  verheimlicht.  Es  enthielt  meine  volle  Freisprechung  und
Freilassung.  Ich  bin  jetzt  im  Besitze  dieses  Aktenstückes.  Trotz  dieses
Urteils  wurde  ich  noch  volle  drei  Tage  als  Gefangener  am  Bahnhof
Chateau-Thierry  zurückgehalten.

So  hatte  ich  Gelegenheit,  das  Folgende  als  Augen=  und  Ohrenzeuge
wahrzunehmen:

Am  Bahnhof  traf  ich  ungefähr  300  Gefangene.  Es  waren  fast  nur
Verwundete  oder  Kranke.  Als  die  Franzosen  in  Chateau-Thierry  einrückten,
  gingen  sie  in  die  Spitäler  und  Lazarette,  wo  sich  deutsche  Verwundete
  befanden;  sie  untersuchten  deren  Kleider  und  nahmen  für  sich,
was  ihnen  beliebte,  insbesondere  Geld  und  Uhren.  Wir  wurden  in
einem  offenen  Güterschuppen  untergebracht,  der  ungefähr  einen  Raum
von  etwa  5  bis  7  Meter  Breite  und  10  bis  12  Meter  Länge  den  etwa
300  Gefangenen  bot.  Die  eine  Seite  des  Schuppens  war  ganz  offen;  die
anderen  Seiten  hatten  solche  Oeffnungen,  daß  Wind  und  Wetter  freien
Zutritt  hatten.  Es  regnete  und  stürmte.  Die  Verwundeten  lagen  Tag
und  Nacht  auf  dem  Steinboden,  der  nur  stellenweise  mit  einer  dünnen,
ganz  zerknickten  Strohschicht  bedeckt  war.  Die  meisten  Verwundeten  hatten
keine  Mäntel,  einzelne  auch  keine  Kopfbedeckung.  Es  befanden  sich  im
Schuppen  zwei  bessere  Stellen,  die  mehr  gegen  die  Witterung  geschützt
waren  und  auch  mehr  Stroh  enthielten.  Die  Verwundeten  wurden  am
Abend  von  denselben  zurückgewiesen,  die  Aufseher  nahmen  dieselben  für  sich.

Unsere  Nahrung  am  Bahnhof  bestand  in  altem  verschimmelten
Kommißbrot.  Die  Schimmelfäden  zogen  sich  meist  quer  durch  das  ganze
Brot.  Ebenso  schlimm  war  es  mit  der  Pflege  der  Wunden  der  Gefangenen
  bestellt.  Viele  hatten  seit  acht  Tagen  ihren  Verband  nicht  mehr
erneuert  erhalten.  Mehrere  baten  darum  am  Sonntagmorgen,  es  sei
unbedingt  nötig.  Es  wurde  abgeschlagen.  Erst  am  Sonnabend  hieß  es:
bloß  die  schwer  Verwundeten,  die  den  Verband  notwendig  erneuert  haben
müssen,  können  sich  melden.  Sie  wurden  dann  zu  den  deutschen  Aerzten

                                                                                        40
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                                                  —  632  —

geführt,  die  sich  noch  in  Chateau-Thierry  befanden.  Diese  mußten  dann
drei  zurückbehalten  zu  einer  sofortigen  Operation  wegen  direkter  Lebensgefahr.
  

Hieran  möchte  ich  noch  einige  Einzelheiten  knüpfen:  Am  Bahnhof
in  Chateau-Thierry  sah  ich  einen  französischen  Soldaten,  der  eine  Birne
schälte  und  die  Schalen  auf  den  Boden  warf.  Ein  Verwundeter  bittet
ihn  durch  einen  Fingerzeig  um  die  Erlaubnis,  die  Schalen  nehmen  zu
dürfen.  Da  tritt  der  Franzose  die  Schale  noch  zuerst  mit  seinem  schmutzigen
  Schuh,  dann  durfte  der  Deutsche  sie  aufnehmen,  um  sie  heißbegierig
zu  verschlingen.  Ein  anderes  Mal  warf  ein  Franzose  ein  Stück  Brot
weg.  Es  fiel  in  die  Nähe  der  Verwundeten.  Da  stieß  ein  anderer  Franzose
  es  mit  seinem  Fuße  so  weit  weg,  daß  die  Verwundeten  es  nicht  mehr
erreichen  konnten.  Einmal  habe  ich  gesehen,  wie  auf  dem  Transportweg
ein  französischer  Gendarm  einen  Gefangenen  mit  Füßen  trat.  Es  war
auf  dem  Wege  von  Esternay  nach  Sezanne.

                              gez.  P.  Bernhard  Brinkmann,
         Redemptorist,  katholischer  Feldgeistlicher  bei  der  14.  Dioision
                                      des  VII.  Armeekorps.
                                                                                                     Anlage  9.

           Meldung  des  Kaiserlichen  Kreisdirektors  an  das  General-                      kommando
  des  III.  Armeekorps  in  Saarbrücken.

                                                    Chateau-Salins,  den  7.  August  1914.

Der  Bürgermeister  von  Vic  teilt  mir  mit,  daß  die  Stadt  Vic  vorgestern
nachmittag  von  zwei  Schwadronen  französischer  Kavallerie  und  einer
Kompagnie  besetzt  wurde.  Die  Franzosen  fragten  sofort  nach  dem  Postamt;
dort  stand  eine  gerade  gebildete  Sanitätskolonne  unter  Gerichtsassessor
Eyles,  die  Leute  hatten  die  Genfer  Binde  am  Arm.  Der  Mojor  wollte
die  Sanitätskolonne  als  Befreite  begrüßen,  was  Gerichtsassessor  Eyles
scharf  ablehnte.  Er  wurde  sofort  verhaftet  und  später  von  den  Franzosen

  mitgenommen.
                                            gez.  Back.
                                                                           Anlage  10.

                       Meldung  der  27.  Division  (2.  Königlich  Württember-                        gischen)
  an  das  Generalkommando.

                                                                   Diedenhofen,  14.  August  1914.

Nach  bestimmter  Aussage  von  Augenzeugen  wurde  der  Oberarzt
Dr.  Stamer,  Ulanen-Regiments  19  (Eskadron  Landbeck),  bei  Villers  la
Montagne  nicht  von  Franktireurs,  sondern  von  französischen  Schützen
(Radfahrern)  aus  nächster  Entfernung  erschossen.

Oberarzt  Dr.  Stamer  war  vom  Rittmeister  Landbeck  zurückgeschickt
worden,  um  einem  verunglückten  Ulanen  zu  helfen.  Die  französischen
Schützen  mußten  die  Rote-Kreuz-Binde  unbedingt  sehen,  und  bildet  dieser
Vorfall  eine  augenscheinliche  Verletzung  des  Völkerrechts  durch  reguläre
französische  Truppen.               gez.  Graf  von  Pfeil.

                                                                                                 Anlage  11.
            Meldung  des  Bataillonsarztes  des  2.  Bataillons  des
            Landwehr-Infanterie-Regiments  Nr.  123.

                                                           Andolsheim,  23.  August  1914.
Ich  melde,  daß  in  dem  Gefecht  bei  Günzbach  am  19.  August  1914  der
Feind  das  „Rote  Kreuz“  beschossen  hat.  Ich  verband  mit  Unterarzt  Dr.
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                                                   —  633  —

Futterer  zusammen  die  Verwundeten  zunächst  in  der  Gefechtslinie,  dann
auf  einem  Verbandsplatz  in  Günzbach.

Die  Beschießung  durch  den  Feind  konnte  bis  dahin  nicht  als  Absicht
angesprochen  werden.

Als  jedoch  das  Gefecht  abgebrochen  und  das  Schießen  eingestellt  war,
wurde  jeder  Versuch,  die  Verwundeten  in  nahegelegene  passende  Räume
zu  bringen,  durch  Feuer  auf  die  Krankenträger  erschwert.

Der  mit  großer  „Roter-Kreuzflagge“  versehene  Sanitätswagen  erhielt
bei  seiner  Abfahrt  Schnellfeuer;  ein  Mann  der  Bedienungsmannschaft
fiel.  Unterarzt  Dr.  Futterer  und  ich  verließen  als  letzte  Günzbach  und
waren  eine  große  freie  Strecke  lang  (etwa  500  Meter)  heftigem  Gewehrfeuer
  ausgesetzt.

Da  das  Zeichen  des  „Roten  Kreuzes“  bei  dem  klaren  Wetter  weithin
kenntlich  sein  mußte  und  der  Feind  in  etwa  400  Meter  Entfernung  lag,
muß  angenommen  werden,  daß  er  das  „Rote-Kreuz-Abzeichen“  nicht  beachten

  wollte.              gez.  Mallenbergg,  Bataillonsarzt.

 

                                                                                       Anlage  12.

     Meldung  der  6.  Infanteriedivision  an  das  General-      kommando
  des  III.  Bayerischen  Armeekorps.
                                                 Arracourt,  27.  August,  11  Uhr  vormittags.
Am  26.  August  nachmittags  wurde  das  vor  der  jetzigen  Gefechtsfront
  der  Division  gelegene  Gefechtsfeld  (in  der  Gegend  von  Maixe)  durch
Krankenträgerpatrouillen  der  Sanitätskompagnie  nach  liegengebliebenen
Verwundeten  abgesucht.  Diese  Patrouillen  wurden  von  französischer  Infanterie,
  ohne  Rücksicht  auf  das  Rote  Kreuz,  beschossen  und  zersprengt;
zurzeit  fehlen  noch  etwa  100  Mann  der  Sanitätskompagnie.
                                   gez.  von  Gebsattel.
                                                                                           Anlage  13.
       Meldung  des  Etappendelegierten  Grafen  Reichenbach  an
       den  stellvertretenden  Militärinspekteur  der  freiwilligen
       Krankenpflege  in  Berlin.  "
                                               Valenciennes,  den  24.  September  1914.
Gestern  sind  in  der  Umgegend  des  hiesigen  Etappenhauptortes  in  sonst
sicherer  Gegend  mit  Krankentransportabteilung  auch  13  Mann  freiwilliger
Krankenpflege  beim  Heranschaffen  von  Verwundeten  durch  Bevölkerung
überfallen,  trotz  deutlicher  Rote-Kreuz-Abzeichen.  Sechs  Mann  von  uns
tot,  einer  verletzt.  Vernehmungsprotokolle  folgen  später,  auch  nach  Möglichkeit
  Verwendungsbücher  der  Gefallenen.
                                  gez.  Graf  Reichenbach.
                                                                                                   Anlage  14.
         Meldung  des  Kommandeurs  der  2.  Sanitätskompagnie
         an  die  10.  Infanterie-Division.
                                       St.  Maurice,  den  24.  September  1914.
Als  am  22.  d.  M.  die  Krankenträger  der  2.  Sanitätskompagnie  mit
dem  Absuchen  des  Gefechtsfeldes  nach  Verwundeten  beschäftigt  waren,
erschien  plötzlich  aus  der  Ostspitze  des  St.  Remyer  Waldes  feindliche  Infanterie,
  etwa  40  bis  50  Mann,  unter  Führung  von  zwei  Offizieren.
Obwohl  diese  sahen  oder  jedenfalls  sehen  mußten,  daß  sie  vor  sich  nur
Krankenträger  hatten,  die  auf  Tragen  schon  Verwundete  trugen  oder  mit
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                                                      —  634  —

Tragen  nach  Verwundeten  suchten,  und  obwohl  sie  ferner  die  in  der  Nähe
befindlichen  Krankenwagen  unbedingt  sehen  mußten,  eröffneten  fie  sofort
auf  etwa  50  Meter  Entfernung  auf  die  Krankenträger  und  Krankenwagen
  ein  heftiges  Feuer;  einige  von  ihnen  liefen  sogar  mit  dem  Rufe
„Vive  la  France!“  auf  den  ihnen  zunächst  befindlichen  Krankenwagen  zu,
erschossen  die  drei  in  denselben  bereits  eingelieferten  Verwundeten,  den
Wagengefreiten,  den  Fahrer  und  die  beiden  Pferde.
Die  2.  Sanitätskompagnie  hat  durch  dies  Vorgehen  der  Franzosen
den  Verlust  von  8  Toten,  9  Schwerverletzten  und  2  Leichtverwundeten
zu  beklagen.

Die  meisten  noch  übriggebliebenen  Krankenträger-  haben  unbedeutende
  Streifschüsse  erhalten.

                    gez.  Ueckey,  Rittmeister  und  Kommandeur.

                                                                                                  Anlage  '15.

          Meldung  des  Oberarztes  der  Landwehr  1  beim  Feld-           lazarett
  1  an  das  stellvertretende  Genevralkommando  des

           XIV.  Armeekorps.
                                                                  Ulm,  den  23.  September  1914.

Bei  dem  Abzug  der  deutschen  Truppen  und  der  Feldlazarette  1,  4,
10  und  11  des  XIV.  Armeekorps  am  11.  September  1914  blieben  mit
mir '5  Krankenwärter  des  Feldlazaretts  1  des  XIV.  Armeekorps  in  Baccarat
  zur  Pflege  der  deutschen  und  französischen  Schwerverwundeten
zurück.  Die  fünf  Krankenwärter  wurden  am  14.  September  1914  von  der
französischen  Militärbehörde  nach  Rambervillers  gebracht,  dort  gleich
den  Gefangenen  behandelt,  und  es  wurde  ihnen  von  einem  französischen
Gendarmen  die  Genfer  Neutralitätsbinde  entfernt.  Ich  selbst  war  ebenfalls
  am  14.  September  1914  nach  Rambervillers  verbracht  worden,  wurde
am  18.  September  1914  von  dort  ab  nach  der  Schweiz  geführt  und  bekam
trotz  ausdrücklicher  Bitten  meine  5  Krankenwärter  nicht  mit.  Es  wurde
mir  vielmehr  eröffnet:  «

                              „Ce  ne  sont  plus  vos  hommes!“

Die  Namen  der  entgegen  der  Genfer  Konvention  zurückbehaltenen
Krankenwärter  sind:  1.  Sanitätsunteroffizier  der  Reserve  Robert  Korn,
2.  Krankenwärter  der  Reserve  Gefreiter  Alfons  Fischer,  3.  Krankenwärter
der  Reserve  Gefreiter  Johann  Alois  Schuster,  4.  Krankenwärter  Hermann

Eckel,  5.  Pferdepfleger  Walter  Reinhardt.  gez.  Dr  Starck.
                   Der  Tagesbericht  des  Großen  Hauptquartiers.
                                       (Amtlich.)                                (W.T.  B.)

                    Großes  Hauptgquartier,  21.  Oktober,  vormittags.

Am  Pserkanal  stehen  unsere  Truppen  noch  in  heftigem  Kampfe;  der
Feind  unterstützte  seine  Artillerie  vom  Meere  nordwestlich  Nieuwport
aus.  Ein  englisches  Torpedoboot  wurde  dabei  von  unserer  Artillerie
kampfunfähig  gemacht.

Die  Kämpfe  westlich  Lille  dauern  an;  unsere  Truppen  gingen  auch
dort  zur  Offensive  über  und  warfen  den  Feind  an  mehreren  Stellen
zurück.  Es  wurden  etwa  zweitausend  Engländer  zu  Gefangenen  gemacht
und  mehrere  Maschinengewehre  erbeutet.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  ist  keine  Entscheidung  gefallen.
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                                                         —  635  —

Versenkung  eines  englischen  Handelsdampfers  durch  „U  17“.
                                                                     Kopenhagen,  21.  Oktober.

Das  deutsche  Unterseeboot  „U  17“  hat  gestern  mittag  neun  Seemeilen
südwestlich  von  Skudesnaes  in  Norwegen  den  englischen  Dampfer
„Elitre“  angehalten  und  versenkt.  „U  17“  schleppte  die  englische  Mannschaft
  in  Rettungsbooten  auf  norwegisches  Gebiet,  wo  sie  durch  Lotsendampfer
  an  Land  gebracht  wurde.  —  „Elitre“  gehörte  der  Salvesen-Leithlinie.
  (Voss.  Ztg.,  21.  Oktober.)

                      Ein  englischer  Offizier  straft  die  „Times“  Lügen.

Ein  verwundeter  englischer  Offizier,  Major  P.  G.  Petavel  von  der
Duke  of  Cornwalls  Light  Infantery,  der  in  einem  deutschen  Lazarett
liegt,  hat,  laut  „Köln.  Ztg.“,  an  den  Herausgeber  der  „Times“  in
London  folgenden  Brief  gerichtet:

In  den  Zeitungen  sind  so  viele  irreführende  Artikel  erschienen,  daß
ein  einfacher  Bericht  meiner  Erfahrungen,  frei  von  persönlicher  Meinung,
Vorurteil  und  bloßem  Hörensagen  von  Interesse  sein  dürfte.

Ich  wurde  in  einem  Nachhutgefecht  bei  X.  schwer  verwundet.  Mein
Regiment  machte  die  heldenmütigsten  Anstrengungen,  mich  wegzuschaffen.
Es  war  jedoch  gänzlich  unmöglich,  da  wir  umzingelt  wurden  und  schwere
Verluste  erlitten.  Unfähig,  mich  zu  bewegen,  lag  ich  auf  dem  Felde.  Da
kam  ein  preußischer  Soldat  zu  mir,  bedauerte,  daß  ich  so  schwer  verletzt
sei,  und  fügte  hinzu,  daß  es  nicht  seine  Schuld  wäre.  Hinter  einer
Schützenlinie  kam  ein  Planwagen  mit  einem  Sanitäter,  der  mir  etwas
Wein  gab,  meine  Wunden  verband  und  versprach,  wiederzukommen.  Nach
kurzer  Zeit  kehrte  er  zurück,  veranlaßte  einen  Soldaten,  ein  Gefährt  zu
requirieren,  und  ließ  mich  in  die  Stadt  schaffen.  Gerade  war  dort  ein
Armeekorps  einmarschiert,  und  die  Straßen  waren  voller  Truppen;  die
Soldaten  drängten  sich  um  mich,  aber  sie  benahmen  sich  ganz  liebenswürdig
  und  wohlerzogen.  Ich  bat  einen,  mir  etwas  zu  essen  zu  besorgen,
  worauf  er  mir  sein  ganzes  Brot  schenkte,  jegliche  Bezahlung
zurückweisend.  Meine  Feldausrüstung,  als  Revolver,  Feldstecher  usw.
hatte  man  mir  abgenommen,  aber  mein  Geld  und  meine  Wertsachen
waren  unberührt.  Schließlich  wurde  ich  in  einen  Stall  gebracht,  und
man  machte  es  mir  und  einigen  meiner  Leute  mit  frischem  Stroh  ganz
gemütlich.  Die  preußischen  Soldaten  waren  äußerst  gütig  und  behandelten
  uns  so  sorgsam  wie  Pflegerinnen.  Sie  nannten  meine  Leute
Kameraden  und  teilten  alle  gute  Sachen,  die  sie  hatten,  mit  uns,  so  daß
wir  bald  eine  ganze  Menge  Makronen,  Lebkuchen  usw.  und  so  viel  Wein
hatten,  wie  wir  nur  trinken  konnten.

Nach  ein  paar  Tagen  kam  ich  in  ein  Hospital,  wo  meine  Wunden
untersucht  und  mir  ein  bequemes  Bett  angewiesen  wurde.  Ich  teilte  die
Krankenstube  mit  zwei  deutschen  Unteroffizieren  und  sechs  Offizieren,  von
denen  zwei  auf  dem  Fußboden  gebettet  waren.  Sie  behandelten  mich
wie  einen  der  ihren  und  teilten  jeden  privaten  Luxus  mit  mir,  und  wir
wurden  bald  so  gute  Freunde,  daß  es  beiderseits  großes  Bedauern  hervorrief,
  als  sie  nach  Deutschland  geschickt  wurden.  Erst  nachdem  sie  fort
waren,  bemerkten  die  französischen  Angestellten,  daß  ich  ein  englischer  und
kein  deutscher  Offizier  war  und  überhäuften  mich  mit  Liebenswürdigkeiten
  und  Champagner.
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                                                  —  636  —

Später  wurde  ich  nach  Deutschland  gebracht..  Die  Bahnfahrt  dauerte
40  Stunden.  Ein  deutscher  Offizier  tat  alles  Mögliche  für  uns,  lieh  uns
sogar  seinen  Mantel  für  die  Nacht,  und  als  einmal  keine  Nahrungsmittel
  mehr  zu  bekommen  waren,  gab  uns  der  Pfleger  seine  eigene  Suppe.

Hier  sind  wir  in  einem  gut  eingerichteten  Krankenhause  von  450
Betten  untergebracht.  In  unserm  Krankenzimmer  liegen  sieben  englische
  Offiziere.  Die  Kost  ist  einfach,  aber  in  der  Regel  gut  zubereitet;
Unterschiede  zwischen  Offizieren  und  Mannschaften  werden  nicht  gemacht.
Um  7  Uhr  früh  bekommen  wir  drei  Schnitten  Graubrot  mit  Butter  und
einen  Becher  Kaffee,  um  12  Uhr  eine  kleine  Portion  Fleisch  mit  reichlich
Kartoffeln  und  einem  weiteren  Gemüse,  alles  in  einer  Schüssel.  Wir
essen  dieses  mit  einem  Löffel,  da  die  Benutzung  von  Messern  nicht  gestattet
  ist.  Um  4  Uhr  gibt's  Kaffee  mit  Butterbrot  und  um  etwa  6  Uhr
die  Abendmahlzeit,  bestehend  aus  einer  Suppe  oder  einem  Brei.  Subalterne
  beziehen  ein  Gehalt  von  60  M.  und  die  andern  Offiziere  100  M.
pro  Monat,  wovon  zwei  Drittel  zur  Bezahlung  von  Verpflegung  zurückgehalten
  werden.  Die  Schwerverwundeten  genießen  jegliche  Bequemlichkeit
  und  erhalten  die  beste  ärztliche  Hilfe.

Ich  habe  diesen  Brief  geschrieben,  weil  ich  in  englischen  Zeitungen
so  viele  Briefe  von  Soldaten  gelesen  habe,  die  überaus  ungenaue  Angaben
  und  in  manchen  Fällen  ausführliche  Beschreibungen  von  Schlachten
enthielten,  an  denen  ihre  Regimenter  nicht  teilgenommen  hatten,  sowie
Erzählungen  von  deutschen  Grausamkeiten,  die  sich  nur  auf  Hörensagen

aufbauten.                                        Ein  verwundeter  Offizier.

Wir  sind  gespannt  darauf,  wann  und  in  welcher  Form  wir  diesem
Briefe  in  den  Spalten  der  „Times“  begegnen  werden.
                                                       (Tägliche  Rundschau,  21.  Oktober.)

Die  Besetzung  der  Marschall=  und  der  Karolineninseln  durch  Japan.

                                                             Kristiania,  21.  Oktober.

Aus  Tokio  wird  in  Bestätigung  früherer  Meldungen  am  20.  Oktober
telegraphiert:  Das  japanische  Marineministerium  teilt  mit,  die  Marschallinseln,
  die  Mariannen  und  die  Karolinen  seien  aus  militärischen
Gründen  von  den  Japanern  besetzt  worden.  (Berl.  Tgbltt.,  21.  Okt.)

Eine  Stimme  der  Scham

über  die  ekelhafte  Deutschenverfolgung  in  England  wagt  in  den  „Daily
News“  laut  zu  werden.  Das  sei  um  so  ehrender  erwähnt,  als  dazu
gegenüber  dem  widerwärtigen  Hetzgeschrei  der  Blätter  vom  Schlage  der
„Times“  und  der  „Daily  Mail“  jetzt  in  England  einiger  Mut  gehört.
„Daily  News“  schreibt  in  einem  „Pogrommacher“  betitelten  Leitartikel:

Der  Schaden,  den  die  Opfer  der  abscheulichen  Ausschreitungen  erlitten
  haben,  ist  groß,  aber  er  ist  sehr  klein,  verglichen  mit  dem  Schaden,
welchen  die  Ehre  und  der  gute  Name  Englands  in  den  Augen  der  Außenwelt
  erlitten  hat.  Es  besteht  kein  Zweifel  darüber,  auf  wem  die  Verantwortung
  für  diese  der  Nation  angetane  Schmach  ruht.  Nicht  auf  der
unwissenden  Menge,  sondern  auf  einem  Teil  der  Presse,  der  unaufhörlich
geschäftig  war,  alle  rohen  Leidenschaften  gegen  die  unglücklichen  Ausländer
  aufzustacheln.  Wir  wissen  nicht,  wie  lange  das  Staatssekretariat
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                                                      —  637  —

des  Innern  dulden  wird,  daß  dieses  System  brutaler  Aufhetzung  der
Menge  fortdauert.  Die  Folgen  dieser  Bewegung  sind  jetzt  klar.  Niemand
kann  damit  einverstanden  sein,  daß  die  mißleiteten  Opfer  sich  für  das
unverantwortliche  Auftreten  der  Anstifter  zu  verantworten  haben.

Weitere  Mobilmachung  in  Italien.

Zürich,  21.  Oktober.  Der  „Tagesanzeiger"  meldet  aus  Turin  die
Mobilmachung  der  italienischen  Landwehr,  beginnend  mit  Einberufung
der  Jahresklasse  1894.

                   Ueber  3  Milliarden  Kriegsanleihe  eingezahlt.

Berlin,  21.  Oktober.  Die  Einzahlungen  auf  die  Kriegsanleihen
haben  heute  den  Betrag  von  3  Milliarden  überschritten.

                              Die  spanische  Neutralität.

London,  20.  Oktober.  Die  „Morning  Post“  meldet  aus  Madrid
vom  18.  Oktober:  Bei  dem  üblichen  Journalistenempfang  sagte  der  Premierminister,
  das  Parlament  werde  am  30.  Oktober  eröffnet  werden.
Der  Minister  ermahnte  die  Journalisten,  den  Krieg  ohne  Leidenschaft  und
Vorurteil  zu  behandeln.  Spanien  habe,  ohne  eine  kostspielige  Mobilisierung
  vorzunehmen,  alle  zur  Sicherung  seiner  Neutralität  nötigen  Maßnahmen
  getroffen.  (Tägl.  Rundsch.,  22.  Oktober.)

                          Die  Kämpfe  in  den  Karpathen.

Wien,  21.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:

21.  Oktober,  mittags.  Im  schweren  hartnäckigen  Angriffe  auf  die
verstärkten  Stellungen  des  Feindes  von  Felsztyn  bis  an  die  Chaussee
östlich  Medyka  gewannen  wir  wieder  an  mehreren  Stellen  Terrain,  während
  die  russischen  Gegenangriffe  nirgends  durchzudringen  vermochten.

Vergangene  Nacht  erstürmten  unsere  Truppen  die  Kapellenhöhe
nördlich  Mizyniec.  Südlich  Magiera  gelang  es  ihnen  schon  gestern,  sich
von  den  eroberten  Ortschaften  gegen  die  Höhen  vorzuarbeiten.  Am  Südhügel
  wird  der  Kampf  hauptsächlich  von  der  Artillerie  geführt.  Durch
weitgehende  Anwendung  der  modernen  Feldbefestigung  nimmt  die
Schlacht  großenteils  den  Charakter  eines  Festungskrieges  an.  In  den
Karpathen  wurde  gestern  der  Jablonica-Paß,  der  letzte  noch  von  einer
russischen  Abteilung  besetzt  gewesene  Uebergang,  von  uns  genommen.  Auf
ungarischem  Boden  ist  kein  Feind  mehr.  Unsere  Vorrückung  in  der
Bukowina  erreichte  den  Großen  Sereth.  (Tägl.  Rundsch.,  21.  Oktober.)

          Eine  Proklamation  des  Gouverneurs  von  Tsingtau.

Nachfolgende  vom  Gouverneur  des  Kiautschougebietes  erlassene  Proklamation

  wird  uns  heute  von  befreundeter  Seite  zur  Verfügung  gestellt.
                                                              Tsingtau,  den  23.  August  1914.

Am  15.  August  hat  Japan  Deutschland  ein  Ultimatum  gestellt,  in
dem  die  sofortige  Zurückziehung  oder  Entwaffnung  aller  deutschen  Kriegsschiffe
  des  Kreuzergeschwaders  sowie  die  bedingungslose  Uebergabe
Tsingtaus  bis  zum  15.  September  gefordert  wurde.  Frist  zur  Beantwortung
  der  23.  August  mittags.
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                                                       —  638  —

Diese  unerhörte  Zumutung  ist  nach  Form  und  Inhalt  gleichweit  beleidigend.


Niemals  werden  wir  freiwillig  auch  nur  das  kleinste  Stück  Erde
hergeben,  über  dem  die  hehre  Reichskriegsflagge  weht.  Von  dieser  Stätte,
die  wir  mit  Liebe  und  Erfolg  seit  siebzehn  Jahren  zu  einem  kleinen
Deutschland  über  See  auszugestalten  bemüht  waren,  wollen  wir  nicht
weichen!  Will  der  Gegner  Tsingtau  haben,  so  mag  er  kommen  es  sich
holen.  Er  wird  uns  auf  unsern  Posten  finden!

Der  Angriff  auf  Tsingtau  steht  bevor.  Gut  ausgebildet  und  wohl
vorbereitet  können  wir  den  Gegner  mit  Ruhe  erwarten.

Ich  weiß,  daß  die  Besatzung  von  Tsingtau  fest  entschlossen  ist,  treu
ihrem  Fahneneide  und  eingedenk  des  Waffenruhmes  der  Väter,  den  Platz
bis  zum  Aeußersten  zu  halten.  Jeder  in  zähem  Widerstande  errungene
neue  Tag  kann  die  unberechenbarsten  günstigsten  Folgen  zeitigen!

Zu  stolzer  Freude  gereicht  es  uns,  daß  nunmehr  auch  wir  für  Kaiser
und  Reich  fechten  dürfen,  daß  wir  nicht  dazu  verurteilt  sind,  tatenlos
bei  Seite  zu  stehen,  während  unsere  Brüder  in  der  Heimat  in  schwerem
Kampfe  stehen.

                          Festungsbesatzung  von  Tsingtau!

Ich  erinnere  Euch  an  die  glorreichen  Verteidigungen  Kolbergs,  Graudenz
  und  der  schlesischen  Festungen  vor  etwas  mehr  als  100  Jahren.
Nehmt  Euch  diese  Helden  zum  Beispiel!  Ich  erwarte  von  Euch,  daß  ein
jeder  sein  Bestes  hergeben  wird,  um  mit  den  Kameraden  in  der  Heimat
an  Tapferkeit  und  jeglicher  soldatischer  Tugend  zu  wetteifern.

Wohl  sind  wir  zur  Verteidigung  bestimmt,  haltet  Euch  aber  so  vor
Augen,  daß  die  Verteidigung  nur  dann  richtig  geführt  wird,  wenn  sie  vom
Geiste  des  Angriffs  erfüllt  ist.  .  »

Am  18.  August  habe  ich  Seiner  Majestät  drahtlich  versichert,  daß
ich  einstehe  für  Pflichterfüllung  bis  aufs  äußerste.  Am  19.  August  habe
ich  den  Allerhöchsten  Befehl  Seiner  Majestät  erhalten,  Tsingtau  bis
aufs  Aeußerste  zu  verteidigen!

Wir  werden  Seiner  Mojestät  unserem  Allergnädigsten  Kriegsherrn
durch  die  Tat  beweisen,  daß  wir  des  in  uns  gesetzten  Allerhöchsten  Vertrauens
  würdig  sind.

         Es  lebe  Seine  Maoajestät  der  Kaiser!

                             Der  Festungsgouverneur.
                                 gez.  Meyer-Waldeckl.

Aus  diesen  Worten  spricht  der  Geist,  den  die  Besatzung  und  ihre
Führer  seitdem  in  heldenmütigen  Kämpfen  betätigt  haben.
                                                (Berl.  N.  Nachr.,  22.  Oktober.)

                       Beschießung  eines  dänischen  Unterseebootes.
                                                                         Kopenhagen,  21.  Oktober.

Gestern  nachmittag  feuerte  in  internationalen  Gewässern  zwischen
Nakkehoved=  und  Kullen-Leuchtfeuer  ein  vorher  nicht  bemerktes  Unterseeboot
  zwei  Torpedos  gegen  das  dänische  Unterseeboot  „Havmanden“,  das
mit  fünf  Knoten  Geschwindigkeit  über  Wasser  fuhr.  Kein  Schuß  traf.
Das  Unterseeboot  führte  die  Nationalflagge.  Ein  Unterseeboot  unbekannter
  Nationalität  wurde  am  Nachmittag  von  Nakkehoved-Leuchtfeuer
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                                                     —  639  —

aus  beobachtet.  Heute  früh  trieb  am  Vorstrande  von  Nakkehoved  ein
Torpedo  an,  der  dort  explodierte.  Den  in  Frage  kommenden  kriegführenden
  Mächten  ist  dieser  Vorfall  zur  Kenntnis  gebracht  worden  mit  dem
Ersuchen,  in  Zukunft  größere  Achtsamkeit  zu  üben.

                                Demeter  Sturdza  +.

                                                                  Bukarest,  21.  Oktober.

Der  Senior  der  liberalen  Partei  Rumäniens,  der  frühere  Ministerpräsident
  Demeter  A.  Sturdza,  ist  heute  hier,  81  Jahre  alt,  nach  längerer
Krankheit  gestorben.  (Berl.  Tgbltt.,  22.  Oktober.)

                         Ein  Armeebefehl  des  Königs  von  Sachsen.

                                                                                    Dresden,  21.  Oktober.
          Der  König  hat  folgenden  Armeebefehl  erlassen:

„Im  Augenblick,  wo  ich  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  eintreffe,
  drängt  es  mich,  allen  Truppen  meiner  Armee,  die  in  den  letzten
Monaten  an  den  mit  Gottes  Hilfe  so  erfolgreichen  Kämpfen  der  deutschen
Armee  ruhmreichen  Anteil  genommen  haben,  meine  vollste  Anerkennung
und  meinen  wärmsten  königlichen  Dank  auszusprechen.  Nichtachtend  der
schweren  Verluste,  haben  sie,  getreu  den  Ueberlieferungen  unserer  Vorfahren,
  zum  Teil  in  denselben  Gegenden  wie  1870/71,  neue,  unverwelkliche
  Lorbeeren  erworben.  Die  veränderte  Kampfesweise,  verbunden  mit
großen  Verbesserungen  der  Waffen,  haben  die  Truppen  aller  Waffen,  besonders
  die  Infanterie,  vor  ganz  neue  Lagen  gebracht.  Aber  dessenungeachtet,
  haben  sie  alle  im  festen  Vertrauen  auf  den  Schutz  Gottes,
des  allmächtigen  Lenkers  aller  menschlichen  Geschicke,  und  auf  unsere
gerechte  Sache,  in  freudiger  Begeisterung  ihre  Pflicht  voll  und  ganz  erfüllt.
  Das  Jahr  1914  wird  für  alle  Zeiten  ein  helleuchtendes  Blatt
in  der  Geschichte  meiner  Armee  bleiben.  Der  liebe  Gott  wird  uns  auch
weiterhin  schützen  und  uns  helfen,  unsere  schwere  Aufgabe  zu  vollenden.

                                                                                                  Friedrich  August.“

                           Zum  Seekampf  an  der  belgischen  Küste.

      Haag,  21.  Oktober,  7  Uhr  20  Min.  abends.  Die  Times  meldet
von  der  französischen  Küste:  Während  zwei  englische  Kanonenboote  gestern
in  ein  Feuergefecht  mit  deutschen  Batterien  an  der  Küste  verwickelt  waren,
wurden  sie  von  deutschen  Unterseebooten  angegriffen.  Die  Kanonen-=boote
  beschießen  die  Küstenbatterien  weiter.

                                                                        (Berl.  Tgbltt.,  22.  Oktober.)

                                Churchills  Dank  an  Japan.
                                                                        Kristiania,  22.  Oktober.

Der  Marineminister  Churchill  hat  einem  Londoner  Telegramm  von
gestern  zufolge  dem  japanischen  Marineminister  ein  in  herzlichstem  Tone
abgefaßtes  Telegramm  gesandt,  in  dem  er  in  dem  jetzt  so  kritischen  Zeitpunkt
  die  tiefe  Dankbarkeit  der  englischen  Admiralität  und  englischen
Flotte  für  die  Anstrengungen  und  die  Energie  zum  Ausdruck  bringt,  mit
der  die  japanische  Flotte  die  Sache  der  Alliierten  führe.  (Hundert
Millionen  Jen  und  noch  ein  Danktelegramm  des  „Verteidigers“  von
        <pb n="115" />
                                                        —  640  —

Antwerpen,  das  ist  wirklich  alles,  was  man  in  Tokio  verlangen  kann!  Die
Redaktion.)  (Berl.  Tgbltt.,  22.  Oktober.)

      Beschlagnahme  eines  deutschen  Lazarettschisfes  durch  die  Engländer.

Nach  englischen  Pressenachrichten  wurde  das  deutsche  Lazarettschiff
„Ophelia“,  das  nach  dem  Untergang  der  vier  deutschen  Torpedoboote  ausgeschickt
  war,  nach  Schiffbrüchigen  zu  suchen,  von  dem  englischen  Kreuzer
„Barmouth“  an  der  Ausführung  seines  Auftrages  gehindert  und  mit  Beschlag
  belegt.  Man  begründete  die  Wegnahme  des  Lazarettschiffes  mit
der  Behauptung,  es  habe  Minen  an  Bord.  Als  die  Durchsuchung  diesen
Vorwand  sofort  als  hinfällig  erwies,  wurde  die  an  Bord  befindliche  funkentelegraphische
  Einrichtung  als  gefährlich  und  die  Beschlagnahme  des
Dampfers  begründend  bezeichnet.  Die  „Ophelia“  wurde  in  einen  englischen
  Hafen  gebracht.  (Berl.  Tgbltt.,  22.  Oktober.)

                                    Die  Schlachten  im  Westen  und  Osten.

     Großes  Hauptquartier,  22.  Oktober,  vormittags.  Die
Kämpfe  am  Pserkanal  dauern  fort;  elf  englische  Kriegsschiffe  unterstützen
die  feindliche  Artillerie.  Oestlich  Dixmude  wurde  der  Feind  zurückgeworfen.
  Auch  in  Richtung  Dpres  drangen  unsere  Truppen  erfolgreich  vor.
Die  Kämpfe  nördlich  Lille  waren  sehr  erbittert;  der  Feind  wich  aber  auf
der  ganzen  Front  langsam  zurück.

Heftige  Angriffe  aus  Richtung  Toul  gegen  die  Höhen  südlich  Thiaucourt
  Eleen  unter  schwersten  Verlusten  für  die  Franzosen  zurückgeworfen.
  

Es  ist  einwandfrei  festgestellt,  daß  der  englische  Admiral,  der  das
Geschwader  vor  Ostende  befehligt,  nur  mit  Mühe  von  der  Absicht,  Ostende
zu  beschießen,  durch  die  belgische  Behörde  abgebracht  wurde.

Auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatz  folgen  Teile  unserer  Truppen
dem  weichenden  Gegner  in  Richtung  Ossowiez,  mehrere  Hundert  Gefangene
  und  Maschinengewehre  fielen  in  unsere  Hände.

Bei  Warschau  und  in  Polen  wurde  gestern  nach  dem  unentschiedenen
Ringen  der  letzten  Tage  nicht  gekämpft.  Die  Verhältnisse  befinden  sich
dort  noch  in  der  Entwicklung.  (W.  T.B.)

                                    Eine  tapfere  Antwort.

W.T.B.  London,  21.  Oktober.  Das  Reutersche  Bureau  meldet
aus  Konstantinopel  vom  19.  Oktober:  Auf  die  britische  Vorstellung  über
die  fortgesetzte  Anwesenheit  deutscher  Mannschaften  auf  türkischen  Kriegsschiffen
  erwiderte  die  Pforte  endgültig,  daß  dies  eine  innere  Angelegenheit
  sei.

                                   Unruhen  in  Portugal.

W.T.  B.  Lissabon,  21.  Oktober.  Letzte  Nacht  erlitten  Eisen  bahnund
  Telegraphenverbindungen  durch  Sabotage  eine  gewisse  Unterbrechung,
  sie  wurden  aber  bald  wiederhergestellt.  Augenblicklich  herrscht
wieder  Ordnung,  außer  in  Braganza  und  Mafra,  wo  Erhebungen  versucht
  wurden,  die  aber  schnell  unterdrückt  wurden.  Eine  Bande  Aufständischer,
  die  von  Mafra  auszog,  wird  jetzt  von  Truppen  verfolgt.  Der
frühere  Oberst  Adriano  Beca  scheint  das  Haupt  der  mißlungenen  Erhebung
  zu  sein.  Er  wurde  in  Braganza  festgenommen.
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                                                    —  641  —

                         „Emden“  arbeitet  weiter.

W.T.B.  London,,  22.  Oktober.  „Lloyde  Agent“  in  Colombo  telegraphiert
  an  die  Admiralität,  daß  die  britischen  Dampfer  „Chilka“,
„Troilus“,  „Benmohr“,  „Clan  Grant“  und  der  für  Tasmanien  bestimmte
Bagger  „Ponrabbel“  von  dem  deutschen  Kreuzer  „Emden“  versenkt  und
der  Dampfer  „Exford“  gekapert  worden  seien.

                              „Die  Deutschen  fochten  wie  die  Helden“.

W.T.  B.  London,  21.  Oktober.  Dem  „Times“  wird  aus  Harwich
vom  18.  d.  Mts.  von  einem  Augenzeugen  über  das  Seegefecht  folgendes
berichtet:  Die  Deutschen  fochten  wie  Helden,  aber  sie  hatten  gegen  überlegene
  Artillerie  zu  kämpfen.  In  weniger  als  zwei  Stunden  versank  das
letzte  Torpedoboot.  Die  Deutschen  kämpften  bis  zuletzt,  die  Mehrzahl  versank
  mit  den  Schiffen.

                           Churchill,  der  Allerweltsmensch.

W.T.  B.  London,  22.  Oktober.  Aus  Antwerpen  zurückgekehrte
Seesoldaten  erzählen,  daß  Churchill  sie  dorthin  begleitet  habe  und  bis
zuletzt  mit  ihnen  in  den  Schützengräben  geblieben  sei.  Churchill  habe
auch  im  Flugzeug  die  deutschen  Stellungen  erkundet.

Amerikanischer  Protest  gegen  England.

Beschlagnahme  eines  amerikanischen  Schiffes  durch
einen  britischen  Kreuzer.

London,  21.  Oktober.  Die  „Times“  meldet  aus  Washington  vom
19.  Oktober:  Die  Presse  erörtert  lebhaft  die  Beschlagnahme  des  Standard-Oil-Schiffes
  „Brindilla“  durch  einen  britischen  Kreuzer.  Die  Neuyorker
Zeitung  „American"  spricht  von  der  Wahrscheinlichkeit  eines  heftigen
Protestes.  Die  „Washington  Post“  schreibt:  Die  neutrale  Schiffahrt  der
Vereinigten  Staaten,  die  Ladungen  den  neutralen  Staaten  übermittelt,
ist  nach  dem  Völkerrecht  ein  Recht  der  neutralen  und  von  Untersuchung
und  Beschlagnahme  befreit.  Da  die  Vereinigten  Staaten  mit  allen
Nationen  Freundschaft  halten,  würde  man  Geduld  üben,  wenn  fremde
Kriegsschiffe  verschiedentlich  amerikanische  Rechte  beeinträchtigen.  Aber
wir  können  nicht  dulden,  wenn  irgend  eine  Nation  das  Recht  beansprucht,
  Schiffe  mit  Kargos  für  neutrale  Häfen  ohne  Verbindung  mit  den
kriegführenden  Nationen  zu  belästigen,  zu  durchsuchen  und  zu  beschlagnahmen.
  (Natl.  Ztg.,  22.  Oktober.)

                                     Man  behauptet......

Wie  der  „Straßb.  P.“  aus  zuverlässiger  Quelle  mitgeteilt  wird,  ist
von  den  Franzosen  am  8.  Oktober  in  Tanne  im  Elsaß  folgende  Kundgebung
  angeschlagen  worden:

Der  General  Joffre  richtet  an  die  Elsässer  folgende  Proklamation:

Eine  große  Schlacht  ist  im  Gange  zwischen  Maubeuge  und  Dieuze.
Von  ihr  hängt  das  Schicksal  Frankreichs  und  des  Elsaß  ab.  Dort  setzt
der  Generalissimus  alle  Kräfte  der  militärischen  Nation  zum  Angriff  ein.
Wir  müssen  vorläufig  das  Elsaß  zu  eurer  Befreiung  verlassen,  so  groß
euer  Kummer  auch  sein  mag,  daß  wir  es  noch  nicht  der  deutschen  Bar-
        <pb n="117" />
                                                    —  642  —

barei  entreißen  konnten.  Es  ist  ein  grausames  Geschick,  dem  wir  uns  im
letzten  Augenblick  unterworfen  haben.  Der  General  Joffre  ist  zum  Marschall
  von  Frankreich  ernannt  worden.  Das  Heer  des  Generals  v.  Kluck,
80  000  Mann,  ist  kriegsgefangen.  Der  General  Calieri  hat  die  deutsche
Nordarmee  gefangen  genommen.  Die  französischen  Truppen  marschieren
zum  Entsatz  von  Antwerpen  heran.  Sie  haben  zwei  Forts  an  der  belgischen
  Grenze  nahe  von  Sedan  genommen.  Die  Deutschen  haben  die
Belagerung  der  Front  bei  Verdun  aufgeben  müssen.  Die  Franzosen  sind
in  Zabern  und  schlagen  sich  im  Hohwald.  Die  Deutschen  haben  am
Sonntag  22  Zufuhrkolonnen  verloren  und  Sennheim  geräumt.  Man  behauptet,
  daß  der  deutsche  Kronprinz  gefangen  sei.  Die  Deutschen  sind  bei
Sedan  geschlagen,  40  000  Mann  getötet  und  verwundet.  Zu  gleicher  Zeit
haben  sie  sich  vor  Toul  in  großer  Panik  zurückgezogen  und  gehen  auf
Metz  zurück.  (Tägl.  Rundsch.,  23.  Oktober.)

                                Die  Kämpfe  bei  Przemysl.
                                 3400  Russen  gefangen.
                         Die  Oesterreicher  in  Czernowitz.

Wien.  22.  Oktober.  Amtlich  wird  gemeldet:  22.  Oktober,  mittags:
In  der  Schlacht  beiderseits  des  Strwiaz  gelang  es  uns,  nun  auch  im
Raum  südlich  dieses  Flusses  den  Angriff  vorwärts  zu  tragen.  Auf  der
beherrschenden  trigonometrischen  Höhe  668  südöstlich  Stary  Sambor
wurden  zwei  hintereinander  liegende  Verteidigungsstellungen  des
Feindes  genommen.  Nordwestlich  des  genannten  Ortes  gelangte  unsere
Gefechtslinie  näher  an  die  Chaussee  nach  Starasol  heran.  Nach  den  bisherigen
  Meldungen  wurden  in  den  letzten  Kämpfen  3400  Russen,  darunter
25  Offiziere,  gefangen  genommen  und  fünfzehn  Maschinengewehre  erbeutet.
  In  Czernowitz  sind  unsere  Vortruppen  eingerückt.
                  Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                                    v.  Hoefer,  Generalmajor.

                        Ein  Elückwunsch  für  General  von  Beseler.

Der  Befehlshaber  der  Belagerungstruppen  von  Antwerpen,  General
der  Infanterie  v.  Beseler,  erhielt  folgendes  Telegramm:
„Ein  tausendfaches  treudeutsches  Heil  dem  verbündeten  Bezwinger
Antwerpens.  Für  die  deutsche  Arbeiterpartei  Oesterreichs:  Pulz.
Liesing.
e  v.  Beseler  antwortete:  Herzlichen  Dank  für  freundlichen
Glückwunsch  und  deutschen  Gruß.  Ich  bin  stolz  auf  die  erfolgreiche  Mitwirkung
  tapferer  österreichischer  Krieger  beim  Kampf  um  Antwerpen.

                                                                                            (W.  T.  B.)
                               Portugal  besinnt  sich.

                                                                                 Wien,  23.  Oktober.
Nach  diplomatischen  Informationen  aus  Lissabon  setzen  sich  dort  einflußreiche
  Politiker  für  Aufrechterhaltung  der  Neutralität  Portugals  ein,
und  es  soll  Aussicht  vorhanden  sein,  daß  ihre  Bemühungen  Erfolg  haben

werden.

London,  22.  Oktober.  (W.T.B.)  „Daily  Chronicle“  meldet:  Die
kürzlich  umlaufenden  Gerüchte  von  einer  bevorstehenden  Einmischung
        <pb n="118" />
                                                     —  643  —

Portugals  in  den  europäischen  Konflikt  sind  unbegründet.  (Offenbar  hat
die  englische  Politik  durch  die  Begünstigung  der  Monarchisten,  die  sogleich
zu  einer  Erhebung  schritten,  ihren  eigenen  Interessen  entgegengearbeitet.
Nichts  natürlicher  als  die  Antwort  des  portugiesischen  Kabinetts,  daß  es
jetzt  seine  Truppen  zur  Aufrechterhaltung  der  Ordnung  im  Lande  brauche.
In  der  Tat  würde  der  Abmarsch  der  Armee  nach  Frankreich  cder  Afrika
das  Ende  der  Republik  sein.  Die  Red.)  (W.T.  B.)

                                Die  Flucht  der  Russen.

W.T.  B.  Ofenpest,  22.  Oktober.  Nach  Blättermeldungen  sind
die  österreichisch-ungarischen  Truppen,  nachdem  sie  die  Russen  aus  Sereth
vertrieben  hatten,  gegen  Czernowitz  vorgedrungen.  Die  Russen  haben
Czernowitz  verlassen  und  sind  in  nordwestlicher  Richtung  abgezogen.

                                Der  Kampf  um  die  Küste.

             Amtlich.  Großes  Hauptqauartier,  23.  Oktober  vormittags.

Am  Pserkanal  wurden  gestern  Erfolge  errungen.  Südlich  Dixmuiden
sind  unsere  Truppen  vorgedrungen.  Westlich  Lille  waren  unsere  Angriffe
erfolgreich.  Wir  setzten  uns  in  Besitz  mehrerer  Ortschaften.  Auf  der
übrigen  Front  des  Westheeres  herrschte  im  wesentlichen  Ruhe.

Im  Osten  wurden  russische  Angriffe  in  Gegend  westlich  Augustow
zurückgeschlagen,  dabei  mehrere  Maschinengewehre  erbeutet.

Vom  südöstlichen  Kriegsschauplatz  liegen  noch  keine  abschließenden

Meldungen  vor.  (W.T.B).

                    Befestigung  Lembergs  durch  die  Russen.
                                                                              Wien,  23.  Oktober.

Die  Russen,  die  ursprünglich  ihre  Truppen  bis  auf  eine  kleine  Besatzung
  aus  Lemberg  zurückgezogen  hatten,  warfen  nach  dem  Entsatz  von
Przemysl  durch  die  k.  k.  Armee  außerordentliche  Verstärkungen  nach
Lemberg.  Gegenwärtig  liegen  dort  80  000  Mann.  Tag  und  Nacht
arbeiten  sie  an  der  Befestigung  der  Stadt.  Die  Bevölkerung  wird  zum
Schanzengraben  gezwungen.  Die  anfangs  milde  Behandlung  der  Bewohner
  ist  einem  rohen  Regime  gewichen.  Es  fehlt  an  Nahrungsmitteln.
Raubanfälle  mehren  sich  allabendlich.  Die  Russen  wollen  Lemberg  um
jeden  Preis  halten.  (Voss.  Ztg.,  23.  Okt.)

            „Takatschio“  durch  ein  deutsches  Torpedo  vernichtet.

Aus  Shanghai  kommt  über  Rotterdam  folgende  telegraphische  Meldung:
  Sicherem  Vernehmen  nach  ist  der  japanische  Kreuzer  „Takatschio“
vor  Tsingtau  nicht  auf  eine  Mine  gelaufen,  sondern  durch  einen  Angriff
des  Torpedobootes  „S  90“  vernichtet  worden.  Das  Torpedoboot  würde
nach  dem  Angriffe  60  Seemeilen  südlich  von  Tsingtau  vom  Komman-=danten
  auf  Strand  gesetzt  und  gesprengt.  Die  Mannschaft  ist  gerettet.
(Voss.  Ztg.,  23.  Okt.)

                          Ein  tapferer  Deutscher  in  Samoa.

Zur  Besetzung  Samoas  durch  die  Engländer  schreibt  der  Direktor  des.
Museums  für  Völkerkunde  in  Berlin,  Prof.  v.  Luschan,  in  einem  aus  Pago-Pago,
  dem  Hafen  der  amerikanischen  Samoainsel  Tutuila,  an  den  Staats-
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                                                      —  644  —

sekretär  des  Reichs-Kolonial-amts  Dr.  Solf  gerichteten  und  von  Honolulu
aus  abgesandten  Briefe  u.  a.  folgendes:

„Vielleicht  darf  ich  auch  mitteilen,  wie  die  hiesigen  Amerikaner  voll  Begeisterung
  von  dem  Leiter  der  deutschen  Funkenstation  in  Apia  erzählen,  daß
er  im  letzten  Augenblick  seinen  Apparat  unbrauchbar  gemacht,  und  daß  er  die
Engländer  ausgelacht  habe,  als  sie  ihm  100  000  M.  boten,  wenn  er  ihnen
den  Apparat  wieder  in  Ordnung  brächte.  Noch  mehr  aber  hätte  er  den
Leuten  ins  Gesicht  gelacht,  als  sie  ihn  mit  Erschießen  gedroht.“

Der  wackere  Deutsche,  namens  Hirsch,  Angestellter  der  deutschen  Südsee-Gesellschaft
  für  drahtlose  Telegraphie,  ist  schließlich  von  den  Engländern  aus
Samoa  weggeführt  worden.  (W.T.  B.)

                              Die  „Karlsruhe“  im  Atlantik.

London,  23.  Oktober.  Das  Reutersche  Buro  meldet  aus  Las
Palmas:  Der  deutsche  Dampfer  „Krefeld“  ist  in  Teneriffa  eingelaufen  mit
den  Mannschaften  von  dreizehn  britischen  Dampfern  an  Bord,  die  der
deutsche  Kreuzer  „Karlsruhe“  in  der  Antlantik  versenkt  hat.  Die  Gesamttonnage
  der  versenkten  Dampfer  beläuft  sich  auf  sechzigtausend  Tonnen.

                         Erfolglose  Beschießung  von  Tsingtau.

Rotterdam,  23.  Oktober.  Die  Festung  Tsingtau  ist  von  zwei  japanischen
  Kriegsschiffen  und  dem  englischen  Linienschiff  „Triumph“  bis  heute
ohne  Erfolg  beschossen  worden.  Am  14.  Oktober  wurde  dabei  das  Oberdeck
des  „Triumph“  durch  einen  schweren  Haubitz-Treffer  durchschlagen.  Das
deutsche  Kanonenboot  „Jaguar“  ist  leicht  beschädigt  worden.

(Voss.  Ztg.,  24.  Okt.

                         Der  Sieg  der  Wahrheit  in  Amerika.

Eine  mit  der  Post  in  Berlin  eingetroffene  Nummer  der  New  Vorker
Evening  Post  vom  5.  d.  M.  enthält  einen  Leitartikel,  in  dem  es  heißt:

Daß  das  deutsche  Volk  während  der  letzten  beiden  Monate  ein  wunderbares
  Schauspiel  von  Einigkeit,  Hingebung  und  gehobenem  Nationalgefühl
gegeben  hat,  kann  niemand  mehr  in  Frage  ziehen.  Die  Beweise  dafür  sind
überwältigend;  einige  der  eindrucksvollsten  stammen  von  Amerikanern,  die
sich  während  der  Mobilmachung  und  der  ersten  Tage  des  Krieges  in
München  oder  Frankfurt  oder  Berlin  befanden.  Auf  diese  ausländischen
Beobachter  an  Ort  und  Stelle  wirkte  der  Geist,  der  unter  den  Deutschen  aller
Klassen  herrschte,  noch  mehr  als  die  Präzision  und  Kraft  der  militärischen
Vorbereitungen.  Die  Soldaten  gingen  begeistert  zur  Front,  aber  diejenigen,
die  zurückblieben,  zeigten  eine  Hingebung  und  Bereitwilligkeit,  wenn  nötig,
alles  zu  opfern,  die  selbst  noch  tiefer  war.  Eine  amerikanische  Dame,  die
Zeugin  des  Gemeinsamkeitsgefühls  der  ganzen  Bevölkerung  einer  deutschen
Stadt  war  und  besonders  die  Seelenstärke  der  deutschen  Frauen  angesichts
der  ihnen  bevorstehenden  furchtbaren  Verluste  und  Leiden  beobachtete,  kann
heute  nur  noch  mit  Tränen  in  den  Augen  von  diesem  Schauspiel  sprechen.

(Dtsch.  Tagesztg.,  24.  Okt.)

                      Niederlage  der  Russen  vor  Iwangorod.

Wien,  23.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  23.  Oktober,  mittags.
Während  gestern  die  Schlacht  südlich  von  Przemysl  hauptsächlich  unsere
        <pb n="120" />
                                                             —  645  —

gegen  die  feindlichen  Stützpunkte  eingesetzte  schwere  Artillerie  das  Wort
hatte,  entwickelten  sich  heftige  Kümpfe  am  unteren  San,  wo  wir  den  Gegner
an  mehreren  Punkten  auf  das  westliche  Ufer  übergehen  ließen,  um  ihn  angreifen
  und  schlagen  zu  können.

Die  übergegangenen  russischen  Kräfte  sind  bereits  überall  dicht  an  den
Fluß  gepreßt.  Bei  Zarzecze  machten  wir  über  tausend  Gefangene.

Teile  unseres  Heeres  erschienen  berraschend  vor  Iwangorod,  schlugen
zwei  feindliche  Divisionen,  nahmen  3600  Russen  gefangen  und  erbeuteten
eine  Fahne  und  fünfzehn  Maschinengewehre.

Bei  der  Rückkehr  von  einer  erfolgreichen  Aktion  in  der  Save  stieß  unser
Flußmonitor  „Tames“  auf  eine  feindliche  Mine  und  sank.  Von  der  Bemannung
  werden  33  Personen  vermißt;  die  übrigen  sind  gerettet.

                    Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                        von  Höfer,  Generalmajor.
                                                                        (Germania,  24.  Okt.)

                             Churchills  Sündenregister.

(W.T.  B.)  London,  23.  Oktober.  Die  Morning  Post  setzt  ihre  Angriffe
  auf  Churchill  fort.  Sie  schreibt:  „Es  ist  bemerkenswert,  daß,  während
die  Nation  gegenwärtig  Vertrauen  zu  dem  Kriegsamt  hat,  überall  schwere
Zweifel  über  die  Zusammensetzung  des  Admiralitätskollegiums  geäußert
werden.  Weder  der  Erste  Lord  noch  der  Erste  Seelord  noch  die  Verbindung
beider  überzeugen  die  Nation  davon,  daß  die  allerbesten  Talente  die  Flotte
leiten.  Die  Regierung  scheint  entschlossen  zu  sein,  sich  der  Gefahr  auszusetzen,
einen  Zivilisten,  der  sich  in  Angelegenheiten,  für  die  er  unzuständig  ist,  einmischt,
  als  Chef  des  Ressorts  beizubehalten:  Die  Regierung  setzt  sich  dabei
einer  sehr  großen  Gefahr  aus,  da  die  deutsche  Marine  von  Admiralen  geführt
wird,  die  ihr  ganzes  Leben  dem  Studium  des  Seekrieges  gewidmet  haben,
und  die  die  besten  Kräfte  sind,  die  Deutschland  auf  diesem  Gebiete  aufweist.
Wenn  ein  nicht  fachmännischer  Politiker  an  der  Spitze  der  Admiralität
bleibt,  so  sollten  die  besten,  nicht  in  einem  aktiven  Kommando  befindlichen
Männer  zu  Seelords  gemacht  werden,  und  dies  Kollegium  sollte  seine  Amtspflichten
  ohne  Einmischung  des  Ersten  Lords  ausüben  können.  Wenn
Churchill  in  der  Admiralität  bleibt,  kann  er  endgültig  auf  seine  eigenen
Pflichten  beschränkt  werden.  Seine  Macht,  über  den  Kopf  des  Kollegiums
Entscheidungen  zu  treffen,  würde  aufhören,  es  würde  ihm  unmöglich  sein,
ohne  Genehmigung  des  Kollegiums  Marinetruppen  in  militärische  Operationen
  zu  stürzen.  Ein  solcher  Skandal,  wie  die  Benutzung  einer  Brigade
Rekruten,  die  noch  nie  ein  Gewehr  abgefeuert  hatten,  ohne  Artillerieunterstützung
  gegen  den  stärksten  Belagerungspark  Europas  wäre  dann  unmöglich.
  Das  öffentliche  Vertrauen  würde  völlig  wiederhergestellt  sein.“

                          Die  Verteidigung  von  Kiauntschou.

Mit  Stolz  blickt  ganz  Deutschland  auf  die  kleine  Heldenschar,  die,
geführt  vom  Kapitän  Meyer-Waldeck  und  unterstützt  von  der  Besatzung  des
österreichischen  Kreuzers  „Kaiserin  Elisabeth“,  unseren  Außenposten  im
fernsten  Osten  gegen  eine  Uebermacht  weißer  und  gelber  —  Engländer  verteidigen.
  Man  wird  es  verstehen,  was  es  heißen  will,  wenn  die  „Norddeutsche
  Allgemeine  Zeitung“  vom  23.  Oktober  jetzt  die  Aufmerksamkeit  auf
diese  heldenhafte  Verteidigung  lenkt  und  darüber  sagt:

                                                                                 41
        <pb n="121" />
                                                      —  646  —

„Mit  dem  erhebenden  Bewußtsein,  daß  deutscher  Heldenmut  auch  im
fernen  Osten  sich  zu  betätigen  weiß,  sind  die  Bliche  des  deutschen  Vaterlandes
auf  das  Häuflein  tapferer  Krieger  gerichtet,  die  Kiautschou  gegen  den  Raubanfall
  der  Japaner  verteidigen.  Nur  spärliche  Nachrichten  dringen  zu  uns

erüber,  aber  was  wir  hören,  beweist,  welcher  Taten  unsere  in  deutscher

Pflichttreue  auf  ihrem  Posten  ausharrende  Wacht  im  fernen  Land  fähig  ist.
Alle  Versuche  des  an  Zahl  weit  überlegenen  Feindes,  unsere  Stellungen  zu
erstürmen,  sind  gescheitert.  Bereits  liegen  2500  Japaner  tot  oder  verwundet
  vor  den  Wällen  Tsingtaus.  Wohl  ist  auch  schon  mancher  unserer  dort
kämpfenden  Helden  gefallen,  aber  unerschüttert  ist  der  Mut  der  Besatzung,
die  getreu  dem  schlichten  Versprechen  ihres  tapferen  Führers  bis  zum
Aeußersten  ihre  Pflicht  tun  wird.  Es  ist  wohl  kaum  anzunehmen,  daß  Japan
noch  in  letzter  Stunde  einsehen  wird,  welch  verhängnisvollen  Irrtum  es
begeht,  wenn  es  glaubt,  nach  Verdrängung  Deutschlands  aus  China  dort
Rußland  und  England  gegenüber  seine  Hegemonie  errichten  zu  können.  Die
Ernüchterung  wird  nur  zu  bald  kommen,  und  zwar  in  dem  Augenblick,  wo
Japan  versuchen  wird,  dem  jetzigen  Bundesgenossen  nach  geleistetem  Vasallendienst
  die  Rechnung  zu  präsentieren.

Nachdem  Japan  einmal  in  seiner  Verblendung  der  englischen  Politik
Opfer  an  Gut  und  Blut  gebracht,  nachdem  es  die  chinesische  Neutralität
unter  aktiver  Beihilfe  der  sonst  für  die  Erhaltung  der  Neutralität  der  am
Kriege  nicht  beteiligten  Staaten  vorgeblich  so  besorgten  Engländer  gebrochen
  hat,  wird  es  auf  dem  Wege  fortschreiten,  auf  den  es  sich  von  seinem
Verbündeten  hat  drängen  lassen.  Sollte  im  Laufe  der  Ereignisse  die  kleine
Schar  unserer  braven  Verteidiger  der  Ueberzahl  der  Feinde  und  dem  Uebergewicht
  ihrer  schweren  Artillerie  [schliehlich  erliegen,  so  wird  ihr  Ende  ruhmvoll
  sein,  und  in  dem  Gedanken  des  deutschen  Volkes  werden  die  Braven
von  Tsingtau  ewig  fortleben.  Schon  jetzt  ist  die  Verteidigung  von  Kiautschou
ein  Ruhmesblatt  in  der  deutschen  Kriegsgeschichte,  auf  das  wir  stolz  sind.
Aber  Deutschland  wird  es  auch  nie  vergessen,  wer  der  Anstifter  und  der  Ausführer
  des  heimtückischen  Ueberfalles  war,  dem  seine  Söhne  im  fernen  Land
zum  Opfer  fielen  und  der  die  Früchte  langjähriger  deutscher  Kulturarbeit
vernichtete.“    

Dem  wird  das  deutsche  Volk  aus  tiefstem  Herzen  zustimmen;  es  weiß,
was  es  den  Helden  von  Kiautschou  schuldig  ist,  und  wird  es  nicht  vergessen.

                         Ein  englisches  Torpedoboot  aufgelaufen.

London,  23.  Oktober.  „Times“  meldet:  Das  britische  Torpedoboot
  „Dryaden“  ist  an  der  Nordküste  Schottlands  auf  Grund  gelaufen.  Die
Mannschaft  wurde  gerettet.  «

Das  Schiff  selber  scheint  demnach  verloren  zu  sein,  und  die  ganze
Meldung  erinnert  lebhaft  an  die  früheren  Fälle,  in  denen  englische  Schiffe
in  ihren  eigenen  Gewässern,  an  ihren  eigenen  Küsten  „auf  Klippen“  aufliefen
  und  sanken.

Erfolge  der  Oesterreicher  gegen  die  Serben  und  Montenegriner:
Siegreiche  dreitägige  Schlacht  in  Bosnien.
(W.T.  B.)  Wien,  24.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  23.  Oktober.

  Die  starken  serbischen  und  montenegrinischen  Kräfte,  welche  seinerzeit
  über  die  von  Truppen  entblößten  südöstlichen  Grenzteile  im  östlichen
        <pb n="122" />
                                                     —  647          —

Bosnien  eingedrungen  Sind  und  die  einheimische  moslemitische  Bevölkerung
auch  mit  einer  zügellosen  Horde  von  plündernden  und  mordenden  Freischaren
  heimgesucht  haben,  wurden  am  22.  d.  M.  nach  dreitägigen  erbitterten
  Kämpfen  im  Raume  beiderseits  der  Straße  Mokro—Regatica  geschlagen
und  zum  eiligen  Rückzug  gezwungen.  Die  Details  dieses  Treffens,  in  welchem
unsere  Truppen  unvergleichlich  bravourös  gekämpft  und  den  Gegner  aus
mehreren  hintereinander  gelegenen  befestigten  Stellungen  mit  dem  Bajonett
wiederholt  geworfen  haben,  werden  wegen  der  im  Zuge  befindlichen  weiteren
  Aktionen  der  nächsten  Berichterstattung  vorbehalten.

                                                                       Potiorek,  Feldzeugmeister.

                         21  französische  Generale  gefallen.
                            Die  großen  russischen  Verluste.

(W.T.B.)  Bern,  23.  Oktober.  Der  „Bund“  zitiert  unter  der  Ueberschriftt
  „Der  Blutzoll  der  französischen  Generale“  die  „Perseveranza“,
welche  die  Meldung  bringt,  daß  bisher  wenigstens  21  französische  Generale
oder  in  Generalsstellungen  befindliche  Offiziere  gefallen  seien,  darunter
4  Divisionskommandeure:  Bridoux  (nicht  Eydoux),  fünfte  Kavalleriedivision,
  Battisti,  37.  Infanteriedivision  zweiter  Linie,  gefallen  am  5.  Oktober,
ferner  17  Brigadegenerale  oder  Obersten  in  Brigadekommandeurstellungen.
Auch  die  Engländer  hätten  laut  „Daily  Mail“  mehrere  Armeekorpskommandeure
  verloren.

                    Vorwärtsbewegungen  unserer  Truppen.

Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  24.  Oktober,  vormittags.
Die  Kämpfe  am  Pser-Dpres-Kanal-Abschnitt  sind  außerordentlich  hatnäckig.
Im  Norden  gelang  es  uns,  mit  erheblichen  Kräften  den  Kanal  zu  überschreiten.
  Oestlich  Dpres  und  südwestlich  Lille  drangen  unsere  Truppen  in
heftigen  Kämpfen  langsam  weiter  vor.  Ostende  wurde  gestern  in  völlig
zweckloser  Weise  von  englischen  Schiffen  beschossen.

Im  Argonnenwald  kamen  unsere  Truppen  ebenfalls  vorwärts;  es
wurden  mehrere  Maschinengewehre  erbeutet  und  eine  Anzahl  Gefangener
gemacht.  Zwei  französische  Flieger  wurden  hier  heruntergeschossen.

Nördlich  von  Toul  bei  Flirey  lehnten  die  Franzosen  eine  von  uns  zur
Bestattung  ihrer  in  großer  Zahl  vor  der  Front  liegenden  Toten  und  zur
Bergung  ihrer  Verwundeten  angebotene  Waffenruhe  ab.

Westlich  Augustow  erneuerten  die  Russen  ihre  Angriffe,  die  sämtlich
abgeschlagen  wurden.  (W.T.B.)

                    Die  jüngsten  Erfolge  unserer  Unterseeboote.

(W.T.B.)  Berlin,  24.  Oktober.  Die  bereits  srüher  nichtamtlich
gemeldete,  am  13.  Oktober  mittags  erfolgte  Vernichtung  des  englischen
Kreuzers  „Hawke“  durch  ein  deutsches  Unterseeboot  wird  hierdurch  amtlich

bestätigt.

Das  Unterseeboot  ist  wohlbehhalten  zurückgekehrt.  Am  20.  Oktober  ist
der  englische  Dampfer  „Glitra“  an  der  norwegischen  Küste  von  einem
deutschen  Unterseeboot  durch  Oeffnen  der  Ventile  versenkk  worden,  nachdem
die  Besatzung  auf  Aufforderung  das  Schiff  in  den  Schiffsbooten  verlassen
hatte.  Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.  Behncke.

                                                                   41*
        <pb n="123" />
                                                     —  648  —
Denkschrift  über  die  Stellung  Englands  und  Frankreichs  zu  der  Londoner

                                Seekriegs-Erklärung.
Die  Kaiserlich  Deutsche  Regierung  hat  den  neutralen  Mächten  nachstehende

Denkschrift

über  die  Stellung  Englands  und  Frankreichs  zu  der  Londoner  Seekriegsrechts-Erklärung
  mitgeteilt:

Nach  einer  Order  in  Council  vom  20.  August  1914  will  die  Britische
Regierung  während  des  gegenwärtigen  Krieges  die  Londoner  Seekriegsrechts-Erklärung
  vom  26.  Februar  1909  mit  einigen  Zusätzen  und  Abänderungen
  beobachten.  Diese  Zusätze  und  Abänderungen  sind  aber  derart,  daß
sie  die  Londoner  Erklärung  in  wesentlichen  Punkten  aufheben  und  dadurch
gleichzeitig  in  das  geltende  Völkerrecht  eingreifen.  Weitere  sehr  erhebliche
Abweichungen  von  der  Londoner  Erklärung  sind  in  einer  britischen  Proklamation
  vom  21.  September  1914  enthalten.

                                                  I
Die  einschneidendste  Abänderung  der  Londoner  Erklärung  findet  sich  in
den  Bestimmungen  über  die  relative  Konterbande  unter  Nr.  3  und  5  der
Order  in  Council

Die  Londoner  Erklärung  bestimmt  in  Artikel  33,  daß  der  Begriff  der
relativen  Konterbande  nur  dann  Anwendung  findet,  wenn  die  verfrachteten
Gegenstände  für  den  Gebrauch  der  Verwaltungsstellen  oder  der  Streitmacht
des  feindlichen  Staates  bestimmt  sind.  Ferner  soll  nach  Artikel  35  der
Begriff  der  relativen  Konterbande  ohne  weiteres  ausgeschlossen  sein,  wenn
sich  das  Schiff  auf  der  Fahrt  nach  einem  neutralen  Hafen  befindet.

Diese  Bestimmungen,  die  im  wesentlichen  dem  geltenden  Völkerrecht
entsprechen  und  auf  einer  billigen  Abwägung  der  Interessen  der  kriegführenden
  Staaten  einerseits  und  der  neutralen  Staaten  andererseits  beruhen,
  sind  durch  die  Order  in  Council  so  gut  wie  aufgehoben  worden.
Denn  nach  Nr.  3  der  Order  soll  die  Vermutung  für  die  feindliche  Bestimmung
  der  Güter  in  jedem  Falle  Platz  greifen,  wo  der  Empfänger  der  Ware
unter  der  Kontrolle  der  Behörden  des  feindlichen  Staates  steht;  das  bedeutet
aber  nichts  anderes,  als  daß  jede  nach  dem  feindlichen  Lande  gerichtete  Sendung
  der  Beschlagnahme  ausgesetzt  ist,  da  sich  dort  sämtliche  Bewohner  unter
der  Kontrolle  der  Landesbehörden  befinden.  Diese  Bestimmung  erhält  ihre
Ergänzung  in  Nr.  5  der  Order,  wonach  auch  das  auf  der  Fahrt  nach  einem
neutralen  Hafen  befindliche  Schiff  wegen  relativer  Konterbande  aufgebracht
werden  kann;  hier  wird  also  entgegen  dem  Artikel  35  der  Londoner  Erklärung
  der  nur  auf  die  absolute  Konterbande  anwendbare  Begriff  der  fortgesetzten
  Reise  auf  die  relative  Konterbande  ausgedehnt.

Auf  diese  Weise  werden  die  milderen  Regeln  der  Londoner  Erklärung
für  die  relative  Konterbande  beseitigt  und  letztere  im  Ergebnis  der  absoluten
  Konterbande  völlig  gleichgestellt.  Damit  wird  der  zur  Versorgung  der
Bevölkerung  eines  kriegführenden  Staates  bestimmte  neutrale  Handel  mit
Gegenständen  der  relativen  Konterbande,  also  insbesondere  mit  Lebensmitteln,
  der  im  geltenden  Völkerrecht  als  legitim  anerkannt  ist,  nahezu  illusorisch
  gemacht  und  so  das  Interesse  des  Kriegführenden  wie  der  Neutralen
in  völkerrechtswidriger  Weise  verletzt.  Wie  die  Ereignisse  auf  dem  Seekriegsschauplatz
  beweisen,  geht  England  nach  dieser  Richtung  in  der  rück-
        <pb n="124" />
                                                   —  649  —

sichtslosesten  Weise  vor,  dergestalt,  daß  es  sogar  den  für  die  Nachbarländer
Deutschlands  bestimmten  Bedarf  in  Kontrolle  nimmt,  und  dadurch  auch
deren  Versorgung  in  Frage  stellt.

                                             II.

Die  Britische  Regierung  glaubt  sich  über  die  in  den  Artikeln  22,  24  und
28  der  Londoner  Erklärung  enthaltenen  Listen  der  absoluten  Konterbande,
der  relativen  Konterbande  und  der  nicht  als  Konterbande  zu  erklärenden
Waren  (Freiliste)  ohne  weiteres  hinwegsetzen  zu  können.  Sie  hat  in  ihrer
durch  die  Order  in  Council  unter  Nr.  1  aufrechterhaltenen  Konterbandeerklärung
  vom  5.  Augustl914  Luftfahrzeuge  und  deren  Bestandteile  als  absolute
  Konterbande  bezeichnet,  während  diese  nach  Artikel  24  Nr.  8  der  Londoner
  Erklärung  nur  als  relative  Konterbande  angesehen  werden  könne.
Vor  allem  aber  hat  sie  in  der  Proklamation  vom  21.  September  1914
Gummi,  Häute  und  Felle  sowie  verschiedene  Sorten  Eisenerz  als  relative
Konterbande  erklärt,  obwohl  diese  Gegenstände  nicht  oder  doch  nur  sehr
mittelbar  für  kriegerische  Zwecke  verwendbar  sind  und  daher  auf  der  Freiliste
  des  Artikels  28  stehen  (vgl.  Nr.  3,  4,  6).  Damit  wird  zugleich  allgemein
anerkannten  Regeln  des  Völkerrechts  ins  Gesicht  geschlagen,  wonach  der
neutrale  Handel  mit  Gegenständen  ausschließlich  friedlichen  Gebrauchs  durch
die  Kriegführenden  nicht  gestört  werden  darf.

                                               III.

Eine  weitere  Verschärfung  der  Bestimmungen  über  die  Konterbande
ergibt  sich  aus  Nr.  2  der  Order  in  Council.  Denn  der  Artikel  38  der  Londoner
  Erklärung  läßt,  entsprechend  dem  geltenden  Völkerrecht,  eine  Beschlagnahme
  des  Schiffes  wegen  Konterbande  nur  zu,  solange  sich  diese  an  Bord
befindet;  dagegen  will  die  Britische  Regierung,  wenn  die  Beförderung  der
Konterbande  unter  Mitnahme  falscher  Papiere  erfolgt  ist,  das  Schiff
während  der  ganzen  Dauer  der  Reise  mit  Beschlag  belegen.  Auf  diese  Weise
ist  der  neutrale  Schiffsverkehr  mit  dem  feindlichen  Gebiet  andauernden
Schikanen  ausgesetzt,  da  das  Schiff  nicht  nur  auf  Grund  einer  offenkundigen
Tatsache,  nämlich  des  Vorhandenseins  von  Konterbande,  sondern  auch  auf
Grund  einer  häufig  nicht  nachweisbaren  Behauptung  über  sein  früheres
Verhalten  aufgebracht  werden  wird.

                                                       IV.

Durch  die  Bestimmung  in  Nr.  4  der  Order  in  Council  wird  die  Wegnahme
  wegen  Blockadebruchs  in  unbilliger  Weise  erweitert,  da  hiernach  die
Vermutung  für  die  Kenntnis  der  Blockade  auch  dann  eintreten  soll,  wenn
das  Schiff  nach  Ablauf  einer  gewissen  Zeit  seit  der  Bekanntgabe  der  Blockade
eines  feindlichen  Hafens  an  die  dortigen  Ortsbehörden  einen  anderen  feindlichen
  Hafen  verlassen  hat.  Durch  diese  Bestimmung  will  die  Britische  Regierung
  die  Behörden  des  feindlichen  Staates  über  die  durch  das  Völkerrecht
gezogenen  Grenzen  hinaus  in  den  Dienst  der  eigenen  Seestreitkräfte  stellen
und  diesen  Dienst  durch  die  Wegnahme  neutraler  Schiffe  erzwingen.

                                                   V.

Nach  einem  in  der  Londoner  Erklärung  bestätigten  völkerrechtlichen
Grundsatz  dürfen  an  Bord  eines  neutralen  Kauffahrteischiffes  nur  solche
Personen  zu  Kriegsgefangenen  gemacht  werden,  die  bereits  in  die  feindliche
Streitmacht  eingereiht  sind.  Dieser  Satz  ergibt  sich  aus  dem  Artikel  45
        <pb n="125" />
                                                        —  650  —

Absatz  1  Nr.  1  in  Verbindung  mit  dem  Artikel  47  und  ist  im  Generalberichte
des  Redaktionsausschusses  der  Londoner  Konferenz  im  ersten  Absatz  der  Bemerkungen
  zum  Artikel  45  noch  näher  ausgeführt  worden;  denn  wie  der
Generalbericht  bemerkt,  war  sowohl  aus  juristischen  wie  aus  praktischen
Gründen  die  ganze  Konferenz  darin  einig,  daß  nur  aktive  Militärpersonen,
nicht  aber  solche  Personen,  die  sich,  wie  beispielsweise  Reservisten,  zur  Erfüllung
  ihrer  allgemeinen  Dienstpflicht  nach  der  Heimat  begeben,  der  Gefangennahme
  auf  einem  neutralen  Schiffe  unterliegen.  Obwohl  die  britische
  Order  in  Council  die  beiden  Artikel  ebenso  wie  die  Bemerkungen  des
Generalberichtes  als  für  die  Regierung  verbindlich  anerkannt  hat,  haben
doch  die  britischen  Seestreitkräfte  deutsche  Wehrpflichtige,  die  nicht  in  die
Streitmacht  eingereiht  waren,  von  Kauffahrteischiffen  der  niederländischen,
der  norwegischen  und  der  italienischen  Flagge  weggenommen  und  zu  Kriegsgefangenen
  gemacht.  Auf  diese  Weise  haben  sie  nicht  nur  die  in  der  Londoner
Erklärung  wiedergegebenen  völkerrechtlichen  Grundsätze,  sondern  auch  die
eigenen  staatsrechtlichen  Normen  gröblich  verletzt.

Nach  einem  im  „Journal  officiel“  vom  26.  August  1914  veröffentlichten
Dekret  des  Präsidenten  der  Französischen  Republik  hat  sich  Frankreich  auf
denselben  Standpunkt  gestellt  wie  Großbritannien  in  seiner  Order  in  Council.
  Auch  haben  die  französischen  Seestreitkräfte  in  gleicher  Weise  wie  die
britischen,  wehrpflichtige  Deutsche  von  neutralen  Schiffen,  insbesondere  von
niederländischen  und  spanischen,  weggenommen.

Die  Verordnungen  und  darüber  hinausgehend  die  Seestreitkräfte  Großbritanniens
  und  Frankreichs  setzen  sich  hiernach  über  die  in  der  Londoner
Seekriegsrechterklärung  niedergelegten  Regeln  in  willkürlichster  Weise  hinweg.
  Sie  verfolgen  ausgesprochenermaßen  den  Zweck,  durch  Lahmlegung
des  neutralen  Handels  nicht  nur  die  Kriegführung,  sondern  auch  die  Volkswirtschaft
  ihrer  Gegner  zu  treffen,  und  greifen  dabei  in  unzulässiger  Weise
sowohl  in  den  legitimen  Handel  der  Neutralen  mit  dem  Gegner,  als  auch  in
den  Handel  der  Neutralen  untereinander  ein.  Die  Londoner  Erklärung  ist
zwar  bisher  nicht  ratifiziert  worden;  wie  indes  die  Bevollmächtigten  der
Signatarmächte  mit  Einschluß  der  britischen  und  französischen  in  der  Einleitenden
  Bestimmung  ausdrücklich  festgestellt  haben,  entsprechen  die  Regeln
der  Londoner  Erklärung  im  wesentlichen  den  allgemein  anerkannten  Grundsätzen
  des  internationalen  Rechtes.  Die  von  Großbritannien  und  Frankreich
  beliebten  Verletzungen  der  Londoner  Erklärung  stellen  sich  daher  hugleich
  als  Verletzungen  des  Völkerrechts  dar,  die  um  so  schwerer  ins  Gewicht
fallen,  als  Großbritannien  in  Kriegen,  in  denen  es  neutral  war,  wie  beispielsweise
  im  Russisch-Japanischen  Kriege,  gegen  solche  Rechtsverletzung
auf  das  nachdrücklichste  Einspruch  erhoben  hat  (vagl.  das  englische  Blaubuch
Russia  Nr.  1,  1905,  Correspondence  respecting  Contraband  of  War  S.  3  ff.).

Die  Kaiserlich  Deutsche  Regierung  hat  bisher  die  Bestimmung  der  Londoner
  Erklärung  streng  beobachtet,  auch  deren  Inhalt  in  der  deutschen
Prisenordnung  vom  30.  September  1909  (Reichs-Gesetzbl.  S.  275),  sinngetreu
  wiedergegeben;  an  dieser  Haltung  hat  sie  sich  selbst  durch  die  flagranten
  Rechtsverletzungen  ihrer  Gegner  nicht  irre  machen  lassen.  Sie  muß  sich
indes  die  Frage  vorlegen,  ob  sie  an  diesem  Standpunkt  noch  länger  festhalten
kann,  wenn  die  feindlichen  Mächte  das  von  ihnen  eingeschlagene  Verfahren
fortsetzen  und  die  neutralen  Mächte  sich  solche  Neutralitätsverletzungen  zuungunsten
  deutscher  Interessen  gefallen  lassen.  Für  die  Deutsche  Regierung
würde  es  daher  von  Wert  sein,  zu  erfahren,  welche  Stellung  die  neutralen
        <pb n="126" />
                                                     —  651  —

Mächte  zu  dem  völkerrechtswidrigen  Verhalten  Großbritanniens  und  Frankreichs
  einzunehmen  gedenken,  und  ob  sie  insbesondere  gegen  die  an  Bord
ihrer  Schiffe  vorgenommenen  Gewaltakte  an  deutschen  Personen  und
deutschem  Gut  einschreiten  wollen.

Berlin,  den  10.  Oktober  1914.  (Dtsch.  Tagesztg.,  24.  Okt.)

                      Deutsche  Offensive  auf  der  ganzen  Linie.

(W.T.  B.)  Bern,  23.  Oktober.  Der  „Bund"  schreibt  zur  Kriegslage:

Auf  der  ganzen  Linie  von  Nieuport  bis  nach  la  Bassée  ist  die  deutsche
Armee  zur  Offensive  übergegangen;  das  ist  das  wesentliche  Merkmal  der
strategischen  Lage  im  Westen  und  läßt  den  Schluß  zu,  daß  sie  ihren  Aufmarsch
vollendet  hat  und  sich  stark  genug  für  einen  Kampf  mit  offensivem  Ziel  fühlt.
Die  Einnahme  von  Lille  war  die  vorbereitende  strategische  Handlung  zu  der
Schlacht  bei  Dpern.  Das  Mißglücken  der  englisch-französischen  Gegenoffensive
  gegen  Lille  ist  der  zweite  Trumpf  im  Spiele  der  Deutschen.  Gelingt
es  den  Deutschen,  den  feindlichen  rechten  Flügel  von  La  Bassée  auf  Béthune
und  weiter  zurückzudrehen,  so  wird  dieser  auch  von  seiner  ideellen  Verbindung
  mit  Arras  abgeschnitten  und  gegen  die  Küste  gedrückt.  Es  fragt  sich
also  heute  mehr  denn  je,  ob  die  Verbündeten  in  dem  Raume  von  Dünkirchen
noch  kräftige  Reserven  stehen  haben.  Ob  die  Merlinie  selbst  noch  unerschüttert
  ist,  ist  nicht  erkennbar,  doch  scheint  das  Vorgehen  südlich  der  Lys  diese,
wenn  es  nicht  zum  Stehen  gebracht  wird,  von  4  unhaltbar  zu  machen.
Da  es  sich  um  einen  Bewegungskampf  handelt,  reifen  die  Entscheidungen

schneller.
                            Der  König  von  Sachsen  an  den  Kaiser.

Dresden,  24.  Oktober.  Die  „Sächsische  Staatsztg.“  schreibt:  Seine
Majestät  der  König  hat  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  das  Ritterkreuz  und
das  Großkreuz  des  Militär-Sankt-Heinrichs-Ordens  verliehen  und  Allerhöchstihm
  folgendes  Handschreiben  zugehen  lassen:

          Durchlauchtigster,  großmächtigster  Kaiser,
          freundlich  lieber  Herr  Vetter  und  Bruder!

Ew.  Mgajestät  gestatte  Ich  Mir,  Meinen  Militär-Sankt-Heinrichs-Orden
  zu  überreichen.  Dieser  Orden,  nach  dem  sächsischen  Kaiser  Heinrich
dem  Heiligen  genannt,  wird  nur  für  ausgezeichnete,  im  Felde  erworbene-Verdienste
  gegeben,  und  hat  nach  den  Satzungen  jede  Beleihung  mit  dem
Ritterkreuz  zu  beginnen.  Ew.  Mojestät  wollen  deshalb  geruhen,  die  Infignien
  eines  Ritters  huldvollst  entgegenzunehmen.  GEleichzeitig  bitte  Ich
aber  Ew.  Moajestät,  die  Abzeichen  des  Großkreuzes  anzunehmen,  zum  Andenken
  daran,  daß  Meine  Armee  unter  Ew.  Majestät  als  Obersten  Kriegsherrn
  Führung  ehrenvollen  Anteil  nahm  an  den  Kämpfen  für  die  Verteidigung
  unseres  über  alles  geliebten  Deutschen  Vaterlandes.  Mit  der  Versicherung
  wahrer  Hochachtung  und  Freundschaft  verbleibe  Ich  Ew.  Kaiserlichen
und  Königlichen  Majestät  freundwilliger  Vetter  und  Bruder

Friedrich  August.

Das  „Königlich  Sächsische  Militiär-Verordnungsblatt“  veröffentlicht  folgenden
  Armeebefehl.:

Seine  Majestät  hat  Mir  gestern  das  Eiserne  Kreuz  1.  und  2.  Klasse
verliehen.  Ich  habe  diese  Auszeichnung  freudigen  Herzens  angelegt,  betrachte
  Ich  sie  doch  als  eine  erneute  Kaiserliche  Anerkennung  für  die  ganz
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                                                    —  652  —

hervorragenden  Leistungen  Meiner  braven  Truppen.  Ich  habe  die  feste  Zuversicht,
  daß  es  mit  Gottes  Beistand  ihrer  Tapferkeit  gelingen  wird,  auch
weiter  den  Sieg  an  ihre  Fahnen  zu  heften.  Friedrich  August.

                  Der  Kaiser  an  die  Besatzung  von  Tsingtan.

Frankfurta.  M.,  24.  Oktober.  Der  Kaiser  hat,  wie  die  „Frankfurter
  Zeitung“  erfährt,  durch  die  deutsche  Gesandtschaft  in  Peking  am  24.  Aug.
folgendes  Telegramm  an  die  Besatzung  von  Tsingtau  gerichtet:

„Gott  mit  Euch  in  schweren  bevorstehenden  Kämpfen!  Ich  gedenke
Euer.  Wilhelm  I.  R.“                                               (Dtsch.  Tagesztg.)

                             Russische  Kriegsführung.

(W.T.  B.)  Wien,  24.  Oktober.  Aus  dem  Kriegspressequartier  wird
gemeldet:  Die  Methoden  der  russischen  Kriegsführung  finden  durch  eine  aus
zuverlässiger  Quelle  stammende  Nachricht  neuerdings  eine  Illustration.
Hiernach  haben  die  Russen  auf  die  Gefangennahme  oder  den  Tod  eines
Truppenführers  einen  Preis  von  80  000  Rubel  ausgesetzt.  Nun  erklärt
sich  ein  Attentat  auf  diesen  Kommandanten,  das  glücklicherweise  erfolglos

blieb.

                          „U  9“  vernichtete  den  Kreuzer  „Hamke“.

Aus  Rotterdam  wird  der  „Frankfurter  Zeitung“  gedrahtet:  Dag
Unterseeboot  „U  9“  mit  der  gleichen  Besatzung  und  dem  gleichen  Kommandanten,
  Weddigen,  ist  es  gewesen,  das  den  englischen  Kreuzer  „Hawmke“
jüngst  vernichtet  hat.                                     (Voss.  Ztg.,  25.  Okt.)

                           Die  Jagd  auf  unsere  Kreuzer.

London,  24.  Okt.  Die  Admiralität  veröffentlicht  eine  Erklärung
über  die  von  den  deutschen  Kreuzern  versenkten  Schiffe,  in  der  es  heißt:
Man  glaubt,  daß  acht  oder  neun  deutsche  Kreuzer  sich  im  Atlantischen,  Stillen
und  Indischen  Ozean  befinden.  Ueber  70  britische,  japanische,  französische
und  russische  Kreuzer,  ungerechnet  die  Hilfskreuzer,  wirken  zusammen  zur
Aufssuchung  der  deutschen  Kreuzer.  Die  gewaltige  Ausdehnung  der  Ozeane
und  die  Tausende  von  Inseln  und  Inselgruppen  gestatten  den  feindlichen
Schiffen,  sich  fast  unbeschränkt  zu  bewegen.  Die  Auffindung  und  Vernichtung
der  feindlichen  Kreuzer  ist  daher  hauptsächlich  Sache  der  Zeit,  der  Geduld
und  des  Glückes.  Englische  Handelsschiffe  sind  vorwiegend  darum  aufgebracht
worden,  weil  sie  den  Instruktionen  der  Admiralität  zuwider  gehandelt
haben.  Die  Anzahl  der  verloren  gegangenen  Schiffe  ist  im  Verhältnis  zur
Gesamtzahl  viel  geringer,  als  man  vor  dem  Kriege  gefürchtet  hat,  denn  nur
39  von  4000  englischen  Schiffen  auf  großer  Fahrt  sind  vom  Feinde  versenkt
worden,  also  eines  von  Hundert.  Die  Versicherungsprämie  für  Schiffahrtsladungen,
  die  beim  Beginn  der  Feindseligkeiten  fünf  von  Hundert  betragen
hat,  steht  jetzt  zwei  von  Hundert.  "

                             Ein  französischer  Prophet.
Das  Marineabkommenzwischen  Englandund  Rußland.
Die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“  vom  25.  Okt.  schreibt  unter
dem  Titel:  Ein  französischer  Prophet:
Der  französische  Prätendent  Philipp  von  Orleans  befand  sich  zur  Zeit
des  Kriegsbeginns  in  Frankfurt  a.  M.  Er  reiste  kurz  vor  der  Mobilmachung
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                                                 —  653  —

so  eilig  ab,  daß  er  eine  große  Anzahl  von  Koffern  zurückließ.  Diese  wurden
in  Beschlag  genommen.  Bei  ihrer  Durchsuchung  wurden  auch  Papiere  vorgefunden,
  u.  a.  eine  Anzahl  von  Geheimberichten,  die  ein  Major  Dublaix
in  seiner  Eigenschaft  als  militärischer  Vertrauensmann  des  Herzogs  von
Orleans  diesem  erstattet  hat.  Diese  Berichte  sind  überwiegend  militärischtechnischen
  Inhalts,  scheuen  aber  auch  gelegentlich  nicht  einen  Ausflug  in  das
Gebiet  der  höheren  Politik.  Wir  geben  folgenden  Bericht  wieder:
Ber.-Nr.  227.                                                den  29.  Januar  1914.
                       Gnädigster  Herr!

Ich  habe  gestern  ziemlich  lange  einen  Seeoffizier  sprechen  können,  der
persönliche  Beziehungen  zum  Hauptmann  Péret,  dem  Adjutanten  des  Marineministers,
  und  zum  Hauptmann  Dimitrew,  dem  russischen  Marineattaché,
  besitzt.  Wir  haben  von  dem  kürzlichen  Besuch  des  russischen  Admiralstabschefs,
  Admirals  Russin,  in  Paris  gesprochen.

Es  scheint,  daß  in  zwei  geheimen  Zusammenkünften  die  französischen
und  russischen  Admiralstäbler  geprüft  haben,  welche  Rolle  die  russischen  Geschwader
  für  den  Fall  eines  europäischen  Krieges  spielen  könnten.  Natürlich
  ist  es  nicht  möglich,  zu  erfahren,  was  in  diesen  Zusammenkünften  beschlossen
  worden  ist.  Die  Besprechung  soll  sich  aber  vornehmlich  auf  ein  künftiges
Eingreifen  der  russischen  Schwarzmeerflotte  im  Mittelmeer  bezogen  haben.

Die  voraussichtliche  Rolle  der  russischen  Ostflotte  sei  nur  nebenher  in
Betracht  gezogen  worden.

Wenn  diese  Auskunft  zutreffend  ist,  und  ich  habe  Grund,  es  zu  glauben,
so  muß  man  daraus  ohne  Zweifel  den  Schluß  ziehen,  daß  das  etwaige  Zusammenwirken
  der  russischen  Ostseeflotte  mit  den  englischen  Nordseegeschwadern
  für  den  Fall  eines  europäischen  Krieges  von  dem  russischen  Marineminister
  Admiral  Gregorowitsch  mit  der  britischen  Admiralität  geprüft
worden  ist  und  geprüft  werden  wird.

Allerdings  hat  erst  kürzlich  im  Unterhause  auf  eine  Frage  des  radikalen
Abgeordneten  King  über  die  Vorbereitung  oder  den  Abschluß  einer  englischrussischen
  Marinekonvention  Sir  Edward  Grey  geantwortet:  „Wenn
zwischen  den  europäischen  Mächten  Krieg  ausbräche,  so  bestehe  kein  geheimes
Einvernehmen,  das  die  Freiheit  der  Regierung  oder  des  Parlaments  beschränken
  oder  einengen  könnte,  wenn  es  sich  darum  handeln  würde,  über  die
Teilnahme  Englands  an  den  Feindseligkeiten  zu  entscheiden.“  —  Vor
einem  Jahre  hat  Herr  Asquith  mit  Beziehung  auf  ein  französisch-englisches
Bündnis  die  gleiche  Sprache  geführt.

Es  ist  aber  notorisch,  daß  die  amtlichen  Erklärungen  der  englischen  Minister
  immer  buchstäblich  genommen  und  im  engsten  Sinne  ausgelegt  werden
müsssen.  Man  muß  also  einräumen,  daß  kein  diplomatisches  Schriftstück  vorhanden
  ist,  das  England  förmlich  verpflichtet,  für  diesen  oder  jenen  bestimmten
  Fall  seine  Heere  und  seine  Flotten  mit  denen  Frankreichs  und  Rußlands
zu  verbinden.  Aber:  es  ist  darum  nicht  weniger  gewiß,  daß  militärische
Abmachungen,  die  zwischen  den  Armee=  und  Marinestäben  dieser  drei
Mächte  zustande  gekommen  sind,  mit  Genauigkeit  die  Beteiligung  der  britischen
  Streitkräfte  an  dem  Kampf  zu  Lande  und  zur  See  für  den  Fall  regeln,
daß  Regierung  und  Parlament  in  England  die  Teilnahme  an  den  Feindseligkeiten
  beschließen  sollten.  Und  ferner:  wie  groß  die  Zuneigung  der  englischen
  Radikalen  für  Deutschland  und  ihre  Abneigung  gegen  Rußland  sein
mag,  sicherlich  würde  England  sich  die  Gelegenheit  nicht  entgehen  lassen,  die
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                                                  —  654  —

ihm  ein  europäischer  Krieg  für  die  Vernichtung  oder  Schwächung  des  einzigen
  ernstlichen  Nebenbuhlers  um  die  Seeherrschaft  bieten  würde.

                   Zwangsenteignung  der  Deutschen  in  Rußland.
                         Liquidation  des  deutschen  Grundbesitzes.

(W.T.  B.)  Petersburg,  25.  Oktober.  Es  wird  mitgeteilt,  daß  der
Minister  des  Innern  einen  Gesetzentwurf  betreffend  die  Liquidation  des
Grundeigentums  ausarbeiten  und  der  Entscheidung  des  Ministerrats  unterbreiten
  werde,  der  beabsichtige,  die  deutschen  und  österreichischen  Untertanen
des  Rechtes  zu  berauben,  unbewegliche  Habe  außerhalb  der  Städte  in  24
Grenzgouvernements  und  in  den  der  Ostsee,  dem  Schwarzen  und  Azowschen
Meere  benachbarten  Gebieten  zu  besitzen.  Dieses  Recht  beschränkt  sich  ebenfalls
  in  bezug  auf  russische  Staatsbürger  deutscher  Abstammung,  die  nach  der
Verkündung  des  deutschen  Gesetzes  vom  1.  Juni  1870  über  die  doppelte
Staatsangehörigkeit  Eigentum  erworben  haben.  Außeerhal  der  genannten
Städte  ist  den  bezeichneten  Personen  Miete  und  Pacht  der  Immobilien
ebenso  untersagt,  wie  das  Recht,  als  Stellvertreter  für  einen  anderen
Grundstückseigentümer  zu  fungieren.  Der  Gesetzenwurf  sieht  für  die
Liquidation  eine  Frist  von  mehreren  Monaten  vor.

                   Amtlicher  Bericht  aus  dem  Hauptquartier.

Großes  Hauptquartier,,  25.  Oktober,  vormittags.  Der  Merern-Kanal
  ist  zwischen  Nieuport  und  Dixmuiden  nach  heftigen  Kämpfen
am  24.  Oktober  von  uns  mit  weiteren  starken  Kräften  überschritten  worden.
Oestlich  und  nordöstlich  Dpern  hat  sich  der  Feind  verstärkt,  trotzdem  gelang
es  unseren  Truppen,  an  mehreren  Stellen  vorzudringen.  Etwa  500  Engländer,
  darunter  ein  Oberst  und  28  Offiziere,  wurden  gefangen  genommen.

Im  Osten  haben  unsere  Truppen  die  Offensive  gegen  Augustow  ergriffen.
  In  der  Gegend  von  Iwangorod  kämpften  unsere  Truppen  Schulter
an  Schulter  mit  den  österreichisch-ungarischen;  sie  machten  1800,  )Gefangene.                                                                                 ( W. T. B.)

                             Erkrankung  des  Generals  v.  Moltke.

Wie  aus  dem  Großen  Hauptquartier  mitgeteilt  wird,  ist  General
v.  Moltke  an  Leber=  und  Gallenbeschwerden  erkrankt.  Die  Krankheit  gibt
keinen  Anlaß  zu  Besorgnissen.  General  v.  Moltke  befindet  sich  in  guter
ärztlicher  Pflege  im  Großen  Hauptquartier.  In  seinem  Zustand  ist  bereits
eine  wesentliche  Besserung  eingetreten.  Seine  Geschäfte  sind  dem  Kriegsminister
  General  v.  Falkenhayn  übertragen  worden.

Die  Nachricht  von  der  Erkrankung  des  Generals  v.  Moltke  war  privatim
  schon  seit  einiger  Zeit  bekannt.  Es  ist  der  allgemeine  herzliche  und  aufrichtige
  Wunsch,  daß  der  General  v.  Moltke  bald  wieder  völlig  hergestellt
sein  möge.                                                                   (W.T.B.)

       Die  Schlachtlinie  der  Deutschen  und  Oesterreicher  in  Polen.

(W.T.  B.)  Wien,  25.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  25.  Oktober,
  mittags:  Auf  dem  nördlichen  Kriegsschauplatz  stehen  nunmehr  unsere
Armeen  und  starke  deutsche  Kräfte  in  einer  fast  ununterbrochenen  Front,
die  sich  von  den  Nordabfällen  der  östlichen  Karpathen  über  Stary  Sambor,
das  östliche  Vorgelände  der  Festung  Przemysl,  den  unteren  San  und  das
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                                               — 655         —                                                          polnische  Weichselanland  bis  in  die  Gegend  von  Plozk  erstreckt,  im  Kampfe
gegen  die  Hauptmacht  der  Russen,  die  auch  ihre  kaukasischen,  sibirischen  und
turkestanischen  Truppen  heranführten.  Unsere  Offensive  über  die  Karpathen
  hat  starke  feindliche  Kräfte  auf  sich  gezogen.

In  Mittelgalizien,  wo  beide  Gegner  befestigte  Stellungen  inne  haben,
steht  die  Schlacht  im  allgemeinen.

Südöstlich  Przemysls  und  am  unteren  San  errangen  unsere  Truppen
auch  in  den  letzten  Tagen  mehrfache  Erfolge.

In  Russisch-Polen  wurden  beiderseits  starke  Kräfte  eingesetzt,  die  seit
gestern  südwestlich  der  Weichselstrecke  Jwangorod—Warschau  kämpfen.

                         Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                                     v.  Hoefer,  Generalmajor.

                               Die  „Opfer  der  Emden“.
Eine  klare  Uebersicht  über  die  Verluste,  die  der  Kreuzer  „Emden“  bisher
  der  britischen  Handelsmarine  zugefügt  hat,  gewinnt  man  aus  der

Tobelle,  welche  die  „Times“  unter  der  Ueberschrift  „Die  Opfer  der  Emden“
gibt:

Schiffe  Tonnengehalt
Benmohr  4806  versenkt.
Buresk  (Kohle  4350  gekapert.
Thilkana  5140  versenkt.
City  of  Winchester  6800  2
Clan  Grant  3948  „
Clan  Matheseon  4775  „
Diplomat  7615  „
Exford  (Kohle)  4542  gekopert.
Indus  3871  versenkt.
Karbina  4657  gekapert  und  freigegeben.
Killln  3544  versenkt.
King  Lud.  3650  (2
Lovat  6102  „
Ponrabbel  473  2
Pontopores  (Kohle  4049  gekapert  (später  von  einem  britischen  Kriegsschiff
  ausgenommen).
Ribereen  4147  versenkt.
St.  Egbert  5596  gekapert  und  mit  Fahrgästen  und  Bemannung
  nach  Cochin  gebracht.
Trabboch  4014  versenkt.
Troilus  7562  „
Tymerie  3314  "
92955

 

                                                                              (Tägl.  Rundsch.,  26.  Okt.)


                    Belgiens  Abfall  von  der  Neutralität.
Unter  dieser  Ueberschrift  beschäftigen  sich  die  „Neuen  Züricher  Nachrichten“
  mit  den  Mitteilungen  der  „Nordd.  Allgem.  Ztg.“  aus  belgischen
Akten  in  einem  längeren  Aufsatz,  in  dem  es  heißt:
„Belgien  seit  1906  Geheim-Verbündeter  England-Frankreichs“,  das  ist
die  dokumentarische  Enthüllung,  die  der  Draht  heute  übermittelt,  indem  zugleich
  amtlich  die  darauf  bezüglichen  Aktenstücke  mitgeteilt  werden.

Seit  der  Veröffentlichung  des  Depeschenwechsels  zwischen  Zar  und  dem
Deutschen  Kaiser  sowie  zwischen  Kaiser  und  König  Georg  von  England
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                                                —  656  —

anfangs  August  ist  keine  diplomatische  Enthüllung  von  der  gleichen  durchschlagenden
  Wucht  mehr  erfolgt.

Es  ist  nun  durch  Originaldokumente  für  alle  Zeiten  festgelegt,  daß  eine
förmliche  Verschwörung  gegen  Deutschland  von  seiten  Frankreich-Englands
—  Rußland  natürlich  auch  dabei  —  schon  seit  1906,  d.  h.  nach  der  Algeciraskonferenz
  und  zur  Zeit  der  Einkreisungspolitik  Eduards  VII.  bestand  und
daß  Belgien  sich  bereits  damals  zum  Verbündeten  dieser  Verschwörung
gemacht  hatte.  Daß  sein  König  und  seine  Regierung  damit  den  denkbar
schwersten  Neutralitätsbruch  nicht  nur  gegen  Deutschland,  sondern  auch
gegenüber  Oesterreich  begingen,  mußte  beiden  von  vornherein  klar  sein,  und
nicht  weniger,  daß  sie  nicht  bloß  diesen  beiden  Staaten,  sondern  auch  dem
belgischen  Volke  gegenüber  ein  schwer  zu  qualifizierendes  Spiel  der  Täuschung
  trieben,  da  sie  trotzdem  nach  außen  den  Schein  der  Neutralität  aufrecht
zu  erhalten  suchten.

Man  möchte  vielleicht  einwenden,  daß  sich  das  französisch-englischbelgische
  Abkommen  nur  auf  den  Fall  einer  vorausgehenden  Neutralitätsverletzung
  Belgiens  durch  Deutschland  könne  bezogen  haben.  Dem  widerspricht
  aber  schon  der  ganze  Gehalt  der  Abmachung  und  völlig  schlagend  auch
die  Warnungen  des  belgischen  Gesandten  in  Berlin,  Baron  Greindl,  gegen
dieselbe,  die  sonst  sinnlos  gewesen  wären.

Nun  ist  es  geschichtlich  erhärtete  Tatsache  geworden,  daß  nicht  Deutschland
  die  Neutralität  Belgiens  brach,  sondern  daß  Belgiens  leitende  Instanzen
  selber  einen  Verrat  an  dieser  Neutralität  begangen  haben.  Der  deutsche
Reichskanzler  konnte  daher  in  seiner  Reichstagsrede  am  3.  August  mit  Fug#
und  Recht  betreffs  Belgiens  sagen,  „das  Deutsche  Reich  befinde  sich  in  Notwehr“.
  In  Berlin  hatte  man  natürlich  mehr  oder  weniger  wortgetren
Kenntnis  von  diesen  vertraglichen  Abmachungen,  sonst  wäre  seine  Diplomatie
  keinen  Groschen  wert.  Um  so  größer  erscheint  die  Friedensliebe  und
der  Friedenswille  der  beiden  verbündeten  Kaiser,  wenn  sie  trotz  dieser  beständigen
  Bedrohung  seit  acht  Jahren  das  Schwert  in  der  Scheide  behielten,
selbst  unter  für  ihre  Reiche  weit  günstigeren  Kriegsumständen  als  heute.
...  Unglückliches  Belgien,  unglückliches  Land  und  unglückliches  Volk,
möchte  man  jetzt  mit  doppelter  Teilnahme  sagen.  Es  war  bisher  des  felsenfesten
  Glaubens  und  mußte  dies  auch  sein,  in  seinem  entsetzlichen  Unglück
wenigstens  ein  gutes  Recht  an  seiner  Seite  zu  haben  und  für  dieses  sein  Blut
zu  verspritzen,  und  dieser  Glaube  war  sein  Trost.  Und  nun  dieses  Erwachen,
wobei  es  sich  sagen  muß,  daß  dieses  gute  Recht  im  Gegenteil  auf  deutscher
Seite  ist,  daß  Deutschland,  nicht  Belgien,  sondern  Belgien  Deutschland  hinterrücks
  verraten  hat  und  daß  es  selber  dabei  der  elend  Getäuschte  zweier
Könige  war.  Das  ist  noch  bitterer  als  Sterben  für  ein  Volk.

Wer  aber  Zeuge  davon  sein  mußte,  wie  französische  und  englische
Staatsmänner  zu  Beginn  des  Krieges  ganze  Entrüstungssalven  über  den
Völkerrechts=  und  Vertragsbruch  Deutschlands  an  Belgien  losließen,  wie  sie
das  sittliche  Gewissen  der  ganzen  zivilisierten  Welt  dagegen  in  die  Schranken
riefen,  ihre  eigenen  Völker  damit  aufpeitschten  und  sich  zu  Rittern  und
Rettern  der  Rechte  kleiner  Staaten  aufwarfen,  und  nun  die  nicht  umzustoßenden
  Beweise  vor  sich  sieht,  daß  sie  diesen  Entrüstungssturm  und  Gewissensappell
  im  vollen  Bewußtsein  dessen  verübten,  daß  ja  gerade  sie  oder
ihre  Vorgänger  an  Belgien  begangen  hatten,  wessen  sie  Deutschland  beschuldigten
  und  was  zu  Belgiens  Verhängnis  wurde  —  den  erfaßt  Ekel  ob
solcher  Staatskunst.
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                                                         —  657  —

Die  Neutralität  Belgiens  ist  1906  von  einem  Komplott  stranguliert
worden.  Das  Deutsche  Reich  war  nicht  daran  beteiligt.

Die  deutsche  Politik  steht  nun  selbst  für  den  bisherigen  Zweifler  auch  in
der  belgischen  Sache  ohne  Makel  da,  intakt  und  groß,  da  Deutschland  trotz
allem  Belgien  seit  dem  Einmarsch  noch  zweimal  die  Hand  zum  Frieden  bot.

Daß  Belgien  allen  Grund  gehabt  hätte,  diese  Hand  anzunehmen,  weiß
man  erst  jetzt  so  recht.  Es  wies  sie  zurück  und  hat  damit  seine  Geschicke  endgültig
  besiegelt.                                            (Tägl.  Rundsch.,  27.  Ok..)

                      Rund  300  000  untergebrachte  Gefangene.

Am  21.  Oktober  waren  in  deutschen  Kriegsgefangenenlagern  untergebracht:


Franzosen  2472  Offiziere  146  897  Mann
Russen  2164  „  104  524  „
Belgier  547  „  31  378  „
Engländer  218  „  8  669  „

Das  sind  296  869  Kriegsgefangene,  darunter  5401  Offiziere.  Weitere
Transporte  von  Kriegsgefangenen  nach  den  Lagern  sind  unterwegs.  An
Generalen  befinden  sich  in  deutscher  Gefangenschaft  6  französische,  18  russische
(darunter  2  kommandierende)  und  3  belgische.

                                 Neue  Erfolge.

                 (Amtlich).  Mitteilung  der  obersten  Heeresleitung.
                      Großes  Hauptquartier,  26.  Oktober,  vormittags.

Westlich  des  Pserkanals  zwischen  Nieuport  und  Dixmuiden,  welche
Orte  noch  vom  Feinde  gehalten  werden,  griffen  unsere  Truppen  den
sich  dort  noch  hartnäckig  wehrenden  Feind  an.  Das  am  Kampf  sich
beteiligende  englische  Geschwader  wurde  durch  schweres  Artilleriefeuer
zum  Rückzuge  gezwungen.  Drei  Schiffe  erhielten  Volltreffer.  Das
ganze  Geschwader  hielt  sich  darauf  am  25.  nachmittags  außer  Sehweite.
Bei  Ypres  steht  der  Kampf;  südwestlich  Dpres  sowie  westlich  und
südwestlich  Lille  machten  unsere  Truppen  im  Angriff  gute  Fortschritte.
In  erbittertem  Häuserkampf  erlitten  die  Engländer  große  Verluste  und
ließen  fünfhundert  Gefangene  in  unseren  Händen.

Nördlich  Arras  brach  ein  heftiger  französischer  Angriff  in  unserem
Feuer  zusammen,  der  Feind  hatte  starke  Verluste.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  schreitet  unsere  Offensive  gegen
Augustow  vorwärts.  Bei  ngorod  steht  der  Kampf  günstig;  eine
Entscheidung  ist  noch  nicht  gefallen.  (W.T.B.)


                      Calais  „kein  vitaler  Punkt“  für  die  Engländer.
             Sanfte  Vorbereitung  des  englischen  Publikums.  —
                              Die  verlegte  Seebasis.
                                                            London,  25.  Oktober.  (W.T.B.)
Der  militärische  Mitarbeiter  der  „Times“  schreibt:  „Wenn  die
Deutschen  nach  Calais  kommen,  könnten  in  einiger  Zeit  unter  dem
Schutze  der  Nacht  Batterien  vorbereitet  und  schweres  Geschütz  herangebracht
  und  aufgestellt  werden.  Diese  Möglichkeit  zu  leugnen,  hieße  nur,
uns  eine  Enttäuschung  bereiten.  Deutsche  Unterseeboote  könnten  die
        <pb n="133" />
                                                        —  658  —

Häfen  erreichen,  da  diese  Pest  die  Art  hat,  zu  gehen  und  zu  kommen,  wie
es  ihr  beliebt.  Es  ist  nicht  undenkbar,  daß  kleine  Torpedoboote  mit  der
Eisenbahn  oder  auf  Kanälen  die  Häfen  erreichen.“  Die  „Times“  schreiben
ferner  in  einem  Leitartikel,  wenn  der  Kaiser  jetzt  den  Vormarsch  auf
Calais  angeordnet  hat,  so  seien  die  Gründe  dafür  mehr  politischer  als
militärischer  Natur.  Er  wende  Kraft  in  einer  Richtung  auf,  die  dem
eigentlichen  Ziele  fernliege,  und  nur  selten  rächten  sich  solche  Fehler  in
einem  Kriege  nicht.  Der  Besitz  von  Calais  lasse  die  Aussichten  Deutsch--lands
  im  wesentlichen  unverändert.  Calais  habe  größere  Bedeutung  als
Ostende,  sei  aber  kein  vitaler  Punkt.  Es  sei  kein  Ersatz  für  die  Unmöglichkeit,
  in  Frankreich  oder  in  Rußland  vorzudringen,  und  würde
das  britische  Volk  nicht  beunruhigen,  das  längst  darauf  gefaßt  gewesen  sei.
Nordfrankreich  und  selbst  Paris  von  den  Deutschen  besetzt  zu  sehen,  was
daraus  hervorgehe,  daß  Sir  John  French  seine  Seebasis  vorübergehend
nach  dem  Golf  von  Biscaya  verlegt  habe.  .
Der  militärische  Mitarbeiter  der  „Morning  Post“  schreibt:  Was
man  auch  über  die  Strategie  des  deutschen  Generalstabes  im  gegenwärtigen
  Kriege  denken  möge,  so  sei  es  doch  unmöglich,  nicht  die  Energie
und  die  Geschwindigkeit  zu  bewundern,  mit  der  er  jede  Gelegenheit  zur
Offensive  verfolge.  Er  habe  sogar  übertrieben.  Die  Geschwindigkeit  der
Bewegung  habe  zu  Beginn  des  Feldzuges  in  Frankreich  den  Grundsatz,
den  Erfolg  auszunutzen,  zu  dem  Extrem  geführt,  dem  das  Marschvermögen
der  Truppen  und  die  Leistungsfähigkeit  des  Trains  nicht  gewachsen  waren.

                           Der  Burenaufstand  in  Südafrika.
                                Oberst  Maritz  in  der  Offensive.
                                                                         Kristiania,  26.  Oktober.

Ueber  London  wird  am  25.  Oktober  aus  Kapstadt  gemeldet:  Oberst
Maritz  habe  Keimus  zwischen  Kakamas  und  Upington  am  22.  Oktober
angegriffen.  Die  Besatzung  der  Stadt  zählte  nur  150  Mann.  Sie  erhielt
jedoch  Verstärkung,  trieb  darauf  den  Feind  zurück  und  nahm  vier  Offiziere
  gefangen.

Aus  Pretoria  wird  ferner  über  London  von  Reuters  Bureau  am
25.  Oktober  gemeldet:  Ein  offizielles  Telegramm  über  den  Kampf  bei
Keimus  meldet,  daß  der  Burenkommandant  Maritz  mit  seiner  gesamten
Truppenmacht,  vier  Maschinengewehren  und  acht  Kanonen  den  Angriff
unternommen  hatte.  Die  Engländer  hatten  einige  Verwundete,  die
Verluste  des  Feindes  find  unbekannt,  da  er  seine  Verwundeten  mit  sich
nahm.  —  Ein  großer  „Sieg"“  der  Engländer  scheint  es  also  nicht  gewesen
zu  sein!                 (Berl.  Tagebl.,  26.  Okt.)

Eine  englische  Verleumderin  deutscher  Soldaten  in  England  verurteilt.

Die  englische  Lehrerin  Hume,  die  in  Belgien  als  barmherzige
Schwester  wirkte,  sollte  von  deutschen  Soldaten  vergewaltigt  worden  sein,
und  es  wurde  folgendes  von  ihr  berichtet:

„Beide  Brüste  wurden  ihr  von  den  entmenschten  Deutschen  abgeschnitten.
  Halbtot  wurde  sie  von  Nonnen  aufgelesen  und  hatte
noch  die  Möglichkeit,  ihre  Anklagen  gegen  die  Deutschen  schriftlich
niederzulegen.“

Dem  Dokumente  waren  die  Unterschriften  zweier  belgischer  Geistlichen,
  von  dem  Pfarrer  und  dem  Gemeindevorsteher  von  Hamshire  be-
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                                                       —  659  —

glaubigt,  beigegeben.  In  London  wurde  eine  Kommission  eingesetzt,  die
die  Sache  weiter  —  zur  Ausbeutung  gegen  die  deutschen  „Barbaren“  —
untersuchen  sollte.  Was  aber  geschah?  Man  verhaftete  die  Schwester  der
Grace  Hume,  ein  hysterisches  Fräulein  namens  Käthe  Hume.  Diese  hat
sich  die  ganze  Geschichte  in  ihren  Phantasien  erträumt  und  sie  ging  so
weit,  daß  sie  jenes  Dokument  mit  sämtlichen  belgischen  Unterschriften
selbst  herstellte.  Die  „Times“  berichteten  über  die  Verhaftung  in  solgenden
  kurzen  Worten:

„Käthe  Hume,  Lehrerin  in  Hamshire,  wurde  vor  den  Richter
gebracht  unter  der  Anschuldigung  der  schweren  Urkundenfälschung.
Die  Sache  hängt  mit  dem  Fall  Grace  Hume  zusammen.“

Die  Richter  haben  Käthe  Hume  wegen  Urkundenfälschung  zu  drei
Monaten  Gefängnis  verurteilt.  Wegen  ihres  geistigen  Zustandes  erhielt
sie  für  den  Fall  guter  Führung  Strafaufschub  auf  die  Dauer  von  zwei
Jahren.  Die  Lüge  wurde  durch  die  ganze  Welt  verbreitet  —  ob  die
Wahrheit  auch  die  weite  Reise  machen  wird?  (Berl.  Tagebl.,  16.  Okt.)

 

                                 Amerika  gegen  England.

Der  Londoner  Berichterstatter  der  „Morningpost“  in  Washington
meldet:

Die  englische  Politik  hinsichtlich  der  Konterbande  könne  die  herzlichen
Beziehungen  mit  Amerika  gefährden,  wenn  die  durch  die  Beschlagnahme
amerikanischer  Schiffe  verursachte  Erregung  nicht  bald  beseitigt  würde.
Die  britische  Regierung  handle  weder  offen  noch  folgerichtig  und  erwecke
den  Eindruck,  daß  sie  keine  bestimmte  Politik  habe.  Die  Amerikaner
nähmen  übel,  was  sie  für  ungerechtfertigte  Einmischung  hielten.  Viele
Kreise  glaubten  bestimmt,  England  tue  dies  alles,  um  den  Aufbau  einer
amerikanischen  Handelsflotte  zu  verhindern.  Die  Erregung  würde  verschwinden,
  wenn  die  englische  Regierung  eine  Erklärung  über  ihre
Politik  abgäbe,  so  daß  die  amerikanischen  Kaufleute  die  Lage  genau  übersehen
  könnten.  Je  länger  der  gegenwärtige,  höchst  unbefriedigende  Zustand
  andauere,  desto  mehr  werde  er  in  der  Presse  erörtert,  werde  die
Reibung  gesteigert  und  die  Gefahr  einer  wachsenden  Spannung  größer.

Die  „New  Vork  World“  schreibt:  Es  befinden  sich  nicht  viel  deutsche
Kriegsschiffe  auf  dem  Ozean.  Die  Zahl  der  amerikanischen  Handelsschiffe
  ist  nicht  groß.  Aber  wir  hören  nichts  davon,  daß  britische  Kreuzer
deutsche  einfangen,  während  fast  täglich  Schiffe  mit  amerikanischer  Flagge
beschlagnahmt  und  durchsucht  werden.

Die  „Washington  Times"“  meint,  die  Besorgnis  der  britischen  Regierung
  vor  einem  deutschen  Angriff  auf  England  scheine  so  panikartig  geworden
  zu  sein,  daß  Downing  Street  lieber  die  Feindschaft  der  Vereinigten
  Staaten  riskiere,  als  amerikanische  Verschiffungen  dulde,  die  die
Ausführung  deutscher  Pläne  fördern  könnten.

„Washington  Times“  schreibt  ferner,  die  Zeit  sei  ungeeignet  für  die
Erneuerung  schwieriger  Fragen  des  Freihandels  und  der  Schiffahrtsrechte,
  die  den  Krieg  von  1812  veranlaßten.  Weder  Amerika  noch  England
wünschten,  daß  diche  Fragen  nach  einem  Jahrhundert  der  Ruhe  durch
einen  anderen  europäischen  Krieg  zur  Krisis  führten.  Aber  ein  solches
Ergebnis  werde  sicher  eintreten,  wenn  noch  viel  mehr  Beschlagnahmen
einträten.  (Tgl.  Rundsch.,  26.  Okt.)
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                                                        —660        —                                                                                   Vorschußlorbeeren  für  Rußlands  Marine.
                                                                                 Petersburg,  26.  Oktober.

Der  Marineminister  hat  an  den  Kommandanten  der  baltischen  Flotte
folgende  Mitteilung  gerichtet:  
Der  Kaiser  hat  mich  beauftragt,  Ihnen  und  der  Marine  seine
Anerkennung  für  ihre  anstrengede  Tätigkeit  während  der  Herbstzeit
unter  den  Gefahren  von  Torpedobooten  und  Unterseebooten  auszudrücken.
  Dank  ihrer  Geschicklichkeit  und  Ausdauer  hat  die  baltische
Flotte  die  Verteidigung  der  Küste  und  der  Hauptstadt  mit  Erfolg  geführt
und  die  Landarmee  unterstützt.  Trotz  seiner  zahlenmäßigen  Ueberlegenheit
  hat  der  kühne  Feind  keine  wirklichen  Ergebnisse  erzielt.  Der
Kaiser  glaubt,  daß  Gott  die  Anstrengungen  der  russischen  Marine,  die
zum  Ruhme  ihres  teuren  Vaterlandes  kämpft,  durch  einen  schließlichen
Triumph  segnen  wird.  (Voss.  Ztg.,  27.  Okt.


                        Kämpfe  mit  Serben  und  Montenegrinern.
                                                                                 Wien,  26.  Oktober.

Amtlich  wird  bekanntgegeben:  Seit  dem  23.  Oktober  werden
Erfolge  unserer  Truppen  zwischen  Mokro  und  Rogatika  gemeldet.  Die
Operationen  zur  Säuberung  des  bosnischen  Gebietes  machten  weitere  erfreuliche
  Fortschritte.  Der  auf  Veliko  —  Brod  und  Vracevica  westlich  von
Visegrad  eingeholte  und  gestellte  Gegner  wurde  am  24.  d.  M.  abends
angegriffen  und  nach  Visegrad  zurückgeworfen.  Unsere  Verfolgungstruppen
  erreichten  gestern  die  Drina  bei  Visegrad,  Megpeja,  Gorazda  und
westlich  davon.  Somit  ist  Ostbosnien  bis  zur  Drina  vom  Gegner  vollständig
  gesäubert.  Bei  dieser  Aktion  erbeuteten  wir  zwei  Geschütze  und
eine  große  Menge  Infanterie=  und  insbesondere  Artillerie-Munition.
Die  montenegrinischen  Abteilungen  trennten  sich  von  den  Serben  und
ziehen  sich  südwestlich  zurück.  Gleichzeitig  fanden  auch  im  Save=  und
Drinagebiet  (Matschwa)  für  uns  erfolgreiche  Kämpfe  statt.  Bei  Raunja
und  Ardenkovic  gelang  es  unseren  Truppen  nach  entsprechender  Artillerievorbereitung
  trotz  starker  Drahthindernisse  zwei  hintereinander  gelegene
feindliche  Positionen  zu  erobern,  wobei  vier  Maschinengewehre  und  600
Gewehre  erbeutet,  sowie  zahlreiche  Gefangene  gemacht  wurden.  Heftige
Gegenangriffe  der  Serben  brachen  blutig  zusammen.  (Voss.  Ztg.,    27. Okt. )

 

             Belgische  Entschädigungsansprüche  gegen  England.
                                                                              Köln,  26.  Oktober.

Aus  Antwerpen  wird  berichtet:  Etwa  fünfzig  große  Antwerpener
Handelshäuser  haben  wegen  der  Vernichtung  ihrer  Warenvorräte
durch  die  Engländer  vor  deren  Abzug  aus  Antwerpen  dem
amerikanischen  Gesandten  im  Haag  Entschädigungsansprüche  gegen  die
englische  Regierung  in  Höhe  von  230  Millionen  Franken  angezeigt,  da
die  Vernichtung  der  Werte  nicht  während  der  Verteidigung  der  Stadt,
sondern  erst  nach  der  Räumung  durch  das  abziehende  Korps  mutwilligerweise
  erfolgt  sei.  In  Ermangelung  einer  Verbindung  mit  dem  Konsularkorps
  in  Havre  wurde  die  Angelegenheit  dem  amerikanischen  Gesandten
im  Haag zur  vorläufigen  Erledigung  unterbreitet.                                  (Deutsche  Tagesztg.,

27.  Oktober.)
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                                                                —661        —                                                                       Die  Erbitterung  in  Persien  gegen  Rußland.
                                                        (W.T.  B.)  Konstantinopel,  W.  Oktober.

Wie  ein  hiesiges  türkisches  Blatt  Teheraner  Zeitungen  entnimmt,
herrscht  in  der  ganzen  Provinz  Chorassan  infolge  von  Grausamkeiten,  die
von  russischen  Kosaken  in  verschiedenen  Ortschaften,  und  namentlich  im
Gebiete  der  Stadt  Mesched,  begangen  worden  sind,  große  Aufregung.
Eine  große  Anzahl  von  Einwohnern  in  der  Umgebung  der  Stadt  wurden
in  Furcht  und  Schrecken  versetzt.  Die  Bevölkerung  flüchtete  nach  Mesched.
Die  Kosaken  weigerten  sich  sogar,  den  Ratschlägen  des  russischen  Konsuls
zu  entsprechen.  Ein  in  Teheran  abgehaltener  außerordentlicher  Ministerrat
  beschloß,  in  Petersburg  Vorstellungen  zu  erheben  und  in  Mesched  eine
Kommission  einzusetzen,  zu  der  der  russische  Konsul  beigezogen  werden  soll.
Da  Mesched  eine  heilige  Stadt  der  Perser  ist,  werden  die  russischen  Grausamkeiten
  in  ganz  Persien  eine  Erregung  zur  Folge  haben  und  es  wird
hierdurch  neben  der  Frage  von  Aserbeidschan  als  neue  bedeutsame  Frage
die  Chorassanfrage  aufgeworfen  werden.

       Blutige  Zusammenstöße  zwischen  indischen  und  englischen                     Truppen

                                   in  Aegypten.
                                                                                  Wien,  26.  Oktober.

Die  südslawische  Korrespondenz  meldet  aus  Konstantinopel:  Die
Zeitung  „Tanin“  berichtet  aus  Alexandrien:

Zwischen  hier  eingetroffenen  indischen  Truppen,  die  zum  Weitertransport
  nach  Frankreich  bestimmt  waren,  und  englischen  Garnisontruppen
ist  es  zu  einem  blutigen  Zusammenstoß  gekommen.  Die  neugelandeten
indischen  Truppen  weigerten  sich,  den  Transport  nach  Marseille  mitzumachen,
  und  erklärten,  sie  seien  in  ihrer  Heimat  unter  der  Versicherung
angeworben  worden,  daß  sie  nach  Alexandrien  gingen;  sie  wollten  nicht
Frankreich  verteidigen.  Bei  dem  Handgemenge  vor  dem  großen  Zollamt
am  Hafen  wurden  sieben  englische  Soldaten  getötet.  Das  Kriegsgericht
verurteilte  30  indische  Soldaten  zum  Tode.


                                Das  Hauptauartier  über  die  Lage.
                         Mitteilung  der  obersten  Heeresleitung.
                         Großes  Hauptquartier,  27.  Oktober  vorm.  (W.T.  B.)
Die  Kämpfe  am  Abschnitt  des  Yser-Ypres-Kanals,  bei  Vpres  und
südwestlich  Lille  werden  mit  gleicher  Hartnäckigkeit  fortgesetzt.  Die  deutschen
  Truppen  haben  auch  gestern  Fortschritte  gemacht.  Auf  dem  übrigen
Teil  der  Kampffront  im  Westen  haben  sich  wesentliche  Ereignisse  nicht
zugetragen.
Westlich  Augustow  ist  der  Angriff  der  Deutschen  in  langsamem
Fortschreiten.
Südwestlich  Warschau  sind  alle  Angriffe  starker  russischer  Kräfte  von
unseren  Truppen  zurückgewiesen  worden.
Nördlich  Jwangorod  haben  neue  russische  Armeekorps  die  Weichsel
überschritten.
                       Der  blutige  Kampf  um  die  Yserlinie.
                   (Amtlich.)  Paris,  25.  Oktober,  11  Uhr  abends.
Die  Kämpfe  haben  unter  denselben  Umständen  wie  die  Tage  vorher
fortgedauert.  Die  Schlacht  ist  äußerst  heftig  zwischen  Nieuport  und  der
                                                                     42
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                                                          —  662  —

Lys.  Den  deutschen  Truppen  ist  es  gelungen,  die  Mer  zwischen  Nieuport
und  Dixmuiden  zu  überschreiten.  Oestlich  (wahrscheinlich  Druckfehler,
anstatt  westlich)  und  südlich  von  Lille  wurden  heftige  feindliche  Angriffe
abgewiesen.  Zwischen  Oise  und  den  Argonnen  ist  nichts  zu  melden,  ausgenommen
  einige  leichte  Fortschritte  unserer  Truppen  im  Nordwesten
von  Soissons  und  in  der  Gegend  von  Craonne.  Auf  den  Maashöhen  hat
ein  Artilleriekampf  stattgefunden.  Im  Woevregebiet  beherrscht  unsere
schwere  Artillerie  die  Straße  Thiaucourt—Nonsard—Buxerulles—Voinville,
  einen  der  Hauptverbindungswege  der  Deutschen  in  der  Richtung
auf  St.  Mihiel.  (Germania,  27.  Ok..)

              Italienische  Kriegsschiffe  an  der  albanischen  Küste.
                                                                                Rom,  26.  Oktober.

Die  „Agencia  Stefani“  erfährt:  Gestern  ist  das  Kriegsschiff  „Dandolo“
  in  Begleitung  des  Hochseetorpedoboots  „Climens“  in  Valona  eingetroffen,
  wo  sich  bereits  die  Schiffe  „Agordat“  und  „Dardo“  befanden.
„Dandolo“  hatte  Sanitätspersonal  an  Bord,  um  in  Valona  gemeinsam
mit  den  Ortsbehörden  eine  Sanitätsstation  zu  errichten  und  die  elenden
Verhältnisse  der  geflüchteten  Epiroten  zu  bessern.  Italien  hat  bereits
früher  in  Skutari  und  Durazzo  solche  Sanitätsstationen  errichtet.  Das
Kriegsschiff  „Calabria“,  dem  sich  bald  die  „Etna“  zugesellen  wird,  beginnt
bereits  Kreuzfahrten  an  der  Küste  von  Mittelalbanien,  um  die  Einschmuggelung
  von  Waffen  und  Munition  und  die  Landung  von  Bewaffneten
  zu  verhindern.  Es  hat  sich  in  der  Tat  herausgestellt,  daß  beabsichtigt
  war,  Bewegungen  hervorzurufen,  durch  die  die  Beschlüsse  der  Londoner
  Konferenz  über  die  Neutralität  Albaniens  verletzt  worden  wären.
(Deutsche  Tagesztg.,  27.  Okt.)

                                 Ueber  die  Kriegslage  in  Galizien.
veröffentlicht  der  österreichische  Generalstab  am  26.  Oktober  mittags
folgendes:

In  den  Kämpfen  vor  Iwangorod  machten  wir  bisher  8000  Russen
zu  Gefangenen  und  erbeuteten  19  Maschinengewehre.  Nächst  Jaroslau
mußten  sich  ein  russischer  Oberst  und  200  Mann  ergeben.  Bei  Zalucze
(südwestlich  Sniatyn)  und  bei  Pasienicza  (südwestlich  Radworna)  wurde
der  Feind  zurückgeworfen.  Die  Lage  im  großen  ist  unverändert.

Die  „Emden“"  vernichtet  als  20.  Beute  einen  japanischen  Dampfer.
Zürich,  27.  Oktober.
Die  Schanghaier  Versicherungsagentur  Jangtsekian  gibt  bekannt,  daß
der  große  japanische  Dampfer  „Kamasata  Maru“,  der  von  Kobe  nach  Singapore
  unterwegs  war,  vom  Kreuzer  „Emden“  versenkt  worden  ist.  Die
Gesellschaft  erklärt,  für  Fahrten  über  Singapore  keine  Versicherung  mehr
anzunehmen.  (Germania,  27.  Okt.)

                         Ein  politischer  Mord  in  Neu-Bulgarien.
                                                                                  Sofia,  27.  Oktober.
Wie  aus  Strumitza  gemeldet  wird,  ist  der  Abgeordnete  Georgiew,  ein
Mitglied  der  demokratischen  Partei  in  der  Sobranje,  unweit  Strumitza
von  unbekannten  Tätern  erschossen  worden.
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                                                    —  663  —

                            Die  Riesenschlacht  im  Osten.
Wien,  27.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  27.  Oktober,  mitt.
Die  Situation  in  Mittelgalizien  ist  unverändert.  Südwestlich  Iwangorod
  stehen  unsere  mit  unübertrefflicher  Bravour  fechtenden  Korps,  von
denen  eines  allein  10  000  Gefangene  gemacht  hat,  im  Kampfe  gegen  überlegene
  Kräfte.  Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                                        v.  Hoefer,  Generalmajor.

                           10  000  tote  und  verwundete  Belgier.

                                                                               London,  27.  Oktober.

Die  „Daily  Mail“  meldet  aus  Hapre:  Ein  belgisches  amtliches
Communicué  sagt,  daß  die  Lage  am  Sonntag  abend  besser  war  als  am
Sonnabend,  wo  die  Belgier  die  Stellungen  am  Werfluß  aufgeben  mußten
und  zweieinhalb  Meilen  zurückgeworfen  wurden.  Seitdem  gewannen  die
Belgier,  verstärkt  durch  Verbündete,  wieder  an  verschiedenen  Punkten  des
Flusses  die  Berührung  mit  dem  Feinde.  Die  Verluste  der  Belgier  betragen
  in  den  neun  Tagen,  wo  in  diesem  Gebiet  gekämpft  wird,  zehntausend
  Tote  und  Verwundete.


                      Oberst  Maritz  auf  deutschem  Gebiet.

Rotterdam,  27.  Oktober.  Nach  einer  Reutermeldung  ist  Oberst
Maritz,  nachdem  er  eine  Schlappe  erlitten  hat,  verwundet  auf  deutsches
Gebiet  geflüchtet.  (Deutsche  Tagesztg.,  28.  Okt.)


            Freie  Passage  für  Reservisten  auf  neutralen  Schiffen.

                                                                                 Haag,  27.  Oktober.
Nach  der  „Westminster  Gazette“  ist  jetzt  wirklich  der  Befehl  ergangen,
deutsche  und  österreichische  Reservisten,  die  auf  neutralen  Schiffen  nach
neutralen  Häfen  unterwegs  sind,  nicht  mehr  gefangen  zu  nehmen.  Natürlich
  ist  dies  nur  aus  Rücksicht  auf  die  Empfindlichkeit  der  Neutralen

geschehen.
                                                                           Mailand,  27.  Oktober.

Der  „Corriere  della  Sera“  erfährt  aus  London:  Der  Militärkritiker
  der  „Times“  sagt,  daß  der  Zuzug  deutscher  Reservisten  aus  den
neutralen  Ueberseeländern  eine  neue  Gefahr  bedeute.  Dasselbe  Themabehandelt
  die  „Morning  Post“,  darauf  hindeutend,  daß  die  Londoner
Erklärung  vom  englischen  Parlament  nicht  bestätigt  worden  ist,  und  daß
zu  Englands  Schaden  eine  Million  Reservisten  Deutschland  aus  Nordund
  Südamerika  erreichen  können.  (Voss.  Ztg.,  28.  Okt.)


                           Deutscher  Schutz  für  Ostende.
                                                                         Haag,  27.  Oktober.

Die  Beschießung  von  Ostende  brachte,  wie  von  dort  gemeldet  wird,
grenzenlose  Panik  hervor  und  veranlaßte  die  Bürger,  in  den  Kellern
Schutz  zu  suchen.  Drei  Hotels  an  den  Boulevards,  besonders  das  Hotel
Majestic  wurden  beschädigt,  ein  Militärarzt  und  ein  Marineleutnant
getötet.  Seitdem  ist  das  Betreten  des  Seedammes  verboten.  Die  Stimmung
  der  Soldaten  wird  als  unbedingt  zuversichtlich  bezeichnet.  Gestern
wurde  aus  dem  Nordwesten  eine  heftige  Kanonade  gehört,  die  vermutlich

                                                                                  42*
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                                                        —  664  —

von  den  deutschen  Küstenbatterien  zu  Blankenberghe  oder  Heyst  auf  die
englischen  Schiffe  gerichtet  war.  Aus  der  Richtung  Nieuwport  und
Dixmuiden  wurde  dagegen  kein  Schießen  vernommen.  Admiral
v.  Schröder  hat  folgenden  Aufruf  erlassen:

Das  Beschießen  englischer  Hotels  und  englischer  Untertanen  an
der  belgischen  Küste  legt  mir  die  Pflicht  auf,  zum  Schutze  der  hier
verbleibenden  englischen  Untertanen  die  nötigen  Sicherheitsmaßregeln
zu  treffen.  Ich  befehle  also,  daß  alle  englischen  Untertanen  in  Ostende
und  in  den  benachbarten  Küstenplätzen  sich  eiligst  von  diesem  Platz
entfernen  und  an  bestimmten  Plätzen  zu  versammeln  haben  werden.
Sie  werden  dann  unter  sicherem  Geleit  nach  der  niederländischen
Grenze  gebracht.  Ich  lehne  jede  Verantwortung  ab  für  dieses  Elend,
welches  die  vollkommen  zwecklose  englische  Beschießung  der  jetzt  unter
deutschem  Schutz  stehenden  Frauen  und  Kinder  bringt.  Die  Abteilungskommandanten
  müssen  dafür  Sorge  tragen,  daß  die  flüchtenden  Personen
  mit  aller  Sorgsamkeit  aus  den  Gebieten  entfernt  werden,  die
innerhalb  der  Beschießungszone  der  englischen  Schiffe  liegen.

Sehr  bemerkt  wird  die  feine  Jronie,  womit  der  Admiral  zu  Beginn
der  Ankündigung  sagt:  „Die  Beschießung  englischer  Hotels  und  englischer
Untertanen  an  der  belgischen  Küste  legt  mir  die  Pflicht  auf,  zum  Schutz
der  hier  befindlichen  britischen  Untertanen  die  nötigen  Vorsichtsmaßregeln
  zu  treffen.“  Ein  deutscher  Admiral,  der  Engländer  vor  englischen
Roheiten  schützt!  (Voss.  Ztg.,  28.  Oktober.)

                              Die  Heeresleitung  über  die  Lage.
                     Amtlich.  Mitteilung  der  obersten  Heeresleitung.
                             Großes  Hauptquartier,  28.  Oktober,  mittags.

Die  Kämpfe  bei  Nieuport—Dixmuiden  dauern  noch  an.  Die  Belgier
erhielten  dort  erhebliche  Verstärkungen.  Unsere  Angriffe  wurden  fortgesetzt.
  Sechzehn  englische  Kriegsschiffe  beteiligten  sich  am  Kampf  gegen
unseren  rechten  Flügel;  ihr  Feuer  war  erfolglos.

Bei  Dypres  ist  die  Lage  am  27.  Oktober  unverändert  geblieben.

Westlich  Lille  wurde  unser  Angriff  mit  Erfolg  fortgesetzt.

Im  Argonnenwald  sind  wieder  einige  feindliche  Schützengräben  genommen
  worden,  deren  Besatzung  zu  Gefangenen  gemacht  wurde.

Auf  der  Westfront  hat  sich  weiter  nichts  Wesentliches  ereignet.

In  Polen  mußten  die  deutsch-österreichischen  Truppen  vor  neuen
russischen  Kräften,  die  von  Jwangorod—Warschau  und  Nowo—Georgijewsk
  vorgingen,  ausweichen,  nachdem  fie  bis  dahin  in  mehrtägigen
Kämpfen  alle  russischen  Angriffe  erfolgreich  abgewiesen  hatten.  Die
Russen  folgten  zunächst  nicht,  die  Loslösung  vom  Feinde  geschah  ohne
Schwierigkeit.  Unsere  Truppen  werden  sich  der  Lage  entsprechend  neu
gruppieren.

Auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatz  sind  keine  wesentlichen  Aenderungen.
  (W.T.  B.)

                                        Das  Urteil  von  Serajewo.

Während  Europa  von  dem  Donner  des  Weltkrieges  dröhnt,  dessen
Lawine  die  Mordtat  von  Serajewo  ins  Rollen  gebracht  hat,  ist  nun
über  die  Mörder  das  richterliche  Urteil  ergangen.  Wie  aus  Serajewo
        <pb n="140" />
                                                   —  665  —

gemeldet  wird,  ist  in  dem  Hochverratsprozeß  folgendes  Urteil  gefällt
worden:

Die  Angeklagten  Jlic,  Veliko  Cubrilowic,  Nedo  Kerowic,  Jowanowic
  und  Milowic  wurden  zum  Tode  durch  den  Strang  verurteilt.  Mitar
Kerowic  wurde  zu  lebenslänglichem  schweren  Kerker,  Princip,  Cabrinowic
und  Grabez  zu  je  zwanzig  Jahren,  Vaso  Cubrilowic  zu  sechzehn  Jahren,
Popowic  zu  dreizehn  Jahren,  Kranjcevic  und  Gjukic  zu  zehn  Jahren,
Zagorac  und  Perin  zu  je  drei  Jahren  schweren  Kerkers  verurteilt.  Die
übrigen  Angeklagten  wurden  freigesprochen.

Was  sonst  eine  Weltsensation  gewesen  wäre,  ist  heute,  wo  gigantische
  Weltgeschicke  über  Schuld  und  Sühne  dieser  einzelnen  Elenden  weggegangen
  sind,  eine  Anekdote.  Man  hört  die  Tatsache,  man  notiert  sie
als  eine  Selbstverständlichkeit  und  wendet  sich  dem  großen  Weltgeschehen
zu,  das  durch  die  Untat  dieser  Unseligen  und  ihrer  Hintermänner  ausgelöst

  wurde.
                            In  Galizien  steht  die  Schlacht.
      Wien,  28.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:

28.  Oktober,  mittags.  In  Galizien  ereignete  sich  auch  gestern  nichts
Wesentliches.  An  manchen  Teilen  der  Front  haben  sich  beide  Gegner

eingegraben.  Unsere  schweren  Geschütze  vernichteten  mehrere  feindliche
Batterien  und  Stützpunkte.

               Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes.
                                             v.  Hoefer,  Generalmajor.

Ueber  die  Kriegslage  in  Polen  berichtet  der  österreichisch-ungarische
Generalstab  gleichlautend  mit  der  deutschen  obersten  Heeresleitung.


                         Erfolge  und  Kriegsbeute  in  Serbien.

Wien,  W.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:

Am  27.  Oktober  haben  wir  in  Serbien  erneuert  Erfolge  errungen.
Der  Ort  Rarnje  und  die  stark  befestigte  feindliche  Stellung  an  der  Dammstraße
  nördlich  Crnabara  in  der  Macva  wurden  nach  tapferer  feindlicher
Gegenwehr  von  unseren  Truppen  erstürmt.  Hierbei  wurden  vier  Geschütze
  und  acht  Maschinengewehre  erobert,  fünf  Offiziere  und  fünfhundert
Mann  gefangen  genommen  und  viel  Kriegsmaterial  erbeutet.

Potiorek,  Feldzeugmeister.


                      Die  Engländer  vor  der  bayerischen  Front.

Die  „München-Augsburger  Abend-Zeitung“  meldet:  Kronprinz
Rupprecht  von  Bayern  hat  als  Kommandierender  der  sechsten  deutschen
Armee  an  seine  Soldaten  folgenden  Armeebefehl  gerichtet:

Soldaten  der  sechsten  Armee!  Wir  haben  nun  das  Glück,  auch  die
Engländer  vor  unserer  Front  zu  haben,  die  Truppen  jenes  Volkes,  dessen
Neid  seit  Jahren  an  der  Arbeit  war,  uns  mit  einem  Ring  von  Feinden
zu  umgeben,  um  uns  zu  erdrosseln.  Ihm  haben  wir  diesen  blutigen,
ungeheuren  Krieg  vor  allem  zu  verdanken.  Darum,  wenn  es  jetzt  gegen
diesen  Feind  geht,  übt  Vergeltung  für  die  feindliche  Hinterlist,  für  soviele
  schwere  Opfer.  Zeigt  ihnen,  daß  die  Deutschen  nicht  so  leicht  aus
der  Weltgeschichte  zu  streichen  sind,  zeigt  ihnen  das  durch  deutsche  Hiebe
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                                                     —666        —                                                                     von  ganz  besonderer  Art.  Hier  ist  der  Gegner,  der  der  Herstellung  des
Friedens  am  meisten  im  Wege  steht.  Drauf!  Rupprecht.  (Tgl.  Rdsch.,

29.  Oktober.)
                          Ein  Kriegsvorwand  für  Portugal ?
                                                                              London,  268.  Oktober.

Dem  Reuterschen  Bureau  wird  aus  Lissabon  vom  27.  Oktober  gemeldet,
  daß  deutsche  Truppen  in  die  Provinz  Angola  eingedrungen  sind.

An  amtlicher  Stelle  ist,  wie  das  Wolffsche  Telegraphenbureau  erfährt,
nichts  davon  bekannt.  (Germania,  29.  Okt.)

            Deutsche  Geschütze  beherrschen  die  Scheldemündung.
                                                            Frankfurt  a.  M.,  28.  Oktober.

Der  „Frankfurter  Zeitung“  zufolge  meldet  das  Genfer  Journal,  daß
die  Deutschen  an  der  äußersten  belgischen  Küste  einige  Kilometer  von
Kadsand  entfernt  schwere  Batterien  aufgestellt  haben.  Von  dort  beherrschen
  sie  den  Eingang  der  Schelde  und  alle  Durchfahrten  der  Nordsee
zwischen  den  Sandbänken  und  der  Küste.  Die  englischen  Schiffe  seien
daher  gezwungen,  die  hohe  See  zu  passieren.

Beyers  und  Dewet  als  Führer.

Wie  zu  erwarten  stand,  ist  die  bereits  gemeldete  Proklamation  des
Generalgouverneurs  von  Südafrika  nur  der  Vorbote  weiterer  Hiobsposten
  für  die  Engländer  gewesen.  Das  gütliche  Zureden  führt  zu  keinem
Ziel,  wie  es  selbstverständlich  ist  bei  so  zähen  Freiheitshelden,  wie  die
Buren  sind.  England  verspricht  darum  nun,  zu  Gewaltmaßregeln  zu
schreiten,  soweit  es  dazu  in  der  Lage  sein  wird:

                                                                           Amsterdam,  28.0ktober.

Die  Lage  in  Südafrika  scheint  sich  nach  hier  eingetroffenen  Telegrammen
  aus  Transvaal  für  die  Engländer  recht  schwierig  zu  gestalten.
Die  Regierung  der  Südafrikanischen  Union  erklärt  zu  ihrer  bereits  bekannt
  gewordenen  Veröffentlichung:

Die  Regierung  der  Südafrikanischen  Union  hatte  gehofft,  die
widersetzlichen  Elemente  auf  gütlichem  Wege  zur  Unterwerfung  zu
bringen.  Jetzt  sieht  sie  sich  aber  genötigt,  folgendes  zu  erklären:  Die
Regierung  hat  in  Erfahrung  gebracht,  daß  bewaffnete  Bürger  im
Norden  des  Oranje-Freistaates  von  Christian  Dewet  unter  die  Waffen
gerufen  worden  sind  und  daß  bewaffnete  aufständische  Banden  unter
Beyers  in  West-Transvaal  stehen.  Außerdem  sei  die  Stadt  Heilbronn
besetzt  und  ein  Regierungsbeamter  gefangen  worden.  In  Ritz  haben
Aufständische  einen  Zug  angehalten  und  bewaffnete  Bürger  seien  von
Landwehr  entwaffnet  worden.  Alle  diese  Umstände  haben  die  Regierung
  gezwungen,  mit  starker  Hand  einzugreifen.

Wenn  Leute  wie  Beyers  und  Dewet  an  der  Spitze  der  Bewegung
stehen,  wird  es  in  der  Tat  nicht  mehr  möglich  sein,  sie  gering  einzuschätzen,
  wie  es  die  Engländer  anfangs  mit  der  Erhebung  des  Obersten
Maritz  versuchten.  (Germania,  29.  Okt.)


                            Ein  neuer  Schwindel  Clémenceaus.

Herrn  Clemenceau  scheint  für  sein  Blatt  der  Stoff  knapp  zu  werden;
so  ist  er  letzthin  auf  den  Gedanken  gekommen,  sich  von  einem  amerika-
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                                                     —667        —                                                               nischen  Freunde  in  „hoher  gesellschaftlicher  Stellung“  einen  Brief  schreiben
zu  lassen,  worin  diese  —  natürlich  namenlose  —  Persönlichkeit  über  eine
Unterredung  mit  unserm  Gesandten  in  Washington  berichtet.  Ueber
die  Friedensbedingungen  des  siegreichen  Deutschland  befragt,  soll  nach
einem  in  Dagens  Nyheter  wiedergegebenen  Reutertelegramm  unser  Gesandter
  folgende  angeführt  haben:

1.  Alle  französischen  Kolonien,  darunter  Algier,  Marokko  und  Tunis.

2.  Nordfrankreich  von  St.  Valéry,  der  Somme  und  Amiens  bis  Lyon,
d.  h.  ein  Viertel  von  Frankreich  mit  15  Millionen  Einwohnern.

3.  10  Milliarden  Franken  Kriegsentschädigung.

4.  Einen  Handelsvertrag  mit  Zollfreiheit  für  eine  Menge  deutscher
Waren  ohne  entsprechende  Vergünstigung  für  Frankreich.

  5.  Verbot  der  Aushebung  von  Rekruten  in  Frankreich  unter  25
Jahren.

6.  Schleifung  aller  französischen  Festungen.

7.  Auslieferung  von  3  Millionen  Gewehren  und  3000  Kanonen.

8.  Patentrecht  für  die  Deutschen  in  Frankreich  ohne  den  entsprechenden
  Vorteil  für  die  Franzosen.

9.  Frankreichs  Ausscheiden  aus  der  Entente  mit  England  und  Rußand.


10.  Allianzvertrag  mit  Deutschland  auf  25  Jahre.

Diese  Bedingungen  bilden  eine  hübsche  Parallele  zu  der  „Teilung
Deutschlands“,  die  die  Alliierten  in  den  ersten  Stunden  des  Kanonendonners
  vornahmen.  Nur  die  amerikanische  Quelle  ist  unglaubwürdig;
vielmehr  deutet  die  hier  sich  entfaltende  blühende  Phantasie  auf  ein  französisches
  Hirn  —  vielleicht  auf  einen  findigen  Journalisten  des  Clemenceauschen
  Stabes.  (Kreuz-Ztg.,  29.  Okt.)

Ein  neuer  englischer  Gewaltakt  gegen  die  Deutschen  in  Aegypten.
London,  28.  Oktober.  (W.T.  B.)

Die  Zeitungen  melden:  Die  ägyptischen  (soll  heißen:  die  englischen.
Die  Red.)  Behörden  haben  beschlossen,  alle  Deutschen  und  Oesterreicher
dienstpflichtigen  Alters  zu  internieren.  Die  Bewegungsfreiheit  der
übrigen  soll  noch  mehr  beschränkt  werden.


                      Die  Hauptstellung  bei  Verdun  erobert.

             (Amtlich.  Großes  Hauptaquartier,  29.  Oktober,  vormittags.
                              Mitteilung  der  obersten  Heeresleitung.

Unser  Angriff  südlich  Nieuport  gewinnt  langsam  Boden.  Bei  Ypres
steht  der  Kampf  unverändert.  Westlich  Lille  machten  unsere  Truppen
gute  Fortschritte.  Mehrere  befestigte  Stellungen  des  Feindes  wurden
genommen,  16  englische  Offiziere  und  über  300  Mann  zu  Gefangenen
gemacht  und  4  Geschütze  erobert.  Englische  und  französische  Gegenstöße
wurden  überall  abgewiesen.  

Eine  vor  der  Kathedrale  von  Reims  aufgefahrene  französische  Batterie
  mit  Artilleriebeobachter  auf  dem  Turme  der  Kathedrole  mußte
unter  Feuer  genommen  werden.

Im  Argonnerwalde  wurden  die  Feinde  aus  mehreren  Schützengräben
geworfen  und  einige  Maschinengewehre  erbeutet.
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                                                      —  668  —

Südwestlich  Verdun  wurde  ein  heftiger  französischer  Angriff  zurückgeschlagen.
  Im  Gegenangriff  stießen  unsere  Truppen  bis  in  die  feindliche
  Hauptstellung  durch,  die  sie  in  Besitz  nahmen.  Die  Franzosen  erlitten
  starke  Verluste.

Auch  östlich  der  Mosel  wurden  alle  Unternehmungen  des  Feindes,
die  an  sich  ziemlich  bedeutungslos  waren,  zurückgewiesen.

Auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatz  befinden  sich  unsere  Truppen
im  fortschreitenden  Angriff.  Während  der  letzten  drei  Wochen  wurden
hier  13  500  Russen  zu  Gefangenen  gemacht,  30  Geschütze  und  39  Maschinengewehre
  erbeutet.

Auf  dem  südöstlichen  Kriegsschauplatz  haben  sich  die  Verhältnisse  seit
gestern  nicht  geändert  (W.T.B.)


                              Flottenmobilisierung  in  Portugal.

London,  28.  Oktober.  Die  „Times“  melden  aus  Lissabon  vom

26.  Oktober:  Gestern  wurden  durch  Dekret  alle  Klassen  der  Flottenreserven

aufgerufen.  Eine  Seebrigade  von  600  Mann  wird  Anfang  November

nach  Angola  geschickt  werden,  um  das  dortige  Expeditionskorps  zu  verstärken.


            Auffindung  neuer  belgischer  Geheimakten  in  Brüssel.

Köln,  29.  Oktober.  Ein  Privattelegramm  der  „Kölnischen  Zeitung“
meldet  aus  Brüssel:  In  dem  ehemaligen  belgischen  Kriegsministerium
wurden  Geheimakten  gefunden,  die  weitere  gemeinsame  Pläne  des  Dreiverbandes
  und  Belgiens  gegen  Deutschland,  besonders  gemeinsame  Spionage
  gegen  Deutschland  enthalten.  (Berl.  Tagebl.  29.  Okt.)


                 Engländer  in  Deutschland  —  Deutsche  in  England.

Die  englische  Kolonie  in  Frankfurt  a.  M.  hat  an  Lord  Roberts  und
das  Homeoffice  in  London  folgendes  Telegramm  gerichtet:

„Im  Namen  der  zahlreichen  in  Frankfurt  a.  M.  und  Umgebung  sich
aufhaltenden  britischen  Untertanen,  die  sich  ungehindert  hier  bewegen  dürfen,
  erheben  wir  Einspruch  gegen  jede  harte  und  unberechtigte  Behandlung
  der  Deutschen  in  England,  die  gegen  alles  Herkommen  in  unserem
Lande  verstoßen  würde.

Sir  William  H.  Lindley,  John  M.  Mackenzie,  Ernest  C.  Cole."“

Welch  hohen  Grad  der  Haß  erreicht  hat,  den  uns  das  englische  Volk
entgegenbringt,  zeigt  ferner  folgende  verbürgte  Nachricht:  Wie  dem
„Leisniger  Tageblatt“  von  zuverlässiger  Seite  aus  Brüssel  mitgeteilt
wird,  haben  die  dortigen  englischen  Schwestern  sich  geweigert,  die  deutschen
Verwundeten  zu  pflegen.  Der  Kommandant  von  Brüssel  hat  auf  diese
Anmaßung  der  englischen  „Miß“  die  rechte  Antwort  gefunden:  die  Herrschaften
  wurden  sofort  mittels  Sonderzuges  über  die  Grenze  befördert.

                         Ein  deutscher  Sieg  in  Ostafrika.

Rom,  29.  Oktober.  Die  „Stampa“  meldet  aus  Paris:  Ein  in  Havre
eingetroffenes  Telegramm  des  Gouverneurs  von  Katanga  besagt,  daß  belgische
  Truppen  unter  dem  Kommando  des  Generalkommissars  Henry  in
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                                                 —669        —                                                                          einem  Gefecht  bei  Kissenji  am  Kiwusee  durch  die  Deutschen  eine  vollständige
  Niederlage  erlitten.

Kissenji  liegt  hart  an  der  Grenze  des  Kongostaates  auf  deutschem
Gebiet.  Offenbar  hat  hier  eine  belgische  Truppe  in  unser  Schutzgebiet  einzudringen
  versucht.  Durch  die  Wachsamkeit  unserer  Schutztruppe  ist  der
Einfall  siegreich  zurückgewiesen  worden.


                    Eine  deutsche  Proklamation  an  die  Buren.

Rotterdam,,  29.  Oktober.  Der  Burengeneral  Maritz  zeigte  seinen
Leuten  folgende  Proklamation  des  kaiserlichen  Gouverneurs  von  Deutsch-Südwestafrika
  vom  10.  Oktober,  ausgegeben  in  Windhuk,  vor:  „Englische
Truppen  haben  Ramanedrift  besetzt  und  damit  den  europäischen  Krieg
nach  Südafrika  getragen.  Ich  erkläre  nachdrücklich,  die  Deutschen  kämpfen
nicht  gegen  die  holländischen  Einwohner  von  Südafrika.  Im  Gegenteil,
sie  haben  alle  Maßnahmen  getroffen,  den  englischen  Angriffen  an  allen
Punkten  zu  begegnen,  und  sie  werden  den  Krieg  gegen  die  Engländer,
und  nur  gegen  die  Engländer  bis  zum  äußersten  auskämpfen.“

                                                       (Berliner  Tageblatt,  29.  Okt.)

Amsterdam,  29.  Oktober.  Der  „Telegraaf“  meldet  aus  London:
Die  letzten  Berichte  aus  Südwestafrika  lauten  sehr  ungünstig.  Es  scheint,
daß  der  General  Dewet  gegen  Botha  Partei  genommen  hat,  während
man  in  London  sich  über  die  Haltung  vieler  anderer  einflußreicher  Mitglieder
  der  Partei  des  Generals  Herzog  viel  Sorge  macht.  Gerüchten  zufolge
  sollen  verschiedene  hohe  englische  Beamte  durch  die  aufständischen
Buren  gefangen  genommen  sein.

                              Für  die  Wahrhaftigkeit.

W.T.  B.  Stockholm,  28.  Oktober.  Aus  Anlaß  eines  Telegramms,
daß  das  „Preßbureau“  der  englischen  Regierung  der  neutralen  Presse
über  die  finanzielle  Lage  Englands  und  Deutschlands  geschickt  hat,  schreibt
Professor  Cassel  nochmals  in  „Svenska  Dagbladet“  einen  Leitartikel,
worin  er  sagt,  er  halte  sich  verpflichtet,  im  Namen  der  Gerechtigkeit  gegen
blche  unzuverlässige  Informationstätigkeit  zu  protestieren.  Er  führt

ann  aus:

Das  offizielle  Telegramm  des  obengenannten  Preßbureaus  sagte
unter  anderem:  „Der  Wechselkurs  für  Mark  ist  bereits  um  4  Prozent  in
Neuyork  gefallen,  was  zeigt,  daß  die  Meinung  der  Neuyorker
Börse  über  die  deutsche  Zahlungsfähigkeit  gut  unterrichtet  ist.  Die  mit
großer  Reklame  in  Szene  gesetzte  deutsche  innere  Anleihe  ist  nur  durch
die  Sparkassen  gedeckt  worden,  die  von  der  Regierung  gezwungen  wurden,
25  Prozent  ihrer  Depositen  an  die  Regierungsfonds  zu  übertragen.“
Cassel  stellt  sest,  daß  die  natürliche  Tatsache,  daß  die  Markkurse  in  Neuyork
  gefallen  sind,  keineswegs  bedeute,  daß  Neuyork  das
Vertrauen  zur  deutschen  Zahlungsfähigkeit  verloren  habe.  Gerade
  wie  niemand  behaupten  könnte,  daß  zum  Beispiel  Schweden  das
Vertrauen  zur  russischen  Valuta  verloren  habe,  obgleich  der  Rubel  mehr
als  die  Mark  gefallen  sei,  und  doch  sei  die  Mark  auch  in  Stockholm  unter
pari.  Der  Verfasser  meint,  das  offizielle  Preßbureau  sollte  es  für  unter
seiner  Würde  halten,  solche  irreführenden  Darstellungen  zu  verbreiten.
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                                                            —  670  —

                                Ein  Zeppelin  über  Paris.

W.T.  B.  Frankfurt  a.  M.,  29.  Oktober.  Nach  einer  Meldung
der  „Frankfurter  Zeitung“  berichtet  die  Zeitung  „Aftonbladet“  in  Goeteborg
  aus  Paris:

Am  Mittwoch  erschien  über  Paris  ein  Zeppelin.  Es  wurden  sechs
Bomben  abgeworfen,  von  denen  drei  größeren  Schaden  anrichteten.  Acht
Personen  wurden  getötet  und  eine  beträchtliche  Anzahl  wurde  verletzt.
Französische  Flieger  versuchten,  das  Luftschiff  anzugreifen,  es  entkam  jedoch

  in  den  Wolken.
                                  Der  Burenaufstand.

W.T.B.  Rom,  29.  Oktober.  In  einer  Mitteilung  der  englischen
Botschaft  in  Rom  wird  bestätigt,  daß  der  Aufstand  von  Oberst  Maritz  jetzt
endgültig  durch  den  Obersten  Brits  bei  Kakermas  niedergeworfen  worden
sei,  daß  aber  die  Generale  Beyers  und  Dewet  sich  gegen  die  Regierung
mit  einigen  Burghers  von  der  Orangeriverkolonie  und  Westtransvaal
erhoben  haben.  Die  Regierung  habe  energische  Maßregeln  ergriffen,  um
die  Ordnung  wiederherzustellen.  Die  große  Mehrheit  der  Burghers  in
allen  Staaten  sei  loyal.

W.T.  B.  London,  29.  Oktober.  Das  Reutersche  Bureau  meldet
aus  Kapstadt:  General  Botha  verließ  Rustenburg  am  Dienstag  morgen
und  bekam  am  Vormittag  Fühlung  mit  den  Anhängern  des  Generals
Beyers,  die  er  in  die  Flucht  schlug.  Bei  der  den  ganzen  Tag  fortgesetzten
Verfolgung  wurden  80  Mann  gefangen  genommen.

 

                             Die  Lage  in  Galizien.  
W.T.  B.  Wien,  29.  Oktober.  (Drahtb.)  Amtlich  wird  verlautbart:


                                                                                 29.  Oktober,  mittags.
Auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatze  fanden  gestern  keine  größeren
Kämpfe  statt.  In  den  letzten  Tagen  wurden  die  Versuche  der  Russen,
gegen  den  Raum  von  Turka  vorzudringen,  erfolgreich  abgewiesen.
                  Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes.

                                                    v.  Hoefer,  Generalmajor.


                         Ein  englischer  Anschlag  in  Deutschland.

Das  Amtsblatt  der  Eisenbahndirektion  Berlin  enthält  folgende  interessante
  und  höchst  bezeichnende  Mitteilung:

„Bei  Entladung  eines  von  einer  deutschen  Zeche  an  eine  Geschoßfabrik
  abgesandten  Wagens  Kohlen  ist  mitten  zwischen  den  Kohlen  versteckt
  ein  geladenes  englisches  Artilleriegeschoß  vorgefunden  worden.  Vermutlich
  war  ein  Anschlag  beabsichtigt.  Dieser  Fall  mahnt  zur  größten
Vorsicht.  Das  beteiligte  Personal  ist  zu  unterrichten.  Die  Güterabfertigung
  haben  auch  die  von  ihnen  bedienten  wichtigen  Privatbetriebe  zu
warnen.“

Der  Mordanschlag  auf  einen  österreichischen  Truppenführer.

Wien,  29.  Oktober.  Der  Berichterstatter  der  „Deutschen  Tagesgeitung!
  meldet:  Heute  erfährt  man  den  Namen  des  österreichischen
Truppenführers,  auf  den  infolge  der  von  Rußland  augsgesetzten  Beloh-
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                                                            —  671  —

nung  von  80  000  Rubel  ein  Mordanschlag  versucht  wurde.  Es  ist  dies
der  Kihror  des  Landesgendarmerie-Kommandos  Nr.  13,  Oberstleutnant
Eduard  Fischer,  der  infolge  seiner  Verdienste  um  die  Befreiung  der  Bukowina
  von  den  Russen  soeben  vom  Kaiser  zum  Obersten  ernannt  wurde.
Während  einer  Autofahrt  wurden  auf  ihn  aus  einem  Revolver  mehrere
Schüsse  abgegeben,  die  glücklicherweise  nicht  trafen.  Der  Mordbube,  der
verhaftet  werden  konnte,  ist  ein  Lehrer  namens  Gabrielescu.  Man  fand
bei  ihm  Briefschaften,  aus  denen  hervorging,  daß  er  in  russischem  Solde
stand.  Er  wurde  standrechtlich  erschossen.  „Dtsche.  Tagesztg.“,  30.  Okt.

                                Die  Opfer  der  „Karlsruhe“.

Rotterdam,  28.  Oktober.  Der  „Rotterdamsche  Courant“  bringt
einen  von  dem  Lloydagenten  in  Teneriffa  stammenden  Bericht  über  die
von  dem  Kreuzer  „Karlsruhe“  versenkten  Schiffe:

„Strathroy“  2807  Tons;  „Male  Branch“  2761  Tons;  „Highland
Hope“  3323  Tons;  „Cornish  City“  2431  Tons;  „Rio  Iguassu“  2442
Tons;  „Farn“  2735  Tons;  „Niceto  de  Larrinaga“  3173  Tons;  „Cervantes“
  2932  Tons;  „Pruth“  2867  Tons;  „Lynrowan"“  2098  Tons;  „Maria“
3649  Tons;  „Condor“  1958  Tons  und  „Indrani“.  Die  „Maria“  soll  ein
niederländisches  Schiff  gewesen  sein  (die  Meldung  stammt  aus  englischer
Quelle),  alle  anderen  waren  englische  Schiffe.  Die  „Cornish  City“  fuhr
mit  6000  Tons  Steinkohlen  von  Cardiff  nach  Rio,  die  „Farn“  mit  4000
Tons  nach  Montevideo.  Die  „Karlsruhe“  konnte  sich  also  ausgiebig  mit
Kohlen  versorgen  und  wird  nun  Nutzen  davon  haben,  da  jetzt,  wie  mitgeteilt,
  nach  den  Angaben  der  englischen  Admiralität  70  Kreuzer,  darunter
  die  schnellsten  der  ganzen  Flotte  ausgesandt  worden  sind,  um  die
9  deutschen  Kriegsschiffe,  die  sich  im  Atlantischen  Ozean,  der  Südsee  und
dem  Indischen  Ozean  befinden,  unschädlich  zu  machen.

                                  „Berliner  Neueste  Nachrichten“,  30.  Oktober.


                       Erbitterung  des  Islam  gegen  England.

Konstantinopel,  29.  Oktober.  Nachrichten  aus  Aegypten  zufolge
  verboten  die  Engländer  unter  dem  Vorwande  der  Unsicherheit  der
Verkehrsstraßen  die  Pilgerschaft  nach  den  heiligen  Stätten  des  Islam.
Die  Engländer  scheinen  vermeiden  zu  wollen,  daß  die  Mohammedaner
Aegyptens  mit  der  übrigen  mohammedanischen  Welt  in  Berührung  kommen.
  Diese  Eingriffe  in  religiöse  Angelegenheiten  verschärfen  die  Erbitterung
  gegen  England.  Die  Blätter  bestreiten  die  Gültigkeit  der  zustimmenden
  Begutachtung,  die  der  Obermufti  unter  englischem  Druck  gab.

                                                         Tägl.  Rundschau,  30.  Oktober.

                    Ausweisung  der  Deutschen  in  Hongkong.

Einem  Telegramm  zufolge,  welches  das  Berliner  Exporthaus  Arnhold,
  Karberg  u.  Co.  von  seinem  Vertreter  aus  Hongkong  heute  erhielt,
müssen  unsere  Landsleute  innerhalb  acht  Tagen  die  Insel  verlassen.  Von
diesem  Befehl  der  englischen  Regierung  werden  etwa  400  Personen  und
Firmen  betroffen,  die  sich  in  der  Handelswelt  Ostasiens  eines  großen  Ansehens
  erfreuen  und  die  darum  schon  seit  langem  die  Mißgunst  der  Engländer
  erregt  hatten.
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                                                       —  672  —

Nach  einem  in  der  „Weser-Zeitung“  veröffentlichten  Telegramm  eines
China-Hauses  verhält  sich  die  Sache  so:  Alle  Deutschen  in  Hongkong  unter
45  Jahren  sind  eingesperrt  worden.  Ihre  Familien  werden  abreisen.
ihre  Geschäftshäuser  zwangsweise  liquidieren  müssen.

Es  muß  schlecht  stehen  um  die  Lage  der  Engländer,  wenn  ihre  Verfolgungswut
  gegen  die  Deutschen  keine  Grenzen  mehr  kennt.

England  will  die  Beschlüsse  der  Seerechts-Konferenz  aufheben.

Amsterdam,  29.  Oktober.  Der  „Morningpost“  zufolge  hat  die
englische  Regierung  nach  Verhandlungen  mit  den  Bundesgenossen  und
Neutralen  beschlossen,  in  Zukunft  nicht  mehr  mit  den  Verträgen  der
Internationalen  Londoner  Seerechts-Konferenz  zu  rechnen.  Es  handelt
sich  um  die  internationale  Konferenz,  die  vom  4.  Dezember  1909  bis  zum
26.  Februar  1910  in  London  tagte  und  auf  der  Beschlüsse  über  die  interdatienale
  Regelung  des  Blockaderechts  und  der  Konterbande  gefaßt
wurden.

             Ein  russisches  Kanonenboot  von  Bulgaren  beschossen.

London,  29.  Oktober.  Nach  Blättermeldungen  haben  die  Bulgaren
  auf  ein  russisches  Kanonenboot  geschossen,  das  der  serbischen  Armee
auf  der  Donau  Vorräte  zuführen  wollte.

                                  Englische  Angst.

Amsterdam,  29.  Oktober.  Nach  Meldungen  holländischer  Zeitungen
  aus  London  wurden  außer  London  sämtliche  Hafenorte  an  der
englischen  Nordseeküste  für  befestigte  Plätze  erklärt  und  in  Verteidigungszustand
  gesetzt.  „Tägl.  Rdsch.“,  30.  Okt.

                    Die  türkische  Flotte  auf  der  Fahrt.

Frankfurt  a.  M.,  29.  Oktober.  Nach  einem  Telegramm  der
„Frankfurter  Zeitung“  aus  Konstantinopel  ist  die  gesamte  türkische  Flotte
gestern  ins  Schwarze  Meer  ausgelaufen.

Stockholm,  29.  Oktober.  Infolge  der  türkischen  Generalmobilmachung
  fordert  das  hiesige  türkische  Generalkonsulat  alle  sich  in  Schweden
aufhaltenden  Türken  auf,  sich  sofort  in  Stockholm  zur  Entgegennahme
neuer  Bestimmungen  zu  melden.

                         Die  Türken  am  Roten  Meere.

Wien,  29.  Oktober.  Nach  Meldungen  aus  Kairo  sind  im  Golfe  von
Akaba  starke  türkische  Kavallerieabteilungen  eingetroffen.  Türkische  Kontrollschiffe
  mit  drahtlosen  Stationen  sind  bis  von  Scherm  am  Eingang
des  Golfes  von  Suez  gesichtet.  „Vss.  Ztg.“,  30.  Okt.

                         Die  Türkei  schlägt  los!

W.T.  B.  Petersburg,  29.  Oktober.  Die  Petersburger  Telegraphen-Agentur
  meldet:  Zwischen  9½  und  10½  Uhr  vormittags  hat
ein  türkischer  Kreuzer  mit  drei  Schornsteinen  in  Theodosia  den  Bahnhof
und  die  Stadt  beschossen  und  die  Kathedrale,  die  griechische  Kirche,  die
Speicher  am  Hafen  und  die  Mole  beschädigt.  Ein  Soldat  wurde  ver-
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                                                   —  673  —

wundet.  Die  Filiale  der  Russischen  Bank  für  auswärtigen  Handel  geriet
in  Brand.  Um  10½  Uhr  dampfte  der  Kreuzer  nach  Südwesten  ab.

In  Noworossijsk  ist  der  türkische  Kreuzer  „Hamidie“  angekommen
und  hat  die  Stadt  aufgefordert,  sich  zu  ergeben  und  das  Staatseigentum
auszuliefern,  mit  der  Drohung,  im  Falle  der  Ablehnung  die  Stadt  zu
bombardieren.  Der  türkische  Konsul  und  seine  Beamten  wurden  verhaftet.
 Der  Kreuzer  ist  wieder  abgefahren.

                         Die  neuen  Taten  der  „Emden“".

(Ein  russischer  Kreuzer,  ein  französischer  Torpedobootszerstörer  versenkt.)

Leipzig,.  30.  Oktober.  Die  „Leipziger  Neuesten  Nachrichten“  verbreiten
  folgendes  Extrablatt:

Kopenhagen.    Nach  einer  amtlichen  Petersburger  Meldung  aus
Tokio  wurde  der  russische  Kreuzer  „Schemtschug"  und  ein  französischer
Torpedojäger  auf  der  Reede  von  Pulo  Pinang  durch  Torpedoschüsse  des
deutschen  Kreuzers  „Emden"“  zum  Sinken  gebracht.  Der  Kreuzer  hätte
sich  durch  Anbringung  eines  vierten  falschen  Schornsteins  unkenntlich  gemacht
  und  konnte  sich  auf  diese  Weise  den  vernichteten  Schiffen  unerkannt
nähern.  „Tägl.  Rdsch.“,  30.  Oktober.

                     Die  Heeresleitung  über  die  Kriegslage.

                                       Großes  Hauptquartietr,  30.  Oktober.

Unsere  Angriffe  südlich  Nieuport  und  östlich  Dpres  wurden  erfolgreich
  fortgesetzt.  Acht  Maschinengewehre  wurden  erbeutet  und  200  Engländer
  zu  Gefangenen  gemacht.

Im  Argonner  Wald  nahmen  unsere  Truppen  mehrere  Blockhäuser
sid  Stützpunkte.  Nordwestlich  Verdun  griffen  die  Franzosen  ohne  Erfolg
  an.

Im  übrigen  ist  im  Westen  und  ebenso  auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz
  die  Lage  unverändert.  (W.T.  B.)

                                   Die  Stärke  von  Tsingtau.

Wie  die  „Deutsche  Japan-Post“  aus  VYokohama  meldet,  kommt  den
Japanern  doch  allmählich  zum  Bewußtsein,  daß  es  sich  bei  der  Eroberung
von  Tsingtau  keineswegs  um  einen  „militärischen  Spaziergang“  handelt.
So  schreibt  die  japanische  „Nitschi-Ritschi“  unter  anderem:

„Die  Deutschen  haben  Tsingtau  während  der  17  Jahre  seines  Besitzes
  zu  einer  uneinnehmbaren  Festung  verstärkt.  Die  ganze  Küste  wird
durch  eine  Reihe  Forts,  von  denen  das  Iltis-,  Bismarck=  und  Moltke-Fort
  die  stärksten  sind,  gegen  die  See  geschützt.  Die  starken  Geschütze  nach
der  See  zu  bestreichen  alle  Zugänge  zum  Hafen  vollständig.  Ebenso
sind  die  Verteidigungswerke  nach  der  Landseite,  die  Forts  unmittelbar
bei  der  Stadt,  die  erste  Verteidigungslinie  vor  ihnen  so  gut  wie  uneinnehmbar.
  Auch  die  zweite  Verteidigungslinie  vor  ihnen  ist  recht  stark,
und  von  elektrisch  geladenen  Drähten,  Minen  und  verdeckten  Batterien
hinter  völlig  schußfreiem  Gelände  ist  reichster  Gebrauch  gemacht.  Die
Garnison  ist  auf  8000  Mann  verstärkt,  und  Proviant  und  Munition
keichen  länger  als  ein  Jahr.  Die  Japaner  haben  also  eine  außerordentlich
schwierige  Aufgabe  vor  sich.“                   „Voss.  Ztg.“,  30.  Okt.
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                                                                    —  674  —

                      Oesterreichische  Erfolge  in  Galizien.

           Wien,  30.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:

                                                                      30.  Oktober,  mittags.

In  Russisch-Polen  wurde  auch  gestern  nicht  gekämpft.  Am  unteren
San  wurden  stärkere,  südlich  Nisko  über  den  Fluß  gegangene  feindliche
Kräfte  nach  heftigem  Gefechte  zurückgeworfen.  Bei  Stary  Sambor
sprengte  unser  Geschützfeuer  ein  russisches  Munitionsdepot  in  die  Luft.
Alle  feindlichen  Angriffe  auf  die  Höhen  westlich  Ortes  wurden  abgeschlagen.
  Im  Raume  nordöstlich  von  Turka  gewannen  unsere  angreifenden
  Truppen  mehrere  wichtige  Höhenstellungen,  die  der  Feind  fluchtartig
  räumen  mußte.  Unser  Landsturm  machte  in  diesen  Kämpfen  viele
Gefangene.

Die  Gesamtzahl  der  in  der  Monarchie  internierten  Kriegsgefangenen
betrug  am  28.  d.  M.  649  Offiziere  und  73  179  Mann,  nicht  eingerechnet
die  auf  beiden  Kriegsschauplätzen  sehr  zahlreichen,  noch  nicht  abgeschobenen
  Gefangenen  aus  den  Kämpfen  der  letzten  Woche.

               Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                       v.  Hoefer,  Generalmajor.


                 Der  Beginn  des  türkisch-russischen  Kampfes.

Auf  der  türkischen  Botschaft  wird  mitgeteilt:  Heute  ist  hier  eine
offizielle  Bestätigung  der  türkischen  Aktion  im  Schwarzen  Meere  eingetroffen.
  Das  betreffende  Telegramm  lautete  folgendermaßen:

„Russische  Schiffe  versuchten  die  Ausfahrt  der  türkischen  Flotte  aus
dem  Bosporus  in  das  Schwarze  Meer  zu  verhindern.  Die  türkischen
Schiffe  eröffneten  das  Feuer  und  vernichteten  ein  russisches  Torpedoboot
und  ein  Kanonenboot.  Hierbei  wurden  80  Gefangene  gemacht.

                                                    „Deutsche  Tgsztg.“,  31.  Oktober.


      Die  Abreise  des  russischen  Botschafters  aus  Konstantinopel.

Rom,  30.  Oktober.  „Agenzia  Stefani“  meldet:  Das  italienische
Ministerium  des  Aeußern  erhielt  von  Konstantinopel  die  Nachricht,  daß
der  russische  Botschafter  in  Konstantinopel  von  dort  abgereist  sei  und  den
Schutz  der  russischen  Staatsangehörigen  der  italienischen  Regierung  übertragen
  habe.  Die  Abreise  des  englischen  und  französischen  Botschafters
gilt  als  bevorstehend.                  „Deutsche  Tgsztg.“,  31.  Okt.


                    Außerordentlicher  Ministerrat  in  Konstantinopel.

       (W.T.  B.)  Konstantinopel,  30.  Oktober.  Gestern  am  späten
Nachmittag  trat  auf  der  Pforte  unter  dem  Vorsitz  des  Großwesirs  ein
außerordentlicher  Ministerrat  zusammen.  Die  Beiramfeier  war  in  der
ganzen  Türkei  von  dem  Gefühl  freudiger  Erwartung  getragen  und  der
Empfindung,  daß  man  am  Vorabend  großer  Ereignisse  stehe.


                          Der  Burenaufstand  in  Südafrika.

Rotterdam,  30.  Oktober.  In  hiesigen  unterrichteten  Kreisen
zweifelt  man  nicht  daran,  daß  die  Meldungen,  die  aus  London  über  den
Burenaufstand  verbreitet  werden,  der  Wahrheit  nicht  entsprechen,  denn
die  Tatsache,  daß  Männer  wie  Dewet  und  Kemp  an  der  Spitze  der  Er-
        <pb n="150" />
                                                    —  675  —

hebung  stehen,  beweist,  daß  die  Bewegung  bereits  einen  großen  Umfang
angenommen  hat.  Diese  Führer  der  Buren  in  dem  Kriege  gegen  die
Engländer  sind  über  dem  Verdacht,  sich  in  ein  aussichtsloses  Abenteuer
einzulassen,  erhaben.  Die  Erhebung  der  Buren  ist  jedenfalls  das  Werk
einer  allgemeinen  Verschwörung,  deren  Anfänge  in  eine  Zeit  zurückreichen,
wo  in  Europa  noch  niemand  an  die  Möglichkeit  eines  solchen  Weltkrieges
dachte.  Die  Buren  sind  schon  lange  mit  der  englischen  Herrschaft  unzufrieden,
  weil  diese  zu  sehr  das  farbige  Element  begünstigte  und  gleichzeitig
  die  reichen  Naturschätze  des  Landes  zu  offensichtlich  zugunsten  der
englischen  Unternehmer  und  des  Mutterlandes  ausbeuteten.

Aus  Bloomfontein  wird  gemeldet,  daß  die  Burghers  im  ganzen
  früheren  Oranje-Freistaat  zu  den  Waffen  greifen  und  ihre  Hauptmasse
  sich  in  der  Richtung  auf  Kapstadt  konzentriert,  das  von  englischen
Truppen  ganz  entblößt  ist,  weil  diese  bekanntlich  Deutsch-Südwestafrika
angegriffen  haben.  Man  erwartet,  daß  die  Aufständischen  versuchen  werden,
  sich  möglichst  rasch  in  den  Besitz  von  Kapstadt  zu  setzen.

                                                   „Deutsche  Tagesztg.“,  31.  Oktober.


                        Prinz  Ludwig  von  Battenberg  tritt  zurück.

      W.T.  B.  London,  29.  Oktober.  Prinz  Ludwig  von  Battenberg
ist  von  seinem  Posten  als  Erster  Seelord  zurückgetreten.


                                 2  Milliarden  Kriegskredit.

London,  30.  Oktober.  Die  englische  Regierung  wird,  der  „Morningpost“
  zufolge,  in  der  Eröffnungssitzung  des  englischen  Parlaments
am  11.  November  die  Forderung  zur  Bewilligung  eines  Kriegskredits
von  100  Millionen  Pfund  stellen.               „Post“,  31.  Okt.


                   Ein  griechisch-bulgarisches  Grenzgefecht.

W.T.  B.  Sofia,  30.  Oktober.  Die  Bulgarische  Agentur  meldet:
Am  25.  Oktober  kam  es  zwischen  bulgarischen  und  griechischen  Grenzposten
  von  Goleschowo  zu  einem  Gewehrfeuer,  das  sieben  Stunden
währte.  Veranlaßt  wurde  der  Zwischenfall  durch  den  Versuch  der  Griechen,
in  der  neutralen  Zone  Laufgräben  zu  errichten.  Auf  bulgarischer  Seite
wurde  ein  Mann  verwundet,  auf  griechischer  Seite  ein  Mann  getötet
und  zwei  Mann  verwundet.


                    Griechische  Landung  in  Santi  Quaranta.

Rom,  30.  Oktober.  Unser  römischer  Mitarbeiter  meldet:

Zwölfhundert  griechische  Soldaten  nebst  Geschützen  landeten  in  Santi
Quaranta,  einem  Hauptorte  der  aus  strategischen  Gründen  auf  der  Londoner
  Konferenz  von  Italien  und  Oesterreich-Ungarn  für  Albanien  erwirkten
epirotischen  Küste.  Diese  Landung  ist  nicht  erklärbar  aus  den  Erfordernissen
  der  von  England  gewünschten  sogenannten  provisorischen  Polizeiaktion
  Griechenlands,  welche  nach  hier  gegebenen  amtlichen  Auskünften
noch  auf  die  Binnenbezirke  Argyrokastro  und  Premeti  beschränkt  sein  sollte.

Zur  Besetzung  Epirus  stellt  „Giornale  d'Italia“  nach  einer  Meldung
der  „Köln.  Ztg.“  fest,  daß  die  strategische  Lage  Italiens  in  der  Adria  nunmehr
  gekräftigt  sei.  Das  Blatt  hofft,  Griechenland  habe  ehrliche  Absichten
und  werde  die  Verpflichtungen,  die  es  Italien  gegenüber  eingehe,  auch
halten.                                               (Dtsch.  Tagesztg.,  30.  Okt.)
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                                                                                                                                                    —676—                                                                                                    Vergebliche  englische  Liebeswerbungen  um  die  Buren.

(W.T.B.)  Kapstadt,  30.  Oktober.  (Meldung  des  „Reuterschen
Bureaus“):  General  Hertzog  hat  Bloemfontain  verlassen  in  der  Hoffnung,
die  Führer  der  Rebellen  zu  treffen,  um  ihnen  zu  raten,  heimzukehren.  Es
gelang  ihm  vorläufig  weder  Dewet,  noch  das  Mitglied  des  Provinzparlaments
  Conrey,  der  ein  Rebellenkommando  anführt,  zu  treffen.  Bisher  ist
in  der  Oranje-Kolonie  kein  Blutvergießen  zu  verzeichnen.

              Der  Botschafter  Graf  von  Nex  beim  Abschiede.

Die  japanische  Zeitung  „Asahi“  berichtet,  daß  der  Privatsekretär  des
Ministers  des  Aeußeren  Yoshida  dem  scheidenden  deutschen  Botschafter
Grafen  von  Rex  an  Bord  der  „Minnesota“  in  der  höflichsten  Weise  habe
„Lebewohl"“  sagen  wollen,  daß  aber  der  Botschafter  ihm  nicht  nur  für  diese
Höflichkeit  nicht  gedankt,  sondern  ihm  nicht  einmal  ein  Wort  gegönnt  habe.
—  Wenn  dem  so  gewesen  ist,  so  wird  das  Verhalten  des  Botschafters  die
vollkommenste  Billigung  aller  Deutschen  finden.  (D.  Tagesztg.,  31.  Okt.)

                          Neue  Fortschritte  im  Westen.

             (Amtlich.)  Großes  Hauptgquartier,  31.  Oktober.,
                                                       vormittags.
                                    Mitteilung  der  Obersten  Heeresleitung.

Unsere  Armee  in  Belgien  nahm  gestern  Ramscapelle  und  Bixschote.

Der  Angriff  auf  Ypres  schreitet  gleichfalls  fort.  Zandvoorde,  Schloß
Hollebeke  und  Wambeke  wurden  gestürmt.  Auch  weiter  südlich  gewannen
wir  Boden.

Oestlich  Soissons  wurde  der  Gegner  gleichfalls  angegriffen  und  im
Laufe  des  Tages  aus  mehreren  stark  verschanzten  Stellungen  nördlich  von
Vailly  vertrieben.  Am  Nachmittag  wurde  dann  Vailly  gestürmt  und  der
Feind  unter  schweren  Verlusten  über  die  Aisne  zurückgeworfen.  Wir
machten  1000  Gefangene  und  erbeuteten  2  Maschinengewehre.

Zm  Argonner  Walde  sowie  westlich  von  Verdun  und  nördlich  von
Toul  brachen  wiederholt  feindliche  Angriffe  unter  schweren  Verlusten  für
die  Franzosen  zusammen.

Der  Kampf  auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatz  hat  noch  nicht
zu  einer  Entscheidung  geführt.

Westlich  von  Warschau  folgen  die  Russen  langsam  unseren  sich  neu
gruppierenden  Kräften.  (W.  T.B.)

                              Die  Taten  der  türkischen  Flotte.

Konstantinopel,  31.  Oktober.  (Aus  amtlicher  Quelle.)  Der
Panzerkreuzer  „Sultan  Semlin“  hat  ein  russisches,  mit  300  Minen  beladenes
  Schiff  versenkt  und  ein  Kohlentransportschiff  sowie  ein  russischse
Kanonenboot  schwer  beschädigt.  Außerdem  hat  er  Sewastopol  mit  Erfolg
beschossen.

Der  Kreuzer  „Midilli“  hat  in  Naruski  die  Petroleum=  und  Getreidelager
  zerstört  und  14  Transportdampfer  versenkt.  Der  Torpedobootszerstörer
  „Bere-i-Satwet“  hat  in  Noworossisk  die  funkentelegraphische  Station
  zerstört.  Der  Torpedobootszerstörer  „Jadig-hiar-i-Millet“  hat  ein
        <pb n="152" />
                                                   —  677  —

russisches  Kanonenboot  versenkt.  Der  Torpedobootszerstörer  „Muaveneti-Millije“
  hat  ein  anderes  Schiff  derselben  Gattung  beschädigt.

In  Odessa  sind  die  Petroleumbehälter  und  5  russische  Schiffe  beschädigt
  worden.  Der  Kreuzer  „Hamidije“  hat  Theodosia  beschossen  und  in
Kertsch  ein  Transportschiff  versenkt.

                        Rücktritt  des  italienischen  Ministeriums.
             (Ein  Streit  zwischen  Kriegsminister  und  Finanzminister.)

Romn,  31.  Oktober.  Meldung  der  „Agenzia  Stefani“:  Der  Schatzminister
  Rubini  gab  heute  den  Entschluß  kund,  von  seinem  Amte  zurückzutreten.
  Infolgedessen  entschied  sich  das  ganze  Kabinett  dahin,  gleichfalls
  aus  dem  Amte  zu  scheiden.  Ministerpräsident  Salandra  teilte  dem
König  diesen  Entschluß  mit.  Der  König  behielt  sich  die  Entscheidung  vor.

Rom,  31.  Oktober.  Die  „Giornale  d'Italia“  sagt  in  seiner  Ausgabe
  von  heute  nachmittag  den  inzwischen  erfolgten  Rücktritt  des  Schatzministers
  Rubini  voraus  und  führt  als  Grund  dafür  Meinungsverschiedenheiten
  an  über  die  Art  und  Weise,  wie  man  die  Ausgaben  bestreiten
solle.  Rubini  habe  in  dem  heutigen  Ministerrat,  der  um  1  Uhr  nachmittags
  schloß,  die  Gründe  für  seinen  Rücktritt  auseinandergesetzt  und  sei
damit  lebhaften  Meinungsverschiedenheiten  unter  den  Ministern  begegnet.
  Ministerpräsident  Salandra  habe  überlegt,  ob  er  dem  König  nur  die
Ersetzung  des  Schatzministers  und  des  Ministers  des  Aeußern  oder  den
Rücktritt  des  gesamten  Kabinetts  anbieten  solle.

                                             „Tägliche  Rundschau“,  1.  November.

                         Herr  v.  Jagow  über  Vergeltungsmaßregeln.

Der  „Dresdner  Anzeiger“  hatte  an  den  Staatssekretär  des  Auswärtigen
  Amts  v.  Jagow  ein  Telegramm  gesandt  wegen  der  Behandlung  der
Deutschen  in  England.  Darauf  ist  folgende  Antwort  eingegangen:

Auf  Ihr  gestriges  Telegramm  hin  ist  der  amerikanische  Botschafter  in
London  veranlaßt  worden,  sich  persönlich  über  die  Behandlung  der  deutschen
Gefangenen  in  England  Aufklärung  zu  verschaffen,  und,  soweit  die  Klagen
berechtigt  sind,  mit  größtem  Nachdrucke  auf  sofortige  Abhilfe  zu  bestehen.
Ein  soeben  eingegangener  Bericht  der  amerikanischen  Botschaft  über  die  Besichtigung
  mehrerer  englischer  Gefangenenlager  lautet  befriedigend.  Vergeltungsmaßnahmen
  wegen  der  Gefangenhaltung  Deutscher  in  England
werden  falls  die  englische  Regierung  der  Aufforderung  zur  Freilassung
nicht  unverzüglich  nachkommt,  alsbald  ausgeführt  werden.

Auch  eine  Mitteilung  des  sächsischen  Ministeriums  des  Innern  liegt
zudieser  Frage  vor.

„In  Briefen  des  englischen  sowie  des  amerikanischen  Geistlichen  in
Dresden  war  mit  besonderem  Dank  hervorgehoben  worden,  daß  bei  uns
in  Deutschland  Konzentrationslager  glücklicherweise  nicht  bestehen.  In
England  selbst  scheint  man  über  die  Zweckmäßigkeit  und  Zulässigkeit  solcher
Einrichtungen  anderer  Ansicht  zu  sein,  und  das  Publikum  ist  in  Deutschland
  mit  Recht  empört  darüber,  daß  friedliche  Deutsche,  die  das  Unglück
haben,  in  England  zurückgehalten  zu  werden,  in  fortwährend  gesteigertem
Maße  eine  solche  Behandlung  ertragen  müssen.  Wenn  die  deutschen  Behörden
  bisher  anders  verfuhren,  so  war  dies  nicht  Schwäche  oder  Furcht

                                                                 43
        <pb n="153" />
                                                        —  678  —

vor  England,  sondern  Gewissen  und  Selbstachtung  verboten  uns,  friedlichen
  Angehörigen  selbst  feindlicher  Staaten  unnötiges  Leid  zuzufügen.
Aber  die  deutschen  Behörden  können  auch  anders,  wenn  es  nunmehr  sich
darum  handeln  wird,  Wiedervergeltung  zu  üben  und  die  in  Deutschland
noch  immer  auf  freiem  Fuß  lebenden  Engländer  und  vor  allem  auch  die
vielfach  recht  anmaßend  und  herausfordernd  auftretenden  Engländerinnen
einmal  durch  eigene  Erfahrung  erproben  zu  lassen,  ob  und  inwieweit  die
Konzentrationslager  nach  englischem  Vorbild  den  Anforderungen  der
Menschlichkeit  entsprechen.“  "

Der  in  dem  Telegramm  des  Staatssekretärs  erwähnte  Bericht  des
Mitgliedes  der  amerikanischen  Botschaft  in  London,  Chandler  P.  Anderson,
und  des  Leiters  der  österreichisch-ungrischen  Abteilung  derselben  amerikanischen
  Botschaft  Chandler  Hale,  über  einen  Besuch,  den  sie  den  Gefangenenlagern
  in  Frimley,  in  Quensferry  und  in  Wales  abgestattet  haben,  wird
in  der  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  veröffentlicht.  In  diesen  Lagern  werden  deutsche
und  österreichisch-ungarische  Soldaten  und  Offiziere  und  Zivilpersonen  festgehalten.
  In  dem  Bericht  heißt  es:

Die  bezeichneten  Lager  wurden  ausgewählt,  weil  sie  die  einzigen,  jetzt
in  Gebrauch  befindlichen  Lagerarten  darstellen.  Das  Lager  in  Frimley
ist  ein  eingezäuntes  Freiluftlager,  wo  die  Leute  in  Zelten  untergebracht
sind.  Lager  in  Queensferry  ist  ein  gedecktes  Lager,  das  aus  geräumigen
unbenutzten  Fabrikgebäuden  besteht  und  mit  einem  Plankenzaune  umgeben
  ist,  der  noch  ein  Uebungsfeld  mit  einem  Platz  zum  Kochen,  Waschen
und  für  Sanitätsvorrichtungen  einschließt.  Die  Freiluftlager  sollen
während  des  kalten  Winters  in  Gebäude  verlegt  werden.“

Der  Bericht  enthält  dann  Einzelheiten  über  die  Verpflegung,  Küchenausstattung,
  Kantinen,  Schlafgelegenheiten,  Kleidung,  Waschgelegenheit,
Sanitätsvorrichtungen  und  allgemeine  Behandlung  der  Gefangenen,  die
beruhigend  lauten.  Die  Gefangenen  sollen  auch  im  ungestörten  Gespräch
mit  den  beiden  Amerikanern  fast  gar  keine  Klagen  vorgebracht  haben.
Nur  einige  Leute  beschwerten  sich  über  ihre  Gefangennahme  aus  dem
Grunde,  weil  sie  zum  Roten  Kreuz  gehört  hätten.

Welche  Angst  bereits  hier  ansässige  Engländer  vor  der  möglichen  Anwendung
  von  Vergeltungsmaßregeln  haben,  zeigt  folgende  Nachricht  aus
Hamburg:  Die  Leiter  der  in  Hamburg  anschsigen  englischen  Banken
richten  im  Einverständnis  mit  vielen  in  Hamburg  vertretenen  englischen
Firmen  aller  Art  an  ihre  Haupthäuser  in  London  Schreiben,  worin  sie
dringend  für  gemeinsame  Schritte  bei  den  englischen  Behörden  zur  Besserung
  in  der  Behandlung  der  deutschen  Kriegsgefangenen  vorstellig  werden.
Es  wird  dargelegt,  die  Befürchtung  sei  begründet,  daß  die  deutsche  Regierung
  dem  Druck  der  öffentlichen  Meinung  in  Deutschland  nachgeben  und
Vergeltung  an  den  hier  lebenden  Engländern  üben  werde,  falls  die  britische
Regierung  nicht  die  Nachrichten  über  die  Behandlung  der  deutschen  Zinvilpersonen
  in  England  widerrufen  oder  Milderungen  verbürgen  könne.  Die
deutschen  Behörden  seien  jetzt  schon  strenger  geworden.  Im  übrigen  aber
könne  bestätigt  werden,  daß  die  britischen  Unternehmungen  und  die  Briten
selbst  in  Deutschland  bisher  durchaus  höflich  und  aufmerksam  von  den  Behörden
  behandelt  worden  seien.  Die  strengeren  Maßnahmen  seien  immer
erst  einige  Zeit  später,  nachdeim  eine  schärfere  Behandlung  in  England  eingesetzt
  hätte,  getroffen  worden.  So  habe  man  beispielsweise  Aufsichtsbeamte
in  englischen  Banken  und  Geschäften  schon  am  4.  September  ernannt,
        <pb n="154" />
                                                         —  679  —

während  die  polizeiliche  Registrierung  der  Engländer  in  Hamburg  erst
am  24.  Oktober  in  Kraft  getreten  sei.  Kein  Ausländer  in  Deutschland  habe
irgendwelche  Klagen  über  seine  Behandlung  vorzubringen.

                                                                  (Tägl.  Rdsch.,  31.  Okt.)

                        Deutsche  Zivilverwaltung  in  Frankreich.

                   Das  Erzbecken  von  Longwy  und  Briey.

W.T.B.  Metz,  31.  Oktober.  Das  das  Erzbecken  von  Longwy  und
Briey  umfassende  französische  Okkupationsgebiet  wurde  auf  Befehl  des
Kaisers  durch  Anordnung  des  Reichskanzlers  unter  deutsche  Zivilverwaltung
  gestellt.  Mit  der  Verwaltung  unter  Befehl  des  Gouverneurs  von
Metz,  Generals  der  Infanterie  v.  Oven,  wurde  der  Bezirkspräsident  von
Lothringen  Freiherr  v.  Gemmingen-Hornberg  und  unter  diesem  die
Kreisdirektoren  von  Metz,  v.  Loeper,  und  von  Diedenhofen-West,  Bostetter,
  beauftragt.  Die  Verwaltung  der  Angelegenheiten  der  Zivilverwaltung
  des  Okkupationsgebiets  beim  Gouvernement  wurde  dem  Regierungsrat
  Liebermann  übertragen.  Für  die  Erzgruben  und  Hüttenwerke
in  diesem  Gebiet  ist  eine  besondere  Schutzverwaltung  eingerichtet,  die  die
Sicherung  der  teilweise  verlassenen  oder  mit  ungenügendem  Personal  angetroffenen
  Werke  und  Gruben  übernommen  hat  und  besonders  für  den
Fortbetrieb  der  Wasserhaltung  sorgt,  um  den  wertvollen  Grubenbereich
vor  dem  Versaufen  zu  schützen.  Die  Schutzperwaltung  ist  unter  dem  Bezirkspräsidenten
  dem  Bergrat  Dr.  Kohlmann,  dem  Bergmeister  Hoenig
und  dem  Bergassessor  Horten  übertragen.  Zur  Beratung  des  Gouverneurs
in  Angelegenheiten  der  deutschen  Schutzverwaltung  ist  ein  ständiger  industrieller
  Beirat  aus  Vertretern  der  deutschen  Schwerindustrie  berufen,
die  an  dem  französischen  Minenbesitz  stark  mit  Kapital  beteiligt  ist.  Der
Beirat  besteht  aus:  Kommerzienrat  Louis  Roechling-Saarbrücken,  Geheimen
  Kommerzienrat  v.  Oswaldt-Koblenz,  Generalleutnant  v.  Schubert-Berlin,
  Geheimen  Kommerzienrat  Kirberg-Müllheim  (Ruhr),  Kommerzienrat
  Springorum-Dortmund,  Kommerzienrat  Kloeckner-Duisburg
und  Bergrat  Frielinghaus,  Mitglied  des  Direktoriums  der  Firma  Krupp

in  Essen.
                          Die  serbisch-bulgarische  Spannung  wächst.

W.T.  B.  Wien,  31.  Oktober.  Die  „Südslawische  Korrespondenz“
meldet  aus  Sofia:  Die  Spannung  zwischen  Bulgarien  und  Serbien  scheint
sich  in  allerletzter  Zeit  verschärft  zu  haben.  Die  Sprache  der  offiziösen
Blätter  gegen  Serbien  ist  überaus  heftig.  Man  verlangt  an  diesen  Stellen
  immer  dringender  ein  aktives  Vorgehen  gegen  Serbien,  um  den  Leiden
  der  Bulgaren  in  Makedonien  ein  Ende  zu  bereiten.  Es  ist  bemerkenswert,
  daß  hierbei  immer  darauf  hingewiesen  wird,  daß  auch  die
mohammedanische  Bevölkerung  in  gleicher  Weise  wie  die  bulgarische  von
dem  serbischen  Terror  betroffen  wird,  und  daß  auch  die  Türkei  gezwungen
sein  würde,  gegen  die  serbische  Willkürherrschaft  aufzutreten.  Die  Stimmung
  der  bulgarischen  Oeffentlichkeit  gleicht  der  vor  Beginn  des  zweiten
Balbankrieges.

Ein  Protest  des  Sultans.

Nach  einem  in  Athen  umgehenden  Gerücht  haben  die  Türken  3000
Beduinen  auf  ägyptisches  Gebiet  geworfen.  Der  Sultan  hat  an  sämtliche
                                                           43*
        <pb n="155" />
                                                         —  680  —

Mächte  eine  Note  gerichtet,  worin  er  dagegen  Einspruch  erhebt,  daß  die
englische  Okkupationsarmee  ihn  in  Aegypten  in  der  Ausübung  seiner
Souveränitätsrechte  hindere.  Auf  Grund  dieses  Protestes  wird  der  Khedive
  England  auffordern,  die  englische  Regierungstätigkeit  in  Aegypten
einzustellen.  „Post"“,  1.  .

                           Der  Artilleriekampf  an  der  Küste.

W.T.  B.  Amsterdam,  30.  Okt.  „Het  Rieuws  van  den  Dag“
melden  aus  Ostburg  von  heute:  Seit  Donnerstag  mittag  dauert  das
Schießen  ununterbrochen  an,  die  Schüsse  kommen  aus  südwestlicher  Richtung.
  Wahrscheinlich  schießen  wieder  Kriegsschiffe  auf  die  Küste.  Bei
Heyst,  Knocke,  Zoute  und  Hazegas  sind  überall  Geschütze  aufgestellt  und
Laufgräben  angelegt.

                            Der  „österreichische  Schlachtbericht.
Wien,  31.  Oktober.  Amtlich  wird  verlautbart:  31.  Oktober,

mittags

Nächst  der  galizisch-bukowinischen  Grenze  nördlich  Kuty  wurde  gestern
eine  russische  Kolonne  aller  Waffen  geschlagen.  In  Mittelgalizien  behaupten
  unsere  Truppen  die  gewonnenen  Srellungen  nordöstlich  Turka
bei  Stary  Sambor,  östlich  Przemysl  und  am  unteren  San.  Mehrere
feindliche  Angriffe  im  Raume  von  Risko  wurden  abgewiesen.  Dort  sowohl
  wie  auch  bei  Skole  und  Stary  Sambor  wurden  Hunderte  von  Russen
gefangen  genommen.  Die  Operationen  in  Russisch-Polen  verliefen  auch
gestern  ohne  Kampf.

                   Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:
                                    v.  Hoefer,  Generalmajor.

                      Deutsches  Vordringen  bei  Ypern  und  Lille.

Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  1.  November,  vormittags.
In  Belgien  werden  die  Operationen  durch  Ueberschwemmungen  erschwert,
die  am  Pser-Ypres-Kanal  durch  Zerstörung  der  Schleusen  bei  Nieuport  herbeigeführt
  sind.  Bei  Dpres  find  unsere  Truppen  weiter  vorgedrungen.  Es
wurden  mindestens  600  Gefangene  gemacht  und  einige  Geschütze  der  Engländer
  erbeutet.  Auch  die  westlich  Lille  kämpfenden  Truppen  sind  vorwärts
  gekommen.

Die  Zahl  der  bei  Vailly  gemachten  Gefangenen  hat  sich  auf  etwa  1500
erhöht.  In  der  Gegend  von  Verdun  und  Toul  fanden  nur  kleinere
Kämpfe  statt.

m  Nordosten  standen  unsere  Truppen  auch  gestern  noch  im  unentschiedenen
  Kampf  mit  den  Russen.  (W.T.B.)

Der  englische  Kreuzer  „Hermes“  durch  ein  deutsches  Unterseeboot  vernichtet.

Kristiania,  1.  November.  Aus  London  wird  heute  offiziell  mitgeteilt,
  daß  der  englische  Kreuzer  „Hermes“  auf  der  Rückkehr  von  Dünkirchen
  nach  Dover  im  Kanal  gestern  abend  durch  einen  Torpedoschuß
eines  deutschen  Unterseebootes  in  Grund  gebohrt  worden  ist.  Fast  alle
Offiziere  und  Mannschaften  sind  gerettet.

Kristiania,  1.  November.  Ueber  den  Untergang  des  englischen
Kreuzers  „Hermes“  werden  von  London  aus  amtlich  weitere  Einzelheiten
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                                                            —  681  —

bekanntgegeben:  „Der  Kreuzer  wurde  am  Sonnabend  morgen  acht  Uhr
von  zwei  Torpedos  eines  deutschen  Unterseebootes  getroffen.  Er  hielt  sich
noch  45  Minuten  über  Wasser,  kenterte  darauf  und  sank.  Torpedojäger,
die  zu  Hilfe  eilten,  retteten  den  größten  Teil  der  Besatzung.  Ungefähr  40
werden  vermißt.“

Die  Stelle  des  Sinkens  wird  auch  in  dieser  offiziellen  Auslassung  verschwiegen.
  Hier  glaubt  man,  daß  sie  vielleicht  eher  in  der  Nähe  von  Dover
als  in  der  von  Calais  zu  suchen  sein  wird.

                       Erneuerung  der  Angriffe  auf  Tsingtau.

Kristiania,  1.  November.  Aus  Tokio  meldet  Reuters  Bureau
vom  31.  Oktober:  Heute  morgen  hat  der  allgemeine  Angriff  zu  Wasser
und  zu  Lande  gegen  Tsingtau  erneut  seinen  Anfang  genommen.  (Nachdem
sich  Engländer  und  Japaner  schon  einmal  an  den  Mauern  unserer  Kolonie
blutige  Köpfe  geholt  haben,  werden  sie  auch  diesmal  unsere  ostasiatische
Heldenschar  auf  dem  Posten  finden.  Die  Herzen  ganz  Deutschlands  weilen
bei  unseren  Kämpfern  im  fernen  Osten  und  begleiten  sie  mit  ihren  wärmsten
Wünschen.  D.  Red.)

London,  1.  November.  Amtlich  wird  bekanntgegeben,  daß  ein
indisches  Truppenkontingent  sich  mit  den  englischen  und  japanischen  Streitkräften
  vor  Tsingtau  vereinigt  hat.

                        Das  Eiserne  Kreuz  für  Kaiser  Wilhelm.

München,  1.  November.  König  Ludwig  von  Bayern  hat  im
Namen  aller  deutschen  Bundesfürsten  den  Kaiser  aufgefordert,  selbst  als
oberster  Kriegsherr  der  vereinigten  deutschen  Bundestruppen  das  Eiserne
Kreuz  erster  und  zweiter  Klasse  anlegen  zu  wollen.  Der  Kaiser  erwiderte,
daß  er  es  gern  tun  wolle  angesichts  der  Einheit  und  Tapferkeit  der  gesamten
deutschen  Stämme.  Der  König  von  Bayern  verlieh  dem  Kaiser  gleichzeitig
  noch  das  Großkreuz  des  Militär-Max-Joseph-Ordens.

                                                                 (Berl.  Tageblatt,  2.  Nov.)

               Ein  österreichisch-ungarischer  Sieg  in  Ostgalizien.
                           Weiteres  Vordringen  in  Serbien.

W.T.  B.  Wien,  1.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:
                                                                  1.  November,  mittags.

In  Russisch-Polen  entwickeln  sich  neue  Kämpfe.  Angriffe  auf  unsere
Stellungen  wurden  zurückgeschlagen  und  einige  feindliche  Detachements
zersprengt.  Die  mehrtägige  erbitterte  Schlacht  im  Raume  nördlich  Turka
und  südlich  Stary  Sambor  führte  gestern  zu  einem  vollständigen  Siege
unserer  Waffen.  Der  hier  vorgebrochene  Feind,  zwei  Infanteriedivisionen
und  eine  Schützenbrigade,  wurde  aus  allen  seinen  Stellungen  geworfen.
Czernowitz  wird  von  unseren  Truppen  behauptet.  Das  namentlich  auf
die  Residenz  des  griechisch-orientalischen  Erzbischofs  gerichtete  Artilleriefeuer
  der  Russen  blieb  ohne  nennenswerte  Wirkung.

Amtlich  wird  ferner  verlautbart:

 

                                                                                               31.  Oktober.
Die  Erfolge  unserer  Truppen,  die  bei  ihrem  seinrzeitigen  Einbruche
in  die  Macva  dort  auf  starke,  mit  Drahthindernissen  geschützte  Befestigungen
  stießen  und  in  diese  erst  vor  zwei  Tagen  nach  langen,  schwierigen
        <pb n="157" />
                                                              —  682  —

Kämpfen  bei  Rarnje  eine  Bresche  schlagen  konnten,  haben  heute  eine
bemerkenswerte  Fortsetzung  erfahren.  Trotz  verzweifelter  Gegenwehr
der  Serben  und  ungeachtet  der  schwierigen  Passierbarkeit  der  zum  Teil
sumpfigen  Macva  drangen  heute  unsere  sämtlichen,  über  die  Save  und
Drina  vorgegangenen  Truppen  in  breiter  Front  weiter  vor  und  nahmen
die  Orte  Crnabara,  Banovopolje,  Radenkowitsch,  Glusci  und  Tabanowitsch.
  Potiorek,  Feldzeugmeister.

                                 Plündernde  Franzosen.

Aus  einem  Armeebefehl  des  französischen  Generalissimus  Joffre
wissen  wir,  daß  die  Zivilbehörden  bei  ihm  sehr  energisch  Klage  geführt
haben  über  unerträgliche  Plünderzüge  der  eigenen  Truppen.  Vopre  sah
sich  gezwungen,  —  und  sein  Befehl  ist  von  allen  Generalkommandos  an
die  nachgeordneten  Befehlsstellen  weitergegeben  worden  —  darauf  hinzuweisen,
  daß  auf  Plünderung  die  Todesstrafe  stehe.

Nun  ist  uns  auch  ein  unleugbares  Zeugnis  für  die  Plünderungssucht
der  Franzosen  in  die  Hände  gefallen.  Am  14.  Oktober  wurde  von  einer
Patrouille  in  Mogeville  nordöstlich  von  Verdun  ein  gestempeltes  Dienstschreiben
  des  dortigen  Bürgermeisters  an  seinen  Unterpräfekten  gefunden,
in  dem  genau  die  Truppenteile  bezeichnet  werden,  die  sich  der  Plünderung
an  ihren  Landsleuten  schuldig  gemacht  haben.

Das  interessante  Schriftstück  lautet  in  deutscher  Uebersetzung:

                                                            Mogeville,  den  26.  August  1914.
                                  Geehrter  Unterpräfekt!

Gestern  befürchtete  fast  die  ganze  Bevölkerung  eine  Beschießung  von
den  Deutschen  und  ist  geflohen,  während  tagsüber  die  französischen  59.
Jäger  z.  F.,  das  211.  und  220.  Regiment  die  Umgegend  besetzten.

Da  seitens  der  Franzosen  vor  Ankunft  der  220er  unglaubliche  Sachen
vorgekommen  sind,  was  der  Kommandantur  dieses  letzteren  Regiments
und  Herr  Dantremepuits,  Leutnant  der  R.  V.  P.,  des  Viehdepots  des
6.  Korps  bestätigen  können,  —  sie  waren  teilweise  Augenzeuge  jener  unwürdigen
  Vorkommnisse  —  so  protestiere  ich  aufs  energischste  gegen  die
begangene  Plünderung  und  Mißbräuche  jeder  Art.  Heute  will  ich  nur
erwähnen,  daß  die  Fahne  zerfetzt  und  in  eine  Ecke  geworfen  wurde,  daß
die  Posten  beleidigt,  die  Keller  durchwühlt,  daß  den  Hühnern,  den  Kaninchen,
  der  Hals  umgedreht  und  sie  sogar  in  die  Gärten  geworfen  wurden
usw.,  und  daß  Diebstahl  und  Verwüstung  an  der  Tagesordnung  sind.  Ich
warte,  bis  die  ganze  Bevölkerung  zurückkehrt,  um  die  Höhe  der  Schäden
festzusetzen.  Mitteilen  möchte  ich  noch,  daß  der  Beigeordnete,  der  Bürgermeistereisekretär
  und  ich  gegen  7  Uhr  abends  zurückgekommen  sind,  und
daß  alle  diese  Diebstähle  und  nichtswürdigen  Vorkommnisse  bereits  geschehen
  waren.  Ich  verlange  daher,  daß  hierüber  sobald  wie  möglich  eine
Untersuchung  angestellt  wird.  Die  Bevölkerung  ist  darüber  aufgeregt.

                                 Der  Bürgermeister
                                 gez.  Huret.
                                           „Vossische  Zeitung“,  2.  November.

               Feindliche  Nachrichten  vom  Fall  Tsingtaus.
Das  halbamtliche  französische  Nachrichtenbureau  Agence  Havas  veltbreitet
  folgende  Meldung  aus  Tokio:  „Die  Festung  von  Tsingtau  ist
        <pb n="158" />
                                                            —  683  —

zerstört  worden.  Die  Operationen  werden  mit  allgemeinem  Erfolge  fortgesetzt.“
  —  Diese  höchst  widerspruchsvolle  Meldung  wird  man  mit  einigem
Mißtrauen  aufzunehmen  haben.  Wenn  die  Festung  wirklich  zerstört  wäre,
könnte  von  der  „Fortsetzung  der  Operationen“  nicht  gut  geredet  werden.
Wenn  wir  auch  befürchten  müssen,  daß  sich  unsere  Helden  im  fernen  Osten
nicht  dauernd  gegen  eine  erdrückende  Uebermacht  halten  können,  so  spricht
doch  vieles  dafür,  daß  die  neueste  Havas-Meldung  ebenso  unwahr  ist,  wie
so  viele  ihrer  Vorgängerinnen.  (Berl.  Tagebl.,  2.  Nov.)

                             Neue  Fortschritte  bei  Ypres.

       Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  2.  November,  vormittags.
 Mitteilung  der  obersten  Heeresleitung.

Im  Angriff  auf  Ypres  wurde  weiter  Gelände  gewonnen.  Messines
ist  in  unseren  Händen.

Gegenüber  unserem  rechten  Flügel  sind  jetzt  mit  Sicherheit  Inder  festgestellt.
  Diese  kämpfen  nach  den  bisherigen  Feststellungen  nicht  in  eigenen
gechlostenen  Verbänden,  sondern  sind  auf  der  ganzen  Front  der  Engländer
verteilt.

Bei  den  Kämpfen  im  Argonnerwald  wurden  Fortschritte  gemacht.  Der
Gegner  erlitt  hier  starke  Verluste.  .

Im  Osten  ist  die  Lage  unverändert.  Ein  russischer  Durchbruchsversuch
  bei  Szittkehmen  wurde  abgewiesen.  (W.  T..)

                              Die  Haltung  Italiens.
               Zusicherungen  der  Pforte  wegen  Libyens.

Das  W.  T.B.  gibt  amtlich  bekannt:  In  einigen  italienischen  Blättern
wird  die  Besorgnis  geäußert,  daß  nunmehr  nach  Ausbruch  der  Feindseligkeiten
  im  Orient  die  islamische  Bewegung  auch  nach  Libyen  übergreifen
könnte.  Wie  wir  demgegenüber  feststellen  können,  liegen  Zusicherungen
der  Pforte  vor,  daß  sie  in  Berücksichtigung  der  italienischen  Interessen  alle
erforderlichen  Maßnahmen  trifft,  um  die  islamische  Bewegung  von  Libyen
fernzuhalten.

             Ein  Brief  des  Reichskanzlers  zur  Arbeitslosenfürsorge.

Die  weite  Kreise  der  Sozialpolitik,  der  Gemeindeverwaltungen  und
der  Arbeiterschaft  bewegende  Frage,  mit  welchen  Mitteln  der  Not  jener
Arbeitslosen,  die  zeitweilig  oder  dauernd  der  Arbeitsgelegenheit  ermangeln,
  gesteuert  werden  kann,  hat  die  Vorsitzenden  der  Gesellschaft  für  soziale

Reform,  Staatsminister  Dr.  Freiherr  v.  Berlepsch  und  Professor  Dr.  E.
Francke,  zu  einer  Eingabe  an  den  Reichskanzler  veranlaßt,  in  der  um  Förderung
  der  bisher  wesentlich  von  Gemeinden  und  Berufsorganisationen  getragenen
  Arbeitslosenunterstützung  durch  das  Reich  gebeten  wird.  Auf
diese  Eingabe  hat  der  Reichskanzler  folgende  Antwort  erteilt:

„Euer  Exzellenz  geneigtes  Schreiben,  das  Sie  gemeinschaftlich  mit
Herrn  Professor  Francke  an  mich  gerichtet  haben,  ist  in  meine  Hände  gelangt.
  Ich  bin  ebenso  wie  Sie  davon  durchdrungen,  daß  alles  geschehen
muß  um  diejenigen  unserer  Volksgenossen,  die  der  Krieg  erwerbslos
gemacht  hat,  vor  Not  zu  schützen.  In  erster  Linie  werden,  wie  Sie  zutreffend
  hervorheben,  die  Gemeinden  dafür  zu  sorgen  haben,  daß  diese
Unterstützung  in  ausreichendem  Maße  und  unter  Formen  gewährt  wird,
        <pb n="159" />
                                                   —  684  —

die  dem  Umstande  Rechnung  tragen,  daß  es  sich  nicht  um  eine  Armenunterstützung
  im  landläufigen  Sinne  handelt.  Dabei  rechne  ich  darauf,  daß  die
Bundesstaaten  bestrebt  sein  werden,  den  Gemeinden,  soweit  die  Geldbeschaffung
  Schwierigkeiten  macht,  mit  ihrem  Kredit  beispringen,  zumal  sich
meines  Erachtens  das  Reich  nach  beendetem  Kriege  der  Prüfung  nicht
wird  entziehen  können,  inwieweit  es  sich  etwa  seinerseits  an  der  Unterstützung
  beitragsschwacher  Gemeinden  beteiligen  muß.  In  ausgezeichneter
Hochachtung  Euer  Exzellenz  sehr  ergebener  Bethmann-Hollweg."“
                                                                              (Berl.  Tagebl.,  2.  Nov.)

                             Türkische  Heldenhaftigkeit.

W.  T.  B.  Konstantinopel,  1.  November.  Nach  glaubwürdigen
Meldungen  ist  eine  englisch-französische  Flotte  gestern  vormittag  im  Golf
von  Tschesne  in  Kleinasien  eingelaufen,  wo  sie  das  kleine  türkische  Kanonenboot
  „Burck  Reiß"  und  den  Dampfer  „Kinali  Aga“  angreifen  wollte.
Der  Kommandant  des  „Burck  Reiß“  versenkte,  um  sie  nicht  vom  Feinde
vernichten  zu  lassen,  den  Dampfer  „Kinali  Aga“  und  sprengte  sein  Kanonenboot
  in  die  Luft.

                        Ein  Aufruf  an  die  deutschen  Soldaten.

wurde,  wie  uns  mitgeteilt  wird,  kürzlich  in  einem  russischen  Schützengraben
  gefunden.  Wir  möchten  nicht  verhehlen,  ihn  zur  Erheiterung
unseren  Lesern  wort=  und  zeichengetreu  mitzuteilen.  Er  lautet:

Deutsche  Soldaten

Ihre  Vorgesetzte  um  Ihnen  Mut  zuzugeben  verbreiten  falsche
Nachrichten  wegen  die  Schlachten  die  gegen  Warschau  zugegangen
haben.  Die  Wirklichkeit  stellt  sich  nächstens  vor:  „Unsere  Truppen,
dessen  Heldenmut,  sie  die  möglichkeit  sich  zu  überzeugen  hätten,  waren
gezwungen,  den  10.  October,  am  linken  Uffer  der  Weichsel,  von  Ihre
vielstärkere  Armee,  einem  Schlacht  anzunehmen.  So  wie  Ihre  Armee
die  Möglichkeit  hätte  sich  vorher  in  Umgegend  der  Stadt  Warschau  zu
konzentrieren,  waren  unsere  Truppen  vorleufig  am  linken  Uffer  der
Weichsel  aufgehalten.  Nicht  schauend  auf  Ihre  fürchterliche  Attaken
die  von  Ihre  schwere  Artillerie  unterstützt  waren,  haben  wir  unsere
Positionen  zurückbehalten  und  Ihnen  große  Verluste  zugefügt.  Zur
dieser  Zeit  haben  wir  unsere  Armée-Corps  konzentriert  und  die  möglichkeit
  bekommen  zum  Angriff  übergehen.  Unser  Angriff  zwang  Ihre
Armée  anfangs  zum  gegenwehr  und  vom  20.  October  zum  zurücktretten
nach  Süd-West.  Daß  zurücktretten  müßte  so  schnell  verwirklicht  werden
daß  Sie  Ihren  Verletzten,  Waffen  und  Munition  verlassen  müßten.
„Unsere  Truppen  verfolgen  energisch  Ihre  Armée  und  hätten  schon  in
zwei  Tagen  einem  General  den  Ober-Stabmeister  des  Sächsischen  Königs,
  7  Offiziere,  zirca  1000  Soldaten,  3  Aeroplane,  und  ein  königliches
  Automobil  ergriffen.  Wie  Sie  sich  endlich  überzeugen,  waren  die
Schlachten  bei  Warschau  nicht  glücklich  für  Ihre  Waffen  und  unsere
Truppen  marschiren  siegreich  vorwärtz  ergreifend  von  Tag  zu  Tag  mehrere
  Gefangene  und  Siegeszeichen.—

Ob  man  in  Rußland  wirklich  denkt,  mit  solchem  kindischen  Geschreibsel
Eindruck  auf  die  deutschen  Soldaten  zu  machen?

                                                   „Deutsche  Tagesztg.“,  2.  November.
        <pb n="160" />
                                                  —  685  —

              England  „Übernimmt“  die  Souveränität  Aegyptens.

        W.T.B.  London,  2.  November.  Die  „Morningpost“  schreibt:

     Kitchener  traf  zweifellos  (!)  Vorbereitungen  zur  Verteidigung
Aegyptens  und  kann  eine  beträchtliche  Streitmacht  nach  Aegypten  verlegen.
  Sobald  die  Türkei  England  bekriegt,  fallen  die  Verträge  und  Vereinbarungen
  weg,  die  den  Stand  Aegyptens  zwischen  England
und  der  Türkei  regeln.  Die  britische  Regierung  werde  die  bisher
  als  türkische  anerkannte  Souveränität  übernehmen.  Die  bisher
  an  die  Türkei  für  Aegypten  und  Cypern  gezahlten  Tribute
würden  wegfallen.  Die  Aufgabe  der  britischen  Regierung  ist
bereits  die  schwerste,  die  je  der  Regierung  dieses  Landes  zufiel.  Daher
erlegt  die  Haltung  der  Türkei  England  und  seinen  Kolonien  sowie  Indien
  die  Notwendigkeit  zu  neuen  Anstrengungen  auf.  Rußlands  Verbündete
  können  nicht  im  Frieden  mit  der  Türkei  leben,  während  es  Rußland
  bekriegt.  Man  darf  annehmen,  daß  die  britische  Regierung  gemeinsam
  mit  Frankreich  und  Rußland  das  Zusammenwirken  sichert.


                       2000  Beduinen  in  Aegypten  eingefallen.

   Konstantinopel,  2.  November.  Das  Reutersche  Bureau  berichtet:
  Es  wird  gemeldet,  daß  2000  bewaffnete  Beduinen  in  Aegypten
eingefallen  sind.                               „Deutsche  Tagesztg.“,  2.  Nov.


                       Japan  bietet  ehrenvolle  Uebergabe  an.

London,  1.  November.  „Central  News“  melden,  daß  Tsingtau
beschossen  wird.  Das  Fort  Huitschuang  erwiderte  das  Feuer.  Die  Petroleumbehälter
  sollen  in  Brand  geraten  sein.

Aus  Tokio  wird  der  „Frankf.  Ztg.“  gemeldet:  Der  deutsche  Gouverneur
  von  Kiautschou  beantwortete  das  japanische  Verlangen  einer  ehrenvollen
  Uebergabe,  das  durch  einen  Parlamentär  überbracht  wurde,  mit
einem  drahtlosen  Telegramm  an  das  japanische  Flaggschiff.  Admiral  Kato
verbot  den  drahtlosen  Verkehr  mit  dem  Feinde  und  verlangte  eine  schriftliche
  Antwort.

Wie  diese  Antwort  auch  ausfallen  möge,  eines  wird  durch  das  Angebot
  klar  ersichtlich,  daß  nämlich  die  Japaner  stärkeren  Widerstand  gefunden
  haben,  als  sie  und  ihre  Bundesgenossen  erwartet  hatten.  Man  kann
burscer  aus  die  Lage  in  der  deutschen  Veste  im  fernen  Osten  natürlich  nicht
übersehen,  doch  läßt  die  Forderung  des  japanischen  Admirals  erkennen,  daß
er  noch  einen  starken  Widerstand  befürchtet  und  daß  Tsingtau  noch  imstande
ist,  diesen  Widerstand  zu  leisten.  Eine  sehr  beachtenswerte  Nachricht  kommt
von  den  Marianneninseln,  beachtenswert  namentlich  für  England,  das
Japans  Vorgehen  mit  recht  gemischten  Gefühlen  betrachten  wird.  Die
Meldung  besagt:  «

Für  die  Marianneninseln  ist  ein  japanischer  Zivilgouverneur  eingesetzt
  worden,  dem  80  Beamte  beigegeben  wurden.  1100  japanische  Auswanderer
  gingen  dorthin  ab.

Das  japanische  Gouvernement  auf  den  Marianneninseln  zeigt  recht
deutlich,  daß  die  Hilfe  der  Japaner  den  Engländern  nicht  billig  zu  stehen
kommen  wird.                                      (Berl.  N.  Nachr.,  3.  Nov.)
        <pb n="161" />
                                                  —  686  —

                        Dreißig  neue  französische  Generale.

Kopenhagen,  2.  November.  Das  Journal  Officiel  in  Paris
veröffentlicht  die  Ernennung  von  30  neuen  Generalen.  Diese  Ernennungen
  waren  dadurch  notwendig  geworden,  daß  viele  Generale  gefallen  oder
in  Gefangenschaft  geraten  waren  oder  wegen  ihres  Alters  und  körperlicher
Gebrechen  aus  dem  aktiven  Dienst  ausscheiden  mußten.  (Tag,  3.  Nov.)

                          Der  Kaiser  an  die  Stadt  Emden.

Aus  dem  Großen  Hauptquartier  ist  in  Emden  folgender  telegraphischer
Glückwunsch  des  Kasers  eingetroffen:

Oberbürgermeister,  Emden.  Ich  beglückwünsche  die  Stadt  Emden
zu  ihrem  Patenkinde  im  Indischen  Ozean,  dessen  kühne  Kreuzerstückchen
ein  jedes  deutsche  Herz  mit  Stolz  und  Freude  erfüllen.  Wilhelm  I.  R.

                                                                  (Dtsch.  Tagesztg.,  3.  Nov.)

                                    Gegen  die  Spione.

Hannover,  2.  November.  Um  der  im  Bereiche  des  10.  Armeekorps
  stärker  hewortretenden  Spionage  wirksamer  entgegentreten  zu
können,  hat  der  stellvertretende  kommandierende  General  des  10.  Armeekorps
  über  den  Korpsbezirk  den  verschärften  Kriegszustand  verhängt.  Um
einer  Beunruhigung  der  Bevölkerung  durch  diese  Maßnahme  vorzubeugen,
  erklärt  der  stellvertretende  kommandierende  General  in  seiner
Bekanntmachung  ausdrücklich,  daß  das  einwandfreie  und  patriotische  Verhalten
  der  Bevölkerung  des  ganzen  Korpsbezirks  während  der  jetzigen
Kriegszeit  in  keiner  Weise  Anlaß  zu  dieser  Erklärung  des  verschärften
Kriegszustandes  gegeben  hat,  ebensowenig  wie  die  allgemeine  Kriegslage
hierzu  den  Anlaß  bietet.  (Tag,  3.  Nov.)

                          Der  Kriegsbeginn  im  Kaukasus.

Konstantinopel,  2.  November.  Ein  offizielles,  durch  die
„Agence  Ottomane“  veröffentlichtes  Communiquéê  besagt:

Nach  amtlichen  Nachrichten  von  der  kaukasischen  Grenze  haben  die
Russen  an  mehreren  Punkten  unsere  Grenztruppen  angegriffen.  Sie
wurden  aber  gezwungen,  sich  zurückzuziehen,  wobei  sie  zum  Teil  dank  dem
energischen  Widerstand,  der  von  den  türkischen  Truppen  ihnen  entgegengesetzt
  wurde,  Verluste  erlitten.

Im  Mittelmeer  haben  englische  Kreuzer  das  Feuer  eröffnet  und  ein
griechisches  Torpedoboot,  das  sich  ihnen  näherte,  zum  Sinken  gebracht,  da
sie  es  für  ein  türkisches  Torpedoboot  hielten.

Diese  beiden  Ereignisse  zeigen,  daß  unsere  Feinde  zu  Lande  und  zu
Wasser  die  Feindseligkeiten  gegen  uns  eröffnet  haben,  die  sie  seit  langer
Zeit  gegen  uns  vorhatten.  Die  ganze  ottomanische  Nation  ist  bereit,
vertrauend  auf  den  Schutz  Gottes,  des  einzigen  Schützers  von  Recht  und
Billigkeit,  auf  diese  Angriffe  zu  antworten,  die  darauf  abzielen,  unsere
Existenz  zu  vernichten.

                        Der  englische  Angriff  bei  Tscheschme.

Konstantinopel,  2.  November.  Nach  amtlichen  Meldungen
handelt  es  sich  bei  dem  Vorfall  von  Tscheschme  (gegenüber  von  Chios)  um
das  Handelsschiff  „Kinali  Aga“  und  die  Jacht  „Beyruth“,  die  infolge  der
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                                                    —687—                                                                               Sperrung  des  Hafens  von  Smyrna  auf  der  Reede  von  Vurla  verankert
war.  Zwei  englische  Torpedobootzerstörer  forderten  die  beiden  Schiffe
auf,  sich  innerhalb  zehn  Minuten  zu  ergeben.  Die  Kapitäne  lehnten  die
Uebergabe  kategorisch  ab,  setzten  die  Mannschaften  ans  Land  und  brachten
selbst  beide  Schiffe  zum  Sinken.  Bezüglich  dieses  Vorfalls  wird  hervorgehoben,
  daß  sich  England  einer  Verletzung  des  Völkerrechts  schuldig  gemacht
  hat,  indem  es  einen  Augriff  auf  Schiffe  unternahm,  die  als  neutral
anerkannt  waren.  Die  „Beyruth“  war  in  das  Rote  Meer  gesandt  worden,
um  dort  Bojen  zu  legen,  und  war  lange  Zeit  mit  dieser  Arbeit  beschäftigt.
Auf  das  Ersuchen  von  England  hat  sich  damals  ein  englischer  Fachmann
an  Bord  des  Schiffes  befunden.  Nachdem  die  „Beyruth“  ihre  Mission  erfüllt
  hatte,  befand  sie  sich  nunmehr  auf  der  Heimfahrt  nach  Konstantinopel.
  Somit  hat  England  ein  Schiff  angegriffen,  das  wissenschaftlichen
Zwecken  diente  und  das  vom  Völkerrecht  als  neutral  anerkannt  wird.

              Generaloberst  v.  Moltke  auf  Schloß  Homburg.

Berlin,  2.  November.  Der  Chef  des  Generalstabes  des  Feldheeres
Generaloberst  v.  Moltke,  über  dessen  Erkrankung  kürzlich  berichtet  wurde,
bedarf  zu  seiner  völligen  Wiederherstellung  eines  Erholungsurlaubs.  Der
Kaiser  hat  ihm  zu  diesem  Zweck  das  Schloß  in  Homburg  zur  Verfügung
gestellt.  Generaloberst  v.  Moltke  hat  sich  am  1.  November  dorthin  begeben.
  Seine  Vertretung  verbleibt  wie  bisher  in  den  Händen  des  Kriegsministers,
  Generalleutnants  von  Falkenhayn.  (Tägl.  Rundsch.,  3.  Nov.)

                 Der  Vernichter  der  „Hermes“  wohlbehalten  zurück.

Berlin,  2.  November.  Die  nichtamtliche  Meldung  über  die  am
31.  Oktober  erfolgte  Vernichtung  des  englischen  Kreuzers  „Hermes“  durch
ein  deutsches  Unterseeboot  wird  hierdurch  amtlich  bestätigt.  Das  Unterseeboot
  ist  wohlbehalten  zurüchgekehrt.

                                Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                                         Behncke.                               (W.T.  B.)

                 Der  mißlungene  Handstreich  der  russischen  Flotte.

Konstantinopel,  2.  November.  Eine  amtliche  Mitteilung  gibt
bekannt,  daß  die  Offiziere  und  Matrosen  des  russischen  Minenschiffes
„Pruth“  in  einem  Verhör  gestanden  haben,  daß  der  „Pruth“  in  Sewastopol
mit  Minen  beladen  worden  sei.  Den  Offizieren  und  der  Besatzung  der
„Pruth“,  die  Jahre  hindurch  auf  dem  russischen  Stationsschiff  in  Konstantinopel
  gedient  hatten,  waren  die  Gewässer  des  Bosporus  vollkommen  vertraut.
  Als  die  russische  Flotte  erfuhr,  daß  ein  schwacher  Teil  der  türkischen
Flotte  sich  zu  Uebungszwecken  in  das  Schwarze  Meer  begeben  hatte,  ging
sie  am  27.  Oktober  von  Sewastopol  in  südlicher  Richtung  in  See  und  ließ
nur  ein  Verteidigungsgeschwader  vor  Sewastopol  zurück.  Auch  der  „Pruth'
fuhr  in  südlicher  Richtung  ab.  Die  Absicht  der  russischen  Schiffe  war,  vor
der  Bosporusmündung  Minen  zu  legen,  das  kleine,  sich  im  Schwarzen
Meer  aufhaltende  türkische  Geschwader  anzugreifen  und  die  türkische
Hauptflotte,  wenn  sie  diesem  Geschwader  zu  Hilfe  eilen  sollte,  durch  Minen
zu  vernichten.  Die  türkische  Flotte  aber  bemerkte  das  russische  Minenschiff,
  das  von  Torpedobooten  begleitet  war,  zur  rechten  Zeit  und  brachte
es,  wie  dies  in  den  letzten  amtlichen  Darstellungen  bereits  geschildert
        <pb n="163" />
                                               —  688  —

wurde,  zum  Sinken.  Von  den  russischen  Offizieren  sind  fünf  gerettet
worden,  darunter  ein  Fregattenkapitän.  Alle  Gefangenen  wurden  nach
Jsmid  gebracht.
Die  Kabelverbindung  mit  Odessa  ist  unterbrochen.  Die  telegraphische
Verbindung  mit  dem  Ausland  ist  auf  das  deutsche  Kabel  nach  Konstanza
und  über  Smyrna—Syra  gelegt  worden.  —  Die  russische  Bank,  ver-Luishene
  russische  Betriebe  und  die  Mehrzahl  der  russischen  Klöster  sind
geschlossen.

 

 

 

 

„

                      Ein  braver  österreichischer  Flieger  gefallen.

Wien  2.  November.  Anmtlich  wird  verlautbart:  Unsere  Islenstoe
durch  die  Macwa  schreitet  siegreich  vorwärts.  Aus  seinen  befestigten
Stellungen  vertrieben,  hat  der  Gegner  bisher  nur  wenig  Widerstand  geleistet.
  Nur  an  der  Nordlisiere  von  Sabac  mußten  stark  verschanzte  Positionen
  im  Sturmangriff  genommen  werden.  Auch  Sabac  selbst  wurde  heute
nacht  erstürmt.  Unsere  durch  die  Macwa  vorgerückten  Kolonnen  haben
die  Bahnlinie  Sabac—Ljesnica  bereits  überschritten.  Kavallerie  ist  am
Feinde  und  hat  auch  Gefangene  gemacht.

Einen  schweren  Verlust  haben  unsere  Balkanstreitkräfte  zu  beklagen.
Der  Feldpilot  Oberleutnant  Sanchez  wurde  von  einem  feindlichen
Geschoß,  welches  auch  seinen  Beobachter  verletzte,  schwer  verwundet.  Trotz
furchtbarer  Schmerzen  und  mit  Aufbietung  seiner  letzten  Kräfte  vermochte
der  wackere  Pilot  seinen  Apparat  noch  auf  den  etwa  70  Km.  entfernten
Flugplatz  zu  steuern  und  dort  glatt  zu  landen.  Oberleutnant  Sanchez  ist
gestern  seinen  Wunden  erlegen.  Vor  seinem  Tode  erhielt  er  noch  das  ihm
von  Seiner  Majestät  telegraphisch  verliehene  Militärverdienstkreuz.

                                                                           Potiorek,  Feldzeugmeister.

                          Kämpfe  in  Russisch-Polen.

Wien,  2.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:  2.  November,
mittags.  Die  Kämpfe  in  Russisch-Polen  dauern  an.  In  den  Gefechten
am  San  hatten  die  Russen,  namentlich  bei  Roswadow,  schwere  Verluste.
Wir  brachten  dort  400  Gefangene  ein  und  erbeuteten  drei  Maschinen-=gewehre.
  Südlich  Stary  Sambor  nahm  eine  Gefechtsgruppe  gleichfalls
400  Russen  gefangen.  In  diesem  Raume  und  nordöstlich  Turka  machte
unsere  Vorrückung  weitere  Fortschritte.

                       Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                             v.  Hoefer,  Generalmoajor.

                   Der  König  von  Württemberg  an  seine  Truppen.

Im  „Württembergischen  Militärverordnungsblatt“  wird  folgende
königliche  Order  veröffentlicht:

An  meine  Truppen!  Offiziere  und  Mannschaften!

Ihr  habt  das  Vertrauen  und  die  Erwartungen,  die  ich  und  mit  mir
das  württembergische  Volk  in  euch  gesetzt  haben,  im  bisherigen  Verlaufe
des  Krieges  glänzend  gerechtfertigt.  Durch  Ausdauer  sondergleichen  und
unerschütterliche  Tapferkeit  seid  ihr  allen,  auch  den  schwersten  Aufgaben
in  vollstem  Maße  gerecht  geworden.  Mit  euch  gedenke  ich  bewegten
Herzens  und  auch  mit  Stolz  der  im  Kampfe  für  unsere  gerechte  Sache  heldenmütig
  gefallenen  Kameraden.  Ihnen  und  euch  allen,  Offizieren  und
        <pb n="164" />
                                                         —  689  —

Mannschaften,  gebührt  die  höchste  Anerkennung,  der  ich  auch  äußeren  Ausdruck
  geben  will,  indem  ich  zunächst  den  Tapfersten  der  Tapferen  Auszeichnungen
  verleihe.
Stuttgart,  den  1.  November  1914.                              Wilhelm.
                                                                                 (Tägl.  Rundsch.,  3.  Nov.)

                           Neue  Erfolge  im  Westen.

            Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  3.  November,  mittags.
Die  Ueberschwemmungen  südlich  Nieuport  schließen  jede  Operation  in
dieser  Gegend  aus.  Die  Ländereien  sind  für  lange  Zeit  vernichtet,  das
Wasser  steht  zum  Teil  über  mannshoch.  Unsere  Truppen  sind  aus  dem
überschwemmten  Gebiete  ohne  jeden  Verlust  an  Mann,  Pferd,  Geschütz
und  Fahrzeugen  herausgezogen.

Unsere  Angriffe  auf  Ypres  schreiten  vorwärts.  Ueber  2300  Mann,
meistens  Engländer,  wurden  zu  Gefangenen  gemacht  und  mehrere  Maschinengewehre
  erbeutet.

In  der  Gegend  westlich  Noye  fanden  erbitterte,  für  beide  Seiten
verlustreiche  Kämpfe  statt,  die  aber  keine  Veränderung  der  dortigen  Lage
brachten.  Wir  verloren  dabei  in  einem  Dorfsgefecht  einige  hundert  Mann
als  Vermißte  und  zwei  Geschütze.

Von  gutem  Erfolge  waren  unsere  Angriffe  an  der  Aisne  östlich
Soissons.  Unsere  Truppen  nahmen  trotz  heftigsten  feindlichen  Widerstandes
  mehrere  stark  befestigte  Stellungen  im  Sturm,  setzten  sich  in  Besitz
von  Chavonne  und  Soupir,  machten  über  1000  Franzosen  zu  Gefangenen
und  erbeuteten  3  Geschütze  und  4  Maschinengewehre.

Neben  der  Kathedrale  von  Soissons  brachten  die  Franzosen  eine
schwere  Batterie  in  Stellung,  deren  Beobachter  auf  dem  Kathedralenturm
  erkannt  wurde.  Die  Folgen  eines  solchen  Verfahrens,  in  dem  ein
System  erblickt  werden  muß,  liegen  auf  der  Hand.

Zwischen  Verdun  und  Toul  wurden  verschiedene  Angriffe  der  Frangn
  abgewiesen.  Die  Franzosen  trugen  teilweise  deutsche  Mäntel  und

elme.

In  den  Vogesen  in  Gegend  Markirch  wurde  ein  Angriff  der  Franzosen
abgeschlagen.  Unsere  Truppen  gingen  hier  zum  Gegenangriff  über.

Im  Osten  sind  die  Operationen  noch  in  der  Entwicklung.  Zusammenstöße
  fanden  nicht  statt.

Zur  Fortnahme  einer  zur  Sprengung  vorbereiteten  Brücke  trieben
am  1.  November  die  Russen  (1.  sibirisches  Armeekorps)  Zivilbevölkerung
vor  ihrer  Vorhut  her.  Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


                                Ein  Manifest  des  Zaren.
                              „Das  Erbteil  der  Vorväter.“

Haag,  3.  November.  Nach  einer  Petersburger  Depesche  hat  der  Zar
ein  Manifest  erlassen,  in  dem  es  heißt:  „Die  Türkei  ist  von  Deutschland
und  Oesterreich  zum  unfruchtbaren  Kampf  gegen  Rußland  aufgehetzt
worden.  (!)  Rußland  wird  das  Ergebnis  ruhig  und  gottvertrauend  abwarten.
  Das  Auftreten  der  Türkei  wird  die  Katastrophe  des  türkischen
Reichs  beschleunigen.  Rußland  dagegen  wird  die  historischen  Probleme
des  Schwarzen  Meeres,  das  Erbteil  der  Vorväter,  zur  Lösung  bringen.“
(Die  „Historischen  Probleme“,  das  heißt  die  völlige  Aufteilung  und  Ver-
        <pb n="165" />
                                                    —690—                                                                       nichtung  der  Türkei,  suchte  Rußland  schon  mit  Entfesselung  des  Balkankrieges
  und  dann  durch  Aufstellung  seiner  armenischen  Forderungen  zu
„lösen“.  Deutschland  trat  für  die  Erhaltung  der  etigen  Türkei  ein,  und
darin  besteht  die  „Aufhetzung“,  über  die  der  Zar  so  beweglich  klagt.
Die  Redaktion.)                                                   (Berl.  Tagebl.,  3.  Nov.)


                   Die  englische  Kriegserklärung  an  die  Türkei.

Konstantinopel,  3.  November.  Nach  dem  „Ikdam“  hat  die
Note,  in  welcher  der  englische  Botschafter  seine  Pässe  verlangte,  folgenden
Wortlaut:  „Obwohl  zwischen  der  türkischen  und  der  englischen  Regierung
wegen  des  russisch-türkischen  Zwischenfalls  im  Schwarzen  Meer  keine  politische
  Feindschaft  besteht,  habe  ich  mit  Rücksicht  auf  die  empfindliche  politiche
  Lage  von  meiner  Regierung  den  Auftrag  erhalten,  meine  Pässe  zu
verlangen.“

          Die  ganze  Nordsee  von  England  als  Kriegsgebiet  erklärt.

London,  3.  November.  Die  englische  Admiralität  gibt  bekannt:

Infolge  der  willkürlichen  (!)  Minenlegung  durch  deutsche  Schiffe
unter  neutraler  Flagge  muß  die  ganze  Nordsee  als  Kriegsgebiet  angesehen
  werden.  Vom  5.  November  ab  sollen  alle  Schiffe,  die  eine  bestimmte
Linie  passieren,  vom  Nordpunkt  der  Hebriden  durch  die  Faroer  Inseln
nach  Island  auf  eigenes  Risiko  fahren,  wenn  sie  sich  nicht  nach  den  Vorschriften
  der  Admiralität  richten.  Den  Handelsschiffen  aller  Nationen
nach  Norwegen,  der  Ostsee,  Dänemark  und  Niederlande  wird  angeraten,
durch  den  Englandkanal  durch  Dover  zu  gehen.  „Post“,  4.  Nov.


                              Erfolge  der  Oesterreicher.
W.T.  B.  Wien,  3.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:

In  Russisch-Polen  brachen  unsere  Streitkräfte,  als  sie  eine  starke
feindliche  Armee  zur  Entwicklung  gezwungen  hatten,  die  Gefechte  auf  der
Lysa  Gora  ab,  um  die  nach  den  Kämpfen  vor  Iwangorod  befohlenen  Bewegungen
  fortzusetzen.  Die  Lage  in  Galizien  ist  unverändert.  Aus  den
Kämpfen  der  letzten  Tage  südlich  Stari  Sambor  und  nordwestlich  Turka
wurden  bisher  2500  gefangene  Russen  eingebracht.  Gestern  früh  überfsielen
  Husaren  bei  Rybnik  im  Stryjtale  eine  feindliche  Munitionskolonne
  und  erbeuteten  viele  Wagen  mit  Artilleriemunition.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                     v.  Hoefer,  Generalmajor.


                  Der  österreichische  Erfolg  gegen  die  Serben.

     Wien,  3.  November.        Amtlich  wird  verlautbart:
                                                                                               3.  November.
Erst  jetzt  läßt  sich  der  in  der  Macva  errungene  Erfolg  voll  überblicken.
Die  dort  gestandene  2.  serbische  Armee  unter  General  Stepanovic  mit
4—5  Dirisionen  konnte  sich  nur  durch  einen  übereiligen  Rückzug,  bei  dem
sie  Vorräte  aller  Art  und  Trains  im  Stiche  lassen  mußte  und  zahlreiche
Gefangene  verlor,  aus  der  bedrohlichen  Situation  retten.  Der  Feind  ist,
ohne  in  den  vorbereiteten  rückwärtigen  Stellungen  neuerdings  Widerstand
  zu  leisten,  in  einem  Zuge  bis  in  das  Hügelland  südlich  Sabac  zurück-
        <pb n="166" />
                                                      —  691  —

gewichen  und  leistete  nur  noch  bei  Sabac,  welches  in  der  Nacht  vom  1.  auf
den  2.  November  von  unseren  tapferen  Truppen  erstürmt  wurde,  hartnäckigen,

  aber  vergeblichen  Widerstand.  Potiorek,  Feldzeugmeister.
                                                                                     „W.T.  B.“,  4.  November.

                                Die  „Karlsruhe“  arbeitet  weiter.

W.T.  B.  London,  3.  November.  Wie  „Lloyds“  aus  Para  (Brasilien)
  gemeldet  wird,  hat  dort  der  deutsche  Dampfer  „Assuncion“  die
Passagiere  und  die  Mannschaft  des  belgischen  Dampfers  „Van  Dyck“  und
der  englischen  Dampfer  „Hurstdale“  und  „Ganton"“  an  Land  gesetzt.  Diese
Dampfer  waren  von  dem  deutschen  Kreuzer  „Karlsruhe“  erbeutet  worden.

                    Deutschland  und  die  Londoner  Deklaration.
                                     Eine  offiziöse  Erklärung.

Die  „Kölnische  Zeitung“  meldet,  „wie  „W.T.  B.“  telegraphisch  berichtet,
  aus  Berlin  vom  2.  November.  Nach  einer  Blättermeldung  soll
die  englische  Regierung  nach  Besprechung  mit  den  verbündeten  und  neutralen
  Mächten  beschlossen  haben,  die  Londoner  Deklaration  von  1909
nicht  mehr  als  Grundlage  für  ihre  Handlungsweise  in  Angelegenheiten
des  internationalen  Rechts  anzusehen.  Eine  Bestätigung  für  diese  Lossagung
  Englands  von  der  Londoner  Deklaration  scheint  noch  nicht  vorzuliegen.
  Es  wird  aber  wohl  festgestellt  werden  müssen,  ob  eine  solche
Lossagung  erfolgt  ist.  Sollte  dies  der  Fall  sein,  so  würden  wir  daraus
den  selbstverständlichen  Schluß  zu  ziehen  haben,  daß  England  gegenüber
auch  Deutschland  an  die  Londoner  Deklaration  nicht  mehr  gebunden  wäre.

                                Englisch-franzöfischer  Angriff.

Franfurt  a.  M.,  3.  November.  Die  „Frankf.  Ztg.“  meldet  aus
Konstantinopel:  Heute  früh  nach  Sonnenaufgang  eröffnete  ein  aus  neun
Schiffen  bestehendes  englisch-französisches  Geschwader  aus  einer  Entfernung
  von  15  Kilometer  ein  Bombardement  auf  die  Dardanellenforts.  Die
Beschießung,  die  von  den  türkischen  Werken  erwidert  wurde,  dauerte  20
Minuten.  Sie  richtete  keinerlei  Schaden  an.

                               Englische  Kreuzer  vor  Jaffa.

Sofia,  2.  November.  Nach  Privatnachrichten  aus  Konstantinopel
haben  zwei  englische  Kreuzer  sich  dem  Hafen  von  Jaffa  genähert,  um
denselben  zu  bombardieren,  sie  sind  jedoch  durch  das  Feuer  der  Küstengeschütze
  vorscheucht  worden.

                                 Der  Aufstand  Dewets.

London,  3.  November.  „Morningpost"  meldet  aus  Kapstadt:  Die
Gefahrenzone  ist  im  nördlichen  Teil  des  Orvanjefreistaates,  wo  Dewet  im
Felde  steht.  Er  zwang  tatsächlich  Engländer  dazu,  sich  seinem  Kommando
anzuschließen.  —  Da  die  Eisenbahnen  bekanntgaben,  daß  sie  die  Güterbeförderung
  nach  dem  Rand  nur  auf  Gefahr  des  Absenders  ausführten,
beschloß  das  Schatzamt  infolge  von  Vorstellungen  der  Handelskammer  in
Johannesburg,  die  Bahnen  gegen  das  Risiko  der  Gefahr  durch  die  Aufständischen
  zu  entschädigen.  Hierdurch  wurden  die  normalen  Raten
wiederhergestellt.                                      (Voss.  Ztg.,  4.  Nov.)
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                                                               —  692  —

                           Die  Kämpfe  im  Kaukasus.

     Petersburg,  3.  November.  Die  Petersburger  Telegr.-Agentur
meldet:  Der  kaiserliche  Statthalter  hat  einen  Tagesbefehl  an  die  Armee
des  Kaukasus  erlassen,  in  dem  er  sagt,  angesichts  der  türkischen  Angriffe
auf  die  russische  Küste  und  die  Schiffe  der  Schwarzmeerflotte  habe  der
Kaiser  der  Armee  des  Kaukasus  befohlen,  die  Grenze  zu  überschreiten  und
die  Türken  anzugreifen.  (! !)

Konstantiopel,  3.  November.  Der  russische  Angriff  bei  Erzerum
ist  von  den  Türken  abgeschlagen  worden.  —  Der  in  den  russischen  Häfen
am  Schwarzen  Meere  verursachte  Schaden  wird  auf  achtzig  Millionen-Mark
  geschätzt.                                                    (Voss.  Ztg.,  4.  Nov.)

                         Tsingtaus  heroischer  Widerstand.

Tokio,  3.  November.  Amtlich  wird  angezeigt,  daß  die  Beschießung
Tsingtaus  fortdauert.  Die  meisten  deutschen  Forts  sind  zum  Schweigen
gebracht.  Nur  zwei  beantworten  unaufhörlich  die  zu  Wasser  und  zu  Lande
unternommenen  Angriffe  der  Verbündeten.  Das  Bombardement  verursachte
  eine  Feuersbrunst  in  der  Nähe  des  Hafens  und  die  Explosion  eines
Oeltanks.  Das  Fort  Siaochaushan  steht  in  Flammen.  Ein  deutsches  Kanonenboot,
  das  den  Schornstein  verlor,  ist  nicht  mehr  sichtbar.  (W.T.B.)

                                        Sasonows  „Zu  spät!“
             (Meldung  der  Petersburger  Telegraphen-Agentur.)

                                                                  Petersburg,  3.  November.

Der  türkische  Geschäftsträger  Fahreddin  hat  am  1.  November  dem
aiiener  des  Aeußern  Sasonow  folgende  Depesche  des  Großwesirs  vorgelesen:


„Uebermitteln  Sie  dem  Minister  des  Aeußern  Sasonow  den  Ausdruck
unseres  tiefen  Bedauerns  über  den  Abbruch  der  guten  Beziehungen  der
beiden  Mächte,  der  durch  den  feindlichen  Akt  der  russischen  Flotte  herbeigeführt
  wurde.  Sie  können  der  Kaiserlich  Russischen  Regierung  versichern,
daß  die  Hohe  Pforte  nicht  verfehlen  wird,  eine  angemessene  Lösung  dieser
Frage  zu  finden  und  daß  fie  alle  Maßregeln  ergreifen  wird,  um  die  Möglichkeit
  einer  Wiederholung  solcher  Vorkommnisse  zu  vermeiden.  Schon
jetzt  können  Sie  dem  Minister  des  Aeußern  erklären,  daß  die  osmanische
Regierung  beschlossen  hat,  ihrer  Flotte  zu  verbieten,  in  das  Schwarze
Meer  zu  gehen.  Unsererseits  hoffen  wir,  daß  die  russische  Flotte  nicht
an  unseren  Küsten  kreuzen  wird.  Ich  hoffe  fest,  daß  die  Kaiserlich  Russische
  Regierung  im  Interesse  der  beiden  Länder  denselben  Geist  der  Versöhnlichkeit
  zeigen  wird  wie  wir.“

Nach  Anhörung  dieser  Depesche  erwiderte  Sasonow  dem  osmanischen
diplomatischen  Vertreter,  er  stelle  formell  in  Abrede,  daß  die  Feindseligkeiten
  von  der  russischen  Flotte  begonnen  worden  seien.  Er  halte  es  für
zu  spät,  irgendwelche  Verhandlungen  anzuknüpfen.  Nur  wenn  die  Türkei
sogleich  alle  deutschen  Beamten  aus  Armee  und  Marine  ausgestoßen  hätte,
wäre  es  möglich  gewesen,  Verhandlungen  über  eine  Entschädigung  der
Leute  zu  beginnen,  die  durch  den  hinterlistigen  Angriff  auf  die  russischen
Küsten  Schaden  gelitten  hätten.  Sasonow  teilte  dem  türkischen  Geschäfts-
        <pb n="168" />
                                                     —  693  —

träger  ferner  mit,  daß  dessen  Erklärung  nichts  an  der  Lage  ändere  und
daß  er  am  nächsten  Tage  die  Pässe  erhalten  werde,  um  Petersburg  zu  verlassen.


                                Engländer  in  Deutschland.

Alle  britischen  Untertanen,  die  mit  folgendem  Protest  übereinstimmen,
  werden  in  einer  Meldung  des  Wolffschen  Büros  aus  Gießen
ersucht,  durch  Postkarte  ihre  Billigung  an  Mr.  Arch.  R.  Cusden,  Gießen
Oberhessen),  Johannesstraße  11,  kundzutun,  der  darauf  eine  vollständige

iste  der  Namen  der  Protestierenden  an  die  amerikanische  Botschaft
schicken  wird,  mit  der  Bitte,  sie  der  Königlich  Britischen  Regierung  vorzulegen.


                   An  die  Regierung  Seiner  Britischen  Majestät!

Nachrichten  aus  zuverlässigen  Quellen  sind  uns  zugekommen,  daß  die
Britische  Regierung  angefangen  hat,  deutsche  und  österreichisch-ungarische
Zivilisten,  die  sich  augenblicklich  in  England  befinden,  in  Konzentrationslager
  einzusperren,  und  daß  die  allgemeine  Behandlung,  die  diesen  Zivilisten,
  die  jetzt  als  Gefangene  gehalten  werden,  zugemessen  wird,  eines
zivilisierten  Landes  unwürdig  ist.

Anderseits  werden  wir  in  Deutschland  ansässigen  britischen  Untertanen,
  mit  sehr  wenigen  Ausnahmen,  vom  Publikum  und  von  den  Behörden
  mit  aller  Höflichkeit  und  Rücksicht  behandelt,  und  genießen  eine
verhältnismäßig  große  Freiheit.  .

Wir  fühlen  uns  deshalb  genötigt,  gegen  diese  Handlung  Englands
energisch  zu  protestieren  und  fordern  Seiner  Majestät  Regierung  auf,
gegen  die  deutschen  und  österreichisch-ungarischen  Nichtkämpfenden  „fair“
zu  sein,  und  ihnen  dieselben  Rechte  und  den  Schutz  zu  gewähren,  wie
britische  Untertanen  sie  in  Deutschland  jetzt  erhalten.

                                                                 W.  T.  B.,  4.  November.


         Persien  fordert  die  Abberufung  der  russischen  Truppen.

Dem  „Leipziger  Tageblatt“  wird  aus  Kopenhagen  mitgeteilt:  Nach
einer  Meldung  der  „Berlingske  Tidende“  aus  Petersburg  hat  der  persische
Gesandte  der  russischen  Regierung  die  Forderung  auf  sofortige  Abberufung
  der  russischen  Truppen  aus  den  persischen  Gebieten  überreicht.

                                                                              (Berl.  Tagebl.,  4.  Nov.)

                       Deutscher  Heldenkampf  in  Tsingtau.

W.T.  B.  London,  3.  November.  „Daily  Telegraph“  meldet
aus  Peking  vom  30.  Oktober:

Chinesische  Pressemeldungen  aus  Schantung  berichten,  daß  das
deutsche  Artilleriefeuer  planmäßig  alle  vorgeschobenen  japanischen  Verschanzungen
  vernichtet  und  damit  jeden  Angriff  auf  unbestimmte  Zeit
hinausschiebt.  Das  gesamte  Elacis  hinter  Tsingtau  ist  mit  Minen  übersät,
  die  elektrisch  geleitet  werden.

                         Der  russische  Majestätsbeleidiger.

W.T.  B.  Berlin,  4.  November.  Vor  einigen  Tagen  ging  eine
Nachricht  durch  die  Presse,  daß  ein  Russe  namens  Konzew  trotz  begangener
schwerer  Majestätsbeleidigungen  freigesprochen  worden  sei.  So  erfreu-                                                 44
        <pb n="169" />
                                                     —  694  —

lich  es  ist,  daß  unsere  Richter  im  Gegensatze  zu  denen  der  feindlichen  Staaten
das  Recht  ohne  Ansehen  der  Person  sprechen,  so  wurde  doch  durch  die
Freisprechung  eine  durchaus  begreifliche  Erregung  im  Volke  erzeugt.  Daher
hat,  wie  wir  hören,  das  Oberkommando  in  den  Marken  eingegriffen  und
den  Russen  Konzew  verhaften  lassen.  Außerdem  ist  vom  Staatsanwalt
gegen  das  Urteil  Revision  eingelegt.

                                 Das  Gesfecht  bei  Alaba.

W.T.  B.  Konstantinopel,  3.  November.  Das  Hauptquartier
veröffentlicht  folgende  amtliche  Meldung:

Die  englische  Flotte  hat  am  1.  November  Akaba  an  der  ägyptischen
Grenze  beschossen  und  einen  Landungsversuch  gemacht.  Aber  nachdem
vier  Engländer  gefallen  waren,  warfen  sich  die  übrigen  wieder  in  die
Boote.  Obgleich  die  Engländer  Tausende  von  Artilleriegeschossen  verfeuerten,
  wurde  auf  unserer  Seite  nur  ein  Gendarm  getötet.


                            Aegypten  unter  dem  Kriegerecht.

(W.T.B.)  London,  3.  November.           Das  „Reutersche  Bureau“
meldet  aus  Kairo  vom  3.  November:  Der  britische  General  Maxwell  hat
die  militärische  Kontrolle  des  Landes  übernommen.  Das  Kriegsrecht

wurde  erklärt.
                         Der  heutige  Generalstabsbericht.

Großes  Hauptquartier,  4.  November,  vormittags.  Unsere
Angriffe  auf  Ypres,  nördlich  Arras  und  östlich  Soissons  schritten  langsam,
aber  erfolgreich  vorwärts.  Südlich  Verdun  und  in  den  Vogesen  wurden
französische  Angriffe  abgewiesen.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  hat  sich  nichts  Wesentliches  ereignet.

(W.  T.B.)                                                                       Oberste  Heeresleitung.

                          Das  Unglück  des  Kreuzers  „York"“.

W.T.B.  Berlin,  4.  November.  S.  M.  Großer  Kreuzer  „York“  ist
am  4.  November  vormittags  in  der  Jade  auf  eine  Hafenminensperre  geraten
  und  gesunken.  Nach  den  bisherigen  Angaben  sind  382  Mann,
mehr  als  die  Hälfte  der  Besatzung,  gerettet.  Die  Rettungsarbeiten  wurden
  durch  dicken  Nebel  erschwert.

                  Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                                                       Behncke.

                                England  annektiert  Aegypten.

Wien,  4.  November.  Dem  „Tanin“"  zufolge  haben  die  Engländer
Aegypten  annektiert.  Sie  ernannten  den  Onkel  des  Khedive,  den  Prinzen
Hussein  Kiamil  Pascha,  zum  Generalgouverneur  und  seinen  Sohn,  den
Prinzen  Kemal  Eddin  Pascha,  zum  Oberkommandanten.


                                Zu  frischer  Jagd  bereit.

Rotterdam,  4.  November.  Aus  London  wird  gemeldet,  daß  die
Kreuzer  „Gneisenau“,  „Scharnhorst“  und  Nürnberg"“  in  Santiago  de
Chile  neuen  Vorrat  eingenommen  und  sich  dann  wieder  auf  die  Jagd
gegen  feindliche  Schiffe  begeben  haben.  „Dtsche.  Tgsztg.“,  5.  Nov.
        <pb n="170" />
                                                —  695  —

                      Wieder  zwei  englische  Kriegsschiffe  vernichtet!

Rotterdam,  4.  November.  Reuter  meldet:  Gestern  früh  wurde
in  der  Nordsee  das  englische  Kanonenboot  „Halcyon“  von  der  deutschen
Flotte  angegriffen  und  vernichtet.  Andere  englische  Kriegsschiffe  eilten
herbei  und  verfolgten  die  deutschen  Kriegsschiffe,  die  Minen  streuten.
Das  englische  Unterseeboot  „D  5“  stieß  auf  eine  Mine  und  versank.  Wie
groß  die  Gesamtverluste  der  Engländer  bei  dem  Untergange  der  beiden
Schiffe  waren,  verrät  das  Reuterbureau  nicht.

                                                          „Deutsche  Tagesztg.“,  5.  November.

                                 Unruhen  in  Angola.

Mailand,  4.  November.  Nach  dem  „Secolo“  sind  in  Lissabon
Nachrichten  über  den  Ausbruch  ernster  Unruhen  in  Angola  eingetroffen.
Die  Aufständischen  bedrohen  bereits  Lunda.  Die  Portugiesen  beschuldigen
die  Deutschen,  die  Eingeborenen  mit  Waffen  versehen  zu  haben.  Sie  verfügen
  nicht  über  genügende  Truppen,  um  die  Aufständischen  zu  bekämpfen.
  Die  Regierung  hat  beschlossen,  ein  Marinebataillon  zur  Hilfe  zu
senden.

                    Der  englische  Konsul  in  Basra  verhaftet.

Kristiania,  4.  November.  In  London  wurde  heute  offiziell  miteteilt,
  daß  die  Türken  den  britischen  Konsul  und  Kaufleute  in  Basra  in
Haft  genommen  haben.                        „Berl.  Tgbl."“,  5.  November.


                    Das  Eiserne  Kreuz  für  die  Helden  der  „Emden“.

Dem  Kommandanten  S.  M.  kleinem  Kreuzer  „Emden“  ist  das
Eiserne  Kreuz  1.  und  2.  Klasse,  allen  Offizieren,  Beamten  und  Deckoffizieren,
  sowie  50  Unteroffizieren  und  Mannschaften  der  Besatzung  das
Eiserne  Kreuz  zweiter  Klasse  verliehen  worden.


Die  Kämpfe  der  Oesterreicher  und  Ungarn  in  Polen,  Galizien  und
Serbien.

W.T.  B.  Wien,  4.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:

Die  Bewegungen  unserer  Truppen  in  Russisch-Polen  wurden  gestern
vom  Feinde  nicht  gestört.  Eines  unserer  Korps  nimmt  aus  den  Kämpfen
auf  der  Lysa-Gora  20  Offiziere  und  2200  Mann  als  Gefangene  mit.  An
der  galizischen  Front  ergaben  sich  bei  Podbuz  südlich  Sambor  über  200,
heute  früh  bei  Jaroslau  300  Russen.

                         Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                    v.  Hoefer,  Generalmoajor.


        Vom  südlichen  Kriegsschauplatze  wird  amtlich  gemeldet:

In  weiterer  Vorrückung  sind  unsere  Truppen  südlich  und  südwestlich
Schabatz  neuerdings  auf  den  Feind  gestoßen.  Der  sofort  angesetzte  Angriff
schreitet  günstig  fort.  Während  der  Kämpfe  auf  der  Romania  wurden
insgesamt  7  Offiziere  und  647  Mann  gefangen,  5  Geschütze,  3  Munitionswagen,
  2  Maschinengewehre,  viel  Munition  und  Kriegsmaterial  erbeutet.
Den  Montenegrinern  wurden  über  1000  Stück  Vieh,  das  sie  aus  Bosnien
mitnehmen  wollten,  abgenommen.

                                                                                                         44*
        <pb n="171" />
                                                       —  696  —

Die  bei  Kuty  sowie  nördlich  von  Czernowitz  bei  Kootyornik  geschlagenen
  russischen  Abteilungen  haben  sich  gegen  Sniatyn  zurückgezogen.  Sie
versuchten  sich  dort  zu  vereinigen,  was  jedoch  mißlang.  Die  Verluste  der
Russen  sind  sehr  bedeutend.  Sniatyn  wurde  von  uns  wieder  besetzt.  Vor
Czernowitz  bleiben  die  Russen  ruhig.

           Ein  Durchbruchsversuch  bei  Nieuport  abgewiesen.

Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  5.  November,  vormittags.
Eestern  unternahmen  Belgier,  unterstützt  von  Engländern  und  Franzosen,
  einen  heftigen  Ausfall,  über  Nieuport  zwischen  Meer  und  Ueberschwemmungsgebiet.
  Sie  wurden  mühelos  abgewiesen.

Bei  Pypres  und  südwestlich  Lille  sowie  südlich  Berry-au-Bac,  in  den
Argonnen  und  in  den  Vogesen  schritten  unsere  Angriffe  vorwärts.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  hat  sich  nichts  Wesentliches  ereignet.

(W.T.B.)                                                  Oberste  Heeresleitung.


                 Der  türkische  Einmarsch  auf  die  Sinai-Halbinsel.

Konstantinopel,  5.  November.  Nach  dem  „Taswiri-Efkiar“
haben  die  türkischen  Truppen,  die  zusammen  mit  3000  Beduinen  die
ägyptische  Grenze  überschritten,  ihre  Tätigkeit  an  verschiedenen  von  den
Engländern  besetzten  Punkten  begonnen.  Die  Beduinen  haben  einige
Stellungen  angegriffen  und  beunruhigen  diese  nun  unausgesetzt,  wodurch
die  Operationen  der  türkischen  Truppen  erleichtert  werden.  Ihre  letzte
Attacke  hatte  den  Erfolg,  daß  die  Engländer  aus  Beir--Saba  bei  Nachel
auf  der  Sinai-Halbinsel  vertrieben  wurden.  Der  Platz  wurde  darauf  von
den  Türken  besetzt.

Die  Russen  haben  begonnen,  ihre  Stellungen  an  der  Grenze  zu  befestigen;
  sie  sind  indessen  aus  den  Bezirken  von  Karan-Kilisse  und  Ich-han
vollständig  vertrieben  worden.  Die  türkischen  Truppen  haben  bei  diesen
Operationen  außerordentliche  Tapferkeit  gezeigt.  (Berl.  Tagebl.,  5.  Nov.)


Gruß  des  deutschen  Kronprinzen  an  den  türkischen  Kriegsminister.

(W.T.  B.)  Konstantinopel,  4.  November.  Der  deutsche
Kronprinz  hat  an  den  Kriegsminister  Enver  Pascha  folgendes  Telegramm
gerichtet:  „Die  fünfte  Armee  und  ihr  Führer  entbieten  der  ottomanischen
Armee  brüderliche  Grüße.“

              Der  Dank  Enver  Paschas  an  den  Kronprinzen.

Pera,  5.  November.  Enver  Pascha  dankte  im  Namen  der  ottomanischen
  Armee  mit  kameradschaftlichen  Worten  dem  Kronprinzen  und  der
fünften  deutschen  Armee  für  die  brüderlichen  Grüße  und  sprach  die  Ueberzeugung
  eines  gemeinsamen  Sieges  über  alle  Feinde  aus.


          Ein  japanischer  Gouverneur  auf  chinesischem  Gebiet.

Die  „Frankfurter  Zeitung“  meldet  aus  Zürich:  Nach  japanischen
Meldungen  haben  die  Japaner  auf  beiden  Seiten  der  Schantungbahn  je
100  Kilometer  Land  besetzt,  In  Kinanfu  wurde  ein  japanischer  Gouverneur
  eingesetzt.  Die  chinesischen  Behörden  haben  unter  Protest  die  Stadt
verlassen.
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                                                              —  697  —

                                   „Times“  gegen  „Times“.

Unter  dieser  Ueberschrift  könnte  man  eigentlich  fast  täglich  etwas
bringen,  da  es  zu  den  Gepflogenheiten  dieses  Blattes  gehört,  sich  selbst  zu
widersprechen.  In  diesen  Widersprüchen  liegt  eine  so  unfreiwillige  Komik,
die  manchmal  so  erheiternd  ist,  daß  wir  sie  unseren  Lesern  nicht  vorenthalten

  möchten.  Hier  eine  Probe:

                     „Times“
               vom  29.  Juli  1914:

„Deutschland  hat  sich  sehr  gut

betragen.  Es  wird  natürlich  seinem
Verbündeten  eine  diplomatische
Unterstützung  gewähren;  indessen
kann  der  deutsche  Generalstab  von
den  Bedingungen,  unter  denen
Oesterreich  diesen  Feldzug  beginnt,
nicht  sonderlich  erbaut  sein.
Deutschland  ist  an  den  österreichischen
  Kriegswagen  geschmiedet
(Germany  is  being  dragged  at  the
beels  of  the  Austrian  war  chariot),
und  seine  Lage  ist  nicht  erquicklich.

Wenn  Deutschland  zum  Armageddon
  werden  sollte,  so  wird  es
einen  großen  Teil  des  verbündeten
Heeres  in  den  serbischen  Bergen
auf  einem  Neben-Kriegsschauplatz
beschäftigt  finden,  so  daß  auf  dem
Haupt-Kriegsschauplatz  die  Bürde
des  Krieges  ganz  oder  doch  zum
großen  Teil  auf  Deutschlands
Schultern  ruhen  würde.

Wenn  Deutschland  kann,  wird
es  sich  vom  Kriege  fernhalten.  Ein
Casus  foederis  braucht  notwendigerweise
  nicht  eher  einzutreten,  als
bis  Oesterreich  von  Rußland  tatsächlich
  angegriffen  wird.

Was  Italien  anbetrifft,  so  hieße
es  wirklich  zuviel  verlangt,  daß  es
seine  Armee  für  eine  Vergrößerung
Oesterreichs  in  die  agschale
werfe.  Sollte  Italien  aber  wagen,
seine  Flotte  in  Tätigkeit  zu  setzen,
so  würde  es  in  kurzer  Frist  stürmissee-
  Wetter  im  Mittelmeer
9  en.“

 

                      „Times“
            vom  27.  Oktober  1914:

„Zweifellos  haben  die  Deutschen
zu  dieser  Stunde  etwas  über  die
Bedeutung  von  Bündnissen  gelernt.
  Es  war  Preußens  Gewohnheit,
  jeden  und  alles  seinen  selbstsüchtigen
  Interessen  zu  opfern,  und
dieser  Krieg  war  keine  Ausnahme
von  der  Regel.  Preußen  sah  ruhig
zu,  wie  die  Oesterreicher  erdrückt
wurden,  und  anstatt  Dankl  und
Auffenberg  zu  unterstützen,  nutzte
es  alle  seine  Kräfte,  um  Ostpreußen
von  den  Russen  zu  säubern.

Oesterreich  wurde  ein  Opfer  der
verkehrten  deutschen  Strategie  und
mußte  als  ein  sklavisches  Werkzeug
in  den  Händen  der  Deutschen  ein
Dutzend  seiner  besten  Generale  entlassen.


Deutschland  hat  sich  die  Kontrolle
  auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz
  angemaßt  und  wird  solange
  wie  möglich  fortfahren,
preußische  Interessen  mit  österreichischen
  Truppen  zu  verteidigen.

Die  jammervolle  Doppelmonarchie
  ist  an  den  „preußischen“
Kriegswagen  eschmiedet  (Lhe
wretscheo  Dual-Monarchy  is  being
dragged  at  the  tail  of  the  Prussian
War  chariot),  und  wenn  die  Oesterreicher
  Preußens  Zwecken  gedient
haben,  wird  man  sie  ihrem  Schicksal
  überlassen.“

 

 

 

 

Kommentar  überflüssig!  —  Wir  wollen  nur  bemerken,  daß  uns  ein
Wort  „wretched“  (jammervoll)  zum  mindesten  nicht  sehr  höflich  erscheint;
  es  steht  aber  in  vollem  Einklang  mit  der  Tonart  der  gesamten
        <pb n="173" />
                                                   —  698  —

englischen  Presse,  die  gleichfalls  anzuschlagen  wir  uns  versagen,  weil
wir  sie  nicht  für  würdig  halten.  „Deutsche  Tgsztg.“,  6.  Nov.

              Ergebnislose  Beschiehung  der  Dardanellenforts.

(W.T.  B.)  London,  4.  November.  Amtlich  wird  bekanntgegeben:

Bei  Tagesanbruch  des  3.  November  hat  ein  englisch-französisches  Geschwader
  die  Dardanellenforts  aus  weiter  Entfernung  beschossen.  Die
Forts  antworteten,  ohne  jedoch  die  Schiffe  zu  erreichen.  Die  Verbündeten
  hatten  keinen  Verlust,  nur  ein  einziges  Geschoß  schlug  nahe  bei  den
Schiffen  ein.  Es  ist  unmöglich,  den  tatsächlichen  Erfolg  der  Beschießung
festzustellen,  ober  eine  starke  Explosion  mit  einer  dichten  Rauchwolke  wurde
in  einem  der  Forts  beobachtet.

                      Türkische  Kreuzer  bombardieren  Batum.

Wien,  4.  November.  Ueber  Sofia  wird  gemeldet,  daß  türkische
Kreuzer  Batum  mit  vollem  Erfolge  bombardieren.  "

Neue  Asterreichisch-ungarische  Erfolge  in  Galizien.

W.T.B.  Wien,  5.  November.  Amtlich  wird  bekanntgegeben:

Auch  gestern  verliefen  die  Operationen  auf  dem  nördlichen  Kriegsschauplatze
  plangemäß  und  völlig  ungestört  vom  Feinde.  Südlich  der
Wislokamündung  warfen  unsere  Truppen  den  Gegner,  der  sich  auf  dem
westlichen  Sanufer  festgesetzt  hatte,  aus  allen  Stellungen,  machten  über
1000  Gefangene  und  erbeuteten  Maschinengewehre.  Ebenso  vermochte
der  Feind  auch  im  Stryjtale  unseren  Angriffen  nicht  mehr  standzuhalten.
Hier  wurden  500  Russen  gefangen  genommen  und  eine  Maschinengewehrabteilung
  und  sonstiges  Kriegsmaterial  erbeutet.

               Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                          v.  Hoefer,  Generalmajor.

                   Das  Kabinett  Salandra-Sonnino  gebildet.

W.T.B.  Rom,  5.  November.  Durch  königliches  Dekret  vom  heutigen
  Tage  ist  Salandra  mit  der  Bildung  des  neuen  Kabinetts  betraut
worden.  Wie  die  „Agenzia  Stefani“  amtlich  meldet,  setzt  sich  das  neue
Kabinett  folgendermaßen  zusammen:  Salandra:  Vorsitz  und  Inneres:;
Sonnino:  Aeußeres;  Martini:  Kolonien;  Orlando:  Justiz;  Carcano:
Schatz;  Daneo:  Finanzen;  Ciuffelli:  Oeffentliche  Arbeiten;  Grippo:
Unterricht;  Cavasola:  Ackerbau;  Zuppelli:  Krieg;  Viale:  Marine  Riccio:
Post.  Die  Minister  werden  heute  nachmittag  vereidigt  werden.  «


   Die  Antwort  auf  die  Verhaftung  der  Deutschen  in  England.

                 Festsetzung  aller  wehrfähigen  Engländer  in
                                             Deutschland.

In  der  zweiten  Morgenstunde  des  heutigen  Tages  ist  durch  W.T.  B.
folgende  amtliche  Mitteilung  verbreitet  worden:  „Seit  längerer  Zeit
schweben  Verhandlungen  zwischen  Deutschland  und  England  wegen  Behandlung
  der  beiderseitigen  Staatsangehörigen,  die  sich  bei  Ausbruch  des
Krieges  im  Gebiete  des  anderen  Teiles  aufhielten.  Dabei  stand  die
deutsche  Regierung  auf  dem  Standpunkt,  daß  nach  völkerrechtlichen  Grund-
        <pb n="174" />
                                                —  699  —

sätzen  diese  Personen,  soweit  fie  sich  nicht  verdächtig  gemacht  hätten,  in  ihrer
Freiheit  zu  belassen  seien,  auch  ungehindert  in  ihre  Heimat  abreisen
dürften,  daß  jedoch  den  Engländern  in  Deutschland  selbstverständlich  keine
bessere  Behandlung  zuteil  werden  könnte,  wie  den  in  England  befindlichen
  Deutschen.

  Als  daher  die  britische  Regierung  zunächst  so  gut  wie  sämtlichen
Deutschen  die  Erlaubnis  zur  Abreise  versagte,  sind  die  in  Deutschland  befindlichen
  Engländer  in  gleicher  Weise  behandelt  worden.  Den  deutschen
Vorschlag,  die  beiderseitigen  unverdächtigen  Staatsangehörigen  sämtlich
abreisen  zu  lassen,  lehnte  die  britische  Regierung  ab;  doch  wurde  eine  Vereinbarung
  dahin  getroffen,  daß  alle  Frauen  und  alle  männlichen  Personen
bis  zu  17  und  über  55  Jahren  sowie  ohne  Rücksicht  auf  ihr  Alter  alle  Geistlichen
  und  Aerzte  ungehindert  abreisen  dürften;  die  männlichen  Personen
zwischen  17  und  55  Jahren  wurden  nicht  in  die  Vereinbarung  einbezogen,
weil  die  britische  Regierung  alle  Wehrfähigen  zurückhalten  wollte,  und
als  solche  auch  die  Männer  zwischen  45  und  55  Jahren  ansah.

Inzwischen  wurden  die  in  England  zurückgehaltenen  Deutschen  in
nicht  unerheblicher  Anzahl  festgenommen  und  als  Kriegsgefangene  behandelt.
  Nach  zuverlässigen  Nachrichten  ist  diese  Maßnahme  in  den  letzten
Tagen  auf  fast  alle  wehrfähigen  Deutschen  ausgedehnt  worden,  während  in
Deutschland  bisher  nur  verdächtige  Engländer  festgenommen  worden  sind.
Die  völkerrechtswidrige  Behandlung  unserer  Angehörigen  hat  der  deutschen
Regierung  Anlaß  gegeben,  der  britischen  Regierung  zu  erklären,  daß  auch
die  wehrfähigen  Engländer  in  Deutschland  festgenommen  werden  würden,
falls  nicht  unsere  Angehörigen  bis  zum  5.  November  aus  der  englischen
Gefangenschaft  entlassen  werden  sollten.  Die  britische  Regierung  hat  diese
Erklärung  unbeantwortet  gelassen,  so  daß  nunmehr  die  Festnahme  der
englischen  Männer  zwischen  siebzehn  und  fünfundfünfzig  Jahren  angeordnet
  worden  ist.  Die  Anordnung  erstreckt  sich  vorläufig  nur  auf  die  Angehörigen
  Großbritanniens  und  Frlands,  würde  aber  auch  auf  die  Angehörigen
  der  britischen  Kolonien  und  Schutzgebiete  ausgedehnt  werden,
kue  die  dort  lebenden  Deutschen  nicht  auf  freiem  Fuß  belassen  werden
ollten.

Die  von  den  militärischen  Stellen  unter  dem  6.  November  erlassenen
  Befehle  lauten:

1.  Alle  Engländer  zwischen  vollendetem  17.  und  55.  Lebensjahr,  die
sich  innerhalb  des  Deutschen  Reiches  befinden  und  denen  als  Aerzte  oder
Geistlichen  nicht  das  Ausreiserecht  zusteht,  sind  in  Sicherheitshaft  zu  nehmen
und  nach  Anordnung  des  stellvertretenden  Generalkommandos  unter  militärischer
  Bedeckung  in  das  Lager  Ruhleben  bei  Berlin  zu  überführen.  Das
gleiche  gilt  für  inaktive  Offiziere  auch  über  55  Jahre  hinaus.  «

Für  die  Altersberechnung  ist  der  6.  November  maßgebend.  Die  Ueberführung
  der  in  Berlin  verhafteten  Engländer  nach  Ruhleben  erfolgt  mit
Rücksicht  auf  die  besonderen  örtlichen  Verhältnisse  auf  Anordnung  und
Ermessung  des  Oberkommandos  in  den  Marken.

2.  Ausnahmen  won  der  in  Nr.  1  genannten  Anordnung  können  von
den  Stellvertretenden  Generalkommandos  und  dem  Oberkommando  in
den  Marken  nur  dann  gestattet  werden,  wenn  schwere  Krankheit,  die  den
Transport  unmöglich  macht,  von  amtsätztlicher  Seite  bescheinigt  wird.
Sobald  das  Befinden  den  Transport  gestattet,  ist  die  Ueberführung  nachzuholen.
        <pb n="175" />
                                                   —  700  —

3.  Alle  erwachsenen  Personen  englischer  Nationalität,  die  dann  noch
frei  in  Deutschland  leben  dürfen,  sind  zu  täglich  zweimaliger  Anmeldung
bei  der  Polizei  verpflichtet  und  dürfen  den  Ortspolizeibezirk,  über  dessen
Grenzen  sie  polizeilich  zu  unterrichten  sind,  nicht  verlassen.  In  Einzelfällen
  kann  das  für  den  Aufenthalsort  zuständige  stellvertretende  Generalkommando
  (Oberkommando  in  den  Marken)  oder  Marine-Stationskom-=mando
  Ausnahmen  gestatten.

4.  Die  unter  1—2  genannten  Maßregeln  sollen  zunächst  nur  Anwendung
  finden  auf  Angehörige  des  Vereinigten  Königreichs  von  Großbritannien
  und  Irland.

5.  Sofern  für  die  Transporte  fahrplanmäßige  Züge  nicht  ausreichen,
  sind  von  den  Stellvertretenden  Generalkommandos  Sonderzüge
mit  den  Linienkommandanturen  zu  vereinbaren.  (W.T.  B.)


                Die  englische  Kriegserklärung  an  die  Türkei.

         Abreise  der  türkischen  Botschafter  aus  London  und
                                             Bordeaur.

Rotterdam,  5.  November.  Die  Londoner  amtliche  „Gazette"
veröffentlichte,  wie  hierher  gemeldet  wird,  eine  Extraausgabe  mit  der
Kriegserklärung  an  die  Türkei.  Reuters  Bureau  meldet,  daß  der  türkische
Botschafter  in  London  heute  früh  mit  dem  Personal  der  Botschaft  nach
Vlissingen  abgereist  ist.  Auf  dem  Bahnhof  war  Sir  Edward  Grey  bei  der
Abfahrt  amwesend.

Kopenhagen,  5.  November.  Aus  Bordeaux  wird  telegraphiert:
Der  türkische  Botschafter  reiste  gestern  abend  6  Uhr  24  Minuten  unbemerkt
ab.  Er  begibt  sich  über  Ventimiglia  nach  Italien.  (Berl.  Tagebl.,  6.  Nov.)

                        170  000  Afaghanen  gegen  Indien.
                   Volle  Revolution  an  den  Grenzen  Indiens.

Wien,  5.  November.  Die  Südslawische  Korrespondenz  meldet  aus
Konstantinopel:  Wie  die  über  Persien  hier  eingetroffene  bedeutendste
afghanische  Zeitung  „Siradscha  Ahbari“  berichtet,  hat  der  Emir  von
Afghanistan  eine  Armee  von  170  000  Mann  mit  135  Geschützen  unter
Führung  seines  Sohnes,  des  Emirs  Bahadurkhan  an  die  englische  Grenze
vormarschieren  lassen.  Die  von  Herat  nach  Puschk  führende  Eisenbahn  sei
zerstört  worden,  um  den  englischen  Aufmarsch  zu  verhindern.  Eine  Anzahl
der  kriegerischen  indischen  Grenzstämme  habe  sich  dem  Heere  Bahadurkhans
angeschlossen.  An  der  Grenze  herrsche  volle  Revolution  gegen  England,  die
englischen  Beamten  seien  gefangen  genommen,  einige  von  ihnen  getötet

worden.                                                  (Dtsch.  Tagesztg.,  6.  Nov.)
                        Annexion  von  Zypern  durch  England.
(W.T.  B.)  London,  5.  November.  Anmtlich  wird  mitgeteilt,  daß
England  Zypern  annektiert  hat.

Die  Annexion  von  Zypern,  der  großen,  dem  Suezkanal  gegenüberliegenden
  Insel,  die  von  England  seit  sechsunddreißig  Jahren  auf  Grund
eines  Vertrages  mit  der  Pforte  okkupiert  ist,  war  natürlich  im  Falle  des
Kriegsausbruchs  ebenso  unverweilt  zu  erwarten,  wie  die  Annexion
-Aegyptens.  Aber  diese  Gewalttat  stellt  sich  unter  einem  ganz  besonders
        <pb n="176" />
                                                   —  701  —

eigentümlichen  Lichte  dar,  wenn  man  sich  den  Vertrag  vom  4.  Jan.  1878
näher  ansieht,  auf  Grund  dessen  die  Pforte  der  Besetzung  der  Insel  durch
England  zustimmte.  Der  Vertrag  war  nämlich  nichts  anderes  als  ein  englisch-türkischer
  Bündnisvertrag  gegen  Rußland!  Zypern  war  das  Unterpfand
  dieses  Bündnisses.  Der  Sultan  gestattete  England  die  Besetzung  und
Verwaltung  der  Insel  gegen  das  Versprechen,  daß  England  ihm  den  Besitz
seines  asiatischen  Gebiets  gegen  Rußland  garantiere.  „In  dem  Falle“,
heißt  es  wörtlich  in  dem  ersten  Artikel  des  Vertrags,  „wo  Batum,
Ardahan,  Kars  (seither  alle  russisch!)  von  Rußland  zurückbehalten  werden
sollte,  sich  irgendeines  anderen  Teiles  der  Gebiete  des  Sultans  in  Asien
zu  bemächtigen,  wie  sie  der  endgültige  Friedensvertrag  festsetzt,  verpflichtet
sich  England,  sich  mit  dem  Sultan  zur  Verteidigung  des  in  Rede  stehenden
Gebietes  durch  Waffengewalt  zu  vereinigen.“  Der  Großwesir  Gafwet,  der
seinen  Namen  unter  dieses  Schriftstück  setzte,  hat  gewiß  nicht  erwartet,  daß
England  eines  Tages  im  Bunde  mit  Rußland  die  Türkei  bekriegen  werde,
um  sie  ihrer  asiatischen  und  anderen  Besitzungen  zu  berauben,  und  daß  an
eben  dem  Tage,  wo  der  GEarantievertrag  diese  seltsame  Verkehrung  ins
Gegenteil  erfährt,  England  sich  des  Unterpfandes  Zypern  durch  einen
Gewaltakt  bemächtigen  werde.

                     Deutsche  Flieger  über  dem  Kanal.

Die  „Bapaumer  Zeitung  am  Mittag“,  wie  sich  eine  für  unsere  Truppen
bestimmte,  in  dem  französischen  Städtchen  Bapaume  erscheinende  Feldzeitung
  nennt,  veröffentlicht  folgende  interessante  Mitteilung:

Leutnant  Caspar  und  Oberleutnant  Roos  der  Fliegerabteilung
des  ...  Armeekorps  überflogen  ...  als  die  ersten  deutschen  Offiziere  in
diesem  Kriege  den  Kanal  zwischen  Calais  und  Dover  und  warfen  auf  ein
Küstenwerk  dicht  westlich  Dover  zwei  Bomben  ab.  (Voss.  Ztg.,  6.  Nov.)

                    Ein  deutscher  Seesieg  an  der  chilenischen  Küste.
                        Die  amtliche  deutsche  Meldung.

Amtlich  (W.T.  B.)  Berlin,  6.  November.  Nach  Meldung  des
amtlichen  englischen  Pressebureaus  ist  am  1.  November  durch  unser  Kreuzer--geschwader
  in  der  Nähe  der  chilenischen  Küste  der  englische  Panzerkreuzer
„Monmouth“  vernichtet,  der  Panzerkreuzer  „God  Hope“  schwer  beschädigt
worden.  Der  Kleine  Kreuzer  „Glasgow“  ist  beschädigt  entkommen.

Auf  deutscher  Seite  waren  beteiligt:  S.  M.  Großer  Kreuzer
„Scharnhorst“  und  „Gneisenau“  und  S.  M.  Kleine  Kreuzer  „Nürnberg“,
„Leipzig“  und  „Dresden“.  Unsere  Schiffe  haben  anscheinend  nicht  gelitten.

                              Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                                                              Behnrcke.

                           Der  Verlauf  der  Seeschlacht.

Amsterdam,  5.  November.  Reuter  meldet:  Aus  Washington
wurde  an  die  „Morning  Post“  telegraphiert,  daß  der  „Newyork  Herald“
aus  Valparaiso  eine  Depesche  über  ein  Seegefecht  an  der  chilenischen  Küste
empfangen  hätte.  Der  englische  Kreuzer  „Monmouth“  kämpfte  mit  der
Flagge  im  Topp  fort,  bis  sein  Rumpf  buchstäblich  von  Kugellöchern  durchsiebt
  war  und  das  Wasser  hineinströmte.  Die  Männer,  welche  das  schreckliche
  Granatfeuer  noch  nicht  getötet  hatte,  standen  ruhig  bei  den  Kanonen
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                                                          —  702  —

und  feuerten  Granate  nach  Granate  ab,  bis  der  Kreuzer  umschlug  und  sank.
Der  Kreuzer  „Glasgow“  fuhr  eilig  weg  nach  Port  Coronel  unter  dem
Schutze  des  schweren  Kreuzers  „Good  Hope“.  Da  die  Deutschen  ihre  volle
Kraft  auf  den  Kreuzer  „Good  Hope  konzentrierten,  konnte  die  „Glasgow“
fliehen.  Die  Deutschen  überließen  den  Kreuzern  „Dresden“  und  „Leipzig“
die  Bewachung  des  Hafens  Coronel  für  den  Fall,  daß  die  „Glasgow“
wieder  ausfahren  würde.  Die  anderen  drei  deutschen  Kreuzer  fuhren  nach

Valparaiso.
                                                                    London,  6.  November.

Die  „Times“  erhält  folgenden  Bericht  über  die  Seeschlacht  bei  Chile:
„Vier  deutsche  Kreuzer,  darunter  „Scharnhorst“  und  „Eneisenau“,  griffen
am  Sonntag  die  englischen  Kreuzer  „Good  Hope“,  „Monmouth“,  „Glasgow“
  und  Otranto“  bei  Eintritt  der  Nacht  in  der  Nähe  der  Insel  Santa
Maria  an.  Der  Kampf  dauerte  mehr  als  eine  Stunde.  „Good  Hope“
wurde  derartig  beschädigt,  daß  er  gezwungen  war,  in  der  Dunkelheit  zu
fliehen.  „Monmouth“  versuchte  zu  fliehen,  wurde  aber  von  einem  kleinen
deutschen  Kreuzer  verfolgt  und  sank,  nachdem  er  einige  Treffer  erhalten
hatte.  Unglücklichemweise  machte  das  stürmische  Wetter  eine  Benutzung
der  Boote  unmöglich.  Man  glaubt,  daß  „Glasgow“  und  „Otranto“  beschädigt
  wurden.  Es  gelang  ihnen  aber,  dank  ihrer  großen  Schnelligkeit,
in  der  Dunkelheit  zu  entkommen.  Die  deutschen  Schiffe  erlitten  keine
schweren  Beschädigungen;  zwei  Mann  von  der  „Eneisenau“  wurden  leicht
verwundet.  Es  wird  angenommen,  daß  die  ganze  Besatzung  der  „Monmouth“
  umgekommen  ist.  Die  deutschen  Offiziere  erkennen  einstimmig
den  Mut  der  Besatzung  des  „Monmouth“  an,  die  noch  in  dem  Moment
des  Untergehens  versuchte,  das  deutsche  Schiff  zum  Sinken  zu  bringen.

Der  Panzerkreuzer  „Good  Hope“  fuhr,  als  er  zuletzt  gesehen  wurde,
mit  Volldampf  nach  der  Küste.  Man  glaubt,  daß  er  in  sinkendem  Zustande
auf  die  Klippen  auffuhr  und  hofft,  daß  die  Offiziere  und  die  Mannschaft
sich  retten  konnten.    ( Berl.  Tagebl.,  6.  November.)


                      Die  französische  Kriegserklärung  an  die  Türkei.
                                     (W.T.B.)                 Bordeaur,  6.  November.

Der  Minister  des  Auswärtigen  hat  folgende  Note  veröffentlicht:
Die  feindseligen  Akte,  welche  die  türkische  Flotte  sich  gegen  ein  französisches
  Handelsschiff  zuschulden  kommen  ließ,  und  durch  die  der  Tod  von
zwei  Franzosen  und  schwere  Beschädigungen  des  Schiffes  verursacht
wurden,  ocne  daß  die  Entfernung  der  deutschen  Militär=  und  Marinemission
  erfolgt  wäre,  durch  die  allein  die  Pforte  sich  von  ihrer  Verantwortlichkeit
  für  diese  Akte  hätte  entlasten  können  (1),  machen  es  der  französischen
  Regierung  zur  Pflicht,  zu  erklären,  daß  durch  dieses  Vorgehen
der  türkischen  Regierung  der  Kriegszustand  zwischen  Frankreich  und  der
Türkei  eingetreten  ist.

                   Entwickelung  der  Kampffronten  im  Kaukasus.

Konstantinopel,  6.  November.  Nach  den  letzten  Berichten  des
Hauptquartiers  gewinnen  die  Kämpfe  im  Kaukasus  allmählich  an  Ausdehnung.
  Die  türkischen  Truppen  stehen  bereits  an  der  ganzen  Ostgrenze
mit  den  Russen  in  Fühlung.  Eine  im  Hauptauartier  eingetroffene  Meldung
  besagt:  „Gestern  fand  zwischen  türkischer  Kavallerie  und  russischen
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                                               —703—                                                                                   Kosaken  ein  Kampf  statt.  Die  Russen  wurden  zurückgeschlagen.  Türkische
Kavalleriedivisionen  verfolgen  die  russische  Nachhut.“

Achmed  Resim  Bei,  Abgeordneter  für  Konstantinopel,  ist  an  Stelle
von  El-Bostani  zum  Ackerbauminister  ernannt  worden.  Auf  dem  Gebäude
  der  englischen  Botschaft  und  auf  der  französischen  Schule  Saint-Benoit
  hat  man  Funkenspruchstationen  entdeckt.  (Berl.  Tagebl.,  6.  Nov.)

                                     Zur  Kriegslage.
(Amtlich.)  Großes  Hauptquartier,  6.  November,  vormittags.

Unsere  Offensive  nordwestlich  und  südwestlich  Dpres  macht  gute  Fortschritte.
  Auch  bei  La  Bassée,  nördlich  Arras  und  in  den  Argonnen  wurde
Boden  gewonnen.

Unter  schweren  Verlusten  für  die  Franzosen  eroberten  unsere  Truppen
einen  wichtigen  Stützpunkt  im  Bois  Brule  südöstlich  St.  Mihiel.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  hat  sich  nichts  Wesentliches  ereignet.
  Oberste  Heeresleitung.  (W.  T.B.)


     Schwedens  Einspruch  gegen  die  Vergewaltigung  der  Schiffahrt.

(W.T.  B.)  Stockholm,  5.  November.  Die  Kriegsversicherungssemmission
  ließ  den  Reedern  folgendes  Rundschreiben  zugehen:  Die
schwedische  Regierung  hat  gegen  die  Bekanntmachung  der  englischen
Admiralität  protestiert  und  behält  sich  volle  Handlungsfreiheit  bezüglich
dieser  Bekanntmachung  vor.  In  der  gegenwärtigen  Lage  der  Angelegenheit
  hält  es  die  Kommission  für  ihre  Pflicht,  den  Versicherten  zu  gestatten,
daß  die  Schiffe  mit  unveränderten  Prämien  entweder  der  bisherigen  oder
der  neu  vorgeschlagenen  Route  folgen.

Die  Presse  fährt  im  allgemeinen  fort,  gegen  die  englischen  Maßregeln
  in  der  Nordsee  Protest  zu  erheben.  Ein  gemeinsames  Auftreten
der  neutralen  Mächte  scheint  einem  Teil  der  Blätter  wünschenswert.

                         Auch  Norwegen  erhebt  Einspruch.

(W.T.  B.)  Kristiania,  6.  November.  Die  norwegische  Regierung
  und  interessierte  Kreise  haben  sich  mit  der  englischen  Maßregel  der
Nordseesperre  lebhaft  beschäftigt.  Amtlich  wird  mitgeteilt:

Das  norwegische  Ministerium  des  Aeußern  hat  am  5.  November  die
Gesandtschaft  in  London  angewiesen,  der  englischen  Regierung  wegen  der
Kundmachung  der  Mdmiralität  betreffend  die  Nordseesperre  Vorstellungen
  zu  machen.  Der  norwegische  Minister  des  Aeußern  hat  mit  den
Vorstandsmitgliedern  der  Reedervereine,  der  Schiffskriegsversicherung,  der
Warenkriegsversicherung  und  Vertretern  der  norwegischen  Amerikalinie
sowie  anderen  Interessenten  zur  Besprechung  der  Lage  eine  Sitzung  abgehalten.
  Das  norwegische  Ministerium  des  Aeußern  hat  von  der  englischen
  Regierung  die  Mitteilung  empfangen,  daß  die  Durchfahrt  von  The
Minch  Sien  Hebriden  und  Schottland)  und  Firth  geschlossen  sei.
Norwegische  Schiffe,  welche  bereits  unterwegs  sind  und  freiwillig  nach
Kirkwall  gehen,  werden  Erlaubnis  zur  Weiterfahrt  erhalten,  wenn  ihre
Ladungen  nach  Norwegen  bestimmt  sind.  Artikel,  die  bedingte  Konterbande
  sind,  werden  nur  dann  durchgelassen,  wenn  sie  in  Norwegen  einem
Ausfuhrverbot  unterliegen.
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                                                         —  704  —

                                433  247  Kriegegefangene!

(W.T.B.)  Berlin,  6.  November.  Nach  den  am  1.  November

d.  Js.  eingegangenen  dienstlichen  Meldungen  über  die  Zahl  der  Kriegsgefangenen
  waren  bis  zu  diesem  Termin  in  unseren  Gefangenenlagern,
Lazaretten  usw.  untergebracht:  Franzosen:  3138  Offiziere,  188  618  Mannschaften.
  Russen:  3121  Offiziere,  186  779  Mannschaften.  Belgier:  537
Offiziere,  34  907  Mannschaften.  Engländer  417  Offiziere,  15  730  Mannschaften.
  Im  ganzen:  7213  Offiziere,  426  034  Mannschaften  oder

433 247 Köpfe.

 

                                Ein  Ausfall  aus  Tsingtau.

(W.T.  B.)  Tokio,  5.  November.  Amtlich  wird  mitgeteilt,  daß
die  Beschießung  Tsingtaus  energisch  fortgesetzt  wird.  Die  Deutschen  machten
  in  der  Nacht  des  3.  November  einen  Ausfall.


                         Eine  Lektion  für  die  Brüsseler  Polizei.

Köln,  6.  November.  Der  Brüsseler  Vertreter  der  „Kölnischen
Volkszeitung“  berichtet,  daß  belgische  städtische  Polizeibeamte  Ausschreitungen
  gegen  einen  deutschen  Soldaten  begingen.  Infolgedessen  wurden
die  beiden  schuldigen  Polizisten  vom  Kriegsgericht  zu  5  bzw.  3  Jahren
Gefängnis  verurteilt.  Außerdem  wurde  die  Stadt  Brüssel  vom  Gouverneur
  für  diese  Handlungen  ihrer  Polizei  zu  einer  Geldbuße  von  5  Mill.
Franken  verurteilt,  die  unverzüglich  zu  erledigen  sind,  zugleich  wurde  die
Entwaffnung  der  städtischen  Potrei  angeordnet.  Die  Schießwaffen
mußten  im  Rathause  abgegeben  werden.  Durch  besonderes  Schreiben
wurde  die  Stadtverwaltung  verständigt,  daß  im  Falle  einer  neuen  gesetzwidrigen  
widrigen  Handlung  der  diensttuenden  Polizisten  die  ganze  städtische  
Polizei  ersetzt  werden  würde.  (W.T.  B.)


              Die  Vergeltungsmahregeln  gegen  die  Engländer.

Zu  der  Festnahme  der  in  Deutschland  befindlichen  Engländer  schreibt
die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“  vom  7.  November:

„Die  Behandlung  der  Reichsangehörigen  in  den  feindlichen  Ländern
  ist  vom  Ausbruch  des  Krieges  an  der  Regierung  ein  Gegenstand
ernster  Fürsorge  gewesen.  Die  Verfolgung  jeder  in  greifbarer  Form
zur  Kenntnis  gekommenen  Beschwerde  war  amtlich  eingeleitet,  bevor
in  der  Oeffentlichkeit  die  Klagen  über  schlechte  Behandlung  von  Deutschen
  in  Feindesland,  besonders  in  England,  sich  häuften.  Nach  der
amtlichen  Untersuchung,  bei  der  wir  uns  der  Vermittlung  neutraler
Mächte  bedienen  mußten,  stellten  sich  manche  Fälle  nicht  in  allen  Umständen
  so  dar,  wie  in  den  Schilderungen  der  Presse.  In  Einzelheiten
sind  zweifellos  den  Beschwerdeführern  hin  und  wieder  auch  Uebertreibungen
  unterlaufen.  Was  aber  als  Ergebnis  amtlicher  Feststellungen
  übrig  bleibt,  ist  so  schwerwiegend,  daß,  vor  allem  gegenüber
England,  Vergeltungsmaßregeln  gerechtfertigt  und  notwendig  sind.
Diese  Maßregeln  sind  nicht  darauf  berechnet,  mit  unseren  Gegnern
einen  Wettstreit  in  der  Brutalität  gegen  feindliche  Staatsangehörige
zu  eröffnen.  Mutwillige  Grausamkeiten  gegen  Deutsche  waren  den
Engländern  im  großen  und  ganzen  nicht  nachzuweisen.  Es  sind  aber
ganz  unnötige  und  unwürdige  Härten  vorgekommen,  wie  sie  mindestens
        <pb n="180" />
                                                  —  705  —

ohne  Fahrlässigkeiten  von  Beauftragten  der  britischen  Krone  nicht
möglich  gewesen  wären.  Vollkommene  Genugtuung  dafür  können  wir
nicht  suchen  in  der  Rache  an  Unschuldigen,  nicht  in  einem  Schriftwechsel
mit  neutraler  Unterstützung  und  nicht  durch  einen  Schiedsspruch.  Diese
Dinge  gehören  mit  zu  der  verstockten  Ueberhebung,  mit  der  sich  England
gegen  alles,  was  deutsch  ist,  versündigt,  und  wir  müssen  sie  einbeziehen
in  die  Abrechnung,  die  wir  gegen  das  auf  seine  Unangreifbarkeit
pochende  Inselvolk  durchzuführen  entschlossen  sind.“

                                Neue  Beute  der  „Leipzig“.

Rotterdam,  6.  November.  Wie  hierher  gemeldet  wird,  versenkte
  der  Kreuzer  „Leipzig“  im  Stillen  Ozean  den  englischen  Dampfer
„Vine  Branche"“,  von  England  nach  Ecuador  unterwegs.  Der  Dampfer
Patte  3443  Tonnen  Wasserverdrängung  und  war  im  Jahre  1896  für  einen

Preis  von  360  000  Mk.  erbaut  worden.

                        Oesterreichischer  Kriegsbericht.
Wien,  6.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:  Gestern  wurde

im  Norden  nicht  gekämpft.  Ungehindert  vom  Feinde  nehmen  unsere
Heeresbewegungen  sowohl  in  Russisch-Polen  als  auch  in  Galizien  den
beabsichtigten  Verlauf.  Wenn  den  Russen  an  einzelnen  Teilen  der  Front
trotz  der  örtlich  günstigen  Lage  gewonnener  Boden  wieder  vorübergehend
überlassen  wird,  so  ist  dies  in  der  Gesamtlage  begründet.

                      Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:

                                                     v.  Hoefer,  Generalmajor.

                                                              (Dtsch.  Tagesztg.,  6.  Nov.)

                              „Glasgow“  in  Chile  interniert.

London,  6.  November.  Die  Exchange  Telegraph  Company  meldet
aus  Washington:  Nach  einem  amtlichen  Bericht  des  amerikanischen
Gesandten  in  Chile  ist  der  englische  Kreuzer  „Glasgow“  in  Chile  interniert
  worden.              (Dtsch.  Tagesztg.,  7.  Nov.)


                            Japanische  Schiffe  auf  dem  Plan ?

Bordeaurx,  6.  November.  Der  „Petit  Parisien“  meldet  aus
London:  Nach  einem  Telegramm  aus  Valparaiso  verfolgt  die  japanische
Flotte  die  deutschen  Kreuzer,  welche  der  britischen  Division  die  Schlacht
lieferten.  (Dtsch.  Tagesztg.,  7.  Nov.)


                      Englischer  Mißerfolg  gegen  Akaba.
Pera,  6.  November.  Von  der  Kaukasusfront  ist  nichts  Neues  zu
melden.  Die  Engländer  wiederholten  ihren  eblichen  Landungsversuch

  bei  Akaba.  Russische  Kriegsschife  beschossen  Coslu  und  Songuldak
ohne  Erfolg.  (Dtsch.  Tagesztg.,  7.  Nov.)


                   Drei  russische  Kavalleriedivisionen  geschlagen.

(Amtlich.)  Großes  Hauptaquartier,  7.  November,  vormittags.
Unsere  Angriffe  in  Richtung  Vpres  machten  auch  gestern,  besonders
südwestlich  Ypres,  Fortschritte.  Ueber  1000  Franzosen  wurden  zu  Gefangenen
  gemacht  und  3  Maschinengewehre  erbeutet.
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                                                                                                                                                  Französische  Angriffe  westlich  Noyon  sowie  auf  die  von  uns  genommenen
  Orte  Vailly  und  Chavonne  wurden  unter  schweren  Verlusten  für
den  Feind  abgewiesen.  Der  von  uns  eroberte  und  nur  schwach  besetzte
Ort  Soupir  und  der  Westtteil  von  Sapigneul,  der  dauernd  unter
schwerstem  —  französischem  —  Artilleriefeuer  lag,  mußten  von  uns
geräumt  werden.  ,

Bei  Servon  wurde  der  Feind  abgewiesen,  im  Argonnerwald  weiter
zurückgedrückt.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  wurden  drei  russische  Kavalleriedivisionen,
  die  die  Warta  oberhalb  Kolo  überschritten  hatten,  geschlagen
und  über  den  Fluß  geworfen.  Im  übrigen  kam  es  dort  zu  keinen  Zusammenstößen.
  Oberste  Heeresleitung.  (W.  T.B.)

                        Das  Gefecht  bei  Zandsontein.

(W.T.  B.)  Rotterdam,  6.  November.  Der  „Nieuwe  Rotterdamsche
  Courant“  veröffentlicht  einen  Brief  seines  Berichterstatters  in
Johannisburg  vom  8.  Oktober,  in  dem  es  unter  anderem  heißt:

Daß  die  Deutschen  bei  dem  ersten  Treffen  200  Mann  gefangen
nahmen,  diente  nicht  dazu,  die  Begeisterung  für  den  Krieg  zu  wecken.
Nur  langsam  kommen  Einzelheiten  von  dem  Treffen  bei  Zandfontein,
wo  fast  zwei  volle  Schwadronen  des  ersten  Regiments  berittener
Fahngen  und  eine  Abteilung  der  transvaalischen  reitenden  Artillerie
in  die  Hände  der  Deutschen  fielen.  Mittags  war  die  Munition  verschossen,
  die  Stellung  unhaltbar,  die  beiden  Kanonen  unbrauchbar

macht  worden.  Die  Engländer  und  Afrikander  hißten  die  weiße

Flagge.  Oberst  Grant  fiel  verwundet  in  die  Hände  der  Deutschen,  die
erst  unsere  Toten  begruben,  dann  die  ihrigen  und  alle  Verwundeten
gut  behandelten.  Zwei  Schwadronen,  die  vom  Hauptgquartier  geschickt
wurden,  wurden  von  den  Deutschen  unter  heftiges  Maschinengewehrfeuer
  genommen  und  gaben  den  Versuch  auf,  nachdem  sie  einige  Verluste
erlitten  hatten.  Dies  ist  alles,  was  der  Zensor  durchließ.

Rotterdam,  7.  November.  Aus  Tokio  wird  amtlich  mitgeteilt,
daß  Tsingtau  gefallen  ist.  Nähere  Einzelheiten  liegen  nicht  vor.

Das  Vaz--Diaz-Bureau  meldet:  Eine  Reuter-Meldung  aus  Peking
besagt:  Der  japanische  Oberbefehlshaber  meldet,  daß  der  linke  Flügel
um  5  Uhr  10  Minuten  mit  der  nördlichen  Batterie  den  Schantunghügel
besetzte,  mit  der  östlichen  Tahtöngsing  um  5  Uhr  35  Minuten.  Inzwischen
  rückte  das  Zentrum  vorwärts  gegen  die  Forts  Iltis  und  Bismarck
und  eroberte  zwei  schwere  Geschütze  in  der  Nähe  der  Hauptverteidigungslinie.
  Danach  besetzten  die  Angreifer  die  Forts  Iltis,  Bismarck  und
Moltke.  Die  japanischen  Verluste  sind  sehr  groß.

                                Die  Sperre  der  Nordsee

durch  England  beschäftigt  in  steigendem  Grade  die  öffentliche  Meinung
in  Norwegen.  „Morgenbladet“  von  Christiania  teilt  mit,  daß  Norwegen,
  Dänemark  und  Schweden  in  London  gemeinsame  Schritte  zum
Protest  gegen  diese  Maßnahme  unternommen  haben,  und  fährt  fort,  gegen
Englands  Völkerrechtsbruch  aufs  energischste  Stellung  zu  nehmen.  In
seiner  Morgennummer  sagt  das  Blatt,  das  Seegefecht  bei  Barmouth,  wo
deutsche  Kreuzer  quer  durch  das  englische  Minenfeld  an  Englands  Küste
        <pb n="182" />
                                                     —  707  —

gelangt  seien  und  Granaten  in  den  englischen  Hafen  hineingeworfen
hätten,  beweise,  daß  der  Schutz  durch  die  englischen  Minenfelder  etwas
illusorisch  geworden  sei.

Den  Weg,  den  die  deutschen  Schiffe  gegangen  seien,  wolle  England
in  Fürsorge  für  die  Neutralen  auch  deren  Schiffe  gehen  lassen,  die
Gefahr  liefen,  von  deutschen  Granaten  getroffen  zu  werden.  Als  die
russische  Flotte  1904  vor  der  Doggerbank  auf  englische  Fischdampfer  geschossen
  hatte,  schnaubte  die  englische  Presse  und  das  Volk  vor  Wut,
und  die  russische  Flotte  mußte  sich  die  Schmach  gefallen  lassen,  von  der
englischen  über  den  Atlantischen  Ozean  zwangsweise  begleitet  zu  werden.
Wenn  man  jetzt  annehmen  wollte,  daß  England,  welches  sich  nach  amtlichen
  Angaben  ausschließlich  zum  Schutze  der  Rechte  eines  kleinen  neutralen
  Landes  in  den  Krieg  gestürzt  habe,  Rostdschestwenskys  Rolle  in
der  Nordsee  spielen  wolle,  so  würde  dies  bedeuten,  daß  England  allen
Respekt  vor  seinen  eigenen  stolzen  Erinnerungen  verloren  hätte;  da
England  nunmehr  auch  den  Pentland-Firth  und  den  Minch-Kanal  als
geschlossen  erklärt  habe,  sei  faktisch  das  neutrale  Skandinavien  von  England
  vollkommen  blockiert.  Hätte  Skandinavien  fünfzig  Unterseeboote,
so  wäre  dieser  Völkerrechtsbruch  vielleicht  nicht  passiert.

In  seiner  Abendnummer  fährt  „Morgenbladet“  fort,  es  sei  erfreulich,
daß  die  Gesandten  der  drei  skandinavischen  Königreiche  gemeinsam  in
London  Protest  eingelegt  hätten.  Am  5.  NRovember  habe  die  Sperre  in
Kraft  treten  sollen,  aber  die  neutralen  Länder  hätten  noch  keine  näheren
Instruktionen  erhalten.  Vieles  deute  darauf  hin,  daß  die  englische  Bekanntmachung
  übereilt  sei.  Die  öffentliche  Meinung  in  Norwegen,
Schweden  und  Dänemark  werde  sich  durch  das  gestrige  Telegramm  des
„Daily-Telegraph“-Korrespondenten  in  Neuyork  nicht  irreführen  lassen,
der  behaupte,  daß  England  von  Nordamerika  keine  Proteste  zu  erwarten
habe,  ausgenommen  von  denjenigen  Exporteuren,  die  erzürnt  seien,  weil
ihr  ungesetzlicher  Handel  mit  Deutschland  fortan  unterbunden  würde.
Dies  Telegramm  beweise,  daß  die  Presse  dieses  kriegführenden  Landes
sich  nicht  länger  an  die  objektive  Wahrheit  halte.  Es  sei  sogar  gesetzlich
erlaubt,  Kriegsbedürfnisse  zu  liefern,  solange  die  Regierung  des  betreffenden
  Landes  es  gestatte.  Vielleicht  halte  das  englische  Blatt  jeden
Handel  mit  Deutschland  für  ungesetzlich,  was  wohl  auch  die  Auffassung
sei,  von  der  die  Proklamation  der  englischen  Admiralität  ausgehe.  Weil
Norwegen  bis  zum  äußersten  neutral  sei,  habe  die  hiesige  Presse  das
Telegramm  des  „Daily-Telegraph“  ausfgenommen.  Für  Norwegen  sei  der
Handel  mit  Deutschland  ebenso  natürlich  und  erwünscht  wie  der  mit
England.  Falls  die  britische  Regierung  offiziell  den  Handel  der  Neutralen
  mit  Deutschland  für  ungesetzlich  ansehe,  werde  die  strenge  Neutralität
  der  nordischen  Länder  ihre  Folgerung  daraus  ziehen  und  ein
Ausfuhrverbot  auf  Holzmasse,  Papier  und  Cellulose  erlassen.  Es  sei
zweifelhaft,  ob  „Daily-Telegraph“  dann  noch  einem  größeren  Leserkreise
seine  Ansichten  über  gesetzlichen  und  ungesetzlichen  Handel  werde  mitteilen
  können.  Unter  immer  größer  werdenden  Lasten  habe  Norwegen
die  Neutralität  eingehalten;  es  beweise  damit,  daß  ihm  an  der  Neutralität
  viel  gelegen  sei.  Norwegen  lasse  sich  nicht  ohne  energischen
Widerstand  von  dem  geraden  Weg  seiner  Neutralität  abbringen.  Es
wolle  nicht  blind  in  eine  Gefahr  hineinsteuern;  so  wünscht  das  Blatt  den
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                                                  —  708  —

drei  nordischen  Gesandten  in  London  große  Geduld,  viel  Vorsicht,  gewandte
  und  unerschütterliche  Festigkeit.  (Tägl.  Rundsch.,  S8.  November.)

                                         Tsingtau  gefallen.

Berlin,  7.  November.  Nach  amtlicher  Meldung  des  „Reuter-Büros“
  aus  Tokio  ist  Tsingtau  nach  heldenhaftem  Widerstand  am
7.  November,  morgens,  gefallen.  Nähere  Einzelheiten  fehlen  noch.

                         Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.

                                                                    Behnrke.                           (W.T.B.)

Das  Hospitalschiff  „Ophelia“  und  die  amtlichen  englischen  Lügen.

Berlin,  7.  November.  Zeitungsnachrichten  zufolge  hat  das  britische
  Auswärtige  Amt  unterm  4.  November  folgende  Rachricht  amtlich
verbreiten  lassen:

Die  Admiralität  teilt  mit,  daß  das  deutsche  Schiff  „Ophelia“,  das
die  Rote-Kreuz-Flagge  führte,  festgehalten  wurde,  weil  sein  Name  der
britischen  Regierung  als  Hospitalschiff  nicht  bekanntgegeben  worden  war,
und  weil  es,  als  es  angetroffen  wurde,  in  einer  Art  und  Weise  auftrat,
die  mit  den  Pflichten  eines  Hospitalschiffes  nicht  übereinstimmte.

Beide  von  der  britischen  Admiralität  zu  ihrer  Rechtfertigung  aufgestellten
  Behauptungen  sind  unrichtig.

Das  deutsche  Auswärtige  Amt  hat  durch  Vermittlung  der  deutschen
und  der  amerikanischen  Gesandtschaft  in  Kopenhagen  Anfang  September
das  Staatsdepartement  in  Washington  ersucht,  in  Gemäßheit  des  Haager
Abkommens,  betreffend  die  Anwendung  der  Grundsätze  der  Genfer  Konvention
  auf  den  Seekrieg,  vom  18.  Oktober  1907,  den  Regierungen  der
feindlichen  Seestaaten,  insbesondere  der  britischen  Regierung  die  Namen
einiger  damals  eingerichteten  deutschen  Hospitalschiffe,  darunter  der
„Ophelia“,  bekanntzugeben.  Nach  einem  an  die  amerikanische  Gesandtschaft
  in  Kopenhagen  gerichteten  und  von  dieser  an  die  deutsche  Gesandtschaft
  in  Kopenhagen  weitergegebenen  Telegramm  des  Staatsdepartements
  in  Washington,  eingegangen  in  Berlin  am  26.  September,  hat  das
Staatsdepartement  jene  Nachricht  des  deutschen  Auswärtigen  Amtes  der
britischen  Regierung  am  7.  September  mitgeteilt.

Daß  im  übrigen  das  Hospitalschiff  „Ophelia“  nichts  getan  haben
kann,  was  den  Pflichten  eines  Hospitalschiffes  widerspricht,  ergibt  sich
schon  daraus,  daß  sich  kein  Seeoffizier,  sondern  nur  Krankenpflegepersonal
an  Bord  befand  und  daß  der  Auftrag  des  Hospitalschiffes  allein  dahin
ging,  die  nach  dem  Seegefecht  überlebenden  Verwundeten  und  Schiffbrüchigen
  aufzusuchen  und  ihnen  Beistand  zu  gewähren.  (W.T.B.)

                                      Der  Burenausstand.

W.T.  B.  London,  7.  November.  Aus  Kapstadt  meldet  das  „Reutersche
  Bureau“  von  heute,  ein  Kommando  der  Aufständischen  überschritt
gestern  nachmittag  die  Eisenbahn  bei  Bloemhof  in  Westtransvaal,  wurde
aber  von  Regierungstruppen  unter  den  Kommandanten  Delarey  und
Swatz  angegriffen.  Der  letztere  machte  fünf  Gefangene.  Die  Aufständischen
  überschritten  spät  abends  den  Vaalfluß  nach  dem  Freistaat
und  wurden  von  dem  Kommandanten  Oberst  Limmer  verfolgt.
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                                                               —  709  —

                                Vom  Aufstand  der  Buren.

W.T.  B.  Amsterdam,  7.  November.  „Nieuws  van  den  Dag“
melden  aus  Johannesburg  vom  7.  November:  Aufständische,  die  durch
Regierungstruppen  verfolgt  wurden,  sind  in  den  Oranjefreistaat  eingefallen.
  General  Beyers  scheint  sich  bei  ihnen  zu  befinden.  Sie
haben  die  Brücke  über  den  Sandfluß  bei  Virginia  zerstört.  Die  Truppen
Dewets  haben  an  verschiedenen  Stellen  die  Eisenbahn  nach  dem  Freistaat

zerstört.
                   Oesterreichisch-ungarischer  Kriegsbericht.
                                  1500  Serben  gefangen.

             Wien,  7.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:
7.  November.  Die  Lage  auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatz  ist

unverändert.  Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                              v.  Hoefer,  Generalmajor.

Wien,  7.  November.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich
  gemeldet:

7.  November.  Die  Angriffe  gegen  den  hinter  Astverhauen  und
Drahthindernissen  verschanzten  Gegner  im  Raume  Cer-Planina  und  südlich
  Schabatz  schreiten  langsam  vorwärts.  Gestern  wurden  die  taktisch
wichtigen  Höhen  von  Misar  genommen,  hierbei  200  Gefangene  gemacht.

Im  Einklange  mit  dieser  Operation  begann  auch  gestern  der  Angriff
gegen  die  sehr  gut  gewählten  und  ebenso  hergerichteten  Stellungen  bei
Krupanj.  Einzelheiten  können  noch  nicht  verlautbart  werden.  Eine
Reihe  serbischer  Schanzen  wurde  gestern  mit  bewundernswerter  Tapferkeit
  im  Sturmangriff  genommen  und  hierbei  etwa  1500  Gefangene  gemacht,
  vier  Geschütze  und  sechs  Maschinengewehre  erbeutet.  Vorzüglicher
Geist  und  Zustand  unserer  Truppen  läßt  günstiges  Fortschreiten  auch
dieser  schwierigen  Operation  erwarten.

 

 

                       Mitteilung  des  Großen  Hauptquartiers.
                                           W.T.  B.  Konstantinopel,  8.  November.

Mit  Hilfe  Gottes  ist  die  ägyptische  Grenze  gestern  von  den  Unfrigen
überschritten  worden.  Da  die  russische  Flotte  in  ihre  Kriegshäfen  sich
zurückgezogen  hat,  hat  unsere  Flotte  Poti,  einen  der  bedeutendsten  Häfen
des  Kaukasus,  bombardiert  und  allerlei  Schaden  angerichtet.  Unsere
Gendarmen  und  die  auf  unserer  Seite  stehenden  Stämme  haben  die
englischen  Truppen,  welche  in  Akaba  gelandet  waren,  vernichtet.  Vier
englische  Panzerschiffe,  die  sich  dort  befanden,  haben  sich  zurückgezogen;
nur  ein  Kreuzer  ist  zurückgeblieben.

                        Erfolge  der  Oesterreicher  in  Serbien.

  W.T.  B.  Wien,  8.  November.  Amtlich  wird  gemeldet:
                                                                                           8.  November.
Auf  dem  südöstlichen  Kriegsschauplatze  dauerten  die  Kämpfe  gestern
den  ganzen  Tag  auf  allen  Fronten  mit  unverminderter  Heftigkeit  an.
Trotz  zähen  Widerstandes  des  Gegners,  bei  dem  die  Parole  „Bis  auf
den  letzten  Mann“  ausgegeben  war,  wurde  im  Raume  bei  Krupani
                                                                               45
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                                                     —  710  —

Schanze  auf  Schanze  von  unseren  tapferen  Truppen  erobert,  bis  heute
5  Uhr  vormittags  auch  der  Kostajnik,  ein  von  den  Serben  für  uneinnehmbar
  gehaltener  wichtiger  Stützpunkt,  erstürmt  wurde.  Die  Zahl  der  Gefangenen
  und  der  erbeuteten  Geschütze  ist  bisher  nur  annähernd  bekannt.

                                   Ein  Erfolg  in  den  Argonnen.

W.T.  B.  Großes  Hauptquartier,  8.  November,  vormittags.

    Unsere  Angriffe  bei  Ypres  und  westlich  Lille  wurden  gestern  fortgesetzt.

Am  Westrand  der  Argonnen  wurde  eine  wichtige  Höhe  bei  Vienne
la  Chateau,  um  die  wochenlang  gekämpft  worden  ist,  genommen.  Dabei
wurden  zwei  Geschütze  und  zwei  Maschinengewehre  erbeutet.

Sonst  verlief  der  nebelige  Tag  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz
  ruhig.

Vom  Osten  liegen  keine  neuen  Nachrichten  vor.

                                                                                         Oberste  Heeresleitung.

                              Gefechte  am  Chatt-el-Arab.

Auf  dem  Chat-el-Arab  fand,  wie  der  „Deutschen  Tageszeitung“  aus
Pera  berichtet  wird,  ein  Gefecht  zwischen  einem  türkischen  Monitor  und
einem  englischen  Kanonenboot  statt.  Hierbei  gerieten  die  englischen
Petrollager  von  Abadan  in  Brand.  Das  englische  Kanonenboot  floh
gleichfalls  brennend.  Der  Monitor  kehrte  heil  nach  Basra  zurück.  Die
sonstige  Lage  ist  unverändert.  Die  Türken  feiern  das  Schwinden  des
englischen  Seeprestiges  infolge  des  deutschen  Seesieges  bei  Chile.

W.T.  B.  London,  8.  November.  Nach  einer  amtlichen  Mitteilung
haben  eine  indische  Truppenabteilung  und  eine  Seebrigade  Fao  an  der
Mündung  des  Chat-el-Arab  im  persischen  Golf  nach  einstündigem  Kampf
in  Besitz  genommen.  Sie  hatten  keine  Verwundeten.

                                Die  Senussi  in  Aegypten.

W.T.  B.  Frankfurt  a.  M.,  7.  November.  Der  „Frankf.  Ztg.“
wird  aus  Mailan  d  berichtet:  Nach  einer  Meldung  der  „Stampa“  hat
der  Scheik  der  Senussen  seine  Streitmacht  aus  der  Kyrenaika  zurückgezogen
  und  nach  Aegypten  gegen  die  Engländer  geschickt.  Eine  italienische

bteilung,  die  am  29.  Oktober  von  Zaui  Beda  abging,  gelangte  bis
Mersa,  ohne  einen  Feind  zu  treffen.

                  Der  Kaiser  beim  Heere  des  Generals  v.  Kluck.

Vor  einiger  Zeit  weilte  der  Kaiser  bei  der  Armee  des  Generalobersten
  Kluck.  Folgender  Armeebefehl  wurde  hierauf  für  die  1.  Armee
ausgegeben:

Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König  hatten  die  Gnade,  am
gestrigen  Tage  zum  zweiten  Male  die  1.  Armee  mit  Allerhöchstihrer
Anwesenheit  zu  beehren  und  sich  in  hohem  Grade  lobend  über  den
Zustand  der  Truppen  und  deren  große  Tüchtigkeit  und  hervorragende
Tapferkeit  auszusprechen.  Seine  Majestät  besuchten  gestern  eine  Gefechtsstellung
  und  überzeugten  sich  Allerhöchst  selbst  von  den  Bauten  der
ersten  feuernden  Batterie,  der  Anlage  von  Schützengräben  und  feind-
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                                                  —  711  —

lichen  Stellungen  im  Aisnetal.  Eine  über  das  Grenadier-Regiment
Prinz  Carl  abgehaltene  Parade  mit  Ansprache  an  das  Regiment
in  ausgezeichneter  Haltung  beschloß  die  Anwesenheit  des  Allerhöchsten
Kriegsherrn  bei  den  Truppen.

Auf  der  Fahrt  fielen  aufgestellte  Trains  Seiner  Majestät  in  vorteilhafter
  Weise  auf  und  befahlen  Allerhöchstdieselben  mir,  der
1.  Armee  die  größte  Anerkennung  über  die  bei  den  Armeekorps  bei
widerholtem  Besuche  wahrgenommenen  vortrefflichen  Eindrücke  zur
Kenntnis  der  Armee  zu  bringen.

Indem  ich  mich  dieses  Allerhöchsten  Befehls  entledige,  spreche  ich
den  Herren  Kommandierenden  Generalen,  sowie  den  sämtlichen  unterstellten
  Truppen  meine  Glückwünsche  aus.

                              Vorwärts!                                      gez.  v.  Kluck.


                         Der  Dank  verwundeter  Franzosen.

Die  im  St.  Vinzenz-Krankenhaus  in  Paderborn  untergebrachten
französischen  Soldaten  haben  ihren  Dank  für  die  ihnen  zuteil  gewordene
gute  Behandlung  durch  folgendes  Schreiben  zum  Ausdruck  gebracht:

Paderborn  (Westf.),  Hospital  St.  Vinzenz,  den  4.  Oktober  1914.
         An  den  Herrn  Ministerpräsidenten,  Bordeaux  (Frankreich).
                                        Herr  Präsident!

ZIm  Hinblick  auf  die  sympathische  Aufnahme,  welche  die  verwundeten
  Franzosen  im  Hospital  St.  Vinzenz  erhalten,  ist  es  uns  eine
Pflicht,  Ihnen  Mitteilung  zu  machen  von  dem  lobenswerten  Eifer,
mit  welchem  das  ärztliche  und  Verwaltungspersonal  bemüht  ist,  unsere
Lage  zu  verbessern.  Wir  sind  glücklich,  Ihnen  zu  versichern,  daß  wir
in  dieser  Anstalt  die  vollständigste  und  hingebendste  Sorgfalt  gefunden
haben,  die  genau  derjenigen  entspricht,  die  unseren  deutschen  Kameraden
  gewidmet  wird.  Wir  wissen  wohl,  daß  bei  Beginn  der  Feindseligkeiten
  von  Ihnen  Instruktionen  gegeben  worden  sind,  daß  eine
ähnliche  Haltung  in  den  französischen  Hospitälern  den  fremden  Verwundeten
  dargebracht  wird.  Sie  haben  recht  gehabt,  als  Sie  Vertrauen
  in  die  Hochherzigkeit  des  deutschen  Volkes  setzten,  und  diese
Zeilen  haben  nur  den  Zweck,  Sie  zu  ermutigen,  Ihre  Stellungnahme
beizubehalten.  Tragen  Sie  dazu  bei,  wenn  möglich  in  unserm  teuren
Lande  das  Mitgefühl  gegen  fremde  Verwundete  noch  zu  verstärken,
denn  es  ist  ein  Trost,  im  Exil  fern  vom  Vaterlande  Asyle  zu  finden,
wo  unbeeinflußt  und  großmütig  Friede  und  Nächstenliebe  regieren.

Darunter  folgen  36  Unterschriften  von  Unteroffizieren  und  Soldaten
der  verschiedenen  französischen  Regimenter.  Die  photographische  Wiedergabe
  des  Originalschreibens  liegt  dem  Kriegsministerium  in  Berlin  vor.

                                                                         (Berl.  Tageblatt,  8.  November.)

                              Eine  Kaiserrede  in  Feindesland.

Ein  Arzt,  der  im  Felde  steht,  schreibt  dem  Berl.  Tageblatt  vom
4.  November:
  Ein  sommerlich  warmer  Tag:  der  1.  November  1914.  Die  seit  vierzehn
  Tagen  von  den  Deutschen  besetzte  Stadt  zeigt  militärisches
                                                                                                 45*
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                                                          —  712  —

Geprage.  Munitions=  und  Proviantkolonnen  passieren  die  Stadt.  Rote-Kreuz-Wagen
  mit  der  Flagge  der  Genfer  Konvention  bringen  Verwundete
  vom  nahen  Schlachtfeld,  und  der  Kanonendonner  dröhnt  dumpf
und  wuchtig  durch  die  Luft.  .

Feindliche  Flieger  ziehen  ihre  Kreise  über  der  Stadt,  und  sofort  geht
ein  ohrenbetäubendes  Geknatter  los,  bis  der  feindliche  Vogel  höher  und
höher  steigt  und  in  der  Ferne  verschwindet.

Plötzlich  heißt  es,  der  Kaiser  kommt  nach  ..  Die  Belgier  stecken
die  Köpfe  zusammen.  „Wie  sieht  er  aus?  Ist  es  wahr?"“  wird  man
gefragt.  Truppen  ziehen  durch  die  Stadt  zum  Marktplatz,  und  Punkt
3  Uhr  erscheint  der  Kaiser  im  Automobil,  umgeben  von  seinem  Stabe.

Der  Kaiser  sieht  entgegen  allen  anderen  Meldungen  ganz  vorzüglich
aus;  frisch  und  fast  sorglos  heiter  schreitet  er  wie  bei  der  Parade  die
Front  ab  und  begrüßt  jeden  Truppenteil  mit  einem  kräftigen  „Guten
Tag,  Kameraden“,  dem  ein  kräftiges  „Guten  Tag,  Majestät“  entgegenschallt.
  Viele  Soldaten  und  Offiziere  werden  ins  Gespräch  gezogen;  zum
Schluß  versammeln  sich  alle  Offiziere  um  ihren  obersten  Kriegsherrn,  der
folgende  Rede  hält:

Meine  Herren,  mit  Freuden  habe  ich  gehört,  daß  sich  die  Kavallerie
  tadellos  geschlagen  hat;  der  Kavallerie  ist  in  diesem  Kriege  eine
Aufgabe  zuteil  geworden,  wie  ich  sie  nie  geglaubt  hätte.  Es  ist  vielleicht
  meine  Schuld,  daß  ich  in  die  Friedensausbildung  nicht  das
aufnahm,  was  die  Kavallerie  hier  ausüben  mußte.  Mit  Seitengewehr
und  Spaten  hat  die  Kavallerie  gekämpft,  und  General  v.  Marwitz  hat
mir  gesagt,  daß  die  Infanterie  gern  und  mit  Stolz  mit  der  Kavallerie
gekämpft  und  gestürmt  hat.

Mit  Freude  habe  ich  vernommen,  daß  die  Soldaten  nur  ungern
die  Schützengräben  verlassen  haben,  um  sich  von  ihren  Strapazen  etwas
zu  erholen.  Ich  hoffe  aber,  daß  die  Kavallerie  noch  Gelegenheit  haben
wird,  von  ihrer  Lanze  Gebrauch  zu  machen,  wenn  es  mit  der  Hilfe
des  lieben  Gottes,  der  uns  schon  so  viele  Erfolge  gegeben  hat,  gelingen
wird,  den  Feind  zu  umkreisen!  Ich  danke  Ihnen,  meine  Herren!

Hierauf  brachten  General  v.  Marwitz  und  sämtliche  Offiziere  ein
donnerndes  Hurra  auf  ihren  obersten  Kriegsherrn  aus,  und  der  Kaiser,
der  Mantel,  Helm  und  Ueberzug  und  in  der  linken  Hand  den  Feldmarschallstab
  trug,  bestieg  mit  seinem  Stab  das  Auto.


Die  Aeltesten  der  Berliner  Kaufmannschaft  an  den  Grohadmiral
                                                     von  Tirpitz.
                                                                         Berlin,  9.  November.

Die  Aeltesten  der  Kaufmannschaft  von  Berlin  haben  folgendes  Telegramm
  an  Exzellenz  von  Tirpitz  gesandt:

Großadmiral  von  Tirpitz,  Staatssekretär  des  Reichsmarineamtes,
Großes  Hauptquartier.  Mit  Bewunderung  und  Stolz  hat  das  deutsche
Volk  die  Helden  von  Tsingtau  die  Errungenschaften  deutscher  Kulturarbeit
  verteidigen  sehen.  Nun  haben  sie  der  Uebermacht  des  neiderfüllten
  Feindes  weichen  müssen.  Tiefster  Schmerz  ohne  Klage  bewegt
unser  aller  Herz  angesichts  des  Verlustes  eines  Kulturwerks,  dem  Eure
Exzellenz  in  so  umfassender  Weise  Ihre  Kraft  und  Tätigkeit  gewidmet
haben.  Aber  größer  ist  unser  Glaube  und  unsere  Zuversicht,  daß
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                                                      —  713  —

Deutschlands  heiliges  Pflichtgefühl  und  eiserne  Kraft  wieder  aufbauen,
festigen  und  weiter  führen  werden,  was  gewissenloser  Frevelmut  für
jetzt  zerstört  hat.  Die  Aeltesten  der  Kaufmannschaft  von  Berlin.

                                       (Deutsche  Tageszeitung,  9.  November.)


       Erneute  Beschiehung  von  Sewastopol  durch  die  Türken.

                                                                  Amsterdam,  8.  November.

Ein  türkisches  Kriegsschiff  erschien  nach  Pariser  Meldungen  plötzlich
wieder  vor  Sewastopol  und  begann  mit  der  Beschießung  der  Stadt.  Nach
den  letzten  Berichten  hält  die  Beschießung  an.  Weiter  wird  gemeldet,
einem  türkischen  Panzerkreuzer  sei  es  während  des  Angriffs  der  türlischen
  Flotte  vor  Sewastopol  gelungen,  vor  der  Hafeneinfahrt  Minen
zu  legen.  Die  im  dortigen  Hafen  befindlichen  Schiffe  der  Schwarzmeerflotte
  seien  infolgedessen  bis  zur  Unschädlichmachung  der  Minen  von  der
Ausfahrt  abgeschnitten.

             Die  Russen  am  Wysztytersee  geschlagen.
                         Der  heutige  Generalstabsbericht.

                                   Großes  Hauptquartier,  9.  November,  vorm.

Wieder  richteten  gestern  nachmittag  mehrere  feindliche  Schiffe  ihr
Feuer  gegen  unseren  rechten  Flügel,  sie  wurden  aber  durch  unsere  Artillerie
  schnell  vertrieben.

Ein  in  den  Abendstunden  aus  Nieuport  heraus  unternommener
und  in  der  Nacht  wiederholter  Vorstoß  des  Feindes  scheiterte  gänzlich.

Trotz  hartnäckigsten  Widerstandes  schritten  unsere  Angriffe  bei  Ypern
langsam,  aber  stetig  vorwärts.  Feindliche  Gegenangriffe  südwestlich
Ypern.  wurden  abgewiesen  und  mehrere  hundert  Mann  zu  Gefangenen
gemacht.  

Im  Osten  wurde  ein  Angriff  starker  russischer  Kräfte  nördlich  des
Wysztytersees  unter  schweren  Verlusten  für  den  Feind  zurückgeschlagen.
Die  Russen  ließen  über  4000  Mann  als  Gefangene  und  zehn  Maschinengewehre
  in  unseren  Händen.  (W.  T.B.)

                                   Oberste  Heeresleitung.

                   Auszeichnung  unseres  Kreuzergeschwaders.

Dem  Vizeadmiral  Grafen  von  Spee,  dem  Führer  des  deutschen
Geschwaders  an  der  chilenischen  Küste,  ist  das  Eiserne  Kreuz  1.  und  2.
Klasse  verliehen  worden.  Eine  Anzahl  Offiziere  und  Mannschaften  erhielten
  das  Eiserne  Kreuz  2.  Klasse.  (W.T.B.)

                       Die  Russen  im  Kaukasus  geschlagen.

                                                                 Konstantinopel,  9.  November.

Die  über  die  russisch-transkaukasische  Grenze  vorgerückte  türkische
Kavallerie  griff  bei  Kagyzman  (Provinz  Kars)  das  Zentrum  der  russischen
  Kräfte  an,  das  stark  verschanzt  war.  Nach  einer  zweitägigen  heftigen
  Schlacht  wurde  der  Feind  geschlagen  und  die  von  ihm  verlassene
Stellung  von  den  Türken  besetzt.  Weitere  Einzelheiten  sind  noch  nicht
bekannt.  (W.T.  B.)
        <pb n="189" />
                                                          —  714  —

                            Zum  Falle  von  Tsingtau.

                                                             W.T.  B.  Tokio,  8.  November.
Die  Japaner  haben  bei  dem  Sturm  auf  Tsingtau  2300  Gefangene
gemacht.  Sie  hatten  einen  Verlust  von  14  verwundeten  Offizieren  und
426  getöteten  oder  verwundeten  Soldaten.


                           Kaiser  Franz  Joseph  und  der  Sultan.
                                            Ein  Telegrammwechsel.

                                                           Konstantinopel,  9.  November.
Zwischen  Kaiser  und  König  Franz  Joseph  und  dem  Sultan  Mehmed
hat  ein  Depeschenwechsel  stattgefunden.  Das  Telegramm  Kaiser  Franz
Josephs  hatte  folgenden  Wortlaut:

„In  diesem  feierlichen  Augenblick,  da  das  Ottomanische  Reich,
genötigt,  für  seine  Ehre  und  für  die  Wahrung  seiner  obersten  Interessen
  zu  kämpfen,  sich  auf  die  Seite  Oesterreich-Ungarns  und  seines
Verbündeten,  Deutschland,  stellt,  liegt  es  mir  sehr  am  Herzen,  Eurer
Kaiserlichen  Majestät  die  hohe  Genugtuung  auszudrücken,  die  ich
darüber  empfinde,  unsere  Heere,  unsere  Flotten  in  edler  und  hehrer
Begeisterung  für  die  Unversehrtheit  und  den  Ruhm  des  Vaterlandes
kämpfen  zu  sehen.  Es  freut  mich  in  diesem  glücklichen  Beginn  der
Aktion  der  Flotte  Eurer  Kaiserlichen  Majestät  ein  Unterpfand  und  ein
gutes  Vorzeichen  zu  erblicken  für  den  Erfolg  unserer  Waffen  in  dem
Kampfe,  der  uns  von  unseren  Feinden  aufgezwungen  worden  ist,  und
für  die  dauerhafte  und  ruhmvolle  Zukunft  unserer  Völker.

                                                                                         Franz  Joseph.“
 Das  Antworttelegramm  des  Sultans  lautete:

„Ich  habe  das  Telegramm,  das  Eure  Majestät  an  mich  zu  richten
die  Güte  hatten,  mit  dem  größten  Vergnügen  erhalten.  Gestützt  auf
mein  Recht  und  im  Vertrauen  auf  den  Allmächtigen  habe  ich  den  von
unseren  gemeinsamen  Feinden  aufgedrängten  Kampf  angenommen.
Ich  kann  Eurer  Majestät  versichern,  daß  ich  meinerseits  die  lebhafteste
Befriedigung  darüber  empfinde,  meine  Heere  mit  den  glorreichen
Heeren  Oesterreich-Ungarns  und  Deutschlands  für  die  Verteidigung
unserer  heiligsten  Rechte  kämpfen  zu  sehen.  Ich  habe  die  feste  Hoffnung,
  daß  der  Allerhöchste  die  heilige  Sache  der  Gerechtigkeit  durch
den  Sieg  unserer  Heere  triumphieren  lassen  wird.  Ich  lege  Wert
darauf,  Eurer  Majestät  meine  große  Bewunderung  für  die  ruhmvollen
Taten  Ihrer  Heere  auszudrücken  und  hege  die  aufrichtigsten  Wünsche
für  unsere  gemeinsamen  Erfolge.  Mehmed  V.“


                      Zwei  serbische  Armeen  geschlagen.
               Die  serbische  Hauptmacht  auf  dem  Rückzuge.

·                                                              Wien,  9.  November.  (W.T.B.)
Amtlich  wird  gemeldet:  9.  November.  Unsere  Operationen  auf  dem
südlichen  Kriegsschauplatz  nehmen  einen  durchweg  günstigen  Verlauf.
Während  jedoch  unsere  Vorrückung  über  die  Linie  Schabatz—Ljesnica
an  den  stark  verschanzten  Bergfüßen  auf  zähesten  Widerstand  stieß,  haben
die  dreitägigen  Kämpfe  in  der  Linie  Losnica—Krupanj—Ljubopija
bereits  mit  einem  durchgreifenden  Erfolge  geendet.
        <pb n="190" />
                                                         —  715  —

Der  hier  befindliche  Gegner  bestand  aus  der  serbischen  3.  Armee,
General  Paul  Sturm,  und  der  1.  Armee,  General  Peter  Bojowitsch,  mit
zusammen  sechs  Divisionen,  120  000  Mann.

Die  beiden  Armeen  befinden  sich  nach  dem  Verlust  ihrer  tapfer  verteidigten
  Stellungen  seit  gestern  im  Rückzuge  gegen  Valjevo.  Unsere
siegreichen  Korps  erreichten  gestern  abend  die  Loznica  östlich  dominietenden
  Höhen  und  den  Hauptrücken  der  Sokolska  Planina,  südöstlich
Krupanj.  Zahlreiche  Gefangene  und  erbeutetes  Kriegsmaterial.

Details  fehlen.

                      Der  Kaiser  über  Tsingtaus  Heldenkampf.

Auf  das  Telegramm  des  Reichstagspräsidenten  Dr.  Kaempf  zum
Falle  Tsingtaus  an  den  Kaiser  ist  jetzt  die  nachstehende  Antwort  eingegangen:


„Ich  danke  Ihnen  für  den  Ausdruck  der  Gefühle  des  Schmerzes
und  des  Vertrauens  auf  die  Zukunft,  von  welchem  der  Reichstag  und
alle  deutschen  Herzen  angesichts  des  Falles  von  Tsingtau  erfüllt  sind.
Die  heldenmütige  Verteidigung  der  in  langjähriger  Arbeit  geschaffenen
  Musterstätte  deutscher  Kultur  bildet  ein  neues  Ruhmesblatt  für
den  Geist  der  Treue  bis  zum  Tode,  den  das  deutsche  Volk  mit  seinem
Heer  und  seiner  Flotte  in  dem  gegenwärtigen  Verteidigungskampf
gegen  eine  Welt  von  Haß,  Neid  und  Begehrlichkeit  schon  so  mannigfach
—  will's  Gott  nicht  vergeblich  —  betätigt  hat.

                                                                                      Wilhelm  J.  R.“

Der  Reichstagspräsident  hat  ferner  an  den  Staatssekretär  des
Reichsmarineamts,    Großadmiral  v.  Tirpitz,  folgendes  Telegramm  gerichtet:


„Die  Gefühle  tiefer  Bewegung,  die  das  deutsche  Volk  angesichts
des  Falles  von  Tsingtau  beseelen,  finden  in  Euer  Exzellenz  Brust
einen  besonders  schmerzlichen  Widerhall.  Sehen  doch  Euer  Exzellenz
für  jetzt  ein  Stück  Ihrer  Lebensarbeit  durch  die  Kugeln  unserer
Feinde  vernichtet,  die  in  ihrer  Verblendung  nicht  wissen,  daß  das
deutsche  Kulturleben  aus  jeder  Wunde,  die  ihm  geschlagen  wird,  nur
um  so  größere  Kraft  und  Stärke  schöpft,  um  die  Aufgabe  zu  erfüllen,
die  ihm  in  dieser  Welt  zugefallen.  Aus  den  blutigen  Trümmern  von
Tsingtau  wird  eine  Saat  erwachsen,  die  den  Wahn  unserer  Feinde,
die  deutsche  Kulturarbeit  im  fernen  Osten  zerstören  zu  können,  zu
schanden  macht.  So  wird  Euer  Exzellenz  segensreiche  Tätigkeit,  die
von  dem  Verständnis  der  ganzen  Nation  getragen  worden,  nicht  vergeblich
  gewesen  sein  und  für  alle  Zeiten  dem  deutschen  Namen  und
der  deutschen  Kulturentwickelung  zum  Heil  und  zur  Ehre  gereichen.

Auf  dieses  Telegramm  ist  folgende  Antwort  eingegangen:

„Euer  Hochwohlgeboren  sage  ich  meinen  tiefgefühltesten  Dank  für
die  warm  empfundenen  Worte,  die  Sie  anläßlich  des  Falles  von  Tsingtau
  an  mich  gerichtet  haben.  Die  große  und  von  aller  Welt  bewunderte
  Arbeit,  die  Deutschland  dort  im  fernen  Osten  in  einer  kurzen
Spanne  von  Jahren  geleistet  hat,  verdankt  das  Reichsmarineamt  in
erster  Linie  der  verständnisvollen  und  eifrigen  Mitwirkung  des  Deutschen
  Reichstages,  der  es  voll  erfaßt  hatte,  daß  es  sich  hierbei  nicht  um
        <pb n="191" />
                                                        —  716  —

Eroberungspolitik  und  Gewaltherrschaft,  sondern  nur  um  das  Be—
streben  handelte,  deutscher  Kultur  und  deutschem  Handelsgeist  im
fernen  Osten  ein  friedliches  Eingangstor  zu  erbauen  und  zu  sichern.
Je  weiter  die  Entwicklung  Tsingtaus  fortschritt,  desto  mehr  fand  sie
die  Anerkennung  der  einsichtigen  Chinesen  und  der  im  fernen  Osten
residierenden  fremden  Kaufleute.  Neid  und  Verblendung  verlangte
zu  Beginn  des  Krieges  die  Aufgabe  unseres  herrlichen  Werkes  in
einer  Form,  mit  welcher  sich  die  Ehre  der  deutschen  Nation  nicht  abfinden
  konnte.  Jetzt  ist  es  vor  gewaltiger  Uebermacht  gefallen  nach
einer  heldenhaften  Verteidigung,  die  ein  stolzer  Beweis  deutscher
Kraft  und  Pflichttreue  ist,  ein  glänzendes  Vorbild  für  unsere  kommenden
  Geschlechter.  Möge  in  dem  gewaltigen  uns  aufgezwungenen
Existenzkampfe,  in  dem  wir  jetzt  stehen,  das  deutsche  Volk  sich  überall
bewußt  bleiben,  daß  es  verpflichtet  ist,  deutsche  Mannhaftigkeit,
Wahrhaftigkeit  und  Pflichttreue  seinen  kommenden  Generationen  als
heiliges  Erbteil  zu  überliefern,  und  ihnen  damit  die  Bedingungen  zu
schaffen,  den  Frieden  und  Wahrheit  spendenden  Einfluß  deutschen
Wesens  und  deutscher  Kultur  auf  der  Welt  zu  erhalten  und  zu
fördern.“  (Berl.  Tageblatt,  10.  November.)

                          Der  Kampf  im  Westen.
                                        Amtlich.

                Großes  Hauptgquartier,  10.  November,  vormittags.

Unsere  Angriffe  bei  Ypern  schritten  auch  gestern  langsam  vorwärts.
Ueber  500  Franzosen,  Farbige  und  Engländer  wurden  gefangen  genommen
  und  mehrere  Maschinengewehre  erbeutet.

Auch  weiter  südlich  arbeiteten  sich  unsere  Truppen  vor.  Heftige
Gegenangriffe  der  Engländer  wurden  zurückgewiesen.

Im  Argonnerwalde  machten  wir  gute  Fortschritte,  feindliche  Vorstöße
  wurden  leicht  abgewehrt.

In  Russisch-Polen  bei  Konin  zersprengte  unsere  Kavallerie  ein
russisches  Bataillon,  nahm  500  Mann  gefangen  und  erbeutete  acht

Maschinengewehre.                      Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)


                    Keine  Beschimpfung  von  Engländern.
Die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“  vom  10.  NRovember  schreibt:

Das  in  Amsterdam  erscheinende  Blatt  „De  Tijd“  brachte  am
16.  Oktober  aus  Maastricht  eine  Mitteilung  seines  Kriegsberichterstatters,
  worin  dieser  behauptet:

Er  sei  am  9.  Oktober  mit  einem  Zuge,  in  dem  über  2000  Verwundete
  befördert  wurden,  auf  der  Station  Landen  in  Belgien
zwischen  Thienen  und  Waremme  eingetroffen;  hier  sei  zur  Speisung
der  Verwundeten  ein  Aufenthalt  von  40  Minuten  gewesen.  Auf  dem
Bahnhof  auf--  und  niedergehend,  habe  er  gesehen,  wie  vor  einem  der
letzten  Wagen  des  Zuges  200  bis  300  deutsche  Soldaten,  Leichtverwundete
  und  Leute  von  der  Besatzung  in  Landen  sich  in  tobenden
Beschimpfungen  gegen  drei  im  Wagen  liegende  schwerverwundete
Engländer  ergingen,  den  Hungernden  die  Tassen  mit  der  dampfenden
Suppe  von  ferne  zeigten  und  sie  elendiglich  darben  ließen.  Man  habe
        <pb n="192" />
                                                      —  717  —

ihnen  auch  unter  rohem  Lachen  die  Gewehre  entgegengehalten  und  auf
sie  gespien.

Die  Behauptungen  des  Berichterstatters  der  „Tijd“  haben  zu  einer
Untersuchung  durch  die  zuständigen  Behörden  Anlaß  gegeben.  Hiernach
ist  über  die  angeblichen  Vorgänge  auf  dem  Bahnhofe  in  Landen  folgendes
  festgestellt:  Am  9.  Oktober  ist  kein  Zug  mit  2000  Verwundeten  in
Landen  eingetroffen,  sondern  nur  kleinere  Transporte,  deren  genaue
Stärke  aus  den  Verpflegungsberechnungen  hervorgeht.  Ansammlungen
von  200  bis  300  Soldaten  an  einem  Wagen  können  nicht  vorkommen,
weil  der  Posten  Anweisung  hat,  die  Rampe  frei  zu  halten.  Außerdem
befindet  sich  stets  mindestens  ein  Offizier  der  Bahnhofskommandantur
bei  der  Abfertigung  eines  Verwundetenzuges.  Es  ist  unmöglich,  daß
die  Soldaten  ihre  Gewehre  auf  die  Engländer  angelegt  haben,  weil
die  Mannschaften,  welche  in  der  Speisehalle  beköstigt  werden,  und  die
Bedienungsmannschaften  stets  ohne  Waffen  sind.  Andere  Soldaten
haben  keinen  Zutritt.  Die  Engländer  sind  weder  geschlagen,  noch  gestoßen,
  noch  bespien  worden,  sondern  es  ist  ihnen  ein  Teller  warmer
Suppe  angeboten  worden,  dessen  Annahme  zwei  verweigert  haben.  Dies
ist  durch  die  Aussagen  von  Beteiligten  bezeugt.


                                   Japan  raubt  weiter.

Die  „Nowoje  Wremsja“  berichtet  aus  Peking:  Die  japanische  Rerung
  verlangt  von  China  auch  die  kurz  vor  Kriegsausbruch  an
Deutschland  erteilte  Bahnkonzession  Tsinanfu—Sinanfu  für  sich.  Diese
Konzession  beträfe  die  Linie  Tsinanfu  nach  der  Peking—Hankau-Bahn
und  eine  zweite  Linie  von  Kaomi  nach  Hsytschoufou.  Da  China  „neutraler
  Staat“  ist,  könnte  Japan  ebensogut  alles  deutsche  Privateigentum
  in  China  verlangen.  Und  dabei  wollte  doch  angeblich  Japan
Kiautschou  „eventuell“  an  China  zurückgeben.  Statt  zurückzugeben,  raubt
also  der  gelbe  Räuber  noch  mehr!  ...  (Tägl.  Rundschau,  10.  November.)

                                 Englische  Barbarei.

Generalleutnant  v.  Hellingrath,  der  Inspekteur  der  Etappeninspektion
  Cambrai,  hat,  den  „Münchener  Neuesten  Nachrichten“  zufolge,  dort
am  30.  Oktober  folgende  Bekanntmachung  durch  Maueranschlag  verbreiten

  lassen:.
                                    Englische  Kriegführung.

Jedem  —  Sodaten  und  Einwohner  —  ist  gestattet,  unter  Aufsicht
der  Wache  das  ausgestellte  englische  Gewehr  und  eine  Anzahl  Dum-Dum-Geschosse,
  wie  sie  mit  abgebrochenen  Spitzen  in  den  Taschen  der  englischen
  Patrouillen  gefunden  worden,  zu  besichtigen.  Der  Bleikern  der
Patrone  besteht  aus  zwei  Teilen,  die  durch  den  Stahlmantel  zusammengehalten
  werden.  Durch  das  Hineinstecken  der  Geschoßspitze  in  das  Loch
der  Magazinsperre  und  durch  leichten  Druck  bricht  die  Geschoßspitze  ab;
die  Patrone  wird  zum  Dum-Dum-Eeschoß.  Das  ist  die  roheste  Art  der
Kriegsführung!  Das  Dum-Dumeschoß  ist  zum  Schutz  des  Menschen
gegen  die  Bestien  Asiens  und  Afrikas  erfunden.  Ein  Schuß  soll  das
größte  Tier  zerreißen.  Die  Haager  Konvention  verbietet  ausdrücklich
die  Verwendung  solcher  Mordwerkzeuge  gegen  Menschen.  Die  Anwen-
        <pb n="193" />
                                                —  718  —

dung  der  Dum-Dum-Geschosse  zeigt,  auf  welch  niedriger  Stufe  das  „Kulturvolk“
  der  Engländer  steht!

Tambra  i,  den  30.  Oktober  1914.

                                        von  Hellingrath,
                          Generalleutnant  und  Etappeninspekteur.“

Die  Bekanntmachung  ist  in  deutscher  und  französischer  Sprache  abgefaßt,
  damit  sich  auch  die  einheimische  Bevölkerung  von  der  vornehmen
Kampfesweise  der  Engländer  überzeugen  kann.

Oesterreichische  Fortschritte  in  Serbien.

                                                                               Wien,  10.  November.

Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:  Die  erbitterten
  Kämpfe  an  den  Bergfüßen  der  Linie  Schabatz—Ljeschnitza  wurden
auch  gestern  bis  in  die  Nacht  fortgesetzt  und  hierbei  einzelne  der  feindlichen,
  stark  verschanzten  Stellungen  erstürmt.  Südlich  der  Planina
drangen  unsere  siegreichen  Truppen  auf  dem  tags  zuvor  erreichten  Raume
östlich  Losnitza—Krupanj—Ljubovija  weiter  vor.  Auch  hier  kam  es
zu  hartnäckigen  Kämpfen  mit  den  Nachhuten  des  Gegners,  die  sämtlich
in  kurzer  Zeit  geworfen  wurden.  Unter  den  zahlreichen  Gefangenen
befindet  sich  auch  Oberst  Radakovic,  unter  den  erbeuteten  Geschützen
eine  moderne  schwere  Kanone.  (Voss.  Ztg.,  11.  November.)


                                   Dixmuiden  gestürmt.
(Amtlich.)  Großes  Hauptquartier,  11.  November,  vormittags.

Am  Merabschnitte  machten  wir  gestern  gute  Fortschritte.  Dixmuiden
wurde  erstürmt,  mehr  als  500  Gefangene  und  9  Maschinengewehre  fielen
in  unsere  Hände.  .

Weiter  südlich  drangen  unsere  Truppen  über  den  Kanal  vor.

Westlich  Langemarck  brachen  junge  Regimenter  unter  dem  Gesange
„Deutschland,  Deutschland  über  alles“  gegen  die  erste  Linie  der  feind—
lichen  Stellungen  vor  und  nahmen  ste.  Etwa  2000  Mann  französischer
Linieninfanterie  wurden  gefangen  und  sechs  Maschinengewehre  erbeutet.

Südlich  Mern  vertrieben  wir  den  Gegner  aus  St.  Eloi,  um  das
mehrere  Tage  erbittert  gekämpft  worden  ist.  Etwa  1000  Gefangene  und
6  Maschinengewehre  gingen  dort  in  unseren  Besitz  über.  «

Trotz  mehrfacher  heftiger  Gegenangriffe  der  Engländer  blieben  die
beherrschenden  Höhen  nördlich  Armentières  in  unserer  Hand.

Südwestlich  Lille  kam  unser  Angriff  vorwärts.

Große  Verluste  erlitten  die  Franzosen  bei  dem  Versuch,  die  beherrschende
  Höhe  nördlich  Vienne  Le  Chateau  am  Westrand  der  Argonnen
  zurückzuerobern.  Auch  im  Argonnenwalde  sowie  nordöstlich  und
südlich  Verdun  wurden  französische  Vorstöße  überall  zurückgeworfen.

Vom  östlichen  Kriegsschauplatz  liegen  keine  Nachrichten  vor.

                                                             Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)


                      „Freundschaftlicher“  Protest  Amerikas.

Stockholm,  10.  November.  Nach  einer  Privatmeldung  an  das
„Svenska  Dagblad“  aus  London  haben  die  Vereinigten  Staaten  einen
freundschaftlichen  Protest  an  das  englische  Ministerium  des  Aeußern
        <pb n="194" />
                                                  —  719  —

gerichtet  bezüglich  des  Auftretens  der  englischen  Regierung  gegenüber  der
neutralen  Schiffahrt.  In  der  Note  wird  hervorgehoben,  daß  die  Engländer
  das  gesetzliche  Recht  überschreiten,  wenn  sie  Schiffsgut  beschlagnahmen
  und  zurückbehalten,  das  nur  unter  gewissen  Umständen  als  Kriegskonterbande
  betrachtet  werden  kann,  und  zwar  dieses  unter  Hinweis
darauf,  daß  die  jeweiligen  neutralen  Staaten  größere  Mengen  Waren
zur  Weiterbeförderung  nach  Deutschland  einführen.  Die  Vereinigten
Staaten  fordern,  daß  England,  um  einen  derartigen  Import  zum  Feinde
zu  verhindern,  ein  Uebereinkommen  mit  den  neutralen  Ländern
treffen  muß.  (Dtsch.  Tagesztg.,  11.  Nov.)

                                 Ein  Sieg  Dewets.

                                                                      London,  10.  November.

Das  Reutersche  Büro  meldet  aus  Pretoria  von  gestern:  Der  Führer
der  Aufständischen  Dewet  gewann  Fühlung  mit  einer  Abteilung  Regierungstruppen,
  die  unter  dem  Kommando  des  Mitgliedes  der  Gesetzgebenden
  Versammlung  Cronje  stand,  und  zersprengte  sie.  Der  Sohn
Dewets  fiel  in  dem  Gefecht.  Ein  Burenkommando,  das  sich  in  Zoutmansdrift
  befand,  ist  nordwärts  nach  dem  Bezirk  von  Waterberg  gegangen
und  wird  durch  Kommandant  van  Deventer  verfolgt.  Die  Rebellen  waren
gestern  bei  Warmbaths.

Das  Mitglied  der  gesetzgebenden  Versammlung  Cronje  hat  am
7.  November  mit  einem  Regierungskommando  Winburg  mit  dem  Auftrage
  verlassen,  andere  Kommandos  in  der  Umgebung  zu  sammeln.  Es
wurde  gemeldet,  daß  General  Dewet  mit  2000  Mann  sich  in  der  Nachbarschaft
  befand.  Dewet  griff  Cronje  bei  Doornberg  an  der  Brücke  über
den  Zandfluß  mit  dem  Ergebnis  an,  daß  Cronje  20  Buren,  darunter  elf
Verwundete,  gefangen  nahm.  10  Buren  fielen.  Dewet  erhielt  jedoch
Verstärkungen,  denen  es  gelang,  die  Gefangenen  zu  befreien  und  Cronjes
Wagen  zu  erbeuten.  (Voss.  Ztg.,  11.  Noo


Der  gothaische  Landtag  und  die  Thronfolge  in  Koburg-Gotha.

Wir  hatten  bereits  mitgeteilt,  daß  der  gemeinschaftliche  Landtag  der
Herzogtümer  Koburg  und  Gotha  eine  Erklärung  gegen  die  Thronfolge
außerdeutscher  Mitglieder  des  koburg-gothaischen  Fürstenhauses  in  den
beiden  Herzogtümern  beschlossen  und  veröffentlicht  hatte.  Jetzt  hat  der
Ausschuß  des  gothaischen  Landtages  der  Staatsregierung  folgenden  einstimmigen
  Beschluß  übermittelt:

„Der  Ausschuß  des  Landtages  für  das  Herzogtum  Gotha  billigt
das  Ersuchen  des  Ausschusses  des  gemeinschaftlichen  Landtags  an  die
Herzogliche  Staatsregierung,  eine  Abänderung  des  Staatsgrundgesetzes
und  des  Gesetzes  über  die  Thronfolge  dahin  herbeizuführen,  daß  Angehörige
  außerdeutscher  Staaten  von  der  Nachfolge  in  der  Regierung
der  Herzogtümer  ausgeschlossen  sind.“

Zur  Erläuterung  des  Beschlusses  bemerkt  der  Ausschuß  folgendes:

„Die  verfassungsmäßigen  Zuständigkeiten  des  gemeinschaftlichen
Landtags=  und  der  Sonderlandtage  der  Herzogtümer  Koburg  und  Gotha
haben  das  getrennte  Vorgehen  des  gemeinschaftlichen  und  des  Gothaer
Landtagsausschusses  bedingt.  Sachlich  sind  beide  Ausschüsse  vollkommen
einig.  Nach  der  jetzt  gültigen  Erbfolgeordnung  würde  in  dem  unerwünschten
  Falle  des  Aussterbens  der  von  Herzog  Carl  Eduard  be-
        <pb n="195" />
                                                     —  720  —

gründeten  Linie  zunächst  die  englische,  dann  die  portugiesische,  danach
die  österreichisch-bulgarische  und  endlich  die  belgische  Linie  des  koburggothaischen
  Hauses  erbfolgeberechtigt  sein,  bevor  die  sachsen-meiningische
und  schließlich  die  sachsen-altenburgische  Linie  erbfolgeberechtigt  ist.“
Uebrigens  wendet  sich  der  Landtagsausschuß  nicht  nur  gegen  die
Thronfolge  der  ausländischen  Thronanwärter,  sondern  auch  dagegen,  daß
diese  berechtigt  bleiben  sollen,  als  Erben  an  den  gothaischen  Hausfideikommissen
  teilzunehmen.  (Dtsch.  Tagesztg.,  11.  Nov.)

                         Das  letzte  Gefecht  der  „Emden“.
                  Die  „Königsberg"“  im  Rufijifluß  eingeschlossen.
                              Amtlich.  (W.T.  B.)         Berlin,  11.  November.

Nach  amtlicher  Bekanntmachung  der  englischen  Admiralität  wurde
S.  M.  S.  „Emden"“  am  9.  November  früh  bei  den  Cocosinseln  im  Indischen
  Ozean,  während  eine  Landungsabteilung  zur  Zerstörung  der  englischen
  Funken=  und  Kabelstation  ausgeschifft  war,  von  dem  australischen
Kreuzer  „Sydney"  angegriffen.  Nach  hartnäckigem,  verlustreichem  Gefecht
  ist  S.  M.  S.  „Emden"  durch  die  überlegene  Artillerie  des  Gegners
in  Brand  geschossen  und  von  der  eigenen  Besatzung  auf  Strand  gesetzt
worden.

Die  englische  Admiralität  gibt  ferner  bekannt,  daß  S.  M.  S.
„Königsberg“  im  Rufidschifluß  (Deutsch-Ostafrika),  sechs  Seemeilen
oberhalb  der  Mündung  von  dem  englischen  Kreuzer  „Chatham“  durch
Versenken  eines  Kohlendampfers  blockiert  worden  ist.  Ein  Teil  der
Besatzung  soll  sich  in  einem  befestigten  Lager  an  Land  verschanzt  haben.
Eine  Beschießung  durch  „Chatham“  scheint  ohne  Wirkung  gewesen

zu  sein.                  Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                                                                Behncke.


         Der  türkische  Vormarsch  in  Aegypten  und  im  Kaukasus.

                                                                    Konstantinopel,  11.  November.

Aus  dem  Hauptquartier  wird  amtlich  mitgeteilt:  Die  gegen  den
Suezkanal  vordringenden  Truppen  haben  an  der  ägyptischen  Grenze
Scheich-Isur  und  die  Festung  El-Arisch  besetzt.  Den  Engländern  wurden
vier  Feldgeschütze  und  viel  Telegraphenmaterial  abgenommen.  Von  der
Bevölkerung  El-Arischs  wurden  die  türkischen  Truppen  mit  Jubel  begrüßt.
  Die  Häuser  waren  geflaggt,  in  den  Moscheen  wurden  Gebete
veranstaltet.  In  Aegypten  ist  alles  für  die  Erhebung  gegen  die  englische
  Herrschaft  bereit.  Im  Kaukasus  dringen  die  türkischen  Truppen
weiter  vor.  Die  Russen  zogen  sich  in  ihre  zweiten  Stellungen  zurück.
Viele  Russen  wurden  bei  den  letzten  Kämpfen  gefangen  genommen.
Auf  dem  griechischen  Hospital  in  Jedikule  bei  Konstantinopel  wurde  eine
Station  für  Funkentelegraphie  entdeckt.  (W.T.  B.)


                          Das  Schicksal  der  „Emden“.
                Neue  Berichte  der  englischen  Admiralität.

Kristiania,  11.  November.  Aus  London  wird  vom  10.  November
  telegraphiert:  Die  englische  Admiralität  teilt  mit:  Eine  große
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                                                      —  721  —

kombinierte  Operation  von  schnellgehenden  Kreuzern  hat  seit  geraumer
Zeit  gegen  den  deutschen  Kreuzer  „Emden“  stattgefunden.  In  diesem
Suchen,  das  sich  über  ein  ungeheures  Gebiet  erstreckte,  sind  die  britischen
Kreuzer  von  französischen,  russischen  und  japanischen  Schiffen,  die  nach
einem  gemeinsamen  Plan  arbeiteten,  unterstützt  worden.  Die  australischen
  Kriegsschiffe  „Melbourne“  und  „Sydney“  erhielten  die  Nachricht,
daß  die  „Emden“  an  der  Insel  Keeling  der  Cocosgruppe  angekommen  sei
und  eine  bewaffnete  Truppenobteilung.  zur  Zerstörung  der  drahtlosen
Station  und  zum  Abschneiden  des  Telegraphenkabels  gelandet  habe.
Daraufhin  wurde  die  „Emden“  von  der  „Sydney“  gesichtet  und  zum
Kampf  gezwungen.  Ein  scharfer  Kampf  fand  statt,  wobei  „Sydney“
drei  Tote  und  fünfzehn  Verwundete  hatte.  Die  „Emden“  wurde  auf  Land
gesetzt  und  brannte.

Rotterdam,  11.  November.  Ueber  den  Angriff  auf  den  Kreuzer
„Königsberg“  meldet  die  englische  Admiralität:  Durch  den  Angriff  auf
den  Kreuzer  „Pegasus“  war  der  Aufenthalt  der  „Königsberg“  angedeutet.
Die  Admiralität  veranlaßte  die  Konzentration  einer  Anzahl  schneller
Kreuzer  in  den  ostafrikanischen  Gewässern.  Am  30.  Oktober  wurde  die
„Königsberg“  von  dem  Kreuzer  „Chatham“  sechs  Meilen  in  der
Rufidschimündung,  der  Mafiainsel  gegenüber,  entdeckt.  Wegen  ihres
Tiefganges  konnte  „Chatham“  die  „Königsberg“  nicht  erreichen;  mutmaßlich
  liegt  die  „Königsberg“,  ausgenommen  bei  Flut,  auf  Grund.  Ein
Teil  der  Besatzung  hatte  auf  dem  Lande  Verschanzungen  angelegt.
„Chatham“  beschoß  die  Verschanzungen  und  den  Kreuzer.  Wegen  eines
dichten  Palmenwaldes  konnte  der  Erfolg  der  Beschießung  nicht  festgestellt
werden.  In  der  engen  Fahrrinne  hat  man  ein  Kohlenschiff  versenkt.
Die  „Königsberg“  ist  also  eingeschlossen,  und  die  schnellen  Kreuzer,  die



die  „Königsberg“  suchten,  werden  nun  für  andere  Zwecke  frei.

Kristiania,  11.  November.  Die  Londoner  Admiralität  hat  an
die  „Sydney“  und  die  australische  Flotte  folgendes  Telegramm  gesandt:
„Die  wärmsten  Glückwünsche  für  das  brillante  Eintreten  der  australischen
  Flotte  und  die  ausgezeichneten  Dienste,  die  diese  der  Sache  der
Verbündeten  und  dem  friedlichen  Handel  durch  die  Zerstörung  von
„Emden“"  geleistet  hat.  (Berl.  Tageblatt,  11.  November.)


                     Neue  österreichisch-ungarische  Erfolge  in  Serbien.

(W.T.  B.)  Wien,  11.  November.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz
wird  amtlich  gemeldet:  In  den  Morgenstunden  des  10.  November  wurden
die  Höhen  von  Misar,  südlich  Schabatz,  nach  viertägigem  verlustreichen
Kampfe  erstürmt  und  hierdurch  der  feindliche  rechte  Flügel  eingedrückt;  es
wurden  zahlreiche  Gefangene  gemacht.  Der  Gegner  mußte  die  stark  befestigte
  Linie  Misar—Cer  Planina  räumen  und  den  Rückzug  antreten.
Starke  feindliche  Nachhuten  leisten  in  vorbereiteten  rückwärtigen  Verteidigungsstellungen
  neuerdings  Widerstand.  Die  Vorrückung  östlich  Losnica—
Krupanj  geht  fließend  vorwärts,  trotz  heftigen  Widerstandes  feindlicher
Nachhuten.  Die  Höhen  östlich  Javlaka  sind  bereits  in  unserem  Besitz.  Soweit
  bisher  bekannt,  wurden  in  den  Kämpfen  vom  6.  bis  10.  d.  M.  zirka
4300  Mann  gefangen,  16  Maschinengewehre,  28  Geschütze,  darunter
1  schweres,  1  Fahne,  mehrere  Munitionswagen  und  sehr  viel  Munition
erbeutet.
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                                                               —  722  —

                          Vom  galizischen  Kriegsschauplatz.

(W.T.  B.)  Wien,  11.  November.  Amtlich  wird  verlautbart  11.  November
  mittags.  Die  Operationen  auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatz
entwickeln  sich  planmäßig  und  ohne  Störung  durch  den  Feind.  In  dem
von  uns  freiwillig  geräumten  Gebiet  Mittelgaliziens  sind  die  Russen  über
die  untere  Wisloka,  über  Rzeszom  und  in  dem  Raum  von  Lisko  vorgerückt.
Przemysl  ist  wieder  eingeschlossen.  »

Im  Stryj-Tale  mußte  eine  feindliche  Gruppe  vor  dem  Feuer  eines
Panzerzuges  und  überraschend  aufgetretener  Kavallerie  unter  großen  Verlusten
  flüchten.  Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes.

                                                        v.  Hoefer,  Generalmajor.

                          Die  türkische  Offensive  im  Kaukasus.

(W.T.  B.)  Konstantinopel,  11.  November.  Aus  dem  Hauptquartier
  der  kaukasischen  Armee  wird  amtlich  mitgeteilt:  Unsere  Armee
greift  die  zweite  Linie  der  russischen  Stellungen  an.  Nach  Angaben  mehrerer
  Gefangener  und  russischer  Deserteure  befinden  sich  die  Russen  moralisch
in  einem  schlechten  Zustande.  Ein  französischer  Kreuzer  und  ein  französischer
  Torpedojäger  gaben  einige  Schüsse  auf  die  Küste  bei  Phokia  und
Deirmendagh  (?)  und  Smyrna  ab.  Als  ihnen  Widerstand  entgegengesetzt
wurde,  entfernten  sie  sich.  Es  wurde  kein  Schaden  angerichtet.

Bevorstehende  Entscheidungskämpfe  in  Serbien.

„Az  Est“  veröffentlicht  einen  Armeebefehl,  den  Feldzeugmeister
Potiorek  am  5.  November  ausgegeben  hat  und  in  dem  er  seinen  Entschluß
ausdrückt,  den  Feldzug  gegen  Serbien  noch  vor  dem  Eintritt  des  Winters
zum  Abschluß  zu  bringen.  Der  Armeebefehl  lautet:

                       „Soldaten  der  fünften  und  sechsten  Armeel!

Wieder  ist  der  Augenblick  gekommen,  um  den  uns  gegenüberstehenden
Feind  mit  vereinten  Kräften  anzugreifen,  unsere  bisherigen  Erfolge  mit
einem  entscheidenden  Angriff  zu  krönen  und  damit  das  Kriegsziel:  die
vollständige  Niederwerfung  des  Feindes,  zu  erreichen.

Mit  frischer  Kraft,  von  einem  ausgezeichneten  Geiste  durchdrungen,
durch  einen  fast  dreimonatigen  Feldzug  an  Körper  und  Seele  gestärkt,  stehen
wir  einem  erschöpften  Feinde  gegenüber,  der  seinen  Leichtsinn,  mit  dem  er
uns  zwang,  das  Schwert  zu  ziehen,  schon  längst  bereut  hat.  Brechen  wir
nunmehr  die  letzte  Kraft  des  Feindes  und  beendigen  wir  diesen  Feldzug,
der  euch  so  schwere  Folgen  auferlegt,  noch  vor  Einbruch  des  Winters.

Soldaten!  Eure  von  unserm  Obersten  Kriegsherrn  so  oft  anerkannte
Tapferkeit  bietet  die  Gewähr,  daß  ihr  alle  auch  bei  dieser  Gelegenheit  eures
Eides  und  eurer  Soldatenpflicht  eingedenk,  getreu  dem  Beispiel  unserer  gefallenen
  Helden  zur  Ueberwindung  des  Feindes  alles  aufbieten  und  Blut
und  Leben  opfern  werdet.  Mit  Gott  für  Kaiser,  König  und  Vaterland!

,  5.  November  1914.                         Potiorek,  Feldzeugmeister.“
                                                                     (Dtsch.  Tagesztg.,  12.  Nov.)
                          Neue  Erfolge  der  Buren.

  Haag,  11.  November.  Das  Reuter-Bureau  meldet  nach  Privat--depeschen:
  Nachdem  de  Wet  mit  einer  2000  Mann  starken  Abteilung  die
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                                                      —  723  —

Streitkräfte  des  Kommandeurs  Cronje  zersprengt  hat,  ist  seine  Vereinigung
mit  anderen  Trupps  Aufständischer  im  Süden  des  Oranjestaates  vorauszusehen.
  Die  Regierung  veranlaßte  die  sofortige  Abreise  von  Verstärkungen
  aus  Kapstadt.  Zwölf  englische  Farmen  wurden  von  de  Wets  Truppen
genommen  und  das  Vieh  weggetrieben.  Südlich  Doornburg  wurde  eine
zeite  Abteilung  von  Regierungstruppen,  250  Mann  stark,  unter  dem
Kommandeur  Geelen  angegriffen  und  mußte  sich  nach  Verlust  von  38  Toten
un#  Gefangenen  zurückziehen.            (Dtsch.  Tagesztg.,  12.  Nov.)


            Ein  japanisches  Torpedoboot  vor  Kiautschon  gesunken.

Tokio,  11.  November.  Ein  japanisches  Torpedoboot  ist  heute  vor
Kiautschon  beim  Minensuchen  gesunken.  Die  Mehrzahl  der  Besatzung
wurde  gerettet.

Telegrammwechsel  der  verbündeten  Marinen  zum  Seekriege  vor  Chile.

Anläßlich  des  Seesieges  an  der  chilenischen  Küste  fand  folgender
Depeschenwechsel  zwischen  der  österreichisch-ungarischen  und  der  deutschen
Marine  statt:

„Zum  glänzenden  Seesiege  an  der  chilenischen  Küste,  welcher  die  beispiellosen
  Erfolge  der  kaiserlich  deutschen  Kreuzer  in  allen  Meeren  herrlich
krönt,  sendet  die  k.  und  k.  Kriegsmarine  der  tapferen  kaiserlich  deutschen
Marine  begeisterten  Glückwunsch.  Admiral  Haus.“

„Kameradschaftlichen  Dank  für  Fhren  und  der  k.  und  k.  Kriegsmarine
Glückwunsch  zu  den  Erfolgen  unserer  Kreuzer.  Großadmiral  v.  Tirpitz.“

                                                          (Berl.  Tagebl.,  12.  Nov.)


Die  offizielle  Kriegserklärung  der  Türkei  an  Rußland,  Frankreich  und
England.
                    Der  Aufruf  an  alle  Mohammedaner.

                     Konstantinopel,  12.  November.

Der  Sultan  hat  ein  Jrade  erlassen,  durch  das  offiziell  erklärt  wird,
daß  die  Türkei  sich  im  Kriegszustand  mit  Rußland,  Frankreich  und  England
  befinde.  Das  Jrade  erinnert  an  den  bekannten  russischen  Angriff
im  Schwarzen  Meer  und  fährt  dann  wörtlich  fort:  „Nachdem  die  türkische
Flotte  diesen  Angriff  zurückgewiesen  hat,  wandte  sich  die  türkische  Regierung
  an  die  russische,  um  ihr  Bestreben,  ihre  Neutralität  aufrecht  zu  erhalten,
  zu  beweisen  und  schlug  vor,  eine  Untersuchung  zur  Feststellung  der
wahren  Ursachen  dieses  Zwischenfalles  einzuleiten.  Die  russische  Regierung
  hat  jedoch,  ohne  auf  diesen  Vorschlag,  der  türkischen  Regierung  zu
antworten,  ihren  Botschafter  abberufen.  Da  außerdem  russische  Armeen
in  Erzerum  an  mehreren  Stellen  die  Grenze  überschritten  hatten,  die
vereinigte  englische  und  französische  Flotte  die  Dardanellen  und  englische
Kreuzer  Akaba  bombardierten,  haben  Rußland,  England  und  Frankreich
tatsächlich  die  Feindseligkeiten  eröffnet  und  überdies  erklärt,  daß  sie  sich
im  Kriegszustand  mit  der  Türkei  befinden.  Ich  bestimme  daher,  daß  die
Kriegserklärung  erfolgt,  durch  die  bekanntgegeben  wird,  daß  die  kaiserlich
türkische  Regierung  sich  unter  dem  Schutz  des  Allmächtigen  im  Kriegszustand
  mit  den  genannten  drei  Mächten  befindet.“  Zum  Schluß  wird
das  Kabinett  mit  der  Ausführung  des  Jrades  betraut.  Das  Frade  ist
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                                                     —  724  —

vom  11.  November  datiert,  von  Mehmed  Reschid  unterschrieben  und  von
allen  Ministern  gegengezeichnet.  Heute  erscheint  auch  eine  Proklamation
des  Sultans  an  das  Heer  und  die  Flotte,  in  der  zugleich  die  Erwartung
ausgesprochen  wird,  daß  sich  alle  unter  dem  Kalifat  stehenden  Mohammedaner
  gegen  die  Feinde  der  Türkei  erheben  werden.

(Berliner  Tageblatt,  12.  November.)


Telegraphische  Meldung  des  Gouverneurs  Mener-Waldeck  an  den  Kaiser.

                                           Berlin,  12.  November.  (W.  T.  B.)
Durch  Vermittlung  der  japanischen  Gesandtschaft  in  Peking  ist  folgende
  vom  Gouverneur  von  Tsingtau  an  Seine  Mojestät  den  Kaiser
erstattete  Meldung  hierher  gelangt:
                                                                                Tsingtau,  9.  November.

Festung  nach  Erschöpfung  aller  Verteidigungsmittel  durch  Sturm  und
Durchbrechung  in  der  Mitte  gefallen.  Befestigung  und  Stadt  vorher
durch  ununterbrochenes  neuntägiges  Bombardement  von  Land  mit
schwerstem  Geschütz  bis  28  Zentimeter,  Steilfeuer,  verbunden  mit  starker
Beschießung  von  See  schwer  erschüttert;  artilleristische  Feuerkraft  zum
Schluß  völlig  gebrochen.  Verluste  nicht  genau  übersehbar,  aber  trotz
schwersten  anhaltenden  Feuers  wie  durch  ein  Wunder  viel  geringer  als

zu  erwarten.                                               gez.  Meyer-Waldeck.


                                    Neue  Fortschritte.
                                             (Amtlich.)  Großes  Hauptquartier,
                                                       12.  November,  vormittags.

Der  über  Nieuport  bis  in  den.  Vorort  Lombartzyde  vorgedrungene
Feind  wurde  von  unseren  Truppen  über  die  Mer  zurückgeworfen.  Das
östliche  Yperufer  bis  zur  See  ist  vom  Feinde  geräumt.

Der  Angriff  über  den  Yperkanal  südlich  Dixmuiden  schritt  fort.  In
Eegend  östlich  Ypern  drangen  unsere  Truppen  weiter  vorwärts.  Im
ganzen  wurden  mehr  als  700  Franzosen  gefangen  sowie  vier  Geschütze
und  vier  Maschinengewehre  erbeutet.

Feindliche  Angriffe  westlich  des  Argonnenwaldes  und  im  Walde
selbst  wurden  abgewiesen.

Im  Osten  warf  unsere  Kavallerie  östlich  Kalisch  die  erneut  vorgegangene
  überlegene  russische  Kavallerie  zurück.

                                                         Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)


Eine  amtliche  deutsche  Erklärung  zur  Minenfrage  in  der  Nordsee.

                                                             W.T.  B.  Berlin,  12.  November.

Neuerdings  sieht  sich  die  deutsche  Regierung  gezwungen,  auch  amtlich
  Stellung  zu  den  falschen  Anschuldigungen  Englands  über  ein  Legen
von  Minen  durch  Lazarettschiffe  und  Handelsschiffe  zu  nehmen.  So  findet
sich  in  den  „Nachrichten  für  Seefahrer“  Nr.  3161  folgende  Veröffentlichung:


„Die  englische  Regierung  hat  am  2.  November  unter  der  falschen
Anschuldigung,  daß  Deutschland  durch  Lazarettschiffe  und  Handelsschiffe
unter  neutraler  Flagge  in  der  Nordsee  Minen  gelegt  und  Rekognoszie=
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                                                             —  725  —

rungen  ausgeführt  habe,  eine  Bekanntmachung  für  die  Schiffahrt  nach
und  in  der  Nordsee  erlassen,  durch  welche  den  Schiffen  unter  der  Vorspiegelung
  von  Minengefahr  in  der  nördlichen  Nordsee  der  Weg  durch
den  englischen  Kanal,  die  Downs  und  längs  der  englischen  Ostküste
empfohlen,  vor  dem  Wege  durch  die  nördliche  Nordsee  um  die  Orkneyinseln
  und  die  Shetlands  herum  aber  gewarnt  wird.  —  Demgegenüber
wird  darauf  hingewiesen,  daß  die  Gewässer  der  nördlichen  Nordsee  einschließlich
  der  Linien  Hebriden—Far  Oer—Island,  die  Gewässer  an  der
norwegischen  Küste  und  des  Skageraks  durchweg  Wassertiefen  haben,  auf
denen  jedes  Minenlegen  ausgeschlossen  ist.  Dagegen  ist  bekannt,  daß  in
der  südlichen  Nordsee  und  im  englischen  Kanal  zahlreiche  Minen,  und
zwar,  wie  festgestellt  ist,  englischen  und  französischen  Ursprungs,  umhertreiben,
  die  nicht  entschärft  sind,  und  daß  an  vielen  Stellen  des  von  England
  empfohlenen  Weges  längs  der  englischen  Ostküste  Minen  gelegt
sind,  von  denen  in  letzter  Zeit  ebenfalls  einzelne  treibend  angetroffen
wurden.  —  Für  die  Schiffahrt  bildet  der  von  England  empfohlene  Weg
durch  den  Kanal,  durch  die  Downs  und  längs  der  englischen  Ostküste  daher
  eine  schwere  Gefahr,  während  der  Weg  durch  die  nördliche  Nordsee
minenfrei  und  daher  gefahrlos  ist.“

Neuer  Erfolg  eines  deutschen  Unterseebootes  auf  der  Höhe  von  Dover.
                      Ein  englisches  Kanonenboot  vernichtet.

Kristiania,  12.  November.  Von  London  wird  am  12.  November
telegraphiert:

Die  englische  Admiralität  meldet:  Das  Torpedokanonenboot  „Niger“
ist  am  Mittwoch  morgen  vor  Dover  von  einem  feindlichen  Unterseeboot
in  den  Grund  gebohrt  worden.  Alle  Offiziere  und  die  77  Mann  starke
Besatzung  wurden  gerettet.  (W.T.  B.)

                          Oesterreichischer  Heeresbericht.
                                                              Wien,  12.  November.

Außer  dem  siegreichen  Reiterkampfe  bei  Kosminek  gegen  ein  russisches
Kavalleriekorps  fanden  gestern  auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatz
keine  größeren  Gefechte  statt.  Feindliche  Aufklärungsabteilungen,  die
unsere  Bewegungen  erkunden  wollten,  wurden  abgewiesen.  Bei  Durchführung
  der  jetzigen  Operationen  erweist  sich  neuerdings  die  bewährte
Tüchtigkeit  und  Schlagkraft  unserer  Truppen.
             Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes:
                                       v.  Hoefer,  Generalmajor.  (W.  T.  B.)

                         Türkischer  Sieg  im  Kaukasus.

                                                Konstantinopel,  12.  November.

Nach  Mitteilung  des  Hauptquartiers  gelang  der  türkischen  Armee
ihr  Angriff,  der  gestern  früh  begann,  vollkommen.  Die  Russen  konnten
sich  in  ihrer  zweiten  Linie  kaum  anderthalb  Tage  halten.  Die  eingelaufenen
  Nachrichten  besagen  wörtlich:

„Der  Feind  wurde  mit  Gottes  Hilfe  gezwungen,  seine  Stellungen
zu  räumen.  Er  weicht  auf  der  ganzen  Front  zurück  und  wird  von  allen
Seiten  verfolgt.“

                                                                            46
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                                                  —  726  —

                      Der  Sultan  verkündet  den  heiligen  Krieg.
                                                                    Konstantinopel,  12.  November.

Eine  Proklamation  des  Sultans  an  das  Heer  verkündet  den  heiligen
Krieg  für  alle  Muselmanen.

                      Verfolgung  der  serbischen  Hauptarmee.
                                                                             Wien,  12.  November.

Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:

                                                                                          12.  Rovember.

Unter  fortwährenden  Gefechten  mit  feindlichen,  in  vorbereiteten
Stellungen  eingenisteten  Nachhuten  wurde  gestern  die  Verfolgung  auf
der  ganzen  Front  fortgesetzt  und  im  allgemeinen  die  Linie  der  Höhen
östlich  Osetschina—Nakutschani—Novo-Selo  an  der  Save  erreicht.  Gegner
im  vollen  Rückzuge  gegen  Kotscheljeva  und  Valjevo,  wo  nach  Meldungen
unserer  Flieger  viele  Tausende  von  Train-Fuhrwerken  alle  Kommunikationen
  verlegen.

Außer  der  gestern  gemeldeten  Kriegsbeute  wurden  neuerdings  vier
Geschütze,  14  Munitionswagen,  eine  Munitionskolonne,  mehrere  Munitions=
  und  Verpflegungsdepots,  Trains,  Zelte  und  sonstiges  Kriegsmaterial
  erbeutet.  Zahlreiche  Gefangene,  deren  Anzahl  noch  nicht  bekannt  ist,
wurden  gemacht.                                                       (W.T.B.)


Ein  englisches  Kanonenboot  im  Persischen  Golf  vernichtet.
                                                          Konstantinopel,  12.  November.

  „Terdschuman-i-Hakitat“  erfährt:

Ein  türkisches  Motorboot  hat  bei  Abadan  in  der  Nähe  der  Mündung
des  Schatt-el-Arab  ein  englisches  Kanonenboot  beschädigt  und  dabei  vier
Mann  der  Besatzung  desselben  getötet.  Ein  anderes  türkisches  Motorboot,
  das  vor  dem  Hause  des  Scheiks  von  Kuweit,  Mubarek  el  Sabach,  auf
Beobachtungsposten  lag,  hatte  mit  einem  englischen  Kanonenboot  einen
Kampf,  in  dem  dieses  ernstlich  beschädigt  wurde  und  später  sank.

Nach  ergänzenden  authentischen  Nachrichten  über  die  Einnahme  des
Forts  El  Arisch  haben  Angehörige  der  eingeborenen  Stämme  mit  eigener
Hand  die  englische  Fahne  entfernt  und  der  von  den  fiegreichen  Truppen
aufgepflanzten  ottomanischen  Fahne  die  Ehrenbezeugung  geleistet,  indem
sie  sich  zu  Boden  warfen.  Die  Stämme  gingen  dann  nach  allen  Richtungen
  auseinander  und  riefen:  „Möge  Gott  unserem  Sultan  den  Sieg

verleihen.“
                             Scharmützel  in  Transvaal.

London,  12.  November.  Das  Reutersche  Bureau  meldet  aus
Prätoria  vom  10.  November:

Amtlich  wird  bekanntgegeben:

Am  8.  November  kam  es  zu  einem  hitzigen  Gefecht  außerhalb  von
Kroonstad,  wo  die  Buren  sich  seit  zwei  Tagen  in  starker  Anzahl  angesammelt
  hatten,  offenbar,  um  die  Stadt  anzugreifen.  Oberst  Manie
Botha  griff  die  Buren  12  englische  Meilen  von  der  Stadt  mit  200  Mann
an.  Die  Buren,  400  Mann  stark,  durchbrachen  Bothas  Stellung,  zogen
sich  jedoch  vor  ankommenden  Verstärkungen  zurück.  Sie  verloren  1  Toten,
7  Verwundete  und  7  Gefangene;  Botha  hatte  nur  2  Verwundete.
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                                                     —  727  —

Weiter  wurde  am  10.  November  amtlich  mitgeteilt,  daß  Botha
30  englische  Meilen  südwestlich  von  Kroonstad  abermals  Fühlung  mit
den  „Rebellen“  bekam  und  10  Gefangene  machte,  darunter  Hendrick  Serfontein,
  Mitglied  der  gesetzgebenden  Versammlung  der  Oranjefluß-Kolonie.


                            Der  heutige  Generalstabsbericht.

                    Großes  Hauptquartier,  13.  November  vorm.

Am  Ypser-Abschnitt  bei  Nieuport  brachten  unsere  Marinetruppen  dem
Feinde  schwerste  Verluste  bei  und  nahmen  700  Franzosen  gefangen.  Bei
den  gut  fortschreitenden  Angriffen  bei  Ypern  wurden  weitere  1100  Mann
gefangen  genommen.

Heftige  französische  Angriffe  westlich  und  östlich  Soissons  wurden
unter  empfindlichen  Verlusten  für  die  Franzosen  zurückgeschlagen.

An  der  ostpreußischen  Grenze  bei  Eydtkuhnen  und  südlich  davon,
östlich  des  Seenabschnittes,  haben  sich  erneute  Kämpfe  entwickelt.  Eine
Entscheidung  ist  noch  nicht  gefallen.

                                                               Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)


Die  Besatzung  des  Lazarettschiffes  in  England  beschimpft  und  mißhandelt.

Vor  einigen  Tagen  ist  die  Besatzung  des  deutschen  Lazarettschiffes
„Ophelia“,  welches  wider  alles  Völkerrecht  von  einem  englischen  Kreuzer
an  der  Ausübung  seines  Rettungswerkes  in  der  Nordsee  gehindert  und
beschlagnahmt  wurde,  in  Gravesend  an  Land  gebracht  worden;  als
Kriegsgefangene!  Die  Aerzte  und  Krankenpfleger  der  „Ophelia“,  jeder
mit  dem  Abzeichen  des  Roten  Kreuzes  versehen,  wurden  durch  eine  Abteilung
  Soldaten  mit  aufgepflanztem  Bajonett  bewacht,  durch  Gravesend
hindurchgeführt.  Dort  hatte  man  die  Bevölkerung  bereits  vorbereitet:
das  „harmlos  aussehende  Rote-Kreuz-Schiff“  sei  vor  Barmouth  (in  Wirklichkeit
  wurde  die  „Ophelia“  nahe  der  holländischen  Küste  beschlagnahmt)
aufgegriffen  worden  und  man  hätte  dann  bald  herausgekriegt,  daß  hier
ein  niederträchtiger  Betrug  zugrunde  läge.  Daß  man  keine  Minen  gefunden
  habe,  mache  ja  wenig  aus,  denn  wie  der  „Daily  Telegraph“  sagt:
„Die  See  ist  weit  und  tief“.  Genug,  das  Lazarettschiff,  so  hatte  man
wider  besseres  Wissen  die  Einwohner  von  Gravesend  glauben  gemacht,
war  nur  ein  verkapptes  Werkzeug  deutscher  Niedertracht  gewesen.  Die
Folge  war,  daß  bei  ihrem  Durchmarsch  durch  Gravesend  die  Besatzung
der  „Ophelia“  in  empörender  Weise  insultiert  wurde.  Dichte  Menschenmassen
  umgaben  sie,  und,  wie  der  „Daily  Telegraph“  mit  Befriedigung
feststellt,  kam  ein  Weiberhaufen  angestürzt,  welcher  schreiend  verlangte,
man  solle  ihnen  die  Deutschen  nur  überlassen,  sie  würden  sie  schon  zurichten.
  Ein  englischer  Seesoldat  riß  einem  der  Deutschen  sein  Abzeichen
des  Roten  Kreuzes  ab,  welches  dieser,  wie  das.  genannte  Blatt  sagt,
augenscheinlich  entehrt  hatte.  Unter  Gebrüll  und  Schmähungen  ging  der
Zug  dann  weiter  und  wiederholt  wurde  von  der  Menge  begonnen,  die
Deutschen  tätlich  zu  mißhandeln.

             Der  „Daily  Telegraph“  schließt:

„Gefangen,  erniedrigt,  entehrt  und  gedemütigt  und  ein  Gegenstand
der  Verachtung,  gelangte  der  Zug  auf  dem  Bahnhofe  an,  um  nach  Chatham
  instradiert  zu  werden.“

                                                46*
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                                                        —  728  —

Es  braucht  kaum  gesagt  zu  werden,  daß  es  den  englischen  Begleit—
mannschaften  ein  Leichtes  gewesen  wäre,  die  Deutschen  zu  schützen.  Man
hat  aber  im  Gegenteil  vorher  die  Lügen  über  die  angebliche  Eigenschaft
der  „Ophelia“  als  Minenschiff  verbreitet.  Ein  Wort  des  begleitenden
Offiziers  hätte  genügt,  um  die  Bschimpfung  der  deutschen  Aerzte  und
Sanitätsgehilfen  und  als  Zeichen  des  Roten  Kreuzes,  das  sie  trugen,  zu
verhindern.  Man  hat  alles  ruhig  zugelassen  und  sogar  Tätlichkeiten.  Nur
die  Fortsetzung  der  letzteren  ist  verhindert  worden.

Der  Vorgang  an  sich  bedarf  keines  Kommentars.  Er  zeigt  in  der
Hauptsache:  wie  schnell  der  Firnis  der  Kultur  und  Zivilisation  der  englischen
  Bevölkerung  verschwunden  ist,  wie  natürlich  englische  Offiziere
und  Behörden  die  niedrigsten  Aeußerungen  pöbelhaften  Deutschenhasses
finden,  und  mit  wie  kritiklosem  Behagen  die  englische  Presse  von  solchen
Vorgängen  Notiz  nimmt.  Das  alles  tritt  aber  erst  in  das  richtige  Licht,
wenn  man  sich  erinnert,  daß  die  „Ophelia“  Lazarettschif  war,  nur
schwimmende  Menschen  retten  sollte  und  daß  tatsächlich  nichts  Verdächtiges
  in  und  an  ihr  gefunden  worden  ist.

Was  sagen  die  Unterzeichnermächte  der  Genfer  Konvention  und  des
Haager  Abkommens  von  1907  zu  diesen  empörenden  Vorgängen,  zu
diesem  schamlosen  Verhalten  der  britischen  Regierung?

                                          (Deutsche  Tageszeitung,  13.  November.)

                       Türkischer  Einmarsch  in  Rußland.  1
                                             Konstantinopel,  13.  November.

             Amtlicher  Bericht  aus  dem  Großen  Hauptquartier:

Vergangene  Nacht  haben  unsere  Truppen  nach  einem  überraschenden
Angriff  alle  russischen  Blockhäuser  an  der  Grenze  des  Wilajets  Trapezunt
  besetzt,  sind  3  Stunden  in  das  Innere  von  Rußland  in  der  Richtung
auf  Batum  eingedrungen  und  hüben  die  russische  Kaserne  von  Kurdoghlu
eingenommen.                                                                                   (W.T.B.)


                 Die  Erstürmung  von  Köpriköi  durch  die  Türken.
                   Ein  ganzes  russisches  Armeekorps  geschlagen.
                             Amtlich.)  Konstantinopel,  12.  November.

Die  „Agence  Ottomane“  veröffentlicht  folgendes  Communiqué  des
türkischen  Hauptquartiers  über  die  Vorgänge  an  der  Ostgrenze,  über  die
aus  strategischen  Gründen  noch  nicht  berichtet  werden  konnte:

Die  Russen  wollten  an  der  Landesgrenze  den  überraschenden  Angriff
wiederholen,  den  sie  gegen  unsere  Flotte  versucht  hatten.  Ohne  Kriegserklärung
  überschritten  sie  am  1.  November  in  fünf  Kolonnen  die  kaukasische
  Grenze,  es  steht  außer  Zweifel,  daß  die  Durchführung  einer  solchen
Bewegung  nur  nach  langen  Vorbereitungen  erfolgen  konnte.  Trotz  dieser
Vorbereitung  und  diesem  Angriffe  des  Feindes,  führten  unsere  Grenztruppen
  die  ihnen  erteilten  Befehle  mit  viel  Tapferkeit  und  Geschicklichkeit
  durch.  Zunächst  zogen  sie  sich,  indem  sie  dem  Feinde  starke  Schläge
versetzten,  sehr  langsam  zurück.  Wir  fügten  den  Russen  zahlreiche  Verluste
  zu  und  setzten  durch  diesen  Zeitgewinn  unsere  Nachschübe  instand,  die
notwendigen  Stellungen  einzunehmen.  Angesichts  des  beständigen
Widerstandes  unserer  Vortruppen  konnte  der  Feind,  der  alle  seine  Kräfte
sammelte,  erst  vier  Tage  nach  dem  Ueberschreiten  der  Grenze  in  die
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                                                     —  729  —

Gegend  von  Kolbachie  und  Köpriköi  gelangen.  Ein  Angriff  der  Kosaken
gegen  Köpriköi  wurde  durch  eine  unserer  Kavalleriedivisionen  zurückgeschlagen.
  Am  5.  und  6.  Novembex  stellte  der  Feind  seine  Bewegungen
ein  und  begann  Verschanzungen  zu  errichten.  Unsere  in  Zwischenräumen
eingetroffenen  Truppen  hielten  den  Vormarsch  des  Feindes  auf.  Unsere
Infanterie  traf  die  notwendigen  Vorbereitungen  zum  Sturmangriff.
Am  7.  November  gingen  unsere  Truppen  zur  Offensive  über.  Der  Feind
leistete  in  der  starken  Stellung,  die  er  im  Westen  von  Köpriköi  errichtet
hatte,  Widerstand.  Am  8.  November  wurde  unsere  Offensive  fortgesetzt.
Am  Nachmittag  drangen  unsere  tapferen  Truppen  in  die  Verschanzungen
des  Feindes  ein  und  besetzten  seine  Stellungen,  die  von  vier  Infanterie-Regimentern,
  einem  Artillerie-Regiment  und  einer  Kavalleriedivision
verteidigt  worden  waren.

Der  Feind  zog  sich  zurück  und  besetzte  eine  andere,  stärkere  Stellung
in  der  Umgebung  von  Köpriköi,  wo  Verstärkungen  einzutreffen  begannen.
Am  9.  November  hatten  wir  vor  uns  eine  russische  Division  und  das
ganze  erste  kaukasische  Korps.  Die  feindliche  Front  erstreckte  sich  in  einer
Länge  von  15  Kilometern  vom  Araxflusse  im  Süden  bis  zum  Gebirge
im  Norden.  Der  Feind  hatte  in  der  ganzen  Ausdehnung  der  Stellung
Befestigungen  errichtet  und  verfügte  hinter  dem  linken  Flügel  über  starke
Reserven.  Am  10.  November  traf  unsere  Armee  die  notwendigen  Maßnahmen,
  um  zur  Offensive  überzugehen.  Sie  begann  am  11.  November
früh  mit  einem  allgemeinen  Sturmangriff.  Nach  einer  blutigen  Schlacht
nahmen  unsere  Truppen  gegen  Mittag  mit  dem  Bajonett  Köpriköi,  das
einen  der  feindlichen  Stützpunkte  bildete.  Bei  Einbruch  der  Nacht  waren
drei  Viertel  der  feindlichen  Stellungen  von  unseren  Truppen  besetzt.  In
der  Nacht  wurde  mit  dem  Bajonett  auch  die  Höhe  1905  östlich  Köpriköi,
der  letzte  feindliche  Stützdunkt,  genommen.  Am  12.  November  war  unser
Sieg  endgültig.  Alle  feindlichen  Stellungen  waren  genommen..  Ein
ganzes  russisches  Armeekorps  war  geschlagen  und  ergriff  die  Flucht.
Unsere  unerschrockene,  unermüdliche  Armee  nahm  die  Verfolgung  des
Feindes  auf.  Infolge  dieser  Niederlage  des  Gros  der  feindlichen  Armee
besteht  kein  Zweifel,  daß  die  schwachen  feindlichen  Streitkräfte,  die  vor
Tortum  um  Karakilissa  gehalten  haben,  gleichfalls  verjagt  werden.  Ungeachtet
  der  fünftägigen  Kämpfe  und  des  gebirgigen  Terrains  ist  die
Moral  unserer  Truppen  ausgezeichnet.  Der  Zustand  zahlreicher  Gefangenen
  und  Deserteure,  deren  Zahl  noch  nicht  geschätzt  werden  kann,  beweist,
  wie  erschüttert  die  Moral  des  Feindes  ist.

Das  Vordringen  der  österreichisch-ungarischen  Armee  in  Serbien.
Ueber  93000  russische  Kriegsgefangene  in  Oesterreich-Ungarn.
                                                                 Wien,  13.  November.  (W.T.  B.)
       Amtlich  wird  verlautbart:
Im  Norden  hat  sich  gestern  an  der  Front  unserer  Armeen  nichts  von
 Bedeutung  ereignet.
In  Tarnow,  Jaslo  und  Krosno  ist  der  Feind  eingerückt.
Die  Gesamtzahl  der  in  der  Monarchie  internierten  Kriegsgefangenen
ist  bis  gestern  auf  867  Offiziere  und  92  737  Mann  gestiegen.
                     Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:
                                   v.  Hoefer,  Generalmajor.
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                                                   —  730  —

          Vom  südlichen  Kriegsschauplatze  wird  amtlich  gemeldet:
                                                                                             13.  November.
Feind  setzt  Rückzug  von  Koceljewa  und  Waljewo  gegen  Osten  fort.
An  der  Save  wurde  Usco  gestürmt,  Beljin  und  Banjani  erreicht.  Feindliche
  Befestigungslinie  Gomile-Draginje  ist  bereits  in  unserem  Besitz  und
Soppot-Stolice  erreicht.  Die  von  Westen  und  Nordwesten  vorrückenden
Kolonnen  sind  —  Details  können  nicht  verlautbart  werden  —  gegen
Waljewo  herangekommen,  wobei  speziell  die  südlichen  Kolonnen  im
schwierigsten  Terrain  bewunderungswürdige  Leistungen  vollführten.

Notenwechsel  zwischen  Deutschland  und  China.

Der  Notenwechsel  zwischen  Deutschland  und  China  über  die  japanische
  Landung  in  Schantung  ist  von  der  chinesischen  Regierung  in  der
„Peking  Gazette“  veröffentlicht  worden.  Danach  stellte  sich  Deutschland
in  seiner  ersten  Note  an  China  auf  den  folgenden  Standpunkt:

1.  Deutschland  hatte  das  Recht,  Tsingtau  zu  befestigen  und  dort  für
einen  etwaigen  Krieg  gerüstet  zu  sein.

2.  Chinas  Pflicht  war,  gegen  die  Landung  der  Japaner  ausff  chinesischem
  Boden  sofort  Einspruch  zu  erheben.

3.  Mit  der  chinesischen  Festlegung  der  Kriegsoperationszone  wurden
die  Bewegungen  der  Verbündeten  gegen  Tsingtau  erleichtert.

4.  Die  chinesische  Regierung  hätte  dem  japanischen  Gesandten  in
Peking  seine  Pässe  als  Zeichen  der  Mißbilligung  über  die  Verletzung  der
chinesischen  Territorialhoheit  ankündigen  sollen.

Die  chinesische  Regierung  hat  darauf  dem  deutschen  Geschäftsträger
eine  Antwortnote  überreicht,  deren  Sinn  besagte:

„Der  Kiautschoufall  sei  identisch  mit  dem  Port-Arthur-Fall  vom  Jahre
1904,  ebenso  wie  die  Festsetzung  der  dortigen  Gefechtszone  der  seinerzeitigen
  Festsetzung  derjenigen  auf  der  Liaotung-Halbinsel  und  in  der
Mandschurei  entspräche.  Da  nun  einmal  ein  solcher  Präzedenzfall  vorlag,
  war  China  nicht  imstande,  diesmal  anders  zu  handeln.  Die  chinesische
Regierung  sei  zu  dieser  teilweisen  Preisgabe  ihrer  Neutralität  gezwungen
worden,  nachdem  sie  alle  Mittel  der  Verhinderung  (gegenüber  Japan
und  England)  erschöpft  hatte.  Im  übrigen  nähme  die  Regierung  die
nämliche  Haltung  allen  Kriegführenden  gegenüber  ein.“

Zum  Schluß  bemerkte  Sun  Pao  Chi,  der  Minister  des  Auswärtigen,
noch  in  dieser  Note,  „er  zweifle  nicht,  daß  Deutschland  die  Schwierigkeiten,
in  denen  sich  China  befände,  zu  würdigen  wissen  werde.“  Freiherr  von
Maltzahn,  der  stellvertretende  deutsche  Gesandte  in  Peking,  hat  auf  diese
chinesische  Antwort  hin,  die  er  nicht  für  befriedigend  erachtete,  dem
Auswärtigen  Amt  eine  zweite  Protestnote  eingereicht,  deren  Inhalt
jedoch  bisher  nicht  veröffentlicht  wurde.  Man  darf  aber  wohl  erwarten,
daß  unser  neuer  energischer  Gesandter  in  Peking,  Admiral  v.  Hintze,  der
sich  bereits  früher  in  diplomatischer  Mission  in  China  gut  bewährt  hat,
auf  seinem  jetzigen  Posten  die  Interessen  Deutschlands  geschickt  und  in
vollem  Umfange  wahrnehmen  wird.

Sämtliche  Proteste  Chinas  gegen  die  Verletzung  der  Neutralität
durch  Japan  sind  bisher  im  Einverständnis  mit  den  Vereinigten  Staaten
erhoben  worden,  aber  die  Union  hat  bisher  bemerkenswert  geringe  Beachtung
  bei  England  gefunden.  („Tgl.  Rdsch.“,  13.  Nov.)
        <pb n="206" />
                                                               —  731  —

      Protest  der  Neutralen  gegen  Minenlegung  in  der  Nordsee.

                                                                         Rotterdam,  14.  November.

„Nieusblad“  meldet:  Holland,  Schweden,  Norwegen  und  Dänemark
protestierten  durch  Vermittlung  der  Vereinigten  Staaten  gegen  die
Minenlegung  in  der  Nordsee,  die  ihren  Handel  mit  Amerika  zerstöre.
(Deutsche  Tagesztg.,  14.  Nov.)

         Neuer  englischer  Kriegskredit  von  4½  Milliarden  Mark.
                                                                       London,  14.  November.

Amtlich  wird  bekanntgegeben,  daß  die  Regierung  einen  Kredit  von
225  Millionen  Pfund  Sterl.  außer  den  bereits  bewilligten  180  Millionen
zur  Bestreitung  der  Kriegskosten  fordern  wird.  Die  225  Millionen
find  bestimmt  zur  Deckung  der  Ausgaben  für  das  Heer  und  die  Flotte
bis  zum  31.  März  1915,  für  Anleihen  der  Kolonien,  einen  Vorschuß  von
3  Millionen  Pfund  an  Belgien,  von  800  000  Pfund  an  Serbien  und  ferner
zur  Deckung  der  Kosten  und  Ausgaben  englischer  Gemeinden  für  Unterstützungszwecke.
  (Deutsche  Tagesztg.,  14.  Nov.)


                    Der  amtliche  Bericht  über  den  Seesieg  bei  Chile.
                                                           (W.T.  B.)  Berlin,  14.  November.

Ueber  das  Seegefecht  von  Coronel  ist  auf  funkentelegraphischem
Wege  von  Nordamerika  folgender  Bericht  des  Chefs  des  Kreuzergeschwaders
  eingegangen:

Am  1.  November  trafen  auf  der  Höhe  von  Coronel  S.  M.  Schiffe
„Scharnhorst"“,  „Gneisenau'“  „Leipzig“  und  „Dresden“  die  englischen
Kreuzer  „Good  Hope“,  „Monmouth“,  „Glasgow“  und  Hilfskreuzer
„Otranto“.  S.  M.  Schiff  „Nürnberg“  war  während  der  Schlacht
detachiert.  Bei  schwerem  Seegang  wurde  das  Feuer  auf  große  Entfernung
  eröffnet  und  die  Artillerie  der  feindlichen  Schiffe  in  52  Minuten
  zum  Schweigen  gebracht;  das  Feuer  wurde  nach  Einbruch  der
Dunkelheit  eingestellt.  „Good  Hope“  wurde,  durch  Artilleriefeuer  und
Explosion  schwer  beschädigt,  in  der  Dunkelheit  aus  Sicht  verloren.
„Monmouth“  wurde  auf  der  Flucht  von.  „Nürnberg“  gefunden;  sie  hatte
tarke  Schlagseite,  wurde  beschossen  und  kenterte.  Rettung  der  Besatzung
  war  wegen  schweren  Seegangs  und  aus  Mangel  an  Booten
nicht  möglich.  „Glasgow“,  anscheinend  leicht  beschädigt,  entkam.  Der
Hiljskreiher  flüchtete  nach  dem  ersten  Treffer  aus  dem  Feuerbereich.
Auf  unserer  Seite  keine  Verluste,  unbedeutende  Beschädigungen.

                      Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Admiralstabes:
                                                              Behncke.

Deutschland  protestiert  gegen  amerikanische  Waffenlieferungen.
                                                               Frankfurt  a.  M.,  14.  November.
Ueber  Amsterdam  erhielt  die  „Frankfurter  Zeitung"  folgende  Meldung
  aus  Neuyork:

Nach  der  „New  Vork  World“  hat  der  deutsche  Botschafter  Graf
Bernstorff  bei  der  amerikanischen  Regierung  gegen  die  Fabrikation  und
die  Ausfuhr  von  Waffen  und  Muinition  für  die  Verbündeten  durch
amerikanische  Firmen  protestiert.  Der  Botschafter  erklärte,  es  sei  ein
        <pb n="207" />
                                                        —  732  —

offenbarer  Neutralitätsbruch,  wenn  man  erlaube,  daß  den  Verbündeten
  Waffen  zugeführt  werden,  während  eine  gleiche  Zufuhr  von
Waffen  für  Deutschland  infolge  der  Kontrolle,  die  Großbritannien  auf
der  See  ausübe,  unmöglich  sei.  (Deutsche  Tagesztg.,  14.  Nov.)


                       Die  Russen  bei  Warschau  geschlagen.

                 (Amtlich.)  Großes  Hauptquartier,  14.  November,  vorm.

Die  Kämpfe  in  Westflandern  dauern  noch  an,  in  den  letzten  Tagen
behindert  durch  das  regnerische  und  stürmische  Wetter.  Unsere  Angriffe
schritten  weiter  lansam  vorwärts.  Südlich  Ypern  wurden  700  Franzosen
gefangen  genommen.  Englische  Angriff  westlich  Lille  wurden  abgewiesen.
  Bei  Berry-au-Bac  mußten  die  Franzosen  eine  beherrschende
Stellung  räumen.  Im  Argonnenwalde  nahm  unser  Angriff  einen  guten
Fortgang.  Die  Franzosen  erlitten  starke  Verluste  und  ließen  auch  gestern
wieder  über  150  Gefangene  in  unseren  Händen.

In  Ostpreußen  dauern  die  Kämpfe  noch  an.  Bei  Stallupönen
wurden  500  Russen  gefangen  genommen.  Bei  Soldau  fiel  noch  keine
Entscheidung.  In  Gegend  Wloclawec  wurde  ein  russisches  Armeekorps
zurückgeworfen.  1500  Gefangene  und  12  Maschinengewehre  fielen  in
unsere  Hände.  Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)

                       Der  türkische  Sieg  bei  Köpriköi.
              Die  Verluste  der  Russen.  —  Die  Siegesbeute.
                                              Konstantinopel,  14.  November.  (W.T.  B.)

Eine  Mitteilung  aus  dem  Großen  Hauptquartier  besagt:  Im  Kampf
bei  Köpriköi,  der  am  11.  und  12.  d.  M.  stattfand,  wurden  die  Russen
geschlagen.  Sie  verloren  4000  Tote,  ebensoviel  Verwundete  und  fünfhundert
  Gefangene.  Unsere  Truppen  erbeuteten  zehntausend  Gewehre
und  eine  Menge  Munition.  Die  Russen  zogen  sich  in  schlechtem  Zustande
in  der  Richtung  auf  Kutek  zurück.  Steiles  Gelände,  Nebel  und  Schnee
erschwerte  die  Umgehungsbewegung  unserer  Truppen  und  so  konnte  den
Russen  die  Rückzugslinie  nicht  vollständig  abgeschnitten  werden,  doch  wird
die  Verfolgung  fortgesetzt.    

                                   Botha  gegen  Dewet.

                                                              Kristiania,  14.  November.

In  Ergänzung  der  Nachrichten  über  den  angeblichen  Sieg  Bothas
über  Dewet  wird  noch  gemeldet:  Die  Regierungstruppen  unter  dem
Kommando  der  Obersten  Luken  und  Brits  waren  außerstande,  zur  rechten
Zeit  nach  den  bestimmten  Punkten  vorzudringen,  sonst  hätte  man  gute
Chancen  gehabt,  die  ganzen  Truppen  Dewete,  die  aus  2000  Mann  bestanden,
  gefangen  zu  nehmen  (?)  Die  Niederlage  (?)  Dewets  hat  auf
seine  Anhänger  einen  tiefen  Eindruck  gemacht.  Oberst  Brand  unterstützte
mit  Erfolg  Botha,  der  die  Buren  verfolgte,  bis  die  Pferde  erschöpft  waren.
Während  des  Kampfes  wurde  Kommandant  Fouche  mit  40  Mann  von
Buren  gefangen  genommen,  aber  das  Mitglied  der  gesetzgebenden  Versammlung.
  Tobias  Smits,  befreite  in  glänzender  Weise  die  Gefangenen,
worunter  Senator  Studst  und  der  Bürgermeister  von  Winburg  sich  befanden,
  die  von  Dewet  gefangen  genommen  waren,  als  dieser  zwei  Tage
vorher  in  die  Stadt  einrückt.  (Berl.  Tagebl.,  14.  Nov.)
        <pb n="208" />
                                                               —  733  —

                          Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                                    Wien,  14.  November.
Amtlich  wird  verlautbart:  Auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatze
wurde  an  unserer  Front  auch  gestern  nicht  gekämpft.
                      Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:
                                          von  Hoefer,  Generalmojor.

                       Vom  serbischen  Kriegsschauplatz.
                                                                        Wien,  14.  November.
            Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:

Das  eigene  Vorrücken  stößt  nordwestlich  bei  Valjevo  auf  starken
Widerstand,  auch  erschwert  der  durch  Lehm  und  Schnee  grundlos  gewordene
  Boden  die  Fortbringung  der  eigenen  Artillerie.  Trotzdem  gewannen
  alle  Kolonnen  Raum  nach  vorwärts,  eroberten  mehrere  wichtige
Positionen  und  erreichten  die  Linie  Skela  an  der  Save  bis  südlich  Kocoeljeva,
  sodann  wurden  in  südlicher  Richtung  bis  an  die  Drina  zahlreiche
Gefangene  gemacht,  die  aussagen,  daß  die  Serben  bei  Valjevo  erneut
Widerstand  leisten  wollen.  In  einigen  Regimentern  soll  Meuterei  ausgebrochen
  sein.  In  den  letzten  Kämpfen  wirkten  auch  die  Monitore
„Körös“,  „Marcs“  und  „Leitha"“  sehr  erfolgreich  mit.  Sie  unterstützten
das  siegreiche  Vordringen  unserer  Truppen  längs  der  Save  durch  vernichtendes
  Feuer  in  die  Flanke  des  Gegners.  (W.T.  B.)

                              Neuer  Sieg  der  Türken.

                                                          Konstantinopel,  14.  November.

Unsere  Truppen  haben  die  Stellung  von  Kotur  in  der  persischen
Provinz  Aserbeidschan  besetzt,  die  bisher  von  den  Russen  besetzt  war;  diese
wurden  geschlagen  und  flohen.  Heute  haben  leichte  Gefechte  zwischen
unseren  verfolgenden  Truppen  und  ihrer  Nachhut  stattgefunden.

Die  Kämpfe  bei  Köpriköi  waren  sehr  heftig  Unsere  Truppen  zeigten
eine  außergewöhnliche  Tapferkeit;  eins  unserer  Regimenter  machte  drei
Bajonettangriffe  gegen  die  Höhe  1905,  in  deren  Verlauf  der  Kommandeur
  und  die  meisten  Offiziere  eines  Bataillons  fielen;  endlich  drangen
unsere  Truppen  mit  einem  Mut,  der  auch  in  der  ruhmreichen  ottomanischen
  Geschichte  ehrenvoll  hervortritt,  in  diese  Stellung  ein.  Nicht  ein
Mann  von  der  feindlichen  Besatzung  dieser  Höhe  ist  entkommen.  Unter
der  sehr  großen  Beute  befindet  sich  viel  Befestigungsmaterial.  —  Gegen
die  bei  Fao  an  der  Küste  der  Provinz  Bassorah  gelandeten  Engländer
wurde  ein  heftiger  Angriff  unternommen;  von  den  Engländern  fielen
60  Mann.

                      Die  zweite  Belagerung  von  Przemysl.
                      Erfolgreicher  Ausfall  der  Besatzung.

Wien,  15.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:  15.  November,
mittags.  Die  Verteidigung  der  Festung  Przemysl  wird,  wie  bei  der
ersten  Einschließung,  mit  größter  Aktivität  geführt.  So  drängte  ein
gestriger  größerer  Ausfall  nach  Norden  den  Feind  bis  in  die  Höhen
von  Rokietnica  zurück.  Unsere  Truppen  hatten  bei  dieser  Unternehmung
nur  minimale  Verluste.  In  den  Karpathen  wurden  vereinzelte  Vorstöße
        <pb n="209" />
          feindlicher  Detachements  mühelos  abgewiesen.  Auch  an  der  übrigen
Front  vermag  die  russische  Aufklärung  nicht  durchzudringen.
                         Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                                  von  Hoefer,  Generalmajor.

                          Lord  Noberts  +.

Feldmarschall  Lord  Roberts,  der  im  Begriff  stand,  die  französische
Gefechtslinie  zu  besuchen,  um  seine  alten  indischen  Waffengefährten
wiederzusehen,  ist,  wie  amtlich  aus  London  gemeldet  wird,  im  Alter  von
82  Jahren  gestorben.

Roberts  war  schon  in  Frankreich;  am  Donners  er  sich  eine
Erkältung  zu,  aus  der  sich  eine  cn  Doera  en  —  der
er  erlag.  (W.T.B.)

Der  Schlüsselpunkt  der  serbischen  Stellung  genommen.

Wien,  15.  November.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich
vom  15.  November  gemeldet:

Um  für  den  Abzug  seiner  Trains  Zeit  zu  gewinnen,  leistet  der
Gegner  auf  den  Höhen  nördlich  und  westlich  Valjevo  in  vorbereiteten
Stellungen  neuerdings  Widerstand.  Unseren  trotz  unausgesetzter  Kämpfe
und  großer  Strapazen  vom  besten  Geiste  beseelten  Truppen  gelang  es
schon  gestern,  den  Schlüsselpunkt  der  feindlichen  Stellung,  die  Höhen  bei
Kamenica,  an  der  von  Loznica  nach  Valjevo  führenden  Straße,  nach
harten  Kämpfen  zu  erobern.  580  Gefangene  wurden  gemacht  und  zahlreiche
  Waffen  und  Munition  erbeutet.  Unsere  Truppen  standen  gestern
abend  von  Obrenovac,  bei  Ub  und  im  Angriff  auf  den  Höhenrücken
Jautina,  auf  der  Rückenlinie  östlich  Kamenica  und  in  südlicher  Richtung
bis  auf  Stubica,  den  Sattelplatz  der  Straße  Rogacica—Valjevo.

                                                                     (Tägl.  Rdsch.,  15.  Nov.)

 

            Der  Wortlaut  der  Erklärung  des  Heiligen  Krieges.

       Konstantinopel,  15.  November.  Der  gestern  in  der  Fatih-Moschee
  verlesene,  hinfort  historische  Fetwa  über  den  Krieg  ist  nach  den
Vorschriften  des  Islam  in  der  Form  von  Frage  und  Antwort  abgefaßt
und  hat  folgenden  Wortlaut:

Wenn  sich  mehrere  Feinde  gegen  den  Islam  vereinigen,  wenn  Länder
des  Islams  geplündert,  die  muselmanische  Bevölkerung  niedergemetzelt
und  gefangen  genommen  wird  und  wenn  in  diesem  Falle  der  Padischah
des  Islams  nach  den  heiligen  Worten  des  Korans  den  Heiligen  Krieg
verkündet,  ist  dieser  Krieg  Pflicht  aller  Muselmanen,  aller  jungen  und
alten  muselmanischen  Fußsoldaten  und  Reiter,  und  müssen  sich  alle  islamischen
  Länder  mit  Gut  und  Blut  beeifern,  den  Dschihad  (Glaubenstrieg)
  zu  führen?  Antwort:  „Jal“

Die  muselmanischen  Untertanen  Rußlands,  Frankreichs.  und  Englands
  und  die  Länder,  die  jene  unterstützen,  die  auf  diese  Weise  das  Kalifat
  mit  Kriegsschiffen  und  Landheeren  angreifen  und  den  Islam  zu  vernichten
  trachten,  müssen  auch  sie  den  Heiligen  Krieg  gegen  die  Regierungen,
  von  denen  sie  abhängen,  führen?  Antwort:  „Ja"
        <pb n="210" />
                                                         —  735  —

Jene,  die,  statt  den  Heiligen  Krieg  zu  führen,  in  einem  Zeitpunkte,
wo  alle  Muselmanen  dazu  aufgerufen  sind,  daran  teilzunehmen  vermeiden,
  sind  sie  dem  Zorne  Gottes,  dem  großen  Unheil  und  der  verdienten
Strafe  ausgesetzt?  Antwort:  „Ja!“

Begeht  die  muselmanische  Bevölkerung  der  genannten  Mächte,  die
gegen  die  islamische  Regierung  Krieg  führen,  eine  große  Sünde,  selbst
wenn  sie  unter  Androhung  des  Todes  und  der  Vernichtung  ihrer  ganzen
amite  zur  Teilnahme  am  Kriege  gezwungen  worden  find?  Antwort:

Wenn  Muselmanen,  die  sich  in  dem  gegenwärtigen  Kriege  unter  der
Herrschaft  Englands,  Frankreichs,  Rußlands,  Serbiens,  Montenegros
und  jener  Staaten  befinden,  die  diesen  Hilfe  leisten,  gegen  Deutschland
und  Oesterreich-Ungarn,  die  der  Türkei  beistehen,  Krieg  führen  würden,
verdienen  sie  den  Zorn  Gottes,  weil  sie  dem  islamischen  Kalifat  Nachteil
verursachen?  Antwort:  „Ja!“  (Tägl.  Rdsch.,  15.  Nov.)


                Die  Wirkung  des  Heiligen  Krieges  in  Marokko.

Ueber  die  Wirkung  des  Heiligen  Krieges  in  Marokko  und  Persien
berichtet  uns  der  Draht  aus  Konstantinopel:

Konstantinopel,  15.  Rovember.  Wie  „Taswir-i-Eskiar“  erfährt,
  gewinnt  der  „Heilige  Krieg“,  der  gegen  Frankreich  proklamiert  ist,
in  Marokko  an  Ausdehnung.  Dem  Blatte  „Saadst“  zufolge,  das  in  Tanger
  erscheint,  sind  10  000  Marokkaner  unter  Abdul  Melek  in  Tazza  eingezogen.
  Sie  nahmen  die  französischen  Beamten  gefangen.  In  einem
zwischen  Marokkanern  und  Franzosen  in  der  Umgebung  von  Tanger
ausgefochtenen  Kampfe  sind  die  Franzosen  geschlagen  worden.  Der
Gouverneur  von  Tanger  soll  die  französische  Regierung  darauf  aufmerksam
  gemacht  haben,  daß  die  Stadt,  falls  nicht  in  einigen  Tagen  Verstärkungen
  gesandt  würden,  von  den  Marokkanern  eingenommen  werde.
Die  hiesigen  Perser  haben  an  die  religiösen  Oberhäupter  der  Schiiten
Telegramme  gerichtet,  in  denen  sie  mitteilen,  daß  sie  in  lebhaftester
Freude  von  dem  Fetwa  Kenntnis  erhalten  haben,  daß  der  „Heilige
Krieg“  verkündet  sei.  Sie  erklären,  die  Geschäfte  zu  schließen  und  bereit
zu  sein,  in  den  Krieg  zu  ziehen.  Sie  bitten,  ihnen  bekanntzugeben,  wohin
sie  sich  zu  wenden  haben.  Man  glaubt  hier,  daß  England,  Frankreich
und  Rußland  alle  Maßnahmen  treffen  werden,  damit  die  Verkündigung
des  „Heiligen  Krieges“  durch  den  Kalifen  in  Indien,  Algier  und  Tunis
sowie  in  den  andern  Ländern  nicht  bekannt  werde,  doch  ist  man  überzeugt,
daß  die  Nachricht  auf  jeden  Fall  dorthin  gelangen  werde.  In  hiesigen
persischen  Kreisen  heißt  es,  daß  die  englische  und  russische  Regierung  die
Perser  unbedingt  daran  hindere,  das  Gebiet  von  Indien  und  Afghanistan
zu  betreten.  („Tägl.  Rdsch.“,  15.  November.)


                      Meldung  des  Großen  Hauptqauartiers.

                                                         Den  15.  November,  vormittags.
Die  Kämpfe  auf  dem  rechten  Flügel  zeitigten,  auch  gestern,  durch
ungünstiges  Wetter  beeinflußt,  nur  geringe  Fortschritte.  Bei  dem  mühsamen
  Vorarbeiten  wurden  einige  hundert  Franzosen  und  Engländer
gesangen  und  2  Maschinengewehre  erbeutet.
        <pb n="211" />
                                                     —  736  —

Im  Argonnenwalde  gelang  es,  einen  starken  französischen  Stützpunkt
  zu  sprengen  und  im  Sturm  zu  nehmen.

Die  Meldung  der  Franzosen,  sie  hätten  eine  deutsche  Abteilung  „bei
Coincourt  (südlich  Marsal)  in  Unordnung  gebracht“,  ist  erfunden.  Die
Franzosen  hatten  vielmehr  hier  erhebliche  Verluste,  während  wir  keinen
Mann  verloren.

Im  Osten  dauern  an  der  Grenze  Ostpreußens  und  in  Russisch-Polen
die  Kämpfe  fort.  Eine  Entscheidung  ist  noch  nicht  erfolgt.

                                                                  Oberste  Heeresleitung.


                       Ein  japanisches  Torpedoboot  gesunken.

(W.T.  B.)  Tokio,  14.  November.  Ein  japanisches  Torpedoboot
wurde  beim  Minenfischen  in  der  Bucht  von  Kiautschou  durch  eine  Mine
zum  Sinken  gebracht.

                     Ein  neuer  chinesischer  Protest  in  Tokio.

Petersburg,  15.  November.  Aus  Tientsin  wird  gemeldet:
China  überreichte  in  Tokio  eine  neue  Protestnote  wegen  der  Besetzung
des  chinesischen  Telegraphenamtes  in  Weihawei  durch  japanische  Truppen.
(Deutsche  Tagesztg.,  15.  Nov.)

                              Großer  Sieg  über  die  Russen.
                            Der  heutige  Generalstabsbericht.

Großes  Hauptquartier,  16.  November,  vormittags.  Auf  dem
westlichen  Kriegsschauplatz  war  gestern  die  Tätigkeit  beider  Parteien  infolge
  des  herrschenden  Sturmes  und  Schneetreibens  nur  gering.  In
Flandern,  schritten  unsere  Angriffe  langsam  vorwärts,  im  Argonnerwalde
errangen  wir  jedoch  einige  größere  Erfolge.

Die  Kämpfe  im  Osten  dauern  fort.  Gestern  warfen  unsere  in  Ostpreußen
  kämpfenden  Truppen  den  Feind  in  der  Gegend  südlich  von  Stallupönen;
  die  aus  Westpreußen  operierenden  Truppen  wehrten  bei  Soldau
den  Anmarsch  russischer  Kräfte  erfolgreich  ab  und  warfen  am  rechten
Weichselufer  vormarschierende  starke  russische  Kräfte  in  einem  siegreichen
Gefecht  bei  Lipno  auf  Plock  zurück.  In  diesen  Kämpfen  wurden  bis  gestern
5000  Gefangene  gemacht  und  10  Maschinengewehre  genommen.

In  den  seit  einigen  Tagen  in  Fortsetzung  des  Erfolges  bei  Wloclawec
stattgehabten  Kämpfen  fiel  die  Entscheidung.  Mehrere  uns  entgegengetretene
  russische  Armeekorps  wurden  bis  über  Kutno  zurückgeworfen.
Sie  verloren  nach  den  bisherigen  Feststellungen  23000  Mann  an  Gefangenen,
  mindestens  70  Maschinengewehre  und  Geschütze,  deren  Zahl  noch
nicht  feststeht.  Oberste  Heeresleitung.  (W.-T.B.)


                           Der  österreichische  Kriegsbericht.

         Wien,  16.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:
Auf  dem  nördlichen  Kriegsschauplatz  begannen  sich  gestern  an  einzelnen
  Stellen  unserer  Front  Kämpfe  zu  entwickeln.
                   Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                               von  Hoefer,  Generalmajor.
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                                                        —  737  —

                                 Der  türkische  Schlachtbericht.

(W.T.B.)  Ein  amtlicher  Bericht  des  türkischen  Hauptquartiers  besagt:

Gestern  haben  wir  die  Engländer  bei  Fao  angegriffen.  Sie  hatten
zahlreiche  Tote,  die  wir  auf  1000  schätzen.

Abdurrezak  Bederkhani,  der  von  der  ganzen  muselmanischen  Welt
wegen  seiner  revolutionären  Umtriebe,  denen  er  sich  seit  langem  ergeben
hat,  verabscheut  wird,  hat  die  Grenze  mit  300  Mann  in  der  Gegend  von
Maku  überschritten,  um  den  Russen  zu  helfen,  aber  er  wurde  sogleich  von
unseren  Truppen  vertrieben.  Eine  große  Anzahl  seiner  Anhänger
wurden  getötet.  Eine  tussische  Fahne,  die  sie  in  einem  Dorfe  der  Umgegend
aufgepflanzt  hatten,  wurde  von  den  Unfrigen  erbeutet.  Abdurrezak  ist
Kurde  und  gehört  zu  der  Familie  der  Bederkhani.

                              Ein  neuer  türkischer  Erfolg.
                                                              Konstantinopel,  15.  November.
                     Amtlicher  Bericht  des  Großen  Hauptaquartiers.

Gestern  griffen  unsere  Truppen  in  der  Zone  von  Lasistan  (Wilajet
Trapezunt)  die  Stellung  von  Liman—Sisi  (im  russischen  Gouvernement
Charkow)  in  der  Nähe  der  russischen  Grenze  an.  Der  Feind  erlitt  große
Verluste,  und  unsere  Truppen  umzingelten  die  russischen  Truppen,  die  sich
dort  befanden.  Die  Russen  wollten  Verstärkungstruppen  landen,  aber
diese  wurden  von  unseren  Truppen  zerstreut.  Eine  andere  Abtcilung  von
uns  besetzte  Duzheuy  und  umzingelte  die  feindlichen  Truppen,  die  sich
in  der  Stellung  von  Han  Medressessi  befanden.  Wir  nahmen  dem  Feinde
eine  Menge  Munition  und  Lebensmittel  ab.  Heute  bombardierten  die
Russen  erfolglos  die  Posten  von  Kokmuch  und  Ab  Islah  nach  der  Grenze.

                                                               (Tag,  17.  Nov.)


                       Eine  Ansprache  des  Königs  von  Bayern.
                                                               München,  16.  November.

In  München  werden  auf  Veranlassung  eines  neu  gegründeten  Ortsausschusses
  die  Wehrkraftschüler  noch  besonders  militärisch  ausgebildet.
Bei  Besichtigung  der  Abteilung  Mittelschüler,  die  der  Reichstagsabgeordnete
  Major  Dr.  v.  Calker,  der  Straßburger  Strafrechtslehrer,  zurzeit
Kommandeur  des  Infanterie-Leibregiments,  in  München  vorführte,  hat
der  König  eine  Ansprache  gehalten  und  gesagt:

„Der  Krieg  wird  noch  lange  dauern.  Aber  wir  werden  nicht  ruhen
noch  rosten,  bis  der  Feind  aus  dem  Felde  geschlagen  ist  und  wir  einen
Frieden  haben,  der  uns  auf  lange  Zeit  vor  Ueberfall  sichert.  Ihr  bereitet
euch  vor  auf  den  Krieg.  Vergeßt  aber  darüber  eure  bürgerlichen  Pflichten
  und  eure  Studien  nicht,  denn  unsere  Erfolge  waren  nur  dadurch
möglich,  daß  wir  in  der  Schule  eine  Bildung  erreicht  haben,  wie  sie  in
keinem  Lande  der  Welt  möglich  ist.  Vertraut  auf  Gott!  Vertraut  auf
unsere  brave  Armee  und  tut  eure  Schuldigkeit!  Gott  befohlen!“

                                                                               (Tag,  17.  November.)

Telegrammwechsel  zwischen  Kaiser  Wilhelm  und  dem  Sultan.

Konstantinopel,  16.  November.  Kaiser  Wilhelm  hat  an  den
Sultan  folgende  Depesche  gerichtet:  In  dem  Augenblick,  wo  ich  das  Ver-
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                                                            —  738  —

gnügen  habe,  im  Hauptquartier  meiner  tapferen  Armee  drei  Prinzen

aus  der  Kaiserlich  osmanischen  Familie  zu  empfangen,  lege  ich  Wert

darauf,  Eurer  Majestät  zum  Ausdruck  zu  bringen,  daß  ich  volles  Ver—

trauen  in  den  Erfolg  unserer  Armeen  habe,  die  sich  vereinigt  haben,  um

mit  gleichem  Ziele  für  Recht,  Freiheit  und  Gerechtigkeit  zu  kämpfen.
Der  Sultan  erwiderte  mit  folgendem  Telegramm:

Der  außerordentlich  wohlwollende  Empfang,  dessen  Gegenstand  meine
Neffen  seitens  Eurer  Majestät  bei  ihrer  Ankunft  im  Hauptquartier
der  tapferen  Kaiserlichen  Armee  waren,  ist  ein  Zeichen  der  kostbaren
Freundschaft  Eurer  Majestät  mir  gegenüber,  sowie  ein  deutlicher  Beweis
der  Vereinigung  unserer  Armeen  in  dem  gleichen  Gefühle  der  Hingebung
und  des  Vertrauens.  Ich  beeile  mich,  Eurer  Moajestät  aus  diesem  Anlaß
meinen  lebhaftesten  Dank  auszusprechen,  und  ich  lege  Wert  darauf,
Eurer  Majestät  meine  größte  Bewunderung  für  die  großartigen  Heldentaten
  Ihrer  Armeen  und  Flotten  zum  Ausdruck  zu  bringen.  Es  ist  mir
ein  großes  Vergnügen,  Eurer  Mojestät  zur  Kenntnis  zu  bringen,  daß
meine  tapferen  Armeen  nach  blutigem  Kampfe  die  russische  Armee
vollständig  geschlagen  haben  und  sie  siegreich  verfolgen.  Ich  erblicke  in
diesem  ersten  Siege  meiner  Armeen  gern  ein  gutes  Vorzeichen  für  den
endgültigen  Erfolg  unseres  gemeinsamen  Zieles  und  hege  die  feste  Zuversicht,
  daß  mit  Hilfe  des  Allmächtigen  diesem  Siege  bald  größere
Siege  unserer  verbündeten  Heere  auf  drei  Kontinenten  wie  auch  auf
allen  Meeren  folgen  werden.  (W.  T.  B.)


                   Der  afghanische  Aufmarsch  gegen  Indien.

        Konstantinopel,  16.  November.  Der  Emir  von  Afghanistan
hat  nach  einer  Mitteilung  eines  afghanischen  Blattes  durch  eine  Proklamation
  alle  Mohammedaner  unter  die  Waffen  gerufen.  Die  Stämme
an  der  imdisch-afghanischen  Grenze  haben  sich  für  den  Emir  erklärt.  Die
afghanische  Hauptmacht  hat  ihren  Aufmarsch  gegen  die  englische  Grenze
bereits  vollzogen.  (Post,  17.  November.)


                         Vom  südlichen  Kriegsschauplatz.
       Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:

                                                                             Wien,  16.  November.

Auf  dem  südlichen  Kriegsschauplatze  haben  unsere  siegreichen  Truppen
  durch  ihre  hartnäckige  Verfolgung  dem  Gegner  keine  Zeit  gelassen,
sich  in  seinen  zahlreichen,  speziell  bei  Valjevo  seit  Jahren  vorbereiteten
befestigten  Stellungen  zu  erneutem  ernstlichem  Widerstande  zu  gruppieren.
Deswegen  kam  es  auch  vor  Valjevo  nur  zu  Kämpfen  mit  feindlichen
Nachhuten,  die  nach  kurzem  Widerstande  unter  Zurücklassung  von  Gefangenen
  geworfen  wurden.  Unsere  Truppen  erreichten  die  Kolubara,
besetzten  Valjevo  und  Obronovac.  Der  Empfang  in  Valjevo  war
charakteristisch:  zuerst  Blumen,  doch  nur  zur  Täuschung;  dann  folgten
ihnen  unmittelbar  Bomben  und  Gewehrfeuer.


                                   Gärung  in  Indien.

W.T.  B.  Konstantinopel,  16.  November.  Das  hier  erscheinende
  Parteiblatt  „Haver“  erfährt,  daß  die  Engländer  erst  jetzt  das
geheime  muselmanische  Komitee  „Hitbullah“,  d.  h.  „die  Partei  Gottes“,
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                                                      —  739  —

 das  vor  acht  Jahren  in  Kalkutta  gebildet  wurde,  entdeckt  haben.  Man
glaubt,  daß  der  Anschlag  auf  den  Vizekönig  von  Delhi  das  Werk  des
Komitees  gewesen  ist.  «

Die  Engländer  bemühen  sich,  die  deutschen  Siege  zu  verheimlichen,
aber  es  gelingt  ihnen  nicht  ganz.  In  Indien  herrscht  starke  Gärung  gegen
England.  Der  Vizekönig  soll  gedroht  haben,  dem  Emir  von  Afghanistan
die  Geldzuwendungen  zu  entziehen,  wenn  er  sich  gegen  England  wende,
aber  die  Afghanen  messen  der  Drohung  keine  Bedeutung  bei,  sondern
warten  mit  Ungeduld  auf  den  Zeitpunkt,  wo  fie  den  Khaiberpaß  und
Peschawar  angreifen  werden.


                           Der  wachsende  Burenaufstand.

                                                          Rotterdam,  16.  November.

Die  Meldungen  des  Reuterbureaus  von  den  fortwährenden  Erfolgen
der  Regierungstruppen  gegen  die  aufständischen  Buren  wird  hier  kein
Glauben  geschenkt,  weil  man  Nachrichten  darüber  hat,  daß  der  Aufruhr
nunmehr  nicht  nur  den  ganzen  Oranjestaat,  sondern  auch  bereits  den
Süden  von  Transvaal  erfaßt  hat  und  sich  am  Sonnobend  starke  Abteilungen
  berittener  Buren  zwischen  Philippstowmn  und  Colesberg  gezeigt
haben.  Zu  größeren  Kämpfen  ist  es  bisher  nicht  gekommen,  da  General
Dewet,  der  den  Oberbefehl  führt,  äußerst  vorsichtig  operiert  und  offenbar
  bemüht  ist,  durch  stetes  Ausweichen  und  Wiederauftauchen  die  gegen
die  Buren  aufgebotenen  Streifkommandos  zu  ermüden  und  zu  verwirren.
  Die  Gefechte,  die  von  Erfolgen  der  Engländer  melden,  stellen
sich  durchweg  als  Uebertreibungen  dar,  es  handelt  sich  dabei  in  der  Regel
um  Vorpostengefechte,  wobei  ja  zumeist  einige  Gefangene  gemacht  werden.
Wie  ernst  die  Lage  in  Kapstadt  beurteilt  wird,  geht  daraus  hervor,  daß
in  der  dortigen  Presse  bereits  die  Möglichkeit  erörtert  wird,  die  gesamten
Truppen  im  Süden  der  Kapkolonie  zusammenzuziehen,  um  bis  zum  Eintreffen
  der  nötigen  Verstärkungen  die  Tafelbai  für  das  Mutterland  zu
halten.  (Deutsche  Tageszeitung,  17.  November.)


                                  Die  englischen  Hunnen.

In  der  englischen  Presse  erscheinen  Tag  für  Tag  Lügen  über  die
„Deutschen  Hunnen“.  Da  ist  es  nun  interessant,  aus  dem  Befehlsbuch,
das  bei  einem  gefallenen  englischen  Offizier  gefunden  wurde,  zu  ersehen,
daß  gerade  die  Engländer  allen  Grund  haben,  vor  ihrer  eigenen  Tür
zu  kehren.  In  dem  Tagesbefehl  an  II.  Bataillon  Royal  Scoth  Füsiliers
heißt,  es  in  deutscher  Uebersetzung:


                                          Tagesbefehl.
                 oc.  B.  Coy  II.  Bataillon  Royal  Scoth  Füsiliers.

Da  viele  Fälle  vorgekommen  sind,  in  denen  von  britischen  Truppen
besetzte  Häuser  geplündert  worden  sind  und  viel  Schaden  angerichtet
worden  ist,  muß  daran  erinnert  werden,  daß  unsere  Truppen  augenblicklich
  in  dem  Lande  unserer  Verbündeten  operieren.

Von  englischen  Truppenführern  wird  also  selbst  die  Tatsache  bezeugt,
daß  in  vielen  Fällen  britische  Truppen  die  von  ihnen  besetzten  Häuser
geplündert  haben.  Aber  nicht  genug!  In  dem  Befehl  wird  ausdrücklich
daran  erinnert,  daß  die  englischen  Truppen  augenblicklich  in  dem  Lande
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        ihrer  Verbündeten  operieren.  Damit  wird  ohne  Zweifel  angedeutet:
„Später,  wenn  wir  in  Deutschland,  dem  Lande  unseres  Feindes  sein
werden,  wird  das  Plündern  erlaubt  sein.“  Und  solche  Leute  wagen  es,
über  uns  Deutsche  zu  Gericht  zu  sitzen!

Auch  folgende  andere  Stellen  aus  den  englischen  Tagesbefehlen

find  recht  kennzeichnend:
                                 Tagesbefehl

des  Oberleutnants  Baird  Smith,  Kommandeur  der  Royal  Scoth  Füsiliers.

  1                                                                      Terhand,  19.  10.  14.
                                Auszug  aus  Armee-Tagesbefehl.

a)  —
b)  Zurückbleiben  hinter  der  Truppe  (straggling),  Nachzügler.

Der  Oberkommandierende  bemerkt  mit  Unwillen,  daß  das  Zurückbleiben
  hinter  der  Truppe  bei  den  Korps  der  im  Feld  stehenden
britischen  Kräfte  noch  anhält,  und  er  hat  Grund  zu  der  Annahme,
daß  in  bestimmten  Fällen  nicht  genügend  Anstrengungen  gemacht
werden,  um  zur  Truppe  zurück  zu  gelangen.

d)  Teilweise  Zivilkleidung  ist  streng  verboten.

e)  Abzeichen.  Der  Gebrauch  der  Soldaten,  ihre  Regimentsabzeichen
zu  veräußern,  wird  strengstens  untersagt.

Die  ein  Kommando  führenden  Offiziere  haben  die  notwendigen
Maßregeln  zu  ergreifen,  um  zu  verhindern,  daß  Verwüstungen
(damage)  angerichtet  werden.  

Wenn  eine  Wiederholung  der  bereits  berichteten  Zustände  eintritt,
  hat  der  Kommandierende  General  die  strengsten  disziplinarischen
Maßregeln  zu  treffen.

Zugegeben  werden  hier  somit  folgende  Eigenschaften:  Drückebergerei,
Tragen  teilweiser  Zivilkleidung,  Veräußerung  von  Regimentsabzeichen
und  Verwüstungen.  Diese  Auslese  kriegerischer  Tugenden  spricht  für
sich  selber.  (W.T.  B.)

                      Der  Gouverneur  von  Warschau  gefangen.
                                                                W.T.B.  Berlin,  17.  November.

Unter  den  in  der  Schlacht  bei  Kutno  Gefangenen  befindet  sich  auch
der  Gouverneur  von  Warschau,  von  Korff,  mit  seinem  Stabe.

                             Die  österreichischen  Siege  in  Serbien.  .
                                                       Pest,  16.  November.

Ueber  die  Lage  auf  dem  südlichen  Kriegsschauplatze  erhält  der
„Pester  Lloyd“  von  verschiedenen  Berichterstattern  folgende  Meldungen:

Die  Beschießung  der  Belgrader  Festung  von  Semlin  aus  dauert  fort.
Auf  dem  Kalimegdan  sind  fast  alle  militärischen  Gebäude,  auch  das
Palais  des  Generalstabes,  zerstört.  Der  Konak  sowie  mehrere  öffentliche
Gebäude  im  Stadtinnern  haben  stark  gelitten.

Die  Fortsetzung  des  serbischen  Rückzuges  dürfte  auf  Kragujevatz  erfolgen,
  da  die  allgemeine  Offensive  der  österreichisch-ungarischen  Armee
begonnen  hat,  und  das  Vorrücken  über  die  Donau—Save-Linie  den
baldigen  Fall  Belgrads  ohne  besonderes  Kraftaufgebot  bewirken  dürfte.
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                                                     —  741  —

Falls  die  aus  mehreren  tausend  Mann  bestehende  Belgrader  Besatzung
  den  Anschluß  an  die  zurückgehende  eigene  Armee  versäumt,  wird
sie  von  unseren  vorrückenden  Truppen  im  Rücken  efaßt  und  sich  kampf- los
  ergeben  müssen.  (Deutsche  Tageszeitung,  18.  November.)


                      Mitteilung  der  Obersten  Heeresleitung.

(W.T.B.)  Großes  Hauptgquartier,  17.  November,  vorm.
Auch  der  gestrige  Tag  verlief  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  im  allgemeinen
  ruhig.  Südlich  Verdun  und  nordöstlich  Tirey  griffen  die  Franzosen
  erfolglos  an.

Die  Operationen  auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  nahmen  weiter
einen  günstigen  Fortgang,  nähere  Nachrichten  liegen  noch  nicht  vor.

                                                                        Oberste  Heeresleitung.

                      „Eine  neue,  stärkere  „Emden“  wird  erstehen.“

Auf  das  Beileidstelegramm  der  städtischen  Kollegien  von  Emden  an
den  Kaiser  aus  Anlaß  des  heldenmütigen  Unterganges  der  „Emden“  hat
der  Kaiser  folgende  Antwort  gesandt:

„Großes  Hauptaquartier,  Zivilkabinett,  15.  November.  Herzlichen
Dank  für  Ihr  Beileidstelegramm  anläßlich  des  betrübenden  und  doch  so
heldenhaften  Endes  meines  Kreuzers  „Emden“.  Das  brave  Schiff  hat
auch  noch  im  letzten  Kampfe  gegen  den  überlegenen  Feind  Lorbeeren  für
die  deutsche  Kriegsflagge  enworben.  Eine  neue,  stärkere  „Emden“  wird
erstehen,  an  deren  Bug  das  Eiserne  Kreuz  angebracht  werden  soll  als  Erinnerung
  an  den  Ruhm  der  alten  „Emden".  Wilhelm  I.  R.“  (W.T.  B.)

                            Neue  verstärkte  Angriffe  bei  Reims.

London,  17.  November.  „Morningpost“  meldet:  Seit  Freitag
herrscht  große  Tätigkeit  in  der  Champagne.  Reims  und  Umgebung
werden  wieder  heftig  beschossen.  Die  deutschen  Linien  erstrecken  sich  in
einem  Halbkreis  um  die  Stadt;  die  Deutschen  haben  verschiedene  Forts
in  ihrem  Besitz.  In  den  lesten  48  Stunden  wurden  heftige  Angriffe  des
Feindes  auf  die  wichtigsten  Punkte  ausgeführt,  wobei  der  größte  Druck  in
der  Richtung  auf  Berry-au-Bac  und  Thiel  geübt  wurde.  Die  Deutschen
erhielten  offenbar  große  Verstärkungen  an  Artillerie,  ihre  schweren  Belagerungsgeschütze
  sind  wieder  von  den  Höhen  abgefahren.  Die  deutschen
Laufgräben  sind  ein  gutes  Ende  vorgeschoben.  Die  nächtlichen  Angriffe
dauern  ständig  fort.  Heute  früh  wurden  die  Schlachthäuser  in  die  Luft

gesprengt.
                             Oesterreichische  Offensive  gegen  Polen.

Wien,  17.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:  17.  Nov.,  mitt
Aus  dem  Bereich  von  Krakau  vorbrechend,  nahmen  unsere  Truppen  gestern
die  vorderen  Befestigungslinien  des  Feindes  nördlich  der  Reichsgrenze.
Im  Raume  von  Wolbrom  und  Pilica  gelangten  die  Russen  zumeist  nur  in
den  Bereich  unseres  Artilleriefeuers.  Wo  feindliche  Infanterie  angriff,
wurde  sie  abgewiesen.  Eines  unserer  Regimenter  machte  fünfhundert
Gefangene  und  erbeutete  zwei  Maschinengewehrabteilungen.  Der  deutsche
Sieg  bei  Kutno  äußert  bereits  seine  Wirkungen  auf  die  Gesamtlage.

Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
 (W.T.B.)                                         v.  Hoefer,  Generalmajor.
47
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                                                               —  742  —

                      Vom  südlichen  Kriegsschauplatz.

Wien,  17.  November.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich
gemeldet:

Auf  dem  südlichen  Kriegsschauplatg  haben  unsere  Truppen  sich  gestern
bis  an  die  Kolubara  herangeschoben,  diese  auch  schon  mit  Teilen  überschritten,
  obwohl  sämtliche  Brücken  vom  Gegner  zerstört  wurden.

In  Valjevo,  wo  bereits  ein  höheres  Kommando  eingetroffen  ist,
wurde  die  Ruhe  und  Ordnung  rasch  hergestellt.  Die  Stadt  ist  von  serbischen
  Truppen  hart  mitgenommen  worden.  Ein  kleines  Kavalleriedetachement
  machte  gestern  300  Gefangene.  (Dtsch.  Tagesztg.,  19.  Nov.)

                          Kaiser  Franz  Joseph  an  Potiorek.

Wien,  17.  November.  Der  Kaiser  hat  folgendes  Allerhöchstes
Handschreiben  erlassen:

„Lieber  Feldgeugmeister  Potiorekl  In  zielbewußter,  beharrlicher
Durchführung  wohlerwogener  Entschlüsse  ist  es  Ihnen  im  Verein  mit  der
opferfreudigen,  zähen  Ausdauer  und  heldenhaften  Tapferkeit  ihrer
Truppen  gelungen,  entscheidende  Erfolge  an  der  Drina  zu  erreichen,  und
weithin  in  des  Feindes  Land  zu  dringen.  Mit  hoher  Befriedigung  blicke
ich  auf  Meine,  Ihrer  vielerprobten  Führung  anvertrauten  Balkanstreitkräfte.
  Dankbarst  gebe  ich  Meiner  vollsten  Anerkennung  Ausdruck,  indem
Ich  Ihnen  das  Militärverdienstkreuz  erster  Klasse  mit  der  Kriegsdekoration
  verleihe.  Möge  Gottes  Segen  Sie  weiter  geleiten  auf  ruhmvollen
Bahnen.“                                               (Dtsch.  Tagesztg.,  19.  Nov.)

                       Aufstand  in  Aegypten  und  im  Sudan.

         Konstantinopel,  17.  November.  Das  Blatt  „Turan“  erfährt:
Da  die  ägyptischen  Liberalen  trotz  der  Maßnahmen  der  Engländer  schon
seit  langer  Zeit  alle  Vorbereitungen  für  einen  allgemeinen  Aufstand  getroffen
  haben,  wird  dieser  sofort  beginnen,  sobald  die  Nachricht  von  der
Verkündigung  des  heiligen  Krieges  nach  Aegypten  gelangen  wird.  Die
englischen  Truppen  in  Aegypten  reichen  nicht  hin,  einen  solchen  Aufstand
zu  unterdrücken.  Die  Bevölkerung  des  Sudans  hat  sich  bereits  erhoben
und  dringt  gegen  Norden  vor.  —  Die  eingeborenen  ägyptischen  Offiziere
und  Truppen,  die  nach  dem  Sudan  verschickt  worden  sind,  werden  sich  der
Bewegung  anschließen.  Andererseits  nähern  sich  die  Senussi  der  Grenze
Aegyptens.                                                (Dtsch.  Tagesztg.,  19.  Nov.)

                              Einzug  der  Japaner  in  Tsingtau.
London,  17.  November.  Das  Reutersche  Bureau  meldet  aus  Tokio
vom  16.  November:  Die  japanischen  Truppen  sind  in  Tsingtau  eingerückt.
                                                    (Dtsch.  Tagesztg.,  19.  Nov.)

                   Abreise  des  russischen  Gesandten  aus  Teheran.

Ueber  die  Haltung  Persiens  wird  der  „Tägl.  Rundsch.“  vom  19.  Nov.
folgendes  gedrahtet:

Kopenhagen,  17.  November.  Eine  Blätternachricht  aus  Petereburg
  besagt:  Der  russische  Gesandte  hat  Teheran  verlassen  und  ist  nach
Täbris  übergesiedelt.  Die  persische  Regierung  hat  das  Parlamet  zu
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                                                           —  743  —

einer  außerordentlichen  Tagung  einberufen.  Petersburger  Blättern  zufolge
  wurde  in  Teheran  der  Aufruf  des  Kalifen  amtlich  durch  die  Regielung
  bekanntgegeben  mit  der  gleichzeitigen  Verkündung,  daß  der  Durchzug
türkischer  Truppen  durch  Persien  von  der  Regierung  gestattet  worden  sei.

                   Zehn  Milliarden  englische  Kriegsanleihe.

London,  17.  November.  Die  „Daily  News“  erfährt,  die  Regierung
  beabsichtige,  eine  Kriegsanleihe  in  Höhe  von  500  Millionen  Lstrl.
herauszubringen,  die  in  zwei  gleichen  Teilen  emittiert  werden  soll.

                                 Hindenburgs  Armeebefehl.

Thorn,  17.  November.  Hier  ist  heute  folgender  Armeebefehl  des
Generalobersten  v.  Hindenburg  bekanntgegeben  worden:

„Seine  Majestät  der  Kaiser  hat  auf  meine  gestrige  telegraphische
Meldung  Allerhöchst  folgendes  geantwortet:

Generaloberst  v.  Hindenburg  Für  den  schon  gestern  und  heute
erreichten  und  vielversprechenden  Erfolg  der  von  Ihnen  geleiteten  Operationen
  sende  Ich  Ihnen  in  hoher  Freude  Meinen  kaiserlichen  Dank.
Auch  Ihres  Generalstabschefs  und  Ihrer  anderen  Helfer  im  Stabe  gedenke
  Ich  in  höchster  Anerkennung.  Ihren  braven,  nie  versagenden
Truppen  entbieten  Sie  ebenfalls  Meine  Grüße  und  Dank  für  die  unübertrefflichen
  Leistungen  im  Marsch  und  Gefecht.  Meine  besten
Wünsche  geleiten  Sie  für  die  kommenden  Tage.  Wilhelm  I.  R.

Diese  Allerhöchste  Anerkennung  soll  uns  ein  Sporn  sein,  auch  ferner
unfre  Schuldigkeit  zu  tun.  Der  Oberbefehlshaber  im  Osten:  v.  Hindenburg.
                                                             (Berl.  Tagebl.,  19.  Nov.)

       Der  russische  Generalstabsbericht  über  die  deutsche  Offenstve.
                                   Die  Kämpfe  in  Polen  und  Galizien.

(W.T.  B.)  Petersburg,  17.  November.  Der  Große  Generalstab
  veröffentlicht  folgenden  Bericht:  Nach  den  Kämpfen  im  Oktober  auf
den  Straßen  nach  Warschau  und  Iwangorod,  die  durch  unseren  Sieg
gekrönt  wurden,  begann  der  Feind  den  Rückzug  zu  seiner  Grenze,  wobei
er  schonungslos  die  Eisenbahnen  und  Chausseen  zerstörte.  Längs  der
Eisenbahnen  sprengten  die  Deutschen  die  Bahnhöfe  und  die  dazu  gehörenden
  Gebäude  in  die  Luft  oder  steckten  sie  in  Brand  und  vernichteten  alle
Wassertürme,  Wasserleitungen  und  Weichen.  An  gewissen  Kreuzungen
sprengte  der  Feind  die  Schienen  so  vollständig,  daß  für  die  Wiederherstellung
  der  zerstörten  Strecke  das  Legen  neuer  Schienen  erforderlich  war.
Ebenso  sprengten  die  Deutschen  alle  Brücken  und  Wasserleitungen,  selbst  die
kleinsten,  von  Grund  aus,  um  dadurch  ihre  Wiederherstellung  unmöglich
und  ihren  Neubau  notwendig  zu  machen.  Auf  den  Chausseen  wurden
sämtliche  Brücken  zerstört.  Die  Straße  selbst  wurde  schachbrettartig  auf
der  rechten  und  linken  Seite  aufgegraben  oder  gesprengt.  Der  Feind  schlug
die  Telegraphemmasten  um,  zertrümmerte  die  Isolatoren  und  zerschnitt  die
Drähte.  Alles  dieses  hielt  unsere  Verfolgung  ernstlich  auf,  wodurch  es
dem  Feinde  gelang,  auf  dem  linken  Ufer  der  Weichsel  allmählich  aus  unserem
  Aktionsgebiete  herauszukommen  und  sich  seinem  Gebiete  zu  nähern.
Nachdem  die  Deutschen  diese  Aufgabe  erfüllt  hatten,  benutzten  sie  ihr  aus-                                                       47*
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                                                                   —  744  —

gedehntes  Eisenbahnnetz,  ihre  Truppen  auf  dem  schnellsten  Wege  nach
Norden  zu  schaffen,  um  gegen  unseren  linken  Flügel  starke  Streitkräfte
zusammenzuziehen.  Mitte  November  machte  sich  eine  deutsche  Offensive
in  der  Gegend  zwischen  Weichsel  und  Warthe  bemerkbar,  die  zu  Kämpfen
führte,  die  sich  gegenwärtig  auf  der  Front  Plock—Lentschitsa—Puneiomw
entwickeln.  In  Ostpreußen  in  der  Gegend  von  Stallupönen  und  Possessern
versuchte  der  Feind  durch  abgesonderte  Abteilungen  unsere  Offensive  aufzuhalten,
  zog  sich  aber  zurück,  nachdem  sein  Versuch  mißglückt  war.  (9)  In
der  Gegend  von  Soldau  und  Neidenburg  dauert  die  Aktion  an.  Unsere
Offensive  gegen  Krakau  und  die  galizische  Front  wird  fortgesetzt.  Die
Versuche  der  Oesterreicher,  auf  unseren  Angriffsstraßen  feste  Stellungen
einzunehmen,  bleiben  ohne  Erfolg.  In  den  Kämpfen  am  13.  November
südlich  Lysky  machten  wir  zehn  Offiziere  und  Tausende  von  Soldaten  zu
Gefangenen.  (Notiz  des  W.T.  B.:  Man  weiß,  mit  welcher  Vorsicht
russische  Zahlenangaben  aufzunehmen  sind.)

                                Die  Jagdfahrten  der  „Karlsruhe“.

Rotterdam,  17:  November.  In  England  ist  Kapitän  Jonker,
Offizier  des  holländischen  Schiffes  „Maria“,  das  einer  Rotterdamer
Reederei  gehört,  eingetroffen.  Der  Dampfer  war  für  englische  Rechnung
vermietet  und  nach  Belfast  mit  Getreide  unterwegs.  Der  Kapitän  erzählte
  seine  Erlebnisse  dem  Londoner  Vertreter  des  Allgemeinen  Handolsbladet:
  Nachdem  der  Dampfer  seit  Juni  die  halbe  Welt  umfahren  hatie,
wurde  er  schließlich  in  Kortland  in  Oregon  mit  Weizen  beladen.  Infolge
eines  Brandes  im  Hafen  befand  sich  auch  sein  Schiff,  das  mehr  als  5000
Tonnen  Weizen  geladen  hatte,  in  Gefahr.  Am  20.  Juni  dampfte  das
Schiff  nach  Coronel  in  Chile  ab,  um  die  Kap  Verdischen  Inseln  zu  erreichen.
  Bis  dahin  war  Kapitän  Jonker  nur  erster  Steuermann  gewesen.
Am  10.  und  11.  August  auf  der  Fahrt  nach  Coronel  verschwand  auf  unbekannte
  Weise  der  Kapitän  von  Bord  und  Jonker  mußte  die  Führung
des  Schiffes  übernehmen.  Am  1.  September  verließ  das  Schiff  Punta
Arenas  und  gelangte  in  den  südlichen  Teil  des  Atlantischen  Ozeans.  Am
18.  September  befand  er  sich  auf  der  Höhe  von  Pernambuco.  Gegen  zwei
Uhr  mittags  wurde  es  durch  einen  englischen  Kreuzer  angehalten.  Nachdem
  der  englische  Seeoffizier  alles  an  Bord  in  Ordnung  gefunden  hatte,
riet  er  dem  Kapitän  Jonker,  auf  der  Hut  vor  deutschen  Schiffen  zu  sein.
Er  sagte  jedoch  nicht,  wo  solche  sich  befinden  könnten.  Am  21.  September
tauchte  ein  anderer  Kreuzer  auf,  dem  mehrere  Schiffe  folgten.  Es  war
der  deutsche  Kreuzer  „Karlsruhe"“.  Die  „Maria“  wurde  angehalten.  Als
die  deutschen  Offiziere  aus  den  Schiffspapieren  ersehen  hatten,  daß  die
„Maria“  Weizenladung  für  England  an  Borr  hatte,  erhielt  der  Kapitän
und  die  Bemannung  Befehl,  das  Schiff  mit  ihren  eigenen  Sachen  zu  verlassen.
  Sie  gingen  auf  den  Dampfer  „Crefeld“  über,  eines  der  Schiffe,
die  dem  Kreuzer  folgten,  und  wo  sich  die  Bemannung  verschiedener,  in  den
Grund  gebohrter  Schiffe  befand.  Nachdem  die  „Karlsruhe“  die  „Maria"
versenkt  hatte,  machte  sie  Jagd  nach  einem  englischen  Schiffe.  Kapitän
Jonker  sah  die  „Maria“  allmählich  versinken.  An  Bord  der  „Crefeld“
fand  er  die  Bemannung  von  fünf  englischen  Schiffen,  denen  die  „Karlsruhe“
  den  Untergang  bereitet  hatte.  Es  waren  ungefähr  120  Mann.
Die  Behandlung  an  Bord  war  gut.  Die  Engländer  mußten  sich  verpflichten,
  nicht  gegen  die  Deutschen  und  Oesterreicher  zu  kämpfen.  Der  Aufent-
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                                                     —  745  —

halt  an  Bord  dauerte  32  Tage,  während  dieser  Zeit  war  die  „Karlsruhe“
eifrig  tätig,  und  Jonker  sah  manches  Schiff  sinken.  Von  allen  diesen
Schiffen  versorgte  sich  die  „Karlsruhe“  mit  Lebensmitteln.  Da  eines  der
Schiffe  gute  englische  Kohle  an  Bord  hatte,  wurde  es  nicht  zum  Sinken
gebracht,  sondern  als  Kohlenschiff  für  die  „Karlsruhe“  mitgenommen,
ebenso  erging  es  einem  anderen  Schiff.  Die  Bemannung  der  versenkten
„Cowise  Castle“  wurde  auf  einen  deutschen  Segler  gebracht,  die  der
übrigen  Schiffe  ging  an  Bord  der  „Crefeld“  oder  auf  den  Hamburger
Dampfer  „Rio  Negro“  und  „Asuncion“,  die  ebenfalls  als  Quartierschiffe
dienten.  Von  dem  einen  der  vernichteten  Schiffe  kamen  auch  einige  Damen
an  Bord.  Als  am  22.  Oktober  die  „Crefeld“  auf  der  Reede  von  Santa
Crec  in  Teneriffa  ankam,  hatte  sie  439  Personen  an  Bord.  Von  diesem
Platz  wurden  die  Holländer  auf  mehreren  Schiffen  zurückgebracht.

                                                                        (Nat.-Ztg.,  19.  Nov.)


            Der  österreichisch-ungarische  Vormarsch  in  Russisch-Polen.

(W.T.  B.)  Wien,  18.  Norember.  Amtlich  wird  verlautbart:  Operationen
  der  Verbündeten  zwangen  die  russischen  Hauptkräfte  in  Russisch-Polen
  zur  Schlacht,  die  sich  an  der  ganzen  Front  unter  günstigen  Bedingungen
  entwickelte.  Eine  unserer  Kampfgruppen  machte  gestern  über
3000  Gefangene.  Gegenüber  diesen  großen  Kämpfen  hat  das  Vordringen
russischer  Kräfte  gegen  die  Karpathen  nur  untergeordnete  Bedeutung.
Beim  Debouchieren  aus  Grybow  wurde  starke  Kavallerie  durch  überraschendes
  Feuer  unserer  Batterien  zersprengt.

                             Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes.
                                                     v.  Hoefer,  Generalmajor.

Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:  Auf  dem  südöstlichen
  Kriegsschauplatze  mehrfache  größere  Kämpfe  an  den  zerstörten
Kolubaraübergängen.  Eigene  Kräfte  bereits  am  jenseitigen  Ufer.  Am
1.  November  wurden  1400  Gefangene  gemacht,  viel  Kriegsmaterial  erbeutet.



           7  Milliarden  Mark  Kriegsanleihe  in  England  bewilligt.

Kristiania,  18.  November.  Im  englischen  Unterhause  erstattete
gestern  der  Schatzsekretär  Lloyd  George  einen  umfassenden  Bericht  über
die  englischen  Finanzen.  Er  sagte,  er  müsse  einen  Betrag  von  535  Millionen
  Pfund  für  die  Zeit  bis  zum  31.  März  zur  Verfügung  haben.  Hiervon
seien  339  575  000  Pfund  Kriegsausgaben.  Er  schlug  vor,  die  Einkommensteuer
  um  100  Prozent  zu  erhöhen,  was  12½  Millionen  Pfund  einbringen
würde;  ferner  beantragte  er  eine  Erhöhung  der  Biersteuer,  was  950  000
Pfund  ergeben  werde.  Teilweise  solle  außerdem  der  Tilgungsfonds  für
die  Staatsschulden  ausgehoben  werden,  was  275  000  Pfund  ergeben  würde.
Schließlich  sollte  eine  Extrasteuer  von  3  Pence  auf  Tee  erhoben  werden,
was  950  000  Pfund  einbringen  würde.  Es  blieben  dann  noch  321  325  000
Pfund  übrig,  die  auf  anderem  Wege  beschafft  werden  müßten.  Es  beständen,
  sagte  Lloyd  George,  starke  und  überwältigende  Gründe,  die  dafür
sprächen,  einen  Betrag  zu  beschaffen,  der  die  Regierung  in  den  Stand  setzt,
den  Krieg  über  den  März  1915  hinaus  weiterführen  zu  können.  Sie  schlage
deshalb  vor,  eine  3½prozentige  Anleihe  von  350  Millionen  Pfund
(7  Milliarden  Mark)  zu  einem  Kurse  von  95,  rückzahlbar  al  pari  im  Jahre
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                                                —  746  —

1923  aufzunehmen.  Mit  diesem  Betrag  könnte  die  Regierung  bis  zum
Juli  auskommen.  Lloyd  George  fügte  hinzu,  die  Regierung  habe  bereits
ein  Angebot  auf  feste  Uebernahme  von  100  Millionen  Pfund  von  der
neuen  Anleihe  erhalten.  Die  Anleihe  sei  eine  ausgezeichnete  Kapitalsanlage,
  da  der  britische  Kredit  noch  der  beste  in  der  Welt  sei.  Die  gesamten
  Anträge  des  Schatzkanzlers  wurden  vom  Unterhause  bewilligt.

                                                                              (Berl.  Tagebl.,  19.  Nov.)

                                Der  Bericht  des  Generalstabes.
                                             Amtlich.
                 Großes  Hauptquartier,  18.  November,  vormittags.

Die  Kämpfe  in  Westflandern  dauern  fort.  Die  Lage  ist  im  wesentlichen
  unverändert.

Im  Argonnenwalde  wurde  unser  Angriff  erfolgreich  vorgetragen.
Französische  Angriffe  südlich  Verdun  wurden  abgewiesen;  ein  Angriff
gegen  unsere  bei  St.  Mihiel  auf  das  westliche  Maasufer  geschobenen
Kräfte  brach  nach  anfänglichem  Erfolg  gänzlich  zusammen.

Unser  Angriff  südöstlich  Cirey  veranlaßte  die  Franzosen,  einen  Teil
ihrer  Stellungen  aufzugeben.  Schloß  Chatillon  wurde  von  unseren
Truppen  im  Sturm  genommen.

In  Polen  haben  sich  in  der  Gegend  nördlich  Lodz  neue  Kämpfe  entsponnen,
  deren  Entscheidung  noch  aussteht.  Südöstlich  Soldau  wurde
der  Feind  zum  Rückzug  auf  Mlawa  gezwungen.  Auf  dem  äußersten
Nordflügel  ist  starke  russische  Kavallerie  am  16.  und  17.  geschlagen  und
über  Pillkallen  zurückgeworfen  worden.

                                                 Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)

                                Der  heutige  Generalstabsbericht.
                 Großes  Hauptquartier,  19.  November,  vormittags.

In  Westflandern  und  in  Nordfrankreich  ist  die  Lage  unverändert.

Ein  deutsches  Flugzeuggeschwader  zwang  auf  einem  Erkundungsfluge
  zwei  feindliche  Kampf-Flugzeuge  zum  Landen  und  brachte  ein  feindliches
  zum  Absturz.  Von  unseren  Flugzeugen  wird  eins  vermißt.

Ein  heftiger  französischer  Angriff  in  Gegend  Servon  am  Westrande
der  Argonnen  wurde  unter  schweren  Verlusten  für  die  Franzosen  zurückgeschlagen.
  Unsere  Verluste  waren  gering.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  sind  die  erneut  eingeleiteten

Kämpfe  noch  im  Gange.  Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)

                         Flottenkampf  im  Schwarzen  Meer.
                                                                   Konstantinopel,  19.  November.

Das  türkische  Hauptquartier  meldet:  Unsere  Flotte,  die  ausgelaufen
war,  um  nach  der  russischen  Schwarzmeerflotte,  die  Trapezunt  beschossen
hatte,  zu  suchen,  traf  diese  auf  der  Höhe  von  Sebastopol.  Die  feindliche
Flotte  bestand  aus  zwei  Schlachtschiffen  und  fünf  Kreuzern.  In  dem
Kampfe,  der  sich  entwickelte,  wurde  ein  russisches  Schlachtschiff  ernstlich
beschädigt.  Die  übrigen  russischen  Schiffe  ergriffen,  von  unseren  Kriegsschiffen
  verfolgt,  die  Flucht  in  der  Richtung  auf  Sebastopol.

                                                                                (Tag,  19.  November.)
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                                                         —  747  —

                       Neuer  Vorstoh  unserer  Flotte  nach  Libau.

Am  17.  November  haben  Teile  unserer  Ostseestreitkräfte  die  Einfahrten
  des  Libauer  Hafens  durch  versenkte  Schiffe  gesperrt  und  die
militärisch  wichtigen  Anlagen  beschossen.  Torpedoboote,  die  in  den
Innenhafen  eindrangen,  stellten  fest,  daß  feindliche  Kriegsschiffe  nicht  im
Hafen  waren.  

                   Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.

                                            gez.  Behncke.                                  (W.  T.  B.).

                                Gegen  Englands  Neutralitätsbruch.

Das  Stockholmer  „Amtsblatt“  veröffentlicht  den  französischen  Wortlaut
  der  Protestnote  der  Regierungen  von  Schweden,  Norwegen  und
Dänemark  an  gewisse  Kriegführende.  Es  heißt  in  der  Note:

Darauf  bedacht,  die  strikteste  Unparteilichkeit  zu  beobachten  und  in
der  Ausübung  ihres  Handels  von  dem  Geiste  vollkommenster  Loyalität
gegenüber  den  Kriegführenden  erfüllt,  haben  die  neutralen  Länder  geglaubt,
  sich  auf  die  Unverletzbarkeit  der  grundlegenden  Sätze  des  internationalen
  Rechtes  verlassen  zu  können.  Indessen  haben  sie  von  Tag
zu  Tag  zu  ihrem  Schaden  feststellen  müssen,  daß  Kriegführende  das  Recht
in  Anspruch  nehmen,  Grundsätze  anzuwenden,  die  mit  den  Interessen  der
Neutralen  ebense  unverträglich  sind  wie  mit  dem  Völkerrecht.  Die  gegenwärtige
  Krise  wird  eines  Tages  ein  Ende  nehmen.  Dann  werden  die
kriegführenden  Staaten  sicherlich  nicht  darüber  ungehalten  sein,  einige
derjenigen  Grundsätze  noch  in  Geltung  vorzufinden,  die  ihnen  in  der
Vergangenheit  teuer  waren  und  deren  ruhmreiche  Verfechter  sie  oft  gewesen
  sind.  Sich  der  Grundsätze  des  Völkerrechts  erinnern,  heißt  das
gemeinsame  Erbe  der  zivilisierten  Nationen  bewahren,  und  verhindern,
daß  die  Fortschritte,  die  man  mehr  als  hundertjährigen  Anstrengungen
verdanke,  verfallen.  Die  Note  führt  kurz  die  folgenden,  besonders  wichtigen
  Punkte  an:  Das  Auslegen  von  Minen  auf  den  großen  Handelsstraßen
  im  Meere,  ohne  die  schuldige  Rücksichtnahme  auf  die  Sicherheit
der  friedlichen  Schiffahrt,  das  beträchtlichen  Schaden  verursacht  und  selbst
den  Verlust  zahlreicher  Menschenleben  nach  sich  gezogen  habe.  Die  Freiheit
  der  Meere  und  das  unwandelbare  Recht  der  Neutralen,  die  gemeinsamen
  Straßen  zu  benutzen,  sind  vermindert  und  beschränkt  worden.
Ferner  führt  die  Note  an:  Die  Grundsätze  für  relative  und  absolute
Konterbande,  die  Grundsätze  über  Durchsuchung  und  Kaperung,  die  seit
Jahrhunderten  anerkannt  seien,  wurden  nicht  mehr  beachtet,  was  dem
gesetzmäßigen  Handel  beträchtliche  Verzögerung  und  Schaden  zufüge.

                                    Ein  „Zeuge“"  der  „Times“.

Der  Generaldirektor  Ballin  der  Hamburg-Amerika-Linie  ersucht
um  die  Veröffentlichung  folgender  Erklärung:

Hamburg,  19.  November.  Die  „Times“  bringt  in  einem  Artikel
ihres  Korrespondenten  die  Nachricht,  daß  es  hervorragenden  Patrioten
Deutschlands  von  Tag  zu  Tag  klarer  werde,  daß  wir  England  nicht
besiegen  könnten.  Da  zu  den  namentlich  aufgeführten  Männern  auch
ich  gehöre,  lege  ich  Wert  darauf  festzustellen,  daß  meines  Erachtens
England  schon  heute  besiegt  ist,  denn  ein  England,  das  in  einem  solchen
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                                                       —  748  —

Kriege  seine  Flotte  versteckt  und  sich  nicht  mehr  aufs  Meer  hinaustraut,
hat  aufgehört,  das  alte  England  zu  sein.  Es  hat  vor  allen  Dingen  sich
damit  ein  für  allemal  des  Rechts  begeben,  mitzusprechen,  wenn  es  sich
um  die  Frage  des  europäischen  Gleichgewichts  handelt.  Ballin.
Die  „Times“  hat  Pech  mit  ihren  Zeugen.  (Tägl.  Rundsch.,  20.  Nov.)

                                   Die  Schlacht  in  Polen.
       Wien,  19.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:
Die  Schlacht  in  Russisch-Polen  nimmt  einen  günstigen  Fortgang.
Nach  den  bisherigen  Meldungen  machten  unsere  Truppen  7000  Gefangene
  und  erbeuteten  18  Maschinengewehre  und  auch  mehrere  Geschütze.

             Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                          v.  Hoefer,  Generalmajor.

                         Hindenburg  über  die  Russen.
            „Wer  die  stärksten  Nerven  hat,  wird  siegen.“

Wien,  19.  November.  Der  Berliner  Korrespondent  der  „N.  Fr.
Pr.“  Paul  Goldmann  berichtet  ausführlich  über  einen  Besuch  bei  dem
Generalobersten  v.  Hindenburg  und  gibt  eine  charakteristische  Schilderung
des  Armeeführers  und  seines  Stabes,  besonders  des  Generals  Ludendorff
  und  des  Oberstleutnants  Hoffmann.  Er  gibt  u.  a.  Aeußerungen
Hindenburgs  bei  einer  zwanglosen  Unterhaltung  an  der  Abendtafel
wieder.  Auf  die  Frage  nach  seinen  Erfahrungen  bei  dem  Zusammenwirken
  mit  der  österreichisch-ungarischen  Armee  sagte  Generaloberst  von
Hindenburg:

Die  Oesterreicher  und  Ungarn  sind  ausgezeichnete  Soldaten.  Die
Mannschaften  und  Offiziere  sind  mutig  und  tapfer.  Wir  kämpfen  Schulter
  an  Schulter  und  setzen  in  den  Fortgang  dieser  gemeinsamen  Kämpfe
die  besten  Hoffnungen.  Wir  schätzen  die  Oesterreicher  und  Ungarn  als
vortreffliche  Kameraden.  Der  Verkehr  zwischen  den  Oberkommandos
der  verbündeten  Armeen  vollzieht  sich  in  den  angenehmsten  Formen.
Gegenwärtig  stehen  wir  namentlich  in  regen  Beziehungen  mit  dem
General  Dankl,  dem  Führer  der  ersten  Armee,  mit  der  wir  Fühlung

haben.
                                Ueber  die  Russen

sagte  Generaloberst  v.  Hindenburg    im  wesentlichen  folgendes:  Die  Russen
sind  gute  Soldaten  und  halten  Disziplin,  und  Disziplin  entscheidet  schließlich
  den  Feldzug.  Aber  russische  Disziplin  ist  etwas  anderes  als  deutsche
und  österreichisch-ungarische  Disziplin.  In  unseren  Heeren  ist  sie  das
Ergebnis  der  Geistesmoral,  im  russischen  Heere  mehr  ein  stummer,
stumpfer  Gehorsam.  Die  Russen  lernten  viel  seit  ihrem  Kriege  mit
Japan,  ihre  Stärke  sind  die  Feldbefestigungen.  Sie  verstehen  es  glänzend,
sich  einzugraben.  Nun  wird  es  mit  dem  Eingraben  bald  ein  Ende
haben,  wenn  die  Erde  hart  friert,  das  ist  einer  der  Vorteile,  die  uns
der  Winterfeldzug  gegen  die  Russen  bringt.  Wenn  sie  nicht  mehr  in
die  Erde  kriechen  können,  wird  es  den  Russen  schlecht  gehen.  Vor  der
russischen  Uebermacht  fürchten  wir  uns  gar  nicht.  Uebermacht  gehört
nun  einmal  zu  den  Russen;  sie  ist  ihre  hauptsächlichste  Waffe.  Bei  Tannenberg
  waren  sie  uns  dreifach  überlegen.  Man  hat  gesehen,  was  es
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                                                   —  749  —

ihnen  nützte.  Auch  die  Ueberzahl  ist  nicht  entscheidend;  im  gegenwärtigen
  Stadium  des  Krieges  noch  weniger  als  bisher.  Die  Russen  werden
uns  nicht  niederwalzen,  im  Gegenteil,  die  Russen  sind  mürbe.  Alle
Anzeichen  deuten  darauf  hin,  daß  sie  bald  fertig  sind.  An  Waffen  und
Munition  beginnt  es  ihnen  zu  fehlen.  Auch  hungern  sie.  Selbst  Offiziere
ermangeln  der  Nahrung.  Auch  das  Land  leidet  not.  Lodz  hungert.
Das  ist  bedauerlich,  doch  es  ist  gut  so.

Mit  Sentimentalität  kann  man  keinen  Krieg  führen.  Je  unbarmherziger
  die  Kriegführung  ist,  um  so  barmherziger  ist  sie  in  Wirklichkeit,
denn  um  so  eher  bringt  sie  den  Krieg  zu  Ende.  Man  merkt  es  auch  an  der
Art,  wie  die  russischen  Truppen  sich  schlagen,  daß  sie  bald  nicht  mehr
weiter  können.  Der  Krieg  mit  Rußland  ist  gegenwärtig

                               vor  allem  eine  Nervenfrage.

Wenn  Deutschland  und  Oesterreich-Ungarn  die  stärkeren  Nerven  haben
und  durchhalten  werden  —  und  sie  werden  durchhalten  —  dann  werden
wir  siegen.

Wie  Hindenburg  und  seine  Offiziere  erklärten,  war  der  Hauptzweck
  des  Vorstoßes  nach  Warschau  und  Iwangorod,  die  Eisenbahn  nach
Warschau  zu  zerstören.  „Das  haben  wir  auch  gehörig  besorgt.  Wenn
uns  bei  dieser  Gelegenheit  Warschau  und  Iwangorod  in  die  Hände  cgefallen
  wären,  hätten  wir  nicht  nein  gesagt.  Aber  darauf  gerechnet  haben
wir  nicht.  Hingegen  mit  der  Eisenbahn  haben  wir  erreicht,  was  wir
wollten.  Die  ist  gründlich  kaput.  Die  Russen  verstehen  sich  vortrefflich
darauf,  eine  zerstörte  Eisenbahn  wiederherzustellen,  allein  es  hat  doch
wochenlang  aufgehalten,  und  das  war  unser  Plan.“

                                                             (Tägliche  Rundschau,  20.  November.)

                 Generalquartiermeister  v.  Voigts-Rhetz  +.

Großes  Hauptquartier,  19.  November.  Generalquartier--meister,
  Generalmajor  v.  Voigts-Rhetz,  ist  in  der  Nacht  vom  18.  zum
19.  November  unerwartet  einem  Herzschlage  erlegen.  Sein  Nachfolger
ist  noch  nicht  bestimmt.  (W.T.B.)

                      Die  Russen  auf  Batum  zurückgetrieben.

Konstantinopel,  19.  November.  Amtlicher  Bericht  des  Hauptquartiers.
  Seit  zwei  Tagen  greift  unser  Heer  mit  Macht  das  russische
Heer  an,  das  seine  Stellung  in  der  Linie  Azab—Zazak—Khahab  in  der
Umgebung  der  Grenze  eingenommen  hat.  Mit  der  Hilfe  Gottes  hat  unser
Heer  durch  einen  Bajonettangriff  die  Höhen  in  der  Umgebung  von  Azab
erobert,  die  der  Feind  außerordentlich  stark  befestigt  hatte.  Der  Kampf,
der  heftig  ist,  nimmt  für  uns  einen  sehr  günstigen  Verlauf.  Unsere  in
der  Richtung  auf  Batum  vorrückenden  Truppen  haben  dem  Feinde  eine
weitere  große  Niederlage  beigebracht  und  die  Stellungen  von  Zavotlar
und  Kourz  besetzt;  sie  haben  bei  Zavotlar  von  den  Russen  eine  Fahne  erbeutet
  und  sechs  Offiziere,  darunter  einen  Oberstleutnant  und  einen
Hauptmann  von  den  Kosaken,  sowie  mehrere  hundert  Soldaten  zu  Gefangenen
  gemacht;  sie  eroberten  vier  Kanonen  und  ein  Automobil,  eine
Menge  Pferde  und  viel  Lebensmittel.  Die  russischen  Verluste  sind  groß.
Der  Rest  rettete  sich  in  ordnungsloser  Flucht  in  der  Richtung  auf  Batum.
        <pb n="225" />
                                                     —  750  —

Unsere  Truppen,  die  in  Aserbeidschan  vorrückten,  hatten  am  16.  d.  M.
ein  Gefecht  mit  einer  starken  russischen  Abteilung  in  der  Nähe  von  Salmas.
  Die  Russen  wurden  geschlagen  und  verloren  an  Toten  zwei  Offiziere
  und  hundert  Mann.  Die  Häupter  der  persischen  Stämme,  die  sich
bis  jetzt  zu  den  Russen  gehalten  hatten,  haben  sich  samt  ihren  Stämmen
mit  unseren  Truppen  vereinigt.       ( W„T.  B.)

                                          Organisierte  Plünderung.

Das  „Echo  de  Paris“  bringt  in  einer  Nummer  aus  den  letzten

Httobertagen  folgende  „Die  organisierte  Plünderung“  überschriebene
otiz:

„Das  Schloß  Montmort  war  vom  5.  bis  10.  September  von  einem
deutschen  Generalstab  besetzt.  Während  die  Soldaten  die  Häuser  und
Magazine  des  Dorfes  plünderten,  besorgten  die  Offiziere  dasselbe  auf
dem  Schloß.  Alle  Behältnisse  waren  erbrochen  und  geöffnet,  dann  durchwühlt,
  die  Schränke  geleert,  die  Papiere  durchsucht  und  auf  die  Erde
geworfen.  Eine  Partie  Silbersachen  waren  gestohlen  worden,  ebenso  die
Leibwäsche.  Die  Keller  sind  gleichfalls  ausgeplündert  worden.“

Soweit  das  französische  Blatt.  Sein  Bericht  über  die  Tatsachen
ist  durchaus  richtig,  nur  haben  nicht  die  Offiziere  und  Mannschaften
eines  deutschen  Armee-Generalstabs,  der  am  5.  September  in  Schloß
Montmort  Quartier  nahm,  jene  Verwüstung  angerichtet,  sondern  französische
  Soldaten  und  Leute  aus  dem  Dorfe.  Wir  besitzen  darüber  die
klassischen  Zeugnisse  der  beiden  Offiziere,  die  für  den  Stab  des  betreffenden
  Armee-Oberkommandos  das  Quartier  besichtigten.  Der  erste
gab  zu  Protokoll:

Bei  der  Vorbesichtigung  bot  Monmort  mir  allerdings  ein  Bild  so
arger  Verwüstung  dar,  daß  die  Hoffnung,  die  Räume  in  der  gegebenen
Zeit  wieder  wohnlich  herzustellen,  anfänglich  nur  gering  war.  Die  zu
ebener  Erde  belegenen  Räume  wiesen  die  Spuren  von  dort  stattgehabten
Trinkgelagen  auf,  umgeworfene  Stühle,  heruntergerissene,  beschmutzte
Decken,  Weinflaschen,  leere,  zerbrochene,  halbvolle  in  wüstem  Durcheinander.
  Auch  die  im  Treppenhaus  befindliche  Kapelle  war  nicht  verschont
geblieben.  Ziemlich  unversehrt  waren  die  Möbel  in  den  beiden  Stockwerken,
  dagegen  hatte  man  den  Inhalt  der  Schränke  und  Truhen  herausgerissen
  und  durchwühlt.  Wertvolle  Garderobenstücke,  Wäsche  waren  in
sinnloser  Weise  aus  den  Kästen  gezogen  worden.  Etuis,  große  und  kleinere
Behälter,  deren  Inhalt  Messer,  Gabeln,  Löffel  usw.  gewesen  sein  muß,
lagen  offen  und  leer,  bunt  durcheinander,  auf  dem  Fußboden  eines
Zimmers.  In  einigen  der  oberen  Schlafzimmer  waren  wertvolle  Teppiche
  in  nicht  wiederzugebender  Weise  beschmutzt  worden.

Die  Schuldigen  sind  nach  Aussage  eines  im  Dorf  Montmort  praktizierenden
  türkischen  Arztes,  Dr.  Esra,  französische  Truppen  gewesen;
diese  hatten,  wie  die  Inschriften  auf  den  Türen  bewiesen,  noch  zwei  Tage
vor  Eintreffen  der  Quartiermacher  die  Schloßräume  innegehabt.  Zum
anderen  Teil  mögen  aber  auch  Dorfbewohner  bei  der  Verwüstung  mitgeholfen
  haben,  die  —  ebenfalls  einer  Bemerkung  des  türkischen  Arztes
zufolge  —  auf  die  Eigentümerin  des  Schlosses,  eine  belgische  Witwe,  nicht
gut  zu  sprechen  gewesen  sein  sollen.
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                                                        —  751  —

      Die  Aussage  des  zweiten  Offiziers  hat  folgenden  Wortlaut:

Am  5.  September  nachmittags  erhielt  ich  in  Dormans  Befehl,  gemeinsam
  mit  dem  Oberleutnant  F.  die  Orte  Montmort,  Champaubert
und  Baye  im  Hinblick  auf  eine  Unterbringung  des  Armee-Oberkommandos
  zu  erkunden.  Die  beiden  zuletzt  genannten  Orte  sollten  vorab
besichtigt  werden.  Wir  stellten  fest,  daß  sie  für  den  Zweck  nicht  in
Betracht  kommen  konnten,  nachdem  sich  in  Montmort  ein  weitläufiges
Schloß  zur  Unterbringung  des  Stabes  darbot.  In  Montmort  trafen
wir  bei  beginnender  Dämmerung  ein.  Dort  waren  die  Bewohner  fast
ausnahmslos  geflüchtet.  Von  der  Gemeindevertretung  war  niemand
mehr  vorhanden.  In  den  Räumen  der  Meirie  hatten  erst  französische,
dann  deutsche  Truppen  genächtigt.

Eine  Besichtigung  des  Schlosses,  in  dessen  Hofe  eine  Kolonne  aufgefahren
  war,  deren  Offiziere  einige  Schlafzimmer  bewohnten,  ergab  ein
Bild  wüstesten  Durcheinanders.  Zunächst  verzweifelten  wir  an  der  Möglichkeit,
  die  notwendigen  Räume  im  Laufe  eines  Tages  wieder  bewohnbar
  zu  machen.  Nach  Rücksprache  mit  dem  in  der  Nähe  des  Schlosses
wohnenden  Arzte  Dr.  Esra,  der  uns  versprach,  am  nächsten  Morgen
eine  Anzahl  Männer  und  Frauen  mit  Besen  u.  a.  zu  besorgen,  glaubten
wir  jedoch,  rechtzeitig  die  Unterkunft  bereitstellen  zu  können.  Der  erwähnte
  Arzt  teilte  uns  mit,  daß  das  Schloß  bis  zum  3.  September  abends
von  französischen  Truppen  bewohnt  gewesen  sei.

Nachdem  auf  Grund  unserer  Meldung  Befehl  gegeben  war,  am
6.  September  in  Montmort  Quartier  zu  machen,  ist  es  uns  mit  Hilfe
der  Damen  aus  dem  dem  Schlosse  zunächstliegenden  Hause  und  einem
Dutzend  Männer  aus  dem  Orte  gelungen,  die  erforderlichen  Räume  des
Schlosses  wieder  in  leidliche  Ordnung  zu  bringen.  Wir  stellten  dabei
fest,  daß  keine  Ecke  des  Hauses,  kein  Schrank  und  keine  Schieblade  unversehrt
  geblieben,  sogar  in  der  Hauskapelle  alles  durcheinander  geworfen
war.  Leere  Bestecketuis  und  Aehnliches  bewiesen  uns  eine  regelrechte
Plünderung.

Nach  diesen  einwandfreien  Bekundungen  kann  kein  Zweifel  mehr
darüber  bestehen,  wer  in  diesem  Kriege  die  Erbschaft  der  Vandalen  angetreten
  hat.  (Tägl.  Rundschau,  20.  November.)


   Nordamerikanische  Werften  liefern  Unterseeboote  an  England.
                         Die  „Times“  dementieren  sich  selbst.

Die  „Times“  weisen  mit  Entrüstung  den  Vorwurf  zurück,  daß  die
Verbündeten  von  den  Vereinigten  Staaten  durch  Kriegsmaterial  unterstützt
  würden.  So  sagt  das  Blatt  am  13.  November  unter  der  Ueberschrift:
  „Submarine  parts  made  in  America“:  „Die  New-York  World“
berichtet,  Graf  Bernstorff  habe  beim  Staatsdepartement  dagegen  Protest
erhoben,  daß  amerikanische  Firmen  Munition  und  anderes  Kriegsmaterial
  an  die  Verbündeten  liefern.  Der  Botschafter  hat  es  als  einen
bösen  Bruch  der  Neutralität  bezeichnet,  daß  dank  der  Beherrschung  der
See  Großbritannien  alles  das  bekommen  könnte,  was  es  brauche,  während
  dies  Deutschland  nicht  möglich  sei.  Der  Protest  des  deutschen  Botschafters
  gründet  sich  vornehmlich  auf  eine  in  der  Presse  erschienene
Notiz,  nach  welcher  „The  Fall  River  Shipbuilding  Company“  für  England
  Unterseebote  baue.  Wenn  an  dieser  Geschichte  etwas  Wahres  wäre,
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                                                          —  752  —

würde  es  wirklich  ein  Grund  sein,  dagegen  zu  protestieren.  Aber  nur
dann  wohlverstanden,  wenn  es  sich  um  fertige  Unterseeboote  handelt,  die
sofort  im  Frontdienst  verwendet  werden  können.  Es  ist  ein  alter  Brauch,
daß  Teile  von  Unterseebooten  und  anderen  Kriegsfahrzeugen  von  Neu—
tralen  versandt  werden  dürfen.  (?)  Aber  auch  selbst  Teile,  die  erst  am
Bestimmungsort  zusammengestellt  werden,  dürften  wohl  nur  dann  aus
den  Vereinigten  Staaten  exportiert  werden,  wenn  sich  die  Regierung
hiermit  einverstanden  erklärt.“  «

Man  wird  die  hier  geäußerten  Ansichten  kaum  als  „fair  play“
erachten.  Aber  das  mögen  die  Betreffenden  mit  ihrem  Gewissen  abmachen.
  Nun  aber  will  es  das  Pech,  daß  der  Leiter  des  politischen  Teils
der  „Times“  vergaß,  den  Anzeigenteil  seines  Blattes  durchzusehen.  Genau
am  gleichen  Tage  —  13.  November  —,  als  der  oben  angeführte  Artikel
erschien,  findet  sich  im  Anzeigenteil  eine  sensationelle  Abbildung  des
Querschnitts  eines  Unterseeboots,  und  darunter  stehi:  „Zum  Verkauf,
Unterseeboot  und  Minenzerstörer,  Preis  300  000  Dollars  für  Regierungen,
  Ablieferung  sofort,  vollständig  frontbereit.  Verschiedene
Schwesterboote  wurden  bereits  auf  dem  Oberdeck  von  Dampfern  über  den
Atlantischen  Ozean  gesandt.“  Dann  folgen  nähere  Angaben  über  die
Boote,  ihre  Eigenschaften  werden  gepriesen,  sie  stellten  alle  bisher  vorhandenen
  Unterseeboote  in  den  Schatten,  sie  könnten  ohne  Gefahr  sämtliche
  Minenfelder  passieren  usw.  Alles  was  zu  einer  richtigen  Anzeige
gehört,  ist  natürlich  aufgeführt.  Als  Verkäufer  zeichnet  die  „Lake  Torpedo
  Boat  Company“  zu  Bridgeport,  Conn.

Man  darf  fragen,  zu  welchem  Zweck  bezahlt  die  nordamerikanische
Firma  das  teure  Geld  für  die  Anzeige?  Hofft  sie  nicht,  daß  die  englische
  Admiralität  ihr  ihre  Boote  abkauft?  Der  Protest  des  deutschen
Botschafters  wird  schon  berechtigt  gewesen  sein,  nicht  nur  bezüglich  der
Unterseeboote,  auch  in  betreff  anderen  Kriegsmaterials!


         Reise  des  Grafen  Tisza  in  das  deutsche  Hauptquartier.

Aus  Wien  wird  amtlich  gemeldet:  „Wie  im  bisherigen  Verlaufe
des  Krieges  es  stets  der  Fall  war,  bot  der  Aufenthalt  des  königlich  ungarischen
  Ministerpräsidenten  in  Wien  auch  diesmal  Gelegenheit  zu  einer
eingehenden  Besprechung  der  Lage  zwischen  dem  Minister  des  Aeußern
und  den  beiden  Regierungschefs.  Hierbei  trat  der  schon  wiederholt  erörterte
  und  von  der  deutschen  Regierung  sympathisch  aufgenommene  Gedanke
  neuerlich  in  den  Vordergrund,  das  bestehende  volle  Einvernehmen
zwischen  den  Verbündeten  durch  eine  mündliche  Aussprache  zu  bekräftigen.
  Auf  Anregung  und  Wunsch  der  Konferenz  hat  sich  Ministerpräsident
  Graf  Tisza  zu  diesem  Zweck  heute  abend  über  Berlin  in  das  deutsche
Hauptquartier  begeben.


                       Meldung  des  Großen  Hauptquartiers.

                                                    Den  20.  November,  vormittags.

In  Westflandern  und  in  Nordfrankreich  keine  wesentlichen  Aenderungen.
  Der  aufgeweichte  halb  gefrorene  Boden  und  Schneesturm  bereiteten
unseren  Bewegungen  Schwierigkeiten.  Ein  französischer  Angriff  bei
Combres,  südöstlich  Verdun,  wurde  abgewiesen.
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                                                        —  753  —

An  der  Grenze  Ostpreußens  ist  die  Lage  unverändert.  Oestlich  der
Seenplatte  bemächtigten  sich  die  Russen  eines  unbesetzten  Feldwerkes  und
der  darin  bestehenden  alten  unbeweglichen  Geschütze.  Die  über  Mlawa
und  Lipno  zurückgegangenen  Teile  des  Feindes  setzten  ihren  Rückzug  fort.
Südlich  Plozk  schritt  unser  Angriff  fort.  In  den  Kämpfen  um  Lodz  und
östlich  Czenstochau  ist  noch  keine  Entscheidung  gefallen.

                                                                      Oberste  Heeresleitung.

                   Der  Mohammedaneraufstand  in  Marokko.

                                                                          Kopenhagen,  20.  November.

„Politiken“  meldet  aus  Madrid,  die  Vorstädte  von  Tanger  seien  in
den  Händen  der  aufständischen  Moslems.  Von  Marseille  sind  Truppen
nach  Marokko  zurückbeordert  worden.  (Berl.  Tageblatt,  20.  November.)

                                 80  000  Mann  Verluste!

(W.T.  B.)  London,  18.  November.  Lord  Newton  sprach  heute  in
einer  Werbeversammlung  in  Salford  und  sagte  darin,  daß  er  die  Verluste
der  englischen  Truppen,  die  nach  Asquith  bis  zum  31.  Ottober  57000  Mann
betragen  hätten,  4#t  auf  80  000  Manmn  schätzte.  Einige  Bataillone  hätten
ihre  sämtlichen  Offiziere  verloren.  Ein  Bataillon  Elite-Truppen  habe
unlängst  unter  dem  Befehl  eines  Feldwebels  gestanden.  Zwei  Divisionen,
die  zusammen  etwa  37  000  Mann  gezählt  hätten,  seien  auf  5300  zusammengeschmolzen.


                    Der  Schatt-el-Arab  von  den  Türken  gesperrt.

(W.T.B.)  Frankfurt  a.  M.,  20.  November.  Die  „Frankfurter
Zeitung“  meldet  aus  Konstantinopel:

Die  Engländer  haben  in  Koweit  4000  Mann,  auf  den  Bahrein-Inseln
  im  Persischen  Golf  6000  Mann  und  in  Bender  und  Buschir  an  der
Südküste  Persiens  5000  Mann  indischer  Truppen  gelandet.  Die  Türken
charterten  zur  Sperrung  des  Schatt-el-Arab  (Bassorah)  den  dort  liegenden
Dampfer  der  Hamburg-Amerika-Linie  „Ekbatana“,  den  sie  dann  versenkten.
  Außerdem  sorgt  eine  gute  Minensperre  für  die  Sicherung  des
Schatt-el-Arab  gegen  englische  Angriffe.


                   Schwere  Verluste  der  Engländer  in  Ostafrika.

London,  20.  November.  Lord  Crewe  sprach  am  18.  d.  M.  im
Oberhause  auch  über  die  Kämpfe  in  Ostafrika.  Er  sagte:  Es  war  zu  Anfang
  des  Krieges  deutlich,  daß  die  britische  Stellung  dort  nicht  völlig  sicher
war  und  daß  es  frühzeitig  notwendig  war,  Verstärkungen  zu  senden.  Der
Kampf  begann  im  Westen  und  dauerte  an  verschiedenen  Punkten  mit
wechselndem  Ergebnis  an.  Als  man  Genaueres  über  die  deutschen  Vorbereitungen
  wußte,  wurde  es  notwendig,  Verstärkungen  aus  Indien  zu
senden.  Nicht  weniger  als  sieben  kleine  Aktionen  sanden  auf  britischem
Gebiete  mit  wechselndem  Resultat  statt.  Die  Operationen  waren  mit  beträchtlichen
  Verlusten  verbunden.  In  einem  Falle  wurde  ein  Angriff  auf
eine  wichtige  vom  Feinde  mit  einer  Anzahl  Leuten  und  Maschinengewehren
  gehaltene  Stellung  gemacht,  wobei  unsere  Truppen  schwere  Verluste
  erlitten,  ohne  ihr  Ziel  zu  erreichen.  Die  Gesamtverluste  in  Ostafrika
betrugen  in  zwei  Monaten  etwa  900  Mann.  Obwohl  das  Schicksal  der
        <pb n="229" />
                                                       —  754  —

deutschen  Kolonie  von  dem  Endergebnis  des  Krieges  abhängt,  ist  es  doch
notwendig,  die  britische  Stellung  als  Vormacht  in  Süd=  und  Zentralafrika
zu  erhalten,  und  in  Ostafrika  ist  es  notwendig.  die  deutschen  Angriffe  mit
allen  verfügbaren  Mitteln  abzuweisen  und  bei  günstiger  Gelegenheit  zu
erwidern.  (Kreuz-Ztg.,  21.  Nov.)

            Generalstabschef  v.  Moltke  über  die  deutsch-österreichische
                                        Waffenbrüderschaft.

Prag,  20.  November.  Der  Korrespondent  des  „Prager  Tagblattes“
  hatte  in  Homburg  vor  der  Höhe  eine  Unterredung  mit  dem
Generalstabschef  v.  Moltke,  der  den  vorzüglichen  Eindruck  wiedergab,  den
die  österreichischen  Batterien  bei  Antwerpen  auf  ihn  gemacht  haben.  „Es
war  mir,“  sagte  v.  Moltke,  „eine  große  Freude,  den  tätigen  soldatischen
Sinn  und  den  schönen  kameradschaftlichen  Geist  unserer  Bundesgenossen
und  ihre  tadellose  Haltung  auf  mich  wirken  zu  lassen.  Die  Truppen  verdienen
  uneingeschränktes  Lob.“  Auf  die  böswilligen  Gerüchte  über  Unstimmigkeiten
  zwischen  den  deutschen  und  österreichischen  Kommandostellen
eingehend,  sagte  v.  Moltke  unter  anderem:  „Eine  so  treue  Waffenbrüderschaft
  führt  nicht  zu  Unstimmigkeiten.  Wir  stehen  zusammen  und  werden
zusammen  aushalten,  bis  wir  den  dauernden  Frieden  erkämpft  haben,  den
Detschlum  ebenso  wie  Oesterreich  braucht,  um  vor  neuen  Angriffen  sicher
zu  sein.“

       Der  Bericht  des  österreichisch-ungarischen  Generalstabes.

Wien,  20.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:

Auch  gestern  hatten  die  Verbündeten  in  Russisch-Polen  überall  Erfolge.
  Die  Entscheidung  ist  noch  nicht  gefallen.  Die  Zahl  der  gefangenen
Russen  nimmt  zu.  Vor  Przemnysl  erlitt  der  Feind  bei  einem  sofort  abgeschlagenen
  Versuche,  stärkere  Sicherungstruppen  näher  an  die  Südfront
der  Festung  herangubringen,  schwere  Verluste.

               Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes:
                                               v.  Höfer,  Generalmajor.

Wien,  20.  November.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich
gemeldet:

Partielle  Kämpfe  auf  der  ganzen  Front.  Angriff  auf  die  befestigte
Stellung  von  Lazarowatz  macht  günstige  Fortschritte.  Gestern  wurden
7  Offiziere  und  660  Mann  gefangen.  Ungünstige  Witterung;  auf  den
Höhen  1  Meter  Schnee,  die  Niederungen  überschwemmt.

                                                                                              (W.T.B.)

 

                       Jagd  auf  die  „Emden“-Mannschaft.

kutt  London,  20.  November.  Die  „Morning-Post"  berichtet  aus  Kalkutta:


Die  Hafenbehörde  von  Rangun  erläßt  eine  Warnung,  daß  sich  der
dreimastige  Schoner  „Ayesha“,  der  von  der  Landungsmannschaft  des
Kreuzers  „Emden“  auf  der  Kokosinsel  mit  Beschlag  belegt  wurde,  sowie
der  Kohlendampfer  „Exford“  mit  deutscher  Prisenbesatzung  an  Bord  noch
in  Freiheit  befinde.  Die  Landungsabteilung  bestand  aus  44  Offizieren
und  Mannschaften.
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                                                      —  755  —

                 Die  Flottenkämpfe  im  Schwarzen  Meer.

Konstantinopel,  20.  November.  Amtlicher  Bericht  des  Hauptquartiers:


Eine  russische  Flotte  von  zwei  Linienschiffen  und  fünf  Kreuzern  hat
sich,  verfolgt  von  unserer  Flotte,  nach  Sebastopol  geflüchtet.  Eine  Flottille
von  Torpedobooten  ist  in  einen  russischen  Hafen  geflohen.

                                                (Vossische  Zeitung,  21.  November.)


                 Der  Kaiser  an  den  Großherzog  von  Baden.

Karlsruhe,  20.  November.  Der  Großherzog  hat  dem  Kaiser
vor  kurzem  durch  den  Prinzen  Max  von  Baden  das  Großkreuz  des  militärischen
  Karl-Friedrich-Verdienstordens  überreichen  lassen.  Daraufhin
empfing  der  Großherzog  folgendes  Schreiben  des  Kaisers:

„Durchlauchtigster  Fürst,  freundlichst  geliebter  Vetter  und  Bruder!

Eure  Königliche  Hoheit  haben  mich  durch  die  Verleihung  des  Großkreuzes
  des  Militär-Karl-Friedrich-Ordens  hoch  erfreut.  Mit  besonders
herzlichem  Danke  empfinde  ich  es,  daß  auch  ich  gleich  meinem  Vater  und
unserem  Großvater  den  höchsten  badischen  Kriegsorden  tragen  darf.  Der
Orden  wird  mich  stets  erinnern  an  die  hervorragende  Tapferkeit,  mit  der
sich  die  badischen  Truppen  im  Felde  überall  geschlagen  haben.  Empfangen
Eure  Königliche  Hoheit  die  erneute  Versicherung  der  wahren  Hochachtung
und  Freundschaft,  womit  ich  verbleibe  Eurer  Königlichen  Hoheit  freundwilliger
  Vetter  und  Bruder.  gez.  Wilhelm.“

         In  seiner  Antwort  sagt  der  Großherzog:

„In  der  Zeit,  in  der  unter  Eurer  Majestät  glorreicher  Führung  die
deutschen  Heere  Großtaten  ohnegleichen  verrichten  und  auch  die  Truppen
meines  Landes  unvergänglichen  Ruhm  an  ihre  Fahnen  heften,  empfinde
ich  es  mit  meinen  Badenern  als  eine  besondere  Ehre,  daß  Eure  Majestät
den  höchsten  badischen  Kriegsorden  zu  tragen  geruhen  wollen.  Mit  der
Versicherung  vollkommenster  Verehrung  und  wahrer  Freundschaft,  habe
ich  die  Ehre  zu  verbleiben  Eurer  Kaiserlich  Königlichen  Majestät  treu
ergebener  Vetter  und  Bruder.                      gez.  Friedrich.“

                                                       (Vossische  Zeitung,  21.  November.)

                 Automobilunfall  des  Prinzen  August  Wilhelm.
Das  W.T.  B.  meldet:

Prinz  August  Wilhelm  erlitt  bei  einem  Automobilunfall  auf  einer
dienstlichen  Fahrt  einen  komplizierten  Unterschenkelbruch  und  eine  Kieferkontusion.

  
                        Neue  türkische  Erfolge  in  Kaukafien.
                                        Der  Vormarsch  auf  Batum.

Konstantinopel,  21.  November.  Aus  dem  türkischen  Hauptquartier
  wird  mitgeteilt:

Die  Hauptkämpfe  mit  starken  Kräften  der  russischen  Armee  spielen
sich  zurzeit  auf  dem  linken  türkischen  Flügel  in  dem  Gebiet  zwischen  dem
Flusse  Tschuruk,  der  wenige  Kilometer  südwestlich  von  Batum  ins
Schwarze  Meer  mündet,  und  der  türkisch-russischen  Grenze  ab.  Die
        <pb n="231" />
                                                        —  756  —

Kämpfe  verlaufen  bisher  durchaus  günstig  für  die  türkischen  Truppen,
die  hier  überall  schon  weit  über  die  Grenze  vorgedrungen  sind.  In  dem
Gebiet  von  Liman  wurden  die  Russen,  die  schwere  Verluste  erlitten,
bereits  über  den  Tschuruk  geworfen  und  zersprengt.  Bei  Artwin  haben
türkische  Truppen  die  russische  Vorhut  durch  einen  Bajonettangriff  überrumpelt.
  Die  Russen  verloren  zahlreiche  Tote  und  ließen  viel  Kriegsmaterial
  in  den  Händen  der  türkischen  Truppen  zurück.
                                              (Berliner  Tageblatt,  21.  November.)


                   Zwei  französische  Flugzeuge  über  Friedrichshafen.
                            W.T.  B.  Friedrichshafen,  21.  November.

Wie  das  „Seeblatt“  meldet,  erschienen  heute  mittag  zwei  feindliche
anscheinend  französische  Flugzeuge  über  der  Stadt  und  führten  einen
Angriff  auf  die  Werft  des  Luftschiffbaues  „Zeppelin“  aus,  wobei  sie  etwa
sechs  Bomben  abwarfen,  die  jedoch  keinen  Schaden  anrichteten.  Eins  der
Flugzeuge  wurde  abgeschossen,  das  andere  entkam.


                      Die  große  Schlacht  in  Polen.

     (Amtlich.)  Großes  Hauptguartier,  21.  November,
                                                    vormittags.

Auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  ist  die  Lage  im  wesentlichen
unverändert  geblieben.  Fast  vor  der  ganzen  Front  zeigte  der  Feind  eine
lebhafte  artilleristische  Tätigkeit.

Die  Operationen  im  Osten  entwickeln  sich  weiter.  Aus  Ostpreußen
ist  nichts  zu  melden.  Die  Verfolgung  des  über  Mlawa  und  bei  Plozk
zurückgeschlagenen  Feindes  wurde  fortgesetzt.  Bei  Lodz  machten  unsere
Angriffe  Fortschritte.  In  Gegend  östlich  von  Czenstochau  kämpfen  unfere
Truppen  Schulter  an  Schulter  mit  denen  unserer  Verbündeten  und  gewannen
  Boden.                             Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


               Die  Landesabteilung  der  „Emden“  noch  in  Freiheit.

  London,  20.  November.  Die  „Morning  Post“  berichtet  aus  Kalkutta:


Die  Hafenbehörde  von  Rangun  erläßt  eine  Bekanntmachung,  daß  sich
der  dreimastige  Schooner  „Ayesha“,  der  von  der  Landungsmannschaft  des
Kreuzers  „Emden“  auf  der  Kokosinsel  mit  Beschlag  belegt  wurde,  sowie
der  Kohlendampfer  „Exford“  mit  deutscher  Prisenbesatzung  an  Bord  noch
in  Freiheit  befinde.  Die  Landungsabteilung  bestand  aus  44  Offizieren
und  Mannschaften  mit  vier  Maschinengewehren.  «

                                             (Berliner  Tageblatt,  21.  November.)

                   Der  erfolglose  Angriff  gegen  die  Zeppelinwerft.

Stuttgart,  21.  November.  Bekanntmachung  des  stellvertretenden
Generalkommandos  des  13.  Armeekorps.

Heute  12  Uhr  15  Minuten  mittags  erfolgte  durch  zwei  englische
Flieger  ein  schon  frühzeitig  bemerkter  und  gemeldeter  Angriff  auf  die
Luftschiffswerft  in  Friedrichshafen.  Durch  das  in  Bereitschaft  stehende
Abwehrkommando  und  die  in  Friedrichshafen  stehende  Infanterie  wurde
alsbald  der  eine  der  Flieger,  ein  englischer  Marineleutnant,  herunter-
        <pb n="232" />
                                                     —  757  —

geschossen  und  schwer  verletzt  gefangen  genommen,  während  der  andere
in  der  Richtung  nach  dem  Schweizer  Ufer  entkam.  Mehrere  von  den
Fliegern  herabgeworfene  Bomben  richteten  an  der  Luftschiffhalle  keinerlei
Schaden  an,  dagegen  wurden  durch  die  Sprengstücke  von  der  Zivilbevölkerung
  1  Mann  getötet  und  mehrere  Personen  verwundet.  Das  abgestürzte
  Flugzeug  ist  nur  wenig  beschädigt.  (W.  T.  B.)


                    Der  Vertrag  des  Burenobersten  Maritz.

W.T.  B.  Amsterdam,,  20.  November.  Der  „Telegraaf“  meldet:

Das  in  Prätoria  erscheinende  Blatt  „Volksstem“  veröffentlicht  einen
zwischen  dem  Obersten  Maritz  und  der  Regierung  von  Deutsch-Südwestafrika
  geschlossenen  Vertrag;  dieser  enthält  sieben  Punkte:

1.  General  Maritz  hat  die  Unabhängigkeit  von  Südafrika  erklärt.
Der  Krieg  mit  England  hat  begonnen.

2.  Der  Gouverneur  von  Deutsch-Südwestafrika  erkennt  alle  afrikanischen
  Streitkräfte,  die  gegen  England  operieren,  als  Kriegführende  an,
und  fsie  werden  nach  weiteren  Besprechungen  den  Krieg  gegen  England
unterstützen.

3.  Falls  Britisch-Südafrika  für  unabhängig  erklärt  wird,  soll  der
kaiserliche  Gouverneur  von  Deutsch-Südwestafrika  alle  tunlichen  Maßregeln
  treffen,  daß  der  Staat  oder  die  Staaten  möglichst  bald  durch  das
Deutsche  Reich  als  solche  anerkannt  und  in  die  allgemeinen  Friedensverhandlungen
  eingeschlossen  werden.

4.  In  Anbetracht  dieser  Unterstützung  werden  der  neu  gebildete
Staat  oder  die  Staaten  keine  Einwendungen  dagegen  erheben,  daß  die
obengenannten  Staaten  von  der  Delagoa-Bai  und  den  Deutsch-Südwestafrika
  gegenüberliegenden  Inseln  Besitz  ergreift.

5.  Der  Talweg  des  Oranjeflusses  wird  fortan  die  Grenze  zwischen
Deutsch-Südwestafrika  und  der  Kapprovinz  bilden.

6.  Das  Deutsche  Reich  wird  keinen  Einwand  erheben,  daß  die  obengenannten
  Staaten  von  der  Delagoa-Bai  Besitz  ergreifen.

7.  Wenm  der  Ausstand  nicht  glückt,  werden  die  Aufständischen,  die  nuf
deutsches  Gebiet  übergehen,  als  deutsche  Untertanen  anerkannt  und  als
solche  behandelt  werden.

Oberst  Maritz  schickte  am  16.  Oktober  dieses  Abkommen  mit  einem
Begleitschreiben  an  den  Obersten  Brits,  den  er  als  alten  Afrikaner  aufforderte,
  mit  ihm  gegen  England  zu  kämpfen.

Anmerkung  des  W.T.B.:  Die  Verantwortung  für  die  Richtigkeit
vorstehender  Veröffentlichung  muß  der  „Volksstem“  in  Prätoria  überlassen
  bleiben.


         Neue  Kämpfe  im  Kaukasus  und  am  Persischen  Golf.
                                                          Konstantinopel,  21.  November.

Der  Kreuzer  „Hamidije“  hat  gestern  die  Funkspruchstation  auf  der
Gasanstalt  in  Tawapse  (an  der  kaukasischen  Schwarzmeerküste)  bombardiert
  und  zerstört.  Im  Gebiet  des  Schatt-el-Arab  hat  Donnerstag  ein  heftiger
  Kampf  mit  englischen  Truppen  stattgefunden.  Die  Engländer  erlitten
  zahlreiche  Verluste  an  Gefangenen,  Verwundeten  und  Toten.  Unter
den  Verwundeten  ist  nach  den  Angaben  Gefangener  auch  der  Kommandeur
  der  Truppenabteilung.  Das  den  Schatt-el-Arab  und  den  Euphrat

                                                                           48
        <pb n="233" />
                                                   —  758  —

abpatrouillierende  türkische  Kanonenboot  geriet  mit  einem  englischen
Kanonenboot  in  einen  Kampf,  wobei  auf  dem  englischen  Boot  durch  einen
Schuß  ein  Brand  entstand.  Der  Kampf  mit  dem  Gros  der  russischen  Armee
  im  Kaukasus  dauert  an.  Es  gelang  den  Türken,  die  russischen  Truppen
  aus  ihren  Stellungen  in  der  Linie  Asab-Hoschab  gegen  Olti  zu
werfen.                                         (Berl.  Tagebl.,  21.  November.)


        Der  Bericht  des  österreichisch-ungarischen  Generalstabes.
W.T.  B.  Wien,  21.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:

Der  Angriff  der  Verbündeten  auf  die  russischen  Hauptkräfte  in
Russisch-Polen  geht  auf  der  ganzen  Front  vorwärts.  In  den  Kämpfen
nordöstlich  Czenstochau  ergaben  sich  2  feindliche  Bataillone.

                   Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes:
                                                    v.  Höfer,  Generalmajor.

                    Der  Kaiser  an  den  General  v.  Mackensen.
                                                                            Danzig,  21.  November.

Wie  die  „Danziger  Zeitung“  erfährt,  hat  der  Kaiser  auf  die  Meldung
  des  Generalobersten  v.  Hindenburg  von  dem  Siege  der  9.  Armee
in  den  Kämpfen  in  Kujawien  (Schlacht  bei  Kutno)  dem  Oberbefehlshaber
  der  letzteren,  dem  General  v.  Mackensen,  folgendes  Telegramm
gesandt:

„Als  ich  Sie  an  die  Spitze  der  tapferen  neunten  Armee  berief,  war
ich  überzeugt,  daß  Sie  das  hierin  zum  Ausdruck  gebrachte  Vertrauen  voll
rechtfertigen  würden.  Ihre  vortrefflichen  Erfolge  dieser  Tage  haben  mir
hierfür  den  Beweis  erbracht,  und  beglückwünsche  ich  Sie  und  Ihre  braven
Truppen  zu  diesen  Ruhmestagen.  Ihre  unerschütterliche  Tapferkeit  dem
weit  überlegenen  Feinde  gegenüber  ist  des  höchsten  Lobes  wert.  Sprechen
Sie  das  den  Truppen  mit  meinem  kaiserlichen  Gruß  und  den  besten
Wünschen  für  die  Zukunft  aus.                               Wilhelm  I.  R.“

                                                                                                       (W.T.B.)

             Türkische  Siege  über  Engländer  und  Nussen.

Konstantinopel,  22.  November.  Das  Hauptaquartier  teilt
amtlich  mit:

Mit  Gottes  Hilfe  sind  unsere  Truppen  am  Suezkanal  angelangt.
In  dem  Kampfe,  der  zwischen  Katasa  und  Kertebe,  beide  30  Kilometer
östlich  vom  Kanal,  und  bei  Kantara,  am  Kanal  selbst,  stattfand,  sind  der
englische  Hauptmann  Wilson,  ein  Leutnant  und  viele  Soldaten  gefallen,
sehr  viele  verwundet  worden.  Wir  haben  ziemlich  viel  Gefangene  gemacht.
  Die  englischen  Truppen  haben  sich  in  regelloser  Flucht  zurückgezogen.
  Englische  Kamelreiter,  die  sich  bei  den  Vorposten  befanden,  und
Gendarmen.  die  bisher  in  englischen  Diensten  gestanden,  haben  sich  uns
ergeben.

Konstantinopel,  22.  November.  Mitteilung  aus  dem  Hauptquartier:


Infolge  unseres  Angriffes  auf  russische  Streitkräfte,  die  im  Tal  des
Muradflusses  vorrücken  wollten,  ergriffen  die  Russen  die  Flucht  unter
sehr  starken  Verlusten.  Wir  haben  3  Feldgeschütze  genommen.  Unsere
        <pb n="234" />
                                                      —  759  —

Streitkräfte,  die  auf  Batum  marschieren,  haben  die  feindlichen  Truppen
vollständig  auf  das  andere  Ufer  des  Flusses  Tschuruk  zurückgeworfen.
Diese  Gegend  steht  vollständig  unter  türkischer  militärischer  Verwaltung.
Unsere  Truppen,  die  auf  Artwin  vorrückten,  haben  diesen  Ort  besetzt.  Nach
Nachrichten  über  den  Kampf  am  Schatt-el-Arab  ist  festgestellt,  daß  die
Engländer  750  Tote  und  ungefähr  1000  Verwundete  hatten.


                          Die  Offensive  gegen  Serbien.

Wien,    22.  RNovember.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich
gemeldet:

Starke  eigene  Kräfte  haben  die  Kolubara  bereits  überschritten,  doch
leistet  der  Gegner  in  mehreren  gut  gewählten  befestigten  Stellungen  noch
Widerstand.  Die  eigene  Vorrückung  wird  durch  aufgeweichten  Boden  und
überschwemmte  Wasserläufe,  im  Gebirge  durch  meterhohen  Schnee  zwar
verzögert,  aber  nicht  aufgehalten.

Eigene  Nachrichtendetachements  (große  Patrouillen)  machten  in  den
letzten  zwei  Tagen  wieder  2440  Gefangene;  die  Gesamtzahl  der  während
der  Kämpfe  seit  dem  6.  d.  Mts.  gemachten  Gefangenen  beträgt  hiermit

                          Die  Berichte  der  Verbündeten.

             Großes  Hauptquartier,  22.  November,  vormittags.

Auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  ist  die  Lage  unverändert.  In
Polen  wird  noch  um  den  Sieg  gekämpft.  Das  Ringen  südlich  Plozk,  in
Gegend  Lodz  und  bei  Czenstochau  dauert  fort.

                                                      Oberste  Heeresleitung  durch  W.T.  B.

                                                                    Wien,  22.  November.
          Amtlich  wird  verlautbart:  22.  November  mittags:

Die  Verbündeten  setzten  ihren  Angriff  in  Russisch-Polen  energisch
und  erfolgreich  fort.  Unser  südlicher  Schlachtflügel  erreicht  den  Szreniawa--Abschnitt.
  Vereinzelte  Gegenstöße  des  Feindes  wurden  abgewiesen.
  Bisher  machten  die  k.  u.  k.  Truppen  über  15  000  Gefangene.  Die
Entscheidung  ist  noch  nicht  gefallen.  Auch  westlich  des  Dunjac  und  in
den  Karpathen  find  größere  Kämpfe  im  Gange.

                                 Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes.
                                             v.  Höfer,  Generalmoajor.  (W.T.  B.)


                      Verhaftung  sozialdemokratischer  Dumamitglieder.

                                                 Petersburg,  22.  November.  (W.  T.B.)

  Die  Petersburger  Telegraphenagentur  verbreitet  folgende  Mitteilung:


Seit  Anfang  des  Krieges  war  das  russische  Volk  sich  der  Notwendigkeit
  bewußt,  die  Würde  und  Unverletzlichkeit  des  Vaterlandes  zu  verteidigen
  und  darin  einig,  die  öffentlichen  Behörden  in  der  Erfüllung  der
ihnen  durch  den  Krieg  gestellten  Aufgaben  zu  unterstützen.  Eine  besondere
  Haltung  nahmen  einige  Mitglieder  der  sozialdemokratischen  Organisationen
  ein,  die  in  ihrem  Bemühen,  die  Militärmacht  Rußlands  zu  erschüttern,
  durch  Agitation  gegen  den  Krieg  fortfuhren,  heimliche  Aufrufe
verteilten  und  eine  lebhafte  mündliche  Propaganda  betrieben.  Im  Ok-                                                                           48*
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                                                          —  760  —

tober  erhielt  die  Regierung  Kenntnis  von  dem  Plan  eine  heimliche  Konferenz
  von  Abgeordneten  der  sozialdemokratischen  Organisationen  zusammen
  zu  berufen  zur  Beratung  von  Maßnahmen,  die  auf  den  Zusammenbruch
  des  russischen  Staates  und  schnellere  Verwirklichung  der  sozialistischen
  revolutionären  Pläne  abzielten.  Am  17.  November  machte  die
Polizei  diese  Versammlung  ausfindig.  Die  Konferenz  fand  in  einem
Hause  an  der  Straße  nach  Wyborg,  12.  Werst  von  Petersburg,  statt.  Eine
Polizeiabteilung  traf  an  dem  Versammlungsort  ein  und  fand  dort
11  Personen,  darunter  die  Dumamitglieder  Petrowskoi,  Badajew,  Muranow,
  Samilow  und  Chagow  vor.  Da  die  regierungsfeindliche  Absicht  der
Konferenz  außer  Zweifel  stand,  wurden  die  auf  frischer  Tat  ertappten
Teilnehmer  der  Versammlung  nach  einem  Verhör  verhaftet,  außer  den
Dumamitgliedern,  die  auf  freiem  Fuß  gelassen  wurden.  Der  Untersuchungsrichter
  für  besonders  schwere  Delikte,  Machkewitsch,  eröffnete  unverzüglich
  die  Voruntersuchung.  Nachdem  er  von  den  beschlagnahmten
Schriftstücken  Kenntnis  genommen  hatte,  beschloß  der  Untersuchungsrichter,
  alle  Teilnehmer  an  der  Konferenz  wegen  Vergehens  gegen  §  102
des  Strafgesetzbuches  in  Anklagezustand  zu  versetzen.  Er  erließ  einen
Haftbefehl  gegen  sie.


                       Die  treibenden  englischen  Minen.
                                Eine  holländische  Feststellung.
                                                            Rotterdam,  22.  November.

Eine  Meldung  der  „Times“  besagt,  es  werde  allgemein  angenommen,
daß  die  Mine,  die  bei  Westcapelle  platzte  und  zwölf  niederländische  Militärs
  tötete,  eine  deutsche  Mine  gewesen  sei,  denn  in  der  Nähe  waren  schon
deutsche  Minen  angespült  worden.  Aus  Anlaß  dieser  Nachricht,  deren
Zweck  deutlich  ist,  wird  mir  von  autoritativer  Seite  aus  Marinekreisen
mitgeteilt:  Da  alle  Leute,  die  bei  der  Explosion  der  Mine  zugegen  gewesen.
  tot  seien,  könne  nicht  mit  Bestimmtheit  gesagt  werden,  ob  es  sich  um
eine  deutsche  oder  eine  englische  Mine  gehandelt,  wohl  aber  könne  erklärt
werden,  daß  während  der  jüngsten  Stürme  mehr  als  hundert  Minen  angespült

  wurden,  unter  denen  keine  einzige  deutsche  Mine  gewesen  sei.
Jemand,  der  die  Mine  kurz  vor  ihrer  Explosion  am  Deiche  liegen  sah,
erklärte,  die  Mine  habe  wie  die  anderen  englischen  Minen  ausgesehen.


                                                                                                (W.T.  B.)
                      Von  Haß  verblendete  Pariser  Richter.

Wie  aus  Zürich  gemeldet  wird,  veröffentlicht  die  „Agence  Havas“
jetzt  das  Urteil  des  Pariser  Kriegsgerichts,  vor  dem  sich  mehrere  gefangen
genommene  deutsche  Militärärzte  und  Sanitäter  wegen  angeblicher  Gewalttätigkeiten
  gegen  Einwohner  in  den  von  Deutschen  besetzten  Gebieten
und  Nachlässigkeit  bei  der  Behandlung  von  Verwundeten  zu  verantworten
hatten.  Das  Kriegsgericht  kam  nach  sehr  bewegter  Verhandlung  zu  einem
ganz  ungeheuerlichen  Spruch.  Es  erklärte  die  Angeklagten  für  schuldig
der  Teilnahme  an  Plünderungen  und  Gewalttaten,  begangen  am  3.  und
9.  Oktober  in  Lisyfur-Ourcq.  Der  angeklagte  Arzt  Ahrens  soll  135  französische
  Soldaten  mehrere  Tage  lang  ohne  Pflege  gelassen  haben.  Das
Urteil  gegen  einen  Arzt  lautete  auf  zwei  Jahre  Gefängnis,  gegen  weitere
sieben  Aerzte  oder  Krankenpfleger  wurde  auf  ein  Jahr  und  gegen  einen
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                                                       —  761  —

Hauptmann  (?)  auf  sechs  Monate  Gefängnis  erkannt.  Die  Angeklagten
hatten  gegen  die  Beschuldigungen  auf  das  entschiedenste  protestiert.
                                       (Täglische  Rundschau,  24.  November.)

                       Meldung  des  Großen  Hauptquartiers.

                                                             Den  23.  November,  vormittags.

Die  Kämpfe  bei  Nieuport  und  Ypern  dauern  fort.  Ein  kleines  englisches
  Geschwader,  das  sich  zweimal  der  Küste  näherte,  wurde  durch  unsere
Artillerie  vertrieben;  das  Feuer  der  englischen  Marinegeschütze  blieb
erfolglos.

im  Argonnenwalde  gewinnen  wir  Schritt  vor  Schritt  Boden;  ein
Schützengraben  nach  dem  anderen,  ein  Stützpunkt  nach  dem  anderen  wird
den  Franzosen  entrissen.  Täglich  wird  eine  Anzahl  Gefangener  gemacht.

Eine  gewaltsame  Erkundung  gegen  unsere  Stellungen  östlich  der
Mosel  wurde  durch  unseren  Gegenangriff  verhindert.

In  Ostpreußen  ist  die  Lage  unverändert.

In  Polen  schiebt  das  Auftreten  neuer  russischer  Kräfte  aus  Richtung
Warschau  die  Entscheidung  noch  hinaus.  In  der  Gegend  östlich  Czenstochau
  und  nordöstlich  Krakau  wurden  die  Angriffe  der  verbündeten
Truppen  fortgesetzt.                              Oberste  Heeresleitung.


                     Die  Furcht  vor  dem  deutschen  Einfall.

London,  23.  November.  Die  Militärkritiker  fast  aller  großen
Blätter  sind  einstimmig  der  Annahme,  daß  eine  Aktion  der  deutschen  Hochseeflotte
  gegen  die  englische  Küste  unmittelbar  bevorsteht.  Diese  Meinung
wird  mit  dem  Umstand  begründet,  daß  durch  die  zunehmende  Vereisung
des  Baltischen  Meeres  die  deutsche  Ostseeflotte  zu  anderweitiger  Verwendung
  frei  werden  wird,  und  somit  die  deutsch-maritimen  Streitkräfte  in
der  Nordsee  eine  bedeutende  Verstärkung  erfahren  werden.  Außerdem
müßten  die  umfassenden  Vorbereitungen,  die  seit  Kriegsausbruch  in  Kiel
und  Hamburg  betrieben  worden  seien,  ihrer  Beendigung  entgegensehen.
Die  englischen  Militärkritiker  halten  die  Möglichkeit  einer  deutschen  Landung
  durchaus  nicht  für  ausgeschlossen,  und  fordern  die  englische  Bevölkerung
  in  diesem  Falle  zu  einem  schonungslosen  Franktireurkrieg  gegen
deutsche  Invasionstruppen  auf.            (Post,  23.  November.)


                      Oberst  Maritz  an  Kolonel  Brits.

Amsterdam,  23.  November.  Oberst  Maritz  hat  seinen  Vertrag  mit
dem  deutschen  Gouverneur  von  Deutsch-Südwest-Afrika  mit  folgendem
Schreiben  an  den  Kommandeur  der  Regierungstruppen  Oberst  Brits

übersandt:  Kelmoes,                                             16.  Oktober  1914.
An  den  Obersten  Koenbrits.

                                    Lieber  alter  Freund!

Es  gab  einmal  eine  Zeit,  in  der  wir  gemeinsam  gekämpft  und  gelitten
  haben  für  die  heilige  Sache  unseres  Landes  und  Volkes.  Wir
haben  jetzt  wiederum  die  Möglichkeit,  für  das  gleiche  Ideal  zu  kämpfen.
Ich  weiß,  daß  Sie  ein  treuer  Afrikander  sind  und  daß  Ihr  Herz  noch
ebenso  warm  für  unser  Volk  schlägt.  Anbei  werden  Sie  einen  Vertrag
finden,  den  ich  mit  der  deutschen  Regierung  eingegangen  bin  und  ich  bitte
        <pb n="237" />
                                                        —  762  —

Sie,  uns  in  dieser  Angelegenheit  Ihren  Beistand  zu  leisten.  Unter  unserer
  Schar  ist  eine  Stelle  für  den  alten  Kämpfer  für  die  Freiheit  der
Buren,  General  Brits,  offen,  und  das  Volk  der  Buren  ruft  Sie  auf,  der
Stimme  des  Volkes  Gehör  zu  geben.  Ihr  früherer  Waffenbruder
(Post,  23.  November.)                             gez.  A.  G.  Maritz,  Oberst.


               Schwere  französische  Schlappe  in  Marokko.

Madrid,  23.  November.  Nach  glaubwürdigen  Zeitungsnach--richten
  haben  französische  Truppen  bei  Kanifra  am  13.  d.  M.  eine  schwere
Schlappe  erlitten.  Es  sollen  wenigstens  23  Offiziere  und  600  Mann
gefallen  sein.  Die  Marokkaner  eroberten  zwei  Batterien.

                                       (Deutsche  Tageszeitung,  24.  November.)


                   Deutsche  Gefangene  in  England  niedergeschossen.

London,  23.  November.  Das  Reutersche  Büro  berichtet:

In  Douglas  auf  der  Insel  Man  versammelten  sich  im  Gefangenenlager
  am  letzten  Donnerstag  auf  ein  gegebenes  Zeichen  2000  Kriegsgefangene
  im  großen  Speisesaale  und  überfielen,  in  der  Absicht,  zu  entkommen
  (?),  die  Wache.  Diese  schoß  in  die  Luft;  da  dies  nichts  nützte,
wurde  eine  zweite  Salve  abgegeben,  durch  die  4  Mann  getötet  oder  tödlich
verletzt  und  12  ernstlich  verwundet  wurden.  Die  Verwundeten  wurden
ins  Spital  gebracht,  die  übrigen  Gefangenen  ergaben  sich.  Ein  Mann,
der,  um  zu  entrinnen,  auf  das  Dach  geklettert  war,  fiel  herab  und  zerschmetterte
  sich  die  Schädeldecke.  Eine  Untersuchung  des  Vorfalls  wurde

 

eingeleitet.                              (Deutsche  Tageszeitung,  24.  November.)

Protest  der  Schweiz  in  Bordeaux  und  London;  die  „Schützer  der
                                               Neutralen“.

                                                                            Bern,  "23.  November.

Am  Sonnabend  überflogen  einige  englische,  vielleicht  auch  französische
Flugzeuge,  von  Frankreich  her  kommend,  schweizerisches  Gebiet  und
griffen  darauf  in  Friedrichshafen  die  Zeppelinwerft  an.  Angesichts  dieser
offenkundigen  Verletzung  der  schweizerischen  Neutralität  beauftragte  der
Bundesrat  die  schweizerischen  Gesandten  in  London  und  Bordeaux,  bei
der  britischen  und  der  französischen  Regierung  gegen  die  Verletzung  der
schweizerischen  Neutralität  nachdrücklich  Verwahrung  einzulegen  und
Genugtuung  zu  verlangen.                                             (W.T.  B.)


                        Englische  Unterseeboote  in  Helsingfors.

Eine  Stockholmer  Meldung  der  „Deutschen  Tageszeitung“  besagt:

„Das  „Helsingborger  Dagblad“  erfährt  aus  sicherer  Quelle,  daß  sich
augenblicklich  fünf  englische  Unterseeboote  im  Finnischen  Meerbusen  befinden.
  Einige  von  ihnen  lagen  vor  einigen  Tagen  in  Helsingfors.
Englische  Offiziere  zeigten  sich  in  der  Stadt.  Die  russische  Flotte,  die
früher  Helsingfors  verlassen  hatte,  um  in  Kronstadt  zu  überwintern,  ist
nach  Helsingfors  zurückgekehrt,  wobei  ein  größerer  Kreuzer  im  Helsingforser
  Hafen  auf  Grund  stieß,  wo  er  noch  festsitzt.  Infolgedessen  ist  der
Allgemeinheit  der  Zutritt  zu  dem  Hafen  verboten.“

Natürlich  können  englische  Unterseeboote  in  die  Ostsee  nur  unter
Verletzung  der  dänischen  oder  der  schwedischen  Neutralität,  wahrscheinlich
        <pb n="238" />
                                                     —  763  —

beider,  gelangt  sein.  Eine  neue  schwere  Beleidigung  und  Verlegenheit,
die  England  damit  diesen  neutralen  Staaten  bereitet.  Im  Hafen  von
Helsingfors  werden  die  Engländer  wohl  nicht  viel  Freude  erleben,  denn
er  wird  vermutlich  bald  vereist  sein.  Wahrscheinlich  war  Libau  das  Ziel
ihrer  Sehnsucht,  das  nun  aber  durch  die  bösen  Deutschen  gesperrt  ist.
Daraus,  daß  Libau  der  einzige  russische  Hafen  an  der  Ostsee  ist,  der  eisfrei
bleibt,  ergibt  sich  die  Wichtigkeit  seiner  Sperrung,  welche  die  russische
Flotte  für  die  Dauer  des  Winters  jeder  Operationsbasis  beraubt.
                                                         (Tägliche  Rundschau,  24.  November.)


                Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                       Wien,  23.  November,  mittags.     (W.T.  B.)

In  Russisch-Polen  ist  noch  keine  Entscheidung  gefallen.  Die  Verbündeten
  setzten  ihre  Angriffe  östlich  Czenstochau  und  nordöstlich  Krakau
fort.  Bei  der  Eroberung  des  Ortes  Pilica  machten  unsere  Truppen
gestern  2400  Gefangene.  Das  Feuer  unserer  schweren  Artillerie  ist  von
mächtiger  Wirkung.  Die  über  den  unteren  Dunajec  vorgegangenen  russischen
  Kräfte  konnten  nicht  durchdringen.

Die  Kriegslage  brachte  es  mit  sich,  daß  wir  einzelne  Karpathenpässe
dem  Feinde  vorübergehend  überließen.  Am  20.  November  drängte  ein
Ausfall  aus  Przemysl  die  Einschließungstruppen  vor  der  West=  und  Südwestfront
  der  Festung  weit  zurück.  Der  Gegner  hält  sich  nunmehr  außer
Geschützertrag.

              Der  stellvertretende  Chef  des  Generalstabes.
                                        v.  Hoefer,  Generalmajor.


                                Belgiens  „Neutralität".

Aus  eidlichen  Zeugenaussagen  vor  deutschen  Gerichten  gibt  die
„Nordd.  Allg.  Ztg.“  vom  24.  Nov.  folgende  Auslese:

Amtsgericht  Quedlinburg,  den  28.  September:

Mein  Meister  in  Charleroi  war  Mitglied  der  belgischen  Garde
civique.  Bereits  1  bis  2  Wochen  vor  dem  Ausbruch  des  Krieges  sagte  er,
es  kämen  10  Regimenter  Franzosen  zur  Unterstützung  der  Belgier  gegen
Deutschland.  Belgien  würde  zwar  nicht  in  Deutschland  einfallen,  aber
seine  Grenze  verteidigen.  Ich  bemerkte  auch  bereits  1  bis  2  Wochen  vor
Ausbruch  des  Krieges  in  Charleroi  Trupps  franzosischer  Infanterie  in
Stärke  bis  zu  100  auch  200  Mann.  Sie  waren  feldmarschmäßig  mit  Tornistern
  und  Gewehren  ausgerüstet.  Eine  Verwechslung  mit  belgischem
Militär  ist  ausgeschlossen.  Ich  kenne  die  Uniform  des  belgischen  Militärs
ganz  genau.  Die  Leute  hatten  rote  Hosen,  den  blauen  Mantelrock  und  das
Casquet,  die  Offiziere  mit  goldenen  Tressen  daran.

       Amtsgericht  Düsseldorf,  den  4.  November:

In  Jeumont  wurde  in  der  Nacht  vom  31.  Juli  zum  1.  August  mobil
gemacht.  Schon  am  31.  Juli  habe  ich  in  Erquelinnes  zwei  französische
Offiziere  in  voller  Ausrüstung  gesehen.  Sie  hatten  rote  Hosen  an.

         Amtsgericht  Berlin,  den  5.  November:

Schon  mehrere  Tage  vor  dem  1.  August  sah  ich  französische  Infanteriepatreuillen
  auf  beiden  Seiten  des  am  Bohrturm  vorbeifließenden  Kanals.
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                                                        —  764  —

Es  wurde  auch  von  Arbeitern  wiederholt  davon  gesprochen,  daß  dies  französische
  Soldaten  seien.  Ferner  sah  ich  an  demselben  Tage  eine  größere
Abteilung  französischen  Militärs  auf  dem  Wege  nach  Quievrain  auf  belgischem
  Boden  stehen,  von  der  anscheinend  die  Patrouillen  ausgingen.  Ich
sah  sie  nur  aus  der  Ferne,  doch  schätzte  ich  sie  auf  eine  Stärke  von  über
eine  Kompagnie.  Ich  sprach  auch  in  der  Wirtschaft  mit  Belgiern  über  die
Anwesenheit  des  französischen  Militärs,  doch  konnte  ich  keine  Erklärung
darüber  bekommen.  Es  hieß  nur,  es  sei  befohlen.

       Amtsgericht  Düsseldorf,  den  5.  November:

Im  Monat  Juni  wohnten  im  Hotel  Metropole  zu  Brüssel  etwa  4
bis  5  Tage  mehrere  französische  höhere  Offiziere,  welche  jeden  Morgen
im  Automobil  in  der  Richtung  der  Ministerien  abfuhren.  Eine  Täuschung
ist  ausgeschlossen,  da  ich  das  französische  Heer  sehr  genau  kenne  und  die
Offiziere  auch  anderen  Personen  aufgefallen  sind.

      Amtsgericht  Prüm,  den  6.  November:

Ich  habe  vom  26.  Juli  bis  4.  August  in  Ougrée  französische  Offiziere
im  Auto  durchfahren  sehen,  und  zwar  in  französischer  Uniform.  Auch  ist
am  2.  und  3.  August  ein  französischer  Flieger  hin  und  zurück  über  Ougrée
geflogen.  Wir  kannten  die  Abzeichen  von  der  Ausstellung  für  Fliegerwesen
  in  Ans  bei  Lüttich  im  Jahre  1913.

      Amtsgericht  Köln,  den  7.  November:

Französisches  Militär  habe  ich  kurz  nach  der  Marokkoaffäre,  also  seit
1911,  ständig  in  Belgien  beobachten  können,  und  zwar  gingen  sowohl  Offiziere
  wie  Mannschaften  mit  voller  Bewaffnung  durch  die  Straßen,
während  das  holländische  Militär  stets  ohne  Seitengewehr  usw.  herüberkam.
  Bei  Manöpvern  sowie  bei  gewöhnlichen  Schießübungen  habe  ich
gesehen,  daß  sich  französische  Offiziere  und  Mannschaften  bei  den  Uebungen
  beteiligten.  So  sah  ich,  wie  französische  Artilleriesoldaten  belgisches
Militär  im  Bedienen  von  Geschützen  unterwiesen.  Auch  haben  die  Offiziere
  an  allen  Kritiken  teilgenommen.  Die  französischen  Offiziere  benutzten
  meistens  die  in  Belgien  meines  Erachtens  hauptsächlich  zu  diesem  Zweck
veranstalteten  Ausstellungen,  um  ihre  Anwesenheit  zu  begründen.  Auch
wurden  in  den  letzten  Jahren  die  flämischen  Soldaten  mit  französischen,
nicht  mehr  wie  früher  mit  flämischen  Kommandos  einexerziert,  obwohl
die  Leute  vielfach  bein  Französisch  verstanden  und  sich  daraus  große  Unzuträglichkeiten
  ergaben.

     Amtsgericht  Gelsenkirchen,  den  7.  November:

Ich  habe,  wie  ich  bestimmt  weiß,  bereits  einige  Tage  vor  dem
1.  August  cr.  in  den  Straßen  von  Charleroi  französisches  Militär  gesehen.
Es  waren  im  ganzen  wohl  12  bis  15  Mann.  Sie  waren  in  voller  Ausrüstung,
  insbesondere  auch  trugen  sie  Gewehre  bei  sich.  Sie  patrouillierten
zusammen  mit  den  belgischen  Soldaten  durch  die  Straßen.  Ich  weiß  bestimmt,
  daß  es  französisches  Militär  war  und  nicht  etwa  Belgier.  Ich
kenne,  weil  ich  auch  längere  Zeit  in  Frankreich  gewesen  bin,  den  Unterschied
  zwischen  belgischem  und  französischem  Militär  genau.  Die  französischen
  Soldaten,  die  ich  damals  sah,  trugen  auch,  wie  ich  mich  bestimmt  erinnere,
  rote  Hosen.  Ob  auch  Offiziere  darunter  waren,  kann  ich  mich  nicht
erinnern.
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                                                      —  765  —

                      Ein  englisches  Großkampfschiff  gesunken.

                                                    W.T.  B.  Rotterdam,  24.  November.

Nach  Meldungen  aus  sicherer  Quelle  ist  der  englische  Ueberdreatnought
  „Audacious“  am  28,  oder  29.  Oktober  an  der  Nordküste  Irlands
auf  eine  Mine  gelaufen  und  gesunken.  Die  Admiralität  hält  das  Ereignis
  streng  geheim,  um  Aufregung  im  Lande  zu  vermeiden.


Hierzu  wird  der  „Deutschen  Tageszeitung  vom  24.  November  gemeldet:


                                                      Kopenhagen,  23.  November.

„Stockholm  Ljusstadposten“  erzählt,  daß  ein  Passagier  des  Dampfers
„Olympic“  in  den  letzten  Oktobertagen  mittags  in  Sicht  der  irischen  Küste
ein  stilliegendes  englisches  Kriegsschiff  ansteuerte,  welches  Notsignale
gab.  „Olympic“  nahm  250  Leute  der  Besatzung  an  Bord,  während  der
Rest  von  herbeigeeilten  Kriegsschiffen  aufgenommen  wurde.  Das  englische
  Kriegsschiff  war  um  9  Uhr  morgens  durch  eine  Mine  oder  durch
ein  deutsches  Unterseeboot  schwer  beschädigt  worden.  Den  Reisenden  auf
der  „Olympic“  wurde  aufs  strengste  verboten,  von  dem  Unglück  zu  erzählen,
  wenn  sie  später  an  Land  gekommen  seien.  Die  „Olympic“  versuchte,
  das  Kriegsschiff,  das  stark  nach  der  Seite  überlag,  zu  schleppen.
Das  war  jedoch  unmöglich,  und  so  überließ  man  es  seinem  Schicksal.  Es
ist  bald  darauf  gesunken.  «

                      Mitteilung  der  obersten  Seeresleitung.

                                                               Den  24.  November,  vormittags.

Englische  Schiffe  erschienen  auch  gestern  an  der  flandrischen  Küste
und  beschossen  Lombartzyde  und  Zeebrügge.  Bei  unseren  Truppen  wurde
nur  geringer  Schaden  angerichtet.  Eine  Anzahl  belgischer  Landeseinwohner
  wurde  aber  getötet  und  verletzt.

Im  Westen  sind  keine  wesentlichen  Veränderungen  eingetreten.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  ist  die  Lage  noch  nicht  geklärt.

In  Ostpreußen  hatten  unsere  Truppen  ihre  Stellungen  an  und  nordöstlich
  der  Seeplatte.

Im  nördlichen  Polen  sind  die  dort  im  Gange  befindlichen  schweren
Kämpfe  noch  nicht  entschieden.

m  südlichen  Polen  steht  der  Kampf  in  Gegend  Czenstochau,  auf  dem
Südflügel  nördlich  Krakau  schreitet  der  Angriff  fort.

Die  amtliche  russische  Meldung,  daß  die  Generale  v.  Liebert  und
v.  Pannewitz  in  Ostpreußen  gefangen  genommen  seien,  ist  glatt  erfunden.
Der  erste  befindet  sich  in  Berlin,  der  zweite  an  der  Spitze  seiner  Truppe;
beide  sind  seit  längerer  Zeit  nicht  in  Ostpreußen  gewesen.

                                                                            Oberste  Heeresleitung.


                   Ein  deutsches  Unterseeboot  gesunken.

                                                                 W.T.  B.  Berlin,  24.  November.
Nach  amtlicher  Bekanntgabe  der  englischen  Admiralität  am  23.  November
  ist  das  deutsche  Unterseeboot  „U  18“  durch  ein  englisches  Patrouil-=lenfahrzeug
  an  der  Nordküste  Schottlands  zum  Sinken  gebracht  worden.
Nach  Meldung  des  Reuter-Büros  sind  durch  den  englischen  Torpedoboots-
        <pb n="241" />
                                                             —  766  —

zerstörer  „Garry“  3  Offiziere  und  23  Mann  der  Besatzung  gerettet  worden.
  Ein  Mann  ist  ertrunken.  Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes
  der  Marine.  gez.:  Behncke.


                              Die  Gefechte  bei  Khenifra.

W.T.  B.  Paris,  24.  November.  Der  Generalresident  Lyautey  berichtet
  über  die  Zusammenstöße  im  Gebiet  von  Khenifra,  daß  die Franzosen
am  13.  November  das  Lager  der  Zaian  nahe  bei  Khenifra  unversehens
angegriffen  und  dem  Erdboden  gleichmachten.  Eine  von  Khenifra  zurückkehrende
  französische  Kolonne  wurde  von  starken  marokkanischen  Kontingenten
  angefallen,  umzingelt  und  zu  einem  sehr  heftigen  Kampfe  gezwungen.
  Die  in  Khenifra  zurückgebliebenen  Mannschaften  konnten  rechtzeitig
helfend  eingreifen  und  die  Kolonne  befreien,  die  eine  große  Anzahl  von
Offizieren  und  etwa  hundert  europäische  Soldaten  verloren  hatte  und
einen  Teil  des  Artilleriematerials  zurücklassen  mußte.

Die  Besatzung  von  Khenifra  wies  alle  Angriffe  ab,  bis  eine  Hilfskolonne
  aus  Tadla  eintraf,  die  bereits  unterwegs  die  angreifenden  Marokkaner
  zurückgeschlagen  hatte.  Am  19.  November  unternahmen  die  Franzosen
  einen  allgemeinen  Angriff  und  warfen  die  Marokkaner  in  die  Berge
zurück.  Die  Franzosen  gelangten  wieder  in  den  Besitz  des  zeitweilig  zugelasenen
  Kriegsmaterials  und  bestatteten  die  am  13.  November  Gefallenen.



             110  000  Kriegsgefangene  in  Oesterreich-Ungarn.

       W.T.  B.  Wien,  24.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:

                                                                         24.  November,  mittags.

Die  Schlacht  in  Russisch-Polen  wird  bei  strenger  Kälte  von  beiden
Seiten  energisch  fortgeführt.  Unsere  Truppen  eroberten  mehrere  Stützpunkte,
  gewannen  insbesondere  gegen  Wolbron  und  beiderseits  des  Ortes
Pilica  Raum  und  machten  wieder  zahlreiche  Gefangene.  Ansonsten  ist
die  Lage  unverändert.  "

Im  Innern  der  Monarchie  befinden  sich  110  000  Kriegsgefangene,
darunter  1000  Offiziere.  Der  Stellvertreter  des  Generalstabes.

                                                           v.  Hoefer,  Generalmajor.


                          Englische  Austauschtruppen  für  Indien.

London,  24.  November.  „Morning  Post“  meldet  aus  Kalkutta.
Neun  Bataillone  englischer  Territorialinfanterie  und  11  Batterien  sind
am  9.  November  in  Bombay  eingetroffen.


                             Die  Japaner  in  Schantung.

Berlin,  24.  November.  Nach  einer  Meldung  der  „Sera“  in  Mailand
  haben  die  japanischen  Truppen  sämtliche  Bahnlinien  der  chinesischen
Provinz  Schantung  besetzt  und  japanisches  Personal  zur  Betriebsführung
eingestellt.  (Post,  25.  Nov.)


                    Eine  Schlappe  der  englischen  Kamelreiter.

W.T.  B.  Kairo,  24.  November.  Eine  Abteilung  des  Meharikorps
aus  Bikani,  die  auf  einem  Erkundungsgange  unterwegs  war,  kam  am
Mittwoch  in  Fühlung  mit  überlegenen  Streitkräften  des  Feindes.  Die
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                                                                   —  767  —

Mehari  hatten  14  Tote  und  3  Verletzte.  Sie  vermochten  jedoch  ihre  Stellung
  wieder  zu  besetzen.  Eine  Abteilung  der  Küstenwache,  die  zur  selben
Zeit  aufklärte,  wird  vermißt.


                            Der  Neutralitätsbruch  Belgiens.

Vor  mehreren  Wochen,  am  12.  Oktober,  hatte  die  „Norddeutsche  Allgemeine
  Zeitung“  aus  den  Archiven  des  belgischen  Kriegsministeriums,
die  in  Brüssel  gefunden  worden  waren,  Dokumente  veröffentlicht,  aus
denen  klar  hervorging,  daß  englisch-belgische  militärische  Abmachungen
schon  aus  dem  Jahre  1906  vorlagen.  In  einer  Sonderbeilage  der  „Norddeutschen
  Allgemeinen  Zeitung"“  vom  25.  November  werden  nun  die  in
Brüssel  aufgefundenen  Schriftstücke,  die  die  englisch-belgischen  Verhandlungen
  wegen  Landung  englischer  Truppen  in  Belgien  behandeln,  in  genauer
  Nachbildung  der  Urschrift  veröffentlicht.

In  der  Einleitung  zu  dieser  Veröffentlichung  wird  folgendes  ausgeführt:


Die  englische  Regierung  hat  sich  darauf  beschränkt,  unsere  Enthüllungen
  aus  den  Archiven  des  belgischen  Kriegsministeriums  über  die
englisch-belgischen  militärischen  Abmachungen  aus  dem  Jahre  1906  mit
der  Erklärung  zu  beantworten,  daß  der  an  deren  Ausarbeitung  beteiligte
Generalmajor  Grierson  gestorben  und  Oberst  Barnardiston  Chef  der  englischen
  Truppen  vor  Kiautschou  sei.  Es  sei  wohl  möglich,  daß  eine  akademische
  Diskussion  zwischen  den  beiden  englischen  Offizieren  und  den  belgischen
  militärischen  Stellen  darüber  stattgefunden  habe,  welche  Hilfe
das  englische  Heer  in  der  Lage  sein  würde,  Belgien  zu  leisten,  falls  seine
Neutralität  von  einem  seiner  Nachbarn  verletzt  werden  sollte.

Die  belgische  Regierung  hat  erklärt,  es  sei  nur  natürlich,  daß  der
englische  Militärattachee  in  Brüssel  während  der  Algeciras-Krisis  den
Chef  des  belgischen  Generalstabes  nach  den  Maßnahmen  gefragt  habe,
die  die  Verletzung  der  von  England  gewährleisteten  Neutralität  Belgiens
verhindern  sollten.  Der  Chef  des  Generalstabes,  General  Ducarme,  habe
geantwortet,  daß  Belgien  imstande  sei,  einen  Angriff,  von  welcher  Seite
er  auch  komme,  abzuwehren.  Die  belgische  Regierung  knüpft  hieran  die
Bemerkung:  „Hat  die  Unterhaltung  diese  Grenzen  überschritten  und  hat
Oberst  Barnardiston  den  Kriegsplan,  den  der  britische  Generalstab  einzuhalten
  wünschte  für  den  Fall,  wo  diese  Neutralität  verletzt  werden
sollte?  Wir  bezweifeln  es.“  Indem  sie  die  unverkürzte  Veröffentlichung
des  in  den  belgischen  Geheimakten  aufgefundenen  Materials  fordert,  versichert
  die  belgische  Regierung  feierlich,  daß  sie  niemals  direkt  oder  indirekt
  aufgefordert  worden  sei,  sich  im  Falle  eines  deutsch-französischen
Krieges  der  Tripleentente  anzuschließen.

Wie  die  vorstehend  skizzierten  Erklärungen  erkennen  lassen,  hat  die
englische  Regierung  von  vornherein  darauf  verzichtet,  die  Feststellungen
der  kaiserlichen  Regierung  zu  bestreiten.  Sie  hat  sich  auf  einen  Versuch
beschränkt,  sie  zu  beschönigen.  Sie  mag  sich  wohl  gesagt  haben,  daß  bei
der  erdrückenden  Fülle  des  vorhandenen  Beweismaterials  eine  Ableugnung
  der  Tatsachen  zwecklos  und  bedenklich  sein  würde.  Die  inzwischen
erfolgte  Aufdeckung  eines  englisch-belgischen  militärischen  Nachrichtendienstes
  und  das  Auffinden  der  von  den  amtlichen  englischen  Stellen
        <pb n="243" />
                                                        —  768  —

hergestellten  Kriegskarten  von  Belgien  erweisen  erneut,  eine  wie  ein—
gehende  militärische  Vorbereitung  der  englisch-belgische  Kriegsplan  gegen
Deutschland  erfahren  hatte.

Der  Bericht  des  Generals  Ducarme  lautet  in  deutscher  Uebersetzung:

„Brief  an  den  Herrn  Minister  über  die  vertraulichen  Unterhaltungen.

                          An  den  Herrn  Kriegsminister.
                                                           Brüssel,  den  10.  April  1906.

 Vertraulich.
                              Herr  Minister!

Ich  habe  die  Ehre,  Ihnen  kurz  über  die  Unterhaltungen  Bericht  zu
erstatten,  die  ich  mit  dem  Oberstleutnant  Barnardiston  gehabt  habe  und
die  Gegenstand  meiner  mündlichen  Mitteilungen  waren.  Der  erste  Besuch
  datiert  von  Mitte  Januar.,  Herr  Barnardiston  machte  mir  die  Mitteilung
  von  den  Besorgnissen  des  Generalstabs  seines  Landes  hinsichtlich
der  allgemeinen  politischen  Lage  und  wegen  der  Möglichkeit  eines  alsbaldigen
  Kriegsausbruches.  Eine  Truppensendung  von  im  ganzen  ungefähr
  100  000  Mann  sei  für  den  Fall  vorgesehen,  daß  Belgien  angegriffen
  würde.  «

Der  Oberstleutnant  fragte  mich,  wie  eine  solche  Maßregel  von  uns
ausgelegt  werden  würde.  Ich  antwortete  ihm,  daß  es  vom  militärischen
Gesichtspunkte  nur  günstig  sein  könnte,  aber  daß  diese  Interventionsfrage
ebensosehr  die  politischen  Behörden  angehe,  und  daß  es  meine  Pflicht
sei,  davon  alsbald  dem  Kriegsminister  Mitteilung  zu  machen.

Herr  Barnardiston  antwortete  mir,  daß  sein  Gesandter  in  Brüssel
darüber  mit  unserem  Minister  des  Auswärtigen  sprechen  würde.  Er  fuhr
etwa  folgendermaßen  fort:  Die  Landung  der  englischen  Truppen  würde
an  der  französischen  Küste  stattfinden,  in  der  Gegend  von  Dünkirchen  und
Calais,  und  zwar  würde  die  Truppenbewegung  möglichst  beschleunigt
werden.  Eine  Landung  in  Antwerpen  würde  viel  mehr  Zeit  erfordern,
weil  man  größere  Transportschiffe  brauche,  und  anderseits  die  Sicherheit
weniger  groß  sei.

Nachdem  man  über  diesen  Punkt  einig  sei,  blieben  noch  verschiedene
andere  Fragen  zu  regeln:  nämlich  die  Eisenbahntransporte,  die  Frage
der  Requisitionen,  die  die  englische  Armee  machen  könnte,  die  Frage  des
Oberbefehls  der  verbündeten  Streitkräfte.

Er  erkundigte  sich,  ob  unsere  Vorkehrungen  genügten,  um  die  Verteidigung
  des  Landes  während  der  Ueberfahrt  und  der  Transporte  der
englischen  Truppen,  eine  Zeit,  die  er  auf  etwa  zehn  Tage  schätzte,  sicherzustellen.
  Ich  antwortete  ihm,  daß  die  Plätze  Namur  und  Lüttich  mit
einem  Handstreich  nicht  zu  nehmen  seien,  und  daß  unsere  100  000  Mann
starke  Feldarmee  in  vier  Tagen  imstande  sein  würde,  einzugreifen.

Nachdem  Herr  Barnardiston  seine  volle  Genugtuung  über  meine  Erklärungen
  ausgesprochen  hatte,  betonte  er,  1)  daß  unser  Abkommen  absolut
  vertraulich  sein  sollte,  2)  daß  es  seine  Regierung  nicht  binden  sollte,
3)  daß  sein  Gesandter,  der  englische  Generalstab,  er  und  ich  allein  über
die  Angelegenheit  unterrichtet  seien,  4)  er  nicht  wisse,  ob  man  die  Meinung
  seines  Souveräns  vorher  eingeholt  habe.

In  einer  folgenden  Unterredung  versicherte  mir  der  Oberstleutnant
Barnardiston,  daß  er  niemals  vertrauliche  Mitteilungen  der  anderen
        <pb n="244" />
                                                          —  769  —

Militärattachees  über  unsere  Armee  erhalten  habe.  Er  gab  darauf  genau
die  numerischen  Daten  über  die  englischen  Kräfte  an;  wir  könnten  darauf
rechnen,  daß  in  zwölf  oder  dreizehn  Tagen  zwei  Armeekorps,  vier  Kavalleriebrigaden
  und  zwei  Brigaden  berittener  Infanterie  gelandet  werden
könnten.  Er  bat  mich  darum,  die  Frage  des  Transports  dieser  Streitkräfte
  nach  demjenigen  Landesteil  zu  studieren,  wo  sie  nützlich  sein  könnten,
  und  versprach  mir,  zu  diesem  Zwecke  die  detaillierte  Zusammensetzung
der  Landungsarmee  zu  geben.

Er  kam  auf  die  Frage  der  Effektiostärke  unserer  Feldarmee  zurück
und  bestand  darauf,  daß  man  keine  Detachements  nach  Namur  und  Lüttich
abzweigen  sollte,  denn  diese  Plätze  hätten  genügende  Garnisonen.  Er  bat
mich,  seine  Aufmerksamkeit  auf  die  Notwendigkeit  zu  richten,  der  englischen
  Armee  zu  gestatten,  an  den  Vergünstigungen  teilzuhaben,  die  das
Reglement  über  die  Kriegsleistungen  vorsehe.  Endlich  bestand  er  auf
der  Frage  des  Oberbefehls.  Ich  antwortete  ihm,  daß  ich  über  diesen
letzten  Punkt  nichts  sagen  könne  und  versprach  ihm,  die  anderen  Fragen
aufmerksam  zu  studieren.

Später  bestätigte  der  englische  Militärattachee  seine  frühere
Schätzung:  12  Tage  würden  wenigstens  notwendig  sein,  um  die  Landung
an  der  französischen  Küste  zu  bewerkstelligen.  Es  würde  bedeutend  längere
  Zeit  notwendig  sein  (1  bis  2½  Monate),  um  100  000  Mann  in
Antwerpen  zu  landen.  —  Auf  meinen  Einwand,  daß  es  unnötig  sei,  die
Beendigung  der  Landung  abzuwarten,  um  mit  den  Eisenbahntransporten
zu  beginnen,  und  daß  man  sie  besser  nach  Maßgabe  der  jeweiligen
Truppenankünfte  an  der  Küste  einrichten  sollte,  versprach  mir  Herr  Barnardiston
  genaue  Daten  über  den  täglichen  Landungsetat.  —  Was  die
Kriegsleistungen  anlangt,  so  teilte  ich  Herrn  Barnardiston  mit,  daß  diese
Frage  leicht  geregelt  werden  könne.

Je  mehr  die  Pläne  des  englischen  Generalstabs  Fortschritte  machten,
desto  klarer  wurden  die  Einzelheiten  des  Problems.  Der  Oberst  versicherte
mir,  daß  die  Hälfte  der  englischen  Armee  in  acht  Tagen  gelandet  werden
könne,  der  Rest  bis  zum  Ablauf  des  zwölften  oder  dreizehnten  Tages,
ausgenommen  die  berittene  Infanterie,  auf  die  man  erst  später  zählen
dürfe.  Trotzdem  glaubte  ich  von  neuem  auf  der  Notwendigkeit  bestehen
zu  müssen,  die  Ziffer  der  täglichen  Ausladung  genau  zu  kennen  um  die
Eisenbahntransporte  für  jeden  Tag  zu  regeln.

Der  englische  Militärattachee  unterhielt  sich  weiter  mit  mir  über
verschiedene  andere  Fragen,  nämlich:

1)  Notwendigkeit,  die  Operationen  geheimzuhalten  und  von  der
Presse  strikte  Geheimhaltung  zu  verlangen,

2)  Vorteile,  die  sich  daraus  ergeben  würden,  wenn  jedem  englischen
  Generalstab  ein  belgischer  Offizier,  jedem  Truppenkommandanten
  ein  Dolmetscher  und  jeder  Truppeneinheit  Gendarmen  zugeteilt
werden  könnten,  um  den  englischen  Polizeitruppen  zur  Seite  zu  stehen.

Bei  einer  anderen  Unterhaltung  prüften  der  Oberstleutnant  Barnardiston
  und  ich  die  kombinierten  Operationen  für  den  Fall  eines  deutschen
Angriffs  auf  Antwerpen  und  unter  der  Annahme  eines  Durchmarsches
durch  unser  Land,  um  die  französischen  Ardennen  zu  erreichen.  In  der
Frage  erklärte  mir  der  Oberst  sein  Einverständnis  mit  dem  Plane,  den
        <pb n="245" />
                                                             —  770  —

ich  ihm  vorgelegt  hatte,  und  versicherte  mich  der  Zustimmung  des  Generals
  Grierson,  Chefs  des  englischen  Generalstabs.

Andere  Fragen  von  untergeordneter  Bedeutung  wurden  ebenfalls
geregelt,  besonders  hinsichtlich  der  Spezialoffiziere,  der  Dolmetscher,  der
Gendarmen,  Karten,  Abbildungen  der  Uniformen,  von  ins  Englische  zu
übersetzenden  Sonderabzügen  einiger  belgischer  Reglements,  das  Reglement
  für  die  Verzollungskosten,  für  die  englischen  Proviantsendungen,
die  Unterbringung  der  Verwundeten  der  verbündeten  Heere  usw.  Es
wurde  nichts  vereinbart  über  die  Einwirkung  der  Regierung  oder  der
Militärbehörden  auf  die  Presse.

Bei  den  letzten  Begegnungen,  die  ich  mit  dem  englischen  Attachee
gehabt  habe,  teilte  er  mir  mit,  wie  sich  das  tägliche  Ergebnis  der  Ausschiffungen
  in  Boulogne,  Calais  und  Cherbourg  gestalten  dürfte.  Die
Entfernung  dieses  letzteren  Punktes,  der  aus  technischen  Rotwendigkeiten
in  Betracht  kommt,  bringt  eine  gewisse  Verzögerung  mit  sich.  Das
1.  Korps  würde  am  10.  Tage  ausgeschifft  werden,  das  2.  Korps  am
15.  Tage.  Unser  Eisenbahnmaterial  würde  die  Transporte  so  ausführen,
daß  die  Ankunft,  sei  es  in  der  Richtung  Brüssel—Löwen,  sei  es  nach
Namur—Dinant,  des  1.  Korps  für  den  11.  Tag,  die  des  2.  Korps  für  den
16.  Tag  gesichert  wäre.

Ich  habe  noch  ein  letztes  Mal  so  energisch,  wie  ich  konnte,  auf  die
Notwendigkeit  hingewiesen,  die  Seetransporte  noch  zu  beschleunigen,  damit
  die  englischen  Truppen  zwischen  dem  11.  und  12.  Tage  bei  uns  sein
könnten.  Die  glücklichsten,  günstigsten  Resultate  können  durch  eine  gemeinsame
  und  gleichzeitige  Aktion  der  verbündeten  Streitmächte  erreicht
werden.  Es  würde  aber  im  Gegenteil  einen  ernsten  Mißerfolg  bedeuten,
wenn  das  Zusammenwirken  nicht  stattfinden  könnte.  Der  Oberst  Barnardiston
  versicherte  mir,  daß  alles  zur  Erreichung  dieses  Zwecks  getan
werden  würde.

Im  Laufe  unserer  Unterhaltung  hatte  ich  Gelegenheit,  den  englischen
Militärattachee  davon  zu  überzeugen,  daß  wir  willens  seien,  soweit  das
möglich  sei,  die  Bewegungen  des  Feindes  zu  hemmen  und  uns  nicht  gleich
von  Anfang  an  nach  Antwerpen  zu  flüchten.

Seinerseits  teilte  mir  der  Oberstleumant  Barnardiston  mit,  daß  er
zurzeit  auf  eine  Unterstützung  oder  eine  Intervention  Hollands  wenig
Hoffnung  setze.  Er  teilte  mir  zugleich  mit,  daß  seine  Regierung  beabsichtige,
  die  englische  Verpflegungsbasis  von  der  franzöfischen  Küste  nach
Antwerpen  zu  verlegen,  sobald  die  Nordsee  von  allen  deutschen  Schiffen
gesäubert  sei.

Bei  allen  Unterhaltungen  setzte  mich  der  Oberst  regelmäßig  von  den
vertraulichen  Nachrichten  in  Kenntnis,  die  er  über  die  militärischen  Verhältnisse
  bei  unsern  östlichen  Nachbarn  erhalten  hatte.  Zur  selben  Zeit
betonte  er,  daß  für  Belgien  eine  gebieterische  Notwendigkeit  vorliege,  sich
dauernd  darüber  unterrichtet  zu  halten,  was  in  dem  uns  benachbarten
Rheinland  vor  sich  gehe.  Ich  mußte  ihm  gestehen,  daß  bei  uns  der  ausländische
  Ueberwachungsdienst  in  Friedenszeiten  nicht  unmittelbar  dem
Generalstab  unterstehe,  wir  hätten  keine  Militärattachees  bei  unseren
Gesandtschaften.  Ich  hütete  mich  indessen  sehr,  ihm  einzugestehen,  daß
ich  nicht  wußte,  ob  der  Spionagedienst,  der  durch  unsere  Reglements  vorgeschrieben
  ist,  in  Ordnung  war  oder  nicht.  Aber  ich  halte  es  für  meine
        <pb n="246" />
                                                            —  771  —

Pflicht,  hier  auf  diese  Lage  aufmerksam  zu  machen,  die  uns  in  einen  Zustand
  offenbarer  Unterlegenheit  gegenüber  unseren  Nachbam  und  eventuellen

  Feinden  versetzt.
                                        Generalmajor,  Chef  des  Generalstabs,
                                                                    Unterschrift.

Notiz.  Als  ich  den  General  Grierson  während  der  Manöver  1906
traf,  versicherte  er  mir  daß  die  Reorganisation  der  englischen  Armee  den
Erfolg  herbeiführe,  daß  nicht  nur  die  Landung  von  150  000  Mann  gesichert
  sei,  sondern  daß  hierdurch  auch  die  Aktion  des  Heeres  in  einer  kürzeren
  Zeit  gewährleistet  werde,  als  im  vorstehenden  angenommen  wurde.

         Abgeschlossen  September  1906.                               Unterschrift.“
Auf  dem  Schriftstück  findet  sich  noch  der  folgende  Randvermerk:

„Lientrée  des  Anglais  en  Belgique  ne  se  ferait  qu'’apreès  la
violation  de  notre  neutralité  par  IAllemagne.“

Welche  Bewandtnis  es  hiermit  hatte,  erhellt  aus  einer  im  belgischen
Ministerium  des  Aeußern  aufgefundenen  Aufzeichnung  über  eine  Unterredung
  eines  Nachfolgers  des  Oberstleutnant  Barnardiston,  des  englischen
Militärattachees  in  Brüssel,  Oberstleutnant  Bridges,  mit  dem  belgischen
Generalstabschef  General  Jungbluth.  Das  Schriftstück,  das  vom  23.  April
datiert  ist  und  vermutlich  aus  dem  Jahre  1912  stammt,  ist  von  der  Hand
des  Grafen  van  der  Straaten,  Direktor  im  belgischen  Ministerium  des
Aeußern,  mit  dem  Vermerk  „Confidentielle“  versehen  und  lautet  in  der
Uebersetzung  folgendermaßen:

            „Vertraulich.

Der  englische  Militärattachee  hat  den  Wunsch  ausgesprochen,  den
General  Jungbluth  zu  sehen.  Die  Herren  haben  sich  am  23.  April  getroffen.


Der  Oberstleutnant  hat  dem  General  gesagt,  daß  England  imstande
sei,  eine  Armee  auf  den  Kontinent  zu  schicken,  die  aus  sechs  Divisionen
Infanterie  und  aus  acht  Brigaden  Kavallerie  —  insgesamt  aus  160  000
Mann  —  bestehe.  England  habe  außerdem  alles  Notwendige,  um  sein
Inselreich  zu  verteidigen.  Alles  sei  bereit.

Die  englische  Regierung  hätte  während  der  letzten  Ereignisse  unmittelbar
  eine  Landung  bei  uns  vorgenommen,  selbst  wenn  wir  keine
Hilfe  verlangt  hätten.

Der  General  hat  eingewandt,  daß  dazu  unsere  Zustimmung  notwendig
  sei.  Der  Militärattachee  hat  geantwortet,  daß  er  das  wisse,  aber
da  wir  nicht  imstande  seien,  die  Deutschen  abzuhalten,  durch  unser  Land

zu  marschieren,  so  hätte  England  seine  Truppen  in  Belgien  auf  jeden
Fall  gelandet.

Was  den  Ort  der  Landung  anlangt,  so  hat  sich  der  Militärattachee
darüber  nicht  deutlich  ausgesprochen;  er  hat  gesagt,  daß  die  Küste  ziemlich
lang  sei,  aber  der  General  weiß,  daß  Herr  Bridges  während  der  Osterfeiertage
  von  Ostende  aus  tägliche  Besuche  in  Zeebrügge  gemacht  hat.

  Der  General  hat  hinzugefügt,  daß  wir  übrigens  vollkommen  in  der
Lage  seien,  die  Deutschen  zu  hindern,  durch  Belgien  zu  marschieren.“
        <pb n="247" />
        —  772  —

Schlechte  Behandlung  von  Aerzten  und  Patienten  im  Londoner
Gefangenenlager.

Entgegen  allen  internationalen  Vereinbarungen  und  den  ihm  ge—
machten  Zusicherungen  ist  der  Offenbacher  Arzt  Dr.  Landmann  noch  vor
der  Kriegserklärung  Englands  an  Deutschland  auf  einem  deutschen  Schiff
verhaftet  und  schließlich  in  einem  Londoner  Konzentrationslager  zwangsweise
  als  Gefangenenarzt  beschäftigt  worden.  Dr.  Landmann  schildert
seine  Erlebnisse  in  dem  amtlichen  Organ  des  Leipziger  Verbandes,  den
„Aerztlichen  Mitteilungen“  folgendermaßen:

„Ich  geriet  am  4.  August  morgens  gegen  1  Uhr  auf  dem  „Prinz
Adalbert“  in  englische  Gefangenschaft,  also  fast  24  Stunden  vor  der
Kriegserklärung.  Der  Dampfer  durfte  den  damals  noch  „neutralen“
Hafen  von  Falmuth,  den  er  als  Nothafen  angelaufen  hatte,  nicht  mehr
verlassen,  Passagiere  und  Besatzung  durften  nicht  von  Bord.  Am  8.  August
gab  ich,  zusammen  mit  der  ganzen  Besatzung,  mein  schriftliches  Ehrenwort,
  „keine  gegen  England  gerichtete  Handlung  zu  unternehmen  oder  zu
unterstützen.“  Am  11.  August  erhielt  ich,  als  Arzt,  die  Erlaubnis,  England
  zu  verlassen.  Meiner  Weisung  gemäß  fuhr  ich  nach  London  und
meldete  mich  am  12.  August  morgens  um  9  Uhr  auf  der  Polizeistation
L.-Paddington,  um  hier  zu  erfahren,  mit  welchem  Dampfer  ich  fahren
könnte.  Mit  mir  waren,  außer  zwei  Passagieren,  Herr  Dr.  Schäfer,
Schiffsarzt  auf  „Kronprinzessin  Cäcilie"“.  Die  drei  letztgenannten  mußten
sich  polizeilich  registrieren  lassen  und  durften  sich  im  Umkreise  von  fünf
Meilen  „frei“  bewegen.  Mich  selbst  brachte  man  am  Nachmittag  um
5  Uhr  nach  der  Olympia  in  L.  als  Kriegsgefangenen.  Meinen  wahrheitsgetreuen
  Angaben  schenkte  man  aber  keinen  Glauben  und
behauptete,  ich  sei  Militärarzt.  In  der  Olympia  schliefen  wir  alle  auf
Holzpritschen  (am  Anfang  auf  dem  Steinboden)  und  bekamen  zwei  dünne
Gefängnisdecken.  Die  Verpflegung  war  absolut  unzureichend:  Tee,  Margarinebrot
  und  Kartoffeln,  manchmal  stinkendes  Fleisch.  Nach  der  Reinigung,
  die  fast  trocken  vorgenommen  wurde,  saßen  wir  stundenlang  im
Staub.  Infolge  der  genannten  Maßnahmen  erkrankten  fast  alle  Gefangenen
  an  Krankheiten  des  Magendarmkanals  und  der  Luftwege.  Die
ärztliche  Behandlung  der  Kranken  war  unzureichend,  wenn  überhaupt
vorhanden.  „Bessere“  Medikamente  mußten  von  den  Gefangenen  bezahlt
werden!  In  dem  Lazarett  der  Olympia  war  ein  Bett!  Es  durfte  aber
nicht  belegt  werden  und  die  Kranken  lagen  ruhig  weiter  auf  der  Erde.
Ich  sah  täglich  etwa  zehn  englische  Nursen  aus=  und  eingehen,  aber  nie,
daß  sie  etwas  taten.  Ich  blieb  drei  Wochen  in  der  Olympia  und  kam  dann
nach  dem  Konzentrationslager  Frith-Hill-Aldershot.  Hier  lagen  immer
zwölf  Gefangene  in  einem  Zelt,  dessen  Durchmesser  auf  der  Erde  gemessen
etwa  drei  Meter  betrug.  Jeder  bekam  eine  Decke.  Die  Zelte  ließen  den
Regen  durch.  Gesunde  und  Kranke  lagen  also  oft  auf  dem  nassen  Fußboden.
  Es  gab  weder  Stühle  noch  Tische.  Das  Essen  war  fast  ausreichend.
Nach  wenigen  Tagen  nahmen  Ungeziefer,  Krätze,  Brechdurchfall  und
Rheumatismus  überhand.  Ich  teilte  mich  mit  dem  englischen  Arzt  in  die
Behandlung  der  Kranken  und  Verwundeten.  In  den  ersten  acht  Tagen
standen  mir  keine  Medikamente  und  nur  sehr  wenig  Verbandsmaterial
zur  Verfügung.  Ich  bat  täglich  vergebens  um  Betten  und  Decken  für  die
Schwerkranken.  Manche  von  ihnen  waren  ungeheilt  aus  englischen  Hospi-
        <pb n="248" />
                                                           —  773  —

tälern  entlassen  worden,  einer  mit  einer  nicht  erkannten  Pneumonie,  an
der  er  wenige  Tage  später  starb.  Alle  Wunden  der  Verletzten  (von  der
„Mainz“  und  „Königin  Luise“)  eiterten  und  schmerzten.  Die  Verwundeten
  sprachen  immer  davon,  daß  die  englischen  Geschosse  Pikrinsäure  enthielten.
  In  den  letzten  Tagen  meines  Aufenthaltes  im  Kamp  waren  2500
Gefangene  da.  Für  diese  2500  gab  es  16  Wasserhähne  zum  Waschen,
Wäschewaschen  und  Kochen.  In  gedeckten  Hallen  standen  90  Eimer  mit
langen  Brettern  überdeckt  als  Klosetts.  In  den  letzten  Tagen  mußte
jeder  erst  durch  den  Kot  waten,  ehe  er  zu  den  Eimern  gelangte.  Es  war
strenge  verboten,  sich  auf  die  Bretter  zu  stellen!  Und  wie  sahen  diese
Sitze  aus!]  Obwohl  ich  Zugang  zum  Hospitalzelt  und  die  Schlüssel  zu
den  zwei  Feldmedizinkisten,  die  am  achten  Tage  gekommen  waren,  hatte,
war  ich  voller  Läuse  jeder  Art,  Flöhe  und  Krätze.  —  Nach  und  nach  „behandelte“
  ich  täglich  40  Fälle  von  Brechdurchfall.  Einzelne  mit  Rheuma
konnten  ihr  Zelt  überhaupt  nicht  mehr  verlassen.  Sichere  Diagnosen  der
in  Frage  kommenden  Darmkrankkheiten  konnte  ich  nicht  stellen,  nahm  aber
für  alle  Fälle  Opium,  um  einer  Ansteckung  aus  dem  Wege  zu  gehen.  Einer
der  englischen  Militärärzte  hatte  mir  versprochen,  daß  ich  wie  die  englischen
  Offiziere  behandelt  würde,  wenn  ich  für  die  Kranken  sorge.  Das
Versprechen  wurde  (wie  alle  anderen)  nicht  gehalten.  Im  Gegenteil,  als
ich  den  Kommandanten  daran  erinnerte,  sagte  er  mir,  daß  ich  als  Arzt
kein  Recht  hätte,  wie  Offizier  behandelt  zu  werden,  falls  ich  mich  weigere,
meine  ärztliche  Tätigkeit  weiter  auszuüben!

                                                   (Berliner  Tageblatt,  25.  November.)


                    Der  Zusammenbruch  des  russischen  Vormarsches.
                 Amtlich.  Großes  Hauptquartier,           25.  November,
                                                           vormittags.

Die  englischen  Schiffe  wiederholten  gestern  ihre  Unternehmungen
gegen  die  Küste  nicht.

Die  Lage  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  ist  unverändert;  bei
Arras  machten  wir  kleine  Fortschritte.

  In  Ostpreußen  wiesen  unsere  Truppen  sämtliche  russischen  Angriffe
  ab.
Die  Gegenoffensive  der  Russen  aus  Richtung  Warschau  ist  in  Gegend
Lowicz—Strykow—Brzeziny  gescheitert.
Auch  in  der  Gegend  östlich  Czenstochau  brachen  sämtliche  russischen
Angriffe  vor  unserer  Front  zusammen.
                                                       Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


            Kaiser  Wilhelm  und  der  österreichische  Thronfolger.
                                                                            Wien,  24.  November.

Aus  dem  Kriegspressequartier  wird  gemeldet:  Erzherzog  Karl  Franz
Joseph  hat  heute  folgendes  Telegramm  Seiner  Majestät  des  Deutschen

Kaisers  erhalten:
                                             Großes  Hauptquartier,  24.  November.
Euer  K.  und  K.  Hoheit  bewährte  Teilnahme  an  den  Operationen
unserer  verbündeten  Armeen  gibt  Mir  zu  dem  Wunsche  Veranlassung,
                                                                                 49
        <pb n="249" />
                                                               —  774  —

Euerer  K.  und  K.  Hoheit  als  Zeichen  Meiner  hohen  Wertschätzung  dieser
Betätigung  die  zweite  und  erste  Klasse  des  von  Mir  für  Mein  Heer  erneut
  gestifteten  Eisernen  Kreuzes  zu  verleihen,  deren  Infignien  Ich  Euer
K.  und  K.  Hoheit  zugehen  lasse.  Wilhelm.

Der  Erzherzog  hat  von  dieser  Auszeichnung  Kaiser  Franz  Joseph
telegraphisch  Meldung  erstattet  und  folgende  Dankdepesche  an  den  Deutschen
  Kaiser  gerichtet:

Ich  bitte  Euere  Majestät,  für  die  allergnädigste  Verleihung  des
Eisernen  Kreuzes  zweiter  und  erster  Klasse  meinen  ergebensten  Dank  entgegennehmen
  zu  wollen.  Ich  werde  dieses  Ehrenzeichen  der  von  mir  aufrichtigst
  bewunderten  deutschen  Armee  in  stetem  Gedenken  der  treuen
Waffenbrüderschaft  mit  besonderem  Stolze  tragen  und  bin  dessen  gewiß,
daß  es  den  in  seltener  Eintracht  Schulter  an  Schulter  kämpfenden  verbündeten
  Armeen  gelingen  wird,  den  mächtigen  Feind  niederzuringen.

                                                        Erzherzog  Karl.

                             Englische  Niederlage  in  Ostafrika.
                                                                        Haag,  24.  November.

Die  englische  Gesandtschaft  teilt  mit:  Aus  den  letzten  Berichten  aus
Ostafrika  geht  hervor,  daß  eine  britische  Truppenmacht  aus  Britisch-Ostafrika,
  als  gemeldet  wurde,  daß  eine  wichtige  deutsche  Eisenbahnstation
nur  schwach  besetzt  sei,  dorthin  geschickt  wurde,  um  die  Station  zu  erobern.
Die  englischen  Truppen  landeten  am  2.  November  und  rückten  sofort  gegen
die  feindliche  Stellung  vor.  Es  stellte  sich  jedoch  heraus,  daß  diese  sehr
stark  war.  Es  gelang  den  englischen  Truppen  zwar,  die  Stadt  zu  erreichen,
sie  mußten  sich  jedoch  wieder  zurückziehen.  Ihre  Verluste  betrugen  800

ann.

     

                                Das  Eingreifen  Portugals.
                                                          London,,  25.  November.

Das  Reutersche  Büro  meldet  aus  Lissabon  vom  24.  d.  M.:

Nachdem  der  Ministerpräsident  vor  den  Abgeordneten  und  Senatoren
  eine  Erklärung  abgegeben  hatte,  nahm  der  Kongreß  einstimmig
einen  Gesetzentwurf  an,  durch  welchen  die  Regierung  ermächtigt  wird,
auf  Grund  des  Bündnisses  mit  England  in  dem  gegenwärtigen  internationalen
  Konflikt  in  einer  Weise  zu  intervenieren,  welche  ihr  als  die
geeignetste  erscheint.  Die  Regierung  wird  ferner  ermächtigt,  die  Herz
erforderlichen  Maßregeln  zu  ergreifen.  Nach  Mitteilungen  der  Presse
wird  ein  Erlaß,  durch  welchen  eine  teilweise  Mobilisierung  verfügt  wird,
morgen  oder  übermorgen  erscheinen.  Zugleich  wird  der  Kriegsminister
einen  Aufruf  an  das  Land  richten.

                             Russische  Niederlage  in  Ungarn.
                                                                    Budapest,  25.  November.

Nach  einer  hier  eingetroffenen  Meldung  sind  die  österreichisch-ungarischen
  Truppen  gestern  in  den  Karpathen  in  die  Offensive  getreten  und
haben  einem  Flügel  der  dort  eingedrungenen  Russen  eine  empfindliche
Niederlage  beigebracht.  Die  Russen  traten  einen  fluchtartigen  Rückzug
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                                                             —  775  —

an.  An  einer  anderen  Stelle  ließen  sie  500  Tote  zurück.  Unser  Zurück—
weichen  war  nur  eine  den  Russen  bereitete  Falle.  Die  auf  unseren  Bergen
aufgestellte  Artillerie  beschoß  die  eindringenden  Russen  von  zwei  Seiten,
worauf  ein  Bajonettangriff  folgte.  Die  Russen  ließen  viele  Tote  und
Verwundete  zurück.  Gefangene  erzählen,  daß  die  Russen  in  Galizien
bereits  alle  Reserven  aufgebraucht  haben.  An  den  Kämpfen  waren  sibirische

  Truppen  beteiligt.                (Vossische  Zeitung,  25.  Nov.)


               29  000  Nussen  von  den  Oesterreichern  gefangen.

      Wien,  25.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:

Das  gewaltige  Ringen  in  Russisch-Polen  dauert  fort.  Bisher  machten
  unsere  Truppen  in  dieser  Schlacht  29  000  Gefangene  und  erbeuteten
49  Maschinengewehre  sowie  viel  sonstiges  Kriegsmaterial.

              Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                       v.  Hoefer,  Generalmojor.


                                 Die  Kämpfe  in  Serbien.

Wien,  25.  November.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich
gemeldet:

Unsere  Truppen  haben  unter  schweren  Kämpfen  die  versumpfte  Ko-=lubara--Niederung
  bereits  überall  überschritten  und  im  Angriffe  auf  die
östlichen  Höhen  Raum  gewonnen.  Mehrere  heftige  Gegenangriffe  der
feindlichen  Reserven  wurden  unter  großen  Verlusten  für  den  Gegner
abgewiesen.  Zahlreiche  Gefangene  und  Ueberläufer.  Südöstlich  Valjewo
haben  unsere  Truppen  die  schneebedeckten  Kämme  des  Maljen  und  Suvobor
  kämpfend  überschritten.  Dort  wurden  gestern  neuerdings  10  Offiziere,
über  300  Mann  Gefangene  und  3  Maschinengewehre  erbeutet.


                          Der  Kampf  um  den  Suezkanal.

Nach  einer  „Union"-Meldung  aus  Mailand  haben  die  Türken  bei
der  Besetzung  von  El  Khazna  am  Suezkanal  zwei  alte  Dampfer  unbekannter
  Nationalität  gekapert,  um  sie  im  Falle  einer  Forcierung  der
Durchfahrt  durch  englische  Kriegsschiffe  zu  versenken  und  damit  die  ganze
Kanaldurchfahrt  zu  sperren.  Vorläufig  ist  in  Cantara  eine  Kontrollstation
  für  sämtliche  den  Kanal  durchfahrende  Handelsdampfer  eingerichtet
  worden.  Die  türkische  Kontrolle  des  Suezkanals  England  gegenüber
  ist  somit  Tatsache  geworden.  Weiter  wird  berichtet,  daß  sich  auch
gegen  den  Ort  Suez  türkische  Truppen  im  Anmarsch  befinden.  Die  drahtlose
  Verbindung  Suez—Port  Said  ist  seit  Sonnabend  gestört.  Aus  Port
Said  wurden  2000  Türken  als  feindliche  Staatsangehörige  nach  englischen
  Konzentrationslagern  gebracht,  da  man  sie  als  Spione  betrachtet.  

                Die  Gefangenen  und  Gefallenen  von  Tsingtau.

Berlin,  25.  November.  Nach  den  bis  heute  vorliegenden  Nachrichten
  beträgt  die  Zahl  der  bei  den  Kämpfen  um  Tsingtau  und  beim  Falle
der  Festung  gefangenen  Angehörigen  der  Besatzung  etwa  4250,  einschließlich

  600  Verwundete.  Die  Zahl  der  Gefallenen  soll  etwa  170  betragen,
                                                                                 49*
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                                                     —  776  —

darunter  6  Offiziere.  Vom  österreichisch-ungarischen  Kreuzer  „Kaiserin
Elisabeth“  sind  ein  Leutnant  und  8  Mann  verwundet,  8  Mann  tot.  Die
Behandlung  der  Gefangenen  in  Japan  soll  gut  sein.  Die  japanische  Regierung
  hat  die  baldige  Uebersendung  namentlicher  Listen  der  Toten,
Verwundeten  und  Gefangenen  in  Aussicht  gestellt.

                                             (Tägliche  Rundschau,  26.  November.)


                              40  000  Russen  gefangen.

                     Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  26.  November,
                                                                       vormittags.

Die  Lage  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  ist  unverändert.  In
Gegend  St.  Hilaire-Souain  wurde  ein  mit  starken  Kräften  angesetzter,
aber  schwächlich  durchgeführter  französischer  Angriff  unter  großen  Verlusten
  für  den  Gegner  zurückgeschlagen.  Bei  Apremont  machten  wir  Fortschritte.



In  Ostpreußen  ist  die  Lage  nicht  verändert.

In  den  Kämpfen  der  Truppen  des  Generals  v.  Mackensen  bei  Lodz
und  Lowicz  haben  die  russische  erste  und  zweite  und  Teile  der  fünften
Armee  schwere  Verluste  erlitten.  Außer  vielen  Toten  und  Verwundeten
haben  die  Russen  nicht  weniger  als  etwa  40  000  unverwundete  Gefangene
verloren;  70  Geschütze,  160  Munitionswagen,  156  Maschinengewehre  sind
von  uns  erbeutet,  30  Geschütze  unbrauchbar  gemacht  worden.

Auch  in  diesen  Kämpfen  haben  sich  Teile  unserer  jungen  Truppen
trotz  großer  Opfer  auf  das  glänzendste  bewährt.

Wenn  es  ungeachtet  solcher  Erfolge  noch  nicht  gelungen  ist,  die  Entscheidung
  zu  erkämpfen,  so  liegt  dies  an  dem  Eingreifen  weiterer  starker
Kräfte  des  Feindes  von  Osten  und  Süden  her.  Ihre  Angriffe  sind  gestern
überall  abgewiesen  worden.  Der  endgültige  Ausgang  der  Kämpfe  steht
aber  noch  aus.  Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)

  Eine  Anerkennung  des  Kaisers  für  die  österreichischen  Mörserbatterien.

       Aus  Wien  wird  gemeldet:
Erzherzog  Leopold  Salvator,  der  vor  einigen  Tagen  zu  kurzem
Aufenthalte  vom  Kriegsschauplatz  in  Wien  eingetroffen  ist,  empfing  von
Kaiser  Wilhelm  folgende  Depesche:

                                Großes  Hauptquartier,  24.  November  1914.

Eurer  K.  und  K.  Hoheit  erfolgreiche  Tätigkeit  als  Generalartillerieinspektor
  und  Oberster  Waffenvorgesetzter  der  in  meiner  Armee  so  ruhmreich
  am  Kampfe  beteiligten  österreichisch-ungarischen  Mörserbatterien
veranlaßt  mich  zu  der  Bitte,  daß  Eure  K.  und  K.  Hoheit  das  Eiserne
Kreuz  zweiter  und  erster  Klasse,  deren  Insignien  Eurer  K.  und  K.  Hoheit
zugehen  werden,  von  mir  annehmen  und  tragen  wollen.

                                                                                                      Wilhelm.

Darauf  antwortete  Erzherzog  Leopold  Salvator  mit  folgender  Depesche:

  ,
                                                                        Wien,  24.  November.

Für  die  allergnädigsten  Worte  der  Anerkennung  meiner  Tätigkeit
sowie  der  der  österreichischen  Mörserbatterien,  denen  das  Glück  zuteil
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                                                            —  777  —

wurde,  unter  dem  allerhöchsten  Befehl  Eurer  glorreichen  Majestät  in  den
Reihen  der  ruhmvollen  deutschen  Armee  kämpfen  zu  können,  bitte  ich
meinen  ehrfurchtsvollsten  Dank  huldvollst  entgegenzunehmen.  Diesem
Danke  schließe  ich  auch  ehrerbietigst  jenen  für  die  allergnädigste  Verleihung
  des  Eisernen  Kreuzes  zweiter  und  erster  Klasse  an.  Mit  großer
Befriedigung  nehme  ich  diese  Ehrenzeichen  entgegen  und  werde  sie  mit
                                       Stolz  tragen.  Erzherzog  Leopold  Salvator.
                                                   (Berliner  Tageblatt,  26.  November.)


           Die  Vertreibung  der  Russen  aus  den  Karpathen.

                                             Budapest,  25.  November.  (W.T.B.)
Ein  offiziöser  Bericht  besagt:

Die  Zurückdrängung  des  durch  die  Karpathenpässe  in  die  Komitate
Ung  und  Zemplin  eingedrungenen  Feindes  ist  mit  Erfolg  in  Angriff
genommen.  Bei  dem  derzeitigen  Stande  der  Operationen  können  Einzelheiten
  nicht  bekanntgegeben  werden,  doch  kann  festgestellt  werden,  daß  der
Uzsoker  Paß  sich  wieder  in  unserem  Besitz  befindet  und  damit  das  Komitat
Ung  vom  Feinde  gesäubert  ist.  Auch  die  in  die  oberen  Teile  des  Komitats
  Zemplin  eingedrungenen  feindlichen  Kräfte  ziehen  sich  nach  schweren
Verlusten  zurück.

                      1½  Millionen  Entschädigungen  für  Luxemburg.
                                                  Luxemburg,  26.  November.  (W.T.B.)

Wie  „Luxemburger  Wort“  meldet,  hat  das  Deutsche  Reich  jetzt  dem
Großherzogtum  Luxemburg  für  Flurschäden  usw.  Entschädigungen  in
Höhe  von  1  263  000  Francs  gezahlt.  Außerdem  erhielt  die  großherzogliche
  Regierung  für  die  Benutzung  von  Straßen  und  Wegen  sowie  Benutzung
  von  Staatsgebäuden,  für  Einquartierungen  die  Summe  von
311  000  Francs.

Das  Gefecht  der  „Emden“  mit  dem  englischen  Kreuzer  „Sydnen“.
Bericht  des  Fregattenkapitäns  v.  Müller.

                                                             Berlin,,  20.  November.  (W.T.B.)

Von  dem  Kommandanten  der  „Emden“,  Fregättenkapitän  v.  Müller,
ist  nachstehender  telegraphische  Bericht  über  das  Gefecht  der  „Emden“
mit  dem  englischen  Kreuzer  „Sydney“"  bei  den  Cocosinseln  eingetroffen:

„Der  englische  Kreuzer  „Sydney“  näherte  sich  den  Cocosinseln  mit
hoher  Fahrt,  als  dort  gerade  eine  von  SM  .  „Emden“  ausgeschiffte
Landungsabteilung  das  Kabel  zerstörte.  Das  Gefecht  zwischen  den  beiden
Kreuzern  begann  sofort.  Unser  Schießen  war  zuerst  gut,  aber  binnen
kurzem  gewann  das  Feuer  der  schweren  englischen  Geschütze  die  Ueberlegenheit,
  wodurch  schwere  Verluste  unter  unseren  Geschützbedienungen
eintraten.  Die  Munition  ging  zu  Ende  und  die  Geschütze  mußten  das
Feuer  einstellen.  Trotzdem  die  Ruderanlage  durch  das  feindliche  Feuer
beschädigt  war,  wurde  der  Versuch  gemacht,  auf  Torpedoschußweite  an
„Sydney"“  heranzukommen.  Dieser  Versuch  mißglückte,  da  die  Schornsteine
  zerstört  waren  und  infolgedessen  die  Geschwindigkeit  der  „Emden“
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                                                       —  778  —

stark  herabgesetzt  war.  Das  Schiff  wurde  deshalb  mit  voller  Fahrt  an
der  Nord=  (Luv-)Seite  der  Cocosinseln  auf  ein  Riff  gesetzt.

Inzwischen  war  es  der  Landungsabteilung  gelungen,  auf  einem
Schoner  von  der  Insel  zu  entkommen.  Der  englische  Kreuzer  nahm  die
Verfolgung  auf,  kehrte  aber  am  Nachmittag  wieder  zurück  und  feuerte  auf
das  Wrack  SMS.  „Emden“.

Um  weiteres  unnützes  Blutvergießen  zu  vermeiden,  kapitulierte  ich
mit  dem  Rest  der  Besatzung.

Die  Verluste  SM  „Emden“  betragen:  6  Offiziere,  4  Deckoffiziere,
26  Unteroffiziere  und  93  Mann  gefallen;  1  Unteroffizier,  7'  Mann  schwer
verwundet.“

                   Die  englandfeindliche  Bewegung  in  Irland.
                                                     London,  26.  November.  (W.  T.  B.)

Die  „Times“  veröffentlichen  folgende  Ausgabe  aufrührerischer  irischer
Blätterstimmen:  So  schrieb  „Erish  Freedom“:

„Zu  eurem  höchsten  distinguierten  Patron  und  Wohltäter  England
sagen  wir:  Kämpfe  deine  Kämpfe  selbst  aus!  Wir  wollen  nichts  vom
Ruhme  deines  aufgeblähten  Imperiums  haben!  In  der  Schlacht  von
Fontenoy,  wo  wir  euch  geschlagen  haben,  haben  wir  mehr  Ruhm  geerntet,
als  in  den  tausend  Schlachten,  die  wir  für  euch  gewannen.  Uns  geht  die
Verlegenheit,  in  der  ihr  euch  jetzt  befindet,  nichts  an;  es  sei  denn,  daß
wir  hoffen,  daß  ihr  geschlagen  werdet.“

          „Irish  Volonteer“  vom  7.  November  schreibt:

„England  ruft  das  irische  Volk  zum  Kampfe  gegen  eine  Nation,  die
niemals  einem  einzigen  FIrländer  ein  Haar  gekrümmt,  sondern  im  Gegenteil
  mit  der  Bevölkerung  dieses  Landes  immer  sympathisiert  hat,  wie  das
Bündnis  zwischen  Deutschen  und  Iren  in  Amerika  beweist.  Wenn  die
Deutschen  kämen  und  unser  Land  mit  Gewalt  nähmen,  würden  sie  dazu
gerade  so  berechtigt  sein,  wie  die  Räuber,  die  es  mit  Waffengewalt  festhalten.“



          In  derselben  Ausgabe  der  Zeitung  heißt  es:

„Auch  die  Blindesten  unter  uns  wissen  jetzt,  daß  sich  der  britische
Löwe  nicht  geändert  hat,  und  daß  der  Seeräuber  England  derselbe  unbarmherzige
  Friedensstörer  ist,  der  er  war,  als  er  die  dänische  Flotte  vor
Kopenhagen  vernichtete  und  Aegyptens  Kampf  um  die  Konstitution  durch
die  Beschiebung  Alexandriens  unmöglich  machte.  Wir  sehen  klar,  daß  das
Imperium  seinem  Wesen  nach  bleibt,  was  es  immer  war,  eine  unerträgliche
  Drohung  für  den  Frieden  und  den  Fortschritt  der  Welt.  Unsere
einzige  Sicherheit  und  einzige  Hoffnung  auf  nationale  Entwickelung  und
nationale  Ehre  liegt  darin,  daß  wir  das  Band,  daß  uns  an  den  englischen
Imperialismus  bindet,  durchschneiden.  Der  einzige  Weg  zu  dem  ruhmreichen
  glücklichen  Irland  unserer  Träume  führt  über  den  Zerfall  des
britischen  Reiches.“

                          Ein  englisches  Linienschiff  vernichtet.

(W.T.  B.)  London,  26.  November.  In  der  gestrigen  Sitzung
des  Unterhauses  teilte  Marineminister  Churchill  mit,  daß  das  Linien=
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                                                  —  779  —

schiff  „Bulwark“  am  25.  d.  Mts.  morgens  in  Sheerneß  in  die  Luft  geflogen
  ist.  Zwischen  700  und  800  Mann  sind  umgekommen.  Nur
12  Mann  wurden  gerettet.  Die  anwesenden  Admirale  berichten,  sie
seien  überzeugt,  daß  die  Ursache  eine  innere  Explosion  des  Magazins
war  und  keine  Erschütterung  des  Wassers  erfolgte.  Das  Schiff  sank  in
drei  Minuten  und  war  verschwunden,  als  sich  die  dichten  Rauchwolken
verzogen  hatten.  Die  Explosion  war  so  stark,  daß  die  Gebäude  von
Sheerneß  bis  auf  die  Fundamente  erzitterten,  und  wurde  mehrere
Meilen  weit  vernommen.

Das  Linienschiff  „Bulwark“  stammt  aus  dem  Jahre  1899,  hatte
15  250  Tons  Deplacement,  18  bis  19  Meilen  Geschwindigkeit,  vier
30,5=,  zwölf  15-Zentimeter-Geschütze  und  750  Mann  Besatzung.

Rotterdam,  27.  November.  Die  Explosion,  die  das  englische
Linienschiff  bei  Sheerneß  zerstörte,  war  so  heftig,  daß  sie  meilenweit
gehört  wurde.  Das  Schiff  sank  innerhalb  drei  Minuten.  Alle  Offiziere
  fanden    den  Tod.  Die  Leichen  der  Getöteten  find  furchtbar  zugerichtet.


             Der  österreichisch-ungarische  Generalstabsbericht.
                          Neue  Fortschritte  in  Serbien.

                                              Wien,  26.  November,  mittags.  (W.  T.  B.)

Amtlich  wird  verlautbart:

Die  Schlacht  in  Russisch-Polen  hat  an  einem  großen  Teile  der  Front
den  Charakter  eines  stehenden  Kampfes  angenommen.  In  Westgalizien
wehren  unsere  Truppen  die  über  den  unteren  Dunajec  vorgedrungenen
russischen  Kräfte  ab.  Auch  die  Kämpfe  in  den  Karpathen  dauern  fort.

                Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                                    v.  Hoefer,  Generalmajor.

                                                              Wien,  26.  November.  (W.T.B.)
Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:
                                                                       26.  November.

In  den  Kämpfen  an  der  Kolubara  ist  seit  gestern  ein  wesentlicher
Fortschritt  zu  verzeichnen.  Das  Zentrum  der  feindlichen  Front,  die  starke
Stellung  bei  Lazarewatsch  wurde  von  den  durch  ihren  Elan  rühmlichst
bekannten  Regimentern  11,  73  und  102  erstürmt,  hierbei  8  Offiziere
und  1200  Mann  gefangen,  3  Geschütze,  4  Munitionswagen  und  3  Maschinengewehre
  erbeutet.  Auch  südlich  des  Ortes  Ljig  gelang  es,  die  östlich
des  gleichnamigen  Flusses  gelegenen  Höhen  zu  nehmen  und  hierbei  300
Gefangene  zu  machen.  Die  von  Valjewo  nach  Süden  vorgerückten  Kolonnen
  stehen  vor  Kosjerici.

                                Przemysl  hält  sich  wacker.

(W.T.  B.)  Wien,  27.  November.  Das  „Fremdenblatt“  schreibt:
An  zuständiger  Stelle  ist  vom  Armeeoberkommando  die  Mitteilung  eingetroffen,
  daß  die  zweite  Belagerung  von  Przemysl  für  den  Feind  bisher
keine  Fortschritte  gebracht  hat,  und  daß  die  Forts  der  Festung  trotz  des
wütenden  Ansturmes  der  Russen  keinen  nennenswerten  Schaden  gelitten
haben.  In  einer  Meldung  eines  Stabsoffiziers  von  Przemysl  wurde
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                                                         —  780  —

an  das  Armeeoberkommando  berichtet,  die  Lage  der  Verteidiger  sei  eine
solche,  daß  man  wegen  des  weiteren  Schicksals  der  Festung  nicht  beunruhigt
  zu  sein  brauche.

                      Meldung  des  Großen  Hauptaquartiers.
                                                              Den  27.  November,  vormittags.
Eine  Belästigung  der  flandrischen  Küstenorte  durch  englische  Schiffe
fand  auch  gestern  nicht  statt.

Auf  der  Front  des  westlichen  Kriegsschauplatzes  find  keine  wesentlichen
  Veränderungen  eingetreten.  Nordwestlich  Langemarck  wurde
eine  Hãusergruppe  genommen  und  dabei  eine  Anzahl  Gefangene
gemacht.

Im  Argonnenwalde  machte  unser  Angriff  weitere  Fortschritte.
Französische  Angriffe  in  Gegend  Apremont  östlich  Mihiel  wurden
zurückgeschlagen.

Im  Osten  haben  gestern  keine  entscheidenden  Kämpfe  stattgefunden.
  Oberste  Heeresleitung.

                              Noch  keine  Entscheidung.

(W.T.  B.)  Wien,  27.  November.  Amtlich  wird  verlautbart.
                                                                 27.  November,  mittags.

An  der  polnischen  Front  verlief  der  gestrige  Tag  verhältnismäßig
  ruhig.

In  Westgalizien  und  in  den  Karpathen  hielten  die  Kämpfe  an.
Eine  Entscheidung  ist  nirgends  gefallen.  Czernowitz  wurde  von  unseren
Truppen  wieder  geräumt.

                 Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                 v.  Hoefer,  Generalmajor.


                     Die  Schlacht  an  der  Kolubara.

(W.T.  B.)  Wien,  27.  November.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz
  wird  amtlich  gemeldet:
                                                                                        27.  November.

Die  Kämpfe  an  der  Kolubara  nahmen  einen  günstigen  Verlauf.
Auch  gestern  wurde  fast  an  allen  Gefechtsfronten  trotz  zähen  Widerstandes
  des  Gegners  Raum  gewonnen,  zirka  900  GEefangene  gemacht
und  ein  Geschütz  erbeutet.  Die  überaus  ungünstige  Witterung,  in  den
Niederungen  grundloser  Boden,  auf  den  Höhen  jede  Fernsicht  verwehrende
  Schneestürme  erschweren  zwar  die  Operationen,  doch  ist  die
Stimmung  bei  den  Truppen  nach  Meldung  aus  der  Front  vorzüglich.

 

                                Mitteilung  der  Heeresleitung.

             Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  28.  Nov.,  vorm.
Auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  ist  die  Lage  nicht  verändert.
Französische  Vorstöße  im  Argonnenwalde  wurden  abgewiesen.  Im
Walde  nordwestlich  Apremont  und  in  den  Vogesen  wurden  den  Franzosen
  trotz  heftiger  Gegenwehr  einige  Schützengräben  entrissen.
        <pb n="256" />
                                                        —  781  —

In  Ostpreußen  fanden  nur  unbedeutende  Kämpfe  statt.

Bei  Lowicz  griffen  unsere  Truppen  erneut  an;  der  Kampf  ist  noch
im  Gange.  Starke  Angriffe  der  Russen  in  Gegend  westlich  Nowo-Radomsk
  wurden  abgeschlagen.  In  Südpolen  ist  im  übrigen  alles
unverändert.                          Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)


             Hindenburgs  Ernennung  zum  Generalfeldmarschall.

                                                                       Thorn,  28.  November.
Hier  wurde  folgender  Armeebefehl  bekanntgegeben:
                                Armeebefehl ! 

In  tagelangen  schweren  Kämpfen  haben  die  mir  unterstellten
Armeen  die  Offensive  des  an  Zahl  überlegenen  Gegners  zum  Stehen
gebracht.  Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König,  unser  allergnädigster
Kriegsherr,  hat  diesen  von  mir  gemeldeten  Erfolg  durch  nachstehendes
Telegramm  zu  beantworten  geruht:

„An  Generaloberst  v.  Hindenburg.  Ihrer  energievollen,  umsichtigen
  Führung  und  der  unerschütterlichen,  beharrlichen  Tapferkeit
Ihrer  Truppen  ist  wiederum  ein  schöner  Erfolg  beschieden  gewesen.
In  langem,  schwerem,  aber  von  Mut  und  treuer  #ftichterfüllong  vorwärts
  getragenem  Ringen  haben  Ihre  Armeen  die  Pläne  des  an  Zahl
überlegenen  Gegners  zum  Scheitern  gebracht.  Für  diesen  Schutz  der
Ostgrenze  des  Reiches  gebührt  Ihnen  der  volle  Dank  des  Vaterlandes.
  Meiner  höchsten  Anerkennung  und  Meinem  keiserlichen
Dank,  die  Sie  erneut  mit  Meinen  Grüßen  Ihren  Truppen  aussprechen
  wollen,  will  Ich  dadurch  Ausdruck  geben,  daß  Ich  Sie  zum
Generalfeldmarschall  ernenne.  Gott  schenke  Ihnen  und  Ihren  sieggewohnten
  Truppen  weitere  Erfolge!                           Wilhelm  I.  R.“

Ich  bin  stolz  darauf,  diesen  höchsten  militärischen  Dienstgrad  an
der  Spitze  solcher  Truppen  erreicht  zu  haben.  Eure  Kampfesfreudigkeit
und  Ausdauer  haben  in  bewunderungswürdiger  Weise  dem  Gegner
große  Verluste  beigebracht.  Ueber  60  000  Gefangene,  150  Geschütze  und
gegen  200  Maschinengewehre  sind  wiederum  in  unsere  Hände  gefallen.
Aber  vernichtet  ist  der  Feind  noch  nicht,  darum  weiter  vorwärts  mit
Gott  für  König  und  Vaterland,  bis  der  letzte  Russe  besiegt  am  Boden
liegt.  Hurral!  «

        Hauptquartier  Ost,  27.  November  1914.

                                        Der  Oberbefehlshaber:

            Generaloberst  v.  Hinden  burg,  Generalfeldmarschall.

Posen,  28.  November.  Der  Chef  des  Generalstabes  der  Hindenburgschen
  Armee  v.  Ludendorff  wurde  zum  Generalleutnant
ernannt.  (Berl.  Tagebl.,  28.  Nov.)


                   Zwei  englische  Dampfer  vor  Hapre  versenkt.

Die  Wirksamkeit  unseres  deutschen  Unterseebootes  vor  dem  französischen
  Kriegshafen  Havre  ist  noch  nicht  einmal  so  erfolgreich  gewesen,  als
man  zuerst  annahm.  Wie  aus  nachstehendem  Telegramm  hervorgeht,
ist  noch  ein  zweiter  englischer  Dampfer  von  dem  deutschen  Unterseeboot
auf  den  Meeresgrund  befördert  worden.
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                                                     —  782  —

                                                                               London,  28.  November.

Lloyds-Telegramme  bestätigen,  daß  die  beiden  englischen  Handelsschiffe
  „Malachite“  und  „Primo“  von  deutschen  Unterseebooten  im
Kanal,  nördlich  von  Havre,  torpediert  wurden  und  gesunken  seien.


       Ein  englischer  Dampfer  durch  ein  deutsches  Unterseeboot  versenkt.

      W.T.  B.)  Paris,  26.  November.  „Echo  de  Paris“  meldet
 aus  Le  Havre:

Der  englische  Dampfer  „Malachite“  (2000  Tonnen)  wurde  auf  der
Fahrt  von  Liverpol  nach  Le  Havre,  einige  Meilen  nordwestlich  Le
Havre  durch  ein  deutsches  Unterseeboot  versenkt.  Der  Kapitän  des
Unterseebootes  gab  der  Mannschaft  der  „Malachite“  10  Minuten,  um
von  Bord  zu  gehen,  und  wenig  später  fing  der  Dampfer  Feuer.  Das
Unterseeboot  verschwand.  Die  Mannschaft  der  „Malachite“  konnte  sich
nach  Le  Harre  retten.

                          Kämpfe  in  Kamerun  und  Togo.

                                                                      London,  27.  November.

Das  Pressebureau  veröffentlicht  folgende  Mitteilung  über  die
Kämpfe  in  Kamerun:  Die  Vorbereitungen  für  die  ausgedehnten  Operationen
  nördlich  und  nordwestlich  von  Duala  waren  am  13.  November
vollendet,  nach  einer  Beschiehßung  durch  den  französischen  Kreuzer  „Bruix“
und  die  nigerische  Regierungsjacht  „Ivy“  nahm  eine  Abteilung  Seesoldaten
  Viktoria  ein.  —  An  demselben  Tage  rückte  eine  Kolonne
von  Susa  entlang  der  Bonaberibahn  vor  und  besetzte  die  Station  Mujuka.
  Inzwischen  rückten  starke  Marine=  und  Militärabteilungen  der
Verbündeten  von  verschiedenen  Punkten  vor,  um  Buea  zu  nehmen.  Die
Besetzung  erfolgte  am  15.  November.  Der  Feind  hat  sich  zurückgezogen.

Aus  London  wird  am  27.  November  telegraphiert:  Telegramme
über  die  Operationen  an  den  Grenzen  in  Ostafrika  und  Uganda  seit
Ende  September  besagen,  daß  die  Deutschen  am  8.  Oktober  Gaze  angegriffen
  haben,  aber  zurückgeschlagen  worden  seien.  Ein  heftiger  Kampf
hätte  auch  nahe  Longide  stattgefunden,  wo  das  29.  Punjabiregiment
große  Tapferkeit  an  den  Tag  gelegt  haben  soll.  Die  Engländer  hätten
Longido  besetzt,  und  die  Deutschen  seien  an  der  -Grenze  von  Uganda
nrückgeschlagen  worden;  ihre  Verluste  bezifferten  sich  auf  etwa  60  (?)

Mann.

                                Churchill  über  die  englische  Flotte.
                                                                    Rotterdam,  28.  November.

Der  englische  Marineminister  Churchill  erörterte  im  Unterhause
den  Zustand  der  Flotte.  Er  betonte,  die  Flotte  sei  vier  Hauptgefahren
ausgesetzt.  „Die  erste  und  größte  Gefahr  war,  daß  wir  angegriffen
wurden,  bevor  wir  fertig  waren.  Diese  Gefahr  ist  vorüber.  Die  zweite
lag  in  dem  Entkommen  der  schnellen  deutschen  Kreuzer  nach  dem  offenen
Meer.  Auch  diese  Gefahr  ist  vorüber.  Die  Admiralität  erwartete
während  der  ersten  Kriegsmonate  einen  Verlust  der  Handelsflotte  von
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                                                          —  783  —

5  Prozent;  der  tatsächliche  Verlust  ist  aber  nur  1,9  Prozent!  Die  dritte
war  die  Minengefahr.  Diese  ist  verringert  durch  die  getroffenen  Maßnahmen.
  Die  vierte  Gefahr  sind  die  Tauchboote.  Unsere  Tauchbootflotte
  ist  viel  größer  als  die  deutsche.  Die  einzige  Ursache,  daß  wir
keine  größeren  Erfolge  erreichten,  ist,  daß  uns  selten  das  Ziel  eines
Angriffs  geboten  wurde.  (I)  Die  verhältnismäßige  Stärke  der  englischen
  Flotte  ist  jetzt  größer  als  bei  Beginn  des  Krieges.  Während
Deutschland  1916  nur  drei  neue  Dreadnoughts  haben  wird,  kann  England
  seine  Flotte  mit  15  Schiffen,  den  mächtigsten,  die  die  Welt  je  gesehen
  hat,  verstärken.  Auch  wenn  England  im  Laufe  des  Jahres  jeden
Monat  einen  Ueberdreadnought  verlieren  würde,  während  der  Feind
keine  Verluste  hätte,  würde  es  dennoch  das  gleiche  Uebergewicht  wie  am
Anfang  des  Krieges  behalten.  Dies  zu  sagen,  ist  keine  Uebertreibung.
Selbst  wenn  wir  allein  wären,  wäre  volles  Vertrauen  in  die  Fähigkeit
der  Flotte,  die  Wünsche  des  Reiches  zur  Erfüllung  zu  bringen,  gerechtfertigt.
  Aber  wir  haben  noch  dazu  mächtige  Verbündete.“  (Berl.
Tagebl.,  29.  November.)


Entsendung  des  Freiherrn  von  der  Goltz  nach  Konstantinopel.
                   General  Freiherr  v.  Bissing  Generalgouverneur
                                            von  Belgien.

Das  W.  T.  B.  meldet:  Wie  wir  aus  zuverlässiger  Quelle  erfahren,
  ist  der  Generalfeldmarschall  Freiherr  von  der  Goltz  von  seiner
Stellung  als  Generalgouverneur  voe  Belgien  enthoben  und  für  die
Dauer  des  mobilen  Verhältnisses  der  Person  des  Sultans  und  dessen
Hauptquartier  zugeteilt  worden.  Zu  seinem  Nachfolger  als  Generalgouverneur
  von  Belgien  wurde  der  General  der  Kavallerie  Freiherr
v.  Bissing  ernannt.

                 Der  österreichisch-ungarische  Generalstabsbericht.
                                                                        Wien,  28.  November.

Amtlich  wird  verlautbart:  28.  November  mittags.  Die  Lage  hat
sich  nicht  geändert.  In  Russisch-Polen  verlief  auch  der  gestrige  Tag  im
allgemeinen  ruhig.  Einzelne  schwächliche  Angriffe  der  Russen  wurden
abgewiesen.  Die  Kämpfe  in  den  Karpathen  dauern  fort.

                 Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:
                                   v.  Hoefer,  Generalmajor.

Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  verlautbart:
28.  November.  Auch  gestern  wurde  auf  dem  südlichen  Kriegsschauplatz
fast  auf  allen  Fronten  gekämpft.  Mehrere  wichtige  verschanzte  Positionen
  wurden  hierbei  erstürmt,  vor  allem  die  dominierende  Stellung
am  Siljak.  Insgesamt  wurden  zirka  900  Gefangene  gemacht  und  drei
Geschütze  erbeutet.  Der  vom  serbischen  Preßbureau  verlautbarte  Sieg
über  eine  österreichisch-ungarische  Kolonne  bei  Rogacica  verwandelte
sich  gestern  in  den  Einmarsch  unserer  Kolonne  in  Uzice.  Mit  dem  erbeuteten
  Train  wurde  der  16jährige  Enkel  des  Woiwoden  Putnik  gefangen.
  In  Anbetracht  seines  jugendlichen  Alters  und  seiner  verwandt-
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                                                          —  784  —

schaftlichen  Beziehungen  zum  serbischen  Heerführer  wurde  Verfügung
getroffen,  den  Gefangenen  mit  besonderer  Rücksicht  zu  behandeln.


Telegrammwechsel  zwischen  Generalfeldmarschall  v.  Hindenburg  und
                                 Erzherzog  Friedrich.
                                                                      Wien,  28.  November.

Aus  dem  Kriegspressequartier  wird  gemeldet:  Dem  Armeeoberkommandanten
  Erzherzog  Friedrich  ist  folgendes  Telegramm  zugekommen:
„Euer  K.  und  K.  Hoheit  melde  ich  untertänigst,  daß  ich  durch
die  Gnade  Seiner  Majestät  des  Kaisers  und  Königs,  meines  allergnädigsten
  Herrn,  zum  Generalfeldmarschall  befördert  worden  bin.
Inden  ich  meiner  Freude  Ausdruck  gebe,  diesen  höchsten  militärischen
Dienstgrad  im  Kampfe  Schulter  an  Schulter  mit  dem  verbündeten
österreichisch-ungarischen  Heere  erworben  zu  haben,  verharre  ich  in
größter  Ehrerbietung  Euer  K.  und  K.  Hoheit  untertänigster

                                                                                     v.  Hinden  burg.“

Auf  dieses  Telegramm  und  auf  die  weitere  Meldung,  daß  der
Generalstabschef  Hindenburgs,  Generalmajor  Ludendorff,  zum  Generalleutnant
  befördert  worden  sei,  hat  der  Armeeoberkommandant  Erzherzog
  Friedrich  nachstehende  Depesche  an  den  Generalfeldmarschall
p.  Hindenburg  gerichtet:

„Mit  aufrichtiger  Freude  beglückwünsche  ich  Euer  Exzellenz  im
Namen  der  mit  Stolz  auf  den  sieg=  und  ruhmgekrönten  Führer  des
mit  ihr  Schulter  an  Schulter  kämpfende  Teiles  der  deutschen  Wehrmacht
  blickenden  österreichisch-ungarischen  Armee  aus  Anlaß  Ihrer
Beförderung  zum  Generalfeldmarschall  und  gedenke  gleichzeitig  mit
herzlichsten  Gefühlen  Ihres  für  seine  hervorragenden  Dienste  in  West
und  Ost  von  seinem  Kriegsherrn  ebenfalls  beförderten  ausgezeichneten
  Chefs  des  Stabes.  Führer  und  Armeen  der  in  seltener  Eintracht
  kämpfenden  Verbündeten  sind  eins  in  den  Gefühlen  der  gegenseitigen
  Achtung  und  der  festen  Zuversicht.  Der  endgültige  Sieg  muß

kommen.
                              G.  d.  J.  Erzherzog  Friedrich,
                      K.  und  K.  Armeeoberkommandant.“                           (W.T.B.)


                          Ein  Brandmal  der  französischen  Justiz.
                                                                         Genf,  28.  November.

Der  zweite  Monstreprozeß  gegen  51  deutsche  Aerzte  und  Pflegerinnen,
  der  drei  Tage  dauerte,  endigte  mit  einem  würdelosen  Justizmord.
  Es  ist  klar,  daß  Frankreich  auf  absolut  absurde  Anklagen  hin
Schuldbeweise  sucht,  die  nicht  erbracht  sind.  Der  Verteidiger  fragte
ironisch,  ob  der  Gerichtshof  überzeugt  sei,  daß  die  Schuldobjekte  nicht
von  böswilliger  Seite  ins  Gepäck  geschmuggelt  wurden.  Neun  Diakonissinnen
  sind  angeklagt,  daß  sie  je  eine  Serviette  entwendet  hätten.
Sie  beteuerten  vergeblich,  daß  sie  dieses  Wäschestück  von  den  Nonnen  in
Peronne  erhalten  hätten.  Das  Strafmaß  betrug  insgesamt  über
30  Jahre  Gefärgnis.  Der  „Matin"  ruft  triumphierend  aus:  „Wir
entkleiden  Deutschland  seiner  Ehre.“  (Dtsch.  Tgsztg.,  30.  Nov.)
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                                                               -785-                                                                         Schädigungen  des  englischen  Prestige  durch  unsere  Kreuzer.
«                                                                         London,  29.  November.

Der  Korrespondent  der  „Times“  in  Washington  meldet  vom
27.  November:  Nach  Berichten  aus  Südamerika  ist  der  Seehandel,
namentlich  an  der  Westküste,  durch  die  Tätigkeit  der  deutschen  Kreuzer
außerordentlich  behindert.  Die  britische  Schiffahrt  soll  nahezu  paralysiert
  sein.  Es  wäre  zwecklos,  die  Tatsache  zu  verkennen,  daß  unsere
Unfähigkeit,  die  See  in  diesem  Teile  der  Erdkugel  von  den  deutschen
Verfolgern  der  Handelsschiffe  zu  säubern,  eine  ungünstige  Wirkung  auf
unser  Preseige  zu  haben  beginnt.  (Voss.  Ztg.,  30.  Nov.)


                               Türkische  Erfolge  bei  Batum.

                                                              Konstantinopel.  29.  November.

Das  Hauptauartier  teilt  mit:  Unsere  Truppen  im  Tschorokh-Tale
warfen  einen  Ausfallsversuch  der  Russen  in  der  Gegend  der  Flußmündung
  zurück;  die  Geschütze  der  Landbefestigungen  von  Batum
nahmen  an  diesem  Kampfe  teil,  aber  ohne  jeden  Erfolg.  Unsere
Truppen  drangen  in  die  Gegend  von  Atschara,  10  Kilometer  südöstlich
von  Batum,  vor.

Die  Russen  behaupten  in  ihren  amtlichen  Mitteilungen,  daß  unsere
Truppen  im  Kaukasus  besiegt  und  auf  Erzerum  zurückgegangen  seien.
Diese  Nachrichten  sind  vollständig  falsch.  Unsere  Truppen  sind  bereit  zur
Offensive  gegen  den  Feind,  der  keinerlei  Bewegung  außerhalb  seiner
befestigten  Stellungen  gemacht  hat  und  im  Gegenteil  nach  dem  Kampf
im  freien  Felde  eine  weite  Strecke  vor  unseren  siegreichen  Truppen
zurückgewichen  ist.  (W.T.  B.)

                       1500  Russen  in  den  Karpathen  gefangen.

                                                                    Wien,  29.  November.

Amtlich  wird  verlautbart:  29.  November,  mittags:  Der  gestrige
Tag  verlief  an  unserer  ganzen  Front  in  Russisch-Polen  und  Westgalizien
  sehr  ruhig.  In  den  Karpathen  wurden  die  auf  Homonna  vorgedrungenen
  Kräfte  geschlagen  und  zurückgedrängt.  Unsere  Truppen
machten  fünfzehnhundert  Gefangene.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:
                          v.  Hoefer,  Generalmajor.                   (W.T.B.)


               Mitteilung  der  Obersten  Heeresleitung.

            Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  29.  Nov.,  vorm.

Vom  Westheer  ist  über  den  gestrigen  Tag  nur  zu  melden,  daß
Angriffsversuche    des  Gegners  südöstlich  Ypern  und  westlich  Lens
scheiterten.

Im  Osten  ist  die  Lage  rechts  der  Weichsel  unverändert.  Vorstöße
der  Russen  in  der  Gegend  von  Lodz  wurden  abgewiesen.  Darauf  eingeleitete
  Gegenangriffe  waren  erfolgreich.

Aus  Südpolen  ist  nichts  Wesentliches  zu  erwähnen.
                                                        Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)
        <pb n="261" />
                                                    —  786  —

                              Der  Kaiser  an  den  Reichskanzler.

Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König  hat  an  den  Reichskanzler  zu
dessen  heutigem  Geburtstage  folgendes  Telegramm  gerichtet:

„Ich  komme  an  der  Spitze  des  Deutschen  Reiches  heute  zu  Eurer
Exzellenz  mit  Glückwünschen  besonderer  Art!  Um  das  Staatsschiff
durch  die  Stürme  der  Zeit  glücklich  in  den  Hafen  zu  steuern,  dazu
gehört  Glück,  und  dazu  bedient  sich  die  Vorsehung  der  Männer,  welche
fest  und  unerschütterlich,  das  Wohl  des  Vaterlandes  vor  Augen,
zu  kämpfen  wissen,  bis  das  große  Ziel  erreicht  ist.  Unter  diesen
nehmen  Eure  Exzellenz  die  erste  Stelle  ein.  Das  weiß  das  deutsche
Volk,  das  weiß  ich.  Gott  segne  Ihre  Arbeit!

                                                                                              Wilhelm  I.  R.“

Der  Reichskanzler  hat  mit  nachstehendem  Telegramm  geantwortet:

„Eurer  Majestät  bitte  ich,  für  die  große  Geburtstagsfreude,  die
mir  durch  Eurer  Majestät  huldvolles  Telegramm  bereitet  wurde,  aus
tiefstem  Herzen  ehrfurchtsvollen  Dank  sagen  zu  dürfen.  Meine  Eindrücke
  in  Berlin  zeigen  mir  aufs  neue,  daß  das  deutsche  Volk  sich  mit
seinem  Kaiser  eins  weiß  im  Vertrauen  auf  unsere  Kraft,  in  der  Zuversicht
  auf  den  endlichen  Sieg  unserer  gerechten  Sache  und  in  dem
festen  Entschluß,  durchzuhalten,  bis  dieser  Sieg  erkämpft  ist.  Gott
wolle  meine  Bitte  erhören,  daß  ich  meinem  Kaiserlichen  Herrn  und
meiner  Nation  zu  diesem  Siege  an  meinem  Teile  kräftig  mithelfen
  darf.
                          Euer  Majestät  treu  gehorsamer

                                                                    von  Bethmann-Hollweg.“


                  Der  Pour  le  mérite  für  General  v.  Mackensen.

                                                                      Danzig,  30.  November.

Der  Kaiser  hat  an  den  General  der  Kavallerie  v.  Mackensen  folgendes
  Telegramm  gerichtet:

„Die  neunte  Armee  hat  unter  Ihrer  bewährten,  sicheren  Führung
in  schweren,  aber  von  Erfolg  gekrönten  Kämpfen  sich  von  neuem
unübertrefflich  geschlagen.  Ihre  Leistungen  in  den  verflossenen  Tagen
werden  als  leuchtende  Beispiele  für  Mut,  Ausdauer  und  Tapferkeit
der  Geschichte  erhalten  bleiben.  Sprechen  Sie  das  Ihren  vortrefflichen
Truppen  mit  Meinem  kaiserlichen  Dank  aus,  den  Ich  dadurch  zu  betätigen
  wünsche,  daß  Jch  Ihnen  den  Orden  Pour  le  meérite  verleihe,
dessen  Insignien  Ich  Ihnen  zugehen  lassen  werde.  GEott  sei  ferner
mit  Ihnen  und  unseren  Fahnen.  Wilhelm,  Rer.

General  v.  Mackensen  gibt  dieses  Telegramm  in  einem  Armeebefehl
bekannt  und  fügt  hinzu:  „Ich  freue  mich,  meinen  heldenmütigen
Truppen  eine  solche  Anerkennung  zur  Kenntnis  bringen  zu  können.
Das  Verdienstkreuz  gilt  der  ganzen  neunten  Armee.“  (W.  T.  B.)

Botschafter  Gerard  über  die  amerikanischen  Rüstungslieferungen.

Der  augenblicklich  in  München  weilende  amerikanische  Botschafter
in  Berlin,  Fames  W.  Gerard,  hatte  kürzlich  eine  Unterredung  mit
einem  Mitarbeiter  der  „Münchener  Neuesten  Nachrichten".  Auf  die
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                                                        —  787  —

Frage,  wie  sich  die  Lieferung  von  Kriegsmaterial  an  Deutschlands
Gegner  mit  der  Neutralitätserklärung  des  Präsidenten  Wilson  zu
Anfang  des  Weltkrieges  vereinbare,  antwortete  der  Botschafter,  er
persönlich  wisse  nichts  von  solchen  Lieferungen;  aber  falls  besonders  die
Nachrichten  über  den  Transport  von  Munition  und  Waffen  aus  der
Union  sich  bestätigen  sollte,  so  sei  das  nicht  gegen  das  Völkerrecht.  Die
Sachen  stammten  ja  von  privaten  Lieferanten,  und  diese  würden
dasselbe  nach  Deutschland  schicken,  wenn  es  drüben  Bestellungen  aufgeben
  würde.  Natürlich  sei  der  Transport  dann  schwieriger  und  das
Risiko  größer.  Würden  deutsche  Kreuzer  die  Schiffe,  die  mit  Kriegskonterbande
  für  England  beladen  sind,  aufgreifen,  so  würden  sie  diese
kapern.  Nie  und  nimmer  kann  die  Regierung  der  Vereinigten  Staaten
Ausfuhrverbote  für  solche  Waren  erlassen,  da  der  Verkauf  von  Landeserzeugnissen
  nicht  unter  ihre  Kontrolle  gestellt  werden  kann.  Als  die
Union  in  Mexiko  während  des  letzten  Aufstandes  Truppen  landete,
brachte  der  deutsche  Dampfer  „Kronprinzessin  Cecilie“  für  die  Aufständischen
  Waffen  nach  dort.  Derselbe  Dampfer  werde  heute  in  den
Vereinigten  Staaten  vor  englischen  Schiffen  geschützt,  da  er  sich  dorthin
zurückflüchten  mußte,  wie  noch  erinnerlich  sein  dürfte.  Herr  Gerard
sagte  weiter,  die  Stimmung  in  Amerika  beginne  zugunsten  von  Deutschland
  und  Oesterreich-Ungarn  umzuschlagen,  was  ja  ein  erfreuliches
Zeichen  sei.  Durch  eine  gerechte  Beurteilung  der  Lage  werde  die
Stimmung  auch  weitere  Fortschritte  machen.  Zu  Beginn  des  großen
Ringens  sei  der  Nachrichtendienst  nach  der  Union  außerordentlich
schwierig  zu  bewerkstelligen  gewesen.  Daraus  erkläre  sich  allein  schon,
daß  deutsche  Berichte  sehr  spärlich  nach  Amerika  gelangen  konnten.
Die  Verhältnisse  sind  auch  heute  nicht  viel  besser.  (Berl.  Tagebl.,
30.  November.)


                      Der  Bericht  der  Obersten  Heeresleitung.

               Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  30.  Nov.,  vorm.

        Von  Westfront  nichts  zu  melden.

An  ostpreußischer  Grenze  mißglückte  ein  Ueberfallsversuch  stärkerer
russischer  Kräfte  auf  deutsche  Befestigungen  östlich  Darkehmen  unter
schweren  Verlusten;  der  Rest  der  Angreifer,  einige  Offiziere  und  600
Mann,  wurde  von  uns  gefangen  genommen.

Südlich  der  Weichsel  führten  die  gestern  mitgeteilten  Gegenangriffe
zu  nennenswerten  Erfolgen.  18  Geschütze  und  mehr  als  4500  Gefangene
  waren  unsere  Beute.

In  Südpolen  ist  nichts  Besonderes  vorgefallen.

                                                             Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)

              Ausfüllung  der  Heereslücken  in  Frankreich.

                                                          (W.T.B.)  Lyon,  29.  November.

Zur  Beruhigung  des  in  Frankreich  herrschenden  Unwillens,  daß
eine  große  Anzahl  Mobilisierter  nicht  eingestellt  sei,  schreibt  „Lyon
Républicain“,  es  habe  sich  dabei  um  Ueberzählige  gehandelt,  welche  in
weitaus  größerer  Zahl  eintrafen  als  vorhergesehen.  Es  fehlte  an  Offizieren
  und  schien  daher  unnütz,  die  Staatskosten  zu  erhöhen  und  größere
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                                                        —  788  —

Mannschaftsbestände  als  für  die  ersten  Kriegsbedürfnisse  notwendig,  untätig
  in  den  Garnisonen  liegen  zu  lassen.  Die  größten  Verluste  aller
Waffengattungen  habe  zweifellos  die  Infanterie  erlitten.  Man  sei
augenblicklich  dabei,  die  überzähligen  Infanteristen  einzuberufen  und
angesichts  der  großen  Infanterieverluste  die  überzähligen  Soldaten
anderer  Waffengattungen  der  Infanterie  einzuverleiben,  um  die  Lücken
ausfüllen  zu  können.

                          Der  Vormarsch  der  Türken.

                                                          Konstantinopel,  30.  November.

Amtlicher  Bericht  aus  dem  Hauptquartier.  Die  Russen,  die  wir
am  22.  November  in  der  Umgegend  von  Toutak  geschlagen  und  in
nördlicher  Richtung  zurückgeworfen  hatten,  haben,  nachdem  Verstärkungen
  bei  ihnen  eingetroffen  waren,  gegenwärtig  eine  Stellung  in
der  Nähe  von  Kilitschgendegi  besetzt.  Unsere  Truppen  haben  eine
Stellung  vor  den  feindlichen  Linien  eingenommen.  (W.T.B.)


                         Der  Wiener  Generalstabsbericht.

Wien,  30.  November.  Amtlich  wird  verlautbart:  Im  Norden
hat  sich  gestern  an  unserer  Front  nichts  Wesentliches  ereignet.        (W.T.  B.)

                 Mitteilungen  des  russischen  Generalstabes.
                               Eine  englische  Schilderung.
                                                              Mailand,  30.  November.

Aus  Petersburg  wird  telegraphiert:  Der  gestrige  Bericht  des
russischen  Generalstabes  lautet:  „Jenseits  der  Weichsel  und  Warthe
behält  der  Feind  seine  Stellungen,  die  auf  der  Linie  Strykow—
Igierz—Szadek—Zdonska  Wolja  befestigt  worden  sind.  Hartnäckige
Kämpfe  fanden  um  Strykow  und  Zgierz  statt.  Wir  nahmen  Kanonen,
Mitrailleusen  und  mehrere  hundert  Gefangene.  Auf  der  Front  Glowno
—Bielawy—Sobota  finden  Kämpfe  statt.  Nordöstlich  Lodz  längs  des
linken  Weichselufers  machten  die  Deutschen  einen  Gegenangriff.“

Heute  wurde  in  Petersburg  folgender  Bericht  des  Generalstabes
ausgegeben:  An  der  Front  Czenstochau—Krakau  ist  keine  bedeutende
Aenderung  eingetreten.  Die  Oesterreicher  verlassen  eiligst  die  Bukowina
  und  die  Russen  haben  Czernowitz  wieder  besetzt.  In  der  Gegend
der  masurischen  Seen  und  am  Flusse  Angerapp  wiesen  die  Russen  deutsche
Angriffe  aus  befestigten  Stellungen  zurück.  (7!)  (Berl.  Tgbl.,  1.  Dez.)


            Die  deutsche  Regierung  zu  dem  Pariser  Justizmord.
                                                         (W.T.B.)  Berlin,  30.  November.

Das  Auswärtige  Amt  hat,  nachdem  es  von  dem  in  Paris  gegen
deutsche  Militärärzte  eingeleiteten  Strafverfahren  Kenntnis  erhalten
hatte,  die  zeugeneidliche  Vernehmung  des  Oberstabsarztes  Dr.  Pust  veranlaßt.
  Dieser  hat  unter  Eid  ausgesagt:

„Ich  war  vom  7.  bis  9.  September,  nachmittags  2  Uhr  15  Minuten,
  Chefarzt  des  Feldlazaretts  7  des  2.  Armeekorps  in  Lizy.  Als
ich  um  2  Uhr  15  Minuten  das  Lazarett  verließ,  befanden  sich  dortselbst
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                                                        —  789  —

405  Verwundete.  Da  unser  weniger  mitgebrachte,  beigetriebene  Wein
bei  den  vielen  Verwundeten  bald  verbraucht  war,  befahl  ich  meinem
ersten  Lazarettinspektor  Gast  am  9.  September,  vormittags,  für  unsere
Kranken,  die  aus  Deutschen,  Engländern  und  Franzosen  bestanden,
Wein  gegen  Bon  zu  requirieren.  Er  brachte  kurz  vor  unserem  Abrücken,
  welches  durch  das  rasche  Heranrücken  der  Franzosen  beschleunigt
wurde,  zwei  Faß  Wein  zu  je  etwa  100  Liter  heran,  die  er,  wie  ich
durch  Befragen  feststellte,  aus  dem  Keller  des  Gartenhauses  des
Schlosses  zu  Lizy  genommen  hatte.  Er  sagte  mir,  daß  er  einen  Bon,
wie  ich  ihm  befohlen  hatte,  nicht  habe  abgeben  können,  weil  weder  der
Bürgermeister  von  Lizy  noch  der  Eigentümer  des  Schlosses,  noch  irgendein
  Bediensteter  desselben  zu  finden  gewesen  sei.  Einen  Bon  im  Keller
des  Gartenhauses  niederzulegen,  sei  ihm  zwecklos  erschienen.  Ich  konnte
mich  nicht  weiter  um  die  Sache  kümmern,  weil  ich  zu  wichtigeren
Sachen  abgerufen  wurde.  Ich  hatte  möglichst  schnelle  Anordnungen
wegen  unseres  zu  beschleunigenden  Rückzuges  und  wegen  Uebergabe
des  Lazaretts  an  den  ebenfalls  in  französische  Gefangenschaft  geratenen
Stabsarzt  der  Reserve  Dr.  Schulz  zu  treffen.  Weder  den  Stabsarzt
Dr.  Schulz  noch  den  Oberarzt  Dr.  Davidsohn  trifft  irgend  eine  Verantwortung
  für  den  Wein.  Ich  allein  habe  die  Herbeischaffung  des
Weines  in  der  oben  angegebenen  Weise  veranlaßt.

Es  ist  mir  unerklärlich,  wie  man  auf  die  Idee  kommen  kann,  daß
dieser  von  mir  für  die  Verwundeten,  und  nicht  allein  für  Freund,
sondern  auch  für  Feind,  requirierte  Wein  auf  unrechtmäßige
Weise  erworben  sein  sollte.“

Beglaubigte  Abschrift  der  Aussage  ist  der  amerikanischen  Botschaft
in  Berlin  behufs  Uebermittlung  an  die  französische  Regierung  zugestellt
worden.  —  Wegen  rechtzeitiger  Einlegung  der  zulässigen  Rechtsmittel
durch  einen  vertrauenswürdigen  Verteidiger  ist  Vorsorge  getroffen
worden.


Verleihung  eines  österreichischen  Regiments  an  Generalfeldmarschall
                                                v.  Hindenburg.

                 Telegramme  Kaiser  Franz  Josefs  an  Hindenburg
                                             und  Ludendorff.

                                              Posen,  30.  November.  (W.T.B.).

Kaiser  Franz  Josef  hat  an  Generalfeldmarschall  v.  Hindenburg  und
dessen  Generalstabschef  v.  Ludendorff  aus  Anlaß  ihrer  Beförderung
Glückwunschtelegramme  gesandt.  Das  Telegramm  an  v.  Hindenburg
lautet:

„Lieber  Generalfeldmarschall  v.  Hindenburg!  Innigst  erfreut,
Sie  zu  Ihrer  Beförderung  in  die  höchste  militärische  Würde,  die  Sie
der  huldvollen  Anerkennung  Ihrer  ruhmvollen  Führung  des  unvergleichlich
  tapferen  Ostheeres  seitens  Seiner  Majestät,  Ihres  erhabenen
Kriegsherrn,  verdanken,  wärmstens  beglückwünschen  zu  können,  ist  es
mir  Bedürfnis,  Ihnen  zu  bekunden,  welch  viel  begründete  Hochschätzung
  ich  und  meine  Wehrmacht  Ihnen  zollen.  Klar,  fest  und  treu
wirkten  Sie  in  schwersten  Kämpfen  in  steter  Uebereinstimmung  mit
meinem  Heere,  und  dieses  wird  stolz  sein,  sich  je  enger  mit  Ihnen

                                                                                   50
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                                                          —  790  —

verbunden  zu  wissen.  Ihren  glänzenden  Feldherrnnamen  meiner
Wehrmacht  zum  leuchtenden  Sinnbild  kriegerischer  Höchstleistungen
zu  erhalten,  ernenne  ich  Sie  zum  Oberstinhaber  meines  Infanterieregiments
  Nr.  69.  Möge  es  der  unerschütterlichen  Waffenbrüderschaft
meiner  und  der  deutschen  Wehrmacht  beschieden  sein,  der  gemeinsamen
  Sache  in  beharrlichem  Kampfe  den  Sieg  zu  erringen.

                                                                                     Franz  Josef.“

Das  Telegramm  an  Generalleutnant  v.  Ludendorff  lautet:
„Lieber  Generalleutnant  v.  Ludendorff:  Zu  Ihrer  Beförderung,
  durch  welche  die  höchste  Anerkennung  Ihrer  glänzenden  Leistungen
  seitens  Seiner  Majestät,  meines  teueren  Freundes  und  Verbündeten,
  zu  weithin  sichtbarem  Ausdruck  kommt,  beglückwünsche  ich
Sie  auf  das  herzlichste.  Es  sei  Ihnen  vom  Allmächtigen  vergönnt,
auch  weiterhin  in  gleich  vorbildlicher  Weise  und  in  bewährtem  Einklang
  mit  meinem  Generalstabe  an  der  Seite  Ihres  ruhmreichen
Feldherrn  zu  wirken.                                                          Franz  Josef.“

                     Die  Kriegskommission  des  Reichstages.
                     Der  Reichskanzler  über  die  Kriegslage.

Im  Reichstage  trat  heute  vormittag  10  Uhr  die  sogenannte  freie
Kommission  zur  Vorberatung  der  neu  angeforderten  Kriegskredite  zusammen.
  Von  der  Regierung  erschienen  Reichskanzler  Dr.  v.  Bethmann
Hollweg  in  feldgrauer  Generalsuniform,  fast  alle  Staatssekretäre  der
Reichsämter  und  mehrere  preußische  Minister.  Auch  außerpreußische  Vertreter
  der  Bundesstaaten  waren  anwesend,  darunter  der  bayerische
Ministerpräsident  Graf  v.  Hertling.  Außer  den  36  Mitgliedern  der
Kommission  fanden  sich  bei  Beginn  der  auf  10  Uhr  anberaumten  Sitzung
so  viele  Abgeordnete  als  Zuhörer  ein,  daß  der  Saal  der  Budgetkommission
  die  Teilnehmer  nicht  zu  fassen  vermochte.

Nach  der  Eröffnung  der  Sitzung  durch  den  Zentrumsabgeordneten
Dr.  Spahn,  der  die  Verhandlungen  als  streng  vertraulich  bezeichnete,
hielt  der  Reichskanzler  eine  Ansprache,  in  der  er  die  Kriegslage  auf
beiden  Fronten  als  durchaus  günstig  bezeichnete.  Allerdings  bleibe  noch
viel  zu  tun  übrig.  Er  hoffe,  daß  der  Reichstag  wieder  volle  Einmütigkeit
zeigen  und  dadurch  unsere  Truppen  zu  weiteren  höchsten  Kraftanstrengungen
  anfeuern  werde.  Der  Reichskanzler  drückte  auch  seine  Freude
darüber  aus,  mit  den  Vertretern  des  Volkes  wieder  in  persönliche
Fühlung  treten  zu  können.  In  begeisterten  Worten  pries  er  sodann  den
guten  Geist  in  unserer  Armee  und  unserer  Flotte  und  die  Einigkeit  des
deutschen  Volkes.  Ausführungen  über  die  politische  Lage  behielt  sich  der
Kanzler  für  die  morgige  Vollsitzung  des  Reichstags  vor.  Reichstagspräsident
  Dr.  Kaempf  dankte  dem  Kanzler  und  versicherte  ihn  der  unentwegten
  Einmütigkeit  des  deutschen  Volkes.  (Berl.  Tgbltt.,  1.  Dezember.)


    Die  russischen  Bemühungen  um  einen  neuen  Balkanbund.
                             Eine  bulgarische  Absage.
                                                       Sofia,  30.  November.  (W.  T.B.)

Zu  den  Bemühungen  des  Dreiverbandes,  namentlich  Rußlands,
einen  neuen  Balkanbund  zustande  zu  bringen,  schreibt  das  Blatt
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                                                            —  791  —

„Dnewnik“:  In  der  dreistesten  und  brutalsten  Weise  auf  seine  Rolle  als
Befreier  pochend,  will  Rußland  heute  Bulgarien  zu  einer  Handlungsweise
  zwingen,  die  unseren  Interessen  offen  widerspricht.  Mit  beispielloser
  Frechheit  will  die  russische  Diplomatie,  die  im  Vorjahre  schmählich
Schiffbruch  litt,  heute  Bulgarien  einreden,  daß  seine  Interessen  in  dem
neuen  Balkanblock  lägen,  der  die  Rettung  des  in  der  Agonie  liegenden
Serbiens  zum  Zweck  hat.  Ist  es  denn  den  Russen  nicht  selbst  schon
langweilig,  immer  dasselbe  Lügenmärchen  aufzutischen,  wo  die  Wirklichkeit
  genugsam  bewiesen  hat,  daß  der  Balkanbund  den  Ruin  Bulgariens
veranlaßte?  Versprechungen,  daß  Bulgarien  im  Bunde  mit  den  Serben,
Griechen  und  Rumänen  seine  Ideale  verwirklichen  könne,  sind  offene
Täuschungen.  Wir  danken  für  solche  flawische  Fürsorge.  Laßt  Bulgarien
  wenigstens  sich  von  den  Folgen  eurer  väterlichen  Ratschläge  erholen!
  Ihr  elenden  Erpresser  wollt  mit  euren  angeblich  slawischen
Gefühlen  Bulgarien  vollends  zugrunde  richten,  mit  euren  platonischen
slawischen  Ideen  Bulgariens  heiligste  Gefühle  entweihen!


                               Neue  Erfolge  im  Osten.

      Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  1.  Dezember,  vormittags.

Auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatze  nichts  Neues,  auch  in  Ostpreußen
  und  Südpolen  herrschte  im  allgemeinen  Ruhe.

In  Nordpolen,  südlich  der  Weichsel,  steigerte  sich  die  Kriegsbeute  in
Ausnutzung  der  gestern  gemeldeten  Erfolge.  Die  Zahl  der  Gefangenen
vermehrte  sich  um  etwa  9500,  die  der  genommenen  Geschütze  um  18.
Außerdem  fielen  26  Maschinengewehre  und  zahlreiche  Munitionswagen
in  unsere  Hände.  Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


               Der  Kaiser  in  den  ostpreußischen  Stellungen.

                                             Großes  Hauptquartier,  1.  Dezember.
Seine  Majestät  der  Kaiser  besuchte  gestern  bei  Gumbinnen  und
Darkehmen  unsere  Truppen  in  Ostpreußen  und  deren  Stellungen.
                                                 Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


                Die  Russen  bei  Przemysl  zurückgeschlagen.
           Der österreichisch-ungarische  Generalstabsbericht.

                                                  Wien,  1.  Dezember.  (W.  T.B.)

Amtlich  wird  verlautbart:  1.  Dezember,  mittags:  An  unserer  Front
in  Westgalizien  und  Russisch-Polen  im  allgemeinen  auch  gestern  Ruhe.
Vor  Przemysl  wurde  der  Feind  bei  einem  Versuche,  sich  den  nördlichen
Vorfeldstellungen  der  Festung  zu  nähern,  durch  Gegenangriff  der  Besatzung
  zurückgeschlagen.  Die  Kämpfe  in  den  Karpathen  dauern  fort.

                 Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                                 v.  Hoefer,  Generalmajor.

                      Ein  glänzender  Waffenerfolg.
            Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  1.  Dezember.

Anknüpfend  an  den  russischen  Generalstabsbericht  vom  29.  November
wird  über  eine  schon  mehrere  Tage  zurückliegende  Episode  in  den  für
                                                                                      50*
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                                                                —  792  —

die  deutschen  Waffen  so  erfolgreichen  Kämpfen  bei  Lodz  festgestellt:  Die
Teile  der  deutschen  Kräfte,  welche  in  der  Gegend  östlich  Lodz  gegen
rechte  Flanke  und  Rücken  der  Russen  im  Kampfe  waren,  wurden  ihrergeites
  wieder  durch  starke,  von  Osten  und  Süden  her  vorgehende  russische
Kräfte  im  Rücken  ernstlich  bedroht.  Die  deutschen  Truppen  machten
angesichts  des  vor  ihrer  Front  stehenden  Feindes  kehrt  und  schlugen  sich
in  dreitägigen  erbitterten  Kämpfen  durch  den  von  den  Russen  bereits
gebildeten  Ring.  Hierbei  brachten  sie  noch  12  000  gefangene  Russen  und
25  eroberte  Geschütze  mit,  ohne  selbst  auch  nur  ein  Geschütz  einzubüßen.
Auch  fast  alle  eigenen  Verwundeten  wurden  mit  zurückgeführt.  Die
Verluste  waren  nach  Lage  der  Sache  natürlich  nicht  leicht,  aber  durchaus
keine  „ungeheuren“.  —  Gewiß  eine  der  schönsten  Waffentaten  des  Feldzuges!
                                         Oberste  Heeresleitung.  (W.  T.B.)

                       Die  russischen  Offizierverluste.
                                                                        Basel,  1.  Dezember.

Nach  einer  amtlichen  Zusammenstellung  des  „Rußki  Invalid“  betragen
  die  russischen  Offiziersverluste  bis  20.  November  9702  tote,  19  511

verwundete  und  3679  vermißte  Offiziere.


                            Der  französische  Jahrgang  1915.
                       Fast  alles  der  Infanterie  einverleibt.

Bordeaux,  1.  Dezember.  Der  Kriegsminister  gibt  bekannt,  daß
nahezu  der  gesamte  Bestand  der  Altersklasse  1915  der  Infanterie  einverleibt
  wird.  Der  Kavallerie  sind  einzig  die  Tierarzneischüler  zugeteilt

worden.

Lyon,  1.  Dezember.  Dem  „Nouovelliste"“  zufolge  sind  die  Rekrutierungsarbeiten
  der  Altersklasse  1915  am  30.  November  beendet  gewesen.
Der  Prozentsatz  der  tauglich  befundenen  Mannschaften  entspricht
ungefähr  dem  Prozentatz  der  Jahresklasse  1914.  Die  Verteilung  der
Rekruten  auf  die  Garnisonen  soll  am  20.  Dezember  beendet  sein.

                                                                              (Post,  2.  Dezember.)

                              Serbien  im  Todeskampf.

Wien,  1.  Dezember.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz.  wird  amtlich
gemeldet:
                                                                                        1.  Dezember.

Auf  dem  südlichen  Krietsschauplatz  hat  ein  weiterer  Abschnitt  in
den  Operationen  seinen  siegreichen  Abschluß  gefunden.  Der  Gegner,
welcher  schließlich  mit  seinen  gesamten  Streitkräften  östlich  der  Kolubara
und  des  Ljig  durch  mehrere  Tage  hartnäckigsten  Widerstand  leistete  und
wiederholt  versuchte,  selbst  zum  Angriff  überzugehen,  ist  auf  der  ganzen
Linie  geworfen  und  im  Rückzuge.  Er  hat  neuerdings  empfindliche  Verluste
  erlitten.

Auf  dem  Gefechtsfelde  von  Konatice  allein  fanden  unsere  Truppen
etwa  800  unbeerdigte  Leichen.  Desgleichen  bedeuten  die  zahlreichen  Gefangenen
  und  die  materiellen  Verluste  eine  namhafte  Schwächung,  denn
seit  Beginn  der  letzten  Angriffsbewegungen  wurden  19  000  Gefangene
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                                                             —793  —                                                                   gemacht,  47  Maschinengewehre,  46  Geschütze  und  zahlreiches  sonstiges
Material  erbeutet.                                                            (W.T.  B.)


                    80  000  Russen  in  drei  Wochen  gefangen.

                    (W.T.B.)  Großes  Hauptgquartier,  2.  Dez.,  vorm.
Die  in  der  ausländischen  Presse  verbreitete  Nachricht,  daß  in  der  von
uns  gemeldeten  Zahl  von  40  000  russischen  Gefangenen  die  bei  Kutno  gemachten
  23  000  mit  enthalten  seien,  ist  unrichtig.  Die  Ostarmee  hat  in
den  Kämpfen  bei  Wloclawek,  Kutno,  Lodz  und  Lowicz  vom  11.  November
bis  1.  Dezember  über  80  000  unverwundete  Russen  gefangen  genommen.

                                                               Oberste  Heeresleitung.

                          (W.T.B.)  Großes  Hauptquartier,  2.  Dez.,  vorm.

Im  Westen  wurden  kleinere  Vorstöße  des  Feindes  abgewiesen.

Im  Argonner  Walde  wurde  vom  württembergischen  Infanterie-Regiment
  Nr.  120,  dem  Regiment  Seiner  Majestät  des  Kaisers,  ein
starker  Stützpgunkt  genommen.  Dabei  wurden  zwei  Offiziere  und  annähernd
  300  Mann  zu  Gefangenen  gemacht.

Aus  Ostpreußen  nichts  Neues.  1
Nordpolen  nehmen  die  Kämpfe  ihren  normalen  Fortgang.

uin  Südpolen  wurden  feindliche  Angriffe  zurückgeschlagen.

                                                                        Oberste  Heeresleitung.

 

 

 

                       Neue  Schlappen  der  Franzosen.
                                                          Konstantinopel,  2.  Dezember.
Die  Senussi  schlugen  unter  Scheich  Abdullah,  welcher  im  Handgemenge
fiel,  bei  Aingalaka  im  Südfezzan  eine  starke  französische  Kolonne  unter
General  Largeot.  Andere  islamitische  Stämme  schlugen  französische  Abteilungen
  in  den  Gebieten  von  Kanem  und  Wadai.


Einmarsch  österreichisch-ungarischer  Truppen  in  Belgrad.
                                                         (W.T.  B.)  Wien,  2.  Dezember.

      Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:

Da  Feind  im  Rückzuge,  fanden  gestern  keine  größeren  Kämpfe  statt.
Die  vorgetriebenen  Nachrichtenabteilungen  stießen  auf  feindliche  Nachhuten
  und  machten  mehrere  Hundert  Gefangene.

Seine  Majestät  erhielten  vom  Kommandanten  der  fünften  Armee
nachstehende  Huldigungsdepesche:  „Hochbeglückt  bitte  ich  Eurer  K.  und  K.
Apostolischen  Majestät  am  Tage  der  Vollendung  des  66.  Jahres  Eurer
Majestät  glorreicher  Regierung  die  ehrfurchtsvollsten  Glückwünsche  der
fünften  Armee  sowie  die  alleruntertänigste  Meldung  zu  Füßen  legen  zu
dürfen,  daß  die  Stadt  Belgrad  heute  von  Truppen  der  fünften  Armee  in
Besitz  genommen  wurde.

 

 

 

                                                    Frank,  General  der  Infanterie.“


Günstige  Entwickelung  der  Kämpfe  bei  Noworadomst  und  Lodz.

                                                                      (W.T.  B.)  Wien,  2.  Dezember.
Amtlich  wird  verlautbart,  2.  Dezember,  mittags:  Die  Ruhe  in
unserer  Front  in  Westgalizien  und  Russisch-Polen  hielt  im  allgemeinen
        <pb n="269" />
                                                          —  794  —

auch  gestern  an.  In  der  vergangenen  Nacht  wurde  ein  russischer  Angriff
nordwestlich  Wolbrom  abgewiesen.  —  Die  Kämpfe  im  Raume  westlich
Noworadomsk  und  bei  Lodz  sind  in  günstiger  Entwickelung  begriffen.  Vor
Przemysl  blieben  die  Russen  unter  dem  Eindruck  des  letzten  Ausfalls
passiv.  Mehrere  feindliche  Flieger  warfen  erfolglos  Bomben  ab.  —  Die
Operationen  in  den  Karpathen  sind  noch  zu  keinem  Abschluß  gekommen.  —
Die  Nachricht  von  dem  Einrücken  unserer  Truppen  in  Belgrad  löste  auf
dem  nördlichen  Kriegsschauplatze  unaussprechlichen  Jubel  aus.

                 Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                                 v.  Hoefer,  Generalmajor.

                                                                     Kopenhagen,  2.  Dezember.

         Eine  Londoner  Depesche  des  „Berlingste  Tidende“  meldet:

Aus  Petersburg  wird  telegraphiert,  daß  die  Kämpfe  beinahe  auf
der  gangen  Front  andauern.  Die  Kämpfe  nordöstlich  und  südwestlich  von
Lodz  seien  die  blutigsten  und  furchtbarsten  seit  Beginn  des  Krieges.  An
dieser  Stelle  werde  die  Hauptschlacht  zwischen  den  Russen  und  den  Deutschen

  ausgekämpft.


    Die  Besetzung  der  Insel  Neupommern  durch  die  Australier.
                                                                (W.T.B.)  London,  2.  Dezember.

Hier  eingetroffene  australische  Blätter  bringen  Einzelheiten  über  die
Besetzung  der  Insel  Neupommern  durch  australische  Streitkräfte.  Am
11.  September  früh  erreichte  das  australische  Geschwader  Herbertshöhe  und
landete  25  Mann,  um  von  der  ungefähr  vier  Meilen  landeinwärts  gelegenen
  drahtlosen  Station  Besitz  zu  ergreifen.  Die  Gelandeten  stießen
auf  unerwarteten  Widerstand  seitens  der  Deutschen  und  bewaffneter  Eingeborenen,
  die  in  Kokosnußpalmen  verborgen  waren.  Ein  australischer
Offizier  und  ein  Unteroffizier  wurden  getötet.  Später  wurden  weiterd
150  Mann  gelandet,  die  unter  dem  Widerstand  der  Eingeborenen  bis  auf
100  Yards  an  die  Station  herangelangten,  wo  sie  sechs  Deutsche  und
40  Eingeborene  verschanzt  fanden.  Hier  wurde  ein  australischer  Offizier
getötet  und  einer  verwundet.  Spät  am  Nachmittag  übergaben  sich  die
Verteidiger  der  Station.  Während  der  Schanzgraben  nach  Waffen  durchsucht
  wurde,  brach  ein  neues  Gefecht  aus,  das  jedoch  die  Eroberung  der
Station  nicht  verhindern  konnte.  Inzwischen  hatte  eine  Infanteriekolonne
  widerstandslos  den  Ort  Herbertshöhe  besetzt.  Ebenso  wurde
Rabaul  ohne  Kampf  eingenommen.  Zwei  Tage  später  wurde  die  Insel
für  eine  britische  Besitzung  erklärt.  Inzwischen  hatten  sich  größere  Streitkräfte
  von  Deutschen  und  bewaffneten  Eingeborenen  in  dem  von  der
Küste  6  bis  8  Meilen  entfernten  Gebirgsdorf  Toma  verschanzt.  Nach
einer  Beschiefging  durch  Schiffsgeschütze  erreichten  die  australischen  Truppen
unbehindert  Toma.


                          Türkischer  Erfolg  im  Kaukasus.
                                                                     Konstantinopel,  2.  Dezember.
Unsere  Truppen,  die  in  der  Zone  des  Tchorokh  vorrückten,  haben

einen  neuen  Erfolg  davongetragen  und  heute  die  Stadt  Ardanutsch,
20  Kilometer  östlich  des  Tchorokhflusses,  besetzt.
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                                                            —  795  —

                   Die  zweite  Kriegssitzung  des  deutschen  Reichstags.

Ein  herrliches  Bild  der  Einmütigkeit,  des  Kraftbewußtseins  und  der
Entschloseenheit  hat  auch  die  zweite  Kriegssitzung  des  Deutschen  Reichstages
  vom  2.  Dezember  1914  gezeigt,  die  sich  würdig  der  ersten  Kriegssitzung
  vom  4.  August  anschloß.  Verstummen  muß  das  Gerede  ausländischer
  Blätter  von  dem  angeblichen  Hervortreten  deutscher  Friedenswünsche
zu  einer  Zeit,  in  der  noch  auf  keinem  Kriegsschauplatz  gegenüber  den
Großmächten  des  Dreiverbandes  wirkliche  Entscheidungskämpfe  durchgefochten
  worden  sind.  Die  Welt  muß  zu  dem  Bewußtsein  kommen,  daß
wir,  nachdem  der  Krieg  uns  einmal  freventlich  aufgezwungen,  nicht
locker  lassen,  bevor  wir  nicht  unsere  ganze  Kraft  haben  entfalten
können,  bevor  nicht  auch  der  eigentliche  Urheber  dieses  Krieges
sich  uns  in  seinem  Element  gestellt  hat.

Zu  welchem  Ende  wir  den  Krieg  zu  führen  trachten  müssen,  das  hat
am  2.  Dezember  der  Reichskanzler  angedeutet,  als  er  die  sehr  treffende
Bemerkung  und  Unterscheidung  machte:

„Die  äußere  Verantwortung  für  diesen  schwersten  aller  Kriege
tragen  die  Männer  in  Rußland,  die  die  Mobilisierung  der  gesamten
russischen  Armee  betrieben  und  durchgeführt  haben  —  eine  noch  größere,
die  innere  Verantwortung  aber  liegt  bei  der  großbritannischen
Regierung.“

So  viele  sogenannte  großen  Tage  die  viertürmige  Reichsburg  auch
schon  gesehen  —  nie  zuvor  war  der  Andrang  so  gewaltig  wie  zu  dieser
zweiten  Kriegssitzung.  Und  dieser  Andrang:  bekundete  er  etwas  anderes
als  das  Bedürfnis,  Zeuge  zu  sein,  wenn  nochmals  des  ganzen  deutschen
Volkes  erwählte  Vertreter  einmütig  auf  den  Plan  treten,  um  im  Namen
Alldeutschlands  Zeugnis  dafür  abzulegen,  daß  in  viermonatlicher  Kriegsführung
  mit  all  ihren  Opfern  kein  Fünkchen  verstoben  ist  von  der  Begeisterung
  für  die  Einsetzung  aller  Kräfte  an  Blut  und  Gut,  um  den  Krieg
durchzuführen  bis  zum  siegreichen,  einen  sicheren  und  gedeihlichen  Frieden
verheißenden  Ende?!  —

Wie  ein  roter  Faden  zog  es  sich  durch  die  Reden  der  Kriegssitzung:
Das  deutsche  Volk  läßt  siche  mcht  unterkriegen  auch  durch  eine  Welt  von
Feinden!  Es  wird  kämpfen  bis  zu  einem  ruhmvollen,  glücklichen  Frieden!

Als  einen  „Volkskrieg  im  wahrsten  Sinne  des  Wortes“  bezeichnete
der  Reichstagspräsident  Dr.  Kaempf  in  seiner  warmherzigen  Ansprache
zu  Beginn  der  Sitzung  diesen  Krieg;  und  mit  Bezug  auf  unsere  Fähigkeit,
ihn  wirtschaftlich  durchzuhalten,  fügte  er  treffend  hinzu:  „Die  Gesamtheit
  trägt  auf  starken  Schultern  das  Gebäude  unseres
wirtschaftlichen  Lebens.“

Rühmend  gedachte  der  Präsident  der  Taten  unseres  Heeres  und
unserer  Flotte,  um  hervorzuheben,  daß,  wenn  auch  Teile  von  Elsaß-Lothringen
  und  von  Ostpreußen  nur  zu  deutliche  Spuren  der  kriegerischen
Verheerungen  zeigen,  wir  doch  nicht  dankbar  genug  dafür  sein  können,  daß
im  großen  ganzen  der  Krieg  sich  abspielt  auf  den  Gebieten  unserer  Feinde.
Das  leistet  unser  Volksheer,  das  sich  durch  keine,  aus  allen  fünf  Erdteilen
zusammengetrommelten  Vasallenheere  schrecken  läßt.

Den  Mittelpunkt  auch  der  zweiten  Kriegssitzung  bildete  wiederum  —
unseres  Bedünkens  sogar  ein  gut  Teil  wirksamer  als  am  4.  August  —  die
Rede  des  Reichskanzlers,  der  zunächst  nicht  nur  der  Volksver-
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                                                         —  796  —

tretung  die  Grüße  des  Kaisers  überbrachte,  sondern  auch  der  ganzen
Nation  den  keiserlichen  Dank  ausdrückte  für  die  beispiellose  Aufopferung
und  Hingabe  für  die  gewaltige  Arbeit,  die  draußen  und  daheim  von
allen  Schichten  des  Volkes  ohne  Unterschied  geleistet  wird.  Auch  die
Kanzlerrede  war  ein  einziger  Ausdruck  des  felsenfesten  und  unerschütterlichen
  Vertrauens.  Diesmal  konnte  Herr  v.  Bethmann  Hollweg  nicht
nur  unserer  österreichisch-ungarischen  Waffenbrüder  gedenken,  sondern  auch
des  Osmanenreiches  als  eines  neuen  Bundesgenossen,  dessen  Arme  —
wie  er  bezeichnend  bemerkte  —  bis  an  die  schwachen  Stellen  der  Weltstellung
  unsere  Feinde  reichen.

Politisch  am  bedeutsamsten  waren  in  dieser  zweiten  Kriegsrede  des
Reichskanzlers  naturgemäß  diejenigen  Teile,  die  abwichen  von  seiner
ersten  Kriegsrede  am  4.  August.  Bekennen  wir  heute  ruhig,  daß  es  uns.
damals  schwer  bedrückte,  Aeußerungen  über  den  deutschen  „Neutralitätsbruch“
  gegenüber  Belgien  aus  des  Kanzlers  Munde  zu  vernehmen,  die  der
ausländischen  Deutschenhetze  —  bei  aller  Ehrlichkeit  der  bekundeten  Gesinnung
  —  überreichliche  Nahrung  zu  geben  geeignet  waren,  obgleich  doch
in  Wahrheit  zum  mindesten  äußerst  zweifelhaft  war,  ob  Belgien  überhaupt
noch  als  ein  neutrales  Land  zu  betrachten  sei.  Wer  auch  in  Kriegszeiten
  die  Fühlung  mit  dem  Auslande  nicht  ganz  verloren  hat,  weiß,  in
wie  gehässiger  Weise  jene  Aeußerungen  des  Reichskanzlers  vom  4.  August
im  Auslande  mißbraucht  worden  sind  und  wie  dieser  Mißbrauch  auch  in
ehrlich  neutvalen  Ländern  eine  wenig  angenehme  Volksstimmung  gegenüber
  Deutschland  zu  erzeugen  vermochte.  Nunmehr  hat  Herr  von  Bethmann
  Hollweg  den  Fall  dahin  aufgeklärt,  daß  er  durch  offizielle  Zugeständnisse
  an  eine  Neutralität,  von  deren  Innehaltung  durch  Belgien
  selbst  er  keineswegs  mehr  überzeugt  war,  aus  militärischen
Gründen  Belgien  goldene  Brücken  bauen  wollte,  um  in  der  Stunde  der
Not  das  Land  doch  noch  schonen  zu  können.  Nun,  Belgien  hat  diese  goldenen
  Brücken  nicht  betreten,  und  es  wird  die  Folgen  seines  eigenen
Heraustretens  aus  verbürgter  Neutralität  hinüber  in  die  Reihe  der
Feinde  Deutschlands  selbst  zu  tragen  haben.

In  kurzen  Umrissen  suchte  der  Reichskanzler  weiter  ein  Gesamtbild
der  europäischen  Lage  in  der  Zeit  seiner  Amtsführung  zu  geben:  Der
scharf  ausgeprägte  Gegensatz  zwischen  Dreiverband  und  Dreibund,  den  er
bei  Uebernahme  des  Kanzlerpostens  vorfand,  hat  ihn  gezwungen,  einerseits
  eine  Verständigung  mit  der  einen  oder  der  anderen  Macht  des  Dreiverbandes
  zu  versuchen,  andererseits  für  den  Fall  des  Scheiterns  solcher
Verständigungswersuche  beharrlich  die  deutsche  Wehrmacht  weiter  auszubauen.
  Ohne  in  eine  Parteipolemik  einzutreten,  kann  in  diesem  Zusammenhange
  wohl  hervorgehoben  werden,  in  wie  hohem  Grade  bezüglich
des  notwendigen  Ausbaues  unserer  Wehrmacht  die  nationalliberale
  Parteii  sich  in  den  kritischen  Zeiten  als  mahnendes  Gewissen  und
treibende  Kraft  betätigt  hat!

Allseitigen  begeisterten  Beifall  fanden  die  Schlußausführungen  des
Kanzlers:  seine  Dankesworte  an  die  kämpfenden  Söhne  Deutschlands
draußen  auf  den  Schlachtfeldern  und  den  Meeren,  vor  deren  Heldenmut
wir  uns  „einigen  in  dem  Gelöbnis,  auszuharren  bis  zum  letzten  Hauch,
damit  Enkel  und  Söhne  in  einem  stärkeren  Deutschland  frei  und
gesichert  vor  fremder  Drohung  und  Gewalt  an  der  Größe  des  Reiches  mitarbeiten
  können.“
        <pb n="272" />
                                                     —  797  —

Es  wäre  wohl  genug  geschehen,  wenn  nach  der  gewaltigen  Zustimmungskundgebung,
  die  dicsen  Schlußworten  des  Kanzlers  folgte,  die  neuen
Fünfmilliarden-Kredite  ohne  weitere  Erörterung  einmütige  Annahme
gefunden  hätten;  denn  was  man  in  den  Abgeordnetenkreisen  im  einzelnen
zu  sagen  auf  dem  Herzen  hatte,  das  gehörte  nicht  zu  diesen  Fünfmilliarden-Krediten,
  sondern  es  waren  im  wesentlichen  Fragen  der  wirtschaftlichen
  Kriegführung,  die  sich  nicht  zur  öffentlichen  Erörterung
  während  der  Kriegszeit  eignen  und  die  man  daher  anschließend
an  die  dem  Reichstag  unterbreitete  Denkschrift  über  die  wirtschaftlichen
Maßnahmen  aus  Anlaß  des  Krieges  in  der  sogenannten  „Freien  Kommission“
  eingehend  besprochen  hat.

Daß  diese  „Freie  Kommission“,  die  vor  der  Vollversammlung  des
Reichstages  bereits  reichliche  Arbeit  geleistet,  am  Tage  nach  der  Vollversammlung
  abermals  zusammentreten  mußte,  erweist,  daß  man  in  der
Tat  in  Sachen  der  wirtschaftlichen  Kriegführung  recht  viel  auf  dem  Herzen
hatte.  Auch  hier  wieder  darf  hervorgehoben  werden,  daß  die  nationalliberale
  Partei  und  Presse  zur  rechten  Zeit  unermüdlich  hinzuwirken
  versucht  hat  auf  wirtschaftliche  Kriegsvorsorge.  Im  übrigen  sei
ein  Zurückkommen  auf  die  erwähnte  Denkschrift  vorbehalten.  In  der
öffentlichen  Reichstagssitzung  blieb  sie  füglich  aus  dem  Spiel.

Die  Aussprache  beschränkte  sich  darauf,  daß  der  Abgeordnete  Haase
namens  der  sozialdemokratischen  Fraktion  nochmals  den  theoretischen  Vorbehalt
  gegen  den  Krieg  im  allgemeinen,  aber  doch  gleichzeitig  die  praktische
  Zustimmung  zur  unermüdlichen  Fortsetzung  des  uns  aufgezwungenen
  Kampfes  aussprach.  Neben  einer  Steigerung  der  sozialen  Fürsorge
verlangte  der  Redner  auch  eine  Erweiterung  der  Prehrechte.

Namens  aller  anderen  Parteien  des  Reichstages  begnügte  sich  der
Abgeordnete  Dr.  Spahn  mit  der  Erklärung,  daß  auch  sie  die  soziale
Fürsorge  nach  Kräften  betreiben,  daß  aber  heute  jede  andere  Rücksicht
zurückzutreten  habe  hinter  dem  obersten  Verlangen,  den  uns  freventlich
aufgezwungenen  schwersten  aller  Kriege  durchzuhalten,  bis  ein  Friede  errungen
  ist,  der  den  ungeheueren  Volksopfern  entspricht.

Als  es  zur  Abstimmung  über  die  neue  Fünfmilliarden-Vorlage  kam,
fand  sich  unter  den  fast  vierhundert  Vertretern  des  deutschen  Volkes
einer,  der  in  schwerer  Schicksalsstunde  dem  Vaterlande  die  Mittel  für
die  Fortführung  seiner  Verteidigung  zu  versagen  den  kläglichen  Mut
hatte  —  einer,  von  dem  es  uns  nicht  weiter  wundernehmen  kann,  nachdem
er  gelegentlich  eines  Aufenthaltes  in  Belgien  die  Sache  der  Franktireure
zu  verteidigen  für  gut  befunden.  Doch  wer  wird  sich  lange  befassen  mit
dieser  einen  Kreuzung  von  Hysterie  und  Herostratie  —  deutsche  Worte
wären  uns  für  die  Bezeichnung  so  undeutschen  Wesens  zu  schadel

Möge  sich  ob  dieses  einzelnen  Ausnahmesalles  niemand  der  Täuschung
hingeben,  als  könnte  in  der  sozialdemokratisch  gerichteten  deutschen
Arbeiterschaft  eine  Abbröckelung  stattfinden  von  der  Entschlossenheit,  den
Krieg  durchzuhalten.  Im  Gegenteil!  Ursprünglich  für  die  Verteidigung
des  Vaterlandes  im  wesentlichen  mit  der  Begründung  eintretend,  daß  es
sich  um  einen  Krieg  gegen  den  russischen  Zarismus  handle,  ist  die  sozialdemokratische
  Presse  je  länger  je  mehr  durch  das  Verhalten  Englands
während  des  Krieges  zu  der  Ueberzeugung  bekehrt  worden,  daß  England
  einen  wirtschaftlichen  Vernichtungskrieg  gegen
uns  führen  will,  der  gerade  auch  die  Interessen  der  deutschen  Arbeiter-
        <pb n="273" />
                                                        —  798  —

schaft  auf  das  schwerste  bedroht,  und  daß  deshalb  dieser  Krieg  nicht  nur
gegen  den  Zarismus,  sondern  besonders  auch  gegen  England  bis  zum
entscheidenden  Ende  durchgeführt  werden  muß.

So  können  wir  wohl  sagen,  daß  England  die  deutsche  Einigkeit  nur
noch  vertieft  hat;  und  dieser  Einigkeit  in  allen  Parteien  und  in  allen
Ständen  konnte  denn  auch  zum  Schluß  der  zweiten  Kriegssitzung  des
Deutschen  Reichstages  Präsident  Kaempf  Ausdruck  geben,  als  er  das  Haus
vertagte  bis  zum  2.  März  1915  mit  einem  allseitig  begeistert  aufgenommenen
  Hoch  auf  den  Kaiser,  unser  Volksheer,  unsere  Marine  und  unser
Vaterland  und  mit  dem  erneuten  Bekenntnis:

„Deutschland  kann  nicht  besiegt  werden,  so  lange
                                       es  einig  ist !“  «

Der  Bericht  über  die  denkwürdige  Kriegssitzung  des  Deutschen  Reichs—
tages  ergibt  in  seiner  Gesamtheit  folgendes  packende  Bild:

                      2.  Dezember  1914,  nachmittags  4  Uhr.

Am  Bundesratstische:  Reichskanzler  Dr.  v.  Bethmann  Hollweg  in
feldgrauer  Generalsuniform,  Dr.  Delbrück,  v.  Jagow,  Großadmiral
v.  Tirpitz,  Graf  Hertling,  Kraetke,  Kühn,  Solf,  Dr.  Sydow,  v.  Wandel,
Beseler,  v.  Loebell,  Havenstein  und  eine  Fülle  von  Bevollmächtigten  zum
Bundesrat  und  Kommissarien.

Das  Haus  ist  vollständig  besetzt;  sämtliche  Zuhörertribünen  sind
schon  vor  Beginn  der  Sitzung  überfüllt.

Der  Platz  des  Abgeordneten  Trimborn  (Zentr.),  der  heute  sein
60.  Lebensjahr  vollendet,  ist  mit  einem  Rosenstrauß  geschmückt.  Auf  dem
Platze  des  im  Felde  gefallenen  Abg.  Dr.  Frank-Mannheim  (Soz.)  liegt
ein  Lorbeerkranz.

Präsident  Dr.  Kaempf  eröffnet  die  Sitzung  um  4¼  Uhr  mit
folgender  Ansprache:

Meine  Herren!  Nach  viermonatlicher  Vertagung  heiße  ich  Sie  alle
zu  treuer  Arbeit  in  diesem  Hause  willkommen,  diejenigen  aber  unter
uns,  die  mit  in  das  Feld  haben  ziehen  können  und  die  aus  dem  Felde
herbeigeeilt  sind,  um  an  den  wichtigen  Arbeiten  des  Reichstages  teilzunehmen,
  begrüße  ich  auf  das  allerherzlichste.  (Lebhafte  Zustimmung.)
Seitdem  wir  am  4.  August  unter  dem  gewaltigen  Eindruck  der  auf  uns
einstürmenden  Ereignisse  uns  getrennt  haben,  sind  wichtige  welthistorische
  Ereignisse  eingetreten.  Vor  allem  aber  hat  sich  gezeigt,  daß  alle
Gedanken  des  deutschen  Volkes  auf  diesen  gewaltigen  Krieg  gerichtet
sind  in  dem  Vertrauen,  daß  die  Einigkeit  des  deutschen  Volkes  alle  Hindernisse
  überwinden  werde,  in  dem  Bewußtsein  des  Sieges,  das  getragen
wird  von  der  Stärke  der  militärischen  Macht  Deutschlands  zu  Wasser
und  zu  Lande  und  von  dem  Bewußtsein  der  wirtschaftlichen  Stärke  des
deutschen  Vaterlandes.  (Erneuter  lebhafter  Beifall.)  Weit  über  zwei
Millionen  Kriegsfreiwilliger  haben  sich  gestellt,  und  doch  hat  nur  ein
kleiner  Teil  von  ihnen  in  die  Armee  eingereiht  werden  können.  Aus
unserer  Mitte  sind  65  Abgeordnete  und  27  unserer  Beamten  zu  den
Fahnen  gerufen,  und  der  Erste  aus  unseren  Reihen,  der  auf  dem  Schlachtfelde
  (sämtliche  Mitglieder  des  Hauses  und  des  Bundesrats  erheben  sich
von  den  Plätzen)  den  Tod  für  das  Vaterland  gefunden  hat,  war  ein
Kriegsfreiwilliger.  (Beifall.)  Alle  diejenigen  im  Deutschen  Reich,  denen
        <pb n="274" />
                                                     —  799  —

es  nicht  vergönnt  ist,  mit  in  den  Krieg  zu  ziehen,  wetteifern  in  den
Werken,  die  dazu  bestimmt  sind,  die  Leiden  des  Krieges  zu  lindern,  für
die  Familien  unserer  Soldaten  zu  sorgen,  unseren  tapferen  Kriegern
dort  draußen  ihre  schwere  Arbeit  zu  erleichtern  und  die  Verwundeten,
die  keinen  sehnlicheren  Wunsch  haben,  als  wieder  in  das  Feld  zu  ziehen,
Hilfe,  Beistand  zu  leisten  und  die  Herstellung  von  ihren  Wunden  zu
ermöglichen.  Eine  Opferfreudigkeit  sonder  gleichen  zieht  durch  das  Land.
Fürsten  und  Volk  ohne  Unterschied,  alt  und  jung,  Frauen  und  Männer
haben  keinen  anderen  Gedanken,  als  sich  werktätig  zu  beteiligen  an  dem
Kriege,  der  ein  Volkskrieg  ist  im  wahrsten  Sinne  des  Wortes,  ein  Volkskrieg,
  an  dem  jeder  für  seinen  Teil  an  der  Stelle,  an  die  er  gestellt  ist,
verantwortungsvoll  teilnimmt,  mit  der  Verantwortung  für  das,  was  auf
dem  Spiele  steht.  Noch  eine  andere  Aufgabe  ist  denjenigen  zugefallen,
die  zu  Hause  geblieben  sind,  Sorge  und  Aufrechterhaltung  des  wirtschaftlichen
  Lebens.  Verständnisvoll  ist  die  Bevölkerung  dem  Rufe  gefolgt,
durch  Selbsthilfe  den  Gefahren  des  Krieges,  die  drohen,  zu  begegnen
und  durch  weise  Selbstbeschränkung  dafür  zu  sorgen,  daß  die  Gefahren
nicht  wachsen.  Die  großartige  Organisation  des  Kredit=  und  Geldwesens,
die  durch  die  Reichsbank  herbeigeführt  worden  ist,  findet  ihren  Gipfelpunkt
  in  der  erfolgreichen  Zeichnung  der  Kriegsanleihe,  die  nicht  weniger
als  4½  Milliarden  Mark  in  die  Kassen  des  Reichs,  geführt  hat.  (Beifall.)
Manch  schwere  wirtschaftliche  Wunde  ist  für  den  einzelnen  geschlagen,
aber  die  Gesamtheit  trägt  auf  starken  Schultern  das  Gebäude  unseres
wirtschaftlichen  Lebens.  (Beifall.)  Alles  dieses  zusammen  bildet  den
Hintergrund,  vor  dem  sich  das  gewaltige  Drama  dieses  Krieges  abspielt.
Nur  vier  Monate  sind  seit  dem  Beginn  des  Krieges  verflossen,  und
welche  Fülle  von  kriegerischen  Ereignissen  hat  sich  in  dieser  kurzen  Spanne
Zeit  zusammengedrängt.  Zu  unseren  Gegnern  hat  sich  das  japanische  Reich
gesellt,  das  für  seinen  Undank  nur  anführen  kann,  Beutegier  nach  den
Wahrzeichen  deutscher  Kultur,  die  wir  in  fernem  Osten  aufgerichtet
haben,  zum  Besten  der  Kultur.  (Beifall.  Sehr  richtig!)  Dagegen  ist  den
treuverbündeten  Reichen  Oesterreich-Ungarn  und  Deutschland  ein
Bundesgenosse  entstanden  in  dem  Osmanischen  Reiche  (Beifall),  das  entschlossen
  ist,  die  Bedrohung  durch  das  englische  Joch  abzuschütteln  in
gleicher  Weise  wie  die  anderen  Länder  mit  moslemitischer  Bevölkerung
und  durch  die  islamitische  Bewegung  die  Grundfesten  der  Kolonialreiche
unserer  Gegner  zu  erschüttern  droht.  In  den  vier  Monaten  haben  wir
ganz  Belgien  besetzt  und  einen  nicht  unbedeutenden  Teil  des  nördlichen
und  östlichen  Frankreichs  auf  der  Linie  Verdun—Lille  bis  zum  Meere.
Starke  Festungen,  die  als  uneinnehmbar  galten,  sind  überwunden  worden,
  Lüttich,  Namur,  Antwerpen  und  Maubeuge.  In  jeder  Feldschlacht
hat  unser  Heer  den  Feind  geschlagen.  Ich  erinnere  nur  an  die  Schlachten
von  Mülhausen,  in  französisch  Lothringen,  im  Osten  bei  Tannenberg
nördlich  der  Masurischen  Seen,  bei  Lodz  und  bei  Lowitsch,  und  alle  diese
Schlachten  haben  bewiesen,  daß  alle  unsere  Truppen,  vom  Ersten  bis
zum  Letzten,  daß  unsere  Linientruppen,  wie  unsere  Reserven,  unsere
Landwehr,  unser  Landsturm,  daß  Kavallerie,  Artillerie,  Pioniere  und
alle  Spezialwaffen  von  dem  gleichen  Geiste  beseelt  sind.  Mehr  als  einmal.
  ist  uns  gesagt  worden,  daß  unsere  Truppen  unter  dem  Gesange
„Deutschland,  Deutschland  über  alles“  die  feindlichen  Stellungen  gestürmt
haben  (Beifall).  Unserem  Heere  steht  ebenbürtig  zur  Seite  unsere  Flotte
        <pb n="275" />
                                                         —  800  —

Lebhafter  Beifall).  Das  Herz  geht  uns  auf,  wenn  wir  uns  an  die

reuzer  „Göben“  und  „Breslau“  erinnern,  die,  gezwungen  den  neutralen
Hafen  zu  verlassen,  unter  den  Klängen  der  Wacht  am  Rhein  hinausgezogen
  sind  in  das  von  den  feindlichen  Flotten  erfüllte  Mittelmeer.
Das  Herz  geht  uns  auf  bei  dem  Gedanken  an  unseren  Kreuzer  „Emden“
(Lebhafter  Beifall),  der  alle  Meere  unsicher  gemacht  hat,  obgleich  er
selbst  nur  ein  einzelnes  verhältnismäßig  kleines  Schiff  war,  und  vor
dem  die  Flotten  unserer  Gegner  gezittert  haben.  Ich  erinnere  an  die
Schlacht  bei  Coronel,  wo  eine  überlegene  Strategie  zur  See  den  Sieg
davongetragen  hat  (Beifall).  Ich  erinnere  an  die  glorreichen  Taten
unserer  Unterseeboote  (Lebhafter  Beifall),  die  heute  den  Schrecken  der
ganzen  britischen  Flotte  und  des  ganzen  britischen  Volkes  bilden.  (Lebhafter
  anhaltender  Beifall  und  Händeklatschen).  Leider  ist  unser  heimatlicher
  Boden  nicht  von  den  Schrecken  des  Krieges  verschont  geblieben,
Teile  von  Elsaß-Lothringen,  Teile  von  Ostpreußen,  zeigen  nur  zu  deutlich
  die  Spuren  der  kriegerischen  Verheerung.  Aber  wir  können  nicht
dankbar  genug  sein,  daß  im  großen  und  ganzen  der  Krieg  sich  abspielt
auf  dem  Gebiete  unserer  Feinde  (Beifall).  Wahrlich,  wenn  wir  alles
dieses  uns  vergegenwärtigen,  drängt  sich  uns  das  Gefühl  der  Bewunderung
  auf  für  unser  Heer  und  unsere  Flotte  (Beifall),  deren  Taten  sich
ebenbürtig  zur  Seite  stellen  denen  der  kriegerischen  Ereignisse  aller
Zeiten  und  aller  Völker.  (Lebhafter  Beifall).  In  dieser  Bewunderung
bringen  wir  unseren  Dank  dar  der  obersten  Leitung  des  Heeres  und  der
Flotte,  den  Generalen  und  Admiralen,  den  Offizieren  und  den  Mannschaften,
  die  alle  vom  Ersten  bis  zum  Letzten  mit  unvergleichlichem  Mute
gekämpft  haben  und  denen  die  feindlichen  Stellungen  selten  haben  standhalten
  können  (Beifall).  Wir  schließen  in  diesen  Dank  ein  die  tapferen
Bewohner  unserer  Kolonien,  die  in  schwieriger  Lage  heldenmütig  für  das
Deutschtum  kämpfen.  Wir  danken  nicht  minder  denen,  die  an  höchster
Regierungsstelle  stehen,  die  eine  ungeheure  Verantwortlichkeit  mit  ihren
Mitarbeitern  tragen  und  eine  gleich  große  Arbeitslast  bewältigt  haben
und  täglich  bewältigen,  die  nicht  hoch  genug  eingeschätzt  werden  kann  im
Interesse  des  deutschen  Vaterlandes.  (Beifall.)  Wir  danken  allen  den
Deutschen,  die  freiwillige  Arbeit  mitübernommen  haben,  die  Leiden  des
Krieges  zu  mildern  und  für  unsere  Verwundeten  zu  sorgen.  (Beifall.)
Schwer  sind  die  Verluste  an  Verwundeten  von  vielen  Tausenden,  die
für  ihr  ganzes  Leben  ein  schweres  Schicksal  infolge  des  Krieges  zu  tragen
haben,  dieses  Schicksal  aber  heldenmütig  tragen.  Schwer  sind  auch  die
Verluste  an  Menschenleben,  die  der  Krieg  fordert.  Manch  Frauenherz
verzehrt  sich  in  Kummer  um  den  gefallenen  Gatten  und  Bruder,  manch
Vater=  und  Mutterherz  verzehrt  sich  in  Gram  um  die  ihm  entrissenen
Söhne.  Wir  ehren  diesen  Schmerz  und  tragen  ihn  mit  ihnen,  das
Vaterland  aber  dankt  ihnen  und  ist  stolz  auf  seine  gefallenen  Heldensöhne,
  die  ihr  Blut  vergossen  und  ihr  Leben  hingegeben  haben  in  dem
Weltkriege,  den  wir  um  unsere  Existenz  zu  führen  haben,  ein  Weltkrieg,
denn  aus  allen  Weltteilen,  Asien,  Afrika,  Australien,  Amerika  haben
unsere  Feinde  ihre  Vasallenheere  auf  den  europäischen  Kriegsschauplatz
gezogen,  um  uns  zu  vernichten.  Meine  Herren,  das  schreckt  uns  nicht,  im
Vertrauen  auf  die  Gerechtigkeit  unserer  Sache  wehren  wir  uns,  wenn  es
sein  muß,  gegen  die  ganze  Welt.  (Lebhafter  Beifall.)  Unter  der  Fahne
unseres  Heeres,  unter  der  Flagge  unserer  Flotte  werden  wir  siegen.  (Leb-
        <pb n="276" />
                                                        —  801  —

hafter  Beifall.)  —  Meine  Herren,  ich  habe  Ihnen  dann  noch  einige  Mitteilungen
  trauriger  Natur  zu  machen.  (Der  Reichstag  und  die  Mitglieder
  der  Regierung  erheben  sich.)  Am  23.  September  verschied  in
seiner  Heimat  der  Herr  Kollege  Dr.  Semler,  gewählt  für  den  2.  Wahlkreis
  Hannover,  am  7.  Oktober  verschied  in  seiner  Heimat  unser  Herr
Kollege  Ritter,  gewählt  für  den  1.  Wahlkreis  des  Regierungsbezirks
Bromberg,  am  8.  November  verschied  unser  Herr  Kollege  Metzger,  gewählt
  für  den  3.  Wahlkreis  Hamburg,  am  20.  November  verschied  unser
Herr  Kollege  Dr.  Braband,  gewählt  für  den  6.  Wahlkreis  Schleswig-Holstein.
  Am  3.  September  ist  unser  Kollege  Herr  Dr.  Frank-Mannheim,
der  beim  Ausbruch  des  Krieges  sich  als  Kriegsfreiwilliger  gestellt  hatte,
von  einer  Kugel  in  den  Kopf  getroffen  und  starb  so  in  dem  ersten  Gefecht,
das  er  mitgemacht  hat.  An  dem  Platz,  an  dem  wir  sonst  seine  markige
Gestalt  zu  sehen  gewohnt  waren,  liegt  ein  Lorbeerkranz,  den  der  Reichstag
  seinem  den  Heldentod  gestorbenen  Kollegen  gewidmet  hat.  Ich  habe,
nachdem  ich  die  Nachricht  von  dem  tragischen  Ende  unseres  Kollegen
erhalten  hatte,  der  sozialdemokratischen  Fraktion  das  Beileid  des  Reichstags
  ausgesprochen.  Seitens  des  Herrn  Stellvertreters  des  Reichskanzlers
  ist  mir  folgendes  Schreiben  zugegangen:  „Im  Kampfe  um  Deutschlands
  Verteidigung  ist  als  erstes  Mitglied  des  Reichstags  der  Abgeordnete
  Dr.  Ludwig  Kronk  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:  er  hat  damit
die  Gesinnung,  die  er  durch  seinen  Eintritt  als  Kriegsfreiwilliger  bekundet
  hatte,  mit  seinem  Tode  besiegelt.  Ich  habe  die  Ehre,  im  Namen
des  Reichskanzlers  dem  Reichstag  den  Auzsdruck  des  aufrichtigen  Mitgefühls
  auszusprechen,  und  bitte,  diesen  Ausdruck  ihm  zu  übermitteln.“
Ich  danke  dem  Herrn  Reichskanzler  für  den  Ausdruck  seiner  warmen  Anteilnahme
  an  unserem  tragischen  Verlust.  Meine  Herren,  Sie  haben  sich  sowohl
  zu  Ehren  der  in  ihrer  Heimat  verstorbenen  Mitglieder  wie  auch
zu  Ehren  unseres  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallenen  Kollegen  Dr.  Frank
von  Ihren  Plätzen  erhoben,  ich  stelle  dies  fest  und  danke  Ihnen  dafür.

Der  Präsident  Dr.  Kaempf  teilt  darauf  mit,  daß  er  Ihrer
Mozjestät  der  Kaiserin  zum  Geburtstage  die  Glückwünsche  des  Reichstags
  übermittelt  habe,  und  verliest  das  darauf  eingegangene  Dankteleramm

  der  Kaiserin.  Er  verliest  ferner  das  von  ihm  aus  Anlaß  des

Faues  Tsingtau  an  Seine  Mojestät  gerichtete  Telegramm,  in  welchem
er  die  Gefühle  des  Reichstags  aus  diesem  Anlaß  kundgibt,  und  teilt
mit,  daß  er  darauf  folgende  Depesche  des  Kaisers  erhalten  habe:

„Ich  danke  Ihnen  für  den  Ausdruck  der  Gefühle  des  Schmerzes
und  des  Vertrauens  auf  die  Zukunft,  von  welchem  der  Reichstag  und
alle  deutschen  Herzen  angesichts  des  Falles  von  Tsingtau  erfüllt  sind.
Die  heldenmütige  Verteidigung  der  in  langjähriger  Arbeit  geschaffenen
  Musterstätte  deutscher  Kultur  bildet  ein  neues  Ruhmesblatt  für
den  Geist  der  Treue  bis  zum  Tode  den  das  deutsche  Volk  mit  seinem
Heere  und  mit  seiner  Flotte  in  dem  gegenwärtigen  Verteidigungskampfe
  gegen  eine  Welt  von  Haß,  Neid  und  Begehrlichkeit  schon  so
mannigfach,  will's  Gott,  nicht  vergeblich  betätigt  hat.

                                                                                             Wilhelm  l.  R.“

Der  Präsident  gibt  ferner  den  Wortlaut  der  Depesche  bekannt,  die
er  aus  dem  gleichen  Anlaß  an  den  Staatssekretär  des  Reichsmarineamts
        <pb n="277" />
                                                         —  802  —

gerichtet  hat,  sowie  die  von  letzterem  an  ihn  gerichtete  telegraphische
Antwort.

Der  Präsident  läßt  sodann  die  telegraphische  Solidaritätskundgebung
  verlesen,  die  der  Vizepräsident  des  Ungarischen  Abgeordnetenhauses
  ihm  hat  zugehen  lassen,  und  ebenso  die  von  ihm  darauf  namens
des  Reichstags  gegebene  Antwort.

Der  Abgeordnete  Dr.  Beck-Heidelberg  (nl.)  hat  am  1.  September,
der  Abgeordnete  Speck  (Zentr.)  am  1.  Dezember  das  Mandat  niedergelegt.
  Neugewählt  in  den  Reichstag  sind  die  Abgeordneten  Stiegle
(Zentr.),  Dr.  Obkircher  (nl.)  und  Geck  (Soz.).

Das  Verzeichnis  der  inzwischen  eingegangenen  Vorlagen  und  der
im  Bundesrat  eingetretenen  Veränderungen  wird  verlesen.  Darauf  tritt
das  Haus  in  die  erste  Lesung  des  Gesetzentwurfs,  betreffend  die  Feststellung
  eines  zweiten  Nachtrags  zum  Reichshaushaltsetat  für  1914  ein,
durch  welchen  weitere  5  Milliarden  an  Kriegskrediten  gefordert  werden.

            Reichskanzler  Dr.  v.  Bethmann  Hollweg.:

Meine  Herren,  Seine  Mojestät  der  Kaiser,  der  draußen  bei  der
Armee  ist,  hat  mich  beauftragt,  der  deutschen  Volksvertretung,  mit  der
er  sich  in  Sturm  und  Gefahr  und  der  gemeinsamen  Sorge  für  das
Wohl  des  Vaterlandes  bis  zum  Tode  eins  weiß,  seine  besten  Wünsche
und  herzlichen  Grüße  zu  überbringen  (lebhafter  Beifall),  und  zugleich  in
seinem  Namen  von  dieser  Stelle  aus  der  ganzen  Nation  Dank  zu  sagen
für  die  beispiellose  Aufopferung  und  Hingabe,  für  die  gewaltige  Arbeit,
die  draußen  und  daheim  von  allen  Schichten  des  Volkes  ohne  Unter-Gie,
  ester  worden  ist  und  weiter  geleistet  wird.  (Erneuter  lebhafter

Beifall.)

Auch  unsere  Gedanken  gelten  zuerst  dem  Kaiser,  der  Armee,  der
Marine,  unseren  Soldaten,  die  draußen  auf  dem  Felde  und  auf  hoher
See  für  die  Ehre  und  die  Größe  des  Reiches  kämpfen.  (Bravol)  Voller
Stolz  und  mit  felsenfestem  Vertrauen  blicken  wir  auf  sie  (stürmischer
Beifall  im  ganzen  Hause),  blicken  wir  zugleich  auf  unsere  österreichischungarischen
  Waffenbrüder,  die  treu  mit  uns  vereint  in  glänzend  bewährter
  Tapferkeit  den  großen  Kampf  kämpfen.  (Wiederholter  stürmischer

Beifall.)

Noch  jüngst,  meine  Herren,  hat  sich  uns  in  dem  aufgedrungenen
Kampfe  ein  Bundesgenosse  gesellt,  der  genau  weiß,  daß  mit  der  Vernichtung
  des  Deutschen  Reiches  es  auch  mit  seiner  eigenen  staatlichen
Selbstbestimmung  zu  Ende  wäre;  das  ist  das  osmanische  Reich.  Wenn
unsere  Gegner  auch  eine  gewaltige  Koalition  gegen  uns  aufgeboten
haben,  so  werden  sie  hoffentlich  erfahren  müssen,  daß  der  Arm  unserer
mutigen  Verbündeten  bis  an  die  schwächsten  Stellen  ihrer  Weltstellung
reicht.  (Lebhafter  Beifall.)

Am  4.  August  bekannte  der  Reichstag  den  unbeugsamen  Willen  des
gesamten  Volkes,  den  ihm  ausgezwungenen  Kampf  aufzunehmen,  und
seine  Unabhängigkeit  bis  zum  äußersten  zu  verteidigen.  Seitdem
ist  Großes  geschehen!  Wer  will  die  Ruhmes=  und  Heldentaten  der
Armeen,  der  Regimenter,  der  Kompagnien  und  Schwadronen,  der
Kreuzer  und  Unterseeboote  aufzählen  in  einem  Kriege,  der  seime  Schlachtlinien
  durch  Europa,  ja  durch  die  Welt  zieht!  Erst  eine  spätere  Zeit.
wird  davon  erzählen  können.  Aber  fassen  wir  nüchtern,  was  ist.
        <pb n="278" />
                                                       —  803  —

Die  unvergleichliche  Tapferkeit  unserer  Truppen  hat,  trotz  der  ungeheuren
  Uebermacht  unserer  Feinde,  den  Krieg  in  Feindesland  getragen.
Dort  stehen  wir  fest  und  stark  da  und  können  mit  aller  Zuversicht  der
Zukunft  entgegensehen.  (Lebhafter  Beifall.)  Aber  die  Widerstandskraft
des  Feindes  ist  nicht  gebrochen.  Wir  sind  nicht  am  Ende  der  Opfer.
Die  Nation  wird  diese  Opfer  weiter  tragen  mit  demselben  Heroismus,
mit  dem  sie  es  bisher  getan  hat,  denn  wir  müssen  und  wollen  den
Verteidigungskrieg,  den  wir,  von  allen  Seiten  bedrängt,  für  Recht  und
Freiheit  führen,  bis  zum  guten  Ende  durchkämpfen.  (Lebhaftes  Bravo.)
Dann  wollen  wir  auch  der  Unbill  gedenken,  mit  der  man  sich  an  unseren
in  Feindesland  lebenden  wehrlosen  Landsleuten,  zum  Teil  in  einer
jeder  Zivilisation  hohnsprechenden  Weise,  vergriffen  hat.  (Stürmischer,
wiederholter  Beifall.)  Die  Welt  muß  erfahren,  daß  niemand  einem
Deutschen  ungesühnt  ein  Haar  krümmen  darf.  (Stürmisches,  wiederholtes
  Bravo  und  Händeklatschen.)

Meine  Herren,  einige  Augenblicke,  nachdem  jene  Sitzung  vom
4.  August  zu  Ende  gegangen  war,  erschien  der  großbritannische  Botschafter,
  um  uns  ein  Ultimatum  Englands,  und  nach  dessen  sofortiger
Ablehnung  die  Kriegserklärung  zu  überbringen.  Da  ich  mich  damals
zu  dieser  endgültigen  Stellungnahme  der  britischen  Regierung  noch  nicht
äußern  konnte,  will  ich  jetzt  einige  Ausführungen  dazu  machen.

Die  Verantwortung  an  diesem  größten  aller  Kriege  liegt  für  uns
klar.  (Sehr  richtig!)  Die  äußere  Verantwortung  tragen  diejenigen
Mäenner  in  Rußland,  die  dime  a-llgemeine  Mobilisierung  der  russischen
Armee  betrieben  und  durchgesetzt  haben.  (Sehr  richtig!)  Die  innere
Verantwortung  liegt  bei  der  großbritannischen  Regierung.  (Wiederholte
lebhafte  Zustimmung.)  Das  Londoner  Kabinett  konnte  den  Krieg

unmöglich  machen,  wenn  es  unzweideutig  in  Petersburg  erklärte,  England
  sei  nicht  gewillt,  aus  dem  österreichisch-serbischen  Konflikte  einen
kontinentalen  Krieg  der  Großmächte  herauswachsen  zu  lassen.  (Sehr
richtig!)  Eine  solche  Sprache  hätte  auch  Frankreich  gezwungen,  Rußland
energisch  von  allen  kriegerischen  Maßnahmen  abzuhalten.  (Erneute  Zustimmung.)
  Dann  aber  gelang  unsere  Vermittlungsaktion  zwischen  Wien
und  Petersburg,  und  es  gab  keinen  Krieg.  England  hat  das  nicht  getan.
England  kannte  die  kriegslüsternen  Treibereien  einer  zum  Teil  nicht
verantwortlichen,  aber  mächtigen  Gruppe  um  den  Zaren.  (Allgemeine
Zustimmung.)  Es  sah,  wie  das  Rad  ins  Rollen  kam,  aber  es  fiel  ihm
nicht  in  die  Speichen.  Trotz  aller  Friedensbeteuerungen  gab  London  in
Petersburg  zu  verstehen,  England  stehe  auf  Seite  Frankreichs  und  damit
auch  Rußlands.  (Hört,  hört!)  Das  zeigen  klar  und  unwiderleglich  die
inzwischen  erfolgten  Publikationen  der  verschiedenen  Kabinette,  insbesondere
  das  Blaubuch,  das  die  englische  Regierung  herausgegeben  hat.
(Sehr  richtig!)  Nun  gab  es  in  Petersburg  kein  Halten  mehr.  Wir
besitzen  darüber  das  gewiß  unverdächtige  Zeugnis  des  belgischen  Geschäftsträgers
  in  Petersburg.  Er  berichtet  —  Sie  kennen  seine  Worte.
aber  ich  will  sie  hier  wiederholen  —.  Er  berichtet  am  30.  Juli  an  seine
Regierung:  Heute  ist  man  in  Petersburg  fest  überzeugt,  und  man  hat
selbst  die  Gewißheit  davon,  daß  England  Frankreich  beistehen  wird.
Dieser  Beistand  ist  von  enormem  Gewicht  und  hat  nicht  wenig  dazu
beigetragen,  der  Militärpartei  die  Oberhand  zu  verschaffen.  (Lebhafte
Rufe:  Hört,  hörtl)
        <pb n="279" />
                                                     —  804  —

Bis  in  den  Sommer  hinein  haben  die  englischen  Staatsmänner
ihrem  Parlament  versichert:  kein  Vertrag,  keine  Abmachung  binde  das
schrankenlose  Selbstbestimmungsrecht  Englands,  falls  ein  Krieg  ausbrechen
  sollte.  Frei  könne  Großbritannien  sich  entscheiden,  ob  es  an
einem  europäischen  Kriege  teilnehmen  wolle  oder  nicht.  Also,  meine
Herren,  war  es  keine  Bündnispflicht,  kein  Zwang,  es  war  auch  keine
Bedrohung  des  eigenen  Landes,  die  die  englischen  Staatsmänner  veranlaßte,
  den  Krieg  entstehen  zu  lassen  und  dann  sofort  selbst  in  ihn  einzutreten.
  Dann  bleibt  nur  übrig,  daß  das  Londoner  Kabinett  diesen
Weltkrieg,  diesen  ungeheuerlichen  Weltkrieg  kommen  ließ,  weil  ihm  die
Gelegenheit  gekommen  schien,  mit  Hilfe  seiner  politischen  Ententegenossen
den  Lebensnerv  seines  größten  europäischen  Konkurrenten  auf  dem  Weltmarkt
  zu  zerstören.  (Stürmische  Zustimmung  im  ganzen  Hause.)

So,  meine  Herren,  tragen  diese  beiden  Staaten  England  und  Rußland
  zusammen  —  über  Rußland  habe  ich  mich  am  4.  August  ausgesprochen
  —  vor  Gott  und  der  Menschheit  die  Verantwortung  für  diese
Katastrophe,  die  über  Europa,  die  über  die  Menschheit  hereingebrochen
ist.  (Lebhafte  Zustimmung.)

Die  belgische  Neutralität,  die  England  zu  schützen  vorgab,  ist  eine
Maske.  Am  2.  August,  abends  um  7  Uhr,  teilten  wir  in  Brüssel  mit,
die  uns  bekannten  Kriegspläne  Frankreichs  zwängen  uns,  um  unserer
Selbsterhaltung  willen  durch  Belgien  zu  marschieren.  Aber  schon  am
Nachmittage  dieses  2.  August,  also  bevor  in  London  das  geringste  von
unserer  Demarche  in  Brüssel  bekannt  war  und  bekannt  sein  konnte,  hatte
England  Frankreich  seine  Unterstützung  zugesagt,  (hört,  hört!)  und  zwar
bedingungslos  zugesagt  für  den  Fall  eines  Angriffs  der  deutschen  Flotte
auf  die  französische  Küste.  Von  der  belgischen  Neutralität  war  dabei  mit
keinem  Worte  die  Rede.  Diese  Tatsache  ist  festgestellt  durch  die  Erklärung,
die  Sir  Edward  Grey  am  3.  August  im  englischen  Unterhaus  abgab,
und  die  mir  am  4.  August  infolge  des  erschwerten  telegraphischen  Verkehrs
  nicht  in  extenso  bekannt  war,  und  bestätigt  durch  das  Blaubuch
der  englischen  Regierung  selbst.  Wie  hat  da  England  behaupten  können,
es  habe  das  Schwert  gezogen,  weil  wir  die  belgische  Neutralität  verletzt
hätten?  (Lachen.)  Und  wie  konnten  die  englischen  Staatsmänner,  denen
doch  die  Vergangenheit  genau  bekannt  war,  überhaupt  von  belgischer
Neutralität  sprechen?  (Lebhaftes  Sehr  richtig!)  Als  ich  am  4.  August
von  dem  Unrecht  sprach,  das  wir  mit  dem  Einmarsch  in  Belgien  begängen,
  stand  noch  nicht  fest,  ob  sich  die  Brüsseler  Regierung  nicht  in  der
Stunde  der  Not  dazu  entschließen  würde,  das  Land  zu  schonen  und  sich
unter  Protest  auf  Antwerpen  zurückzuziehen.  Sie  erinnern  sich,  daß  ich
auf  den  Antrag  unserer  Heeresverwaltung  nach  der  Einnahme  von
Lüttich  eine  erneute  Aufforderung  in  diesem  Sinne  an  die  beldgische
Regierung  gerichtet  habe,  aus  militärischen  Gründen  mußte  die  Möglichkeit
  zu  einer  solchen  Entwicklung  am  4.  August  unter  allen  Umständen
offengehalten  werden.

Für  die  Schuld  der  belgischen  Regierung  lagen  schon  damals  mannigfache
  Anzeichen  vor.  Positive  schriftliche  Beweise  standen  mir  noch  nicht
zu  Gebote,  den  englischen  Staatsmännern  aber  waren  diese  Beweise
genau  bekannt.  (Lebhaftes  Sehr  richtig!l)  Wenn  jetzt  durch  die  in
Brüssel  aufgefundenen,  von  mir  der  Oeffentlichkeit  übergebenen  Akten-
        <pb n="280" />
                                                       —  805  —

stücke  festgestellt  worden  ist,  wie  und  in  welchem  Grade  Belgien  seine
Neutralität  England  gegenüber  aufgegeben  hatte,  ist  nunmehr  alle  Welt
über  zwei  Tatsachen  im  klaren:  Als  unsere  Truppen  in  der  Nacht  vom
3.  zum  4.  August  das  belgische  Gebiet  betraten,  da  befanden  sie  sich  auf
dem  Boden  eines  Staates,  der  seine  Neutralität  selbst  längst  durchlöchert
hatte.  (Lebhaftes  Sehr  richtig!)  Und  die  weitere  Tatsache:  nicht  um
der  belgischen  Neutralität  willen,  die  England  selbst  mit  untergraben
hatte,  hat  uns  England  den  Krieg  erklärt,  sondern  weil  es  glaubte,
zusammen  mit  zwei  großen  Militärmächten  des  Festlandes  unser  Herr
werden  zu  können.  (Lebhaftes  Sehr  richtig!)  Schon  seit  dem  2.  August,
seit  seinem  Versprechen  der  Kriegsfolge  an  Frankreich,  war  England  nicht
mehr  neutral,  sondern  tatsächlich  im  Kriegszustand  mit  uns.  (Lebhaftes
Sehr  richtig!)  Die  Motivierung  seiner  Kriegserklärung  am  4.  August
mit  der  Verletzung  der  belgischen  Neutralität  war  nichts  als  ein  Schaustück,
  geeignet  das  eigene  Land  und  das  neutrale  Ausland  über  die
wahren  Beweggründe  zum  Kriege  irrezuführen.  Jetzt,  wo  der  bis  in  alle
Einzelheiten  ausgearbeitete  englisch-belgische  Kriegsplan  enthüllt  ist,  ist
die  Politik  der  englischen  Staatsmänner  vor  der  Weltgeschichte  für  alle
Zeit  gekennzeichnet.  (Sehr  richtig!)  Die  englische  Diplomatie  hat  selbst
ja  auch  noch  ein  Uebriges  dazu  getan.  Auf  ihren  Ruf  entreißt  uns
Papan  das  heldenmütige  Kiautschou  und  verletzte  dabei  die  chinesische
Neutralität.  (Sehr  wahr!)  Ist  England  gegen  diesen  Neutralitätsbruch
  eingeschritten?  Hat  es  da  seine  peinliche  Fürsorge  für  die  neutralen
  Staaten  gezeigt?  (Sehr  gut! )

Meine  Herren,  als  ich  vor  5  Jahren  auf  diesen  Platz  berufen  wurde,
stand  dem  Dreibund  festgefügt  die  Tripleentente  gegenüber,  ein  Werk
Englands,  bestimmt  dem  bekannten  Prinzip  der  balance  of  power  zu
dienen,  das  heißt  ins  Deutsche  übertragen:  der  seit  Jahrhunderten  befolgte
  Grundsatz  englischer  Politik,  sich  gegen  die  jeweils  stärkste  Macht
auf  dem  Kontinent  zu  wenden,  sollte  in  der  Tripleentente  sein  stärkstes
Werkzeug  finden.  Darin  lag  von  vornherein  der  aggressive  Charakter
der  Tripleentente  gegenüber  den  rein  defensiven  Tendenzen  des  Dreibundes,
  darin  lag  der  Keim  zu  gewaltsamer  Explosion.  Ein  Volk  von
der  Größe  und  Tüchtigkeit  des  deutschen  läßt  sich  nicht  in  seiner  freien
und  friedlichen  Entwicklung  ersticken.  (Lebhafter  Beifall.)  Angesichts
dieser  Kombination  war  der  deutschen  Politik  der  Weg  klar  vorgeschrieben:
  sie  mußte  versuchen,  durch  Verständigung  mit  den  einzelnen
Mächten  der  Tripleentente  die  Kriegsgefahr  zu  bannen,  sie  mußte  gleichzeitig
  unsere  Wehrkraft  so  stärken,  daß  sie  dem  Kriege,  wenn  er  doch  kam,
gewachsen  war.  (Sehr  richtig!l)  Sie  wissen,  meine  Herren,  wir  haben
beides  getan.

In  Frankreich  begegneten  wir  immer  wieder  dem  Revanchegedanken.
Von  ehrgeizigen  Politikern  genährt,  erwies  er  sich  stärker  als  der  unzweifelhaft
  von  einem  Teil  des  französischen  Volkes  gehegte  Wunsch,  mit
uns  in  nachbarlichen  Verhältnissen  zu  leben.  Mit  Rußland  kam  es  zu
einzelnen  Vereinbarungen,  aber  eine  feste  Allianz  mit  Frankreich,  sein
Gegensatz  zu  dem  mit  uns  verbündeten  Oesterreich-Ungarn  und  ein  von
panslawistischen  Machtgelüsten  gezüchteter  Deutschenhaß  machten  jede
Vereinbarungen  unmöglich,  die  für  den  Fall  politischer  Krisen  die  Kriegs-                                                       51
        <pb n="281" />
                                                       —  806  —

gefahr  ausgeschlossen  hätten.  Verhältnismäßig  am  freiesten  stand  noch
England  da.  Ich  habe  schon  vorhin  daran  erinnert,  mit  welcher  Emphase
die  englischen  Staatsmänner  immer  aufs  neue  ihrem  Parlament  das
ganz  ungebundene  Selbstbestimmungsrecht  Großbritanniens  gerühmt
haben.  vier  konnte  am  ersten  der  Versuch  zu  einer  Verständigung
gema  werden,  die  tatsächlich  den  Weltfrieden  gerantiert  hätte.  (Sehr
richtig!  «

Danach  habe  ich  gehandelt,  danach  mußte  ich  handeln.  Der  Weg
war  schmal,  das  wußte  ich  wohl,  die  insulare  englische  Denkart  hat  im
Laufe  der  Jahrhunderte  einen  politischen  Grundsatz  mit  der  Kraft  eines
selbstverständlichen  Dogmas  ausgestattet,  den  Grundsatz  nämlich,  daß
England  ein  arbitrium  mundi  gebühre,  daß  es  nur  aufrecht  erhalten
könne  durch  die  unbestrittene  Seeherrschaft  einerseits  und  durch  das  vielberufene
  Gleichgewicht  der  Kräfte  auf  dem  Kontinent  andererseits.  Ich
habe  niemals  gehofft.  diesen  alten  englischen  Grundsatz  durch  Zureden  zu
brechen.  Was  ich  für  möglich  hielt,  war,  daß  die  wachsende  Kraft  Deutschlands
  und  das  wachsende  Risiko  eines  Krieges  England  nötigen  könnte,
einzusehen,  daß  dieser  alte  Grundsatz  unhaltbar,  unpraktisch  geworden  ist,
und  einen  friedlichen  Ausgleich  mit  Deutschland  vorzuziehen.  Jenes
Dogma  aber,  meine  Herren,  lähmte  immer  wieder  die  Möglichkeit  der
Verständigung.

Einen  neuen  Anstoß  erhielten  die  Verhandlungen  durch  die  Krisis
des  Jahres  1911.  Ueber  Nacht  war  dem  englischen  Volk  klar  geworden,
daß  es  vor  dem  Abgrund  eines  europäischen  Kriegs  gestanden  hatte.  Die
Volksstimmung  zwang  die  englischen  Machthaber  zu  einer  Annäherung
an  Deutschland.  In  langwieriger  Arbeit  gelang  es  schließlich,  sich  über
verschiedene  strittige  wirtschaftliche  Interessenfragen,  die  Vorderasien  und
Afrika  betrafen,  zu  verständigen.  Damit  sollten  die  möglichen  politischen
Reibungsflächen  vermindert  werden.  Die  Welt  ist  weit,  sie  bietet,  wenn
man  nur  nicht  die  freie  Entfaltung  unserer  Kräfte  hindern  will,  beiden
Völkern  Raum  genug,  im  friedlichen  Wettbewerb  ihre  Kräfte  zu  messen.
Das  an  der  Grundsatz,  den  unsere  Politik  von  jeher  vertreten  hat.  (Sehr
richtig!

Aber,  meine  Herren,  während  wir  so  verhandelten,  war  England
unablässig  darauf  bedacht,  seine  Beziehungen  zu  Rußland  und  Frankreich
  immer  enger  zu  gestalten.  Das  Entscheidende  dabei  war,  daß  über
das  politische  Gebiet  hinaus  immer  weitere  militärische  Abkommen  für
den  Fall  eines  Kontinentalkrieges  getroffen  wurden.  England  betrieb
diese  Verhandlungen  möglichst  geheim.  Wenn  etwas  davon  durchsickerte,
wurde  ihre  Bedeutung  in  Presse  und  Parlament  als  durchaus  harmlos
hingestellt.  Verborgen  sind  sie  uns  nicht  geblieben,  wie  Sie  aus  den  Veröffentlichungen
  wissen,  die  ich  veranlaßt  habe.  Die  gesamte  Situation,
meine  Herren,  war  eben  die:  England  war  zwar  bereit,  sich  über  Einzelfragen
  mit  uns  zu  verständigen,  oberster  und  erster  Grundsatz  der  englischen
  Politik  aber  blieb  ihm:  Deutschland  muß  in  der  freien  Entfaltung
seiner  Kräfte  in  Schach  gehalten  werden  durch  die  balance  of  power.
Das  ist  die  Grenzlinie  für  freundschaftliche  Beziehungen  mit  Deutschland.
Zu  dem  Zwecke:  Stärkung  der  Tripleentente  bis  aufs  äußerstel!

Als  die  Freunde  militärische  Zusicherungen  dafür  verlangen,  sind
die  englischen  Staatsmänner  sofort  bereit,  sie  zu  geben.  Der  Ring  ist
        <pb n="282" />
                                                                —  807  —

geschlossen:  England  ist  der  Gefolgschaft  Frankreichs  und  damit  auch  der
Rußlands  sicher,  aber  freilich  auch  England  selbst  bindet  seinen  Willen.
Wollen  Frankreich  oder  Rußland,  wo  die  in  beiden  Ländern  vorhandenen
chauvinistischen  Kreise  in  der  militärischen  Konnivenz  Englands  ihre
stärkste  Stütze  finden,  wollen  Frankreich  oder  Rußland  losgehen,  England
ist  moralisch  in  den  Händen  seiner  Freunde,  und  das  alles  zu  welchem
Zweck:  Deutschland  muß  niedergehalten  werden.  Wir  haben  es  an
Warnungen  bei  der  englischen  Regierung  nicht  fehlen  lassen,  noch  zu
Anfang  Juli  dieses  Jahres  habe  ich  der  englischen  Regierung  andeuten
lassen,  daß  mir  ihre  geheimen  Verhandlungen  mit  Rußland  über  eine
Marinekonvention  bekannt  seien.  Ich  habe  auf  die  ernsten  Gefahren
aufmerksam  gemacht,  die  diese  englische  Politik  für  den  Weltfrieden  berge.
Lebhafte  Rufe:  Hört,  hört!)  14  Tage  später  schon  trat  das  ein,  was  ich
vorausgesagt  hatte.

Wir  haben,  meine  Herren,  aus  dieser  gesamten  Lage  der  Dinge  die
Konsequenzen  gezogen.  Schneller  hintereinander  habe  ich  Ihnen  die
größten  Rüstungsvorlagen  gebracht,  die  die  deutsche  Geschichte  kennt,  und
Sie  haben  in  voller  Erkenntnis  der  Gefahr  einmütig  und  opferbereit
bewilligt,  was  für  unsere  Selbstverteidigung  notwendig  war.

Und  als  nun  der  Krieg  ausgebrochen  ist,  läßt  England  jeden  Schein
fallen.  Laut  und  offen  verkündet  es:  England  will  kämpfen,  bis  Deutschland
  wirtschaftlich  und  militärisch  niedergezwungen  ist.  Panflawistischer
Deutschenhaß  stimmt  jubelnd  jauchzend  zu.  Frankreich  hofft,  mit  der
ganzen  Kraft  einer  alten  soldatischen  Nation,  die  Scharte  von  1870  auszuwetzen.


Meine  Herren,  darauf  haben  wir  nur  die  eine  Antwort  an  unsere
Feinde:  Deutschland  läßt  sich  nicht  vernichten!  (Stürmischer  Beifall.)

Und,  meine  Herren,  wie  unsere  militärische,  so  hat  sich  auch  unsere
finanzielle  Kraft  glänzend  bewährt,  sich  rückhaltlos  in  den  Dienst  des
Vaterlandes  bestellt  Das  wirtschaftliche  Leben  wird  aufrechterhalten,
die  Zahl  der  Arbeitslosen  ist  verhältnismäßig  gering.  Deutschlands
Organisationskraft  und  Organisationskunst  sucht  in  immer  neuen  Formen
  Uebeln  vorzubeugen,  Schäden  auszugleichen.  Kein  Mann,  keine
Frau  entzieht  sich  der  freiwilligen  Mitarbeit.  (Lebhafte  Zustimmung.)
Keine  Werbetrommel  braucht  gerührt  zu  werden.  Und  alles  zu  dem
einzigen  großen  Zwecke  für  das  Land  der  Bäter,  für  die  Hoffnung  der
Kinder  und  Enkel  alles  hinzugeben  an  Gut  und  Blut!  Wenn  dieser
Geist,  diese  fittliche  Größe  des  Volkes,  wie  sie  die  Weltgeschichte  bisher
nicht  gekannt  hat,  wenn  der  millionenhaft  bewährte  Heldenmut  unseres
Volkes  in  Waffen  gegenüber  einer  Welt  von  Feinden  von  unseren  Gegnern
  als  Militarismus  geschmäht  wird,  wenn  sie  uns  Hunnen  und  Barbaren
  schelten,  wenn  sie  eine  Flut  von  Lügen  über  uns  auf  dem  Erdenrund
  verbreiten,  meine  Herren,  wir  können  stolz  genug  sein,  uns  darum
nicht  zu  grämen.  (Stürmisches  Bravo !)  Dieser  wunderbare  Geist,  der
die  Herzen  des  deutschen  Volkes  durchglüht  in  niegesehener  Einigkeit,
er  muß  und  wird  siegreich  bleiben.

Und,  meine  Herren,  wenn  ein  ruhmvoller,  wenn  ein  glücklicher
Frieden  erkämpft  sein  wird,  dann  wollen  wir  diesen  Geist  hochhalten  als
das  heiligste  Vermächtnis  dieser  furchtbar  ernsten  und  großen  Zeit.  (Leb-                                                                            51*
        <pb n="283" />
                                                            —  808  —

hafter,  wiederholter  Beifall.)  Wie  vor  einer  Zaubergewalt  sind  die
Schranken  gefallen,  die  eine  öde  und  dumpfe  Zeit  lang  die  Glieder  des
Volkes  trennten,  die  wir  gegeneinander  aufgerichtet  hatten  in  Mißwerstand,
  in  Mißgunst  und  in  Mißtrauen.  Eine  Befreiung  und  eine  Beglückung
  ist  es,  daß  nun  einmal  dieser  ganze  Wust  und  Unrat  weggefegt
ist  (Lebhaftes  Bravo ! ),  daß  nur  noch  der  Mann  gilt,  einer  gleich  dem
andern  die  Hand  reichend  für  ein  einiges,  heiliges  Ziel.  (Stürmisches
Bravo !)  Ich  wiederhole  noch  einmal  das  Wort,  das  beim  Ausbruch  des
Krieges  der  Kaiser  gesprochen  hat:  Ich  kenne  keine  Parteien  mehr,  ich
kenne  nur  noch  Deutsche.  Wenn  der  Krieg  vorüber  ist,  werden  die  Parteien
  wiederkehren.  Denn  ohne  Parteien,  ohne  politischen  Kampf  kein
politisches  Leben,  auch  für  das  freieste  und  einigste  Volk.  (Sehr  richtig!)
Aber  kämpfen  wollen  wir  dafür  —  und  ich  an  meinem  Teile  verspreche
es  Ihnen  —  kämpfen  wollen  wir  dafür,  daß  es  in  diesem  Kampfe  nur
mehr  Deutsche  geben  darf.  (Lebhaftes  Bravo !)

Meine  Herren,  ich  schließe  meine  Ausführungen.  Es  ist  nicht  die
Zeit  für  Worte.  Nicht  über  alle  Fragen,  die  das  Volk  und  die  auch  mich
im  Tiefsten  bewegen,  kann  ich  sprechen.  Nur  noch  eins!  In  Treue  und
mit  heißem  Danke  gedenken  wir  der  Söhne  Deutschlands,  die  auf  den
Schlachtfeldern  in  Ost  und  West,  auf  hoher  See,  an  den  Gestaden  des
stillen  Ozeans  und  in  unseren  Kolonien  für  die  Ehre  des  Vaterlandes
ihr  Leben  gelassen  haben.  (Der  Reichstag  erhebt  sich.)  Vor  ihrem  jetzt
verstummten  Heldenmute  einigen  wir  uns  in  dem  Gelöbnis,  auszuharren
bis  zum  letzten  Hauche,  damit  Kinder  und  Enkel  in  einem  stärkeren
Deutschland  frei  und  gesichert  gegen  fremde  Drohung  und  Gewalt  an  der
Größe  des  Reiches  weiter  bauen  können,  und  dieses  Gelöbnis  soll  hinausschallen
  zu  unseren  Söhnen  und  Brüdern,  die  weiter  kämpfen  gegen  den
Feind,  zu  dem  Herzblut  Deutschlands,  das  in  zahl-  und  namenlosem
Heldentum  aufwallt,  für  das  wir  bereit  sind,  alles  herzugeben,  was  wir
haben,  hinausschallen  auch  zu  unseren  Landsleuten  im  Ausland,  den
draußen  für  uns  Sorgenden,  den  von  der  Heimfahrt  Abgeschnittenen  und
Gefährdeten,  den  widerrechtlich  Gefangenen  und  Mißhandelten.

Wir  halten  durch,  meine  Herren!  Und  ich  bitte  Sie,  durch  die  Annahme
  unserer  Vorlagen  es  zu  bekräftigen:  wir  halten  durch,  bis  wir
Sicherheit  haben,  daß  keiner  mehr  wagen  wird,  unseren  Frieden  zu
stören  —  einen  Frieden,  in  dem  wir  deutsches  Wesen  und  deutsche  Kraft
entfalten  und  entwickeln  wollen  —  als  freies  Volk!  (Stürmisches,  langanhaltendes
  Bravo  und  Händeklatschen  auf  allen  Seiten  des  Hauses  und
auf  den  Tribünen.)

Abg.  Haase-Königsberg  (Soz.):  Im  Anschluß  an  die  Ausführungen
  des  Herrn  Reichskanzlers  über  Belgien  will  ich  namens  meiner
Fraktion  feststellen,  daß  die  nachträglich  bekanntgewordenen  Tatsachen
nach  unserer  Ueberzeugung  nicht  ausreichen,  um  von  unserem  Standpunkt
am  4.  August  abzugehen.  Die  sozialdemokratische  Fraktion  steht  auch
heute  noch  auf  dem  Standpunkt  ihrer  Erklärung  vom  4.  August  über
den  Krieg,  dessen  tiefere  Ursache  ökonomische  Gegensätze  bilden.  Noch
sind  die  Grenzen  unseres  Landes  von  feindlichen  Truppen  bedroht.  Daher
muß  das  deutsche  Volk  auch  heute  noch  seine  ganze  Kraft  für  den  Schutz
des  Landes  einsetzen.  Die  Sozialdemokratie  billigt  deshalb  die  geforderten
  neuen  Kredite.  In  dankbarer  Erinnerung  gedenken  wir  aller
        <pb n="284" />
                                                       —  809  —

derer,  die  ihr  Leben  und  Gesundheit  für  das  Wohl  des  Vaterlandes  hingegeben
  haben.  Wie  am  4.  August  stehen  wir  auch  heute  noch  in  Uebereinstimmung
  mit  der  Internationalen  auf  dem  Standpunkt,  daß  ein  jedes
Volk  ein  unvergängliches  Recht  auf  Integrität  und  Unabhängigkeit  hat.
Diese  bei  fremden  Nationen  anzutasten,  hieß  den  Keim  zu  neuen  Kriegen
zu  legen.  Wir  bleiben  deshalb  dabei,  was  wir  am  4.  August  gesagt
haben.  Wir  fordern,  daß  dem  Kriege,  sobald  das  Ziel  erreicht  ist  und
der  Gegner  zum  Frieden  geneigt  ist,  ein  Ende  gemacht  wird  durch  einen
Frieden,  der  geeignet  ist,  zur  Kreundschaft  mit  den  anderen  Völkern  zu
führen.  Wir  verlangen,  daß  für  alle  Angehörigen  und  Hinterbliebenen
der  Kriegsteilnehmer  in  ausreichendster  Weise  gesorgt  wird  und  daß  den
Arbeitslosen  und  wirtschaftlich  in  Bedrängnis  Geratenen  Arbeitsgelegenheit
  und  Hilfe  zuteil  wird.  Ferner  muß  dafür  Vorsorge  getroffen  werden,
daß  das  Volk  hinreichend  mit  Nahrungs=  und  Gebrauchsgegenständen
versorgt  wird.  Die  Anregungen  der  Gewerkschaften  über  soziale  Mahnahmen
  sind  ja  bei  der  Reichsregierung  zum  Teil  auf  guten  Boden
gefallen.  Aber  es  muß  noch  mehr  geschehen.  Wir  bedauern  bei  dem  einmütigen
  Zusammengehen  aller  Volksgenossen  die  Beschränkung  der  verfassungsmäßigen
  Rechte.  Ganz  besonders  die  Einschränkung  der  Presse
ist  durch  nichts  gerechtfertigt.  Sie  ist  geeignet,  Zweifel  an  der  Reife  und
Entschlossenheit  des  deutschen  Volkes  zu  legen.  Die  Zensur  führt  zu
Mißgriffen  und  wirtschaftlichen  Schädigungen.  Wir  fordern  schleunigst
Abhilfe  im  Interesse  der  geschlossenen  Verteidigung  des  Ansehens  und  der
Wohlfahrt  des  deutschen  Vaterlandes.

Abg.  Dr.  Spahn  (Zentr.):  Namens  sämtlicher  übrigen  Parteien
des  hohen  Hauses  (lebhafter  Beifall)  habe  ich  folgende  Erklärung  abzugeben.
  Auch  wir  haben  zahlreiche  Wünsche  der  Gesetzgebung  zu  unterbreiten.
  Wir  sind  fest  entschlossen,  die  soziale  Fürsorge  für  alle  Kriegsteilnehmer
  und  für  die  durch  den  Krieg  Geschädigten  sorgsam  auszubauen.
  (Beifall.)  Dankbar  gedenken  wir  auch  derer,  die  durch  den
Feind  schwere  Wunden  erlitten  haben.  (Beifall.)  Aber  heute  kommt
es  darauf  nicht  an,  heute  gilt  es  in  Rücksicht  auf  das  Wohl  des  deutschen
Vaterlandes  alles  andere  hintan  zu  stellen.  (Beifall.)  In  dem  uns
freventlich  aufgedrungenen  Kriege  wollen  wir  durchhalten,  bis  ein  Sieg
errungen  ist,  der  den  ungeheuren  Opfern  entspricht  und  der  uns  dauernden
Schutz  für  alle  Zeit  gewährleistet.  Zu  unseren  braven  Soldaten  in  Heer
und  Flotte,  die  Schulter  an  Schulter  mit  den  verbündeten  Truppen
kämpfen,  haben  wir  das  dankerfüllte  Vertrauen,  daß  der  Kampf  bis  zu
diesem  Ziele  geführt  wird.

Der  Nachtragsetat  wird  hierauf  in  zweiter  Lesung  ohne  Debatte
im  einzelnen  angenommen.

Auf  Antrag  des  Abg.  Dr.  Spahn  (Zentr.)  tritt  das  Haus  sofort
in  die  dritte  Lesung  ein  und  nimmt  in  ihr  unter  lebhaftem  Beifall  und
Händeklatschen  den  gesamten  Nachtragsetat  debattelos  an.

Auf  Antrag  des  Abgeordneten  Dr.  Spahn  (Zentr.)  tritt  das  Haus
auch  sofort  in  die  Beratung  des  inzwischen  eingegangenen  Antrages  auf
Vertagung  des  Reichstags  bis  zum  2.  März  ein.

Der  Antrag  auf  Vertagung  des  Reichstags  wird  einstimmig  angenommen.
        <pb n="285" />
                                                          —  810  —

Abg.  Graf  Westarp  (kons.):  Es  liegen  eine  Reihe  von  Petitionen
vor,  die  sich  mit  den  Maßnahmen  zur  Linderung  der  Kriegsnot  befassen.
Darunter  verdienen  in  erster  Linie  die  besondere  Berücksichtigung,  die
darauf  hinzielen,  Hilfe  für  die  elsaß-lothringischen  und  ostpreußischen
Flüchtlinge  zu  schaffen,  damit  sie  möglichst  bald  ihre  Heimat  im  alten
Glanze  und  neuer  Blüte  erstehen  sehen.  Ich  beantrage,  alle  eingegangenen
Petitionen  dem  Herrn  Reichskanzler  zu  übergeben.

Der  Antrag  Westarp  wird  ebenfalls  einstimmig  angenommen.

Präsident  Dr.  Kaempf:  Wir  sind  am  Ende  unserer  heutigen
Arbeit  angelangt.  Ich  darf  mit  besonderer  Genugtuung  feststellen,  daß
die  Einmütigkeit  des  deutschen  Volkes,  die  sich  in  der  Annahme  der
Kreditvorlage  bekundet  hat,  durch  nichts  geschwächt  worden  ist  und  daß
das  deutsche  Volk  dadurch  zu  erkennen  gibt,  daß  es  den  Krieg,  der  uns
aufgezwungen  worden  ist,  fortsetzen  will  bis  zu  dem  Ende,  das  wir  uns
gesetzt  haben.  Niemals  in  der  Weltgeschichte  ist  dem  deutschen  Volke
eine  Koalition  gegenübergetreten  wie  jetzt.  Es  hat  einer  derartigen
Kraftanstrengung  bedurft,  wie  sie  das  deutsche  Volk  hat  in  die  Erscheinung
treten  lassen,  einig  in  allen  Parteien,  einig  in  allen  Ständen,  einig
unter  der  Führung  des  Heeres  und  der  Marine  unter  der  obersten
Heeresleitung  Seiner  Majestät  des  Kaisers.  Dies  ist  ein  erhebendes
Moment.  Ich  freue  mich,  daß  wir  alle  nach  dem  4.  August  auch  den
2.  Dezember  erlebten,  der  für  uns  das  Gefühl  der  Größe  des  Deutschen
Volkes  zum  Ausdruck  bringt  wie  nie  zuvor.  Den  großen  Anstrengungen,
die  wir  bisher  gemacht  haben,  werden  weitere  folgen.  Wir  haben  aus
der  Rede  des  Herrn  Reichskanzlers  ersehen,  daß  auch  er  der  Ansicht  ist,
daß  der  Kampf  weitergeführt  werden  muß,  daß  er  noch  nicht  zu  Ende
ist.  Wir  vertrauen  darauf,  daß  die  Kraft  des  Deutschen  Volkes  alles
besiegen  und  alle  Hindernisse  aus  dem  Wege  räumen  wird,  um  das  Ziel
zu  erreichen,  das  wir  uns  gesetzt  haben,  nämlich  das  Ziel,  zu  einem
Frieden  zu  gelangen,  der  uns  die  Möglichkeit  gibt,  für  unsere  Kinder
und  Enkelkinder  dafür  zu  sorgen,  daß  wir  in  Frieden  und  Ruhe  unserer
Aufgabe  in  der  Welt  gerecht  werden  können  und  daß  wir  nicht  gestört
werden  durch  den  frevelhaften  Uebermut  irgend  eines  unserer  Nachbarn.
(Beifall.)  Den  Dank,  den  wir  alle  schuldig  sind  denen,  die  an  diesem
großen  Werke  mitgearbeitet  haben,  habe  ich  bereits  in  meiner  ersten  Ansprache
  zum  Ausdruck  gebracht.  Aber  man  kann  ihn  nicht  oft  genug
wiederholen.  Den  Dank  für  die  Kraftanstrengungen  unseres  Heeres  und
unserer  Marine,  für  die  Anstrengungen  aller  derjenigen,  die  mitgeholfen
haben.  Diese  Anstrengungen  sind  so  grohartig,  daß  es  nicht  möglich  ist,
mit  Worten  den  Dank  abzustatten,  den  wir  alle  ihnen  schuldig  sind.  (Lebhafte
  Zustimmung.)  Ich  glaube,  es  wird  allen  von  Ihnen  klar  sein:  Das
deutsche  Volk  kann  nicht  besiegt  werden,  solange  es  einig  ist,  und  auf
diese  Einigkeit  bauen  wir  als  auf  dem  sichersten  Palladium  unseres
Volkes.  (Lebhafter  Beifall.)

           Reichskanzler  Dr.  v.  Bethmann  Hollweg:

Ich  habe  dem  hohen  Hause  eine  Allerhöchste  Verordnung  mitzuteilen.
  (Das  Haus  erhebt  sich.)  Sie  lautet:
Wir  Wilhelm  von  Gottes  Gnaden  Deutscher  Kaiser  und  König
von  Preußen,  verordnen  auf  Grund  der  Art.  12  und  26  der  Verfassung
mit  Zustimmung  des  Reichstags  im  Namen  des  Reichs,  was  folgt:
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                                                            —  811  —

§  1.  Der  Reichstag  wird  bis  zum  2.  März  1915  vertagt.

§  2.  Der  Reichskanzler  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchst  Eigenhändigen  Unterschrift  und
beigedrucktem  Kaiserlichen  Insiegel.

Gegeben  im  Großen  Hauptquartier,  am  2.  Dezember  1914.
                                                                                         Wilhelm,
                                        gegengezeichnet:  von  Bethmann  Hollweg.

Ich  habe  die  Ehre,  die  Urkunde  dieser  Schrift  Ihrem  Herrn  Präsidenten
  zu  überreichen.  ·

Präsident  Dr.  Kaempf  erbittet  und  erhält  die  Ermächtigung,  den
Parlamenten  der  mit  uns  treu  verbundenen  Länder  Oesterreich-Ungarn
und  des  Ottomanischen  Reiches  namens  des  Reichstags  eine  Sympathiekundgebung
  zugehen  zu  lassen  und  die  Tagesordnung  für  die  nächste
Sitzung,  die  man  ja  noch  nicht  ganz  genau  wiisse,  selbst  festzustellen.  Er
fährt  dann  fort:  Somit  sind  wir  am  Schlusse  unserer  heutigen  Sitzung
angelangt  und  wir  trennen  uns  in  dem  erhebenden  Gefühl,  für  das
Vaterland  getan  zu  haben,  was  in  diesem  Augenblicke  zu  tun  unsere
Pflicht  war.  Mit  dem  Rufe:  Seine  Majestät  der  Deutsche  Kaiser,  das
Volk,  unser  Volksheer  und  unsere  Marine  und  unser  Vaterland,  sie
leben  hoch!  (Das  ganze  Haus  stimmt  dreimal  begeistert  in  diesen  Ruf  ein.)

            Schluß  gegen  6  Uhr.

 

                                Der  Kaiser  in  Breslau.

               Großes  Hauptquartier,  5.  Dezember,  vormittags.

Seine  Majestät  der  Kaiser  hatte  gestern  in  Breslau  eine  Besprechung
mit  dem  Oberstkommandierenden  des  österreichisch-ungarischen  Heeres,
Seiner  Kaiserlichen  und  Königlichen  Hoheit  dem  Erzherzog  Friedrich,
der  von  Seiner  Kaiserlichen  und  Königlichen  Hoheit  dem  Erzherzog-Thronfolger
  Karl  Franz  Josef  und  dem  Chef  des  Generalstabes,  General
der  Infanterie  Freiherrn  Conrad  v.  Hoetzendorf,  begleitet  war.  Später
besuchte  der  Kaiser  die  Verwundeten  in  den  Lazaretten  der  Stadt.

                                            Oberste  Heeresleitung.


                   Großes  Hauptquartier,  3.  Dezember  vormittags.

Auf  beiden  Kriegsschauplätzen  hat  sich  nichts  Besonderes  ereignet.
                                                           Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


                  Zwei  neue  Justizmorde  an  Deutschen  in  Marokko.

                                                Gens,  3.  Dezember.

Das  Kriegsgericht  von  Casablanca  verurteilte,  wie  man  von  dort
dem  „Temps“  meldet,  den  früheren  deutschen  Konsularagenten  Brandt
und  seinen  Associ  Carl  zum  Tode.  Sie  werden  beschuldigt,  Spionage
getrieben  und  den  Eingeborenen  Waffen  geliefert  zu  haben.

Die  beiden  Deutschen  sind  Chefs  erster  Firmen  in  Casablanca  und
dort  seit  30  Jahren  ansässig.  Brandt  ist  seit  etwa  20  Jahren  österreichischer
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                                                     —  812  —

Vizekonsul.  Es  ist  offensichtlich,  daß  man  gegen  diese  hervorragenden  Vertreter
  des  deutschen  Handels  aus  niedrigen  Konkurrenzmotiven  heraus
Material  für  eine  Anklage  zusammengeschleppt  hat.  Hier  wird  die  deutsche
Regierung  die  Erklärung  des  Reichskanzlers  wahr  zu  machen  haben,  „daß
niemand  ungefühnt  einem  Deutschen  ein  Haar  krümmen  darf.“


                              Dewet  gefangen.

                                                             Rotterdam,,  3.  Dezember.

   Aus  Pretoria  wird  amtlich  gemeldet,  daß  der  Burenführer  Dewet
gefangen  genommen  worden  sei.


                  Besuch  des  Kaisers  bei  den  Truppen  in  Polen.
                                         Großes  Hauptquartietr,  3.  Dezember.

Seine  Majestät  der  Kaiser  besuchte  heute  Teile  der  in  der  Gegend
von  Czenstochau  kämpfenden  österreichisch-ungarischen  und  deutschen

Truppen.
                                   Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


                      Vom  serbischen  Kriegsschauplatz.

                                                        Wien,  3.  Dezember.
     Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:

                                                                                          3.  Dezember.

Siegreiches  Vordringen  unserer  Truppen  über  die  Kolubara  hat  den
Gegner  gezwungen,  Belgrad,  dessen  Verteidigungsanlagen  gegen  Norden
gerichtet  waren,  kampflos  preiszugeben,  um  nicht  die  dortige  Besatzung  der
Gefangennahme  auszuliefern.  Unsere  Truppen  sind  über  die  Save  und
aus  südwestlicher  Richtung  in  Belgrad  eingedrungen  und  haben  die
Höhen  südlich  der  Stadt  besetzt.  Die  öffentlichen  Gebäude,  auch  die  Gesandtschaftspalais
  Deutschlands  und  Oesterreich-Ungarns,  wurden  sofort
militärisch  gesichert.  An  den  übrigen  Teilen  der  Gefechtsfront  kam  es
gestern,  da  der  Feind  im  Rückzuge  und  die  eigenen  Kolonnen  auf  den
grundlosen  Wegen  nur  langsam  vorwärts  kommen,  nur  zu  kleineren
Kämpfen  mit  feindlichen  Nachhuten,  von  denen  etwa  200  Mann  gefangen
wurden.

 

                           Der  Artilleriekampf  in  Belgien.

W.T.  B.  Paris,  3.  Dezember.  Der  amtliche  Bericht  von  3  Uhr
nachmittags  besagt:

In  Belgien  ziemlich  heftige  Kanonade  gegen  Nieuport  und  südlich
Ypern;  die  Ueberschwemmung  erstreckt  sich  südlich  von  Dixmuiden  zwischen
dem  Lys  und  der  Somme  heftige  Beschießung  von  Aixnoulette.  Ruhe
auf  der  Front  an  der  Somme,  Aisne  und  in  der  Champagne.  In  den
Argonnen  wurden  mehrere  Angriffe  des  Feindes  zurückgeworfen.  Wir
rückten  ein  wenig  vor.  Im  Woervre  zeigte  die  deutsche  Artillerie  eine
gewisse  Tätigkeit,  doch  sind  die  Erlebnisse  unbedeutend.  In  Lothringen
und  in  den  Vogesen  nichts  von  Bedeutung.
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                                                        —  813  —

                  Meldung  des  Großen  Hauptaquartiers.
                                                               Den  4.  Dezember,  vormittags.

Auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatze  wurden  französische  Angriffe
gegen  unsere  Truppen  in  Flandern  wiederholt  abgewiesen,  ebenso  in
Gegend  nordwestlich  Altkirch,  wo  die  Franzosen  bedeutende  Verluste

hatten.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatze  sind  feindliche  Angriffe  östlich  der
masurischen  Seenplatte  unter  großen  Verlusten  für  die  Russen  abgeschlagen.
  Unsere  Offensive  in  Polen  nimmt  normalen  Verlauf.

                                                                                  Oberste  Heeresleitung.

                                                                  Den  4.  Dezember,  vormittags.
Seine  Mojestät  der  Kaiser  ist  gestern  abend  zu  kurzem  Aufenthalt  in
Berlin  eingetroffen.
                                                                                     Oberste  Heeresleitung.

                             Kleine  englische  Erfolge  in  Südafrika.

W.T.  B.  Pretoria,  4.  Dezember.  Kommandant  Crewther  meldet,
daß  eine  seiner  Patrouillen  am  Sonnabend  an  der  Grenze  des  Distriktes
Ladzbrand  die  Kommandanten  Krynauw  und  Wessels  sowie  14  andere
Buren  gefangen  genommen  und  Waffen,  Munition,  Fourage  und  Pferde
erbeutet  habe.

         W.T.  B.  Pretorie,  4.  Dezember.  Amtlich  wird  gemeldet:

Kommandant  Dupreez  vom  Kommando  in  Vrede  hat  einen  Bericht
gesandt,  nach  dem  Kommandant  Emmett  vom  Kommando  in  Pryheid
am  29.  November  eine  Stellung  einnahm,  welche  die  Brücke  über  den
Wilgefluß  bei  Stykdrift,  35  Meilen  südwestlich  von  Wrede,  beherrscht.
Am  Abend  machte  der  Burengeneral  Wessels  einen  Angriff.  Das  Gefecht
dauerte  bis  3  Uhr  früh.  Die  Buren  wurden  zurückgeschlagen.  Sie  verloren
  3  Tote,  unter  diesen  Major  Oosthuizen,  und  18  Verwundete,  unter
ihnen  Feldkornett  Botha.  Emmett  hatte  einen  Schwerverwundeten  und
4  Leichtverwundete.  Dem  Burengeneral  Wessels  wurde  das  Pferd  unter
dem  Leibe  weggeschossen.  Wessels  selbst  entkam  unverwundet.  Oberst  Dirk
van  Deventer  berichtet,  daß  Kommandant  Trichardt  weitere  14  Gefangene
  gemacht  habe.

                             Die  Beute  von  Tsingtau.

W.T.  B.  Tokio,  3.  Dezember.  Meldung  des  Reuterschen  Büros:
Das  Hauptquartier  meldet,  daß  bei  der  Einnahme  von  Tsingtau  2500
Gewehre,  100  Maschinengewehre,  1200  Pfund  Sterling  Geld,  15  000
Tonnen  Steinkohlen  und  40  Automobile  erbeutet  worden  sind.  Alle
Schiffe  sind  vernichtet  worden.  Die  Vorräte  hätten  ausgereicht,  5000
Mann  3  Monate  zu  ernähren.

                           Die  Verteidigung  Aegyptens.

W.T.B.  London,  4.  Dezember.  Amtlich  wird  berichtet:  Australische
und  neuseeländische  Truppen  sind  in  Aegypten  eingetroffen,  wo  sie  an  der
Landesverteidigung  teilnehmen  und  ihre  Ausbildung  vollenden  sollen.
Sie  werden  später  nach  Euremed  an  die  Front  gesandt  werden.
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                                                        —  814  —

                    Ein  Sieg  der  Türken  am  Tochorokt.

W.T.B.  Konstantinopel,  4.  Dezember.  Der  amtliche  Bericht
des  Generalstabes  teilt  mit,  daß  die  türkischen  Truppen  einen  großen
Erfolg  in  der  Zone  des  Flusses  Tochorokt  davongetragen  haben.  Einzelheiten
  folgen.

                             Feierlicher  Einzug  in  Belgrad.
                                                                        Wien,  4.  Dezember.
Vom  südlichen  Kriegsschauplatze  wird  amtlich  gemeldet:  4.  Dezember:
Die  Besitzergreifung  von  Belgrad  erfolgte  gestern  in  feierlicher  Weise.
Der  Vormarsch  unserer  Kräfte  geht  am  nördlichen  Teile  der  Front  kampflos
  vorwärts,  wobei  gegen  300  Mann  zu  Gefangenen  gemacht  wurden.  —
Westlich  und  südwestlich  Arandjelowatz  stellen  sich  dem  Vordringen  unserer
  Truppen  starke  feindliche  Kräfte  entgegen,  welche  durch  heftige
Angriffe,  die  insgesamt  abgewiesen  wurden,  versuchen,  den  Rückzug
der  serbischen  Armeen  zu  decken.
                                                                                      Wien,  4.  Dezember.

Der  Kommandant  der  fünften  Armee,  General  der  Infanterie  Liborius
  v.  Frank,  richtete  gestern  nachstehendes  Telegramm  an  Kaiser  Franz

Joseph:
                                                             Belgrad,  am  3.  Dezember  1914.

In  dem  feierlichen  Augenblicke,  da  es  uns  gegönnt  ist,  auf  der  Belgrader
  Festung  Eurer  Kaiserlichen  und  Königlichen  Apostolischen  Majestät
  glorreiche  Standarte  zu  hissen,  bitte  ich  im  Namen  der  um  dieses
Panier  versammelten  Abordnungen  aller  Teile  der  gesamten  bewaffneten
Wehrmacht,  Eurer  Majestät  unsere  begeisterte  Huldigung  alleruntertänigst
  darbringen  zu  dürfen.  Frank,  General  d.  Juf.

Hierauf  erging  folgende  Antwort  des  Kaisers:

Die  Huldigungen  der  zu  unserer  auf  der  Belgrader  Festung  gehißten
Standarte  emporblickenden  treuen  Krieger  freudig  entgegennehmend,
denke  ich  bewegten  Herzens  meiner  braven,  trefflich  geführten  Balkanstreitkräfte,
  deren  heldenmütigen  Kämpfen  auch  die  Besitznahme  Belgrads
zu  danken  ist.  Franz  Joseph.

                                     Die  Kämpfe  in  Polen.  ·
                                                                                Wien,  4.  Dezember.
       Amtlich  wird  verlautbart:  4.  Dezember,  mittags:
In  den  Karpathen,  in  Westgalizien  und  in  Südpolen  verlief  der
gestrige  Tag  im  allgemeinen  ruhig.  Die  Kämpfe  in  Nordpolen  dauern

fort.
              Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabs.
                                        v.  Hoefer,  Generalmajor.


                          Die  Türken  vor  Batum.
                                                           Konstantinopel,  4.  Dezember.
    Mitteilung  aus  dem  Hauptquartier:

Unsere  Truppen  haben  in  der  Gegend  am  Tschorok  und  bei  Adschara
alle  Tage  neue  Erfolge.  In  nördlicher  Richtung  vorgehend,  sind  sie  in
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                                                             —  815  —

Adschara  eingedrungen  und  bis  östlich  Batum  vorgerückt.  Ostwärts  vorgehend
  gelangten  sie  in  die  Gegend  von  Ardagan;  bei  einem  Kampfe
westlich  von  Ardagan  erbeuteten  sie  mit  anderen  Waffen  ein  Maschinengewehr;
  die  Russen  gingen  auf  Ardagan  zurück.

Fürst  Bülom  zum  Botschafter  in  Nom  ernannt.

Die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“  vom  5.  Dezember  meldet:

„Da  der  kaiserliche  Botschafter  in  Rom  v.  Flotow  aus  Gesundheitsrücksichten
  einen  längeren  Urlaub  antreten  muß,  hat  Seine  Majestät  der
Kaiser  den  Fürsten  v.  Bülow  mit  der  Führung  der  Geschäfte  der  kaiserlichen
  Botschaft  in  Rom  beauftragt.“


                         Ein  australisches  Schlachtschiff  verloren?

Nach  einer  Mitteilung  des  Mailänder  „Corriere  della  Sera“  läge
die  größte  Wahrscheinlichkeit  dafür  vor,  daß  das  große  australische
Schlachtschiff  „Australia“  verloren  ist.  Der  Marinemitarbeiter  des
Blattes  macht  darauf  aufmerksam,  daß  die  australische  Regierung  seit
langem  keinerlei  Nachricht  von  dem  großen  Schlachtkreuzer  „Australia“
sich  habe  verschaffen  können.  Es  werde  deshalb  angenommen,  daß  das
Schiff  auf  hoher  See  durch  ein  Unglück  verloren  gegangen  sei.

Sollte  dem  so  sein,  und  vieles  spricht  dafür,  so  würde  das  einen  neuen
schweren  Verlust  für  die  englische  Flotte  bedeuten.  Denn  der  große

Panzerkreuzer  ist  ein  Schlachtschiff  ersten  Ranges,  ganz  modern  und  von
größten  Ausmessungen.  Das  Schiff  ist  erst  Ende  1911  vom  Stapel  gelaufen,
  hat  eine  Wasserverdrängung  von  19  500  Tonnen,  eine  schwere.
Artillerie  von  acht  30,5-Ztm.-Geschützen  und  sechzehn  10,2-Zentimeter-Geschützen;
  außerdem  zwei  Torpedorohre  größten  Kalibers.  Die  etatsmäßige
  Besatzung  beträgt  fast  1000  Mann.  Der  Verlust  dieses  Schiffes
würde  also  England  noch  erheblich  schwerer  als  der  der  „Bulwark“  und
—  da  die  Mannschaft  ebenfalls  für  verloren  zu  gelten  hätte  —  selbst
schwerer  als  der  des  „Audacious“  treffen.


                                        Portugal  kampfbereit.

Lissabon,  5.  Dezember.  Der  Ministerpräsident  Machado  stellte
in  beiden  Häusern  des  Parlaments  fest,  daß  vier  Expeditionen  zum  Dienst
in  Afrika  ausgerüstet  worden  seien.  Gleichzeitig  wurde  eine  Verordnung
veröffentlicht,  daß  Vorkehrungen  zur  Mobilmachung  einer  Didision  ge-Kobhr
  würden,  die  bereit  sein  soll,  nach  einem  beliebigen  Kampfplatz  abzugehen.


                           Meldung  des  Großen  Hauptauartiers.

                                                                        Den  5.  Dezember,  vormittags.

In  Flandern  und  südlich  Metz  wurden  gestern  französische  Angriffe
abgewiesen.  Bei  La  Bassee,  im  Argonnenwalde  und  in  Gegend  südwestlich
  Altkirch  machten  unsere  Truppen  Fortschritte

Bei  den  Kämpfen  östlich  der  masurischen  Seen  ist  die  Lage  günstig.
Kleinere  Unternehmungen  brachten  dort  1200  Gefangene.

In  Polen  verlaufen  unsere  Operationen  regelrecht.

                                                             Oberste  Heeresleitung.
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                                                               —  816  —

                          Die  Gefangennahme  Dewets.
Rotterdam,  5.  Dezember.  Aus  Johannesburg  wird  berichtet:

Als  Dewet  hier  ankam,  rauchte  er  kaltblütig  seine  Pfeife;  er  sah
jedoch  arg  mitgenommen  aus.  Dewet  nahm  von  Oberst  Swemmer  und
Kommandant  Jordaan,  die  ihn  gefangen  genommen  hatten,  Abschied  und
wurde  dann  schnell  ins  Fort  von  Johannesburg  gebracht,  das  ihm  vorläufig
  als  Gefängnis  dienen  soll.

Die  Gefangennahme  des  alten  Burengenerals  war  nur  dadurch  ermöglicht
  worden,  daß  seine  Verfolger  über  Autos  verfügten.  Dewets
Begleiter  wurden  durch  die  ununterbrochene  Verfolgung  vollständig  ausgepumpt,
  und  da  ihre  Pferde  schließlich  auf  der  hastigen  Flucht  auch
ermüdeten,  so  konnten  die  Unionstruppen  die  Buren  erreichen.  Die
Getreuen  Dewets  waren  bei  der  Gefangennahme  so  matt,  daß  ihnen  die
Gewehre  aus  den  Händen  fielen;  dagegen  waren  die  Truppen  der  Regierung
  ganz  frisch,  denn  sie  hatten  während  der  ganzen  Verfolgung  in
Autos  gesessen.  Die  Verfolgung  hatte  ununterbrochen  sechs  Tage  und
sechs  Nächte  gedauert.  Die  zu  der  erfolgreichen  Verfolgung  gebrauchten
Automobile  ließ  man  an  der  Stelle,  wo  Dewet  gefangen  genommen  war,
im  Sand  stecken.  Dort  sollen  sie  stehen  bleiben  als  Erinnerungszeichen
an  diese  denkwürdige  Gefangennahme.


                           Heftige  Kämpfe  in  Serbien.

Wien,  5.  Dezember.  Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich
gemeldet:

5.  Dezember.  Die  Kämpfe  westlich  und  südwestlich  Arandjelovas
dauern  äußerst  hartnäckig  und  sehr  verlustreich  an.  Bisher  ist  noch  keine
endgültige  Entscheidung  gefallen.  Gestern  wurden  über  600  Mann  zu
Gefangenen  gemacht.


                Der  russische  Zusammenbruch  bei  Czenstochau.

Berlin,  5.  Dezember.  Die  in  dem  russischen  Communique  vom
29.  November  enthaltene  Behauptung,  daß  bei  Czenstochau  ein  deutscher
Angriff  unter  schweren  Verlusten  gescheitert  sei,  ist  falsch.  Wahr  ist  das
Gegenteil:  Ein  Angriff  des  17.  russischen  Armeekorps,  der  bis  auf  60  Mtr.
an  uns  herankam,  wurde  an  dem  betreffenden  Tage  unter  außerordentlich
  schweren  Verlusten  für  die  Russen  abgeschlagen.

Die  Russen  ließen  eine  sehr  große  Anzahl  Toter  und  Verwundeter

zurück  und  waren  gezwungen,  ihre  Stellungen  weiter  rückwärts  zu  verlegen.
                                                                                              (W.T.B.)

                  Oesterreichisch-ungarischer  Schlachtbericht.

Wien,  5.  Dezember.  Amtlich  wird  verlautbart:  5.  Dezember
mittags:  In  den  Karpathen  ereignete  sich  auch  gestern  nichts  von  Bedeutung.
  In  Westgalizien  entwickelten  sich  bei  Tymbark  kleinere  für
unsere  Waffen  erfolgreiche  Kämpfe.  Die  Lage  in  Südpolen  ist  unverändert.


Die  Schlacht  in  Nordpolen  dauert  fort.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                   v.  Hoefer,  Generalmajor.
        <pb n="292" />
                                                        —  817  —

                           Aus  dem  Großen  Hauptquartier.

                                                                 Großes  Hauptquartier,
                                                                 6.  Dezember,  nachmittags.

Lodz  heute  nachmittag  von  unseren  Truppen  genommen.  Russen
nach  schweren  Verlusten  dort  im  Rückzuge.

                                                                              Oberste  Heeresleitung.

                                                                              Großes  Hauptquartier,
                        den  6.  Dezember  1914,           vormittags.  (W.T.  B.)

Heute  nacht  wurde  der  Ort  Vermelles  (südöstlich  Bethune),  dessen
weiteres  Festhalten  im  dauernden  französischen  Artilleriefeuer  unnötige
Opfer  gefordert  hätte,  planmäßig  von  uns  geräumt.  Die  noch  vorhandenen
  Baulichkeiten  waren  vorher  in  die  Luft  gesprengt  worden.  Unsere
Truppen  besetzten  ausgebaute  Stellungen  östlich  des  Ortes.  Der  Feind
konnte  bisher  nicht  folgen.

Westlich  und  südwestlich  Altkirch  erneuerten  die  Franzosen  ihre  Angriffe
  mit  erheblicheren  Kräften  ohne  Erfolg;  sie  erlitten  starke  Verluste.

Im  übrigen  im  Westen  keine  nennenswerten  Ereignisse.

Auf  dem  Kriegsschauplatz  östlich  der  masurischen  Seenplatte  verhielt
sich  der  Gegner  ruhig.

Der  Verlauf  der  Kämpfe  um  Lodz  entspricht  nach  wie  vor  unseren
Erwartungen.

In  Südpolen  keine  Veränderungen.

                                                                  Oberste  Heeresleitung.


                      Erfolge  der  Türken  gegen  die  Russen.
                                                              Konstantinopel,  6.  Dezember.
Das  Hauptauartier  teilt  mit:

Wir  haben  Kada,  einen  ziemlich  wichtigen  Punkt,  20  Kilometer
östlich  von  Batum,  besetzt.  Durch  einen  kühnen  Handstreich  haben  unsere
Truppen  die  Elektrizitätswerke  von  Batum  außer  Tätigkeit  gesetzt  und
dabei  einige  Gefangene  gemacht.  300  Russen,  die  aus  Batum  vorgeschickt
waren,  um  eine  von  uns  besetzte  Brücke  wieder  zu  nehmen,  fielen  in  einen
Hinterhalt  und  wurden  aufgerieben.


                           Vom  serbischen  Kriegsschauplatz.

                                                                            Wien,  6.  Dezember.
Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:  6.  Dezember:

Südlich  Belgrad  gewinnen  unsere  Truppen  Raum.  Westlich  Arandjelovac
  und  Gorniy  Milianovac  hat  der  Gegner  neue  Verstärkungen
herangezogen  und  setzt  seine  vehementen  Angriffe  gegen  Westen  fort.  In
die  von  unseren  Truppen  besetzten  serbischen  Gebietsteile,  die  fast  vollkommen
  verödet  angetroffen  wurden,  beginnen  allmählich  die  geflüchteten
Bewohner  zurückzukehren.  Ungefähr  15  000  Einwohner  verblieben  in
Belgrad.  Eine  neu  eingesetzte  Stadtverwaltung  übt  bereits  ihre  Tätigkeit
  aus.
        <pb n="293" />
                                                              —  818  —

                             Die  Schlacht  in  Polen.
             Wien,  6.  Dezember.  Amtlich  wird  verlautbart:
                                                                                   6.  Dezember,  mittags:

Die  Schlacht  in  Polen  nimmt  einen  für  die  Waffen  der  Verbündeten
günstigen  Fortgang.  Die  nach  Westgalizien  vorgerückten  russischen  Kräfte
wurden  gestern  von  unseren  und  deutschen  Truppen  von  Süden  her  angegriffen.
  Die  Verbündeten  nahmen  2200  Russen  gefangen  und  erbeuteten
einige  feindliche  Trains.  

In  den  Karpathen  fanden  Teilkämpfe  statt.  Der  in  die  Beskid-Stellung
  eingebrochene  Gegner  wurde  zurückgeworfen  und  verlor  500  Gefangene.


Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                           v.  Hoefer,  Generalmajor.


                        Türkischer  Sieg  über  die  Engländer.

Gestern  versuchten  englische  Landungstruppen  eine  von  unseren  Truppen
  zwischen  dem  Tigris  und  dem  Kanal  Louvaya  besetzte  Stellung  anzugreifen.
  In  dem  Kampf,  der  folgte,  wurden  die  Engländer  unter  großen
Verlusten  geschlagen.  Wir  erbeuteten  ein  Maschinengewehr  und  eine
Menge  Geschosse.

                                Die  erfolglose  Jagd  auf  „U  21“.

„U  21“,  das  den  englischen  Kreuzer  „Pathfinder“  zerstört  hat,  ist
erfolglos  von  französischen  Torpedobooten  verfolgt  worden.  —  Der  Mailänder
  „Corriere"“  erfährt  aus  Bordeaux:

In  einer  Mitteilung  des  Marineministeriums  über  Schiffsoperationen
  wird  hervorgehoben,  daß  die  Jagd  auf  das  deutsche  Unterseeboot
„U  21“  im  Kanal  erfolglos  blieb.  Es  brachte  am  23.  November  den  englischen
  Dampfer  „Malachite“  zum  Sinken,  dessen  Mannschaft  sich  aber
nach  Le  Havre  retten  konnte.  Zwei  Torpedoflottillen  wurden  zur  Verfolgung
  des  Unterseebootes  ausgeschickt,  das  sie  am  25.  entdeckten,  und
das  auf  einen  seiner  Verfolger  drei  Torpedos  schleuderte.  Am  26.  Nov.
erschien  „U  21“  beim  Kap  Antifer,  nördlich  von  Le  Havre,  wo  es  den
englischen  Dampfer  „Primo“  zum  Sinken  brachte,  dessen  Mannschaft  sich
auf  Schifferbarken  retten  konnte.  Am  29.  November  erschien  „U  21“
wieder  in  der  Nähe  vom  Kap  Antifer,  schleuderte  wieder  ein  Torpedo
auf  ein  Torpedoboot  und  verschwand  in  der  Richtung  nach  Norden.


Telegrammwechsel  zwischen  dem  Grafen  Berchtold  und  dem  Reichskanzler.
                                                                           Wien,  6.  Dezember.

      Der  Minister  des  Aeußern  Graf  Berchtold  hat  an  den  Reichskanzler
Dr.  v.  Bethmann  Hollweg  folgendes  Telegramm  gerichtet:

„Zu  der  bedeutsamen  Rede  Eurer  Exzellenz  in  der  vorgestrigen
Sitzung  des  Reichstages  bitte  ich  Hochdieselben,  meine  wärmsten  Glückwünsche
  entgegennehmen  zu  wollen.  Der  Geist  der  mutigen  Entschlossenheit
  zu  den  schwersten  Opfern  und  der  gottvertrauenden  Zuversicht,  der
die  heldenmütige  und  ruhmreiche  uns  verbündete  Armee  und  Flotte  zu
immer  neuen  Erfolgen  führt  und  die  das  ganze  deutsche  Volk  in  bewunderungswürdiger
  Einmütigkeit  mit  seinen  kämpfenden  Söhnen  und  Brü-
        <pb n="294" />
                                                        —  819  —

dern  teilt,  fand  einen  machtvollen  Ausdruck  in  dem  Gelöbnis,  bis  zum
letzten  Atemzuge  auszuharren,  damit  dieser  opferreiche  Krieg  nicht  vergeblich
  geführt  werde.  Diese  denkwürdige  Kundgebung  erweckt  bei  allen
Völkern  Oesterreich-Ungarns,  die  von  dem  gleichen  unerschütterlichen
Willen  zum  Siege  erfüllt  find  und  auf  dessen  Erfolg  unserer  gerechten
Sache  zuversichtlich  vertrauen,  einen  starken  Widerhall.  Besonders  aber
wird  unsere  tapfere  Armee,  die  mit  Stolz  an  der  Seite  der  deutschen
Waffenbrüder  kämpft,  die  warme  Anerkennung  ihrer  Leistungen  mit
freudiger  Genugtuung  vernehmen.  Berchtold.“

Die  Antwort  des  Reichskanzlers  lautete:

„Eurer  Exzellenz  danke  ich  aufrichtigst  für  den  gütigen  Ausdruck
des  warmen  Interesses  an  dem  Verlaufe  der  von  erhebendem  Patriotismus
  getragenen  vorgestrigen  Reichstagssitzung.  Die  mir  gewidmeten
freundlichen  Worte  haben  mich  lebhaft  erfreut  und  mir  gleichzeitig  erneut
den  Beweis  dafür  gegeben,  daß  unser  gemeinsames  Streben  dahin  geht,
den  treuverbündeten  Monarchien  einen  der  Größe  der  Kraftentfaltung
würdigen  Erfolg  zu  sichern.  Der  mutigen  Entschlossenheit  der  Führer,
dem  Heldentum  unserer  vereinten  herrlichen  Truppen  und  der  opferwilligen
  Mitarbeit  der  Völker  wird  es,  so  hoffe  ich  bestimmt,  gelingen,  alle
Widerstände  zu  überwinden  und  unseren  Fahnen  den  endgültigen  Sieg
zu  erringen.                                                      Bethmann  Hollweg.“

                                Zum  Siege  in  Polen.

Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  7.  Dezember,  vormittags.

Vom  westlichen  Kriegsschauplatz  und  dem  östlich  der  masurischen
Seenplatte  liegen  keine  besonderen  Nachrichten  vor.

In  Nordpolen  haben  wir  in  langem  Ringen  um  Lodz,  durch  das
Zurückwerfen  der  nördlich,  westlich  und  südwestlich  dieser  Stadt
stehenden  starken  russischen  Kräfte  einen  durchgreifenden  Erfolg  errungen.
Lodz  ist  in  unserem  Besitz.  Die  Ergebnisse  der  Schlacht  lassen  sich  bei  der
Ausdehnung  des  Kampffeldes  noch  nicht  übersehen.  Die  russischen  Verluste
  sind  zweifellos  sehr  groß.

Versuche  der  Russen  aus  Süd-Polen  ihren  bedrängten  Armeen  in
Norden  zu  Hilfe  zu  kommen,  wurden  durch  das  Eingreifen  österreichischungarischer
  und  deutscher  Kräfte  in  Gegend  südwestlich  Piotrkow  vereitelt.

                                                                   Oberste  Heeresleitung.  (W.  T.  B.)

                   Der  Rücktritt  des  portugiesischen  Kabinetts.
Lissabon,  7.  Dezember.  (W.T.  B.)  Das  ganze  portugiesische
Kabinett  ist  (wie  bereits  angekündigt)  zurückgetreten.  Es  soll  ein
Nationalkabinett  aus  Mitgliedern  aller  Parteien  gebildet  werden.

                                                                 Wien,  7.  Dezember.  (W.  T.  B.)

Antlich  wird  verlautbart:  7.  Dezember  mittags.  Das  Ringen  um
die  Entscheidung  auf  dem  russischen  Kriegsschauplatz  dauert  an.  Oesterreichisch-ungarische
  und  deutsche  Truppen  wiesen  im  Angriff  im  Raume
südwestlich  Piotrkom  die  über  Noworadomsk  nordwärts  vorstrebenden

russischen  Kräfte  zurück,  indes  deutsche  Truppen  den  Feind  zum  Weichen
zwangen.
        <pb n="295" />
                                                    —  820  —

In  Westgalizien  sind  gleichfalls  größere  Kämpfe  im  Gange;  ihr  Ergebnis
  steht  noch  aus.  In  diesem  Raume  nahmen  unsere  und  deutsche
Truppen  gestern  weitere  1500  Russen  gefangen.

n  den  Karpathen  wird  weitergekämpft.  An  manchen  Stellen  hat
der  Feind  starke  Kräfte  wieder  hinter  den  Gebirgskamm  zurückgezogen.

           Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                   v.  Höfer,  Generalmajor.


                Deutschland  und  die  südafrikanische  Union.
Vom  W.T.  B.  wird  amtlich  bekanntgegeben:

Von  burischer  Seite  wurde  die  kaiserliche  Regierung  um  Abgabe
einer  Erklärung  über  die  Stellung  Deutschlands  zur  südafrikanischen
Union  während  des  gegenwärtigen  Krieges  gebeten.  Der  Staatssekretär
des  Reichskolonialamts  Dr.  Solf  hat  darauf  folgende  Erklärung  abgegeben:


„Um  den  in  keiner  Weise  provozierten  Einfall  englischer  Truppen  in
das  Schutzgebiet  von  Deutsch-Südwestafrika  zu  entschuldigen,  und  um
in  den  Augen  der  holländischen  Bevölkerung  Südafrikas,  deren  überwältigende
  Mehrzahl  gegen  eine  solche  Maßnahme  war,  diesen  Schritt
zu  rechtfertigen,  haben  Mitglieder  des  Ministeriums  sowie  des  Parlaments
  der  südafrikanischen  Union  öffentlich  und  privatim  behauptet:

„Die  deutsche  Regierung  beabsichtige,  im  geheimen,  Südafrika  in
Besitz  zu  nehmen  und  zu  einer  deutschen  Kolonie  zu  machen.  Die
deutschen  Streitkräfte  in  Deutsch-Südwestafrika  hätten  das  Territorium
der  Union  verletzt,  ehe  Feindseligkeiten  von  seiten  der  südafrikanischen
Regierung  unternommen  worden  seien,  Deutschland  also  hätte  den
Angriff  provoziert.  Falls  man  keine  Gegenmaßregeln  ergriffen  hätte,
würde  das  Schutzgebiet  als  Basis  für  militärische  Operationen  gegen
die  britischen  Schiffe,  die  den  Verkehr  zwischen  Südafrika  und  Europa
besorgen,  benutzt  und  der  Union  unabsehbaren  Schaden  zugefügt  worden

  sein.“

Da  die  deutsche  Regierung  dem  Eindruck  zu  begegnen  wünscht,  den
diese  falschen  Nachrichten  auf  alle  Südafrikaner  gemacht  haben,  erkläre
ich  das  Folgende:  ·

Die  deutsche  Regierung  hat  niemals  den  Wunsch  oder  die  Absicht
gehabt,  das  Territorium  der  südafrikanischen  Union  vorübergehend  oder
dauernd  zu  besetzen,  noch  auf  irgendeine  Art  die  deutsche  Herrschaft  über
die  Union  oder  über  Teile  des  Landes  zu  erzwingen,  weder  durch  militärische
  Einfälle  von  Deutsch-Südwestafrika  aus,  noch  in  anderer  Weise.
—  Soweit  der  kaiserlichen  Regierung  bekannt  geworden  ist,  ist  das  Territorium
  der  Union,  ehe  die  südafrikanische  Regierung  den  Angriff  auf
Deutsch-Südwestafrika  anordnete,  von  dort  weder  zu  Wasser  noch  zu
Lande  angegriffen  worden.  Deutschland  ist  überzeugt  davon,  daß  die
Ursachen  des  Krieges  zwischen  Deutschland  und  England  Südafrika  in
keiner  Weise  berühren;  Deutschland  wünscht  vielmehr,  die  Feindseligkeiten,
  die  ihm  durch  die  Regierung  der  südafrikanischen  Union  aufgezwungen
  worden  sind,  einzustellen,  vorausgesetzt,  daß  auch  die  Regierung
der  Union  weiterem  feindlichen  Vorgehen  gegen  deutsches  Territorium
Abstand  nimmt  und  die  bereits  besetzten  Gebiete  wieder  räumt.  Die
deutsche  Regierung  ist  in  diesem  Falle  bereit,  zu  versichern,  daß  keinerlei
        <pb n="296" />
                                                            —  821  —

Feindseligkeiten  von  Deutsch-Südwestafrika  aus  gegen  die  südafrikanische
Union  unternommen  werden  sollen.  Sollte  es  den  Südafrikanern  gelingen,
  einen  unabhängigen  Staat  zu  errichten,  so  wird  die  deutsche
Regierung  ihn  anerkennen  und  seine  politische  Unabhängigkeit  und  territoriale
  Integrität  respektieren.


            Ein  Stützpunkt  der  Nussen  von  den  Türken  besetzt.
Konstantinopel,  7.  Dezember.  Das  Große  Hauptquartier  teilt
mit:  In  der  Gegend  von  Adjara  haben  neue  für  uns  erfolgreiche  Kämpfe
stattgefunden,  in  denen  wir  den  Russen,  welche  Dum-Dum-eschosse
gegen  uns  benutzten,  eine  Kanone  und  eine  Menge  von  Bomben,
Waffen  und  Munition  abnahmen.  Russische  Angriffe  östlich  des  Wan-Sees
  an  der  türkischen  Grenze  waren  ohne  Erfolg.

Hingegen  haben  unsere  von  Revander  vorrückenden  Truppen
Saoutchblaghe,  70  Kilometer  jenseits  unserer  Grenze  besetzt,  einen  wichtigen
  Stützpunkt  der  Russen  in  der  Provinz  Aserbeidschan.


                                    Die  Kämpfe  in  Serbien.
                                                                               Wien,,  7.  Dezember.
Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:  7.  Dezember.
Die  mit  der  Einnahme  von  Belgrad  bedingten  Operationen  erfordern

nunmehr.,  eine  Umgruppierung  unserer  Kräfte,  deren  Einzelheiten  sich
naturgemäß  der  allgemeinen  Verlautbarung  entziehen.


                              Rückzug  der  Russen.

                                               Amtlich.  Großes  Hauptquartier,
                                                          8.  Dezember,  vormittags.

An  der  flandrischen  Front  bereiten  die  durch  die  letzten  Regengüsse
verschlechterten  Bodenverhältnisse  den  Truppenbewegungen  große
Schwierigkeiten.  Nördlich  Arras  haben  wir  einige  kleinere  Fortschritte
gemacht.  «

«  Das  Kriegslazarett  in  Lille  ist  gestern  abgebrannt.  Wahrscheinlich
liegt  Brandstiftung  vor.  Verluste  an  Menschenleben  sind  nicht  zu  beklagen.


Die  Behauptung  der  Franzosen  über  ein  Vorwärtskommen  im  Argonnerwald
  entspricht  nicht  den  Tatsachen;  seit  längerer  Zeit  ist  dort
überhaupt  kein  französischer  Angriff  mehr  erfolgt.  Dagegen  gewinnen
wir  fortgesetzt  langsam  Boden.

Bei  Malancourt,,  östlich  Varennes,  wurde  vorgestern  ein  französischer
Stützpunkt  genommen.  Dabei  ist  der  größere  Teil  der  Besatzung  gefallen,
der  Rest,  einige  Offiziere  und  etwa  150  Mann,  wurde  gefangen.  Ein
französischer  Angriff  gegen  unsere  Stellungen  nördlich  Nancy  wurde
gestern  abgewiesen.

Im  Osten  liegen  von  der  ostpreußischen  Grenze  keine  besonderen
Nachrichten  vor.

In  Nordpolen  folgen  die  deutschen  Truppen  dem  östlich  und  südöstlich
Lodz  schnell  zurückweichenden  Feind  unmittelbar.

 

                                                                    52
        <pb n="297" />
                                                           —  822  —

Außer  den  gestern  schon  gemeldeten  ungewöhnlich  starken  blutigen
Verlusten  haben  die  Russen  bisher  etwa  5000  Gefangene  und  16  Geschütze
mit  Munitionswagen  verloren.

    In  Südpolen  hat  sich  nichts  Besonderes  ereignet.

                                                             Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


                              Der  Kaiser  leicht  erkrankt.

                                                                  Amtlich.  Berlin  8.  Dezember.
Seine  Majestät  der  Kaiser  hat  seine  für  heute  geplante  Wiederabreise
  zur  Front  infolge  einer  Erkrankung  an  fieberhaftem  Bronchialkatarrh
  um  einige  Tage  verschoben.
Er  konnte  aber  gestern  und  heute  den  Vortrag  des  Chefs  des
Generalstabes  des  Feldheeres  über  die  Kriegslage  entgegennehmen.

                                                         Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)

                                Montenegro  am  Ende.
                                                                   London,  8.  Dezember.
      Das  Reutersche  Büro  meldet  aus  Petersburg:

Der  König  von  Montenegro  telegraphierte  an  die  „Börsenzeitung“,
daß  nunmehr  ein  Drittel  der  montenegrinischen  Armee  auf  dem  Schlachtfelde
  gefallen  sei.  Trotzdem  wollten  die  Montenegriner  die  Verteidigung
des  Landes  fortsetzen  und  des  Feindes  Land  angreifen.  Der  König  fügt
hinzu,  daß  die  Mittel  erschöpft  seien  und  die  Montenegriner  für  Beistand
mit  Geld  und  Material  äußerst  dankbar  sein  würden.


                Ansprache  des  Kaisers  an  die  Ostarmeen.
         Ein  Hurra  für  Kaiser  Franz  Joseph  und  sein  Heer.

                                                                    Breslau“,  8.  Dezember.

Der  Chef  des  Generalstabes  der  Armeeabteilung  Woyrsch  übermittelt
  der  „Schlesischen  Zeitung“  mit  der  Bitte  um  Veröffentlichung  folgende
  Ansprache,  die  der  Kaiser  am  3.  Dezember  vor  den  Abordnungen
der  zur  Armeeabteilung  Woyrsch  gehörenden  Truppenteile  und  der  österreichisch-ungarischen
  Truppen  gehalten  hat:

„Kameraden!  Ich  habe  mir  Deputationen  der  im  Osten  kämpfenden
Truppen  hierher  bestellt,  weil  es  mir  nicht  möglich  ist,  euch  alle  vorn  in
den  Schützengräben  begrüßen  zu  können.  Ueberbringt  euren  vorn  kämpfenden
  Kameraden  meine  herzlichsten  Grüße  sowie  meinen  kaiserlichen  Dank
und  den  Dank  des  Vaterlandes  für  eure  heldenhafte  Haltung  und  Ausdauer,
  die  ihr  in  den  letzten  drei  Monaten  der  russischen  Uebermacht
bewiesen  habt.  Bei  uns  zu  Haus  spricht  man  mit  Recht,  daß  jeder  im
Osten  kämpfende  Mann  ein  Held  sei.  Ihr  habt  die  Ehre,  Schulter  an-Schulter
  mit  dem  Heere  Seiner  Majestät  des  Kaisers  Franz  Joseph,
meines  Freundes  und  geliebten  Vetters,  zu  kämpfen  für  eine  gerechte
Sache,  für  die  Freiheit,  für  Existenzberechtigung  einer  Nation  und  einen
zukünftigen  langen  Frieden.  Wenn  es  auch  noch  lange  dauern  kann,
wir  dürfen  dem  Feinde  keine  Ruhe  lassen.  Wir  werden  weiter  kämpfen
mit  Erfolg  wie  bisher,  denn  der  Himmel  ist  auf  unserer  Seite.  Mit  Gott
werden  wir  uns  einen  langen  Frieden  erkämpfen,  denn  unsere  Nerven
        <pb n="298" />
                                                               —  823  —

sind  stärker  als  die  unserer  Feinde.  Mein  kaiserlicher  Freund  hatte  mir
schon  mehrfach  die  Tapferkeit  der  mit  unseren  österreichischen  Brüdern
zusammen  kämpfenden  Truppen  hervorgehoben  und,  wie  ich  sehe,  euch
durch  allergnädigste  Verleihung  von  Auszeichnungen  seinen  Dank  gezollt.
Wenn  ihr  jetzt  zurückkehrt  in  eure  Stellungen,  nehmt  euren  Kameraden
meine  herzlichsten  Grüße  mit  und  sagt  ihnen,  daß,  wenn  ich  auch  wieder
nach  dem  Westen  muß,  meine  GEedanken  stets  bei  euch  find  und  meine
Augen  stets  auf  euch  ruhen,  als  wenn  ich  hinter  euch  stände.  Und  nun
zum  Schluß  laßt  uns  unseren  brüderlichen  Gefühlen  Ausdruck  geben,
indem  wir  rufen:  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  und  sein  Heer
hurra,  hurra,  hurra!“


                       Die  Russen  vor  Krakau  geschlagen.
                                                        Wien,  8.  Dezember.  (W.T.  B.)
A         mtlich  wird  verlautbart:  8.  Dezember,  mittags:

Die  Kämpfe  in  Westgalizien  nahmen  an  Heftigkeit  zu.  Nunmehr
auch  vom  Westen  her  angreifend,  verjagten  unsere  Truppen  den  Feind
aus  seiner  Stellung  Dobrzyce-Wieliczka.  Der  eigene  Angriff  dauert  an.
Die  Zahl  der  Gefangenen  läßt  sich  noch  nicht  übersehen.  Bisher  wurden
über  5000,  darunter  27  Offiziere,  abgeschoben.  In  Polen  wurden  erneuerte
  Angriffe  der  Russen  im  Raume  südwestlich  Piotrkow  von  unseren
und  deutschen  Truppen  überall  abgewiesen.  In  den  Karpathen  hat  sich
nichts  von  Bedeutung  ereignet.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:
                                   v.  Hoefer,  Generalmajor.


         Die  österreichisch-ungarische  Offensive  südlich  Belgrad.
                                                             Wien,  8.  Dezember.  (W.T.B.)

Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:  8.  Dezember:

Die  Umgruppierung  erfolgt  programmäßig.  Einzelne  Versuche  des
Gegners,  dieselben  zu  stören,  wurden  abgewiesen.  Hierbei  erlitt  der  Feind
empfindliche  Verluste.  —  Unsere  Offensive  südlich  Belgrad  schreitet
günstig  vorwärts,  und  wurden  hier  14  Offiziere  und  400  Mann  gefangen
genommen.

                           Bericht  des  Großen  Generalstabs.

Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  9.  Dezember,  vormittags.
Westlich  Reims  mußte  Pecherie-Ferme,  obgleich  auf  ihr  die  Genfer  Flagge
wehte,  von  unseren  Truppen  in  Brand  geschossen  werden,  weil  durch

liegerphotographie  einwandfrei  festgestellt  war,  daß  sich  dicht  hinter  der
erme  eine  französische  schwere  Batterie  verbarg.

Französische  Angriffe  in  Gegend  Souain  und  gegen  die  Orte  Varennes
  und  Vauquois  am  östlichen  Argonnenrande  wurden  unter  Verlusten
  für  den  Gegner  zurückgeworfen.  Im  Argonnenwalde  selbst  wurde
an  verschiedenen  Stellen  Boden  gewonnen,  dabei  machten  wir  eine  Anzahl
  Gefangene.

Bei  den  gestern  gemeldeten  Kämpfen  nördlich  Nanchy  hatten  die
Franzosen  starke  Verluste.  Unsere  Verluste  sind  verhältnismäßig  gering.

Aus  Ostpreußen  liegen  keine  neueren  Nachrichten  vor.
  52*
        <pb n="299" />
                                                         —  824  —

In  Nordpolen  stehen  unsere  Truppen  in  enger  Fühlung  mit  den
Russen,  die  in  einer  stark  befestigten  Stellung  östlich  der  Miazza  Halt
gemacht  haben.  Um  Lowicz  wird  weiter  gekämpft.

In  Südpolen  haben  österreichisch-ungarische  und  unsere  Truppen
Schulter  an  Schulter  erneut  erfolgreich  angegriffen.
       (W.T.B.)                                             Oberste  Heeresleitung.


                 Behandlung  deutscher  Gefangener  in  Belgien.
                             Ein  belgischer  Ministerialerlaß.

Bei  einem  gefangenen  belgischen  Soldaten  ist  ein  Ministerialerlaß
gefunden  worden,  der  bis  in  die  untersten  Kommandostellen  verbreitet
worden  ist  und  die  Auffassung  der  belgischen  Behörden  von  ihren
Pflichten  in  einem  recht  eigentümlichen  Lichte  zeigt.  Das  Schrüftstück
lautet  in  wortgetreuer  deutscher  Uebersetzung:

                                                                    Gruppe  2,  Posten  1,  2,  3.
                      Dienstvorschrift  für  die  Gruppenführer.

Deutsche  Gefangene  betreffend.  Unter  dem  Datum  des  22.  August
telegraphiert  der  Minister  folgendes:  Ich  höre,  daß  in  gewissen  Gegenden
  deutsche  Gefangene  mit  wahrhaft  übertriebener  Rücksicht  behandelt
  werden.  In  dem  Augenblicke,  da  das  deutsche  Heer,  so  oft  es
auf  unseren  oder  unserer  Verbündeten  Boden  vordringt,  sich  systematisch
  den  schmachvollsten  Niedrigkeiten  nicht  nur  unseren  Soldaten
gegenüber,  nein,  auch  Kegen  Kinder,  Frauen,  Greise  überläßt,  wäre  es
durchaus  Verrat  am  Nationalbewußtsein,  den  Gefangenen  —  welches
immer  ihr  Dienstgrad  sei  —  mehr  als  sie  unbedingt  zum  Leben  nötig
haben,  zu  geben.  Ich  werde  unverzögert  gegen  die  Truppenbefehlshaber
  vorgehen,  die  sich  der  Duldung  solcher  Verirrungen  schuldig
machen:  wir  sind  eine  zivilisierte  Nation;  wir  schlagen  die  Verwundeten
  und  Gefangenen  nicht  tot,  wie  es  die  Deutschen  tunz  diese  aber
müssen  an  jedwedem  Platz  des  Landes  als  Feinde  behandelt  werden.

Der  stellvertretende  Chef  der  Sektion  A  bringt  den  Wortlaut
obigen  Zirkulars  zur  Kenntnis  der  Gruppenführer  und  fordert  sie  auf,
ihren  Postenführern  Befehl  zu  geben,  sich  danach  zu  richten.

      Station  Mezy,  den  25.  August  1914.

            Für  denstellvertretenden  Chef:
                Der  beigeordnete  Adjutant:
                                gez.  Belverg.

Hier  wird  den  unteren  Kommandostellen  eine  möglichst  schlechte
Behandlung  deutscher  Gefangener  zur  patriotischen  Pflicht  gemacht.
Wenn  solche  Anweisungen  von  Amts  wegen  an  die  Truppen  gegeben
wurden,  braucht  man  sich  freilich  nicht  zu  wundern,  daß  die  belgische
Zivilbevölkerung  aus  dem  Hinterhalt  über  die  deutschen  Soldaten  herfiel.
  Ein  guter  Teil  der  Verantwortung  für  diese  Vorfälle  trifft  die
belgische  Regierung.


         Präsident  Wilson  über  Amerikas  Aufgaben  im  Weltkrieg.
                                                                           Kristiania,  9.  Dezember.

Der  Korrespondent  der  Londoner  „Central  News“  in  Walhington
telegraphiert:  Präsident  Wilson  hielt  gestern  im  Kongreß  eine  poli-
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                                                     —825  —                                                                 tische  Rede,  in  der  er  die  Schwierigkeiten  beleuchtete,  die  der  Weltkrieg
den  Vereinigten  Staaten  verursacht  hat.  „Dieser  Krieg,“  sagte  er,  „hat
Menschenleben  vernichtet  und  wirtschaftliche  Güter  verwüstet,  in  einem
Maße,  wie  es  die  Weltgeschichte  bisher  noch  nicht  erlebt  hat.  Die  Zeit
ist  nahe,  wo  mehrere  Länder  in  Europa  unserer  Hilfe  bedürfen.  Die  Vereinigten
  Staaten  stehen  mit  ihren  wirtschaftlichen  Hilfsmitteln  und  ihrer
Initiative  bereit.  Unglücklicherweise  fehlt  es  uns  an  genügender
Tonnage,  um  ganz  die  Erfordernisse  des  Welthandels  befriedigen  zu
können.  Reguläre  amerikanische  Linien  müssen  eröffnet  und  viele  Schiffe
müssen  dazu  eingereiht  werden.  Die  Frachtsätze  müssen  mäßig  sein.“
Der  Präsident  schloß:  „Wir  stehen  mit  allen  Nationen  auf  freundschaftlichem
  Fuße,  wir  bedrohen  niemand.  Darin  liegt  unsere  Stärke.  Die
Vereinigten  Staaten  find  die  ersten  Vorkämpfer  des  Friedens,  der  friedlichen
  Gemeinschaft.  Ich  hoffe,  daß  wir  Gelegenheit  haben  werden,
unseren  Rat  zu  erteilen  und  der  Welt  den  Frieden  wiederzugeben.“


                  Wie  der  belgische  Gesandte  in  Dänemark  lügt.
                                                                           Köln,  9.  Dezember.

Die  „Kölnische  Zeitung“  meldet  aus  Berlin  vom  9.  Dezember:

Nach  Meldungen  aus  Kopenhagen  bringt  das  dortige  Mittagsblatt
  „Aftenblad“  ein  Interview  mit  dem  belgischen  Gesandten  in
Kopenhagen,  Allard.  Der  Gesandte  hat  bekanntlich  die  Geschichte  von
der  Verstümmelung  eines  kleinen  Mädchens  durch  deutsche  Truppen  selbst
für  unwahr  erklären  müssen,  und  diese  Feststellung  ist  bereits  durch  die

Presse  gegangen.  Der  Gesandte  hat  aber  nach  Mitteilung  des  „Aftenblad“
  hinzugefügt,  er  könne  belgische  Kinder  nennen,  die  während  des
Krieges  verstümmelt  worden  seien,  auch  Zeit  und  Ort  angeben,  wo
kleinen  Mädchen  die  Hände  abgehauen  worden  seien  für  kein  geringeres
Vergehen  als  das  Schwenken  einer  belgischen  Flagge.  Er  wisse  den
Namen  einer  ganzen  Familie,  Vater,  Mutter  und  vier  Kinder,  die  sämtlich
  von  den  Deutschen  ermordet  worden  seien.  Das  jüngste  Kind,  ein
Mädchen  von  dreieinhalb  Jahren,  habe  man  als  Leiche  gefunden,  und
habe  gesehen,  daß  der  Vater  sich  im  Todeskampfe  über  das  Kind  gewälzt
habe,  um  es  mit  seinem  Körper  zu  schützen.

Der  Herr  Gesandte  König  Alberts  beim  neutralen  Dänemark  wird
hierdurch  aufgefordert,  möglichst  bald  in  greifbarer  Form  die  Angaben
zu  machen,  die  er  über  angebliche  deutsche  Greuel  zu  besitzen  vorgibt.
Geschieht  dies  nicht,  so  würden  wir  zu  der  Annahme  gezwungen  sein,  daß
der  Gesandte  sich  einer  gewissenlosen  Verleumdung  schuldig  gemacht  habe.


                           Generalstabschef  v.  Falkenhayn.
                                                                   Berlin,  9.  Dezember.

Generaloberst  v.  Moltke  hat  seine  Kur  in  Homburg  beendet  und  ist
hier  eingetroffen.  Sein  Befinden  hat  sich  glücklicherweise  erheblich  gebessert,
  ist  aber  noch  immer  so,  daß  er  bis  auf  weiteres  nicht  wieder  ins
Feld  gehen  kann.  Seine  anderweitige  Verwendung  ist  in  Aussicht  genommen,
  sobald  sein  Gesundheitszustand  es  gestattet.

Die  Geschäfte  des  Generalstabes  des  Feldheeres  find  dem  Kriegsminister
  Generalleutnant  von  Falkenhayn,  der  sie  bei  der  Erkrankung
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                                                             —  826  —

des  Generalobersten  v.  Moltke  vertretungsweise  übernahm,  unter  Belassung
  in  dem  Amt  als  Kriegsminister  endgültig  übertragen  worden.

               Englischer  Justizmord  an  einem  deutschen  Konsul.
                                                                         London,  9.  Dezember.

Das  Reutersche  Bureau  meldet:  Adolf  Ahlers,  ein  in  England
naturalisierter  Deutscher,  bis  zum  Ausbruch  des  Krieges  Konsul  des
Deutschen  Reiches  in  Sunderland,  der  des  Hochverrats  angeklagt  war,
weil  er  Deutschen  behilflich  gewesen  war,  England  zu  verlassen,  ist  vom
Gericht  für  schuldig  erklärt  und  zum  Tode  verurteilt  worden.

                          Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                                    Wien,  9.  Dezember.

      Amtlich  wird  verlautbart:  9.  Dezember,  mittags:

       In  Westgalizien  ist  unser  Angriff  im  Gange.

In  Polen  dauert  die  Ruhe  im  südlichen  Frontabschnitt  an.  Die
unausgesetzten  Angriffe  des  Feindes  in  der  Gegend  von  Piotrkow  scheitern
  nach  wie  vor  an  der  Zähigkeit  der  Verbündeten.  Unsere  Truppen
allein  nahmen  hier  in  der  letzten  Woche  2800  Russen  gefangen.

Weiter  nördlich  setzen  die  Deutschen  ihre  Operationen  erfolgreich
fort.              Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                                 von  Hoefer,  Generalmajor.

                       Der  heutige  Generalstabsbericht.
               Großes  Hauptquartier,  10.  Dezember,  vormittags.

In  der  Gegend  von  Souain  beschränkten  sich  die  Franzosen  gestern
auf  heftiges  Artilleriefeuer.  Ein  am  östlichen  Argonnenrande  au
Vauquois-Boureuilles  erneuerter  Angriff  der  Franzosen  kam  nich
vorwärts;  er  erstarb  im  Feuer  unserer  Artillerie;  der  Gegner  erlitt
offenbar  große  Verluste.

Drei  feindliche  Flieger  warfen  gestern  auf  die  „offene,  nicht  im
Operationsgebiet  liegende“  Stadt  Freiburg  i.  B.  zehn  Bomben  ab.
Schaden  wurde  nicht  angerichtet.  Die  Angelegenheit  wird  hier  nur
erwähnt,  um  die  Tatsache  festzustellen,  daß  wieder  einmal,  wie  schon  so
häufig  seit  Beginn  des  Krieges,  eine  „offene,  nicht  im  Operationsgebiet
liegende“  Stad:  von  unseren  Gegnern  mit  Bomben  beworfen  ist.

Oestlich  der  masurischen  Seen  nur  Artilleriekampf.

In  Nordpolen  auf  dem  rechten  Weichselufer  nahm  eine  unserer
dort  vorgehenden  Kolonnen  Przasnysz  im  Sturm.  Es  wurden  sechshundert
  Gefangene  und  einige  Maschinengewehre  erbeutet.  Links  der
Weichsel  wird  der  Angriff  fortgesetzt.

un  Südpolen  wurden  russische  Angriffe  abgewiesen.
(W.T.B.)                                             Oberste  Heeresleitung.

 

                                Die  Kämpfe  in  Serbien.
                                                                           Wien,  10.  Dezember.
Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:  9.  Dezember.
Ein  Teil  unserer  Truppen  in  Serbien  stieß  westlich  von  Milanovac  auf
starke  feindliche  Kräfte  und  konnte  nicht  durchdringen.  Um  den  ange-
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                                        — 827 —                                                                                    setzten  feindlichen  Gegenstoß  auszuweichen,  wurden  einzelne  Teile  in
günstiger  gelegene  Abschnitte  befohlen.  Südlich  Belgrad  schreitet  unsere
Offensive  vorwärts.  Am  8.  Dezember  wurden  insgesamt  zwanzig  Geschütze
  und  ein  Scheinwerfer  erobert  und  zahlreiche  Gefangene  gemacht.

                      Japan  gibt  Kiautschon  nicht  zurück.

Amsterdann,  10.  Dezember.  „Reuter“  meldet  aus  Tokio:  Im
Parlament  wurde  angefragt,  ob  Kiautschou  später  an  China  zurückgegeben
  werden  müsse.  Der  Minister  des  Aeußern  Kato  antwortete  für
die  Regierung,  daß  über  die  Zukunft  Kiautschous  zurzeit  nichts  gesagt
werden  könne.  Der  Zweck  des  Ultimatums  an  Deutschland  sei  gewesen,
die  Uebergabe  der  Kolonie  zu  erzwingen,  um  so  den  Frieden  im  Osten
zu  sichern.  An  eine  Rückgabe  nach  dem  Kriege  sei  nicht  gedacht  worden
und  ist  auch  im  Ultimatum  nicht  erwähnt.

                   Die  Offensive  der  Türkei  im  Kaukasus.
                                                                       Konstantinopel,  10.  Dezember.

Amtlicher  Bericht.  Eine  Grenzabteilung  besetzte  im  Kaukasus

Taouchrerd,  im  Norden  von  Olty.  Unsere  an  der  Grenze  von  Aserbeidjan

der  persischen  Provinz)  operierenden  Truppen  rückten  bis  Somay  und
Djihari  im  Osten  des  Wilajets  Wan  vor.


               Ein  neuer  Anschlag  Englands  auf  das  Völkerrecht.

Was  die  neuttalen  Staaten  von  England,  dem  Oberschutzherrn  des
Völkerrechts,  der  seine  Hand  auch  in  den  blutigen  Handel  dieses  Krieges
scheinheilig  nur  als  Behüter  der  belgischen  Neutralität  gemengt  hat,
in  Wirklichkeit  zu  erwarten  haben,  das  zeigt  in  unübertrefflicher
Deutlichkeit  ein  Vorkommnis,  dessen  „Held“  derselbe  Mister  Grant
Duff,  der  als  englischer  Gesandter  in  der  Schweiz  die  Unverfrorenheit
besessen  hat,  vom  Kirchturm  in  Romanshorn  aus  Spionage  gegen
Friedrichshafen  zu  treiben.  Der  „Frankfurter  Zeitung“  ging  von  vertrauenswürdiger
  Seite  folgender  englisch  geschriebener  Brief  eines
Amerikaners  zu,  der  übersetzt  lautet:

Lieber  Freund!  Ja,  ich  weiß  alles  über  jene  stürmische  Szene
zwischen  Grant  Duff  und  M.  Da  Sie  offensichtlich  von  der  Angelegenheit
  schon  unterrichtet  sind  und  da  mir  niemand  Verschwiegenheit
  auferlegt  hat,  so  habe  ich  keine  Bedenken,  Ihnen  zu  sagen,  was
ich  darüber  weiß.

Evelyn  Mountswart  Grant  Duff  in  seiner  Eigenschaft  als  Gesandter
  Seiner  Britischen  Majestät,  außerordentlicher  und  bevollmächtigter
  Minister  zu  Bern,  verlangte  vom  Herrn  Bundesrat  M.,
dem  kommenden  Präsidenten  der  Schweiz,  daß  die  auf  dem  St.  Gotthard
  stationierten  militärischen  Autoritäten  gestatten  sollten,  daß  die

Franzosen  oder  die  Engländer  funkentelegraphische  Arbeiten  an  dem
radiotelegraphischen  Turm  und  Apparat  der  Schweizer  Regierung
auf  dem  St.  Gotthard  für  die  Dauer  des  gegenwärtigen  Krieges
übernehmen,  um  ihn  für  Kriegszwecke  zu  benutzen.  Dieser  vorgeschlagene
  Bruch  der  Neutralität  erregte  die  Wut  des  Herrn  M.
(obwohl  M.  ein  italienischer  Schweizer  aus  dem  Kanton  Tessin  und
keineswegs  deutschlandfreundlich  ist).  M.  sagte  Grant  Duff,  daß  er
        <pb n="303" />
                                                        —  828  —

diesen  Vorschlag  als  eine  Beleidigung  der  Schweiz  ansehe  und  daß
er  nichts  mehr  mit  ihm  zu  tun  haben  wolle,  solange  der  britische
Minister  in  der  Schweiz  bleibe.  M.  veranlaßte  ferner  den  Schweizer
Bundesrat  an  den  Schweizer  Gesandten  in  England  zu  telegraphieren,
  die  britische  Regierung  zu  benachrichtigen,  daß  die  Schweiz
angesichts  dieses  Vorkommnisses  bitte,  Grant  Duff  abzuberufen  und
durch  einen  geeigneteren  diplomatischen  Gesandten  zu  ersetzen.

Außer  mir  wurden  die  folgenden  Herren  von  diesem  Zwischenfall
durch  M.  in  seiner  Wut  unterrichtet.  (Hier  folgen  Namen  von  vier
Schweizern  und  einem  Deutschen.)  Das  ist  alles,  was  ich  darüber
weiß.  Ich  habe  Ihren  Rat  befolgt  und  durch  den  deutschen  Konsul
hier  meine  amerikanischen  Pässe  visieren  lassen.  Er  ist  ein  liebenswürdiger
  Mensch.  Robert  Louis  Stevenson  in  Samoa  kannte  er.
Ihr  getreuer  X.  P.

Dieser  Brief  rührt  her  von  einem  zurzeit  in  Zürich  lebenden
Amerikaner  an  einen  Freund,  und  ist  dem  Frankfurter  Blatte  von
einer  Seite  zur  Verfügung  gestellt,  die  jedes  Mißtrauen  ausschließt.
Der  Briefschreiber  ist  außerdem  jeder  Zeit  bereit,  durch  Nennung  seines
eigenen  Namens  und  der  Namen,  die  hier  nur  summarisch  bezeichnet
sind,  für  die  Richtigkeit  seiner  Angaben  einzutreten.

Der  Kapitän  der  „Karlsruhe"  gegen  englische  Verleumdungen.

Die  vor  einigen  Tagen  in  Neuyork  eingetroffenen  Passagiere  des
von  der  „Karlsruhe“  gekaperten  englischen  Dampfers  „Van  Duck“
brachten,  wie  die  „New  Vorker  Staatszeitung“  berichtet,  eine  Kundgebung
  mit,  die  Fregattenkapitän  Köhler,  der  Kommandant  des  deutschen
  Kreuzers,  auf  dem  Dampfer  „Asuncion“,  mit  dem  die  Passagiere
nach  Pera  in  Brasilien  gebracht  wurden,  als  Protest  gegen  englische
Lügen  hatte  anschlagen  lassen.  In  der  Bekanntmachung  heißt  es:

„Da  auch  über.,  die  Behandlung  der  von  deutschen  Kreuzern  genommenen
  Handelsschiffe  falsche  Anschauungen  herrschen,  so  bringe  ich
zur  Kenntnis,  daß  alle  Kapitäne  der  bisher  von  S.  M.  S.  „Karlsruhe“
genommenen  siebzehn  Schiffe  ihren  Dank  ausgesprochen  haben  für  die
ihnen  und  ihren  Leuten  erwiesene  gute  Behandlung.  Sie  haben  erklärt,
daß  sie  der  englischen  Regierung  dies  mitteilen  wollen.  Kein  Mann
der  Besatzungen  der  genommenen  Schiffe,  sei  er  Neutraler  oder  englischer
  Staatsangehöriger,  ist  an  seinem  Eigentum,  seiner  Freiheit  oder
an  Leben  und  Gesundheit  im  geringsten  geschädigt.  Die  Behandlung
der  Besatzungen  der  deutschen  Handelsschiffe  in  englischer  Gefangenschaft
  steht  hierzu  in  auffallendem  Gegensatz.  Der  uns  von  England
erklärte  Krieg  zwingt  uns,  jedes  englische  Schiff  zu  nehmen  und  zu
zerstören.  Die  Besatzungen  der  deutschen  Kreuzer  haben  aber  hiervon
keinen  Vorteil,  da  die  deutsche  Marine  im  Gegensatz  zur  englischen
Prisengelder  als  ein  Ueberbleibsel  aus  der  Zeit  des  Seeraubs  nicht
kennt.  Ich  bedaure,  daß  die  Passagiere  des  genommenen  englischen
Dampfers  („Van  Dyck“)  durch  die  Ueberschiffung  auf  den  Dampfer
„Asuncion“  Unbequemlichkeiten  ausgesetzt  sind.  Die  Benutzung  eines
Fahrzeuges  einer  kriegführenden  Macht  bringt  dies  aber  leider  mit  sich.

                                  ges  Köhler,
         Fregattenkapitän  und  Kommandant  S.  M.  S.  „Karlsruhe“.
        <pb n="304" />
                                                         —  829  —

                    Schwerer  Verlust  der  deutschen  Flotte.
                                            Amtlich.  Berlin,  10.  Dezember.  (W.T.  B.)

Laut  amtlicher  Meldung  aus  London  ist  unser  Kreuzergeschwader
am  8.  Dezember  7½  Uhr  morgens  in  der  Nähe  der  Falklandsinseln
von  einem  englischen  Geschwader  unter  dem  Kommando  des  Vizeadmirals
  Sturdee  gesichtet  und  angegriffen  worden.  Nach  der  gleichen
Meldung  find  in  dem  Gefecht  S.  M.  S.  „Scharnhorst“,  „Gneisenau“  und
„Leipzig“  gesunken.  Zwei  Kohlendampfer  sind  in  Feindeshand  gefallen.
  S.  M.  Schiffe  „Dresden“  und  „Nürnberg“  gelang  es,  zu  entkommen,
  sie  werden  angeblich  verfolgt.  Unsere  Verluste  scheinen  schwer
zu  sein.  Eine  Anzahl  Ueberlebender  der  gesunkenen  Schiffe  wurde
gerettet.  Ueber  die  Stärke  des  Gegners,  dessen  Verluste  gering  sein
sollen,  enthalten  die  englischen  Meldungen  nichts.

                     Der  Chef  des  Admiralstabes  der  Marine.
                                                      gez.:  v.  Pohl.

                      Die  Seeschlacht  bei  den  Falklandsinseln.
                                                                          Amsterdam,,  10.  Dezember.

Ueber  die  Seeschlacht  bei  den  Falklandsinseln,  wo  das  Geschwader
des  Admirals  Frederic  Sturdee  die  deutschen  Kreuzer  „Scharnhorst"“,
„Gneisenau“  und  „Leipzig"  in  Grund  bohrte,  sind  noch  keine  Einzelheiten
  bekannt.  Der  Londoner  Korrespondent  des  „Telegraaf,,  meldet:
Schon  seit  einiger  Zeit  hörte  man  Gerüchte,  daß  die  deutschen  Kreuzer
in  die  Enge  getrieben  seien,  und  daß  sie  sich  vermutlich  in  der  Nähe
des  Kap  Horn  verborgen  hielten.  Als  sie  gestern  das  Kap  umfuhren,
begegneten  sie  dem  englischen  Geschwader.  Man  glaubt,  daß  die
„Scharnhorst“  mit  der  ganzen  Mannschaft  untergangen  ist,  während
von  den  Besatzungen  der  „Gneisenau“  und  „Leipzig“  mehrere  Mann
gerettet  wurden.

 

Der  Untergang  der  Kreuzer  „Scharnhorst“,  „Gneisenau“  und  „Leipzig“.
                                                       Rotterdam,,  10.  Dezember.

Aus  London  werden  folgende  Einzelheiten  über  den  Untergang
der  drei  deutschen  Kreuzer  gemeldet:  „Das  deutsche  Geschwader  wurde
von  der  „Scharnhorst“  geführt.  Als  es  sich  entdeckt  sah,  stellte  es  sich  in
Gefechtslinie  auf  und  dampfte  östlich,  um,  wenn  nötig,  entkommen  zu
können.  Die  „Scharnhorst“  wurde  aber  von  der  britischen  Uebermacht
eingeschlossen.  Der  englische  Admiral  konnte  ein  weiteres  Geschwader
absondern,  um  die  „Eneisenau“  einzuschließen.  „Leipzig"“  und  „Dresden“
  versuchten  Hilfe  zu  leisten,  als  aber  „Scharnhorst“  und  „Gneisenau“
  außer  Gefecht  gesetzt  waren,  versuchten  sie  zu  entkommen.  Dies
gelang  der  „Nürnberg"  und  „Dresden“.  „Leipzig"  wurde  abgeschnitten.

Ueber  10  000  Russen  in  Galizien  gefangen  genommen.
                                                     Wien,  10.  Dezember.  (W.T.  B.)
          Amtlich  wird  verlautbart:  10.  Dezember,  mittags:
In  Polen  verlief  der  gestrige  Tag  an  unserer  Front  ruhig.  Ein
vereinzelter  Nachtangriff  der  Russen  im  Raume  südwestlich  Noworadomsk
  wurde  abgewiesen.
        <pb n="305" />
                                                      —  830  —

In  Westgalizien  brachten  beide  Gegner  starke  Kräfte  in  den
Kampf.  Bisher  wurden  hier  über  10  000  Russen  gefangen  genommen.
Die  Schlacht  dauert  auch  heute  fort.

Unsere  Operationen  in  den  Karpathen  führten  bereits  zur  Wiedergewinnung
  erheblicher  Teile  des  eigenen  Gebietes.

                   Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                            v.  Hoefer,  Generalmajor.


       Das  Urteil  gegen  die  deutschen  Militärärzte  ausgehoben!

(W.T.  B.)  Paris,  10.  Dezember.  Der  Revisionsrat  des  Militärgouvernements
  kassierte  wegen  eines  Formfehlers  das  Urteil  des
Kriegsgerichtes,  welches  neun  deutsche  Militärärzte  wegen  Plünderung
in  Lizy-sur-Ourcq  zu  Strafen  von  sechs  Monaten  bis  zu  zwei  Jahren
#hnns  verurteilt  hatte,  und  verwies  die  Sache  vor  das  Kriegsgericht.


                           Der  türkische  Schlachtbericht.
.  (W.T.  B.)  Konstantinopel,  10.  Dezember.  Amtliche  Mitteilung
  aus  dem  Großen  Hauptquartier.

Gestern  machten  die  Russen  unter  dem  Schutze  von  Kriegsschiffen
einen  Landungsversuch  nahe  bei  Gonia  südlich  von  Batum,  um  unsere
Truppen  in  der  Flanke  anzugreifen.  Die  gelandeten  Russen  wurden  zum
Rückzuge  gezwungen  und  erlitten  schwere  Verluste;  wir  nahmen  während
des  Kampfes  zwei  Geschütze  weg.

Im  Vilajet  Wan  warf  unsere  Kavallerie  einen  Angriff  der  rufssischen
  Kavallerie  zurück.  An  der  persischen  Grenze  östlich  von  Wan  bei
Leir  iistn  wir  einen  russischen  Angriff  ab  und  fügten  dem  Feinde

erluste  zu.

                           Meldung  des  Großen  Hauptauartiers.
                                                   Den  11.  Dezember,  1914,  vormittags.
In  Flandern  machten  wir  Fortschritte.  Westlich  und  östlich  der
Argonnen  wurden  feindliche  Artilleriestellungen  mit  gutem  Erfolge
bekämpft.  Französische  Angriffe  im  Bois  de  Pretre  —  westlich  Pont
à  Mousson  —  wurden  abgewiesen.
Oestlich  der  masurischen  Seenlinie  keine  Veränderung.

In  Nordpolen  schreitet  unser  Angriff  vorwärts.  Aus  Südpolen
nichts  Neues.
                                                  Oberste  Heeresleitung.

                      Die  Seeschlacht  bei  den  Falklands-Inseln.

                                                           (W.T.  B.)  Berlin,  11.  Dezember.
Nach  weiterer  amtlicher  Reutermeldung  aus  London  ist  es  den
verfolgenden  englischen  Kreuzern  gelungen,  auch  S.  M.  S.  „Nürnberg“
zum  Sinken  zu  bringen.
             Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                             gez.  Behncke.
        <pb n="306" />
                                              —  831  —

                                                                      Rotterdam,  11.  Dezember.

Aus  London  wird  gemeldet,  daß  die  Seeschlacht  am  8.  Dezember
mit  Unterbrechungen  5  Stunden  währte.  „Scharnhorst“  sank  nach  dreistündigem
  Kampf  und  „Gneisenau“  folgte  zwei  Stunden  später.  Die
leichten  deutschen  Kreuzer  entwichen  und  wurden  von  der  Kreuzerflottille
  verfolgt.  Kein  britisches  Schiff  ging  verloren.

In  einem  Leitartikel  schreiben  die  „Times“  über  die  Seeschlacht
bei  den  Falklandsinseln:  Es  fehlen  noch  Einzelheiten,  aber  wir  zweifeln
  nicht  daran,  daß  die  deutschen  Seeleute  mit  ihrem  üblichen  Mut
gekämpft  haben.  Zweifellos  hat  dieses  Mal  die  Uebermacht  ebenso  den

Sieg  davongetragen,  wie  es  im  November  an  der  chilenischen  Küste  der
Fall  war.  „Times“  bedauern,  daß  so  wenig  Mann  gerettet  werden
konnten.

„Daily  Mail“  sagt:  Es  muß  ein  mächtiger  Kampf  gewesen  sein,
denn  wir  wissen  aus  Erfahrung,  wie  die  deutschen  Schiffe  kämpfen.

„Daily  Telegraph“  sagt:  Der  Marinekrieg  lehrt,  daß  Verlust  fast

immer  Vernichtung  bedeutet.  „Good  Hope“  und  „Monmouth“  sanken
mit  Mann  und  Maus,  mit  „Scharnhorst“,  „Gneisenau“  und  „Leipzig“
scheint  es  nicht  viel  anders  zu  sein.  Jedenfalls  steht  fest,  daß  in  den
heutigen  Tagen  Uebermacht  und  größere  Geschwindigkeit  für  den
Erfolg  unentbehrlich  sind.
«  Die  englischen  Blätter  bringen  vorläufig  erst  noch  wenige  Einzel—
heiten.  Sowohl  „Times“  wie  „Daily  Telegraph“  drücken  die  Ansicht
aus,  daß  im  Gegensatz  zur  Seeschlacht  bei  Coronel,  wo  die  Deutschen
siegreich  waren,  diesmal  die  Engländer  die  Uebermacht  hatten.  Beide
Blätter  betonen  jedoch,  daß  vorerst  die  Zusammensetzung  des  englischen
Geschwaders  geheimgehalten  werden  müsse.  Die  gesamte  Presse  bringt
unter  großen  Lobsprüchen  den  Lebenslauf  des  in  der  Seeschlacht  befehligenden
  englischen  Admirals  Sir  Frederic  Sturdee,  der  in  der  letzten
Flottenliste  noch  als  Chef  des  Admiralstabes  geführt  wurde  und  inzwischen
  unter  größter  Heimlichkeit  zum  Chef  des  Geschwaders  ernannt
worden  war,  das  jetzt  den  Sieg  errungen  hat.  Die  Blätter  erklären,
der  Sieg  sei  durch  keinen  Zufall  hervorgerufen  worden,  sondern  es  sei
der  Erfolg  eines  großzügig  angelegten  strategischen  Planes.


                Schwere  Verluste  der  Russen  in  Galizien.
         (W.T.B.)  Wien,  11.  Dezember.  Amtlich  wird  verlautbart:
                                                                        11.  Dezember,  mittags.

Unsere  Operationen  in  den  Karpathen  verlaufen  planmäßig.  Der
Feind  leistete  gestern  zumeist  nur  mit  Nachhuten  Widerstand,  welche
geworfen  wurden.

In  Galizien  ist  noch  keine  Entscheidung  gefallen.  Wo  die  Russen
angriffen,  wurden  sie  unter  schweren  Verlusten  zurückgewiesen.

Die  Ruhe  an  unserer  Front  in  Polen  hielt  auch  gestern  an.

Przemysl  vom  Gegner  nur  eingeschlossen,  nicht  angegriffen.  Die  stets
unternehmungsfreudige  Besatzung  beunruhigt  die  in  achtungsvoller  Entfernung
  vom  Festungsgürtel  sich  haltenden  Einschließungstruppen  fast
täglich  durch  kleinere  und  größere  Ausfälle.

"           Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                     von  Hoefer,  Generalmajor.
        <pb n="307" />
                                                            —  832  —

                      Der  Tod  des  Generals  Beyers.

(W.T.  B.)  Pretoria,  11.  Dezember.  Die  Leiche  Beyers  wurde
bei  Vliegekraal  gefunden  und  identifiziert.  Die  Untersuchung  ergab,
daß  Beyers  nicht  verwundet  war,  sondern  der  Tod  durch  Ertrinken
erfolgte.  Beyers  geriet,  während  er  durch  den  Vaal  schwamm,  aus
dem  Sattel  und  suchte  wieder  das  linke  Ufer  zu  erreichen.  Er  begann,
als  er  etwa  300  Yards  von  dem  Ufer  war,  um  Hilfe  zu  rufen.  Ein
Soldat  fragte  vom  Ufer  aus,  ob  er  verwundet  wäre.  Beyers  antwortete,
ich  kann  nicht  schwimmen,  meine  Kleidung  hindert  mich!  Infolge  des
heftigen  Feuers  war  es  unmöglich,  Hilfe  zu  leisten.  Zusammen  mit
Beyers  ertrank  noch  ein  anderer  Bur.


                    Der  Bericht  der  deutschen  Heeresleitung.
Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  12.  Dezember,  vormittags.
In  Flandern  griffen  gestern  die  Franzosen  in  Richtung  östlich  Langemarck
  an.  Sie  wurden  zurückgeworfen  und  verloren  etwa  200  Tote,
340  Gefangene.

Unsere  Artillerie  beschoß  Bahnhof  Ypern  zur  Störung  feindlicher
Truppenbewegungen.

Bei  Arras  wurden  Fortschritte  gemacht,  in  Gegend  Souain-Perthes
griffen  die  Franzosen  erneut  ohne  jeden  Erfolg  an.  Im  Argonnenwalde
versuchten  die  Franzosen  nach  wochenlangem,  rein  passivem  Verhalten
einige  Vorstöße;  sie  wurden  überall  leicht  abgewiesen.  Dagegen  nahmen
die  deutschen  Truppen  wiederum  einen  wichtigen  französischen  Stützpunkt
durch  Minensprengung.  Der  Gegner  erlitt  starke  Verluste  an  Gefallenen
und  Verschütteten.  Außerdem  machten  wir  200  Gefangene.

Bei  Apremont  südöstlich  St.  Mihiel  wurden  mehrfache  heftige  Angriffe
  der  Franzosen  abgewiesen,  ebenso  auf  dem  Vogesenkamm  in  Gegend
westlich  Markirch.

An  der  ostpreußischen  Grenze  warf  unsere  Kavallerie  russische  Kavallerie
  zurück  und  machte  350  Gefangene.

Südlich  der  Weichsel  in  Nordpolen  entwickeln  sich  unsere  Operationen
weiter,  in  Südpolen  wurden  russische  Angriffe  von  österreichisch-ungarischen
  und  unseren  Truppen  abgeschlagen.

                                                             Oberste  Heeresleitung.  (W.  T.  B.)

                         Die  russischen  Verluste.

WTB.  Berlin,  12.  Dezember.  Die  Räumung  von  Lodz  durch  die
Russen  geschah  heimlich  des  Nachts,  daher  ohne  Kampf  und  zunächst  unbemerkt.
  Sie  war  aber  nur  das  Ergebnis  der  vorhergehenden  dreitägigen
Kämpfe.  In  diesen  hatten  die  Russen  ganz  ungeheure  Verluste,  besonders
  durch  unsere  schwere  Artillerie.  Die  verlassenen  russischen  Schützengräben
  waren  mit  Toten  buchstäblich  angefüllt.  Noch  nie  in  den  gesamten
Kämpfen  des  Ostheeres,  nicht  einmal  bei  Tannenberg,  sind  unsere  Truppen
  über  so  viele  russische  Leichen  hinweggeschritten,  wie  bei  den  Kämpfen
um  Lodz,  Lowicz  und  überhaupt  zwischen  Pabianice  und  der  Weichsel-Obgleich

  wir  die  Angreifer  waren,  blieben  unsere  Verluste  hinter
denen  der  Russen  weit  zurück.  Wir  haben  insbesondere,  im  Gegensatz  zu
        <pb n="308" />
                                                       —  833  —

ihnen,  ganz  unverhältnismäßig  wenig  Tote  verloren.  So  fielen  bei  dem
bekannten  Durchbruch  unseres  25.  Reservekorps  von  diesem  Heeresteil
nur  120  Mann,  gewiß  eine  auffallend  niedrige  Zahl.  Für  die  Verhältnisse
  beim  Feinde  ist  demgegenüber  bezeichnend,  daß  allein  auf  einer
Höhe  südlich  Lutomiersk  (westlich  Lodz)  nicht  weniger  als  887  tote  Russen
gefunden  und  bestattet  worden  sind.  Auch  die  russischen  Gesamtverluste
können  wir,  wie  in  den  früheren  Schlachten,  ziemlich  zuverlässig  schätzen.
Sie  betrugen  in  den  bisherigen  Kämpfen  in  Polen  mit  Einschluß  der  von
uns  erbeuteten  80  000  Gefangenen,  die  inzwischen  mit  der  Bahn  nach
Deutschland  abbefördert  worden  sind,  mindestens  150  000  Mann.

                                Wie  „Nürnberg"  unterging.

         WTB.  London,  12.  Dezember.  Die  „Daily  Mail“  meldet  aus
Neuyork:  Das  britische  Geschwader  holte  den  Kreuzer  „Nürnberg“  nach
einer  aufregenden  Jagd  ein  und  forderte  ihn  auf,  sich  zu  ergeben.  „Nürnberg“
  wies  dies  ab  und  kämpfte,  bis  fie  unterging.  Das  britische  Geschwader
  umsaßte  die  Panzerkreuzer  „Shannon“,  „Achilles“,  „Cochrane“
und  „Natal“.

                         Erfolgreicher  Ausfall  aus  Przemysl.

             WTB.  Wien,  12.  Dezember.  Amtlich  wird  verlautbart:

                                                                        12.  Dezember,  mittags.

Ungeachtet  aller  Schwierigkeiten  des  winterlichen  Gebirgsgeländes
setzten  unsere  Truppen  ihre  Vorrückung  in  den  Karpathen  unter  fortwährenden
  siegreichen  Gefechten,  in  denen  gestern  über  2000  Russen  gefangen
genommen  wurden,  unaufhaltsam  fort.  Die  Pässe  westlich  des  Lupkower
Passes  sind  wieder  in  unserem  Besitz.  Im  Raume  südlich  Gorlice,  Grybow
und  Neu-Sandec  begannen  größere  Kämpfe.

Die  Schlacht  in  Westgalizien,  deren  Front  sich  aus  der  Gegend  östlich
Tymbark  bis  in  den  Raum  östlich  Krakau  hinzieht,  dauert  fort.  Gestern
brachen  wieder  mehrere  Angriffe  der  Russen  in  unserem  Artilleriefeuer
zusammen.

Die  Lage  in  Polen  hat  sich  nicht  geändert.

Die  Besatzung  von  Przemysl  brachte  von  ihrem  letzten  Ausfall  700
gefangene  Russen  und  18  erbeutete  Maschinengewehre  mit  sehr  viel
Munition  heim.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                             v.  Hoefer,  Generalmajor.

                           Günstige  Lage  im  Osten.

                                                          Wien,  13.  Dezember.  (WILB.)

            Amtlich  wird  verlautbart,  13.  Dezember:

In  der  Schlacht  in  Westgalizien  wurde  der  südliche  Flügel  der
Russen  gestern  bei  Limanowa  geschlagen  und  zum  Rückzuge  gezwungen.
Die  Verfolgung  des  Feindes  ist  eingeleitet.  Alle  Angriffe  auf  unsere
übrige  Schlachtfront  brechen  ebenso  wie  an  den  früheren  Tagen  zusammen.
  Unsere  über  die  Karpathen  vorgerückten  Kräfte  setzten,  wieder
        <pb n="309" />
                                                     —  834  —

unter  mehrfachen  Kämpfen,  die  Verfolgung  energisch  fort.  Nachmittags
wurde  Neu-Sandec  genommen.  Auch  in  Grybow,  Gorlice  und  Zmigrod
rückten  unsere  Truppen  wieder  ein.  Das  Zemplener  Komitat  ist  vom
Feinde  vollkommen  gesäubert.  In  den  abseits  vom  Schauplatz  der  großen
Ereignisse  gelegenen  östlichen  Waldkarpathen  vermochte  der  Gegner  südlich
  des  Gebirgskammes  nirgends  wesentlich  Raum  zu  gewinnen.  Im
allgemeinen  halten  unsere  Truppen  die  Paßhöhen,  in  der  Bukowina  die
Linie  des  Suczawa-Tales.  In  Südpolen  wurde  nicht  gekämpft.  Nördlich
Lowicz  setzten  unsere  Verbündeten  den  Angriff  auf  die  stark  befestigten
Stellungen  der  Russen  erfolgreich  fort.
           Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                   v.  Hoefer,  Generalmajor.


                   Der  Bericht  der  deutschen  Heeresleitung.

     Amtlich.  Großes  Hauptauartier,  13.  Dezbr.,  vormittags.

Nachdem  am  11.  Dezember  die  französische  Offensive  auf  Apremont
(südöstlich  St.  Mihiel)  gescheitert  war,  griff  der  Feind  gestern  nachmittag
in  breiterer  Front  über  Fliery  (halbwegs  St.  Mihiel—Pont--à-Mousson)
an.  Der  Angriff  endete  für  die  Franzosen  mit  dem  Verlust  von  600  Gefangenen
  und  einer  großen  Anzahl  von  Toten  und  Verwundeten.  Unsere
Verluste  betrugen  dabei  etwa  70  Verwundete.

Im  übrigen  verlief  der  Tag  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  im
wesentlichen  ruhig.

In  Nordpolen  nahmen  wir  eine  Anzahl  feindlicher  Stellungen;
dabei  machten  wir  11.000  Gefangene  und  erbeuteten  43  Maschinengewehre.


Aus  Ostpreußen  und  Südpolen  nichts  Neues.

                                                           Oberste  Heeresleitung.  (W:B.)

                         Batum  in  Brand  geschossen.

Vom  türkischen  Hauptquartier  wird  gemeldet,  daß  der  große  Kreuzer
„Sultan  Jawus  Selim“  (der  nach  russischen  Meldungen  schwer  beschädigt
sein  sollte)  am  10.  Dezember  Batum  in  Brand  geschossen  hat.  Die  russischen
  Landbatterien  haben  ohne  Erfolg  das  Feuer  erwidert.


                    Der  Bericht  der  Obersten  Heeresleitung.
   Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  14.  Dezember,  vormittags.

Schwächere  französische  Angriffe  gegen  Teile  unserer  Stellungen
zwischen  der  Maas  und  den  Vogesen  wurden  leicht  abgewiesen.

Im  übrigen  ist  vom  westlichen  Kriegsschauplatz  sowie  aus  Ostpreußen
und  aus  Südpolen  nichts  Wesentliches  zu  melden.

In  Nordpolen  nehmen  unsere  Operationen  ihren  Fortgang.

Zu  den  russischen  und  französischen  amtlichen  Nachrichten  ist  folgendes
  zu  bemerken:

Aus  Petersburg  wurde  am  11.  Dezember  amtlich  gemeldet:

Südöstlich  Krakau  setzten  wir  unsere  Offensive  fort,  eroberten  mehrere
  deutsche  Geschütze  und  Maschinengewehre  und  etwa  2000  Gefangene.“

Tatsächlich  ist  nicht  ein  Mann,  nicht  ein  Geschütz  oder  Maschinengewehr
  unserer  „südöstlich  Krakau“  kämpfenden  Truppen  in  russische
Hände  gefallen.
        <pb n="310" />
                                                   —  835  —

Die  amtliche  Pariser  Mitteilung  vom  12.  Dezember  behauptet:

„Nordöstlich  Vailly  wurde  eine  deutsche  Batterie  völlig  vernichtet.
In  Deuxnouds  westlich  Vigneulles-les-Hattonchatel  wurden  2  deutsche
Batterien  zerstört,  eine  großkalibrige  und  eine  für  Flugzeuge  bestimmt.
In  derselben  Gegend  wurde  von  Franzosen  ein  Blockhaus  gesprengt
und  wurden  mehrere  Gräben  zerstört.“

Alle  diese  Meldungen  sind  erfunden.

                                                         Oberste  Heeresleitung.  (We  B.)

                   Die  Neutralität  der  Vereinigten  Staaten.
                     Das  Verbot  des  Unterseebootverkaufs.

                                        Washington,  14.  Dezember.  (WTB.)

Das  Auswärtige  Amt  in  Washington  hat  die  folgende  Erklärung
des  Staatssekretärs  veröffentlicht:

„Als  das  Auswärtige  Amt  Nachricht  erhielt,  daß  die  Fore  River
Company  den  Bau  einer  Anzahl  von  Unterseebooten  für  einen  der  Verbündeten
  plane,  wurden  Nachforschungen  angestellt,  um  die  Tatsachen
festzustellen.  Auf  Grund  dieser  Nachforschungen  sprach  Herr  Schwab  in
der  vorigen  Woche  mit  seinem  Rechtsbeistand  im  Auswärtigen  Amte  vor
und  setzte  dem  Amte  auseinander,  was  seine  Gesellschaft  beabsichtige.
Er  legte  dar,  daß  er  vor  Uebernahme  des  Auftrages  sich  die  Gutachten
einer  Reihe  von  Völkerrechtskundigen  und  Rechtsgelehrten  gesichert  habe
und  sich  innerhalb  der  durch  diese  abgegrenzten  Erfordernisse  der  Neutralität
  halte.  Ich  teilte  ihm  mit,  daß  der  Präsident  auf  Grund  bereits
erhaltener  Informationen  die  Ausführung  des  Auftrages  als  eine  Verletzung
  der  Neutralität  ansehe,  sagte  ihm  aber,  daß  ich  seine  Darlegungen
dem  Präsidenten  mitteilen  und  ihm  eine  endgültige  Antwort  am  Freitag
geben  würde.  Ich  hatte  eine  Konferenz  mit  dem  Präsidenten,  und  er
beauftragte  mich,  Herrn  Schwab  mitzuteilen,  daß  seine  Erklärung  ihn
nur  in  seiner  früheren  Ansicht  bestärkte,  daß  die  Unterseeboote  nicht  gebaut
  werden  dürften.  Wenige  Minuten  nach  meiner  Rückkehr  aus  dem
Weißen  Hause  rief  mich  Herr  Schwab  von  auswärts  an  und  sagte  mir,
daß  er  sich  der  Ansicht  des  Präsidenten  über  die  Angelegenheit  unterwerfe,
  und  daß  ich  bekanntgeben  könne,  daß  seine  Firma  keine  Unterseeboote
  für  irgend  einen  kriegführenden  Staat  zur  Ablieferung  während
der  Dauer  des  Krieges  bauen  werde.  ·

                                                                               Bryan,  Staatssekretär.“

Aus  dieser  Darlegung  ist  zu  ersehen,  daß  in  den  Vereinigten  Staaten
keine  Unterseeboote  zur  Ablieferung  an  einen  kriegführenden  Staat
während  des  Krieges  werden  gebaut  werden:


                           Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                              Wien,  14.  Dezember.
          Amtlich  wird  verlautbart:  14.  Dezember,  mittags:

Die  Verfolgung  der  Russen  in  Westgalizien  wurde  fortgesetzt  und
gewann,  abermals  unter  kleineren  und  größeren  Gefechten,  allenthalben
nordwärts  Raum.  Nun  ist  auch  Dukla  wieder  in  unserem  Besitz.
        <pb n="311" />
                                                      —  836  —

Unsere  über  die  Karpathen  vorgerückten  Kolonnen  machten  gestern
und  vorgestern  9000  Gefangene  und  erbeuteten  10  Maschinengewehre.

Die  Lage  an  unserer  Front  von  Rajbrot  bis  östlich  Krakau  und  in
Südpolen  ist  unverändert.

Nördlich  Lowicz  drangen  unsere  Verbündeten  im  Angriffe  weiter
gegen  die  untere  Bzura  vor.

             Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                          v.  Hoefer,  Generalmajor.

                   Zum  Untergange  unseres  Kreuzergeschwaders.

                                                                    Berlin,  14.  Dezember.

Anläßlich  des  Unterganges  unseres  Geschwaders  hat  der  Präsident
des  Reichstags  Dr.  Kämpf  folgendes  Telegramm  an  den  Kaiser  gerichtet:

„Mit  Schmerz  und  Trauer,  aber  ungebeugten  Mutes  hört  das
deutsche  Volk  die  Nachricht  von  dem  ruhmvollen  Untergang  der  Kreuzer
„Scharnhorst“,  „Gneisenau“,  „Leipzig“"  und  „Nürnberg".  Von  einer
Uebermacht  von  feindlichen  Schiffen  umringt,  haben  unsere  heldenmütigen
Seeleute,  ihre  tapferen  Führer  an  der  Spitze,  den  sicheren  Tod  vor  den
Augen,  bis  zum  letzten  Atemzuge  gekämpft  und  sind  dann  in  den  Tod
gegangen  für  des  Deutschen  Reiches  Ehre.  Mit  Eurer  Kaiserlichen  und
Königlichen  Majestät  weiß  das  deutsche  Volk  sich  eins  in  dem  Schmerz
und  der  Trauer  um  den  Verlust  so  vieler  hoffnungsreicher  Menschenleben,
  aber  auch  in  ihrer  Bewunderung  und  in  dem  Stolze  auf  ihre  ruhmreiche
  Heldentat.  Eine  Nation,  die  solche  Helden  hervorbringt,  darf  ungebeugten
  Mutes  auch  den  schwersten  Opfern  standhaft  ins  Auge  schauen
und  des  Sieges  gewiß  sein.  Namens  des  Reichstags:  Dr.  Kaempf,  Präsident
  des  Reichstags.“

Darauf  ist  folgende  Antwort  eingegangen:

„Das  harte  Schicksal,  das  unser  ostasiatisches  Geschwader  betroffen,
hat  Sie  veranlaßt,  im  Namen  des  Reichstags  dem  tiefen  Schmerz  des
deutschen  Volkes  über  den  schweren  Verlust  so  zahlreicher  braver  Helden,
zugleich  aber  auch  den  Gefühlen  des  Stolzes  über  ihre  Taten  und  des
unerschütterlichen  Vertrauens  in  die  Zukunft  Ausdruck  zu  geben.  Ich
danke  Ihnen  herzlich  für  diese  Kundgebung.  Mögen  die  schweren  Opfer,
die  der  uns  aufgezwungene  Existenzkampf  der  Gesamtheit  wie  jedem  einzelnen
  auferlegt,  getragen  werden  von  der  zuversichtlichen  Hoffnung,  daß
Gott  der  Herr,  aus  dessen  gnädiger  Hand  wir  Elück  und  Unglück,  Freude
und  Schmerz  in  Demut  empfangen,  auch  die  schwersten  Wunden  in  Segen
für  Volk  und  Vaterland  wandeln  wird.                         Wilhelm  I.  R.“


                           Machonald  gegen  Grey.

       Ein  englischer  Arbeiterführer  über  das  englische
                                                Weißbuch.

      Von  der  holländischen  Grenze,  14.  Dezember.  In  der
„Continental  Times“  versieht  der  frühere  Führer  der  Arbeiterpartei,
        <pb n="312" />
                                                         —  837  —

J.  Ramsay  Macdonald,  das  britische  Weißbuch  über  den  Ausbruch  des
Krieges  mit  einigen  beachtenswerten  Bemerkungen.  Er  schreibl  u.  a.:

Das  Weißbuch  beginnt  mit  einer  Unterredung  zwischen  Sir  Edward
Grey  und  dem  deutschen  Botschafter  am  20.  Juli  über  die  Note  Oesterreichs
betreffend  die  Züchtigung  Serbiens.  Das  britische  Ultimatum  an  Deutschland
  vom  4.  August  bildet  den  Abschluß.  Aus  der  erwähnten  Unterredung
geht  mit  ziemlicher  Sicherheit  hervor:  1.  Sir  Edward  Grey  hat  bis  zuletzt
versucht,  einen  europäischen  Krieg  zu  vermeiden.  2.  Deutschland  hat  so  gut
wie  gar  nichts  getan,  um  den  Frieden  zu  erhalten.  Es  ist  jedoch  nicht  erwiesen,
  daß  es  Oesterreich  ausgemuntert  habe,  gegen  Serbien  mit  bewaffneter
Handaufzutreten.  3.Die russische  Mobilmachung  hat  Deutschland  zum  Krieg
gezwungen.  4.  Rußland  und  Frankreich  haben  von  Anfang  an  versucht,
durch  Druck  sowohl  wie  durch  List  (England)  ein  Versprechen  der  Hilfeleistung
  für  den  Kriegsfall  abzuringen.  5.  Wenngleich  Sir  Edward  Grey
ihnen  keine  feste  Zusage  gegeben  hat,  hat  er  doch  dem  deutschen  Botschafter
in  London  zu  verstehen  gegeben,  daß  wir  wahrscheinlich  nicht  außerhalb  des
Konflikts  bleiben  könnten.  6.  Während  der  Unterhandlungen  hat  Deutschland
  einen  Versuch  gemacht,  unsern  Wünschen  bis  zu  einem  gewissen  Maße
entgegenzukommen  zu  dem  Ende,  sich  unserer  Neutralität  zu  vergewissern.
Von  diesen  Vorschlägen  waren  einige  recht  hinderlich;  wir  haben  jedoch
unserseits  nichts  versucht,  um  sie  auf  diplomatischem  Wege  weniger  hinderlich
  zu  gestalten.  Sir  Edward  Grey  hat  sie  schließlich  allesamt  abgewiesen.
Deutschland  drängte  so  sehr  auf  eine  örtliche  Begrenzung  des  Krieges,  daß
der  deutsche  Botschafter  selbst  Sir  Edward  Grey  ersuchte,  seine  eigenen  Neutralitätsbedingungen
  bekanntzugeben.  Letzterer  jedoch  lehnte  jede  Erörterung
  darüber  ab.  Diese  Tatsachen  sind  weder  durch  Herrn  Asquith  noch
durch  Sir  Edward  Grey  zur  Sprache  gebracht  worden.  7.  Als  Sir  Edward
Grey  einsah,  daß  der  Friede  zwischen  Deutschland  und  Rußland  nicht  mehr
zu  halten  war,  hat  er  es  darauf  angelegt,  uns  mit  in  den  Krieg  hineinzuziehen,
  indem  er  Belgien  als  Vorwand  benutzte.  Damit  ist  die  Richtung  des
Weißbuches  gegeben.

Nun  aber  scheint  ein  Widerspruch  in  der  Tatsache  zu  liegen,  daß  Sir
Edward  Grey  zuerst  versucht  hat,  den  europäischen  Frieden  zu  erhalten,  und
daß  er  später,  als  ihm  dies  nicht  geglückt  war,  danach  gestrebt  hat,  Großbritannien
  in  den  Krieg  zu  verwickeln.  Der  Widerspruch  ist  nur  scheinbar.
Die  Erklärung  dafür  liegt  in  unserer  Auffassung,  daß  schon  seit  acht  Jahren
Sir  Edward  Greyg  für  den  europäischen  Frieden  als  gefährlich  und  seine
Politik  als  ein  Unglück  für  unser  Land  gelten  mußte.  Von  zwei  Arten  der
Politik  kann  Großbritannien  in  Europa  nur  eine  befolgen.  Es  kann  sich  im
allgemeinen  auf  einen  freundlichen  Standpunkt  gegenüber  den  andern  europäischen
  Mächten  stellen,  im  Notfall  mit  jeder  von  ihnen  insbesondere  unterhandeln
  und  in  Angelegenheiten  von  allgemeinem  Interesse  mit  allen  Nationen
  zusammenarbeiten.  Die  Grundlagen  für  eine  solche  Politik  sind
großes  Vertrauen,  großer  Mut,  große  Geduld.  Es  gibt  aber  eine  weit  verlockendere
  Politik,  die  bequemer  und  sicherer  erscheint,  in  Wirklichkeit  jedoch
viel  gefährlicher  und  auch  schwerer  durchführbar  ist.  Es  ist  die  Politik  des
Gleichgewichts  der  Mächte  durch  Bündnisse.  Dazu  nehmen  meist  schwache
und  kurzsichtige  Minister  ihre  Zuflucht;  denn  es  ist  eine  Politik  des  Instinkts,
  nicht  aber  des  nüchternen  Verstandes.

Sie  ist  es  gewesen,  die  auf  dem  Festlande  Mächtegruppierungen  hervorgerufen
  hat.  Durch  sie  ist  Europa  in  zwei  große  feindliche  Lager  geteilt

                                                                                                    53
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                                                          —  838  —

worden,  Deutschland,  Oesterreich  und  Italien  auf  der  einen,  Rußland,
Frankreich  und  wir  auf  der  andern  Seite.  Die  Folgen  dieser  Politik  sind
Argwohn  und  Kriegsrüstungen.  Ihr  Ziel  ist  der  Krieg  und  die  Störung
des  „Gleichgewichts“.  Kommt  der  Krieg,  dann  ist  er  unvermeidlich  allgemein.
  Jede  Macht  hält  sich  an  dem  einen  oder  andern  Tauende  fest,  und
gleitet  eine  von  ihnen  aus,  so  werden  ihre  Verbündeten  mitgeschleppt.  Wir
wissen  aus  praktischer  Erfahrung,  daß  die  schlimmste  Art  von  Bundesgenossenschaft
  die  Entente  ist.  Ein  Bündnis  ist  etwas  Deutlichumschriebenes.
Jeder  ist  dabei  von  seiner  Verantwortung  durchdrungen.  Die  Entente,  das
„Einvernehmen“,  jedoch  ist  ein  Völkerbetrug.  Als  Herr  Asquith  und  Sir
Edward  Grey  immer  und  immer  wieder  im  Unterhause  die  Versicherung
gaben,  daß  wir  durch  unser  „Einvernehmen“  keine  Verpflichtung  auf  uns
genommen  hätten,  da  behaupteten  sie  etwas,  das  buchstäblich  zwar  eine
Wahrheit,  in  Wirklichkeit  aber  eine  Lüge  war.  Hätten  wir  ein  genau  umschriebenes
  Bündnis  mit  Frankreich  und  Rußland  gehabt,  dann  wäre  der
Unterschied  der  gewesen,  daß  wir  und  alle  andern  um  uns  gewußt  hätten,
woran  wir  uns  zu  halten  hätten  und  inwieweit  uns  die  Hände  gebunden
seien,  und  dann  hätte  sich  höchstwahrscheinlich  der  Krieg  abwenden  fassen.
Italien  durfte  frei  bleiben,  weil  sein  Bündnis  ihm  nur  geringe  Verpflichtungen
  auflegt.  Wir  dagegen  sind  in  den  Krieg  gezerrt  worden,  weil  wir
durch  unser  „Einvernehmen“  in  eine  Verwicklung  gezogen  wurden.  


Aus  der  am  3.  August  von  Sir  Edward  Grey  gehaltenen  Rede  wie  auch
aus  dem  Weißbuch  lohnt  es  sich,  zu  ermitteln,  inwiefern  er  sich  selbst  in  diese
Maschen  des  Ententenetzes  verfangen  hat.  Als  Einleitung  dazu  dienten  die
Besprechungen  zwischen  französischen  und  englischen  Sachverständigen  von
Heer  und  Flotte  im  Jahre  1906.  Daraus  entsprossen  Pläne
für  Kriegshandlungen  von  Heer  und  Flotte,  die  Frankreich  und
England  gemeinschaftlich  ausführen  sollten.  Demgemäß  wurde
die  französische  Nordküste  ohne  Schutz  durch  die  französische  Flotte
gelassen.  Als  Sir  Edward  Grey  sich  bemühte,  uns  für  das
System  durch  die  Behauptung  einzunehmen,  daß  die  französische  Küste
schutzlos  sei,  unterließ  er,  uns  mitzuteilen,  daß  es  eben  schon  abgeredet  war,
sie  solle  unbeschützt  bleiben  und  die  französische  Flotte  habe  sich  im  Mittelmeer
  zu  sammeln.  Diese  Besprechungen  hatten  schon  etwa  sechs  Jahre  gedauert,
  ohne  daß  das  Kabinett  darum  gewußt  oder  sie  gutgeheißen  hatte.
Die  militärischen  Pläne  wurden  nach  Petersburg  gesandt,  und  ein  Großfürst
  —  so  behaupten  gut  unterrichtete  Personen  —,  der  mit  amtlichen
deutschen  Persönlichkeiten  in  Rußland  Beziehungen  unterhielt,  sandte  sie
seinerseits  zur  Einsicht  nach  Berlin.  Es  war  Deutschland  schon  seit  Jahren
bekannt,  daß  wir  mit  den  Franzosen  militärische  Vereinbarungen  hatten,
und  daß  Rußland  sich  nach  diesen  Plänen  richtete.  Wir  hatten  uns  durch
das  französisch-russische  Bündnis  so  stark  binden  lassen,  daß  am  3.  August
Sir  Edward  Grey  bekennen  mußte,  obschon  unsere  Hände  fret  seien,  sei
unsere  Ehre  verpfändet.

Die  Regierung  hatte  sich  die  Hände  so  weit  gebunden,  daß  Sir  Edward
Grey  jeden  Vorschlag,  den  Deutschland  ihm  machte,  damit  wir  neutral
blieben,  rundweg  von  der  Hand  wies.  Darum  war  es  ihm,  als  er  im  Unterhaus
  eine  Übersicht  der  gepflogenen  Unterhandlungen  gab,  unmöglich  uns
die  ganze  Wahrheit  zu  sagen,  oder  bei  seinen  Darlegungen  unparteiisch  zu
bleiben.  Er  verspottete  die  Versicherung  Deutschlands  mit  Bezug  auf  die
belgische  Frage  mit  der  Behauptung,  nur  der  Gebietsbestand  und  nicht  die
        <pb n="314" />
                                                      —  839  —

Unabhängigkeit  des  Landes  sei  durch  diese  Versicherungen  gewährleistet.  Als
jedoch  der  Briefwechsel  tatsächlich  veröffentlicht  wurde,  erkannte  man,  daß
Deutschland  diese  Unabhängigkeit  dennoch  hatte  wirksam  verbürgen  wollen.
Allein  das  ist  noch  nicht  das  Aergste.  Das  Weißbuch  erwähnt  einige  uns
von  Deutschland  gemachte  Anerbietungen,  um  unsere  Neutralität  zu  erwirken,
  darunter  befindet  sich  jedoch  keine  einzige,  die  der  Form  nach  anmehmbar
  gewesen  wäre;  Sir  Edward  Grey  hat  uns  bei  der  Meinung  gelassen,
daß  ihm  nur  diese  ungenügenden  Vorschläge  unterbreitet  worden  seien.  Der
Ministerpräsident  hat  später  anders  gehandelt.  Beide  jedoch  haben  mit  der
Wahrheit  hinter  dem  Berge  gehalten.  Nach  dem  Weißbuch  hat  der  deutsche
Botschafter  mit  Sir  Edward  Grey  am  1.  August  eine  Unterredung  gehabt,
worüber  der  Minister  des  Auswärtigen  folgendes  mitteilt:  „Der  Botschafter
  drang  nachdrücklich  in  mich,  ich  möchte  die  Bedingungen  angeben,  unter
denen  wir  neutral  bleiben  würden.  Er  schlug  sogar  vor,  der  Gebietsbestand
  Frankreichs  und  seiner  Kolonien  sollte  gewährleistet  werden.“

Sir  Edward  Grey  wollte  die  Frage  unserer  Neutralität  unter  keinen
Umständen  in  Erwägung  ziehen  und  hat  dem  Unterhaus  nichts  über  die
Unterredung  mitgeteilt.  Warum  nicht?  Es  war  doch  ein  wichtiger  Vorschlag,
  den  tschland  uns  da  machte.  Hätte  Sir  Edward  Grey  uns  das
mitgeteilt,  dann  hätte  seine  Rede  unmöglich  eine  kriegslustige  Stimmung
entfachen  können.  Eine  Tatsache,  die  feststehend  ist,  daß  Grey  die  Ehre  der
Nation  verpfändet  hatte,  ohne  daß  sie  darum  wußte,  um  für  Frankreich  und
Rußland  ins  Feld  zu  ziehen,  so  daß  er  nicht  imstande  war,  die  Neutralität
Englands  in  Erwägung  zu  ziehen.  So  standen  die  Dinge  am  20.  Juli.
Deutschland  hat  nach  diesem  Zeitpunkt  auf  keine  einzige  Handlung  mehr
Einfluß  ausgeübt.

In  diesen  Tatsachen  liegt  die  Erklärung  für  den  scheinbaren  Widerspruch,
  daß  der  Mann,  der  behauptete,  daß  er  die  Erhaltung  des  europäischen
Friedens  erstrebe,  zugleich  der  Anführer  der  Kriegspartei  war.  Sir  Edward
Grey  hat  versucht,  sich  den  Folgen  seiner  Ententepolitik  zu  entziehen  und  den
Frieden  zu  retten.  Als  ihm  das  jedoch  mißlang,  sah  er  sich  genötigt,  sein
Land  in  den  Krieg  zu  zerren.  Die  Versuche  zur  Rechtfertigung  dieser  Politik

ind  eitel  Ausflüchte.  Betrachten  wir  z.  B.  den  Fall  Belgiens  näher:  Seit
Jahren  war  es  bekannt,  daß  im  Falle  eines  Krieges  zwischen  Frankreich
und  Rußland  auf  der  einen  und  Deutschland  auf  der  andern  Seite  für
Deutschland  die  einzig  mögliche  Kriegstaktik  darin  bestehen  könne,  Frankreich
  geradenwegs  anzugreifen  und  zu  dem  Ende  durch  belgisches  Gebiet  zu
ziehen  und  danach  seine  Kräfte  mit  den  Russen  zu  messen.  Diese  Pläne
waren  unserm  Kriegsministerium  bekannt.  Sie  wurden  zur  Zeit  de
Agadirhandels  öffentlich  besprochen  und  in  einzelnen  Zeitungen  öffentlich
behandelt.  1870  hatte  Gladstone  erklärt,  daß  in  einem  „allgemeinen  Kriege“
die  formale  Neutralität  verletzt  werden  könnte.  Deutschlands  militärische
Absichten  waren  uns  durch  die  Erkundungen  unseres  geheimen  Späherdienstes
  sehr  wohl  bekannt.  Wir  wußten,  daß  der  Weg  durch  Velgien  einer
der  Hauptpunkte  von  Deutschlands  Kriegsführung  war.

Es  ist  allgemein  bekannt,  daß  ein  Volk  nicht  gern  kämpft,  wenn  das  Ziel
des  Krieges  eines  idealistischen  Anfluges  entbehrt.  Die  „Daily  Mail“
lieferte  den  Idealismus  für  den  südafrikanischen  Krieg,  indem  sie  dem  Volk
vorlog,  es  würden  in  Südafrika  englische  Frauen  und  Kinder  mit  der  Nilpferdpeitsche
  traktiert.  Für  den  gegenwärtigen  Krieg  sorgte  die  Regierung
für  Idealismus,  indem  sie  uns  weismachte,  daß  wir  die  Unabhängigkeit

                                                                                                         33*
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                                                     —  840  —

Belgiens  beschützen  würden.  Noch  bevor  über  diesen  Punkt  unsere  Regierung
  Deutschland  und  Frankreich  auf  den  Zahn  gefühlt  hatte,  wußte  sie  bei
ihrer  ausgiebigen  Kenntnis  der  militärischen  Lage  in  beiden  Ländern,  daß
Frankreich  in  der  Lage  war,  eine  befriedigende  Ant#ort  erteilen  zu  können,
wogegen  Deutschland  dazu  nicht  imstande  war.

So  viel  über  die  Tatsache.  Es  ist  so,  schließt  Macdonald,  ein  Krieg,  den
ein  halbes  Dutzend  Diplomaten  heworgerufen  haben.  Bis  zu  dem  Augenblick,
  wo  die  einzelnen  Botschafter  abberufen  wurden,  lebten  die  Völker
friedlich  nebeneinander  ohne  Haß  und  Neid.  Ein  halbes  Dutzend  Männer
pat  uropa#  an  den  Rand  des  Abgrundes  geführt  und  Europa  ist  hineingestürzt.


                                Bericht  des  Hauptquartiers.
Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  15.  Dezember.  vormittags.

Die  Franzosen  griffen  gestern  an  mehreren  Stellen  vergeblich  an.

Ein  Angriff  gegen  unsere  Stellungen  südöstlich  Dpern  brach  unter
starken  Verlusten  für  den  Gegner  zusammen.

Ein  feindlicher  Vorstoß  aus  der  Gegend  nordöstlich  Suippes  wurde
ebenso  wie  ein  feindlicher  Angriff  nordöstlich  Ornes  (nördlich  Verdun)
unter  schweren  feindlichen  Verlusten  abgewiesen.

In  der  Gegend  von  Ailly-Apremont  (südlich  St.  Mihiel)  versuchten
die  Franzosen  in  viermaligem  Ansturm  unsere  Stellungen  zu  nehmen;
die  Angriffe  scheiterten.  Ebenso  mißlang  ein  erneuter  feindlicher  Vorstoß
aus  Richtung  Flirey  (nördlich  Toul).

In  den  Vogesen  sind  die  Kämpfe  noch  im  Gange.  Bei  der  Rückeroberung
  des  Dorfes  Steinbach  (westlich  Sennheim)  machten  wir  300
Gefangene.

Aus  Ostpreußen  nichts  Neues.  Die  deutsche  von  Soldau  über  Mlawa
in  Richtung  Ciechanow  vorgedrungene  Kolonne  nimmt  vor  überlegenem
Feind  ihre  alte  Stellung  wieder  ein.

In  Russisch-Polen  hat  sich  nichts  Wesentliches  ereignet.  Die  ungünstige
  Witterung  beeinflußt  unsere  Maßnahmen.
                                          Oberste  Heeresleitung.  (W. T. B.)


                      Belgrad  von  den  Oesterreichern  geräumt.
                                                           Wien,  15.  Dezember.  (W. T.B.)

Vom  südlichen  Kriegsschauplatz  wird  amtlich  gemeldet:  15.  Dezember.

Die  durch  das  notwendig  gewordene  Zurücknehmen  des  eigenen
rechten  Flügels  geschaffene  operative  Lage  ließ  es  ratsam  erscheinen,  auch
Belgrad  zunächst  aufzugeben.  Die  Stadt  wurde  kampflos  geräumt.  Die
Truppen  haben  durch  die  überstandenen  Strapazen  und  Kämpfe  wohl
gelitten,  sind  aber  vom  besten  Geiste  beseelt.


Zusammenkunft  der  drei  nordischen  Könige  in  Malmö.
                                                               Kristiania,  15.  Dezember.

Aus  Stockholm  wird  gemeldet,  daß  auf  Initiative  des  schwedischen
Königs  die  drei  nordischen  Könige  sich  in  Begleitung  ihrer  Minister  des
Aeußern  am  18.  Dezember  in  Malmö  treffen  werden.  Diese  Meldung
        <pb n="316" />
                                                    —  841  —

wird  hier  bestätigt.  Zweifellos  hat  die  Zusammenkunft  für  Skandinavien
hohe  politische  Bedeutung.
                                                               Stockholm,  15.  Dezember.

                   Das  offiziöse  „Spenska  Telegrambyran“  meldet:

Auf  Einladung  des  Königs  von  Schweden  wird  am  Freitag,  den
18.  d.  M.,  eine  Zusammenkunft  zwischen  den  Königen  von  Schweden,
Dänemark  und  Norwegen  in  Malmö  stattfinden.  Die  Könige  werden
von  ihren  Ministern  des  Auswärtigen  begleitet  sein.  Diese  Zusammenkunft
  ist  ein  Ausdruck  für  das  gute  Verhältnis  zwischen  den  drei  nordischen
  Reichen  und  für  die  zwischen  ihnen  bestehende  vollständige  Einigkeit,
  ihre  bis  jetzt  beobachtete  Neutralitätspolitik  aufrecht  zu  erhalten.
Das  Zusammentreffen  bezweckt  insbesondere,  Gelegenheit  zu  geben,  sich
über  die  Mittel  zu  beraten,  die  in  Frage  kommen  könnten,  um  die  wirtschaftlichen
  Schwierigkeiten,  die  der  Kriegszustand  für  die  drei  Länder
mit  sich  bringt,  zu  begrenzen  und  zu  hemmen.


                    Die  russische  Schlachtfront  erschüttert.
                          Oesterreichischer  Kriegsbericht.

                                                              Wien,  15.  Dezember.

 Amtlich  wird  verlautbart:  15.  Dezember:

Die  Offensive  unserer  Armeen  in  Westgalizien  hat  hier  den  Feind
zum  Rückzug  gezwungen  und  auch  die  russische  Front  in  Südpolen  zum
Wanken  gebracht.  Unsere  den  Feind  in  Westgalizien  von  Süden  her  unermüdlich
  verfolgenden  Truppen  gelangten  gestern  bis  in  die  Linie  Jaslo
Rajbrot.  Bei  dieser  Verfolgung  und  in  der  letzten  Schlacht  wurden
nach  den  bisherigen  Meldungen  31  000  Russen  gefangen  genommen.
Heute  liegen  Nachrichten  über  rückgängige  Bewegungen  des  Gegners  an
der  gesamten  Front  Rajbrot—Niepolomice—Wolbrom—Nowo  Radomst
—Piotrkow  vor.

In  dem  karpathischen  Waldgebirge  wurden  gegen  das  Vordringen
seanuencher  Kräfte  in  dem  Latorczatal  entsprechende  Maßnahmen  getroffen.


                 Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                       v.  Hoefer,  Generalmajor.


                   Alle  radikalen  Mitglieder  der  Duma  verhaftet.
                                                                      Wien,  15.  Dezember.
Nach  einer  der  „Politischen  Korrespondenz“  aus  Bukarest  zugehenden
Mitteilung  berichten  aus  Rußland  dort  eingetroffene  Reisende,  daß  nicht

nur  die  Führer  der  Sozialisten,  sondern  überhaupt  alle  radikalen  Mitglieder
  der  Duma  verhaftet  worden  sind.


                   Unseren  Seehelden  zum  Gedächtnis.

                                                                     Magdeburg,  15.  Dezember.
Auf  die  aus  Anlaß  der  Gedächtnisfeier  für  Kiautschou  und  die  untergegangenen
  deutschen  Kreuzer  an  den  Kaiser  und  an  Großadmiral  v.  Tirpitz

  gerichteten  Telegramme  sind  beim  Oberpräsidenten  Dr.  v.  Hegel  folgende
  Antworten  eingegangen:
        <pb n="317" />
                                                   —  842 —                                                                     „Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König  lassen  für  die  dortige  patrio—
tische  Kundgebung  zur  Ehrung  der  todesmutigen  Kämpfer  von  Tsingtau
und  der  gefallenen  Helden  unserer  Flotte  vielmals  danken.

                                                                                              v.  Valentini.“

„Euer  Exzellenz  und  allen  Teilnehmern  danke  ich  herzlich  für  die
telegraphisch  übermittelte  Nachricht  von  der  erhebenden  patriotischen
Kundgebung.  Nach  den  bisher  erreichten  Erfolgen  können  auch  die  erlittenen
  herben  Verluste  uns  nur  immer  unerschütterlicher  in  dem  Glauben
bestärken,  daß  die  Erhaltung  und  der  Ausbau  von  Deutschlands  Seegeltung
  über  die  Größe  seiner  Zukunft  entscheiden  wird.“

                                                                     Großadmiral  v.  Tirpitz.“


                 Wichtige  Stützpunkte  der  Russen  erobert.
Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  16.  Dezember,  vormittags.

Im  Westen  versuchte  der  Gegner  erneut  einen  Vorstoß  über  Nieuport,
der  durch  Feuer  seiner  Schiffe  von  See  her  unterstützt  wurde.  Das  Feuer
blieb  gänzlich  wirkungslos.  Der  Angriff  wurde  abgewiesen.  Vierhundertfünfzig
  Franzosen  wurden  zu  Gefangenen  gemacht.

Auf  der  übrigen  Front  ist  nur  die  Erstürmung  einer  vom  Feinde
seit  vorgestern  zäh  gehaltenen  Höhe  westlich  Sennheim  erwähnenswert.

Von  der  ostpreußischen  Grenze  ist  nichts  Neues  zu  melden.

In  Nordpolen  verlaufen  unsere  Angriffsbewegungen  normal.  Es
wurden  mehrere  starke  Stützpunkte  des  Feindes  genommen  und  dabei
etwa  dreitausend  Gefangene  gemacht  und  vier  Maschinengewehre  erbeutet.


In  Südpolen  gewannen  unsere  dort  im  Verein  mit  den  Verbündeten
kämpfenden  Truppen  Boden.

                                                            Oberste  Heeresleitung.  (W.  T.  B.)


                Kassierung  der  Todesurteile  von  Casablanca.

Eine  Nachricht,  die  allgemeine  Befriedigung  erregen  wird,  kommt
aus  Marokko.  Der  „Kölnischen  Volkszeitung“  wird  aus  Casablanca  gemeldet:


„Auf  privatem  Wege  hier  eingegangenen  Nachrichten  zufolge  ist
das  gegen  drei  deutsche  Ansiedler  in  Marokko  ausgesprochene  Todesurteil
  in  Gefängnisstrafen  von  je  zwei  Jahren  umgewandelt  worden.
Ueber  die  Begründung  dieses  Urteils  ist  nichts  bekannt.“

Diese  plötzliche  Wendung  ist  wohl  auf  die  sehr  energischen  Vorstellungen
  zurückzuführen,  die  die  deutsche  Regierung  auf  dem  Umwege
über  eine  neutrale  Macht  an  die  Adresse  der  französischen  Regierung  gelangen
  ließ.  Inwieweit  das  zweite  Urteil  juristisch  haltbar  ist,  wird
man  auch  erst  abzuwarten  haben.


                          Großer  Ausfall  aus  Przemysl.
                                                                                 Wien,  16.  Dezember.

Amtlich  wird  verlautbart:  In  Galizien  und  Südpolen  wird  der  zurückgehende
  Feind  auf  der  ganzen  Front  verfolgt.  Bei  Lisko,  Krosno,
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                                                          —  843 —                                                            Jaslo  und  im  Biala-Tale  leisten  starke  russische  Kräfte  Widerstand.  Im
Dunoajetz-Tale  drangen  unsere  Truppen  kämpfend  bis  Zakliczyn  vor.
Auch  Bochnia  ist  wieder  von  uns  genommen.  —  In  Südpolen  mußten
die  feindlichen  Nachhuten  überall  nach  kurzem  Kampfe  vor  den  Verbündeten
  weichen.

In  den  Karpathen  haben  die  Russen  die  Vorrückung  im  Latorcza-Tale
  noch  nicht  aufgegeben.  Im  oberen  Tale  der  Nadwornaer-Bystryca
wurde  ein  Angriff  des  Feindes  zurückgewiesen.

Die  Besatzung  von  Przemysl  unternahm  einen  neuerlichen  großen
Ausfall,  bei  dem  sich  ungarische  Landwehr  durch  Erstürmung  eines
Stützpunktes  mit  Drahthindernissen  auszeichnete.  Wie  gewöhnlich  wurden
  Gefangene  und  erbeutete  Maschinengewehre  in  die  Festung  gebracht.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                        v.  Hoefer,  Generalmajor.


                              Türkisches  Vordringen  im  Kaukasus.
                                                               Konstantinopel,  16.  Dezember.

Die  Kämpfe,  die  seit  mehreren  Tagen  an  der  Ostgrenze  des  Wilajets
  Wan  andauerten,  haben  zu  unseren  Gunsten  geendet.  Die  Stellung
bei  Sarai,  die  vom  Feinde  erbittert  verteidigt  wurde,  ist  nach  einer
umfassenden  Bewegung  unserer  Truppen  in  unsere  Hände  gefallen.  Der
Feind  zieht  sich  in  der  Richtung  auf  Kotbur  zurück,  verfolgt  von  unserer
Kavallerie.  Unsere  Truppen  sind  in  Sarai  eingezogen.  —  Ein  englischer
Kreuzer  hat  vergeblich  einen  unserer  Wachttürme  zwichen  Jaffa  und
Gaza  beschossen.  Der  russische  Kreuzer  „Askold“  hat  zwei  kleine  Schiffe
vor  Beirut  in  den  Grund  gebohrt.  Der  Verlust  des  alten  Kasernenschiffes
  „Messudije“  ist  nach  einer  endgültigen  Untersuchung  entweder
der  Berührung  mit  einer  abgetriebenen  Mine  oder  einem  gegen  dieses
Schiff  geschleuderten  Torpedo  zuzuschreiben.


              Deutscher  Flottenangriff  auf  Englands  Küste.“
                                                              Amtlich.  Berlin,  16.  Dezember.

Teile  unserer  Hochseestreitkräfte  haben  einen  Vorstoß  nach  der  englischen

  Ostküste  gemacht  und  am  16.  Dezember  früh  die  beiden  befestigten

  Küstenplätze  Scarborough  und  Hartlepool  beschossen.  Ueber  den  weiteren

  Verlauf  der  Unternehmung  können  zur  Zeit  noch  keine  Mitteilungen
  gemacht  werden.

                                             Der  Chef  des  Admiralstabes.
                                                    gez.  v.  Pohl.  (W.T.  B.)


                        Eine  Seeschlacht  in  der  Nordsee.
                                                                  Amsterdam,,  16.  Dezember.
Die  Beschießung  der  englischen  Küste  durch  deutsche  Kreuzer  ruft,
nach  den  bisher  vorliegenden  Telegrammen  zu  urteilen,  in  England  die
größte  Aufregung  hervor.  Reuter  meldet  aus  London:  Die  englische
Admiralität  teilt  mit,  daß  heute  morgen  in  der  Nordsee  eine  bedeutende
Bewegung  der  deutschen  Flotte  stattgefunden  hat.  Scarborough  und
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                                                     —  844  —

Hartlepool  sind  bombardiert  worden.  Unsere  Geschwader  haben  an  verschiedenen
  Stellen  den  Kampf  mit  dem  Feinde  aufgenommen.  Die  Seeschlacht
  dauert  fort.

Ein  zweites  Reuter-Telegramm  besagt:  Das  Bombardement  von
Scarborough  begann  heute  morgen  8  Uhr.  Die  Bevölkerung  verließ  in
größter  Aufregung  die  Häuser.  Sie  eilte  zur  Eisenbahnstation,  wo  sie
noch  gerade  den  Zug  nach  Hull  erreichen  konnte.  Verschiedene  Gebäude
sind  beschädigt.  Der  Maschinist  eines  Zuges  sagte,  er  habe  gesehen,  wie
drei  Schornsteingruppen  in  Scarborough  getroffen  wurden.

Das  Kriegsministerium  verbreitet  durch  Reuter  folgenden  Bericht:
Der  Kommandant  des  Forts  im  Westen  von  Hartlepool  berichtet,  daß
deutsche  Kriegsschiffe  heute  früh  zwischen  8  und  9  Uhr  das  Fort  beschossen.
  Der  Feind  wurde  zurückgetrieben.  Ein  kleines  deutsches  Kriegsschiff
  eröffnete  gleichzeitig  das  Feuer  gegen  Scarborough  und  Whitby-                                                                        Haag,

  16.  Dezember.

Reuter  meldet  aus  Hull:  Die  Behörden  von  Scarborough  erhielten
heute  früh  die  Nachricht,  daß  Vorbereitungen  getroffen  würden,  die
Küste  anzugreifen.  Alle  Verteidigungswerke  wurden  sofort  in  Bereitschaft
  gestellt,  und  die  ganze  verfügbare  Artillerie  und  Infanterie  befand
sich  auf  ihrem  Posten.  Es  sind  etwa  50  Granaten  auf  Scarborough  gefeuert
  worden.  Zwei  Kirchen  und  verschiedene  Häuser  sind  beschädigt.
Auch  die  historische  Abtei  von  Whitby  soll  zum  Teil  vernichtet  sein.
Es  herrschte  Nebel,  als  das  Bombardement  begann.  Zahlreiche  Frauen
und  Kinder  liefen  im  Nachtgewand  auf  die  Straße.

Dem  „Evening  Chronicle“  wird  aus  Newcastle  gemeldet:  Drei
deutsche  Kreuzer  bombardierten  Hartlepool.  Nachdem  sie  das  Feuer
eröffnet  hatten,  wurden  sie  von  vier  englischen  Torpedobooten  angegriffen.
  Lloyds  meldet,  daß  in  Hartlepool  bedeutender  Schaden  angerichtet
  wurde.  Eine  Granate  traf  die  Gasfabrik,  die  in  Brand  geriet.
Neun  Einwohner  der  Stadt  sollen  getötet  sein.

Die  feindlichen  Kreuzer  verschwanden  in  nordöstlicher  Richtung.


                         Der  große  Sieg  im  Osten.
                   Die  Flucht  der  russischen  Armeen.

               Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  17.  Dezember,  vorm.

Bei  Nieuport  setzten  die  Franzosen  ihre  Angriffe  ohne  jeden  Erfolg
fort.  Auch  bei  Zillebeeke  und  La  Bassée  wurden  Angriffe  versucht,  aber
unter  sehr  starken  Verlusten  für  den  Feind  abgewiesen.

Die  Absicht  der  Frangosen,  bei  Soissons  eine  Brücke  über  die  Aisne
zu  schlagen,  wurde  durch  unsere  Artillerie  vereitelt.  Oestlich  Reims  wurde
ein  französisches  Erdwerk  zerstört.

Von  der  ost=  und  westpreußischen  EGrenze  ist  nichts  Neues  zu  melden.

Die  von  den  Russen  angekündigte  Offensive  gegen  Schlesien  und
Posen  ist  völlig  zusammengebrochen,  die  feindlichen  Armeen  sind  in  ganz
Polen  nach  hartnäckigen  erbitterten  Frontalkämpfen  zum  Rückzuge  gezwungen
  worden.  Der  Feind  wird  überall  verfolgt.  Bei  den  gestrigen
und  vorgestrigen  Kämpfen  in  Nordpolen  brachte  die  Tapferkeit  west-
        <pb n="320" />
                                                              —  845  —

preußischer  und  hessischer  Regimenter  die  Entscheidung;  die  Früchte  dieser
Entscheidung  lassen  sich  zurzeit  noch  nicht  übersehen.  (W.T.B.)
                                                                                   Oberste  Heeresleitung.


                      Verfolgung  der  geschlagenen  Russen.
                                                                 Wien,  17.  Dezember.  (W.T.B.)
Amtlich.  Die  letzten  Nachrichten  lassen  nicht  mehr  zweifeln,  daß  der
Widerstand  der  russischen  Hauptmacht  gebrochen  ist.
Am  Südflügel  in  der  mehrtägigen  Schlacht  von  Limanowa,  im
Norden  von  unseren  Verbündeten  bei  Lodz  und  nunmehr  an  der  Bzura
vollständig  geschlagen,  durch  unsere  Vorrückung  über  die  Karpathen  von
Süden  her  bedroht,  hat  der  Feind  den  allgemeinen  Rückzug  angetreten,
den  er,  im  Karpathenvorland  hartnäckig  kämpfend,  zu  decken  sucht.
Hier  greifen  unsere  Truppen  auf  der  Linie  Krosno—SZakliczyn  an.
An  der  übrigen  Front  ist  die  Verfolgung  im  Gange.
                                                           v.  Hoefer,  Generalmajor.


      Amtliche  Meldung  über  den  deutschen  Kreuzervorstoß.

                                                        Amtlich.  Berlin,  17.  Dezember.
Ueber  den  Vorstoß  nach  der  Ostküste  Englands  werden  nachstehende
Einzelheiten  bekanntgegeben:  Bei  Annäherung  an  die  englische  Küste
wurden  unsere  Kreuzer  bei  unsichtigem  Wetter  durch  vier  englische  Torpedobootszerstörer
  erfolglos  angegriffen.  Ein  Zerstörer  wurde  vernichtet,
ein  anderer  kam  in  schwer  beschädigtem  Zustande  aus  Sicht.  Die  Batterien
  von  Hartlepool  wurden  zum  Schweigen  gebracht,  die  Gasbehälter
vernichtet.  Mehrere  Detonationen  und  drei  große  Brände  in  der  Stadt
konnten  von  Bord  aus  festgestellt  werden.  Die  Küstenmwachtstation  und
das  Wasserwerk  von  Saarborough,  die  Küstenwacht=  und  Signalstation
von  Whitby  wurden  zerstört.  Unsere  Schiffe  erhielten  von  den  Küstenbatterien
  einige  Treffer,  die  nur  geringen  Schaden  verursachten.  An
anderer  Stelle  wurde  noch  ein  weiterer  englischer  Torpedobootszerstörer

zum  Sinken  gebracht.
        Der  stellvertretende  Chef  des  Admiralstabes.
                                         gez.  Behncke.  (W.T.B.)


                         Das  französische  Gelbbuch.
                 Eine deutsche amtliche  Erklärung.

Die  „Norddeutsche  Allg.  Ztg.“  vom  18.  Dezember  bringt  an  der  Spitze
ihrer  Nummer  die  folgende  Erklärung:

„Das  französische  Gelbbuch,  das  erst  jetzt  hier  eingetroffen  ist,  enthält
159  zum  Teil  umfangreiche  Dokumente,  die  offenbar  zu  dem  Zweck  ausgewählt
  und  zurechtgemacht  worden  sind,  um  Rußland  von  dem  Vorwurf,
daß  es  den  Krieg  heraufbeschworen  hat,  rein  zu  waschen  und  Deutschland
die  Verantwortung  zuzuschieben.  Es  muß  vorbehalten  bleiben,  auf  die
Einzelheiten  der  Veröffentlichung  nach  ihrer  genauen  Durchsicht  zurückzukommen.
  Schon  jetzt  aber  kann  gesagt  werden,  daß  der  dem  französischen
Kriegsminister  im  März  1913  zugegangene  angebliche  amtliche  deutsche
Geheimbericht  über  die  Verstärkung  der  deutschen  Armee,  der  auch  teilweise
  schon  die  unverdiente  Aufmerksamkeit  der  neutralen  Presse  ge-
        <pb n="321" />
                                                     —  846  —

funden  hat,  nichts  weiter  als  eine  plumpe  Erfindung  ist.  Welches  die
„sichere  Quelle“  ist,  aus  der  das  Aktenstück  stammt,  wissen  wir  nicht;  eine
amtliche  Stelle  in  Deutschland  ist  jedenfalls  mit  ihm  nie  befaßt  gewesen.
Anscheinend  rührt  der  Geheimbericht  von  einem  französischen  Agenten  her,
und  die  Veröffentlichung  im  Gelbbuch  ist  nur  zu  dem  Zweck  erfolgt,  um
Mißstimmung  zwischen  Deutschland  und  seinen  Bundesgenossen  hervorzurufen
  und  die  Neutralen,  namentlich  Holland  und  Dänemark,  gegen
Deutschland  aufzuhetzen.

Die  ganze  Unwahrheit  dieses  Machwerks  wird  dadurch  gekennzeichnet,
  daß  darin  als  Ziel  der  deutschen  Politik  hingestellt  wird,  die  Herrschaft
  des  Deutschtums  über  die  ganze  Welt  auszubreiten,  die  kleinen
Völker  zu  unterdrücken  und  alte  Gebiete,  die  vor  Jahrtausenden  einmal
zum  Deutschen  Reiche  gehört  haben,  wie  Burgund  und  das  Baltikum,  für
Deutschland  zurückzuerobern.  Kein  ernster  Mann  in  Deutschland  hat
jemals  solche  Phantasien  gehegt.

Ebenso  lächerlich  sind  andere  im  ersten  Kapitel  des  Gelbbuches  enthaltene
  Versuche,  durch  amtliche  Berichte  französischer  Vertreter  in
Deutschland  eine  deutsche  Gefahr  für  den  Weltfrieden  glaubhaft  zu
machen.  Unterzieht  man  die  Dokumente,  durch  die  eine  angeblich  seit
Jahren  vorhandene  Kriegslust  Deutschlands  bewiesen  werden  soll,  einer
näheren  Prüfung,  so  findet  man,  daß  es  sich  in  erster  Linie  um  Berichte
der  Militär=  und  Marineattachés  handelt,  die  offenbar  auf  Mitteilungen
sehr  fragwürdiger  Agenten  beruhen.  Würde  die  deutsche  Regierung  ebenso
verfahren,  so  ließe  sich  allein  mit  solchen  Schriftstücken  ein  dickes  Buch  zusammenstellen.
  Wir  könnten  zum  Beispiel  einen  Bericht  des  Militärattachés
  der  kaiserlichen  Botschaft  in  Petersburg  vom  10.  August  1910
unführen,  in  dem  auf  das  Zunehmen  der  auf  einen  Angriffskrieg  mit
Deutschland  hinzielenden  Bestrebungen  im  russischen  Heere  hingewiesen
wird.  Der  Militärattaché  war  zu  seinem  Berichte  durch  einen  Artikel
im  amtlichen  russischen  Militärorgan  „Der  Invalide“  veranlaßt  worden,
der  „Gedanken  zum  500jährigen  Jubiläum  des  allslawischen  Sieges  über
die  Teutonen“  entwickelte.  Der  allslawische  Sieg  in  einem  Angriffzkriege,
von  dem  der  Artikel  handelte  und  dessen  Wiederkehr  der  Verfasser,  Oberst
im  russischen  Generalstabe  Eltschaninow  erhoffte,  war  die  Schlacht  bei
Tannenberg  am  15.  Juli  1410.“


                          Die  Verfolgung  der  Russen.
                  Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  18.  Dez.,  vorm.

Der  Kampf  bei  Nieuport  steht  günstig,  ist  aber  noch  nicht  beendet.

Angriffe  der  Franzosen  zwischen  La  Bassée  und  Arras  sowie  beiderseits
  der  Somme  scheiterten  unter  schweren  Verlusten  für  den  Gegner.
Allein  an  der  Somme  verloren  die  Franzosen  1200  Gefangene  und  mindestens
  1800  Tote.  Unsere  eigenen  Verluste  beziffern  sich  dort  auf  noch
nicht  200  Mann.

In  den  Argonnen  trugen  uns  eigene  gut  gelungene  Angriffe  etwa
750  Gefangene  und  einiges  Kriegsgerät  ein.

Von  dem  übrigen  Teile  der  Westfront  sind  keine  besonderen  Ereignisse
  zu  melden.
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                                                     —  847  —

An  der  ost=  und  westpreußischen  Grenze  ist  die  Lage  unverändert.
In  Polen  folgen  wir  weiter  dem  weichenden  Feinde.

                                                     Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)

                      Neue  türkische  Erfolge  in  Kaukasien.
                                      Konstantinopel,  18.  Dezember.  (W.T.  B.)

Die  russischen  Truppen  versuchten  unter  dem  Schutz  von  Geschützen
und  Maschinengewehren,  auf  dem  linken  Ufer  des  Tschoruk  vorzugehen,
wurden  aber  nach  fünfstündigem  Kampf  zurückgetrieben.  —  Nach  der
Schlacht  bei  Sarai,  die  für  die  türkischen  Truppen  glücklich  endete,  setzten
diese  die  Verfolgung  des  Feindes  ohne  Unterlaß  fort.  Die  türkische
Kapallerie  traf  fünfzehn  Kilometer  westlich  von  Kotur  auf  den  Feind,
griff  ihn,  ohne  das  Eintreffen  ihrer  Infanterie  abzuwarten,  an  und
ve  xjagte  ihn  in  der  Richtung  auf  Razi  und  Kotur.


                    Siegreiches  Vordringen  der  Oesterreicher.
                                                          Wien,  18.  Dezember.  (W.T.  B.)

        Amtlich  wird  verlautbart:  18.  Dezember  mittags.

Die  geschlagenen  russischen  Hauptkräfte  werden  aus  der  ganzen
über  400  Kilometer  breiten  Schlachtfront  von  Krosno  bis  zur  Bsura-Mündung
  verfolgt.  Gestern  wurde  der  Feind  auch  aus  seinen  Stellungen
im  nördlichen  Karpathen-Vorlande  zwischen  Krosno  und  Zakliczyn  geworfen.
  Am  unteren  Dunajec  stehen  die  verbündeten  Truppen  im
Kampfe  mit  gegnerischen  Nachhuten.

In  Süd-Polen  vollzog  sich  die  Vorrückung  bisher  ohne  größere
Kämpfe.  Piotrkow  wurde  vorgestern  vom  K.  und  K.  Infanterie-Regiment
  Wilhelm  I.  Deutscher  Kaiser  und  König  von  Freuhen  Nr.  34,
Przedborz  gestern  von  Abteilungen  des  Nagy-Szebener  Infanterie-Regiments
  Nr.  31  erstürmt.  «

Die  heldenmütige  Besatzung  von  Przemysl  setzte  ihre  Kämpfe  im
weiteren  Vorfelde  der  Festung  erfolgreich  fort.  Die  Lage  in  den  Karpathen
  hat  sich  noch  nicht  wesentlich  geändert.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes
                                    v.  Hoefer,  Generalmajor.

                   Die  Annexion  Aegyptens  durch  England.
                 Sir  A.  Mac  Mahon  Generalgouverneur.

                                                                Kopenhagen,  18.  Dezember.

Die  amtliche  Bekanntmachung,  die  Aegypten  als  englisches  Protektorat
  erklärt,  sagt  nach  einer  Londoner  Depesche:  Aegypten  ist  infolge
des  durch  das  Auftreten  der  Türkei  hervorgerufenen  Kriegszustandes
unter  englischen  Schutz  gestellt  und  wird  künftig  englisches  Protektorat
sein.  Die  Souveränität  der  Türkei  über  Aegypten  ist  damit  aufgehoben,
und  die  englische  Regierung  wird  alle  erforderlichen  Verteidigungsmaßregeln
  zum  Schutze  der  ägyptischen  Bevölkerung  und  ihrer  Interessen
treffen.  Der  Staatssekretär  des  Aeußern  in  der  indischen  Regierung,  Sir
Artur  Mac  Mahon  ist  zum  Generalgouverneur  von  Aegypten  ernannt
worden.
        <pb n="323" />
                                                          —  848  —

                Der  letzte  Gruß  der  „Nürnberg“.
                                                                 «  München,  18.  Dezember.

Vom  Kreuzer  „Nürnberg“  ist  an  den  Magistrat  der  Stadt  Nürnberg
eine  vom  Kommandanten  des  Schiffes,  Kapitän  z.  S.  von  Schönberg,  am
3.  November  in  Valparaiso  ausgegebene  Feldpostkarte  mit  einer  Abbildung
des  Schiffes  eingelaufen.  Die  Karte  hat  folgenden  Wortlaut:

„Melde  in  Eile,  daß  S.  M.  S.  „Nürnberg“  am  1.  November  auf  der
Höhe  von  Coronell  in  der  Nacht  den  havarierten  englischen  Panzerkreuzer
„Monmouth“  zum  Sinken  gebracht  hat.  Das  Wetter  war  stürmisch,  die
Haltung  der  ganzen  Besatzung  aber  vorzüglich.  Wir  hatten  keinerlei  Verluste.
  Oberleutnant  z.  S.  Eidam,  das  Kind  Ihrer  Stadt,  hat  vorzügliche
Dienste  geleistet.

v.  Schönberg,  Kapitän  zur  See,  Kommandant  S.  M.  S.  „Nürnberg“.

                            Die  Verfolgung  der  Russenheere.
                                               Großes  Hauptgquartier,  19.  Dez.,  vorm.
Im  Westen  erfolgte  gestern  eine  Reihe  von  feindlichen  Angriffen.  Bei
Nieuport,  Bixschoote  und  nördlich  La  Bassée  wird  noch  gekämpft.  Westlich
Lens,  östlich  Albert  und  westlich  Noyon  wurden  die  Angriffe  abgeschlagen.
An  der  ostpreußischen  Grenze  wurde  ein  russischer  Kavallerieangriff
westlich  Pillkallen  zurückgewiesen.
      In  Polen  wurde  die  Verfolgung  fortgesettzt.
                                                                             Oberste  Heeresleitung.

                        Konsul  Ahlers  freigesprochen.
                        Das  Todesurteil  aufgehoben.

London,  19.  Dezember.  Der  Appellationsgerichtshof  erklärte  das
Todesurteil  gegen  den  früheren  deutschen  Konsul  Ahlers  für  nichtig.  Dieser
war,  wie  erinnerlich,  zur  Verantwortung  gezogen  worden,  weil  er  deutschen
Reservisten  Geld  zur  Heimfahrt  gegeben  hatte.  Die  Verurteilung  erfolgte,
obwohl  der  Konsul  betonte,  daß  dies  noch  vor  erfolgter  Kriegserklärung  geschehen
  sei.  Der  Appellationsgerichtshof  scheint  dieses  Moment  in  Erwägung
  gezogen  und  dementsprechend  seine  Entscheidung  getroffen  zu  haben.

                      Englischer  Mißerfolg  vor  Akaba.

Konstantinopel,  18.  Dezember.  Bericht  des  Hauptquartiers:
Ein  englischer  Kreuzer,  der  seit  einigen  Tagen  vor  Akaba  kreuzte,  landete
dort  Truppen,  die  jedoch  von  unseren  herbeieilenden  Truppen  angegriffen
und  gezwungen  wurden,  sich  wieder  einzuschiffen.  Unser  Feuer  zerstörte  den
 Scheinwerfer  des  Kreuzers.

                       Vom  österreichischen  Sieg.

Wien,  19.  Dezember.  Nach  Berichten  der  Kriegskorrespondenten  der
Blätter,  die  das  Schlachtfeld  von  Limanowa  besichtigten,  haben  die  Kämpfe
zur  vollen  Zurückwerfung  des  Feindes  aus  Westgalizien  geführt.  Die
österreichisch-ungarische  Armee  machte  sechsundzwanzigtausend  Gefangene
und  erbeutete  eine  große  Menge  Kriegsmaterial.  Die  Verluste  der  Russen
waren  ungeheuer;  bei  Limanowa  allein  wurden  zwölfhundert  Gefallene
        <pb n="324" />
                                                         —  849  —

gezählt.  Die  Verfolgung  ist  überall  nachdrücklich  im  Gange.  Die  Bevölkerung
  kehrt  in  das  von  den  Russen  geräumte  Gebiet  zurück.

                         Der  Generalstabsbericht.
                   Großes  Hauptquartier,  20.  Dez.,  vorm.

Im  Westen  stellte  der  Gegner  seine  erfolglosen  Angriffe  bei  Nieuport
und  Bipxschote  gestern  ein.

Die  Angriffe  in  Gegend  La  Bassée,  die  sowohl  von  Franzosen  als  auch
Engländern  geführt  wurden,  sind  mit  großen  Verlusten  für  den  Feind  abgewiesen
  worden.  Zweihundert  Gefangene  (Farbige  und  Engländer)  fielen
in  unsere  Hände.  Rund  sechshundert  tote  Engländer  liegen  vor  unserer

Front.

Bei  Notre  Dame  de  Lorette  südöstlich  Bethune  wurde  ein  deutscher
Schützengraben  von  60  Meter  Länge  an  den  Gegner  verloren.  Verluste  bei
uns  ganz  gering.

In  den  Argonnen  machten  wir  kleinere  Fortschritte  und  erbeuteten  drei
Maschinengewehre.

Von  der  ost=  und  westpreußischen  Grenze  nichts  Neues.

In  Polen  machen  die  russischen  Armeen  den  Versuch,  sich  in  einer  neuen
vorbereiteten  Stellung  am  Rawka  und  Nida  zu  halten.  Sie  werden  überall

angegriffen.
                       Oberste  Heeresleitung.                           (W.T.  B.)


         Was  der  österreichisch-ungarische  Generalstab  sagt.
                                                                      Wien,  20.  Dezember.

           Amtlich  wird  verlautbart:  20.  Dezember  mittags:

In  den  Karpathen  wurden  gestern  die  feindlichen  Vortruppen  im
Latorcza-Gebiet  zurückgeworfen.  Nordöstlich  des  Lupkower  Passes  entwickeln
  sich  größere  Kämpfe.  Unser  Angriff  aus  der  Front  Krosno—
Zakliczyn  gewann  allenthalben  Raum.  Im  Biala-Tale  drangen  unsere
Truppen  bis  Tuchow  vor.  Die  Kämpfe  am  unteren  Dungajec  dauern  fort.
Die  Russen  haben  sich  somit  in  Galizien  mit  starken  Kräften  neuerdings
gestellt.

    In  Südpolen  erreichten  wir  die  Nida.

              Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                von  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.


         Eine  Niederlage  der  Engländer  in  Deutsch-Südwestafrika.
                                                                           Kapstadt,  20.  Dezember.
Reuter  meldet:  In  Garub,  30  Meilen  östlich  von  Lüderitzbucht,  hat
am  16.  Dezember  ein  Gefecht  zwischen  einer  vordringenden  englischen  Truppe
unter  Sir  Duncan  Mc  Kenzie  und  deutschen  Truppen  stattgefunden.  Der
Kampf-  der  über  zwei  Stunden  dauerte,  endete  mit  dem  Rückzuge  der  Engländer.


                            Der  Kaiser  wieder  im  Felde.
                         Großes  Hauptquartier,  20.  Dezember.
Seine  Majestät  der  Kaiser  hat  sich,  nachdem  er  völlig  wiederhergestellt
ist,  aufs  neue  zur  Front  begeben.  Oberste  Heeresleitung.  (W.  T.  B.)
        <pb n="325" />
                                                       —  850  —

                      Meldung  des  Hauptauartiers.
            Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  21.  Dez.,  vorm.

Französische  Angriffe  bei  Nieuport  wurden  auch  gestern  abgewiesen.

Zwischen  Richebourg  I'Avoue  und  dem  Kanal  de  Aire  a  la  Bassée
griffen  unsere  Truppen  die  Stellung  der  Engländer  und  Inder  an.  Die
feindlichen  Schützengräben  wurden  gestürmt,  der  Feind  aus  seinen  Stellungen
  unter  schweren  Verlusten  geworfen.  Wir  erbeuteten  ein  Geschütz,  fünf
Maschinengewehre,  zwei  Minenwerfer  und  nahmen  zweihundertsiebzig  Engländer
  und  Inder,  darunter  zehn  Offiziere,  gefangen.

Der  bei  Notre  Dame  de  Lorette  am  18.  Dezember  an  den  Gegner  verlorene
  Schützengraben  ist  zurückerobert.

In  der  Gegend  Souain-Massiges,  nordöstlich  TChalons,  griffen  die  Franzosen
  gestern  heftig  an  und  drangen  an  einer  Stelle  bis  in  unseren  Vorgraben
  vor.  Ihre  Angriffe  brachen  jedoch  sämtlich  in  unserem  Feuer  zusammen;
  vier  Offiziere,  dreihundertzehn  Mann  ließen  die  Franzosen  in
unserer  Hand.  Eine  große  Zahl  gefallener  Franzosen  liegt  vor  unseren
Stellungen.

In  den  Argonnen  nahmen  wir  eine  wichtige  Waldhöhe  bei  Le  Four
de  Paris,  eroberten  drei  Maschinengewehre,  eine  Revolverkanone  und
machten  zweihundertfünfundsiebzig  Franzosen  zu  Gefangenen.

Die  mit  großer  Heftigkeit  geführten  Angriffe  der  Franzosen  nordwestlich
  Verdun  scheiterten  gänzlich.

Die  große  Regsamkeit  der  Franzosen  vor  unserer  ganzen  Front  ist  erklärlich
  durch  folgenden,  bei  einem  gefallenen  frangösischen  Offizier  gefundenen
  Heeresbefehl  des  Generals  Joffre  vom  17.  Dezember  1914.:

Armeebefehl  vom  17.  Dezember  1914:  Seit  drei  Monaten  sind  die
heftigen  und  ungezählten  Angriffe  nicht  imstande  gewesen,  uns  zu  durchbrechen,
  überall  haben  wir  ihnen  siegrich  widerstanden.  Der  Augenblick
ist  gekommen,  um  die  Schwäche  auszunützen,  die  sie  uns  bieten,  nachdem
wir  uns  verstärkt  haben  an  Menschen  und  Material.  Die  Stunde  des
Angriffs  hat  geschlagen.  Nachdem  wir  die  deutschen  Kräfte  in  Schach  gehalten
  haben,  handelt  es  sich  darum,  sie  zu  brechen  und  unser  Land  endgültig
  von  den  Eindringlingen  zu  befreien.  Soldaten,  mehr  als  jemal
rechnet  Frankreich  auf  euren  Mut,  eure  Energie  und  euren  Willen,  um
jeden  Preis  zu  siegen.  Ihr  habt  schon  gesiegt  an  der  Marne,  an  der  Yser,
in  Lothringen  und  in  den  Vogesen.  Ihr  werdet  zu  siegen  verstehen,  bis
zum  schließlichen  Triumph.  Joffre.

In  Ost=  und  Westpreußen  ist  die  Lage  unwerändert.

In  Polen  fortschreitender  Angriff  gegen  die  Stellungen,  in  denen  der
Feind  Front  gemacht  hat.

                                          Oberste  Heeresleitung.                            (W.T.  B.)


         Der  Bericht  des  österreichisch-ungarischen  Generalstabes.
                                                                  Wien,  21.  Dezember.  (W.T.B.)

Amtlich  wird  verlautbart:  21.  Dezember,  mittags.  In  den  Karpathen

macht  unser  Angriff  im  oberen  Flußgebiete  der  Latorcza  gute  Fortschritte.

Nordöstlich  des  Lupkower  Passes,  an  der  Front  nördlich  Krosno—Tuchomw

und  am  unteren  Dunajec  wird  heftig  weitergekämpft.  Die  Lage  in  Südpolen
  hat  sich  nicht  geändert.

             Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                v.  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.
        <pb n="326" />
                                                         —  851  —

                Der  amtliche  Bericht  über  die  Zusammenkunft.
                                                 Malmö,  20.  Dezember.  (W.T.  B.)

Das  folgende  Communicqué  ist  gestern  abend  nach  der  Abfahrt  des
dänischen  und  des  norwegischen  Königs  veröffentlicht  worden:

„Die  Zusammenkunft  wurde  Freitag,  18.  Dezember,  mit  einer  Rede
des  Königs  Gustav  eröffnet.  Der  König  hob  darin  den  einträchtigen
Willen  der  nordischen  Reiche  zur  Neutralität  hervor,  und  betonte,  wie
wünschenswert  eine  fortgesetzte  gemeinsame  Arbeit  zwischen  den  Reichen
zum  Schutze  ihrer  gemeinsamen  Interessen  sei.  Der  König  erklärte  ferner,
es  sei  das  lebhafte  Gefühl  der  Verantwortung  vor  der  Mitwelt  und  der
Nachwelt  gewesen,  nicht  irgendetwas,  was  zum  gemeinsamen  Nutzen  der
drei  Völker  gereichen  könnte,  zu  versäumen,  das  ihn  bewogen  habe,  die
Monarchen  Dänemarks  und  Norwegens  zur  Beratung  einzuladen.

Die  Rede  König  Gustavs  wurde  von  König  Haakon  und  König
Christian  beantwortet.  Beide  bezeugten  ihre  lebhafteste  Freude  über  die
Initiative  König  Gustavs  und  sprachen  die  Hoffnung  aus,  daß  die  Zusammenkunft
  gute,  segensreiche  Folgen  für  die  drei  Völker  haben  möge.

Die  Zusammenkunft  endete  am  19.  Dezember  nachmittags.  Die  Verhandlungen
  zwischen  den  Königen  und  ihren  Ministern  des  Aeußern
haben  nicht  nur  das  bestehende  gute  Verhältnis  der  drei  nordischen  Reiche
noch  mehr  befestigt,  sondern  es  ist  auch  während  der  Verhandlungen  die
Einigkeit  in  den  besonderen  Fragen,  die  von  einer  oder  der  anderen
Seite  zur  Erwägung  vorgelegt  wurden,  festgestellt  worden.  Schließlich  ist
man  übereingekommen,  die  so  glücklich  eingeleitete  gemeinsame  Arbeit.
fortzuführen  und  zu  diesem  Zwecke,  so  oft  die  Verhältnisse  dazu  Veranlassung
  geben,  neue  Zusammenkünfte  zwischen  den  Vertretern  der  Regierungen
  anzuordnen.

Der  König  von  Schweden  hat  in  Begleitung  der  Königin,  die  gerade
über  Saßnitz  angekommen  war,  um  ½12  Uhr  die  Rückreise  nach  Stockholm
  angetreten.

                    Mitteilung  der  Obersten  Heeresleitung.
             (Amtlich.)  Großes  Hauptquartier,  22.  Dezember.
Bei  Nieuport  und  in  Gegend  Ypern  herrschte  im  allgemeinen  Ruhe.

Zur  Wiedererlangung  der  am  20.  Dezember  verlorenen  Stellungen
bei  Festubert  und  Givenchy  machten  die  durch  französische  Territorials
verstärkten  Engländer  gestern  und  heute  nach  verzweifelte  Vorstöße,  die
zurückgewiesen  wurden.  In  Gegend  Richebourg  gelang  es  ihnen,  in  ihren
alten  Stellungen  wieder  Fuß  zu  fassen.

Die  gestrigen  Angriffe  der  Franzosen  in  Gegend  Albert,  nordöstlich
Compiegne,  bei  Sounain  und  Perthes  wurden  unter  schweren  Verlusten
für  sie  abgeschlagen.

Im  westlichen  Teil  der  Argonnen  nahmen  wir  einige  Schützengräben;
  östlich  der  Argonnen,  nordwestlich  und  nördlich  von  Verdun  wurden
  die  französischen  Angriffe  zum  Teil  unter  schwersten  Verlusten  für
die  Franzosen  leicht  zurückgewiesen.
        <pb n="327" />
                                                       —  852  —

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  ist  die  Lage  in  Ost=  und  Westpreußen
  unverändert.

In  Polen  stehen  unsere  Truppen  in  heftigen  Kämpfen  um  den
Bzura=  und  Rawka-Abschnitt.  An  vielen  Stellen  ist  der  Uebergang  über
diese  Abschnitte  schon  erzwungen.

Auf  dem  rechten  Ufer  der  Pilica  steht  der  Kampf  der  verbündeten
Truppen  noch.

Wir  haben  leider  erst  nach  der  Veröffentlichung  festgestellt,  daß  der
gestern  bekannt  gegebene  Befehl  des  französischen  Generals  Joffre  vom  17.
12.  14  folgenden  Nachsatz  hatte:

„Der  Befehl  ist  heute  abend  allen  Truppen  bekanntzugeben  und
zu  verhindern,  daß  er  in  die  Presse  gelangt.“
                                                 Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)

                   Meldung  des  türkischen  Hauptquartiers.
                                                       Konstantinopel,  22.  Dezember.

      Das  Hauptgquartier  teilt  mit:

An  der  Kaukasusfront  überraschten  unsere  Truppen  die  Russen  durch
einen  Nachtangriff  auf  deren  Stellungen  bei  El  Ageos  und  Arhi,  30  Kilometer
  östlich  von  Köpriköj;  der  Feind  erlitt  schwere  Verluste  an  Toten
und  Verwundeten  und  ergriff  die  Flucht.  —  Die  indischen  Besatzungstruppen
  von  Aegypten  desertieren  massenweise  und  laufen  mit  den
Waffen  zu  uns  über.

                          Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                            Wien,  22.  Dezember.

          Amtlich  wird  verlautbart:  22.  Dezember  mittags:

In  den  Karpathen  wird  nahe  südlich  des  Gebirgskammes  im  Gebiete
der  Flüsse  Nagy-Ag,  Latorcza  und  Ung  gekämpft.

In  Galizien  gingen  die  Russen  gestern  wieder  zum  Angriff  über,
ohne  jedoch  durchdringen  zu  können;  namentlich  am  unteren  Dunajec
hatten  sie  schwere  Verluste.  An  der  Nida  und  im  Raume  südlich  Tomaszow
  entwickelten  sich  kleinere  Gefechte.  Die  Kämpfe  im  Vorfelde  von
Przemysl  dauern  fort.

         Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                 v.  Hoefer,  Feldmarschall.


                      Ein  deutscher  Flieger  über  Dover.
                                                                   Köln,  22.  Dezember.

Der  Berichterstatter  der  „Kölnischen  Zeitung",  Prof.  Dr.  Georg
Wegener,  meldet  vom  westlichen  Kriegsschauplatz:

Heute  mittag  war  ich  an  einem  Ort  der  belgischen  Seeküste  Zeuge
der  glücklichen  Rückkehr  des  Marinefliegers  Oberleutnant  v.  Prondzynski,
der  vormittags  9  Uhr  30  Minuten  zu  einem  Fluge  nach  Dover  aufgestiegen
  war.  Er  hatte  Dover  erreicht  und  dort  mehrere  Bomben  abgeworfen,
  deren  eine  den  Hafenbahnhof  getroffen  haben  dürfte.  Er  beobachtete
  zwischen  Dover  und  Calais  zwei  Reihen  Torpedobootszerstörer,
        <pb n="328" />
                                                             —  853  —

von  England  zur  französischen  Küste  aufgestellt,  augenscheinlich  zur  Sicherung
  des  Verkehrs;  ferner  im  Hafen  von  Dover  mehrere  Schiffe,  darunter
eines  der  „Majestic“-Klasse,  ebenso  Schiffe  unweit  Dünkirchen.  In  dem
Domns,  dem  längs  der  englischen  Küste  führenden  Schiffahrtsweg,  sah  er
regen  Handelsschiffverkehr.  Klares  Wetter  herrschte  dort,  während  wir
Dunst  und  Regen  hatten.  Mit  dem  Winde  flog  er  in  einer  Stunde  von
Dover  zu  unserer  Stellung  zurück.  Lebhaft  wurde  der  kühne  Flieger  nach
diesem  ersten  Streifzug  eines  deutschen  Wasserflugzeuges  bis  zur  englischen
  Küste  beglückwünscht.


                                 Der  Verräter  Weill.

Der  „Figaro“  veröffentlicht  einen  Brief  des  ehemaligen  Reichstagsabgeordneten
  für  Metz,  Dr.  Weill,  an  seine  Freunde,  worin  dieser  seinen
am  5.  August  erfolgten  Eintritt  in  die  französische  Armee  bestätigt  und
gleichzeitig  folgendermaßen  zu  rechtfertigen  sucht.


                  An  meine  Freunde  in  Elsaß-Lothringen!

Seit  Kriegsausbruch  ließ  ich,  ohne  zu  protestieren  und  ohne  zu  dementieren,
  in  der  deutschen  Presse  die  verschiedensten  Nachrichten  über
mich  verbreiten.  Ich  schuldete  meinen  in  Straßburg  gebliebenen  alten
Eltern  dieses  völlige  Schweigen  und  zog  vor,  sie  selbst  in  Unkenntnis  zu
lassen,  als  sie  dem  Groll  derer  auszusetzen,  welche  dort  noch  die  Herren
sind.  Jetzt,  wo  meine  Eltern  in  Sicherheit  sind,  habe  ich  die  Freiheit,
zu  sprechen,  wiedergewonnen.  Ich  trat  am  5.  August  in  die  französische
Armee  ein.  Wir  Elsaß-Lothringer  versuchten  während  der  harten  Periode
  der  Fremdherrschaft  unser  Recht  und  unsere  Hoffnung  der  höchsten
Sorge  um  den  Frieden  unterzuordnen  und  kämpften  nur,  um  im  Frieden
ein  Regime  zu  erlangen,  welches  uns  erlaubt  hätte,  unserem  Land  seine
Persönlichkeit  und  seinen  Nationalcharakter  zu  bewahren.  Diese  gewollte
und  überlegte  Resignation  bedauern  wir  nicht.  Dank  ihrer  können  wir
ebenso  wie  alle  anderen  Franzosen  überzeugt  sein,  nichts  vernachlässigt  zu
haben,  damit  der  Krieg  vermieden  werde.  Unsere  moralische  Kraft  in  der
augenblicklichen  Krisis  ist  darum  nur  größer,  aber  der  Feind  hat  uns
selber  von  den  Einschränkungen  befreit,  welche  uns  die  Sorge  um  den
Frieden  vorgeschrieben  hat.  Gestern  noch,  während  wir  seine  ganze  Macht
sühlten,  hat  sich  geweigert,  die  bescheidensten  Forderungen  anzuerkennen.
  In  seinem  stolzen,  blinden  Wahn  ging  er  soweit,  das  Bestehen
einer  elsaß-lothringischen  Frage  zu  bestreiten.  Jetzt  hat  er  sie  in  ihrer
ganzen  Größe  gestellt.  Durch  den  Krieg,  welchen  er  wollte  und  den  er
Europa  aufgezwungen  hat,  gab  er  uns  gleichzeitig  unsere  ganze  Gedankenfreiheit
  und  die  Handlungsfreiheit  wieder.  Es  gibt  keine  Einschränkungen
für  unsere  Hoffnungen  und  für  unseren  patriotischen  Willen  mehr.  Wir
werden  in  den  Rahmen  der  französischen  Nation  zurückkehren,  welcher
wir  durch  unsere  Geschichte  und  unsere  Traditionen  angehören.  Das
Völkerrecht,  welches  vor  44  Jahren  verletzt  wurde,  wird  völlig  wiederhergestellt
  werden.  Indem  ich  in  die  Armee  der  Republik  eintrat  und
dadurch  den  Kampf  gegen  das  militarisierte,  verpreußte  Deutschland,
den  Unterdrücker  der  Freiheit  aller  Völker,  weiterführte,  bin  ich  über-                                                                         54
        <pb n="329" />
                                                          —  854  —
zeugt,  meine  Pflicht  als  sozialistischer  Abgeordneter  wohl  erfüllt  zu

aben.
                                                 Georges  Weill,
                 ehemaliger  Reichstagsabgeordneter  von  Metz.


                              Bericht  des  Hauptauartiers.
  Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  23.  Dezember,  vormittags.

Angriffe  in  den  Dünen  bei  Lombartzyde  und  südlich  Bixschote
wiesen  unsere  Truppen  leicht  ab.

Bei  Richebourg  I'Avoue  wurden  die  Engländer  gestern  wieder  aus.
ihren  Stellungen  geworfen.  Trotz  verzweifelter  Gegenangriffe  wurden
alle  Stellungen,  die  zwischen  Richebourg  und  dem  Kanal  d'Aire  à  la
Bassée  den  Engländern  entrissen  waren,  gehalten  und  gefestigt.  Seit
20.  Dezember  fielen  750  Farbige  und  Engländer  als  Gefangene  in  unsere
Hände,  5  Maschinengewehre  und  4  Minenwerfer  wurden  erbeutet.

In  der  Umgegend  des  Lagers  von  Chalons  entwickelte  der  Feind.
eine  rege  Tätigkeit.  Angriffe  nördlich  Sillery  südöstlich  Reims,  bei
Souain  und  Perthes  wurden  von  uns  zum  Teil  unter  schweren  Verlusten
für  die  Franzosen  abgeschlagen.

In  Ost=  und  Westpreußen  blieb  die  Lage  unverändert.

Die  Kämpfe  um  den  Bzura=  und  Rawka-Abschnitt  dauern  fort;  auf
dem  rechten  Pilicaufer  ist  die  Lage  unverändert.

                                             Oberste  Heeresleitung.  (W.T.  B.)


Ein  österreichisch-ungarischer  Seefieg  in  der  Straße  von  Otranto.
         Ein  französischer  Dreadnought  erfolgreich
torpediert,  das  Unterseeboot  „Curie“"  vernichtet.

                                                             Wien,  23.  Dezember.  (W.T.B.)

      Amtlich  wird  verlautbart:

„Das  französische  Unterseeboot  „Curie“  wurde,  ohne  zu  einem  Angriff
  gekommen  zu  sein,  an  unserer  Küste  von  Strandbatterien  und  Wachfahrzeugen
  beschossen  und  zum  Sinken  gebracht.  Der  Kommandant  und
26  Mann  sind  gerettet  und  gefangen  genommen,  nur  der  zweite  Offizier
wird  vermißt.  Unser  Unterseeboot  „12“  —  Kommandant  Linienschiffsleutnant
  Egon  Lerch  —  hat  am  21.  d.  M.  vormittags  in  der  Otrantostraße
  eine  aus  16  großen  Schiffen  bestehende  französische  Flotte  angegriffen,
  das  Flaggschiff  Typ  Courbet  zweimal  anlanciest  und  beidemal
getroffen.  Die  darauf  in  der  feindlichen  Flotte  entstandene  Verwirrung,
die  gefährliche  Nähe  einzelner  Schiffe  und  der  hohe  Seegang  bei  unsichtigem
  Wetter  verhinderte  das  Unterseeboot,  über  das  weitere  Schicksal
des  betreffenden  Schiffes  Gewißheit  zu  erlangen.  Flottenkommando.“

               Der  österreichisch-ungarische  Generalstabsbericht.
                                                                      Wien,  23.  Dezember.

         Amtlich  wird  verlautbart:  23.  Dezember  mittags:

Unsere  Operationen  in  den  Karpathen  nehmen  günstigen  Verlauf.
Im  Latorczagebiet  wurde  ein  russischer  Angriffsversuch  bei  Volocz
(Volovez)  abgewiesen.  Im  oberen  Ungtale  machten  unsere  Truppen
        <pb n="330" />
                                                  —  855  —

gestern  bei  Fenypesvölgy  300  Gefangene  und  drangen  weiter  vor.  Auch
nordöstlich  des  Lubkowerpasses  in  der  Richtung  gegen  Lisko  gewann
unser  Angriff  Raum.  Das  offizielle  Communiqué  des  russischen  Generalstabes
  vom  18.  Dezember  behauptete,  daß  uns  an  dieser  Front  3000
Gefangene  und  auch  Geschütze  und  Maschinengewehre  abgenommen  wurden.
  Diese  Angaben  find  erfunden.  Unsere  hier  aufgetretene  Kampfgruppe
  verlor  an  Toten,  Verwundeten  und  Vermißten  zusammen  2  Offiziere,
  305  Mann.  Nicht  1  Geschütz,  nicht  ein  Maschinengewehr  fiel  in
die  Hände  des  Feindes.

Die  heftigen  Kämpfe  bei  Krosno,  Jaslo,  Tuchow  und  am  unteren
Dunajec  halten  an.  An  diesem  Flusse  erneuerten  die  Russen  auch  in
der  vergangenen  Nacht  ihre  vergeblichen,  verlustreichen  Angriffe.

An  der  Nida  steht  vorerst  der  Kampf.  Nächst  der  Mündung  dieses
Flusses  wurde  eine  Brücke  des  Feindes  über  die  Weichsel  in  Brand
geschossen.  Südlich  Tomaszow  wurde  von  unseren  Truppen  ein  Nachtangriff
  kaukasischer  Regimenter  abgeschlagen.

Die  Kämpfe  unserer  Verbündeten  um  den  Rawka=  und  Bzuraabschnitt
  dauern  fort.

An  der  ganzen  Front  ist  somit  eine  neue  Schlacht  im  Gange.

          Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                              v.  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.

Siegreiches  Vorgehen  des  österreichisch-ungarischen  Heeres  an  der  Nida.

.                                                                 Wien,  24.  Dezember.

 Amtlich  wird  verlautbart:
                                                                 24.  Dezember,  mittags.

Im  oberen  Nagy-Agertal  bei  Oekörmezö  steht  der  Kampf.  Im
Latorcztal  wiesen  unsere  Truppen  gestern  mehrere  Angriffe  unter  großen
Verlusten  für  die  Russen  ab  und  zersprengten  ein  feindliches  Bataillon
bei  Also-Vereczke.

Im  oberen  Ungtale  gewinnt  unser  Angriff  allmählich  Raum  gegen
den  Uzsoker-Paß.  Am  21.  wurden  im  Gebiete  dieses  Karpathentales
650  Russen  gefangen  genommen.  Die  Kämpfe  an  der  bekannten  galizischen
Front  dauern  fort.  An  der  unteren  Nida  machten  unsere  Truppen  in
einem  Gefecht  am  22.  12.  über  2000  Gefangene.

Im  Raum  von  Tomaszow  und  an  der  Rawka-Bzura-Linie  wird
weitergekämpft.

Vom  11.  bis  20.  12.  wurden  von  uns  insgesamt  43  000  Russen
gefangen  genommen.

Im  Innern  der  Monarchie  befinden  sich  jetzt  bereits  200  000  kriegsgefangene
  Feinde.

v.  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.

                           Türkischer  Sieg  im  Kaukasus.
                      Konstantinopel,  24.  Dezember.  (WL.)
     Das  Hauptquartier  meldet:

Auf  der  kaukasischen  Front  trugen  unsere  Truppen  zwischen  Olti
und  Id  einen  entscheidenden  Sieg  davon.  Die  Schlacht  dauert  mit  neuen
                                                                                54*
        <pb n="331" />
                                                       —  856  —

Erfolgen  für  uns  noch  fort.  Bis  jetzt  erbeuteten  wir  sechs  Geschütze  und
über  tausend  Gefangene,  darunter  einen  Obersten,  und  eine  Menge
Munition  und  Kriegsmaterial.

Ein  englischer  Kreuzer  versuchte  gestern  in  Akaba  einzudringen,
wurde  aber  gezwungen,  sich  unter  dem  Feuer  unserer  Geschütze  sofort
wieder  zurückzuziehen.  Das  Feuer  des  Kreuzers  richtete  keinen
Schaden  an.

                              Bericht  des  Hauptquartiers.
       Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  24.  Dezember,  vormittags.

Der  Feind  wiederholte  gestern  in  Gegend  Nieuport  seine  Angriffe
nicht.  Bei  Bixschoote  machten  unsere  Truppen  in  den  Gefechten  vom
21.  Dezember  230  Gefangene.  Sehr  lebhaft  war  die  Tätigkeit  des
Feindes  wieder  in  der  Gegend  des  Lagers  von  Chalons.  Dem  heftigen
feindlichen  Artilleriefeuer  auf  dieser  Front  folgten  in  Gegend  Souain
und  Perthes  Infanterieangriffe,  die  abgewiesen  wurden.  Ein  vom
Feinde  unter  dauerndem  Artilleriefeuer  gehaltener  Graben  wurde  uns
entrissen,  am  Abend  aber  wiedergenommen.  Die  Stellung  wurde  nach
diesem  gelungenen  Gegenstoß  aufgegeben,  da  Teile  des  Schützengrabens
vom  Feuer  des  Feindes  fast  eingeebnet  waren.  Ueber  100  Gefangene
blieben  in  unserer  Hand.

Unsere  Truppen  haben  von  Soldau—Meidenburg  her  erneut  die
Offensive  ergriffen  und  in  mehrtägigen  Kämpfen  die  Russen  zurückgeworfen.
  Mlawa  und  die  feindliche  Stellung  bei  Mlawg  sind  wieder  in
unserer  Hand.  In  diesen  Kämpfen  wurden  über  1000  Gefangene  gemacht.

Am  Bzura=  und  Rawkaabschnitt  kam  es  bei  unsichtigem  Wetter,  bei
dem  die  Artillerie  wenig  zur  Geltung  kommen  konnte,  an  vielen  Stellen
zu  heftigen  Bajonettkämpfen.  Die  Verluste  der  Russen  sind  groß.  Auf
dem  rechten  Pilicaufer  in  Gegend  südöstlich  Tomaszow  griffen  die  Russen
mehrmals  an  und  wurden  mit  schweren  Verlusten  von  den  verbündeten
Truppen  zurückgeschlagen.

          Weiter  südlich  ist  die  Lage  im  allgemeinen  unverändert.

                                                                 Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)

                      Das  japanische  Parlament  aufgelöst.
                                                                           Tokio,  26.  Dezember.

Das  Reutersche  Bureau  meldet:

Das  Parlament  hat  die  Regierungsvorlage,  die  eine  Vermehrung
der  Armee  um  zwei  Didvisionen  verlangte,  mit  213  gegen  148  Stimmen
abgelehnt.  Der  Kaiser  hat  darauf  die  Auflösung  des  Parlaments  angeordnet.


                                Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                  Wien,,  25.  Dezember.
    Amtlich  wird  verlautbart:
                                                                    25.  Dezember,  mittags.

Auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatze  wurde  gestern  an  einem
großen  Teile  der  Front  weitergekämpft.  Unsere  Kräfte  im  Nagy-Ag-
        <pb n="332" />
                                                       —  857  —

und  Latorcza-Gebiete  wiesen  mehrere  Angriffe  unter  schweren  Verlusten
des  Feindes  ab.  Nächst  des  Uzsoker  Passes  nahmen  wir  eine  Grenzhöhe.
In  Galizien  wurde  der  Gegner  weiter  gegen  Lisko  zurückgedrängt.
Zwischen  Wislok  und  Biala  hingegen  setzte  er  seine  Angriffe  den  ganzen
Tag  und  mit  besonderer  Intensität  am  Weihnachtsabend  und  in  der
Heiligen  Nacht  fort.  Am  Dunajec  und  an  unserer  veränderten  Front  in
Russisch-Polen  fanden  teils  Artilleriekämpfe  statt,  teils  herrschte  Ruhe.
Auf  dem  Balkankriegsschauplatze  hat  sich  nichts  ereignet.

Im  Norden  wie  im  Süden  gedenken  unsere  braven  Truppen  dankbar
der  Heimat,  die  so  reiche  Weihnachtsgaben  sandte.  Daß  sich  auch  die
Fürsorge  des  Deutschen  Reiches  an  diesem  Werke  mit  großen  Spenden
beteiligte,  wurde  als  neuer  Beweis  der  innigen  Zusammengehörigkeit
der  verbündeten  Heere  warm  empfunden.

             Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                   v.  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.

                                                                               Wien,  26.  Dezember.

Gestern  nahmen  unsere  Truppen  nach  viertägigen  heldenmütigen
Kämpfen  den  Uzsoker  Paß.

In  Galizien  führten  die  Russen  ihre  vor  einigen  Tagen  begonnene
Offensive  mit  starken  Kräften  fort  und  gelangten  wieder  in  den  Besitz
der  Becken  von  Krosno  und  Jaslo.  Die  Lage  am  unteren  Dunajec  und
an  der  Nida  ist  unverändert.  Südlich  Tomaszow  gewann  unser  Angriff
ostwärts  Raum.

Auf  dem  Balkankriegsschauplatz  herrscht  seit  zehn  Tagen  Ruhe.  Nur
an  der  Save  und  Drina  kommt  es  zuweilen  zu  unbedeutenden  Plänkeleien.
  Die  Festung  Bileca  wies  am  24.  Dezember  einen  schwachen  Angriff
  der  Montenegriner  ab.

               Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,
                                v.  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.

                   Der  Bericht  der  obersten  Heeresleitung.

      Großes  Hauptquartier,  25.  Dezember,  vormittags.  (W.T.B.)

In  Flandern  herrschte  gestern  im  allgemeinen  Ruhe.  Oestlich  Festubert
  wurde  den  Engländern  anschließend  an  die  am  20.  Dezember  eroberte
  Stellung  ein  weiteres  Stück  ihrer  Befestigung  entrissen.

Bei  Chivy  nordöstlich  Vailly  hoben  unsere  Truppen  eine  feindliche
Kompagnie  aus,  die  sich  vor  unserer  Stellung  eingenistet  hatte;
172  Franzosen  wurden  hierbei  gefangen  genommen.  Bei  dem  Versuch,
die  Stellung  uns  wieder  zu  entreißen,  hatte  der  Feind  starke  Verluste.

Französische  Angriffe  bei  Souain  und  Perthes  sowie  kleinere  Vorstöße
  nordwestlich  Verdun  und  westlich  Apremont  wurden  abgewiesen.

Im  Osten  blieb  die  Lage  unverändert.

                                                     Oberste  Heeresleitung.

            Der  Reichskanzler  gegen  die  Taschenspielerei  Vivianis.
                                                                            Berlin,  24.  Dezember.

Der  Reichskanzler  hat  an  die  Kaiserlichen  Botschafter  und  Gesandten
nachfolgenden  Runderlaß  gerichtet:
        <pb n="333" />
                                                      —  858  —

                                   Großes  Hauptquartier,  24.  Dezember  1914.

In  der  Rede,  die  Ministerpräsident  Viviani  in  der  französischen
Kammer  gehalten  hat,  befindet  sich  der  Passus,  daß  Frankreich  und  Rußland
  am  31.  Juli  dem  englischen  Vorschlag  beigestimmt  hätten,  die  militärischen
  Vorbereitungen  einzustellen  und  in  Verhandlungen  in  London
einzutreten.  Hätte  Deutschland  zugestimmt,  so  hätte  der  Friede  noch  in
dieser  letzten  Stunde  erhalten  werden  können.

Deo  ich  diese  im  französischen  Parlament  ausgesprochene  falsche  Behauptung
  gegenwärtig  von  der  Tribüne  des  Deutschen  Reichstages  nicht
widerlegen  kann,  so  sehe  ich  mich  veranlaßt,  Euer  pp.  die  nachfolgenden
Darlegungen  zuzustellen  mit  dem  Ersuchen,  davon  den  weitestgehenden
Gebrauch  zu  machen.

Der  britische  Konferenzvorschlag,  der  im  englischen  Blaubuch  unter
Nummer  36  abgedruckt  ist,  stammt  vom  26.  Juli.  Sein  Inhalt  war,  daß
Vertreter  von  Deutschland,  Frankreich,  Italien  mit  Sir  E.  Grey  in
London  zusammentreten  sollten,  um  dort  einen  Ausweg  aus  den  Schwierigkeiten,
  die  in  der  serbischen  Frage  entstanden  waren,  zu  suchen.  Von
Anfang  an  hat  Deutschland  den  Standpunkt  vertreten,  daß  der  serbischösterreichische
  Konflikt  eine  Angelegenheit  ist,  die  nur  die  nächstbeteiligten
  beiden  Staaten  berühre.  Diesen  Standpunkt  hat  auch  Sir  Edward
Grey  später  selbst  anerkannt.

Deutschland  mußte  den  englischen  Konferenzvorschlag  ablehnen,  weil
es  nicht  zulassen  konnte,  daß  Oesterreich-Ungarn  in  einer  Frage  seiner
nationalen  Lebensinteressen,  die  nur  Oesterreich-Ungarn  selbst  anging,
einem  Tribunal  der  Großmächte  unterstellt  würde.  Aus  dem  deutschen
Weißbuch  geht  hervor,  daß  auch  Oesterreich-Ungarn  den  Konferenzvorschlag
  als  unannehmbar  bezeichnete.  Durch  seine  Kriegserklärung  an
Serbien  dokumentierte  es  seinen  besten  Willen,  die  serbische  Frage  ohne
das  Dazwischentreten  der  Mächte  allein  zu  regeln.  Zugleich  erklärte  es
aber,  um  alle  gerechten  Ansprüche  Rußlands  zu  befriedigen,  sein  vollkommenes
  territoriales  Desinteressement  Serbien  gegenüber.  Da  Rußland
  sich  nicht  mit  dieser  Versicherung  begnügten,  war  aus  der  serbischen
Frage  eine  europäische  geworden,  die  zunächst  in  einer  Spannung
zwischen  Oesterreich-Ungarn  und  Rußland  ihren  Ausdruck  fand.  Um  zu
verhindern,  daß  aus  dieser  Spannung  eine  europäische  Konflagration  sich
entwickelte,  mußte  ein  neuer  Boden  gesucht  werden,  auf  dem  eine  Vermittlungsaktion
  der  Mächte  sich  anbahnen  konnte.  Es  war  Deutschland,
dem  das  Verdienst  gebührt,  diesen  Boden  zuerst  betreten  zu  haben.

Staatssekretär  v.  Jagow  wies  in  seinem  Gespräch  mit  dem  britischen
Botschafter  am  27.  Juli  darauf  hin,  daß  er  in  dem  Wunsche  Rußlands,
mit  Oesterreich-Ungarn  direkt  zu  verhandeln,  eine  Entspannung  der
Lage  und  die  beste  Aussicht  auf  eine  friedliche  Lösung  erblickte.  Diesem
Wunsch,  durch  den  die  englische  Konferenzidee  auch  nach  russischer  Meinung
  vorläufig  ausgeschaltet  war,  hat  Deutschland  von  dem  Tage,  wo  er
geäußert  wurde,  mit  aller  Energie,  die  ihm  zu  Gebote  stand,  in  Wien
unterstützt.  Kein  Staat  kann  ehrlicher  und  energischer  danach  gestrebt
haben,  den  Frieden  der  Welt  zu  erhalten,  als  Deutschland.
        <pb n="334" />
                                                         —  859  —

England  selbst  verzichtete  nunmehr  darauf,  seine  Konferenzidee
weiter  zu  verfolgen,  und  unterstützte  auch  seinerseits  den  Gedanken  der
direkten  Verhandlungen  zwischen  Wien  und  Petersburg  (Blaubuch  67).

Diese  begegneten  jedoch  Schwierigkeiten,  und  zwar  Schwierigkeiten,
die  nicht  von  Deutschland  und  Oesterreich-Ungarn,

sondern  von  den  Entente-Mächten
herbeigeführt  wurden.  Sollte  Deutschlands  Bemühen  gelingen,  so  bedurfte
  es  des  guten  Willens  der  nicht  unmittelbar  engagierten  Mächte,
es  bedurfte  aber  auch  des  Stillhaltens  der  Hauptbeteiligten,  denn  wenn
eine  der  beiden  Mächte,  zwischen  denen  vermittelt  werden  sollte,  die  im
Gange  befindliche  Aktion  durch  militärische  Maßnahmen  störte,  so  war
von  vornherein  klar,  daß  diese  Aktion  nie  zum  Ziele  gelangen  konnte.

Wie  stand  es  nun  mit  dem  guten  Willen  der  Mächte?

Wie  Frankreich  sich  verhielt,  ergibt  sich  mit  Deutlichkeit  aus  dem
französischen  Gelbbuche.  Es  traute  den  deutschen  Versicherungen  nicht.
Alle  Schritte  des  deutschen  Botschafters,  Freiherrn  v.  Schoen,  wurden
mit  Mißtrauen  ausgenommen,  sein  Wunsch  auf  mäßigende  Einwirkung
Frankreichs  in  Petersburg  wurde  nicht  beachtet,  denn  man  glaubte  annehmen
  zu  sollen,  daß  die  Schritte  Herrn  v.  Schoens  nur  dazu  bestimmt
waren,  va  compromettre  la  France  au  regard  de  la  Russie  Aus  dem
französischen  Gelbbuch  ergibt  sich,  daß

      Frankreich  keinen  einzigen  positiven  Schritt  im  Interesse
                                                des  Friedens
getan  hat.

Was  für  eine  Haltung  hat  England  angenommen?  In  den  diplomatischen
  Gesprächen  gab  es  sich  den  Anschein,  bis  zur  letzten  Stunde  zu
vermitteln,  aber  seine  äußeren  Handlungen  hatten  es  auf  eine  Demütigung
  der  beiden  Dreibundmächte  abgesehen.  England  war  die  erste
Großmacht,  die  militärische  Maßnahmen  in  großem  Stile  anordnete  und
dadurch  eine  Stimmung  insbesondere  bei  Rußland  und  Frankreich  schuf,
die  allen  Vermittlungsaktionen  im  höchsten  Grade  abträglich  war.  Es
ergibt  sich  aus  dem  Bericht  des  französischen  Geschäftsträgers  in  London
vom  27.  Juli  (Gelbbuch  Nr.  66),  daß  schon  am  24.  Juli  der  Befehlshaber
der  englischen  Flotte  diskret  seine  Maßnahmen  für  die  Zusammenziehung
der  Flotte  bei  Portland  getroffen  hatte.

Großbritannien  hat  also  früher  mobilisiert  als  selbst  Serbien.

Großbritannien  hat  sich  ferner  ebenso  wie  Frankreich  geweigert,  in
Petersburg  mäßigend  und  zügelnd  einzuwirken.  Auf  die  Meldungen  des
englischen  Botschafters  in  Petersburg,  aus  denen  ganz  klar  hervorging,
daß  nur  eine  Mahnung  an  Rußland,  mit  der  Mobilisation  einzuhalten,
die  Situation  retten  konnte,  hat  Sir  E.  Grey  nichts  getan,  sondern  die
Dinge  gehen  lassen,  wie  sie  gingen.  Zu  gleicher  Zeit  hat  er  aber  geglaubt,
daß  es  nützlich  sein  würde,  Deutschland  und  Oesterreich-Ungarn,  wenn
auch  in  nicht  ganz  klarer  Weise,  doch  deutlich  genug  darauf  hinzuweisen,
daß  sich  auch  England  an  einem  europäischen  Kriege  beteiligen  könnte.
Zu  derselben  Zeit  also,  wo  England  sich  nach  dem  Fallenlassen  seiner
Konferenzidee  den  Anschein  gab  zu  wünschen,  daß  sich  Oesterreich-Ungam
auf  Deutschlands  Vermittelung  hin  nachgiebig  zeigen  sollte,  weist  Sir
Edward  Grey  den  österreichisch-ungarischen  Botschafter  in  London  auf
        <pb n="335" />
                                                                  ----860---                                                               die  englische  Flottenmobilisation  hin  (Blaubuch  48),  gibt  dem  deutschen
Botschafter  zu  verstehen,  daß  sich  auch  England  an  einem  Kriege  beteiligen
  könnte,  und  unterrichtet  die  Botschafter  des  Zweibundes  sofort  von
dieser  an  die  deutsche  Adresse  gerichteten  Warnung,  womit  der  Sieg  der
Kriegspartei  in  Petersburg  besiegelt  war.

Es  war  das  gerade  diejenige  Haltung,  die  nach  der  sachverständigen
Ansicht  des  englischen  Botschafters  Buchanan  am  ungeeignetsten  war,
eine  gute  Stimmung  zwischen  den  Mächten  hervorzurufen.

Unter  diesen  Schwierigkeiten  wird  man  es  als  einen  besonderen
Erfolg  betrachten  dürfen,  daß  es  Deutschland  gelang,  Oesterreich-Ungarn
dem  Wunsche  Rußlands,  in  Sonderverhandlungen  einzutreten,  geneigt
zu  machen.  Hätte  Rußland,  ohne  seinerseits  militärische  Maßnahmen  zu
treffen,  die  Verhandlungen  mit  Oesterreich-Ungarn,  das  nur  gegen  Serbien
  mobilisiert  hatte,  im  Gang  gehalten,  so  hätte  die  volle  Aussicht  auf
Erhaltung  des  Weltfriedens  bestanden.

                           Statt  dessen  mobilisierte  Rußland
gegen  Oesterreich-Ungarn,  wobei  Ssasanoff  sich  völlig  klar  darüber  war
(vgl.  Blaubuch  78),  daß  damit  alle  direkten  Verständigungen  mit  Oesterreich-Ungarn
  hinfielen.  Das  mühsame  Resultat  der  deutschen  Vermittelungsverhandlungen
  war  damit  mit  einem  Schlage  erledigt.

Was  geschah  nun  seitens  der  Ententemächte,  um  den  Frieden  in

dieser  letzten  Stunde  zu  erhalten?
„  Sir  E.  Grey  nahm  seinen  Konferenzvorschlag  wieder  auf.  Auch  nach
Ansicht  des  Herrn  Ssasanoff  war  jetzt  der  geeignete  Moment  gekommen,
um  unter  dem  Druck  der  russischen  Mobilisation  gegen  Oesterreich-Ungarn
den  alten  englischen  Gedanken  der  Konversation  zu  vieren  wieder  zu
empfehlen.  (Deutsches  Weißbuch  Seite  7.)  Graf  Pourtalés  ließ  den
Minister  nicht  im  Zweifel  darüber,  daß  nach  seiner  Auffassung  die
Entente-Mächte  hiermit  dasselbe  von  Oesterreich-Ungarn  verlangten,  was
sie  Serbien  nicht  hatten  zumuten  wollen.  Nämlich,  unter  militärischem
Druck  nachzugeben.  Unter  solchen  Umständen  konnte  Deutschland  und
Oesterreich-Ungarn  der  Konferenzgedanke  unmöglich  sympathisch  sein.
Trotzdem  erklärte  Deutschland  in  London,  daß  es  im  Prinzip  den  Vorschlag
  einer  Intervention  der  vier  Mächte  annehme,  ihm  widerstrebe
lediglich  die  Form  einer  Konferenz.  GEleichzeitig  drang  der  deutsche  Botschafter
  in  Petersburg  in  Ssasanoff,  auch  seinerseits  Konzessionen  zu
machen,  um  ein  Kompromiß  zu  ermöglichen.  Daß  diese  Bemühungen
fruchtlos  blieben,  ist  bekannt.

Rußland  selbst  schien  an  der  weiteren  Vermittelungstätigkeit  Deutschlands
  in  Wien,  die  bis  zur  letzten  Stunde  weiter  geführt  wurde,  nichts
mehr  zu  liegen.  Es  ordnete  in  der  Nacht  vom  30.  zum  31.  Juli  die  Mobilisation
  seiner  gesamten  Streitkräfte  an,  was  die  Mobilisation  Deutschlands
  und  dessen  spätere  Kriegserklärung  zur  Folge  haben  mußte.

Angesichts  dieses  Ganges  der  Ereignisse  ist  es  nicht  verständlich,
wie  ein  verantwortlicher  Staatsmann  den  Mut  finden  kann,  zu  behaupten,
  daß  Deutschland,  das  sich  der  russischen  Mobilisation,  den  militärischen
  Vorbereitungen  Frankreichs  und  der  Mobilisierung  der  englischen
Flotte  gegenüber  fand,  noch  am  31.  Juli  durch  die  Annahme  einer  unter
den  erhobenen  Waffen  der  Entente-Mächte  abzuhaltenden  Konferenz  den
        <pb n="336" />
        —  861  —

Frieden  hätte  retten  können.  Es  war  nicht  das  bis  zur  letzten  Stunde  in
Wien  vermittelnde  Deutschland,  das  die  Idee  der  Vermittelung  der  vier
Mächte  unmöglich  gemacht  hat,  es  waren  die  militärischen  Maßnahmen  der
Entente-Mächte,  die  Friedensworte  im  Munde  führten,  während  sie  zum
Kriege  entschlossen  waren.  v.  Bethmann  Hollweg.

Amtlicher  türkischer  Bericht.
(Drahtbericht.)
Konstantinopel,  25.  Dezember.

Das  Hauptquartier  teilt  mit:  Als  Ergänzung  zur  Verlautbarung  von
gestern  empfingen  wir  von  der  Kaukasischen  Armee  folgende  Depesche:

Unsere  Truppen  stießen  den  in  Id  befindlichen  Feind  über  die  Grenze
zurück.  Die  Russen  ließen  vor  dem  Angriff  unserer  Hauptstreitkräfte  ihre
Stellungen  bei  Azab  (2),  Kalender  (9)  und  Arcoche  (2)  im  Stich  und  ergriffen
  in  Unordnung  die  Flucht.

Diese  Aktion  der  osmanischen  Armee  gibt  eine  deutliche  Antwort  auf
die  russischen  Berichte  vom  17.  und  20.  Dezember,  welche  besagten,  die
Moral  der  osmanischen  Armee  sei  gebrochen  und  die  Russen  hätten  ihr  in
einem  nächtlichen  Angriff  schwere  Verluste  und  eine  Niederlage  beigebracht.

Abgewiesener  englischer  Angriff  auf  unsere  Küste.
Amtlich.  Großes  Hauptgquartier,  26.  Dezember,  mittags.

Westlicher  Kriegsschauplatz.

Bei  Nieuport  sind  in  der  Nacht  vom  24.  zum  25.  Dezember  Angriffe
der  Franzosen  und  Engländer  abgewiesen.

Der  Erfolg  der  Kämpfe  bei  Festubert  mit  Indern  und  Engländern
läßt  sich  erst  heute  übersehen.  Neunzehn  Offiziere  und  819  Farbige  und
Engländer  wurden  gefangen  genommen,  vierzehn  Maschinengewehre,  zwölf
Minenwerfer,  Scheinwerfer  und  sonstiges  Kriegsmaterial  erbeutet.  Auf
dem  Kampffeld  ließ  der  Feind  über  3000  Tote.  Eine  von  den  Engländern
ur  Bestattung  der  Toten  erbetene  Waffenruhe  wurde  bewilligt.  Unsere

erluste  sind  verhältnismäßig  gering.

Bei  kleineren  Gefechten  in  Gegend  Lihons  südöstlich  Amiens  und
Tracy-le-Val  nordöstlich  Compiègne  machten  wir  gegen  200  Gefangene.

In  den  Vogesen  südlich  Diedolshausen  und  im  Oberelsaß  westlich  Sennheim
  sowie  südwestlich  Altkirch  kam  es  gestern  zu  kleineren  Gefechten.  Die
Lage  blieb  dort  unverändert.

Am  20.  Dezember  nachmittags  warf  ein  französischer  Flieger  auf  das
Dorf  Inor  neun  Bomben,  obgleich  dort  nur  Lazarette  sich  befinden,  die
auch  für  Fliegerbeobachtung  ganz  deutlich  kenntlich  gemacht  sind.  Nennenswerter
  Schaden  wurde  nicht  angerichtet.

Zur  Antwort  auf  diese  Tat  und  auf  das  neuliche  Bombenwerfen  auf
die  offene,  außerhalb  des  Operationsgebietes  liegende  Stadt  Freiburg
wurden  heute  morgen  einige  der  in  der  Position  de  Nanchy  liegenden  Orte
von  uns  mit  Bomben  mittleren  Kalibers  belegt.

Oestlicher  Kriegsschauplatz.
Russische  Angriffe  auf  die  Stellungen  bei  Lötzen  wurden  abgeschlagen.
Tausend  Gefangene  blieben  in  unserer  Hand.
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                                                                  —  862  —

In  Nordpolen  nördlich  der  Weichsel  blieb  die  Lage  unverändert,  südlich
der  Weichsel  schritten  unsere  Angriffe  am  Bzuraabschnitt  fort.  Auf  dem
rechten  Pilicaufer  südöstlich  Tomaszow  war  unsere  Offensive  von  Erfolg
begleitet.  Weiter  südlich  ist  die  Lage  unverändert.

                                                             Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)

                                                              Berlin,  26.  Dezember  1914.

Am  25.  Dezember  vormittags  machten  leichte  englische  Streitkräfte
einen  Vorstoß  in  die  deutsche  Bucht.  Von  ihnen  mitgeführte  Wasserflugzeuge
  gingen  gegen  unsere  Flußmündungen  vor  und  warfen  hierbei  gegen
zu  Anker  liegende  Schiffe  und  einen  in  der  Nähe  von  Cuxhaven  befindlichen
Gasbehälter  Bomben  ab,  ohne  zu  treffen  und  Schaden  anzurichten.  Unter
Feuer  genommen,  zogen  sich  die  Flugzeuge  in  westlicher  Richtung  zurück.
Unsere  Luftschiffe  und  Flugzeuge  klärten  gegen  die  englischen  Streitkräfte
auf.  Hierbei  erzielten  sie  durch  Bombenwürfe  auf  zwei  englischen  Zerstörern
und  einem  Begleitdampfer  Treffer.  Auf  letzterem  wurde  Brandwirkung
beobachtet.  Aufkommendes  nebliges  Wetter  verhinderte  sonstige  Kämpfe.

                             Der  Stellvertretende  Chef  des  Mdmiralstabes:
                                                                              gez.  Behncke.  (W.T.  B.)

                         Zwei  russische  Minenleger  versenkt.
                                                       Konstantinopel,  27.  Dezember.

Amtlicher  Bericht  des  Hauptquartiers.  Die  amtlichen  russischen  Berichte
  aus  Sebastopol  teilen  mit,  daß  die  „Hamidie“  vor  Sebastopol
schwer  beschädigt  wurde,  daß  sie  zwar  Konstantinopel  noch  erreichen  konnte,
aber  für  lange  Zeit  außer  Gefecht  gesetzt  worden  sei.  Hier  ist.  die  Antwort
auf  diese  Lügen:

In  diesen  Tagen  fuhr  unsere  Flotte  mit  Einschluß  der  „Hamidie“  durch
das  Schwarze  Meer  und  kehrte  unbeschädigt  zurück.  Eines  unserer  Kriegsschiffe
  begegnete  am  24.  Dezember  einer  russischen  Flotte,  die  aus  17  Einheiten
  zusammengesetzt  war,  nämlich  5  Linienschiffen,  2  Kreuzern,  10  Torpedobooten
  und  3  Minenlegern,  d.  h.  ein  türkisches  Schiff  gegen  17  feindliche.
  Dieses  türkische  Schiff  griff  in  der  Nacht  diese  Flotte  an,  beschoß  mit
Erfolg  das  Linienschiff  „Restißlav“  und  versenkte  die  beiden  Minenleger
„Oleg"  und  „Athos“.  Zwei  Offiziere  und  dreißig  russische  Seesoldaten
wurden  gerettet  und  zu  Gefangenen  gemacht.  Zur  sewen  Zeit  beschoß  ein
anderer  Teil  unserer  Flotte  erfolgreich  Batum.  Am  Vormittage  des
25.  Dezember  wollten  zwei  von  unseren  Schiffen  die  oben  genannte  Flotte
zum  Kampfe  zwingen,  die  es  vorzog,  nach  Sebastopol  zu  fliehen.


                            Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                          Wien,  27.  Dezember.

            Amtlich  wird  verlautbart:  27.  Dezember  mittags:

Die  Lage  in  den  Karpathen  ist  unverändert.  Vor  der  zwischen  Rymanow
  und  Tuchow  angesetzten  Offensive  wurden  unsere  Kräfte  im  galizischen
Karpathenvorlande  etwas  zurückgenommen.  Feindliche  Angriffe  am
unteren  Dungajec  und  an  der  unteren  Nida  scheiterten.  Die  Kämpfe  in  der
Gegend  von  Tomaszow  dauern  fort.

Auf  dem  Balkankriegsschauplatze  hält  die  Ruhe  an.  Das  Territorium
der  Monarchie  ist  hier  mit  Ausnahme  ganz  unbedeutender  Grenzstrecken
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                                                          —  863  —

Bosniens  und  der  Herzegowina  und  Süddalmatiens  vom  Feinde  frei;  der
schmale  Landstreifen  Spizza—Budua  wurde  von  den  Montenegrinern  schon
bei  Kriegsbeginn  besetzt.  Ihr  Angriff  auf  die  Bochhe  di  Cattaro  scheiterte
vollständig.  Schon  vor  längerer  Feit  mußten  ihre  und  die  auf  die  Grenzhöhen
  gebrachten  französischen  Geschütze,  von  unserer  Forts=  und  Schiffsartillerie
  niedergekämpft,  das  Feuer  einstellen.  Ebenso  ergebnislos  verliefen
  bekanntermaßen  die  wiederholten  Beschießungen  einzelner  Küstenwerke
  durch  französische  Flottenabteilungen.  Der  Kriegshafen  ist  somit  sest
in  unseren  Händen.  Oestlich  Trebinje  befinden  sich  schwächere  montenegrinische
  Abteilungen  auf  herzegowinischem  Grenzgebiete.  Endlich  stehen
östlich  der  Drina,  Strecke  Foca—Visegrad  feindliche  Truppen,  die  von  dort
auch  während  unserer  Offensive  nicht  gewichen  waren.

                      Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                             von  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.

Der  deutsche  Hilfskreuzer  „Prinz  Wilhelm“  vernichtet  4  englische
                                      Handelsschiffe.
                                                                    W.T.  B.  Rotterdam,,  27.  Dez.

Nach  einem  Telegramm  des  „Nieuwe  Rotterdamsche  Courant“  aus
Schanghai  hat  die  Versicherungsgesellschaft  Yantsekiang  erfahren,  daß  der
deutsche  Hilfskreuzer  „Prinz  Wilhelm“  an  der  Südostküste  Südamerikas
vier  englische  Handelsschiffe  in  den  Grund  bohrte.


Englischer  Bericht  über  den  Kampf  bei  den  Falklandsinseln.
                                                                           London,  27.  Dezember.

„Daily  Telegraph“  meldet  über  Neuyork  aus  Montevideo:

Die  Offiziere  der  Flotte  des  Admirals  Sturdees  sind  besonders  stolz
darauf,  daß  es  den  Engländern  gelang,  die  Deutschen  zu  überlisten  und  die
Ueberreste  des  Geschwaders  des  Admirals  Cradock  zu  verstärken,  ohne  daß
der  Feind  davon  erfuhr.  Es  gelang  ihnen,  zwei  mächtige  Panzerkreuzer
heranzuziehen,  die  sich  mit  den  Kreuzern  „Canopus“,  „Carnavon“,  „Cornwall“,
  „Bristol“  und  „Glasgow“  vereinigten  und  am  7.  Dezember  Ort
Stanley  zum  Kohlen  anliefen.

Die  großen  Kreuzer  konnten  sich  im  Hafen  hinter  dem  Landrücken  vollständig
  verbergen.  Am  8.  Dezember  früh  erschien  das  deutsche  Geschwader,
offenbar  in  der  Absicht,  die  Falklandsinseln  zu  überrumpeln  und  Port
Stanley  als  Kohlenstation  zu  besetzen.  Als  die  deutschen  Schiffe  nur  die
wenigen  starken  britischen  Schiffe  sahen,  machten  sie  sich  zum  Gefecht  klar.
Es  kam  zum  Kampf.  Plötzlich  erschienen  im  engen  Hafeneingang  die  beiden
großen  britischen  Panzerkreuzer.  Admiral  Graf  von  Spee  merkte  jetzt,  daß
er  in  eine  Falle  geraten  war  und  gab  seinen  Schiffen  das  Signal,  sich  zu
zerstreuen.  Es  war  jedoch  zu  spät.

Der  Kampf  entwickelte  sich  in  der  bereits  geschilderten  Weise.  Die
Deutschen,  namentlich  die  „Scharnhorst“,  schossen  ausgezeichnet.  „Eneisenau“
  und  „Scharnhorst“  feuerten  bis  zum  Augenblicke  des  Unterganges.
Inzwischen  kämpfte  die  „Glasgow“  mit  der  „Leipzig“,  die  mehr  ausrichten
konnte,  als  die  anderen  deutschen  Schiffe.

Als  die  „Leipzig“,  in  Feuer  gehüllt,  im  Begriff  war,  unterzugehen,
stellte  die  „Glasgow“  das  Feuer  ein,  fuhr  dicht  an  das  deutsche  sinkende
Schiff  heran,  und  ließ  Boote  herab.  Als  jedoch  die  ersten  britischen  Boote
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                                                             —  864  —

ausfuhren,  um  die  Besatzung  der  „Leipzig“  zu  retten,  schoß  die  „Leipzig“
noch  einmal.  Das  Geschoß  explodierte  auf  Deck  der  „Glasgow“.  Daraufhin
  feuerte  die  „Glasgow“  die  letzte  Breitseite  auf  die  „Leipzig“,  die  diese
zum  Sinken  brachte.  Die  britischen  Offiziere  bedauern,  daß  von  der
„Leipzig“,  offenbar  in  der  Hitze  des  Kampfes,  dieser  letzte  Schuß  abgegeben
wurde.  Sie  glauben,  daß  es  sich  um  einen  bedauerlichen  Zufall  handelte.
Die  übrigen  englischen  Schiffe  holten  die  „Nürnberg“  ein  und  forderten
sie  zur  Uebergabe  auf.  Da  sie  sich  weigerte,  wurde  sie  in  Grund  geschossen.
Ihr  Untergang  rettete  die  Schiffe  „Dresden“  und  „Prinz  Eitel  Friedrich“,
weil  die  englischen  Schiffe  die  Verfolgung  einstellten,  um  die  Ueberlebenden
  des  deutschen  Schiffes  aufzunehmen.  Nach  anderen  Berichten  aus  Montevideo
  wurde  der  Panzerkreuzer  „Inwincible“  zwanzigmal  von  Geschossen
getroffen,  ohne  daß  er  ernstlichen  Schaden  litt.  Nur  14  von  der  Besatzung
wurden  verwundet.

Als  die  „Gneisenau“  sank,  hatte  sie  die  ganze  Munition  verschossen,
wollte  jedoch  nichts  von  der  Uebergabe  wissen.  Beim  Untergange  salutierten
  viele  Offiziere;  ein  Teil  der  Besatzung  versammelte  sich  auf  dem
Achterdeck  und  sang  „Die  Wacht  am  Rhein“.  Eine  große  Anzahl,  darunter
auch  Offiziere,  wurden  nachher  gerettet.  Einige  starben  an  Bord  der  englischen
  Schiffe;  die  übrigen  werden  nach  England  gebracht.  Von  der
„Scharnhorst“  wurde  niemand  gerettet.


       Aufregender  Kampf  in  den  Lüsten  an  der  englischen  Küste.

                                                                              Rotterdam,  27.  Dezember.

Aus  London  wird  unter  dem  26.  Dezember  berichtet:  Dichter  Nebel
ermöglichte  einem  deutschen  Flugzeug  des  Albatrostyps,  unbemerkt  an
der  englischen  Küstenwacht  vorbeizukommen.  Erst  als  bei  Sheerneß  der
Nebel  stieg,  wurde  das  Flugzeug  entdeckt.  Offenbar  hatte  es  die  Absicht,
nach  London  zu  fliegen.  Bei  Erith  wurde  das  deutsche  Flugzeug  von
englischen  Fliegern  auf  seinem  Wege  nach  London  abgeschnitten  und  der
Themse  aufwärts  zurückgetrieben.  Der  Albatros  überflog  dann  Essex  seewärts.
  Augenzeugen  sahen,  wie  die  Granaten  von  Ballonabwehrkanonen
  manchmal  dicht  bei  dem  Albatros-Doppeldecker  platzten,  und  wie
die  Deutschen  mit  ihren  Verfolgern  Schüsse  wechselten.  Der  deutsche  Flugzeugführer
  lenkte  seine  Maschine  sehr  gewandt,  so  daß  das  mit  einer
Kanone  bewaffnete  englische  Flugzeug  nicht  schießen  konnte,  ohne  die
anderen  Engländer  zu  gefährden.  Nachdem  sich  zu  den  drei  Engländern
noch  eine  Anzahl  anderer  Flieger  gesellt  hatte,  schien  die  deutsche  Maschine
verloren.  Da  kam  der  rettende  Nebel,  und  der  Albatros  sauste  mitten
durch  die  Flotte  und  entkam.  Die  Engländer  flogen  nun  schleunigst  östlich,
um  den  Gegner  zwischen  Sheerneß  und  Southend  abzufangen.  Der  Versuch
mißlang  aber,  und  die  Verfolger  kehrten  bald  unverrichteter  Dinge  zurück.

                            Der  Generalstabsbericht.
                 Großes  Hauptquartier,  27.  Dezember  vorm.

                       Westlicher  Kriegsschauplatz.
In  Flandern  ereignete  sich  gestern  nichts  Wesentliches.  Englische
Schiffe  zeigten  sich  heute  morgen.
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                                                      —  865  —

Nordöstlich  Albert  machte  der  Feind  einen  vergeblichen  Vorstoß  auf
La  Boiselle,  dem  heute  früh  ein  erfolgreicher  Gegenstoß  unserer  Truppen
folgte.
  Französische  Angriffe  im  Meurrissons-Grunde  (Argonnen)  und  südöstlich
  Verdun  brachen  in  unserem  Feuer  zusammen.

Im  Oberelsaß  griffen  die  Franzosen  unsere  Stellungen  östlich  der
Linie  Thann-Dammerkirch  an;  sämtliche  Angriffe  wurden  zurückgeschlagen.
In  den  ersten  Nachtstunden  setzten  die  Franzosen  sich  in  Besitz  einer
wichtigen  Höhe  östlich  Thann,  wurden  aber  durch  einen  kräftigen  Gegenangriff
  wieder  geworfen.  Die  Höhe  blieb  fest  in  unserem  Besitz.

                              Oestlicher  Kriegsschauplatz.

      In  Ost=  und  Westpreußen  keine  Veränderung.

In  Polen  machten  unsere  Angriffe  am  Bzura-Rawka-Abschnitt  langsam
  weitere  Fortschritte.

Südöstlich  Tomaszow  wurde  die  Offensive  erfolgreich  fortgesetzt.
Russische  Angriffe  aus  südlicher  Richtung  auf  Inowlodz  wurden  unter
schweren  Verlusten  für  die  Russen  zurückgeschlagen.

  (W.T.  B.)                                            Oberste  Heeresleitung.


            Ein  Hanpschreiben  des  Papstes  an  den  Sultan.

     Konstantinopel,  26.  Dezember.  Der  Sultan  empfing  jüngst
den  neuen  apostolischen  Delegaten,  Monsignore  Dolci,  in  feierlicher
Audienz.  Der  Delegat  und  seine  Begleitung,  Generalvikar  Monsignore
  Pompilli  und  Sekretär  Monsignore  Ceisarano,  wurden  in  Hofwagen
nach  dem  Palaste  gebracht.  Der  Sultan  empfing  den  Vertreter  des
Heiligen  Stuhles  mit  besonderem  Wohlwollen.  Der  Delegat  überbrachte
ein  Handschreiben  des  Papstes.  Es  wird  bemerkt,  daß  der  apostolische
Delegat  das  erste  Mal  ohne  die  Vermittlung  der  französischen  Botschaft
empfangen  wurde.

                   Der  Suezkanal  durch  die  Engländer  gesperrt.

Der  Korrespondent  der  „Frankfurter  Zeitung“  erfährt  zuverlässig,
daß  England  am  15.  Dezember  die  Sperrung  des  Suezkanals  für  jedweden
Verkehr  vorgenommen  hat.


                             Bericht  des  Hauptquartiers.
            Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  W.  Dezember.

                    Westlicher  Kriegsschauplatz.

Bei  Nieuport  erneuerte  der  Feind  seine  Angriffsversuche  ohne  jeden
Erfolg.  Er  wurde  dabei  durch  Feuer  vom  Meere  her  unterstützt,  das
uns  keinerlei  Schaden  tat,  dagegen  einige  Bewohner  von  Westende  tötete
und  verletzte.  Auch  ein  Angriff  des  Feindes  gegen  das  Gehöft  Saint
Georges,  das  er  in  seinen  offiziellen  Mitteilungen  als  in  seinen  Händen
befindlich  bezeichnet  hat,  scheiterte.  Südlich  Dpern  wurde  von  uns  ein
feindlicher  Schützengraben  genommen,  wobei  einige  Dutzend  Gefangene
in  unsere  Hände  fielen.  Mehrfache  stärkere  Angriffe  des  Gegners  in  der
Hegend  nordwestlich  Arras  wurden  abgewiesen.  Südöstlich  Verdun
wiederholte  der  Feind  seine  Angriffe,  ebenfalls  ohne  jeden  Erfolg.  Das
        <pb n="341" />
                                                        —  866  —

Gleiche  war  der  Fall  bei  seiner  Absicht,  die  gestern  umstrittene  Höhe
westlich  Sennheim  zurückzugewinnen.

                              Oestlicher  Kriegsschauplatz.

Ostpreußen  und  Polen  nördlich  der  Weichsel  nichts  Neues.  Auf
linkem  Weichselufer  entwickeln  sich  unsere  Angriffe  trotz  sehr  ungünstigen
Wetters  weiter.                                   Oberste  Perlesleitung.  (W.  T.  B.


            Ein  Hirtenbrief  der  deutschen  Bischöfe  über  den  Krieg.
                                                                           München,  28.  Dezember.

Alle  deutschen  Erzbischöfe  und  Bischöfe  haben  einen  gemeinsamen
Hirtenbrief  erlassen,  der  in  langen,  bußfertigen  Ausführungen  der  Diözesanen
  vom  Kriege  spricht  und  diesen  als  eine  strenge  Adventsschule  bezeichnet.
  Wie  der  Sturmwind  sei  der  Krieg  hereingefahren  in  die  kalten
Nebel  und  bösen  Dünste  des  Unglaubens  und  der  Zweifelsucht  und  in
die  ungesunde  Atmosphäre  der  unchristlichen  Ueberkultur.  Das  deutsche
Volk  besann  sich  wieder  auf  sich  selbst,  der  Glaube  trat  wieder  in  sein
Recht.  Folgend  dem  Zuge  der  Gnade,  folgend  der  Stimme  seiner  Hirten
und  der  Mahnung  seines  gottesfürchtigen  Kaisers,  zog  das  Volk  in  die
Kirchen  und  fand  dort  seinen  Heiland.  Unsere  Soldaten  schlossen  vor  dem
Ausmarsch  aufs  neue  mit  ihm  in  der  heiligen  Kommunion  den  Bund  für
Leben  und  für  Sterben.  Wenn  in  den  unnmenschlichen  Anstrengungen,
Entbehrungen,  Todesgefahren  der  Mut  sinken  wollte,  richteten  sie  sich  auf
an  ihm,  der  von  sich  selber  sprach:  „Ich  bin  nicht  gekommen,  mich  bedienen
zu  lassen,  sondern  zu  bedienen  und  mein  Leben  hinzugeben  für  viele.“

Als  die  Hauptaufgabe  der  gegenwärtigen  Zeit  bezeichwet  das  umfangreiche
  Hirtenschreiben  Buße  und  Sühne.  Der  Krieg  sei  ein  Strafgericht  für
alle  Völker,  die  von  ihm  betroffen  sind.  Daher  der  laute  Ruf
nach  Buße  und  Sühne.  Wehe  dem  Volk,  das  nicht  einmal  mehr
dieser  furchtbare  Zuchtmeister  zur  Buße  bringen  kann.  Es  ist  reif
in  unser  eigenes,  wir  wollen  nicht  das  Gewissen  unserer  Feinde  erforschen,
sondern  das  unserige.  Wir  sind  unschuldig  an  dem  Ausbruch  des  Krieges,
das  können  wir  vor  Gott  und  der  Welt  bezeugen.  Im  übrigen  wollen
wir  nicht  auf  unsere  Unschuld  pochen.  Der  Krieg  habe  auch  bei  uns  schwere
Schuld  aufgedeckt,  heißt  es  dann  weiter,  einmal  die  Schuld  an  dem  angeblichen
  Niedergang  des  religiösen  und  des  sittlichen  Lebens.  Am  Schlusse
des  Hirtenbriefes  werden  für  die  Gläubigen  genauere  kirchliche  Anordnungen
  getroffen,  so  zum  Beispiel  wurde  der  Brief  vom  letzten  Sonntag
nachmittag  an  in  allen  katholischen  Kirchen  vorgelesen,  und  die  Jünglinge
und  Männer  werden  aufgefordert,  eingustehen  für  Gott  und  Vaterland.
Auch  den  Katholiken  im  Felde  wird  der  Hirtenbrief  bekanntgegeben.


                   Der  gescheiterte  Vorstoß  an  die  deutsche  Küste.

London,  28.  Dezember.  In  dem  Berichte  der  englischen  Admiralität
  über  den  Angriff  auf  die  deutsche  Nordseeküste  heißt  es:

Drei  englische  Flieger  kamen  auf  Tauchbooten,  die  ihnen  Beistand
leisteten,  zurück.  Ihre  Flugzeuge  waren  gesunken.  Ein  Flieger  wird
vermißt.  Sein  Flugzeug  wurde  zwölf  Kilometer  von  Helgoland  als
Wrack  gesehen.  Sein  Los  ist  unbekannt.
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                                                          —  867  —

Eine  portugiesische  Niederlage  in  Deutsch-Südwestafrika.
                                                                   Madrid,  W.  Dezember.

Nach  hier  aus  Lissabon  eingetroffenen  Meldungen  hat  das  portugiesische
  Expeditionskorps  unter  dem  Oberbefehl  des  Obersten  Rocadas
gegen  deutsche  Kolonialtruppen  eine  schwere  Niederlage  erlitten.  Das
Expeditionskorps  des  Obersten  hatte  die  deutsche  Grenze  überschritten,  als
es  von  einem  starken  deutschen  Truppenteil  plötzlich  angegriffen  und  zur
Flucht  gezwungen  wurde.  Die  portugiesischen  Truppen  versuchten  dann,
sich  in  das  auf  portugiesischem  Gebiete  gelegene  Naulila,  einen  befestigten
Platz,  zurückzuziehen.  Die  Verfolgung  seitens  der  Deutschen  war  jedoch
so  heftig,  daß  es  den  Portugiesen  nicht  gelang,  die  Festung  Naulila  zu
halten,  so  daß  sie  den  Ort  ebenfalls  sofort  ausgeben  mußten.  Naulila
befindet  sich  in  deutschem  Besitz.  Der  portugiesische  Kolonialminister  gab
Liese  Tatsache  in  der  Kammer  zu  Lissabon  den  Abgeordneten  selbst  zur

enntnis.

 

 

                         Der  Kampf  in  den  Karpathen.
                                                                                    Wien,  28.  Dezember.

Amtlich  wird  verlautbart:  Nördlich  des  Duklapasses  wichen  unsere
Truppen  dem  Angriffe  der  Russen  in  Stellungen  näher  am  Karpathenkamme
  aus.  Zwischen  Biala  und  Dunajetz  im  Raume  nordöstlich  Zakliczyn,
  wurden  sehr  heftige  Angriffe  des  Feindes  abgewiesen.  Sonst  hat  sich
auf  dem  nordöstlichen  Kriegsschauplatze  an  unserer  Front  nichts  Wesentliches
  ereignet.

Im  Süden  herrscht,  von  einigen  Grenzplänkeleien  abgesehen,  vollkommene
  Ruhe.  Die  Serben  sprengten  wieder  die  Semliner  Brücke.

            Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                 von  Hoefer,  Feldmarschall-Leutnant.

                                Bericht  des  Hauptquartiers.
Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  29.  Dezember,  vormittags.

Westlicher  Kriegsschauplatz.

Bei  Nieuport  und  südöstlich  Dpern  gewannen  wir  in  kleineren  Gefechten
einigen  Boden.

Mehrfache  starke  französische  Angriffe  nordwestlich  Saint  Menehould
wurden  unter  schweren  Verlusten  für  die  Franzosen  zurückgeschlagen.  Dabei
  machten  wir  einige  hundert  Gefangene.

Ein  Vorstoß  im  Bois  Brulé  westlich  Apremont  führte  unter  Erbeutung
von  drei  Maschinengewehren  zur  Fortnahme  eines  französischen  Schützengrabens.
  Französische  Angriffe  westlich  Sennheim  wurden  abgewiesen.

Oestlicher  Kriegsschauplatz.

In  Ostpreußen  und  Polen  rechts  der  Weichsel  keine  Veränderung.  Am
Bzura=  und  Rawöka-Abschnitt  schritten  unsere  Angriffe  vor.  In  Gegend
südlich  Inowlodz  wurden  starke  russische  Angriffe  zurückgeschlagen.

(W.T.B.)                                               Oberste  Heeresleitung.
        <pb n="343" />
                                                       —  868  —

      Neue  Niederlage  der  Russen  an  der  armenischen  Grenze.
                                                               Konstantinopel,  29.  Dezember.

Das  Hauptquartier  teilt  mit:  Heute  von  der  Kaukasusarmee  eingetroffene
  Nachrichten  besagen:  Wir  haben  den  Feind  verfolgt  und  eine
beträchtliche  Anzahl  Kriegsgefangene  gemacht  und  Kriegsmaterial  erbeutet.
Unsere  Truppen  lieferten  dem  Feinde  eine  Schlacht  im  Tale  des  Muradflusses
  (in  der  Nähe  der  armenisch-kaukasischen  Grenze)  und  brachten  ihm
eine  völlige  Niederlage  bei.  Sie  nahmen  zwei  Kanonen  mit  Zubehör,  ein
Maschinengewehr,  zwei  Artilleriemunitionswagen,  36  Maultiere  und  115
Pferde  und  machten  zwei  höhere  und  sieben  Subalternoffiziere  und  96  Mann
zu  Gefangenen.  Die  russische  amtliche  Mitteilung  vom  23.  Dezember  erklärt,
  daß  die  Russen  bei  Sarykamysch  die  Offensive  ergriffen;  nun  liegt
dieser  Ort  im  Koukasus,  so  daß  hier  zugestanden  wird,  daß  die  türkische
Armee  sich  auf  russischem  Gebiet  befindet.


                    Das  Zeppelin-Bombardement  von  Nancy.
                                                           Turin,  28.  Dezember.

Ueber  das  Bombardement  von  Nancy  durch  einen  „Zeppelin“  wird
von  dort  telegraphiert:  Sonnabend  früh  5  Uhr  20  Minuten  erschien  ein
„Zeppelin“  über  der  Stadt  in  verhältnismäßig  niedriger  Höhe.  Er  war
anscheinend  aus  Metz  herübergeflogen  und  hielt  sich  über  der  Stadt    nur
zwanzig  Minuten  auf.  Nachdem  das  Luftschiff  vorher  beim  Ueberfliegen
des  Moseltales  bei  Froire  zwei  Bomben  herabgeworfen  hatte,  warf  es  insgesamt
  vierzehn  Bomben  auf  Nancy,  wovon  die  meisten  enormen  Gebäudeschaden
  anrichteten.  Zwei  Personen  wurden  getötet  und  sechs  schwer  verletzt.
  Die  Bomben  fielen  in  der  Rue  de  Vigny,  am  Quai  Claude-Lorrain,
in  der  Rue  Isabey  und  auf  dem  Carnot-Platze  nieder,  wo  sie  außer  zahlreichen
  Läden  und  Wohnungen  auch  das  Haus  des  Generals  de  Lavilleon
vollständig  demolierten.  Ueberall  wurde  unter  der  Bevölkerung  große
Panik  hervorgerufen  und  großer  Schaden  verursacht.  Die  auf  die  Place
Saint  Epure  hinabgeworfenen  Bomben  durchschlugen  mehrere  Dächer,  die
Fenster  aller  Häuser  auf  dem  Platze  sowie  die  kostbaren  Kirchenfenster  der
gleichnamigen  Kirche  wurden  zerstört.  Die  Führer  des  „Zeppelin“  haben
ihre  Photographien  mit  der  Aufschrift  „Viele  Grüße  von  Kaiser  Wilhelm“
und  „Fröhliche  Weihnachten!“  herabgeworfen.  Die  Karten  wurden  mit
einer  französischen  Gewehrkugel  beschwert.

 

                                Bericht  des  Hauptaquartiers.
     Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  30.  Dezember,  vormittags.

                              Westlicher  Kriegsschauplatz.

Um  das  Gehöft  St.  Georges  südöstlich  Nieuport,  welches  wir  vor  einem
überraschenden  Angriff  räumen  mußten,  wird  noch  gekämpft.  Sturm  und
Wolkenbrüche  richteten  an  den  beiderseitigen  Stellungen  in  Flandern  und
im  Norden  Frankreichs  Schaden  an.  Der  Tag  verlief  auf  der  übrigen  Front
im  allgemeinen  ruhig.

                             Oestlicher  Kriegsschauplatz.
In  Ostpreußen  wurde  die  russische  Heereskavallerie  auf  Pillkallen  zurückgedrängt.
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                                                     —  869  —

In  Polen  rechts  der  Weichsel  ist  die  Lage  unverändert.

Auf  dem  westlichen  Weichseluser  wurde  die  Offensive  östlich  des
Bzura-Abschnittes  fortgesetzt.  Im  übrigen  dauern  die  Kämpfe  am  und
östlich  des  Rawka-Abschnittes  sowie  bei  Jnowlodgz  und  südwestlich  fort.

Nach  auswärtigen  Mitteilungen  hat  es  den  Anschein,  als  ob  Lowicz
und  Skierniewice  nicht  in  unserem  Besitz  wären;  diese  Orte  sind  seit  mehr
als  sechs  Tagen  von  uns  genommen.  Skierniewice  liegt  weit  hinter  unserer
Front.                                         Oberste  Heeresleitung.  !W.T.B.)


       Türkische  Achterklärung  gegen  den  „Sultan“  von  Aegypten.
                                                                 Konstantinopel,  30.  Dezember.

Der  von  England  eingesetzte  „Sultan“  von  Aegypten,  Hussein  Kamel,
wird  durch  Fetwa  des  Scheich-ül-Islam  wegen  Annahme  des  ihm  von  den
Feinden  der  Mohammedaner  übertragenen  Thrones  durch  Beschluß  des
Sultans  und  Kalifen  als  Verräter  am  Islam  und  außerhalb  des  Kalifats
stehend  bezeichnet.  Damit  wird  Hussein  Kamel  sozusagen  exkommuniziert,
und  jeder  Mohammedaner,  der  ihm  Gefolgschaft  leisten  würde,  würde  sich
gleich  ihm  außerhalb  des  Kalifats  stellen.


             Amerikanische  Schadenersatzforderung  gegen  England.
                                                                  Washington,  30.  Dezember.
Präsident  Wilson  erklärte  bezugnehmend  auf  eine  an  England  gerichtete
  amerikanische  Note,  in  der  auf  bessere  Behandlung  des  amerikanischen
Handels  bestanden  wird,  daß  England  schließlich  hohen  Schadenersatz  für
Anungesetliche  Festhaltung  amerikanischer  Schiffsfrachten  werde  zahlen
müssen.

                           Erfolge  in  den  Karpathen.
                                                                            Wien,  30.  Dezember.

Amtlich  wird  verlautbart:  In  den  Karpathen  griffen  unsere  Truppen
nördlich  des  Uzsoker  Passes  an  und  nahmen  mehrere  Höhen.  Nördlich  des
Lupkower  Passes  brachte  ein  Gegenangriff  die  Vorrückung  der  Russen  zum
Stehen.  Weiter  westlich  ging  der  Feind  mit  schwächeren  Kräften  an  einzelne
  Uebergänge  heran.  —  Nördlich  Gorlice,  nordöstlich  Zakliczyn  und  an
der  unteren  Nida  brachen  die  russischen  Angriffe  unter  schweren  Verlusten
zusammen.  Im  Raume  östlich  und  südöstlich  Tomaszow  machten  die  Verbündeten
  Fortschritte.

Auf  dem  Balkankriegsschauplatze  herrscht  an  der  serbischen  Grenze
Ruhe.  Nächtliche  Angriffe  der  Montenegriner  auf  Gat  bei  Avtovoc  und
aus  Lastva  bei  Trebinje  wurden  abgewiesen.

                           Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                           v.  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.


                           Die  Engländer  verprügeln  ihre  Inder.

Uebereinstimmend  haben  nicht  nur  die  Berichte  und  Meldungen
deutscher  Truppen,  sondern  auch  manche  von  uns  erbeutete  Aufzeichnungen
  des  Feindes  festgestellt,  welch  grausamen  Plünderungen  bisweilen
französische  Ortschaften  durch  Angehörige  der  verbündeten  Armeen  ausgesetzt
  waren.  Daß  das  französische  Heer  selbst  daran  nicht  schuldlos

                                                                              55
        <pb n="345" />
                                                      —  870  —

war,  ist  durch  mehr  als  ein  Aktenstück  dargetan  worden.  Auch  die  Engländer
  haben  es  nicht  verstanden,  sich  in  dieser  Hinsicht  die  Hände  rein  zu
halten.  Am  schwersten  mögen  sie  durch  die  Ausschreitungen  ihrer  indischen
Truppen  belastet  sein.  Daß  es  an  solchen  Ausschreitungen  nicht  fehlt,
daß  Fälle  von  Raub  und  Plünderung  vorgekommen  sind,  ja,  daß  Posten
und  Wachmannschaften  daran  beteiligt  waren,  erweist  das  nachstehende
vertrauliche  Memorandum  für  die  Offiziere  des  indischen  Armeekorps:

                                       (Uebersetzung.)
 Vertraulich.                                               Nr.  3/3  (A)
                                          Hauptquartier,  Indisches  Armeekorps.
                                                  Datiert,  22.  Oktober  1914.
Memorandum  für  das  Verhalten  der  Offiziere  des  Indischen  Armeekorps.

1.  Nach  den  Bestimmungen  des  Indischen  Armee-Gesetzes  §  45a
kann  auf  körperliche  Züchtigung  von  einem  Kriegsgericht  zu  Recht  erkannt
werden  bei  jedem  Verstoße,  der  von  einer  diesem  Gesetze  unterstehenden
Militärperson  vom  Feldwebelleutnant  abwärts  im  aktiven  Dienst  verübt
worden  ist.  Auf  Grund  der  Befehlssammlung  des  Indischen  Armeekorps
dürfen  jedoch  solche  Urteile  nur  gegen  solche  Personen  gefällt  werden,
die  schuldig  befunden  wurden:

à)  Grober  Verstöße  gegen  Person  oder  Eigentum  von  Bewohnern  des

Landes  nach  §  41  des  Indischen  Armeegesetzes.

b)  Einbruch  in  ein  Haus  zwecks  Plünderung  oder  Plündern,  sei  es
nach  (a)  oder  nach  §  25  (i)  desselben  Gesetzes.

c)  Plündern  als  Posten  oder  auf  Wache  usw.  nach  §  26  (c)  des
Indischen  Armeegesetzes.

d)  Unehrenhaftes  Betragen,  nach  §  31  des  Indischen  Armeegesetzes.

2.  Offiziere,  die  ein  summarisches  Generalkriegsgericht  berufen,  sollen
stets  dafür  sorgen,  nach  §  98  (1)  (c),  daß,  wenn  der  Urteilsspruch  auf
körperliche  Züchtigung  lautet,  die  Prozeßakten  ihnen  zur  Bestätigung  zugesandt
  werden.  Mit  Ausnahme  der  Fälle,  in  denen  die  Ueberweisung
in  berechtigter  Berücksichtigung  der  Erfordernisse  des  Dienstes  nicht  ausführbar
  ist,  sollen  alle  solche.  Fälle  dem  Generalauditeur  des  Indischen
Armeekorps  unterbreitet  werden,  zwecks  Vortrag  vor  der  Bestätigung.

3.  Körperliche  Züchtigung,  auf  Grund  des  §  24  (2)  des  Indischen
Armeegesetzes,  soll  auf  die  Fälle  beschränkt  bleiben,  in  welchen  sich  Personen
  Vergehen  laut  oben  erwähnten  Absatz  (1)  zuschulden  kommen  ließen.

4.  Körperliche  Züchtigung  darf  nicht  in  Gegenwart  von  britischen
oder  andern  europäischen  Truppen  oder  Zivilisten  vollzogen  werden.

5.  Nach  der  Ansicht  des  Armeekorpskommandanten  sollte  Raub  in
diesem  Lande  sehr  streng  bestraft  werden;  die  verhängte  Strafe  sollte
deshalb  nicht  unter  der  Höchststrafe  bleiben.

6.  Ein  Exemplar  dieses  Befehls  soll  im  Besitze  jedes  britischen  Offiziers
  der  Artillerie  und  der  indischen  Formationen  im  Indischen  Armeekorps
  sein.  Ein  Exemplar  soll  bei  jedem  Kriegsgericht,  das  unter  Indischem
  Militärgesetz  in  dem  Armeekorps  abgehalten  wird,  vorhanden  sein.

                                   W.  E.  O  Leary,  Oberst,
                                 Stellvertretender  Generaladjutant.
                                             Indisches  Armeekorps.
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                                                      —  871  —

                             Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                                    Wien,  29.  Dezember.

             Amtlich  wird  verlautbart:  29.  Degember,  mittags:

Die  russische  achte  Armee,  die  vor  etwa  einer  Woche  die  Offensive
gegen  unsere  über  die  Karpathen  vorgerückten  Kräfte  ergriff,  hat  sich
durch  Ergänzungen  und  frische  Divisionen  derart  verstärkt,  daß  es  geboten
  schien,  unsere  Truppen  auf  die  Voßhöhen  und  in  den  Raum  von
Gorlice  zurückzunehmen.

Die  sonstige  Lage  im  Norden  ist  hierdurch  nicht  berührt.

Auf  dem  Balkankriegsschauplatze  entfalteten  die  Montenegriner
eine  lebhaftere,  aber  erfolglose  Tätigkeit.  Bei  Trebinje  wurde  ein
schwacher  Angriff  auf  unsere  Vorfeldstellungen  mühelos  abgewiesen  und
die  feindliche  Artillerie  zum  Schweigen  gebracht.  Gegen  ein  starkes  Grenzfort
  Krippsje  hatten  die  montenegrinischen  Geschütze  naturgemäß  nicht
den  geringsten  Erfolg.

                  Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.
                                 von  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.


                       Rußlands  Schuld  an  dem  Weltkriege.
                                                                                Brünn,  29.  Dezember.

Die  Zeitung  „Hlas“  gibt  zum  Beweise  für  Rußlands  Schuld  an  dem
Weltkriege  Mitteilungen  eines  hervorragenden  Vertreters  der  tschechischen
  Volkswirtschaft  wieder,  der  vor  etwa  einem  Jahre  in  Petersburg
weilte  als  Vertreter  tschechischer  Werke,  die  von  der  russischen  Kriegsverwaltung
  zum  Wettbewerb  für  Militärlieferungen  aufgefordert  waren.

Der  Gewährsmann  sprach  auch  bei  dem  russischen  Kriegsminister  vor,
der  sich  zwar  über  die  Angebote  anerkennend  aussprach,  aber  hinzufügte:
Nach  Oesterreich  vergeben  wir  nicht  einen  Heller.  Der  Minister  fuhr  sodann
  fort:

Der  Krieg  mit  Oesterreich-Ungarn  ist  unabwendbar.  Wir  bereiten
uns  schon  lange  auf  ihn  vor  und  sind  schon  vollständig  auf  ihn  gerüstet.
Es  wird  bei  der  ersten  Gelegenheit  zum  Kriege  kommen.  Oesterreich-Ungarn
  muß  vernichtet  werden.  Wir  können  es  nicht  länger  dulden,
es  behindert  uns.

In  gleicher  Weise  sprach  sich  nicht  nur  der  Chef  des  russischen  Generalstabes,
  sondern  auch,  allerdings  in  minder  schroffen  Worten,  der  Minister
des  Aeußern  aus.


                Französisches  Mißtrauen  gegen  spanische  Zeitungen.

Wie  aus  Madrid  gemeldet  wird,  ist  einem  dortigen  Herrn,  der  an
einige  im  Fort  Richelien  bei  Cette  internierte  deutsche  Offiziere  spanische
Zeitungen  gesandt  hatte,  von  dem  Kommandanten  des  Forts  ein  ablehnender
  Bescheid  zugegangen,  der  in  der  Uebersetzung  wie  folgt  lautet:

                   Herrn  Luis  de  D  .,  Madrid.

Geehrter  Herr!  In  Beantwortung  Ihres  letztes  Briefes  habe  ich
die  Ehre,  Ihnen  mitzuteilen,  daß  die  Zeitungen,  die  Sie  für  die  Herren
S.  und  R.  geschickt  haben  und  die  in  meine  Hände  gelangt  sind,  nicht  ausgehändigt
  werden,  und  das  aus  zwei  Gründen:

                                                                                                               55*
        <pb n="347" />
                                                         —  872  —

1.  ist  es  durch  das  Reglement  formell  untersagt;
2.  konstatieren  wir  mit  Bedauern  die  Haltung  der  spanischen  Blätter
gegenüber  Frankreich,  die  sich  so  sehr  von  den  Gefühlen  unterscheidet,
welche  die  Franzosen  ihren  spanischen  Nachbarn  zur  Zeit  des  spanischamerikanischen
  Krieges  bekundet  haben.  In  dem  vorliegenden  Falle
würde  die  Mitteilung  der  von  Ihren  Blättern  veröffentlichten  falschen
Nachrichten  über  angebliche  deutsche  Siege  lediglich  geeignet  sein,  die
Leiden  der  deutschen  Gefangenen  zu  erschweren  und  ihnen  an  dem  vielleicht
  entfernten  aber  unvermeidlichen  Tage  ein  schreckliches  Erwachen  zu
bereiten,  an  dem  sie  erfahren  werden,  daß  Deutschland  unter  den  Anstrengungen
  der  Völker,  die  für  die  Zivilisation  und  das  Recht  gegen  die  brutale
  Gewalt  und  die  Barbarei  kämpfen,  endgültig  vernichtet  ist.

Ich  bitte  Sie  also  im  Interesse  Ihrer  Freunde,  keine  Zeitungen  mehr
zu  schicken,  denn  ich  müßte  dann  Ihre  Briefe  selbst  anhalten  und  meiner
Regierung  übergeben.  Genehmigen  Sie  usw.“


              Des  Kaisers  Neujahrsgruß  an  Heer  und  Marine.
              Amtlich.  Großes  Hauptquartier,  31.  Dezember,  (W.)

               An  das  deutsche  Heer  und  die  deutsche  Marine!

Nach  fünf  Monate  langem  schweren  und  heißen  Ringen  treten  wir
ins  neue  Jahr.

Glänzende  Siege  sind  erfochten,  große  Erfolge  errungen.  Die  deutschen
  Armeen  stehen  fast  überall  in  Feindesland.  Wiederholte  Versuche
der  Gegner,  mit  ihren  Heeresmassen  deutschen  Boden  zu  überschwemmen,
sind  gescheitert.

ieim  allen  Meeren  haben  sich  Meine  Schiffe  mit  Ruhm  bedeckt;  ihre
Besatzungen  haben  bewiesen,  daß  sie  nicht  nur  siegreich  zu  fechten,  sondern
—  von  Uebermacht  erdrückt  —  auch  heldenhaft  zu  sterben  vermögen.

Hinter  dem  Heere  und  der  Flotte  steht  das  deutsche  Volk,  in  beispielloser
  Eintracht,  bereit,  sein  Bestes  herzugeben  für  den  heiligen  heimischen
Herd,  den  wir  gegen  frevelhaften  Ueberfall  verteidigen.

Viel  ist  im  alten  Jahr  geschehen:  noch  aber  sind  die  Feinde  nicht
niedergerungen:  immer  neue  Scharen  wälzen  sie  gegen  unsere  und  unserer
treuen  Verbündeten  Heere  heran.  

Doch  ihre  Zahlen  schrecken  uns  nicht.  Ob  auch  die  Zeit  ernst,  die  vor
uns  liegende  Aufgabe  schwer  ist;  voll  fester  Zuversicht  dürfen  wir  in  die
Zukunft  blicken.

Nächst  Gottes  weiser  Führung  vertraue  Ich  auf  die  unvergleichliche
Tapferkeit  der  Armee  und  Marine  und  weiß  Mich  eins  mit  dem  ganzen
deutschen  Volke.  Darum  unverzagt  dem  neuen  Jahre  entgegen,  zu  neuen
Taten,  zu  neuen  Siegen  für  das  geliebte  Vaterland.

                                   Großes  Hauptquartier,  den  31.  Dezember  1914.
                                                            gez.  Wilhelm  I.  R.


                  Die  Gesamtzahl  der  Gefangenen  Deutschlands.
                                                 Amtlich.  Berlin,  31.  Dezember.  (W.T.B.)
Die  Gesamtzahl  der  beim  Jahresschluß  in  Deutschland  befindlichen
und  internierten  Kriegsgefangenen  (keine  Zivilgefangenen)  beträgt  8138
Offiziere,  577  875  Mann.
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                                                               —  873  —

In  dieser  Zahl  ist  ein  Teil  der  auf  der  Verfolgung  in  Russisch-Polen
gemachten  sowie  alle  im  Abtransport  noch  befindlichen  Gefangenen  noch
nicht  enthalten.

Die  Gesamtzahl  setzt  sich  folgendermaßen  zusammen:

Franzosen:  3459  Offiziere,  2151905  Mann;  darunter  7  Generale.

Russen:  3575  Offiziere,  306  294  Mann;  darunter  18  Generale.

Belgier:  612  Offiziere,  38  852  Mann;  darunter  3  Generale.

Engländer:  492  Offiziere,  18  824  Mann.

Die  über  Kopenhagen  verbreitete,  angeblich  vom  russischen  Kriegsminister
  stammende  Nachricht,  daß  in  Rußland  1140  Offiziere  und  134  700
Mann  deutsche  Kriegsgefangene  sich  befänden,  ist  irreführend.  Die  Russen
zählen  in  die  Gesamtzahl  alle  Zivilgefangenen  hinein,  die  zu  Kriegsbeginn
  zurückgehalten  und  interniert  sind.

Die  Kriegsgefangenen  sind  auf  allerhöchstens  15  Prozent  der  angegebenen
  Summe  zu  veranschlagen.  Hierbei  ist  zu  beachten,  daß  ein  großer
Leil  uunch  dieser  Gefangenen  verwundet  in  die  Hände  der  Russen  gefallen
  ist.

                                 Oberst  Maritz  wieder  im  Feld.

Nach  den  Reuterschen  Darstellungen,  auf  die  man  angewiesen  war
und  angewiesen  ist,  wäre  es  mit  den  aufständischen  Buren  zu  Ende  gewesen.
  Die  letzten  von  ihnen  sollten  gefangen  sein.  Nun  plötzlich  erscheint
nach  einer  Meldung  desselben  „Reuterbüros“,  das  uns  bereits  den  „letzten
aufständischen  Buren“  servierte,  der  Oberst  Maritz  wieder  mit  starken
Kräften  im  Felde,  schlägt  sich,  als  wäre  er  nie  gefallen  und  gefangen,
und  schlägt  offenbar  sogar  nennenswerte  Streitkräfte  der  südafrikanischen
Regierung  Bothas.  Hier  die  „Reuter“Meldung,  der  man  das  entnehmen
ann:

Kapstadt,  31.  Dezember.  (Meldung  des  „Reuterschen  Büros.“)
Oberst  Maritz  unternahm  mit  einem  Kommando  von  800  Mann  mit
4  Feldkanonen  und  4  Maschinengewehren  mit  Kamp  als  Unterführer
einen  Angriff  auf  eine  Abteilung  Anhänger  der  Regierung,  die  480  Mann
stark  und  mit  zwei  Maschinengewehren  ausgerüstet  war.  Der  Angriff
fand  am  22.  Dezember  bei  Waterhol  in  der  Nähe  von  Schuitdrift  westlich
Kakamas  statt.  Die  Anhänger  der  Regierung  leisteten  kräftigen  Widerstand,
  mußten  aber  schließlich  einige  Meilen  zurückgehen,  bis  Verstärkungen
  kamen.  Wiederholte  Versuche  der  Umgehung  mißglückten.  Die
Buren  gingen  bei  Sonnenuntergang  nach  Waterhol  zurück.


               Die  Siegesbeute  bei  den  Kämpfen  in  Polen.
            136000  Gefangene  seit  dem  11.  November.

                                       Berlin,  31.  Dezember.  (W.T.  B.)

Aus  dem  Großen  Hauptquartier  erfahren  wir:

Unsere  in  Polen  kämpfenden  Truppen  haben  bei  der  an  die  Kämpfe
bei  Lodz  und  Lowitsch  anschließenden  Verfolgung  über  56  000  Gefangene
gemacht  und  viele  Geschütze  und  Maschinengewehre  erbeutet.  Die  Gesamtbeute
  unserer  am  11.  November  in  Polen  einsetzenden  Offensive  ist  somit
us  136  600  Gefangene,  über  100  Geschütze,  über  300  Maschinengewehre
gestiegen.
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                                                     —  874  —

Neujahrswünsche  des  Kaisers  und  des  Königs  von  Bayern.
                                                                     München,  31.  Dezember.

Aus  Anlaß  des  Jahreswechsels  hat  zwischen  König  Ludwig  und  dem
Deutschen  Kaiser  folgender  Depeschenwechsel  stattgefunden:

                             Seiner  Majestät  Kaiser  Wilhelm
                                                              Großes  Hauptquartier.

An  der  Wende  des  Jahres,  in  dem  Deutschland  gegen  eine  Welt  von
Feinden  zum  Schwerte  greifen  mußte,  beseelt  uns  alle  nur  ein  Gedanke:
Möge  es  unserer  tapferen  Armee  und  unserer  heldenmütigen  Marine  gelingen,
  die  Gegner  niederzuringen,  und  möge  dem  deutschen
Volke  im  neuen  Jahre  ein  Frieden  gesichert  werden,  der  wert  ist  der
schweren  Opfer,  die  es  zum  Schutze  des  Vaterlandes  freudig  auf  sich  genommen.
  In  der  zuversichtlichen  Hoffnung,  daß  diesem  Wunsche  Erfüllung
beschieden  werde,  stehen  die  deutschen  Fürsten  und  Stämme  in  unerschütterlicher
  Treue  zu  Kaiser  und  Reich.  Gott  schütze  Dich  und  Dein  Haus
auch  im  neuen  Jahre.  Er  erhalte  Dir  die  Kraft  im  Kampfe  für  Deutschlands
  Größe  und  Ehre;  er  verleihe  den  deutschen  Waffen  und  unserer  gerechten
  Sache  den  Sieg.  Ludwig.  Marie  Therese.

Kaiser  Wilhelm  erwiderte:
            Ihren  Majestäten  dem  König  und  der  Königin,  München.

       Euer  herzerfreuendes,  treues  Gedenken  anläßlich  des  bevorstehenden
Jahreswechsels  empfing  mich  heute  bei  der  Rückkehr  von  einer  kurzen
Reise.  Ich  erwidere  Eure  guten  Wünsche  von  ganzem  Herzen  für  Euch,
die  Eurigen  und  das  gesamte  Bayerland.  Ihr  sprecht  mir  aus  der
Seele,  wenn  Ihr  sagt,  wir  alle  hätten  nur  den  einen  Gedanken,  daß  dem
geliebten  Vaterlande  im  neuen  Jahre  ein  Friede  gesichert  werde,  würdig
der  gebrachten  und  noch  zu  bringenden  schweren  Opfer.  Wie  herrlich  ist
dabei  die  Gewißheit,  daß  die  deutschen  Fürsten  und  Stämme  in  unerschütterlicher
  Treue  zusammenstehen,  um  mit  Gottes  Hilfe  durch  unsere  heldenhaften
  Truppen  den  Sieg  zu  erkämpfen,  den  wir  für  die  gerechte  Sache
mit  felsenfester  Zuversicht  erhoffen.  In  herzlicher  Freundschaft  "

                                                                                                              Wilhelm.


               Russische  Angriffe  in  Galizien  zurückgewiesen.
                                                      Wien,  31.  Dezember.  (W.T.B.)
            Amtlich  wird  bekanntgegeben:  31.  Dezember,  mittags:

Gestern  entwickelten  die  Russen  in  der  Bukowina  und  in  den  Karpathen
  eine  lebhaftere  Tätigkeit.  Unsere  Truppen  halten  am  Suczawa-Flusse
  im  oberen  Gebiet  des  Czeremosz,  weiter  westlich  auf  den  Kammhöhen
  der  Karpathen,  dann  im  Nagy-Ag--Tale  bei  Oekörmezö,  wo  gestern
wieder  ein  Angriff  des  Feindes  unter  schweren  Verlusten  Tcscheiterte,  endlich
im  obersten  Gebiet  der  Latorcza  und  nördlich  des  Uzsokerpasses.  Westlich
dieses  Passes  hat  der  Gegner,  der  seine  Vorrückung  hier  einstellte,  keinen
Karpathenübergang  in  Händen.

Im  Raume  von  Gorlice  und  nordöstlich  Zakliczyn  wurden  die  gestern
und  auch  in  der  vergangenen  Nacht  fortgesetzten  heftigen  Angriffe  der
Russen  überall  abgewiesen.
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                                                            —  875  —

An  der  Nida  herrschte  Ruhe;  weiter  nordwärts  schreitet  der  Angriff
der  Verbündeten  fort.  Vor  Przemysl  wurden  russische  Patrouillen  in
österreichisch-ungarischen  Uniformen  festgestellt.  Offiziere  und  Mannschaften
  des  Feindes,  die  sich  dieser  unzulässigen  Kriegslist  bedienen,  haben
auf  die  Begünstigungen  der  internationalen  Gesetze  und  Gebräuche  im
Kriege  keiren  Anspruch.  

Die  Ruhe  auf  dem  Balkankriegsschauplatz  hält  an.  Oestlich  Trebinje
zwang  unsere  Artillerie  die  Montenegriner  nach  mehrstündigem  Geschützkampf
  zum  Rückzuge.

          Der  Stellvertreter  des  Chefs  des.  Generalstabes:
                             v.  Hoefer,  Feldmarschalleutnant.


                            Der  Bericht  des  Generalstabes.
                      Amtlich.  Großes  Hauptaquartier,  31.  Dezember.
                                 Westlicher  Kriegsschauplatz.

An  der  Küste  war  im  allgemeinen  Ruhe.  Der  Feind  legte  sein
Artilleriefeuer  auf  Westende  Bad,  zerstörte  einen  Teil  der  Häuser,  ohne
militärischen  Schaden  anzurichten.  In  der  von  uns  gesprengten  Alger
Auberge  südöstlich  Reims  wurde  eine  ganze  französische  Kompagnie  vernichtet.
  Starke  französische  Angriffe  nördlich  des  Lagers  von  Chalons
wurden  überall  abgewiesen.  Im  westlichen  Teil  der  Argonnen  gewannen
unsere  Truppen  unter  Fortnahme  mehrerer  hintereinander  liegender
Gräben  und  Gefangennahme  von  über  250  Franzosen  erheblich  Boden.
In  Gegend  Flirey  nördlich  Toul  scheiterten  französische  Angriffsversuche.

Im  Oberelsaß,  in  Gegend  westlich  Sennheim,  brachen  sämtliche  Angriffe
  der  Franzosen  in  unserem  Feuer  zusammen.  Systematisch  schossen
sie  Haus  für  Haus  des  von  uns  besetzten  Dorfes  Steinbach  in  Trümmer,
unsere  Verluste  sind  aber  gering.


                           Oestlicher  Kriegsschauplatz.
Lage  in  Ostpreußen  und  in  Polen  nördlich  der  Weichsel  unverändert.
An  und  östlich  der  Bzura  dauern  die  Kämpfe  fort.  In  Gegend  Rawa
machte  unsere  Offensive  Fortschritte.
Auf  dem  Ostufer  der  Pilica  ist  die  Lage  unverändert.

                                                  Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)


                     Der  Kampf  um  unser  nationales  Leben.
Der  Bericht  über  das  Interview,  das  der  Deutsche  Kronprinz  dem  Berliner  Vertreter
der  United  Preß,  Karl  H.  v.  Wiegand,  gewährte,  lautet  in  der  „Newyorker  Staatszeitung“
wie  folgt:

Herr  v.  Wiegand  kam  kurz  vor  Mitternacht  im  Hauptquartier  der
fünften  deutschen  Armee  im  Automobil  an  und  empfing  bei  Tagesanbruch
den  Besuch  des  Majors  Edler  von  der  Planitz,  des  persönlichen  Adjutanten
  des  Kronprinzen,  der  ihm  mitteilte,  daß  Kaiserliche  Hoheit  ihn
zu  sehen  wünsche,  aber,  da  er  ins  Gefecht  rücken  würde,  ihn  erst  später
am  Tage  empfangen  könne.  Später  wurde  er  bei  Rückkehr  des  Kronprinzen
  ihm  vorgestellt.  Der  Kronprinz  begrüßte  ihn.  „Ich  freue  mich
sehr,  Sie  hier  zu  sehen“,  sagte  er,  „und  ich  hoffe,  Sie  werden  hier  vieles
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                                                             —  876  —

 finden,  das  Sie  interessiert.  Ich  würde  es  gern  sehen,  daß  Sie  sich  vollkommen
  frei  fühlen,  wohin  Sie  auch  gehen!“

„Kaiserliche  Hoheit  werden  mein  Amerikanisch-Deutsch  verzeihen“,
sagte  ich,  indem  ich  ihm  einige  Punkte  vorlegte,  die  besonders  amerikanische
  Leser  interessieren  würden.

„Dann  lassen  Sie  uns  englisch  sprechen,  wenn  Sie  glauben,  sich  so
besser  ausdrücken  zu  können“,  war  seine  schnelle  Antwort.  Und  dieser
Aufforderung  Folge  leistend,  gab  mir  der  Kronprinz  sein  erstes  Interview
  in  englischer  Sprache.

„Ich  bin  Soldat  und  kann  daher  keine  Politik  diskutieren“,  sagte
der  Kronprinz,  „aber  es  scheint  mir,  daß  die  ganze  Sache,  alle  die  Tätigkeit,
  um  uns  herum,  sinnlos,  unnötig  und  zwecklos  ist.  Und  doch  war
Deutschland  keine  Wahl  gelassen.  Vom  Niedrigsten  bis  zum  Höchsten
wissen  wir  alle,  daß  wir  um  unsere  Existenz  kämpfen.  Ich  weiß,  das  sagen
auch  die  Soldaten  anderer  Nationen,  und  sehr  viele  denken  auch  dasselbe.
Aber  dies  ändert  die  Tatsache  nicht,  daß  wir

um  unser  nationales  Leben
auch  wirklich  kämpfen.  Da  wir  wußten,  der  Krieg  würde  uns  aufgezwungen
  werden,  so  war  es  unsere  höchste  Pflicht,  dem  Kampfe  durch
jegliche  nötige  und  mögliche  Vorbereitung  für  die  Verteidigung  des
Vaterlandes  zuvorzukommen  gegen  den  Eisenring,  den  unsere  Feinde  seit
Jahren  fest  und  sorgsamst  um  uns  geschmiedet  haben,  um  uns  damit  zu
erdrücken.

Die  Tatsache,  daß  wir  unsere  Verteidigung  vorbereiteten,  wird  nun
als  Argument  gebraucht,  um  die  Welt  zu  überzeugen,  daß  wir  nicht  nur
diesen  Konflikt  brauchten,  sondern  daß  wir  für  ihn  verantwortlich  seien.

Keine  Macht  der  Erde  wird  je  imstande  sein,  unser  Volk  zu  überzeugen,
  daß  dieser  Krieg  nicht  gänzlich  und  allein  ins  Werk  gesetzt  war,
mit  der  Absicht,  nicht  allein  das  deutsche  Volk  zu  erdrücken,  sondern  auch
seine  Regierung,  seine  Einrichtungen,  und  alles  was  ihm  teuer  ist.  Aber
das  Ergebnis  ist,  daß  Sie  das  deutsche  Volk  als.  eine  große  Einheit  finden,
durchdrungen  vom  herrlichen  Geiste  der  Selbstaufopferung.“



Den  Haupteindruck  machte  auf  mich  die  Tatsache,  daß  der  Kronprinz,
trotz  seiner  stark  ausgeprägten  Ueberzeugung,  keinesfalls  den  intensiven
Haß  oder  die  Bitterkeit  gegen  England  zur  Schau  trug,  die  ich  so  konstant
seit  dem  Ausbruch  des  Krieges  in  allen  Volksklassen  bemerkte.  Im  Gegenteil,
  ich  bemerkte  bei  ihm  ein  gewisses  Bedauern  und  beinahe  Trauer  in
seinem  Ton,  als  er  diese  Phase  der  großen  Begebenheit  diskutierte.  Bald
empfing  ich  den  Eindruck,  daß  der  Kronprinz  keinesfalls  der  Mann  ist,
wie  man  ihn  sich  in  England  und  Amerika  vorstellt.  Nichts  vom  Feueresser
  oder  vom  starrköpfigen  Krieger  ist  in  ihm.  Er  zeigte  nicht,  daß  ihm
die  gewonnene  militärische  Erfahrung  Vergnügen  gewähre,  noch  daß  er
am  Kampf.  selbst  Freude  habe.  Zweifellos  hatte  das  Blutvergießen,  das
er  bereits  mitgemacht  hat,  einen  tiefen  Eindruck  auf  seinen  von  Natur
impressionistisch  veranlagten  Geist  hervorgerufen.  Oft  kam  er  auf  die
Verluste  und  die  Leiden  zurück,  nicht  allein  auf  die  seiner  eigenen,  sondern
auch  der  Streitkräfte  der  Feinde.  Jederzeit  war  er  äußerst  freigebig  mit
dem  Lobe  des  Feindes,  mit  dem  er  in  Berührung  gekommen.  Gleich  der
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                                                          —  877  —

großen  Mehrheit  der  Deutschen  ist  er  unfähig,  zu  verstehen,  warum  in  den
Vereinigten  Staaten  nicht  mehr  Sympathie  für  Deutschland  herrscht.

„Es  hat  keinen  Wert  und  ist  zwecklos,  wenn  wir  unsere  Augen  der

Tatsache  verschließen,  daß

der  größte  Teil  der  Welt  gegen  uns
ist“,  sagte  er.  „Aber  es  überrascht  mich  geradezu,  daß  Amerika,  an  das
uns  Bande  der  Freundschaft  und  des  Blutes  binden,  wie  an  kein  anderes
neutrales  Land,  wohin  Millionen  unseres  Volkes  gingen  und  die  deutsche
Sprache  verpflanzten,  wohin  sie  ihre  Freiheitsideen  brachten,  daß  Amerika
so  gänzlich  unfähig  sein  sollte,  sich  in  unsere  Lage  zu  versetzen.“

„Ich  würde  mich  nicht  so  frei  ausdrücken“,  sagte  er,  „müßte  ich  nicht
zugeben,  daß  es  mir  eine  Ueberraschung  war,  daß  die  Amerikaner  bis
jetzt  die  Lage  Deutschlands  noch  nicht  klar  gesehen  haben,  das  gänzlich
von  eifersüchtigen  Feinden  umgeben  ist  und  um  seine  Existenz  kämnpft,
daß  sie  kein  besseres  Verständnis  gehabt  haben  für  die  beispiellosen  Opfer
und  den  Heroismus  unserer  Nation,  die  in  diesen  gigantischen  Kampf  aus
keinem  anderen  Beweggrunde  ging,  als  das  Vaterland  zu  retten.“


                            Die  Stellungnahme  Amerikas
schreibt  der  Kronprinz  beinahe  gänzlich  der  englischen  Preßkontrolle  und
den  weltweiten  Verbindungen  zu.  Ganz  offen  gab  er  zu,  daß  Deutschland
biseher  die  wichtige  Rolle,  die  die  Presse  in  der  Weltpolitik  und  in  internationalen
  Angelegenheiten  spiele,  nicht  gebührend  zu  würdigen  verstanden
  habe.    

„Ich  habe  Vertrauen  in  das  Gerechtigkeitsgefühl  des  amerikanischen
Volkes“,  sagte  Seine  Kaiserliche  Hoheit,  „sobald  wir  ihm  die  Tatsachen
und  die  Wahrheit  auch  wirklich  vorlegen  können.  Ich  weiß,  daß  es  bis
jetzt  für  die  Amerikaner  unmöglich  war,  unsere  Lage  zu  verstehen,  aber
ich  glaube  sicher,  daß,  wenn  ihnen  die  Wahrheit  bekannt  ist,  ihr  Gefühl
für  Fairneß  und  die  Liebe  zum  „fair  play“,  die  jede  Handlungsweise
Ihrer  Landsleute  charakterisiert,  eine  Umwälzung  ihrer  Gefühle  zu  unseren
  Gunsten  herbeiführen  wird.“

„Viele  Freunde  hatte  ich  in  Amerika,  und  ich  glaube,  ich  habe  dort
noch  einige.  Auch  in  England  habe  ich  viele  Freunde  —  oder  hatte  sie“,
sagte  der  Kronprinz  mit  einem  traurigen  Lächeln  und  Kopfsschütteln.
sagt  Dann  sich  plötzlich  umdrehend  und  mir  gerade  in  die  Augen  sehend,
sagte  er:

„Ich  möchte,  daß  Sie  mir  ganz  aufrichtig  sagen,

»  was  man  von  mir  in  Amerika  spricht.“

Ich  zögerte  einen  Augenblick  und  dachte  nach,  wie  viel  Offenheit
sich  mit  Diskretion  vertrüge,  und  da  er  meine  Gedanken  zu  lesen  schien,
lachte  er  gutmütig  und  sagte:

„Ich  habe  Offenheit  gern  und  kann  die  Wahrheit  vertragen.  Also
los!  Ich  möchte  es  wirklich  wissen.“

„Nun“,  gab  ich  zur  Antwort,  „Kaiserliche  Hoheit  wurden  allgemein
als  einer  der  „Kriegshetzer  hingestellt,  als  Kriegsanstifter,  Anführer
der  Kriegspartei  und  als  ganz  besonderer  Exponent  des  Militarismus.“

„Ja,  ich  weiß  wohl“,  sagte  der  Kronprinz,  dabei  Erstaunen  zeigend,
„und  die  englische  Presse  sagt  noch  viel  mehr.  Die  englischen  Zeitungen
behaupten,  ich  wäre  ein  Dieb,  und  daß  ich  persönlich  die  französischen
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                                                               —  878  —

Häuser  beraubt  und  geplündert  habe,  in  denen  wir  gezwungen  waren,
unsere  Hauptquartiere  aufzuschlagen.  Wirklich  —  und  ich  möchte  Ihnen
frei  heraussagen  —  ist  es  möglich,  daß  intelligente  Leute  in  Amerika
oder  selbst  in  England  überhaupt  solche  Dinge  von  mir  glauben  können?
Ist  es  wirklich  möglich,  daß  sie  glauben,  ich  wäre  fähig,  Gemälde  oder
Kunstschätze  zu  stehlen,  oder  gar  das  Plündern  von  französischen  Heimstätten
  zu  erlauben?“

  Ich  bemerkte  darauf,  daß  in  Kriegszeiten  gesundes  Urteil  oft  genug
verflöge.“

„Jawohl“,  sagte  er,  „aber  es  ist  einfach  unglaublich,  daß  Leute
glauben  können,  was  die  englischen  Zeitungen  über,  mich  drucken  und
über  unsern  Anteil  am  Kriege.  Na,  wie  viele  Male  habe  ich  mich  selbst
erschossen,  oder  bin  ich  verwundet  worden?“

Ich  gab  zu,  ich  könne  soweit  nicht  zählen.


                 „Es  gibt  keine  Kriegspartei  in  Deutschland
jetzt,  und  es  gab  auch  keine  früher.  Ich  kann  nur  glauben,  daß  es  bald
der  Welt  aufdämmern  wird,  daß  dieser  Konflikt  nicht  ein  Krieg  ist,  der
von  einer  mythischen  Partei  ausgekämpft  wird,  sondern  daß  es  ein  Kampf
ist,  hinter  dem  die  Einigkeit  und  die  Solidarität  des  Deutschen  Reiches
steht.  Diese  Einigkeit  ist  die  beste  Antwort  auf  die  Anschuldigung,  mit  der
England  sich  bemüht,  die  ganze  Welt  zu  schrecken,  —  daß  der  Krieg  von
einer  ehrgeizigen,  militärischen  Klique  angestiftet  ist.“

Auf  den  Feind  zurückkommend,  sagte  der  Kronprinz:

„Die  französischen  Soldaten  werden  von  niemandem  an  Tapferkeit
übertroffen.  Sie  haben  glänzend  gekämpft.  Mann  für  Mann  ist  der
französische  Soldat  in  jeder  Richtung  dem  unserigen  gleich  an  Intelligenz
und  teilweise  ist  er  schneller  und  beweglicher.  Aber  er  ist  an  Defensive
gewöhnt  und  ihm  fehlt  die  „dogged“  Zähigkeit  und  Standhaftigkeit  unserer
  Truppen,  wenn  es  zum  Angriff  kommt.  Die  Ereignisse  haben  gezeigt,
  daß  die  französische  Leitung  glänzend  war,  und  sie  hat  unsere
Bewunderung  gewonnen.“

Nachdem  so  das  Interview  eine  halbe  Stunde  gedauert  hatte,  wurden
wir  von  einem  Offizier  unterbrochen,  der  meldete,  daß  der  Stab  draußen,
bereits  aufgesessen,  warte.  Nachdem  er  mich  zum  Abendessen  eingeladen,
entschuldigte  sich  Kaiserliche  Hoheit,  bestieg  sein  Pferd  und  galoppierte  an
der  Spitze  seiner  Offiziere  zum  Kampfplatz.

Ein  Blick  auf  des  Kronprinzen  Tisch  widerlegte  sofort  die  oft  wiederholte
  Geschichte,  er  lese  nur,  was  für  ihn  ausgeschnitten  würde.  Auf
seinem  Tische  lagen  bekannte  amerikanische,  englische,  französische  und  italienische
  Zeitungen.  Herr  v.  Wiegand  konnte  dem  Kronprinzen  keine
Bemerkung  politischer  Art  entlocken,  und  die  ganze  Unterhaltung  gab
ihm  ein  ganz  anderes  Bild  von  dem  deutschen  Thronfolger,  als  man
gewöhnlich  anzunehmen  scheint.  Herr  v.  Wiegand  schildert  ihn  als  einen
offenen  Charakter  mit  der  Neigung,  offen  und  ehrlich  auszusprechen,  was
er  denkt,  der  die  Wahrheit  hören  kann  und  die  größte  Abneigung  gegen
Schmeichler  hat.

                         Deutsch-Ostafrikas  Heldenkampf.

Aus  einer  Denkschrift  des  Reichskolonialamts  veröffentlichen  wir
die  bemenkenswertesten  Einzelheiten:
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                                                        —  879  —

Erfreulicherweise  sind  in  den  letzten  Tagen  auch  amtliche  Nachrichten
vom  Gouverneur  Schnee  in  Berlin  eingetroffen.  Handelt  es  sich  dabei
auch  nur  um  Telegramme  in  denkbar  knapper  Fassung,  so  vermögen  wir
daraus  doch  wertvolle  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Lage  im
Schutzgebiet  und  der  kriegerischen  Ereignisse  —  wenigstens  während  der
ersten  zweieinhalb  Monate  des  Krieges  —  zu  entnehmen.  «

Die  auf  Umwegen  hierher  gelangten  Berichte  des  Gouverneurs
beginnen  mit  dem  24.  August  und  enden  mit  dem  16.  Oktober.  Wir
geben  die  betreffenden  Telegramme  —  soweit  erforderlich  mit  Erläuterungen
  versehen  —  nachstehend  wieder.

Nr.  1  vom  24.  August:  „Bisher  bein  Landangriff  auf  Ostafrika  erfolgt.
  Starke  Truppenansammlungen  an  den  Grenzen.  Englische  Kreuzer
beschossen  Funkenturm  Daressalam,  beschlagnahmten  dort  und  in  Tanga
Handelsschiffe,  bombardierten  Bagamojo  ohne  erheblichen  Schaden.
Offene  Küstenplätze  nicht  verteidigt,  Besetzung  nicht  erfolgt.  Wir  haben
nach  geringem  Widerstand  Taveta  besetzt.  Diesseits  tot  Förster  Bröker.
Belgischer  Dampfer  auf  Tanganjika-See  zerstört.  Funkenturm  Daressalam
  von  uns  zerstört.“

            Keine  Besetzung  deutsch- ostafrikanischer  Küsten-                                                            städte.


Im  Anschluß  hieran  möge  gleich  bemerkt  werden,  daß  über  eine
Besetzung  deutsch-ostafrikanischer  Küstenstädte  durch  die  Engländer  auch
bis  heute  nichts  bekannt  geworden  ist.

Nr.  2  vom  29.  August:  „Oberleutnant  v.  Oppen  hat  etwa  36  berittene
  Engländer  in  der  Nähe  von  Moschi  zurückgeworfen.  Sechs  Engländer
  und  zwei  Schwarze  tot.  Diesseits  keine  Verluste  gemeldet.“

Nr.  4  (ohne  Datum):  „Bezirksamt  Moschi  drahtet:  Detachement
Hauptmann  Schulz  stieß  am  7.  September  nach  mehrtägigem  Avantgardengefecht
  kurz  vor  der  Station  Tsavo  der  Ugandabahn  auf  sehr  überlegene
  Gegner.  Nach  zweieinhalbstündigem  heftigen  Gefecht  zog  sich  Detachement
  Schulz  zurück,  da  Versuch  Umgehung  Gegners  auf  eineinhalb
Kilometer  erkannt.  Diesseits  verwundet:  Freiwilliger  v.  Hollwedel
(wohl  Holwede),  vier  Askari.  Auf  Gegenseite  viele  Verluste  an  Europäern
  und  indischen  Truppen.  Englische  Wasuheli-Askari  sollen  sich
weigern,  gegen  uns  zu  fechten.“

Nr.  6  (ohne  Datum):  „Vom  Bezirksamt  Neu-Langenburg  ist  Nachricht
  am  10.  September  eingegangen,  daß  Sturm  der  5.  Kompagnie  auf
Karonga  am  Nijassa-See  am  9.  September  von  Engländern  abgeschlagen.
Auf  unserer  Seite  mehrere  Europäer  und  eine  Anzahl  Askari  tot  und
verwundet.  Hauptmann  v.  Langen  verwundet.  Im  übrigen  liegen  über
Namen  der  Toten  und  Verwundeten  noch  keine  sicheren  Nachrichten  vor.
Arzt  Dr.  Gotheim  soll  gefangen  sein.  Kompagnie  über  Grenze  auf
deutsches  Gebiet  zurückgezogen.

Hauptmann  Braunschweig  aus  Muansa-Viktoriasee:  Der  Hilfskreuzer
  „Muansa“  hat  den  englischen  Dampfer  „Sybill“,  als  er  im  Begriff
  war,  150  indische  Soldaten  und  zwei  Geschütze  nördlich  Schirati
an  der  Karungubucht  zu  landen,  angegriffen.  Das  Schiff  „Sybill“  ist
durch  mehrere  Granatvolltreffer  schwer  beschädigt.  Die  Besatzung  hatte
anscheinend  viele  Verluste  durch  unser  Maschinengewehrfeuer.  „Sybill“
        <pb n="355" />
                                                           ---880---                                                                    stellte  ihr  Feuer  ein  und  dampfte  nach  Norden.  Auf  unserer  Seite  ein
Askari  verwundet.  (Dampfer  „Muansa“  34  Tonnen,  Dampfer  „Sybill“
600  Tonnen.)

In  den  von  uns  nicht  besetzten  nördlichen  Teil  des  Bezirks  Bukoba

sind  Engländer  eingedrungen.“
Nr.  8  vom  28.  September  1914:  „Verstärkte  10.  Kompagnie  wurde
nördlich  Longido  im  Lager  von  Engländern,  Buren  und  Askari  überfallen.
  Gegner  wurde  zurückgeworfen,  14  Tote  gezählt.  Viele  Reittiere
erobert.  Diesseits  tot:  Leutnant  Walde;  Reservisten  Breitkreuz,  Hartmann,
  Kassel,  Rothbletz;  schwer  verwundet:  Hauptmann  Tafel,  Reservisten
  Brennicke,  K.  Gortzinger,  Maschache,  Feldwebel  des  Beurlaubtenstandes
  Beckel;  leicht  verwundet:  Reservisten  Horn,  Basch,  Fritz  Koenig.“

Nr.  9  (ohne  Datum):  „Ergänzungen  zum  Gefechtsbericht  der  10.
Kompagnie  vom  25.  September  1914  bei  Engite  (wohl  aus  Longido
verstümmelt).  Der  Ueberfall  auf  verstärkte  Abteilung  Hauptmann  Tafel.
aae  von  75  Reitern,  in  der  Hauptsache  Engländern  und  Buren,  ausgeführt.


Nach  etwa  halbstündigem  Gefecht  floh  Feind  zersprengt  und  eilig.
Nach  Beendigung  Gefechts  wurden  bei  flüchtigem  Zählen  19  tote  Engländer
  und  Buren  festgestellt.  Erbeutet  21  gesattelte  Reittiere,  10  Gewehre,
  viele  Patronen.  Gegner  konzentrierte  Feuer  stark  auf  die  Europäer.
  Europäer  und  Agkari  der  Detachements  haben  sich  vorzüglich  benommen.
  Stimmung  der  Truppe  ist  ausgezeichnet.  «


                       Einnahme  der  belgischen  Station  Goma.

      Nr.  11  vom  30.  September  1914:  „Nach  nichtamtlichen  Nachrichten
ist  belgische  Station  Goma  am  Kiwu  von  deutschen  Truppen  genommen.
Auf  Kiwusee  kreuzt  armiertes  deutsches  Motorboot.  Insel  Kwidschwi
soll  von  Belgiern  geräumt  sein.“

Amtliche  Bestätigung  der  belgischen  Niederlage  auf  letzgenannter
Insel  bringt  das  Telegramm  Nr.  14.  In  den  Mitteilungen  der  feindlichen
  Presse  über  die  dortigen  Vorgänge  war  Station  Goma  bis  jetzt
nicht  erwähnt  worden.

Nr.  12  vom  4.  Oktober  1914:  „Nach  Meldung  Kommandos  ist  über
das  Gefecht  von  Loldureish  am  26.  September  1914  festgestellt:  Hauptmann
  Schulz  mit  4.  und  13.  Kompagnie  Patrouillenkorps  ging  gegen
feindliches  Lager  in  Stärke  von  zwei  bis  drei  Inderkompagnien,  Somali
und  Europäern,  ferner  drei  Maschinengewehren  und  ein  bis  zwei  kleinen
Geschützen  am  Zusammenfluß  des  Tsavo  und  Loldureishfluß  vor,  um  sie
mit  sechs  Maschinengewehren  zu  beschießen.  Nach  kurzer  Beschießung
wurde  wieder  in  das  Lager  zurückmarschiert.  10  Engländer,  20  englische
  Farbige  sollen  gefallen  sein.

Diesseits  schwer  verwundet:  Hauptmann  Schulz,  Feldwebel  Roehrig,
  Feldwebel  d.  Landw.  Reinhardt,  Reservist  Fromm;  leicht  verwundet:
  hefeldwebel  d.  Beurl.  Standes  Wideweg,  zwei  Askari;  ein  Askari
vermißt.

Auf  dem  Gefechtsfelde  des  Leutnants  Klein  am  20.  September  1914
wurden  mehrere  große  Massengräber  gefunden.“

Wo  das  am  Schluß  des  Telegramms  erwähnte  Gefechtsfeld  des
Leutnants  Klein  vom  20.  September  gelegen  war,  läßt  sich  vorläufig
        <pb n="356" />
                                                            ---881--                                                                         nicht  feststellen;  vermutlich  handelte  es  sich  aber  dabei  um  einen  Platz
im  Gebiet  des  Tsavo-Flusses.


                           Der  Kampf  um  Gazi.

Nr.  13  (ohne  Datum):  „Kigali“  berichtet:  Am  4.  Oktober  griffen
vier  belgische  Kompagnien  am  Kiwusee  nördlich  von  Kissenji  die  deutschen
  Truppen  unter  Hauptmann  Wintgens  an.  Gegner  erlitt  schwere
Verluste  und  wurde  zurückgeworfen.  Verwundet:  Hauptmann  Wintgens,
Leutnant  der  Res.  Lank,  Sanitätsfeldwebel  Dormeyer,  Vizefeldwebel
d.  Beurlaubtenstandes  Pursche,  Vermessungsmaat  Walter.

In  früher  gemeldetem  Gefecht  bei  Ngazi  (Gazi)  erlitt  Gegner  anscheinend
  schwere  Verluste  besonders  an  Europäern.  Von  unseren  Truppen
  wurden  erbeutet  drei  Fahnen  von  farbigen  Truppen,  Gewehre,  Instrumente
  einer  indischen  Musikkapelle  und  120  Ziegen.“

Nr.  14  vom  16.  Oktober:  „Belgischer  Posten  in  Nyakalengo  auf
Insel  Kwidschwi  wurde  am  24.  September  von  unseren  Truppen  unter
Hauptmann  Wintgens  angegriffen  und  ergab  sich  nach  eineinhalbstündigem
  Gefecht.  Verluste  des  Gegners:  sechs  Askari  gefallen,  sieben  verwundet.
  Unsererseits  ein  Askari  verwundet.  Kriegsgefangen  ein  Offizier
  und  vierundvierzig  Askari.  Erbeutet  etwa  fünfzig  Mausergewehre
und  viel  Munition  sowie  das  zweite  belgische  Stahlboot.“

Ueber  das  Gefecht  bei  Gazi  in  Britisch-Ostafrika  liegt  eine  frühere
Meldung  des  Gouverneurs  nicht  vor.  Im  Telegramm  Nr.  10  war  lediglich
  gesagt  worden,  daß  der  Feind  sich  Ende  September  dorthin  zurückgezogen
  habe.  Dagegen  brachte  der  „Daily  Chronicle“  vom  25.  November
  einige  Mitteilungen  aus  zwei  Privatbriefen  eines  britischen
Gefechtsteilnehmers,  datiert  vom  9.  und  12.  Oktober.  Selbstverständlich
kann  diese  Schilderung  nicht  als  Grundlage  für  den  Tatbestand  angesehen
werden;  doch  enthält  sie  neben  vielem  Belanglosen  gewisse  Angaben,  die
nicht  ohne  Interesse  sind,  wenn  man  sie  zu  den  amtlichen  Nachrichten
aus  Deutsch-Ostafrika  in  Beziehung  bringt.  Der  Korrespondent  war  mit
einer  Maschinengewehr-Abteilung  der  indischen  Truppen  nach  Nairobi
gekommen,  wo  er  erfuhr,  daß  die  britischen  Streitkräfte  sich  wenige  Tage
vorher  vor  der  Uebermacht  der  Deutschen  von  der  Grenze  hätten  zurückziehen
  müssen.  Die  indischen  Truppen  seien  dann  geradewegs  nach
Gazi  gebracht  worden,  wo  sie  die  Engländer  antrafen.  Am  folgenden
Tage  hätten  die  Deutschen  heftig  angegriffen.  Das  Feuer  begann  bei
Morgendämmerung,  und  am  Nachmittag  stürmten  die  Deutschen  die
Schützengräben  unter  scharfem  Gewehrfeuer.  Sie  seien  dann  aber  von
den  vereinigten  britisch-indischen  Truppen  zurückgeworfen  und  bei  der
Verfolgung  wirr  in  die  Flucht  geschlagen  worden.  (!)

Die  indischen  Truppen  waren  auf  dem  Seewege  von  Mombassa  aus
nach  Gazi  gebracht  worden  und  sahen  dann  —  anscheinend  zu  ihrer  Verwunderung
  —,  „daß  die  Deutschen  von  der  Mombassa-Seite  heranrückten“.
  Die  Engländer  seien  vor  die  Alternative  gestellt  gewesen,  entweder
selbst  die  Deutschen  zurückzuschlagen  oder  aber  von  ihnen  in  die  See
getrieben  oder  völlig  aufgerieben  zu  werden.

Hieraus  darf  man  entnehmen,  daß  Hauptmann  Baumstark  die  Engländer
  umgangen  und  sie  in  eine  sehr  bedenkliche  Lage  gebracht  hatte,
        <pb n="357" />
                                                             —  882  —

aus  der  sie  ohne  die  indischen  Hilfstruppen  sich  nicht  hätten  befreien
können.

Mit  dem  16.  Oktober  endete  die  Berichterstattung  des  Gouverneurs.
  Ueber  die  weiteren  Ereignisse  sind  wir  nach  wie  vor  auf  das
Material  angewiesen,  was  unsere  Gegner  darüber  zu  veröffentlichen
für  gut  befinden.  Ein  einwandfreies  und  klares  Bild  der  Ereignisse
haben  auch  diese  Veröffentlichungen  noch  nicht  ergeben.  Das  eine  geht
jedoch  aus  ihnen  Hervor,  daß  nämlich  trotz  der  gegnerischen  Bemühungen,
die  Ereignisse  in  einem  für  sie  selbst  günstigen  Lichte  darzustellen,  von
Erfolgen  ihrerseits  gegenüber  unseren  Truppen  keine  Rede  sein  kann,
daß  vielmehr  unsere  Gegner  sich  trotz  des  Aufgebots  an  indischen  und
sogar  regulären  europäischen  Truppen  beim  Versuche,  in  unser  Gebiet
einzudringen,  blutige  Köpfe  geholt  haben.

Kriegsschauplätze  waren  wiederum  ausschließlich  die  Grenzgebiete,
und  zwar  in  erster  Linie  die  an  der  Grenze  zwischen  Deutsch=  und
Britisch-Ostafrika  liegenden  Landesteile.  Ueber  die  dortigen  Ereignisse
liegen  nachstehende  Mitteilungen  vor.  Nach  Londoner  Telegrammen
vom  24.  November  landeten  auf  die  Meldung,  daß  eine  „wichtige
deutsche  Eisenbahnendstation“  nur  schwach  besetzt  sei,  die  Engländer  am
2.  November  zwei  Meilen  von  dieser  Station  entfernt  eine  Truppenabteilung
  in  Stärke  von  1½  Bataillonen,  bestehend  aus  indischen  und
curopäischen  Truppen.  Diese  Kräfte  rückten  sofort  vor.  Die  „kleine“
Streitmacht  wurde  außerhalb  der  Stadt  in  ein  heftiges  Gefecht  verwickelt
  und  mußte,  da  die  deutschen  Truppen  sich  als  überlegen  erwiesen,
zurückgehen  und  Verstärkungen  erwarten.  Am  4.  November  früh  wurde
dann  der  Angriff  erneuert.  Nachdem  sie  auf  eine  Entfernung  von  800
Yards  (730  Meter)  an  den  Feind  herangekommen  waren,  gerieten  die
englischen  Truppen  in  ein  heftiges  Feuer.  Trotz  schwerer  Verluste  gelang
  es  den  auf  dem  linken  Flügel  vorgehenden  Mannschaften  des
101.  Grenadier-Regiments,  in  die  Stadt  einzudringen  und  den  Feind
mit  dem  Bajonett  anzugreifen,  während  auf  dem  rechten  Flügel  die
Mannschaften  des  Nordlancashire-Regiments  und  die  Kashmir-Rifles
(Inder)  die  Stadt  erreichten.  Dort  sahen  sie  sich  jedoch  einem  derart
heftigen  Feuer  ausgesetzt,  daß  sie  gezwungen  waren,  500  Yards  zurückzugehen.
  Die  Stellung  der  Deutschen  war  so  stark,  und  die  Verluste  der
englischen  Truppen  waren  so  schwer,  daß  es  für  zwecklos  erachtet  wurde,
den  Angriff  zu  erneuern.  Die  Abteilung  wurde  daher  wieder  eingeschifft
  und  kehrte  zum  Ausgangspunkte  zurück.  Der  Gesamtverlust  betrug
795  Mann,  darunter  141  europäische  Offiziere  und  Mannschaften.

Danach  haben  also  die  Engländer  bei  diesem  Versuch,  in  deutsches
Gebiet  einzudringen,  eine  schwere  Niederlage  erlitten.  Das  spricht  sich
auch  in  den  Erklärungen  aus,  die  Lord  Crewe  im  englischen  Unterhause
am  18.  November  abgegeben  hat.

Ueber  den  Ort  des  Ausgangs  des  englischen  Unternehmens,  den
Ort  der  Landung  auf  deutschem  Gebiet  und  den  Namen  der  deutschen
Eisenbahnstation  schweigt  sich  der  englische  Bericht  aus.  Anscheinend
handelt  es  sich  um  die  an  der  Küste  liegende  Stadt  Tanga,  den  Ausgangspunkt
  der  Usambarabahn.
        <pb n="358" />
                                                         —  883  —
    Größere  Bedeutung  wird  dem

                       Zusammenstoß  am  Berge  Longido

beigelegt,  wo  am  3.  (oder  4.)  November  ein  zweiter,  anscheinend  ebenfalls

  heftiger  Kampf  zwischen  einer  deutschen  und  einer  indischen  Trup-Rnabteilung

  Nattiand.  (Ueber  das  erste  Gefecht  am  Longido  s.  o.  Tel.
Nr.  8  und  9.

Der  englische  Bericht  Vom  26.  November  sagt  hierüber  folgendes:

Nach  verschiedenen  Gefechten  geringeren  Umfangs  in  Ostafrika,  die
keine  Aenderung  von  Bedeutung  brachten,  und  in  denen  es  den  Deutschen
nicht  gelang,  auf  englischem  Gebiet  Fuß  zu  fassen,  besetzten  wir  den
„bedeutenden“  Platz  Longido  auf  deutschem  Gebiet.  Der  Angriff  fand
am  3.  November  statt  und  dauerte  den  ganzen  Tag.  Die  indischen
Truppen  nahmen  drei  Stellungen,  mußten  diese  aber  am  Abend  wegen
Wassermangels  wieder  aufgegeben  und  zogen  sich  auf  ihre  Operationsbasis
zurück.  Einige  Tage  später  räumten  die  Deutschen  Longido,  das  dann
von  indischen  Truppen  besetzt  wurde.

Der  Bericht  gibt  die  Verluste  auf  englischer  Seite  mit  21,  auf
deutscher  mit  38  Europäern  und  84  farbigen  Mannschaften  an.

Einen  weiteren  Bericht  über  dieses  Gefecht  brachten  die  „Times“
vom  27.  November.  Danach  begann  der  Kampf  am  4.  November  bei
Tagesanbruch  und  dauerte  bis  abends  7½  Uhr.  Die  deutschen  Stellungen
  seien  sehr  hartnäckig  gehalten,  aber  von  den  englisch-indischen  Truppen
  mit  größter  Bravour  genommen  worden.  Auch  der  deutsche  Gegenangriff
  sei  zurückgeschlagen  worden.  Die  Engländer  hätten  an  Europäern
  10  Tote,  9  Verwundete  und  1  Vermißten  zu  verzeichnen  gehabt;
über  ihre  Verluste  an  Farbigen  wird  hier  nichts  berichtet.

Man  darf  von  vornherein  annehmen,  daß  sich  das  Gefecht  wohl
kaum  so  abgespielt  hat,  wie  es  in  den  englischen  Berichten  dargestellt
wird.  Anscheinend  ist  es  den  indischen  Truppen  nicht  gelungen,  die
Stellung  der  deutschen  Abteilung  zu  nehmen.  Sie  besetzten  sie  erst,  nachdem
  letztere  den  Platz  aus  irgendeinem  Grunde  einige  Tage  später  geräumt
  hatte.  Wahrscheinlich  dann,  als  die  Engländer  stärkere  Kräfte
herangezogen  hatten.

Nach  Meldungen  des  englischen  Pressebüros  soll  am  20.  November
eine  starke  deutsche  Abteilung  westlich  des  Viktsria-Sees  in  Uganda  eingefallen,
  aber  unter  Verlust  von  60  Mann  zurückgeschlagen  worden  sein,
während  die  Engländer  ihre  eigenen  Verluste  auf  nur  6  Verwundete
angeben.  Gleichzeitig  wird  berichtet,  daß  auf  dem  Viktoria-See  ein
englischer  Dampfer  durch  die  Deutschen  zum  Sinken  gebracht  worden  sei.

Nach  französischen  Quellen  wurde  ein  Einfallsversuch  belgischer
Truppen  unter  Oberst  Henry  von  dem  deutschen  Grenzposten  bei  Kissenji,
nördlich  des  Kiwu-Sees,  blutig  zurückgewiesen.  Doch  sei  es  den  Belgiern
  gelungen,  auf  Umwegen  das  deutsche  Gebiet  zu  erreichen.  Am
29.  Oktober  sei  eine  starke  belgische  Kolonne  auf  deutsche  Streitkräfte
gestoßen,  die  sich  aber  vor  der  Uebermacht  zurückgezogen  hätten.
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                                                —  884  —
                        Das  Schicksal  der  „Königsberg“.

Ein  eigenartiges  Schicksal  erreichte  Ende  Oktober  unseren  kleinen
Kreuzer  „Königsberg",  der  den  Engländern  bis  dahin  an  der  Ostküste
Afrikas  viel  zu  schaffen  gemacht  hatte,  und  dessen  etwaiges  Erscheinen
vor  Mombassa  daselbst  längere  Zeit  hindurch  ein  Gegenstand  lebhafter
Beunruhigung  gewesen  war.  Um  die  „Königsberg“  unschädlich  zu
machen,  ordnete  die  englische  Admiralität  die  Zusammenziehung  von
drei  schnellen  Kreuzern  in  den  ostafrikanischen  Gewässern  an.  Dies
waren  die  Schiffe  „Goliath“  (13600  Tonnen),  „Chatam  (5330  Tonnen)
und  „Weymouth“  (5490  Tonnen).  Nach  dem  Bericht  der  englischen
Admiralität  entdeckte  der  Kreuzer  „Chatam“  am  30.  Oktober  die
„Königsberg"  vor  der  Mündung  des  Rufijiflusses  gegenüher  der  Insel
Mafia.  Daraufhin  sei  die  „Königsberg“  in  den  Rufiji  eingelaufen,  und
da  „Chatam“  wegen  ihres  größeren  Tiefganges  ihr  dorthin  nicht  zu
folgen  vermochte,  sei  englischerseits  ein  Kohlenschiff  in  der  Mündung
des  Flusses  versenkt  worden,  um  der  „Königsberg“  wenigstens  den
Rückweg  abzuschneiden.  Hierauf  habe  mit  der  an  Land  gesetzten  Besatzung
  des  deutschen  Schiffes,  die  sich  daselbst  verschanzt  hatte,  ein  Gefecht
  stattgefunden,  bei  dem  die  Engländer  einige  Verluste  an  Offizieren
und  Mannschaften  erlitten.  Die  Stellung  der  gelandeten  Besatzung  und
der  Kreuzer  „Königsberg"  selbst  wurden  von  der  „Chatam“  aus  beschossen,
  jedoch  habe  ein  Erfolg  infolge  der  dichten  Bewachsung  des  Geländes
  nicht  festgestellt  werden  können.

Betrachtet  man  die  Nachrichten  des  Gouverneurs  über  die  Kämpfe
während  der  ersten  2½  Monate  und  die  späteren  Meldungen  aus  London
über  die  schwere  englische  Niederlage,  die  wir  vorläufig  nach  Tanga  verlegt
  haben,  so  kann  man  sich  von  der  jetzigen  Lage  au  fdem  ostafrikanischen
  Kriegsschauplatz  bereits  ein  annähernd  zuverlässiges  Bild  machen.
Und  dieses  Bild  ist  überaus  erfreulich!

Denn  es  zeigt,  daß  unsere  Schutztruppe  unter  ihrer  tapferen  Führung
bis  jetzt  Außerordentliches  geleistet  hat.  Sie  hat  es  verstanden,  unter
heldenmütiger  Anspannung  aller  Kräfte,  oftmals  gegen  große  Uebermacht
  kämpfend,  den  Feind  aus  dem  Schutzgebiet  fernzuhalten  und  ihn,
wann  und  wo  er  die  Grenzen  überschritt,  zum  schleunigen  Rückzug  zu
zwingen.  Dabei  hat  die  Schutztruppe  keineswegs  —  wie  Lord  of  Crewe
im  britischen  Oberhaus  angegeben  —  irgendwelche  Verstärkungen  durch
Reservisten  aus  anderen-Teilen  der  Welt  erhalten.  Die  einzigen  Verstärkungen
  lieferten  vielmehr  die  weiße  Bevölkerung  des  Schutzgebiets
selbst,  die  dortige  farbige  Polizeitruppe  und  auch  die  ehemaligen,  ausgedienten
  Askari,  die  sich  in  großer  Zahl  sofort  nach  Kriegsausbruch
freiwillig  zum  Dienst  gemeldet  hatten.

Die  Engländer  dagegen  waren  in  der  vorteilhaften  Lage,  sich  indische
Streitkräfte  heranholen  zu  können,  wodurch  ihnen  von  vornherein  ein
großes  numerisches  Uebergewicht  sicher  war.  Um  so  höher  sind  die  bisherigen
  Leistungen  unserer  ostafrikanischen  Truppe  zu  veranschlagen,  auf
die  wir  mit  Stolz  und  mit  froher  Zuversicht  für  die  weitere  Zukunft
des  Schutzgebiets  herüberschauen.
        <pb n="360" />
                                                               —  885  —

                   Eine  Wirtschaftschronik  des  Kriegsjahres  1914

veröffentlicht  die  „Vossische  Zeitung“.  Aus  ihr  entnehmen  wir  folgende
interessante  Daten:

24.  Juli.  Erscheinen  der  österreichischen  Note  an  Serbien.  Darauf
Börse  sehr  flau.  Privatdiskont  38  pCt.  höher,  2½  pCt.  Tägliches  Geld
2  pCt.  Ultimogeld  3½—3  ½  PpCt.

25.  Juli.  Ausbruch  des  Krieges  zwischen  Oesterreich  und  Serbien.
Reichsbankausweis  zeigt  Besserung  um  139  645  000  M.  (i.  V.  149  480  000)
auf  456  088  000  M.  Steuerfreiheit  (i.  V.  248  588  000).  Börse  derouiert  in
Besorgnis  über  Rußlands  Haltung  gegen  Oesterreich.  Privatdiskont  3  pCt.,
Ultimogeld  3½—4  pCt.  Tägliches  Geld  2  pCt.  und  darüber.

27.  Juli.  Die  Berliner  Banken  beschließen  außerordentliche  Maßnahmen,
  um  Börsenfirmen  zu  unterstützen  und  das  Privatpublikum  vor  dem
Verschleudern  von  Effekten  zu  bewahren.  Die  Oesterreichisch-ungarische
Bank  erhöht  infolge  des  Krieges  mit  Serbien  den  Diskont  von  4  auf  5  pCt.
In  Oesterreich  werden  die  Effektenbörsen  auf  unbestimmte  Zeit  geschlossen.
Die  Berliner  Börse  ist  beruhigt;  man  hofft  auf  eine  Lokalisierung  des
Krieges.  Privatdiskont  4  pCt.  Ultimogeld  4½  pCt.  Tägliches  Geld  2

is  3  pCt.  «

28.  Juli.  Moratorium  in  Serbien.  An  der  Berliner  Börse  vollziehen
  sich  starbe  Schwankungen,  doch  funktioniert  der  Verkehr  befriedigend;
die  Kauforders  waren  im  Uebergewicht.  Privatdiskont  4  pCt.  Ultimogeld
4½  pCt.  Tägliches  Geld  2—3  pCt.  Petersburger  Drahtauszahlung  210½
à  208  M.  (gestern  210  à  211  M.).

29.  Juli.  Oesterreich-Ungarn  erklärt  den  Krieg  gegen  Serbien.  Es
höhen  den  Diskont:  die  Russische  Staatsbank  um  ½  auf  6  bzw.  6½  PpCt.,
die  Niederländische  Bank  um  1  auf  4½  pCt.  Einstellung  des  Ultimohandels
an  der  Berliner  Börse.  Im  Kassaverkehr  wurden  von  2500  Papieren  etwa
1450  nicht  notiert.  Deroute  am  Devisenmarkt.  Drahtauszahlung  Petersburg
  ist  zwischen  206,75  und  202  M.  Privatdiskont  4  pCt.  Haussebewegung
  am  Berliner  Getreidemarkt.

30.  Juli.  Teilweise  Mobiliserung  Rußlands.  Es  erhöhen  den  Diskont:
  die  Bank  von  England  um  1  auf  4  pCt.  und  die  Belgische  Nationalbank
  um  1  auf  5  pCt.  An  der  Berliner  Börse  wird  im  Kassaverkehr  nur
etwa  ein  Viertel  aller  Werte  notiert.  Einstellung  des  freien  Privatverkehrs
in  Berlin.  Vollkommene  Desorganisation  am  Devisenmarkt.  Der  Privatdiskont
  wird  nicht  notiert.  Schließung  der  Hamburger  Börse.  Die  Petersburger
  Börse  bleibt  bis  zum  1.  August  geschlossen,  desgleichen  ist  der  Amsterdamer
  Börsenverkehr  eingestellt.  Insolvenz  der  Norddeutschen  Handelsbank.
In  Berlin  erklären  sich  7  Bankfirmen  und  eine  Angahl  Makler  für  insolvent.
Der  Bochumer  Verein  erklärt  wieder  14  pCt.  und  die  Vereinigten  Stahlwerke
  van  der  Zypen  8  (i.  V.  12)  pCt.  Dividende.

31.  Juli.  Deutschlands  Getreide=  und  Viehausfuhr-Verbot.  Im
Gebiet  des  Deutschen  Reiches  und  Bayerns  wird  der  Zustand  der  drohenden
Kriegsgefahr  befohlen.  Kaiser  Wilhelm  siedelt  nach  Berlin  über.  Der
Reichstag  wird  einberufen.  Ultimatum  Deutschlands  an  Rußland  und  Anfrage
  in  Paris.  Es  erhöhen  den  Diskont:  die  Reichsbank  um  1  auf  5  péCt.,
die  Bank  von  England  um  4  auf  8  pCt.,  die  Oesterreichisch-Ungarische  Bank
um  1  auf  6  pCt.,  die  Bank  von  Frankreich  um  1  auf  4½  pCt.,  die  Schweize-                                                                                                     56
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                                                         —  886  —

rische  Nationalbank  um  1  auf  41  pCt.,  die  Schwedische  Reichsbank  um  1  auf
5½  pCt.  und  die  Rumänische  Nationalbank  auf  6  pCt.  Der  Pforzheimer
Bankverein  gerät  in  Zahlungsschwierigkeiten.  Der  Berliner  Börsenvorstand
beschließt,  heute  und  morgen  keine  Kurse  für  Wertpapiere  festzustellen.  Die
Londoner  und  New-Vorker  Börsen  bleiben  geschlossen,  ebenso  die  Börsen  in
Hamburg,  Odessa.

                                             August.

1.  August.  Allgemeine  Mobilisierung  des  deutschen  Heeres  und  der
Marine.  Allgemeine  Mobilisierung  in  Oesterreich.  Teilmoratorium  in
Oesterreich.  Es  erhöhen  den  Diskont:  die  Reichsbank  um  1  auf  6  pCt.,  die
Sächsische  Bank  von  6  auf  8  pCt.,  die  Bank  von  England  von  8  auf  10  pCt.,
die  Dänische  Nationalbank  von  5  auf  6  pCt.,  die  Belgische  Nationalbank  um
1  auf  6  pCt.,  und  die  Schweizerische  Nationalbank  um  1  auf  5½  pCt.  Berliner
  Börse  geschlossen.  Einstellung  des  Zeitgeschäfts  an  der  Berliner  Getreidebörse,
  im  Lokogeschäft  ist  die  Tendenz  sehr  fest.

2.  August.  ginn  des  Krieges  mit  Rußland  und  Frankreich.  Der
Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verschlechterung  um  1242  528  000  M.  (i.  V.
199  723  000  M.),  so  daß  sich  eine  Steuerpflicht  von  786  440  000  M.  (i.  V.
steuerfreie  Notenreserve  von  48  865  000  M.)  ergibt.  Die  Oesterreichisch-Ungarische
  Bank  setzt  den  Zinsfuß  von  6  auf  8  pCt.  herauf.

3.  August.  Moratorien  in  Frankreich,  Rußland  und  Schweden.  In
Italien  wird  der  Diskontsatz  von  6  auf  8  pCt.  heraufgesetzt.

4.  August.  Der  Reichstag  bewilligt  einstimmig  den  von  der  deutschen
Regierung  geforderten  Kriegskredit  in  Höhe  von  5  Milliarden  Mark  sowie
die  am  Tage  vorher  eingebrachten  Gesetzentwürfe  über:  1.  Aenderung  des
Bankgesetzes,  2.  Ergänzung  der  Reichsschuldenordnung,  3.  Aenderung  des
Münzgesetzes,  4.  Ueberweisung  des  Reichskriegsschattes  an  die  Reichsbank,
5.  Reichskassenscheine  und  Banknoten,  6.  die  Kriegsdarlehnskassen.  Zustellung
  der  Pässe  an  den  französischen  Botschafter  in  Berlin.  Einmarsch  der
Deutschen  in  Belgien.  England  erklärt  an  Deutschland  den  Krieg.  Moratorien
  in  England  und  Italien.  Beschlagnahme  der  russischen  Guthaben  in
Deutschland.  Es  erhöhen  den  Diskont:  die  Dänische  Nationalbank  von  6  auf
7  pCt.,  die  Bank  von  Norwegen  von  5  auf  6½  pCt.  und  die  Schweizerische
Nationalbank  von  5½  auf  6  pCt.

5.  August.  Die  deutschen  Kriegsdarlehnskassen  eröffnen  den  Betrieb.
Teilmoratorien  in  der  Türkei.

6.  August.  Die  Oesterreichisch-Ungarische  Bank  gibt  Banknoten  im  Betrage
  von  2  Kr.  aus.  Moratorien  in  Bosnien  und  der  Herzegowina  sowie
in  Bulgarien.  Bildung  weiterer  Kreditinstitute  in  Hamburg.  Der  Roheisenverband
  stellt  den  Versand  nach  dem  Inland  und  dem  Ausland  ein.

7.  August.  Der  Bundesrat  erläßt  für  das  deutsche  Reichsgebiet  ein
Teilmoratorium.  Allgemeines  Moratorium  in  England.  Die  Bank  von
England  ermäßigt  den  Diskont  von  10  auf  6  pCt.  Die  Bank  von  Frankreich
erhöht  den  Zinsfuß  von  4½  auf  6  pCt.

8.  August.  Die  bulgarische  Sobranje  hat  ein  dreimonatiges  Moratorium
  angenommen.  Die  Bank  von  England  ermäßigt  den  Diskont  von
6  auf  5  pCt.  Berliner  Getreidemarkt  flau.

10.  August.  Moratorium  in  Norwegen  und  in  der  Schweiz.  Die
Maximilianhütte  setzt  die  beantragte  Dividende  von  19,60  auf  10,50  pCt.
herab.  Berliner  Getreidebörse  wieder  flau.
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                                                         —  887  —

11.  August.  Antrag  auf  Liquidation  der  Gladbacher  Spinnerei  und
Weberei.  Das  Sachsenwerk  Akt.-Ges.  beantragt  die  Erhöhung  des  Aktienkapitals
  um  300  000  M.  Festsetzung  von  Liquidationskursen  für  die  handelsrechtlichen
  Lieferungsgeschäfte  am  Berliner  Getreidemarkt.

12.  August.  Der  Ausweis  der  Reichsbank  zeigt  eine  Verschlechterung
um  865  653  000  M.  (i.  V.  Verbesserung  um  84  970  000  M.).  Die  Schweiz
nimmt  eine  Kriegsanleihe  von  30  Mill.  Fr.  auf.  Die  beiden  Kammern
des  schwedischen  Reichstags  bewilligen  einen  Kredit  von  50  Mill.  Kr.  Die
bulgarische  Sobranje  genehmigt  einen  Kredit  von  50  Mill.  Fr.

13.  August.  Verlängerung  des  österreichisch-ungarischen  Moratoriums.
  .
14.  August.  Hinausschiebung  der  Berliner  Ultimoliquidation  bis
Ende  September.  Ausdehnung  des  englischen  Moratoriums.  Die  Niederländische
  Bank  ermäßigt  den  Lombard=  und  Kontokorrentzins  um  H  pCt.
Die  Jahresdividende  der  Canadischen  Pacific-Eisenbahn  für  1913/14  beträgt
wieder  10  pCt.

15.  August.  Gründung  der  Kriegskreditbank  für  Groß-Berlin  1914
Akt.-Ges.  mit  15  Mill.  M.  Kapital.  Die  dänische  Regierung  beantragt  ein
Moratorium.

17.  August.  Italien  begibt  weitere  60  Mill.  Lire  5jährige  Schatzscheine.
  Erweiterung  des  italienischen  Moratoriums.  Die  Bank  von  Frankreich
  stellt  die  Ausgabe  von  Wochenausweisen  ein.  Moratorium  in  Griechenland.
  Die  Rumänische  Nationalbank  erhöht  den  Diskont  von  6  auf  7  pCt.
Die  Seehandlung  prolongiert  Ultimo  d.  M.  fällige  Gelder  bis  zum  24.  September
  mit  4½  pCt.

18.  August.  Erweiterung  der  Beleihungsgrenze  und  der  zu  beleihenden
  Wertpapiere  bei  der  Reichsdarlehnskasse.  Antrag  auf  Angliederung
  der  Rolandshütte  an  das  Hochofenwerk  Lübeck.

19.  August.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verbesserung  um
48  971  000  (i.  V.  93  968  000)  M.  Das  Rheinisch-Westfälische  Kohlensyndikat
erhöht  die  Koksumlage  für  das  dritte  Quartal  von  7  auf  9  pCt.

20.  August.  Besetzung  Brüssels  durch  deutsche  Truppen.  Es  ermäßigen
  den  Diskont  die  Oesterreichisch-Ungarische  Bank  von  8  auf  6  und  die
Bank  von  Norwegen  von  6½  auf  5½  pCt.  Die  Banca  d-'Stalia  begibt
350  Mill.  Lire  gedeckte  und  300  Mill.  Lire  ungedeckte  Roten.  Die  Pariser
Börse  nimmt  die  Tätigkeit  wieder  auf.

21.  August.  Die  Niederländische  Bank  setzt  den  Diskont  von  6  auf
5  pCt.  herab.  Moratorium  in  Argentinien.

22.  August.  Verbot  der  englischen  Regierung  für  alle  englischen
Firmen,  Geschäfte  mit  solchen  ausländischen  Firmen  abzuschließen,  an  denen
Deutsche  beteiligt  sind.  In  London  werden  auch  auch  von  ersten  englischen
Häusern  Wechsel  nicht  mehr  akzeptiert.  Die  Pariser  Handelskammer  gibt
kleine  Roten  zu  50  Centimes,  1  und  2  Fr.  aus.

24.  August.  Die  Bank  von  Frankreich  ermäßigt  den  Diskontsatz  von
6  auf  5  pCt.  Verlängerung  des  am  3.  September  ablaufenden  türkischen
Moratoriums.  .

25.  August.  Bedingtes  Moratorium  in  Holland.  Der  Gesamtverlust
bei  der  Akt.-Ges.  E.  F.  Ohle's  Erben  stellt  sich  nach  Aufzehrung  der  Reserven
von  580  000  M.  auf  997  299  M.

26.  August.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verschlechterung  um
112  612  000  M.  (i.  V.  Verbesserung  um  88  374  000).

                                                                         56*
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                                                     —  888  —

27.  August.  Preiserhöhungen  beim  Roheisen=  und  Stahlwerksverband.
  Die  Deutsche  Kolonialgesellschaft  für  Südwestafrika  deklariert  25
pCt.  (i.  V.  40)  Dividende.

29.  August.  Seegefecht  bei  Helgoland.  Die  Berliner  Banken  beschließen,
  die  Diskontierung  von  Wechseln  auf  Feindesland  abzulehnen.

31.  August.  Die  Bank  von  Frankreich  erhöht  die  Vorschüsse  auf
Unterpfänder.  Teilweise  Wiedereröffnung  der  Börsen  in  Jtalien.

September.

1.  September.  Der  preußische  Handelsminister  macht  in  einem
Rundschreiben  den  Konventionen  Vorschläge  über  die  zwischen  Abnehmern
und  Lieferanten  für  die  Dauer  der  Kriegszeit  festzusetzenden  Lieferungs=  und
Zahlungsbedingungen.  Ankündigung  der  Nichteinlösung  der  fälligen
Kupons  der  brasilianischen  Staatsschuld.  Die  französische  Regierung  beabsichtigt
  in  Amerika  eine  Anleihe  von  über  100  Mill.  Dollar  aufzunehmen.
Erhöhung  der  Zuckerpreise.  ·

2.  September.  Die  Sächsische  Bank  ermäßigt  den  Diskontsatz  von
8  auf  6½  pCt.  Gründung  einer  Kriegskreditbank  der  deutschen  Lebensversicherungsgesellschaften.
  Verlängerung  des  bosnischen  Moratoriums.  Dir
Pariser  Effektenbörse  wird  wiederum  geschlossen.

3.  September.  Errichtung  der  Kriegsmetall-Akt.-Ges.  in
Frankreich.  .

4.Septembet.DerBundthatgisbteineBerotdnuugzutBeaufsichtigung
  ausländischer  Unternehmungen  heraus.  Der  Reichsbankausweis
zeigt  eine  Verschlechterung  um  189  716  000  (i.  V.  240  937  000)  M.

5.  September.  Gründung  der  Schweizerischen  Kohlenhandels-Gesellschaft
  für  den  Import  von  Ruhrkohlen  nach  der  Schweiz.  

6.  September.  Die  Pariser  Banken  verlegen  den  Sitz  der  Verwaltung
  nach  ihren  Provinzfilialen.

7.  September.  Ein  Teil  des  belgischen  Landes  wird  von  den
Belgiern  unter  Wasser  gesetzt.  Eröffnung  der  Kriegskreditbank  für  Groß-Berlin.



8.  September.  Die  deutschen  Kriegsanleihen  werden  zur  Zeichnung
aufgelegt,  und  zwar  1  Milliarde  Mark  in  5bproz.  Reichsschatzan  weisungen
und  unbegrenzte  Ausgabe  5proz.  Reichsanleihe,  unkündbar  bis  1.  Okt.  1924.

9.  September.  Teilweise  Aufhebung  des  deutschen  Ausfuhrverbots.
Gründung  der  Kriegswollbedarfs-Akt.-Ges.  Freigabe  des  Transports  von
Rohmaterialien  zwischen  den  linksrheinischen  Erzgebieten  und  Westfalen.

10.  September.  In  Paris  werden  neue  Silbernoten  zu  1  und  2  Fr.
ausgegeben.  Die  Schweizerische  Nationalbank  setzt  den  Diskont  von  6  auf
5  pCt.  herab.  Die  Bankfirma  Kerstens  &amp;amp;  Koerner  in  Stade  geht  in  Konkurs.

11.  September.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Besserung  um
91  729  000  (i.  V.  69  279  000)  M.

12.  September.  Preiverhöhung  beim  Roheisenverband.  Das
Meggener  Walzwerk  erklärt  5  (i.  V.  12)  pCt.  Dividende.  Tägliches  Geld
3½  pCt.;  Privatdiskont  534.

14.  September.  Preiserhöhung  für  luxemburgisches  Roheisen.
Pe  Attscher  Benz  u.  Co.  beabsichtigt,  keine  Dividende  auszuschütten  (i.  V.

pCt.).

15.  September.  Der  Berliner  Börsenvorstand  beschließt,  die  Septemberprolongation
  um  einen  weiteren  Monat  zu  verschieben.  Verlängerung
des  türkischen  Moratoriums.
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                                                         —  889  —

16.  September.  Festsetzung  von  Mindestkursen  für  Anlagewerte  in
London.  Verlängerung  des  brasilianischen  Moratoriums.

17.  September.  In  England  werden  weitere  15  Mill.  Lstr.  Schatzwechsel
  zur  Zeichnung  aufgelegt.  Die  Berliner  Getreidekommissionsfirma
Kracht  u.  Markert  stellt  ihre  Zahlungen  ein.

18.  September.  Gründung  der  Berliner  Kriegs-Beleihungskasse
fer  nachstellige  Hypotheken  Akt.-Ges.  Der  Stahlwerksverband  erhöht  die

reise  für  Nachtragsbestellungen  und  besondere  Geschäfte  um  7½  M.  pro
Tonne.  Die  französische  Regierung  bringt  in  England  2  Mill.  Schatzwechsel
  unter.  Verlängerung  des  Moratoriums  in  Deutsch-Belgien.

19.  September.  England  übernimmt  den  Oberbefehl  über  die  griechische
  Flotte.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Besserung  um
118  667  000  (i.  V.  88  579  000)  M.  Beim  Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikat
  ergibt  sich  für  August  ein  starker  Rückgang  der  Förder=  und  Absatzziffern;
  die  Richtpreise  für  Hochofenkoks  und  Kokskohle  bleiben  für  das
vierte  Quartal  unverändert.  Tägliches  Geld  3  pCt.,  Privatdiskont  5½  bis
53¾  pCt.  «

21.  September.  Auf  die  Kriegsanleihe  werden  4  460  728  900  M.
gezeichnet,  und  zwar  3  121  001  300  M.  in  Reichsanleihe  und  1  339  727  600
Mark  in  Reichsschatzanweisungen.  Verlängerung  des  ägyptischen  Moratoriums.
  Die  Geisweider  Eisenwerke  beantragen  6  (i.  V.  13)  pCt.  Dividende
  auf  die  Vorzugsaktien;  die  Stammaktien  gehen  leer  aus  (i.  V.  11
pCt.).  Konkursverhängung  über  das  inländische  Vermögen  der  Guardian
Assurance  Co.,  deren  Zentrale  in  London  ist.

22.  September.  Gründung  der  Deutschen  Seeversicherungsgesellschaft
  von  1914  mit  28  Mill.  M.  Kapital.  Die  Deutsche  Volksversicherung
Akt.-Ges.  ruft  eine  Kriegsversicherung  für  das  ganze  deutsche  Reichsgebiet
ins  Leben.  Endgültiges  Scheitern  der  französischen  Anleiheversuche  in
Amerika.  Beschluß  der  Mitglieder  des  Walzdrahtverbandes,  den  Verband
zum  31.  Oktober  aufzulösen.

23.  September.  Die  Sächsische  Gußstahlfabrik  Döhlen  erklärt  14
(i.  V.  20)  pCt.  Dividende.

24.  September.  Ankündigung  der  teilweisen  Aufhebung  des  englischen
  Moratoriums  zum  4.  Oktober.  Neue  Sanierung  bei  der  Akt.-Ges.
Heinrich  Lapp.

25.  September.  Der  Crédit  Lyonnais  stellt  die  Auszahlung  der
Teildividende  für  das  erste  Halbjahr  auf  die  Aktien  ein.  Die  Schweizerische
Nationalbank  ermäßigt  den  Lombardzins  von  6  auf  5½  pCt.  Preiserhöhungen
  am  oberschlesischen  Eisenmarkt.

26.  September.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verbesserung
um  109  156.000  (i.  V.  24  663  000)  M.  Verlängerung  des  italienischen  Moratoriums
  bis  Ende  November.  Tägliches  Geld  3½  bis  3  pCt.;  Privatdiskont
  5½  bis  5  34  pCt.

28.  September.  Die  Harpener  Bergbau-Gesellschaft  weist  einen
Reingewinn  von  9  500  234  (i.  V.  10  340  987)  M.  auf.  Das  Meggener
Walzwerk  erklärt  5  (i.  V.  12)  pCt.  Dividende  und  die  Bank
für  elektrische  Unternehmungen  in  Zürich  wieder  10  pCt.  Dividende.  Beschlagnahme
  des  Vermögens  der  Canada-Bahn  in  Oesterreich.

29.  September.  Der  Bundesrat  hebt  die  Goldklausel  für  vor  dem
31.  Juli  getroffene  Vereinbarungen  auf.  Verlängerung  des  Moratoriums
in  Oesterreich.  Die  Laurahütte  erklärt  4  (i.  V.  8)  pCt.  Dividende.  Bei  der
        <pb n="365" />
                                                          —  890  —

Bleistiftfabrik  vorm.  Johann  Faber  kommen  5  (i.  V.  15)  pCt.  Dividende
und  bei  den  Vereinigten  Pinselfabriken  6  (15)  pCt.  zur  Ausschüttung.

30.  September.  Preiserhöhung  für  Gießereieisen.  Die  Akt.-Ges.
Lauchhammer  erklärt  6  (i.  V.  10)  pCt.  Dividende,  die  Annaberger  Stein-

gutfabrik  4  (i.  V.  7)  pCt.

                                             Oktober.

1.  Oktober.  Deutsches  Zahlungsverbot  gegen  England.  Neuerliche
Verlängerung  des  englischen  Moratoriums  bis  zum  4.  November.  Hinausschiebung
  des  ungarischen  Moratoriums  um  2  Monate  unter  gewissen  Einschränkungen.
  Es  werden  nicht  eingelöst  die  Oktoberkupons  der  5proz.
Sterlinganleihe  der  Provinz  Buenos  Aires,  der  5proz.  inneren  argentinischen
  Anleihe  von  1909,  der  4½proz.  äußeren  argentinischen  Anleihe  von
1888  und  der  4proz.  äußeren  argentinischen  Anleihe  von  1897  sowie  der  brasilianischen
  Anleihe  von  1913.  Die  Akt.-Ges.  Rockstroh  u.  Schneider  in
Heidenau  zieht  ihren  auf  11  pCt.  lautenden  Dividendenvorschlag  (i.  V.  11
pCt.)  zurück  und  schlägt  die  Venwendung  des  Reingewinns  zu  Abschreibungen
  und  Rücklagen  vor.

2.  Oktober.  Die  Sächsische  Bank  ermäßigte  den  Diskontsatz  von  6½
auf  6  pCt.  Die  europäischen  Kupferworräte  weisen  für  Ende  September  mit
34  594  To.  einen  Rückgang  gegen  den  Vormonat  um  212  To.  auf.

3.  Oktober.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verschlechterung  um
293  728  000  (i.  V.  704  536  000)  M.  Die  Zuckerfabrik  Kruschwitz  bringt  keine
Dividende  zur  Verteilung  (i.  V.  16  pCt.).  Tägliches  Geld  5  pCt.,  Privatdiskont
  534  pCt.

5.  Oktober.  Erleichterung  des  deutschen  Ausfuhrverbots  für  Zucker.
Aushebung  des  Wechselmoratoriums  in  Luxemburg.

6.  Oktober.  Gründung  einer  Kriegschemikalien-Akt.-Ges.  mit  6  Mill.
Büart  Kaopital.  Die  Akt.-Ges.  Vogt  K&amp;amp;#  Wolf  erklärt  16  (i.  V.  13)  pCt.  Divi
  .

7.  Oktober.  Die  holländische  Regierung  begibt  weitere  10  Mill.
Gulden  Schatzscheine.  Die  Leipziger  Pianofortefabrik  Gebr.  Zimmermann
schlägt  8  (i.  V.  16)  pCt.  Dividende  vor.  Die  Trachenberger  Zuckersiederei
weist  einen  Verlust  von  218  335  M.  aus  (i.  V.  8  pCt.  Dividende).

8.  Oktober.  Auf  die  Kriegsanleihe  sind  bis  zum  5.  d.  M.  2420  Mill.
Mark  eingezahlt  worden,  d.  s.  14,26  pCt.  über  den  fälligen  Betrag  hinaus;
die  Gesamtzeichnung  der  Anleihe  von  4  460  701  400  M.  besteht  aus  1  177  235
Einzelzeichnungen.  Die  Deutsch-Luxemburgische  Bergwerks=  u.  Hütten-Akt.=Ges.
  verteilt  aus  8,9  (i.  V.  13,3)  Mill.  M.  Reingewinn  keine  (i.  V.  10  pCt.)
Dividende  und  stellt  eine  Kriegsreserve  von  6,5  Mill.  M.

29  2Otob  e  .  Das  Eisen=  und  Stahlwerk  Hoesch  erklärt  15  (i.  V.
pCt.

10.  Oktober.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verbesserung  um
972  795  000  (i.  V.  224  517  000)  M.  Schweden  nimmt  eine  S5proz.  Inlandsanleihe
  von  30  Mill.  Kr.  auf.  Vertagung  der  Kapitalserhöhung  der  Kanadischen
  Pacific-Eisenbahn.  Tägliches  Geld  5  péCt.  und  darüber,  Privatdiskont
  5½  bis  53%  pCt.

12.  Oktober.  Verlängerung  des  Moratoriums  für  Galizien  und  die
Bukowina.  Die  Sarotti-Akt.-Ges.  erklärt  4  (i.  V.  6)  pCt.  und  die  Humboldtmühle
  6  (i.  V.  O)  pCt.  Dividende,  die  Carlshütte  in  Altwasser  bleibt  dividendenlos
  (i.  V.  5½  pCt.).
        <pb n="366" />
                                                        —  891  —

13.  Oktober.  Dänemark  nimmt  eine  4proz.  Staatsanleihe  von  60
Mill.  Kr.  auf.  Milderung  des  Moratoriums  in  Oesterreich.  Die  Akt.-Ges.
E.  F.  Ohle's  Erben  beantragt  zur  Beseitigung  der  Unterbilanz  die  Aufnahme
  eines  4½proz.,  aus  dem  Reingewinn  zu  verginsenden  und  zu  amortifierenden
  Darlehens  von  1  Mill.  M.  oder  durch  Ausgabe  von  Vorzugsaktien,
  Zuzahlung  usw.  unter  gleichzeitiger  Zusammenlegung  des  Aktienkapitals
  im  Verhältnis  von  2:  1.  Die  Harkortschen  Bergwerke  Akt.-Ges.
erklären  10  (i.  V.  13½)  pCt.  Dividende.

14.  Oktober.  Die  Rheinischen  Stahlwerke  weisen  einen  Bruttogewinn
  von  10  014  964  (i.  V.  11  582  146)  M.  aus,  eine  Dividende  wird  noch
nicht  deklariert.  Die  Akt.-Ges.  August  Wegelin  erklärt  4  (i.  V.  14)  pCt.
Dividende.

15.  Oktober.  Der  Walzdrahtverband  setzt  die  Preise  für  Oktober
von  137½  auf  127½  M.  herab.

16.  Oktober.  Das  norwegische  Finanzministerium  hat  bei  der  National
  City  Bank  in  New-Vork  3  Mill.  Doll.  geliehen.  Die  Braunkohlen=  und
Brikett-Industrie  Akt.-Ges.  erklärt  8  (i.  V.  11)  pCt.  Dividende,  die  Akt.
Ges.  Capito  u.  Klein  bleibt  dividendenlos  (i.  V.  10  pCt.).

17.  Oktober.  Preiserhöhung  für  Primasprit  um  6½  auf  69  M.
Das  Westdeutsche  Eisenwerk  in  Kray  erklärt  6  (i.  V.  12)  pCt.  Dividende.
Tägliches  Geld  5  pCt.,  Privatdiskont  5½  bis  5¾  pCt.

19.  Oktober.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Besserung  um
58  625  000  (i.  V.  248  893  000)  M.  Ausgabe  weiterer  15  Mill.  Lstr.  englischer
  Schatzwechsel.  Die  Mannesmannröhrenwerke  erklären  7½  (i.  V.  13 1/2
pCt  Dividende.  Die  Lüneburger  Wachsbleiche  bleibt  dividendenlos  (i.  V 11 pCt.).

20.  Oktober.  Der  Berliner  Börsenvorstand  beschließt,  die  Oktoberliquidation
  bis  Ende  November  zu  verschieben  und  auf  Börsenlombards
sowie  Wertpapiergeschäfte  einen  Einschuß  von  5  pCt,  des  ausmachenden  Betrages
  einzuziehen.  Die  Hohenlohe-Werke  lassen  die  Absicht,  4  (i.  V.  8)
pCt.  Dividende  zu  verteilen,  fallen;  eine  Dividende  wird  nicht  ausgeschüttet.
  Die  Bank  für  Orientalische  Eisenbahnen  schlägt  5  (i.  V.  7)  pCt.  Dividende

  vor.

21.  Oktober.  Der  Stahlwerksverband  setzte  eine  Ausfuhrvergütung,
die  vor  dem  Kriege  15  M.  betragen  hatte,  auf  121/2  M  fest.  Die  Friedrichshütte
  Akt.-Ges.  sieht  von  der  Verteilung  einer  Dividende  ab  (i.  V.  15  pCt.).

22.  Oktober.  Das  Preußische  Abgeordnetenhaus  genehmigt  einstimmig
  die  Aufnahme  eines  Kredits  von  1½  Milliarden  Mark.  Die  Einzahlungen
  auf  die  Kriegsanleihe  haben  am  21.  d.  M.  bereits  den  Betrag  von
3  Milliarden  M.  überschritten.  Der  holländische  Finanzminister  begibt
weitere  50  Mill.  Gld.  Schatzwechsel.  Verlängerung  des  argentinischen
Wechselmoratoriums  bis  zum  Friedensschluß.  Die  Steaua  Romana  erklärt
6  (i.  V.  18)  pCt.  Dividende.

23.  Oktober.  Bundesratsbeschluß  über  Forderungen  im  Auslande,
Ueberwachung  ausländischer  Unternehmungen  und  Verlängerung  der  Protestfrist
  bei  Wechseln  in  Grenzgebieten.  Erhöhung  des  Notenkontingents
der  Ottomanischen  Bank.  Die  Papierfabrik  Reisholz  erklärt  12  (i.  V.  18)
pCt.  Dividende.

24.  Oktober.  Der  „Phönix“,  Akt.-Ges.  für  Bergbau=  und  Hüttenbetrieb
  erklärt  10  (i.  V.  18)  pCt.  Dividende  und  stellt  eine  Kriegsrücklage
        <pb n="367" />
                                                   —  892  —

von  9  Mill.  M.  Argentinien  erläßt  ein  Weizenausfuhrverbot.  Tägliches
Geld  5  pCt.,  Privatdiskont  5  34  pCt.

26.  Oktober.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Besserung  um
35  540  000  (i.  V.  153  640  000)  M.  Wiedereinführung  des  deutschen  Zuckerausfuhrverbotes.
  Verlängerung  des  belgischen  Moratoriums.  Die  Leinenindustrie
  Kramsta  erklärt  8  (i.  V.  3)  pCt.  Dividende.

27.  Oktober.  Gründung  einer  Kreditorganisation  für  den  Mittelstand
  unter  Mitwirkung  des  Hansabundes.  Erhöhung  der  Zinkblechpreise.
Die  Cröllwitzer  Papierfabrik  Akt.-Ges.  setzt  die  ursprünglich  geplante  Dividende
  von  12  auf  6  pCt.  herab.

28.  Oktober.  Die  Stadt  Paris  gibt  350  Mill.  Fr.  Assignaten  aus.
Der  amerikanische  Stahltrust  ermäßigt  die  Dividende  auf  die  Stammaktien
für  das  dritte  Vierteljahr  1914  von  11¼  aus  ½  pCt.

29.  Oktober.  Verfügung  von  Höchstpreisen  für  Nahrungsmittel  und
Bekanntgabe  der  damit  zusammenhängenden  Verordnungen.  Die  Harpener
Bergbau-Ges.  weist  für  das  Quartal  Juli—September  einen  Gewinn  von
1  703  000  (i.  V.  722210000)  M.  aus.  Die  Berliner  Elektricitätswerke  erklären
  auf  die  Stammaktien  wieder  12  pCt.  Dividende.  Die  Maschinenfabrik
Luther  bleibt  dividendenlos  (i.  V.  6  pCt.).

30.  Oktober.  Bis  zum  28.  Oktober  sind  bereits  3470  Mill.  M.  auf
die  Kriegsanleihe  eingezahlt,  d.  s.  700  Mill.  M.  mehr,  als  das  Einzahlungssoll
  beträgt.  Die  Oesterreichisch-ungarische  Bank  setzt  den  Diskont  um  ½
auf  5½  pCt.  herab.  Die  Allgemeine  Elektricittäts-Ges.  erklärt  10  (i.  V.  14)
pCt.  Dividende.  Das  Rheinisch-Westfälische  Kohlensyndikat  setzt  die  Beteiligungsanteile
  in  Kohlen  auf  60  pCt.,  in  Koks  auf  27½  (bisher  25)  pCt.
und  in  Briketts  auf  65  pCt.  (wie  bisher)  fest.

31.  Oktober.  Die  Rheinischen  Stahlwerke  erklären  wieder  10  péCt.
Dividende  und  das  Hasper  Eisen=  und  Stahlwerk  5  (i.  V.  12)  pCt.  Tägliches
  Geld  5  pCt.  und  darüber,  Privatdiskont  5 3/4  pCt.

November.

2.  November.  Reglementierung  der  deutschen  Zuckerindustrie.  Die
Schwartzkopff-Akt.-Ges.  erklärt  wieder  16  pCt.,  die  Zeitzer  Eisengießerei  12
(i.  V.  20)  pCt.  Dividende.  Die  russische  Regierung  begibt  eine  5proz.  Anleihe
  von  300  Mill.  Rbl.  an  inländische  Banken,  weitere  200  Mill.  Rol.
werden  in  Option  gegeben.

3.  November.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verschlechterung
um  57  364  000  (i.  V.  236  850  000)  M.  Das  Königsberger  Lagerhaus  Akt.=Ges.
  bleibt  dividendenlos  (i.  V.  6  pCt.).

4.  November.  Verlängerung  des  russischen  Moratoriums.  Der
Lothringer  Hüttenverein  Aumetz-Friede  erklärt  6  (i.  V.  12)  pCt.  Dividende.
Ankündigung  einer  Sanierung  der  Elberfelder  Papierfabrik  Akt.-Ges.

5.  November.  Preiserhöhungen  für  oberschlesisches  Walzeisen.  Die
Schloßbrauerei  Kiel  erklärt  7  (i.  V.  6)  pCt.  Dividende.

6.  November.  Der  Bundesrat  setzt  Höchstpreise  für  Hafer  fest  und
reglementiert  den  Absatz  von  Erzeugnissen  der  Kartoffeltrocknerei.  Die
Maschinenfabrik  Hartmann  Akt.-Ges.  in  Chemnitz  bleibt  diovidendenlos

i.  V.    8 pCt.).

7.  November.  Die  Hannoversche  Maschinenbau-Akt.-Ges.  vorm.

G.  Egestorff  erklärt  wieder  20  pCt.  Dividende.  Das  norwegische  Auslands-
        <pb n="368" />
                                                         —  893  —

moratorium  wird  nicht  verlängert.  Tägliches  Geld  5½,  Privatdiskont  5 3/4 pCt.
bis     5 7/8 pCt.

9.  November.  Ungarn  begibt  eine  6proz.  Anleihe  in  unbeschränktem
  Betrage,  Oesterreich  5½  proz.  5jährige  Schatzsscheine,  ebenfalls  in  unbeschränktem
  Betrage.  Die  Schultheiß’  Brauerei  erklärt  12  (i.  V.  16)  pCt.
Dividende.  Die  Deutsche  Gasglühlicht-Akt.-Ges.  (Auergesellschaft)  erklärt
wieder  25  pCt.  Dividende  auf  die  Stamm=  und  5  pCt.  auf  die  Vorzugsaktien.

10.  November.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Besserung  von
119  233.000  (i.  V.  132  279  000)  M.  Die  Stahlwerke  Rich.  Lindenberg  erklären
  wieder  12  pCt.  Dividende.  Die  Prager  Eisenindustrie  deklariert  8
(39)  pCt.  Dividende.

11.  November.  Die  vom  Hansabund  begründete  Kriegskreditkasse
für  den  deutschen  Mittelstand  hat  ihre  Tätigkeit  aufgenommen.  Die  Maschinenfabrik
  Kappel  erklärt  4  (i.  V.  10)  pCt.  Dividende.

12.No0vember.  Ungarn  erläßt  ein  Zahlungsverbot  gegen  das  feindliche
  Ausland.  Gründung  der  Kriegsleder-Akt.-Ges.  Die  Akt.-Ges.  Ludwig
Hupfeld  erklärt  5  (i.  V.  12)  pCt.  Dividende.  Auflösung  des  Internationalen
n  ,„Verhandlungen  wegen  Zusammenschlusses  der  deutschen  Zinkütten


13.  November.  Die  Belgische  Nationalbank  ermäßigt  den  Diskont
von  7  auf  4  pCt.  Bankfirmen,  die  aus  dem  Auslande  stammende  Reichsanleihen
  in  Deutschland  unterzubringen  suchen,  kündigt  die  Reichsbank  den
Abbruch  des  Verkehrs  an.

14.  November.  Die  Vogtländische  Maschinenfabrik  vorm.  J.  C.  u.
H.  Dietrich  bleiben  ohne  Dividende  (i.  V.  30  pCt.).  Tägliches  Geld  5  pCt.,
Privatdiskont  5%  pCt.  und  darüber.

16.  November.  Frankreich  gewährt  Griechenland  auf  die  noch  nicht
ausgegebene  zweite  Hälfte  der  500-Mill.-Anleihe  einen  Vorschuß  von  20
Mill.  Fr.  Die  Bismarckhütte  erklärt  wieder  9  pCt.  Dividende.

17.  November.  Bis  zum  14.  November  waren  3673,8  Mill.  M.  auf
die  Kriegsanleihe  eingezahlt.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verschlechterung
  um  39  678  000  (i.  V.  Verbesserung  um  136  796  000)  M.  Der  Breliner
  Börsenvorstand  beschließt  eine  neue  Verschiebung  der  Ultimoprolongation
  auf  Ultimo  Dezember.

19.  November.  Der  zweite  vom  Reich  geforderte  Kriegzkredit  beträgt
  wieder  5  Milliarden  Mark.  Holland  begibt  eine  Mobilisierungsanleihe
  von  275  Mill.  Gulden.  Die  Akt.-Ges.  Friedr.  Krupp  erklärt  12  (i.
V.  14)  pCt.  Dividende  und  schlägt  die  Erhöhung  des  Aktienkapitals  um  70
auf  250  Mill.  M.  vor.

20.  November.  Der  Bundesrat  setzt  den  Höchstbetrag  der  auszugebenden
  Darlehnskassenscheine  auf  3000  Mill.  M.  fest.  Des  weiteren
verbietet  der  Bundesrat  den  Verkauf  englisch  gestempelter  deutscher
Staatspopiere,  die  nach  dem  31.  Juli  d.  J.  in  das  Inland  eingeführt
worden  sind.  Neuer  Sanierungsvorschlag  der  Peniger  Maschinenfabrik.

21.  November.  Das  Kohlensyndikat  ermäßigt  die  Umlage  für
das  vierte  Vierteljahr  für  Briketts  auf  2  (bisher  8)  pCt.  und  setzt  die  Beteiligungsanteile
  für  Dezember  in  Briketts  auf  75  (65)  pCt.  fest.  Tägliches
  Geld  5  pCt.,  Privatdiskont  53/8  pCt.

23.  November.  Deutsches  Jahlungsperbot  gegen  Rußland.  Die
Rombacher  Hüttenwerke  erklären  5  (i.  V.  10)  pCt.  Dividende.
        <pb n="369" />
                                                            —  894  —

24.  November.  Der  Bundesrat  setzt  Höchstpreise  für  Speisekartoffeln
fest.  Der  stellvertretende  Kriegsminister  ordnet  die  Beschlagnahme  aller
Großwiehhäute  an.  Die  Wechselprotestfrist  wird  für  Elsaß-Lothringen
und  Ostpreußen  und  einige  westpreußische  Kreise  um  weitere  30  Tage
verlängert.  England  legt  eine  3½  proz.  Kriegsanleihe  von  350  Mill.
Lstr.  zu  95  pCt.  auf.

25.  November.  Russisches  Zahlungs=  und  Einfuhrverbot  gegen
Deutschland  und  Oesterreich.  Der  Roheisenverband  gewährt  wieder  eine
Ausfuhrvergütung.

26.  November.  Auf  die  Kriegsanleihe  sind  bis  zum  23.  November
3769,9  Mill.  M.,  d.  s.  84½  pCt.  der  gezeichneten  Summe,  eingezahlt.  Der
Reichsbanbausweis  zeigt  eine  Verschlechtenung  um  68  344000  M.  (i.  W.
Verbesserung  um  134  278  000  M).

27.  November.  Festsetzung  von  Höstpreisen  für  Mehl  für
Oesterreich-Ungarn.  Die  Elektrische  Licht=  und  Kraftanlage-Akt.-Ges.
erklärt  5  (i.  V.  7½)  pCt.  Dividende.

28.  November.  Verlängerung  des  allgemeinen  französischen
Moratoriums  bis  zum  1.  Januar  1915.  Das  schwedische  Moratorium
wird,  soweit  es  noch  besteht,  auf  ein  Vierteljahr  verlängert.  Tägliches
Geld  4½  péCt.,  Privatdiskont  5½  pCt.

30.  November.  An  der  New-Yorker  Börse  wird  der  Handel  in
Bonds  wieder  eröffnet.  Die  Akt.-Ges.  Kirchner  u.  Co.  verteilt  16  (i.  V.
30)  pCt.  Dividende  auf  die  Stammaktien.  Die  Hagener  Gußstahlwerke
beantragen  ihre  Verschmelzung  mit  den  Gelsenkirchener  Gußstahl=  und
Eisenwerken  vorm.  Munscheid  u.  Co.

Dezember.

1.  Dezember.  Der  Berliner  Bör#senvorstand  stellt  durch  Umfrage
die  Höhe  der  Fondsbörsenengagements  fest.  Verschärfung  der  Maß—-nahmen
  gegen  französische  Unternehmungen  im  deutschen  Inlande.  Der
Bochumer  Verein  setzt  die  Dividendenerklärung  von  14  auf  10  pCt.  herab.
Die  Patzenhofer-Brauerei  erklärt  11  (i.  V.  15)  pCt.  Dividende,  die  Maschinenfabrik
  Augsburg—Nürnberg  Akt.-Ges.  8  (16)  pCt.  und  die  Stahl
u.  Nölke  Akt.-Ges.  10  (8)  pCt.  Bei  der  Deutschen  Hotel-Akt.-Ges.  ist  mehr
als  die  Hälfte  des  5  Mill.  M.  betragenden  Aktienkapitals  verloren.

2.  Dezember.  Der  Reichstag  genehmigt  den  geforderten  Kriegskredit
  von  weiteren  5  Milliarden  Mark.  Die  Siemens-Schuckertwerke
G.  m.  b.  H.  erklären  7½  pét.  (i.  V.  10)  pCt.  Dividende.

3.  Dezember.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verschlechterung
um  28  287  000  (i.  V.  207  794000)  M.  Siemens  u.  Halske  Akt.-Ges.  erklären
  10  (i.  V.  12)  pCt.  Dividende.  

4.  Dezember.  Das  Defitzit  des  italienischen  Budgets  für  das
laufende  Finanzjahr  wird  auf  2  Milliarden  Lire  geschätzt.  Die  Elektrizitäts-Akt.-Ges.
  vorm.  Schuckert  u.  Co.  erklärt  6½  (i.  V.  8)  pCt.  Dividende.

5.  Dezember.  Schweden  nimmt  in  Amerika  eine  Anleihe  von
5  Mill.  Doll.  auf.  Die  Friedrichsberger  Bank  e.  G.  m.  b.  H.  sucht  ein
Moratorium  nach.  Tägliches  Geld  4  pCt.  Privatdiskonten  5½  PCt.
und  darunter.  1

7.  Dezember.  Die  Handelsvereinigung  Akt.-Ges.  weist  in  der
Liquidationseröffnungsbilanz  einen  Verlust  von  14,9  Mill.  M.  aus  bei
        <pb n="370" />
                                                                —  895  —

15  Nil  M.  Aktienkapital.  Die  Rheinische  Schuckert-Akt.-Ges.  erklärt  5
(i.  V.  8)  pCt.  Dividende.

8.  D  ezember.  Wiedereröffnung  der  Pariser  Börse.

9.  Dezember.  Die  Rositzer  Braunkohlenwerke  bleiben  wieder
dividendenlos.  Indien  erläßt  ein  Ausfuhrverbot  für  Weizen.  Der  Vorstand
  der  Berliner  Börse  verfügt,  daß  vor  dem  31.  Juli  b.  ll.  geschlossene
und  bisher  nicht  erfüllte  Kassageschäfte  am  18.  d.  M.  zu  erfüllen  sind.

10.  Dezember.  Der  Goldbestand  der  Reichsbank  überschreitet  die
zweite  Milliarde  Mark;  der  Gesamtstatus  weist  eine  Eerchlechterung  um
48  407  000  (i.  V.  Verbesserung  um  19  077  000)  M.  a

11.  Dezember.  Der  Bundesrat  setzt  Höchstpreise  für  Metalle  fest.
In  Sehrris  wird  ein  Auzggleichsverfahren  außerhalb  des  Konkurses
eingeführt.

12.  Dezember.  Der  Bundesrat  setzt  Höchstpreise  für  Futterkartoffeln
  und  Erzeugnisse  der  Kartoffeltrocknerei  sowie  der  Kartoffelstärkefabrikation
  im  Großhandel  fest.  Das  Rheinisch-Westfälische  Kohlensyndikat
  erhöht  die  Richtpreise  für  Kohlen  und  Briketts  um  durchschnittlich
2  M.  und  ermäßigt  diejenigen  für  Koks  um  1,50  M.  für  die  Tonne  ab
1.  April  bis  zum  31.  August  1915,  ferner  werden  die  Beteiligungsanteile
für  Januar  in  Koks  auf  30  (bisher  27½)  und  in  Briketts  auf  80  (75)  pCt.
festgesetzt;,  Genehmigung  des  neuen  Vertragsentwurfs.  Tägliches  Geld
3½  pCt.  und  darunter.

14.  Dezember.  Der  Bundesrat  setzt  Höchstpreise  für  schwefelsaures
  Ammoniak  fest.  "

15.  Dezember.  Uebernahme  preußischer  Schatzwechsel  durch  die
Bankwelt.  In  Oesterreich  werden  Höchstpreise  für  Kupfer,  Zinn  und
Messing  angekündigt.  Australien  hebt  den  Weizenzoll  auf.

16.  Dezember.  Verlängerung  des  portugiesischen  Moratoriums.
Verlängerung  der  Linoleumkonvention.  Gründung  des  Vereins  Deutscher
Metallhändler.  1

17.  Dezember.  Verbot  der  Versteigerungen  von  Viehhäuten  und
Fellen  durch  den  Oberbefehlshaber  in  den  Marken.

18.  Dezember.  Neuregulierung  der  Protestfristen  in  Grenzgebieten.
  Wirksamere  Maßnahmen  für  das  Zwangsverfahren  zur  Uebernahme
  von  Gegenständen,  für  die  Hoöchstpreise  festgesetzt  sind.  Der  Berliner
  Börsenvorstand  verlängert  die  Fälligkeit  der  Ende  Dezember  fälligen
Ultimoengagements  auf  Ende  Januar.  Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine
Verschlechterung  um  69  252  000  (i.  V.  Verbesserung  um  38  377  000)  M.

19.  Dezember.  Der  Roheisenverband  stellt  eine  weitere  Belebung
  der  Marktlage  fest.  Der  Pariser  Magistrat  begibt  140  Mill.  Fr.
5½  proz.  städtischer  Gutscheine.  Tägliches  Geld  3½  péCt.  und  darunter;
Privatdiskont  5  pCt.  und  darunter.

21.  Dezember.  Abänderung  der  bisherigen  Bestimmungen  über
die  Getreidehöchstpreise.  Kündigung  des  Kohlensyndikatsvertrags  zu  Ende
1915  durch  drei  Gewerkschaften.  Die  Harpener  Bergbau-Akt.-Ges.  verteilt
8  (i.  V.  11)  pCt.  Dividende.  Weitere  Milderung  des  italienischen
Moratoriums.

22.  Dezember.  Oesterreichische  Höchstpreise  für  Hafer.  Die  Sangerhäuser
  Maschinenfabrik  erklärt  6  (i.  V.  10)  pCt.  Dividende.

23.  Dezember.  Die  Reichsbank  ermäßigt  den  Diskont  um  1  auf
5  pCt.  Festsetzung  von  Höchstpreisen  für  Rohwolle  und  Wollwaren.
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                                                          —896—                                                           Verbot  der  Verwendung  von  Kartoffelmehl  zur  Seifenfabrikation.  Neue
Bestimmungen  über  die  Moratorien  in  Schweden  und  Brasilien.  Die
Rheinische  Metallwarenfabrik  löst  die  rückständigen  Dividendenscheine
1905/06  bis  1908/09  ein.

24.  Dezember.  Der  Zinsfuß  der  Reichsdarlehnskassen  wird
um  1  auf  5½  und  für  Kriegsanleihedarlehen  um  3  auf  51/  pCt.  herabgesetzt.
  Zusammenschluß  der  Häute=  und  Fellhändler.

fl.  Dezember.  Errichtung  der  neuen  Nationalbank  in  Belgien.
Die  Stadt  Paris  begibt  nunmehr  140  Mill.  Fr.  5½proz.  Schatzscheine.
Der  Reichsbankausweis  zeigt  eine  Verschlechterung  um  7  874  000  (i.  V.
119  172  000)  M.

29.  Dezember.  Die  Schloßbrauerei  Schöneberg  setzt  6  (i.  V.  11)
pCt.  Dividende  fest.

30.  Dezember.  Feststellung  von  Höchstpreisen  für  Metallerzeugnisse.
Die  Banque  Ottomane  wird  unter  staatliche  Kontrolle  gestellt.

31.  Dezember.  Gründung  der  Kriegsgetreide-G.  m.  b.  H.  Aufhebung
  der  Goldklausel  in  Ungarn.  Eine  neue  russische  Inlandsanleihe
von  500  Mill.  Rbl.  wird  angekündigt.  Preiserhöhungen  in  der  mitteldeutschen
  Braunkohlenindustrie.  Kurzfristiges  Geld,  5  pCt.  und  darunter.
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                                                       —  897  —


                             Die  Bilanz  des  Krieges.
                      Was  wir  bis  jetzt  erreicht  haben.

Unter  diesem  Titel  schreibt  v.  S.  in  der  „B.  Z.  am  Mittag"“:

Fünf  Monate  sind  verflossen,  seitdem  der  Mobilmachungsbefehl  erlassen
  wurde  und  der  große  Weltkrieg  begann,  in  dem  wir  noch  begriffen
sind  und  dessen  Ende  sich  noch  gar  nicht  übersehen  läßt.  Der  Jahreswechsel
gibt  aber  Veranlassung,  den  bisherigen  Verlauf  zu  überblicken  und  sich
zu  fragen:  was  haben  wir  denn  in  dieser  Zeit  erreicht,  und  wie  steht  die
Kriegslage.  Jeder  wird  wohl  in  diesen  Tagen  die  Bilang  des  Krieges
ziehen,  um  sich  daraus  ein  Bild  über  die  künftige  Entwicklung  zu  machen.

Was  wir  erreicht  haben?  —  Viel,  sehr  viel.  Zunächst  ist  es  gelungen,
den  Krieg  auf  beiden  Fronten  auf  feindliches  Gebiet  zu  tragen  und  seine
Schrecken  dem  eigenen  Lande  zu  ersparen.  Im  Westen  ist  dies  von
Anfang  an  der  Fall  gewesen,  nur  unbedeutende  Teile  der  Reichslande
haben  die  Franzosen  auf  ihrem  Boden  gesehen.  Dies  war  in  der  Gegend
von  Mülhausen,  als  die  Franzosen  Anfang  August  einen  Vorstoß  von
Belfort  her  unternahmen,  der  sie  vorübergehend  in  den  Besitz  von  Mülhausen
  brachte  und  südlich  Metz,  als  eine  starke  feindliche  Armee  am
20.  August  einen  großen  Einfall  nach  Deutsch-Lothringen  unternahm.
Beide  Vorstöße  wurden  aber  unmittelbar  an  der  Grenze  abgewiesen.  Jetzt
find  nur  noch  einige  taktisch  ungünstig  gelegene  Ortschaften  in  den  Vogesen
im  feindlichen  Besitz.  Im  übrigen  stehen  unsere  Heere  in  Westflandern
und  Nordfrankreich  und  haben  bisher  in  ihren  Stellungen  alle  feindlichen
Angriffe  erfolgreich  abgewiesen.

Im  Osten  konnte  zu  Beginn  des  Krieges  der  Einfall  der  Russen  in
Ostpreußen  allerdings  nicht  gehindert  werden,  und  diese  Provinz  hat  schwer
unter  den  Feinden  zu  leiden  gehabt,  aber  bald  davrauf  wurden  die  Russen
in  mehreren  Schlachten  entscheidend  geschlagen,  zum  Teil  vernichtet  und
Ostpreußen  von  den  Feinden  befreit.  Jetzt  wird  die  Grenze  erfolgreich
gegen  alle  Angriffe  stärkerer  feindlicher  Abteilungen  gehalten,  wobei
allerdings  aus  taktischen  Gründen  die  Stellungen  der  Grenzschutztruppen
nicht  überall  unmittelbar  an  der  Grenze  liegen,  sondern  stellenweise  etwas
zurückverlegt  sind,  so  daß  die  Russen  einzelne  Grenzorte  vorübergehend
besetzen  konnten.  Auch  ist  es  ihrer  Kavallerie  gelegentlich  gelungen,  im
Norden  über  die  Grenze  vorzugehen,  sie  ist  aber  nirgends  weit  in  das
Innere  des  Landes  gekommen,  sondern  sehr  bald  wieder  zurückgetrieben.
Unser  Ostheer  steht  aber  im  siegreichen  Kampfe  in  Westpolen,  dicht  vor
den  Toren  Warschaus  und  an  der  Weichsel,  nachdem  es  das  große  russische
Millionenheer  bis  dorthin  zurückgeworfen  hat.

Trotzdem  wir  gezwungen  waren,  den  Krieg  nach  zwei  Fronten  zu
führen,  auf  deren  einen  uns  gleichzeitig  drei  Mächte  gegenübertraten,  die
ihre  Heere  noch  durch  weither  geholte  Kolonialtruppen  verstärkten,  auf
deren  anderer  ein  zahlenmäßig  weit  überlegenes  Millionenheer  zu  bekämpfen
  war,  sind  wir  im  Verlauf  des  Krieges  auf  beiden  Stellen  offensiv
geworden,  haben  die  Feinde  in  ihrem  eigenen  Lande  aufgesucht  und  stehen
mit  unseren  siegreichen  Heeren  auf  feindlichem  Boden.  Das  ist  viel,  sehr
viel.  Großes  haben  unsere  tapferen  Heere  schon  erreicht.  Allerdings
müssen  wir  uns  gleichzeitig  klar  sein,  daß  noch  vieles  zu  tun  ist,  bis  die
Gegner  wirklich  niedergerungen  sind  und  zum  Abschluß  eines  uns  genehmen
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                                                       —  898  —

Friedens  geneigt  sind.  Bis  dahin  wird  es  von  unserer  Seite  noch  großer
Kraftanspannung  bedürfen.  Und  wir  müssen  durchhalten,  durchhalten  bis
zum  Ende,  bis  auch  der  letzte  Feind  zu  Boden  geworfen  ist.

Daß  dies  schließlich  erfolgen  wird  und  daß  alle  Kämpfe  im  Osten  wie
im  Westen  zu  einem  glücklichen  Ende  geführt  werden,  dessen  sind  wir  alle
überzeugt.  Dafür  bürgt  der  bisherige  Verlauf  der  Ereignisse  und  die
Tüchtigkeit  unseres  Heeres.  Wohl  sind  im  Laufe  der  Monate  auch  schon
Rückschläge  eingetreten,  auch  unsere  Heere  sind  zu  rückwärtigen  Bewegungen
veranlaßt  worden,  wir  haben  aber  noch  keine  entscheidende  Niederlage
erlitten,  und  aus  jeder  Lage,  mochte  sie  auch  noch  so  ungünstig  erscheinen,
sind  wir  doch  schließlich  wieder  als  Sieger  hervorgegangen.

Sind  die  Gegner  auch  noch  nicht  völlig  niedergeworfen,  so  ist  doch
ihre  Widerstandskraft  auf  beiden  Fronten  schon  erheblich  verringert.  Man
braucht  nur  die  großen  Verluste  zu  betrachten,  die  sie  erlitten  haben,  die
Zahl  der  Gefangenen  und  der  verlorenen  Geschütze.  Die  letzten  deutschen
Veröffentlichungen  haben  festgestellt,  daß  seit  Mitte  November  in  Polen
allein  136  000  Russen  gefangen  genommen,  über  100  Geschütze  und  300
Maschinengewehre  erbeutet  worden  sind.  Die  Gesamtzahl  unserer  Gefangenen
  hat  die  außerordentliche  Höhe  von  rund  600  000  Mann,  darunter
mehr  als  8000  Offiziere,  erreicht.  Berücksichtigt  man  außerdem  die  Siegesbeute,
  die  unseren  Bundesgenossen  zugefallen  ist,  so  ist  ein  beträchtlicher
Teil  der  feindlichen  Heere  bereits  vernichtet.  Wir  haben  allerdings  auch
große  Verluste  gehabt,  aber  sie  stehen  hinter  denen  der  Gegner  weit  zurück,
so  daß  allmählich  ein  Kräfteausgleich  eintreten  muß,  der  unsere  Lage  immer
besser  und  günstiger  gestaltet.  Gestützt  auf.  das  Bewußtsein  unserer
Stärke  und  die  Tüchtigkeit  unseres  Heeres,  im  Vertrauen  auf  seine
weiteren  Leistungen  können  wir  der  Zukunft  mit  Ruhe  und  Zuversicht
entgegensehen.



 

                                         (Fortsetzung  folgt.)
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        !·*l’vß

#*r



                                Berichtigungen.


S. 422  lies:  Die  „Fleet-in-being“-Taktik.

S. 425  „  „.  Ultimatum  gerichtet  hatte,  konnte  Deutschland
:   449        13.  Zeile  von  unten:  .  .  in  ihrem  werten

:   471       Plänkeleien  an  den  Karpathen.

:  476         „ Zeppeline“  über  Flandern,  Paris  und  Warschau.
:  480         Kundgebung  der  deutschen  Erwerbsstände.

:  554         Die  Ansage  des  Bombardements.

:  593                  zwischen  Gent  und  Brügge.

:  648                  zu  der  Londoner  Seekriegsrechts-Erklärung.
:  756         Die  Landungsabteilung  der



























·
        <pb n="375" />
        <pb n="376" />
                                           Reichsverlag

 

Berlin W. 35  ---------------  Lützom-Straße 80-90

                 Telefon:  Amt  Lützow  1262

Druck  von  Gustav  Ziemsen,  Berlin  SW.  29

  

 

—.
      </div>
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  </text>
</TEI>
