310

Als  vor  einem  Jahre  unsere  herrlichen  Truppen
mit  fliegenden  Fahnen  und  unwiderstehlichem  Heldenmut
  den  Sieg  weit  in  Frankreichs  Grenzen  hineintrugen,
  mußten  wir  es  erleben,  daß  russische  übermacht
  eine  blühende  Provinz  mit  Mord  und  Brand,
mit  Verwüstungen  und  Schandtaten  aller  Art  gegen
friedliche  Bewohner  und  ihr  Eigentum  heimsuchten.

Heute  schirmen  unsere  Truppen  im  Westen  auf
feindlichem  Boden  wie  eine  eiserne  Mauer  fest  und
unerschütterlich  das  Errungene,  während  die  russischen
Millionenheere  von  unserer  Grenze  vertrieben,  vor
uns  und  unseren  treuen  Verbündeten  weit  ins  Innere
Rußlands  zurückweichen  und  eine  Festung  nach  der
anderen  in  unserer  Hand  lassen.

Aber  noch  ist  der  endliche  Sieg  nicht  errungen.
Ein  neuer  Winterfeldzug  steht  bevor,  und  gewaltiger
Mittel  bedarf  es,  um  unsere  Heere  in  Ost  und  West
und  unsere  gegen  eine  gewaltige  Ubermacht  heldenmütig
  kämpfende  Flotte  schlagfertig  zu  erhalten  und
mit  allem  Nötigen  zu  versorgen.

Das  Reich  bietet  zur  Flüssigmachung  der  hierzu
erforderlichen  Mittel  in  den  Schuldverschreibungen
der  dritten  Kriegsanleihe  wiederum  ein  mündelsicheres,
  vorzügliches  Anlagepapier  zum  Ausgabekurse
  von  99,  mit  5  %  verzinslich,  unkündbar  bis

zum  1.  Oktober  1924,  in  Stücken  von  100  .  aufwärts

  für  jedermann  im  Volke,  selbst  dem  kleinsten
Sparer  zugänglich.

Daß  hierbei  die  Mitwirkung  der  öffentlichen
Sparkassen,  welche  wiederum  zu  Zeichnungsstellen
bestellt  sind,  mit  an  erster  Stelle  steht,  beweisen  die
Ergebnisse  der  früheren  Kriegsanleihen.  Befanden
sich  doch  unter  den  insgesamt  2  691.000  Zeichnern
der  zweiten  Kriegsanleihe  2  474  000  Zeichner  mit
Zeichnungsbeträgen  von  nur  100  —5000  4;  die
weitaus  größte  Menge  der  Zeichner  entfiel  also  gerade
  auf  die  breiten  Schichten  der  kleineren  und
kleinen  Sparer,  die  Hauptkundschaft  der  öffentlichen
Sparkassen.  Fast  genau  ein  Drittel  der  zweiten
Kriegsanleihe  mit  3016  Millionen  Mark  ist  in  diesen
kleinen  Beträgen  gezeichnet  worden!  Auf  die  Heranziehung
  dieser  Zeichner  wird  also  wiederum  das
Hauptaugenmerk  der  Sparkassen  zu  richten  sein.  Die
Bereitstellung  der  Spareinlagen  für  diese  Zeichnungen
  ohne  Rücksicht  auf  die  satzungsmäßigen  Kündigungsfristen
  und  ohne  Beschränkung  auf  einen
Höchstbetrag,  wie  solche  auf  einmütige  Anregung  des
deutschen  Sparkassenverbandes  bei  den  vorigen  Kriegsanleihen
  in  weitestem  Umfange  von  den  Sparkassen
gewährt  worden  ist,  wird  auch  diesmal  für  die  Erreichung
  des  großen  vaterländischen  Zweckes  unerläßlich
  sein.  Daß  die  Sparkassen  die  auf  diesem
Wege  erworbenen  Kriegsanleihestücke  auf  Wunsch
für  ihre  Sparer  in  Verwahrung  und  Verwaltung
nehmen  und  aus  den  Zinsen  demnächst  für  sie  ein
neues  Sparguthaben  ansammeln,  wird  vielen  Sparern
den  Entschluß  der  Zeichnung  erleichtern  und  bietet

 

den  Vorteil,  daß  der  Sparer  dem  Sparen  nicht  entfremdet
  wird.

Die  Tatsache,  daß  allein  die  preußischen  Sparkassen
  bei  der  zweiten  Kriegsanleihe  nicht  weniger
als  1375  Millionen  Mark  Spareinlagen  auf  diese  Weise
für  ihre  Sparer  flüssig  gemacht  und  in  Kriegsanleihe
umgewandelt  haben,  ist  ein  glänzendes  Zeugnis  sowohl
  für  die  Organisatieon  der  Kassen  wie  für  den
vaterländischen  Sinn  ihrer  Leiter,  und  berechtigt  zu
der  zuversichtlichen  Erwartung,  daß  auch  bei  der
jetzt  aufgelegten  Anleihe  alle  Kräfte  zu  einem  womöglich
  noch  besseren  Erfolge  angespannt  werden
und  keine  Kasse  hinter  dem  Ergebnis  der  zweiten
Anleihe  zurückbleiben  wird.

Daneben  werden  Zeichnungen  der  Sparkassen
für  eigene  Rechnung  bei  der  hohen  Verzinsung  und
der  unbeschränkten  Liquidität  dieser  Anlagen  für  die
künftige  Entwicklung  der  Sparkassen  in  hohem  Maße
vorteilhaft  sein.  Der  von  den  Sparkassen  bereits
erworbene  Bestand  an  Kriegsanleihe  aus  den  beiden
ersten  Zeichnungen,  deren  Stücke  ebenso  wie  sonstige
Reichs=  und  Staatspapiere  zu  75  %  bei  den  staatlichen
  Darlehnskassen  lombardierbar  sind,  bietet  den
Sparkassen  die  beste  Unterlage  für  eine  erneute  ausgiebige
  Beteiligung  für  eigene  Rechnung  auch  an
der  dritten  Kriegsanleihe.  Die  geringe  Spannung
des  Lombardzinsfußes  von  /  %  über  dem  Zins
der  Kriegsanleihe  läßt  den  Sparkassen  für  die  Dauer
der  Lombardverpflichtung  immer  noch  eine  4¼¾¼0  ige
Verzinsung  ihrer  angelegten  Werte  und  wird  durch
die  Vorteile  des  Besitzes  einer  langfristigen  hoch  verzinslichen
  und  flüssigen  Anlage  reichlich  aufgewogen.

Deutschland  steht  in  diesem  wirtschaftlichen
Kampfe,  der  die  Waffen  schmiedet  für  die  glänzenden
  Taten  unserer  Brüder  im  Felde  und  aus  dem
Meere,  lediglich  auf  sich  allein,  und  neidisch  sehen
unsere  Feinde,  was  deutsche  Arbeit,  deutscher  Erfindungsgeist,
  deutsche  Organisation  vermag!  Bei
dem  Ausbau  unserer  finanziellen  Rüstung  mit  Hilfe
der  dritten  Kriegsanleihe  fällt  den  öffentlichen  Sparkassen
  wiederum  ein  wichtiger  Teil  der  Mitarbeit
zu.  Ich  vertraue  zuverlässig,  daß  auch  diesmal
alle  Sparkassen  der  Monarchie,  einmütig  in  dem
großen  Ziele  und  unter  Zurückstellung  kleinerer
Interessen,  freudig  dem  an  sie  ergehenden  Rufe  des
Vaterlandes  folgen  werden.

Berlin,  den  25.  August  1915.

Der  Minister  des  Innern.
von  Loebell.

An  sämtliche  öffentlichen  Sparkassen  der  Monaorchie.

des  Königlichen  Regierungspräsüdenten
resp.  der  Königlichen  Regierung.

419)  Des  Königs  Mojestät  haben  mittelst  Allerhöchsten
  Erlasses  vom  14.  d.  Mis.  dem  Bäckergesellen
  Otto  Lewerenz  in  Gülzow  i.  Pom  für
die  Rettung  des  Zimmermonnes  August  Lange