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        <title>Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band.</title>
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            <idno>akten_dreissigjaehriger_krieg_9_1908</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
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        BRIEFE  UND  AKTEN

ZUR  GESCHICHTE  DES

DREISSIGJÄHRIGEN  KRIEGES

IN  DEN  ZEITEN

I:

DES  VORWALTENDEN  EINFLUSSES  DER  WITTELSBACHER,

NEUNTER  BAND.

AUF  VERANLASSUNG  UND  MIT  UNTERSTÜTZUNG  SEINER  MAJESTÄT
DES  KÖNIGS  VON  BAIERN  HERAUSGEGEBEN  DURCH  DIE  HISTORISCHE
KOMMISSION  BEI  DER  KÖNIGLICHEN  AKADEMIE
DER  WISSENSCHAFTEN.

MÜNCHEN.

M.  RIEGER'SCHE  UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG.
(@.  HIMMER  )

1908.
        <pb n="2" />
        VOM

EINFALL  DES  PASSAUER
KRIEGSVOLKS  BIS  ZUM  NÜRN-BERGER
  KURFÜRSTENTAG.

BEARBEITET

VON

ANTON  CHROUST.

AUF  VERANLASSUNG  UND  MIT  UNTERSTÜTZUNG  SEINER  MAJESTÄT
DES  KÖNIGS  VON  BAIERN  HERAUSGEGEBEN  DURCH  DIE  HISTORISCHE
KOMMISSION  BEI  DER  KÖNIGLICHEN  AKADEMIE
DER  WISSENSCHAFTEN.

MÜNCHEN.

M.  RIEGER'SCHE  UNIVERSITÄTS-BUCHHANDLUNG.
(G.  HIMMER.)

1908.
        <pb n="3" />
        Vorwort.

——.

Nach  Ablauf  von  acht  Jahren  kann  ein  neuer  Band  der
„Briefe  und  Akten  zur  Geschichte  des  dreissigjährigen  Krieges“
der  Oeffentlichkeit  übergeben  werden,  —  in  der  von  Moriz  Ritter
und  Felix  Stieve  begründeten  Reihe  der  neunte,  der  die  Akten
zur  Vorgeschichte  des  grossen  Krieges  vom  Einfall  des  passauer
Kriegsvolks  in  Oesterreich  seit  dem  1.  Januar  1611  bis  zum
Beginn  der  Verhandlungen  des  nürnberger  Kurfürstentags  am
9.  Oktober  des  gleichen  Jahres  enthält.  So  bleibt  zwischen
diesem  und  dem  zuletzt  erschienenen  sechsten  Band  vorläufig
noch  eine  Lücke  offen;  sie  wird  sich  hoffentlich  in  kurzer
Jeit  durch  die  Veröffentlichung  der  von  Felix  Stieve  hinterlassenen
  Sammlungen  für  den  siebenten  und  achten  Band
schliessen,  deren  Herausgabe  Herr  Dr.  Karl  Mayr-Deisinger
übernommen  hat.  Die  historische  Kommission  hat  aber  nicht
dafür  gehalten,  dass  mit  der  Veröffentlichung  der  von  mir  fertig
gestellten  drei  Bände  der  „Briefe  und  Akten“  für  die  Jahre
1611—1613  bis  zum  Erscheinen  der  zeitlich  vorausgehenden
Bände  mit  den  Akten  von  1609  und  1610  gewartet  werden  solle,
sondern  hat  in  der  Plenarversammlung  des  Jahres  1901  mich
beauftragt,  mit  dem  Druck  des  von  mir  übernommenen  Teiles
der  „Briefe  und  Akten“  sogleich  zu  beginnen.  So  kommt  es,
dass  der  vorliegende  Band  Rückverweise  auf  die  unmittelbar
vorausgehenden  Bände  vermissen  lässt.

Der  neunte  und  die  ihm  folgenden  Bände  unterscheiden
sich  übrigens  in  einem  wesentlichen  Punkte  von  den  vorausgehenden:
  die  bisher  durchgeführte  Trennung  der  Akten  der
Union  und  der  Liga  in  zwei  nebeneinander  laufenden  Serien
        <pb n="4" />
        VI

ist  aufgegeben;  für  die  Ordnung  der  mitgeteilten  Stücke  ist
lediglich  die  zeitliche  Folge  entscheidend.  Der  Vorteil  dieser  längst
geplanten  Verschmelzung  beider  Aktenreihen  und  die  dadurch
erzielte  Vereinfachung  leuchtet  ohne  weiteres  ein,  sobald  man
versucht,  etwa  den  Verlauf  des  Reichstags  von  1608  aus  den
teils  im  ersten  und  teils  im  sechsten  Band  der  „Briefe  und
Akten‘  mitgeteilten  Protokollen  und  Berichten  zu  kombinieren.
So  manches  hat  zweimal  gesagt  werden  müssen  und  anderes
ist  bei  dieser  Scheidung  der  Akten  nach  der  damaligen
Gruppierung  der  politischen  Parteien  übergangen  worden;
namentlich  die  neutralen  Reichsstände,  die  keiner  der  Parteien
sich  angeschlossen  hatten,  sind  in  den  Hintergrund  geschoben
worden,  darunter  selbst  das  einflussreich6  Haus  Sachsen,  an
dessen  Hof  sich  die  Vertreter  beider  Richtungen  begegnen,  das
in  fortwährender  Verbindung  mit  dem  Kaiser  steht  und  das
von  allen  Seiten  her  mit  Nachrichten  versorgt  wird.  Das
ziemlich  lückenlos  erhaltene  kursächsische  Archiv,  das  unter
diesen  Umständen  zu  ausserordentlichem  Umfang  anschwellen
konnte,  gewährt  zuweilen  tiefere  Einblicke  in  das  Getriebe
der  Parteien  als  sie  aus  den  Archiven  der  Unions-  oder  Ligastände
  selber  zu  gewinnen  sind.  Es  ist  für  den  vorliegenden
Band  vielfach  herangezogen  worden.  —  Ebenso  ist  hier  das
Archiv  eines  andern  „Neutralisten“,  des  Deutschmeisters  Erzherzog
  Maximilian,  ausgibig  und  für  weitere  Kreise  überhaupt
zum  ersten  mal  ausgenützt.  Als  Vermittler  in  der  schwierigen
Successionsfrage,  in  Besitz  des  Vertrauens  der  evangelischen
Stände  rückt  der  Erzherzog  zuweilen  geradezu  in  den  Mittelpunkt
  der  politischen  Verhandlungen.  —  Auch  die  Politik
des  kaiserlichen  Hofes  kann  nach  der  Vereinigung  beider
Aktenreihen  in  den  „Briefen  und  Akten“  nachdrücklicher  als
zuvor  zur  Darstellung  gebracht  werden,  ja  die  auf  die  Politik
Rudolfs  1I.  bezüglichen  Akten  stehen  von  nun  ab  der  Zahl
nach  an  erster  Stelle,  wie  dies  dem  ungemein  lebhaften  Interesse
entspricht,  das  alle  Stände  für  die  Vorgänge  im  Mittelpunkt
des  Reiches  an  den  Tag  legen.  Noch  ist  die  kaiserliche  Macht
keine  Chimäre,  noch  kann  sie  empfindlich  hemmen  oder  nachdrücklich
  fördern;  Unierte  und  Ligisten  sind  gleichmässig
gewöhnt,  nach  Prag  hinzuhorchen,  und  bemühen  sich,  Einfluss  auf
das  dortige  Regiment  und  dessen  Rechtssprechung  zu  gewinnen,
        <pb n="5" />
        vn

vor  allem  aber  den  Ausgang  des  Bruderzwistes  ihren  Interessen
dienstbar  zu  machen.  Darun  wird  es  einer  besonderen  Begründung
  wol  nicht  bedürfen,  dass  in  der  ersten  Hälfte  des
vorliegenden  Bandes  der  österreichische  Hausstreit  so  stark
in  den  Vordergrund  tritt.  Er  ist  in  dieser  seiner  letzten  Phase
ein  Ereignis  von  folgenschwerer  Bedeutung  für  die  Reichsgeschichte;
  die  andern  politischen  Handlungen,  die  Unionsund
  Ligatagungen,  müssen  dahinter  zurückweichen.  —  In  den  Veröffentlichungen
  Ritters  und  Stieves  bildeten  die  beiden  Bündnisse
im  Reich,  ihre  Entstehungsgeschichte,  Entwicklung  und  ihre
Wirkungen  gewissermassen  das  Rückgrat  der  Sammlung:
in  diesem  und  in  den  folgenden  Bänden  wird  die  kaiserliche
Politik  und  die  Politik  der  Reichsstände  in  Bezug  auf  den
Kaiser  und  das  Kaisertum  im  Mittelpunkt  stehen  müssen.
Dass  dabei  die  Vertreter  der  beiden  Linien  des  Hauses  Wittelsbach
  nicht  in  den  Hintergrund  zu  treten  brauchen,  ist  selbstverständlich;
  sie  bleiben  auch  unter  diesen  Umständen  die
Protagonisten  unter  ihren  Parteigenossen,  diejenigen,  von
denen  die  stärksten  Einwirkungen  auf  den  kaiserlichen  Hof
ausgehen.

Durch  die  Vereinigung  der  Akten  der  Liga  und  der
Union  mit  denen  der  Neutralisten  und  des  kaiserlichen  Hofes
ist  die  Masse  des  vom  Herausgeber  zu  bewältigenden  Materials
ungemein  angewachsen,  so  dass  es  nicht  überraschen  wird,
wenn  ich  für  die  Briefe  und  Akten  der  drei  Jahre  1611—1613
drei  starke  Bände  in  Anspruch  nehme.  Und  dabei  wird  mich
kaun  der  Vorwurf  treffen  können,  das  Archiv  in  die  Druckerei
geschickt  zu  haben:  vielmehr  war  der  schwierigste  Teil  meiner
Aufgabe,  unsern  Reichtum  zu  Rat  zu  halten  und  von  der  Veröffentlichung
  auszuschliessen,  was  irgend  entbehrlich  schien.
Die  rund  3400  Auszüge  und  Abschriften,  die  mir  für  die
ersten  neun  Monate  des  Jahres  1611  zur  Verfügung  standen,  sind
zu  372  Nummern,  freilich  von  manchmal  sehr  bedeutenden  Umfang
und  mit  einem  ansehnlichen  Anmerkungsapparat  versehen,  zusammengepresst
  worden.  Dabei  sind  von  vorneherein  von  der  Veröffentlichung
  alle  jene  Stücke  ausgeschlossen  worden,  die  sich  nur
auf  die  innere  Geschichte  des  österreichischen  Hausstreits  beziehen
und  mit  den  Reichsangelegenheiten  nichts  zu  tun  haben.  Der
Bearbeiter  selbst  konnte  freilich  nicht  darauf  verzichten,  das
        <pb n="6" />
        vIH

gesamte  Aktenmaterial  für  die  letzte  Phase  des  Bruderzwists
im  Hause  Habsburg  zu  studieren  und  grossenteils  auszuziehen.
Diese  Auszüge  sind  in  den  Sammlungen  der  historischen
Kommission  vorläufig  hinterlegt;  vielleicht  wird  es  möglich
sein,  sie  mit  denen,  die  Felix  Stieve  über  den  gleichen  Gegenstand
  für  die  Jahre  1608—1610  gesammelt  hat,  an  einem
anderen  Ort  zu  veröffentlichen.  —  Auch  aus  den  Akten  des
jülicher  Erbstreits,  die  ebenso  eingehend  zu  bearbeiten  waren,
sind  mit  Rücksicht  auf  eine  von  der  Gesellschaft  für  rheinische
Geschichte  vorbereitete  Publikation  nur  solche  Stücke  hier
mitgeteilt  worden,  die  Fragen  der  allgemeinen  Reichspolitik  behandeln;
  desgleichen  erscheinen  aus  den  über  den  kurpfälzischen
Administrationsstreit  erwachsenen  Akten  hier  nur  die  allerwichtigsten;
  der  braunschweiger  Handel,  die  anchener  Sache,  der
Streit  zwischen  Salzburg  und  Baiern  blieben  unberücksichtigt.

Trotz  der  geübten  Zurückhaltung  ist  der  Umfang  des
neunten  Bandes  stark  angeschwollen.  Das  reiche  Material  für
diese  bewegte  Zeit,  in  der  die  Tagungen  und  Besprechungen  rasch
aufeinander  folgen  und  eine  ungewöhnlich  grosse  Anzahl  von
Verhandlungsprotokollen,  Abschieden  und  Beilagen  erzeugen,  hat
dies  ebenso  verursacht  wie  die  grössere  Zahl  der  Archive,  die  ausgebeutet
  worden  sind;  nicht  zuletzt  trägt  auch  die  umständlichere
Wiedergabe  des  Inhalts  der  Akten  daran  Schuld.  —  Vielleicht  sind
zu  dieser  Neuerung  einige  Worte  der  Rechtfertigung  nicht  überflüssig.
  Während  der  Vorbereitung  dieser  Bände  haben  sowol
Felix  Stieve  als  ich  selber  an  unsern  eigenen,  noch  unveröffentlichten
  Aktenauszügen  wie  auch  an  den  gedruckten  Auszügen
anderer  Herausgeber  die  Wahrnehmung  gemacht,  dass  die  allzu
knappe  Fassung  der  Exzerpte,  mag  auch  der  Bearbeiter  den
Inhalt  des  Aktenstückes  für  seine  Person  richtig  erfasst  haben,
leicht  zu  Misverständnissen  führt,  die  sich  unter  Umständen
zu  literarischen  Kontroversen  auswachsen  können  oder  wenigstens
den  gewissenhaften  Benützer,  dem  Zweifel  aufsteigen,  zwingen,
auf  das  Original  im  Archiv  zurückzugehen.  Dieser  Beobachtung
gegenüber  erschien  es  mir  als  das  kleinere  Uebel,  mich  enger
an  den  Wortlaut  der  Vorlage  anzuschliessen,  manchmal  selbst
eine  Wiederholung  nicht  zu  scheuen,  wenn  die  Vorlage  zur
Verdeutlichung  ihrer  Ausführungen  eine  solche  unternimmt,
mit  Artikeln  und  Fürwörtern  nicht  zu  sparen  und  wol  gar
        <pb n="7" />
        IX

eine  Periode  in  mehrere  Sätze  aufzulösen.  Bei  Stellen  von
entscheidender  Bedeutung  oder  von  zweifelhafter  Auslegung
habe  ich  die  wörtliche  Wiedergabe  vorgezogen.  -—  Was  endlich
die  Heranziehung  einer  grösseren  Zahl  von  Archiven  betrifft,
so  leitete  mich  bei  deren  Auswahl  der  Wunsch,  nicht  nur  die
verschiedenen  Parteien  im  Reich  gleichmässig  zu  Wort  kommen
zu  lassen  sondern  auch  innerhalb  dieser  die  Vertreter  der
verschiedenen  Richtungen,  deren  Handeln  mit  einander  und
gegen  einander  Kraft  und  Wirkung  der  Parteiaktionen  bestimmt;
nicht  nur  der  Gegensatz  zwischen  den  auch  unter  sich  nicht
einigen  Städten  und  den  Fürsten  in  der  Union  war  zum
Ausdruck  zu  bringen  sondern  auch  der  Widerstreit  zwischen
den  ungestüm  vorwärts  drängenden  Pfälzern  und  Anhaltern  und
den  bedächtigeren  Hessen,  Württembergern  und  Badenern,  denen
Gunst  und  Ungunst  des  kaiserlichen  Hofes  noch  keineswegs
gleichgiltig  waren.  In  gleicher  Weise  wurde  die  Tatsache  des
stetig  wachsenden  Mistrauens  zwischen  den  rheinischen  Ligaständen
  unter  der  Führung  des  Kurfürsten  von  Mainz  und
den  Oberländern  unter  Herzog  Maximilian  von  Baiern  für
mich  Anlass,  je  ein  Archiv  eines  rheinischen  und  oines
oberländischen  Ligastandes  so  vollständig  als  möglich  auszubeuten.


Wegen  der  benützten  Archive  verweise  ich  auf  das  folgende
Verzeichnis  der  angewendeten  Siglen  zur  Bezeichnung  der
Archive  und  nehme  gleich  an  dieser  Stelle  Anlass,  den  Vorständen
  und  Beamten  aller  der  Archive,  die  zu  dem  vorliegenden
  und  den  folgenden  Bänden  aus  ihren  Beständen
beigesteuert  haben,  für  die  werktätige  Unterstützung  meiner
Arbeiten  und  für  die  Erfüllung  meiner  oft  sehr  weitgehenden
Wünsche  meinen  aufrichtigen  Dank  auszuprechen.

Die  Technik  der  Edition  entspricht  der  des  sechsten  Bandes
und  den  von  Stieve  beim  leipziger  Historikertag  aufgestellten
Regeln  für  die  Herausgabe  von  Aktenstücken.  Diesen  Regeln
gemäss  sind  die  mitgeteilten  Auszüge  in  direkter  Rede  und
in  subjektiver  Fassung  gehalten;  nur  bei  kurzen  Inhaltsangaben
in  den  Anmerkungen  ist  davon  manchmal  Umgang  genommen.
Die  Orthographie  der  im  Wortlaut  wiedergegebenen  Stücke
ist  nach  Stieves  Vorschlägen  reguliert,  dagegen  habe  ich  mir
in  der  Anwendung  von  Abkürzungen  im  Text  grössere
        <pb n="8" />
        X

Beschränkung  auferlegt,  um  die  geringe  Uebersichtlichkeit  des
eng  gedrängten  Drucksatzes  nicht  noch  mehr  einzuschränken.  --Alle
  Datierungen  am  Seitenrande  sind  auf  den  neuen  Stil
bezogen.  Vollkommene  Sicherheit  ist  dabei  freilich  nicht  zu
crreichen  gewesen,  weil  in  einzelnen  Fällen  zweifelhaft  bleibt,
welchen  Stil  der  Briefschreiber  verwendet;  denn  auch  evangelische
  Schreiber  bedienen  sich  an  katholischen  Orten  zuweilen
des  neuen  Stils.  —  Die  nicht  sehr  umfangreiche  Literatur  ist
in  den  Anmerkungen  verwertet;  Polemik  ist  dabei  grundsätzlich
  vermieden  worden.

Ich  habe  noch  festzustellen,  was  fremde  Hände  zu
dem  vorliegenden  Band  beigesteuert  haben.  Die  Depeschen
Baugys  und  die  Briefe  Aerssens  habe  ich  nach  Abschriften
herausgegeben,  die  Felix  Stieve  in  Paris  und  im  Haag  angefertigt
  hat;  von  ihm  rühren  auch  die  Auszüge  aus  Vischeres
Berichten  im  brüsseler  Archiv  her,  ebenso  einzelne  Stücke  aus
den  kurmainzischen  Ligaakten  des  Staatsarchivs  in  Wien;
diese  sind  aber  von  mir  auf  Stieves  eigenen  Wunsch  überarbeitet
  worden.  Die  aus  Simancas  stammenden  Stücke  sind
von  Herrn  Dr.  Karl  Mayr-Deisinger  an  Ort  und  Stelle  ausgewählt
  worden.  Sie  lagen  mir  —  abgesehen  von  einigen
Auszügen  —  in  unkollationierten  Abschriften  eines  spanischen
Kopisten  vor;  für  die  Verbesserung  der  sehr  im  argen
liegenden  spanischen  Texte  bin  ich  dem  Sekretär  der  k.  Staatsbibliothek
  in  München,  Herrn  Dr.  Stollreither,  zu  Dank
verpflichtet.

In  den  Ausführungen  dieses  Vorwortes  hatte  ich  immer
wieder  Felix  Stieves  zu  gedenken,  der  seit  fast  fünf  Jahren  nicht
mehr  in  unserer  Mitte  weilt.  Unter  seiner  anregenden  und
unsichtigen  Leitung  sind  die  Vorarbeiten  und  Sammlungen
für  diesen  und  die  folgenden  Bände  begonnen  worden,  sein
Rat  und  sein  Beistand  hat  die  Arbeit  durch  manche  Wechselfälle
  begleitet,  der  Reichtum  seines  Wissens  und  sein  zäher
westfälischer  Sammelfleiss  hat  sie  in  jeder  Phase  gefördert.
Wie  er  selbst  darauf  aus  gewesen  ist,  die  Sorgsamkeit  der
Forschung  auf  dem  Gebiet  der  älteren  Geschichte  auf  seine
eigenen  Arbeiten  trotz  des  unermesslich  anschwellenden  Quellenmaterials
  zu  übertragen,  so  hat  er  auch  uns  Jüngere  angehalten,
gleiche  Sorgfalt  zu  pflegen  und  den  umständlicheren  Weg
        <pb n="9" />
        x]

nicht  zu  scheuen,  der  zu  einer  die  verschiedenen  Bestrebungen
gleichmässig  erfassenden  Darstellung  der  bewegten  Zeit
führen  und  jedem  der  streitenden  Teile  sein  Recht  geben
soll.  Freilich  ist  dieser  Weg  so  weit,  dass  er  selber  ihn  nicht
hat  zu  Ende  gehen  können:  mitten  unter  den  unvollendeten
Arbeiten  für  die  Vorgeschichte  des  dreissigjährigen  Krieges,  denen
er  dreissig  Jahre  seines  Lebens  gewidmet  hatte,  und  unter  neuen
Entwürfen  ist  er  aus  seiner  Bahn  gerissen  worden,  ein  nicht
zu  ersetzender  Verlust  für  die  Forschung  auf  diesem  Gebiet  der
Geschichte.  Den  Zurückgebliebenen  obliegt  aber,  zu  Stieves
Gedächtnis  sein  Werk  in  seinem  Geiste  fortzuführen.

Würzburg,  am  14.  Mai  1903.

Anton  Chroust.
        <pb n="10" />
        <pb n="11" />
        Abkürzungen.

Ba.  Kreisarchiv  zu  Bamberg.

Bbg.  Anhaltisches  Haus-  und  Staatsarchiv  zu  Zerbst,  bernburger  Abteilung.

Be.  Preussisches  geheimes  Staatsarchiv  in  Berlin.

Brs.  Archives  du  royaume  Belge  zu  Brüssel  (Serretairie  d’ötat  d’Allemagne).

Cob.  Proussisches  Staatsarchiv  in  Coblenz.

De.  Anhaltisches  Haus-  und  Staatsarchiv  zu  Zerbst,  dessauer  Abteilung.

Dres.  Sächsisches  Hauptstaatsarchiv  in  Dresden.

Dü.  Preussisches  Staatsarchiv  in  Düsseldorf.

Eybach.  Gräflich  degenfeld-schönburgisches  Archiv  in  Eybach.

‘Haag.  Koninglijkes  Rijksarchiv  im  Haag.

Ib.  Statthaltereiarchiv  in  Innsbruck.

Ka.  Generallandesarchiv  in  Karlsruhe.

Ma.  Geheimes  Staatsarchiv  in  München,  schwarze  [bairische]  Abteilung.

Mb.  Geheimes  Staatsarchiv  in  München,  blaue  [pfälzische]  Abteilung.

Mc.  Allgemeines  Reichsarchiv  in  München.

Md.  Kreisarchiv  in  München.

Me.  Königliches  Hausarchiv  in  München.

Nbg.  Kreisarchiv  in  Nürnberg.

Pa.  Bibliothöque  nationale  in  Paris.

Sim.  Archivio  general  de  Espana  in  Simancas.

Schl.  Archiv  des  fürstlichen  und  reichsburggräflichen  Hauses  Dohna-Schlobitten
  in  Schlobitten  in  Ostpreussen.

Stg.  Württembergisches  Haus-  und  Staatsarchiv  in  Stuttgart.

U.  Archiv  der  Stadt  Ulm.

Wh.  K.  u.  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchiv  in  Wien.

Wi.  Archiv  des  k.  k.  Ministeriums  des  Innern  in  Wien.

Wk.  Archiv  der  k.  k.  Hofkammer  in  Wien  (Allgemeines  k.  k.  Finanzarchirv).

Wmz.  Kurmainzisches  Erzkanslerarchiv  im  k.  u.  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatearchiv
  in  Wien.

Wo.  Braunschweigisches  Staatsarchiv  in  Wolfenbüttel.

Wöa.  Oesterreichische  Akten  im  k.  u.  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchiv  in  Wien
        <pb n="12" />
        <pb n="13" />
        SEBNRAEN  NAS:

w
m

inhaltsverzeichnis

Zuniga  an  König  Philipp  III.  .  .  .  .  .  .  1611  Januar
Bamee  an  Kaiser  Rudolf  II.  .  .  .  .  ...  .  „
Zuniga  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern-  .  .  .  .  „
Bescheid  von  Kurmainz  auf  Donnersberga  Werbung  .  »
Der  Reichshofratspräsident  Hohenzollern  an  Kursachsen  »
Kurmainz  an  Kurtrier,  desgl.  an  Kurköln  .  .  .  „
Instruktion  des  Hauses  Sachsen  für  Brandenstein,
Gerstenberg  und  Pfretzschner  .  .  .  .  „
Althans  Vertrag  mit  dem  Erzbischof  von  Salzburg  .  »
Kursachsen  an  König  Matthias  .  .  .  .  .....  »

Baugy  an  Puysieulx  .  -  .  .  2  2  2  2  20a  »
Erzherzog  Leopold  an  Kurmainz  .  ..  »

Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Erzherzog  Leopold  »
Aerssen  an  Kurbrandenburg  .  .  0  »
Berieht  Grienbergers  an  Erzherzog  Maximilisa  en  „»
Bericht  der  Nürnberger  über  die  nördlinger  Paeprechung  „
Nürnberg  an  Kurbrandenburg  .  .  „
Peter  Fuchs  an  das  Gesamthaus  Sachsen“  en  »

Zuniga  an  König  Philipp  III.  .  .  .  .  2.2...  „
Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Kurmainz  .  .  .  „„
Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  P.  Haller.  .  .  .  „
Karl  Freiherr  von  Wolkenstein  an  Erzherzog  Maximilian  „
Das  Gesamthaur  Sachsen  an  den  Herzog  von  Braunschweig

  .  .  „
Ubezkos  Werbung  beim  Horzog  Maximilian  von  Baiern  „  [vor  18)
Brömser  an  Kurmainz  .  .  .  »  .
Bescheid  des  Erzbischofs  von  Salzburg  an  Grünthal  „
Der  Herzog  von  Württemberg  an  König  Matthias  .  „.
Instruktion  Kursachsens  für  Goldstein  .  .  .  »
Fürst  Christian  von  Anhalt  an  Lynar.  .  .  .  „

Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Kurmainz  .  .  .  .

Abschied  der  ausschreibenden  unierten  Städte  zu
Heilbronn  .  .  .  rn  iR

Kurmainz  an  Herzog  Maximilian.  von  Baiern  on  »
        <pb n="14" />
        XVI  Inhaltsverzeichnis

Kurmainz  an  Zuüiga  .  .  .  .  -  2  0.  ..1611  Januar  28.
Der  Kammerdiener  Ericius  an  Buwinckhausen  .  „  30.
König  Matthias  an  Erzherzog  Maximilian  »„  31.
Zuniga  an  König  Philipp  III.  „  31.
Padavin  an  den  Dogen  von  Venedig  s  31.
Brömser  an  Kurmainz  .  En  „»  31.
Instruktion  des  Herzogs  Wilhelm  von  Baiern  für

einen  Ungenannten  an  Erzherzog  Leopold  .  „  [Ende.]
Pfretzschner  an  Kaspar  von  Schönberg  Februar  1.
Ausschreiben  zum  schweinfurter  Unionstag  .  »  2.
Khlesl  an  den  Herzog  von  raunschweig  .  »  3.
Kurköln  an  Kurmainz  „  3
Papst  Paul  V.  an  König  Matthias  „  4
Instruktion  des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern  für

Viepeckh  .  „  b.
Kurbrandenburg  an  König  Matthias  .  .  „  6.
Der  Rat  zu  Schweinfurt  an  den  Administrator  der  Kurpfalz  ».  T.
Das  Gesamthaus  Sachsen  an  Kaiser  Rudolf  II.  zn  T.
Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Koadjutor  von  Köln  »  8.
Kaiser  Rudolf  II.  an  Sulz  und  Althan  .  0  »„.9.[%
Die  kaiserliche  Hofkammer  an  Kaiser  Rudolf  II.  „  9,
Zuniga  an  König  Philipp  Ill...  „  9.
Aerssen  an  Oldenbarnevelt  .  „  9.
Kurmainz  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern  .  „„  9.
Zuniga  an  König  Philipp  III.  „  10.
Zufiga  an  König  Philipp  II.  „10.
Abschied  des  wormser  Partikulartages  .  „  10.
Ramöe  an  Kaiser  Rudolf  II.  »  12.
Denkschrift  wegen  der  Einnahme  Sachsens  in  Jülich  „  12.
Aerssen  an  Buwinckhausen  ar  »  13.
Das  passauer  Kriegsvolk  an  Kaiser  Rudolf  1.  u  16.
Der  Erzbischof  von  Salzburg  an  Hegenmüller  “  17.
Kurmainzische  Instruktion  zum  frankfurter  Kommunikationstag

  .  „  17.
Zuniga  an  König  Philipp  Im.  oo.  19.
Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Kurmainz  „  19.
Zuniga  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern  ,,  21.
Hegenmüller  an  den  Erzbischof  von  Salzburg  „  22.
Instruktion  des  Kaisers  Rudolf  II.  für  Tengnagel  .  „  23.
Protokoll  des  frankfurter  Kommunikationstages  .  .  Febr.  23.-März  2.
Der  Grosshofmeister  Solms  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  Februar  23.
Kurmainz  an  den  Administrator  der  Kurpfalz  “  24,
Aerssen  an  Bongars  .  .  .  .  „  2b.
König  Matthias  an  Erzherzog  Marimilian  .  „  26.

Der  Prior  Benno  von  St.  Margarethen  an  den  Abt,  von
Braunau  re

26.
        <pb n="15" />
        SEHERENS

EB  uann

$

110.

Inhalteverzeichnis

Kurmainz  an  Dr.  Gerstenberg  .

Dompropst  Bucholz  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern

Die  oberösterreichische  °  Regierung  an  Erzherzog  Maximilian
  on

Kaiser  Rudolf  II.  an  Erzherzog  Leopold  und  das
passauer  Volk  .

Instruktion  Kurbrandenburga  für  Hans  Meinhard  ı  von
Schönburg  .

Aufzeichnungen  des  Fürsten  Christian  von  Anbalt
für  Hans  Meinhard  von  Schönburg  .

Kursachsen  an  König  Matthias  .

Die  böhmischen  Stände  an  Kursachsen  .

Hegenmüller  an  den  Erzbischof  von  Salzburg  .

Baugy  an  Puysieulx  .

Tengnagels  erste  und  zweite  gütliche  Aussage  .

Zuniga  an  König  Philipp  III.  .

Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Kurbrandenburg

Koadjutor  Ferdinand  von  Köln  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern  .  en

Zuniga  an  König  Philipp  II.

Kurpfälzische  Instruktion  zum  schweinfurter  Uuionstag

Ausschreiben  zum  würzburger  Ligatag

König  Matthias  an  Kardinal  Montalto

Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  an  Pfalzgraf  Philipp
Ludwig  von  Neuburg  .  .

Der  Erzbischof  von  Salzburg  au  Erzherzog  Maximilian

Papet  Paul  V.  an  König  Matthias  .  .

Die  Erzherzoge  Maximilian  und  Ferdinand  an  1  Kursachsen


Haas  Meinbard  von  "  Behönburg  an  Fürst  "Christian
von  Anhalt  ..

Erzherzog  Maximilian  an  König  Matthias

Zuniga  an  König  Philipp  III.

Baugy  an  Puysieulx  .

Protokoll  des  schweinfurter  Unionstages  .

Tengnagels  Jritte  gütlicho  Aussage  ..

Instruktion  des  Herzogs  von  Baiern  zum  augsburger
Bundestag  .  ..

König  Philipp  Ill.  an  Zufige

Kursachsen  an  Kurmainz  .  .

Hans  Meinhard  von  Schönburg  an  Kurbrandenburg  .

Tengnagels  vierte  gütliche  Aussage

Gravamina  der  unierten  Reichsstädte  .

Georg  Schröttl  an  König  Matthias  .

Bericht  von  der  Pazifikationshandlung  zu  Jüterbogk

Abschied  der  oberländischen  Bundesstände  zu  Augsburg

„

XV

.1611  Februar  28.

28,

März  1

&amp;gt;

—

or
es
nam  g

onnno

12.

13.-23,

17.-30,

sad
        <pb n="16" />
        xVIuH  Inhaltsverzeichnis

111.

112.

113.
114.
116.
116.
117.
118.
119.
120.
121.
122.
123.
124,
125.

126.

127.
128.

129.
130.

131.

132.
133.
134.

1385.
136.
137.

138.
139.
140.
141.
142.
143.
144.

145.
146.
147.
148.

149.
150.

Instruktion  von  Kurmainz  für  die  Schickungen  an
Kurtrier,  Kurköln  und  Kursachsen

Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Koadjutor
Ferdinand  von  Köla  .

Abschied  des  schweinfurter  Unionstags  .

Dr.  Pfretzschner  an  Kaspar  von  Schönberg  .

Baugy  an  Puysieulx  .  .  .

Zußiga  an  König  Philipp  II.

Zuniga  an  König  Philipp  III.  .

Der  Herzog  von  Braunschweig  an  Kursachsen  .

Gaugler  an  Pfalzgraf  Philipp  wudig  von  x  Neuburg  .

Der  jüterhogker  Vertrag  ..  0

Tengnagels  „revelatio  consiliorum“  .

Zuniga  an  König  Philipp  III.

Baugy  an  Puysieulx  .  ..  .

Das  Gesamthaus  Sachsen  an  Kurmainz  .

Bescheid  des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern  für  die
Gesandten  des  Königs  Matthias

Kanzler  Faust  an  Kurmainz  .

„Defectus  unionis  nostrae*  en

Bescheid  von  Kurmainz  auf  Kanzler  Fausts  Gutachteu

Herzog  Maxinilian  von  Baiern  an  Kurköln  .

Kanzler  Faust  an  Kurmainz  .

Der  Herzog  von  Braunschweig  an  die  Fürsten  i  in  Torgau

Zuniga  an  König  Philipp  III.

König  Matthias  an  Kursachsen  .  .

Instruktion  des  Gesamthauses  Sachsen  für  den.  Landgrafen
  Ludwig  von  Hessen  .

Kurköln  an  Kurmainz  .

Die  böhmischen  Stände  an  Kaiser  Rudolf  IT.

Die  kurpfälzischen  Räto  an  den  Administrator  Jer
Kurpfalz  .  ’

Kurmainzische  Instraktion“  zum  würzburger  Tigatag  .

Der  Bischof  von  Speior  an  Kurmainz  .  .

Der  Herzog  von  Württemberg  an  König  Matthias.

Kaiserliche  Instruktion  für  Christoph  Pflug  .

Zuniga  an  König  Philipp  III.

Tengnagsöls  fünfte  Aussage

Bescheid  von  Kurmainz  für  die  Gesandten  des  Königs
Matthias

König  Moattlias  an  Erzherzog  Maximilian

Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Kurköln  .

Der  Herzog  von  Braunschweig  an  Kursaclısen  .

Werbung  Päugs  bei  Kursachsen

Brönser  an  Kurmainz  .

Unterredung  des  Erzherzogs  Leopold  mit  Peter  Casal

.  1611  März  22.

„22.
„  23.
„24.
„  26.
„  28.
„  28.
„  30.
»  30.
»  31.
„  Ende.
April  2.
ur  2.
„  2.

,  4.

„  [vorb.]
»  b.
»  b.
„  6.
April  [nach  6.]
April  6.
„  L£

„  9.
„  9.

„  10.

”  12.

„  12.
„12.-13.

„  12,
„218.

„  13.-15.

.  April  [etwa  15.]
April  16.
„.   1e.

»„  1.

„  1.
„1.
„  19
19.

April  [vor  20.]
        <pb n="17" />
        151.
152.
153.

154.
156.
156.
157.
158.
159.
160.
161.
162.
163.

164.
165.
166.
167.
168.
169.

170.
171.

172.

173.

174.
175.
176.

177.
178.
179

180.
181.
182,
183.
184.
186.
186.

187.

Inhaltsverzeichnis

Kursachsen  an  König  Matthias  .  .

Der  Herzog  von  Braunschweig  an  Kursachsen

Der  Markgraf  von  Ansbach  an  den  Administrator  Jer
Kurpfalz  ..  rn

Protokoll  des  würzburger  Ligatagen

Brömser  an  Kurmainz  .  .

Kurmainz  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern

Khlesi  an  Erzherzog  Maximilian

Zuniga  an  König  Philipp  III.

Kanzler  Faust  an  Kurmainz  .  .

Gerstenberg  und  Lüttichau  an  Kursachsen

Kurmainz  an  Brömser  .

Ausschreiben  zum  mühlhauser  Kurfürstentag

Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Horzog  von

Württemberg  .

Vorschläge  zu  einem  Vergleich  zwischen  Rudolf  IL.
und  König  Matthias  .

Unterredung  zwischen  den  kureächsischen  Gesandten
und  den  Räten  des  Königs  Matthias

Geheimes  Anbringen  Starhombergs  beim  Landgrafen
Ludwig  von  Hessen  oo...

Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  _  Kurmalns  .

Kurköln  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern  .

Brömser  an  Kurmainz  .  en

Baugy  an  Puysieulx

Kurmainz  an  Kursachsen  .  .

Abschied  des  würzburger  Ligatages  ..

Instruktion  des  Fürsten  Christian  von  Anhalt  für
Johann  von  Dordt  .

Kurbrandenburg  an  Kursachsen  .

Brömsers  erster  Bericht  aus  Prag  .  .  .

Der  Markgraf  von  Ansbach  an  den  Administrator  der
Kurpfalz  .

Kurbrandenburg  an  den  Herzog.  von  \  Braunschweig  .

Kursachsen  an  Kurmainz  .  .  .

Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  an  Pialsg  Pntipp
Ludwig  von  Neuburg  .  .  .

Brömser  an  Kurmainz  .  .  .  .

Löttichau  und  “erstenberg  an  Kursachsen  .

Bericht  aus  Prag  .  ..

Brömsers  zweiter  Bericht  aus  Prag

Eigenhändige  Aufzeichnung  von  Kurmainz

Der  Rat  von  Nürnberg  an  den  Rat  von  Ulm  .

Werbung  Sigmunds  von  Götze  beim  Kaiser  und  Bco-Karmainz

  an  den  Bischof  von  Bamberg  .

XIX

.1611  April  21.

„&amp;gt;  21.

„a.
„  21-30.
„»  2.
„MM.
„3.
BD.

2»  %.
„2.

„38.

April  [etwa  28.)

April  29.
»  [29.]
„  29.
»  29.
„  30.
„  30.
»  30.
»  30.

[April  Ende.]
Mai  1,
»  2-7.
„  3.
»  6.
»  6.
„  6.
Mi  T.
»  7.
[Mai  7.]
Mai  8.14.
„  y.
„  9
»  10.
»  10.
        <pb n="18" />
        229,

luhalteverzeichuis

Lüttichau  und  Gerstenberg  an  Kursachsen

Kursachsen  an  Kurmainz  .  .

Erzherzog  Ferdinand  an  König  Matthias

Kurmainz  an  Kurtrier  .

Kursachsen  an  Lfittichau  und  Gerstenberg

Kurmainz  an  Brömser  .  ..

Brömsers  dritter  Bericht  aus  Prag.  ..

Die  württembergischen  Räte  an  ihren  Herzog  .  .

Der  Administrator  der  Rarptala  an  Fürst  Christian
von  Anhalt  ..  .

Kusmainz  an  den  Bischof  von  Speier  .

Kurmainz  an  Kursachsen  .

Instruktion  des  Administrators  der  Kurpfl  für  Lantern
und  Camerarius  .

Brömsers  vierter  Bericht  aus  Prag.

Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  .

Kurmainz  an  Kursachsen  .

Erzherzog  Ferdinand  an  Kaiser  Rudolf  I.

Zuniga  an  Kurmainz

Herzog  Maximilian  von  Baiern  a  an  Kurköln

Erzherzog  Ferdinand  an  Erzherzug  Maximilian

Zuniga  an  König  Philipp  III.  .

Instruktion  des  Administrators  der  Kurpfalz  für  Colli

Erzherzog  Leopold  an  den  Herzog  von  Braunschweig

Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Khlesl  .

Kurmainzischer  Bescheid  für  die  Kurpfälzischen  Gesandten


Baugy  an  die  Königin-Regentin.  von  Frankreich

Ausschreiben  zum  rotenburger  Unionstag

Kaiser  Rudolf  II.  an  Kursachsen

Instruktion  Kaiser  Rudolfs  II.  zum  mühlhansor  Kurfürstentag
  .  .

Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  .  ..

Reichard  von  Starhemberg  an  König  Matthias  .

Aussage  Jdes  Alchimisten  Christoph  Hauser  .

Kaiser  Rudolf  II.  an  Kurmainz

Kanzler  Faust  an  Kurmainz  .  .

König  Matthias  an  die  Teilnehmer  des  prager  Konvents

Khlesl  an  Kurmainz  ..

Zuniga  an  König  Philipp  II.

Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  oo.

Der  Adninistrator  der  Kurpfalz  an  Kurbrandonburg

Zuniga  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern  .

Der  Herzog  von  Braunschweig  an  Dr.  Gerstenberg

Peter  Fuchs  an  Kursachsen  .

Beratung  des  spanischen  Staatsrats

.  1611  Mai

11.
11-12°

14»
14-15.

15.-21.
18.

19.
19.
21.

21.
22.-.28.

[Zu  Mai  30.)
31.
Ende.

Mai
”„

„
Juni

„

Bene  Rmmur
        <pb n="19" />
        Inhaltsverzeichnis  9.61

230.  Landgraf  Moriz  von  Hessen  an  den  Administrator  der

Kurpfalz  .  .  ..  2220200000.»  1611  Juni  10.
231.  Zunigs  an  König  Philipp  II,  .  „  11.
232.  Beer  und  Silbermann  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von

Neuburg  »  11.
233.  König  Matthias  an  Erzherzog  Maximilian  ..  »  12.
234.  Khlesl  an  Kurmainz  .  .  „  12.
2335.  Instruktion  des  Markgrafen  von  \  Ansbach  zur  ır  Schickung

an  den  Markgrafen  von  Baden  .  »  13.
236.  Pfalz-Neuburgische  Beratung  wegen  Jer  Herstellung

des  Vertrauens  im  Reich.  .  .  »  15.
237.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Kurmainz  »  15.
238.  Zuniga  an  König  Philipp  III.  .  .  .  en  »  18.
239.  Aussagen  Hannewalds  und  Hogenmüllers  »  18.
240.  Die  österreichischen  Erzherzoge  an  die  Kurfürsten  „  18.
241.  Dr.  Rebmanns  Werbung  bei  Kurmainz  .  .  .  .  .  „  18.
242.  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  .  »  18.
243.  Ratschlag  wegen  Jder  nürnbergischen  Instruktion  zum

rotenburger  Unionstasg  .  .  .  ,  20.
244.  Kanzler  Fausts  Gutachten  für  den  Kurfürstontag  .  .  Juni  [zum  20.]
245.  Ulmische  Instruktion  zum  rotenburger  Unionstag  .  .  Juni  22.
246.  Kaiser  Rudolf  II.  an  Kurmainz  .  .  .  .  .  2...  „  23.
247.  Brömser  an  Kurmainz  .  .  »  23.
248.  Günterode  an  Kursachsen  .  »  24.
249.  Colli  an  den  Administrator  der  Kurpfalz.  »  25.
260.  Baugy  an  Puysieulx  ..  „  25.
251.  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.  .  »  25.
252..  Die  oberösterreichische  Regierung  und  Kammer  an

Erzherzog  Maximilian  .  „  25.
263.  Die  Räte  der  Hofkammer  an  Kaiser  Rudolf‘  II.  »  27.
254.  Colli  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  .  .  .  .  „  28.
255.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Papst  PaulV..  .  »  29.
256.  Bericht  über  Günterodes  Werbung  bei  Anhalt  und

Ansbach  .  .  .  .  .  .  Duni  30.Juli5.]
257.  Gutachten  derbairischon  Räte  wegen  einer  Korrespondenz

mit  den  Unkatholischen  .  .  .  .  [Juni.]
258.  Kaiser  Rudolf  II.  an  Landgraf  Moriz-  von  Hessen  .  Juli  1.
259.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich  .  .  „  2.
260.  Bongars  an  Villeroy  oo.  .  »  2.
261.  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  »  2.
262.  Zuniga  an  König  Philipp  III.  „  3.
268.  Colli  an  Fürst  Christian  von  Anbalt  .  oo.  »  8.
264.  König  Philipp  III.  an  Zuüiga  .  .  .  »  d.
265.  Fürst  Christian  von  Anhalt  an  den  Markgrafen.  von

Ansbach  »  6.
266.  Instruktion  des  Könige  Matthias  :  zum  Kurfürstentag  „[zum6.]
        <pb n="20" />
        &amp;gt;.9.981  Inhaltsverzeichnis

267.

268.
269.
270.
271.
272.
273.

274.
275.
276.
277.
278.
279,
280.
281.
282.

Die  kurmainzischen  Abgesandten  zum  Kurfürstentag
an  ihren  Herrn  .  en

Brömser  an  Kurmainz  .  ..

Der  Herzog  von  Braunschweig  a  an  Kursachsen  .

Kaiserliche  Instruktion  für  die  Schiekung  nach  Dresden

Colli  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  .  .

P.  Mander  von  Neuhausen  an  Erzherzog  Maximilian  .

Unterredung  des  Fürsten  Christian  von  Anhalt  mit
Kurmainz  .  .

Der  Administrator  der  Kurpfalz.  an  die  Unierten  .

Bairische  Instruktion  für  Wensin  zum  Kurfürstentag

Fürst  Christian  von  Anhalt  an  Kurmainz

Kursachsen  an  Rudolf  II.

Spanisches  Gutachten  wegen  der  Snccession  im  "Reich

Kursachsen  an  König  Matthias  .

Zuniga  an  König  Philipp  III.

Brömsor  an  Kurmainz  .

Die  kurmainzischen  Abgesandton  zum  "  mühlhauser
Kurfürstentag  an  ihren  Herrn  .

Kursächsische  Denkschrift  wegen  dos  jüterbogker
Vergleichs  .  .  ..

Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  .

Der  Koadjutor  von  Köln  an  Herzog  Maximilian  von
Baiern  .  .

Kursachsen  an  Kurmainz  .

Dr.  Gerstenberg  an  Kurmainz  .

Memorial  für  den  Administrator  der  Kurpfalz  z  zum
rotenburgor  Unionstag  .  ..

Zuniga  an  Kurmainz

Baugy  an  die  Königin-  ‚Regentin  von  \  Frankreich

Dr.  Hämmerlo  an  Brömser

Württembergisches  Gutachten  zum  rotenburgor  Unionstag...
  ..

Kursachsen  an  Kaiser  Rudolf  Ir.

Kurmainz  an  die  Mitkurfürsten  .

Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Nouburg  an  die  Unierten

Kurbrandenburg  an  Kursachson  .  0.

Der  Markgraf  von  Ansbach  an  Kursachsen  .

Der  Herzog  von  Braunschweig  an  Kursachsen

Vischere  an  Erzherzog  Albrecht

Brömser  an  Kurmainz  .  .

Kaiserliches  Dekrot  in  der  Administrationssache  .

Colli  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  .

Gutachten  über  die  Lage  des  Kaisers  und  des  Reiches

Khlesl  an  Erzherzog  Maximilian

Protokoll  dos  rotenburger  Unionstags  .

.  1611  Juli  T.

„  T.
„  8.
„8
„49
„  9.
»  9.
„  9,
»  10.
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FR  13.
‚[zu  13.]

»  14.
„  15.
„»  15.
»  15.

.  Juli[erste  Hälfte].
Juli  16.
„  1
„  18.
„20.
„2.
„  23.
„  23.
„  23.
»  26.
»  27.
2)  28.
„  28.
„  29.
„  29.
„8
»  WU.
„  30.
„  W.
»  3.
[J  uli.]
August  1.
Aug.  2.-Sept.  2.
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        EREB,

Inhaltseverzeichnıs

Kurmainz  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern

Werbung  Hannewalds  und  Hertels  bei  Kursachsen  .

Lynar  an  Kursachsen  .  rn

Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  .  ..

Geizkofler  an  Reichshofratssekretär  Pucher  .

Der  kölnische  Nuntius  an  Kurmainz  .

Kaiser  RudolfII  an  seine  Kommissarien  zum  Unionstag

Der  Vergleich  zwischen  Kaiser  Rudolf  II.  und  König
Matthias  0.

Kaiser  Rudolf  II.  an  jeden  der  Kurlüreton  .  .

Worbung  der  kaiserlichen  Kommissarien  bei  den
Unierten  oo.

Kurmainz  an  den  Koadjutor  v  von  Köln

Kursachsen  an  Kurbrandenburg  »

Bescheid  der  Unierten  auf  die  Werbung  der  kaiserlichen
  Kommissarien  .  .

Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Kurköln  .  .

Khleel  an  Erzherzog  Maximilian  .

Die  bambergischen  Untertanen  evangelischen  Bekenntnisses
  an  die  Unierten

Unterredung  der  Unierten  mit  den  kaiserlichen  Kommissarien
  .  on  0.

Kursachsen  an  Kurmainz  .

Kurmainz  an  Barvitius  .

Zuniga  an  König  Philipp  III.

Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  ..

Beratung  der  Abgesandten  der  geistlichen  Kurfürsten
zu  Mainz  .  ren

Geizkofler  an  Erzherzog  Maximilien

Khlesl  an  Erzherzog  Maximilian  .

Hauptabschied  des  rotenburger  Unionstags  .

Erster  Nebenabschiod  des  rotenburger  Unionstags  .

Zweiter  »

Dritter  ”„  ”  ”  2)

Metternich  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern  .

Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Grosshofmeister
und  die  Räte  in  Hoidelberg  .

Bericht  der  kaiserlichen  Kommissarien  vom  rotenburger
Unionstag  .  .

Fürst  Christian  von  Anhalt  an  n  Erzberzog  Maximilian

Die  unierten  Fürsten  an  den  König  von  England  .

Vierter  Nebenabschied  des  rotenburger  Unionstags

Fünfter  »  »  »

Cardenas  an  König  Philipp  III.

Baugy  un  die  Königin-Rogentin  von  Frankreich.

Kaiser  Rudolf  II.  an  den  Markgrafen  von  Ansbaclı

„  ”„  „

XXI

.  1611  August

2.
        <pb n="22" />
        XXIV  Inhaltsverzeichnis

344.  Hannewald  an  Dr.  Gerstenberg  .  .  .  -  »  .  .  „1611  Sept.  5.
345.  Die  nürnbergischen  Gesandten  zum  Unionstag  an  den

Rat  von  Nürnberg  .  ..  »  6.
346.  Kursachsen  an  Kaiser  Rudolf  II.  en  „  11.
347.  Metternich  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern  .  .  -  „18.
348.  Kaiserliches  Dekret  an  die  neuburgischen  Gesandten  »  16.
349.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich  .  .  „  17.
850.  Eine  Unterredung  neuburgischer  Räte  mit  Geizkofler  „  17.
351.  Cardenas  an  König  Philipp  III.  .  »  19.
352.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Loefonius  .  »  19.
363.  Die  evangelischen  Bürger  der  Stadt  Köln  an  die

Kurfürsten.  .  .  .  .  Sept.  [zum  22.]
354.  Baugy  an  die  Königın-Regentin  v.  von  Frankreich  .  .  September  24.
355.  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.  .  .  »  .»  2...  „»  24.
356.  Metternich  an  Horzog  Maximilian  von  Baiern  .  .  .  „  286.
357.  Instruktion  für  Jie  kaiserlichen  Kommissarien  zum

Kurfürstentagg  .  .  .  „  26.
358.  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Neuburg  an  die  Unionestände

  .  ne  „€.
3569.  Zuniga  an  König  Philipp  IIT.  nn  „  8%.
360.  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  .  .  -  .  2...  „DW.
361.  Kurpfälzisches  Memorial  zum  Kurfürstentag  .  .  -  „DW.
362.  Kurmainzischer  „Diskurs“  zum  Kurfürstentag  .  .  .  [September.)
363.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich  .  .  Oktober  1.
364.  Instruktion  des  Könige  Matthias  zum  nürnberger

Kurfürstentag  0.00.  ”„  1
365.  Der  prager  Nuntius  an  Horzog  Maximilian  von  Baiern  »  3.
366.  [Stralendorf  d.  Ae.]  an  einen  kurmainzischen  Rat  .  „  BJ]
367.  Instruktion  des  Erzherzogs  Leopold  zu  einer  Sebiekung

an  Kursachsen  oo.  .  „  4
368.  König  Ludwig  XIII.  an  die  unierten  Fürsten  en  „  4,
369.  Dr.  Oelhafen  an  den  Rat  von  Nürnberg  .  -  .  .  „  4.
370.  Cardenas  an  König  Philipp  III.  .  „  7
371.  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  „  8
372.  Hertel  an  Kurmainz  .  ’  9
        <pb n="23" />
        1611.

1.  Zuüiga  an  König  Philipp  III.  Januar  1.

Am  23.  überschritten  die  Passauer  die  Donau,  angeblich  um
nach  Tirol  zu  ziehen,  und  die  kaiserlichen  Minister  sagten,  dass  dies
ohne  Befehl  des  Kaisers  geschehen  sei.  Ich  gab  Erzherzog  Leopold
mein  Befremden  darüber  zu  erkennen  „que  un  soldado  tan  honrado
como  el  coronel  Altam  y  maestro  del  campo  general  del  emp.”  huviese
tomado  aquella  resolucion  sin  orden  del  emp.”.  Me  dijo  que  creya
sin  duda  que  avia  tenido  orden!,.“  Ich  machte  ihn  ernstlich  auf  die  da-!

  Das  mitgeteilte  Datum  ist  unrichtig.  Der  Uebergang  der
Passauer  unter  Ramöe  über  die  Donau  bei  Hafnerzell  erfolgte  in  der  Nacht
vom  21.  auf  den  22.  Dezember  1610.  —  Wie  die  kaiserlichen  Abdankungskommissarien
  Lasotto  und  Kleinsträtl  den  bairischen  Kommissarien  an
der  Grenze  mitteilten,  hatte  der  Feldmarschall  Graf  Adolf  von  Althan
vom  Kaiser  vorlängst  den  Bofehl  erhalten,  das  Kriegsvolk  nach  Tirol
su  führen,  wenn  es  sich  nicht  im  Stiftsgebiet  von  Passau  erhalten
lasse.  Erzherzog  Leopold  hatte  also  Zußige  die  Wahrheit  gesagt.
(Vgl.  die  Berichte  dor  bairischen  Kommissarien  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern  vom  22.  und  23.  Dezember  1610:  Ma.,  426/2,  f.  437  und
46;  Orr.).  Einen  besondern  kaiserlichen  Befehl  vom  8.  November  1610,
das  Kriegsvolk  nach  Tirol  abzuführen,  erwähnt  auch  der  bairische  A  gent
in  Prag  Wilhelm  Bodenius  in  seinem  Bericht  an  Herzog  Maximilian
vom  1.  Januar  1611  (Me.,  Entstehnng  des  80  jähr.  Kriegs,  Fasz.  III,
No.  26,f.4;  Or.  eigh.;  vgl.  auch  unten  no.  23).  —  Am  2.  Januar  berichtet  der
Erzbischof  von  Salsburg  dem  Herzog  Maximilian  von  Baiern  von
einer  schon  im  Mai  1610  ergangenen  kaiserlichen  „Plenipotenz“  für  Karl
Ludwig  Grafen  von  Sulz  und  Adolf  Grafen  von  Althan,  die
über  die  in  den  ungarischen  Kriegen  den  Brüdern  des  Kaisers
erteilten  Vollmachten  weit  hinausgehe  (Ma.,  111/11,  —  Or...  —  Dem
Herzog  von  Braunschweig  wurde  ausserdem  noch  in  Wien  mitgeteilt,
Ramöe  habe  nicht  nur  ausgegeben,  vom  Feldmarschall  Althan  zum
Zug  nach  Oesterreich  befehligt  worden  zu  sein;  es  habe  auch  Althan
selber  auf  seine  Brust  geschlagen  und  gesagt,  er  habe  darin  d.  h.  im
Wamms,  des  Kaisers  gemessenen  Befehl,  (Herzog  von  Braunschweig  an
den  Kaiser  aus  Wien  am  19./29.  Januar  1611;  „Gründlicher  Bericht“,
8.  2380  f.).  —  Für  die  Geschichte  des  Einfalles  der  Passauer  in  Oberösterreich
  ist  hauptsächlich  zu  verweisen  auf  Franz  Kurz,  der  Einfall
  des  von  Kaiser  Rudolf  Il.  in  Passau  angeworbenen  Kriegsvolkes
in  Oberösterreich  und  Böhmen.  Aus  Kurz’  Nachlass  mitgeteilt  von
Albia  Czerny.  I.—IIl.  Teil  im  54.  bis  56.  Jahresbericht  des  Museums
Franeisco-Carolinum.  Linz  1895  —1897.  —  Vgl.  auch  Hammer-Purg-Briefe

  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Kriegen,  IX.  Bd.  1
        <pb n="24" />
        2  1611  1.

Januar  1.  raus  entstehenden  Ungelegenheiten  und  auf  die  Gründe  aufmerksam,
„que  avia  de  tener  respeto  al  s.°”  archiduque  Maximiliano!  y  de  que
8.  A.  se  le  perdiese,  mostrase  offendido  del  que  haze  muy  sentido,
desdeque  el  8.  archiduque  Maximiliano  le  dio  yna  gran  fraterna
sobre  sus  inquietudes.  Afirmo  mucho  que  no  se  havia  savido  nada

stall,  Khiesis  Leben,  II.,  Wien  1847,  S.  287  f;  Friedrich  von  Hurter,
Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.  und  seiner  Eltern.  VI.,  Schaffhausen,
1853,  8.363  ff.;  Anton  Gindely,  RudolfII.  und  seine  Zeit.  II,  Prag
1865,  8.  164  ff,  besonders  182  ff.  und  Alfons  Huber,  Geschichte
Oesterreichs,  V.,  Gotha  1896,  8.  27  f.  Die  wichtigsten  Aktenstücke
zur  Geschichte  des  passauer  Kriegsvolks  bis  zu  dessen  Abdankung
sind  gedruckt  in  zwei  offiziösen  gleichzeitigen  Veröffentlichungen  :
1.  „Unser  von  Gottes  Gnaden  Heinrichen  ulii,  .  .  herzogen  von
Braunschweig  Gründlicher  und  warhaftiger  Bericht  wegen  der
zwischen  der  Rom.  keys.  Mayt.  Herrn  Rudolpho  dem  Andern  etc.  und
der  Kön.  Wr.  zu  Ungern,  Herrn  Matthiae  etc.  getroffener  Vergleichung,
auch  Abdankung  des  Passawischen  Kriegsvolks  ete.  Sampt  angehongter
  notwendigen  Ausführung,  Entschuldigung  und  Verantwortung.
Heimstadt  1611  (Am  28.  Februar  1611  schreibt  der  Herzog  von  Braunschweig
  an  einen  der  Räte  des  Königs  Matthias,  er  sei  im  Begriff,  eine
Anzahl  von  Schreiben  in  der  passauer  Sache  zu  seiner  Entschuldigung  im
Druck  zu  veröffentlichen;  Wi.,  I  A  1,  Ka.29%;  Or.  eigh.).  2.  „Gedruckte
Copeyen  und  Abschriften  deren  Absendungen,  Instructionen,
Fropositionen  und  Hauptschriften,  so  die  Röm.  Kais.  eto.  Mayt.  uber  dem
mit  Ihrer  Kün.  Mayt.  eto.  im  Sechshundert  Achten  Jahr  vor  Prag  aufgerichten
  und  hernach  durch  Chur-Erzhersogen  und  Fürsten  Anno  etc.
sochshundertzehen  von  neuen  becreftigten  eto.  verträgen  und  des  darauf
durch  das  kais.  Kriegsvolk  beschehenen  feindlichen  einfals  halber  in
Oesterreich  ob  der  Enss  zu  ihrer  entschuldigung  an  ...  Ihre  kün.  Mayt.
etc.  gelangen  lassen.“  S.  d.  et  a.  [1611].  (Vollständiger  Titel  bei
Hammer-Purgstall,  a.  a.  O.,  1I.;  Urkunden-Sammlung,  no.  296.)
Anlass  zur  Drucklegung  der  „Copeyen  und  Abschriften“,  —  ein  Abdruckder
  Resolution  samt  Beilagen,  die  Matthias  am  27.  Februar  1611
den  Gesandten  des  Kaisers,  dem  Herzog  von  Braunschweig  und
dem  Grafen  von  Zollern,  erteilte,  —  war,  dass  die  kaiserliche  Instruktion
für  Braunschweig  und  Zollern  zur  Schickung  an  Matthias  von  Prag
aus  allenthalben  verbreitet  und  schliesslich  gedruckt  worden  war.  Um
seine  durch  die  Instruktion  angegriffene  Unschuld  darzuthun,  liess  der
König  die  erwähnte  Sammlung  von  Akten  und  Aktenauszügen  drucken.
Am  14.  März  konnte  er  bereits  ein  Exemplar  dem  Erzherzog  Maximilian
schicken,  (Jb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  März  16ll,  no.  21;
Or.);  am  20.  April  überreichte  Gundaker  von  Polheim  dem  Kurfürsten
von  Sachsen  dieselbe  Schrift  (Drs.,  I.  9167,  II.  B.  passauer  Kriegsvolks;
  f.  80).

!  Schon  zu  Anfang  des  November  1610  hatte  Erzherzog  Maximilian
Verdacht  geschöpft  und  seinen  Kämmerer  und  Stallmeister  Ortlieb
von  Pöttingen  nach  Passau  (vgl.  Albert  Jäger,  Beitrag  zur  Geschichte
des  Passauischen  Kriegsvolks,  soweit  es  Tirol  und  die  Oesterreichischen
Vorländer  berührte,  im  Archiv  für  österreichische  Geschichte,  51.  Bd.,
Wien  1883,  8.  249),  seinen  geheimen  Rat  Ducker  nach  Prag  geschickt
(Bericht  eines  kurpfälzischen  Agenten,  wol  Philipp  Ehems,  vom
1./11.  Dezember  1610  aus  Prag;  De.,  Aqa,  Ic,  no.  8;  Kop.),  während
fast  gleichzeitig  Warnungen  der  Nachbarn,  besonders  des  Herzogs  von
Baiern  und  des  Erzbischots  von  Salzburg  (vgl.  Jäger,  a.a.  0.,S.  267f,
wegen  Salzburg  vgl.  Kurz-Czerny,  a.  a.  O.,  1I.,  8.65)  bei  ihm  ein-
        <pb n="25" />
        1.  1611  3

desta  resolucion.  Yo  le  dije  que  creia  lo  que  S.  A.  decia,  mas  que  Januar].
estuviese  cierto  que  todo  el  mundo  creeria  lo  contrario,  siendo  S.  A.
capitan  general  de  aquella  gente.e  EI  tiempo  es  terrible  para  Tirol
y  lo  que  mas  temo  es  que  intenten  algo  en  Austria,  de  donde  no
se  sabe  que  ayan  salido  hasta  agora  y  de  qualquiera  manera  no
pueden  dejar  de  causarse  incombenientes  grandisimos.“  Das  war
alles  vorauszusehen  für  den  Fall,  dass  man  das  Volk  nicht  befriedigen

liefen.  Zu  Anfang  des  Dezember  berief  der  Erzherzog  den  kleinen
Ausschuss  der  tirolischen  Landschaft  zur  Bewilligung  der  Mittel  für
die  Landesverteidigung  (Jäger,  a.  a.  O.,  S.  262)  und  wandte  sich
gleichzeitig  an  Brüder,  Nachbarn  und  Freunde  um  Hilfe,  so  am  1.
Dezember  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen  (Drs.,  1.  73951,  f.  862;  Or.),
früher  schon  an  seinen  Bruder  Erzherzog  Albrecht  in  Brüssel.  —  Dieser
verlangte  am  4.  Dezember  durch  seinen  Sekretär  Julio  Mancicidor
darüber  Zunigas  Gutachten.  Zuüiga  urteilte  am  17.  Dezember:
so  lange  das  Volk  unter  kaiserlicher  Fahne  stehe,  werde  König
Philipp  kaum  gut  aufnehmen,  „de  mezeolarse  en  contiendas  domesticas“  ;
wolle  Albrecht  aber  als  Miteigentümer  Tirols  etwa  von  Burgund  aus  Hilfe
senden,  so  sei  dagegen  nichts  einzuwenden;  (Sim.,  Fasz.  2497,  f.  127;
Kop.).  —  Die  Warnungen  verdichteten  sich  gegen  dasEnde  des  Dezember;
am  26.  Dezember  1610  liess  König  Matthias  seinen  Bruder  Maximilian
bereits  wegen  des  Durchzugs  der  Passauer  erinnern  (Erzherzog
Maximilian  an  König  Matthias  am  1.  Januar  1611;  Jb.,  Regimentssachen
von  1611,  f.  77;  Kptkop.).  Hilferufe  des  Erzberzogs  beim  Erzbischof  von
Salzburg  von  1.  Jan.  (ebenda,  f.  81;  Kptkop.)  und  am  gleichen  Tag  beim
Herzog  von  Baiern  (Ma.,  111/11,  —  ;  Or.).  —  Am  7.  Januar  schreibt  der
Erzherzog  an  den  Kaiser,  er  habe  vernommen,  dass  durch  Anstiftung
einiger  dem  Hause  Oesterreich  feindselig  Gesinnter  dem  passauer
Kriegsvolk  Anleitung  gegeben  worden  sei,  nach  Verheerung  des
Bistums  Passau  seinen  Mutwillen  in  der  Grafschatt  Tirol  fortzusetzen,
weshalb  er  mit  seiner  Landschaft  Massregeln  der  Abwehr  ergriffen
habe;  er  könne  nicht  glauben,  dass  der  Einfall  mit  des  Kaisers
Wissen  und  Willen  oder  gar  auf  dessen  Verordnung  geschehen  sei,
wolle  ihm  aber  nicht  verbergen,  dass  davon  der  Länder  Abfall  und
Verlust  drohe  (Jb.,  Regimentssachen  von  1611,  f.  113;  Kptkop.).  Ungefähr
  gleichzeitig  wird  aber  der  Erzherzog  das  Schreiben  empfangen
haben,  das  am  1.  Januar  der  Kaiser  an  ihn  wie  an  den  Erzherzog
Ferdinand  richtete  und  worin  beiden  angezeigt  wird,  dass  das  kaiserliche
  Kriegsvolk  in  Tirol  seine  Abdankung  erwarten  wolle,  weshalb
die  Erzherzoge  diesem  allen  Vorschub  leisten  mögen.  (Wi.,  I.  A  1.,  Ka.
2391.  —  Kop.;  vgl.  S.  12,  Anm.  2.)  Die  Warnungen  und  Besorgnisse
scheinen  nicht  überflüssig  gewesen  zu  sein.  Ein  Bericht,  den  ein  salzbuargischer
  Beamter  im  Jahre  1612  an  Erzbischof  Marx  Sittich  über  die
Verhandlungen  des  Erzbischofs  Wolf  Dietrich  mit  dem  Kaiser  erstattet,
behauptet:  nach  Andeutung  der  nach  Salzburg  abgeordneten  kaiserlichen
Räte  [Hogenmüller)  sei  die  vornehmste  Ursache  des  geplanten  Zugs  nach
Tirol  gewesen,  dass  der  Kaiser  den  Argwohn  gefasst  habe  als  ob  sich
Erzherzog  Maximilian  der  tirolischen  Lande  mehr  als  dem  Kaiser
lieb  sei  annehmen  wolle,  wovor  dieser  sich  durch  die  Einlagerung  der
Passauer  zu  sichern  gedachte  (Wöa.,  Salzburg,  Band  10,  Fasz.  3.;
Xptkop.)..  Aehnliches  versichert  Erzbischof  Wolf  Dietrich  in  einem
Schreiben  vom  7.  Juli  1611;  (Jb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juli1611,
00.3;  Or...  —  Am  2.  Februar  weiss  Wilhelm  Bodenius  dem  Herzog  von
Baiern  aus  Prag  zu  berichten,  dass  der  Präsident  des  kaisorlichen
geheimen  Rats,  der  Landgraf  von  Leuchtenberg,  ibm  von  einem  Anschlag

1*
        <pb n="26" />
        4  1611  1.  —2.

Januar  1.  werde  können,  Die  Schwierigkeit,  dies  ins  Werk  zu  setzen,  erhöht  sich
noch  dadurch  „que  los  Bohemios  se  retiran  de  sus  promesas,  viendo  el
fuego  lejos.!  EI  archiduque  esta  mal  dispuesto  y  cn  calenturas  de
tres  dias  a  esta  parte  y  han  le  comencado  a  salir  birvelas?.  Con  todo
eso  esta  negociando  continuamente  en  la  cama,  que  es  en  estremo
activo  y  amigo  de  governar  y  cierto  de  muchas  partes  buenas,  si
algunos  consejeros  suyos  no  le  embaracasen  y  embarcasen  en  tantos
devaneos.  Y  esta  platica  de  Tirol  es  terrible,  porque  va  enderegando
a  sacar  del  gobierno  al  s°"-  archidugque  Maximiliano  de  la  edad  y
bondad  que  V.  M.?  save  y  introducirlo  a  el  y  Maximiliano  esta
resuelto  de  defenderse.  Praga  1.  enero  1611.“

Sim.,  Fasz.  2497,  f.  126;  Kop.

Januar  8.  2.  Lorenz  von  Ram6e®  an  Kaiser  Rudolf  II.

„E.  ksl.  M.*  werden  sich  ohne  zweifel  zu  erindern  haben,
welcher  massen  Deroselben  noch  vor  disem  des  damalen  in  dem
hochstifft'  Passau  gelegenen  kriegsvolks  grosse  not  und
mangel  weiterer  leibsunderhaltung  durch  Deroselben  veldmarschalken
herrn  grafen  von  Althan  mit  wvilfeltigen  curirn  und  schreiben
endeckt  und  fürgebracht  worden.  Weiln  dann  einmal  kain
müglikheit  gewesen,  das  kriegsvolk  weiters  in  ermeltem  hochstift  zu
erhalten  und  aber  E.  ksl.  M.*  zu  vilmalen  ernstlichen  anbevolhen;)
ermeltes  kriegsvolk  durchaus  nit  in  das  königreich  Behaimb  zu  führen,
zu  gehorsamer  volziehung  dessen  und  damit  ermeltem  kriegsvolk  durch
mangel  täglicher  unumbgenklicher  leibsnotturft  zu  meutiniren  und

der  „Winkelräte“  erzählt  habe,  Erzherzog  Maximilian  aus  Tirol  zu
entfernen,  den  Markgrafen  von  Burgau  „in  andere  Wege  zu  expediren“
und  dann  für  den  mit  Tirol  ausgestatteten  Erzherzog  Leopold
die  Hand  der  Herzogin  Magdalena  von  Baiern  zu  erbitten  (Mc.,
Entstehung  des  dreissigjährigen  Kriegs,  Fasz.  III.  No.  26,  f.  27;
Or.  eigh),.  Auch  Hannewald  bekennt  in  seinem  Verhör  am
.18.  Juni  1611  (vgl.  unten  no.  239),  dass  Sulz  im  geheimen  Rat
berichtet  habe,  der  Kaiser  wolle  dem  Erzherzog  Leopold  das  „Qubernament“
  der  Vorlande  einräumen.  —  Noch  im  Mai  1614  erzählte  Erzherzog
  Maximilian  seinem  Gast,  dem  jungen  Christian  II.  von  Anhalt,
der  Kaiser  habe  Erzherzog  Leopold  zum  römischen  König  machen
wollen;  „damit  sie  aber  ein  ort  hetten,  dem  röm.  könig  dahin  zu
setzen,  hetten  sie  wollen  den  Maximilian  auss  lande  und  leute  verjagen“.
  (Fürst  Christians  d.  J.  Memorial  von  seiner  Reise  aus  Italien
nach  Deutschland  vom  6.  Mai  1614;  Bbg.,  A.  9.  a;  no.  110,  f.  1371;
Or.  eigb.  —  Vgl.  ausser  no.  8  noch  no.  2  und  14,  8.  31  Anm.  2.

I  Ueber  diese  Versprechungen  der  Böhmen  vgl.  Gindely,  a.  a.
O.,  IL,  173.

?  Windpocoken,  Masern.

®  Jeber  Lorenz  von  Ram&amp;amp;e  vergl.  das  Register  zu  den  Briefen
und  Akten,  VI,  F.  Hurter,  a.a.  O.,  S.  350,  Anm.  1  und  den
Messager  des  sciences  historiques  de  Belgique,  1853,
S.333  ff;  über  einen  ältern  Plan  Ramsdes  und  Althans  zu  Gunsten  des
Kaisers  vgl.  Briefe  und  Akten,  II,  8.  52.
        <pb n="27" />
        2—3.  1611  5

volgents  in  das  königreich  Behaimb  aigens  willens  mit  besorgender  Jaunar  3.
unordnung  zu  ziehen  nit  irgents  ursach  gegeben  werde,  also  haben
herr  veldmarschalk  und  ich  bei  so  beschaffener  extremitet  zu  verhüetung
  erzehlter  ungelegenheiten  und  aufE.  ksl.  M.'  vorige  resolution
und  gegebene  ordinanz  !  nach  Tyrol  das  kriegsvolk  aufgeführt  und  [sind]
durch  diss  erzherzogthumb  Oesterreich  ob  der  Ens  durchgezogen.  Als  wir
nun  an  die  steyrischen  frontiern  kumen,  befinde  ich,  dass  die  fürstl.
D!  erzherzog  Ferdinandus  zu  Oesterreich,  gleichwol  auf  vorgangene
  warnung  der  auch  fürst.  D.  herrn  Maximilians  des
eltern,  erzherzogen  zue  Oesterreich,  durch  dero  landleut  und  underthanen
  alle  päss  und  clausen,  da  ich  notwendig  durchziehen  müessen,
aller  orten  und  zum  sterkisten  verwahren  und  vermachen  lassen;
dannenbero  ich  mit  dem  kriegsvolk  in  disem  erzherzogthumb  Oesterreich
ob  der  Ens  bis  dato  stil  ligen  und  verbleiben  müssen“.  Ich  bitte,  den
Erzherzog  Ferdinand  oder  den  Erzbischof  von  Salzburg  entweder  zur
Freigabe  des  Passes  nach  Tirol  zu  bewegen  oder  auf  Mittel  zur  Beıablung
  und  Abdankung  des  Kriegsvolkes  zu  denken.  E,  ksl.  M
mögen  die  Schuld  an  den  entstehenden  Ungelegenheiten  ‚der  so  lang
hinderstelligen  ordinanz“  zumessen,  welcher  Verzögerung  halber  der
Durehzug  den  Ländern  nicht  rechtzeitig  hat  zu  wissen  gemacht  werden
können.  —  Datum  zu  Kirchdorf  den  3.  januarii  anno  1611.
Dras.,  1.  9166;  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  239;  Kop.

3.  Zuniga  an  [Herzog  Maximilian  von  Baiern].  Januar  8.

„AXVII.  decembris  scripsi  Ser.''  Vestrae  ?,  quod  non  respondebam
prolixo  illo  scripto  nuper  mihi  misso  ®,  donec  in  aliud  idioma  translatum
  esset.  Vidi  et  perlegi  et  quod  mihi  circa  illud  dicendum
ooeurrit  est,  quod  dominus  elector  Moguntinus  literis  suis  ad  me  datis  22.
norembris  significaverat  ipsum  institisse  apud  dominum  electorem  Saxoniae,
[ut]  vellet  unacum  dominis  ducibus  domus  suae  unioni  se  adjungere
et  negotinm  in  bonis  terminis  esse  atque  ex  parte  domus  Saxonicae
desiderar,  ut  conventus  in  hunc  effectum  indiceretur.  Bespondi
eonfooderationem  cum  domo  Saxonica  magni  esse  momenti
et  regem  dominum  meum  singulari  benevolentia  principes  illos
amplecti  (ut  revera  amplectitur  propter  observantiam,  qua  Caesarem
semper  prosecuti  sunt),  sed  mandatum  a  rege  domino  meo  me  non
babere,  quod  latius  pateat  et  sese  extendat  quam  ad  en,  quae  transacta
kuper  fuerunt  pro  parte  mea  nomine  S.  cath.  M.'*  Monachii  5.  sep--

  =  ——

:  Wegen  der  Absichten  des  passauer  Kriegsvolks  auf  Oesterreich
vd.  Kurz-Czerny,  J,  S.  82  und  die  vorige  Nummer.

’  Mc.,  Entstehung  des  30  jähr.  Krieges,  Fasz.  V.  no.  29,  f.  604;  Or.

’  Gemeint  ist  offenbar  der  kurmainzische  Entwurf  einer  neuen
Notel  für  den  katholischen  Bund,  den  der  Herzog  ohne  Wissen  des
Kurfürsten  von  Mainz  Zuniga  mitgeteilt  hatte;  vgl.  darüber  die
fol  enden  Nummern  31  und  32.  Der  Entwurf  liegt  in  Mc.,  a.  a.  O,,
(.  88  in  Abschrift  vor.
        <pb n="28" />
        6  1611  3—4.

Januar  8.  tembris  elapsi.  Sed  quando  literas  domini  electoris  Moguntini  primo  vidi,
ne  quidem  suspicabar,  quod  de  alia  re  ageretur  quam  de  mutua
dofensione  ditionum  principum  reciproce  et  vicissim  sese  juvare  volentium,
  non  tam  prolixe  extendendo  contractum  neque  tam  varıas  clausulas
  adjiciendo;  atque  hoc  quidem  modo  res  minus  incommodi
babitura  videretur  et  spero  fore,  ut  per  consultationem  et  tractationem
inter  Ser.!°”  Vestram  et  dominum  electorem  Moguntinum  super  hac  materia
instituendam  negotium  dirigatur  ad  terminos  convenientes  et  ad  divinae
majestatis  honorem  et  gloriam,  quod  caput  rei  est,  atque  ad  commodum
  utilitatemque  principum  confoederatorum.  Pragae  3.  januarii  1611.“

Wme.,  Religlonsakten,  Bd.  11,  no.  133;  Kop.

Januar  4.4,  Bescheid  des  Kurfürsten  von  Mainz  auf  die  Werbung
des  bairischen  Oberstkanzlers  Joachim  von  Donnersberg.!

Dem  Vorschlag  des  Herzogs  von  Baiern,  einen  Bundestag  fürderlich
  auszuschreiben,  möchte  sich  der  Kurfürst  gerne  bequemen  ;  aber
er  entnimmt  dem  dritten  Punkt  der  Werbung,  dass  der  Herzog  doch  starke
Bedenken  habe,  das  Haus  Sachsen  und  andere  gehorsame  Stände
augsburgischer  Konfession  dabei  in  die  katholische  Union  aufzunehmen.
  Nun  ist  dem  Kurfürsten  von  Sachsen  versprochen  worden,  dass  die
Ausschreibung  eines  Bundestages  ihm  notifiziert  werden  soll;  die  Unterlassung
  wird  Kursachsen  ungleiche  Gedanken  machen.  Die  Bedenken
des  Herzogs  sind  ja  gewiss  erheblich,  besonders  das  erste,  dass  der  Papst
und  Spanien  der  Union  die  Hilfe  versagen  könnten,  wenn  die  Einnahme
  Sachsens  ohne  ihr  Wissen  und  Willen  erfolge;  nicht  minder
das  andere,  dass  sich  man  durch  die  Einnahme  Sachsens  der  jülicher  Sache
teilbaft  mache,  was  gegen  die  Absicht  und  Resolution  der  katholischen
unierten  Stände  wäre;  endlich  dass  es  sehr  bedenklich  wäre,  wenn
Sachsen  und  andere  unkatholische  Stände  auf  den  Bundestagen  die  Unvermögenheit
  der  Katholischen  erführen,  was  diesen,  wenn  jene  wieder
ihren  Sinn  ändern,  sehr  abträglich  werden  könnte?  —

!  Die  Werbung  wurde  am  31.  Dezember  1610  abgelegt  (Donnersbergs
  Instruktion  vom  22.  Dezember  1610  in  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  II.,
no.  17,  f.18;  Kpt.  von  Gewold;  Ma.,  427/8,  bietet  die  Kptkopie  mit  Aenderungen
  des  Herzogs  und  Donnersbergs  ;  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V.no.  29,
t.  730  ist  das  Or.;  im  Auszug  steht  die  Instruktion  bei  P.  Ph.  Wolf,
Geschichte  Maximilians  I.  und  seiner  Zeit;  III.  München  1809,  8.  27  f.)
—  Von  der  Neigung  des  Gesamthauses  Sachsen  in  den  katholischen
Bund  zu  treten,  hatte  der  Kurfürst  von  Mainz  schon  am  24.  November
1610  dem  Herzog  von  Baiern  Mitteilung  gemacht  (Mc.,  Entstehung,
Fasz.  V.,  no.  29,  f.  534;  Or.)  und  am  5.  Dezember  unter  Beischluss
der  Erklärung  des  Herzogs  Johann  Casimir  von  Sachsen-Coburg  (vom
19./29.  November)  Maximilian  aufgefordert,  das  ganze  Haus  Sachsen
oder  wenigstens  den  Kurfürsten  von  Sachsen  von  der  Abhaltung  des
geplanten  Bundestages  zu  verständigen  (Mc.,  a.  a.  O.,  f.  556;  Or.).

?  Dies  Bedenken  war  von  Kurfürst  Ernst  von  Köln  erregt  worden,
obgleich  sich  dieser  anfangs  mit  der  Gewinnng  Sachsens  und  anderer
        <pb n="29" />
        4.  1611  L

Gegenüber  diesen  Bedenken  erwägt  aber  Kurmainz,  wie  schwach  die  Januar  4.
katholische  Union  für  sich  selbst  ist,  dass  sie  deshalb  fast  gezwungen
wurde,  die  Komposition  mit  der  protestantischen  Union  wegen  Abdankung
  des  beiderseitigen  Kriegsvolkes  vorzunehmen,  wobei  fast  alles,
was  oben  und  unten  Landes  kontribuiert  wurde,  obne  einigen  Vorteil
für  die  katholischen  Stände  verloren  gegangen  ist.  Dazu  sind  auch  die  Verhandlungen
  mit  Sachsen  und  anderen  protestantischen  Ständen  besonders
  auf  dem  prager  Konvent  von  den  Katholischen  ernstlich  erwogen
  worden:  Kurmainz  hat  mit  Kurköln  wiederholt  vertraulich
davon  geredet;  dieser  hat  Kurmainz  zur  Fortsetzung  der  Verhandlung
mit  Sachsen  ermuntert;  Kurmainz  hatauch  mit  den  damals  in  Prag  anwesenden
  Erzherzogen  darüber  gesprochen  und  hat,  als  er  deren  Neigung
hiefür  verspürte,  auch  dem  päpstlichen  und  spanischen  Botschafter  davon
Mitteilung  gemacht,  die  den  Plan  nicht  misbilligten;  endlich  lief  inıwischen
  auch  noch  des  Erzherzogs  Albrecht  Erklärung  ein,  wonach
der  König  von  Spanien  nichts  dagegen  habe;  ebenso  hat  auch  schon
Kurtrier  seine  Zustimmung  erklärt.  Dazu  hat  Kurmainz  auf  Einraten
Kurköins  den  Weg  von  Prag  über  Dresden  genommen  und  hat  dort
persönlich  den  Eintritt  des  Hauses  Sachsen  in  die  katholische  Union
betrieben.  Sachsen  hat  darauf  nicht  nur  willfährigen  Bescheid  erteilt
sondern  hat  auch  begehrt,  dass  es,  wenn  ein  Bundestag  angestellt  würde,
davon  zur  Abordnung  der  seinen  verständigt  würde.  Man  hat  auch
Sachsen  zugemutet,  mit  Braunschweig  und  andern  verwandten  Häusern
zu  gleichem  Ende  zu  verhandeln.  Sowohl  die  Erklärung  Sachsens  als
die  Sachsen  gegebene  Versprechung,  es  von  der  Anstellung  eines  Bundestages
  zu  benachrichtigen,  ist  dem  Herzog  vordem  mitgeteilt  worden.

Der  Kurfürst  wüsste  nun  gar  nicht,  wie  er  dazu  käme,  Schimpf
und  Unglimpf  auf  sich  zu  laden,  wenn  die  Beschreibung  Sachsens
unterbliebe;  es  müsste  auch  die  Unterlassung  zuvor  dem  päpstlichen
  und  spanischen  Botschafter  zu  Prag  mitgeteilt  werden,  da  sie
von  der  beabsichtigten  Beschreibung  Sachsens  bereits  unterrichtet
waren  und  sie  als  ein  heilsames  Werk  erkannten.  —

Was  die  befürchtete  Hereinziehung  der  unierten  Katholiken  in
die  jülicher  Sache  betrifft,  so  wird  der  Herzog  sich  erinnern,  dass
die  geistlichen  Kurfürsten  sich  bei  ihrer  ersten  Erklärung  nur  unter
der  Bedingung  zu  einem  Beitrag  an  die  Unionskasse  entschlossen,
dass  von  den  verglichenen  dreissig  Monaten  zehn  dem  Erzherzog  Leopold
zu  besserer  Beschützung  der  Festung  Jülich  erlegt  würden,  da  von
dortber  den  Kurfürsten  als  den  nächsten  Nachbarn  die  grösste  Gefahr
drohe.  Nun  weiss  Kurmainz  gar  nicht,  ob  Kursachsen  für  sein  oder
seines  Hauses  Interesse  eine  besondere  Hilfe  begehren  wird,  es  wäre
denn  dass  der  Kaiser  auf  „die  gegen  die  praetendierenden  Fürsten  zu

——

friedfertiger  evangelischer  Stände  für  die  katholische  Union  einverstanden
  erklärt  hatte.  Vgl.  Kurkölas  Schreiben  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern  vom  19.  Dezember  1610  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V.,
no.  29,  f.  668;  Or.).
        <pb n="30" />
        8  1611  4.

Januar  4.  Düsseldorf  angedrohten  Achtsprozesse  nunmehr  die  Achtserklärung  ergehen
  liesse  und  deren  Exekution  dem  einen  oder  anderen  Stand  auftrüge;
  da  würden  sich  wol  alle  gehorsamen  Stände  ohne  Rücksicht
auf  die  Zugehörigkeit  zur  Union  der  Bestimmungen  der  Exekutionsordnung
  erinnern.  Abgesehen  von  diesem  Fall  bleibt  zweifelhaft,  ob
die  unierten  Stände  schuldig  wären,  sich  der  jülicher  Sache  anzunehmen;
  es  können  sich  aber  die  katholischen  Unierton  bei  künftiger
Einnahme  des  Hauses  Sachsen  oder  anderer  protestantischer  Stände
davor  durch  besondere  Bedingungen  (ausser  wenn  es  zu  einer  offenen
Achtserklärung  käme)  sichern.

Auch  das  dritte  Bedenken  scheint  Kurmainz  nicht  so  wesentlich  :
die  Anschläge  aller  Stände  sind  durch  die  gemeine  Reichsmatrikel
männiglich  bekannt;  die  Armut  und  das  Unvermögen  eines  jeden
kann  bei  einer  solchen  Partikularversammlung  nicht  lauter  als  auf
sämmtlichen  Reichstagen  geklagt  werden,  bei  denen  die  Verhältnisse  jedes
Standes  mehr  als  zuviel  offenbar  werden.  Der  Kurfürst  weiss  auch
nicht,  welche  Arkana  der  katholischen  Stände  dort  traktiert  werden
sollen  oder  können,  wenn  man  bei  der  Unionsnotel  bleibt:  denn  dieselbe
  geht  nur  auf  Befestigung  der  Reichsgesetze,  des  Religions-  und
Profanfriedens,  Erhaltung  kaiserlicher  Hoheit  und  Versicherung  jedes
Standes  vor  Gewalt.

Würde  die  Beschreibung  Kursachsens  zum  Bundestag  unterbleiben,
8o  wird  es  nicht  ohne  dessen  und  der  andern  gehorsamen  protestantischen
Stände  schweres  Mistrauen  gegen  alle  katholischen  Stände  und  ohne
schweren  Unglimpf  für  Kurmainz  selbst  abgehen,  was  der  Herzog
gewiss  weder  der  Union  noch  dem  Kurfürsten  wünschen  wird,

Donnersberg  soll  daher  alle  diese  Gründe  dem  Herzog  ausführlich
berichten  und  ihn  dabei  erinnern,  dass,  da  Kurmainz  sich  ohne  Richtigmachung
  dieses  Punktes  und  ohne  seiner  geistlichen  Mitkurfürsten  Gutachten
  eingeholt  zu  haben,  nicht  zur  Ausschreibung  eines
Bundestages  verstehen  kann,  der  Herzog  sich  dies  alles  sowie  das
kundbare  Unvermögen  der  Union,  die  einer  Verstärkung  durch  andere
Stände  bedarf,  zu  Gemüt  führen  und  alsdann  Kurmainz  seine  Wolmeinung
  zukommen  lassen  möge.  Sobald  man  wegen  der  Beschreibung
  Sachsens  einig  ist,  will  sich  Kurmainz  mit  dem  Herzog  wegen
Ausschreibung  eines  Bundestages  ehestens  vergleichen.

Was  die  Abdankung  des  rietbergschen  Kriegsvolkes!
betrifft,  so  lässt  der  Kurfürst  dem  Abgesandten  wissen,  dass  er  ausser

1  Johann  Graf  zu  Ostfriesland  und  Rietberg  war  auf  dem  münchener
  Bundestag  im  August  1610  zum  General  der  Artillerie  des
katholischen  Bundes  bestellt  und  mit  der  Werbung  eines  Regiments
betraut  worden,  das  die  niederrheinischen  Stände,  besonders  die
Stifter  Paderborn,  Münster  und  Osnabrück  gegen  die  possidierenden
  Fürsten  in  Jülich  zu  schützen  hatte  (Bundesabschied  vom  4.
September  1610).  Auf  Anlass  des  münchner  Akkords  stellte  der  katholische
  Bund  die  weiteren  Zahlungen  für  diese  Truppen  ein  und  Herzog
        <pb n="31" />
        4.  1611  9

den  6000  fi.,  die  der  Bischof  von  Worms  statt  des  ihm  auferlegten  Januar  4.
Geschützes  zahlte,  und  weitern  800  fi.  nicht  das  geringste  von  den
rheinischen  Bundesständen  bekommen  hat;  trotzdem  aber  hat  er,  abgesshen
  von  dem,  was  er  zur  Sicherung  seines  Erzstiftes  und  der  Stadt
Mainz  (woran  den  katholischen  Ständen  doch  eben  so  viel  als  an
anderen  Orten  gelegen  ist),  zur  Bestreitung  der  Legationen  und  anderer
Notdurft  der  Union  ausgegeben  hat,  dem  Koadjutor  von  Köln  zur  Beschützung
  des  Erzstiftes  Köln  8000  fi.  erlegt  und  dem  Grafen  von
Rietberg  versprochen,  ihm  binnen  wenigen  Wochen  40000  fl.  zu
bezahlen.  Man  wird  daraus  spüren,  dass  er  sein  äusserstes  Vermögen
anwendet  und  wird  ihm  hoffentlich  nicht  zumuten,  allein  zu  tragen,  was
er  zum  Schutz  seines  Erzstiftes  und  seiner  Stadt  anwendete,  und  sich
ohne  Zuschuss  der  Union  zu  erschöpfen.  —  Er  kann  nicht  raten,  das
ristbergsche  Volk  länger  auf  Bundeskosten  zu  unterhalten,  besonders
wenn  die  Bezahlung  allein  aus  der  rheinischen  Xasse  geschehen  soll
und  von  der  oberen  Kasse  keine  Hilfe  zu  erwarten  ist.  Will  man
dies  Volk  bebalten,  so  muss  es  aus  gemeinem  Vorrat  bezahlt  werden,
wobei  darauf  zu  achten  ist,  dass,  weil  es  mit  einem  Bundestage  noch
anstehen  könnte,  Rietberg  nicht  noch  zu  grösseren  Unkosten  geführt
werde,  die  dann  die  Unierten  auch  noch  zu  tragen  hätten;  vielleicht
wäre  deshalb  doch  besser,  dies  Volk  jetzt  abzudanken  und  hernach
anderes  zu  werben.  Es  ist  zwar  bekannt,  was  zur  Rettung  der  westphälischen
  Stifter  aus  dem  Hause  Rietberg  geschehen  kann;  aber  diese  Stifter
waren  bisher  nicht  zur  Union  zu  bewegen  und  würde  es  den  unierten
Ständen  sehr  beschwerlich  fallen,  denen  zu  helfen,  von  denen  sie  keine
Hilfe  zu  erwarten  haben.

Die  von  Donnersberg  übergebenen  Konzepte  von  Dankbriefen  an
den  Papst  2  und  an  den  König  von  Spanien  und  den  Entwurf  der  Instruktion
  für  Crivelli  an  die  Signorie  Venedig  wegen  der  katholischen  Union
lässt  der  Kurfürst  sich  gefallen  ;  doch  soll  man  mit  dem  Praedikat  eines
Protektors  gegen  Spanien  etwas  vorsichtig  sein,  da  sich  unter  fremder
Potentaten  Protektion  zu  begeben  den  Bündnissen  im  Reich  entgegen  wäre
und  der  Kaiser  beleidigt  werden  könnte.  Der  Kurfürst  zweifelt  auch,  ob
der  Bischof  von  Speier  sich  bewegen  lassen  wird,  die  Legation  nach
Frankreich  zu  übernehmen;  daher  wird  man  sich  zu  einer  geeigneten
Persönlichkeit  entschliessen  und  um  die  Geldmittel  kümmern  müssen.

Maximilian  als  Bundesoberster  wies  gemäss  einem  Beschluss  des
angeburger  Bundestages  den  Grafen  mit  seinen  Ansprüchen  an  die
rheinische  Kasse.  —  Die  Auseinandersetzungen  zwischen  den  oberländischen
  und  rheinischen  Ständen,  respektive  zwischen  den  zwei
Bundesobersten  wegen  der  Befriedigung  des  rietbergschen  Volkes
sieben  sieh  durch  das  ganze  Jahr  161  und  vermehren  die  schon
merkbare  Spannung  zwischen  Kurmainz  und  Baiern.
"  Kopien  dieser  Schreiben  in  Winz.,  a.  a.,  O.,  no.  100,  102,  108;
die  beiden  letzteren  wurden  im  Mai  1611  ausgefertigt.
        <pb n="32" />
        10  1611  4.

Januar  4,  Die  beim  augsburger  Bundestag  ausgesetzten  Punkte!,  die
auf  fernere  Beratung  der  Stände  gestellt  sind,  lässt  der  Kurfürst  auf
sich  beruhen.  Den  augsburger  Abschied  wird  er  den  rheinischen
Ständen  zu  deren  Erwägung  mitteilen.  —  Signatum  Aschaffenburg
4.  januarii  1611.

Wmz  ;  Religionsakten  Band  11,  no.  97;  Konzept  von  Faust  mit  einigen  Zusätzen
  Brömsers,  —  Auf  der  Rückseite  bemerkt  Hensel:  Donnersberg  habe  nach  diesem
Bescheid  erwidert,  wenn  der  Herzog  wegen  Sachsens  Einnahme  so  unterrichtet  gewesen
wäre  wie  jetst,  so  würde  er  sich  gegen  den  Kurfürst  anders  erklärt  haben,  was  gewiss
noch  durch  eigenen  Kurier  geschehen  werde  .?

i  Vgl.  den  Abschied  vom  8.  Dezember  1610  bei  C.  M.  von
Aretin,  Chronologisches  Verzeichnis  der  bayerischen  Staatsverträge,
Passau  1838,  S.  158  ff.

3  Ineinem  Beiheft  zu  Wmz,,  Religionsakten  Bd.  11  findet  sich  eine
eigenhändige  Aufzeichnung  des  Kurfürsten  von  Mainz  über  eine
Unterredung  mit  Donnersberg,  die  zwischen  1.  und  4.  Januar  stattfand,
mit  der  Ueberschrift  „Was  mitt  dem  bayrischen  cantzler  discurirt:
Bertzog  Wilmhelms  halber  wegen  Leop.  —  Wie  die  vnion  besser
zu  stabiliren.  —  Saxens  einnahms  halber  was  meine  motiuen:

1.  Kein  bedenoken  ist  vernewerung  voriger  verein.  2.  Es  werden
sich  dardurch  die  Caluisten  [!Jund  Lutteraner  tailen,  weil  die  Lutteraner
sehen,  das  der  Caluinisten  angeben  lautter  erdichtt,  indem  sie  vorgeben,
die  Catholischen  woltten  die  Euangelische  aussrotten  mitt  hilff  des
Antechrist,  wie  den  in  der  Pfaltz  gebett  in  druck  aussgangen.  3.  Der
religionfrieden  wird  dardurch  gesterckt,  indem  sie  sich  verbinden,  in
allem  folg  zuthun  vnd  dagegen  nichts  zu  thun  oder  auch  gestatten  [!],
gethan  werde;  vffreichtstägen  illorum  votis  von  vns  nitt  absondern.
4.  I.  M.!  hoffprocess  werden  confirmirt,  das  auch  die  gaistliche  sich
dessen  zu  erfreyen.  5.  Execution  werden  desto  leichter  ins  werck
gerichtt,  sonsten  ist  alles  stecken  plieben  vnd  ist  der  pfaffen  thun
allein  gewesen;  do  ist  kein  handpietung  gewesen.  6.  Alberaidt  ergange
vrtell  konnen  exequirt  werden.  7.  Der  Catholischen  grauaminibus  konnen
erortert  werden,  weil  der  religionfriedt  maass  gibtt.  8.  lustitie  wesen
wird  verhoffentlich  remediirett  werden.  9.  Successionsach  kan  dardurch
  befurdertt  werden.  10.  Gutt  vertrawen  wirt  gestifft.  11.  Die
vnion  wirdt  vermehrett  vnd  gestercktt  vnd  werden  die  vngehorsame
nitt  so  grossen  zufall  haben,  wie  das  Franckreich  allerhandt  gedancken
machen  wirdt  vnd  gehtt  ime  ein  grosses  abe.  12.  Hett  sich  mehr  zu
erfrewen  als  bedenckens  zu  haben,  dieweil  Saxen  in  derselben  verpflichttung
  die  lehen  entpfangen,  auch  sich  gegenhilff  anerbotten;  kan
auch  kein  bedenckens  sein,  weil  sich  Saxen  zum  religionfrieden  erbotten
vnd  zu  der  execution,  so  darwider  gehandlett:  [13.  Mutation  der
chur  et  per  oonsequens  gut  vertrawen  zu  hoffen.)  (Dieser  Satz  wurde
wieder  getiügt.)  14.  I.  M.  werden  mehr  respects  haben  vnd  wirdt  ein
jeder  zur  pfandtschafft  kommen  konnen.  15.  Maiora  vota  werden  vfl
tägen  desto  leichter  zu  erlangen  sein.

Belangent  angerechtten  difficulteten  wegen  der  gulchischen
sachen  ist  meines  erachtens  kein  bedencken,  insonderheitt  do  der
process  legitimo  modo  volführett,  ohne  das  alle  oraiss  zur  execution
verbunden.  Soltte  Guich  in  der  Staden  henden  kommen,  wie  denn  ir
intent,  a  Dieu  Colln  vnd  Trier.  —  Wegen  bapstl.  H.lt,  Spanien  kan
ebenmössig  nichts  bedencklichs  vorfallen,  den  in  religione  nichts
immutirt,  sonder  man  hatt  sich  handtpietung  zu  getrösten.  Wegen
vermögenheit  hatt  es  sein  weg,  dan  ohne  das  Saxen  bewusst,  was  die
matricul.  16.  I.  ksl.  M.t  werdt  desto  eher  zur  vnion  verstehen.

Wie  die  vnion  von  I.  M.t  confirmirt  mochtt  werden?  Wie  I.
        <pb n="33" />
        4—5,.  1611  11

5.  Beichshofratspraesident  Hans  Georg  Graf  von  Januar  6.
Hohenzollern  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen.

Ich  bin  vorgestern  angekommen  und  habe  heute  sehr  gnädige
und  lange  Audienz  beim  Kaiser  gehabt!,  E.  kfl.  Gnaden  Schreiben
übergeben?,  Ihren  und  Ibres  Hauses  grossen  Eifer  zur  Rettung  des  kaiser-M.:

  zu  contentiren,  domitt  man  sich  wurcklicher  hilff  zu  getrösten  von
Bohmen  vnd  den  oesterischen  erblanden,  vitimo  ratione  protectionis
vnionis.  Bayrische  Werbung  bey  Pfaltz.  Legation  ahn  Franckreich.
Befelchshaber.  Bourgawe“.  —

Wie  sehr  dem  Kurfürsten  die  Aufnahme  Sachsens  am
Herzen  lag,  erhellt  auch  aus  dem  eigenhändigen  Schreiben,  das  er  am
4.  Januar  1611  an  den  Dompropst  von  Bamberg,  Hektor  von  Kotzau,
richtete  und  worin  er  beklagte,  „dass  wegen  der  einnam  etlioher  gehorsamer
  churfürsten  und  fürsten  der  rechten  A.C.  diffioulteten  erregt,
so  zwar  vor  mein  person  der  erheblikeit  nit  befinde  sich  zu  ditfieultirn.
  Einmal  spüre  ich,  dass  man  mit  jetziger  union  nit  gesichert,
wie  dan  erstlich  von  mir  erregt,  dass  nötig,  die  sachen  besser  zu
praeparirn,  sed  frustra.  Bin  auch  in  den  verdacht  kommen  verhinderung
  zu  thun.  Alles  ist  uf  gute  hofnung  gestelt  gewesen;  ob
daruf  zu  bauen,  hat  der  her  selbst  zu  ermessen.  Ich  hab  vermaint
dank  zu  verdienen,  kan  jedoch  nit  verspüren,  das  eg  darvor  angesehen.
Was  von  mir  geschehen,  ist  mit  vorwissen  Triers,  Colns  und  samptlicher
  erzherzogen  LL.  beschehen,  wie  dan  bevelcht  zu  schliessen.
Solte  es  retractirt  werden,  were  es  mir  nachtheilig,  auch  ernrürig.
Man  will  jetzunt  fortassis  propter  ambitionem  nichts  von  solchem
wissen,  da  doch  cum  scitu  gehandelt.  Das  directorium  wird  vil  zu
weit  extendirt.  Haec  omnia  sub  rosa;  caetera  coram  fusius,  mit  pit
nach  verlesung  dissen  zettel  dem  feuer  zu  bevelhen  (Wmz.,  Religionsakten
  Bd.  11,00.  103;  Kptkop.).  —  Schon  am  5.  Januar  verständigt  der
Kurfürst  von  Mainz  den  von  Sachsen,  dass  aus  erheblichen  Ursachen
der  Bundestag  verschoben  werden  müsse  ;  doch  werde  er  seiner  Zeit
seines  Versprechens  [wegen  der  Beschreibung]  eingedenk  sein  (Wmz,,
Ä  n  aA  no.  108;  Kpt.  und  Drs.,  1.  8807,  20.  Buch  jülicher  Sachen,
.  375;  Or.).

ı  Hans  Georg  Graf  von  Hohenzollern  war  mit  Erzherzog  Leopold
Ende  November  1610  nach  Dresden  gereist.  (Ueber  den  Zweck  dieser
Reise  vgl.  vorläufig  F.  D.  Häberlins  Neuere  Teutsche  Reichsgeschichte,
  fortgesetzt  von  R.  K.  von  Senckenberg,  XXIII.  Bd,,
Halle  1792,  S.  370,  Anm.  e,  und  A.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine
Zeit,  II,  S.  179.)  Während  Leopold  am  13.  Dezember  vom  Kaiser
gerufen  nach  Prag  zurückkehrte  (Bericht  des  pfalz-neuburgischen
Agenten  in  Prag  Dr.  Gregor  Silbermann  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig
von  Neuburg  vom  8./18.  Dezember  in  Ma.,  297/18,  f.78  und  80;  Kop.),
bliebder  Grafin  Dresden  zurück  und  wartete  die  Zusammenkunftdes  Kurfürsten
  mit  den  Herzogen  von  Coburg  und  Eisenach  ab,  die  am  20.  Dez.
stattfand.  Gegenstand  der  Beratung  und  Beschlussfassung  bildete
die  Anteilnahme  des  Hauses  Sachsen  an  der  vom  Kaiser  beabsichtigten
Exekution  gegen  die  ungehorsamen  possidierenden  Fürsten  in  Jülich
und  die  Anwerbung  eines  Teils  des  passauer  Kriegsvolks,  das  in
Jülich  verwendet  werden  sollte.  (Protokolle  der  Verhandlungen
zwischen  den  kursächsischen  und  coburgischen  Räten  vom  12./22.  bis
20./80.  Dezember  in  Drs.,  1.  8807,  20.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  495  ff;  Or.)

2  Das  Schreiben  des  Kurfürsten  an  den  Kaiser  scheint  mit  dem
bei  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II,  VI.  361,  Anm.  48,  er-
        <pb n="34" />
        12  1611  5.

Januar  5.  ]ichen  Ansehens  und  die  mir  von  E.  kfl.  Gn.  wegen  des  Kaisers  erwiesene
ausserordentliche  Ehre  sehr  gerähmt.  Der  Kaiser  hat  es  „mit  lachendem
mund  und  sonderbahrem  contento“  angehört  und  mich  seiner  besonderen
Zuneigung  gegen  E.  kfl.  Gn.  versichert,  auch  baldigen  Bescheid  versprochen.
  Er  hat  auch  gleich,  nachdem  ich  abgetreten  war,  das  Schreiben
dem  Barvitins  zugestellt  und  befoblen,  es  sofort  mit  Zuziehung  des
Grafen  Sulz  im  geheimen  Rathe  zu  erwägen.  „Sulz  könte  bei  der
höchsten  wahrheit  eifriger  und  begüriger  nit  sein,  E.  kfl.  Gn.  intento
zu  befürdern,  dan  er  ist,‘  wie  E.  kfl.  Gn.  Abgesandte,  wenn  sie
hierher  kommen,  selbst  finden  werden.  Der  Kaiser  ist  also  „nunmehr
optime  disponirt,  wan  nur  andere  böse  und  zum  theil  verfürete  leut
nit  widerumben  neue  fünd  erdenken,  I.  M.'  zu  divertieren‘‘,  wie  E.
kfl.  Gn.  von  Gerstenberg  ausführlicher  hören  werden.

Da  ich  höre,  dass  des  Königs  von  Ungarn  Agent  Rebmann  zu
E.  kfl.  Gn.  reisen  wird,  ohne  Zweifel  um  Sie  mit  vielen  Lamentationen
über  den  jüngsten  Durchzug  des  passauer  Volkesin  Oesterreich
dem  Kaiser  zu  entfremden,  so  berichte  ich  E.  kfl.  Gn.,  dass  der
Kaiser  an  dem  Verzug  der  Ausbezahlung  des  Volkes  keine  Schuld
trägt,  weil  die,  die  das  Geld  erlegen  sollten,  die  Frist  nicht  einhielten;
  dazu  hat  nicht  der  Kaiser  sondern  Braunschweig  durch
eine  Ordonnanz  vom  9.  December  erlaubt,  dass,  wenn  die  Bezahlung
oder  Anweisung  eines  neuen  Quartiers  nicht  binnen  acht  Tagen  erfolge,
das  Volk  hinziehen  möge,  wo  es  dem  Kaiser  am  gelegensten  sei,
Weshalb  sich  nun  der  Kaiser  entschlossen  hat,  das  Volk  in  Tirol
einzulagern  und  durch  Oesterreich  ziehen  zu  lassen,  zeigt  das  beiliegende
  Schreiben,?  welches  an  Matthias  abgehen  sollte,  doch  .dadurch
  zurückgehalten  wurde,  dass  inzwischen  das  trotzige  Schreiben

wähnten  identisch  zu  sein.  In  Drs.,  1.  8807,  20.  jülicher  Sachen,  f.  216
liegt  die  Konzeptkopie  eines  Schreibens  des  sächsischen  Gesamthauses
  an  den  Kaiser  vom  19./29.  Dezember  vor,  worin  jenes  den
Kaiser  zur  Aufnahme  des  Prozesses  und  zur  Achtserklärung  gegen
die  possidierenden  Fürsten  aneifort  und  dem  Kaiser  die  Verwendung
des  passauer  und  elsässer  Volks  empfiehlt,  das  aber  vorher  zu  befriedigen
  wäre;  das  Haus  Sachsen  wolle  vom  Tag  der  Veröffentlichung
  des  für  Sachsens  Ansprüche  günstigen  kaiserlichen  Urteils
von  jenem  Volk  zwei  Regimenter  und  1000  Pferde  unterhalten.  (Vg'.
auch  den  Bescheid  des  Kurfürsten  von  Sachsen  und  seines  Bruders
Hans  Georg  an  Erzherzog  Leopold  vom  5.  Dezember  in  Wmz.,  Religionsakten,
  Bd.  11,  no.  118;  Kopie.

ı  Kopie  davon  in  Drs.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,
f.  22.  In  dem  braunschweigschen  „Gründlichen  und  Wahrhaftigen
Bericht“,  wo  8.167  diese  Ordonnanz  abgedruckt  ist,  ist  nur  von  sechs
Tagen  die  Rede.

?  Vom  1.  Januar  1611  und  gleichen  Wortlauts  mit  dem  Schreiben
an  die  Erzherzoge  Maximilian  und  Ferdinand  (vgl.  S.3,  Anm.):  Das  zur
Erhaltung  von  Frieden  und  Ruhe  im  Reich  geworbene  Kriegsvolk  hat
zwar  die  Widerwärtigen  von  ihren  bösen  Anschlägen  abgeschreckt,
aber  mit  so  grossen  Unkosten,  dass  zu  seiner  Abdankung  die  kaiserlioben
  Mittel  nicht  reichen.  Da  das  Volk  in  den  gänzlich  erschöpften
        <pb n="35" />
        5.  1611  13

des  Königs,  welches  fast  einem  Absagebrief  gleichsieht,  einlief1,  Ich  Januar  6.
versichere  E.  kfl.  Gn.  bei  meiner  Ehre,  dass  dieser  Durchzug  durchaus
nicht  zu  irgend  einer  Verletzung  des  Vertrages  [von  1610]  angesehen  war.
Der  Kaiser  hatte  sich  in  dem  Vertrag  vorbehalten,  das  Volk  abführen  zu
können  und  Matthias  hatte  als  Lehensmann  nicht  das  Recht,  ihm  den
Pass  zu  verwehren,  zumal  sich  der  Kaiser  wol  nicht  geweige"t  hätte,
etwaigen  Schaden  zu  ersetzen.  Zudem  soll  das  Volk  schon  wieder
ÖOssterreich  verlassen  haben.  Gleichwol  kommt  Nachricht,  das  man
in  Oesterreich  und  Mähren  stark  wirbt,  was  dem  Kaiser  allerhand
seltsame  Gedanken  erregt;  es  hat  das  Ansehen,  als  wolle  man  unter
diesen  gesuchten  Vorwand  das  Spiel  wie  vor  Jahren  wieder  anfangen.
Dieser  Zwischenfall  [d.  h.  der  verunglückte  Zug  der  Passauer]  würde
nun  zwar  die  von  E.  kfl.  Gn.  begehrte  Zusammenführung  des  passauer
und  elsässer  Volkes  an  sich  nicht  hindern;  sollte  aber  Matthias  von
seinen  Werbungen  nicht  abstehen,  so  wird  sich  der  Kaiser  der  dann
ihm  selber  drohenden  Gefahr  halber  schwerlich  wegen  der  begehrten
Einquartierung  in  die  jülichschen  Lande  entschliessen  können.  E.
kfl.  Gn.  werden  sich  daher  beim  König  schleunigst  zur  Stillung  des
Unwesens  interponieren  müssen?,  —  Datum  den  5.  Januarii  a.  1611.
Dra.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Volkes,  f.  18;  eigh.  Or.®

passauer  Quartieren  durch  Hunger  verderben  müsste,  es  aber  vor  Anstellung
  eines  neuen  Landtages  nicht  nach  Krumau  in  Böhmen  gelegt
werden  kann,  so  soll  es  in  Tirol  seine  Abdankung  erwarten.  Bitte
dem  Volk  beim  Durchzug  allen  Vorschub  zu  gewähren  und  an  der
Massregel  kein  Missfallen  zu  tragen.  Beglaubigung  für  den  an
Matthias  abgeordneten  obersten  Proviantmeister  Henning  Ubesko
(Drs.,  I.  9166,  f.  23;  Kop.).

ı  Vom  29.  Dezember  1610;  Wi.,I.  A.1,  Ka.  2988,  no.  105;  Konzept
mit  Zusätzen  Khlesis;  gedruckt  bei  Hammer-Purgstall,  Khlesls
Leben,  1I.,  Urkundensammlung,  no.  291.

’  Siehe  das  Schreiben  des  Kurfürsten  vom  8.  Januar  in  no.  9.

®  Gleichzeitig  schreibt  Zollern  an  den  kursächsischen  geheimen
Rat  Dr.  Marx  Gerstenberg:  Wir  fürchten,  dass  durch  die  Vorgänge
in  Oesterreich  das  jülichsche  Exekutionswerk  gehindert  werden
wird,  wollen  uns  aber  bemühen,  dass  der  Kaiser  dem  König  schreibe;
„alleinig  gehet  es  propter  offensionem  hart  und  langsam  zue“,  weshalb
  gut  wäre,  dass  der  Kurfürst  sich  sogleich  bei  Matthias  verwende.
Leopold  wird  hoffentlich  morgen  den  jungen  Kriechingen  zum  Kurfürsten
  schicken  [Geschah  am  7.  Januar].  „Der  [Leopold]  hatt  sich
ab  des  hochlöbliehen  hauss  Saxen  resolution  hoch  erfreut.*  Bulz  ist
diesem  jülichsehom  Werk  auch  sehr  geneigt.  Ich  weiss  nicht,  wer
diesen  beim  Kurfürsten  angeschwärzt  hat;  da  Sulz  beim  Kaiser  so
guten  „eredito"  als  irgend  einer  bei  Hofe  hat,  wäre  es  gut,  wenn

er  Kurfürst  ihm  schriebe.  Heute  morgens  ist  die  Beratung  der
sächsischen  Entschliessung  im  geheimen  Rat  angefangen  worden.  Ich
melde  im  höchsten  Vertrauen,  „das  der  weniger  theil  lust  darzu  hat
und  besorgentlichen  etliche  corrumpiıt  oder  verfüret.  seind;  haben  viel
difhieultates  movieret,  besonders  das  Österreichische  wesen“  [Matthias’
Rüstungen).  Da  Sulz  und  ich  gemerkt  haben,  dass  man  die  Sache
auf  die  lange  Bank  schieben  will,  der  Zusammenführung  des  Volkes
halber  aber  Gefahr  im  Verzug  ist  und  diese  doch  geschehen  kann,
man  entschliesse  sich  auch  wie  man  wolle,  so  hat  Sulz  beim  Kaiser  deshalb
        <pb n="36" />
        14  1611  6.

Januar  7.6.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  von  Trier,  desgl,
an  den  von  Köln.

Mitteilung  der  Werbung  Donnersbergs  und  des  darauf  erteilten
Bescheides  wegen  der  Aufnahme  Sachsens  in  die  katholische
Union!.

Die  Aufnahme  Sachsens  darf  aber  nicht  länger  verzögert  werden,
sonst  würden  wir  uns  grossen  Verweis  zuziehen  und  grosses  Misstrauen
  zwischen  Sachsen  und  den  andern  gehorsamen  evangelischen
Ständen  einerseits  und  den  katholischen  Ständen  andrerseits  erweckt
werden,  so  dass  alles,  was  jetzt  gut  gemacht  wird,  zu  einem  heschwerlichen
  Ende  ausschlagen  würde.  Wir  halten  daher  für  nötig  (zumal  es
ohnehin  gut  ist,  die  auf  den  künftigen  Bundestag  verschobenen  Punkte
in  vorbereitende  Beratung  zu  nehmen,  um  sich  dann  einer  einhelligen
Meinung  vergleichen  zu  können),  unsere,  der  Kurfürsten,  Räte,  etwa
nach  Frankfurt  zusammenzuordnen,  dazu  auch  die  Bischöfe  von  Speier
und  Worms  zu  beschreiben,  dort  von  den  Bundessachen,  besonders
aber  von  der  Aufnahme  Sachsens  zu  reden  und  sich  unter  den  rheinischen
  Bundesständen  für  den  Fall  zu  vergleichen,  dass  Baiern  auf  seinem

Audienz  erbeten,  die  er  bald  erhalten  wird.  Willigt  der  Kaiser,  wie
nicht  zu  zweifeln  ist,  in  die  Zusammenführung,  so  soll  sie  sogleich
bewerkstelligt  werden,  was  ein  grosser  Vorteil  für  die  Einlagerung
im  Jülichschen  wäre.  Inzwischen  wollen  wir  die  geheimen  Räte  antreiben,
  ihre  Gutachten  in  gewünschtem  Sinn  dem  Kaiser  bald  zu
eben.  Dazu  könnt  auch  Ihr  mit  Euren  Zugeordaeten  nach  Eurer
ierherkunft  heifen.  Zusammen  werden  wir  hoffentlich  den  Karren  -
„auss  dem  tiefsten  laisten  auf  die  ebene*  bringen  können.  Doch  muss
ich  bemerken,  dass  unter  den  geheimen  Räten  nicht  die  wenigsten  so
beschaffen  sind,  dass  sie,  wenn  sie  etwas  verhindern  wollen,  nicht
besser  von  ibrem  Vorhaben  abzubringen  sind  als  durch  Einjagung
von  Furcht.  Der  Kurfürst  und  der  Herzog  von  Sachsen  könnten
also,  wenn  nicht  alle  so  doch  Barvitius  und  Hannewald  durch  ein
Schreiben  ersuchen,  die  Sache  schleunigst  zu  erledigen,  da  sie  sich
nicht  versähen,  dass  einer  gegen  ihren  Vorschlag  den  Kaiser  beraten
werde  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  19;  Or.  eigh.).

Am  7.  Januar  berichtet  Zollero  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen
weiter,  dass  auf  sein  und  Sulz’  Betreiben,  der  deshalb  beim  Kaiser
achtmal  Audienz  gehabt,  Erzherzog  Leopold  endlich  die  kaiserliche
Vollmacht  erhalten  habe,  „das  passauische  und  elsässische  kriegsvolk
alssbald  zusammenfüeren  und  sonsten  alle  diejenige  anordaung  mit
demselbigen  thuen  zu  lassen,  wie  es  I.  D.t  für  notwendig  und  nutzlich
  ermessen  werden“  (Drs.,  1.  8807,  f.  344;  eigh.  Or...  Schon  tags
darauf  muss  aber  Zollern  melden,  dass  ein  Schreiben  Rame&amp;amp;es  [oben  no.  2]
eingetroffen  sei,  wonach  das  passauer  Volk  vorläufig  in  Oesterreich
bleiben  müsse,  was  aber  ein  grosser  Vorteil  für  die  Zusammenführung
sei  (Dre.,  1.  9166,  f.  28;  eigh.  Or.).  —  Auf  das  Schreiben  Zollerns
vom,  erwiderte  aber  D."  Gerstenberg,  „dass  dises  wesen  gleichsamb  ein
ursach  seie,  I.  ksl.  M.t  umb  die  cron  Böheimb  zu  bringen“.  Zollern
soll  aber  dieses  Schreiben  unterdrückt  haben  (Aussage  Hannewalds
vom  18.  Juni  1611;  vg].  unten  no.  239).

!  Vgl.  no.  4.
        <pb n="37" />
        6.  1611  15

Zögern  beharrte  und  sich  mit  den  andern  oberländischen  Bundes-  Januar  7.
ständen  zur  Aufnahme  nicht  verstehen  könnte,  was  zu  thun  sei,  um  dem
Misstrauen  Sachsens  gegen  die  katholischen  Stände  vorzubeugen  und
wie,  wenn  die  Union  nicht  auf  diese  Weise  gestärkt  sondern  in  ihrer  bisherigen
  Schwäche  gelassen  wird,  die  rheinischen  Stände,  denen  von  dem
jülichschen  Unwesen  alle  Beschwerungen  herkommen,  sich  helfen  sollen.

Wenn  E.  L.  und  Kurköln  solche  Zusammenkunft  zu
Frankfurt  nicht  misfällt,  so  setzen  wir  dazu  Sonntag  den  6.  Febr.
an,  um  am  7.  die  Beratungen  zu  beginnen.  Da  man  auch
auf  die  mitfolgenden  kurbrandenburgischen  Schreiben  [fehlen]  wegen
der  Ausleger!  sich  einer  Antwort  entschliessen  muss,  so  hoffen  wir
umso  mehr,  dass  E.  L.  an  der  Abordnung  Ihrer  Räte  kein  Bedenken
  haben  werden.  Wir  bitten  um  Mitteilung  Ihrer  Gemütsmeinung.
  Datum  Aschaffenburg  den  7.  januarii  a.  1611.

Nachschr.  Wir  stehen  in  Zweifel,  da  Pfalz-  Neuburg  so  heftig
protestiert,  dass  man  ihm  zu  Praejudiz  keinen  Kollegialakt  mit  dem
Administrator  der  Kurpfalz  vornehme  ?,  ob  wir  diesen  zum  frankfurter
Konvent  beschreiben  sollen;  andererseits  ist  aber  zu  bedenken,  ob,  wenn
etwas  Tätliches  wegen  der  Ausleger  vorgenommen  werden  soll,  wir
geistliche  Kurfürsten  ohne  den  Administrator  etwas  unternehmen
dürfen.  Ut  in  literis  7.  januarii  1611.

Wnz.,  Religionsakten,  13,  Bd.  no.  1;  Kpt.  von  Faust®.

i  Die  Possidierenden  hatten  bei  Monheim  ein  armirtes  Schiff  im
Rhein  verankert  und  von  hier  aus  Zölle,  die  Lizenten,  zum  schweren
Schaden  des  Handels  der  rheinischen  Kurfürsten  und  der  Stadt  Köln
erhoben.  Die  Abschaffung  des  Auslegers  war  schon  Gegenstand  der
Verhandlungen  des  prager  Fürstenkonvents  gewesen,  doch  war  alles
Bemähen  vergeblich;  die  geldbedürftigen  Possidierenden  konnten  sich
eins  solche  Einnahmequeile  nicht  entgehen  lassen,  ja  Ende  Januar
legten  sie  bei  Rodenkirchen  oberhalb  Kölns  einen  zweiten  Ausleger
ein.  (Schreiben  eines  Ungenannten  an  den  kurmainzischen  Grosshofmeister
  Kaspar  von  Eltz  vom  19.  Januar  1611;  Ma.,  519/12,  f.  10;
Kopie;  Kurmainz  an  Kursachsen  am  5.  Februar  1611;  Wmz.,  Juliacensia,
  t.  V.,  —  Kpt);  vgl.  noch  unten  no.  68.

?  Anspielung  auf  den  seit  dem  Tod  des  Kurfürsten  Friedrich  IV.
von  der  Pfalz  (gestorben  in  der  Nacht  vom  18.  auf  den  19.  September
1610)  entbrannten  Streit  zwischen  dem  testamentarisch  verordoeten
„Tutor  und  Administrator“,  Herzog  Johann  von  Pfalz-Zweibrücken,
und  dem  ältesten  Agnaten  des  kurpfälzischen  Hauses,  Pfalzgraf  Philipp
Ludwig  von  Neuburg,  um  die  Vormundschaft  über  den  minderjährigen
Kurerben  Friedrich  V.  und  um  die  Administration  der  Kurlande.
Von  den  Aktenmassen,  die  sich  wegen  des  Administrationsstreites
von  September  1610  bis  zum  August  1614  aufhäuften,  werden  im
folgenden  nur  die  mitgeteilt,  die  den  Einfluss  dieses  Streits  um  die  Auslegung
  der  goldenen  Bulle  auf  den  Gang  der  Unionsangelegenheiten
and  der  allgemeinen  Reichspolitik  abspiegeln.  Die  zahlreiche  Streitschriftenliteratur
  über  diesen  Handel  ist  verzeichnet  bei  J.  Ch.  Lünig-Jenieh,
  Bibliotheca  deductionum  II.  S.  258—269.

°®  Gleichzeitig  mit  diesem  Schreiben  schickte  der  Kurfürst  von
Mainz,  der  besorgte,  dass  Donnersberg  sich  auch  nach  Speier  begeben
möchte,  seinen  geheimen  Rat  und  Vizedom  Hans  Reichard  Brömser
        <pb n="38" />
        16  1611  1.

Januar  7.7.  Instruktion  des  sächsischen  Gesammthauses  für
Schweipold  von  Brandenstein  Kammerrat,  D"  Marx
Gerstenberg  und  D."  Ambrosins  Pfretzschner  zu  deren

Sendung  nach  Prag.

Da  die  kölnische  Kommission  ganz  fruchtlos  abgegangen  ist  und
die  Gegner  sich  dem  Kaiser  nicht  akkomodieren  wollen,  so  wird  der
diesen  Ungehorsam  gewiss  höchlich  empfinden  und  auf  Mittel  bedacht
sein,  seine  Reputation  zu  wahren.  Unserm  Hause  obliegt  aber,  beim
Kaiser  um  die  sententia  declaratoria  und'  privativa  wegen  Jülich  anzubalten,
  darum  habt  Ihr  Euch  nach  Prag  aufzumachen,  Audienz  zu  begehren
  und  die  Sentenz  fleissig  zu  sollizitieren,  wozu  Ihr  Euch  der  im
Schreiben  an  den  Kaiser!  angezogenen  Motive  zu  bedienen  habt;
auch  habt  Ihr  Euch  eifrig  zu  erkundigen,  in  welchen  Rat  die  Sachen
zur  Expedition  gegeben  werden,  um  bei  den  betreffenden  Räten  fleissig
wegen  Ausfertigung  der  Sentenz  anzuhalten.  Dabei  könnt  Ihr  die
kaiserlichen  Räte  erinnern,  wie  die  Gegner  die  kaiserlichen  Herolde,

von  Rüdesbeim  zum  Bischof  Philipp  Christoph  von  Speier  und  fragte
bei  diesem  an,  ob  er  die  Zusammenkunft  für  ratsam  halte.  Die  Instruktion
  für  Brömser  vom  7.  Januar  ist  dem  vorstehenden  Schreiben
an  die  Kurfürsten  fast  gleichlautend;  in  einer  Nachschrift  ersucht
noch  der  Kurfürst  den  Bischof,  dem  Wunsch  des  Kaisers  zu  willfahren
und  das  Kammerrichteramt  anzunehmen;  (Wmz.,  Religionsakten,  11.  Band,
no.  110;  Kpt.  von  Faust  und  Or.).  —  Am  14.  Januar  wandte  sich  der
Kurfürst  von  Mainz  wegen  der  Einnahme  Sachens  auch  noch  an
die  Bischöfe  von  Würzburg  und  Bamberg  mit  der  Erinnerung,  wie
schwach  die  katholische  Union  sei,  wie  man  zum  münchner  Akkord
und  zur  Abdankung  des  Krieg3volks  aus  Geldmangel  gekommen  sei
und  wie  ohne  die  Stärkung  der  katholischen  Union  die  vermöglicheren
  Stände  sich  erschöpfen  müssten.  Trotz  des  [ersten]  würzburger
  Abschiedes,  der  den  Bundesobersten  anbeim  gebe,  mit  Sachsen
und  andern  friedfertigen  evangelischen  Ständen  zu  verhandeln,  habe
Baiern  allerlei  Bedenken  gegen  die  Einnahme.  Der  Kurfürst  wolle
den  Bischöfen  die  Sachsen  zugestellte  Bundesnotel  mitteilen,  deren
otwas  abweichende  Fassung  mit  Kurkölns  Gutachten  zu  stande  gekommen
  sei,  da  man  Sachsens  oftmals  geäusserte  Intention  dahin
verstanden,  dass  es  kein  Bedenken  zur  Union  trüge,  wenn  sie  zur  Handhabung
  des  Religions-  und  Profanfriedens  und  kaiserlicher  Autorität
gemennt  sei.  Ohne  Sachsens  Einnahme  sei  keine  Stärkung  der  Union  zu
erhoffen  und  eher  deren  Auflösung  zu  befahren.  Bitte  um  Gutachten
wegenSachsens  Einnahme  und  wegen  der  Beschreibung  zum  Bundestag
(Wmz.,  Keligionsakten  Bd.  11,  no.  1121;  Kpt.  von  Faust),  —  Zuerst
sollte  der  kurmainzische  Grosshofmeister  Kaspar  von  Eltz  an  die  Bischöfe
abgefertigt  werden,  dann  wurde  auf  Grund  der  bereits  verfassten
Instruktion  (Wmz.,a.  a.  O.,  no.  113;  Kpt.  von  Faust)  dieses  Schreiben

ausgefertigt.  7.  D  j
.  Dezember  1610
ı  Vom  &amp;amp;.  Januar  ie  Drs.,  1.8807,  20.B.  jül.  Sachen,  f.  186;

Kptkop.  a.a.O.,  f.  526;  unbesiegeltesOr.,  das  die  Gesandten  hätten  übergeben
  sollen  und  das  die  Bitte  enthält,  mit  dem  Prozess  zu  verfahren
und  die  Exekution  mit  Rücksicht  auf  die  gefährdete  kaiserliche  Reputation,
  Reichsgesetze  uud  Religionsfrieden  anzuordnen;  das  Haus
Sachsen  werde  dem  Kaiser  dazu  alle  mögliche  Beihilfe  leisten.
        <pb n="39" />
        T.  1611  17

abgefertigten  Notarien  und  Subdelegierten  in  die  Eisen  schlugen,  Januar  7.
in  schmähliches  Gefängnis  legen  und  ranzioniren  liessen;  wie  die
kaiserlichen  Mandate  mit  Schimpf  abgerissen,  die  in  der  Festung
Jülich  fliegenden  kaiserlichen  Fähnlein  spöttlich  herab  geschossen,
„Ss.  ksl.  M.!  schimpflichen  nachgeredet  mit  vermeldung,  Carolus
von  Gent  lebte  nicht  mehr,  dadurch  gleichsamb  anzeigende,  als
hielten  sie  S.  M.!  nicht  für  so  kühn,  dero  kaiserliche  autoritet  zu
retten,  inmassen  Carolus  V.  gegen  denjenigen  gethan,  deren  verbrechen
wo  nicht  geringer  jedoch  nicht  grösser  gewest,  die  vestung  Gülich,
in  welcher  I.  M.'  hochansehenlicher  fürnehmer  commissarius  seine
residenz  und  I.  M.'  redlich  und  ansehenlich  kriegsvolk  bei  sich  gehabt,
  nicht  zu  geringem  I.  M.'  despect  eine  mordgrube  und  raupennest
intituliret‘‘:  durch  welche  Attentate  kein  geringes  Crimen  begangen
und  die  hochbeteuerten  Reichsgesetze  zu  des  Kaisers  und  Reichs
äusserster  Verkleinerung  merklich  überschritten  worden  sind.

Die  Gesandten  haben  die  Adjunktion  von  Assessoren  des  Reichskammergerichts
  zur  Urteilsfällung  im  Reichshofrat  nach  Möglichkeit
abzuwenden;  eher  würden  wir  uns  die  Zuordnung  von  Räten  der
Kurfürsten,  Erzherzoge  und  Fürsten,  die  der  Kaiser  in  dieser  Sache
schon  gebraucht  hat,  gefallen  lassen.  Die  Gesandten  sollen  auch
erinnern,  dass  den  Gegnern  durch  die  kaiserliche  Sentenz  im  März
1610  aufgetragen  worden  war,  binnen  vier  Monaten  vor  dem  Kaiser
zu  erscheinen  und  ihr  Recht  zu  deduzieren,  was  aber  unterblieben
ist,  so  dass  die  Gegner  dadurch  schon  in  die  Praeklusionsstrafe
verfallen  sind.

Als  kaiserliche  Kommissarien  mögt  Ihr  auf  Befragen  den  Erzberzog
  Leopold  und  den  Grafen  Hans  Georg  von  Hohenzollern  vorschlagen,
zu  denen  wir  besonderes  Vertrauen  tragen.  Dabei  habt  Ihr  beim
Kaiser  und  dessen  Räten  fleissig  anzuhalten,  dass  er  andere  gehorsame
  Stände  zur  Hilfeleistung  bei  Zeiten  ersuche,  besonders  den  Erzhersog
  Albrecht,  ohne  dessen  Hilfe  die  Generalstaaten  allerlei  zur
Hinderung  der  Exekution  anstellen  möchten.  Gut  wäre  auch,  die
Könige  von  Frankreich  und  England  zur  Neutralität  zu  ermahnen.
ie  werden  hoffentlich,  da  mancher  Verdacht,  durch  den  sie
vordem  eingenommen  worden  waren,  beseitigt  ist,  den  Lauf  des
Rechts  nicht  hindern.  Wir  haben  auch  bereits  eine  Schickung  an  sie
ins  Werk  gesetzt.  Dem  Erzherzog  Leopold  und  dem  Grafen  von
Zullern  habt  Ihr  beiliegende  Schreiben  zur  Förderung  der  Sache  zu

nn  »

ı  An  Ludwig  XIII.  liegt  ein  Schreiben  des  Gesamthauses  Sachsen
vom  12./22.  Dezember  1610  vor  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  265;  Kpt.),  an  Jakob  ].

.  17.  Dezember  1610
om  England  eines  vom  5  Januar  16  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  260;  Kpt.).

Ausserdem  wird  am  „27.  Dezember:  1610  der  kursächsische  Rat  Paul  Helf-6.
  Januar  1611

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  2
        <pb n="40" />
        Januar  7.

18  1611  1.

überreichen  1  und  Euch  der  Hilfe  beider  zu  bedienen,  falls  die
Audienz  verzögert  würde.

Hätte  man  am  kaiserlichen  Hof  Bedenken,  es  mit  der  Schärfe
zu  wagen  und  wollte  man  dort  die  kölnische  Handlung  reassumieren,
so  habt  [hr  dagegen  die  Motive  unseres  Schreibens  vom  19./29.
Dezember  ?  einzuwenden  „und  mit  allem  vleiss  I.  M.*  und  den  räthen
vor  augen  zu  stellen,  was  für  grossen  schimpf  I.  M.!  ferner  erlangen
würde,  da  sie  auf  solcher  meinung  der  güte  verharreten,  aldieweil
doch  ganz  reichskündig,  dass  gegentells  gedanken  nur  dahin  gerichtet,
wie  sie  I.  M.‘  mit  worten  zwar  sänftigen,  mit  der  that  aber  zum
heftigsten  offendirn,  uns  von  L  M.!  abalienirn,  die  sache  ins  weite
feld  und  dohin  spielen  möchten,  damit  sia  bei  der  possess  bleiben
und  dergestalt  einnisteln  könten,  dass  alsdann  sie  heraus  zu  treiben
unmüglichen  ;  dessentwegen  wir  I.  M.'  fernern  glimpf  nicht  rathen
wolten  sondern,  do  je  die  güte  noch  eins  zu  versuchen,  es  mit  gewehrter
  hand  post  latam  sententiam  declaratoriam  geschehen  und
maiori  cum  autoritate  als  die  colnische  tractation  ablaufen  möchte,
wie  Ir  dann  mehr  denn  genugsame  rationes  in  der  kaiserlichen  schrift  zu
befinden,  dadurch  Ir  I.  M.‘  potius  ad  executionem  quam  amicabilem
compositionem  zu  persuadirn.“

Dem  Herzog  von  Braunschweig,  dessen  Gutachten  in  der  jülichschen
  Sache  Gerstenberg  kennt?,  habt  Ihr  beiliegendes  Schreiben
zu  überreichen  und  ihm  den  Verlauf  der  kölnischen  Handlung
vorzustellen,  mit  weiterer  Ausführung,  was  für  ein  Unheil  im  Reich
erfolgen  würde,  wenn  solcher  Ungehorsam  unbestraft  bliebe,  ja  ihm
Recht  gegeben  würde.  Der  Herzog  möge  daher  beim  Kaiser  Urteil
und  Exekution  ausbringen  helfon.  Gleichzeitig  habt  Ihr  bei  ihm
anzufragen,  mit  wie  viel  Reitern  und  Knechten  er  uns  wirklich  zu
unserm  Rechte  helfen  wolle.

Wenn  der  Kaiser  oder  seine  Räte  Euch  fragen,  ob  wir
geneigt  sind,  uns  in  die  „katholische  Liga‘  zu  begeben,  so
habt  Ihr  zu  entgegnen,  „dass  wir  zwar  zu  keiner  union  niemals
sonderliche  beliebung  getragen,  sondern  wüsten  wol,  was  solche
confoederationes  auf  sich  hetten  und  sgefehrligkeiten  mit  sich
brechten,  wolten  auch  nichts  liebers  wünschen  denn  dass  man  bei

frich  von  dem  Gesamthause  Sachsen  zu  einer  Schickung  an  den  König  und
an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich,  an  den  Herzog  von  Nevers,  den  Groseberzog
  von  yookanı  und  den  Herzog  von  Savoyen  beglaubigt  (Dre.,  a.  a.  O.,
.  ;  Kpt.
1  Beglaubigung  für  die  Gesandten  bei  den  bezeichnenden  Personen  von
27,  Der;  Dre,  a.  a.  O.,  f.  208  M,  Kpt.
6.  Jan.
2  Drs.,  a.  a.  O.,  f.  186.
®  Das  braunschweigischoe  Gutachten  vom  15./26.  Dezember  1610  in
Wolfenbüttel,  Reichssachen  no.  51,  Acta  die  ungerischen  Unruhen  betr.,
Kpt.  eigh.;  Dre.,  I.  8807,  20.  Buch  jül.  Sachen,  f.  246;  Or.  eigh.;  vgl.
P.  P.  Wolf,  Geschichte  Maximilians  I,  IU.  8.  32  f.  und  A.  Gindely,
Rudolf  IL,  U.  8.  186.
        <pb n="41" />
        .  1611  19

denjenigen  verfassungen  verbliebe,  so  albereit  aufgerichtet,  be-  Januar  7.
schworen  und  darbei  sich  das  heil.  röm.  reich  bisanhero  wol  befunden.
Wann  wir  aber  gleichwol  considerirten,  was  die  Catholischen  zu
aufrichtung  irer  union  bewogen,  so  hielten  wir  davor,  es  würden
I.  M.'  und  die  räthe  dessen  mit  uns  einig  sein,  dass  inen,  den
Catholischen,  von  den  evangelischen  unirten  mehr  denn  gnugsamb
ursach  sei  darzu  gegeben  worden,  aldieweil  benambte  evangelische
unirte  den  vergangenen  sommer  die  catholischen  stifter  mit  gewalt
angefallen,  feindlichen  uberzogen,  belägert  und  eingenommen  und
sich  davon  durch  kein  kaiserliches  mandatum,  ermahnen,  bitten  und
fleben  abhalten  lassen,  und  stünden  wir  in  denen  gedanken,  wann
sich  die  Catholischen  nicht  zusammen  verbunden,  es  solte  derselben
übel  gewartet  worden  sein.  Überdiss  befinden  wir  gleichwol,  dass
der  Catholischen  union  auf  erhaltung  des  religion-  und  profanfridens
und  I.  M.'  hoheit  gegründet,  dasselbe  auch  bishero  in  der  that  bewiesen
  worden  ;  dann  obwol  die  evangelischen  unirten  gleichmessiges
fundamentum  vor  sich,  so  haben  sie  doch  solches  noch  zur  zeit  allein
mit  worten,  mit  der  that  aber  das  contrarium  bewiesen,  indem  sie  keine
kaiserliche  mandata  geachtet,  die  herolde  aufgefangen,  ja  zuwider  des’
religion-  und  profanfridens  die  stifter  feindlichen  angefallen  und  sich
so  erwieson,  dass  man  mehr  destructionem  imperialium  constitutionum
.und  violationem  autoritatis  caesareae  als  conservationem  gemerket
und  gespüret,  inmassen  sie  sich  dann  auch  mit  gar  frembden  und
auslendischen  potentaten  dergestalt  verknupft  und  verbunden,  dass
inen  davon  abzuweichen  unmüglich,  solcher  beistand  auch  dem  reich
und  IL  M.‘  mehr  schedlich  denn  beförderlicb.  Welches  gleichwol  die
Catholischen  nicht  gethan  und,  wann  je  eine  union  zu  billichen,  so
were  der  Catholischen  liga  der  evangelischen  weit  vorzuziehen:  denn
in  derselben  nichts  neues  statuirt  sondern  eine  puraputa  renovatio
des  religion-  und  profanfridens,  welche  vergangenen  reichstag  embsig
gesucht  und  allein  dohin  gerichtet,  wie  I.  M.*  autoritet  wider  die  ungehorsamen
  erhalten  und  sie  sich  bei  dem  irigen  defendirn  möchten.
Wir  hetten.  uns  zwar  noch  zur  zeit  in  keine  begeben;  wann  aber
I.  €.  die  catholische  würden  ratificirn,  so  wüstet  Ir  wol  so  viel,  dass
wir  eher  die  catholische  als  evangelische  union  approbirn  möchten.
Wir  könten  auch  gleichwol  bei  uns  nicht  befinden,  wie  solches
zu  dissuadirn  ;  denn  obwol  I.  ksl.  M.'  wegen  der  catholischen  union
allerlei  eingebildet  würde,  so  keme  doch  solches  allein  von  denen
leuten  her,  die  es  mit  I.  M.'  nicht  gut  meineten  sondern  dero  und
des  reichs  undergang  ganz  gerne  befördert  sehen  wolten.  Darbei
liessen  wir  I,  M.*  das  vorgewissern,  do  wir  uns  je  in  die  catholische
liga  begeben,  dass  solches  mit  der  mass  beschehen  solle,  dass,  do
zu  deprimirung  I.  M.'  hoheit,  schwechung  des  religion-  und  profanfridens
  und  offension  einiges  gehorsamen  standes  ichtwas  vorgenommen
werden  solte  und  wir  solches  erführen,  [wir]  alsdann  ipso  jure  et  facto
davon  entledigt  sein  wolten,  welches  uns  I.  M.'  sicherlich  zuzutrauen.“
9-9
        <pb n="42" />
        Januar  7.

Januar  8.

20  1611  T.—8.

Ihr  babt  Euch  ferner  bei  den  böhmischen  Ständen  um  ein
Darleben  von  ein  bis  drei  Tonnen  Goldes  auf  sechs  Jahre  zu  bewerben.
  Auch  bei  Zuniga  habt  Ihr  Euch  mit  beifolgendem  Schreiben
anzumelden  und  mit  ihm  wegen  der  jülichschen  Lehen  in  Burgund
und  wegen  der  Assistenz  zu  reden,  besonders  aber  ihm  die  Gefahr
für  das  Haus  Burgund  vorzustellen,  wenn  die  Generalstaaten  sich  in
den  jülichschen  Landen  einnisten  würden.  Datum  Dresden  am  28.
devembris  anno  1610.

Drs.,  L  8807;  20.  Buch  Jülloher  Sachen,  f.  186;  Kptkop.;  f.  519,  unausgefertigtes
Original.
8.  Vertrag  des  Feldmarschalls  Grafen  Althan  mit
dem  Erzbischof  von  Salzburg.

Im  Namen  des  Kaisers  sind  zwischen  Adolf  Grafen  von  Althan,
Feldmarschall  und  General  über  das  jetzt  in  Oesterreich  ob  der  Enns
liegende  kaiserliche  Kriegsvolk,  dessen  Befehlshabern  hohen

1  Die  Schickung  unterblieb,  wie  schon  die  unbesiegelten  Originale  der
Instruktionen  und  der  Beglaubigungan  im  dresdner  Archiv  erkennen  lassen.
Vermutlich  hängt  dies  mit  der  Wendung  der  kursächsischen  Politik  in
Bezug  auf  Jülich  zusammen.  Nach  Zerschlagung  der  kölner  Handlung  kam
der  Vorschlag  gütlicher  Handlung  gleich  von  zwei  Seiten  her  auf  die  Bahn:
einmal  war  es  König  Jakob  I.  von  England,  der  durch  Fürst  Christian  von
Anhalt  (dieser  war  im  November  1610  in  London  gewesen)  den  Gedanken  der
Aufnahme  Sachsens  in  den  Gemeinbesitz  von  Jtilich  den  Unierten
vortragen  liess  (undatiertes  Schreiben  des  Königs  an  die  Unierten  aus  dem
November  1610  in  Stg.,  Unionsakta,  X.,  382;  Kop.;  vgl.  auch  unten  no.  13,
8.  29,  Anm.  2),  andererseits  war  es  wieder  der  unermüdliche  Landgraf
Moriz  von  Hessen,  der  den  Vorschlag  neuer  gütlicher  Handlung  hervorholte;
schon  am  2./12.  Dezember  1610  schrieb  er  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen,
er  wolle  wegen  der  Erbverbrüderung  zwischen  den  drei  Häusern  Sachsen,
Brandenburg  und  Hessen  sich  ins  Mittel  legen  und  sei  schon  im  Werk,
Brandenburg  und  Neuburg  nebst  den  Assistenten  zu  solcher  gütlicher  Handlung
  zu  ersuchen  (Dre.,  1.8807,  20.  B.  jül.  Sachen,  f.231;  Or.).  Des  Kurfürsten
Antwort  vom  18./28.  Dezember  (a.  a.  O.,  f.  237;  Kpt.)  wies  zwar  das  Anerbieten
  nicht  ab,  entbielt  aber  zugleich  die  Anfrage,  welche  materielle  Hilfe
Sachsen  vom  Landgrafen  zur  Behauptung  scines  Rechts  erwarten  dürfe.  Inzwischen
  hatten  auch  Markgraf  Christian  von  Brandenburg-Culmbach  und
Landgraf  Ludwig  von  Hessen-Darmstadt,  die  der  dresdiner  Zusammenkunft
(vgl.  no.  5,  8.11.  Anm.  1)  anwohnten,  ihre  Vermittlung  angeboten,  die  gleichfalls
  nicht  abgelehnt  wurde  (Protokoll  des  kursächsischen  geheimen  Rats
vom  16./26.  Dezember,  a.  a.  O.,  f.  505).  Die  beiden  reisten  noch  Ende
Dezember  zum  Kurfürsten  von  Brandenburg  und  begannen  mit  diesem
am  5.  Januar  (vgl.  Stg.,  Arch.  Pfalz,  C  35i;  no.  9;  Kop.)  wegen  der  interimistischen
  Admission  Sachsens  in  den  Gemeinbesitz  von  Jülich  zu
verhandeln.  Schon  am  selben  Tag  erlangten  sie  Kurbrandenburgs  Zustimmung,
  dass  die  Frage  der  Einnahme  Sachsens  durch  Markgraf  Christian
und  die  beiden  Landgrafen  als  Schiedsrichter  erörtert  und  entschieden
werden  solle  (Stg.,  a.  a.0.,  no.  9d;  Kop.);  am  4./14.  Januar  konnten  die  Unterhändler
  den  glücklichen  Erfolg  der  Vorverhandlung  Kursachsen  melden
iDre.,  a.  a.  O.,  f.  309;  Or.);  als  Ort  der  Verhandlung  wurde  zunächst
Erfurt  vorgeschlagen  (Dre.,  ze.  a.  O.,  f.  383;  Kop.).  —  Noch  am  12.  Januar
hatte  der  Kurfürst  von  Sachsen  seine  bestellten  Obersten  und  Oberstleutnante
befragen  lassen,  ob  Sachsen  „die  favorable  commodität“  mit  dem  passauer  und
        <pb n="43" />
        8.  1611  21

und  niedern  Standes,  Reitern  und  Knechten  einerseits,1  dem  Erzbischof  Januar  8.
von  Salzburg,  dessen  Domkapitel,  Erzstift  und  Untertanen  andererseits

  zur  Verhütung  drohender  Tathandlung  und  zur  Erhaltung  gebührlicher

  Korrespondenz  folgende  Vergleichs-  und  Einigungsartikel  geschlossen
  worden  :

1.  Aus  den  bisherigen  Verhandlungen  hat  sich  genugsam  ergeben,
dass  die  wesentlichste  Ursache  zu  Weiterungen,  die  sich  wegen
des  kaiserlichen  Kriegsvolks  mit  den  benachbarten  Reichsständen,
besonders  Baiern  und  Salzburg,  ergeben  könnte,  dessen  beabsichtigte
Einlagerung  in  Tirol  sein  dürfte,  die  —  neben  den  Fürsten
des  Hauses  Oesterreich  —  auch  Salzburg  und  Baiern  durchaus  nicht
gestatten  können.  Es  ist  daher  verglichen  und  von  Althan  im  Namen
des  Kaisers  und  aller  andern  Interessenten  bewilligt  worden,  dass
die  Einlagerung  des  Kriegsvolks  in  Tirol  aus  beweglichen  Ursachen,

elsässer  Volk  ausnützen  wolle  und  wo  vorläufig  dies  Volk  in  Jülich  zu

uarstieren  wäre?  Das  abmahnende  Gutachten  der  Kriegsräte  (vom  3./13.
Januar  io  Drs.,  a.a.O.,  f.  158;  Kptkopte)  wird  auch  nicht  ohne  Eindruck  auf  den
Kurfürsten  geblieben  sein.  Tedenfalls  verstummen  seitdem  die  kriegerischen
Aspirationen  Sachsens.  Die  Abneigung  der  Landstände,  Opfer  auf  sich  zu  nehmen

.  .  24.  Dezember  1610,
(vgl.  das  Protokoll  des  kursächsischen  geheimen  Rats  vom  3.  Januar  1611,

Drs.,  a.  a.  O.,  f.  511),  und  die  ablehnenden  Antworten  auf  verschiedene
Darlohensgesuche  (vgl.  Drs.,  a.  a.  O.,  f.  408)  steigerten  die  friedfertige
Gesinnung  Sachsens.  —  Die  Akten  der  Vorbereitung  zum  jüterbogker  Tag
und  die  der  jüterbogker  Handlung.  selber  müssen  wegen  Baummangels
bei  seite  bleiben.

!  Althan,  der  wegen  des  Durchzugs  der  Passauer  nach  Tirol  schon  am
14.  November  in  Salzburg  erschienen  war  (vgl.  Kurz-Czerny,  I.,  8.  665),
war  am  29.  Dezember  1610  (Ma.,  425/2,  f.  583;  Or.)  abe  vom  Kaiser
an  den  Erzbischof  von  Salzburg  und  an  (len  Herzog  von  Baiern  abgefertigt
worden  und  weilte  seit  Neujahr  1611  in  Salzburg  (Erzbischof  von  Salzburg
an  den  Herzog  von  Baiern  am  2.  Januar  1611;  Ma,  I11jl1,  —;  Or).  Ueber
Althans  Anbringen  spricht  sich  der  Erzbischof  nicht  deutlich  aus;  am
5.  Januar  schreibt  der  Greheimsekretär  des  Erzbischofs,  Thomas  Perger,
darüber  an  die  bairischen  Kommissarien,  Althban  sei  ohne  Wissen  und  Willen
des  Erzbischofs  in  Balzburg  erschienen,  seine  Werbung  sei  gewesen,  zwischen
Salzburg  und  Baiern  Mistrauen  zu  säen  (Ma.  111/11,  —;  Or.  eigh.).  Von
Salzburg  aus  begab  sich  Althan  nach  Burghausen  und  Neuötting,  von  wo
aus  er  an  den  Herzog  von  Baiern  am  4.  Januar  schrieb,  dass  das  Kriegsvolk
  wol  im  Lande  ob  der  Enns  werde  bleiben  müssen  (der  Versuch  der
Passauer,  zu  Claus  vor  Spital  am  Pyhrn  nach  Steiermark  durchzubrechen,
war  am  80.  Dezember  von  den  Bauern  abgeschlagen  worden),  dass  ee  aber
das  bairische  Gebiet  respektieren  werde  (Ma.,  111/11,  —:  Or.  eigh.).  Von
Altötting  kehrte  aber  Althan  plötzlich  um,  angeblich  weil  kaiserliche
Schreiben  ihn  veranlassten,  nach  burg  zu  gehen  (Ma.,  a.  a.  O.),  wo  am
8.  der  Vertrag  geschlossen  wurde;  am  9.  Januar  reiste  dor  Graf  nach  Prag
zurück,  um  Resolution  einzuholen,  was  nun  mit  dem  Volke  geschehen  solle
(Viepeckhs  Bericht  aus  Salzburg  an  Herzog  Maximilian  vom  13,  Januar;  Ma.,
111/11,  —  ;Or.eigh.).  Auf  das,  wassonstzu  Salzburg  abgemacht  worden  war,  wirft
das  in  no.  34,8.  83,  Anm.3  erwähnte  Schreihenein  Licht.  —  Das  Kriegevolk  hatte
sich  inzwischen  unter  Ramdes  Führung  vom  Gebirge  gegen  die  Traun  zurückgewendet,
  diese  überschritten  und  lagerte  von  Vöcklabruck  bis  gegen  Wels  hin.
        <pb n="44" />
        22  1611  8.

Januar  8.  die  nicht  nur  Salzburg  und  Baiern  sondern  das  ganze  Haus  Oesterreich
  betreffen  und  grosse  Gefahr  in  sich  tragen,  unterbleibe.  Dafür
verspricht  der  Erzbischof,  wenn  der  Kaiser  für  sich  oder  andere  auf
Tirol  Ansprüche  hätte,  ihm  behilflich  zu  sein,  sie  gütlich  durchzusetzen,
  damit  ihm  und  andern  an  diesen  Landen  Interessierten  nichts
entzogen  werde.  Würde  das  dennoch  geschehen,  so  wollen  der  Erzbischof
  und  der  Herzog  von  Baiern  —  wenn  der  dieser  Handlung
beitritt  —  dem  Kaiser  zur  Erhaltung  seines  Rechts  behilflich  sein.

2.  Die  Einquaitierung  des  kaiserlichen  Kriegsvolkes  in  Oesterreich
  ob  der  Enns  hat  Salzburg  und  Baiern  mistrauisch  gemacht  und
bewogen,  zur  Sicherung  ihrer  Landen  zu  rüsten  und  gemeinsamen
Widerstand  zu  vereinbaren,  weshalb  es  leicht  zwischen  dem  kaiserlichen
und  dem  Kriegsvolk  der  Fürsten  zu  Tätlichkeiten  kommen  könnte.
Es  haben  sich  daher  Althan  und  der  Erzbischof  dahin  verglichen,
dass  das  kaiserliche  Kriegsvolk,  so  lange  es  in  Oesterreich  ob  der
Enns  liegt,  sich  nicht  über  Vöcklabruck  und  die  daranstossenden
khevenhillerschen  Herrschaften,  die  Herrschaft  Wildenegg,  in  der
Mondsee  liegt,  und  die  Stadt  Gmunden  hinaus  gegen  das  Erzstift
hin  einlagere  oder  streife,  sondern  zu  Unterhalt  und  Quartier
sich  mit  den  Orten  donauabwärts  und  ausserhalb  obigen  Bezirkes
begnügen  und  das  Gebirge  keineswegs  berühren  solle.  Zur  Versicherung
Althans  und  des  Kriegsvolks,  dass  ihnen  von  diesen  Orten  an  den
salzburgischen  Grenzen  nichts  feindliches  begegne,  sollen  die  Orte
Vöcklabruck,  Mondsee  und  Gmunden  bis  zum  Abzug  des  kaiserlichen
Kriegsvolkes  oder  bis  zu  weiterer  brüderlicher  Vergleichung  zwischen
dem  Kaiser  und  König  salzburgische  Besatzungen  aufnehmen  und  soll
der  Erzbischof  erst  nach  der  brüderlichen  Vergleichung  und  dieser  gemäss
die  Plätze  zurückstellen,  inzwischen  aber  die  Orte  wegen  der  Religion
unbedrängt  lassen.  Da  sich  Salzburg  und  Baiern  zur  Defension  ihrer
Lande  und  zur  Verhütung  der  Einlagerung  in  Tirol  gegenseitiger  nachbarlicher
  Assistenz  bereits  verglichen  haben,  so  soll  Althan  wegen
des  Kriegsvolks  verpflichtet  sein,  gleiche  Handlung  mit  dem  Herzog
zu  pflegen  und  auf  das  einzugehen,  wessen  sich  Baiern  absonderlich
oder  neben  Salzburg  vergleichen  wird.

9.  Zwischen  dem  kaiserlichen  Kriegsvolk  in  Oesterreich  ob  der
Enns  und  den  beiden  Fürsten  von  Salzburg  und  Baiern  soll  Frieden
und  Einigkeit  erhalten  bleiben  und  kein  Teil  von  dem  andern  etwas  zu
befahren  haben  bei  höchster  Verpfändung  von  Treue,  Ehre,  Leib  und  Gut.
Es  sollen  sich  auch  Salzburg  und  Baiern,  wenn  dem  Herzog  die  Handlung
  annehmlich  ist,  „diser  und  anderer  Österreichischen  sachen  sowol
von  disem  kriegsvolk  als  von  anderm  herrürend,  sie  haben  gleich  namen
wie  sie  wöllen,  wider  I.  ksl.  M.'  und  dero  kriegsvolk  im  wenigsten
nicht  anzenemen  oder  zu  beladen  haben  sondern  denselbigen  ihren
lauf  lassen“,  ausser  was  sie  mit  Zustimmung  des  Kaisers  und  Althans
gütlich  beim  Kriegsvolk  auf  Ersuchen  des  einen  oder  andern  Teils
        <pb n="45" />
        8—)9.  1611  23

thun  könnten,  wogegen  das  Kriegsvolk  von  des  Kaisers  wegen  Januar  8.
sich  in  keinen  „widrigen  Verstand‘  gegen  Salzburg  und  Baiern  einlassen
  wird.

4.  Damit  sich  niemand  mit  Unkenntnis  dieser  Verhandlung
entschuldigen  kann,  soll  Althan  die  kaiserliche  Ratifikation  dieses
Vertrags  binnen  drei  Wochen  beiden  Fürsten  übersenden,  inzwischen  aber,
da  diese  Handlungen  keinen  langen  Verzug  leiden,  sollen  beide
Fürsten  oder  der  eine,  falls  der  andere  nicht  zustimmt,  den  Vertrag
fertigen,  ebenso  Althan  als  Feldmarschall,  die  Obersten,  „hohen  Aemter,‘‘
Oberstleutnante,  Rittmeister  und  Hauptleute  ihn  unterzeichnen  und
bei  ihren  ritterlichen  Ehren  versprechen,  dem  allen  treulich
nachzukommen  und  zwar  binnen  acht  Tagen.  Inzwischep  und  von  heute
an  soll  zwischen  beiden  Teilen  Waffenstillstand  sein  sd  das  kaiserliche
Kriegsvolk  über  die  gezogenen  Grenzen  hinaus  z#tht  gegen  Salzburg
und  nicht  gegen  Baiern  über  die  von  dem  Mörzog  zu  bestimmende
Linie  rücken.  Nach  der  Fertigung  soll  der  Vertrag  durch  Althan
oder  dessen  Vertreter  im  Beisein  salzburgischer  und  bairischer
Kommissarien  den  Reitern  und  Kuefhten  verkündet  und  daran  bei
Verpfändung  Leibs  und  Lebens  fütgehalten  werden.  Actum  Salzburg
den  8.  januarii  1611.

Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  August  1611,  zu  no.  16;  Kop.!

9.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  König  Matthias.  Jannar  8.

Auf  das  königliche  Schreiben  vom  28.  Dezember.?  Da  wir  gänzlich
  dafür  halten,  dass  der  Einfall  des  passauer  Volkes  ohne
Wissen  des  Kaisers  geschehen  ist,  so  zweifeln  wir  nicht,  dass  E.L.  den
Kaiser  für  entschuldigt  halten  werden,  zumal  der  Einfall  nicht  feindselig
  gemeint  ist  sondern  nur  der  Durchzug  begehrt  wird.  Wir  hören
„von  fernst‘“,  dass  der  Kaiser  entschlossen  ist,  das  Volk  zur  Erhaltung
seiner  Hoheit?  bis  zur  völligen  Bezahlung  in  Tirol  einquartieren

I  Aut  die  baierische  Kopie  (Ma,  111/11,  —),  die  der  Erzbischof
dem  Viepeckh  mitteilte,  schrieb  Herzog  Maximilian  eigenhändig:  „Vertrag
Salzburg  mit  dem  von  Altheim,  darein  Salzburg  ohne  wissen  vnd  willen  Ire
Durchlaucht  in  Beyrn  gern  gebrokht  hette,  zweifelsohne  dardurch  sein
vnfueg  etwass  zu  bemantlen  vnd  zu  besterkhen.  Welchs  alles  aber  Bayrn
nit  allein  ganz  frembd  vorkhommen  sonder  auch  mit  disem  vertrag  weder
vil  noch  wenig  zu  thuen  haben  wollen,  wie  sie  dann  nit  vnderlassen,  denselben,
  als  sie  dessen  erindert  worden,  erzherzogen  Maximilian  dem  eltern
solches  zu  communizieren.“  —  Ein  Dankschreiben  Erzherzog  Maximilians  an
den  Herzog  für  Mitteilung  des  Vertrags  vom  7.  März  in  Ib.,  Regimentssachen
  von  1611,  f.  353;  Kptkopie.

2  Drs.,  1.  9166,  1.  Bd.  pass.  Kriegsvolks,  f.  4;  Or.  Der  König  ersucht
auf  Grund  des  prager  Abkommens  den  Kurfürsten,  ihm  als  „haltenden
Teil“  wirklichen  Beistand  zu  leisten  und  ihm  wissen  zu  lassen,  wie  stark
und  wie  bald  der  Kurfürst  ihn  unterstützen  könne.

®  Zuerst  hiess  es  im  Konzept,  der  Kaiser  sei  entschlossen,  seine  Hoheit
zu  gebrauchen  u.  8.  w.
        <pb n="46" />
        Januar  8.

Januar  8.

24  1611  9—10.

zu  lassen.  E.  kgl.  W.  sind  als  Reichsstand  schuldig,  über  der
Würde  des  Reichshauptes  zu  halten;  daher  können  wir  nicht
sehen,  weshalb  E.  kgl.  W.  dem  Volke  den  Durchzug  verwehren  und
grössere  Weitläufigkeit,  deren  Sie  wol  überhoben  sein  könnten,  vernrsachen
  wollen.  Wir  bitten  E.  kgl.  W.,  dies  zu  bedenken  und,
wenn  ja  ein  Fehler  mit  unterläuft,  denselben  um  des  Kaisers  und  des
gemeinen  Wesens  halber  nicht  so  hoch  zu  achten,  weil  ja  durch  diese
Abführung  des  Volkes  dem  Vertrage  von  Prag  ein  „Bealgenügen‘“
geschieht  und  E.  kgl.  W.  vun  dem  Volke  nichts  mehr  zu  besorgen
haben.  Wir  wollen  aber  auch  den  Kaiser  au  den  Vertrag  erinnern
und  daran  sein,  dass  E.  kgl.  W.  befriedigt  werden.  Datum  Dresden
den  29.  decembris  a°  1610.

Dras.,  I.  9165,  I.  Bach  passauer  Kriegsvolks,  f.  101;  Kytkopie  !

10.  Nicolas  de  Baugy  an  den  Staatssekretär  Puysieulax.

„Monsieur.  Pendant  que  le  remuement  de  ces  gens  de  guerre
de  Passaw  tient  tout  le  monde  de  desä  en  cervelle,  l’archiduc  Leopold
leur  general  garde  la  chambre  malade  de  la  petite  verolle,  faisant
semblant  de  ne  rien  savoir  de  leurs  entreprises?  qu’aprez  le  coup,

ı  Am  gleichen  Tag  schrieb  der  Kurfürst  an  den  Kaiser:  er  zweifle
nicht,  der  Kaiser  werde  dem  König  allen  Verdacht  genommen  und  \erfügung
  getan  haben,  dass  gegen  Matthias  und  dessen  Lande  nichts  Feindseliges
  unternommen  werde,  da  dies  gegen  den  prager  Vertrag  wäre.  Wenn
es  nicht  schon  geschehen  sei,  möge  Matthias  in  des  Kaisere  Namen  um  den  Durchzug
  ersucht  werden  (Dre.,  a.a.O,f.  12;  Kptkopie).  An  den  Grafen  von  Hohenzollern,
  der  das  kurfürstliche  Schreiben  dem  Kaiser  überreichen  sollte,  schrieb
der  Kurfürst  drei  Tage  später:  er  habe  Jdas  Einrücken  des  Kriegsvolks  in
Oesterreich  mit  Unmut  verstanden,  der  Graf  möge  sorgen,  dass  e8  wieder
herausgeschafft  werde;  etwaige  Tätlichkeiten  des  Volkes  würden  nur  die
Unierten  frohlocken  machen  und  den  Possidierenden  sowie  den  ausländischen
Potentaten  zu  neuen  Attentaten  Anlans  geben  (Dre.,  a.  a.,  O.,  f.  35;  Kpt).
Aehnlich  schrieb  der  Kurfürst  am  7./17.  Januar  an  Erzherzog  Leopold  mit
dem  PBeifigen,  dass  er  sonst  auf  weiteres  Anmahnen  seinem  fürstlichen
Worte  nachkommen  miisste‘,;  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  38;  Kpt.'.  —  Der  König  erwiderte
auf  obiges  Schreiben  durch  die  Schickung  seines  bestellten  Obersten  und
Kämmerers,  Philipp  Otto  Wildgrafen  zu  Daun  und  Kirchberg  und  Rheingrafen
  von  Stein,  der  mit  Instruktion  vom  22.  Februar  nach  Dresden  abgefertigt
  wurde  und  neue  Klagen  überbrachte,  besonders  dass  der  Kaiser  das
königliche  Schreiben  vom  29.  Dezember  nicht  beantwortet  und  den  Durchzug
  seines  Kriegsvolkes  nicht  rechtzeitig  angemeldet  habe;  zum  Schluss
wird  der  Kurfürst  abermals  an  seine  Pflichten  als  Mitbürge  des  prager
Vertrags  erinnert  (Drs.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  310;  Or.).

®  In  der  Tat  hatte  Erzherzog  Leopold  noch  am  7.  Januar  den  Herzog
von  Baiern  an  Eidesstatt  versichert,  dass  er  von  dem  Aufbruch  des  Kriegsvolkes
  nach  Oesterreich  gar  nichts  gewusst  habe  und  dazu  nie  seine  Zustimmung
  gegeben  hätte,  „welches  dan  E.  L.  so  gewiss  als  das  heil,
evangelium  glauben  wollen;  (Ma.,  111/11,  —  Or.);  vgl..  no.  1  und  12.
        <pb n="47" />
        10.  1611  25

comme  si  elles  partoient  seulement  de  la  teste  du  comte  d’Althaim  Januar  8.
et  da  s.”  de  Ram&amp;amp;e  qui  sont  les  chefz  qui  les  conduisent  maintenant,
le  baron  de  Trautmensdorff  suget  et  vassal  de  l’archiduc  Ferdinand’
sen  estant  retir6,  depuis  qu’il  ouyt  qu’ilz  proposoient  de  faire  le
chemin  de  la  Stirie  et  de  la  Carinthie  pour  passer  en  Tiroll.
Toutesfois  les  plus  entendus  tiennent  que  ce  sont  des  chimeres  dudit
Leopold  et  quelques  autres  jeunes  barbez  dont  il  suit  le  conseil,
leequelz  unanimement.  poussent  l’empereur,  oultr&amp;amp;  de  douleur  et
d’appetit  de  vengence  contre  ceulx  qui  l’ont  offencse,  a  des  resolutions
qui  luy  ponrroient  estre  autant  prejudiciable  qu’ilz  se  promettent
d’en  recevoir  de  l’'honneur  et  de  l’utilit6e.  De  fait  l’on  m’a  dit  qu’estant
venu  aviz,  que  l’on  estoit  sur  le  point  de  contenter  et  licentier  les
soldatz  dudit  Leopold  qui  sont  en  Alsace,  il  a  depeschö  un  courrier
pour  les  retenir,  voulant  les  faire  joindre,  sil  est  possible,  avec  les
autres  et  les  employer  tous  ensemble  a  1’  execution  de  ses  dessains.!
L’ambassadeur  d’Espagne  faict  nıine,  ains  que  je  Vous  aye  mand6,  n'y
aroir  point  de  part,  mais  il  ne  le  peut  persuader  a  qui  le  connoist,
coeux  qui  luy  sont  les  plus  favorables  disans,  que  pour  le  moins  il
saura  bien  convertir  le  tout  au  profit  et  a  l’advantage  de  son  maistre.
Loy  et  ses  domestiques  scment  des  bruitz  de  quelque  prochain
mouvement  en  Baviere  avec  un  plaisir  qui  monstre  le  desir  qu'ilz
en  ont,  mais  comme  faire  se  peut,  que  ce  soit  pour  donner  reputation
  et  credit  aux  remonstrances  et  offices  du  conte  de  Zollern  qui
est  marqu6  a  leur  coing  et  pour  diminuer  l’opinion  que  l’on  a  des
forces  des  princes  de  Brandebourg  et  de  Neubourg,  quand  1’on  estimera
  quo  les  Ma.  seront  diverties  de  les  ayder  par  l’apprehension
des  divisions  internes  du  royaume.  J’ay  ceste  confience  en  la  bont6
disine  et  en  la  prudence  de  la  royne  et  des  meosseigneurs  du  conseil
que  lez  effetz  de  ces  mauvais  angures  tomberont  sur  ceux  qui  en
sont  les  authenrs.

Nous  avons  icy  pour  nouveau  nonce  monsignor  Salvago  Genevois
eresque  de  Sarzana;  quand  je  l’ay  est6  visiter,  il  m’a  asseur6  de
son  inclination  au  bien  des  affaires  de  leurs  Ma.'““,  non  seulement
comme  ministte  du  pape  mais  aussy  comnie  faisant  particuliere
profession  d’estre  leur  servitenr,  me  priant  de  leur  en  rendre  ce
tesmoignage.  J’ay  monstr&amp;amp;  de  le  croire  et  luy  ay  promiz  d’accomplir
cet  office  pour  acquerir  quelque  confidence  auprez  de  luy,  bien  que
je  scache  que  S.  3.'®  est  coustumiere  de  n’envoyer  personne  en  ceste
conrt  qui  ne  luy  soit  nommö  par  les  Espagnols  ou  du  moings  qui
ne  leur  soit  agreable.e.  De  Prague  le  8  de  janvier  1611.“

Pa,  Harlay,  no.  338,  XII.,  f.  7;  Or.  eigh.

'  Vgl.  no.  5,  8.  13,  Anm.  4.
        <pb n="48" />
        26  1611  11—12.

Januar  8.  jl,  Erzherzog  Leopold  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Ich  bin  von  den  Blattern  wieder  hergestellt.  —  Der  Kaiser
will  den  nach  unfruchtbarem  Ausgang  der  augsburger  Zusammenkunft
  in  Aussicht  genommenen  katholischen  Bundestag  „zu
erhaltung  ihrer  kaiserlichen  authoritet,  respect  und  hoheit  durch  eine
ansehenliche  schickung  zu  dem  ende  besuchen,  damit  sie,  was  die
unionsverwanten  bei  dem  gülichschen  wesen  den  gehorsamben
ständen  zu  guetem  oder  aber,  da  si  durch  ihre  mit  dem  'gegenthail
aufgerichtete  vergleichung  hieran  verhindert,  auf  den  fal,  dass  pars
adversa  des  gülichschen  wesens  sich  annemben  würden,  was  sie  alsdan
  zu  thun  oder  zu  lassen  gesinnet,  vernemben  mögen“.  Damit
sich  die  Gesandten  nicht  etwa  mit  Mangel  Befehls  entschuldigen,
mögen  E.L.  den  Bundesständen  hievon  Mitteilung  machen.  —  Prag
den  8.  januarii  a.  1611  —  Praes.  Aschaffenburg  17.  jan.  a.  1611.

Wme.,  Religionsakten,  Band  11,  no.  126;  Or.!

Januar  11.12.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Erzherzog  Leopold,

Auf  das  Schreiben  vom  256.  Dezember.?  Ich  habe  mich  allerdings,
  aber  nicht  auf  die  Weise,  wie  die  von  E.  L.  mir  mitgeteilte
Schrift  ausweist,  mit  Kurpfalz  in  Korrespondenz  eingelassen  und
wegen  der  augenscheinlichen  Gefahr  Handlung  gepflogen.  E.  L.  wissen,
dass  ich  vom  Anfang  dieser  passauer  Werbungen  dem  Kaiser  durch
Schreiben  und  Schickungen  die  zu  besorgenden  Unzuträglickheiten
vorgestellt  habe:  wie  die  Protestanten  deshalb  rüsten  und  auch  die
Katholischen  zwingen  würden,  sich  mit  grossen  Kosten  in  Gegenverfassung
  zu  setzen,  wodurch  ein  unlöschbares  Feuer  in  Deutschland
entstehen  könnte;  ich  habe  ferner  oft  vor  der  Einquartierung  des
Kriegsvolkes  im  Stifte  Passau  gewarnt  —  aber  alles”  vergeblich,
  ja  ich  habe  nicht  einmal  eine  Nachricht  bekommen,  wohin
dieses  Volkes  gemeint  sei.  —  Darstellung  der  bisher  erwachsenen
Ungelegenheiten  und  der  bisherigen  vergeblichen  Abdankungsversuche
des  Herzogs  von  Braunschweig.  —  Das  Volk  hat  sich  unverholen  vernehmen
  lassen,  den  Pass  durch  mein  Land  auch  mit  Gewalt  zu

i  Der  Erzherzog  schrieb  im  gleichen  Sinn  am  11.  Januar  an  den  Herzog
von  Baiern.  Dieser  Herzog  erwiderte  am  19.  Januar  kurz:  der  Bitte
könne  nicht  willfahrt  werden,  denn  er  habe  schon  vor  Einlangen  des  Schreibens
auf  Veranlassung  von  Kurmainz  die  Ausschreiben  zu  einem  Bundestag  unterfertigt;
  dazu  sei  der  Bundestag  nur  zur  Ordnung  des  Rechnungswesens  im
Bund  bestimmt;  Wh.,  Reichsakten  in  genere,  no.  59a,  Or.  —  Der  erste
Eutwurf  für  das  Ausschreiben  zum  Bundestag  in  Würzburg  ist  wirklich
vom  165.  Januar  datiert  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V,  no.  37,  f.  172;  Kop.)

?  Ma.,  425/2,  f.  452;  Or.
        <pb n="49" />
        12.  1611  27

nehmen,  die  Pässe  in  mein  Land  wurden  mehrmals  erforscht,  ja  Januarll.
E.  L.  selbst  haben  meinen  Kommissarien  zu  S.'  Nikola  vor  Dero  Aufbruch

  nicht  versprechen  wollen,  dass  der  Durchzug,  um  den  wir  nie

ersucht  worden  sind,  nicht  durch  unser  Land  gehen  solle.

Nun  ist  geschehen,  was  man  damals  besorgte:  das  Volk  ist  E.  L.
Schreiben  nach  wider  Dero  Wissen  und  Willen  und  gegen  des  Kaisers
Befehle  aufgebrochen  und  unversehens  und  wider  den  Vertrag  in  das
Land  o/E,.  eingerückt,  um  durch  Steiermark  und  Kärnthen  nach  Tirol
zu  ziehen;  auch  Trautmannsdorf  soll,  wie  ihm  die  kaiserlichen  Kommissarıeon
  zu  Passau,  Lasotto  und  Kleinsträtl  vorwerfen,  wider  selbst
angezogenen  Befehl  sein  Regiment  und  die  Artillerie  mitmarschieren
lassen,  da  es  doch  vordem  nur  hiess,  dass  os  nach  Böhmen  gehe  und  ich
in  Sorgen  gestanden  habe,  dass  das  Volk  aus  Böhmen  ia  mein  Land
zurückgetrieben  würde.

Bei  den  Beschwerden,  in  die  ich  und  mein  Land  gesetzt  wurden,
weil  das  Volk  nicht  gehörig  unterhalten  und  bezahlt  wurde  (denn
sonst  hätte  ich  mich  keiner  Ungelegenheit  von  ihm  besorgt),  lasse
ich  E.  L.  und  jedermann  urteilen,  ob  ich  hätte  still  sitzen,  den  Ausgang
  erwarten  und  mich  der  Barmherzigkeit  dieser  Leute  unterwerfen
sollen  oder  vielmehr,  ob  ich  nicht  ebenso  wie  Kurpfalz  und  andere
mich  notwendig  in  Defension  stellen  musste,  wie  ich  dies  gleich
anfangs  vorausgesehen  und  dem  Kaiser  zu  erkennen  gegeben  habe.
Auf  diese  Defension  sind  mir  abgesehen  von  dem  Verlust  von  Einkünften
und  Regalien  schon  einige  100  000  Taler  gegangen.  —  Habe  ich  da
Unrecht  getan,  dass  ich  wegen  der  zu  besorgenden  Vergewaltigung  zu
besserer  Versicherung  meiner  Lande  und  Leute,  da  ich  beim  Kaiser
kein  Gehör  finden  konnte,  bei  meinen  nächsten  Nachbarn,  die  schon  in
Bereitschaft  standen,  für  dem  äussersten  Notfall  Beistand  gesucht  habe,
da  doch  jedem  erlaubt  ist,  in  Notfällen  jedermann  anzulangen?  E,  L.
konnten  mich  ja  nicht  gegen  eine  Meuterei  versichern,  welche  Gefahr
sehr  nabe  war,  zu  geschweigen,  dass  das  Volk,  nachdem  ihm  der
Weg  nach  Steiermark  verlegt  ist,  sich  nunmehr  nicht  gegen  Böhmen
sondern  unmittelbar  gegen  mein  Land  und  Salzburg  gewendet  hat.
Wenn  nun  Erzherzog  Maximilian,  Dero  Vetter  und  des  Kaisers  Bruder,
gestattst  war,  mit  seiner  Landschaft  dem  kaiserlichen  Volk  Pass
und  Quartier  in  einem  Land,  das  dem  Kaiser  und  Haus  Oesterreich
zugehört,  zu  verwehren,  ja  die  äussersten  Gegenmittel  zu  gebrauchen,
sich  dazu  ebenso  wie  das  Land  ob  der  Enns  um  die  Hilfe  des  Königs
von  Ungarn,  des  Erzherzogs  Ferdinands  u.  s.  w.  zu  bewerben,  wenn  die
steirische  Landschaft  rüsten  und  den  Pass  verweigern  durfte,  so  sehe
ieh  nicht,  warum  mir  das  verboten  sein  oder  warum  es  am  kaiserlichen
Hof  so  grosses  Nachsinnen  geben  soll,  dass  ich  zu  meiner  Versicherung
nach  erlaubten  Mitteln  bei  meinen  Verwandten  gemäss  den  Verträgen
getrachtet  habe,  damit,  wenn  das  Volk  von  Tirol  abgetrieben  würde,
nicht  die  ganze  Kriegslast  auf  mein  Land  kommt.  Das  ist  mir  um  so
weniger  zu  verdenken,  als  Althan  offen  äusserte,  er  könne  gegen  eine
        <pb n="50" />
        Januar  11.

28  1611  12.

Meuterei  nicht  bürgen.  Ich  versehe  mich  daher  vom  Kaiser  umso
weniger,  dass  er  meine  Schickung  nach  Heidelberg  übel  aufnimmt,
zumal  dabei  nicht  das  geringste  angebracht  wurde,  was  ihm  nachteilig
wäre,  vielmehr  besteht  der  ganze  Vertrag  aus  den  zwei  wolverantwortlichen
  Punkten:  1.  wofern  das  passauer  Volk  Gewalt  anwenden
würde,  2.  wenn  sie  an  jenem  Ort  zu  meinem  und  der  meinen  Schaden
überwintern  wollten.  Beides  werden  weder  der  Kaiser  noch  E.  L,  gerne
sehen  und,  wenn  E.  L,  es  nicht  wehren  können,  wird  ee  Ihnen  nicht
zuwider  sein,  wenn  ich  und  andere  benachbarte  Interessenten  uns  vor
grössereom  Unheil  selber  schätzen,  zumal  mir  meine  bereits  aufgewendeten
  Unkosten  und  die  durch  dies  Volk  erlittenen  Schäden
noch  nicht  ersetzt  worden  sind.  —  Wenn  das  passauer  Volk  in
des  Kaisers  Devotion  und  in  gebührendem  Respekt  gegen  seine
Obersten  geblieben  wäre  und  sich  gegen  mich  und  die  meinen
klaglos  und  nachbarlich  verhalten  hätte,  so  würde  ich  weitere  Hilfe
nicht  gesucht  haben.  Der  Sache  wäre  aber  auch  dann  noch  geholfen
  gewesen,  wenn  ich  von  dem  Aufbruch  und  Durchzug  dieses
Volkes  vom  Kaiser  oder  E.  L.  nach  meiner  ausdrücklichen  Bitte
verständigt  worden  wäre,  zumal  so  verschiedene  Nachrichten  umliefen
  und  bald  vom  Abdanken,  bald  von  Böhmen,  bald  von  Tirol,
Mähren,  Oesterreich  die  Rede  war,  auch  E.  L.  selbst  versicherten,
dass  der  Kaiser  nach  der  Abdankung  des  Volkes  trachte;  nun  ist
aber  ein  anderes  erfolgt.  Ich  weiss  auch  nicht,  warum  E.  L.  mir
von  dem  Aufbruch,  weiterm  Vorhaben  und  von  der  Abforderung
Trautmannsdorfs  trotz  des  vorigen  Erbietens  guter  Korrespondenz
nicht  schrieben.  —

Ich  möchte  von  denen,  die  meine  Defension  so  übel  deuten,
gern  hören,  warum  gerade  mir,  der  ich  der  Gefahr  am  nächsten
bin,  meine  Vorkehrungen  verdacht  werden,  [,als  oh]  dardurch  ein
anderes,  so  doch  mit  Gottes  hilf  nit  angehn  sol,  gesucht
werden  wil.“  E.  L.  werden  Gelegenheit  haben,  sich  Ihres  und
Ihres  Stifts  Schaden  zu  erholen;  ich  sehe  aber  noch  nicht,  wie
ich  die  aufgewendeten  Unkosten  und  den  erlittenen  Entgang  ersetzt
erhalte,  zweitle  aber  nicht,  der  Kaiser  werde  mir  den  Ersatz  zubilligen
  und  E.  ,.  mir  dazu  behilflich  sein.  —  Ich  lege  eine  Abschrift
der  braunschweigischen  Missiven  und  Protestation  bei  und  bitte  E.  L.,
sie  mit  meiner  heidelberger  Werbung  zu  vergleichen,  sie  auch
allen  denen,  die  mir  diese  verdenken,  zustellen  zu  lassen.  Dass  in  meiner
Werbung  des  Königs  Matthias  einige  male  gedacht  wurde,  geschah,
weil  ich  von  ansehnlichen  Ständen  glaublich  vernahm,  dass  sie  ein
Einverständnis  zu  dem  Ende  gemacht  hätten,  damit  der  König  dem
Kaiser  die  grosse  vom  passauer  Volk  drohende  Gefahr  zu  erkennen
gebe  und  neben  andern  Nachbarn  ihn  ersuche,  das  Volk  abzudanken
und  aus  dem  Stift  abzuführen.  Ich  wollte  auch  meine  bereits  unterfertigten
  Schreiben  abgehen  lassen,  habe  aber,  da  die  Lage  sich
geändert,  damit  zurückgehalten  und  mit  dem  König  weder  vor  noch
        <pb n="51" />
        12—13.  1611  29

nachher  korrespondiert  oder  traktiertt.  Ich  bitte  um  Nachricht,  worauf  Januar  11.
es  mit  dem  Volk  endlich  angesehen  ist.  Datum  München  den
11.  januarii  a.  1611.

Ma.,  111|11  —;  Kptkopie  mit  Aenderungen  Jochers.!

13.  Aerssen  an  den  Kurfürsten  von  Brandenburg.  Januarli.

„Monseigneur.  Je  confesse  ingenuement,  que  ie  n’ay  rien  Contribuö
  de  solide  qui  ait  peu  avancer  le  service  de  V.  A.  en  ceste
cour,  que  le  seul  soin  de  le  recommander  selon  les  occasions,  et
partant  ie  n’ay  pas  merit6  cest  honneur  que  V.  A.  se  soit  souvenue
de  moy.  Toutesfois  ie  le  prens  comme  erre  &amp;amp;  un  plus  grand  devoir
duquel  ie  ne  m’excuseray  iamais,  quand  Vous  estimerds  &amp;amp;  propos  de
me  le  commander.  Le  feu  roy  a  eu  de  mouvemens  particuliers  par
lesquels  il  affectionnoit  la  justice  de  Vostre  cause;  les  considerations
de  ses  voisins  ne  l’avoient  peu  divertir  de  sa  resolution  pour  seconder
  les  desseins  de  V.  A.  et  estoit  prest  de  mettre  son  arm6de  aux
champs,  quand  ce  detestable  assassinat  le  nous  osta  qui  fut  certes
une  perte  grande  &amp;amp;  ceux  qui  ne  desirent  point  la  grandeur  d’Espagne,
mais  singulierement  &amp;amp;  V.  A.,  car  ie  scay  au  vray  que  l'intention  de  8.
Ma.'*  estoit  de  Vous  asseurer  dans  la  possession  de  la  succession
delaiss6ee  par  le  feu  duc  de  Cleves,  pour  ayant  achev6  ce  coup  en
faveur  de  ses  alli6s  porter  la  guerre  dans  l’estat  de  Milan,  d’oü  sans
doute  fut  suivye  la  paix  et  pour  l’Allemaigne  et  pour  les  Pays-Bas.
Dien  ne  nous  en  a  pas  encor  iug6s  dignes.  Desormais  ie  n’ose  pas
promettre  &amp;amp;  V.  A.  qu  'Elle  doive  esperer  pareille  faveur  de  ceste
cour.  La  royne  a  bien  de  la  bonne  volont6  pour  entretenir  les  anciennes
  alliances  de  ceste  couronne  et  mesmes  de  ne  rien  alterer
dans  les  maximes  du  feu  roy,  mais  sa  regence  est  agit6e  d’une  sy
grande  diversit6  d’opinions,  comme  il  est  accoustum6  d’arriver  A  toute
minorit&amp;amp;  que  malaysöment  sa  bonne  vollont&amp;amp;  pourra  estre  accompagn6e
des  effects  qui  luy  sont  necessaires  pour  la  rendre  parfaicte.  Le
sr.  Belin  l’a  bien  observö  se  trouvant  sur  ces  lieux  et  sans  doute.  en
aura  faict  particulier  rapport  &amp;amp;  V.  A.,  ce  qui  me  retiendra  d’en  importuner
  davantage  V.  A.  que  pour  Vous  asseurer,  que  la  cause  de
V.  A.  est  sy  importante  ä  la  chrestient6,  mais  singulierement  &amp;amp;  nos
Provinces  Unies,  que  ie  suis  oblig6  de  l’embrasser  avec  tout  soin  en
ceste  cour,  quand  mesmes  ie  n’auroy  point  cest  honneur  d’en  estre
somme  par  V.  A.  De  Paris  ce  11.°  de  ianvier  1610.

Haag,  Aerssens  Briefe,  Band  VII.  —  Kopie.?

!  Vorstehendee  Schreiben  ist  erwähnt  bei  Hurter,  a.  a.  O.,  VI,
8:  369,  Anm.  67.

»  Am  5./15.  Jannar  schreibt  Aerssen  an  den  obengenannten  kurbrandenburgischen
  geheimen  Rat  Christian  von  Bellin:  „La  rupture  du  traicte  de
Conloigne  n’est  point  imputee  &amp;amp;  mess.  les  princes  unis,  mais  aux  dures  et  peu
        <pb n="52" />
        30  1611  14.

(Januar  14.  Bericht  Franz  Grienbergers,  Kammerdieners  des

12.)

Erzherzogs  Maximilian,  über  seine  Verrichtung  bei
König  Matthias  und  Erzherzog  Ferdinand.

Schilderung  der  Reise  durch  Oesterreich  ob  der  Enns.  Ankunft  in
Wien  am  10.  Januar.  Tags  darauf  brachte  ich  dem  König  meine  Werbung
gemäss  der  Instruktion  !  vor,  worauf  ich  folgenden  Bescheid  erhielt:
Ich  würde  bei  meinem  Durchzug  durch  das  Land  ob  der  Enns  selbst
gesehen  haben,  dass  die  Sachen  nun  in  andern  terminis  als  zur  Zeit

equitables  propositions  faictes  de  la  part  de  Saxe,  et  neantmioins  on  croit
ue  coste  separation  ne  sera  pas  asses  forte  pour  esclater  en  guerre.  La
oiblesse  qui  se  reconnoit  dans  la  ligue  de  Leopold  engendrera  une  paix  de
souffrance  plustost  que  de  convention.  C'est  le  jugement  de  ceste  cour,
confirm&amp;amp;  par  le  rapport  de  mons.  de  Bouillon.  Les  expediens  qu’  a  rapporte
mons.le  prince  d’Anhalt  d’Angleterre  pour  associer  Saxe  en  la  possession
de  Juliers  et  partager  l’administration  entre  Nieuburch  et  mone.  le  duc
de  Deux  Ponts,  ont  peu  pleu.  On  estime  que  mess.  les  prinoes  possedans  de
part  et  d’autre  ne  s’accommoderont  point  &amp;amp;  ce  changement,  moins  encor
u'il  soit  &amp;amp;  propos  de  le  souffrir,  quand  ils  seroient  pour  relascher  de  leur
oict;  car  co  seroit  ietter  Saxe  et  Nieuburch  tout  &amp;amp;  faict  entre  les  bras
de  l'empereur,  auquel  ils  servient  obliges  de  oeste  acquiaition.  Nous  verrons
ce  que  Vos  princes  en  diront  eux  mesmes  et  en  leur  interest,  quand  ils
entendront  la  proposition  de  mons.  le  prince  d’Anhalt;  mais  sy  le  refus  des  ses
ouvertures  Vous  met  en  peril  de  guerre  pour  le  printempse,  je  presuppose
que  desirds  scavoir,  sy  ceux  qui  Vous  donnent  des  hardys  conseils,  voudront
aussy  iciper  en  Vos  incommodites.  Sy  i'avoy  autant  de  clairvoyanoe  en
la  conduite  des  affaires  de  ce  temps  comme  i’ay  bien  de  la  volonts  de
servir  au  succes  de  Vostre  Union,  ie  Vous  diroy  en  trois  lles  ce
qu’auriee  &amp;amp;  esperer.  Vous  aves  veu,  quels  estoient  non  seulement  les
desseins,  ains  les  preperatifs  du  feu  roy  pour  cest  effect;  mais  sa  mort  nous  a
iettes  en  tant  de  confusions  pour  le  dedans  que  difficilement  nous  pouvons
reveoir  ce  qu’on  pourra  faire  pour  le  dehors.  Pour  ne  Vous  tromper
’aucune  vaine  esperance,  le  plus  asseure  est  de  croire  que  ce  royaulme  n'est
pas  desormais  en  estat  de  pouvoir  nuire  &amp;amp;  ses  ennemis  ne  Supporter  grandement
  ses  amis  et  bien  que  ie  ne  doute  pas,  que  la  presente  aflection  de
Ja  royne  ne  soit  encor  esgale  a  celle  que  par  cy  dovant  en  la  mesme  minorennitö
  elle  a  monstr6  a  Vostre  cause,  toutesfois  ie  la  voy  sy  agitee  de  divers
conseils  et  la  pluspart  de  ses  ministres  pousses  d’une  sy  grande  contrariete
de  desseins,  que  malaysöment  on  puisse  rion  attendre  de  solide  ou  genereux
de  ce  gouvernement,  iusques  ä  ce  que  la  maiorit6  du  roy  ait  dissip6  les
interests  et  animosites  particuliers  pour  raffermir  le  royaulme  et  le  conduire
r  les  maximes  du  feu  roy.  J’entends  que  Vous  estes  pour  venir  degä;
Nous  aves  veu  une  partye  de  nos  foiblesses  et  ä  Vostre  venue  Vous  connoistres
que  n’avons  rien  amande  du  depuis.  Cependant  il  est  ä  ropos  que  mess.
les  princes  concluent  leur  traicte  avec  les  roix  de  la  Grand  retaigne  et  de
Dannemarq  et  y  comprennent  les  Provinces  Unies,  de  tant  plus  considerable:
que  voisines  et  qui  ont  leur  milice  et  bien  disciplince  et  sur  pied.  Sy  la  France
se  faict  tirer,  c'est  qu’elle  craint  de  troubler  sa  minorite,  mais  ne  doutez  pas
qu’apres  elle  ne  se  ligue  avec  Vous.  Elle  a  trop  d’interest  en  Vostre  defense
et  ne  peut  se  joindre  avec  l’Espagne,  quelque  pene  en  prenne  le  pape.  Le  roy
d’Espagne  esgale  son  ambition  &amp;amp;  sa  puissance,  tous  le  oraignent,  ce  qui  est
cause  que  le  roy  de  France  doibt  prendre  le  party  oontraire  sans  avoir  esgarıl
&amp;amp;  la  religion.“  Haag  a.  a.  O.,  Kop.
ı  Vom  3.  Jannar.  Bitte  um  eilende  Hilfe  (Ib.,  Hofkonzepte  vom
Januar  1611,  no.  4;  Kpt.).
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        14.  1611  31

meiner  Abfertigung  ständen,  die  Absicht  des  passauer  Volks  durch
die  Steiermark  zu  kommen  sei  vereitelt;  daher  sei  für  die  vorderösterreichischn
  Lande  keine  Gefahr  und  E.  fl.  D.t  bedärften
keiner  Hilfe  mehr.  Würde  sich  wider  Verhoffen  der  Lauf  nochmals
wenden,  so  werde  der  König  auf  Erfordern  mit  seiner  ganzen  Macht
E.  fl.  D.  zuzieben.  —  Die  geheimen  Räte,  bei  denen  ich  am  folgenden
  Tage  meine  Werbung  ablegte,  wiederholten  diese  Erklärung  und
zeigten  mir  noch  an:  der  König  habe  seit  langer  Zeit  mit  Schmerzen
betrachtet,  wie  der  bisherige  Glimpf  nicht  respektiert  werde  und  der
Ruin  des  Hauses  drohe,  wenn  man  den  Praktiken  [am  kaiserlichen  Hof]
nicht  begegne.  Zur  Abwendung  des  Unheils  sei  kein  anderes  Mittel  als
„par  pari  referre“.  Der  König  sei,  so  schmerzlich  es  ihm  falle,  gezwungen
worden,  die  äussersten  Mittel  zur  Hand  zu  nehmen  und  wider  diejenigen,
  die  seine  Lande  und  Leute  unverschuldeter  Weise  verdürben,
scine  Autorität  stärzen  und  keinen  Glauben  halten  wollen,  das  Werk
zu  reassumieren,  wo  er  es  vor  dritthalb  Jahren  gelassen;  denn  e8  sei
nun  am  Tag,  dass  der  Kaiser  Wort  und  Vergleich  nicht  halten,  die
Bürgschaft  der  Kurfürsten,  Erzherzoge  und  Fürsten  nicht  achten  und  die
königlichen  Lande  mit  Krieg  überziehen  wolle;  er  habe  sich  verlauten
lassen,  den  König  von  allen  seinen  Landen  zu  bringen!  (wie  auch
die  kaiserlichen  Praktiken  mit  dem  Siebenbürger?  erweisen).
Der  König  mit  seinen  Landen  sei  völlig  entschlossen,  ‚einen  volkombenen
  zug  von  hungerischen  und  teutschen  kriegsvolk  zue  ros  und
zue  fues  als  stark  dieselbige  immer  aufkomen  werden  künen,  nach
Prag  fürzenemen“,  um  sich  für  immer  vor  diesen  Praktiken  zu  versichern;
  er  wolle  dabei  allen  Fleiss  anwenden,  „damit  sie  ksl.
M.!  aintweder  in  ihren  gwalt  bringen  oder  doch  aus  dem  nest,  alda
alle  schädliche  actionen  ausgebrietet  werden,  zu  höben.“  Auch  die
Länder  sind  entschlossen,  die  durch  die  Einfälle  erlittenen  Iniurien
neben  dem  König  zu  rächen  und  mit  ihm  zu  sterben  oder  sich  ein
ruhiges  Leben  zu  verschaffen.  Da  dies  Werk  nicht  nur  den  König
sondern  die  Ruhe  und  Erhaltung  aller  österreichischen  Lande  und
des  ganzen  Hauses  betrifft  und  der  Gegner  stark  ist,  so  bittet  der
König  E.  fl.  D.‘  um  Bericht,  ob  Sie  ihm  mit  Volk  oder  Geldhilfe
und  mit  guter  Beförderung  bei  Kurfürsten  und  Fürsten,  besonders
bei  den  Bürgen  des  prager  Vertrags,  sowie  bei  Erzherzog  Albrecht
heimlich  oder  Öffentlich  beispringen  wollen;  wegen  der  Gefahr  im
Verzug  erwartet  er  ehestens  Dero  Erklärung.

!  Auch  der  Erzbischof  von  Salzburg  kam  zur  Meinung,  dass  das
kaiserliche  Kriegsrolk  es  auf  Oesterreich  abgesehen  habe.  Dem  zu  ihm  abgesandten
  baierischen  Kommissar  Theodor  Viepeckh  teilte  er  diese  Vermutung
  mit,  ja  er  glaubte,  dass  man  sogar  das  elsässische  Volk  nach
Oesterreich  führen  wolle,  um  „daselbst  die  brieder  selbst  zu  tribuliren  oder
rilleicht  gar  zu  ruiniren“.  Dabei  machte  der  Erzbischof  sehr  geringschätzige
  Bemerkungen  über  Matthias  und  dessen  Regierung  (Viepeckh  an

imilian  vom  13.  Januar;  Ma,,  111/11,  —  Or.  eigh.).

?  Gabriel  Bathory;  vgl.  Alfons  Huber,  hichte  Oesterreichs,  V.,  8.  60.

[Januar
12.]
        <pb n="54" />
        [Januar
12.]

32  1611  14.

Die  königlichen  Räte!  raten  E.  fl.  D.'  zur  Vereitlung  der  Praktiken,
  die  wider  Sie  im  Schwange  sind,  dass  Sie  die  Gemüter  dieser
[der  tirolischen]  Landstände  gewinnen  und  sich  bei  ihnen  aufs
beste  insinuieren,  sich  auch  mit  Erzberzog  Ferdinand  dahin  vergleichen,
  dass  E.  fl.  D.!  im  Notfall  diese  [tirolischen]  Laude  zu
Eigentum  verbleiben;  der  König  werde  sein  bestes  dazu  thun.  Derselbe
  lasse  E.  fl.  D.*  ganz  treulich  ermahnen,  nicht  zu  trauen,  auf
Ihre  Schanze  zu  sehen  und  ihm  für  gewiss  zu  glauben,  dass  er  von
ansehenlichen  Orten  die  sichere  Nachricht  habe,  dass  „alle  hiezige
motiva  und  practiken“  auf  E.  fl.  D.'  und  Dero  Landen  YVerderb
angesehen  seien,  „darein  sie  numehr  alle  andere  österreichischen  länder
leider  gesetzt  haben  und,  wo  nit  der  notturft  nach  abgewöhrt  werden
soll,  alles  in  boden  zu  versturzen  gedenken.‘

Am  16.  Januar  hatte  ich  bei  Erzherzog  Ferdinand  in  Graz
Audienz.  Wegen  des  passauer  Volkes  erhielt  ich  denselben  Bescheid
wie  vom  König,  dass  alles  nun  in  anderm  Stand  sei  und  E.  fl.
D."  nichts  mehr  zu  befürchten  hätten.  Der  Erzherzog  habe  es  bisher
  auch  ohne  besondere  Anmahnung  an  sich  nicht  fehlen  lassen  und
werde  sich  auch  künftig  gefasst  halten;  er  wolle  nicht  eher  trauen,
bis  nicht  alles  wieder  in  gutem  Stande  sei.  O.  D.?

Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Februar  1611,  zu  no.  12;  Or.  eigh.

nn  nn  nn

ı  Graf  Paul  Sixt  Trautson  liess  den  Erzherzog  noch  besonders  warnen:
„i.  Künne  aus  grosser  zu  I.  D.t  tragenden  affection  nit  unterlassen,
l.  fl.  D.t  in  högsten  vertrauen  zu  avisieren,  wie  dass  er  von  Prag  ber
gewisse  aigentliche  nachrichtung  habe,  dass  kein  sachen  den  kaiser
leichter  bewegt  habe,  die  expedition  wider  die  oberösterreichischen
lande  und  in  alle  miteinlaufente  practiken  zu  consentiren  ale  dass
I.  fl.  D.t  sich  gegen  I.  M.t  den  kaiser  nach  dem  actu  deprecationis
gar  zue  vil  und  hoch  erboten  haben,  Jdahero  er,  graf,  selbst  solches
nit  guethaissen  wollen  (vgl.  Gindely,  Kaiser  Rudolf  IL,  II,  8.  149);
2.  weiln  furs  ander  nichts  gewissers  als  dass  I.  M.t  und  die  practicanten
darauf  gefuest  und  des  aigentlichen  willen  gewest,  die  lande  mit  diesem
volk  zue  ubersiehen  und’  dardurch  zur  abzahlung  dieses  volks  um  7  oder
80000U  fl.  ranzionieren  und  bezwingen  zu  lassen;  3.  dahero  fürs  drütte
sowohl  I.  D.!  als  die  land  sovil  mehrers  ursach  haben,  miteinander  wol  zu
correspondieren,  vest  bei  einander  zu  halten,  den  gueten  worten  und  aisserlichem
  schein  nit  trawen  und  auf  iero  schanz  selbst  wol  zu  sehen;  4.  dan
eben  Jdises  habe  die  kgl.  M.!  und  die  lender  bezwungen,  ehe  dass  sie  in  der
stäten  forcht  und  überfal  verbarren  und  leben  wollen,  guet  und  bluet  zu
lassen  oder  den  kaiser  von  seinem  sitz  zu  jagen  oder  gar  zu  heiblen  [!],
auf  welichen  fal  er  seinen  weg  nach  Tyrol  nemen  wüerde  wollen  ;  destwegen
sich  I.  D.t  mit  erzhorzogen  Fordinando  auf  denselben  faal,  was  zu  thuen  sein
möchte,  zeitlich  vergleichen  sollen;  5.  allermassen  auch  die  kgl.  M.  1.
D.:  mit  land  und  leut,  unangesehen  sie  der  zeit  nichts  bei  den  landen
haben,  zue  manutenieren  nit  unterlassen  wollen;  6.  und  möge  alles  dieses,
wo  sich  die  gelegenhait  orzeigte,  auch  denen  hiesigen  landständen,  als  von
ihme  herkoment,  glaubwürdig  vorgetragen  und  entdöckt  werden.  Damit  er
sich  I.  fl.  D.t  ganz  gehorsamblich  thuet  befehlen“.  O.D.  (Ib.,  a.a.  O.,  von
Grienbergers  Hand,  mit  der  Ueberschrift:  „herrn  grafen  Trautson  memorial“.)

?  Datiert  nach  der  Rückbeglaubigung  Grienbergers  vom  12.  Januar
Ib.,  a.  a.  O.,  no.  30;  Or).
        <pb n="55" />
        15.  1611  33

15.  Bericht  der  nürnbergischen  Gesandten  G.  Volck-Januari2.

hamer,  L.  Grundherr,  D.’  J.C.  Oelhafen  und  D.?  Burckhard

an  den  Rat  von  Nürnberg  über  die  nördlinger  Besprechung
  mit  den  Ulmern.

Ankunft  in  Nördlingen  am  7.  Januar.!  Von  Ulm  waren  anwesend
Hans  Kraft  des  ältern  Rats,  D.”  Hieronymus  Schleicher  und  Sekretär
Schwarz.  Wir  übergaben  ibnen  Zeitungen  vom  passauer  Volk  und  die
Schreiben  der  Kurfürsten  von  Mainz?  und  Brandenburg  ®  —  Am  8.  proponierten
  wir:  vor  dem  längst  notwendigen  Konvent  der  ausschreibenden
Städte  [zu  Heilbronn  am  13./23.  Januar]  soll  hier  ein  Gedankenaustausch
erfolgen,  zunächst  über  das  Schreiben,  das  der  Administrator  der

ı  Die  Zusammenkunft  der  Nürnberger  und  Ulmer  in  Nördlingen  zur
Besprechung  der  durch  den  speirer  Partikularabschied  vom  7.  Dezember
(vgl.  Briefe  und  Akten,  III.,  no.  294)  geschaffenen  Lage  und  zur  Vorbereitung
  der  Zusammenkunft  der  ausschreibenden  Städte  zu  Heilbronn  war
von  Nürnberg  vorgeschlagen  worden  (Ulm  an  Nürnberg  vom  19./29.  Dezember;
Nbg.,  Unionsakten,  39.  Bd.,  f.  255;  Or.)

?  Kurfürst  von  Mainz  an  Nürnberg  am  20.  Dezember  (Nbg.,  a.  a.  O,

f.  280;  Or.):  Ablehnung  der  Entschuldigung  vom  ee.
Verbleibens  der  Stadt  in  der  Union.  Den  Beschwerden  der  Städte  könnten  die
höhern  [katholischen]  Stände  „übertriftigere“  Beschwerden  entgegensetzen.  Die
Taten  des  auch  im  Namen  der  uniorten  Städte  geworbenen  Kriegsheers  in  den
fränkischen  Bistümern  und  im  Strassburgischen  lassen  sich  durch  das  Zeugnis
der  höhern  Stände,  dass  sie  die  Verantwortung  auf  sich  nehmen  wollen,
schwerlich  entschuldigen.  Die  neuerlichen  Einlagerungen  unierten  Kriegsvolks
im  Ellwangenschen  und  Speierischen  machen  die  Aufrichtigkeit  der  münchener
Handlung  zweifelbaft,  die  katholischen  Stände  werden  daher  ihre  Schanze
aufs  neuo  in  Acht  nehmen  müssen  (Nbg.,  a.  a.  O.,  f.  281;  Or)  —

.  22.  Dezemb.  1610  .
Die  Nürnberger  antworteten  am  1.  Januar  16il  höfich,  der  Kurfürst

werde  „als  ein  hochberühmter  eifriger  Justitiarius  und  Liebhaber  von  Ruhe
und  Frieden“  den  Beschwerden  und  dem  Mistrauen  abzuhelfen  wissen.  Der
Einlagerungen  hätten  sie  sich  nicht  teilhaft  gemacht,  wol  aber  die  Abdankung
befördert,  auch  dem  Herzeg  von  Braunschweig  zur  Abdankung  der  Passauer
eine  Summe  vorgestreckt.  Als  geringe  Stände  hätten  sie  nicht  die  Verteidigung
  der  von  den  vornehmeren  geschlossenen  Union  auf  sich  zu  nehmen
und  jedes  einzelnen  Handeln  zu  rechtfertigen.  Der  Kaiser  habe  durch  sein
Mandat  gewiss  nicht  den  evangelischen  Schirmsverein  aufheben  wollen,  da  ja
Defensivbündnisse  im  Reich  erlaubt  seien  (Nbg.,  f.  286;  Kpt.).

®  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  schrieb  am  1./l1.  Dezember  an  den
Rat  von  Nürnberg,  er  beobachte  seit  einiger  Zeit  die  Praktiken,  durch  die  man
Nürnberg  von  der  Union  abwendig  machen  wolle,  lobt  die  Beständigkeit  und
rat  zum  Ausharren.  Es  könnte  noch  geschehen,  dass  die  Gegner  der  Union
einstmals  zu  ihr  treten  und  deren  Hilfe  begehren  werden  (Nbg.,  Unionsakten,
40.Bd.,  f.  246;  Or.).  Ueber  die  jener  Besorgnis  zu  grunde  liegenden  Stimmung
der  Städte  vgl.  Briefe  und  Akten,  III,  no.  291,  Anm.  1.

Briefe  und  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX,  Bd.  3

wegen  des
        <pb n="56" />
        34  1611  16.

Januar  12.  Kurpfalz  an  Nürnberg  und  Ulm!  wegen  der  Assistenz  gegen  die
Passauer,  wegen  der  zu  Speier  bewilligten  Monate?  und  wegen  der
Abdankung  des  Kriegsvolks  in  der  Oberpfalz  richtete,  sodann  über
die  verschiedenen  Beschwerden  der  Städte.

Die  Unterredung  beruhte  auf  vierzehn  Punkten:  1.  Bairische
Assistenz.  Nürnberg  beschwert  sich,  dass  ein  einzelner  nach
Gefallen  schliesse,  was  alle  angehe.  Die  „Konjunktion‘‘  mit  Baiern  ist
nicht  weiter  zu  hindern;  da  aber  zur  Zeit  der  ersten  Werbung  keine
Gefahr  im  Verzug  war  und  man  die  Sache  wol  hätte  an  die  andern
Stände  gelangen  lassen  können,  so  soll  man  künftigen  Praejudizes
balber  widersprechen,  sonst  wäre  der  Streit  um  die  Vota  vergeblich.
Die  Assistenz  zu  blosser  Defension  ist  nicht  zu  widerraten,  wol  aber
die  „freiwillige  Invasion“.  Uebrigens  ist  durch  den  Einfall  der
Passauer  in  Oesterreich  die  Sache  nun  in  ganz  anderm  Stand.  —
Auch  die  Ulmer  klagen,  dass  die  höheren  Stände  in  Sachen  allein
schliessen  wollen,  die  die  ganze  Union  angehen;  der  Administrator
  hat  Baiern  die  Assistenz  eher  bewilligt  als  er  den  andern
Ständen  davon  schrieb;  wäre  bei  den  bekannten  jesuitischen  Praktiken
eine  Gefahr  daraus  entstanden,  wäre  die  ganze  Union  geschwächt
worden;  jetzt  lässt  sich  ohne  Schimpf  nichts  mehr  an  dem  ändern,
was  der  Administrator  bewilligt  hat.  Die  Assistenz  wird  übrigens
nicht  mehr  begehrt  werden,  die  Ligisten  danken  ihr  Volk  ab.  -—  Die
Ulmer  wissen  auch  zu  erzählen,  dass  das  passauer  Volk  einen  Anschlag
  auf  Tirol  vorhabe.

2.  Kontribution.  Nürnberg:  Man  wird  viel  Geld  brauchen,
ob  man  das  Volk  behält  oder  abdankt.  Leider  ist  zu  Speier  von
einigen  Ständen  den  übrigen  schon  praejudiziert  worden  und  der  Administrator
  sowie  Graf  Johann  von  Nassau  ziehen  diesen  Abschied  an,
Diese  Partikularbeschlüsse  sind  aber  gegen  die  Unionverfassung.  Einige

ı  Vom  8./18.  Dezember:  Da  fast  niemand  die  zu  Speier  bewilligten
  sieben  Monate  bezahlt  hat  und  die  ganze  Last  des  unabgedankten
  Kriegsvolks  der  Kurpfalz  auf  dem  Halse  liegt,  so  fordert  der
Administrator  binnen  vierzehn  Tagen  die  Erklärung,  ob  die  dem  Baiern  versprochene
  Assistenz  geleistet  und  das  Kriegevolk,  das  in  der  erschöpften

berpfalz  nicht  bleiben  kann,  unter  die  benachbarten  Unierten  ausgeteilt
oder  trotz  des  Assistenzversprechens  und  der  Passauer  ganz  abgedankt
werden  soll.  Entsteht  aber  dann  eine  Gefahr,  so  will  Kurpfalz  entschuldigt
sein  (Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  39,  f.  258.  Kop.,  kurz  erwähnt  in  Briefen
und  Akten,  III.,  no.  292,  Anm.).

*  Zu  Speier,  wo  sich  Kurpfalz,  Württemberg,  Baden,  Strassburg,  Worms
und  apeier  eingefunden  hatten,  waren  zur  Bezahlung  der  Ausstände  und
zum  Unterhalt  des  nicht  abgedankten  Volks  der  Union  sieben  Monate  von
den  bewilligten  sechzig  angewiesen  worden,  Kurpfalz  verlangte  ausserdem
noch  acht  Monste  von  den  zwanzig,  die  jeder  Unierte  „in  subsidium‘“  zur
Hand  haben  sollte  (vgl.  Anm.  1.).
        <pb n="57" />
        15.  1611  35

Städte  klagen  schon  über  die  Lasten,  wogegen  man  nicht  weiss,  was  Januar12.
die  höhern  Stände  thun  wollen;  die  scheinen  bedacht,  die  ganze  Bürde
auf  die  Städte  zu  wälzen,  indem  sie  die  Rechnungen  hinterziehen
und  die  Restanten  ausstehen  lassen.  Die  Nürnberger  sind  wegen
der  dargeliebenen  80  000  fl.  noch  nicht  versichert,  das  kölersche
Fähnlein  und  vierzig  Pferde  sind  mit  ihrem  Sold  auf  Nürnberg  angewiesen
  worden,  die  Darlehensgesuche  hören  nicht  auf.  Darum  muss  man
an  sich  halten  und  auf  Justifikation  der  Rechnungen  dringen.  Aber
um  den  Schaden  nicht  noch  grösser  zu  machen,  wird  man  wenigstens
teilweise  abdanken  und  die  sieben  Monate  auf  sich  nehmen  müssen  ;  die
begehrten  andern  acht  Monate  gehören  auf  den  Unionstag  ,  der  Notfall,
für  den  die  zwanzig  Monate  bestimmt  sind,  ist  noch  nicht  eingetreten.
—  Die  Ulmer  treten  dieser  Ansicht  bei,  betonen  aber,  dass  die
kleineren  Städte  des  schwäbischen  Kreises  sich  schwer  in  eine  neue
Anlage  schicken  können,  bisher  darüber  auch  noch  nicht  gefragt
worden  sind.  In  einem  Jahre  sind  sechzig  Monate  dahingegangen,
mehr  als  man  je  einem  Kaiser  in  einem  Jahr  bewilligt  hat.

3.  Abdankung  oder  fernere  Unterhaltung  des
Kriegsvolks.  Nürnberg  findet  gänzliche  Abdankung  wegen  der  widrigen
  Zeitungen  noch  bedenklich,  aber  der  Graf  von  Nassau  will  sie  am
3./13.  oder  4./j14.  Januar  geschehen  lassen.  Es  ist  jedoch  zu  besorgen,
dass  die  sieben  Monate  zur  Abdankung  nicht  reichen  und  dass  man  die
Städte  wieder  um  ein  Darlehen  angehen  wird.  —  Die  Nürnberger  einigen
sich  mit  den  Ulmern,  dem  Administrator  zu  schreiben,  dass  es  der
[bairischen]  Assistenz  nicht  bedürfe,  dass  man  die  sieben  Monate
bewilligen,  die  acht  auf  einen  Unionstag  verschieben  wolle,  dass  die
Abdankung  vor  sich  gehen  oder  das  Volk  uuter  alle  Unierten  ausgeteilt
  werden  solle.

4.  Gravamina.  Nürnberg:  Die  allgemeinen  und  besondern  Beschwerden
  der  Städte  rühren  von  der  Uoberschreitung  der  Unionsverfassung
her,  hauptsächlich  aber  1.  vom  jülicher  Wesen,  dessen  man  sich  nie
teilbaftig  machen  wollte;  es  wurde  aber  obendrein  noch  2.  die  elsässische
Expedition  eingeflochten,  derenwogen  man  den  höhern  Ständen  ausdrücklich
  erklärt  hatte,  dass  man  damit  nichts  zu  tun  haben  wolle;  aber  die
Obersten  bei  dieser  Sache  möchten  „ihren  Staat  durchbringen‘“  und
die  Städte  in  Sachen  „einflicken“,  die  sie  nichts  angehen;  3.  die
höhern  Stände  machen  abgesonderte  Beschlüsse  und  wollen  sie  dann

!  Geheime  des  Rate  von  Speier  an  die  vonStrassburg  am  -  nn

wegen  der  „Partikularersuchung*;  (Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  41,  f.39;  Kop.);
Weissenburg  i/E.  und  Landau  klagen  den  Geheimen  von  Strassburg  am

28.  Dezemb.  1610  dass  die  Lasten  bedenklich  und  unerschwinglich  werden
?.  Januar  1611

und  die  dem  Feuer  am  nächsten  Gesessenen  sich  dadurch  völlig  entblössen
(Wh.,  Reichsakten  in  genere,  f.  459;  Kop.).  Vgl.  das  Anbringen  von
Rotenburg,  Windsheim  und  Weissenburg  a/S.  bei  den  Nürnbergern  vom
5.15.  Januar  in  no.  16  auf  8.  40,  Anm.  1.  ge

——
        <pb n="58" />
        Januar  12.

86  1611  15.

den  Städten  aufdrängen;  4.  sie  misbrauchen  die  Mehrheit,  wie  bei
der  Gesandtschaft  nach  England  und  den  Niederlanden  und  mit  dem
scharfen  Schreiben  an  den  Kaiser  nach  der  prager  Schickung  geschehen
ist,  und  versuchen  dabei  auch  ihre  Privatsachen,  wio  die  eickensche!  und
kaisheimische?  durchzusetzen;  5.  man  will  den  Städten  das  Geld
durch  Einlagerungen  und  Bedrohungen  gewaltsam  abnötigen,  wie  dies
noch  jüngst  Graf  Johann  von  Nassau  mit  seinem  Privatschreiben  an

.  b
Wolf  Löffelholz  vom  33.  November  versucht  hat.!_  Das  würde  zum
3.  Dezember

Untergang  der  Städte  führen,  wenigstens  aber  ihnen  die  Verantwortung
vor  Kaiser,  Kurfürsten  und  Fürsten  schwer  machen,  die  man  mit  Darlehensgesuchen
  oft  abgewiesen  hate.  Man  muss,  soll  die  Union
nicht  eine  societas  leonina  werden,  diese  Klagen  beim  Unionstag  vor
die  böhern  Stände  bringen,  damit  abgeholfen  werde,  sonst  aber  mit
Glimpf  sich  von  der  Union  absondern.  —  Die  Ulmer  klagen  gleichfalls,
  dass  man  die  jülicher  Sache  und  die  Schickung  nach  Frankreich
bei  den  Unionstagen  in  die  Beratung  gezogen  und  dadurch  die  Städte
darein  habe  verwickeln  wollen,  auch  des  elsässer  Zugs  und  der
Drohungen  gegen  die  Städte  beim  heilbronner  Tag  müsse  gedacht
werden  ‚und  dass  man  solcher  gestalt  nicht  beisammen  könne
bleiben“.  Die  Markgrafen  von  Ansbach  und  Baden  geben  laut  aus,
wegen  der  Städte  habe  man  in  diesem  Jahr  nichts  besonderes  erreicht
und  sei  zu  keinem  bessern  Vertrag  gekommen.  Wegen  der  Partikularkonvente,
  der  Ueberstimmung®  durch  die  Mehrheit  und  der
Darlehen  fallen  sie  den  Nürnbergern  bei  und  erinnern,  dass  man
zu  Heilbronn  den  Städten  abgeschlagen  habe,  deren  Meinung  zu
besserer  Verantwortung  gegen  die  Obern  gesondert  in  den  Abschied
zu  bringen.  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  hat  kürzlich  bei  Ulm  wieder  ein
Darlehen  gesucht;  sein  Vertreter  hatte  die  Weisung,  ohne  willfährigen
  Bescheid  nicht  zu  weichen,  so  dass  die  Stadt  schliesslich  20  000  fi.

U  Wegen  der  eickenschen  Sache  vgl.  J.  D.  Schöpflin,  Historia
Zariugo-Badensis,  III.,  Carolsruhae,  1765,  8.  63  ff,  Häberlin-Senckenberg,
  Neuere  Teutsche  Reichsgeschichte,  XXI.  Bd.,  S.509  ff,,  Briefe  und
Akten,  V.,  63  ff.,  VI,  156  ff.  und  das  Register  unter  Baden,  Markgraf
Eduard  Fortunat.

?  Streit  zwischen  Pfalz-Neuburg  und  der  Abtei  Kaisheim  wegen  der
Reichsunmittelbarkeit;  vgl.  Häberlin-Senckenberg,  a,  a.  OÖ.  XXII.
Bd.,  S.  516  ff.

®  In  der  Nachschrift  schrieb  der  Graf,  Löffelholz  möge  das  beste  tun,
damit  die  „restierenden*  Städte,  Schwäbisch-Hall,  Memmingen,  Rotenburg  und
Schweinfurt,  wenn  nicht  100.000  fl.,  eo  doch  70.000  fl.  zur  Abdankung  aufbringen,
  „sonsten  wirt  es  viol  malcontenten  und  vileicht  bose  nachbarschaft
machen“;  in  der  Oberpfalz  ist  alles  „ausgefressen“  und  wird  man  in  diesem
Fall  a  Quartiere  suchen  müssen  (Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  89,  f.  68;

r.  eigh.).

*  Vgl.  Briefe  und  Akten,  III,  no.  188  und  Moriz  Bitter,
Dentachs  güeschichte  im  Zeitalter  der  Gegenreformation  etc.  II.  Stuttgart
18

's  Vgl.  Briefe  und  Akten,  III,  no.  194  (S.  335).
        <pb n="59" />
        15.  1611  37

hergab.  Freilich  ist  während  des  Administrationsstreits  wegen  des  Januar12.
streitigen  Direktoriums  den  Beschwerden  kaum  Abhilfe  zu  schaffen,

da  man  deshalb  weder  an  Neuburg  noch  an  Zweibrücken  schreiben

kann;  wegen  dieses  Streits  wird  man  auch  nicht  sobald  zu  einem
Unionstag  kommen.

5.  und  9.  Unionsrechnung  und  elsässische  Expedition.
  Nürnberg:  Man  muss  achten,  dass  in  die  Rechnungen
nichts  vom  jülicher  oder  elsässer  Wesen  eingeflochten  wird,  wie
Württemberg  schon  zu  Heilbronn  versucht  hat;  man  könnte  deshalb
termini  a  quo  und  ad  quem  ansetzen,  etwa  vom  Abzug  aus
Franken  zum  Zug  ins  Elsass  bis  zur  Abführung  des  Volks  aus
dem  Elsass;  denn  man  war  einverstanden,  dass  das  nach  Jülich
bestimmte  Volk  eine  Zeit  lang  heroben  Landes  erhalten  werde,
bis  man  mit  dem  andern  Volk  gefasst  sei;  für  jene  Zwischenzeit  soll
man  aber  nichts  bewilligen.  Alle  Posten  durchgehen  zu  lassen,  wäre
auch  den  Erklärungen  entgegen,  die  man  den  Kurfürsten  und  Fürsten,
auch  Baiern  gegeben  hat.  Zu  erwägen  ist  ferner,  ob  man  anstatt
der  zuweilen  misbrauchten  Geldhilfe  künftig  auf  Volkshilfe  gehen
soll.  Es  ist  auch  zu  beklagen,  dass  die  rheinischen  Städte  den  andern
nicht  beipflichten  und  den  Zug  ins  Elsass  zu  sehr  billigen,  ja  verlangt
haben,  da  das  elsässer  Volk  sie  gefährde,  dass  ihnen  kraft  der  Union
Hilfe  geleistet  werde.  —  Die  Ulmer  sind  mit  Nürnbergs  Vorschlägen
einverstanden,  aber  die  höheren  Stände  werden  die  Städte  darüber  ansehen;
  man  wird  etwas  tun  müssen,  zumal  man  zu  Heilbronn  erklärt
hat,  man  wolle,  wenn  Friede  gemacht  werde,  nicht  ganz  absetzen;
den  Vorschlag  der  Volkshilfe  werden  die  höhern  Stände  nicht  annehmen,
  es  würde  auch  bei  der  Werbung  grosse  Schwierigkeiten
geben.  Württemberg  hat  auch  nicht  mehr  viel  Lust  zur  Union  wegen
der  vielen  Unzuträglichkeiten  ;  die  anfangs  dazu  geraten  haben,  werden
jetzt  dort  übel  angesehen;  man  wird  also  auch  bei  den  höhern  Ständen
mit  dem  Widerstand  etwas  Beifall  finden.  Württemberg  hat  sich
wegen  des  elsässer  Zuges  bei  Erzherzog  Maximilian  entschuldigt;
auch  hat  der  Herzog  geäussert,  er  habe  davon  nichts  gewusst,  habe
keinen  Kriegsrat  beigestellt  und  habe  den  Grafen  von  Oettingen  zum
Markgrafen  geschickt,  um  diesen  zu  ermahnen,  die  Sachen  so  anzustellen,
  dass  die  Städte  nicht  offendiert  und  gar  aus  der  Wiege  geworfen
  würden;  aber  es  hat  nicht  viel  geholfen,  die  Soldaten  liessen
sich  nicht  weisen,  neun  Tage  lagen  sie  auf  den  ulmischen  Untertanen
und  war  kein  Regiment  und  Disziplin  zu  erhalten.

6.  Unionskonvent.  Nürnberg:  Wegen  der  Gravamina  muss
die  Abhaltung  eines  Unionstages  befördert  werden,  wie  ja  schon  zu
Speier  einige  Punkte  auf  einen  solchen  allgemeinen  Tag  verschoben
worden  sind.  Loefenius  hat  den  Städten  Hoffnung  auf  einen  solchen
gemacht,  wenn  sie  ihn  bei  Zweibrücken  begehren.  Obwol  Neuburg  durch
das  Anbringen  bei  Zweibrücken  beleidigt  werden  möchte,  muss  man
doch  auf  das  Mehr  sehen  und  sollen  die  drei  ausschreibenden  Städte
        <pb n="60" />
        38  1611  15.

Januar12.  gemeinsam  an  Zweibrücken  schreiben.  Dies  ist  um  so  besser  zu  verantworten
  als  alle  Akten  noch  bei  der  heidelbergischen  Kanzlei  sind
und  das  Direktorium  dort  so  lange  bleiben  muss,  bis  es  einem  andern
aufgetragen  wird.  —  Es  wird  beschlossen,  dem  Schreiben  anzuhängen,
  dass  man  68  wegen  weiterer  Zahlung  der  Kontribution  auf
einen  Unionstag  stelle,  der  fürderlich  ausgeschrieben  werden  möge  ;
auch  soll  man  dabei  erinnern,  dass  man  nichts  bewilligen  werde,
ausser  wenn  den  Gravamina  abgeholfen  wird.

7.  Wegen  des  streitigen  Direktoriums  ist  auf  einem
Unionstag  zu  verhandeln.

8.  Administrationsstreit.  Nürnberg  begrüsst  die  Interposition
  der  drei  Fürsten!;  dem  gemeinen  Wesen  wird  die  Beilegung
dieses  Streits  zum  besten  gereichen;  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  hat
die  jülicher  Sache  zu  bedenken,  die  er  ohne  Kurpfalz’  Zutun  nicht
durchbringen  wird,  denn  die  ausländischen  Potentaten  sehen  vornehmlich
  auf  jene.  Schwierigkeit  macht  die  Titelfrage,  Zweibrücken  begehrt
  den  Titel  des  Administrators.  —  Ulm:  Neuburg  hat  eine  gute
Sache,  wird  sie  aber  nicht  durchsotzen;  Frankreich  hat  Neuburg  abgemahnt,
  der  Herzog  von  Bouillon,  als  er  zu  Neuburg  war,  hat  sogar
stark  gedroht.  Die  Sache  gehört  vor  Kaiser  und  Kurfürsten,  nicht
vor  die  Union,  obwol  Neuburg  deren  Hilfe  begehrt.  Ulm  gibt  beiden
Praetendenten  den  Titel.

10.  Beisprung  wider  das  elsässer  Volk.  Nürnberg
findet  die  Hilfeleistung  wider  das  elsässische  Volk  bedenklich,  weil
sie  mit  der  elsässer  Expedition  zusammenhängt.  Es  ist  dieselbe  Frage,
wie  sie  zuvor  Ulm  anregte,  ob  man  beispringen  solle,  wenn  einem
Unierten  wegen  Jülich  zugesetzt  würde.  Man  könnte  dadurch  auch  in  die
jülichsche  Sache  kommen.  —  Ulm:  Hoffentlich  ist  das  elsässer  Volk
jetzt  abgedankt;  Erzherzog  Maximilian  soll  an  den  Markgrafen  von  Baden
geschrieben  haben,  er  wolle  verordnen,  dass  das  Volk  über  die  Brücke
zu  Breisach  geführt  werde,  so  dass  Baden  jetzt  hoffentlich  ausser
Gefahr  ist.  Wird  aber  gegen  den  willstätter  Vertrag  gehandelt,?  so
wird  man  sich  der  Sache  annehmen  müssen;  man  kann  die  Angrenzenden,
  Württemberg,  Kurpfalz,  Strassburg,  nicht  hilflos  lassen;  würde
erst  ein  Stand  unterdrückt,  so  kämen  dann  auch  die  andern  daran.

1l.und  12.  Das  kaiserliche  Mandat  und  das  mainzische
  Schreiben  [vom  20.  Dez...  Nürnberg  berichtet,  dass  wegen
der  Legation  nach  Prag  nötig  war,?  an  den  Kaiser  und  beide  Kurfürsten
  [von  Mainz  und  Sachsen]  zu  schreiben,  da  die  Abgesandten

I  Ansbach,  Württemberg  und  Baden  hatten  auf  sich  genommen,  auf
einem  „Kommunikationstag*  zu  Schwäbisch-Hall,  der  am  20./30.  Januar
seinen  Anfang  nehmen  sollte,  den  Streit  zu  vergleichen.

?  Vgl.  Briefe  und  Akten,  III,  no.  239  und  J.  Du  Mont,
Corps  universel  diplomatique,  V.,  S.  147.

®  Ueber  die  Schieckung  der  Nürnberger  nach  Prag  vgl.  F.  Stieve,
Der  Kampf  um  Donauwörth,  München  1875,  8.  417  ff.  und  Briefe  und
Akten,  III.  no.  218.
        <pb n="61" />
        15—16.  1611  39

das,  was  ihnen  wegen  der  Union  und  Donauwörth  zugemutet  worden  Januar  12.
war,  nur  zu  Bericht  genommen  hatten  und  darum  eine  Erklärung

im  Namen  des  Rates  geschehen  musste.  Die  Schreiben  und  Antworten

werden  verlesen  und  das  Gutachten  der  Ulmer  darüber  erbeten.

Wegen  des  kaiserlichen  Mandats,  falls  man  es  noch  für  kräftig  halten

will,  wird  an  die  Union  selbst  zu  berichten  sein.  —  Die  Ulmer  sind

mit  den  Schreiben  einverstanden.

13.  Boantwortung  des  kurbrandenburgischen
Schreibens.  Nürnberg  bemerkt  nach  Wiederholung  des  Inhalts:
von  der  Union  will  man  sich  nicht  sondern,  wenn  man  in  den  Grenzen
der  ersten  Verfassung  bleiben  kann;  Zeit  und  Läufe  sind  jetzt  gefährlicher
  als  bei  Aufrichtung  der  Union;  wegen  der  Beschwerden
sollte  man  freilich  billig  Bedenken  haben,  dabei  zu  verharren,  wenn
sie  nicht  remediert  werden;  daran  kann  man  in  der  Antwort  an
Kurbrandenburg  erinnern.  —  Ulm  ist  damit  einverstanden.

14.  Verlegung  des  Konvents  der  ausschreibenden
Städte  von  Speier  nach  Heilbronn.  Gründe:  Weite  des
Weges;  zu  Speier  lassen  sich  die  Dinge  weder  vor  den  Papisten  noch
vor  den  Heidelbergern  verhehlen;  letztere  würden  hinschicken  und  das
eine  and  das  andere  begehren;  darum  soll  man  die  Zusammenkunft
lieber  nach  Ulm  oder  Heilbronn  legen.  —  Ulm  ist  für  Heilbronn.

Schliesslich  erkundigen  sich  die  Ulmer,  wie  es  mit  den  zu
Passau  arrestierten  Kaufleuten  und  Waren  gehalten  wurde;  ihre  Bürger,
die  auch  für  7000  fl.  Schaden  erlitten,  geben  vor,  dass  Nürnberg
das  Geld  zur  Auslösung  hergegeben,  ja  beinahe  geschenkt  hätte,  und
begehren  dasselbe  vom  ulmer  Rat.  —  Nürnberg  berichtet,  dass  die
Stadt  11  000  fl.  hergeliehen  habe,  weil  die  Relaxation  trotz  kaiserlichen
  Dekrets  nicht  unentgeltlich  erfolgt  sei;  Ram6e  habe  weder  auf
des  Kaisers  noch  auf  des  Erzherzogs  Befehle  etwas  gegeben  sondern
gesagt,  er  müsse  Geld  haben  und  wenn  hundert  Befehle,  ja  Gott
selbst  käme.

Volckbamer  ermahnt  noch,  wegen  der  Beschwerden  sich  insgemein
  zu  verwahren,  treu  zusammenzuhalten  und  beim  Unionstag  in
grosser  Zahl  zu  erscheinen,  was  beiderseits  zugesagt  wir.  —  Signatuom
  2,  januar  a.  1611.  —  Praes.  4.  jan.

Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  39,  f.  302;  Kpt.

16.  Die  Aeltern  und  Geheimen  des  Rats  von  NürnbergJanuari4..
an  den  Kurfürsten  von  Brandenburg.

In  dem  Schreiben  vom  1./11.  Dezember?  srmahnen  E.  kfl.  Gn.
uns  wegen  der  getroffenen  Union  beweglich  zur  Standhaftigkeit  und
versichern  uns  Ihrer  Affektion  gegen  diese  Stadt  und  gegen  das  evangeliı

  Ein  [ulmer]  Protokoll  der  nördlinger  Besprechung  in  U.,  Unionsakta,
vol  XIX,  n.  1893.

’  Vgl.  8.  33,  Anm.  3.
        <pb n="62" />
        40  1611  16.

Januar14.  sche  Wesen.  Dank  hiefür.  Wir  haben  anfangs  diesen  Schirmverein  und
die  nähere  Korrespondenz  einiger  evangelischer  Kurfürsten,  Fürsten  und
Stände  wegen  der  spanischen  und  päpstlichen  Praktiken  und  wegen  der
beschwerlichen  Hofprozesse  für  nützlich  und  verantwortlich  gehalten  und
sind  mit  der  Bedingung  beigetreten,  dass  es  eine  politische  und  so  umschriebene
  Defension  sein  solle,  dass  weder  der  Kaiser  noch  ein  gehorsamer
Stand  des  Reichs  dadurch  offendiert  werde,  die  Reichsgesetze,  besonders
  der  Religionsfrieden  in  Kraft  bleiben,  im  Votieren  und  Kontribuieren
  billige  Gleichheit  gehalten  und  keiner  vor  dem  andern
beschwert  werde,  auch  fremde  Potentaten  und  Privatsachen,  die  das
gemeine  Wesen  nicht  berühren,  nicht  hereingezogen  werden  sollen  ;
wir  sind  auch  entschlossen,  bei  so  beschaffenem  nützlichen  und  bei
den  beschwerlichen  Läufen  notwendigen  Werk  zu  verharren.  Eurer
kfl.  Gn.  werden  aber  Dero  Gesandte  zu  den  Unionstagen  berichtet
haben  und  gibt  es  der  Verlauf  selbst,  wie  vielfach  diesen  Bedingungen
  und  Schlüssen  zuwider  durch  Einmischung  der  jülichschen  und
elsässischen  Expedition,  durch  anderweitig  verursachte  Erschöpfung
des  Vorrats,  durch  Darleihen  und  dabei  gefallene  Drohungen,  durch
angemasstes  Ueberstimmen,  zumal  aber  durch  praejudizierliche  Partikularschlüsse
  die  Städte  als  die  geringeren  beschwert,  übereilt  und  vor
andern  über  die  Massen  beladen  worden  sind,  während  die  wichtigsten
  Rechnungen  hinterzogen  und  die  Restanten  nicht  eingefordert
werden.  Dies  ist  den  Städten  insgemein  sehr  bedenklich  und  werden
wir  besonders  von  denen,  die  wir  zur  Union  erhandelt  haben,  deswegen
  jetzt  beweglich  erinnert.!  Daher  geben  wir  E.  kfl.  Gn.  davon

ı  Vgl.  8.  35,  Anm.  1.  Am  5./15.  Januar  brachten  die  von  Nürnberg
erforderten  Gesandten  der  fränkischen  Reichsstädte  Rotenburg,  Windsheim
und  Weissenburg  a8.  beim  nürnberger  Rat  folgendes  vor:  Die  Städte  haben
die  Union  bisher  für  ein  nützliches  und  verantwortliches  Werk  gehalten.  Sie
sind  eingetreten,  da  die  ausschreibenden  Städte  dagegen  kein  Bedenken  trugen,
die  Fürsten  leidliche  Quoten  ansetzten,  es  bei  der  Defension  bleiben  lassen
wollten  und  fremdo  Händel  fern  bleiben  sollten,  auch  Gleichheit  in  den  Voten
und  Lasten  erhofft  wurde.  Dem  entgegen  ist  aber  der  jülicher  Erbstreit
bereingezogen  worden,  obschon  ihn  die  Städte  sogleich  von  der  Union  ausschlossen;
  es  wurde  zum  Einfall  in  das  Elsass  das  Volk  der  Union  auf  deren
Kosten  gebraucht;  die  Einlagerung  in  die  fränkischen  Bistümer  und  die  dabei
gehaltene  schlechte  militärische  Disziplin  ist  reichskundig.  Dadurch  wurden
der  Kaiser,  das  Haus  Sachsen  und  andere  Kurfürsten  beleidigt,  der  Städte
Entschuldigungen  wollen  bei  niemandem  haften  und  werden  die  Städte  verdächtigt,
  mit  den  höhern  Ständen  unter  einer  Decke  zu  liegen;  nicht  einmal
die  zu  Heilbronn  versprochene  Entschuldigung  der  Städte  durch  die  höhern
Stände  ist  erfolgt.  Klage  über  die  praejudizierlichen  Partikularkonvente.  Die
Kriegskosten  werden  fast  allein  den  Städten  aufgehalst,  deun  die  höheren
Stände  zahlen  spät  oder  gar  nicht.  Unerhörte  Bestallungen  und  Besoldungen
werden  erteilt,  dagegen  kann  man  keine  Rechnungen  von  den  höheren  Ständen
erlangen,  weshalb  einige  Städte  von  vornehmen  Personen  gewarnt  wurden,
sich  vorzusehen.  Die  drei  fränkischen  Städte  haben  auch  nicht  geglaubt,  dass
der  Unionsvorrat  so  bald  verbraucht  werden  würde.  Hätten  sie  dies  vorausgesehen
  und  gewusst,  dass  die  Grafen  und  Herren  nicht  in  die  Union  aufgenommen
  würden,  so  wären  sie  gar  nicht  eingetreten.  Sie  finden  sich  Jdazu
        <pb n="63" />
        16.  1611  41

Bericht,  damit  Sie  neben  den  andern  Kurfürsten  und  Fürsten  fürder-  Januar  14.
lichst  auf  einen  allgemeinen  Unionstag  und  auf  erspriessliche  Mittel
denken,  diesen  unerträglichen  Beschwerden  gründlich  abzuhelfen,  „zuvorderst
  aber  inskunftig  alle  unirte  stände  bei  dem  wahren  intent
und  Scopo,  der  angesehenen  beschirmung  des  religion-  und  landfridens
gelassen,  die  erschöpfung  des  vorrats  auf  den  eussersten  bedingten
notfall  in  subsidium  der  craisshülfe  und  executionordnung  gesparet,
gleichmessige  onera  allenthalben  getragen,  auch  mit  den  maioribus
also  verfahren  werde,  damit  andere  sachen,  so  für  sich  selbsten  in
die  union  nicht  gehörig  und  durch  sonderbare  abschied  davon  bereit
ausgeschlossen,  auch  nochmals  per  indirectum  und  durch  gesuchte
nebenweege  darein  nicht  vermenget,  nichts  desto  minder  allenthalben
richtige  rechnungen  erfordert,  eingeschicket,  der  gebühr  iustificirt,
restanten  eingeholet  und  in  summa  bei  dem  anfenglichen,  verantwortlichen
  begriff  der  union  also  bestendig  verharret  und  kein  stand  vor
dem  andern  beschwert  werde,  als  wir  unsers  teils  alles  dasjenige,
dazu  wir  uns  einmal  verpflichtet,  zu  halten  erpietig  sein,  allermassen
e8  von  unsern  vorfahrn  Gott  lob  auf  uns  geerbet.“

Sonst  und  wenn  solche  Sachen,  mit  denen  die  Städte  niemals
zu  tun  gehabt  und  deren  sie  sich  nie  teilhaftig  machen  können  und
sollen,  in  den  Vercin  gezogen  werden,  so  werden  bei  der  Beschaffenheit
  des  Regiments  eines  jeden  Ortes  solche  Gedanken  aufsteigen,  die
wir  gern  vermieden  sehen  wollen.  Wir  teilen  dies  E.  kfl.  Gn.  auf

zu  schwach  und  unvermögend,  können  es  den  ausschreibenden  Städten  (die  grosse
Einkünfte  und  Handel  haben)  nicht  gleichtun,  sind  durch  die  vieljährigen  Reichsund
  Kreiskontributionen  bereits  erschöpft,  müssen  die  Unionsquoten  [statt  aus  dem
Aerarium)  von  den  Bürgern  und  Untertanen  erheben,  was  wegen  der  Missjahre
und  Teuerungen  imnier  schwieriger  wird,  und  sich  in  immer  grössere  Schuldenlast
  stürzen.  Und  da  man  [in  den  Städten]  sich  nicht  so  bereitwillig  und  einbellig
  sondern  nur  per  maiora  und  „fast  timide‘‘  in  die  Union  begeben  hat  und
nun  diese  Beschwerungen  vorkommen,  80  gibt  es  in  den  Ratskollegien  allerlei
Differenzen  und  ungleiche  Gedanken,  Unwillen  und  Ungeduld  und  könnte  leicht
hier  oder  dort  ein  Aufstand  verursacht  werden.  Abgesehen  von  der  Gefahr
für  die  Aeltern  und  Geheimen  und  deren  Syndiei  steigen  auch  allerlei  Gedanken
  auf,  wie  es  mit  den  Städten  gemeint  und  was  durch  diese  Union
stüuschweigend  angerichtet  worden  sei.  Das  alles  macht  die  drei  Städte  sehr
bestürzt.  Sie  stellen  ihre  Sorge  den  Nürnbergern  vor  und  hoffen,  dass  diese,
die  sie  zur  Union  erhandelt  haben,  ihre  Beschwerden  desto  mehr  betreiben
helfen  werden.  Um  die  höheren  Stände  die  Ungeduld  und  den  Unwillen  der
geringeren  Städte  merken  zu  lassen  und  um  die  Rechnungen  auszubringen,  schlagen
Rotenburg  und  Windsheim  vor,  die  schon  erlegten  sieben  Monate  zurückzuhalten
und  Zweibrücken  die  Beschwerden  mitzuteilen.  Sie  fragen  auch  an,  ob  es  wahr,
sei,  dass  Landgraf  Ludwig  vonHessen  die  Reichsvogtei  über  alleReichsstädte  erlangt
  habe  (Anbringen  vom  5./15.  Januar;  Nbg.,  Unionsakten;  Bd.  39,  f.  341;
Kop.).  —  Die  Nürnberger  antworteten  am  8.'18.  Januar  mit  dem  Hinweis  auf  die
bevorstehende  Zusammenkunft  der  ausschreibenden  Städte;  die  Angelegenheit  sei
allen  Städten  gemeinsam  und  gehöre  auf  einen  Unionstag.  Die  sieben  Monate
seien  von  Ulm  bewilligt  und  von  den  rheinischen  Städten  schon  erlegt;  es
köanten  aber  die  drei  Städte  wegen  der  Zurückhaltung  der  Quote  sich
uemittelbar  an  Zweibrücken  wenden  (Nbg.,  a.  a.  O.,  f.  378;  Kpt.).
        <pb n="64" />
        42  1611  16—17.

Januar14.  Erinnern  anderer  unierter  Städte  und  gemäss  Ihrem  Erbieten,  alles
zu  tun,  was  in  Ihrem  Vermögen  ist,  mit.  —  Datum  den  4.  januarii
a.  1611.
Nbg.,  Unlonsakten,  Bd.  39,  f.  884;  Kpt.  von  Oelhafen  !

Januar  14.17.  Bericht  des  altenburgischen  Rates  Peter  Fuchs
an  das  Gesamthaus  Sachsen  über  seine  Verrichtung
in  Brüssel.

Ankunft  in  Brüssel  am  1./11.November.  Auf  des  Erzherzogs  Albrecht
Befehl  begab  ich  mich  nach  Bins  bei  Marienberg,  wo  ich  durch  Graf  Octavio
Visconti  und  Antonio  Suarez,  des  Erzherzogs  geheimsten  Kammersekretär,
  empfangen  wurde;  am  8./18.  hatte  ich  beim  Erzherzog  Audienz  zu
Marienberg,  wobei  ich  mein  Anbringen  wegen  der  burgundischen
Lehen  in  Jülich  vorbrachte.  Der  Erzherzog  erwiderte  mit  einom
Glückwunsch  zur  Belehnung  des  Hauses  Sachsen  mit  den  jülichschen
Landen;  wegen  der  beständigen  Affektion  des  Hauses  Sachsen  gegen
das  Haus  Oesterreich,  die  er  auch  für  künftig  erhoffe,  wolle  er  sich
auf  das  Ansuchen  zur  Zufriedenheit  des  Hauses  Sachsen  erklären,  das
er  gern  zum  Nachbar  habe.  Der  Erzherzog  bedauerte  alsdann  den
Ausgang  der  kölner  Handlung,  freute  sich  aber,  dass  der  Unglimpf
davon  den  Gegnern  verbleibe.  —  Da  ich  also  des  Erzherzogs  gute
Affektion  gegen  das  Haus  Sachsen  erkannte,  so  konnte  ich  gemäss
meiner  Instruktion?  ihm  auch  die  andern  Punkte  derselben®  mündlich
und  schriftlich  vorbringen,  worauf  der  Erzherzog  erwiderte:  er  gönne
Sachsen  den  ruhigen  Besitz  der  jülichschen  Lande  gern;  wenn  es
dazu  gelange,  wären  die  alten  Verbündnisse  zwischen  den  Häusern
Burgund  und  Jülich  zu  erneuern;  aber  fürs  erste  wäre  zu  fragen:

I!  Am  m  m  *T  teilt  der  Kurfürst  von  Brandenburg  die  Antwort  der

Nürnberger  dem  Administrator  der  Kurpfalz  mit  der  Bemerkung  mit,  „und
bedeucht  uns  dieselbe  weit  auszusehen,  also  das  zimblich  gelinde  zu  verfahren
sein  will,  da  diese  nicht  gar  abalieniert  werden  sollen*  (Mb.,/419/4.  f.  130;  Or.).

3  In  Dre,  1.8807,  21.  B.  jül  Sachen,  f.35  liegt  das  Or.  der  Instruktion
des  Herzogs  Johann  Kasimir  von  Sachsen-Coburg  für  Fuchs  vom  1./11.  November
  wegen  der  Belehnung  mit  den  flandrischen  Lohensstücken  vor.

®  Nebeninstruktion  für  eine  geheime  Werbung  vom  gleichen  Tag  (Drs,
a.  a.  O.,  f.  37;  Or.):  Anfrage,  was  der  Erzherzog  zu  tun  geneigt  ist,  wenn
das  Haus  Sachsen  die  vom  Kaiser  zu  erkennende  Exekution  auf  sich  nimmt,  da  ee
nicht  zweifelt,  dass  der  Erzherzog  die  jülichschen  Lande  lieber  Sachsen,  das
dem  Hause  Oesterreich  so  oft  treulich  gedient  hat,  als  denen  gönnen  wird,
die  Oesterreich  mehr  Despekt  als  Respekt  erwiesen  haben.  Das  Haus  Sachsen
rechnet  darauf,  dass  der  Erzherzog  auch  die  alten  Verbündnisse  zwischen
Burgund  und  Jülich  mit  dem  Hause  Sachsen  als  belehnten  Herrn  der  Lande
fortsetzen  wird,  wie  «dieses  Haus  sie  seinerseits  noch  erweitern  will.  —  Eine
dritte  Werbung  das.  f.  41,  Or.:  zur  Verwirklichung  der  Exekution  bittet  das
Haus  Sachsen  den  Erzherzog,  ihm  in  den  niederburgundischen  Landen  heimliche
  Werbungen  zu  verstatten,  ihm  einige  vornehme  Befehlshaber  zu  überlassen,
  ebenso  einen  Musterplatz  und  zwei  Retiradeplätze.
        <pb n="65" />
        17.  1611  43

wer  die  Exekution  vornehmen  solle  und,  wenn  das  Haus  Sachsen  Januar  14
meinem  Anbringen  nach  damit  beauftragt:  und  die  benachbarten
Kreise  als  der  rheinische  und  westphälische  dazu  ersucht  würden,  ob
diese  auch  willig  wären?  wie  stark  sich  Sachsen  zu  diesem  Vorhaben
„praesentieren‘“  könnte?  ob  es  sich  nicht  dabei  eines  Einfalls  der  Feinde
in  seine  eigenen  Lande  zu  befahren  hätte?  —  Ich  erwiderte:  der  Kaiser
hat  sich  entschlossen,  dem  Hause  Sachsen  die  Achtsexekution  im  Fall
der  Zerschlagung  der  kölner  Handlung  aufzutragen;  Sachsen  will  aber
den  Kaiser  in  dieser  Sache  nicht  weiter  behelligen,  bevor  es  nicht  der
Mittel  zur  Ausführung  gewiss  ist;  daher  will  das  Haus  Sachsen  zunächst
  hören,  ob  der  Erzherzog  sich  diesem  Wesen  beipflichtig  machen
wird.  Ist  Sachsen  dessen  versichert,  dann  wollen  sich  die  Fürsten
beim  Kaiser  um  endlichen  Ausschlag  in  der  Sache,  wenn  nötig,  in  der
Person  bemühen.  Sachsen  bat  mit  den  Kurfürsten  am  Rhein  und
mit  den  Ständen  des  westphälischen  Kreis  gute  Korrespondenz  und
findet  dort  Zuneigung,  wie  ich  noch  dieser  Tage  gespürt  habe,  so  dass
an  deren  Zutun  nicht  zu  zweifeln  ist;  auch  will  es  sich  selbst  mit
solcher  Macht  gefasst  machen,  dass  man  conjunctis  viribus  auf  alle
Fälle  den  Feinden  begegnen  kann  und  die  Last  des  Krieges  nicht
allein  auf  den  Erzherzog  fallen  würde.  Wegen  Schutzvorkehrungen
für  das  eigene  Land  ist  alles  Nötige  vorgesehen.  —  Der  Erzherzog
erwiderte,  er  wolle  sich  wegen  dieses  und  wegen  des  dritten  Anbringens,
heimliche  Werbung  in  den  niederburgundischen  Landen  zu  gestatten,
noch  bedenken;  ausserdem  fragte  er,  ob  Sachsen  nach  der  Belehnung
nicht  an  Frankreich  und  England  geschickt  habe,  sie  von  fornerer
Assistenz  dor  Possidierenden  abzumahnen,  was  vielleicht  nicht  fruchtlos
  wäre.  —  Ich:  es  ist  vorläufig  schriftlich  geschehen.  —  Erzberzog:
  Was  ist  denn  die  eigentliche  Ursache,  dass  Sachsen  von  so
nahe  Verwandten  wie  England  und  Dänemark  verlassen  wird?  —
Ich:  Es  ist  die  hergebrachte  Devotion  und  Korrespondenz  mit  dem
Haus  Oesterreich;  dazu  besorgen  jene,  dass  Sachsen  die  jülicher
Lande  dem  Hause  Oesterreich  in  die  Hände  spielen  wolle;  daher
hofft  Sachsen  um  so  mehr,  von  Oesterreich  nicht  verlassen  zu
werden.  —  Der  Erzherzog  versprach,  diese  Devotion  und  Korrespondenz
bei  jeder  Gelegenheit  gegen  das  Haus  Sachsen  zu  verdienen;  dann
fragte  er  nach  dem  gegenwärtigen  Zustand  der  Liga  und  ob  das
Haus  Sachsen  sich  nicht  in  dieselbe  begeben  möchten,  um  sich  ihrer  zu
bedienen.  —  Ich:  Der  Kurfürst  und  die  Fürsten  sind  dazu  wol  ersucht
worden,  sind  aber  noch  nicht  eingetreten;  wenn  es  aber  mit  des
Kaisers  Belieben  geschehen  könnte  und  die  Liga  einer  Erneuerung
des  alten  Religions-  und  Profanfriedens  gleich  gehalten  werden  soll,  so
möchten  der  Kurfürst  und  die  Fürsten  künftig  wol  dazu  geneigt  sein  und
sich  wenigstens  deren  Defensivhilfe  bedienen.  Der  Erzherzog  schwieg
dazu;  es  schien  ihm  aber  nicht  übel  zu  gefallen.  Also  wurde  ich  entlassen,

Darauf  legte  ich  bei  der  Erzherzogin  meine  Werbung  ab,  die
spanisch  antwortete,  was  Graf  Visconti  ins  italienische  übersetzte,
        <pb n="66" />
        44  1611  17.

Januar  14.  Am  11./21.  reiste  ich  nach  Brüssel  und  hatte  am  12./22.  bei
Spinola  Audienz.  Nach  abgelegter  Werbung  dankte  er  für  EE.  kfl.
und  fl.  Gnaden  Schreiben  und  erinnerte  gleichfalls  an  die  alte  Freundschaft
  zwischen  den  Häusern  Sachsen  und  Oesterreich,  zu  deren
beiden  Besten  dies  Suchen  angesehen  sei.  Seine  Fragen  waren  dieselben
  wie  die  des  Erzherzogs;  besonders  fragte  er,  ob  dieser  Sachen
wegen  EE.  kfl.  etc.  Gnaden  auch  nach  Spanien  geschickt  hätten;  der
König  könnte  Denselben  hierin  viel  beständigere  Assistenz  leisten.  —
Ich:  e8  sei  meines  Wissens  nicht  geschehen,  vielleicht  weil  EE.  kfl.
etc.  Gnaden  dafür  hielten,  der  König  werde  dem  Erzherzog  sein  Belieben
und  Konsens  zu  dieser  Sache  bereits  im  allgemeinen  gegeben  haben,
wie  dieser  ja  auch  den  Kurfürsten  von  Köln  und  Trier,  wenn  sie  von  den
Staaten  oder  sonst  bekriegt  würden,  von  sich  aus  Hilfe  und  Schutz  zugesagt
habe,  ohne  dass  der  König  von  den  Kurfürsten  ersucht  worden  wäre;  wenn
EE.  kfl.  etc.  Gnaden  aber  vernähmen,  dass  die  Ersuchung  nötig  sei,  würde
es  an  gebührender  Verordnung  nicht  fehlen.  —  Spinvla:  Er  sei  nicht  der
Meinung,  dass  es  nötig  sei;  der  Erzherzog  werde  sich  gewiss  nach  Möglichkeit
  willfährig  erweisen;  er  wolle  nach  des  Erzherzogs  Rückkehr  dessen
Meinung  erforschen  und  im  übrigen  mein  Anbringen  nach  Kräften  fördern.

Am  13./23.  und  14./24.  besuchte  ich  die  vornehmsten  geheimen
Räte  als  Salinas,  Vizepraesidenten  des  geheimen  Rats,  Nicolas  de  Montmorency,
  Chef  der  Finanzen,  Ludwig  Vereycken,  Audienzierer,  Pater
Inigo  de  Brisvela,  ersten  Sekretär  und  Peter  de  Damandi,  burgundischen
Kanzler,  denen  ich  namentlich  die  Belehnungssache  empfahl.  Alle
erboten  sich  wegen  der  Beziehungen  der  beiden  Häuser  zu  allem  guten.

A  24.  November

"  4.  Dezember
ich  besuchte  die  folgenden  Tage  Don  Rodrigo  Nivoylasso,  conde  de
Anover,  spanischen  Kriegsrat  und  obersten  Kammerherrn  des  Erzherzogs,
  Grafen  Visconti,  Kriegsrat  und  Kämmerer,  Johann  de  Mancicidor,
  königlichen  Kriegsrat  und  Sekretär  und  Suarez  und  bat  um
Beförderung  meiner  Sachen,  worauf  ich  die  besten  Zusagen  erhielt.

Am  @?.  November  teilte  mir  Suarez  mit,  der  Erzherzog  habe
7.  Dezember

sich  auf  mein  Anbringen  bereits  resolviert  und  die  Sache  an  den
deutschen  Sekretär  Fleckhamer  verwiesen;  doch  werde  man  mir  die
Resolution  vor  der  Ausfertigung  zeigen,  falls  ich  etwas  zu  erinnern

30.  N  b
hätte.  Dazu  liess  mich  Fleckhamer  auch  am  oyember  rufen
10.  Dezember

und  forderte  mich  hernach  auf,  die  von  mir  erhobenen  Einwände  schriftlich
  beim  Erzherzog  anzubringen,  wie  auch  am  1./11.  Dezember  geschah.!

1  Der  Bescheid  des  Erzherzogs  vom  10.  Dezember  lautet:  Freude  über
die  Belehnung  Sachsens  mit  den  jülicher  Landen.  Bewilligung  der  nachgesuchten
  Belehnung  mit  den  niederburgundischen  Lehensstücken.  Die
Erneuerung  der  alten  Verträge  geschieht  am  besten,  nachdem  Sachsen
die  Possession  der  jülicher  Lande  erlangt  hat.  Einige  geeignete  Befehlshaber

erst  kehrten  die  Erzberzoge  nach  Brüssel  zurück;
        <pb n="67" />
        17.

Als  ich
Rodrigo
Spanien
hätten;

1611  45

wegen  meines  Memorials,  das  ich  übergab  ,!  auch  mit  Don  Januar  14.
sprach,  versicherte  der  mich,  dass  sowol  der  König  von
als  auch  der  Erzherzog  gegen  Sachsen  allen  guten  Willen
es  habe  sich  aber  der  Erzherzog  wegen  der  Assistenz  nicht

endlich  erklären  können  sondern  es  auf  den  König  schieben  müssen,
obne  dessen  Vorwissen  hierin  nichts  geschehen  könne;  doch  dürfte  deswegen
  heute  noch  ein  besonderer  Kurier  nach  Spanien  abgefertigt

werden,

worauf  hoffentlich  bald  ein  günstiger  Bescheid  erfolgen  werde.

Am  2./12.  Dezember  sprach  ich  auch  mit  Spinola  wegen  des  Assistenzpunkts
  und  bat  ihn  um  Beförderung,  damit  der  Erzherzog  sich
hierin  etwas  deutlicher  erkläre.  Er  erwiderte  wie  Don  Rodrigo:  die  den
geistlichen  Kurfürsten  erteilte  Resolution  sei  mit  Bewilligung  des
Königs  von  Spanien  geschehen  und  habe  sich  nur  auf  die  Defensive
bezogen;  übrigens  habe  er  meine  Sache  dem  König  und  dem  Erzherzog
bestens  empfohlen.  Ich  dankte  und  bat,  da  es  zu  (dewinnung  der
Zeit  gut  wäre,  der  günstigen  Antwort  schon  jetzt  versichert  zu  sein
und  da  bei  der  Stimmung  der  erzherzoglichen  Bäte  an  der  Bewilligung
der  Assistenz  ohnehin  nicht  zu  zweifeln  sei,  „ex  praesumta  voluntate
I.  kgl.  W.  die  sachen  dahin  zu  remediren‘“,  damit  der  Erzherzog  sich
deshalb  in  gewisseren  Ausdrücken  erkläre.  Spinola  versprach  nochmals
mit  dem  Erzherzog  zu  reden.  Wegen  der  in  der  erzherzoglichen
Resolution  verweigerten  Muster-  und  Retiradeplätze  äusserte  sich
Spinola  ebenso:  die  Sache  könne  nicht  heimlich  geschehen:  sobald  man

sollen  zur  Verfügung  gestellt  werden.  Werbungen  in  den  burgundischen
Landen  werden  Sachsen  zugelassen,  Muster-  und  Quartierplätze  können  nicht
eingeräumt  werden,  wol  aber  eine  Stadt  zur  Einlagerung  von  Proviant  ünd

Munition.

Das  meiste  von  Sachsens  Begehren  hängt  vom  König  von  Spanien

ab,  bei  dem  der  Erzherzog  alle  guten  Dienste  leisten  will  (Drs.,  1.
8807,  21.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  100;  Or.).
!  Bitte,  der  Erzherzog  möge  sich  gleichmässig  wie  wegen  der  Be

lehnung

auch  wegen  der  Assistenz  erklären.  Das  Haus  Sachsen  hätte

sich  besonders  wegen  der  vom  Erzherzog  den  geistlichen  Kurfürsten  erteilten
  und  Fuchs  vertraulich  kommunizierten  BResolutionen  eingebildet,
der  Erzherzog  habe  bereits  des  Königs  Konsens,  so  dass  er  bei  Weiterungen
im  Reich  ohne  weiters  eingreifen  könnte.  Fuchs  habe  dem  Erzherzog  auch  in
der  Audienz  entdeckt,  dass,  bevor  der  Erzherzog  sich  erklärt,  weder  der
Kaiser  noch  Sachsen  ernstlich  zu  den  Sachen  thun  könnten  und  dass  Verzug
den  Gegner  begünstige.  Der  Erzherzog  möge  sich  also  jetzt  noch  weiter
erklären,  wie  dies  den  niederburgundischen  Landen  ja  selbst  zu  Vorteil

gereiche;

Sachsen  werde  sich  alsdann  mit  des  Erzherzogs  Gutachten  dem

König  praesentieren.  Wäre  dies  nicht  zu  erhalten,  so  möge  der  Erzherzog
die  Resolution  aus  Spanien  möglichst  befördern,  auch  einraten,  wie  die
sächsische  Sendung  nach  Spanien  vor  sich  gehen  solle.  Was  die  Musterund
  Retiradeplätze  anlange,  so  sei  allerdings  richtig,  dass  die  erzherzoglichen
Lande  mit  Garnisonen  so  stark  belegt  sind,  dass  es  zu  andern  Quartieren
und  Mausterplätzen  keine  Gelegenheit  gebe.  Es  könnten  aber  die  in  Niederburgund
  bewilligten  Werbungen  keinen  Nutzen  haben,  wenn  man  die
Musterplätze  ausser  Landes  suchen  müsste,  auch  würde  das  sächsische  Vorhaben
  zu  oflenbar  werden;  eine  ähnliche  Erlaubnis  sei  Erzherzog  Leopold  als
kaiserlichen  Kommissar  erteilt  worden.  Wiederholung  der  Bitte  (Dre.  a.  a.
O.,  £.  86;  Kop.).
        <pb n="68" />
        46  ‚1611  17.

Januar14.  würbe  und  Musterplätze  anstellte,  würde  es  den  Nachbarn  böse  Gedanken
  machen  und  auch  sie  zu  Werbungen  bewegen;  das  sei  ohne  des
Königs  Wissen  nicht  zu  verantworten.  Dazu  wären  die  Lande  durch
die  langen  Kriege  verderbt,  die  Untertanen  hätten  dem  Erzherzog  eine
gewisso  Summe  gezahlt,  dass  er  sie  dafür  mit  Quartieren  verschone;
selbst  des  Erzherzogs  Bruder  babe  im  vorigen  Jahr  kein  Winterquartier
  baben  können.  Es  sei  kein  Grund,  auf  diesen  Punkt  jetzt
so  sehr  zu  dringen;  denn  wenn  der  König  erklärt,  Sachsen  mit
einem  Heer  Öffentlich  beizustehen,  so  werde  der  Erzherzog  noch
etwa  10  000  Mann  annehmen  müssen  und  dann  für  andere  Soldaten
im  Lande  schwerlich  Platz  sein;  würde  der  König  dem  Hause
Sachsen  aber  sonstwie  helfen  wollen,  so  wäre  noch  Zeit  genug,  sich
deshalb  zu  entscheiden.  Er  wisse  nicht,  ob  es  Sachsen  zu  raten  sei,
sich  vor  dem  Eintreffen  der  königlichen  Resolution  der  Exekution  zu
unterziehen  ;  ebenso  widerrate  er,  dass  EE.kfi.  etc.  Gnaden  an  zwei
Orten  ein  Heer  aufstellten,  denn  abgesehen  von  der  Konfusion  gehöre
dazu  ein  grosses;  wenn  der  König  sich  mit  einem  Heer  der  Sache
beipflichtig  machen  würde,  müssten  die  Heere  völlig  getrennt
bleiben,  der  König  diesseits,  Sachsen  jenseits  des  Rheins  seiner  Zeit
den  Feind  angreifen.  Er  würde  dem  Erzherzog  eher  raten,  Sachsen
mit  des  Königs  Heer  beizustehen  als  die  Muster-  und  Rückzugsplätze
zu  gestatten,  da  so  viel  Nachteil  darans  entstünde.  —  Ich  suchte  diese
Argumente  nach  Möglichkeit  zu  entkräften  und  widerholto  meine
Bitten.

Am  5./15.  war  ich  bei  Spinola  geladen,  der  sich  nochmals  zu
allem  guten  erbot  und  dabei  äussert,  er  merke,  dass  der  Erzherzg
„ein  grosses  Obligo‘“  von  dem  Hause  Sachsen  auf  sich  trage,  wie  das
nach  Spanien  gerichtete  Schreiben  zu  erkennen  gegeben  habe;  hoffentlich
  werde  bald  gute  Resolution  darauf  folgen.

Am  6./16  erfuhr  ich,  dass  die  Expedition  der  Belehnungssache
an  den  geheimen  Rat  verwiesen  worden  sei;  ich  wandte  mich  deshalb
an  den  ältesten  Rat  Wilhelm  de  Greisster,  da  Salinas  dieser  Tage
gestorben  war  und  wurde  an  den  niederländischen  Sekretär  Philipp
Pratz  weiter  verwiesen.  Am  8./18.  erhielt  ich  von  Pratz  zwei  verschlossene
Schreiben  an  den  brabantischen  und  burgundischen  Lehenhof.  —  Schilderung
  der  Belehnung.!  —  Reise  nach  Gent  und  Brügge  wegen  der
Belehnung  mit  den  Herrlichkeiten  Bresgensant  und  Wienenthal.  —  Am

26.  Dezember  1610  .
5  Januar  1611  erfolgte  die  Abschiedsaudienz  zu  Brüssel.  —

Am  Abends  besuchte  mich  Graf  Boucquoy  und  erbot  sich  dem  Hause
Sachsen  zu  Diensten,  da  die  Erzherzoge  und  der  König  EE.  kurfürstlichen
etc.  Gnaden  Begehren  stattgeben  würden;  die  gesuchte  Assistenz
komme  mehr  als  Sachsen  dem  Könige  und  den  Erzherzogen  zu  gute:

ı  Vgl.  Job.  Seb.  Müller,  Annales  des  chur-  und  fürstlichen  Hauses
Sachsen,  Weimar  1701,  S.  258.
        <pb n="69" />
        17—18.  1611  41

Das  Haus  Sachsen  könnte  sich  auch  ohne  die  jülichschen  Lande  fürst-  Januar  14.
lich  erhalten;  wie  es  aber  den  Erzherzogen  ergehen  würde,  wenn  diese
Lande  in  die  Hände  der  Gegner  fielen,  wäre  leicht  zu  ermessen.
Spanien  habe  bisher  zu  sehr  seiner  Macht  getraut  und  sich  mit  den
deutschen  Fürsten  nicht  viel  eingelsssen;  Kursachsen  sei  aber  ein
mächtiges  Haus,  das  sich  seit  langem  besonders  dem  Hause  Oestorreich
  treu  erwiesen  habe;  mit  dem  müsse  man  sich  in  gutes  Verständvis
  einlassen  und  ihm  in  billigen  Dingen  beispringen;  die  Besolution
  aus  Spanien  werde  demgemäss  ausfallen.  —  Datum  Coblenz
den  4.  jan.  a.  1611.
Dre.,  1,  8807,  31.  Buch  jülicher  Sachen,  (.1;  Or.

18.  Zuniga  an  König  Philipp  III.  Januar  15.

König  Matthias  bittet  durch  die  beiliegende  Depesche  [feblt]dringend
um  die  Unterstützung  E.  M.*  ‚A  sido  terrible  resolucion  esta  de  meter  el
emp.”  su  gente  en  la  Austria  superior“  und  völlig  gegen
die  mit  Interzession  E.  M.*  und  des  Papstes  und  mit  Bürgschaft  der
Erzherzoge,  Kurfürsten  und  anderen  Fürsten  zustande  gekommenen
Verträge.  Alle  Länder  unter  Matthias  werben  ‚„y  los  Bohemios  requeridos
  del  las  han  pedido  licencia  para  armar.“  Im  Auftrag  des
Kaisers  haben  ihnen  gestern  Erzherzog  Leopold  und  der  Landgraf  von
Leuchtenberg  geantwortet,  der  Kaiser  habe  den  Herzog  von  Braunschweig
und  den  Grafen  Zollern?  nach  Wien  geschickt,  um  dem  König  zu  sagen,
sein  Wunsch  sei  niemals  gewesen,  dass  das  Volk  dessen  Ländern
Schaden  thue;  die  Böhmen  möchten  die  Antwort  des  Königs  erwarten
„y  sino  se  quietase,  entonces  daria  licencia‘“  Heute  sind  die  Böhmen
entschlossen,  ihm  zu  sagen,  dass  sie  nicht  darauf  warten  werden
und  kein  Mittel  sehen,  das  Volk  zu  befriedigen.  ‚‚El  emp.°”  se  pone
en  esta  guerra  con  tantos  enemigos  sin  tener  un  vasallo  obediente
ni  principe  ni  persona  humano  que  le  ayude  ni  consejero  que  no

ı  Am  30.  Januar  wurde  Fuchs  abermals  nach  Brüssel  entsendet,  um
9.  Februar

die  Besitzergreifung  zu  vollenden.  Zum  Dank  für  die  geleisteten  Dienste  hatte
der  Gesandte  Spinola  und  Boucquoy  des  Kurfürsten  „gesellschaft,  so  wir
niemandes  als  unsern  gar  guten  und  wolaffectionirten  freunden,  räten  und
dienern  zu  geben  pflegen,  zu  einem  stets  wehrenden  gedechtnus  zu  uberantworten“
  (Dre.,  I.  8807,  21.  Buch  jül.  Sachen,  f.  270;  Kpt.).

?  Die  erste  Nachricht  von  der  Schickung  des  Reichshofratsprassidenten
Gıafen  von  Zollern  naclhı  Wien  gibt  der  bairische  Agent  Wilhelm  Bodenius  in
seinem  Bericht  au  Herzog  Maximilian  vom  10.  Januar  1611  (Mc.,  Eutstehung,
Fasz.  IIl,  no.  26.,  f.  il;  Or.  eigb.)  —  Die  kaiserliche  Instruktion  für  Braunschweig
  und  Zollern  vom  7./17.  Januar  ist  gedruckt  im  Gründlichen  Bericht
  etc,  8.  205  und  in  den  Copeyen  und  Abschriften,  no.  2.
Der  in  Wi.,  I.  A.1.,  Ka.  2991  erliegende  Auszug  der  Instruktion  mit  Braunschweigs
  und  Zollerms  eigenhändiger  Unterschrift  und  dem  Datum  vom
20.  Januar  1611  ist  der  vor  König  Matthias  gehaltene  Vortrag.
        <pb n="70" />
        48  1611.  18.

Januarid.  sea  falto  de  juicio  natural,  ora  por  loco  furioso,  ora  por  simple  del
todo;  digo  consejero  de  los  que  entienden  en  este  negocio  (que  del
consejo  de  estado  no  se  haze  ningun  caso),  tiene  gran  parte  la  astrologia
  y  se  han  hecho  mercedes  a  los  que  han  pronosticado  que  el
rey  Matthias  a  de  ser  preso  esto  ano.ı  Yo  he  profesado  siempre  que
no  sentia  bien  desta  gente  de  guerra  que  juntaba  el  emp.”  y  que
tenia  esta  leva  por  muy  contraria  al  servicio  mismo  de  S.  M.?  ces.*
Y  con  cuidado  lo  e  dado  a  entender  asi  en  conversaciones,  porque  ha
convenido  y  conviene  muchisimo  que  no  se  venga  al  hazer  esta  guerra
de  religion,  ni  entiendan  los  hereges  que  V.  M.@  favorece  una  empresa
  tan  desvaniada.  EI  tratar  de  tener  audiencia  del  emp.”  y  hablarle
sobre  este  negocio  ni  que  vea  papel  mio,  es  negocio  imposible.  AI
8.°°  archiduque  he  ablado  diversas  vezes,  todo  es  admirarse  de  que  el
rey  Matthias  reciba  disgusto  de  que  el  exercito  del  emp.  entre  en  sus
provincias  y  dize  que  van  a  Juliers  a  ayudar  al  duque  de
Saxonia,  que  e8  00mo  encaminar  a  Aragon  la  gente  que  hubiese
de  marchar  a  Portugal;  pero  danse  a  entender  S.  A.  y  los  que  le
traen  embaucado  que  todos  los  otros,  con  quien  hablan,  son  mentecaptoes.
  Embio  me  a  llamar  tres  0  quatro  dias  a  muy  negociado  con
que  el  duque  de  Saxonia  ofrece  seis  mil  infantes  y  dos  mil  cavallos
para  lo  de  Juliers,  paraque  se  junten  con  el  exercito  del  emp.”  de
que  S.  A.  a  de  ser  general  y  mandome  que  luego  lo  escriviese  a  V.
M.@,  paraque  tubiese  por  bien  que  el  conde  de  Buquoy,  general  de  la
artilleria  de  Flandes,  viniese  a  ser  su  teniente  general.  Preguntando
que  medios  tenia  el  emp.°,  no  parecio  que  avia  ninguno  y  asi  dixe
a  S.  A.  que  me  parecia,  se  podia  ir  de  espacio  en  esta  peticion
del  conde  de  Bucoy,  peroque  en  todo  lo  que  V.  M.?  pudiese  buenamente
complazer  al  duque  de  Saxonia,  lo  haria  por  el  respeto  que  avia
guardado  y  guardaba  al  emp."  en  todas  ocasiones.  Voy  con  cuidado  en
esta  materia  de  Saxonia,  quando  trato  con  el  3.°”  archiduque  y  los

suyos.‘“  —  De  Praga  15  enero  1611.
Sim.,  Fasc  2497,  f.  204;  Or.2

ı  Von  dem  Einfluss  der  Prognostika  auf  Rudolf  II.  berichtet  auch  der
falz-neuburgische  Agent  in  Prag,  Dr.  Gregor  Silbermann,  an  Pfalzgraf  Philipp
Eudwig  am  1./11.  Dezember  1610:  darnach  soll  der  Kaiser  in  der  Furcht  schweben,
aus  Prag  verjagt  zu  werden,  weil  ein  Prognostikon  (dessen  Druck  nicht  mehr
zu  haben  sei)  verkünde,  dass  ein  Wolf,  der  Passau  bedeute  (denn  Passau
führt  den  Wolf  im  Schilde),  den  Löwen,  Böhmen,  angreifen  und  ihm  hart
zusetzen  werde;  ein  schneller  Hirt,  den  man  auf  König  Matthias  beziehe,
werdo  dem  Löwen  beispringen,  nicht  nur  den  Wolf  abtreiben,  sondern  auch
den  Adler  verjagen  (Ma.,  299:18,  f.  71;  Kopie).

?  Obiges  Schreiben  Zuüigas  wurde  am  3.  März  1611  vom  spanischen
Staatsrat  gesondert  vorgenommen.  DerComendador  mayor  deLeon  beklagt,  „que
esta  Jiscordia  esta  muy  adelante  y  es  'muy  perniciosa,  no  solo  para  los
hermanos,  que  todos  se  van  revolviendo  y  encontrando  con  ella,  pero  para
a  christianidad  particularmente  en  Alemania  y  Italia;  que  al  principio

arecio  que  el  rey  de  Ungria  reparo  poco  en  el  respeto  debito  al  emp.Or  su
ermano,  despues  trato  de  capitular  y  hazer  la  concordia,  aunque  mas  de
fuerza  que  de  grado  yagora  pide  socorros  de  V.  M.d  contra  la  gente  del  emp.or
        <pb n="71" />
        19.  1611  49

19.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Kurfürsten  Januar15.
von  Mainz.

Donnersberg  hat  uns  über  seine  Verrichtung  bei  E.  L.?  Bericht
erstattet.  Wir  ersehen  daraus,  dass  E  L.  zu  baldiger  Ausschreibung
eines  Bundestages  geneigt  sind,  dass  Sie  sich  aber  mit  dem  Hause
Sachsen  wegen  dessen  Einnahme  in  den  katholischen  Bund  bereits  so  weis
eingelassen  haben,  dass  es  die  Einladung  zum  nächsten  Bundestag  erwartet,
  weshalb  Sie  sich  wegen  eines  solchen  nicht  eher  erklären  können,
bevor  wir  uns  unsererseits  wegen  der  Einnahme  Sachsens  erklärt
haben;  E.  I.  ziehen  auch  erhebliche  Gründe  an,  warum  die  verbündeten
katholischen  Stände  sich  mit  dem  Hause  Sachsen  und  andern  gehorsamen
  evangelischen  Ständen  in  ein  „gleichmässiges  Verständnis“  einlassen
  sollen.  Wir  lassen  uns  dies  nicht  entgegen  sein  und  wollen
gern  befördern  helfen,  „dass  ein  gueter  vertreulicher  verstant“  zwischen
den  katholischen  und  den  gehorsamen  protestantischen  Fürsten  zur
Erhaltung  des  Religions-  und  Profanfriedens  und  zur  Herstellung  der
Einigkeit  im  Reiche  geschaffen  werde;  denn  es  ist  bekannt  genug,  wieviel

amotinada  y  tambien  el  agente,  que  tiene  en  esta  corte,  representa  los  ineonvenientes
  de  no  acudir  luego  a  agqnello  y  ya  se  vee,  quan  grandes  86
pueden  seguir  de  que  no  se  acomoden  los  hermanos  que  se  le  podia  escrivir
a  don  Balthasar  que  ponga  mucho  cuidado  en  esto  y  se  le  embie  copia  del  papel
que  ha  dado  eldicho  agente,  paraque  lo  sepa  y  de  la  salida,  que  le  pareciere
mas  conveniente  advirtiendole  que  busyue  camino  qualquiera  que  aya,  aunque
sea  de  echadizos  astrologos,  pues  estan  tan  acreditados  con  el  emp.?T,  paraque
entienda  que  no  puede  hazer  cosa  tan  contra  si  como  faltar  a  su  palabra,
pues  si  para  mover  armas  ha  menester  tantos,  que  le  ayuden  si  vengue
falta  su  palabra,  quien  se  llegava  a  el  y  se  le  de  a  entender  bien  esta  verdad
por  los  mejores  medios  que  se  pudiere  ya  que  no  se  puede  hazer  allilo  que
en  Francia,  donde  aquella  reyna  oye  y  sigue  el  parecer  del  embaxador  de
V.  M.d  que  al  Jdicho  rey  Mathias  y  a  los  archiduques  se  les  responda  con
buenas  palabras  generalos  remitiendose  a  don  Balthasar,  a  quien  se  podran
embiar  las  cartas,  paraque  las  de  y  el  estienda  la  creencia  dellas,  como
quando  le  pareciere.*  —  Marques  de  Velada:  „Zuniga  es  tan  platico  de  todo  lo
de  alli  y  de  los  hamores  de  cada  uno  qıe  se  le  puede  remitir  la  forma  de
„comodarlo  segun  el  estado  de  las  cosas“:  der  Papst  soll  einen  eigenen
Nontius  zur  Beilegung  des  Streites  senden.  —  Der  Herzog  del  Infantado  bedauert
  gleichfalls  den  Zustand  in  Deutschland  und  befürchtet  den  gänzlichen
Untergang  des  Hauses  Oesterreich  ;,  man  sehe  deutlich  „que  el  8.°r  archiduque
Leopoldo  es  la  levadura  destas  discordias,  pues  es  el  consejero  del  emp.er
yel  rey  Mathias  esta  muy  descontento  con  razon,  aviendole  faltado  a  la

ra®;  es  sei  notwendig,  sofort  alle  Vorkehrungen  zur  Unterdrückung
des  nicht  erst  drohenden  sondern  bereits  ausgebrochenen  Brandes  zu  treffen  ;
„pone  en  consideracion,  si  seria  bueno  embiar  persona  a  ello  o  proourar  que
el  emp.°"  oyese  a  don  Balthasar  y  si  huviese  de  ir  persona  que  fuese  subordinada
a  el  y  no  saliese  de  lo  que  le  Jdixese*;  der  Papst,  dem  alles  durch  Jen
spanischen  Botschafter  de  Castro  mitgeteilt  werden  soll,  möge  einen  besonderen
Iegaten  senden.  —  Der  Herzog  von  Albuquerque  schliesst  sich  dem  Comendador
maycr  an,  wegen  der  Sendung  eines  eigenen  Legaten  dom  Marques  von
Velada  (Sim.,  Fasz.  709,  f.  191).

'  Vgl.  no.  4.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  4
        <pb n="72" />
        00  1611  19.

Januar15.die  Freundschaft  unseres  Ahnherrn  Albrecht  mit  Kurfürst  August
von  Sachsen  dem  Reiche  genützt  hat.  Damit  aber  beim  Bundestage
„die  sachen  mit  bestant  und  allerseits  gueter  satisfaction  ablaufen
mögen“,  ist  nötig,  sie  vorher  mit  allen  Bundesständen  zu  erörten;
sollten  Sachsen  und  sein  Anhang  „alssgleich  erfordert  und  der  mitverainigung
  halben  nit  darauf  incontinenti  villeicht  ain  schluss  beschechen‘“‘,
  so  würde  statt  der  gesuchten  Einigkeit  nur  Misverstand
und  Unglimpf  entstehen.  Wir  hoffen  übrigens,  dass  die  Bundesstände
  dem  Begehren  Sachseus  um  so  weniger  entgegen  sein  werden,
als  es  dem  Bunde  selbst  nützlich  ist.  Da  aber  die  Abhaltung
eines  Bundestages,  ausschliesslich  zur  Richtigmachung  der  Bundesrechnungen
  und  zur  Beratung,  wie  zur  Erstattung  unserer  und  Augsburgs
  Vorschüsse  zu  gelangen,  unumgänglich  nötig  ist,  so  überschicken
  wir  das  Ausschreiben  zu  einem  solchen  zur  Mitfertigung.!
Bei  dieser  ersten  Versammlung  kann  über  Sachsens  Ansuchen  Beschluss
gefasst  und  dann  ein  neuer  Bundestag  zur  Erledigung  der  zu  Augsburg
  ausgesetzten  Punkte  angesetzt  und  Sachsen  dazu  geladen
werden.  Dass  es  zu  dem  ersten  Tage  nicht  zugezogen  wird,  kann
Sachsen  nicht  übel  aufnehmen,  da  dieser  nur  Vergangenes  betrifft  und
es  daher,  selbst  wenn  es  schon  Mitglied  wäre,  nicht  an  ihm  teilnehmen
  könnte.

Datum  in  unserer  statt  München  den  15.  januarii  anno  1611.

Nachschrift.  ‚‚Obwolen  E.L.  in  dero  unserm  obristen  canzler  ertheilten
schriftlichen  resolution  under  andrem  melden,  dass  des  hern  churfürsten
zue  Sachsen  ersuechen  der  pabstlichen  Heil.  nuncius  und  kgl.  W.
in  Hispanien  ambasciator  zue  Prag  nit  improbiern,  so  lassen  doch
E.  L.  wir  abschrift  hiemit  zuekommen  wass  desswegen  uns  obbesagter
orator  hierunter  antwortlich  angefügt,?  auch  wol  vermuetlich  andern  buntsstenden
  gleicher  gestalt  zu  versteen  geben:  darauss  abzuenemen,  das  man
umb  desto  mehr  ursach,  disfalls  collegialiter  zu  verhandlen  und  diesen
punct  zuvor  richtig  zu  machen.“  —  E.  L.  haben  auch  Donnersberg  mündlich
  entdeckt,  dass  Derselben  die  von  unserm  Gesandten  zu  Heidelberg
  abgelegte  Werbung  von  Innsbruck  aus  mitgeteilt  worden  ist;
auch  Erzherzog  Leopold  hat  uns  Abschrift  davon  zugeschickt  ;$
wir  übersenden  unsere  an  den  Erzherzog  Leopold  gerichtete

1  Ausschreibung  eines  Bundestages  nach  Würzburg  für  den  13.  März
zur  Prüfung  der  Bundesrechnungen,  zur  Tilgung  der  von  Baiern  und  Augsburg
  geleisteten  Vorschüsse  und  zur  Aufnahme  Sachsens  in  den  Bund,
datiert  vom  15.  Januar  (vgl’  S.26,  Anm.  1).  Da  der  „Kommunikationstag*
zu  Frankfurt  (vgl.  no.  6)  auf  den  20.  Februar  verschoben  wurde,  hielt  man
wegen  Sachsen  mit  der  Verschickung  der  Ausschreiben  zum  Bundestag  bis
zu  dieser  Zusammenkunft  ein  und  schob  diesen  selbst  hinaus  (Kurmainz  an
Kurtrier  am  1.  Februar:  Wmz.,  Religionsakten,  Band  12,  No.  8;  Kpt.).

?  Vgl.  no.  3.

s  Vgl.  no.  12.
        <pb n="73" />
        19—20.  1611  51

Antwort  und  stellen  E.  L.  anheim,  sie  nach  Innsbruck  weiter  mitzuteilen.

  —  Praes.  Aschaffenburg  24.  jan.  1611.

Mc.,  Entstehung,  Fass.  V.,  n.  35,  f.  32;  von  Donnersberg  umgearbeitetses  Kpt.
Laekaers;  —  Winz.,  Religionsakten.  Fasz.  11,  n.  131;  Or.t

%.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  P.Richard  Haller,  Januar15.

Auf  ein  Schreiben  vom  1.  November  1610.  Ratschläge  wegen
der  Behandlung  einer  überschickten  Stuccoarbeit.

„Es  werden  E.  Erw.  nunmehr  auch  aus  der  unlangst  hineingeschickten
  relation  vernomen  haben,  was  es  dieser  zeit  mit  der  Catholischen
  bindnus  für  ain  beschaffenhait  und  in  quibus  terminis  dasselbe
werk  bestehe.  An  meinem  getreuem  eufer,  vleis  und  sorgfeltigkait
für  die  catholische  religion  und  gemaines  vaterlands  wolstand  habe  ich
an  mir  nichts  lassen  erwinden  sonder  mein  eusseristes  darbei  gethon.

Das  dan  I.  M.'  ainer  verzaichnus  in  materia  der  hazienda  in
secreto  begern,?  wissen  E.  Erw.  selbst,  das  zwischen  den  weitschichtigen
  spänischen,  auch  andern  Irer  kgl.  M.'  königreichen  und
provincien,  dann  den  hieigen  landen,  sogar  in  Teitschland  selbsten
zwischen  disen  und  jenen  örtern,  denselben  regierungen  und  politischem
stado  ain  grosser  und  merklicher  unterschid,  auch  vil  in  ainer,  aber
vit  in  den  andern  sich  practiciern  lasst,  und  da  man  die  beschaffenhait
sambt  allen  circumstantien  nit  gründlich  waiss,  von  ainem  und  anderm
zu  discuriern  fast  schwer  und  allerseits  bedenklich,  wie  entgegen
niemand  mer  die  defect  und  mengl  procaviern  und  remediern  kan  als

'!  Am  17.  Januar  fertigte  Herzog  Maximilian  seinen  Oberstkanzler
Donnersberg  an  Erzherzog  Ferdinand  nach  Graz  ab  und  liess  diesem  die
Resolution  von  Mainz  samt  der  obigen  Antwort  und  dem  Schreiben  Zunigas,
das  den  Anschauungen  von  Kurmainz  über  die  Haltung  Spaniens  in  der
Frage  der  Aufnahme  Sachsens  widerspreche,  mit  der  Bitte  mitteilen;  der
Erzherzog,  der  schon  am  28.  Dezember  1610  wegen  der  Aufnahme  Sachsens
allerlei  Bedenken  geäussert  habe,  möge  ihm,  dem  Herzog,  das  Ergebnis  seines
weiteren  Nachdenkens  mitteilen,  besonders  ob  es  nicht  dem  König  von  Spanien
allerlei  Gedanken  verursachen  würde,  wenn,  ohne  dessen  Resolution  einzuholen
und  abzuwarten  ,  die  Aufnahme  Sachsens  bei  nächstem  Bundestage  erfolgen
würde  (Ma.,  346/36,  f.  29;  Kpt.  von  Lackner).  Der  Erzherzog  stimmte  diesom

zu  und  wünschte,  dass  hierin  nicht  nur  mit  Spaniens  sondern  auch
mit  des  Papstes  Vorwissen  gehamdelt  werde  (Herzog  Maximilian  an  den  Koadjutor
  von  Köln  am  14.  Februar;  Ma.,  39/22,  f.  26;  Kpt.

’  Richard  Haller  S.J.,  Beichtvater  der  König  in  Margarete  von  Spanien,
kette  u.  a,  an  den  Herzog  geschrieben:  „Weil  J.  M.t  die  kunigin  sehen,  wie
übel  man  allenthalben  ihrem  hern  dem  kunig  hauset  und  was  für  groses
i2onrenientes  und  schaden  der  Christenheit  daraus  entstehe,  haben  sie  mir
gnedigst  bevolen,  E.  D.t  in  ihrem  namen  zu  bitten,  dass  Sie  einen  erfahrnen
n  dieser  materi  aus  E.  D.t  dienern  bevelen  wöllen,  J.  M.*  in  secreto  und
für  ie  allein  kürzlich  zu  verzeichnen  die  fürnembste  mitt!  und  weg,  durch
weiche  E.  D.t  Ir  hazienda  zu  disem  guten  stand,  darin  sie  sich  mit  general
rasm  und  nutz  befinden,  gebracht  haben.  Werden  E.  D.t  Irer  M.!  ein  sonders
gross  gefallen  daran  thun  und  verhoffentlich  durch  I.  M.t  diser  monarchei
alt  wenig  darmüt  nutzen.“  (Ma,  292/9,  f.  278;  Or.  eigh.)

4*
        <pb n="74" />
        52  1611  20—  21.

Januar15.der,  welcher  dieselben  in  dem  werk  sicht,  warnimbt  und  die  mitl
darzu  vor  der  hand  hat.  [Mich  hat  mörkhlich  geholffen  ein  steiffes
propositum,  alle  vnnotwendikheiten  abzustellen,  item  dass  ich  selbs  zu
meinen  sachen  gesehen,  die  rechnungen  selbs  gelesen  vnd  wass  ich
für  mengl  dabei  gefunden,  geandet,  bericht  genommen,  der  sachen
remediert,  auch  den  mittlen,  das  einkhommen  debito  modo  zu  uerbössern,
  selbst  nahgedacht;  vnd  ist  in  hac  materia  das  sprichwort
ganz  wahr:  oculus  domini  saginat  equum.  Ess  wird  das  maiste  an
I.  M.!  resolution  selbs  gelegen  sein,  dass  sie  gedenkhen,  dass  die
rehte  reputation  vnd  grandezza  nit  in  dem  spendiern  sonder  in  dem
wolspendiern  vnd  gespärikheit  stett;  dann  vil  khlaine  machen  ein
gross  vnd  von  vilen  hunderten  entspringen  vil  tausent  vnd  auss  den
tausenten  werden  die  milliones,  vnd  ein  fürst,  so  nit  bei  diser  itzigen
bösen  welt  reich  ist,  der  het  khein  authoritet  noch  reputation,  vnd
wo  dise  2  nit  sein,  da  muss  das  publicum  bruchen  leyden.  Ich  hab
gleichwol  den  brauchen,  dass  alle  monat  ein  jeder  pfening,  so  bei
meinem  zolamt  oder  hazienda  ein  vnd  aussget,  mir  ordenlich  verzaichnet
  muss  zugestelt  werden;  da  khan  nun  nit  sich  baldt  ein
verlogenheit  oder  untrew  verbergen;  dan  wo  ich  ein  bedenkhen  finde,
muss  mans  incontinenti  erleittern  ;  also  auch,  da  in  der  einnamb  sich
ein  vnderschid  oder  abgang  befindt,  khan  man  gleich  denselben  merkhen
und  alssbalt  nahsuchen,  woher  er  sich  nimbt,  also  auch  wie  solhem
zu  remediern  oder  dabei  sonsten  wass  zu  uerbössern.  Dass  ich  nit
mer  satisfaction  in  diser  materia  gib,  werden  E.  Erw.  aus  vorangerehten
  vrsachen  mich  entschuldigen“]t  —  Datum  in  meiner  statt
München  den  15.  januarii  a.  1611.

Ma.,  292|10,  f.  1;  Kpt,  von  Pichler  mit  eigenhändigem  Zusatz  des  Herzogs.

Januar  16.21.  Bericht  des  Karl  Freiherrn  von  Wolkenstein  an
Erzherzog  Maximilian  über  seine  Schickung  nach
Udenhbeim  und  Heidelberg.

Am  24,  Dezember  erhielt  ich  E.  fl.  D.‘  Befehl  und  traf  am  30.
in  Udenheim  ein.  Gegenstand  der  Besprechung  mit  dem  Bischof  von
Speier  war  vornehmlich  die  bruchsal-udenheimische  Sache,?  in  der  er
Dero  Fürwort  erbat.  —  Am  2.  Januar  kam  ich  nach  Heidelberg.  Noch
abends  lud  ich  Lingelsheim  zu  mir,  der  im  Gespräch  äusserte,  wenn  nicht
das  leopoldische  Volk  im  Elsass  und  Passau  etwas  errege,  werde
man  wol  Frieden  in  diesem  Jahre  haben;  es  heisse  aber,  man  wolle  dies
Volk  nicht  abdanken  und  noch  das  mailändische  Volk  ins  Reich
kommen  lassen;  in  diesem  Fall  müsse  man  daran  denken,  dem  Unheil
zuvorzukommen.  Neulich  seien  deswegen  die  Gesandten  der  Kurpfalz,

1  Kigenhändiger  Zusatz  des  Herzogs.
?  Vgl.  Briefe  und  Akten,  VI.,  no.  384  und  F.X.  Remling,  Geschichte
  der  Bischöfe  zu  Speyer,  II.,  Mainz  1854  S.  431  f.,  452  f.
        <pb n="75" />
        21.  1611  53

von  Baden,  Ansbach,  Württemberg,  Strassburg,  Worms,  Speier  und  Lindau  Januar  16.
beisammen  gewesen  und  hätten  Defensionsmassregeln  gegen  das  elsässer
Volk  beraten.!  Dabei  schlug  ich  auf  den  Busch,  was  der  Gesandte  des
Königs  Matthias?  bei  dieser  Versammlung  zu  thun  gehabt  hätte  und  weshalb
  ein  Ausschuss  der  Gesandten  zu  ihm  geschickt  worden  wäre.  L.  wollte
davon  nichts  weiteres  wissen  als  dass  der  Gesandte  zufällig  in  demselben
Wirtehaus  abgestiegen  wäre,  in  dem  die  städtischen  Gesandten  wohnten,
von  denen  jener  den  strassburger  Syndikus  aus  Italien  her  gekannt  habe.
Der  königliche  Gesandte  habe  in  Heidelberg  kondoliert  und  erzählt,
dass  die  Österreichischen  katholischen  Stände  ihn  gewarnt  hätten,
sich  vorzusehen,  damit  er  beim  Kaiser  nicht  in  Ungnaden  komme;
er  soll  geantwortet  haben,  er  komme  nur  den  Befehlen  seines  Königs
nach.  Der  Gesandte  erzählte  L.  auch,  Matthias  habe  einen  Gesandten
wegen  der  Kondolenz  nach  Frankreich  geschickt  und  dabei  begehrt,  dass
den  Protestierenden  von  dort  kein  Beistand  mehr  geleistet  werde,  denn
die  Versprechen  des  ermordeten  Königs  seien  bereits  erfüllt;  ausserdem
babe  er  den  König  und  die  Königin  bitten  lassen,  bei  den  Kurfürsten
und  Fürsten  des  Reichs  das  beste  zu  thun,  damiter  zum  römischen
König  erwählt  werde  Darauf  sei  ihm  zur  Antwort  geworden:
Frankreich  wolle  die  alte  Korrespondenz  mit  den  deutschen  Kurfürsten
und  Fürsten  fortsetzen  und  könne  sie  nicht  hilflos  lassen;  wegen  der
Wahl  werde  man  des  Anbringens  eingedenk  sein.  Der  Gesandte
sei  sehr  unzufrieden  aus  Paris  abgereist.

Am  5.  erhielt  ich  in  Gegenwart  des  Grosshofmeisters  Grafen  von
Solms  und  des  Kanzlers  von  der  Grün  Audienz  beim  Administrator
zar  Ablegung  der  Kondolenz,  darauf  hatte  ich  sie  bei  der  Kurfürstin-Witwe
  im  Beisein  der  kurfürstlichen  Kinder.  Abends  bei  der  Tafel
sagte  mir  der  Administrator,  man  hätte  erwartet,  E.  fl.  D.'  würden  heraus
ins  Reich  reisen;  dann  fragte  er,  ob  und  wann  das  mailänder  Volk
ms  Reich  komme,  ob  das  passauer  Volk  abgedankt  sei,  ob  es  nach
Tirol  wolle,  auch  von  Jülich  sprach  er.  Endlich  konnte  ich  auch  der
braehsaler  Angelegenheit  gedenken,  wobei  der  Administrator  sagte:
„Ihr  Catholische,  seit  Ihr  nur  ruwig,  wir  wollen  gern  fried  halten.“
Ih  erwiderte,  wenn  man  den  Katholischen  täglich  das  ihrige  nehme,
vie  man  da  ruhig  sein  könne.  Der  Administrator  sprach  auch  von
Donauwörth  und  Kaisersheim  und  weshalb  der  Kaiser  Sachsen  mit
Jülich  belehnt  habe,  worauf  ich  nur  auf  die  Deduktionen  verwies;
wegen  der  Belehnung  meinte  ich,  der  Kaiser  habe  damit  zeigen  wollen,
dass  er  die  Lande  nicht  für  sich  behalten  wolle,

Am  7.  besuchte  mich  noch  von  der  Grün,  dankte  abermals  für  die
Kondolenz  uud  bat  um  Fortsetzung  der  Korrespondenz  sowie  um  E.  fl.  D.!
Interzession,  damit  der  fünfzehnjährige  Kurerbe  vom  Kaiserbelehnt  werde;

nn  EEE

'  Vgl  Briefe  und  Akten,  III.,  no.  294.
?  Gemeint  ist  Gundaker  Freiherr  von  Polheim.  Nach  dem  Diarium
Christophe  za  Dobna  war  P.  vom  8.  bis  15.  Dezember  in  Heidelberg
(SchL,  no.  429,  eigenhändige  Aufzeichnung  Christophe).
        <pb n="76" />
        Januar  16.

Januar  16.

54  1611  21—22.

dann  stünde  es  ihm  frei,  sich  des  Rats  eines  seiner  Vettern  zu  bedienen,
  wodurch  der  Friede  erhalten  bleibe;  es  werde  deshalb  ın
kürze  Colli  und  noch  ein  Bat  nach  Prag  geschickt  werden,!  um
beim  Kaiser  die  Belehnung  zu  erbitten;  wegen  der  Herauskunft  des
mailänder  Volkes,  besonders  der  madruzzoschen  Regimenter  lasse  der
Administrator  E.  fl.  D.'  bitten,  dies  verhäten  zu  helfen.  Ich  erwiderte:
  E.  fl.  D.*  würden  am  kaiserlichen  Hof  und  sonst  gewiss  alles,
was  Kurpfalz  dienlich  sei,  befördern,  aber  man  möge  in  andern  Sachen
dem  Kaiser  nicht  aus  Handen  gehen;  eben  jetzt  wäre  Gelegenheit,
um  dem  Kaiser  und  dem  Haus  Oesterreich  die  gebührende  Observanz
zu  bezeigen;  es  heisse  aber,  die  letzte  Zusammenkunft  zu  Speier  sei
wider  den  Kaiser  und  das  Haus  Oesterreich  angesehen  gewesen  und
sei  daselbst  beraten  worden,  wie  man  dasselbe  unterdrücken  könne;
ich  glaubte  zwar  nicht  daran;  aber  dem  Kaiser  und  den  Erzherzogen
werde  es  Nachdenken  verursachen.  —  Grün  verstummte  und  sagte  dann,
das  müssten  böse  Leute  sein,  die  mit  Fleiss  die  grossen  Herrn  zusammenhetzten;
  man  habe  stets  zum  Hause  Oesterreich  gehalten,
Lingelsheim  habe  mir  die  Ursache  dieser  Zusammenkunft  angezeigt  ;
so  weitaussehende  Sachen  liessen  sich  überhaupt  nicht  durch  Doktoren
und  Räte  beraten,  auch  wenn  man  diesseits  wirklich  zur  Unruhe
geneigt  wäre  und  das  Kriegsvolk  nicht  abgedankt  hätte.  —  Ich  selbst
glaube,  dass  dies  Geschwätz  blosse  Erfindung  ist.  —  Mit  den  kaiserlichen
Räten  ist  man  nicht  zufrieden  und  beklagt  die  langsamen  Audienzen
und  anderes.  Datum  Mergentheim  den  16.  januarii  a.  1611.  —

Praes.  23.  jan.  1611.
Jb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  von  1611,  n.  40;  Or.

22.  Das  Gesamthaus  Sachsen  an  den  Herzog  von
Braunschweig.

Auf  das  braunschweigische  Gutachten  vom  15./25.  Dezember,  ?  worin
verschiedeneDiffikultäten  wegen  des  Eintritts  des  Hauses  Sachsen
in  die  katholische  Union  und  wegen  des  jülichschen  Wesens

!  Die  Instruktion  für  den  kurpfälzischen  Hofrichter  Hippolytus  a  Collibus
zur  Sendung  nach  Prag  ist  schon  vom  at  ©  (Mb.,101/4  ‚—  Kpt.)  datiert.

’  Vergl.  S.  18,  no.  7,  Anm.  3.  An  dies  Gutachten  des  Herzogs  von
Braunschweig  knüpfte  sich  noch  eine  verdriessliche  Auseinandersetzung  ;  schon
am  11.21.  Januar  beschwerte  sich  das  Gesamthaus  Sachsen  beim  Herzog,
dass  das  Gutachten  neben  dem  Begleitschreiben  von  Prag  mit  der  „Ordinari-Zeitung“
  nach  Leipzig  geschickt  und  dort  verbreitet  worden  sei  (Dre.,  1.  8807,
21.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  373;  Kpt.);  am  7./17.  Februar  berichtete  Peter
Fuchs  aus  Köln,  dass  Abschriften  des  Gutachtens  aus  Leipzig,  Prag  und  Wien
an  vornehme  Leute  hier  mitgeteilt  worden  seien  und  grosses  ärgerliches
Nachdenken  verursachten  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  399;  Or.);  am  27.  Februar  besitzt
auch  der  Kurfürst  von  Mainz  eine  Abschrift  und  beschwert  sich  beim  Landgrafen
  Ludwig  von  Hessen-Darmstadt  über  des  Herzogs  Mistrauen  gegen  die
Katholischen  (Da.,  VIII.  Abt.  I.,  com.  10;  Or.  eigh.).  —  Die  Sache  wurde
        <pb n="77" />
        22.  1611  55

angezogen  werden.  „Was  dan  die  union  und  zuesammensezung  mit  den  Ca-  Januar  16.
tholischen  anbelangt,  werden  E.  L  sich  freundlichen  entsinnen,  wie  oft  und
viel  Sie  uns  den  churfursten  und  unsere  geheimen  räthe  zu  Praga  daran
erinnert,  dieselb  approbiret  und  ermahnet,  uns  darvon  nicht  zu  entziehen,
Wir  seind  auch  nochmals  der  meinunge,  wan  dieselb  uf  erhaltunge
der  kaiserlichen  hoheit,  handhabung  der  justiz,  auch  religion-  und
prophanfrieden  und  dahero  erfolgenden  friedlichen  zuestand  im  heil.
rach  gemeinet  und  gerichtet  bleibt,  wie  wir  dann  von  den  catholischen
  ständen  bis  auf  diese  stunde  nichts  anders  vormerken  können,
dass  wir  allesambt  mit  ihnen  albereit  im  religionfrieden  stark  gnug
verbunden  und  derowegen  nicht  ursach  haben,  uns  auf  evangelische
oder  catholische  uniones  zu  legen  oder  deren  zu  gebrauchen.  Were
uns  auch  nichts  liebers,  dann  dass  man  bei  solchen  mitteln  als  legibus
imperii  bliebe  und  sich  beederseits  aller  nebenwege  enthielte,  darunter
es  an  unserm  wohlmeinenden  erinnern  nicht  gemangelt.e.  .Wans  aber
je  nicht  anders  sein  und  die  neutralitet  nicht  mehr  gelten  oder  deroselben
  zu  vortrauen  sein  solte,  so  seind  wir  (wie  zuvorn  E.  L.
auch  mit  uns  dem  churfursten  einig  gewest)  nochmals  der  meinunge,  es
sei  besser,  sich  zueförderst  bei  der  röm.  ksl.  M.‘  unsern  allergnädigsten
herm  als  dem  haubt  und  allen  gehorsamen  gliedern  uns  finden  zu
lassen,  als  bei  denen,  so  J.  M.'  allein  mit  worten  respectiren,  in  der
that  aber  solche  consilia  haben  und  treiben,  dadurch  die  deutzsche
nation  umb  ihr  höchstes  kleinot,  wir  umb  unsere  freiheit  und  den
beilsamen  frieden  im  reich  augenscheinlichen  bracht  werden.  Aber
von  deme  allen  und  E.  L.  eingeführten  argumenten  ausführlicher  zu
tractiren,  stellen  wir  uf  förderliche  gelegenheit.“

Was  Jülich  betrifft,  so  haben  E.  L.  selbst  zu  Prag  mit  den
andern  anwesenden  Fürstlichkeiten  geschlossen,!  dass,  wenn  die  Possidierenden
  nicht  die  Waffen  niederlegen,  sich  nicht  der  Kognition  des  Kaisers
unterwerfen,  den  rechtlichen  Ausschlag  nicht  erwarten  und  sich  an  diesem
  genügen  lassen,  der  Kaiser  die  Achtserklärung  ergehen  und  sie
eıequieren  lassen  solle.  ‚Das  ist  auch  die  furnembste  ursach  gewest,
darumb  wir  der  churfurst  der  cölnischen  commission  stat  zu  thun
gewilliget,  do  wir  sonsten,  wann  wir  die  nahe  verwantnus  und  friedlichen
  zuestand  im  reich  nit  consideriret,  gleich  so  leicht  die  execution
und  immission  promoviren  und  erhalten  können.“

Wir  können  nicht  denken,  dass  man  uns  auf  eine  vergebliche
Handlung  weisen  wollte,  während  man  unterdessen  die  Festung  Jülich
belagern  und  erobern  liess,  was  wir  damals  wol  hätten  wehren  können.
Wir  wollen  auch  nicht  hoffen,  dass  es  unsern  Gegnern  zu  besonderm

——n.

nicht  aufgeklärt  ;  der  Herzog  von  Braunschweig  rechtfertigte  sich  gegen
Sachsen  schon  am  =  ea  durch  die  Mitteilung,  dass  er  das  Original
des  Gutachtens  mit  eigener  Hand  konzipiert  und  nur  durch  seinen  Kammerschreiber
  habe  abschreiben  lassen  (Dra.,  1.  8807,  21.  B.  jül.  Sachen,  f.  384;  Or.);
vgl.  unten  no  74.

"Vgl  Gindely,  Kaiser  Rudolf  1I.,  II.  S.  115,  £.
        <pb n="78" />
        56  1611  22.

Januar  16.  Vorteil  gereichen  soll,  dass  wir  dem  Kaiser  Gehorsam  erwiesen,
während  er  und  die  seinen  belagert,  vergewaltigt  und  ausgetrieben
wurden.  E.  L.  meinen  zwar,  dass  die  kriegführenden  Fürsten
durch  ihr  Erbieten  in  acht  Punkten  ein  volles  Genügen  getan  hätten
und  dass  der  Kaiser  ohne  einen  Reichstag  den  Prozess  und  dessen
Exekution  nicht  befehlen  könne,  wie  das  auch  zu  Köln  am
12.122.  Oktober  vorgebracht  worden  ist;  das  alles  ist  aber  schon
zu  Köln  abgelehnt  und  die  Beschaffenheit  jener  Parition  dargetan
worden.t  Es  ist  auch  reichskundig,  wie  nach  dem  erwähnten  Beschluss
  zu  Prag,  dem  E.  L.  selbst  anwohnten,  gegen  Kapitulationen
und  Reichsgesetze  fremdes  Kriegsvolk  ins  Reich  eingeführt,  die  kaiserliche
  Festung  Jülich  belagert,  der  Reichsadler  herabgeschossen,  die
kaiserlichen  Fahnen  und  Soldaten  schimpflich  ausgewiesen  wurden  etc.
[vgl.  die  Aufzäblung  in  no.  7.,  S.16]  Wir  können  daher  nicht
glauben,  dass  E.  L.  der  Meinung  sein  könnten,  dass  durch  blosse
Worte  dem  Kaiser  Genugtuung  geschehen  oder  wir  uns  von  unsern
vorigen  Beschlüssen  abführen  lassen  würden;  „denn  obgleich  allerhand
difficultates  vorfallen  möchten,  deren  wir  albereit  zur  notturft  erinnert
und  berichtet  sein,  so  wollen  wir  doch  nicht  hoffen,  dass  E.  L.  an  der
Justitia  im  reich  und  deren  execution  genzlichen  desperiret  haben,
viel  weniger  aber  uns  die  schuld  einiger  unruhe,  kriegs-  oder  blutvergiessens
  könne  zugemessen  werden,  die  wir  numehr  uber  jar  und
tag  dem  spiel  zugesehen  und  erfaren,  wie  nicht  allein  die  verledigte
gülische  lande  sondern  auch  fast  das  ganze  röm.  reich  mit  krieg,
raub  und  blut  erfüllet  worden,  alles  unterm  praetext,  filed  im  reich
zu  erhalten,  in  der  that  aber  einen  stand  nach  dem  andern  ohn  unterschied
  der  religion,  sonderlichen  aber  uns  und  unserm  haus  hinderlichen
und  beschwerlichen  zue  sein.

Vor  uns  stehen  wir  nochmals  wie  alzeit  in  dem  gewissen  vertrauen,
  Gott  werde  uber  der  ksl.  M.'  als  seiner  ordenunge  so  weit
halten,  dass  nicht  allein  was  recht  ist  erkennet  sondern  auch  mit
assistents  E.  L.  und  aller  gehorsamen  stände  exequiret  und  zu  werk
gerichtet  werden  möge.

Wann  wir  uns  dan  zu  E.  L.  der  verwandtnus  nach  aller  treuen
freundschaft  ungezweiflichen  vorsehen,  als  gelanget  an  Dieselb  hiermit
unser  freundlich  bitten,  Sie  wollen  unsern  an  dem  kaiserlichen  hof
abgesandten  bei  I.  ksl.  M.!  und  wo  es  noth  so  viel  billiche  förderung
erzeigen,  darmit  wir  zu  unsern  rechten  gelangen  und  das  erhalten
möchten,  darzu  wir  ihnen  sonderlichen  bevehl  und  instruction  geben“.?

Datum  Dresden  am  6.  januarii  anno  1611.
Drs.,  1.8807,  20.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  336;  Kpt.  —  f  548;  unbesiegoltes  Or.

ı  Vgl.  die  „Wahrhafte  Relation,  welcher  massen  die  in  der  h.
Reichs  Stadt  Cölln  am  Rhein  ...  .  unlängst  gepflogene  gütliche  Handlung
wegen  der  Jülischen  Streitigkeiten  angefangen,  continuirt  und  geendet
worden“;  gedrukt  bei  Martin  Meyern,  Iunndorpius  suppletus  et  continuatus,
I.,  Frankfurt  und  Leipzig  1739,  S.  332  ff,  besonders  336  f.

®  Vgl.  oben  no.  7.
        <pb n="79" />
        23.  1611  57

23.  Werbung  des  kaiserlichen  Abgesandten  Henning  Januar
Ubezko  beim  Herzog  Maximilian  von  Baiern.  [vor  18.1.

Uebergibt  seine  heute!  angebrachte  Werbung  schriftlich.  Der
Kaiser  hat  das  passauer  Kriegsvolk  auch  nach  der  brüderlichen
Vergleichung  wegen  der  kölnischen  Handlung  behalten.  Als  er  endlich
zur  Abdankung  schreiten  wollte,  kam  die  Nachricht,  dass  die  Handlung
sich  wegen  des  Ungehorsams  der  Fürsten  zerschlagen  habe.  Darauf
sandte  er  den  Erzherzog  Leopold  nach  Dresden?  und  liess  dem  Kurfürsten
  von  Sachsen  vorschlagen,  den  grössern  Teil  des  Volkes,  das
er  wegen  der  Kosten  nicht  länger  erhalten  könne,  anzunehmen,  wofür
er,  der  Kaiser,  wissen  werde,  was  er  vermöge  seines  richterlichen
Amts  zu  tun  schuldig  sei.  Der  Kurfürst  verschob  die  Entscheidung
bis  zur  Zusammenkunft  der  Mitglieder  seines  Hauses,  bat  aber  den
Kaiser,  alles  im  bisherigen  Stand  zu  erhalten.  Inzwischen  war  aber
der  nach  Passau  entsandte  Herzog  von  Braunschweig  nach  Prag
zurückgekehrt  und  hatte  berichtet,  dass  das  Volk  wegen  Proviantmangels
  dortselbst  nicht  bleiben  könne  Um  es  aber  beisammen  zu
halten,  hatte  er  ihm  versprochen,  dass  entweder  binnen  acht  Tagen
das  Geld  zur  Abdankung  beschafft  oder  dass  es  in  andere  Quartiere
abgeführt  werden  solle;  für  den  Fall,  dass  beides  unterbliebe,  erteilte
  der  Herzog  dem  Volk  Ordonnanz,  sich  selbst  in  den  kaiserlichen
Landen  Quartier  zu  suchen.  Als  der  Herzog  nun  sah,  dass  alle  Bemühungen
des  Kaisers,  zu  Geld  zu  kommen,  vergeblich  blieben,  so  hat  er  neben
dem  Kaiser  die  böhmischen  Landstände  um  die  Erlaubnis  ersucht,
dem  Volk  auf  der  kaiserlichen  Herrschaft  Krumau  in  Böhmen  quartieren
zu  dürfen,  was  rundweg  abgeschlagen  wurde;  dabei  war  zu  erkennon,
dass  die  Hereinführung  des  Volkes  nach  Böhmen  zu  einem  Aufruhr
geführt  hätte.  Daher  fertigte  der  Kaiser  mich  mit  dem  Befehl  an
Althban  ab,  das  Volk  ja  nicht  nach  Böhmen  zu  führen  und  jegliche
Meuterei  zu  verhindern.

„Wie  ich  zu  Passaw  angelanget,,  ist  bereits  der  terminus,  so
ihnen  der  herzog  von  Braunschweig  (wie  gemeldet)  gegeben,  verflossen
gewesen,  derwegen  das  volk  sehr  geschwierig,  dass  sie  nicht  sein
weggeführet.  So  ist  noch  dieses  dazukommen,  dass  E,  fl.  D.*  durch
Deren  commissarien  alle  weitere  zufuhr  des  proviants  aufkundigen
lassen,  welches  auch  alsbald  under  die  soldaten  erschallet  und  die
schmerzen  des  hungers,  weil  sie  noch  mehr  hungern  solten,  ihn  noch
viel  grösser  gemacht,  derowegen  dan  das  fuessvolk  in  den  quartiren
in  der  nacht  zusammengelaufen  und  alle:  »frisch  auf,  frisch  auf  immer
nach  Cromaw«e  geschriehen.  Weilen  nun  solches  nicht  allein  andere
befelichshaber  sondern  auch  dem  veldmarschalk  der  obrister  von

ı  Die  Datierung  nach  dem  Datum  Jer  Sitzung  des  bairischen  geheimen
Rats  am  18.  Januar  (Protokoll  in  Md.,  geh.  Rat,  XILI.  no.  619,  f.  106).
'  Vıdl.  für  das  folgende  no.  1  und  no.  5.
        <pb n="80" />
        58  1611  23.

Januar  Trautmansdorf  auf  dem  morgen  selbst  berichtet  und  alle  andere
[vor  18.].  bevelichshaber,  dass  die  meuterei  verhanden  und  das  volk  nach  Cromaw
ziehen  wolte,  ihme  angezeiget,  als  hat  er  ihnen  dagegen  des  kaisers
bevehlich,  so  ich  ihm  gebracht,  vorgehalten  und  dass  sie  sie  noch
ein  kleine  zeit  in  den  dasigen  quartiren  erhalten  wolten,  ermahnet.
Es  hat  sich  aber  keiner  [der  befehlshaber]  den  soldaten  anzuzeigen
solches  understehen  dörfen,  dan  sie  gewisslich  wusten,  dass  alsbald
die  meuterei  ein  furtgang  gewinnen  wurde.  Obwol  der  veldmarschalk
I.  M.!  gerne  solchs  hette  avisiren  wollen,  so  hat  es  dennoch  die  zeit
nicht  erlitten,  derwegen  nach  gehaltenem  rath  sich  resolvirt:  weil
I.  M.!  hiebevoren  diese  resolution  schriftlichen  ihm  gegeben,  dass  sie
das  volk  auf  solchen  eussersten  fall  in  Tirol  wolten  quartiren  lassen!
und  derwegen,  weil  ihme  bei  leibesstraf,  sie  in  Böheimb  nicht  zu
fuhren,  auch  zu  keiner  meuterei  kommen  zu  lassen,  aufs  neue  verboten,
auf  beste  geachtet,  sie  nach  Tirol  zu  fuhren  und  ihren  weg  durch
das  land  ob  der  Enss,  weil  ihm  hiebevor  der  landshaubtman  daselbsten
ohne  alles  bitten  und  begehren  einen  pass  zugeschickt,  zu  nehmen.?
Zu  mehrer  sicherheit  doch,  damit  sich  sowol  I.  kgl.  W.  als  die  landschaft
  daselbsten  dessen  nicht  zu  beschweren  hetten,  hat  der  generalwachtmeister
  de  novo  gen  Linz  an  die  landständ  umb  pass  wieder
angehalten,  auch  zweine  freiherrn,  nemblich  den  herr  Colredo  und  herrn
von  Rottenthal  zu  geiselen  de  non  offendendo  et  refundendis  damnis  den
landständen  dahin  überschickt,  darauf  auch  alsbald  ein  schreiben
erfolget,  dass  sie  sicher  und  frei  passiren  solten.  Darauf  er,  Rammey,
den  generalquartirmeister  uber  die  Tonaw  setzen  lassen,  das  volk  gegen
dem  kunftigen  tag,  wan  es  ubersezete,  zu  quartiren.  Do  haben  sich

1  Vgl.  no.  1,  8.  1,  Anm.  1.

?  Vgl.  Kurz-Czerny‘,  Einfall  der  Passauer,  I.  Teil,  1895.  S.  107.
Die  folgende  Darstellung,  offenbar  die  offiziöse  der  Umgebung  Leopolds,  die  auch
im  der  „Artikulierten  gegeninformation  derröm.  kel.  M.t  auf  dasjenige,
dessen  sie  von  der  kgl.  W.  in  Huugern  und  der  ästerreichischen  Landschaft
ungütlich  beschuldigt  worden“  wiederkehrt  (vom  30.  Januar  aus  Wien  datiert,
also  offenbar  von  Braunschweig  oder  Zollern  verfasst;  Jb.,  Ambraser  Akten
Missiven  von  März1611,  zu  no.  29;  Kopie),'ist  grossentheils  unwahr;  die  Behauptung,
  dass  die  Stände  des  Landes  ob  der  Enns  rechtzeitig  um  Gewährung  des
Passes  und  Durchzugs  für  das  passauer  Kriegsvolk  ersucht  worden  seien,
findet  sich  zwar  auch  in  der  kaiserlichen  Instruktion  vom  17.  Januar  für
Braunschweig  und  Zollern,  wird  aber  von  König  Matthias,  namentlich  in
dessen  Bescheid  an  die  kaiserlichen  Abgesandten  vom  27.  Februar  (Copeyen
und  Abschriften,  no.  3)  nachdriäcklich  widersprochen,  nachdem  er  die
Stände  des  Landes  ob  der  Enns  zu  eingehendem  Bericht  aufgefordert  hatte
(Matthias  an  die  Verordneten  des  Landes  ob  der  Enns  am  27.  Januar  1611:
Jb.,  Ambraser  Archiv,  Missiven  vom  Februar  1611,  zu  no.  27;  Kopie).  In
der  Antwort  vom  31.  Januar  verwahrten  sich  die  Verordneten  der  Stände  sehr
lebhaft  gegen  die  Darstellung  in  der  kaiserlichen  Instruktion,  besonders  gegen
die  Behauptung,  dass  der  Durchzug  rechtzeitig  nachgesucht  worden  sei,  selbst
Ramöes  Anmeldung  (s.  das  Zitat  aus  Kurz-Czerny)  sei  erst  am  23.  Dezember
  dem  Landeshauptmann  eingehändigt  worden  (Jb.,  a.  a.  O.;  das  Schreiben
benutzt  von  Kurz-Czerny,  a.  a.0.,  I.  68).  Wegen  der  Erlaubnis  zum
Durchzug  vgl.  auch  Ramöes  Schreiben  an  den  Kaiser  oben  no.  2.
        <pb n="81" />
        23.  1611  59

ezliche  pauern  zusammengemacht  und  die  weg,  do  man  hienauf  gesolt,
verhauen.  Wie  nun  der  quartirmeister  darzu  kommen  und  sie  dovon
abgemohnet  mit  anzeigung,  dass  ihnen  der  durchzug  erlaubt,  haben
sie  fluchs  losgebrent,  sein  pferd  under  ihm  und  noch  einem  andern
quartirmaister,  auch  einem  soldaten  erschossen;  darumb  sie  sich  dan
zue  der  wehre  gestelt  und  ezliche  pauren  wiederumb  niedergeschlagen.
Sobald  sie  dies  zu  Lynz  erfahren,  haben  sie  an  den  Rammey  geschickt
  und  anzeigen  lassen,  dass  solches  wider  ihr  wissen  und  willen
gescheen,  derwegen  sie  68  ihnen  nicht  beimessen  wolten,  die  pauern
hettens  fur  sich  selbst  gethan,  darumb  sie  auch  ihren  gebührlichen
lohn  empfangen.  Wie  nun  das  volk  durch  das  land  ob  der  Enss,
eilends  sie  gekunt,  gepassirt  und  ‘zur  Clauss  gekommen,  sind  sie
alda  von  den  Obderensern  aufgehalten  [worden].  Wie  nun  der  Rammey
angezeiget,  wofern  sie  ihn  mit  dem  volk  nicht  passieren  liessen,  sie
selbsten  ein  ursach  sein  wurden,  dass  er  dort  im  land  quartir  nehmen
müeste,  dan  in  Böhaimb  dorft  er  nicht  kommen;  weilen  sie  aber
dessen  ungeacht  daruber  verhart,  hat  er  daselbst  die  quartir  genomen.
Bald  darauf  schickt  der  könig  Matthias  ein  schreiben  an  I.  ksl.  M.
und  erzherzogen  Leopolden,i  welcher  copeien  E.  fl.  D.‘  ich  heutiges
tags  übergeben,  darinnen  I.  kgl.  W.  I.  ksl.  M.'  aus  zweien  ursachen
des  friedbruches  beschuldiget:  1.  dass  I.  M.*  das  kriegsvolk  zu  Passau
%  lang  unabgedankt  gelassen,  2.  dass  sie  dieselben  in  das  land  ob
der  Ens  einquartiret.  —  Was  dies  vor  ursachen  sein,  werden  E.  fl.  D.:
aus  folgenden,  wie  Sie  dieselben  auch  aus  vorigen  narratis  vernommen
  [vernehmen]:  So  viel  die  erste  ursache  belanget,  derselben  nichtigkeit
ist  in  dem  berührten  contract  zur  genüeg  deducirt,  dergestalt  dass
wan  eines  oder  anderes  thails  zur  abdankung  des  volks  nicht  kommen
kunte  oder  zur  abfuhrung  kein  gelegenheit  hette,  dass  dero  keines
solte  etwas  zu  rerfen  [!eifern?]  haben.  Die  ander  ursach  ist  eben  der
nichtigkeit:  dan  niemals  kan  erwiesen  werden,  wie  es  auch  vorige  narrata
mit  sich  bringen,  dass  I.  M.*  solche  einquartirung  sowol  auch  den  durchsag
  durch  das  land  ob  der  Enss  bevohlen;  und  posito,  wan  sie  es  bevohlen,
ist  beides  mit  der  maniera  als  nemblich  gebetenem  und  erlangtem  pass,
dargebung  der  geissel  de  non  offendendo  et  refundendis  damnis  gescheen  ;
s0  kunte  I.  ksl.  M.*  demnach  des  friedbruchs  darumb  nicht  beschuldigt
  oder  einige  gewaltsamkeit  darauss  beigemessen  werden.  Dass
soIcher  pass  aber  vom  könig  nicht  selbsten  begeret,  ist  eben  die
ursach,  darumb  der  feldmarschalk  auch  den  aufbruch  I.  ksl.  M.!  nicht
berichten  kunnen:  periculum  erat  in  mora;  und  ist  in  diesem  fall
zu  entschuldigung  I.  M.!  kriegsofficirer  auch  dies  genugsam,  dass  sie
also  gesetzter  massen  den  pass  erhalten  und  haben  sich  nicht  zu
bekümmern,  wie  I.  kgl.  W.  dero  officirer  in  -dergleichen  sachen
informiret;  gehöret  zu  ihrer  verantwortung.  Und  posito,  wan  gleich
die  praesupposita,  so  in  I.  kgl.  W.  schreiben  gesetzet,  sich  so  vernn,



ıi  Vom  29.  Dezember  1610.

Januar

[vor  18.].
        <pb n="82" />
        60  1611  23.

Januar  hielten,  so  hett  ihnen  [kyl.  W.]  duch,  wan  sie  der  grosen  iniurien,

Ivor  18.].  30  sie  hiebevor  I.  M.!  zugefüget  und  dargegen  I.  M.'  grosse  brüederliche
  patienz  und  erzeigte  genad  nicht  beherzigen,  dennoch  als  einem
vasallo  nicht  gebühren  wollen,  solche  zu  I.  M.'  höchstem  despect
gereichende  schreiben  unerhört  und  unverantwortet  I.  ksl.  M.!  abgehen
zu  lassen,  viel  weniger  I.  M.'  königreich  Böhaimb,  auch  andere
fursten  zur  assistenz  wider  I.  M.'  zu  ermahnen  sondern  vielmehr
dieselbe  brüederlichen  zu  ersuchen  und  dero  meinung  wegen  solches
dings  zu  vernehmen.  Hetten  sich  dan  [.  ksl.  M.  nicht  mit  solch
einer  antwort  so  erleidlich  vernehmen  lassen,  so  weren  solche  schreiben
noch  unverseumet  gewesen.  Wan  dan  hieraus  genugsam  offenbar  ,  dass
I.M.!  keineswegs  des  friedbruchs  können  beschuldiget  werden  sonder  dass
I.  kgl.  W.,  denselben  unverschuldet  I.  M.*  zu  brochen  [willens],  sich  zu
ihnen  nötigen,  [denselben]auch  durch  solche  schreiben  bereits  gebrochen
haben,  dohero  dan  I.  M.'  bereits  genugsam  verursacht,  ohne  einziges
weiters  andeiten  die  gebuhr  darauf  zu  verordnen,  so  sein  sie  dannoch
mehrers  glimpfs  halben  den  herzog  von  Braunschweig  wiederumb  zu
I.  kgl.  W.  abzuschickon  entschlossen  gewesen,  deren  unfugs  sie  zu
erinnern  und  ob  sie  hinfuro  I.  M.'  freind  oder  feind  sein  wollen,  eine
categorische  erclerung  zu  geben.

Weilen  aber  I.  M.‘  derer  leite,  so  I,  kgl.  W.  umb  sich  haben,
intention  wol  wissend,  als  kinnen  sie  sich  schlechte  hoffnung  zum
guten  schepfen.  Darumb  auf  allem  fall  ersuchen  I.  ksl.  M.'  E.  fl.  D.!
nicht  allein  als  ihren  getreuen  fürsten  sondern  als  ihren  nanden
blutsfreind  und  vetter,  Sie  deroselben  Dero  getreuen  rath  auf  volgende
punct  erteilen  wolle:

1.  ObI.ksl.  M.*  ohne  verlezung  ihrer  kaiserlichen  ehr  und  autoritet
solche  grosse  iniurien  ohne  vindicta,  weil  sie  zuvor  deren  mehr  als
ihnen  wol  zu  verdienen  gebuhret  bereits  gegessen,  kinnen  passiren  lassen  ?

2.  Ob  sie  solches  ohne  verletzung  des  ganzen  röm.  reichs  ehr
und  autoritet  thun  konnen;  dan  einmal  in  die  cronicen  es  dergestalt
muess  gebracht  werden,  entwieder  dass  J.  M.'  ein  schlechter  mensch,
der  ihrer  kaiserlichen  ehr  und  hoheit  wenig  geachtet  oder  dass  die  damalige
reichsstände  des  reichs  authoritet  und  ihre  eigene  hoheit,  weil  sie
ihren  kaiser  und  herrn  mit  solchen  iniurien  belegen  lassen,  wenig
mussen  wahrgenommen  haben  ?

3.  Weil  I.  kgl.  W.  in  ihren  schreiben  sich  erkleret,  die  mittel
farzunehmen,  damit  sie  sich  und  ihre  länder  in  sicherheit  bringen
können,  weilen  aber  desselben  von  chur-  und  fürsten  sowol  von
I.  M.‘  noch  einhabenden  eigenen  ländern  genungsam  gescheen,  so
kunnen  sie  solche  angedeutte  versicherung  nicht  anders  verstehen,
dann  I.  M.!  ad  impossibile  und  von  ihren  noch  inhabenden  königreichen
  und  landen  zu  bringen;  ob  derwegen  J.M.'  nicht  besser  und
rühmlicher  sei,  sich  der  praevention  zu  gebrauchen’?

4,  Weil  I.  kgl.  W.  fur  sich  selbst  nicht  hat  das  vermögen,
solche  sach  in  effect  zu  bringen  sondern  dies  durch  die  landschaften,
        <pb n="83" />
        23.  1611  61

die  sie  nun  haben,  gescheen  mueste,  welche  alsdann  neuer  privilegien  Januar
zu  gıossem  verderben  des  ganzen  hauses  von  Osterreich,  wie  in  dem  [Or  18.].
vorigen  actu  gescheen,  nicht  wieder  vergessen  wurden,  ja  so  weit
gereichen,  dass  sie  nomine  und  nicht  re  fursten  in  den  dsterreichischen

  landen  sein  wurden,  als  wollen  E.  fl.  D*  auch  erwegen,  ob  sie

[nicht]  auch  wegen  dieses  puncts  des  iuris  praeventionis  wegen  erhaltung
  ihres  hauses  besser  und  nutzlicher  gebrauchen?

Dieses  sein  die  punct,  daruber  I.  M.'  E.  fl.  D.*  rath  begeren.
Wan  auch,  wen  I.  M.'  aus  vorigen  ursachen  mit  dem  werk  zu  verfahren
  gedrungen,  die  not  erfodert,  dass  sie  ihr  im  Elsass  liegendes
kriegsvolk  zu  dem  dasigen  bringen,  als  ersuchen  I.  ksl.  M!  E.  fl.
D.  ganz  vetterlich,  dass  Sie  demselben,  wo  sie  Ihr  land  berüehren
wurden,  den  pass  und  durchzug  gestatten  wollen.  I.M.'  erbieten  sich
wegen  der  schaden,  so  E.  fl.  D.'  geschoen  möchten,  [Dieselbe]  so  zu  assecuriren,
  dass  Sie  daran  vergnüget  sein  werden.  I.  M*  bitten  auch  E.  fl.  D.*,
[dass  Sie]  ihnen  selbsten  rathen  wolten,  wie  der  durchzug  desto  fieglicher
gescheen  kunte.  Were  es  auch,  dass  diese  sach  noch  einen  andern
ausgang  gewunne  und  I.  kgl.  W.  gegen  I.  M.!  sich  also  erzeigen
wurde,  dass  sie  zufrieden  sein  kunten,  alsdan  sind  sie  gemainet,  weil
das  haus  zu  Sachsen,  wie  E.D.'  in  Dero  von  mir  heitiges  tags  Ihnen
ubergebenen  resolution  ersehen  werden,  umb  execution  der  gülischen
sachen  anhalten  und  I.  M.*  auch  sich  aus  tragendem  richterlichem
ambt  dazu  verpflicht  befinden,  solches  vor  die  hand  zu  nehmen.  Wan
aber  in  solchem  fall  abermal  von  nöten,  dass  das  hiesige  kriegsvolk
zu  dem  dasigen  gefuhret  werde,  als  gesinnen  I.  ksl.  M.*  wiederumb
an  E.  fl.  D.‘,  Sie  demselben  auch  den  pass  durch  Ihre  land,  wo  sie
dasselbe  berühren  möchten,  gestatten  wollen.  I.  M.'  wollen  Sie  mit
ebenmässiger  caution  und  versicherung  als  wie  auch  im  vorigen  fall
so  versehen,  dass  Sie  uber  einigen  schaden  zu  klagen  kein  ursach
haben  sollen.

Weil  nun  E.  fl.  D.*  in  dem  dritten  punct  sich  schon  heit  pure
erkleret,  als  erachte  ich  dasselbige  wiederumb  zu  melden  unvonnöten,
  bin  sonst  der  tröstlichen  hoffnung,  E.  fl.  D.'  wegen  Ihrer  hulf
und  beistands  auf  allem  fall  gegen  I.  M.'  also  sich  werden  vernehmen
lassen,  dass  sie  sich  in  ihrem  hohen  alter  dessen  zu  erfreuen  und
billich,  dass  sie  einen  getreuen  freind  und  vetter  an  Ihnen  in  ihren
eissersten  bedrangnussen  gehabt,  zu  Ihrem  grossen  lob  der  posteritet

in  den  cronicen  verlassen  können.  Solches  wollen  etc.“  O.D.
Ma.,  111j11,  —  Schlechte  Kopie.!

!  Bei  der  Beratung  der  Werbung  im  geheimen  Rat  (vgl.  Anm.  auf  S.  57)
votiert  Graf  Rechberg,  dass  von  dieser  Werbung  nicht  viel  zu  halten  sei;
der  Gesandte  sei  zu  so  ansehnlichem  Vorbringen  eine  zu  geringe  Person,
die  „Kredenz“  (von  9.  Januar  1611,  Ma.  111/11  —  Or.)  „suspect“  und  in

Leopolds  Kanzlei  geschrieben;  die  Bache  komme  von  Nebenräten
ber.  Er  rate  zu  einer  Schickung  an  den  Kaiser.  —  Demgemäss  lautet  dann
auch  der  am  19.  Jannar  erteilte  Bescheid  des  Herzogs  (Ma.,  111/11,  —  Kpt.)
—  Übezkos  Schickung  ist  erwähnt  bei  Gindely,  Kaiser  Rudolf  Il.,  II.  S.  184.
        <pb n="84" />
        62  1611  24.

Januar  8.  24.  Hans  Reichard  Brömser  an  den  Kurfürsten
von  Mainz.

Durch  das  grosse  Wasser  behindert  bin  ich  erst  am  13.  zu
Speier  angekommen.!  Auf  meine  am  14.  abgelegte  Werbung  hat  mir
der  Bischof  am  15.  kurz  vor  seiner  Abreise  nach  Trier  geantwortet:
die  Aufnahme  Sachsens  sei  „fast  grosser  importants‘‘  und  könne
er  sich  ‚als  der  wenigsten  ainer  under  den  buntstenden  ohne  vorgehorte
  der  churfursten  erklerung  nicht  wohl  anitzo  resolvirn“.  Da
er  aber  jetzt  zum  Kurfürsten  von  Trier  reise,  so  wolle  er  mit  demselben
  „sowol  der  gemeinen  werbung  halben  als  auch,  was  Brömser
sonsten  privatim  tractiret,  sonderlich  des  passauischen  kriegsvolks
und  dahero  besorgender  gefahr  (welchen  I,  fl.  gn.  vor  den  anderen
punkten  gesetzet)  umbstendlich  tractiren“,  nach  der  Rückkehr  seines
Kapitels  Gutachten  anhören  und  sich  dann  erklären.  Das  Kammerrichteramt
  wolle  er  trotz  aller  Bedenken,  da  der  Kaiser  darauf  besteht
und  E.  kfl.  Gn.  nebst  anderen  katholischen  Ständen  dazu  als  ihnen
vorteilhaft  raten,  annehmen,  falls  ihm  E.  kfl.  Gn.  Gewährung
der  früher  gestellten  Forderungen,  besonders  hinsichtlich  des  Unterhaltes
  und  der  Verschonung  mit  anderen  Aufträgen  erwirken.  —
Darauf  hat  der  Bischof  seine  Räte  abtreten  lassen  und  mir  weiter
erklärt:  er  könne  für  jetzt  öffentlich  nicht  wol  mehr  sagen  als  er
getan,  doch  sei  seine  Meinung  keine  andere  als  dass  die  Aufnahme
Sachsens  und  der  übrigen  gehorsamen  augustanischen  Stände  nicht
beanstandet  werden  dürfe,  wie  er  denn  auch  die  Zusammenkunft  der
rheinischen  Bundesstände  für  nöthig  erachte  und  sich  möglichst  bemühen
  wolle,  Kurtrier  für  E,  kfl.  Gn.  Absichten  zu  gewinnen.  Er
selbst  „stehe  in  sorgen,  es  werde  von  Baiern  ein  anderes  gesuchet,  .
als  unsere  oder  des  gemeinen  wesens  notturft  oder  nuzen  erfordert‘‘.  Die
jetzige  Verfassung  des  Bundes  sei  ganz  unvollkommen  und  wisse
er  nicht  „bei  solcher  ohnsicherhait  sich  ferners  vergeblich  anzuegreifen.
Er  were  aber  in  arbeit,  verhoffte  es  auch  in  kurzen  zu  vernehmen,
was  doch  Baierns  intention  aigentlich  sei.“  Einen  Kurfürstentag
ehestens  zu  halten,  erachte  er  für  sehr  notwendig,  sehe  jedoch  nicht,
wie  „ohne  offension  I.  M.!  darzue  zue  gelangen“  ;  auch  davon  wolle  er  mit
Kurtrier  handeln.  Es  misfalle  ihm  höchlich,  „dass  man  sich  aus
den  waffen  thedigen  lassen;  hat  sorge,  es  werde  sich  bald  finden,  was
darmit  gesucht  worden:  einmahl  ist  es  voriger  intention  nicht  gemess
und  dardurch  ein  merkliches  vergebens  aufgewendet  worden.  —
Sonsten  ist  I.  fl.  gn.  einritt  stattlich  und  wol  abgangen:  haben  vermeinet
  wenig  wesens  zu  haben,  so  seint  sie  doch  über  300  pfert,
ohne  der  statt  auch  ohngefehr  100,  stark  gewesen.“  Datum  Rüdesheim,
  den  18.  januarii  anno  1611.

Nschr.  Nach  Laderburg  zum  Bischof  von  Worms  hätte  ich
des  grossen  Wassers  wegen  nur  auf  weitem  Umwege  gelangen  können.

1  Wegen  Brömsers  Schickung  vgl,  oben  no.  6,  S.  15,  Anm.  3.
        <pb n="85" />
        24—25.  1611  63

Ich  babe  daher,  weil  ich  geglaubt,  dass  meine  Schickung  zu  dem-  Januar  18.
selben  „nur  zur  avisation  ongesehen,  was  bei  künftiger  zuesamenkunft
  zue  tractiren‘“,  auf  Grund  meiner  Instruktion  ein  ausführliches
Schreiben  an  ihn  gerichtet.  Datum  ut  in  literis.  —  Praes.  Aschaffenburg
  24.  jänner  a.  1611.

Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  11,  no.  1109;  Or.  eigh.

25.  Bescheid  des  Erzbischofs  von  Salzburg  auf  dieJanuar22.
Werbung  des  Wolf  Niklas  von  Grünthal,  Abgesandten
des  Königs  Matthias,

Die  am  21.  Januar  abgelegte  Werbung?  gieng  auf  zwei  Punkte:
1.  um  Hilfe  beim  jetzigen  Zustand,  2.  um  Rat  und  Gutachten.

Zu  1.  Der  Erzbischof  bedauert,  dass  sich  die  Streitigkeiten
zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König  abermals  erheben.  Er  muss
sich  aber  seiner  reichsständischen  Pflichten  gegen  den  Kaiser  erinnorn
und  versieht  sicb  vom  König,  dieser  werde  ihm  nicht  verübeln,  dass

ı  Fast  gleichzeitig  liefen  bei  Kurmainz  auch  die  Antwortschreiben  des
Kurfürsten  von  Trier  (vom  19.  Januar;  Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.4;
Or.)  und  der  Bischöfe  von  Würzburg  und  Bamberg  (vom  19.  Januar;  Wmz.,
Religionsakten,  Bd.  11,  no.  129;  Or.)  ein  (vgl.  no.6,  8.15,  Anm.  3).  Kurtrier
erklärt  sich  mit  der  Zusammenschickung  der  Räte  einverstanden,  möchte  aber
den  Termin  bis  13.  oder  20.  Februar  hinausgeschoben  wissen;  Sachsen  bei
nächstem  Bundestag  zu  übergehen  hält  auch  er  für  sehr  bedenklich;  von  der
Beschreibung  des  Administrators  der  Kurpfalz  rät  er  ab.  —  Aehnlich  äussert  sich
statt  des  Kurfürsten  von  Köln,  dessen  Weisung  noch  ausstand,  am  23.  Januar  der
Koadjutor  Ferdinand  von  Köln;  er  wünscht  gleichfalls  die  Vertagung  auf  den
20.  Februar  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  6;  Or.).  —  Auch  die  beiden
fränkischen  Bischöfe  halten  die  Aufnahme  Sachsens  in  den  Bund  nicht  für  unratsaın,
  da  die  Läufe  je  länger  je  gefährlicher  werden  und  man  starke  Ursache
habe,  auf  Erweiterung  des  Bundes  bedacht  zu  sein;  aber  auch  die  bairischen
Gegenbedenken  seien  der  Beachtung  wert.  Mit  diplomatischer  Feinheit
schliessen  daher  die  beiden  :  „wollen  wir  dannenhero  nit  zweiveln,  E.  L.
werden  sich  mit  8.  L.  dieser  einnehmung  halb  freuntlich  dahin  vergleichen,
damit  nit  allein  des  bunts  wolfart  befördert  sondern  auch  dasjenige  in  acht
zehalten  seie,  was  man,  wie  E.  L.  bewust,  umb  vermeidung  allerlei  beschwerlichon
  anhangs  je  und  allwegen  mit  reifem  nachdenken  wahrzenemen.“

®  Eıne  besondere  Instruktion  für  Grünthal  habe  ich  nicht  gefunden.
Sie  muss  aber  den  Bescheiden  nach  zu  schliessen  identisch  sein  mit  der  undatierteon,
  wahrscheinlich  zum  29.  Dezember  1610  einzureihenden  Instruktion,
mit  der  König  Matthias  die  Herrn  Reichard  von  Starhemberg,  Gundaker  von
Polbeim,  Hans  Georg  von  Teufel  und  den  olmützischen  Kanzler  Dr.  Johann
Jakob  Wacker  an  die  Reichsfürsten  sandte  (Wi.,  I.  A.  1,  no.  2983;  Kptkopie);
an  die  Stelle  Polheims  scheint  dann  Grlünthal  getreten  zu  sein,  der  vor  dem
27.  Januar  in  München  (Ma.,  111/11,  —  Kop.),  vor  dem  31.  Januar  in  Neuburg
  (Stg.,  Unionsacta.  X.,  410;  Kop.),  am  12.  Februar  in  Heidelberg  (Nbg.,
Unionsakten,  Bd.  41,  f.  212,  Kop.)  mit  verschiedenem  Erfolg  dieselbe  Werbung
ablegte.  —  Der  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Neuburg  hofft  zwar,  der  Kaiser
werde  dem  brüderlichen  Vergleich  nachleben,  ist  aber  geneigt,  dem  König
der  Kreishilfen  die  Hand  zu  bieten.  (Bescheid  vom  31./21.  Januar:  Stg,  a.a.  0.)
—  Der  Herzog  von  Baiern  möchte  gern  die  Gefahr  für  die  österreichischen
Erblande  abwenden  helfen,  erinnert  sich  aber  seiner  Vasallenpflichten
gegen  den  Kaiser  und  hofft,  der  Kaiser  werde  dem  König  wegen  des  im  Lande
ob  der  Enns  geschehenen  Einfalls  Satisfaktion  geben  und  dadurch  beweisen,
        <pb n="86" />
        64  1611  25.

Januar22.er  diese  vor  allem  ins  Auge  fasst  und  sich  keiner  Suche  teilhaftig
macht,  die  dem  Kaiser  entgegen  sein  könnte.  2.  Wegen  des  begehrten
Gutachtens  will  der  Erzbischof  dem  König  nicht  bergen,  dass  er  dessen
Schreiben  au  den  Kaiser!  keineswegs  billigen,  auch  nicht  glauben
kann,  dass  der  König  zu  einem  so  weitaussehenden  Schreiben  Ursache
gehabt  hat;  er  hält  vielmehr  dafür!,  dass  der  König  sich  selbst  und
seine  Lande  in  augenscheiuliche  Gefahr  gesetzt  und  dem  Kaiser  zu
höchster  Ungnade  mehr  als  starke  Ursache  gegeben  hat;  dena
jedermann  weiss,  von  wem  und  mit  welchen  Bedingungen  der  König
seine  Lande  besitzt:  dass  er  sie  nur  durch  die  Güte  des  Kaisers  unter
Vorbehalt  der  obersten  Hand  und  unter  gewissen  Bedingungen  hat,
wodurch  der  König  zu  grösserer  Rücksicht  und  Dankbarkeit  verpflichtet
wird  als  in  jenem  Schreiben  erscheint.

Davon  abgesehen  sind  auch  die  vom  König  vorgegebenen  Beschwerden
  gar  nicht  derartig,  dass  sie  so  hoch  zu  ompfinden  und  als
Friedensbruch  anzusehen  sind,  zumal  noch  ganz  zweifelhaft  ist,  ob
die  Einlagerung  des  kaiserlichen  Kriegsvolks  im  Lande  ob  der  Enns
mit  Wissen  und  Befehl  des  Kaisers  geschehen  ist  Und  wenn  dem
auch  so  wäre,  so  wäre  des  Kaisers  vermöge  der  vorbehaltenen  Obhand
dazu  genugsam  befugt.  Will  man  selbst  darauf  nicht  achten,  so  hat
doch  der  Weltlauf,  besonders  bei  den  niederländischen  Kriegen  genigend
  zu  erkennen  gegeben,  dass  die  Einlagerung  von  Kriegsvolk  auf
fremden  Boden  keinen  Friedensbruch  oder  Feindschaft  notwendig  nach
sich  ziehen  muss,  sonst  wären  alle  Jülich  benachbarten  Stände  Feinde
der  Possessoren  und  ebeuso  Spaniens,  Burgunds  und  der  Staaten.
Ausserdem  handelt  es  sich  diesmal  nur  um  den  Durchzug  durch  das
Land  ob  der  Enns  und  war  dieses  Volkes  Intent  anders  wohin  gerichtet.

Deshalb  kann  der  Erzbischof  dem  König  nicht  besser  raten,  als
dass  dieser  das  unzeitige  Schreiben  ehestens  und  bestens  entschuldige
und  dem  Kaiser  wirkliche  Satisfaktion  gebe,  damit  der  angesichts  der
unzeitigen  Offension  nicht  Ursache  habe,  sich  der  Mittel  zu  bedienen,
zu  denen  er  bei  solcher  Undankbarkeit  genügend  befugt  wäre.
Der  Erzbischof  bätte  gewünscht,  den  König  mit  solchen  Erinnerungen
verschonen  zu  können  ;  da  aber  der  Friedensbruch  an  sich  selber
stark  ist,  so  versieht  sich  der  Erzbischof,  der  König  werde  ‚die  sindass

  er  an  dem  brüderlichen  Vergleich  festhalte;  er  will  dies  nächstens  (dem
Kaiser  vorstellen  und  gute  Dienste  leisten,  kann  aber  den  an  dem  Vergleich
beteiligten  Kurfürsten,  Erzherzogen  und  Fürsten  nicht  vorgreifen.  {Bescheid
vom  27.  Januar:  Ma.,  a.  a.  O.)  —  Der  Administrator  der  Kurpfalz  gab  am
9./19.  Februar  nur  eine  Vorantwort  (Nbg.,a.  a.  O.);  er  macht  die  Nebonräte  des
Kaisers,  die  dessen  Autorität  missbrauchen,  für  den  Bruch  des  Vergleichs
verantwortlich,  verdenkt  dem  König  nicht,  dass  er  sich  und  sein  Land  schützt
und  versichert  ihn  des  „guten  Favors“  und  Willens  der  Unierten.  Das
Hilfegesuch  wird  der  Administrator  bei  bevorstehendem  Unionstag  vorbringen,
zu  dom  er  den  käniglichen  Gesandten  einladet.

!  Gemeint  ist  des  Königs  Schreiben  vom  29.  Dezember,  das  den  Reichsfürston
  mitgeteilt  wurde.
        <pb n="87" />
        5—26.  1611  65

ceritet  und  notturft  des  werks  hierunter  mehr  in  obacht  nemben  als  Januar  22.
was  derselben  sonsten  in  dieser  sachen  belieben  mögte.“  Geben  Saltzburg

  den  22,  januarü  a.  1611.

Jb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  März  1611,  zu  no.  28;  Kop.  und  Ma,  111j11
—  Kop.  mitgeteilt  von  Thomas  Porger.!

26.  Herzog  Johann  Friedrich  von  Württemberg  anJanuar22.
König  Matthias.

Dero  Abgesandte,?  die  E.  kgl.  W.  im  November  zu  mir  und  zu
andern  unierten  Kurfürsten  und  Fürsten  geschickt  haben,  werden  Derselben
  berichtet  haben,  wie  schwach  es  jetzt  mit  dem  Reich  bestellt
ist,  so  dass,  wenn  nicht  bei  Zeiten  durch  E.  kgl.  W.  und  andere
vornehme  und  genehme  Glieder  des  Reichs  beim  Kaiser  Unterbauung
geschieht,  die  Zerrüttung  und  das  Mistrauen  unter  den  Ständen
zu  noch  grösseren  Weiterungen  und  zum  Untergang  des  Reiches  führen
könnte.  Wie  zu  dieser  Interposition  zu  gelangen  wäre,  werden
E.  kgl.  W.  aus  meiner  damals  erteilten  schriftlichen  Resolution  vernommen
  haben,  wobei  ich  mich  erbot,  zur  Fortpflanzung  des  Vertrauens
  es  an  mir  nicht  fehlen  zu  lassen.  Aber  die  Läufe  hieroben
Landes  lassen  sich  gegen  den  Frühling  immer  gefährlicher  an;  die
Lage  ist  viel  drohender  als  im  Vorjahr,  da  die  kölnischen  Verhandlungen
  sich  zerschlagen  baben  und  das  elsässer  Volk  des  Erzherzogs
Leopold  nicht  aus  der  Gegend  weichen  will  sondern  obwol  bezahlt

!  Gleich  unwirsch  antwortet  der  Erzbischof  dem  Pfalzgrafen  Philipp
Ladwig  von  Neuburg,  der  in  seiner  Aengstlichkeit  eine  Aktion  des  baierischen
Kreises  bei  den  Kreisobersten  angeregt  hatte;  der  Erzbischof  berühmt  sich,
dass  das  passauer  Volk  sich  vornehmlich  durch  sein  Zutun  über  die  Donau  zurück

habe;  so  lange  er  und  der  Herzog  von  Baiern  mit  schweren  Unkosten
unter  Waffen  gestanden  hätten,  habe  er  nicht  gehört,  dass  der  Pfalzgraf
seine  Hilfe  angeboten  hätte,  deren  er,  der  Erzbischof,  Gott  lob  auch  nicht
bedurft  hätte.  „Jetzt  aber,  da  alberait  die  sachen  schier  fürüber,  kommen
E.  L.  erst  mit  dem  craiss  herfür  und,  das  noch  mehr  ist,  suechen  Si  mehr
als  unzeitlich  darzue  denselbigen  in  die  österreichischen  sachen  zu  vermischen,
so  dahero  kaineswegs  gehörig.  Wann  dann  diss  alles  sachen  sain  aines
scharpfen  und  weiten  aussehens,  also  seind  wir  weder  zu  dem  ainen  oder  zu
dem  andern  uns  bewegen  zu  lassen  nicht  gesint  sondern  vilmehr  bei  unserm
vorhaben  zu  beharren  in  deme  entschlossen,  das  wir  mit  den  jetzigen
schwierigkaiten  des  reichs  unverworen  begern  zu  verbleiben  und  die  macht,
so  uns  Wott  verlichen,  zu  verthädigung  unserer  land  und  leute,  wie
biss  anhero  beschehon,  also  auch  fürbass  allain  anzuwenden.*  (Erzbischof
von  Salzburg  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  10.  Februar  1611;  Mb.,  303/2,
f.  15;  Or.).

3  Ueber  diese  Schickung  vgl.  no.  21,  8.  53,  Anm,  2.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  5)
        <pb n="88" />
        66  1611  26.

Jaunar22.  auf  weitere  Resolution  wartet;!  das  passauer  Volk  ist  zwar  aufgebrochen,
  hat  aber,  wie  ich  höre,  Dero  Landen  nicht  geringen  Schaden
zugefügt  und  soll  entschlossen  sein,  sich  in  das  Stift  Konstanz  zu
begeben,  um  sich  mit  dem  oberelsässischen  und  einem  Teil  des
mailänder  Volkes,?  das  durch  Tirol  herausziehen  soll,  zu  vereinigen.
Die  Absicht  ist  zwar  noch  unbekannt;  aber  es  ıst  unschwer  zu  ermessen,
  dass  dabei  nicht  nur  die  jülichschen  sondern  auch  andere,
vielleicht  der  unierten  Stände  Lande  gemeint  sind  und  allerlei  gefäbrliche
  Anschläge  darunter  verborgen  sein  mögen.  Ich  glaube  nun
zwar  nicht,  dass  die  unierten  Stände  beim  Kaiser  in  so  ungleichem  Konzept
sein  sollten,  zumal  sie  nie  gegen  den  Kaiser  etwas  vorsätzlich  gehandelt
haben;  sie  haben  vielmehr  zur  Vermeidung  Verdachts  die  innegehabten

ı  Die  Furcht  vor  dem  elsässer  Volk  des  Erzherzogs  Leopold  stak
allen  Ständen  Südwestdeutschlands  in  den  Gliedern.  Dass  das  mit  Hilfe
nachbarlicher  Anleihen  bezahlte  Kriegevolk  (es  handelte  sich  um  die
Regimenter  Reuschenberg,  Salın,  Lützelburg  und  um  Kriechingens  Reiter),
das  sehr  gegen  den  Willen  der  Nachbarn  im  Oberelsass  einquartiert  worden
war,  nicht  entlassen  wurde,  erregte  namentlich  im  Zusammenhang  mit  den
Bewegungen  des  passauer  Volkes  das  grösste  Mistrauen,  nicht  nur  bei  Jen
Unierten,  die  schon  im  speirer  Abschied  vom  7.  Dezember  (Briefe  und
Akten  lll,  uo.  294)  Vorkehrungen  gegen  diese  Volk  trafen  sondern  auch  bei  Erzherzog
  Maximilian  (vgl.  dessen  Befehlschreiben  an  die  vorderösterreichische
Regierung  vom  19.  Januar  1611;  Jb.,  Regimentssachen  von  1611,  Kopialbuch,
f.  63’).  Es  verlautete,  Erzberzog  Leopold  habe  den  Obersten  Kriechingen  angewiesen,
  die  Truppen  unabgedankt  zu  lassen  und  mit  dem  passauer  Volk  zu  vereinen
  (Erzherzog  Maximilian  an  Erzherzog  Ferdinand  am  19.  Januar;  Jb.,
Regimentssachen  von  1611,  f.  161;  Kptkop).  Schon  machte  sioh  der
Herzog  von  Württemberg,  der  mit  Erzherzog  Maximilian  in  reger  Korrespondenz
  stand,  bereit,  diesem  beizuspringen,  die  andern  Unierten  erwogen  die
Beteiligung  an  diesem  Unternehmen  (Hinterlasseene  (Grosshofmeister  und
Räte  der  Kurpfalz  an  deren  Administrator  am  9,/19.  Januar;  Mb.,  119/3,
f.  23;  Kpt.)  und  der  Markgraf  von  Baden  schlug  eine  Zusammenkunft  aller
benachbarten  Unierten  zur  Vergleichung  einer  Defension  vor  (Mb.,  119:3,
f.  42,  Kpt).  Diesen  Gedanken  griff  Kurpfalz  auf  und  schrieb  auf  den

27.  Januar  einon  Kommunikationstag  nach  Worms  aus  (Administrator  an
6.  Februar

Württemberg  am  11./21.  Januar.  Stg.;  Unionsacta,  IX.,  f.  4;  Or.)  Doch
bevor  dor  Tag  zu  stande  kam,  teilten  sich  die  Wolken:  schon  am  20./30.  Jan.
konnten  die  Strassburger  nach  Heidelberg  berichten,  dass  der  Abzug  des
Volkes  begonnen  habe  (Mb.,  1193,  f.  146;  Or.).  Trotzdem  blieb  es  bei
dem  angesetzten  Tag  zu  Worms,  der  eine  „Landrettung“  unter  den  benach-.

  .  .  31.  Januar
barten  Unierten  organisierte  (Abschied  vom  10.  Febmar  unten  no.  56.).

?  Gemeint  ist  das  spanische  Kriegsvolk,  das  nach  der  Aussöhnung
zwischen  Spanien  und  Savoyen  (vgl.  D.  Carutti,  Storia  della  diplomazia
della  corte  die  Savoia,  II.  Rom  1876,  8.  101  f.)  von  dem  neuen  Gouverneur
des  Herzogtums  Mailand  Juan  Mendoza  abgedankt  wurde,  dabei  auch  zwei
deutsche  Regimenter,  die  ihren  Lauf  nach  Deutschland  nahmen.  (Erzherzog
Maximilian  an  den  Administrator  der  Kurpfalz  am  26.  Januar;  Mb.,  119/3,

f.  139;  Or.  und  der  züricher  Rat  an  den  Administrator  am  _23,_Januar
2.  Februar
das.,  f.  224,  Or.;  vgl.  auch  no.  21  und  no.  29.)
        <pb n="89" />
        26.  1611  67

Besitzungen  und  Orte  des  Stiftes  Strassburg  freiwillig  wieder  abgetreten  Januar  22.
und  ihr  Volk  völlig  abgedankt.  Unter  den  jetzigen  Umständen  aber
wird  man  sich  den  Sommer  über  keines  friedlichen  Wesens  zu  erfreuen,
noch  sich  der  Abhilfe  der  Beschwerden  auf  dem  E.  kgl.  W.
von  mir  jüngst  angedeuteten  Weg  zu  getrösten  sondern  viel  eher  zu
besorgen  haben,  da  die  Stände  weiter  angefochten  und  alteriert  würden,
dass  solche  und  andere  gütliche  Mittel  schwerlich  mehr  zu  praktizieren
sein  werden.  —  Ich  bringe  dies  E.kgl.  W.  vor,  nicht  als  ob  ich  der  Stände
Gedanken  genau  kennte  oder  mich  ohne  Ursache  vor  andern  mit  diesen
wichtigen  Sachen  beladen  wollte,  sondern  weil  mir  die  Wolfahrt  von
Kaiser  und  Reich  aufs  höchste  angelegen  ist  und  ich  keine  Gelegenheit
versäumen  will,  dem  Vaterlande  zu  dienen  ;  so  hoffe  ich  auch,  dass
durch  meine  und  anderer  Stände  Interposition  der  kurpfälzische  Administrationsstreit
  bei  der  Zusammenkunft  am  20./30.  Januar  verglichen
werden  wird!  Ich  habe  E.  kgl.  W.  nur  zum  Nachdenken  geben
wollen,  wie  man  wieder  zu  gutem  Einvernehmen  unter  den  Ständen
gelangen  und  diesem  unsichern  Wesen  abhelfen  könne;  die  unumgängliche
  Notdurft  der  Unierten  erfordert,  sich  deswegen  zu  beraten
und  zu  sichern.  Ich  erbitte  hierüber  Dero  Gutachten?  Datum

ı  DieVergleichung  des  Administrationsstreits  (vgl.no.  6,  S.15,  Anm.2,n0.15»
S.  88  und  no.  40,  8.  92,  Anm.  2)  mit  Rücksicht  auf  die  Bedürfnisse  der  Union  lag
besonders  dem  Herzog  von  Württemberg  am  Herzen  (vgl.  die  zahlreichen  Akten
darüber  in  Stg.,  Archiv  Pfalz,  D  30a);  auch  der  Vergleichsversuch  zuSchwäbisch-Hall
  ist  wesentlich  sein  Werk,  an  dem  auch  noch  der  Markgraf  von  Baden
und  der  von  Ansbach  teilnahmen,  Die  Handlung  zerschlug  sich  aber  vornehmlieh
  an  der  Unnachgiebigkeit  der  Kurpfälzer,  die  Neuburg  aych  nicht  die
geringste  Konzeasion  machten  (Bericht  der  anebachschen  Räte  an  don

1.  Januar  .  .
Markgrafen  am  10.  Fohmar  "  Bbg.,  A  9a,  n.  1551,  f.  23;  Kopie).

?  Der  König  antwortet  am  3.  Februar  mit  den  Hinweis  auf  die  prager
Handluag  im  Sommer  1610,  hebt  deu  Vertragebruch  hervor,  der  durch  den
Einfali  der  Passauer  verübt  wurde  und  dor  friedhässigen  Leuten  zuzuschreiben
  ist,  die  das  Reich  und  das  Haus  Oesterreich  verderben  wollen.  Gleich
seinen  Vorfahren,  die  sich  nichts  mehr  angelegen  sein  liessen  als  das  Vertrauen
  im  Beich  zu  erhalten,  willauch  er  als  Aeltester  des  Hauses  nächst  dom
Kaiser  die  hergebrachte  gute  Korrespondenz  und  Einigkeit  erhalten.  Er  würde
wünschen,  dem  Herzog  mit  einem  Gutachten  wegen  der  Interposition  willfahren
  zu  können.  Es  sind  hierinnen  aber  schwere  und  gefährliche  termini,
„weliehe  man  hart  kan  praeterirn,  dass  man  nemblich  die  ksl.  M.*  durch  ein  vernänftige
  legation  oder  aber  auf  ainen  andern  unverdachtigen  gehaimben
modum  sambt  den  räthen  praeoccupiren  und  zu  diser  fridlichen  intention  disponiren,
  nebens  personen  füerschlagen  [kunte],  weliche  die  thail  vernemen  und
mr  soliche  beilegen  kunten.  Es  mechte  sich  aber  auch,  wie  am  selben

Isider  der  gebrauch,  das  werk  zum  schaden  verziehen,  daher  man  auf
andere  woeg  gleichesfalls  kunte  gefasst  sein  oder  die  interessierte  persuadiern,
dass  si  inen  etliche  un  iische  und  uninteressierte  neben  ainem  obman
gefallen  liessen,  bei  weichem  termino  die  unierten  füersten  ingemain  vil
vermögen  kunten.“  Das  würde  dem  Kaiser  zu  keinem  Praqgjudis  gereichen,
da  es  doch  seines  Amtes  ist,  Frieden  und  Einigkeit  zu  erhalten,  ihm  auch
bei  der  Unruhe  und  den  vielen  Geschäften  nicht  alle  Zeit  wol  ist.  Kann
dee  König  sich  den  Unierten  zur  Erhaltung  des  Friedens  im  Reich

5*
        <pb n="90" />
        68  1611  26—  27

Januar  22.  Stuettgardt  den  12.  januarii  a.  1611.
Stg.,  Unionsacta,  X.1.391,  Kpt.  mit  Zusätzen  Fabers;  Wi.  I.A.  1.,  Ka.  3991.  —  Or!

Januar  22.27.  Instruktion  des  Kurfürsten  Christian  II.  und  des
Herzogs  Hans  Georg  von  Sachsen  für  den  Oberstleutnant
  Karl  Goldstein  zu  dessen  Sendung  an  Erzherzog

Leopold.

Goldstein  soll  dem  Erzherzog  zunächst  für  die  beiden  Schreiben
vom  20.  Januar?  danken.  Wir,  Herzog  Hans  Georg,  wären  zwar  gern  bereit,
mit  Vorwissen  unseres  Bruders  uns  beim  Kaiser  einzustellen  ;  es
haben  sich  aber  vor  wenigen  Tagen  Markgraf  Christian  von  Brandenburg
  und  Landgraf  Ludwig  von  Hessen  auf  Ersuchen  des  Kurfürsten
von  Brandenburg  hieher  verfügt,  der  durch  dieselben  sich  zu  gütlicher
Vergleichung  in  der  jülicher  Sache  erbietet  und  um  unseres  ganzen
Hauses  Erklärung  deshalb  ansucht  ;?  es  müssen  daher  die  von  Brandenburg
  vorgeschlagenen  Mittel  in  reifliche  Erwägung  gezogen  werden,
damit  des  Kaisers  Autorität  und  Reputation  erhalten  und  dem  Hause
Sachsen  an  seinen  Rechten  nichts  entzogen  werde;  wir,  der  Kurfürst,

und  zur  Aufrichtung  des  alten  Vertrauens  nützlich  erweisen.  so  will  er  sich
dazu  erboten  haben.  Das  passauer  Volk  war  nach  der  Erklärung  der
kaiserlichen  Abgesandten  nach  Tirol  bestimmt;  zu  welchem  Zweck  aber,
weiss  der  König  nicht.  Vor  allem  ist  darauf  zu  sehen,  die  Stände  beider
Bekenntnisse  zur  Einigkeit  zu  bringen  und  darin  zu  erhalten,  um  deren
Kraft  gegen  den  Erbfeind  verwenden  zu  können  (Wi.,  I.  A1.,  Ka.  2991,  —
Kpt;  Stg.,  Unionsacta,  XI.,  f.  449;  Or.)

!  Ein  .ähnliches  „Interpositionsschreiben®  richtet  der  Herzog  am
10./20.  Januar  auch  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen,  worin  er  ihn  ermahnt,
mit  Rücksicht  auf  die  Lage  im  Reich  und  zur  Vermeidung  der  Trennung
unter  den  evangelischen  Ständen  die  Ansprüche  auf  Jülich  statt  mit  den
Waffen  lieber  vor  un  iischen  Schiedsrichtoern  mit  Zutun  des  Kaisers
auszuführen.  Das  würde  auch  zur  Förderung  des  geschwächten  Vertrauens
und  zur  Abhilfe  vieler  Beschwerden  dienen  (Drs.,  l.  8807,  21.  Buch  jül.
Sachen,  f.  359;  Or.).

?  Erzherzog  Leopold  schrieb  am  20.  Januar  an  Herzog  Hans  Georg
„aus  sonderbahrn  bevelch  I.  kal.  M.?,“  die  von  dem  Vorhaben  des  Herzogs,
nach  Prag  zu  kommen,  gehört  bat:  derselbe  möge  seine  Reise  hieher  beschleunigen,
  da  an  dieser  Beschleunigung  ihm  und  dem  Hause  Sachsen  viel  gelegen
sei,  „dieweil  von  Brandenburg  vnd  anderen  orten  allerley  practicen  vorvbergehn
  vnd  auch  grosse  offerta  bescheehen.  Vir  mein  person  waise  mem  herr
brueder,  wie  boch  ich  begere,  meim  hern  bruedern  zue  dienen;  also  bitt  ich
ganz  freuntlich,  Er  wolle  sein  raiss  ehist  befirdern,  ime  selbst  zumb  besten;
dan  summum  periculum  in  mora  vnd  verlangen  I.  ksl.  M.t  ser  nach  des
herrn  bruedern  person;  insonderheit  währ  auch  guet,  dass  die  durch  den
grafen  vın  Zollern  angedeite  gesandten  [vgl.  no.  7  mit  Anm.  1  auf  S.  20]
baldt  alher  geschikt  wurden.  Der  von  Praunschweich  und  graf  von  Zollera
sein  heut  fordt  nach  Wien  von  I.  ksl.  M.t  geschikt  vnd  hatt  der  kaiser  wider
alles  verhoffen  das  credentz  an  den  khonich  underschriben;  ihre  instruction
will  ich  meinen  herrn  bruedern  mit  ehistem  hernach  schikhen“  (Drs.,  a.a.O.,
f.  368;  Or.  eigh.)..  Vom  gleichen  Tag  auch  ein  Schreiben  an  den  Kurfürsten
mit  der  Bitte,  die  Reise  des  Bruders  zu  befördern  (ebenda,  f.  357;  Or.  eigh.).

8  Vgl.  no.  7,  S.  20,  Anm.  1.
        <pb n="91" />
        27.  1611  69

können  also  unsern  Bruder  nicht  beurlauben.  Wir  bitten  aber  den  Januar  22.
Erzherzog,  den  geringen  Verzug  beim  Kaiser  aufs  beste  zu  entschuldigen
  und  ihn  zu  versichern,  ‚dass  wir  und  unser  hauss  von  I.  M.!
nicht  weichen  sondern,  do  I.  M.‘  wegen  vilfaltigen  zugezogenen  de;-pects
  vom  gegentheil  nicht  gedürliche  satisfaction  geschehen  wurde,
das  wir  im  geringsten  nicht  gemeinet,  von  I.  M.'  uns  zu  sondern  oder
in  einige  handlung  und  vergleichung  uns  einzulassen“;  auch  erbieten
wir  uns,  da  wegen  der  jülicher  Streitigkeiten  von  beiden  Teilen  eine  Tagfahrt
angesetzt  werden  würde,  dem  Kaiser  dieselbe  bei  Zeiten  zu  berichten
und  ohne  dessen  Konsens  und  Ratifikation  nichts  schliessen  zu  lassen,
damit  er  zur  Erhaltung  seiner  Autorität  und  Hoheit  jemanden  abordnen
könne  und  zu  seinem  Nachteil  oder  Verkleinerung  nichts  vorgenommen
  oder  abgehandelt  werde;  denn  wir  haben  vom  Anfang  dieser
Irrungen  mehr  die  Rücksicht  auf  den  Kaiser  und  den  Gehorsam  als
unser  eigenes  Interesse  in  Acht  genommen.  Der  Erzherzog  möge
Goldstein  auch  von  den  erwähnten  Praktiken!  gegen  unser  Haus  unterrichten.
  Wenn  auch  wir  selbst,  Herzog  Hans  Georg,  uns  nach
Prag  begäben,  so  könnten  wir  doch  weder  den  Kaiser  noch  den  Erzberzog
  völlig  zufrieden  stellen,  da  wir  das  eine  und  andere  an  unsern
Bruder  zurückbringen  müssten.  Sollte  dem  Erzherzog  inzwischen  von
unserm  Vorhaben  etwas  ungleiches  vorkommen,  möge  er  daran  "nicht
glauben  und  es  beim  Kaiser  aufs  beste  entschuldigen.  Goldstein  soll
sich  bei  dieser  Gelegenheit  auch  über  die  eigentlichen  Absichten  des
passauer  Volks  erkundigen.  Geschehen  zu  Dresden  den  12.  januarii
a.  1611.
Dre.,  1  8807,  20.  B.  jül.  Sachen,  f.  365;  Ept.,  daneben  das  Or.!

ı  Vgl.S.68,  Anm.2.  Mit  einem  undatierten  Schreiben  hatte  der  Erzherzog
dem  Kurfürsten  auch  Abschrift  eines  Schreibens  der  Kurfürstin  von  Brandenburg
  an  den  Kaiser  vom  9./19.  Dezember  1610  geschickt  und  die  Warnung
beigefügt:  „Wan  dan  hierauss  genugsamb  clar  erscheint,  wass  vil  practigen
in  schwung  sein  und  wie  ser  notwendig,  dass  Dein  herr  brueder  Hans  Gerg
sein  raiss  ohist  alher  befideren  welle,  also  hab  ich  E.  L.  disen  aigenen
potten  schikhen  wellen  mit  freuntlicher  bitt,  Er  wolle  dise  communication
in  hegstem  vertrauen  halten,  den  khain  auss  I.  ksl.  M.t  lait  noch  I.  M.t  selbst
darummen  wissen  und  mechte  mihr  solliches  sonst  zue  schaden  geraichen“
(Drs.,  a.  a.  O.,  f.  397;  Or.  eigh.).  —  Die  Kurfürstin  beklagt  in  dem  angesogenen
  Schreiben,  dass  der  Kaiser  ihr  und  ihren  Kindern  wegen  der
jülicher  Sache  seine  Ginade  entzogen  habe,  erinnert  an  ihre  nahe  Verwandtschaft
  mit  dem  Kaiser  von  Ferdinand  ].  ber  und  bittet  ihn,  sich  die  jülicher
Seche  zu  gunsten  Kurbrandenburgs  empfohlen  sein  zu  lassen;  hingegen  versichert
  sie,  Jass  ihr  Gemahl  nichts  unterlassen  werde,  was  zur  Erhaltung
und  Mehrung  kaiserlicher  Autorität  dienen  mag  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.398;  Kop.).

:  Goldstein  kam  am  25.  Januar  in  Prag  an,  hatie  am  26.  bei
Ersberzog  Leopold  Audiens,  wurde  aber  dann,  wie  er  klagt,  von  einem
Tag  zum  andern  hingehalten  (Bericht  vom  29.  Januar  an  den  Kurfürsten:
Dra,,  a.  a.  O.,  f.  469;  Or.);  am  2.  Februar  erst  erhielt  er  seine  Rückbeglaubigung,
  nachdem  der  Erzhersog  ihm  des  Kaisers  Befehl  mündlich
mgeseigt  hatte  (Dra.,  1.  8807,  21.  Buch  jül.  Sachen,  f.  304;  Or.).  Der
Erzberzog  hatte  gegen  ihn  geäussert,  dass  er  die  gütliche  Traktation  wegen
        <pb n="92" />
        70  1611  28.

Januar28.28.  Fürst  Christian  von  Anhalt  an  Johann  Kasimir
Grafen  von  Lynar.

„Je  Vous  dis  doncques  que  depuis  que  ie  me  suis  employe
aux  affaires  importantes  de  ma  patrie,  que  i’ay  eu  tousjours  en
horreur  la  monarchie  et  domination  Espagnole  et  tout  ce  que  ie
scou  apporter  d’obstacloes  a  la  dicte  intention  pour  le  bien  de  nostre
liberte  Germanique,  ie  n’ay  jJamais  manque  pour  mon  petit  talent.
Ainsi  aussy  me  suis-ie  proposö  pour  le  faict  de  Juliers  ces  deux
fins  pour  le  bien  public:  ascavoir  la  comprehension  de  la  maison  de
Saxen  en  la  possession  de  Juliers  non  moyens  que  celle  de
Neuburg,  sans  laquelle  admission  iay  tousjours  preueu  l’euidente
ruine  du  parti  protestant,  fort  suject  par  cela  d’estre  totalement
aneanti  du  coste  des  Catholiques.  Le  -secondiesme  poinct  que  ie
me  suis  mis  deuant  les  yeulx  a  este  d’empescher  la  maison  d’Espagne,
affın  qu’elle  ne  mette  point  ses  longues  branches  es  dietes  pays  de
Juilliers,  fort  commodement  situ6es  pour  ses  intentions.

Je  me  represent6  non  seulement  ces  dictes  deux  fins  avec  tres
uiue  contemplation,  mais  ie  me  suis  euertue  a  tout  possible  de
les  pouuoir  mettre  en  execution.  Quant  a  la  premiere  intention,
Vous  trouuerez  ce  que  i’ay  comunique  a  mr.  Vostre  maistre,!  —  il
y  a  vn  an  et  demy  —  de  ce  que  iavois  respondu  au  Palatin  Wolf
Wilhelm,  quand  i’estoys  appello  a  ma  charge,  que  ie  desirois  deuant
touttes  aultres  conditions  la  susdicte  admission  de  la  maison  de
Saxen.?  J’ay  pourchassö  le  mesme  aux  asseemblöes  de  Hal  et  de
Heidelberg,  dont  les  Unis  scauront  ancores  mes  motives.  Oultre  cela
iay  dispose  le  feu  roy  de  France  d’y  prendre  goust,  ainsi  qu’il  auoyt
expressement  commandd  a  son  ambasadeur  mr.  de  Boysise  d'y
vouloir  trauailler.  Mais  voyant  qu'il  y  falloyt  du  temps  a  cela  et
que  l’aultre  fin,  de  traverser  les  intentions  des  Espagnes,  estoyt  plus

Jülich  ungern  sehe.  —  Die  fürstlichen  Unterhändler  in  der  jülicher  Sache
wussten  schon  am  15./25.  Januar  aus  Dresden  an  den  Kurfürsten  von  Brandenburg
  zu  berichten,  dass  am  kaiserlichen  Hof  allerlei  „Consilia*  gegen  die
gütliche  Handlung  wegen  Jülich  vorgiengen  (Bamberg,  Jül.  Successions-Acta,
IIL,  St.  30;  Kopie.)  —  Die  eigentliche  Ursache  der  Berufung  des  Herzogs

hatte  Goldstein  nicht  in  Erfahrung  bringen  können,  noch  am  .  u
beauftragt  der  Kurfürst  von  Sachsen  seine  Gesandten  in  Prag,  sich  damnach
zu  erkundigen  (Drs.,  1.  9167,  II.  Buch  passantischen  Kriegsvolks,  f.315:  Kpt.).
Auch  Gerstenberg  konnte  darüber  selbst  bei  den  geheimen  Räten  nichts
erfahren,  ja  diese  meinten,  es  werde  auch  der  Kaiser  davon  nichts  gewusst
haben,  „dann  sich  Leopold  des  dings  zu  derselben  zeit  gebraucht“  (Bericht  vom
”  Sen  :  Dre,,  a.  a.  O.,  f.  426;  Or.).

ı  Markgraf  Christian  von  Brandenburg-Culmbach,  dessen  geheimer  und
oberster  Kamnıerat  Lynar  war.

’  Vgl.  Briefe  und  Akten,  I.  no.  225,  wegen  des  folgenden  auch
no.  284  und  286.
        <pb n="93" />
        E43

28.  1611  1

pressant,  ie  n'oubli6  point  le  premier  et  ay  pourchasse  cepandaut  le  Januar23.

second,  ne  doubtant  point  moyenant  la  grace  diuine  de  parvenir
avec  I’vn  et  l’aultre  a  vne  fin  tres-desiree.  Pour  ne  negliger  pas
doncques  la  secondiesme  intention  i’acceptö  en  nom  de  Dieu  la  charge
de  ma  vocation  si  legitime  et  en  ay  eu  tousjours  l'oeil  sur  l’occasion
d’obtenir  la  premiere  quand  et  quand.  —

Voyla  les  occasions  des  mes  motiues,  parmy  lesquelles  Vous  en
trouuerez  des  euenements  estranges,  beaucoup  des  peines,  pereils,
depences  et  fort  peu  de  profit  de  mon  coste,  ayant  ceste  satisfaction
dans  ma  conscience,  de  n’auoir  cherche  que  le  bien  public.

Je  me  rendu  doncques  ennemys  les  plus  grandes  potentats  de
la  chrestiente:  l’empereur,  le  roy  d’Espagne,.  le  pape  et  tout  le
parti  catholique,  peult-estre  quelques  vns  de  ceul  ci,  pour  le  bien
desquels  i’ay  travaille,!"  ne  voyant  nul  recours  pour  moy  en  cas  de
desastre  de  pouuoir  esperer  paix  ou  reconciliation,  laissant  en  proye
le  bien  de  mon  heritage,  ma  femme,  onfans,  subjets  et  aiusi  aussy
l’estat  de  mes  freres,  neantmoyens  i’auois  considere  tout  cela.  Vous
scavez,  quelques  voyages  et  peines  que  i’en  pour  cela.  J’ay  monstr6
le  chemin  a  l’Union,  affin  de  se  n’embarquer  trop  profondemment  ny
de  delaisser  trop  la  dicte  affaire  J’ay  dispos6  le  roy  de  France
contre  l’opinion  de  son  .conseil,  obtestations  de  la  reine  en  certaine
maniere,  exhortations  du  pape  et  remonstrancos  d’  Espagnols,
d’entendre  au  dict  secours  et  de  pousser  mrs.  les  Estats  et  Angleterre
au  mesme  fin.  Ayant  obtenu  tout  cela  et  trouuant  les  passages  pour
sortir  de  France  fermöes  a  cause  des  embouschades  qu’on  m’  auoyt
dress6,  ie  me  suis  hazarder  moy  troisisme  par  tout  le  pays  ennemy
et  suspect,  de  Peronne  trauersant  le  pays  d’Artois,  Hennyault,  Brabant,
voyre  par  Bruselles  et  Anvers  mesmes  iusques  au  pays  des  Estats,
lesquels  i’  ay  faict  entror  au  mesme  secours.

Apres  estre  retourne  en  Alamagne  pour  aprester  les  nouuelles
leudes,  justement  que  ie  debuoys  monter  a  cheual  pour  partir,  voyla
nostre  traitte  auec  France  rompu  a  cause  de  nouuelles  demandes
qu’on  nous  faisoyt,  que  nous  ne  pouuions  point  accorder  ny  arrester
nos  leuses.  Lors  personne  estoyt  plus  en  extremite  que  moy;  mais
je  demeure  en  mon  cours  commence,  retourne  en  France  par  vn  grand
detour  et  raccommode  auec  le  roy  en  vn  jour  tout  ce  qu’  estoyt
rompu  et  obtiens  dauantage  de  lui  et  le  dispose  de  plus  en  plus
en  nos  susdictes  intentions.  Je  m’  hazardi  derechef  par  mer,  viens

ı  Von  der  Verfeindung  mit  Sachsen,  auf  die  der  Fürst  anspielt,  gibt  ein
Schreiben  des  Gesamthauses  an  den  Fürsten  vom  4./14.  Januar  1611  Zeugnis.

Darin  wird  der  Fürst  an  ein  älteres  Schreiben  vom  7  u  1610  erinnert,

worin  unter  Aufzählung  der  Verdienste  des  Hauses  Sachsen  um  das  Haus  Anhalt
und  im  Hinblick  auf  des  Fürsten  Haltung  im  jülicher  Erbstreit  dessen  bestimmte
Erklärung  gefordert  wird,  wessen  sich  Sachsen  künftig  von  ihm  zu  verseheu
babe;  da  auf  das  vorige  Schreiben  nicht  einmal  Antwort  erfolgte,  wird  diese
nochmals  urgiert  (Dre.,  1.  8807,  20.  B.  jül.  Sachen,  f.  290;  Kpt.),
        <pb n="94" />
        12  1611  28

Januar23.  on  Holande,  embarquant  mrs.  les  Estats  de  me  donner  vn  grand
convoye,  dont  ie  me  serfs  si  bien  que  i  eu  ceste  bonne  rencontre
et  victoire  sur  la  Mouse,  laquelle  m’a  facilit6  puis  apres  touttes  mes
actions.  Et  ancores  que  la  tragedique  mort  de  ce  grand  Troy  de
France  mo  debuoyt  mettre  hors  de  toutte  esperance,  si  est  ce  que  ie
me  scen  preualoir  ancores  de  1’  authorite  de  son  ombre  si  bien,  que
j’obtenu  ce  secours  et  assistance  tant  de  France  que  d’  Angleterre
et  des  Estats,  moyennant  les  quels  joints  auec  ceulx  de  I’  Union
l’offet  a  este  apres  heureulx  et  facile.

Je  Vous  fait  ce  recit,  affin  que  de  ceste  miene  constance  Vous
puissiez  comprendre,  combien  que  i’  eu  au  coeur  les  fins  proposes,
&amp;amp;  quoy  ie  Vous  peux  monstrer  des  listes  autentiques  que  ie  m’  espargne
pas  ny  mon  credit  ny  propres  frais.

Et  combien  que  cela  Vous  pourroyt  suffire,  neantmoyens  ie
Vous  diray  d’auantage  que  sans  toucher  les  labeurs  et  continuels
perills,  que  i'endur6  pendant  toutte  ceste  conduitte  de  la  guerre,  ie
suis  aller  de  mon  propre  mouuement  a  mes  propres  frais  en  Holande
et  Angleterre,!  dont  le  roy  de  la  Grande  Brettagne  pourra  tesmoigner,
auec  combien  de  fidelite  et  integrite  i’ay  traitte  ce  dict  negoce,  dont
ie  Vous  enuoye  copies  des  ses  deux  lettres  que  je  Vous  ay  monstre
en  original.

Et  affin  que  soyez  ancores  tant  plus  asseure,  ie  peulx  affirmer
que  ie  ne  suis  nullement  plus  li6  a  nul  de  ces  princes  possedants,
ancores  que  i'  eusse  fort  bien  peu  retenir  ma  capitulation  quelques
trois  ou  4  moys  et  profiter  quelque  vingt  ou  trente  mille  talars,  si
n’aye  pas  voulu  auoir  nul  respect  au  particulier  et  pourtant  ay  ie
renonce  au  moys  de  decembre  mon  dict  office  pour  pouuoir  nsor  tant
plus  de  liberte,  en  conseillant  ce  que  concerne  le  bien  comun.

J’espere  que  ie  Vous  auray  dans  si  peu  de  loisir  represent&amp;amp;
les  fondaments  palpables  et  indubitables,  pour  quoy  ne  debucz  plus
doubter  et  adjousteray  seulement  ces  deux  choses:  I’vne  que  Vous
ne  me  verrez  pas  partir  de  ceste  negotiation,  tandis  que  la  moyndre
esperance  de  1’  accomodement  sera  et  par  consequent  que  ie  Vous
seconderay  brauement;  l’autre  que  ie  Vous  prie  ne  vouloir  diuulger
ceste  miene  lettre  auec  les  copies  jointes,  aingois  la  tenir  secrette

!  Ueber  die  Reise  des  Fürsten  nach  England  sind  wir  leider  fast  gar
nicht  unterrichtet;  vgl.  Briefe  und  Akten,  III.n.  287,  Anm  2.  Das  Reisetagebuch
  des  Fürsten  von  1610  (Bbg.,  A9Ya,  n.  106—)  enthält  nur  dürftige
Notizen;  im  zerbster  Archir  waren  weitere  Nachrichten  über  diese  Reise
nicht  aufzufinden.  —  Wegen  Englands  Einfluss  auf  das  Zustandekommen
des  friedlichen  Vergleichs  zwischen  Sachsen  und  den  Possidierenden  vgl.
oben  no.  7,  S.  20,  Anm.  1.  In  einer  Instruktion,  die  Fürst  Christian  am
7/17.  April  dem  Obersten  Hans  Meinhard  von  Schönburg  zu  einer  Schickung
an  Prinz  Moriz  von  Oranien  und  Öldenbarnevelt  ausstellt,  erklärt  er  ausdrücklich,
  dass  er  wegen  der  Miteinnahme  Sachsens  in  den  Besitz  von
Jülich  „sonderbare  commission  aus  England“  gebracht  habe  (Eybacher
Archiv;  Papiere  H.  M.  von  Schönburg  betr.  a.  1611;  no.  59;  Or.).
        <pb n="95" />
        28—29.  1611  13

et  pour  vn  gage  d’vne  miene  infallible  esperance  que  i’ay,  ascauoir  Januar23.
que  triamferons  ancores  Sur  ces  intentione  et  labeurs  auec  1’  accomodement
  d’iceulx  qui  touche  et  au  bien  de  la  chrestiente  et  la
confusion  des  nos  ennenmis.  A  Dieu.  A  Berlin  ce  13.  januarii  1611.

Postscript.:  Mon  amy.  Le  loisir  ne  me  permet  pas  tout,  mais
pöursuiuez  uaillemant  en  nom  de  Dieu  et  ne  doubtez  plus  de  moy  et
ie  Vous  promets  en  foy  de  cauallier  et  vray  gentilhomme  qu’  en  cas
que  ie  verray,  que  le  party,  ou  ie  suis  maintenant,  ne  se  veut  ranger
a  la  raison,  que  pour  ceste  occasion  de  Juliers  ie  ne  porteroy  les
armes  ne  tireroy  plus  vn  seul  coup  d’espee  Four  son  seruice,  pour
tesmoigner  ma  franchise  et  fidelite  que  i’ay  au  public;  mais  i'espere
qu’il  ne  fauldra  pas  attendre  si  mauuaise  ysseue,  aingois  que  triumferons
  ancores  sur  nos  laborieulx  dessains  et  saines  intentions.  A  Dieu,
ce  jourdhui  le  14.  janvier  1611.“

°  Bamberg,  Jül.  Bucc-Acta,  vol.  IIT.  1610j11,  Bt,  26;  Or.  eigh.i

29.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Kurfürsten  Januar  24.
von  Mainz.

E.  L.  werden  wissen,  wie  sehr  man  sich  bemüht  hat,  so  viel
Geld  zusammenzubringen,  um  das  Kriegsvolk  zu  bezahlen,  das  fast  ein
ganzes  Jahr  im  Elsass  lag,  und  wie  wiederholt  dessen  Abdankung
  versprochen,  auch  schon  die  Quartiere  und  Nachtlager  zum
Abzug  vorbereitet  worden  sind.?  Nun  erhalten  wir  von  verschiedenen
Seiten  Nachricht,  es  sei  zwar  die  Bezahlung  durch  Kommissarien
erfolgt,  aber  das  Volk  ziehe  nicht  ab,  sondern  wolle  entgegen  dem
getroffenen  Akkord  seine  alten  Quartiere  wieder  einnehmen  und  begebe
sich  auf  besondern  Befehl  des  Erzherzogs  Leopold  nach  dem  untern
Elsass,  nachdem  die  Kommissarien  auf  Anordnung  mit  der  Abdankung
eingehalten  hätten.  —  E,  L.  wissen  auch,  wie  sehr  sich  der  Herzog
von  Braunschweig  um  die  Abdankung  des  passauer  Volkes
bemüht  hat,  um  dem  Kaiser  die  Last  abzunehmen  und  das  Vaterland,
besonders  die  Nachbarn  von  der  drohenden  Gefahr  zu  befreien.  Es
war  vergeblich;  die  Abdankung  unterblieb  auch  hier,  das  Kriegsvolk
ist  aus  seinen  alten  Quartieren  aufgebrochen  und  ist  auf  dem  Weg,
sich  mit  dem  elsässer  Volk  zu  vereinen.

ı  Fürst  Christian  war  vom  Kurfürsten  von  Brandenburg  nach  Berlin
bernfen  worden  und  am  14.  Januar  dort  eingetroffen  (Schreiben  des  Fürsten
an  Pfalsgraf  „ollgang  Wilhelm  vom  6./16.  Januar  in  Mc.,  Jül.  Succession,  Fasz.  54,
no.  100,  f.  91;  Or.‘,  Lynar  dagegen  hatte  sich  mit  den  fürstlichen  Unterhändlern
  (vgl.  oben  no.  7,  8.20,  Anm.  1)  nach  Dresden  begeben,  um  das  Haus

hsen  zu  bewegen,  dass  es  sich  gegen  Einnahme  in  die  Possession  von
Jülich  gleichfalls  gütlicher  Handlung  bequeme  (Drs.,1.  8807,  20.  B.  jül.  Sachen,
f.  391;  Kopie);  am  13/28.  hielt  dor  Graf  den  Vortrag,  am  14./24.  erfolgte
die  zustimmende  Erklärung  Sachsens  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  398;  Kpt.).

’  Vgl.  oben  No.  26,  8.  66,  Anm.  1.
        <pb n="96" />
        Januar  24.

14  1611  29

Man  sieht  also,  wie  begründet  ist,  worüber  sich  auch  der  Herzog
von  Baiern  und  andere  vornehme  Stände  beschweren,  dass  einige
wenige  in  dieser  Sache  am  kaiserlichen  Hofe  das  Ruder  führen  und
dem  Kaiser  schädliche  Ratschläge  geben,  dass  er  dies  Kriegsvolk
beisammen  halte.  Wenn  sich  nun  beide  Völker  vereinen  und  vielleicht  gar
noch  das  mailändische  oder  savoysche,  wie  man  Nachricht  hat,  dazu
stösst,  so  ist  wol  zu  denken,  wessen  sich  eine  so  starke  Kriegsmacht
unterstehen  kann.  Wir  sehen  die  schreckliche  Verwirrung  im  Reiche
vor  Augen:  man  würde  neuerlich  zur  Gegenverfassung  greifen  und
sich  schützen  müssen,  wobei  schwerlich  die  Sachen  so  einfach  ablaufen
  würden,  dass  nicht  auch  Unschuldige  Schaden  und  Gefahr  zu
erwarten  hätten  oder  gar  ein  Aufstand  im  Reich  entstehen  könnte.

Wir  sind  sicher,  dass  E.  L.  an  diesen  Anschlägen  keinen
Anteil  oder  Gefallen  haben  ;  man  hat  auch  dioserseits  seit  dem  münchner
Akkord  in  den  Herzog  von  Baiern  und  in  seine  Bundesverwandten  so
wenig  Mistrauen  gesetzt,  dass  man  seither  fast  alles  Kriegsvolk
abgedankt  hat.

Da  aber  diese  Anschläge  so  viel  Gefahr  mitbringen  und  es  den
Kurfürsten  nicht  verantwortlich  wäre,  dem  Treiben  derer,  die  ohne  des
Kaisers  Wissen  vermutlich,  aber  unter  dem  Deckmantel  seines  Namens
solche  Dinge  treiben,  zuzusehen,  so  erinnern  wir  E.  L.,  kraft  Ihres
Amtes  den  Verlauf  allenthalben  in  Acht  zu  nehmen  und  am  kaiserlichen
  Hof  und  an  andern  Orten,  wo  es  nützen  kann  (da  vermutlich
bei  der  bekannten  Beschaffenheit  am  kaiserlichen  Hofe  diesen  Sachen
nicht  in  der  Eile  abzuhelfen  sein  wird),  es  dahin  zu  richten,  dass
solche  Vorhaben  unterbleiben  und  den  unierten  evangelischen  Ständen
nicht  Ursache  gegeben  werde,  zu  den  von  Gott  verliebenen  Mitteln
oder  wol  gar  „ad  extrema‘,  die  Schuldige  und  Unschuldige  treffen,  zu
schreiten.  Zugleich  bitten  wir  um  Erklärung,  welcher  nachbarlichen
Hilfe  wir,  die  wir  nicht  nur  unsere  sondern  als  Administrator  und
Vormund  auch  die  kurpfälzischen  Lande  zu  schützen  haben,  uns  von
E.  L.  im  Notfall  versehen  können.  Dagegen  erbieten  wir  uns,
obwohl  wir  noch  nicht  in  den  Kurverein  aufgenommen  sind,  alles
das  zu  tbun,  was  dieser  Verein  und  die  Nachbarpflicht  fordert.
Datum  Heidelberg  den  14.  jan.  1611.

Mb.,  119]3,  f.  48;  Kpt.  von  Hausmann.!

ı  Der  Kurfürst  erwiederte  am  26.  Januar,  er  habe  sich  schon  im  Vorjahre
die  Abdankung  dieses  Kriegsvolks  angelegen  sein  lassen  und  habe  erst  neulich
den  Kaiser  und  den  Erzborzog  Leopold  darum  ersucht,  wollo  aber  nochmals
Erinnerung  tun.  Der  Kaiser  würde  zur  Abdankung  leichter  zu  bewegen
sein,  wenn  die,  die  ihm  zu  solcher  Werbung  Anlass  gaben,  sich  grössern
Respektse  gegen  ihn  beflissen  und  die  Reichsgesetze  besser  respektierten.
Wegun  der  nachbarlichen  Hilfe  werde  der  Kurfürst  sich  den  BReichgesetzen
gemäss  verhalten  (Mib.,  a.  a.  O.,  f.  184,  Or.).
        <pb n="97" />
        30.  1611  75

30.  Abschied  der  ausschreibenden  unierteu  StädteJanuar2d.
und  der  Stadt  Heilbronn  nach  der  heilbronner
Zusammenkunft,

Wegen  allerlei  Beschwerungen  derunierten  Städte  und  um
weitere  Unzukömmlichkeiten  hintanzuhalten,  hatten  die  drei  ausschreibenden
  Städte  vereinbart,  dieihrigen  am  13./23.  Januar  zu  Heilbronn  zusammenkommen
  zu  lassen.!  —  Mit  Zuziehung  der  Heilbronner  wurde  zunächst
der  Verlauf  mit  dem  passauer  und  elsässer  Volk  erörtert;  sodann
verglich  man  sich,  wie  angesichts  des  bevorstehenden  höchst  notwendigen
  Unionstages  den  unleidlichen,  der  Unionsverfassung  ganz  widrigen
Beschwerden  der  unierten  Städte  abgeholfen  werden  solle.  —  Beim
ersten  Artikel  der  Unionsverfassung,  die  durchgenommen  wurde,
wurde  für  nötig  befunden,  gegen  die  höhern  Stände  zu  ahnden,  dass
das  Kriegsvolk  der  Markgrafen  von  Ansbach  und  Baden  ohne  Wissen  der
Stadt  Strassburg  nicht  nur  ins  Stift  Strassburg  eingefallen  sei  sondern
auch  Herrschaften  und  Untertanen  der  Stadt  und  anderer  unierter
Stände  entgegen  diesem  Artikel  beschwert  habe.  —  Ferner  werden
entgegen  dem  3.  Artikel  die  Tätlichkeiten  bei  nachbarlichen  Irrungen
von  einigen  höhern  gegen  geringere  Stände  der  Union  fortgesetzt.  —
Die  Zeit  über  sind  auch  verschiedene  Werbungen  ohne  Wissen  und
Willen  der  Städte  vorgegangen,  wogegen  man  die  Ablegung  der  aufgewendeten
  Kosten  entgegen  dem  6.  Artikel  von  ihnen  begehrt  hat.  —
Obwol  verglichen  ist,  dass,  was  aller  Unionsstände  Wolfahrt  betrifft,
auch  insgemein  beraten  und  beschlossen  werden  soll,  so  sind  doch  allerlei
Partikularkonvente  angestellt  worden,  wobei  andern  zu  Praejudiz
Beschlüsse  gefasst  wurden;  es  sind  auch  ausserhalb  solcher  Zusammenkünfte
  weitaussehende  Resolutionen  genommen  oder  von  einigen
wenigen  Städten,  denen  die  Umstände  der  Sachen  unbekannt  waren,
eilfertige  Erklärungen  begehrt  worden,  worüber  absonderlich  sich  zu
erklären  die  Städte  nicht  unzeitiges  Bedenken  trugen;  daher  wird  für
ratsam  erachtet,  dass  solche  Sachen,  die  alle  angehn,  insgemein
beratschlagt  werden.  —  Es  werden  die  säumigen  Stände  nicht  gemäss
dem  15.  Artikel  zur  Erstattung  der  Gebühr  angehalten,  noch  weniger
die  Rechnungen  liquidiert  und  berichtigt;  den  unierten  Städten  aber
werden  trotzdem,  dem  letzten  Artikel  zuwider,  vielfältige  Kontributionen

MEERE,

I  Die  Anregung  zum  heilbronner  Tag  war  von  Strassburg  ausgegangen,
  Anlass  gab  der  speirer  Partikulartag  (vgl.  oben  no.  15,  8.34  Anm.  2;
Schreiben  der  strassburger  Dreizehner,  an  die  Geheimen  von  Ulm  am  8  /18.  Dez.
1610,  Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  40,  t.  249;  Kop.).  —  Anwesend  waren  von
Strassburg:  der  Altammeister  Peter  Storck  und  der  Advokat  Dr.  Joh.
Hartlieb,  genannt  Walsporn;  von  Nürnberg:  Leonhard  Grundherr  und
Andreas  Im  Hof  des  innern  Rats,  die  Advokaten  Dr.  Johann  Christoph
Oelhafen  und  Dr.  Georg  Adelbert  Burkhard  ;  von  Ulm:  Leo  Roth  des  ge
beimen  Rats  und  Advokat  Dr.  Hieronymus  Schleicher;  von  Heilbronn  :  die

ister  Simon  Weinmann  und  Dr.  Jakob  Feyerabend,  Philipp  Ort  des
Rate  und  der  Advokat  Dr.  Georg  Spitzer.
        <pb n="98" />
        16  1611  30.

Januar25.  mit  starken  Drohungen  und  dem  „nachdenklichen‘  Anhang  abgefordert,
dass,  wenn  aus  der  Nichterstattung  der  angemuteten  Kontribution  Unheil
entstünde,  man  dies  den  Städten  beimessen  und  das  Volk  auf  deren
Untertanen  legen  wolle,  während  gewöhnlich  verborgen  bleibt,  was
von  den  höhern  Ständen  diesfalls  erfolg.  Auch  werden  auf  ungewöhnlichem
  Weg  hohe  Anleihen  gesucht  und  die  versprochenen  Assekurationen
  unter  allerlei  Vorwänden  verzogen.  —  Man  hat  auch  bei
jüngster  Expedition  ins  Elsass  und  bei  andern  Durchzügen  in  der
Unierten  Landen  mit  Schaden  erfahren,  dass  die  Kriegsdisziplin  so
locker  gewesen  ist,  dass  kein  unierter  Stand  sich  der  Assistenz,  wenn
er  deren  bedürfen  würde,  za  getrösten  hätte,  da  ohne  Unterschied  alle,
die  etwas  gehabt,  für  Feinde  gehalten  und  bei  dem  ihrigen  nicht
gehandhabt  worden  sind.  —  Bei  Abdankung  des  Volks  hätte  man  ein
ansehnliches  erspart,  wenn  man  nicht  nach  der  ersten  Musterrolle  ausgezahlt
  sondern  vorher  gemustert,  die  Kommiss  abgezogen,  etwas  zeitlicher
abgedankt  und  den  Tross  verringert  hätte.  —  Die  Bestallungen  der
Obersten  und  Befehlshaber  sind  zu  hoch  und  ohne  Wissen  der  Städte  nur
unter  den  höhern  Ständen  aufgerichtet,  weshalb  auf  deren  Verringerung
zu  dringen  ist.  —  Beim  Rechnungspunkt  ist  darauf  zu  sehen,  dass
die  Städte  insgemein  zur  Anhörung  gezogen  und  die  Assistenzhilfe
für  die  jülicher  Lande  von  den  gemeinen  Unionskosten  unterschieden
und  abgezogen  werde.  —  Aus  dem  heidelberger  Abschied  vom  März
1610  und  aus  andern  unter  den  höhern  Ständen  aufgerichteten
Abschieden  wie  auch  sonst  geht  hervor,  dass  die  elsässische  Expedition
ein  Anhang  des  jülicher  Wesens  und  bestimmt  war,  Erzherzog  Leopold
den  Zuzug  abzuschneiden.  Da  aber  die  Städte  gemäss  letztem  heilbronner
  Abschied  sich  des  elsässischen  Kriegs  nicht  teilhaftig  machen
wollten,  so  werden  die  Städte  bei  künftigem  Rechnungstag  und  sonst
daran  denken  müssen,  dass  der  „nervus  unionis“,  der  durch  den  elsässer
Zug  merklich  erschöpft  wurde,  von  den  höhern  Ständen  allein  wieder
erstattet  oder  der  Unterschied  wenigstens  soweit  geachtet  werde,  dass
die  Städte  sich  zu  einiger  Gelddarlage  für  die  Zeit  bis  zum  Abzug
des  Kriegsvolks  aus  dem  Elsass  nicht  herbeilassen,  damit  nicht
den  dem  Kaiser,  Baiern  und  andern  Kurfürsten  und  Fürsten
gegebenen  Erklärungen  zuwider  gehandelt  werde  und  die  Städte  sich
höchste  Ungnade  und  Verweis  zuziehen.  —  Da  Donauwörth  im
vorigen  Drangsal  stecken  bleibt,  soll  der  Administrator  der  Kurpfalz
erinnert  werden,  mit  Kurmainz  und  anderen  zu  handeln,  wie  dieser
Stadt  zur  vertrösteten  Restitution  zu  verhelfen  sei  und  dadurch  der
Friede  im  Reich  erhalten  werden  könne.  —  Man  hat  dabei  zu  bleiben,
dass  die  Städte  sich  der  jülichschen  als  einer  nicht  zur  Union  gehörigen
  Sache  nie  annehmen  wollten.

Da  dieso  Beschwerden  alle  unierten  Städte  betreffen,  so  sollen,
sobald  der  Unionstag  ausgeschrieben  ist,  die  ausschreibenden  die  andern
unierten  Städte  ihres  Kreises  rechtzeitig  erinnern,  dass  diese  die  ihrigen
unfehlbar  zum  Unionstag  abordnen,  damit  man  die  Abhilfe  der  Be-
        <pb n="99" />
        D.  1611  77

sehwerden  gehörig  betreiben  und  mit  Zutun  aller  auch  erreichen  könne.  Januar2B.
—  Actum  Hailbronn  den  15.  januarii  1611.
U.,  Unionsacta,  t,  XX,  n.  1906;  Kpt.  von  Hieronymus  Schleicher,!

ı  Der  vorliegende  Abschied  erscheint  als  ein  Kompromiss  zwischen  den
merklich  auseinandergehenden  Meinungen  Strassburgs  einerseits,  Ulms  und
Nürnbergs  andererseits:  Während  diese  den  elsässer  Zug  aufs  nachdrücklichste
  verurteilen,  Nürnberg  sich  noch  besonders  wegen  mangelnder  Nachbarlichkeit
  der  fränkischen  Markgrafen  beschwert  fühlt,  Ulm  die  steten
Dariehensforderungen  und  die  Erpressungen  des  Kriersvolks  anzieht  und  mit
dem  Austritt  der  schwäbischen  Städte  aus  der  Union  droht,  verteidigt
Strassburg  wenigstens  den  zweiten  Zug  ins  Elsass  und  nimmt  die  höhern
Stände  gegen  den  Vorwurf  in  Schutz,  die  Städte  zu  überstimmen;  übrigens
rückt  dann  auch  Strassburg  mit  einer  ganzen  Reihe  von  Beschwerden  heraus.
Schliesslich  gibt  aber  anch  Nürnberg  zu,  dass  man  sich  von  der  Union
sicht  absondern  dürle,  woil  die  Ursachen,  die  zum  Eintritt  bewogen,  noch
fortwirkten  :  die  spanischen  und  jesuitischen  Praktiken,  die  Hofprozesse  und
die  Sperrung  der  Justiz;  trotz  der  Denkschriften  der  Teilnehmer  am  prager
Konvent  sei  vom  kaiserlichen  Hof  nichts  zu  hoffen.  So  sehr  die  Städte  sich
entschuldigen,  sie  gelten  als  die  Ungehorsamen,  ja  als  des  Kaisers  öffentliche
  Feinde.  Man  müsse  also  bei  der  Union  bleiben,  aber  in  ‚„terminis  defensionis“,
  die  Exzesse  und  Gravamina  abschaffen,  die  Lasten  gleich  verteilen,
das  publicum  und  privatum  nicht  vermischen.  Wenn  man  mit  Erschöpfung
der  städtischen  Mittel  fortfahre,  kämen  die  Obern  bei  ihrer  Bürgerschaft
in  Gefahr  und  könnten  dieser  leicht  andere  Gedanken  kommen.  Keinem
Kaiser  sei  je  so  viel  kontribuiert  worden  als  der  Union  in  diesem  Jahr.
Gehe  das  so  fort,  so  würden  die  Städte  ein  „patrimonum,  imo  spolium“
einiger  Fürsten.  Der  elsässer  Zug  sei  dem  jülicher  Wesen  zum  besten  gewesen  ;
darum  habe  man  die  Nürnberger  nach  Prag  berufen  (vgl.  Briefe  und  Akten,
IIL  no.  218)  und  ihnen  vorgehalten,  dass  sie  diese  beiden  Dinge  hinausführen
  geholfen  hätten  u.  8.  w.  Aus  dem  jülicher  und  elsässer  Wesen
stamme  alles  Unheil,  die  Erschöpfung  des  Unionsvorrats,  die  Darlehenebegehren
a.  6.  w.  Ein  Unionstag  müsse  zu  stande  gebracht  werden  trotz  des  Administrationsstreits
  und  des  strittigen  Direktoriums.  —  Nürnberg  gab  dabei  zu
erwägen,  ob  nicht,  wenn  die  Ausschreibung  unterbleibt  und  den  Beschwerden
hieht  abgeholfen  wird,  die  Kontributionen  zurückzuhalten  seien  (Nürnberger
Protokoll  der  Zusammenkunft  in  Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  41,  f.  1).  —
Strassburg  setzte  sich  noch  für  die  Unterstützung  Badens  in  der  eickensche
Sache  ein  (vgl.  oben  no.  15,  8.36,  Anm.  1),  die  andern  lehnten  dies  aber  wegen
mangelnder  Instruktion  ab.  —  In  Nürnberg  erwog  msn  nach  Einlaufen  des
Protokolls  und  Abschieds,  ob  man  die  Beschwerden  der  Städte  beim  Unionstag
nicht  besser  schriftlich  vorbringen  solle,  da  die  Strassburger,  die  den  mündlichen
Vortrag  zu  tun  hätten,  sehr  zu  den  Fürsten  neigten  und  gar  zu  kühl
proponieren  möchten  (Nbg.,  a.  a.  O.,  f.  45).  —  Die  üble  Stimmung  der
Nürnberger  war  in  den  Kreisen  der  Unierten  kein  Geheimnis:  der  ober-.

  m:  .  25.  Januar
pfälzische  Rat  Theophil  Richius  schreibt  am  A.  Februar  ®°  Fürst  Hans  Georg

von  Anhalt:  die  Städte  seien  insgemein  mit  der  Union  unzufrieden,  besonders  die
fränkischen,  die  sich  zu  Nürnberg  versammelt  hätten  (vgl.  no.  16,  8.40,  Anm.  1),
um  zu  beraten,  wie  man  sich  aus  der  Union  ziehen  könne;  die  Union  habe  in
Närnderg  durch  den  Tod  Christoph  Fürers  einen  guten  Förderer  verloren,  jetzt
bekämen  die  Uebelwollenden  die  Oberhand;  schon  solle  den  Nürnbergern  die
Unterschrift  der  Konkordienformel  zugemutet  werden  (De.,  A  9a,Ic,  no.8.  —
Or.  eigh.).  —  Auf  das  wolmeinende  Schreiben  des  Herzogs  von  Württemberg
an  die  drei  ausschreibenden  Städte  vom  12./22.  Januar  (Stg.,  Unionsacta,  IX,
f.  104;  Kpt.),  in  dem  ein  Unionstag  verheissen  und  die  Erwartung  ausgesprochen
  wird,  dass  angesichts  der  gefahrvollen  Lage  auch  fürderhin  sich
        <pb n="100" />
        18  1611  30—31.

Januar26.31.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern.

Vorantwort  auf  des  Herzogs  Schreiben  vom  15.  Januar.!  —  Wir
würden  uns  dem  Vorschlage  E.  L.  „mehr  als  gern‘  fügen,  doch
werden  Sie  hoffentlich  nicht  verkennen,  dass  wir  Sorge  tragen
müssen,  damit  uns  unseres  Vorgehens  halber,  „so  mit  gnugsamen
vorrath,  thails  auch  antreiben  etlicher  vornehmer  catholischer  churund
  fursten  allein.  unserer  catholischen  union  zu  guetem  geschehen,
statt  eines  verhofften  danks  kein  schimpf  oder  ohnglimpf  zuwechst.“
Da  E.  L.  und  vielleicht  noch  andere  Stände  gegen  die  Einladung  des
Hauses  Sachsen  Bedenken  haben,  so  haben  wir  für  nötig  erachtet,
uns  mit  den  anderen  geistlichen  Kurfürsten  und  rheinischen  Ständen
zu  beraten,  „wie  wir  auch  in  denen  gedanken  gestanden  und  E.  L
canzlern  andeutung  darauf  gethan,  damit  der  buntstag  nicht  so  lang
aussgestelt,  auch  Saxens  L.  durch  zuvil  lange  verweilung  nicht
ufgehalten  oder  zu  andern  gedanken  anlass  geben  werde,  E.  L.
konten  alsobalt  die  adjuncten  der  obern  kreiss  zu  sich  vermogen,  auss
diesen  sachen  mit  inen  underred  pflegen  und  sich  desto  eher  darin
und  darüber  entschliessen.“  Da  wir  die  rheinischen  Stände  auf  den

dic  Städte  die  Sicherheit  gemeiner  Union  angelegen  sein  lassen  werden,

31.  Januar  ,.  „7.  .
antworten  am  10.  Febr  die  Nürnberger:  sie  hoffen,  es  werde  boim

Unionstag  den  Städten  das  zur  Defension  bestimmte  und  anderweitig  verwendete
  Geld  erstattet,  die  Restanten  eingebracht,  Darlehen  nicht  mehr  gesucht,
die  Partikularbeschlüsse  abgestellt  werden;  in  den  Rechnungen  müsse  das
„per  obliquum“  zum  jülicher  Zug  Verwendete  von  den  Ausgaben  für  die
Defension  getrennt  werden;  denn  die  Städte  seien  nur  mit  dem  in  die  Union  getreten,
  dass  im  Stimmen  und  Zahlen  Gleichheit  gehalten  und  Privat-  und
Nebensachen  nicht  in  die  Union  gezogen  werden.  Wenu  dem  allen  nachgelebt
  und  die  Städte  von  allen  den  „Exorbitantien“  befreit  werden,  derenwegen
  sie,  die  Nürnberger,  von  den  fränkischen  Städten  beweglich  angelangt
werden,  so  wollen  sie  von  dieser  Zusammensetzung  nicht  abtreten  nnd  einraten
  und  tragen  helfen,  was  die  Union  erfordere.  Der  Herzog  möge  auf
Mittel  denken,  den  unerträglichen  Beschwerden  bei  nächstem  Unionstag  abzuhelfen
  (Nbg.,  Unionsakten,  39.  Bd.,  f.  421;  Kpt.  von  Oelhafen).  —  Fast
23.  Januar,  sie  be-2.

  Februar
tonen,  dass  die  Unternehmungen  des  vorigen  Jahres  den  unierten  Städten
das  Unionswerk  fast  unerträglich  machen;  die  Vergeudung  des  Vorrats,  die
Durchzüge,  die  Anlehen  und  die  mit  starken  Drohungen  geforderten  Vorschüsse
  lassen  die  Sache  nicht  go  weiter  gehen;  schon  habe  ein  Teil  der
Städte  erklärt,  mit  den  Kontributionen  nicht  mehr  folgen  zu  können;  der
Herzog  möge  die  Abhilfe  dieser  Beschwerden  befördern  helfen  (U.,  Unionsacta,
  t.  XX.,  n.  1944;  Kpt.  von  Schleicher).  —  Nur  die  Strassburger

antworten  am  29.  Januar  mit  der  Versicherung,  sich  neben  den  andern
8.  Februar

Städten  aller  Gebühr  nach  verhalten  zu  wollen  (Stg.,  Unionsacta,  t.  IX,
f.  122;  Or.).
I  Vgl.  oben  no.  19.  '

ebenso  verklausuliert  lautet  die  Antwort  der  Ulmer  vom
        <pb n="101" />
        31.  1611  19

6.  Februar  nach  Frankfurt  berufen  haben  und  die  in  E.  L.  Ausschreiben  Januar  26.
für  den  Bundestag  angesetzte  Frist  so  geraum  ist,  dass  die  Versendung
der  Ausschreiben  Verzug  erleiden  kann,  so  verschieben  wir  die  Mitfertigung
  und  die  endgiltige  Antwort  auf  E.  L.  Schreiben  bis  nach  jener
Zusammenkunft.  —  Datum  Aschaffenburg  den  26.  januarii  anno  1611.

I.  Einlage.  Aus  der  Abschrift  des  Schreibens  des  spanischen
Gesandten  an  E.  L.!  haben  wir  vernommen,  wie  sich  dieser  auf  die
dem  Kurfürsten  von  Sachsen  zu  Prag  zugestellte  Bundesnotel,  die
E.  L.  Zuniga  mitteilten,  erklärt  hat.  Nun  haben  wir  E.  L.  „solche
notul  in  sonderbarem  vertrauen  allein  zur  nachrichtung  und  besserer
information  zugeschickt‘‘  und  daher  dafür  gehalten,  „es  mochte.  eine
unnotturft  sein,  dieselbige  weiter  zu  communicirn  oder  aber  andere
particularia  mit  zu  berichten,  aus  was  ursachen  und  mit  was  gepflogenem
  gutachten  solche  notul  also  begriffen  und  von  hant  geben
worden“.  Nachdem  sie  jedoch  jetzt  dem  Gesandten  zugestellt  worden
ist,  wollen  wir,  „damit  dan  bei  demselbigen  gegen  uns  kein  ohngleicher
  verstant  entstehe,  nachdenkens  haben,  ime  ambasciatorn  die
notturftigen  umbstende  hierunder  zu  berichten.  Dan  wir  ime  dessen
hiebevor  wie  auch  dem  herrn  bäpstlichen  nuncio  nichts  zukoınmen
lassen  sonder  allein  zu  Prag  inen  baiden  müntlich  angezeigt:  demnach
  wir  zu  mebrmaln  von  inen  vernomen,  dass  sich  sowol  die
bäpstliche  Heiligkeit  als  auch  die  kgl.  W.  in  Hispanien  dessen  rund
erkleret,  da  die  Catholischen  gemeint,  dem  religion-  und  prophanfriden
zuwider  etwas  gegen  den  protestierenden  stenden  vorzunehmen,  dass
sie  kein  pfenning  zur  hülf  beischiessen  wolten,  dass  wir  uf  gutachten
des  herrn  churfürsten  zu  Cöln  und  der  erzherzogen  in  handlung  mit
Saxen  begriffen  und  dabei  ein  ganz  gute  inclination  zu  der  catholischen
union  verspürten.‘‘  Die  Erklärung  des  spanischen  Gesandten,  dass
sich  sein  Auftrag  nicht  weiter,  alser  am  5.  September  zu  München  angezeigt
  hat,  erstrecke,  bezieht  sich  nicht  auf  die  Aufnahme  Sachsens,
deren  wir  in  unserm  Schreiben  gar  nicht  gedachten  „sonder  per
schedulam  sovil  avisirt,  dass  Saxen  L.  halber  zur  Union  guete  hoffnung“,
  sondern  auf  die  nach  Dr.  Jochers  Begehren  an  Zuniga  wie
auch  an  den  Nuntius  gerichtete  Bitte,  dass  die  von  Spanien  und
vom  Papste  bewilligte  Hilfe  „nicht  allein  anticipirt  sonder  auch  nach
geetalt  ufwachsender  gefahr  doplirt  oder  sonsten  erhohet  werden
mochte.“

II.  Einlage.  E.  L.  haben  in  einem  zweiten  Schreiben  begehrt,
wir  möchen  jemanden  an  Stelle  des  Bischofs  von  Speier,  der  sich  wol
nicht  gebrauchen  lassen  werde,  zur  Sendung  nach  Frankreich  vorschlagen.
  Wir  haben  bereits  Donnersberg  einen  Fürsten  bezeichnet
und  auf  dessen  Einwendungen  gegen  den  Genannten  geraten,  dem

'  Vgl.  oben  no.  3  8.  5,  und  Anm.  3.
        <pb n="102" />
        80,  1611  31-32,

Januar  26.  Grafen  von  Helfenstein  noch  einen  oberländischen  Grafen  oder  den  kaiserlichen
  Rat  von  Ulm,  „als  der  seiner  sprachen  und  anderer  erfarenheit
halben  beruempte  qualiteten  hierzu  hat“,  beizuordnen.  Ut  in  litteris.

Wmz.,  Religionsakten  Bd.  11,  no.  135;  Kpt,  von  Faust.!

Januar  28.  .82.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Zuniga.

Vom  Herzog  von  Baiern  haben  wir  erfahren,?  das  E.  Exz.  die
Notel,  welche  wir  mit  Rat  Kurkölns  und  anderer  katholischer  Fürsten
dem  Kurfürsten  von  Sachsen  in  Prag.  zugestellt  haben,  mitgeteilt  worden
ist,  doch  ohne  jede  Erläuterung  der  Gründe  ihrer  Abfassung.  Damit
nun  E.  Exz.  nicht  aus  Mangel  daran  gegen  die  von  dem  ersten
Unionsentwurf  etwas  abweichende  Notel  Bedenken  fassen,  wollen  wir
Derselben  unsere  und  der  beiratenden  Fürsten  Absicht  darlegen.  —  Wir
haben  E.  Exz.  wie  dem  Nuntius  zu  Prag  vorgestellt,  wie  nötig  es  sei,  die
katholische  Union  durch  Zuziehung  mehrerer,  auch  friedliebender
protestantischer  Fürsten  zu  befestigen  und  dabei  bemerkt,  dass  E.
Exz.  und  der  Nunzius,  dies  Vorhaben,  „si  bonis  conditionibus  fieret‘‘,  nicht
misbilligten.  Da  nun  nicht  allein  damals,  als  wir  uns  zuerst  mit  den
anderen  Kurfürsteu  zu  Mainz  über  die  Errichtung  der  Union  einigten,
für  rätlich  angesehen  sondern  auch  in  dem  würzburger  Abschiede
uns  und  dem  Herzog  von  Baiern  aufgetragen  worden  war,  gewisse
friedliche  Protestanten  für  den  Bund  zu  gewinnen,  der  Kurfürst  von
Sachsen  aber  ebenso  wie  der  Herzog  von  Braunschweig  und  der  Landgraf
  [Ludwig]  von  Hossen  sich  zu  Prag  in  allen  Beziehungen  dem
Kaiser  sehr  ergeben  und  den  Katholiken  geneigt  erzeigt  und  erklärt
  hatten,  dass  sie  der  Union  nicht  zuwider  seien,  „si  modo  eadem
ad  manutenendam  constitutionem  imperii  religionis  et  pacis  publicae
tum  etiam  authoritatem  et  reputationem  caes:  M.“*  conservandam
dirigeretur,“  so  haben  wir  nach  reiflicher  Erwägung  mit  Kurköln  und  den
Erzherzogen  jene  Notul  entworfen,  „ut  electori  Saxoniae  ea  proponeretur,
ita  quidem  ut  confoederatis  catholicis  nihilominus  judicium  illorum
desuper  liberum  permaneret.“  Da  nun  das  Haus  Sachsen  zum  Eintritt  in
die  Union  entschlossen  ist,  wie  aus  dem  Schreiben  des  Herzogs  von
Coburg  hervorgeht,®  und  um  Nachricht  von  der  Abhaltung  des  nächsten
Bundestages  gebeten  hat,  so  sehen  wir  nicht,  welches  Hindernis  dessen
Einladung  entgegenstehen  und  wie  die  Aufnahme  Sachsens  und  anderer
friedlicher  Protestanten  den  Katholiken  bedenklich  sein  könnte,  „quandoquidem
  in  istis  consiliis  et  conventibus  nihil  tractandum  veniat,  nisi

ı  Am  7.  Februar  macht  der  Herzog  mit  Berufung  auf  den  mainzischen
Vorschlag  den  „oberländischen  Adjunkten“  d.  i.  den  Bischöfen  von  Würzburg,
  Bamberg,  Augsburg  und  Konstanz  Mitteilung  von  der  beabsichti
Aufnahme  Sachsens  in  den  katholischen  Bund  und  ersucht  um  deren  Gutachten
  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V.,  no.  35,  f.  36;  Kpt.  von  Gewold).

?  Vgl.  oben  no.  19  und  31.

®  Vgl.  no.  4,  8.  6,  Anm.  1.
        <pb n="103" />
        32.  1611  81

quod  ad  defensionen  cuiusque  status  täm  religionis  quam  aliorum  Januar  28.
juarium  contra  malevolorum  impetus  et  manutenendas  imperii  constitutiones
  et  conservandum  imperatoris  nostri  respectum  pertineat;  illud
vero  emolumenti  et  commodi  Catholicis  accrescat,  ut  spes  maior  sit  ex
hac  animorum  coniunctione  omnibus  illis  difficultatibus,  quae  in  proxıimis
  comitiis  subortae  sunt,  facilius  occurrendi  utque  Catholici  ex
horum  principum  assistentia  maiore  securitate  gaudeant  eorumque
ecclesias  ab  omni  illicita  invasione  liberas  servent,  omnes  isti  principes
confidentiores  inter  sese  reddantur,  Calvinistarum  consilia  dissipentur
sorumque  figmenta  et  contra  Catholicos  sparsa  mendacia  reprimantur,
jostitia  lapsa  erigatur,  liberae  imperii  civitates  facilius  etiam  ad  vota
et  unionem  Catholicorum  accedant,  quod  etiam  hoc  ipso  forte  moveri
posset  rex  Galliae  animum  potius  hisce  quam  adversariis  adiungere,
ser.”  Hispanise  rex  quoque  aliquando  ita  ferente  occasione  et  exigente
  necessitate  ex  succursu  et  suppetiis  horum  principum  non  parum
commodi  sentiret.  Denique  omnes  expeditiones  in  imperio  melius
succedent  et  successionis  negotium  certiore  spe  promovebitur‘‘.
Welches  Misstrauen  es  dagegen  erwecken  müsste,  wenn  die  Berufung
Sachsens  zum  nächsten  Bundestage  verzögert  oder  dagegen  Schwierigkeiten
  erhoben  würden,  können  E.  Exz.  leicht  ermessen.  —  Aschaffenburgiüi
28  mensis  januarii  a.°  1611.

Nschr.  Den  Bedenken  Baierns,  obwol  wir  sie  für  geringfügig
kalten,  haben  wir  noch  Folgendes  entgegenzustellen:  1.  Dass  der
König  von  Spanien  an  der  Aufnahme  Sachsens  und  anderer  Protestanten
Misfallen  haben  werde,  scheint  um  so  weniger  zu  füchten,  je  mehr
Nutzen  der  katholischen  Sache  durch  jene  erwächst;  denn  sie  versprechen
„fide  data  disertis  verbis‘“  nachdrückliche  Hilfe  gegen  die  kalvinistische
Liga  und  dazu  kommt,  „quod  hoc  pacto  8.  caes.  Maj.'”  tanquam
supremi  in  imperio  capitis  ac  judicis,  uti  agnoscitur  et  confirmatur
authoritas,  ita  ad  faciliorem  executionem  faciendam  roboratur  quoque
eiusdem  potestas  :  cui  quidem  voto  consequendo  vix  intra  LX  annos
tam  commoda  nobis  affulsit  opportunitas.“  2.  Das  zweite  Bedenken,
dass  nämlich  die  Katholiken  durch  Sachsens  Aufnahme  sich  stillschweigend
  den  jülichschen  Streit  aufladen  würden,  ist  zwar  gewichtig;
aber  der  Kurfürst  von  Sachsen  hat  bisher  in  dieser  Hinsicht  weder  von  der
katholischen  Union  etwas  verlangt  noch  sucht  er  überhaupt  etwas  anderes
als  rechtlichen  Austrag  nach  den  Reichsgesetzen,  wozu  ihm  billig
jeder  beistehen  muss.  ,„Quid  vero,  si  status  Hollandici  (quod  sane
parum  abesse  videtur)  ducatuum  illorum  Juliacensium  potiantur,
quantum  damni,  periculi  atque  irreparabilis  jacturae  quum  regi  cathobco
  tum  Rhenanis  inprimis  electoribus  inde  foret  pertimescendum  !
Hic  mens  defigenda  est“.  3.  Dass  man  den  Protestanten  die  Kräfte
der  katholischen  Stände  offenbaren  müsste,  braucht  man  nicht  zu
scheuen,  denn  sie  sind  aus  der  Matrikel  ohnehin  bekannt.  Datum
ut  in  litteris.

Wmz.,  Religionsakten,  Bd,  11,  no.  187  und  138;  Kpt.  von  Faust,

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Ba.  6
        <pb n="104" />
        82  1611  33.

Januar  30.33.  Johann  Ericius,  kaiserlicher  Kammerdiener,  an

Benjamin  von  Buwinckhausen.

....  Alles  ist  voll  Unruhe.  ,„Seyn  I.  M.‘  nicht  pesser  versehen
  als  itzo,  tum  nostra  infirmitas  regem  Mathiam  animabit,
und  es  sei  dan  etwas  extraordinari  im  wege,  darvon  wir  itzo  noch  nicht
wissen,  so  furchte  ich  etwas  ergers  alss  vor  2  jahren.“  Die  Spanier
unterstützen  Matthias  nach  Kräften.  Ich  habe  von  einem  guten
Freunde  vernommen,  dass  vergangenen  Freitag  ein  Wechselbrief  auf
300  000  Kronen  auf  der  Post  hier  durchgekommen  sei  für  Matthias.!
Aus  Wien  schreibt  jemand,  dass  dort  sechs  Fahnen  zugerichtet  würden,
auf  einer  in  der  Mitte  ein  Szepter,  nach  dem  zwei  Hände  greifen.
mit  dem  Spruche  „aut  mihi  aut  tibi‘“;  auf  einer  andern  ein  Ambos,
auf  den  zwei  Fäuste  zuschlagen,  mit  dem  Spruche  „donec  rumpatur‘.
Was  dabei  gemeint  ist,  ist  leicht  ersichtlich;  aber  Recht  wird  doch
Recht  bleiben.  Hier  gibt  es  grosse  Praktiken;  unser  Hof  ist  in  zwei
Parteien  gespalten,  ‚„interim  patitur  imperator“.  Möchte  doch  Gott
den  Kaiser  erleuchten,  dass  er  resoluter  wäre,  um  diesen  Wirren  zu
wehren.  Wir  können  darüber  nur  klagen,  nicht  aber  es  bessern.
Mich  dünkt,  dass  der  Kaiser  wol  ein  wenig  ein  Auge  auf  Frankreich
habe;?  aber  ich  sehe  nicht,  warum  sich  dasselbe  unserthalben  beunruhigen
  solle,  da  es  von  hier  wenig  Nutzen  haben  könnte.  Der
englische  Gesandte  ist  noch  hier.®  Gestern  ist  Hippolyt  de  Collibus
wegen  der  zweibrückenschen  Sache  angekommen?  Prag  den
30.  januarii  a.  1611.

Nachschr.:  Ich  gebe  E.  Gn.  zu  bedenken  anheim,  ob  es  nicht
eine  trefflliche  Gelegenheit  wäre,  sich  um  den  Kaiser  verdient  zu
machen  (falls  Matthias  etwas  neues  unternehmen  sollte),  wenn  die
Unierten  dem  Kaiser  in  solcher  Not  beisprängen.  Sie  würden  nur
tun,  was  billig  und  ihre  Pflicht  ist,  und  der  Kaiser  würde  es  ihnen
durch  jede  Gnade  lohnen.  Aber  Schnelligkeit  tut  not,  denn  Gefahr
ist  im  Verzug.  ,‚‚Werden  sie  sich  aber  verfuhren  lassen  durch  ihre
falsche  praesupposita  (intelligo  de  affectione,  quam  existimant  S.  M.**
et  archiducem  Leopoldum  Hispanis  portare)  und  gedenken,  das  sie

!  Dasselbe  wird  auch  vom  kurpfälzischen  Agenten  Philipp  Ehem
berichtet.  (Zeitung  aus  Prag  vom  30.  Januar;  Mo.,  Entstehung,  Fass.  V.,
no.  371/,,  f.  285;  Kop.)

”*  Wegen  der  Beziehungen  Kaiser  Rudolfs  zu  Frankreich  vgl.  die
Schreiben  Baugys  an  Puysieulx  seit  28.  Mai.

®  Stephan  Lesieur.

*  D.  bh.  wegen  des  Administrationsstreite  und  wegen  der  Belehnung
des  Kurerben  der  Pfalz.  Vgl.  no.  21,  S.  54,  Anm.  1.
        <pb n="105" />
        33—34.  1611  83

in  ainem  und  anderen  pesser  von  Matthia  muchten  versichert  sein,  Januar  30.

wahrlich  so  fürchte  ich,  es  wird  ihnen  ergehen  also  den  fröschen.“
Mb.,  aus  89:3,  f,  49,  Or.;  eigh.  (Fragment.)!

34.  König  Matthias  an  Erzherzog  Maximilian.  Januar  31.

Der  Erzbischof  von  Salzburg  hatte  mir  und  den  Ständen  des
Landes  ob  der  Enns  vordem  grosse  Anerbieten  gemacht,  jagar  Au  frichtung
  eines  Bündnisses  begehrt,  auch  durch  Job  Hartmann  Freiherr
von  Enikl,  der  von  den  obderennsischen  Ständen  deswegen  zu  ihm  geschickt
  worden  war,  die  einzelnen  Punkte  überschickt.2  Als  aber  ich
und  die  Landstände  sein  Begehren  verwirklichen  wollten,  hat  er  nicht  nur
mit  der  zuvor  angebotenen  Hilfe  sondern  auch  mit  dem  Bündnis  zurückgehalten,
  ohne  dass  ich  den  Beweggrund  dieser  Veränderung  weiss.  Ich
höre  aber,  der  Erzbischof  soll  sich  mit  Althan  in  Salzburg  verglichen
und  lauter  erklärt  haben,  beim  Kaiser  zu  stehen,  was  mir  nicht
geringes  Nachdenken  verursacht,?  ‚da  ich  anderst  auf  E.  L.  durch
den  Grienberger  mir  eröffneten  rath  und  allermassen  Dieselb  von
meinem  rath,  dem  Schrötl,‘  berait  vernommen  werden  haben,  mit

ı  Johann  Ericius  aus  Hamburg  war  reformierten  Bekenntnisses  und
vermittelte  neben  dem  Kammerdiener  Martin  Hastal  und  dem  Alchimisten
Jakob  Hauser  den  Verkehr  zwischen  dem  Kaiser  und  einigen  protestantischen,
besonders  unirten  Fürsten.  Schon  am  5.  Dezember  1610  schrieb  er  an
Buwinkhausen:  er  wolle  den  Kaiser  zu  bewegen  suchen,  B.  nach  Prag  zu
berufen  und  ihn  selbst  anzuhören;  B.  möge  darüber  an  den  geheimen  Rat
Barvitius  schreiben,  „doch  deutlich  und  teutsch,  dan  es  [B.s  Schreiben]
vleicht  I.  ksl.  M.t  soll  zu  handen  kommen;“  Mb.,  aus  89/3,  f.  44;  Or.  eigh.

?  Die  Akten  dieser  Bündnisverhandlungen  im  Nov.  und  Dez.  161U  liegen,
in  Wi.,  I.  A.1,Ka.  2988,  ein  Teilist  gedruckt  bei  Kurz-Czerny,  II,S.1  ff,
65  fi.;  der  Bescheid  des  Erzbischofs  auf  Enikls  Werbung,  wonach  jener  mit
dem  König  ein  Bündnis  auf  Lebenszeit  eingehen  will,  vom  23.  Dez.  1610  liegt  in
Ma.,  107/42,  f.  77;  Kpt.  Weitere  Aktenstücke  von  seiten  Salzburgs  finden
sich  erst  wieder,  als  der  heraufziehende  Konflikt  mit  Baiern  dem  Erzbischof
eine  Annäherung  an  Matthias  empfehlenswert  machte.  Dagegen  drückte  der
Erzbischof  den  Ständen  des  Landes  ob  der  Enns  seine  Bereitwilligkeit  aus,
die  Grenzbezirke  um  Vöcklabruck  und  Lambach  ‚in  Verwahrung‘  zu  nehmen
(Erzbischof  an  die  Stände  am  2.  Januar,  Ma.,  1U7/42,  f.116;  Kpt.;  Kurz-Czerny,
  ll.  8.15;  vgl.  oben  no,  8,  8.  22),

°  Das  Jiistrauen  des  Königs  in  den  Erzbischof  war  ganz  gerechtfertigt.
  Zwischen  dem  Kaiser  und  dem  Erzbischof  bestand  eine  durch
Hegenmüller  und  Althan  unterhaltene  Verbindung.  Am  31.  Januar  dankt
der  Kaiser  dem  Erzbischof  für  eine  durch  Althan  überbrachte  Mitteilung
  und  für  die  gute  Affektion  und  erwartet  des  Erzbischofs  weitern  Rat,
was  angesichts  der  Aonderung  der  Quartiere  des  passauer  und  der  Abdankung
des  elsässer  Volks  zu  tun  sei.  Da  er  nach  den  einlaufenden  Nachrichten
aus  Wien  nichts  gutes  zu  erwarten  habe,  so  wolle  er  sich  ganz  auf  die  vom
Erzbischof  versprochene  Hilfe  verlassen.  Der  Erzbischof  hatte  auch  übernommen,
  mit  Erzherzog  Maximillan  wegen  Abtretung  von  dessen  Anteil  an
Tirol  und  Vorderösterreich  an  den  Kaiser  zu  verhandeln,  wozu  er  die  Vollmacht
  erbält  (Wöa.,  Salzburg,  Bd.  10,  no.  3.  —  Or.).  Vgl.  oben  no.  8,
besonders  S.  21,  Anm;  1  und  das  Register  unter  Salzburg

*  Vgl.  wegen  Grienberger  oben  no.  14.  Am  28.  Januar  schickte  Matthias
seinen  Rat  Georg  Schröttl  von  Schrotenstein  an  den  Erzherzog;  Beglaubigung
in  Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Februar  1611,  no.  12;  Or.

6*
        <pb n="106" />
        84  1611  34—35.

Januar31.  meinem  numehr  auf  den  fuoss  gebrachten  kriegsvolk  fortrucken,
sein  des  ersbischofen  L.  nit  genuegsamb  versichert  sondern  neben
dem  herzogen  auss  Bayern  als  feind  hinderlassen  solte‘“  Na  E.  L.
beim  Erzbischof  viel  vermögen,  wollen  Sie  sich  bemühen,  Aufklärung
zu  erlangen,  wessen  ich  mich  von  ihm  zu  versehen  habe,  und  ihn  zu
guter  Korrespondenz  mit  mir  zu  vermögen.

Ich  überschicke  E.  L.,  was  Braunschweig  und  Hohenzollern  im
Namen  des  Kaisers  bei  mir  angebracht,  was  mir  die  böhmischen
Landoffiziere  auf  mein  Schreiben  wegen  des  Einfalls  in  Oberösterreich
geantwortet  und  was  ich  darauf  erwidert  habe!  Da  mir  die  Verordneten
  des  Landes  ob  der  Enns  am  26.  und  27.  borichteten,  dass
das  passauer  Volk  sich  nach  Böhmen  begeben  habe,  wodurch  E.  L
vor  aller  Gefahr  versichert  sind,  so  hoffe  ich,  Sie  werden  sich  gegen
Schröttl  so  erklären,  wie  es  meine  und  unseres  Hauses  Notdurft  fordert;
  denn  ich  will  mich  dieses  gefährlichen  Zustandes  entledigen,
wenn  ich  nur  nicht  hilflos  bleibe.  Geben  Wien  den  lesten  januarü
a.  1611.  —  Praes,  13.  Feb.  1611.

Jb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Feb.  1611,  uo.  20;  Or.

Januar  31.  35.  Zuniga  an  König  Philipp  IN.

Los  varones  y  cavalleros  y  ciudades  deste  reyno,  que  hazen  los
tres  estados  del  que  son  los,  que  comunmente  se  juntan  (por  que  el
quarto,  que  os  el  eclesiastico,  desde  las  eregias  antiguas  quedo  tan
baxo  que  no  lo  han  admitido  a  las  deliberaciones  publicas),  han
venido  por  mandado  de  S.  M.@!cesarea  firnado  de  su  nombre,  aunque
  segun  se  entiende  sin  su  voluntad  y  antes  de  comengar  la  dieta,
le  han  importunado  a  que  firme  las  patentes  de  coroneles  y  capitanes
y  las  ha  firmado,  tambien  se  entiende  contra  su  voluntad,  de
manera  que  havra  en  este  reyno  dos  exercitos  contrarios  ambos  con
patentes  del  omp.””,  que  debe  de  ser  cosa  pocas  veces  vista?.  Oy  se

!  Anbringen  Braunschweigs  und  Zollerns  vom  27.  Jauuar  in  Wi.,  I.  A.  1;
Ka.  2991.  —  Böhmische  Landoffiziere  an  König  Matthias  auf  dessen  Hilfebegehren
  am  19.  Januar:  ebenda;  Matthias  an  die  böhmischen  Landoffiziere
am  28.  Januar:  eine  lange  Rechtfertigung  seines  Vorgehens  und  erneute
Aufforderung  zum  Beistand  zugleich  mit  der  Ankündigung;,  dass  er  eat
schlossen  sei,  mit  seiner  ganzen  Macht  gegen  die  Räuber  zu  ziehen  und
die  Erblande  vor  ihnen  zu  sichern;  Wi.,a.a.O.,  Kpt.,  von  Khlesl  überarbeitet.
(Nach  einer  Bemerkung  Khlesls  war  dies  Schreiben  ,  offenbar  mit  Rücksicht
auflBraunschweigs  Werbung,  vom  27.  auf  den  23.  Januar  zurückdatiert  worden.)

'  Ueber  den  Beginn  der  ständischen  Rüstungen  in  Böhmen  vgl  Gindely,
  Kaiser  Rudolf  etc,  1I.  8.  182  und  188.  Die  Rüstungen  waren
von  lauger  Hand  vorbereitet;  als  Führer  war  von  Anfang  an  Graf  Heinrich
  Matthias  von  Thurn  ausersehen  (Schreiben  Silbermanns  an  Pfalzgraf
Philipp  Ludwig  vom  8./18.  Dezember  aus  Prag,  wonach  schon  damals
die  Werbung  verordnet  wurde,  in  Ma.,  299/18,  f.  83;  Kopie.  —  Schreiben  Friedrichs
  Grafen  von  Fürstenberg  an  König  Matthias  vom  13.  Januar  in  Wi.,I.A.1,
Ka.  2991,  Or.  eigh.)  Am  19.  Januar  teilen  die  böhmischen  Landoffiziere,
Räte  und  Defensoren  dem  König  bereits  mit,  dass  sie  mit  des  Kaisers  Zustimmung
  Reiter  und  Knechte  werben  und  zum  Schutz  des  Kaisers  und  des
        <pb n="107" />
        35.  1611  85

ha  de  hazer  la  proposigion  de  la  dieta  de  parte  del  emp.”  y  sera  Januar  dl.
con  gran  rumor  de  los  congregados,  por  que  vino  ayer  un  coıteo  del
senor  de  Rosemberg  con  una  copia  de  carta  del  coronel  de  la  Ramel,  que
govierna  la  gente  de  guerra  del  emp.”  ,  en  que  le  avisa  que  no
pudiendo  entretenerse  en  el  alojamiento  que  tenia  en  Austria  superior,
le  ha  sido  necgesario  entrar  en  Bohemia,  pero  que  no  tocara  en  su8
estados  y  que,  para  que  le  guie  por  otras  partes,  le  embie  un  cavallero
de  su  casa  y  que  su  intento  es  alojar  en  Cromao,  que  68  senoria
particular  del  emp.”  y  ofrecese  de  alojar  siempre  en  las  de  8.  M.?
cesarea  hasta  que  se  pague  y  despida  la  gente.  Pero  los  Bohemios
no  se  aseguran  de  los  ofrecimientos  ni  el  rey  Mathias  de  los  que
el  emp.’””  le  ha  hecho  por  medio  del  duque  de  Brancuyque  y  del
conde  de  Zoleren  que  le  llevaron  una  carta  suya  con  el  sobreescrito
del  rey  y  dentro  con  titulo  de  archiduque,  que  para  el  tiempo  en
que  se  halla  fue  buena  deliberacion  del  secrotaric.  Va  juntando
toda  la  gente  de  guerra  de  aquellas  provincias  de  su  obediencia  y
temese  con  color  de  deshazer  esta  jente  del  emp.’  ,  el  y  los  Bohemios
echen  a  5.  M.?  cesarea  deste  reyno,  que  le  ha  quedado,  petrera  en  que
le  han  metido  consejos  de  la  mas  vana  y  simple  gente,  que  debe
aver  se  admitio  jamas  a  Cconsejo  de  ningun  principe.

El  senor  archiduque  Leopoldo  me  llamo  ayer?  para  pedirme
que  yo  tratase  de  apagiguar  al  rey  de  Ungria  y  de  significarle  que
el  emp.”  no  avia  rompido  la  capitulacion  hecha  ultimamente  en  el
eonvento  de  principes  que  se  tuvo  aqui  en  Praga  el  ano  pasado,
por  que  la  entrada  de  su  gente  en  Austria  no  avia  sido  con  su
voluntad.  Yo  le  dixe  que  siempre  procuraria  hazer  todo  buen  officio
procurando  que  el  rey  respetase  al  emp.”  ,  pero  que  en  quanto  a
significar  que  no  se  avia  rompido  el  contrato  pasado,  no  podria  hazello

prager  Vertrags  an  die  Grenze  legen  wollen  (Wi.,  a.  a.  O.,  Uebersetzung).
Am  20.  kann  dagegen  der  kursächsische  Agent  D."  Ambrosius  Pfretzschner  an
Kas  von  Schönberg  melden,  dass  die  Böhmen  Befehlshaber  in  Bestallung
  nebmen  und  täglich  werben,  obgleich  der  Kaiser  ibnen  schriftlich
habe  andeuten  lassen,  dass  er  von  keiner  Werbung  wissen  wolle  (Drs.,  1.  9166,
1  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  73;  Or.  eigh.).  Am  22.  Januar  liessen  die
Stände  die  Räte  der  prager  Alt-  und  Neustadt  verständigen  ,  sich  auf  Quartierung
  von  tausend  Pferden  und  einem  Regiment  K:ıechte  gefasst  zu  machen,
und  dies  „citra  assensum  caesarie*  (Wilhelm  Bodenius  an  Herzog  Maximilian
vom  22.  Januar  in  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.26,  f.20;  Or.  eigh.).  Das  bestätigt
  Zuniga  in  einem  Bericht  an  Philipp  III.  vom  29.  Januar  mit  dem  Beifügen,
dass  der  Kaiser  die  Werbepatente  n  nicht  ausgefertigt  habe  (Sim.,  Fasz.
2497,  f.  7;  Kopie).  —  Der  böhmische  Landtag  war  auf  den  28.  Januar  einberufen
  worden;  vgl.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  Ii.,  VI.,  8.  88.

I  Es  liegen  mir  zwei  Schreiben  Ranıdes  an  Wok  von  Rosenberg  vor,
das  eine  vom  26.  Januar  aus  Pregarten,  worin  er  den  Zug  nach  Krumau
anzeigt  und  beteuert,  dass  Rosenbergs  und  der  böhmischen  Stände  Güter  ganz
unbeschwert  bleiben  sollen;  Rosenberg  möge  einige  seiner  Leute  als  Kommissarien
  abordnen  (Wi.,  I.  A.1.,  Ka.  2991  —  Kopie).  Am  29.  Januar  entschuldigt
sich  Ramöe  von  Leopoldschlag  aus,  dass  er  wegen  der  Länge  des  Woges  auf
Rosenbergs  Gütern  habe  Nachtlager  nehmen  müssen  (Wi.,  a.  a.  O.,  Kopie).

’  Vgl.  Gindely,  Kaiser  Rudolf,  11.  8.  1%  £.
        <pb n="108" />
        86  1611  35.

Januar  81.  entendiendolo  de  otra  manera.  Hizo  instancia  $.  A.  todavia  en
que  yo  hiziese  buenos  officios  de  mi  parte  y  llego  a  proponerme  que
para  este  efecto  fuese  en  persona  a  Viena.  FEscuseme  dello  diziendo
a  S.  A.  que  yo  no  podria  yr  sino  llevando  orden  del  emp."  de
ofreger  al  rey  que  se  despediria  luego  esta  gente  y  que  por  lo  venidero
  se  guardaria  puntualmente  lo  concertado  en  el  ultimo  convento
de  Praga  y  que  si  llevase  esta  orden  y  le  hiziese  este  ofregimiento,
seria  cosa  llana  que  el  rey  me  preguntaria  luego,  si  dava  yo  palabra
de  que  esto  se  guardaria  asi  y  que  no  avendo  yo  de  dar  esta
palabra  al  rey  como  en  ninguna  manera  se  la  daria  que  antes  haria
dano  que  provecho  mi  yda.  Entro!  despues  con  un  gran  preambulo  a
rebelarme  un  gran  secreto,  que  contenia  que  el  nuncio  y  yo  fuesemos
medianeros  para  que  el  emp.”  y  el  rey  su  hermano  se  concertasen
y  juntasen  sus  exercitos  y  diesen  contra  sus  vasallos  para  romper
estas  confederagiones  que  tienen  entre  si  estas  provincias  y  reynos.
que  posee  la  casa  de  Austria,  hechas  de  nuevo,  quando  se  hizo  la
ultima  paz  con  el  Turco;  que  es  pensamiento  que,  quando  cada  uno
destos  dos  pringipes  fuera  Carlos  5°  y  estuvieran  ambos  conformes
en  amor  y  voluntad,  tuviera  gran  dificultad  esta  empresa.  Yo  dize  a
8.  A.  que  bien  se  veya  que  el  exercito  del  rey  Mathias,  aunque  tenia
algunos  capitanes  y  coroneles  catolicos,  muchos  dellos  eran  erejes
y  los  unos  y  los  otros  servian  por  quuenta  de  las  provincias  y  que
el  rey  no  podia  nada  sino  contemplando  con  ellos  y  que  el  retirandose
del  emperador  estava  en  estado,  que  ni  el  papa  ni  V.  M.“  podrian
entrar  en  nuevas  confederagiones  con  S,  M.?  cesares  y  que  bien  sabia
que  yo  avia  sido  siempre  muy  contrario  a  estas  levas  de  gente,  conogiendo
  que  el  estado,  en  que  se  hallava  9.  M.?  cesares,  no  era  para
removelle  sino  para  desalle  vivir  en  paz  y  gozar  deste  reyno  de
Bohemia  y  Silesia  que  le  avian  quedado  y  que  pasase  asi  vexez.  No
hallo  el  senor  archiduque  razones  para  hazer  fuerga  en  sus  propuestas
  despues  de  mis  replicas  y  hizome  lastima  paresgiendome  que
estava  congojado  y  arrepentido  de  aver  pasado  tan  adelante  esta  danca.

Pasando  por  el  Tirol  un  criado  mio  que  llego  anteayer  por  la
posta  avia  topado  al  camarero  mayor  del  senor  archiduque  Maximiliano,
que  le  dixo  que  venia  de  Alsacia  de  licenciar  aquella  gente  de
guerra,  que  alli  tenia  el  emp.”  y  que  quedava  licenciada  efectivamente
toda  la  cavalleria  y  parte  de  la  infanteria  y  que  quedavan  solamente
hasta  2000  hombres  mucho  a  estos  tracistas  que  meten  al  emp.”  en
empresas  tan  sin  fundamento  y  sera  causa  en  mucha  parte  de  que  se
aquiete  el  senor  archiduque  Maximiliano.  Praga  a  31.  de  ennero  1611.

Sim.,  Fasz.  2496,  f.  8;  dechiffr.  Kopie.?

1  Das  folgende  bis  „esta  empresa“  ist  schon  von  Gindely,  a.  a.  Q,.,
S.  191,  Anm.,  mitgeteilt  worden.

?  Schon  am  29.  Januar  hatte  Zuniga  (vgl.  die  Anm.  2  auf  S.  84\  seinem  Herrn
von  der  Versammlung  des  Landtags  und  von  der  ständischen  Werbung  Mitteilung
  gemacht.  Wegen  der  verzögerten  Ausfertigung  der  Worbepatente  „me  dizen
agora  que  esta  llena  la  autecamera  de  gonte  (lando  voces,  sobre  que  los  confirme
        <pb n="109" />
        36—37.  1611  87

36.  Padavin  an  den  Dogen  von  Venedig.  Jannar  31.

„....  L’Eguemiler  che  fü  mandato  &amp;amp;  gli  elsttori  per  la  sospensione
  delladieta  elettorale,!  che  havevano  i  principi  rissoluta  &amp;amp;
Pasqua,  &amp;amp;  ritornato  e  da  Magonza  in  particolare  h&amp;amp;  riportato  risposta
affatto  contraria  all’  espettatione,2  perche  quell'  elettore  liberamente
ha  detto  che  non  folo  i  bisogni  dell’  imperio  non  richiedono,  che  si
prolunghi,  m%  che  bisognerebbe  che  fosse  giä  seguita  e  ch’  egli
non  asentirä  mai,  che  fi  tiri  piü  inanti.  Da  che  si  cava  il  desiderio
di  questi  di  venire.  Cosa  certa  d  che  cefare  non  abhorisse  cosa  con
maggior  nausa,  che  quando  le  viene  tenuto  proposito  di  ciö  et  hora
con  questi  motti  si  trova  in  tanta  combustione  d’animo,  che  hä  commandato
  al  cameriere  maggiore  che  non  le  porti  ambasciata  d’alcuno
e  che  non  le  dimandi  audienza  per  chi  si  sia.“©  ...  Di  Praga  li
31.  genaro  1611.

Wnb.,  Dispacel  Veneti,  44.  Bd,  f.  340;  Kop,

37.  Hans  Reichard  Brömser  an  den  Kurfürsten  von  Januar3l.
Mainz.

Ich  würde  mich  auf  E.  Kfl.  Gn.  Erfordern  gern  am  1.  Februar
einstellen  ;  aber  um  diese  Zeit:  sind  die  Dingtage  im  Rheingau,  auch
haben  sich  durch  meine  lange  Abwesenheit  die  Geschäfte  zum  Nachteil
  der  Untertanen  stark  gehäuft;  ich  bitte  mich  daher  zu  entschuldigen.
  E.  kfl.  Gn.  kennen  ohnehin  meine  Meinung  über  die
Rinnahme  Sachsens  und  anderer  gehorsamer  Stände  augsburgischer
  Konfession,  dass,  „man  wolle  dan  alles  vnderst  vnd  obrist
wenden  vnd  in  ohnumbgengliche  gefahr  vnd  verderben  setzen,“  die

je  con  tan  poco  respecto  tratan  S.  M.d  y  saviendo  quan  pocas  son  su8
Tas  y  quantos  sus  trabajos  a  querido  esta  gento  que  le  fomenta  hazer
praeba  de  su  caudal;  hablan  ya  muchos  Bohemios  en  el  rey  Matias  y  las
cosag  estan  de  manera  que  dificultosamente  se  puede  escusar  el  rompimiento.“
Znniga  wolle  gemäss  seinem  Befehl  zwischen  den  Brüdern  vermitteln,  obgleich
es  ın  der  Tat  „terrible  cosa“  sei,  da  der  Kaiser  den  feierlichen  Vertrag  gebrochen
  habe.

°*  Vgl.  die  Instruktion  des  Kaisers  für  den  Reichshofrat  Hans  Ruprecht
Hegenmüiller  zur  Schickung  an  die  geistlichen  Kurfürsten  vom  4.  Dez.  1610,
um  die  Abhaltung  eines  Kurfürstentages  mit  Hinweis  auf  den  jülicher  Erbstreit
  und  den  kurpfälzischen  Administrationsstreit  zu  verhindern,  wenigstens
aber  den  Kurfürsten  anzudeuten,  dass,  falls  von  der  Nachfolge  bei  einem  Kurfürstentag
  gehandelt  werden  solle,  es  nur  mit  Zustimmung  des  Kaisers  geschehe;
dagegen  wünschte  der  Kaiser  Reassumtion  des  Reichstags  (Wmz.,  Religionsakten,
Band  11,  no.  79;  Kopie  und  Ma.,  107/42;  f.  61,  Kopie  von  Hegenmitllers  Hand
für  Salzburg).  Das  letztere  Ansinnen  sollte  auch  Erzherzog  Leopold  beim

rsten  von  Sachsen  stellen  (Kaiser  an  Erzherzog  Leopold  am  3.  Dezember
I61V  in  Wımz.,  a.  a.  O.,  no.  77;  Kopie).  Vgl.  oben  no.  23.

?  Der  Bescheid  des  Kurfürsten  von  Mainz  an  Hegenmüller  vom  27.  Dez.
10,  durch  den  der  Kaiser  wegen  Abhaltung  eines  Kurfürstentage,  zu  dem  gar

Vorbereitungen  getroffen  seien,  beruhigt  wird,  liegt  in  Wimz.,  a.  a.O.,
20.  87;  Kpt.  von  Faust.
        <pb n="110" />
        88  1611  37—38.

Januar  31.  Einnahme  mit  allen  Mitteln  und  ehestens  zu  betreiben  sei,  damit

Januar
[Ende]

durch  den  langen  Verzug  kein  Mistrauen  erwachse,  welches  anzuregen
und  zu  unterhalten  die  Gegner  keine  Mühe  sparen  werden.  Wie  ich
sichere  Nachricht  habe,  gehen  sie  damit  bereits  um  und  machen  sich
gute  Hoffnungen.  Wir  haben  diesmal  eine  Gelegenheit,  des  Reiches
Wolfahrt  zu  befördern,  wie  sie  sich  seit  der  leidigen  Religionstrennung
nicht  mehr  erzeigt  hat.  Versäumen  wir  sie  diesmal,  so  kommen  wir
nimmer  dazu  und  ist  vielleicht  alles  verloren.  E.  kfil.  Gn.  wissen,
„wie  vbel  vnser  vermeinte  vnion  vnd  verfassung  fundiret  vad  fassoniret
  vnd  wie  wenig  sich  darauff  in  einem  ernst  zu  verlassen,
das  es  auch  erscheinet  als  ob  sie  mehr  schedlich  oder  ie  gefehrlich
dan  nutz  vnd  sicher  sei,  aldieweil  dardurch  auch  vnder  den  vnirten
stenden  allerhand  mistrauen  vnd  wiederige  gedanken  erreget  werden
vnd  allbereit  vor  augen,  wie  weit  man  von  dem  vorgebildeten  vnd
gesetzten  zweck  voriger  wolgemeinter  intention  abgewichen,  auch
weit,  das  allen  rmbstenden  nach  nicht  ohnfuglich  oder  abwegs  der
argwon  erwachsen,  als  ob  vnder  diesem  scheinbaren  praetext  und
mantel  von  theils  leuten  vnder  vns  ein  anderes  als  man  gemeinet  oder
auch  vns  vnd  dem  gemeinen  wesen  nutzlich  sein  kan,  gesuchet  vnd
erpracticiret  werde;  E.  chfl.  Gn.  werden  mich  wol  verstehen.“

Was  die  Zusammenkunft  in  Frankfurt  am  6.  Februar  betrifft,
Bo  sorge  ich,  dass  man  wegen  des  bösen  Wetters  zu  dieser  Frist  nicht
wird  fortkommen  köunen  und  dass  niemand  erscheinen  wird.  Vor
Eintreffen  der  Resolution  der  Mitkurfürsten  und  Bundesstände  uuterbleibt
  besser  jede  Bestellung  oder  Abordnung  der  Ihrigen.  Datum

Eltuel  den  letzten  januariia.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  2.  Feb.  1611.
Wins.  Religionsakten,  Bd.  11,  Beibeft.  —  Or.  eigh.

38.  Instruktion  des  Herzogs  Wilhelm  von  Baiern  für
einen  Ungenannten  an  Erzherzog  Leopold.

Nach  den  Komplimenten  soll  der  Gesandte?  dem  Erzherzog  anzeigen:
  Unser  Sohn  Herzog  Maximilian  hat  jüngst  seinen  Gesandten
[Donnersberg]  beim  Kurfürsten  von  Mainz  gemeinen  Wesens  halber
gehabt,  da  dem  Kurfürsten  der  gefährliche  Zustand  des  Reichs,  besonders
  aber  der  Despekt  und  die  Anschläge  gegen  den  Kaiser  und
die  katholischen  Stände,  namentlich  in  den  Stiftern  Trier,  Köln,  Strassburg,
  Würzburg,  Bamberg,  Speier,  Worms,  Bruchsal,  sowie  der  ärgerliche
  Ungehorsam  in  den  jülichschen  Landen  mit  den  verderblichen
Lizenten  immer  mehr  zu  Herzen  geht  und  die  Gefahr  täglich  wächst,
weshalb  der  Kurfürst  auf  Mittel  zur  Abhilfe  denkt.

Der  Kurfürst  kann  aber  keine  bessern  finden  als  er  sie  dem  Erzberzog
  in  seinem  Handschreiben  [fehlt]  insgeheim  entdeckte,  das  er
aber  nicht  der  Post  anvertraute  sondern  durch  Donnersberg  uns  zu-1

  Anspielung  auf  den  Herzog  von  Baiern;  vgl.  oben  no.  24.
®  Vielleicht  Viepeckh,  der  am  5.  Februar  vom  Herzog  Maximilian  nach
Prag  geschickt  wird;  vgl.  unten  no.  44.
        <pb n="111" />
        38.  1611  89

kommen  liess,  damit  wir  es  dem  Erzherzog  überschicken  und  ihm
die  schleunige  Expedition  des  Werks  ans  Herz  legen.  Demnach  ersuchen
  wir  den  Erzherzog,  dies  Schreiben  mit  allen  Umständen  zu
beherzigen,  die  bisherigen  Verhinderungen  und  Mängel  zu  bedenken
and,  wozu  er  die  beste  Gelegenheit  hat,  ‚beim  Kaiser  die  notwendige
Resolution  (an  der  wir  und  die  Kurfütsten  und  alle  Katholischen
nicht  zweifeln  und  sie  mit  Verlangen  erwarten)  zu  befördern.

Aus  dem  kurfürstlichen  Handschreiben  wird  der  Erzherzog  auch
erkennen,  dass  der  Kurfürst  einiges  wegen  der  Gefahr  gar  nicht  aufs
Papier  gebracht  sondern  sich  auf  den  Ueberbringer  bezogen  hat,  indem
er  e8  Donnersberg  nur  mündlich  anvertraute:  nämlich  dass  der  Kurfürst
für  ratsam  und  angemessen  finde,  dass  der  Kaiser  nach  dem  einhelligen
Schluss  der  zu  Prag  versammelten  Kurfürsten,  Erzberzoge  und  Fürsten,  da
die  kölner  Traktation  sich  zerschlagen  hat  und  der  Ungehorsam  in
Jülich  fortgeht,  nunmehr  gegen  die  ungehorsamen  Reichsstände
ordentlich  prozediere,  den  Prozess  gehörig  formiere  und  das  Erkenntnis
ergehen  lasse,  „darauf  die  execution  sich  nach  und  nach,  da  es  gleich
anfangs  nit  allerdings  geschicht  (sonderlich  wann  die  acht  alle  lechenschaft,
  pfandschaft,  huldigung,  den  gehorsamb  bei  den  unterthanen
sambt  allen  obligationen  aufhebt!,  wurde  schicken  und  den  ungehorsamben
  mehr  als  sie  oder  ihre  adhaerenten  gedenken  auf  den  hals
wachsen;  so  wurden  die  gehorsamben  reichsstend,  wann  I.  M.!  den
fürsetzlichen  beharrlichen  despect  sambt  andern  vilfeltigen  gravaminibus,
  die  ihr  von  den  ungehorsamben  begegnet,  aufs  papier  bringen
und  inen,  den  gehorsamben,  zuestellen,  alsdann  desto  eher  die  hand
bieten  und  dieselb  nit  lassen.

Weil  auch  der  erzbischof  zue  Salzburg  mit  den  protestierenden
  conföderierten  colludiert  und  sich  dahin  neigt,!  sonderlich
aber  durch  gefährliche  anschläg,  alles  den  ungehorsamben  zue  guetem,
bei  I.  M.‘  mit  glatten  worten  gegen  einen  spottgelt  ein  perdon  des
bisheero  geäebten  frävels,  ungeborsambs  und  verwürchter  peen  will
erbalten,  2.  die  catholische  union  zertrennen,  3.  ein  sonderbare  ligam
eingeen,  —  dass  sein  des  erzherzogen  Leopoldi  L.  mit  ernst  darob  sei,
damit  solches  thails  schedliche  vorhaben  zue  abbruch  gemeinen  weesens
aller  orten  abgestellt,  entgegen  vor  allen  dingen  den  ungehorsamben
ir  verworchte  straf  gar  nit  nachgesehen  oder  dardurch  mit  verschimpfung
  ksl.  M.'  alles  übel  guetgehaissen,  die  ungehorsamben  zue
mehrerm  trutz,  gefehrlichen  anschlegen  und  der  Catholischen  genzlichen
  verderben  veranlast,  dardurch  auch  die  Catholischen  mit  desto
mehrer  gefahr  negsten  überfals  gesezt  werden.“

Man  muss  auch  daran  denken,  die  Macht  der  Ungehorsamen  etwas
zu  schwächen  u.  a.  auf  dem  Weg,  dass  der  Kaiser  der  Kurpfalz  [und
anderer  chur-  fürsten  und  stend,  so  sich  ungehorsamb  erzaigt“],?  vori

  Vgl.  wegen  dieser  protestantischen  Neigungen  Wolf  Dietrichs  Karl
Mayr-Deisinger,  Wolf  Dietrich  von  Raitenau,  München,  1886,  S.  107  f.
’  Eigenhändiger  Zusatz  des  Kurfürsten  von  Mainz,

Januar
[Ende]
        <pb n="112" />
        Januar
[Ende]

Februar  1.

%  1611  38-—39.

nehme  Reichspfandschaften  wie  Oppenheim,  Germersheim,  den  ingelheimer
  Grund  um  ein  geringes  einlösen  und,  wenn  Pfalz  widerstrebt,
mit  der  Exekution  verfahren  lasse;  hat  doch  unlängst  die  Kurpfalz
dasselbe  Verfahren  mit  Weibstatt  gegen  das  Stift  Speier  angewendet.
Darum  möge  der  Erzherzog  zu  Prag  solche  Pfandschaften  aufsuchen
  lassen  und,  da  bei  der  Geringfügigkeit  der  Pfandschillinge  das
Geld  leicht  aufzutreiben  ist,  weitere  Anordnung  treffen.  Der  Kurfürst
  von  Mainz  findet  in  seiner  Kanzlei  und  in  den  Kompaktaten
nichts,  was  der  Kurpfalz  zu  gutem  gereichte  und  glaubt  nicht,  dass
die  Pfalz  entgegenstehende  Privilegien  habe.

[,S.  L.  sollten  auch  diesse  sach  also  dextre  dirigiren,  damitt
solches  nitt  propalirt,  auch  alles  mundtlich  I.  ksl.  M.‘  vortragen;  do
aber  I.  M.'  kein  gefallens  und  villeichtt  bedencklich  fallen  soltte,  were
zu  pitten,  in  gehaimbs  zu  haltten,  auch  copeyliche  werbung  zu
hinderhaltten.‘“]!

Ma,  l11j11,  —  Kptkopie  von  bairischer  Kanzleihand  mit  zwei  eigenhändigen
Zusätzen  des  Kurfürsten  von  Mainz,
39.  Dr.  Ambrosius  Pfretzschneran  KasparvonSchönberg

Die  Instruktion,  die  dem  Herzog  von  Braunschweig  nach  Wien
mitgegeben  wurde,?  ist  in  jedermanns  Händen;?  ich  habe  sie  gestern
auch  gelesen.  Der  Kaiser  beruft  sich  darin  u.  a.  auch  darauf,  dass
der  Kurfürst  von  Sachsen  ihm  vorgeschlagen  habe,  das  Kriegsvolk
noch  eine  Zeit  lang  zu  erhalten,  da  dieser  sich  desselben  an  anderen
Orten  bedienen  wolle;  zugleich  überschickt  der  Kaiser  Abschrift  des
kurfürstlichen  Schreibens.*  ,,Sonsten  seind  die  dorinnen  [in  der
kaiserlichen  Instruktion]  angezogne  excusationes  zimlich  frivolae  und
mächtig  kalt.“  —  Maximilian  Ho&amp;amp;ö,  des  Königs  und  der  österreichischen
  Stände  Abgesandter  hat  heute  morgens  in  der  Sitzung
des  böhmischen  Landtags  sein  Schreiben  überreicht  und  statt  der
vorigen  auf  Schrauben  gestellten  Resolutionend  eine  kategorische  Antwort
  begehrt,  ob  die  böhmischen  Stände  dem  nach  kommen  wollten,
wozu  sie  sich  einmal  verpflichtet  haben.  Jedermann  ist  bei  dir  em

ı  Eigenhändiger  Zusatz  des  Kurfürsten  von  Mainz.

?  Vom  20.  Januar,  Copeyen  und  Abschriften,  3.82;  Hammer-Purgstall,
  Khlesis  Leben,  U.  Urkunden-Anhang  no.  300.

$  Wegen  der  Verbreitung  der  Instruktion  vgl.  oben  no.  1,  S.  2,  Anm.  1.

*  Vom  19./29.  Dezember.  —  Wie  Georg  Friedrich  Graf  von  Hohenlohe

am  22.  Januar  dem  Kurfürsten  von  Sachsen  aus  Prag  schreibt,  erregte  die
1.  Februar

Mitteilung  von  diesem  Schreiben  bei  den  böhmischen  Ständen!Verwunderung  und
wollten  sie  daran  nicht  glauben,  weil  das  Schreiben  nicht  unter  den  Beilagen
der  Instruktion  war  (Drs.,  1.  9166,  I.B.  pen.  Kriegsvolk,  f.  63;  Or.  eigh.)

°  Vom  12.  Januar  (Stg.,  Unionsacta,  XI.,  f.  443;  Kopie)  und  19.  Januar
(Wi.,  I.  A.  1.,  Ka.  2991;  Kopie);  vgl.  oben  no.  34,  8.84,  Anm.1.  Hoö  war
vermutlicb  der  Ueberbringer  des  dort  zitierten  königlichen  Schreibens  vom

23.  Januar.  —  Colli  berichtet  am  24.  Januar  an  den  Administrator  der  Kur
3.  Februar

pfalz,  dass  Hoö  vor  den  Ständen  sehr  scharf  geredet  und  sie  erinnert  habe,
‚lass  bei  allen  Verhandlungen  zwischen  dem  Kaiser  und  den  Ständen  seit
        <pb n="113" />
        39.  1611  91

Zustand  sehr  traurig,  die  Böhmen  sind  schwierig  und  wird  gewiss  ein  Februar  1
jämmerlicher  Handel  daraus  werden,  weil  wir  schon  Feinde  in  der  Stadt
das  Kriegsvolk  der  böhmischen  Stände,  vor  der  Stadt  das  „verfluchte
reichsverderbliche“  passauer  Volk  —  und  Feinde  auf  den  Grenzen  sehen
und  das  alles  „wegender  unzeitigen,  rachgirigen,  verblümbten  rahtschlägen,
die  von  blutgirigen,  jesuitischen.  kritischen  und  gleichsam  nackenden
leuten  herrühren  und  dirigiret  werden.  E.  Gestrengen  glauben,  dass  wir
bier  wundersachen  innerhalb  zwei  monat  erfaren  werden,  dieweil  sich
sonderlich  albereit  factiones  ereignen  und  deren  capita  sich  tag  und
nacht,  tanquam  in  medio  hostium  versarentur,  verwaren  lassen,  auch
nichts  anderes  als  ein  parisisch  blutbad  erwarten.“  Letzten  Freitag
zu  Nacht  hat  die  Musketierguardia  gegen  sonstigen  Gebrauch  im
Schloss  mit  brennenden  Lunten  aufgewartet.  Die  Böhmen  wurden
benachrichtigt,  dass  man  Thurn,  Fels  und  Popel  in  Haft  legen  wolle,
bis  die  Versammlung  der  Stände  getrennt  sei,  damit  diese  nicht  aufgereizt
  oder  beraten  würden.”  Die  Bedrohten  haben  es  sofort  ihren
Kapitänen  und  Befehlshabern  angezeigt,  die  sich  in  Thurns  Haus
versammelten  und  Schar-  und  Schildwachen  anordneten.  Dies  Vorhaben
hat  die  ganze  Stadt  in  grösstes  Mistrauen  versetzt.  Die  Höflinge
geben  vor,  die  Guardia  habe  Bereitschaft  gehalten,  weil  man  Nachricht
hatte,  dass  die  Böhmen  in  der  Nacht  Erzherzog  Leopold  und  Sulz
aus  den  Fenstern  stürzen  wollten.  Die  gegenseitige  Erbitterung  ist
so  gross,  dass  man  schon  den  böhmischen  Oberstkanzler’  von  den
Beratungen  ausschliesst.  „Der  ganze  zuestand  ist  J.  M.'  nicht  unbekant,
  wie  dann  derselben  auch  des  königs  ausschreiben  und  aufmanung
seiner  untertanen  neben  höchster  verkleinerung  kaiserlicher  und  des
reichs  reputation,  vernichtung  des  teutschen  glaubens  zu  verlesen
exbibirt  worden,  das  I.  M.'  auch  gethan,  darüber  geseufzet  und  in
grosse  melancholei  gefallen.“  Das  ‚vermaledeite“  Volk  ist  im  Anzug
auf  Kramau,  wo  es  Proviant,  Geschütz,  Waffen  und  ‚„animum  ad
audenda  maiora‘‘  haben  kann.  Gott  öffne  denen  die  Augen,  die
durch  Praejudicia  okkupiert,  die  schädlichen  Consilia,  wo  nicht  befördern,

doch  gut  heissen.  Prag  den  1.  Februarii  1611.
Drs,  .  9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f,  77;  Or.  eigh.®

fünfzehn  Jahren  nichts  oder  wenig  von  den  gegebenen  Zusagen  gehalten  worden
sei;  der  König  wolle  eich  daher  in  keine  Handlung  mit  dem  Kaiser  mehr  einlassen
  und  begehre  der  Stände  Hilfe.  „Dieses  sei  der  Jesuiter  practik  wider
den  könig  in  Ungarn  pro  Leopoldo,  damit  dieser  zu  der  cron  von  Böheim
kommen  möge,  qui  gradus  ad  altiora®  (Mb.,  101/4,  —  Or.  eigh.).

I  Vgl.  darüber  Gindely,  Kaiser  Rudolf,  II.,  8.179  und  im  folgenden
Tengnagele  Aussagen.  Was  man  im  böhmischen  Lager  dem  Ehrgeiz  des
Erzberzogs  Leopold  zutraute,  zeigt  eine  von  Hanka  und  Gindely  dem
Wenzel  von  Kinsky  zugeschriebene  Aufzeichnung  „die  intention  des  kaisers
wegen  des  passawischen  volks*  (W.  Hanka,  Correspondenz  etc.  in  Betreff
des  passauischen  Kriegsvolks,  Abhandlungen  der  böhm.  Gesellschaft  der
Wissenschaften,  V.  F.,  4.  Bd.,  S.  42);  vgl.  Hurter,  Geschichte  Kaiser
Ferdinands  II.,  VI.  S.  378.

®  Zdenko  Popel  von  Lobkowitz.

’  Am  3.  Februar  nach  der  Einnahme  von  Krumau  berichtet  Pfretzschner
von  den  Anstalten  zur  Verteidigung  Prags,  dessen  Tore  man  besetze,  als  ob
        <pb n="114" />
        92  1611  40.

Februar2.40.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  die  Union»
stände  (Ausschreiben  zum  schweinfurter  Unionstag).

Wir  beschweren  zwar  E.  L.  etc.  ungern  mit  vielfältigen  Zusammenkünften,
  die  Unkosten  und  bei  den  Gegnern  Nachdenken  verursachen  ;
aber  es  ist  E.  L.  bekannt,  wie  im  Reich  und  dessen  Nachbarschaft
noch  starkes  Kriegsvolk  auf  den  Beinen  ist,  von  dem  ein  Teil  aus
Italien  nach  Deutschland  sich  begeben  soll;!  auch  ist  das  elsässer  und
passaner  Kriegsvolk  nicht  völlig  abgedankt  sondern  hat  nur  seine
Quartiere  verändert  und  soll  wieder  in  Bestallung  genommen  worden
sein:  daber  wird  die  Gefahr  nur  um  So  grösser  und  muss  um  80
zeitlicher  bedacht  werden,  wie  einem  unvorgesehenen  Einfall  vorzubauen
  wäre,  auch  wie  man  endlich  aus  so  unsicherm  Zustande  zu
besserem  Vertrauen  kommen  könne.  Da  überdies  noch  unaufschiebbare
Unionsgeschäfte  vorliegen  und  man  jüngst  zu  Speier  eine  persönliche
Zusammenkunft  für  gut  angesehen  hat,  um  deren  Beförderung  wir
von  den  meisten  Unierten  ersucht  worden  sind.?  so  schreiben  wir  eine

der  Feind®}davor  sei,  „welcher  doch  billich  für  keinen  feind  zu  rechnen,
dieweil  das  haubt  selbsten  in  der  stadt  ist.  Summa  es  ist  ein  wunderes
verdecktes  essen,  darein  sich  niemand.  auch  nicht  diejenigen,  die  es  gekocht,
finden  können  und  höret  man  wunderliche  selzame  discurs,  die  doch  der
feder  nicht  zu  trauen.  Heute  geht  Trautmannsdort  zu  dem  Volke  ab;
Grott  weiss,  zu  welchem  Ende.  „I.  M.!  Reind  wol  zu  entschuldigen,  aber  von
andern  jungen  directorn  und  alten  rathgebern  ist  zu  befürchten,  sie  werden
das  land  räumen  müssen.*  Ramee  hat  heute  ein  Schreiben  an  die  Stände
geschickt  (vom  31.  Januar,  Drs.,  a.  a.  O.,  f.,  83;  Kopie),  worin  er  ihnen  die
dem  Kaiser  praejudizierlichen  Werbungen  verbietet  und  mit  feindlichem  Bezeigen
  droht;  das  Kriegsvolk  sei  zu  des  Kaisers  Suehutz  bestellt  (Drs.,  a.  a.
O.,  f.  81;  Or.  eigh.).  —  Colli,  der  von  Ramees  Schreiben  gleichfalls  weiss,
bemerkt  dazu:  „RKamee  muss  einen  wind  haben;  Gott  geb,  wa  derselb  herkomme;
  il  n’  oseroit  parler  si  haut.  8’  il  ne  fust  soubstenu  ;*  8.  oben  S.  90,  Anm.  5.

'  Vgl.  oben  no  26,  Anm.  3  und  2.

?  Der  speirer  Abschied  vom  7.  Dezember  1611  stellte  einen  Unionstag
in  Aussicht  (Briefe  und  Akten,  IIl,  n.  294)  Schon  hatte  auch  der
Administrator  der  Kurpfalz  die  Ausschreibung  eines  Unionstages  angeregt;
aber  der  Streit  um  die  Tutel  und  Administration  der  Kurpfalz  zwang  zur  Hinausschiebung
  der  Versammlung  (Herzog  von  Württemberg  an  den  Administrator
der  Kurpfalz  am  13.:23.  November  1610;  Stg.,  Archiv  Pfalz,  D  30%  n.  116,;
Kpt.);  besonders  Württembergs  Bedenken  bielt  den  Administrator  zurück,  der
wegen  der  hinausgeschobenen  Geldbewilligungen  zur  Abdankung  des  in  der
Oberpfalz  unterhaltenen  Kriegsvolks  der  Unierten  die  Versammlung  gem
beschleunigt  hätte,  wozu  namentlich  die  Städte  drängten  (Instruktion  des
Administrators  für  Christoph  zu  Dohna  zu  dessen  Schickung  nach  Stuttgart

30.  Dezember  1610
5  Jan  icjj  &amp;gt;  Mb,  1162,  III,  £.190;  Kpt.;  vgl.  auch  oben  no.

15  und  30);  Württemberg  aber  wollte  durch  die  Beschickung  des  Unionstages
  und  durch  die  damit  verbundene  Anerkennung  des  Diraktoriums  des  Herzogs
Johann  von  Zweibrücken  nicht  dem  Ergebnis  der  gütlichen  Handlung  vorgreifen,
die  Eudo  Januar  zu  Schwäbisch-Hall  stattfinden  und  den  Streit  zwischen  Zweibrücken
  und  Neuburg  um  die  Administration  der  Kurpfalz  beilegen  sollte
(Württemberg  an  den  Administrator  am  2./12.  Januar;  Stg.,  Archiv  Pfals
D  30b,  n.  1;  Kpt.  von  Faber).  Durch  die  Schickung  Christophs  zu  Dohna

vom
        <pb n="115" />
        40.  1611  93

persönliche  Zusammenkunft  aller  unierten  Stände  aus,  Februar  2.
wobei  folgende  Punkte  zur  Beratung  kommea  sollen:

1.  Wie  ist  diese  hochnotwendige  Union  zu  erbalten  und  zu
festigen  ?  —  Dabei  sind  die  Rechnungen  und  Liquidationen  der  Einnahmen
und  Ausgaben  mit  gebührlicher  Moderation  durch  Sachverständige  zu
prüfen,  damit  die  Restanten  einlaufen  und  die  der  Union  zum  besten
gemachten  Vorschüsse  erstattet  werden  können.  Ferner  ist  auch  die
Verbesserung  der  Mängel,  Besetzung  der  nötigen  Aemter,  Bestellung
der  Räte,  Abstellung  der  Beschwerden  einzelner  Stände  und  was  sonst
zur  Festigung  der  Union  dienen  kann,  zu  bedenken.

2.  Durch  welche  Mittel  ist  diese  Union  zu  vermehren  und  zu
stärken?  —  Dabei  ist  über  die  bisherigen  Verhandlungen  mit  den
übrigen  evangelischen  Kurfürsten,  Fürsten  und  Ständen  zu
berichten,  auch  die  völlige  Einnahme  der  fränkischen  und  wetterauischen
  Grafen,  der  Ritterschaft  und  der  Hansestädte  zu  bedenken  ;
ebenso  bat  man  sich  zu  vergleichen,  wie  die  Korrespondenz  mit
ausländischen  Potentaten  und  andern  benachbarten  Ständen,  die  dem
evangelischen  Wesen  gewogen  sind,  nicht  nur  gepflegt  sondern  auch
soweit  gebracht  werden  könnte,  dass  man  im  Notfall  ihrer  Hilfe  sich
versehen  kann.

3.  Wie  soll  man  sich  dieser  Union  bedienen,  um  deren  Ziel  zu
erreichen?  —  Da  es  auf  der  andern  Seite  fast  das  Ansehen  hat,  als
ob  man  nicht  abdanken,  vielmehr  nur  den  Frühling  abwarten  wolle,
um  den  Vorstreich  zu  gewinnen,  so  wird  zu  reden  sein,  wie  man,

nach  Stuttgart,  der  die  Notwendigkeit  eines  Unionstages  auch  mit  der  vom
Passauer  und  elsässer  Volk  her  drohenden  Gefahr  begründete,  wurde  der

erzog  von  Württemberg  endlich  soweit  gewonnen,  dasser  zusamınen  mit  dem
Markgrafen  von  Baden  den  Pfalzgrafeu  Philipp  Ludwig  bat,  das,  Ausschreiben
des  Zweibrückers  (der  Titel  ‚Administrator‘  wurde  natürlich  vermie.len)  anzunehmen
  und  Jen  Tag  zu  beschicken  (Schreiben  vom  3./13.  Januar  in  Stg.,a.  a.  O.,
no  2;  Kpt.),  sich  selbst  aber  zu  dessen  Besuch  bereit  erklärte,  ja  nun  zu  dessen
Beschleunigung  drängte  Administrator  an  W  ürttemberg  am  8.'18.  Januar:  Stg.,
Unionsacta,  IX,,  f.93,;  Or.).  Die  Vorstellungen  beim  alten  Pfalzgrafen  von
Neuburg  blieben  nicht  ganz  vergeblich,  Philipp  Ludwig  selbst  schlug  Auskunftemittel
  vor,  den  Unionstag  ohne  Praejudiz  der  beiderseitigen  Rechte  abzuhalten
(Neuburg  an  Württemberg  und  Baden  am  16.;26.  Januar:  Stg.,  Unionsacta,
IX,  f.  107;  Or.);,  allein  der  Administrator  wies  alle  derartigen  Vorschläge
zurück,  wie  auch  seine  Vertreter  beim  Vergleichstag  zu  Schwäbisch-Hall
keinerlei  Zugeständnisse  machten  (vgl.  oben  no.  26,  S.  67,  Anm.  |).
Infolge  dessen  nahm  Neuburg  an  den  Verhandlungen  des  Unionstags  nicht
teil  und  unterliessen  die  Fürsten  von  Baden  und  Württemberg  den
persöulichen  Besuch;  Pfalz-Neuburg  aber  protestierte  gegen  die  Ausschreibung
des  Unionstags  und  gegen  Zweibrückens  Direktorium,  ersuchte  die  Unierten,
dem  Unionstag  fern  zu  bleiben  (Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  an  die  Stände  der
Union  am  7./17.  Februar,  Mle.,  n.  85,1,  --  Kopie)  und  schrieb  8./j18.  Februar,
als  Direktor  Jder  Union  einen  Partikularkonvent  der  benachbarten  Unierten
nach  Nördlingen  für  den  18./28.  Februar  zur  Beratung  von  Abwehrmassregeln
  gegen  die  Passauer  aus  (U.,  Unionsacta,  XX,  n.  1989;  Or.).
        <pb n="116" />
        94  1611  40—41.

Februar  2.  falls  einem  unierten  Stand  oben  oder  unteu  Landes  unversehens  zugesetzt
  würde,  ihn  retten  und  sich  überhaupt  vor  Gewalt  schützen,  wie
man  besonders  zu  besserm  Einverständnis  und  beständiger  Ruhe  im
Reiche  gelangen,  den  bisher  geklagten  Beschwerden  abhelfen  und  die
Stadt  Donauwörth  in  bessern  Stand  bringen  könne  und  was  deswegen
sowol  beim  Kaiser,  als  bei  den  geistlichen  Kurfürsten  und  beim
Herzog  von  Baiern  anzubringen  wäre.  Auch  sind  dem  Direktorium
verschiedene  Punkte,  den  König  Matthias,  Erzherzog  Maxiınilian,  den
Herzog  von  Baiern,  die  Österreichischen  und  mährischen  Stände  belangend,
  mitgeteilt  worden,  über  die  man  zu  reden  hat.  Ebenso  ist
vorzunehmen,  was  in  früheren  Abschieden  auf  fernere  Tinterredung
gestellt  worden  ist.

Als  Tag  der  Zusammenkunft  bezeichnen  wir  den  11./21.  März,
an  dessen  Abend  E.  L.  in  Schweinfurt  ankommen  wollen.  Wir  ersuchen
  E.  L.  in  der  Person  und  mit  geringer  Begleitung  zu  erscheinen
oder  sonst  Dero  genugsam  bevollmächtigte  Räte  zu  schicken.  Datum
Heydelberg  den  23,  januarii  1611..

Nachschrift  an  die  höhern  Stände:  Es  wird  auch  von  einigen
Nebenpunkten  zu  reden  sein,  die  bisher  allein  vor  den  höheren
Ständen  verhandelt  worden  sind,  besonders  ob  eine  engere  Verständigung
mit  Frankreich,  England,  den  Staaten  und  Dänemark  anzustellen  sei,
auch  wie  man  der  jülichschen  Sache  Bat  schaffen  und  wie  man  sich
mit  den  Böhmen,  Ungarn,  Oesterreichern,  Mährern  und  Schlesiern
in  etwas  nähere  Verfassung,  als  von  den  Städten  bewilligt  worden  ist,
einlassen  könnte;  endlich  sind  die  Rechnungen  wegen  der  jülichschen
Assistenz  und  wegen  der  verschiedenen  Gesandtschaften  richtig  zu
machen.  Ut  in  literis.

Mb.,  119|3,  £  163;  Kpt.  von  Dathenius.!

Februar3-41.  Melchior  Khlesl  an  den  Herzog  von  Braunschweig.

E.  fl.  Gn.  eigenhändigen,  durch  Dero  Sekretär  mit  dieser  Tage  überschickten
  ‚‚Zettel‘‘®  habe  ich  empfangen,  eben  als  ich  in  den  Rat
fuhr,  und  da  ich  mich  nicht  versehen  hatte,  dass  E.  fl.  Gn.  sich
ohne  alle  Ursache  so  gegen  mich  alterieren  sollten,  den  Zettel  öffentlich
  im  Bat  im  Beisein  der  Länderausschüsse,  um  allen  Verdacht
abzuschneiden,  eröffnen  und  verlesen  lassen.  Als  ich  den  unverhofften
Inhalt  vernahm,  habe  ich  bedauert,  ihn  zuvor  nicht  überlesen  zu
haben,  hatte  aber  die  Genugthuung,  das  alle  Anwesenden  ohne  Unterschied
  der  Religion  mit  mir  Mitleid  hatten,  da  sie  wussten,  dass  ich
in  dieser  Sache  unschuldig  sei.  Da  E.  fl.  Gn.  in  so  hoher  fürstlicher

!  (srossenteils  nach  einem  (Grutachten  des  D.r  Michael  Loefenius  vom
14  /24.  Januar;  Mb.  119/3,  f.  95;  Or.  eigh.

2  Vom  29.  Januar,  gedruckt  im  „Gründlichen  Bericht,“  S.  227  und
darnach  bei  Hammer-  Purgstall,  Khlesls  Leben,  Il.  Urkunden-Sammlung
no.  298.
        <pb n="117" />
        41.  1611  95

Stellung  sind,  ich  dagegen  von  Kurfürsten,  Erzherzogen  und  Fürsten  Februar  3.
samt  deren  Räten  das  Zeugnis  habe,  wie  aufrichtig  ich  bei  letzter
Traktation  gehandelt  habe,  so  lasse  ich  es  mir  billig  an  meiner  Ehrbarkeit,
  Wissen  und  Gewissen  genügen  und  will  auf  die  von  E.  fl.
Gn.  mir  insinuierten  Stellen  der  heil.  Schrift,  die  von  unehrlichen,
verdammten,  falschen  Propheten  und  Leuten  reden,  nur  so  viel  melden,
dass  E.  fl.  Gn.  bewust,  „dass  diese  sowol  des  Achabs  als  andere
falsche  propheten  kein  ordentliche  succession  ihres  berufs  gehabt,
selbst  gelaufen  und  nicht  gesandt  gewesen,  —  ich  aber  bin  entgegen
zu  meiner  vocation  und  stand  ordentlich  durch  oblegung  recht  bischoflicher
  handen  berufen  worden;  darumb  bin  ich  furgenanten  und  also
angezogenen  falschen  propheten  nicht  zu  vergleichen  sondern  denselben
allzeit  schrift-  und  mundlich  zuwider  gewesen  und  noch  bin.“  Dass
mich  aber  der  Kaiser  und  hernach  der  König  zu  weltlichen  Sachen  zogen,
ist  zwar  gegen  meinen  Willen,  aber  nicht  unordentlich  sondern  durch
meine  Landesfürsten  geschehen,  in  deren  Jurisdiktion  ich  geboren  und
erzogen  worden  bin,  die  mir  dies  aufzutragen  Macht  hatten.  Ich  nehme
aber  gleichwol  den  König,  dessen  Blutsfreunde,  geheime  Räte  und
andere  Wissende  zu  Zeugen,  dass  ich  mich  seit  dem  Anfang  der  Regierung
des  Königs  bei  diesem  persönlich  und  durch  andere  um  meine  Entlassung
bemüht  habe,  aber  vergebens;  es  würden  mir  also  E.  fl.  Gn.  die  höchste
Gnade  der  Welt  erweisen,  wenn  Sie  ohne  Praejudiz  meiner  Ehre  meine
Entlassung  beim  König  erlangen  könnten.  —  So  lange  ich  aber  in  dieser
Stellung  bleiben  muss,  will  ich  lieber  dem  Beispiel  Samuels,  Abimelechs,
Michas’,  Ezechiels,  Esaias’  und  anderer  frommer  Propheten  und  Priester
folgen,  die  ihrem  König  beständig  beigetan  waren,  nur  Gott,  Wahrbeit
und  Gewissen  zur  Richtschnur  hatten,  auf  niemanden  sahen  oder  sich
von  ihrem  Amt  und  Geist  schrecken  liessen,  als  falschen  Propheten,  wie
dazu  mich  ja  auch  das  Wort  Gottes,  die  heilige  katholische  Kirche,
meine  Religion  und  Gewissen,  geistliches  und  weltliches  Recht,  Natur
und  Vernunft  treiben.  „Dass  ich  aber  danebens  ein  mensch  und
daher  irren  kan,  bin  ich  doch  Gottlob  also  beschaffen,  dass  ich  mich
gern  von  verstendigeren  mit  grund  und  guten  rationibus  allezeit
eines  bessern  underweisen  lasse,  auch  der  obstinatiae  und  hoffart
vom  herzen  feind..  So  wol  ich  aber  weiss,  dass  ich  ein  mensch  und
also  irren  kan,  also  weiss  ich,  dass  ich  augenblicklich  sterben  und
alles,  was  ich  gethan,  strenge  rechenschaft  geben  muss;  darumb  ich
nit  gern  umb  einer  sachen  willen  uf  der  ganzen  welt  oder  ex  passione
  oder  affectun  mein  seelen  gefehrt  und  verdambt  werden  wolte.“

Zur  Rache,  von  der  E.  fl.  Gn.  sprechen,  habe  ich  weniger  als
irgend  ein  Mensch  Ursache;  denn  ich  habe  vom  Kaiser  mehr  Ehre,
Gnade  und  Gut  empfangen  als  ich  würdig  bin  und  bleibe  ich  für  mein
Leben  sein  Schuldner.  Dass  er  mich  kurze  Zeit  übel  behandelt  hat,
ist  auf  ungleichen  Bericht  loser  Leute  geschehen;  schliesslich  bin  ich
aber  vom  Kaiser  ganz  und  gar  in  integrum  restituiert  worden.  Wie
könnte  ich  mich  auch  mit  Ehren  und  Gewissen,  da  die  Rache  an  sich  ein
        <pb n="118" />
        96  1611  41.

Februar  3.  verdammliches  Laster  ist,  als  Christ  und  Geistlicher  zur  Rache  überreden
  lassen,  da  ich  auch  politisch  dazu  keine  Ursache  habe.  „Wolte
Gott,  I.  ksl.  M.'  hetten  meinem  getreuen  rath,  da  noch  res  integra
gewesen,  und  nit  denen  bösen  leuten  damaln  ad  partem  gefolget,  so
wurde  es  zu  denen  terminis  gewisslich  nit  kommen  sein.  Dass  ich
aber  viel  ding  nicht  kan  recht  heissen  und  strafe,  hab  ich  vor  I.
ksl.M.!  uf  der  canzel,  offentlich,  privatim,  in  audienzien  und  meinen
ubergebenen  schriften,  da  sie  noch  wurklich  mein  landsfurst  gewesen,
ohne  scheu  gethan;  dann  sonsten  wurde  ich  mich  vorangezogener
heil.  propheten  nur  berubmen,  aber  im  werk  nicht  volgen  wöllen.
Das  thue  ich  mit  mass  es  sich  gebühret,  nicht  allein  gegen  meinen
herrn  und  meniglich,  sondern  ich  bins  auch  zu  thun  schuldig,  so
weit  sich  mein  talentum  und  vocation  erstrecket,  da  ich  auch  daruber
sterben  soll.“

Was  das  Interesse  betrifft,  von  dem  E.  fl.  Gn.  reden,  so  wissen  Sie
selbst,  dass  ich  von  meinem  Herrn  nie  eine  Besoldung  oder  Gnade
begehrt,  auch  keine  dieser  [politischen]  Dienste  halber  empfangen  habe,
jaich  habe,  um  von  allem  Verdacht  frei  zu  sein,  als  mich  der  König  dem
Papst  zum  Kardinalat  empfahl,  dagegen  gebeten  und  eher  abziehen  als
deshalb  in  Verdacht  kommen  wollen.  Das  können  E.  fl.  Gn.  vom
König  und  dessen  Räten  erfahren.  „Hab  kein  anders  interesse  als
dass  es  dem  haus  Österreich  sol  wol  gehen  und  dasselb  in  seiner  hoheit
  und  terminis  erhalten  werden.‘

Die  Drohungen,  die  E.  fl.  Gn.  wider  die  anhängen,  die  Dero
Intentionen  nicht  korrespondieren,  können  mich  nicht  irren;  ich  will
jeden  Augenblick  um  der  Wahrbeit  willen  sterben  und  werde  ich
wider  meine  Vernunft,  Wissen  und  Gewissen  weder  aus  Liebe  noch
aus  Furcht  etwas  thun  und  sollte  auch  tausendfacher  Tod  darauf
stehen.  Dem  König  bin  ich  geschworen,  nach  meinem  Vermögen  treu
und  aufrecht  zu  raten,  seinen  Nutzen  zu  befördern  und  seinen  Schaden
abzuwenden.  „Das  thue  ich  ohne  rumb  von  herzen,  begehr  auch
neben  und  bei  derselben  in  billichen  sachen  mein  leben  zu  lassen;
das  will  ich  bei  aller  gelegenheit,  so  meiner  vocation  anhengig,  erweisen.

Was  letzlich  I.  kgl.  M.'  gethanes  brüderliches  schreiben  belangt,
bin  ich  weder  schreiber,  secretarius,  concipist  noch  canzler.!  Also
hats  I.  M.'  gefallen;  die  werdens  wissen  zu  vertheidigen  und  zu  verantworten.“
  Ich  bitte  also  E.  fl.  Gn.,  meiner  zu  verschonen,  sich
meiner  Person  halben  keine  Ungelegenheit  zu  machen  und  sich  durch
meinen  Stand,  Religion,  Gewissen,  Natur  und  Kondition  nicht  anfechten  zu
lassen.  „Ich  bleib  ın  meiner  religion  ufrecht  und  mische  dieselbe
in  diese  sachen  gar  nicht,  allermassen  dann  solche  damit  nichts  zu
thun  hat  sondern,  da  ich  E.  fi.  Gn.  verdächtig  bin,  können  Dieselbe
bei  L  kgl.  M.'  wider  mich  excipiren,  destwegen  ich  Ihr  danksagung

ı  Tatsächlich  ist  aber  das  in  Wi.,  I  A  1.,  Ka.  2988,  n.  105  verwahrte
Konzept  des  königlichen  Schreibens  an  Rudolf  II  vom  29.  Dezember  1610
mit  verschiedenen  eigenhändigen  Zusätzen  Khlesls  versehen.
        <pb n="119" />
        41  —42.  1611  97

schuldig.  Es  seind  I.  kgl.  M'  selbst,  die  [mit  den)  geheimen  räthen  Februar  3.
und  ländern  verhandeln,  an  mir  ist  das  wenigste  gelegen.“  Wien  den
3.  febr.  1611.

Bbg,  A9a;  no.  166,  f,  78;  schlechte  Kopie.

42.  Der  Kurfürst  von  Köln  an  den  von  Mainz.

Auf  verschiedene  Schreiben.  Wir  haben  daraus  von  E.  L.  Vor-  Februar  3.
schlag  Kenntnis  genommen,  dass  wir  geistliche  Kurfürsten  unsere
Räte  zu  Frankfurt  zur  Beratung  einer  Reihe  wichtiger,  in  jenen
Schreiben  berührten  Angelegenheiten,  die  teils  uns  Kurfürsten,  teils
unsere  katholische  Union,  teils  die  Mishelligkeiten  zwischen  dem
Kaiser  und  dem  König  betreffen,  zusammenschicken,!  zugleich  auch  die
andern  rheinischen  Bundesstände  dahin  berufen  sollen,  um  die  zu
künftigem  Bundestag  ausgesetzten  Punkte  einer  Vorberatung  zu  unterziehen,
  besonders  den  „schwerwichtigen‘“  Punkt  der  Einnahme  Sachsens  in
unsere  Union.  Wir  haben  diese  Punkte  bereits  beraten  lassen  und  werden
den  frankfurter  Kommunikationstag  durch  unsere  Räte  beschicken.
  —  Aus  Donnersbergs  Werbung  und  E.L.  Bescheid?  haben  wir  ungern
  ersehen,  dass  sich  wegen  der  Einnahme  Sachsens  zwischen  E.  L.  und
dem  Herzog  von  Baiern  „etwas  ungleichs  verstants  sich  wol  ereugnen
lassen‘,  hauptsächlich  darüber,  ob  Sachsen  ohne  weitere  Praeparation
und  Deliberation  aufgenommen  oder  ob  vorher  sämtliche  Bundesstände
versammelt  werden  sollen,  um  die  Bedingungen  der  Aufnahme  zu
beraten.  Bei  Erwägung  der  beiderseits  angezogenen  Argumente
haben  wir  einige  so  beschaffen  gefunden,  „dass  sie  vielleicht  der  zu
Prag  desshalb  gepflogener  communication  zuwiderlaufen,  auch  auf  die
nunmehr  eingebrachte  sächsische  resolution  allerhand  disgusto  und
offension  verursachen  können.“  Wir  haben  daher  als  einen  Ausweg
bedacht,  dass  ein  allgemeiner.  Bundestag  baldigst  ausgeschrieben
werde,  die  Bundesstände  aber  acht  Tage  zuvor  sich  an  dem  bestimmten
  Ort  versammeln  und  die  Bedingungen  der  Aufnahme  der
gehorsamen  Stände  a.  C.  beraten  und  beschliessen;  nach  dieser  Beschlussfassung
  soll  dann  Sachsen  angesagt  werden,  binnen  der  folgenden
acht  Tage  sich  bei  der  Versammlung  einzustellen.  So  könnten  die  Differenzen
  beseitigt  und  brauchte  ‚„diss  hochnötig  und  nuzlich  werk‘‘  nicht
länger  zurückgestellt  zu  werden.  —  Aus  E.  L.  Schreiben  vom
30.  Oktober  haben  wir  entnommen,  was  E.  L.  in  Dresden  mit  Kursachsen
und  dessen  geheimen  Räten  wegen  der  Succession,  wegen  des  gesteckten
Justizwesens,  wegen  des  unordentlichen  Regiments  am  kaiserlichen  Hof,
wegen  der  Jurisdiktion  des  Reichshofrates  und  wegen  anderer  Beschwerden
  gehandelt  haben  und  wie  alles  auf  einen  Kurfürstentag

:  Die  Zusammenkunft  war  inzwischen  (vgl.  oben  no.19,  S.  50.  Anm.  1)
verschoben  worden;  Kurmainz  an  Kurtrier,  desgl.  an  Kurköln  am  1.  Februar
(Wmz.,  Beligionsakten,  Bd.  12,  no.  8  und  10;  Kpte.).

?  Vgl.  oben  no.  4.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  7
        <pb n="120" />
        98  1611  42.

Februar  3.  verschoben  worden  ist.  Dass  E.L.  Ihrem  Andeuten  nach  in  Dresden
bei  Herrn  und  Dienern  aufrichtige  Affektion  zu  diesen  Sachen  verspürt
  haben,  freut  uns  vom  Herzen;  wir  stellen  aber  alles  auf  eine
persönliche  Zusammenkunft.  —  Den  mitgeteilten  Bescheid  auf  Hegenmüllers
  Werbung!  billigen  wir  völlig  und  hoffen,  dass  sich  der  Kaiser
damit  begnügen  werde;  wir  wüssten  „in  hoc  perturbato  statu  imperii“
auch  nichts  anderes  zu  raten.  —  König  Matthias  hat  an  uns  ebensolche
  Schreiben  wie  an  E.  L.  geschickt,  worin  wir  unseres  fürstlichen
Wortes  „und  interponirter  fideiussion  vast  scharpf  erinnert  und  darbei
dise  demonstration  gemacht  wirt‘,  dass,  da  der  Vergleich  nicht  seine
Wirkung  erlangt,  wir  neben  den  andern  Kurfürsten,  Erzherzogen
und  Fürsten  dem  König  zu  dessen  wirklicher  Vollziehung  assistieren
sollen.  Wir  haben  gleichen  Inhalts  wie  E.  L.  an  den  Kaiser  geschrieben.”
  Wir  haben  auch  beiliegenden  Diskurs  [fehlt]  erhalten,  wonach
der  Kaiser  den  Verzug  der  Abdankung  der  Passauer  entschuldigen
und  die  „Kontravention‘‘  den  österreichischen  Ständen  zumessen  will.
Eben  erfahren  wir  auch,  dass  der  Herzog  von  Braunschweig  und  der
Graf  von  Hohenzollern  zur  Beilegung  der  Mishelligkeiten  nach  Wien
gereist  sind.  —  Wegen  des  Gutachtens,  das  der  Kaiser  von  uns  Kurfürsten
  in  dem  kurpfälzischen  Administrationsstreites  gefordert
hat,3  halten  wir  dafür,  ein  solches  bei  der  Zusammenkunft  unserer
Räte  beratschlagen  zu  lassen,  ebenso  die  Antworten  auf  die  Schreiben
beider  Pfalzgrafen  von  Zweibrücken  und  Neuburg.  —  Die  Dinge  im
Jülichschen  lassen  sich  wieder  so  an,  dass  alle  Stifter  von  der  Mosel
bis  zur  Weser  dadurch  gefährdet  sind.  Die  praetendierenden  Fürsten
haben  zwar  nach  Eroberung  der  Festung  Jülich  einiges  Kriegsvolk
abgedankt,  dann  aber  wieder  staatisches  in  diese  Festung  gelegt,  sie
haben  Partikularlandtage  und  jetzt  eine  allgemeine  Tagung  zu  Düsseldorf
  angestellt  und  wollen  von  den  Ständen  grosse  Kontributionen
erzwingen;  sie  ordnen  Garnisonen  zu  Lippe,  Hamm,  Unna,  Camen,
Bielefeld  und  Spornberg  an  und  besetzen  so  die  Grenzen  der  Stifter
Köln,  Münster  und  Paderborn,  wovon  wir  uns  täglichen  Ueberfalls
und  Raubes  zu  Verderb  unserer  armen,  ausgemergelten  Untertanen
zu  versehen  haben.  Datum  Arnsperg  den  3.  februarii  a.  1611.  —
Praes.  Aschaffenburg  10.  februarü  1611.

mu  nn  ann

ı  Vgl.  no.  36,  8.  87,  Anm.  1  und  2.

?  Der  Kurfürst  von  Mainz  stellte  am  8.  Januar  dem  Kaiser  vor,  wie
sich  der  König  schon  ehedem  wegen  der  Verzögerung  der  Abdankung  des
Kriegsvolks  beschwert  habe;  jetzt  erinnere  Matthias  abermals  an  das  verbürgte
  Wort.  Wenn  die  I,.ande  des  Königs  durch  das  passauer  Kriegsvolk
feindlicb  angefallen  würden,  werde  dies  dem  Kaiser  zur  Verkleinerung,  den
Bürgern  zu  Schimpf  und  Spott  gereichen  und  könnte  ein  Blutbad  daraus
entstehen;  der  Kaiser  möge  das  Kriegsvolk  baldigst  abdauken  (Mb.,  119/3,
f.  136;  Kop.).  —  Ebenso  schrieb  Kurköln  am  4.  Febraar  an  den  Kaiser
(Wh.,  Nationalakten,  Coloniensia;  Fasz.  1.  —  Or.).

5  Am  8.  November  1610  (Me.,  no.  85/5.  —  Kopie).
        <pb n="121" />
        42  .—44.  1611  99

Nachschrift:  Aus  des  bairischen  Abgesandten  D."  Jocher  Be-  Februar  3.
richt!  vernahmen  wir,  aus  welchen  „hochdringentsten  bewegnussen“
E.  L.  eine  persönliche  Unterredung  mit  uns  wünschen.  Wir  sind
aber  von  unsern  Landen  so  lange  fern  geblieben,  haben  bei  unserer
Rückkehr  wegen  der  bösen  Nachbarschaft  so  viel  Verwirrung  gefunden,
haben  auch  aus  Dero  Bescheid  an  Hegenmüller  gesehen,  dass  die  wichtigsten
  Gegenstände  einer  solchen  Unterredung  ‚wol  etwas  anstants
erleiden  können“  und  bitten  daher,  uns  diesmal  zu  entschuldigen.
Datum  ut  in  litteris.
Wmz.,  Religionsakten  Bd.  13.,  no.  15;  Or.

43.  Papst  Paul  V.  an  König  Matthias.

„Paulus  papa  V.  Charissime  in  Christo  fili  noster;  salutem  et  Februar  4.
apostolicam  benedictionem.  Ex  literis  M.*  Tuae  intelleximus,  quae
nuper  in  Austria  superiori  evenerunt,  nec  quidem  sine  summa
animi  nostri  molestia.  In  Tua  tamen  prudentia  confisi  consolamur  non
sane  leviter;  nam  cum  Tu  optime  cognoscere  possis,  quantum  detrimentum
  ab  eiusmodi  perturbationibus  immineat,  non  dubitamus  quin
cogitationes  omnes  Tuas  directurus  sis  ad  pacis  conservationem,  ad
quam  rem  M.'"  Tuam  efficacissime  hortamur.  Jam  vero  charissimo
in  Christo  filio  nostro  imperatori  electo  scripseramus  atque  iterum
scribimus  postulantes,  ut  occasiones  harum  perturbationum  velit
removere.  Aliis  quoque  scribimus,  quorum  operam  atque  diligentiam
nostro  huic  paterno  desiderio  perficiendo  oportunam  esse  credimus,
Nullum  denique  officium  praetermisimus  neque  praetermissuri  sumus
in  posterum,  ut  cuncta  in  pace  ac  quiete  conserventur.  Fiducia,
quam  in  nostra  paterna  charitate  habere  Te  vidimus,  charissime  fili,
pergrata  nobis  fuit,  cui,  quantum  cum  Deo  poterimus,  respondere
semper  curabimus.  M."  Tuae  inerementum  divinae  gratiae  optamus
et  benedictionem  apostolicam  toto  nostri  cordis  affectu  impartimur.  —
Datum  Romae  apud  S.  Marcum  sub  annulo  piscatoris  pridie  nonas
februarii  MDCXI  pontificatus  nostri  anno  sexto.

Petrus  Stroza.“
Wh,  Urkunden,  —  Ur.

44.  Instruktion  des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern  Februard.
für  Theodor  Viepeckh  zu  dessen  Sendung  nach  Prag.

Viepeckh  soll  sich  sogleich  bei  Erzherzog  Leopold  anmelden  und
vorbringen:  Wir  hätten  auf  Ubezkos  Werbung?  schon  früher  durch
einen  Abgesandten  antworten  lassen,  wenn  wir  nicht  zuvor  die  ange-I

  Dr.  Jocher  war  im  Oktober  1610  vom  Herzog  Maximilian  in  Angelegenheiten
  der  katholischen  Union  zum  Kurfürsten  von  Mainz  abgefertigt  worden
(undatierte  Instruktion  in  Mc.,  Eutstehung,  Fasz.  IV.,  no.  28,  f.  978;  Kop.).

?  Siehe  oben  no.  23.

1*
        <pb n="122" />
        100  1611  44.

Februar  5.  kündigte  Werbung  Tengnagels!  hätten  abwarten  wollen;  da  aber  diese
sich  verziehe,  hätten  wir  Viepeckh  abgeordnet,  der  den  Erzherzog  um
Beförderung  einer  Audienz  beim  Kaiser  ersuchen  solle;  vermöge
unseres  Vertrauens  zum  Erzherzog  habe  Viepeckh  ausdrücklichen  Befehl,
  ihm  noch  vor  der  Audienz  beim  Kaiser  unsere  Gemütserklärung
zu  eröffnen  und  ihn  dabei  zu  ersuchen,  beim  Kaiser  gute  Dienste  zu
leisten.

Was  die  an  uns  gebrachten  Begehren  des  Kaisers  belangt,  so
baben  wir  mit  dessen  Beschwerden  vetterliches  Mitleid  und  könnnen
ihm  gar  nicht  verdenken,  dass  er  seine  Autorität  und  die  seinen
Königreichen  und  Landen  drohende  Gefahr  in  weltlichen  und  RBeligionssachen
  in  Acht  nımmt  und  auf  Mittel  denkt,  sich  bei  den  Landen
zu  behaupten.  Es  fällt  uns  aber  schwer,  unser  Gutachten  darüber  zu
geben,  ob  er  die  durch  den  Absagebrief  des  Königs  zugefügten  Beleidigungen
  ersitzen  lassen  und  seiner  Hoheit  nicht  achten  oder  ob  er
zur  Erhaltung  des  Hauses  Oesterreich  iure  praeventionis  den  Vorstreich
nehmen  solle;  denn  wir  haben  kein  gründliches  Wissen  von  dem,  was
dem  brüderlichen  Vergleich  vorangegangen  ist,  noch  weniger,  weshalb  sich
der  folgende  Streit  erhoben  hat,  ausser  was  mit  dem  passauer  Volke
vorgieng,  wegen  dessen  bedrohlichen  Vorhaben  wir  uns  mit  grossen
Kosten  gefasst  machen  mussten.  Den  brüderlichen  Vergleich  haben  wir  nie
gesehen,  die  Intention,  Gutachten  und  Vorschläge  der  zu  Prag  gewesenen
Kurfürsten,  Erzherzoge  und  Fürsten  nie  eigentlich  erfahren  ;  daher  können
wir  weder  zu  einem  noch  andern  raten.  Da  aber  die  zu  Prag  gewesenen
Kurfürsten  etc.  gewiss  alles  mit  Bedacht  verfassen  geholfen  und  sich
dafür  verbürgt  haben,  so  kann  niemand  besser  als  eben  diese  Kurfürsten
  etc.  raten  und  beurteilen,  ob  der  König  den  Vertrag  überschritten
hat  und  was  dagegen  vorzunehmen  ist;  die  werden  dem  Kaiser
auch  die  Mittel  an  die  Hand  zu  geben  wissen.  Der  Kaiser  soll
dann  deren  Rat  samt  dem  Verlauf  der  Sache  den  andern  Reichsständen
  zur  Nachricht  mitteilen,  deren  Meinung  anhören  und  sie
sämtlich  der  Sache  beipflichtig  machen.  Es  werden  dann  gewiss
die  Beichsstände  ihrem  Oberhaupt  zur  Erhaltung  seiner  Autorität
nach  bestem  Vermögen  beispringen  und  nicht  gestatten,  dass  ihr
Kaiser  wider  Gebühr  angefochten  oder  mit  Gewalt  angegriffen  werde;
auch  wir  werden  es  dann  an  unserm  Zutun  nicht  fehlen  lassen.  —  Wir
haben  aber  von  Übezko  gern  gehört,  dass  der  Kaiser  vorerst  eine  Gesandtschaft
  an  den  König  abgeordnet  hat,  um  ihn  seines  Unfugs  zu
erinnern  und  dessen  kategorische  Erklärung,  ob  er  Freund  oder  Feind  sei,
zu  vernehmen,  und  hoffen,  der  König  werde  wohl  in  Acht  nehmen,  wie
durch  Feindschaft  das  Haus  Oesterreich  noch  mehr  getrennt,  Land  und  Leute,

'  Erzherzog  Leopold  stellte  in  einem  Schreiben  vom  22.  Januar  dem
Herzog  Tengnagels  Erscheinen  in  baldige  Aussicht  (Ma.,  111/11,  —  Or.),
musste  aber  am  29.  Januar  mitteilen,  dass  der  Kaiser  vor  Abfertigung  Tengnagels
  noch  den  Bescheid  aus  Wien  erwarten  wolle;  inzwischen  halte  man
mit  allen  Resolutionen  inne  (Ma.,  a.  a.O.,  Or.).  —  Die  Instruktion  für  Tengnagel
  ist  erst  vom  23.  kebruar  datiert;  vgl.  unten  no.  67.
        <pb n="123" />
        44.  1611  101

seine  eigene  Autorität,  ja  selbst  die  Religion  gefährdet,  die  Privi-  Februar  5.
legien  zum  Nachteil  der  obersten  Gewalt  erweitert  und  schliesslich

eine  völlige  Exemtion,  wie  auch  an  andern  Orten,  durch  heimliche
Praktiken  der  Gegner  des  Hauses  gesucht  werden  würde;  der  König

wird  gewiss  in  sich  gehen,  diese  heimlichen  Anschläge  wahrnehmen

und  dem  Kaiser  in  allem,  worin  er  ihn  wider  Verträge,  Recht  und
Billigkeit  beleidigt,  zur  Verhütung  gefährlicher  Weiterungen  Genugtuung

  geben.  Sicherlich  werden  auch  die  Erzherzoge  Maximilian  und
Ferdinand,  zu  denen  der  Kaiser  schicken  will,  sich  in  diesem  Sinne
bemühen.

2.  Was  den  für  das  elsässer  Volk  begehrten  Pass  durch  unser
Land  nach  Oesterreich  gegen  den  König  oder,  falls  dieser  sich
akkomodiert,  für  das  passauer  Kriegsvolk  gegen  die  Possidierenden  betrifft,
möge  sich  der  Kaiser  erinnern,  dass  wir  und  unsere  Voreltern  uns  zu
allen  Zeiten  dem  Hause  Oesterreich  und  dessen  Kaisern  als  gehorsame
Beichsfürsten  erwiesen  haben,  wie  eben  auch  aus  unserm  Verhalten
gegen  das  passauer  Volk  zu  sehen  ist,  das  seinen  Weg  meist  durch
unser  Land  genommen  hat,  von  da  aus  mit  Proviant  vorsehen,
vor  Zertrennung  in  seinem  Quartier  durch  unsere  Nachbarschaft  und
die  Bücksicht  gegen  uns  behütet  worden  ist,  was  alles  man  an
andern  Orten  kaum  getan  hätte.  —  Diese  getreue  Affektion  werden
wir  in  allem  Verantwortlichen  noch  fortsetzen,  müssen  aber  wegen  dieses
Begehrens  dem  Kaiser  unsere  getreue  Meinung  dahin  eröffnen,  dass  wir
wol  merken,  dass  der  Kaiser  auf  die  Schickung  nach  Wien  wenig  Hoffnung
setzt  und  gewillt  ist,  mit  dem  elsässer  und  passauer  Volk  seinen
Bruder  zu  bekriegen.  Wir  besorgen  dabei  aber:  1.  Der  König  und
die  Oesterreicher  werden  sich  dagegen  aufs  stärkste  gefasst  machen,
wie  bereits  geschieht.  2.  Die  Ungarn  und  Mährer  werden  ihren  König
nicht  hilflos  lassen,  zumal  sie  sich  dadurch  auch  desto  mehr  vor  zu
besorgender  Ahndung  wegen  des  wider  den  Kaiser  Begangenen  sichern.
3.  Des  Königs  Lande  stehen  mit  den  Böhmen  in  starker  Korrespondenz,
haben  diese  auch  bereits  um  Hilfe  angerufen  und  werden  auf  sie
um  so  mehr  zählen  dürfen  als  ihr  König  auch  zum  böhmischen  designiert
ist  und  die  Unkatholischen  dabei  zu  grösseren  Privilegien  und  anderen
Neuerungen  zu  des  Kaisers  Praojudiz  zu  gelangen  hoffen.  4.  Man
sagt  auch,  dass  der  König  durch  seine  Leute  mit  den  protestantischen
Reichsständen  unterhandle  und  neulich  dahin  und  nach  Frankreich
eigene  Gesandte  abgeordnet  habe;!  auch  die  österreichischen  Länder
sollen  sich,  wie  einige  eröffnete  Briefe  ergeben,  auf  solchen  Fall
mit  den  Protestanten  verbunden  haben,  die  ohne  Zweifel  wegen
ihrer  Glaubensgenossen  „und,  damit  hiedurch  die  eingefierte  novation
  in  glaubenssachen  der  orten  nit  zugleich  wieder  cassirt
werde,“  dem  König  beistehen,  „zugleich  mit  dieser  erwinschten  gelegenheit
  die  gülchische  sach,  deren  execution  man  sich  hoch  besorgt,
weit  von  ihnen  aus  dem  reich  in  die  erzherzogischen  länder  sowohl

ı  Vgl.  oben  no.  21,  besonders  8.  53,  Anm.  2.
        <pb n="124" />
        102  1611  44.

Februar  5.  wegen  gemainer  als  aller  interessirten  stende  particularinteresse

verschieben,  sich  dos  grossen  uncosten  erledigen  und  doch  gleichwohl
  ibr  völliges  intent  und  in  ihrer  stabilirten  sicherheit  zu  mehrerm
ungereimbten  beginnen  desto  mehr  occasion  und  anlass  bekommen;
entgegen  im  ganzen  römischen  reiche  neue  unruhe,  werbung,  kriegspraeparation
  und  partialische  tumult  erweckt,  solchs  alles  und  mit
der  nechstanrainenden  hechstem  schaden  in  den  österreichischen
ländern  tota  belli  moles  sambt  allen  bekannten  consequenzen  derselben,
nemblich  verwüestung  wo  nit  gar  untergang  derselben  land  und  leut,
mit  welchem  J.  M.!  oder  irem  hauss  nit  geholfen,  eingefürt  und
verursacht  wirdet.*  5.  Ferner  ist  der  Ausgang  jedes  Krieges  ungewiss;
  der  Kaiser  möge  bedenken,  was  er,  wenn  er  dabei  den
kürzern  zöge,  in  Böhmen  und  in  seinen  andern  Ländern  zu  erwarten
  habe,  zumal  die  Böhmen  die  Abdankung  des  passauer  Volks
heftig  begehrt  haben  und  die  beabsichtigte  Expedition  vermutlich  nicht  gern
sehen.  6.  Die  Gefahr  des  Unterliegens  ist  um  so  besorglicher  als  die
Frage,  ob  und  wie  der  König  gegen  den  prager  Akkord  gehandelt  habe,
von  den  kurfürstlichen  etc.  Bürgen,  die  der  König  bereits  um  Hilfe  angegangen
  hat,  noch  nicht  entschieden  ist,  sie  auch  nicht  zu  dieser  Expedition
  geraten  haben,  so  dass  sich  der  Kaiser  von  ihnen  und  von
andern  gehorsamen  Reichsständen,  die  auf  jene  sehen,  schleuniger
Hilfe  nicht  zu  getrösten  hätte.  7.  Der  Kaiser  hat  sich  zuvor  wiederholt
  entschlossen,  dass  er  das  Volk  ganz  und  gar  abdanken  wolle;
Kursachsen,  dem  es  der  Kaiser  durch  Erzherzog  Leopold  mehrmals
  hatte  anbieten  lassen,  sollte  es  zur  jülichschen  Exekution  in
seine  Bestallung  nehmen  und  nur  mangels  an  Geld  und  zur  Abdankung
  wollte  man  es  durch  Oesterreich  o./E.  nach  Tirol  rücken
lassen,  damit  es  dort  die  Abdankung  erwarte,  wobei  der  Kaiser  selbst
angedeutet  hat,  wie  schwer  er  mit  den  Mitteln  aufkomme.  Wenn  nun
der  Kaiser  nicht  abdankt  sondern  so  starke  „Impresen*  fortsetzt,  so  ist
zu  besorgen,  es  werde  der  Mangel  an  Mitteln  zum  Kriegen  des  Kaisers
Vorhaben  verhindern  und  er  sich  nur  in  neue  Schwierigkeiten  stürzen,
zumal  Sachsen  nur  in  dem  Fall,  wenn  in  der  jülichschen  Sache  der
Spruch  zu  seinen  Gunsten  fällt,  und  nur  vom  Tag  des  Spruches  ab
einen  Teil  des  Volkes  in  seinen  Sold  nehmen  will;  wenn  aber  der  Kaiser
zuerst  die  Österreichische  Expedition,  die  sich  lange  verweilen  kann,
vornimmt,  ist  er  von  Sachsen  dor  versprochenen  Hilfe  gegen  Oesterreich
  nicht  versichert.  8.  Gesetzt  auch,  der  Kaiser  wäre  seinem
Bruder  an  Volk,  Geld  und  Hilfe  überlegen,  so  besorgen  wir  doch,
da  der  König  und  die  österreichischen  Stände  zur  äussersten  Gegenwehr
entschlossen  sind,  sie  würden  sich  eher  dem  Erbfeind  als  dem  Kaiser
unterwerfen  wollen,  im  Notfall  sogar  die  Türken  zu  Hilfe  rufen,  diese
auf  deutschen  Boden  führen  und  sich  mitsamt  den  Gegnern  ins  Verderben
  stürzen,  so  dass,  wenn  der  eine  Teil  übermannt  wäre,  der
andere  ohne  Schwertstreich  in  des  Türken  Gewalt  käme.  Der  Türke
würde  durch  den  Bruderzwist  erlangen,  was  er  bei  Einigkeit  nie  er-
        <pb n="125" />
        44.  1611  103

reichen  kann.  Hinweis  auf  Ungarn.  —  Da  es  sich  also  um  das  ganze  Februar  5.
übrige  Ungarn,  Böhmen,  Mähren,  die  niederösterreichischen  Lande,
um  das  ganze  Reich  und  um  Millionen  unschuldiger  Seelen,  die
in  ewige  tyrannische  Dienstbarkeit  dadurch  verkauft  würden,  also  um
so  viel  Christenblut  handelt,  so  wird  der  Kaiser  als  Vater  des  Vaterlandes
  das  gewiss  beherzigen,  minder  bedenkliche  Mittel  zur  Hand
nehmen  und  nicht  um  der  Rache  willen  begehren,  dass  so  herrliche
Lande  dem  Hause  Oesterreich  entrissen  werden  und  in  des  Erbfeindes
Hand  zu  Grunde  gehen  sollen;  vielmehr  möge  er  zuvor  des  Königs
Antwort  abwarten,  darauf  mit  den  Mediatoren  und  den  Reichsständen
sich  verständigen  und  dann  mit  gesamtem  Zutun  aller  das,  wozu
er  kraft  kaiserlichen  Amtes  berechtigt  ist,  mit  gewissem  Nachdruck
vollführen.

Wenn  der  Kaiser  trotzdem  auf  Durchführung  des  elsässer  Volkes
durch  unser  Land  besteht,  so  ist  nichts  gewisser  als  dass  wir  beim
König,  dessen  Ländern  und  Anhang  in  den  Verdacht  kommen,  dass
wir  uns  durch  die  Bewilligung  des  Passes  wirklich  dieses  Werkes  wider
sie  teilhaftig  machen  und  dass  wir,  nachdem  wir  schon  das  passauer
Volk  so  lange  in  Baiern  gleichsam  geschützt  haben,  ihnen  noch  mehr
Feinde  ins  Land  bringen  wollten,  während  des  Kaisers  Vetter  in
Steiermark  und  der  leibliche  Bruder  in  Tirol  diesem  Volk  den
Pass  weigerten.  Dabei  ist  unser  armes  Land  durch  den  Durchzug
der  Passauer,  durch  die  Einlagerung  der  Truppen  der  Liga,  durch
den  Durchlauf  der  madruzzischen  Knechte  so  sehr  beschwert  worden  und
würde,  wenn  noch  der  Durchzug  so  vieler  tausend  Soldaten  dazu
kommen  sollte,  noch  mehr  verderbt  werden.  Das  wäre  selbst  bei
barer  Bezahlung  und  gutem  Regiment,  wie  bei  den  Ligatruppen  der
Fall  war,  nicht  zu  verhüten,  wie  viel  weniger  bei  dem  elsässer  Volk,
das  nicht  ganz  befriedigt  worden  ist.  Dieselbe  Meinung  hätte  es  mit
der  Durchführung  der  Passauer,  besonders  bei  den  Protestanten,  „dern
feind  wider  unsern  aufgerichten  accord  irem  fürgeben  nach  wür  dardurch
  sein  und  gleicher  gestalt  aller  gefahr  erwarten  müessten.“
Wir  müssen  daher  den  Kaiser  bitten,  falls  er  beides  Volk  zusammenführen
  will,  unser  Land  zu  verschonen  und  das  Volk  lieber
durch  seine  eigenen  Lande  zu  führen  als  uns  Gefahr  und  schwere
Ungelegenheiten  zu  bereiten  und  uns  zugleich  die  Mittel  zu  benehmen,
  dem  Kaiser  im  unverhofften  Fall  beizuspringen.  Es  muss
dem  Kaiser  doch  daran  liegen,  dass  die  katholischen  gehorsamen
Stände  nicht  beschwert  und  durch  das  kaiserliche  Kriegsvolk  nicht
geschwächt  werden.

Viepeckh  soll  dies  alles  dem  Erzherzog  vorstellen  und  in
unserm  Namen  bitten,  dass  er  sich  beim  Kaiser  unsere  Sache  angelegen
sein  lasse  und  durch  seine  Interposition  den  Pass  durch  unser  Land
abwende,  ihm  auch  beim  Kaiser  eine  Audienz  verschaffe,  bei  der  er,
Viepeckb,  das  Obige  in  Kürze  wiederholen  soll.

Aus  der  Antwort  des  Erzherzogs  wird  Viepeckh  bald  merken,
        <pb n="126" />
        104  1611  44—45.

Februar5.ob  und  mit  wem  er  sonst  deshalb  weiter  tractieren  soll,  sonst  soll  er
sich  mit  niemandem  einlassen.  [,„Er  soll  auch  bei  leib  khein  abschrifft,
do  sie  auch  schon  begert  wurde,  von  dieser  instruction  noch  sonsten
etwass  schrifftlichs  von  sich  geben,  so  den  khünig  in  Vngern  oder
auch  andere  so  wol  die  Protestierende  offendirn  khünde].?  Actum
München  den  5.  februarii  a.  1611.

Ma,  111j11,  —  erste  Kptkopie  wit  elgenhändigem  Zusatz  des  Herzogs  und  mit
der  Datierung  auf  der  Rückseite:  30.  jan.  1611.  —  Ma.,  829|88,  f.  1;  zweite  Kptkopie.°

45.  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  an  König  Matthias.

Februar  6.  E.  kgl.  W.  Schreiben  vom  15.  Januar?  wegen  des  Einfalls  der
Passauer  haben  wir  nicht  ohne  grosses  Befremden  gelesen  :  „dann  so  keine
so  hoch  beteurte  compactate,  keine  bruederliche  verwandnus,  keine  gemeinschaft
  des  glaubens  und  der  religion  diese  nicht  unbekante  leute  (denn
I.  ksl.  M.!,  wie  E.kgl.  W.  in  ebener  meinung  auch  sein,  halten  wir  wol
entschuldigt)  mer  abhalten  können,  mit,  anstellung  dergleichen  weitaussehenden
  händel  wider  E.  kgl.  W.  zu  verfahren,  sehen  wir
nicht,  worauf  wir  oder  andere  hinfürter  zu  sehen  oder  uns  zu  verlassen“
  Da  E.  kgl.  W.  hiebei  unsern  Rat  und  im  Notfall
unseren  Beistand  begehren,  so  erinnern  wir  uns  gar  wol,  dass
E.  kgl.  W.  sich  stets  als  Freund  unseres  Hauses  erwiesen  und
sich  noch  unlängst  unser  auf  unser  Ersuchen  in  der  hochwichtigen
  jülichschen  Sache  ganz  günstig  beim  Kaiser  fürbittlich  angenommen
  haben,  weshalb  wir  gern  E.  kgl.  W.  jetzt  etwas  erspriessliches
  raten  möchten.  Seit  E.  kgl.  W.  Schreiben  aber  sind
nach  den  täglich  einlaufenden,  sich  widersprechenden  Zeitungen  die
Sachen  in  einen  ganz  anderen  Stand  geraten,  von  dem  wir  wegen
der  Entfernung  keinen  gründlichen  Bericht  haben  können;  wir
können  daher  kein  genügendes  Gutachten  geben,  halten  aber  gänzlich
  dafür,  dass  durch  Vermittelung  des  Herzogs  von  Braunschweig
(der  vom  Kaiser  vermocht  sein  soll,  zu  E.  kgl.  W.  zu  ziehen)  die
Sache  soweit  gebracht  sein  wird,  dass  es  unseres  Beistandes  nicht
bedarf.  E.  kgl.  W.  mögen  aber  versichert  sein,  dass,  wenn  die  Sache
einen  andern  Ausschlag  gewinnt  oder  wenn  E.  kgl.  W.  uns  etwas  eingehender
  anzeigen,  was  Sie  gern  von  uns  verrichtet  sehen,  wir  uns
stets  als  Derselben  treuer  Freund  erweisen  wollen.  Geben  in  aller

eil  zu  Cöln  an  der  Sprew  am  27.  januarii  1611.
Be  ,  Differenz  zwischen  Rudolf  und  Matthias,  no.  2;  Kop,

ı  Das  Eingeklammerte  ist  eigenhändiger  Zusatz  des  Herzogs.

?  Viepeckhs  Sendung  erwähnt  bei  Gindely,  Rudolf  II.,  II,  8.  184.

?  Am  14.  und  15.  Januar  ergieng  eine  Anzahl  königlicher  Schreiben  an
die  unierten  Fürsten  mit  Klagen  über  den  Einfall  der  Passauer  und  mit  der
Bitte,  Hilfe  zu  leisten  und  den  Darstellungen  des  Verlaufs  durch  die  Gegner
nicht  Glauben  zu  schenken;  zugleich  wird  das  Schreiben  des  Königs  an  den
Kaiser  vom  29.  Dezember  1610  mitgeteilt.  Die  Schreiben  an  Kurpfalz  und
Württemberg  liegen  in  Stg.,  Unionsacta  XI.,  f.  399  und  f.  421  in  Or.,  beziehungsweise
  Kopie  vor.  Vgl.  oben  no.  26.
        <pb n="127" />
        46.  1611  105

46.  Die  Aeltern  und  Geheimen  des  Rats  von  Schwein-  Februar.
furt  an  den  Administrator  der  Kurpfalz.

Auf  das  Schreiben  vom  1.  Februar  wegen  Abhaltung  eines  Unionstages.!
  Wir  können  E.  fl.  Gn.  nicht  bergen,  dass  wir  und  andere  unierte
Städte  wegen  der  Union  beim  Kaiser  und  bei  geistlichen  und  weltlichen
Kurfürsten  und  Fürsten  in  merkliche  Ungnade  und  schlechtes  Ansehen
  geraten  sind,  was  wir  bisher  vielfach  entgelten  mussten;  vor
allem  aber  werden  wir  von  unserm  nächsten  Nachbar  Würzburg,
von  dessen  Gebiet  wir  ganz  umgehen  sind,  sehr  unnachbarlich  gebalten,
  so  dass  uns  eben  das  zustiess,  was  wir,  bevor  wir  in  die
Union  traten,  besorgt  hatten.  Besonders  seitdem  das  markgräfliche  Kriegsvolk
  im  vergangenen  Frühjahr  bei  uns  zu  Schweinfurt  gemustert
und  in  die  benachbarten  Flecken  und  Dörfer  quartiert,  demselben
auch  freier  Pass,  in  unserer  Stadt  einzukaufen,  gestattet  worden  war,
haben.  die  würzburgischen  Beamten  und  Untertanen  angefangen,  uns
-  anzufeinden;  man  beschreit  uns  Öffentlich,  als  wären  wir  diejenigen,
die  das  Volk  und  den  Markgrafen  Joachim  Ernst  hieher  gezogen
hätten;  man  hat  uns  auch  aufs  äusserste  bedroht  und  uns  zugeschworen,
  wenn  es  wieder  angienge,  müsste  Schweinfurt  zuerst  herhalten.
  Ein  bestellter  würzburgischer  Hauptmann  hat  vor  dem  Spitaltore
  überlaut  gedroht,  er  wolle  das  Rattennest  zerstören  und  in
Grund  und  Boden  verderben  helfen;  solche  Aeusserungen  gebraucht
auch  das  Bauernvolk  auf  dem  Lande,  die  würzburgischen  Beamten,
Diener  und  Untertanen.  Es  sind  auch  schon  Tätlichkeiten  darauf
erfolgt,  indem  die  Viktualien  gesperrt  wurden,  wodurch  sehr  grosse
Teurung  bei  uns  eintiel;  die  würzburgischen  Soldaten  haben  den  Pass
dies-  und  jenseits  des  Mains  eingenommen;  würzburgische  und  andere
Untertanen,  die  etwas  in  die  Stadt  zum  Verkauf  bringen  wollen,
werden  angehalten  und  untersucht  und  Viktualien,  Leder  u.  a.  auf
freier  kaiserlicher  Landstrasse  und  meist  auf  unserm  Gebiet  gowaltsam
  weggenommen,  ja  nahe  vor  den  Stadt  in  der  hilpersdörfschen
Kircbe  wird  gleichsam  ein  Lager  aufgeschlagen  und  die  Beute  verteilt,
zu  geschweigen  von  den  täglichen  Streifungen,  Einfällen  in  unsere
Gemarkung,  Schiessen  auf  unsere  Wachen  und  sonstigen  Mutwillen,
was  alles  ung  wegen  der  Union  zugefügt  wird.  Wegen  dieser  Ungelegenheiten
  haben  wir  bereits  mit  Vorwissen  einiger  benachbarter
Unierten  achtzig  versuchte  Soldaten  auf  Abzug  unserer  Quote  in  Bestallung
  genommen.

Würde  nun  der  Unionstag  hieher  verlegt,  so  würden  sich  die
Anfeindungen  nur  mehren  und,  wenn  die  Viktualiensperre  fortgesetzt
würde,  wüssten  wir  auch  nicht  mit  der  nötigen  Traktation  für  die
Fürsten  oder  deren  Gesandten  aufzukommen,  zumal  wir  im  Vorjahr

!  Mitteilung  an  den  Rat,  dass  der  Unionstag  am  1./11.  März  zu  Schweinfart
  abgehalten  werden  soll  (Mb.,  119/3,  f.  142,  Kpt.).
        <pb n="128" />
        106  1611  46-  -47.

Februar  7.  durch  Hagel  schweren  Schaden  gelitten  haben  und  das  übrige  von

Februar  7.

den  würzburgischen  Soldaten  verdorben  oder  verzehrt  worden  ist;  dazu
haben  wir  für  so  hohe  Personen  nicht  genügende  Wohnungen  und
in  der  Umgebung  gefährliche  Krankheiten.  —  Ausser  dem  allen
liegt  uns  das  kaiserliche  Poenalmandat  vom  21.  Juli  1610  wegen
Aufbebung  der  Union  an,  das  an  alle  Unierten  ausgegangen,  uns
aber  nicht  mitgeteilt  worden  ist;  wir  haben  auch  nicht  erfahren
können,  ob  es  abgelehnt,  suspendiert  oder  ihm  sonstwie  unterbaut  worden
ist.  Da  dies  nun  der  erste  Unionstag  wäre,  der  diesem  Mandat  zuwider
  gehalten  würde,  so  hätten  wir,  wenn  es  zur  angedrohten  Exekution
  käme,  nicht  unzeitig  zu  besorgen,  dass  man  mit  uns  den
Anfang  machte  Daher  haben  wir  E.  fl.  Gn.  bitten  müssen,  uns
zu  entschuldigen  und  den  Unionstag  an  einen  andern  Ort  (denn  nur
Kurbrandenburg,  Culmbach,  Hessen  und  Anhalt  haben  zu  uns  näher,
die  andern  aber  viel  weiter)  zu  verlegen.  Lässt  der  Ort  sich  aber  nicht
mehr  abändern,  so  müssen  wir  es  geschen  lassen,  hoffen  aber  dann,
dass  man  uns  die  Mängel  nicht  verüblen  und,  wenn  man  uns  zusetzt,
uns  verantworten  helfen  werde.  Datum  Schweinfurt  montags  den
28.  januarii  a.  1611.  —  Praes.  Heidelberg  1.  febr.  1611.
Mb.,  119|3,  £  197;  Or.

47.  Das  Gesamthaus  Sachsen  an  Kaiser  Rudolf  II.

Als  wir  uns  zur  Beratschlagung  der  jülicher  Sache  hier  zusammen
  fanden,  haben  uns  Markgraf  Christian  von  Brandenburg  und
Landgraf  Ludwig  von  Hessen  zu  erkennen  gegeben,  wie  sehr  es
ihnen  nahe  gehe,  dass  die  Handlung  zu  Köln  so  fruchtlos  abgelaufen
  sei.?  Wegen  der  daraus  zu  besorgenden  üblen  Folgen  haben
sie  unsere  Zustimmung  eingeholt,  motu  proprio  zu  versuchen,  ob
der  Kurfürst  von  Brandenburg  nochmals  auf  die  zu  Köln  vorgeschlagenen
  Mittel  mit  sich  handen  lassen  möchte.  Trotzdem  wir  Ursache
gehabt  hätten,  bei  unserer  vorigen  Resolution  zu  verharren,  sO  haben
wir  doch  in  Erwägung  der  Vorteile  eines  Vergleichs  für  das  Reich
und  dessen  Angelegenheiten  und  in  Erinnerung,  was  E.  ksl.  M.'
durch  Erzherzog  Leopold  und  Hoegenmüller  laut  Dero  Resolutionen
vom  3.  u.  4.  Dezbr.?  mir,  dem  Kurfürsten,  und  den  geistlichen

ı  Der  Administrator  erwidert  am  5./15.  Februar:  eine  Aenderung  der
Malstatt  könne  wegen  Kürze  der  Zeit  nicht  mehr  geschehen;  vor  etwaigen
Ungelegenheiten  seien  die  Städte  durch  die  besondern  Versprechungen  der
unierten  Fürsten  geschützt.  Wegen  der  Zufuhr  wolle  er  vor  dem  Unionstag
noch  an  den  Bischof  von  Würzburg  schreiben.  Die  Exzeptionen  wider  die
kaiserlichen  Mandate  seien  noch  nicht  an  den  kaiserlichen  Hof  geschickt
worden,  weil  ein  Teil  der  Unierten,  besonders  die  Städte  dagegen  Einwendungen
  erhoben  hätten;  hoffentlich  werde  man  sich  deshalb  zu  Schweinfurt
vergleichen  (Mb.,  119/3,  f.  200;  Kpt.).

?  Vgl.  oben  no.  7,  S.  20,  Anm.  1  und  no.  27.

®  Kaiser  an  Erzherzog  Leopold  am  3.  Dezember  (Wmz.,  Beligionsakten  ,
Bd.  11,  no.  77;  Kopie).  ‚ogen  der  Instruktion  für  Hogenmüller  vom  4.  Dezember
vgl.  oben  S.  87,  Anm.  1
        <pb n="129" />
        47  —48.  1611  107

Kurfürsten  vorstellen  liessen  —  nämlich,  dass  Dero  ganzes  Bestreben  Februar  7.
dahin  gienge,  im  Reich  Krieg  zu  verhüten  und  dass  Sie  bei  Kurbrandenburg
  und  Neuburg  nochmals  einen  Anwurf  tun  wollten  (was
nun  mit  mehr  Autorität  E.  M.'  geschehen  kann)  —  zugegeben,!
dass  JJ.  LL.,  doch  nur  für  sich,  den  Versuch  einer  neuen  Handlung
machen  sollen.  Wir  hoffeu,  das  E.  M.'  sich  dies  gefallen
lassen  werden,  da  wir  aus  vielen  Ursachen  unsern  Freunden  nicht
aus  Handen  gehen  können.  JJ.  LL.  haben  sich  sodann  nach  Berlin
verfügt  und  haben  beim  Kurfürsten  erreicht,  dass  man  am
3./13.  Februar  zu  Jüterbogk  zusammenkommen  und  vor  den  Unterhändlern
  durch  die  beiderseitigen  Gesandten  gätliche  Handlung
pflegen  will;  zur  Erlangung  schleuniger  Resolution  wollen  wir
uns  in  der  Nähe  aufhalten.  Wir  bitten  E.  M.!,  sich  dies  Werk
gefallen  zu  lassen  [und  gnädigst  zu  vermerken,  dass  wir  gemäss
Dero  Erinnerung  mehr  zu  gütlicher  Vermittlung  als  zu  gefährlichem
Krieg  noch  zur  Zeit  geneigt  sind]?  E.  M.'  mögen  versichert  sein,
dass,  wie  wir  bisher  mehr  auf  Erhaltung  E.  M.'  Hoheit  und  des  Reiches
Wolstand  als  auf  unser  Interesse  gesehen  haben,  wir  auch  bei
dieser  Handlung  darauf  achten  wollen,  dass  E.  M.'  genügende  Satisfaktion
  geschehe,  wie  wir  auch  ohne  E.  M.'  Ratifikation  uns  in  nichts

verbindliches  einlassen  wollen.  Datum  Dressden  am  28.  januarii  1611,
Drs,,  I,  8807,  23.  B.  jül.  Sachen,  f.  14;  Kop.?

48.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Koadjutor  Februar.
Ferdinand  von  Köln.

Aus  Dero  Schreiben  vom  30.  Januar*  habe  ich  E.  L.  und  des
Erzstifts  Köln  schwierige  Lage  ersehen.  „Und  ist  mier  ie  laid,  dass

!  Zustimmungserklärung  des  Hauses  Sachsen  vom  14./24.  Januar  (in
Bamberg,  Jül.  Succ.-Acta,  III.  1610/11,  no.  27;  Or.):  Sachsen  verlangte  dabei
Anstellung  der  Handlung  binnen  vierzehn  Tagen  au  Jüterbogk,  während
Kurbrandenburg  mit  Rücksicht  auf  Pfalz-Neuburg,  auf  die  zuzuziehenden  Verwandten
  und  die  jülichschen  Landstände  den  Termin  bis  auf  den  3./13.  März
erstreckt  wissen  wollte  und  als  Malstatt  Erfurt  wünschte.  Erst  am  4.  Februar
gab  Kurfürst  Johann  Sigismund  nach  (Fürstliche  Unterhändler  an  Kursachsen

25.  Januar
aM  7  Februar  AUB  Berlin  (Bamberg,  a  a.  O.,  no.  44;  Kop.).

2  Das  Eingeklammerte  setzte  Gerstenberg  an  die  Stelle  des  Passus::  der
Kaiser  möge  einen  Kommissar  nach  Jüterbogk  abordnen.

29.  Januar

3  uk  4  :  -
Am  8.  Febmar  erfolgte  auch  eine  entsprechende  Anzeige  an  Erz

herzog  Leopold  mit  der  Bitte,  das  vorstehende  Schreiben  dem  Kaiser  zu

.  31.  Januar
übergeben  (Drs.,  1.8807;  21.B.  jül.  Sachen;  f.294;  Kpt.).  —  Am;  Februar

gab  Gerstenberg  dem  Kurfürsten  von  Mainz  von  der  bevorstehenden  Handlung
Nachricht  (Wmz.,  Beligionsakten,  Band  11,  no.  160%;  Or.).  —  Vgl.  unten
no.  53.

*  Ma.,  39/22,  f.  14;  Or.:  der  Koadjutor  bittet,  ihm  aus  der  päpstlichen
oder  spanischen  „Hilfe  etwas  zukommen  zu  lassen  oder  ihm  mit  cinem  Darleben
  von  30  000  fi.  beizuspringen.
        <pb n="130" />
        108  1611  48.

Februar  8.  ich  Deroselben  in  solcher  Irer  not,  wie  gern  ich  auch  wolte,  nit
kan  hülflich  erscheinen.  Die  ursachen  aber,  warumben  es  nicht
sein  kan,  haben  E.  L.  aus  vorigen  meinen  unterschidlichen  schreiben
und  warnungen  verstanden!  und  mögen  mir  Dieselben  glauben,
dass  ime  im  grund  der  warhait  also  und  sich  diser  zeit  gar  kaine
media  an  die  hand  geben,  E.  IL.  begern  statt  zu  thuen;  dann  in
der  oberlendischen  bundscassa  [die  mittl  nit]?  verhanden  und  sein
nicht  allain  die  42  monatliche  contributionen  sonder  auch  die  extraordinarianlag
  der  10  monaten,  sovil  daran  erlegt  worden,  allerdings
aufgangen  und  bleibt  man  noch  daruber  200  000  fl,  [so  man  auf
verzinsung  aufgenommen],  schuldig,  ist  auch  diser  zeit  auf  ain
neue  contribution  kain  rechnung  zu  machen.  So  hat  sich  der.  spanische
  ambasciator  unlangst  rund  gegen  mir  erclert,  dass  er  uber  die
bewilligte  und  alberait  erlegte  2  monat  kainen  weitern  bevelch,
auch  verrer  nichts  werde  hergeben.  Nachdem  auch  gleich  ietz  der
bäpstliche  nuncius  von  Prag‘  hierdurch  nach  Rom  verraisst,  hab
ich  nit  unterlassen,  ime  den  ubeln  stand  des  erzstifts  Cölln  und  in
specie,  in  was  beschwerlichen  terminis  E.  L.  sich  der  zeit  befinden,
umbstendig  und  ausfierlich  zu  gemiet  zu  fiern  und  umb  hülf  anzuesuechen.
  Er  hat  mir  aber  mit  vilfeltiger  extenuation  des  bapstes
einkommen  nit  allain  für  ietz  alles  gewaigert  und  abgeschlagen
sondern  auch  inskonftig  schlechte  und  ubergeringe  hoffnung  gemacht
  oder  machen  wöllen,  dass  es  also  diss  orts  auch  vergeblich.
[Obwohl  ich  auch  für  mein  person  E.  L.  Ihrem  begehrn  nach  dissfals
  nicht  hülfloes  zu  lassen  nit  ungewillt,  so  ist  doch  Derselben
guten  theils  unverborgen,  was  ich  bisshero  unter  wernden  disen  leufen
für  merkliche  grosse  aussgaben  ob  mir  ghabt,  was  für  merkliche
uncosten  auch  das  passausche  volk  verursacht,  wie  ich  dan  noch
immerzue  bei  so  beschaffnem  gefehrlichem  wesen  auf  die  versicher--



!  Zwischen  dem  Koadjutor  und  dessen  Bruder,  dem  Herzog  von  Baiern,  hatte
sich  wegen  des  Unterhalts  des  zum  Schutz  der  kölnischen  Stiftelande  angenommenen
  Kriegsvolks  und  wegen  der  Abdaukung  des  rietbergschen  Regiments,  das
die  rheinischen  Bundesstände  zu  schützen  gehabt  hatte,  eine  sehr  lebhafte
Korrespondenz  entsponnen.  Der  Herzog,  der  im  katholischen  Bunde  zunächst
die  Interessen  der  oberländischen  Bundesstände  vertrat,  hatte  den  Koadjutor
sowol  wie  den  Grafen  mit  ihren  Ansprüchen  an  die  Kasse  der  rheinischen
Bundesstände  gewiesen  (Herzog  an  den  Koadjutor  am  14.  Januar;  Ma.,
322/10,  f.8;  Kptkopie),  in  die  aber  nur  Kurmainz  und  Worms  ihre  Quoten
eingezahlt  hatten  (Kurmainz  an  den  Koadjutor  am  1.  Februar;  Wmz.,  Religionsakten,
  Bd.  11,  no.  142;  Kpt.;  vgl.  oben  no.  4,  8.  9),  die  zur  Befriedigung
  Rietbergs  nicht  ausreichten.  So  kam  der  Koadjutor  immer  wieder
auf  die  Bitte  um  Beihilfe  aus  der  oberländischen  Kasse  zurück.  Vgl.  die
Wittelebacher  Briefe,  mitgeteilt  von  Felix  Stieve,  VIII.,  no.  430  ff.

3  Zusatz  des  Herzogs.

®  Vom  Herzog  im  Kpt.  getilgt.

*  Antonio  Caötano,  Erzbischof  zu  Capua,  der  Ende  1610  von  Prag
abberufen  worden  war.
        <pb n="131" />
        471—49.  1611  109

ung  meiner  land  und  unterthanen  zu  gedenken  habe,  dannenhero  Februar  8.
mich  E.  L.  werden  vor  entschuldigt  halten.]!  Und  dieweil  E.  L.

obne  das  bei  Maintz  zwai  mitl  vorgeschlagen  ,”  werden  Sie  ohne

zweifel  daselbsten  solche  zue  urgiern  und  bei  andern  Reinischen  als

Ihren  nechsten  benachperten  hülf  zue  suechen  wissen.“  Datum

München  den  8.  februarii  a.  1611.

Ma.,  3922,  f.  22;  Kpt.  von  Gewold  mit  ZusatzHerwarts;  —  f.34;  Kptkopie
Lackners  mit  eigenhändigen  Korrekturen  des  Herzogs  und  einem  Zusatz  Gewolds

49.  Kaiser  Rudolf  II.  an  die  Grafen  Ludwig  von  Sulz  Februar
und  Adolf  von  Althan.  9.[?]

„Wolgeborne  liebe  grafen.®  Ihr  wisset,  aus  was  erhöblichen
ursachen  ich  mich  zu  erbaltung  meiner  und  des  heil.  röm.  reichs

!  Zusatz  Gewolds  nach  der  eigenhändigen  Anweisung  des  Herzogs:  &amp;gt;
bleibt,  wass  mich  abhalt,  weil  er  von  mier  ein  anlehen  begert.“

3  Der  Koadjutor  hatte  zunächst  durch  seinen  Kanzler  D."  Christoph
Wintzler  den  Kurfürsten  von  Mainz  um  einen  Beitrag  zur  Erhaltung  seines
Kriegsvolkse  angegangen,  hatte  aber  eine  Ablehnung  erfahren,  da  der  Kurfürst
für  die  Erhaltung  des  rietbergschen  Volkes  schon  40000  fl.  bewilligt  hatte
(Wintzlers  Bericht  vom  10.  Januar  in  Ma.,  39/22,  f.  18;  Kop...  Am  26.  Januar
ordnete  der  Koadjutor  seinen  Marschall  Johann  von  der  Hoevelich  zu  Hülchenradt
  an  denselben  Kurfürsten  ab,  um  Mittel  zur  völligen  Abdankung  des  rietbergschen
  Volkes  und  zum  Schutz  des  kölnischen  Erzstifte  zu  erbitten;  aber
Kurmainz  lehnte  wieder  mit  dem  Hinweis  auf  die  geringe  Opferwilligkeit
der  rheinischen  Stände  ab,  nicht  einmal  des  Koadjutors  eigene  Stifter  Lüttich,
Hildesheim,  Münster,  Stablo  hätten  sich  in  die  katholische  Union  begeben.
Der  Koadjutor  hatte  zwar  einen  Vorschlag  gemacht,  wie  man  einige  Monate
Zuschuss  unter  den  rheinischen  Ständen  aufbringen  könnte,  aber  der  Kurfürst
gab  ihm  zu  bedenken,  wie  viel  Rechnung  darauf  zu  machen  sei  (Kurmainz
au  den  Koadjutor  am  1.  Februar;  Winz.,  a.  a.  O.;  vgl.  S.  108,  Anm.  1).

®  Diesem  Befehlaschreiben  des  Kaisers  war  der  Einfall  des  passauer
Kriegevolks  in  Böhmen,  die  Besetzung  von  Budweis  und  Tabor,  die  energischen
  Rüstungen  der  böhmischen  Stände  und  das  am  5.  Februar  abends  dem  Kaiser
abgerungene  Versprechen  vorausgegangen,  das  passauer  Volk  nach  Möglichkeit
aus  eigenen  Mitteln  zu  bezahlen,  die  beiden  Städte  zu  restituieren,  das  Kriegsvolk
in  der  kaiserlichen  Herrschaft  Krumau  zu  quartieren,  Sulz  duzu  zum  Volk  zu  entsenden
  und  den  Ständen  Werbungen  und  die  Besetzung  des  Schlosses  in  Prag
darch  200  altstädter  Bürger  zu  gestatten;  endlich  erlaubte  der  Kaiser  noch,  dass
die  Wenzelskrone  und  die  Privilegien  vom  Karlstein  ins  Schloss  gebracht
würden  (vgl.  des  Bodeniug  Bericht  an  den  Herzog  von  Baiern  von  6.  Februar  in
Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  26,  f.30;  Or.  cigh.  und  einen  anonymen  Bericht
aus  Prag  vom  gleichen  Tag  in  U.,  Unionsacta,  tom.  XX.,  n.  1973;  Kopie).
Sehon  am  7.  erwartete  man  Ramee  in  Prag;  Silbermann  sprach  bereits  die
Vermutung  aus,  dass  Sulz,  der  an  diesem  Tag  zu  den  Passauern  abgieng,
das  Kriegsvolk  eher  in  seinem  Vorhaben  bestärken  ale  abhalten  werde
(Silbermann  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  7.  Februar;  Ma.,  299/18,
1.128;  Kopie).  Tatsächlich  aber  wurde  Sulz  ein  vom  8.  Februar  datierter  Abdankungsbefehl
  des  Kaisers  an  Sulz,  Althan  und  Trautmannsdorf  nachgesandt::
„Unser  endlicher  schluss  und  meinung  ist,  dass  allem  und  jedem  kriegsvolk
zue  ross  und  fuess,  welches  wir  eine  zeit  lang  in  dem  stift  Passau  haben
unterhalten  lassen  und  sich  anitzo,  zwar  ohn  all  unser  vorwissen  und  bevelch,
in  unser  cron  Boeheimb  befindet,  genzlich  und  völlig  abgedanket  und  alles
aus  unseren  dinsten  gebracht  werden  solle,  inmassen  wir  dan  im  werk  sein

Wo
        <pb n="132" />
        Februar
9.  [?]

110  1611  49.

autoritet  habe  armieren  miessen.  Weiln  ich  Euch  dann  neben
meinen  getreuen  kriegsobersten,  dem  von  Trautmannsdorff  und  Ramee,
das  im  stift  Passau  geworbene  kriegsvolk  allerdings  übergeben  und
anvertraut,  so  ist  mein  gnädigster  befehl,  dass  Ihr  solches  volk  ohn
einigen  meiner  gehörigen  königreich  und  länder  und  reichsstende
nachteil  oder  schaden  zu  beschutzung  aller  getreuwen,  gnad  und
hantreichung  der  resipiscierenden,  dempfung  und  bezwingung  aller
widerwertigen  gebrauchet,  zum  faal  der  noth  in  meinem  namen
sambt  oder  sonders  weiter  kriegswerbung  anstellet,!  der  bezahlung,
musterplätz  und  underhaltung  halber  Euch  mit  den  obristen,  so  Ihr
von  meinetwegen  ferner  bestellen  werdet,  vergleichet,  auch  alles
andere  handelt,  so  meiner  und  des  heil.  reichs  reputation  und  gemeinem
  wesen  zum  besten,  auch  allen  getreuen  zu  schutz  gereichen
kan.  Dazu  ich  Euch  hiemit  allen  gewalt  gegeben  und  in  Euer
person,  Derselben  discretion  und  fidelitet  mein  sonders  vertrauwen
gestellet  haben  will,  des  versehens,  Ihr  werdet  den  sachen  recht  zu
thnn  wissen.  Welches  umb  Euch  etc.  Datum  Prag  den  9.  febr.
a.  1611.  —  Rudolff.“

Ma.  l11j11,  —  Kopie.?

und  auch  bereit  so  viel  auordnung  gethan,  dass  zu  verrichtung  solcher  abdankung
  unsere  hierzue  deputierte  commissarien  mit  richtigen  und  gueten
mitteln  inner  wenig  tagen  hienach  folgen  köuten.  Befehlen  derowegen  Euch
hiemit  sembtlich  und  sonders  und  ernstlich,  dass  Ihr  Euch  nach  empfahnag
diss  nicht  allein  alsbald  mit  Euren  personen  von  hinnen  erheben  und  Euch
zus  gedachtem  kriegevolk  und  Euren  befehlen  verfüegen  sondern  auch  zu
Eurer  hinauskunft  erstlich  und  vor  allen  dingen  dasjenige  volk,  welches,
wie  wir  vernemben  müssen,  kürzlichen  von  Euch  gleichsfals  ausser  unserm
wissen  und  bevelch  geworben  oder  sich  sonsten  sider  dem  aufzueg  aus  gedachtem
  stift  Passau  zuegeschlagen  haben  möchte,  mit  ernst  abschaffen,  nit
weniger  auch  folgende  mit  allem  eifrigen  und  eusseristen  zuthuen,  ja  so  lieb
Euch  unser  kaiserliche  gnad  ist,  die  andern  reuter  und  knecht  aus  unserer
cron  Boeheimb  wieder  zueruck  an  die  grenzen  bringen,  doselbst  unsere
commissarien  erwarten  und  inmittele  mit  und  bei  Euren  untergebenen  die
sachen  dahin  tractirn,  anordnen  und  richten  wöllet,  damit  dieselben  der  ab-Jdankung
  und  ihrer  bezahlung  naclı  billigen  dingen  unweigerlich  gehorsambist
stat  thuen.  An  deme  volzihet  Ihr  etc.  Geben  Prag  den  8,  februarii  1611“
(Dre.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  109;  Kopie).  Dieser  kaiserliche
  Befehl,  den  vermutlich  Trautmannsdorf  überbringen  sollte  (Silbermann
an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  2./12.  Februar;  Ma.,  299,18,  f.  129;  Kopie)
kam  aber  gar  nicht  zur  Kenntnis  des  Kriegsvolks  sondern  wurde  durch  den
oben  stehenden  ersetzt.

ı  Ramee  hatte  die  Erlaubnis  zu  werben  längst  antizipiert;  einer  seiner
Leutnante  erschien  am  2).  Februar  in  Regensburg  und  begehrte  vom  Rat
der  Stadt  unter  Vorlegung  eines  Werbepatentes  Ramees  vom  6.  Februar
die  Erlaubnis,  öffentlich  werben  zu  dürfen  (Rat  von  Regensburg  an  Pfalzgraf
  Philipp  Ludwig;  Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  41,  f.  241;  Kopie).  Das  Werbepatent
  (Nbg.,  a.  a.  O.,  f.  243;  Kopie)  bezieht  sich  auf  ein  Schreiben  des
Kaisers  an  die  Grafen  von  Sulz  und  Althan  wegen  Verstärkung  des  passauer
Volkes,  das  tıotz  des  widersprechenden  Datums  mit  dem  obigen  wol  identisch
sein  wird.  Entweder  ist  die  Datierung  9.  Februar  durch  einen  Ueberlieferungsfehler
  verderbt  oder  es  existieren  mehrfache  Ausfertigungen  desselben  kaiserlichen
  Schreibens.

*  Das  Schreiben  wurde  in  Abschriften  stark  verbreitet  und  in  den
„Copeyen  und  Abschriften“  als  83.  Beilage  abgedruckt.
        <pb n="133" />
        50.  1611  |  111

560.  Die  kaiserliche  Hofkammer  an  Kaiser  Rudolf  II.  Februar.

Im  Namen  E.  M!  werden  der  Hofkammer  täglich  allerlei  an  sich
zwar  unumgängliche  Ausgaben  anbefohlen,  zuweilen  aber  mit  solchem
Ernst  und  scharfen  Drohungen,  dass  man  sich  darüber  entsetzen  und
bei  der  oft  geklagten  Unmöglichkeit  zu  zahlen  wundern  muss.  Die  Hofkammer
  ist  allerdings  verpflichtet,  Mittel  zu  finden,  die  befohlenen  Ausgaben
  zu  leisten,  aber  derzeit  weiss  sie  auch  zur  geringsten  Ausgabe
nicht  die  Mittel,  auch  nur  um  einem  Stallmeister  einen  Monatssold
zu  reichen;  denn  sie  verfügt  über  keine  Gefälle  oder  Einkommen,
ausser  was  ihr  von  andern  Kammern  und  Aemtern  zusteht;  davon
ist  die  böhmische  Kammer  ganz  abgesondert  und  von  ihr  keine  Hilfe
zu  erwarten,  die  schlesische  ist  aber  so  verschuldet,  dass  sie  für  einige
Jahre  nicht  helfen  kann.  Das  Mistrauen  ist  so  gross,  dass  man  auch
auf  Pfand  nichts  erlangen  kann;  hat  jemand  Geld,  so  hält  er  bei
diesen  schweren  Zeiten  damit  an  sich  und  richtet  sich  zur  Flucht.
Von  Reichs-  und  Kreishilfen  ist  nichts  übrig,  die  Biergelder  in
Böhmen  und  Schlesien  sind  auf  lange  hinaus  antizipiert.  Seit  zwei
Jahren  lebt  man  vom  Borg  und  kann  nichts  zahlen.  Die  Hofkammerräte
  haben  einander  so  hineingesetzt  und  in  Schulden  vertieft,  dass
sie  sich  nicht  herauszuwickeln  wissen.  Aus  diesem  Grund  hat  der
Hofkammerpräsident!  seinen  Dienst  aufgekündet  und  können  wegen
äusserster  Erschöpfung  der  Kammer  weder  er  noch  die  andern  Räte
mit  Ehre  und  Nutzen  darin  dienen.  Die  Hofkammer  bittet  E.  M.!,
zur  Ergründung  der  augenscheinlichen  Unmöglichkeit  die  wiederholt
  erbetene  Visitation  des  Hofkammmerwesens  vorgehen  zu  lassen,
unterdess  aber  die  Kammer  für  entschuldigt  zu  halten,  dass  sie
keinen  „Verlag“  hergeben  kann.  Werden  ihr  aber  Mittel  eingeräumt
oder  kann  sie  bei  fleissigem  Nachsinnen  noch  welche  finden,  so  wird
sie  es  an  ihrer  Pflicht  nicht  erwinden  lassen.  9.  februar  1611.

Wk,,  Hoffinanzakten,  1611  Februar.  —  Kpt.?

!  Abraham  Burggraf  zu  Dohna  auf  Wartenberg.

’  Die  Lage  der  Hofkammer  beleuchtet  deren  Mitteilung  an  Karl  Ludwig
Grafen  von  Salz  am  22.  Januar,  dass  die  der  Jurisdiktion  des  Obersthofmarschalls
  antargobonen  Hofhandelsleute  sich  weigern,  dem  Kaiser  ein  Darlehen
von  12  000  ern  zu  gewähren;  selbst  die  Drohung,  den  Kaufleuten  die
Läden  zu  rren  und  ihnen  die  Privilegien  wegzunehmen,  verfieng  nicht
(Wk.,  a.  a.  Ö.:  Kpt.).  Die  Drohung  wurde  am  6.  Februar  auf  Befehl  des
Kaisers  verwirklicht.  —  Den  Erzherzog  Ferdinand  war  am  13.  Januar
1611  das  vom  Kaiser  bewilligte  Deputat  für  Uebernahme  der  Kommission
beim  Reichstag  von  1608  noch  nicht  völlig  ausbezahlt  (Erzherzog  Ferdinand
  an  Erzherzog  Leopold  am  13.  Januar  1611:  Wk.,  Hoffinanzakten,  1611
Mai;  Or.).  —  Der  Herzog  von  Braunschweig  hatte  für  seine  Schickung  an
König  Matthias  2000  Gulden  auf  eigenen  Kredit  aufbringen  müssen,  dem
Grafen  von  Zollern  war  kein  Pfennig  mitgegeben  worden  (Bodenius  an  den
Herzog  von  Baiern  am  22.  Januar  1611;  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III.  no.  26,
f.  20;  Or.  eigh.).
        <pb n="134" />
        Februar  9.

Februar  9.

112  1611  51.
5l.  Zuniga  an  König  Philipp  III

„El  obispo  de  Sarzana  nuncio  de  S.  S.X  en  esta  corte  ha  rescivido
  carta  del  cardenal  Burgesio,  en  que  se  le  ordena  tiemple  al
archiduque  en  estas  sus  pretensiones.  Tubo  audiencia  de  S.  A.
antier  y  significole  algo  desto.  Mostrose  muy  sentido  dello  y  refiriole
que  avia  una  carta  de  la  reyna  nuestra  senora  en  la  misma  sustancia
  y  muy  declarada  de  que  estava  muy  afligido;  viendose  como  S.  A.
dezia  desamparado  de  todos  y  muy  cargado  de  deudas,  el  nuncio  le
procuro  consolar  y  poner  en  razon,  pero  a  Su  parecer  quedo  muy
disgustado,  estaralo  este  principe  mientras  no  fuere  rey  0  cosa  semejante,
  por  que  son  notables  sus  briss.  No  me  ha  parecido  entrar
con  razon  en  estas  platicas,  viendo  que  V.  M.?  no  me  lo  manda  y
viendo  que  estos  officios  se  encaminan  por  mano  de  la  reyna  nuestra
senora  que  ymagino  deve  ser  por  mas  decencia  de  la  persona  del
senor  archiduque  que  es  causa  muy  considerable.

Mandeme  V.  M.?  que  procurare  entender  diestramente  lo  que
pretende  S.  A.  y  lo  avise  por  que  assi  podria  haver  mas  brevedad
en  dalle  satisfacion  que  yendo  S.  A.  a  Espana  como  yo  havia  e8-crito;
  estare  a  la  mira  en  esto  aungue  no  preguntandoselo  claro
difieultosamente  se  declara  de  suyo,  y  tambien  temo  que  no  tiene
V.  M.@  cosa,  que  podelle  dar  que  yguale  con  la  grandeca  de  sus
pensamientos;  sy  huviera  tenido  quien  se  los  moderara  y  ajustara
con  la  razon  pudiera  lucir  mucho  su  persona..  De  Praga  9  de
bebrero  1611.“

Sim.,  Fasz  2497,  f.  295;  dechiffr.  Kopie.!

52.  Aerssen  an  Oldenbarnevelt.

Der  Herzog  von  Bouillon  hat  mir  gesagt:  ‚‚que  pour  co  seul  respect  ®
on  abandonne  les  affaires  des  princes  d’Allemaigne  soubs  une
frivole  excuse,  qu’en  ceste  minorit6  on  ne  leur  scauroit  departir  autre
secours  que  de  leur  donner  conseil  de  s’accorder  entr'sux  du  mieux
qu'ils  pourront.  Certes  mons.  de  Bouillon  blasme  infiniement  l’imprudence
  de  mons.  le  prince  d’Anhalt,  qu’il  accuse  de  legerit£  d’esprit,
d’avoir  apport6  des  expediens  d’Angleterre,?  capables  de  diviser

1  Erwähnt  bei  A.  Giudely,  Rudolf  II.,  Il,  196.

2  Gemeint  ist  die  Rücksicht  der  Königin-Regentin  von  Frankreich  auf
die  Religion  und  den  Papst;  vgl.  oben  no.  13.

®  König  Jakob  I.  hatte  dem  Fürsten  Christian  von  Anhalt  wegen  des
kurpfälzischen  Administrationsstreits  ähnliche  Ratschläge  wie  wegen  des
jülicher  Erbstreite  gegeben  und  der  Befriedigung  der  Ansprüche  Neuburgs
das  Wort  geredet,  um  den  drohenden  Zwiespalten  unter  den  Unierten  zu
begegnen;  vgl.  Jakobs  Schreiben  an  die  Unierten  vom  Dezember  1610  (Stg.,
Unionsacta,  X.,  382;  Kopie)  und  Beaulieus  Schreiben  an  Trumbull  vom  14.  Dezember
  1610  aus  Paris  bei  Ralph  Winwood,  Memorials  of  affaire  of  state;  III.,
London  1725,  S.  240.  —  Es  scheint  Fürst  Christian  selbst  gewesen  zu  sein,
        <pb n="135" />
        52  —53.  1611  113

toute  l’Allemaigne  au  lieu  de  la  reunir;  qu’il  scait  bien,  que  Februar  ‘9.
madame  l’electrice  et  mons.  l’administrateur  ne  souffriront  iamais,
qu'il  soit  rien  innovs  am  testament  du  feu  monsieur  l’electeur,  et
qu’il  est  superflu  de  voulloir  regratter  une  possession  de  qualit£
qui  a  desia  estE  reconnue  quasi  de  tous  tant  protestans  que  catholiques,
  oa  maintenant  sur  ces  nouvelles  ouvertures  il  y  aura  du
danger,  que  les  princes  ne  se  laissent  aller  &amp;amp;  ce  qu'on  leur  persuadera
  devoir  serrir  &amp;amp;  un  accommodement.  D’ailleurs  il  suspecte,  que
ladmission  de  Saxe  en  la  possession  ....  soit  pour  gaster  tout.  Le
roy  d’Espagne  a  remis  neuf  cens  mil  escus  pour  la  gendarmerye
des  Pays-Bas  &amp;amp;  raison  de  soixante  mil  escus  par  mois  et  vingt  mil
par  dessus  l’ordinaire,  d’oü  on  coniecture,  qu’il  a  du  dessein  contre
Juiliers  et  connoit  mons.  de  Bouillon  ass6s,  qu’on  n'y  contribuera
rien  diey,  plaignant  en  cela  la  condition  de  nostre  estat,  car  de
laisser  perdre  ces  estats  voisins  que  ce  seroit  nostre  affoiblissement
et  donner  apres  la  perte  subiect  &amp;amp;  l’Espagnol  d’attenter  plus  genereusement
  contre  nostre  treve  sans  crainte  de  diversion  par
lintervention  des  voisins  qui  seroient  estonndes  d’une  sy  grande
conqueste;  d’entreprendre  aussy  seuls,  il  voit  d’  autre  part  de  grands
inconveniens,  que  nen  sortans  point  avantageusement  on  nous  rejette
  en  guerre,  laquelle  aurons  par  apres  &amp;amp;  soubstenir  sans  Secours,
qu’en  cela  nous  avons  &amp;amp;  ouvrir  les  yeux  de  bonn’heure,  croyans,
que  ddevons  prendre  nos  resolutions  sy  genereusement,  comme
sy  sans  support  on  nous  devoit  recommencer  la  guerre.  Mais  sans
doute  Vous  penses  &amp;amp;  ceste  matiere  de  bien  plus  pres.  L’Allemaigne
y  contribnera  peu,  l’Angleterre  lentement  et  comm'’ie  croy  ce  quelle
tirera  de  Vos  forces,  la  France  rien,  de  sorte  'que  l’Espagnol  a
beau  ieu,  sil  estoit  capable  de  s’en  prevalloir,  mais  il  a  aussy  ses
defauts  qui  le  retiennent.  —  De  Paris  ce  9°  de  fevrier  1611.
Haag,  Aorssens  Korrespondensen,  Band  VII.  —  Kopie.

53.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Herzog  Maximilian  Februar9.
von  Baiern.
Wir  erhalten  soeben  vom  Kurfürsten  von  Trier  beiliegende
Zeitung,!  aus  der  zu  ersehen  ist,  wie  sehr  sich  die  protestantischen

der  dem  König  Voermittlungsvorschläge  wegen  des  Administrationsstreites
unter  den  Fuss  gab;  wenigstens  findet  sich  in  Schl.  3/4  eine  eigenhändige
Aufzeichnung  des  Fürsten,  welche  die  Bedingungen  zur  „Admission”  Neuburgs
formuliert.  In  einem  offenbar  ziemlich  gleichzeitigen  Schreilen  an  Christoph  zu
Dohbna  vom  26.  Oktober  aus  dem  Haag  (Schl.  3/4;  Or.  eigh.)  berichtet  der
Fürst,  dass  Prinz  Moriz  von  ÖOranien  (einer  der  Vormünder  des  Kurerben)
mit  jenen  Artikeln  einverstanden  sei,  dıe  Dohna  mit  Württemberg,  Baden
und  Ansbach  betreiben  solle.  —  Bouillon  hatte  übrigens  selbst  bei  seiner  Anwesenheit
  zu  Heidelberg  im  November  1610  dem  Administrator  zur  Nachgibigkeit
  geraten  (Diarium  Christophe  zu  Dohna  von  seiner  Schickung  naclı
Heidelberg  ;  1610,  zu  November  17  ;  Schl.  no.  429  —  eigenhändige  Aufzeichnung).

ı  ÜVeberschrieben:  „Discurs  etlicher  catholischer  personen  uber  der
ehurfurstlich  heidelbergischen  tutel-  oder  vormünderschaft.*  —  Von  gut
katholischer  Seite  werde  geschrieben,  dass  eine  gütliche  Vergleichung  der

Briefe  und  Akten  des  dreissigjäbrigen  Krieges,  iX,  Bu.  8
        <pb n="136" />
        114  k611  53—54.

Februar  9.  unierten  Fürsten  bemühen,  das  Haus  Sachsen  von  unserer  katho-Februar


10.

lischen  Union  abzubringen  und  auf  ihre  Seite  zu  ziehen.  E.  L.
können  daraus  entnehmen,  wie  viel  daran  gelegen  ist,  mit  der
Einnahme  Sachsens  nicht  länger  zu  zögern.  Datum  Aschaffenburg
den  9.  februarii  1611.

Nachschrif.  Der  frankfurter  Kommunikationstag  ist  auf  den
20.  Februar  verschoben.

Wmz.,  Religionsasten,  Band  11,  no.  147;  Kpt.  von  Hensel;  Nachschrift  ebenda
Band  18,  no  14.

54.  Zuniga  an  König  Philipp  III.

„He  recibido  la  carta  de  V.  M.@  de  12  de  diciembre  juntamente
  con  el  papel,  que  con  ella  venia,  tocante  a  la  persona  del
senor  archiduque  Ferdinando  y  el  duplicado  de  la  carta  de  12  de
noviembre  y  del  papel,  que  con  ella  vino.  Y  ofreceseme  poco  que
dezir  de  nuevo,  por  que  tengo  respondido  a  V.  M.?  muy  particularmente
  en  carta  de  25  de  diziembre  sobre  esta  materia,  de  que  agora
va  el  duplicado  v  en  esto  mesmo  me  afırmo.  Solo  se  me  ofrece
que  dezir  a  V.  M.?  que  entiendo  que  no  ha  tenido  orden  de  aca  el
principe  de  Castellon  para  esto;  aunque  no  lo  afirmo  es  bien  verdad
que  parece  concepto  del  emp.?”,  por  que  le  pareceria  cosa  imposible
el  succeder  y  aproposito  para  entretener  a  V.  M.@  y  al  papa,  pero
jJuzgo  que  no  ay  en  ello  mas  que  el  ser  el  principe  de  Castellon
tan  aficionado  criado  de  V.  M.@  como  lo  ba  mostrado  en  las  ocassiones,
  que  se  le  han  ofrecido  5  el  estar  con  el  desseo,  que  tiene  ob-Streitigkeiten

  zwischen  Neuburg  und  Zweibrücken  wegen  der  kurpfälzischen
Vormundschaft  im  Werk  sei  und  die  drei  geistlichen  Kurfürsten  sich  erboten
  haben  sollen,  den  Streit  beilegen  zu  helfen.  Dadurch  würde  jedoch  „dem
ganzen  catholischen  wesen  in  Teutschlant  merklicher,  auch  kunftiger  zeit
unwiderpringlicher  schaden  und  praeiudieirlicher  nachteil  zugefüget  werden,
ja  es  vielmehr  fur  ein  sonderbare  verplendung  und  grosse  straf  zu  halten
sein,  welche  Gott  uber  die  Catholischen  verhengen  thue,  indeme  sie  irer
widersacher  und  zwar  eben  derjenigen  wolfart,  nuz  und  erwunschte  gelegenbheit
allzeit  mit  eo  besonderbaren  willen  und  vleie  befürdern,  welche  die  catholische
religion  in  grunt  und  poden  ausszurotten  und  alle  Catholische  im  teutschen
reich  nach  und  nach  zu  verderben,  underzutrucken  und  zu  vernichtigen  tag  und
nacht  ersinnen“  und,  wie  80  viele  Beispiele  zeigen,  keine  Gelegenheit,  den
Katholiken  Schaden  zu  thun,  versäumen,  „da  hingegen  die  Catholischen  irerseits
uf  ein  jeglichs  gutes  werk  und  simulirte  frietfertigkeit,  auch  schon  erpieten,
dass  sie  es  nimmer  wolten  tlıun  sonder  anderst  nicht  als  ruhe  und  ainigkeit
im  reich  suchen  und  begern,  frit  machen  und  halten,  underdessen  aber  die
widersacher  tamquam  filii  huius  seculi,  qui  prudentiores  sunt  filiis  lucis  in
generatione  sua,  ire  feintliche  tatligkeiten  immerzu  continuirn  und  under
dem  schein  des  beliebten  friedens  ......  die  Catholischen  hinder  das  liecht
führen“,  wodurch  das  Reich  ins  äusserste  Elend  gebracht  wird  und  endlich
gänzlich  untergehen  muss.  Wollte  man  „dieser  occasion  recht  warnemen“®
und  sich  das  Heil  des  Glaubens  und  Vaterlandes  eifrig  angelegen  sein  lassen,
so  wäre  es  wol  noch  nicht  zu  spät  und  könnte  noch  wol  allem  Unwessen
begegnat  und  Rat  geschafft  werden.  (Wmz.,  a.a.0.,  no.  148;  Kopie.)
        <pb n="137" />
        n4.  1611  115

higacıion  de  mostrarlo  en  otras  mayores.  Aca  ha  escrito  que  V.  Februar

M.i  desseava  embialle  a  negogio  con  el  emp."  y  he  entendido  que  de
aca  le  escriven  que  lo  tendran  por  bien,  pero  si  solamente  es  su
venida  para  este  del  senor  infante  Don  Carlos,  pareceme  que  seria
tomar  trabajo  en  valde.

En  quanto  al  papel,  que  han  dado  a  V.  M.?  tocante  al  senor
archidugue  Ferdinando,  en  lo  primero  digo  a  V.M.“.con  toda  humildad
  lo  que  creo,  que  he  dicho  otras  vezes  que  en  los  casos  que  no
son  nuevos  0  no  se  han  mudado  considerablemente  despues  de  la
muerte  de  don  Guillen!,  que  el  conformarse  con  el  voto  que  el  dexo,
sera  lo  mas  acertado,  por  que  nadie  puede  presumir  ni  de  mas  recto
juicio  ni  de  mayor  experiencia  en  las  cosas  de  Alemania  ni  de  mayor
  amor  a  las  de  V.  M.@  y  el  siempre  entendido  y  me  dixo  que  en
primer  lugar  convenia  tratar  de  la  persona  del  rey  Mathias  ya
mi  siempre  me  ha  parecido  lo  mesmo.  Y  quando  no  mie  lo  pareciera,
siguiera  antes  el  de  don  Guillen  que  el  mio.  Y  el  crimen  lese  maiestatis
  que  imputan  al  rey  Mathias,  es  menester  largo  conocimiento
de  causa  para  calificarle  con  este  nombre,  especialmente  que  en  quanto
a  la  dignidad  imperial  y  sus  preeminencias  nunca  el  ha  )do  ni
venido  y  si  ha  condecendido  con  los  erejes  en  algunas  ocassiones,
tanta  ocassion  ay  en  esto  de  tenerle  lastimas  como  de  vituperarla,
y  veamos  que  el  emp."  Carlos  5.°  de  gloriosa  memoria  poderosisimo  y
christianisimo  principe  se  vio  ‘tan  apretado  que  concedio  a  los  Luteranos
  el  Interim.  de  la  confesion  Agustana  y  estotro  pobre  principe
a  su  respecto  es  un  escudero  y  finalmente  aunque  a  V.  M.  toca
muchisimo  esta  parte,  le  toca  mas  al  papa  y  sin  embargo  de  esta
oposicion  que  se  haze  a  la  persona  del  rey  Mathias  y  sus  ministros
todos  los  que  yo  he  conocido,  que  son  tres  nuncios  y  un  legado,  se
conforman  en  tenerle  por  el  primer  sujeto.

En  quanto  al  senor  archiduque  Maximiliano  bien  entendido
con  razon  se  puede  dessear  antes  el  senor  archiduque  Ferdinando,  pero  el
dia  de  oy,  yo  me  contentara  de  que  se  pudiera  salir  con  Maximiliano
  y  el  no  tener  hijos  el  y  el  senor  archiduque  Alberto,  que  se
les  opone  por  tacha,  para  el  particular  de  V.  M.@  no  es  ninguna,
pues  tiene  V.  M."  ,  Dios  se  los  guarde,  como  lo  emos  menester,  hijos
que  Sus  A.**  podrian  prohijar.

En  quanto  a  la  exclusion  del  seuor  archiduqgue  Leopoldo  me
conformo  con  todo  lo  que  este  papel  dize,  pero  el  persuadirle  a  que
se  haga  dechado  de  verdad,  era  reformacion  perseverando  muy  exemplarmente
  en  su  habito  eclesiastico,  cosa  dificultosa  por  que  esta  inclinado
  a  la  guerra  como  el  duque  de  Saboya  y  muy  galan  y  gentilbombre
  y  esta  tan  confiado  dello  que  no  arrostrara  nunca  a  grandezas
  eclesiasticas  sino  es  que  tenga  alguna  inspiracion  divina.

i  San  Clemente,  der  Vorgänger  Zunigas  am  prager  Hof,  der  am
3.  September  1608  gestorben  war;  vgl.  Briefe  und  Akten,  V.  538  und
Register.

8*
        <pb n="138" />
        Februar
10.

116  1611  54.

Todo  lo  demas  que  dize  del  senor  archiduque  Ferdinando  esta
muy  en  su  lugar  y  no  ay  alavanca  que  baste  a  esagerar  el  valor
y  constangia,  con  que  se  ha  avido  contra  los  erejes  de  los  estados.
Solo  se  me  ofrece  que  apuntar  que  en  este  papel  se  dize,  que  aunque
algunos  erejes  no  le  quieren  bien,  viendo  la  election  ya  hecha,  se
aquietaran  y  de  lo  que  se  trata  es  del  hazerla  election,  para  la  qual
estos  erejes  son  mucha  parte  y  en  esto  es  menester  reparar  mucho
en  esta  materia,  en  la  qual  muchas  personas  zelosas  hablan  como  sı
fuese  ispatronato  de  V.  M.!  el  imperio  y  no  fuese  negogio  lleno  de
mill  dificultades  el  salir  con  un  sujeto  de  la  casa  de  Austria,  en
quien  estaria  muy  bien  assentado  el  imperio,  en  el  senor  archiduque
Ferdinando  por  su  gran  virtud  y  las  razones,  que  en  este  papel  se
dizen;  pero  la  septima  que  dize  que  el  senor  archiduque  Ferdinando
y  sus  hijos  seran  herederos  de  todo  lo  que  tiene  la  casa  de  Austria
en  Alemania,  no  se  que  le  convenga  a  V.  M.?  el  concederla  como
arriva  lo  apunto.  Antes  tengo  por  uno  de  los  mayores  negocios,  que
se  le  ofrecen  agora  a  V.  M.?  en  Su  monarchia,  al  procurar  encaxar
en  este  reyno  de  Bohemia  uno  de  los  senores  infantes  y  don  Guillen
estava  muy  en  esto  y  entiendo  que  ha  embiado  a  V.  M.”  papeles  de
importangia  sobre  ello.  Pero  por  no  estar  asegurado  de  que  V.  M."  los
aya  recibido  me  ha  parecido  embiar  el  que  sera  con  esta.  Y  no  es
reyno  de  despreciar,  que  con  las  provincias  de  Silesia  y  Moravia,  que
son  aderentes  a  el,  es  un  muy  pringipal  reyno  y  muy  rico  y  muy
bastante  para  sustentar  a  un  principe  en  gran  autoridad  y  esta
ciudad  de  Praga  tan  grande  y  tan  calificada  que  puede  igualarse
con  las  principales  de  la  christiandad.  Y  es  de  gran  consideracion
que  de  los  mesmos  Bohemios  se  ruje  ya  y  se  haze  mucho  caso
desta  accion  de  V.  M.?  y  que  es  provincia  Bohemia,  que  se  puede
tener  por  muy  vezina  al  estado  de  Milan  por  la  comodidad  de  transitos
  y  de  rios  navegables,  que  ay  de  Milan  aqui.  Y  como  yo  voy
siendo  ya  de  los  criados  viejos  de  V.  M.?  y  el  que  en  mas  dibersas
partes  le  ha  servido  en  negocios  grandes,  atrevome  con  toda  humildad
  a  representar  a  V.  M.@  con  esta  ocasion  que  siendo  de  suma
importancia  el  acomodar  a  los  senores  infantes,  por  estas  partes  convendria
  muchisimo  que  desde  luego  se  les  procurase  de  ensenar  dibersas
  lenguas,  que  en  ninos  poniendose  cuydado,  es  cosa  facil  y  en
una  coyuntura  el  saber  aleman  o  bohemio  podria  ser  causa  eficazisima
  de  salir  con  lo  que  se  protendiese  salir.  Para  esto  seria  muy
necessario  tener  meninos  sus  alteros  Alemanes  y  Flamencos  y  aun
Bohemios  y  cobrar  amor  y  conocimiento  destas  nagiones  que  el  ser
buen  Castellano  en  un  infante  de  Castilla  de  suyo  se  esta.  Pero  el
tratar  sin  despego  como  otras  nacgiones  es  harte,  que  conviene  infinito
a  los  pringipes  de  la  casa  real  de  Espana,  pues  sus  reynos  y  dependencias
  se  estienden  a  tan  dibersas  provincias  y  quiga  el  averse
faltado  en  esto  en  otros  tiempos  ha  sido  de  mucho  perjuicio.  Aqui
seria  facil  encaminar  algunos  hijos  de  condes  del  imperio  o  de
        <pb n="139" />
        54—55.  1611  117

personas  de  semejante  calidad  para  servir  al  pringipe  nuestro  senor  Fobruar

y  a  los  senores  infantes.  Y  suplico  a  V.  M.  se  sirva  de  perdonarme
que  aya  decendido  tan  en  particular  en  la  materia  desta  carta  que
el  parecorme  de  mucha  importangia  para  el  servicio  de  V.  M.@  ha
sido  causa  dell.  Praga  a  10  de  hebrero  1611.

Sim.,  Fasz.  709%.  Dechiffr.  Kopie.!

65.  .Zuniga  an  König  Philipp  II.

Mit  Patenten  des  Kaisers  begannen  die  Böhmen  gegen  das
kaiserliche  Kriegsvolk  zu  werben,  so  dass  zur  Zeit  zwei  Heere
in  Böhmen  gegeneinander  stehen,  welche  mit  kaiserlichen  Patenten
geworben  sind.  Die  Böhmen  sagen,  dass  der  Kaiser  ihnen  versprochen
habe,  ‚de  no  meter  ninguna  gente  en  este  reino  sin  su  consentimiento
y  S.  M.?  dize  que  han  entrado  en  el  sin  su  orden.“  Die  Passauer
haben  sich  bereits  Tabors  und  Budweis’  bemächtigt  „con  violeacia‘‘
  und  in  dem  katholischen  Budweis  einige  Magistratspersonen
getötet.  ‚Los  Bohemios  van  creciendo  en  sus  levas  con  gran  miedo
de  que  la  gente  de  guerra  del  emp.?”"  no  venga  a  saquear  esta  ciudad.
  S.  M.@  se  muestra  muy  disgustado  desta  soldadesca  y  del
archiduque  Leopoldo  y  trata  de  aplacar  al  rey  Mathias  y  demas  del
duque  de  Braunsveig  y  del  conde  de  Zoleren,  que  estan  alla  por
mandado  del  emp.?”,  se  han  diputado  aqui  agora  seis  personas  de  este
reino  para  ir  a  tratar  con  el  rey,  que  se  detenga  en  sus  limites  y
sö  liconcie  la  gente  de  una  parte  y  otra.  Porque  aunque  ha  avido
en  los  estados  de  este  reyno  algunos  y  inclinados  a  que  se  llame
al  rey  Mathias  para  hazelle  rey  y  escluir  al  emp.°",  hasta  agora  no
ha  prevalecido  esta  parte  y  el  mayor  numero  va  continuando  en  la
orden  de  8.  M.@,  mitigandose  el  odio,  que  con  el  tenian  y  creciendo
el  archiduque  Leopoldo,  a  quien  tienen  por  instrumento  principal  de
esta  entrada  de  la  gente  de  guerra;  pero  sospechase  que  el  emp.”
anda  de  falso  y  que  se  entionde  con  Leopoldo  y  que  esta  todavia

w

i  König  Philipp  antwortete  auf  diese  Darlegungen  am  2.  April:  „Haveis
hecho  bien  de  acordarmelo  del  derecho,  que  puedo  tener  a  lo  de  Bohemia
y  embiar  aquel  papel;  pero  porque  este  es  breve  y  los  que  os  persuadis,  que
embio  Doo  Guillen  sobre  la  misma  materia,  no  8e  hallan,  sera  bien  que
hagais  poner  el  caso  y  fundamentos  del  derecho  en  relacion  muy  estendida,
jantamente  con  el  estilo  y  costumbre  de  ese  reyno,  en  que  se  funda  esta
action  de  mi  parte,  para  en  caso  que  el  emp."  y  sus  hermanos  no  tengan
hijos  legitimos,  aunque  los  aya  de  mis  tios  y  del  mismo  emp."  como  los
ay  y  pues  dezis,  que  a  los  Bohemios  se  les  trazluze  esto  y  hazen  mucho
«aso  desto  derecho,  procurareis  que  aya  quien  le  abona  paraque  sea  tenido
portal  y  despues  no  se  haga  nuebo,  si  en  algun  tiempo  conviniere  salir  a
ello  y  siempre  me  avisareis  dei  punto,  en  que  viereis  ponerse  este  negocio“
(Bim.,  Fasz.  2452,  f.  408;  Kpt.).  Ueber  die  Stellung  Spaniens  in  der  Successionsfrage
  und  Philippe  IIL  eigene  Pläne  vgl.  noch  A.  Gindely,  Rudolf  II.
und  seine  Zeit,  II.,  8.154  f.  und  desselben  Geschichte  des  dreissigjährigen
‚1,  Prag  1869,  S.  8;  ferner  Briefe  und  Akten,  V.  und  VI,,
im  Register  unter  Spanien,  Nachfolge  Budolfs.

Februar
10.
        <pb n="140" />
        118  1611  55.

Februar  nıetido  en  sus  chimeras  y  si  duran  en  ellos  y  aunque  no  duren,  por-10.
  que  es  de  tarde,  lo  mas  cierto  es  que  se  perderan  ambos.“  Mit
grosser  Feierlichkeit  wurde  die  böhmische  Königskrone,  was  schon
seit  mehr  als  100  Jahren  nicht  mehr  der  Fall  war,  von  Karlstein
nach  der  Wenzelskapelle  im  Dom  verbracht  und  daselbst  eine  starke
Wache  aufgestellt  ‚de  manera  que  tiene  S.  M.@  ces.*  doble  guardia,
aunque  la  suia  propia  no  es  mas  de  la  ordinaria.  Todas  estas  cerimonias
  que  hazen  con  la  corona:  se  fundan  en  tener  realmente  por
asentado,  que  quien  la  tuviese  en  su  poder,  tendria  gran  action  al
reyno,  que  tienen  esta  y  otras  mil  superstitiones  a  este  tono  y  siendo
los  mas  hereges  estos  mismos,  que  ni  tienen  por  santo  ni  por  martir
a  S.  Venceslao,  le  veneran  en  este  caso  y  les  parece  que  esta  bien
debajo  de  su  patrocinio  la  corona,  En  todo  lo  que  se  ofrece  vamos
unidos  el  nuncio  y  yo,  haziendo  aqui  y  en  Viena  los  buenos  oficios,
que  podemos  para  la  pacificacion,  aunque  aviendo  llegado  a  este
termino  no  se  sirva  Jo  mienos  malo  que  viniesen  todos  estos  estados
a  poder  de  uno  y  si  con  effecto  tratase  el  emp.”  de  quitar  la  designacion
  de  Bohemia  al  rey  Mathias  y  que  darla  al  Leopoldo,  teniendola
  asigurada  por  los  estados  de  Bohemia  y  confirmada  por  el
emp."  entonces  y  despues  en  el  ultimo  convento  de  principes  con
autoridad  de  todos  ellos,  es  tan  gran  injusticia  y  tan  perjudicial  a
la  casa  de  Austria  y  a  V.  MX,  que  es  cosa  muy  considerable,  si
convendra  que  V.  M.@  con  esta  occasion  se  haga  a  la  parte  de
Mathias,  para  apartar  de  echar  al  emp.”  de  lo,  que  le  queda  de  la
casa  de  Austria;  pues  la  quietud  y  seguridad  dello  es  para  V.  M.?
interes  muy  mas  importante  que  todo  lo  que  toca  al  imperio.  que
perdiendose  el  imperio  se  abenturaria  en  alguna  manera,  pern  las
provincias,  que  pose  la  casa  de  Austria,  son  perpetuas  y  los  dos  reynos
de  Ungria  y  Bohemia  se  pretende,  que  tambien  lo  son  y  entrando
Leopoldo  en  Bohemia  siendo  tan  remoto  se  perderia  la  orden  de  la
subcesion  y  V.  M.@  que  seria  frustrado  de  su  derecho,  de  que  hablo
en  otra  carta.‘“  De  Praga  10  de  hebrero  1611.

Nachschrift  vom  12.  Februar:  Das  Heer  des  Kaisers  steht  etwa
5—6000  Mann  zu  Fuss  und  2000  zu  Pferd  stark  drei  Meilen  von
hier  in  Verona!  „y  el  archiduque  va  y  viene  para  tratar  de  concertellos
  con  los  Bohemios,  los  quales  estan  apoderados  del  castillo  que
aqui  llaman,  que  es  un  palacio  viejo  con  un  poco  de  fosso,  en  que
habita  el  emp.°"  y  tienen  alguna  gente  de  guerra  fuera,  pero  poca
y  aunque  el  s.”  archiduque  es  el  instrumento  de  la  paz,  se
entiende  que  es  el  que  enciende  la  disension  y  S.  M.!  ces.”  muda
opinion,  ora  deseando  quietud,  ora  la  guerra  con  ansia  de  vengarse
del  rey  su  hermano,  lo  qual  le  parece  que  no  puede  poner  por

'D  h.  Beraun.
        <pb n="141" />
        55  —57.  1611  119

obra  licenciando  esta  gente.  EI  rey  va  juntando  la  suya  muy  de
proposito  y  ay  nueba,  que  van  acercandose;  muchos  Bohemios  se  le
van  inclinando.

Sim.,  Fass.  3497,  f.  9;  Or.

56.  Abschied  des  wormser  Partikulartages  der
Unierten.

Die  Versammlung  war  auf  den  6.  Februar  ausgeschrieben  worden,!
um  zu  beraten  und  zu  beschliessen,  wie  die  zu  Speier  auf  fernere
Handlung  gestellten  Vorschläge  wegen  nachbarlicher  Assistenz
unter  den  Unierten  ins  Werk  zu  setzen  seien.  Wegen  Abwesenheit  verschiedener
  interessierter  Stände?  wird  die  endgiltige  Vergleichung
auf  den  bevorstehenden  allgemeinen  Unionstag  verlegt  und  diesmal
Dur  „praeparatorie‘‘  geredet:  Die  zu  Speier  vorgeschlagene  Schickung
ist  beim  nächsten  Notfall  von  dem  zunächst  gefährdeten  Bundesmitglied
  ins  Werk  zu  setzen.?  Empfohlen  wird  sorgfältige  Kundschaft,
Verwahrung  der  Pässe,  gute  Korrespondenz  unter  den  Nachbarn,  allenfalls
Verständigung  durch  Zeichen.  Die  vorläufige  nachbarliche  Hilfe
kann  mit  eingeübtem  Landvolk  in  festgesetzter  Zahl  geleistet  werden;
den  Städten  ist  aber  freigestellt,  diese  Hilfe  mit  Volk  oder  Geld  zu  leisten.
Detailbestimnungen  über  Artillerie  und  Munition.  Wegen  des
Kommandos  golten  die  Bestimmungen  der  Unionsnotel.  Die  nachbarliche
Hilfe  geschieht  auf  Kosten  gemeiner  Union.  Geschehen  zu  Wormbs
den  31.  januarii  a.  1611.

Btg.,  Unionsacta,  IX,  f.  45;  Or.t

5%.  BRamö6e  mit  den  hohen  und  niedern  Bofehlshabern
des  passauer  Kriegsvolkes  an  Kaiser  Rudolf  II.

Dieses  kaiserliche  Kriegsvolk  und  besonders  dessen  Befehlshaber
  werden  von  jedermann  beschuldigt,  dass  sie  fortwährend  Ursache
suchten,  sich  nicht  abdanken  zu  lassen.®  Daran  geschieht  ihnen  —
namentlich  bis  zum  Aufbruch  von  Passau,  —  grosses  Unrecht;  seither

!  Das  Ausschreiben  des  Administrators  der  Kurpfalz  erging  am  10./20.
Januar  an  Ansbach,  Württemberg,  Hessen,  Baden,  Strassburg,  Worms,  Speier,
Weissenb  i.  E.  und  Landau  (Mb.,  119,3,  f.  41;  Kpt.).

?  nebas  ‚  Hessen  und  Strassburg  waren  nicht  erschienen,  Weissenburg
und  Landau  waren  ohne  Instruktion.

®  Vgl.  Briefe  und  Akten,  Ill.,  no.  294,  Art.  1.

*  Vgl.  Christian  Friedrich  Sattler,  Geschichte  des  Herzogtums  Würtemberg,
  VI.,  Ulm  1773,  8.  54.

5  Ueber  die  Ereignisse,  die  «diesen  Schreiben  vorausgiengen;  vgl.  A.
Gindely,  Rudolf  Il.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  196.

Februar
10.

Februar
10.

Februar
12.
        <pb n="142" />
        Februar
12.

120  1611  97.

allerdings  haben  die  Befehlshaber  gesehen,  dass  sie  in  Waffen  bleiben
müssen.  Vor  dem  Aufbruch  wurde  beraten,  wohin  man  das  Volk
am  besten  führen  könne:  damals  haben  der  Feldmarschall,  der  Oberstproviantmeister
  Ubezko  und  ich  geltend  gemacht,  dass,  wenn  man  das
Volk  nach  Böhmen  führte,  der  Kaiser  in  die  grösste  Gefahr,  ja  um
die  Krone  kommen  könnte,  worauf  Trautmannsdorf  einwandte,  letzteres
Bedenken  sei  gar  nicht  nötig,  denn  er  wisse  für  gewiss,  dass  die
böhmischen  Stände  den  Kaiser  ohnehin  auf  Mitfasten  ganz  absetzen
wollten.  Umsoweniger  wollten  wir  also  mit  unserm  Einzug  in
Böhmen  dazu  Ursache  geben  sondern  sahen  für  ratsamer  an,  nach
Tirol  zu  ziehen,  wohin  E.  M.  uns  im  Notfall  das  Quartier  verordnet
  hatten.  Da  zum  Durchzug  durch  das  Land  ob  der  Enns  der
Landeshauptmann  uns  Passbriefe  zugeschickt  hatte  und  solche  auch
neuerdings  auf  mein  Anhalten  durch  den  Landes-Oberstleutnant  wiederholte,!
  so  beschlossen  wir  den  Zug.  Als  man  aber  das  Kriegsvolk  vor
Claus  aufhielt,  gab  uns  das  Ursache  zum  Argwohn,  die  Einladung
sei  geschehen,  damit,  sobald  wir  uns  [im  Land  ob  der  Enns]  quartierten,
  der  König  Ursache  hätte,  wider  E.  M.'  zu  verfahren,?  wie  wir
denn  auch  sechs  Tage  hernach  erfuhren,  es  habe  der  König  an  E.  M.'
deswegen  einen  Absagebrief  geschickt  und  Kurfürsten,  Fürsten  und
die  böhmischen  Stände  zum  Beistand  aufgemahnt.  Da  wir  aber
wussten,  dass  dies  wider  E.  M.‘,  Gott,  Recht  und  Billigkeit  geschieht,
so  sind  wir  aus  folgenden  Ursachen  im  Lande  ob  der  Enns  geblieben:
  1.  damit  der  König,  so  lange  wir  in  diesem  Lande  liegen.
nicht  nach  Böhmen  ziehen  könne:  2.  damit  er  aus  diesem  Lande  keine
Hilfe  haben  könne:  3.  damit  die  böhmischen  Stände,  die  nicht  ‚offendiert
waren,  E.  M.'  treu  bleiben.
Als  ich  aber  merkte,  dass  der  König  unsern  Absichten  entgegenarbeite,
  mit  dem  Volk  heimlich  wegen  des  Abfalls  verhandle,
allenthalben  werbe  und  vornehme  Leute  in  Böhmen  sich  Öffentlich
verlauten  liessen,  sie  wollten  auch  werben  und  dem  König  beistehen,
so  haben  wir,  damit  uns  der  Weg  nicht  abgeschnitten  werde,
wieder  über  die  Donau  gesetzt,  um  abzuwarten,  was  weiter
geschehen  würde.  Sobald  ich  nun  erfuhr,  dass  der  König  die
Städte  Krumau  und  Budweis  einnehmen  wollte,  um  uns  abermals  den
Weg  abzuschneiden  und  dass  zu  Tabor  die  „Eidgenossen‘“  des
Königs  einen  Musterplatz  erpraktizieren  wollten,  habe  ich  als  getreuer
  Diener  E.  M.'  diese  Orte  und  das  Kriegsvrolk  vor  Gefahr

'  Wegen  dieser  Passbriefe  vgl.  oben  no.  23,  S.  58  Anm.  1.

?  Denselben  Vorwurf  erhob  ein  Entschuldigungsschreiben  der  „Direktoren“
des  passauer  Volkes,  das  Sulz  vor  dem  Herzog  von  Braunschweig  verlas  und
worin  es  hiess,  das  Volk  ‚sei  mit  „sonderm  vleiss“  des  Landeshauptmanns
von  Oesterreich  ob  der  Enns  in  dies  Land  geführt  worden,  damit  der  König
davon  Anlass  nelımen  könne,  sich  dem  prager  Vertrag  zu  opponieren  und
den  Kaiser  um  die  Regierung  in  Böhmen  zu  bringen.  Der  Herzog  erwiderte
aber:  „wer  weiss,  herr  graf,  ob  Ir  nit  dises  schreiben  selber  erdacht  habt“
ılb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  März  1611,  zu  no.  29;  Kopie).
        <pb n="143" />
        97.  1611  121

sichern  wollen.  Und  da  wir  täglich  hörten,  dass  einige  Leute  bei
den  böhmischen  Ständen  herumliefen  und  sie  aufhetzten,  den  König
hereinzurufen  und  zwar  dieselben,  die  bei  den  Ständen  die  Werbung
so  sehr  betrieben  hatten,  so  haben  wir  daraus  nichts  anderes  schliessen
können  als  dass  diese  Leute  gegen  E.  M.'  und  Dero  Landstände
Intention  die  Werbung  vornehmen  wollten.  Darum  und  weil  das  Kriegsvolk
  fast  an  der  Grenze  lag,  haben  wir  als  getreue  Diener  nicht  anders
thun  können  als  E.  M.'  und  Dero  getreue  Stände  auch  davor  zu
versichern.  Wir  sind  daher  zu  E.  M.'  nach  Prag  gekommen  und
erbieten  uns  anfänglich,  „für  E.  ksl.  M.  und  alle  lobliche  getreue
  stend  dises  königreichs  zu  sterben.  Damit  aber  E.  ksl.  M.  sowohl
  als  die  getreuen  stend  dises  königreichs  aller  besen  praktiken
versichert,  so  ist  darzue  das  einige  mittel,  E.  ksl.  M.'  inen  allerg.“
befehlend,  dass  sie  das  kriegsvolk,  so  sie  geworben,  alsbald  zu  uns
rucken  lassen,  damit  wir  sambtlich  E.  ksl.  M.'  feind  begegnen“  und  alles
Uebel  von  diesem  Land  abwenden  können.  Zu  mehrerer  Versicherung
erbieten  wir  uns,  wenn  E.  M.'  es  befehlen,  nicht  allein  E.  M.'  sondern
auch  dem  Königreich  neuerdings  zu  schwören.  Die  auf  unser  Erbıeten
  eingehen,  meinen  es  mit  E,  M.'  gut,  die  andern  aber  wollen
E.  M.'  und  diesem  Königreich  zuwider  handeln.  Als  deren  Feinde
erklären  wir  uns  hiemit  und  hoffen,  dass  E.  M.'  unsere  treue  Affektion
daraus  verspüren  werden;  wenn  sie  aber  zu  uns  rücken,  so  sind
wir  erbietig,  E.  M.'  Befehle  alsbald  zu  vollziehen;  sonst  sind
wir  entschlossen,  „dem  ubel  nit  säumig  ohne  das  aus  dem  grund
E.  ksl.  M.'  zum  bösten  zue  helfen,  dann  wir  einmal  E.  ksl.  M.  zue
conserviren  uns  furgenommen“.  Den  12.  februar  1611.
Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  März  1611,  zu  no.  29.  Kop,!

—  ———.....

!  Von  obigem  Schreiben  Ramöes  schweigen  die  zahlreichen  Berichte  über  die
„prager  Fastnacht“  (nur  der  venezianische  Orator  Padavin  hat  davon  oberflächliche

ntnis:  P.  an  den  Dogen  in  den  Dispacri  Veneti,  Bd.  44,  f.355;  Or.),  dagegen
erzählen  sie  von  einem  Schreiben  Ramees  an  die  böhmischen  Stände  vom  gleichem
Tag,  worin  er  von  diesen  freien  Pass  und  Quartier  begehrt;  auch  sollen  diese
sich  binnen  drei  Tagen  entschliessen,  ob  sie  sich  mit  den  Passauern  vereinigen
und  mit  diesen  gegen  des  Kaisers  Feinde  streiten  wollten,  sonst  würden  die
Passauer  in  Prag  ihr  Quartier  nehmen.  —  Die  Stände  wandten  sich  hierauf
an  den  Kaiser,  der  zuerst  den  Erzherzog  Leopold,  Sulz,  Althan,  dann  aber,
da  keiner  von  diesen  zurückkehrte,  Abraham  zu  Dohna  zum  Kriegsvolk
hinaussandte,  das  eine  halbe  Meile  vor  Prag  lagerte,  um  mit  den  Führern,  bei
deren  sich  seit  11.  Februar  Erzherzog  Leopold  befand  (Silbermann  an  Pfalzgraf
Philipp  Ludwig  am  2./12.  Februar,  Ma.,  299/13,  1.129;  Kopie),  wegen  des  Abzugs
zu  verhandeln.  Was  Dohna  ausgerichtet,  zeigt  dessen  nachfolgender  Bericht
an  den  Kaiser  nach  seiner  Rückkehr  (am  14.  Februar):  „E.  ksl.  M.t  bevehl
gemess  habe  zu  I.  D.t  [Erzherzog  Leorold]  ich  mich  begeben  und  die
ontlichen  nach  langem  irren  bei  St.  Margarethen  in  dem  trauttmanstorfischen
quartir  sampt  dem  von  Altheimb  und  Rame  gefunden.  Darauf  E.  kel.  L.!
ernsten  geschaffnen  willen,  dass  sie  nit  weiter  rucken  noch  was  thätliches
wider  diese  stadt  vornemben  solten,  nicht  allein  I.  D.!  bei  verlust  der  lieb,
die  E.  M.t  zu  derselben  tragen,  sondern  auch  denen  anwesenden  obristen

Februar
12.
        <pb n="144" />
        122  1611  58.

Fobrhar  68.  Denkschrift  wegen  der  Einnahme  Sachsens
12.  in  den  Gemeinbesitz  Jülichs  (für  den  Kurfürsten
von  Brandenburg).

Man  hat  bemerkt,  dass  manche  Leute  den  Rat  der  Freunde,  Verwandten
  und  Räte  des  Kurfürsten  misbilligen,  auf  den  angebotenen
Akkord  mit  dem  Hause  Sachsen  wegen  des  Gemeinbesitzes  in
den  jülichschen  Fürstentümern  einzugehen.  Um  gegenüber
der  Nachwelt  gerechtfertigt  zu  sein,  ist  diese  Schrift  aufgesetzt  worden,
die  bei  den  Akten  hinterlegt  werden  soll.

Es  ist  nicht  ganz  in  Abrede  zu  stellen,  dass  die  Einräumung
des  Gemeinbesitzes  der  Reputation  Kurbrandenburgs  abträglich  sein

bei  verlust  E.  M.t  gnad  fürgehalten.  Auf  welches  sich  I.  D.t  sambt  den
bevehlshabern  dahin  erkleret,  dass  sie  vors  erste  in  E.  M.'  diensten  leben  und
sterben  wolten;  dass  sie  aber  so  nahe  anhero  gerucket,  habe  sie  die  eusserste
notturft  hierzu  verursacht,  sintemal  zwen  aus  E.  M.t  räthen  sie  fort  von
der  zeit  an,  als  sie  geworben  worden,  verfolget  und  noch  darob  weren,  wie
sie  in  E.  M.t  eusseriste  ungnad  gebracht  werden  möchten.  Wie  gerne  sie
auch  morgendes  tags  nit  nähender  und  in  die  stadt  rucken  wolten,  so  fehlet
eg  ihnen  doch  an  profiant.  Bitten  derohalben,  man  wolte  vor  dem  morgenden
tage  sie  mit  brod  und  bier  in  abschlag  ihres  soldes  versehen,  da  solches
beschehe,  wolten  sie  supplicando  morgen  umb  7  uhr  E.  M.t  ihre  petita  unterthenigst
  ubersenden  und  darauf  E.  M.t  resolution  erwarten.  80  viel  ich
auch  von  weiten  vermerket,  werden  die  petita  diese  sein:  1.  Seind  sie  mit
denen  durch  mich  erbotnen  50000  thir.  auf  raitung  zufrieden.  2.  Seind
sie  auch  erbötig,  von  stund  an  darauf  auf  die  frontirstädte  Budweis  ,  Tabor
und  Crumaw  sich  zu  referiren  und  aldort  zu  erwarten,  bis  E,  M.t  mit
I.  kgl.  W.  verglichen  wurden;  do  aber  I.  kgl.  W.  wider  E.  M.!  was  tentiren
solten,  wolten  sie  sich  in  E.  M.t  diensten  ritterlich  brauchen  lassen.  3.  Ist
ihr  höchst  begehren,  dass  sie  die  berrn  Beheimb  nicht  vor  feind  sondern
freund  achten  und  neben  ihnen  die  land  defendiren  wolten;  uber  den  punkt
werden  sie  am  meisten  halten.  4.  Dass  E.  ksi.  M.t  nach  geschlossnem  allerseits
  frieden  sie  mit  gnaden  abdanken  lassen  wolten.  —  Nach  diesem  allen
haben  sich  die  obristen  zum  hechsten  beschwert,  dass  sie  alhier  in  der  stadt
von  etlichen  obristen  ganz  gröblich  iniurirt  und,  wie  die  wort  gelautet,  vor
kale  praktikanten  gescholten  worden,  man  ihnen  auch  solches  zuentbieten
lassen  und  mit  namen  den  herrn  grafen  vun  Thurn  genant,  der  sie  verkleinerlich
  halten  solte.e  Darum  wolten  sie  sich  morgen  auf  dem  weissen  berg  in
voller  schlachtordnung  sehen  lassen  und  mit  der  that  damit  erweisen,  ob  sie
so  geringe  leut  zu  achten  sein.  Obwol  ich  sie  hiervon  zum  heftigsten  abgemabnet,
  ihnen  auch  angezeiget,  dass  der  herr  graf  mehr  beschwer  wider  sie
zu  führen  und,  wie  mir  herr  Wenzel  Kinsky  und  der  herr  graf  gleich  im
hinausreisen  angezeiget,  sie,  die  passauischen  obristen,  den  herrn  Beheimb
die  sterbstund  morgen  umb  7  uhr  angekündiget,  so  seind  sie  doch  darvon
zu  bringen  nicht  gewest,  diss  aber  versprochen  und  zugesagt,  do  sie  nur
mit  profiant  befürdert  wurden,  der  berr  graf  treffe  gleich  morgen  mit  ihnen
oder  nicht,  so  wolten  sie  doch  respectshalber.  in  die  stadt  nit  rucken  sondern
sich  wider  in  ihre  quartir  begeben  und  E.  M.:  resolution  wie  gemelt  in
demuth  erwarten.  Weren  auch  erbötig,  den  von  Altbeimb  neben  zween  haubtleuten,
  ihre  notturft  mündlich  bei  E.  M.t  zu  befürdern,  herein  zu  senden,
do  die  herrn  Beheimb  ihnen  genugsamb  freien  zu-  und  abzug  halber  caviren
theten.“  O.  D.  (Dre.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  15;  Kopie).
        <pb n="145" />
        58.  1611  123

könnte,  da  auch  der  geringste  Stand  darauf  nur  bei  Rechtszwang  Februar
oder  offener  Gewalt  eingehen  wird,  Sachsen  alle  Erbvereine,  Freundschaft,
  Korrespondenz,  Religion  u.  a.  in  dieser  Sache  ganz  zurückgestellt
  hat,  ja  —  wie  es  heisst  —  wenn  es  damit  der  strittigen
Lande  habhaft  werden  könnte,  den  völligen  Ruin  des  kurfürstlichen
Hauses  Brandenburg  suchen  würde;  daher  ist  es  ganz  unnötig,
aus  Freundschaft  etwas  zu  tun.  Man  weiss  auch,  was  für  Ungelegenheiten
  und  Beschwerden  der  Gemeinbesitz  verursacht,  wie  aus  der
Gemeinschaft  mit  Neuburg  zur  Genüge  zu  ersehen  ist.  Man  hat
auch  reiflich  erwogen,  dass  das  sächsische  Begehren  gar  nicht  begründet
  ist  und  dass  es  Sachsen  ebenso  schwer  wie  andern  fallen
dürfte,  mit  einem  Kriegsheer  aufzukommen.  —  Aber  diesen  Gründen
stehen  viel  gewichtigere  Gegengründe  gegenüber,  besonders  wenn  man
auf  die  assistierenden  Potentaten,  Kurfürsten,  Fürsten  und  Stände
Rücksicht  nimmt  und  erwägt,  was  für  Ungelegenheiten  daraus  entspringen
  würden,  da  es  zwischen  Brandenburg  und  Sachsen  zu  Tätlichkeiten
  käme,  dagegen  welcher  Nutzen  aus  dor  Einigkeit  beider
Häuser  erwachsen  kann.

Was  die  Assistierenden  betrifft,  wird  man  nächst  Gott  auf  sie
das  meiste  Fundament  setzen  müssen;  denn  dem  Kurfürsten  wäre  es
unmöglich,  für  sich  allein  auch  nur  die  Kriegslast  unten  Landes,  zu
geschweigen  auch  noch  heroben  zu  tragen.  Dazu  hat  sich  seit  dem
Tod  Heinrichs  IV.  in  Frankreich  alles  verändert  und  ist  von  dort
keine  weitere  Hilfe  zu  erwarten!  es  hat  vielmehr  die  Königin-Regentin
durch  Villeroy  und  Bouillon,  als  dieser  zu  Heidelberg  war,  ausdrücklich
  zum  Verein  mit  Sachsen  raten  lassen?.  Der  König  von  England
  hat  nicht  nur  schriftlich  zum  Akkord  mit  Sachsen  gemahnt,”
er  hat  auch  im  vorigen  November  dem  Fürsten  Christian  von  Anhalt
zu  Westminster  rund  erklärt,  er  werde  wegen  dieser  Sache  keinen
Mann  schicken;  die  Sache  sei  jetzt  in  ganz  anderm  Stand:  man  habe
es  jetzt  mit  Sachsen  zu  tun,  der  ebenso  ein  evangelischer  Reichsstand
  sei  wie  Brandenburg,  ja  dazu  des  Königs  „fast  näherer  schwager“,
der  ibn  nie  beleidigt  habe.  Auf  die  Hilfe  des  Königs  von  Dänemark
  ist  schon  gar  nicht  zu  rechnen;  denn  der  König  hat  sich  sogar
geweigert,  ein  blosses  Rekommendationsschreiben  zu  gunsten  Kurbrandenburgs
  an  Frankreich  und  England  abgehen  zu  lassen.  Die
Generalstaaten  haben  im  vorigen  Jahr  ein  hohes  aufgewendet,  ohne  bisher
die  Erstattung  zu  begehren;  sie  sind  aber  entschlossen,  ohne  die

m

!  Vgl.  oben  no.  13,  8.  29,  Anm.  2.

”  Auch  zu  Unstadt  bei  der  Zusammenkunft  des  Landgrafen  NMoriz  von
Hessen  mit  dem  Herzog  von  Bouillon  in  den  ersten  Dezembertagen  1610
war  die  Einnahme  Sachsens  in  den  Gemeinbesitz  ein  Hauptgegenstand  der
Unterredung  (Christoph  zu  Dohna  an  Fürst  Johann  Georg  I.  von  Anhalt  am
5  en  er  1610  (De.,  A  9a,  Ia;  no.73;  Or.  eigh.).

8  Vgl.  oben  no.  52,  8.  112,  Anm.  2.
        <pb n="146" />
        Februar
12.

124  1611  58.

Nebenassistenz  von  Frankreich  und  England  die  Hand  nicht  weiter
anzulegen,  wie  dies  Oldenbarnevelt  und  Aerssen,  bei  denen  die  Direktion
  dieser  Dinge  vornehmlich  steht,  dem  Fürsten  von  Anhalt  bei
dessen  Anwesenheit  im  Haag  deutlich  gesagt  haben.  Die  Unierten
haben  in  diesem  Jahr  gleichfalls  grosse  Kosten  gehabt  und  haben
durch  den  Administrator  der  Kurpfalz  schriftlich  angezeigt,  dass  es
ihnen  zu  beschwerlich  falle,  dies  Werk  weiter  fortzusetzen  ;  ebenso
hat  Jandgraf  Moriz  angemahnt,  der  unterwegs  ist,  sich  deshalb  mit
dem  Kurfürsten  persönlich  zu  unterreden.  Man  kann  daraus  deutlich
sehen,  wie  man  aller  Hilfe  entblösst  ist,  wenn  man  diese  Dinge  nicht
in  Güte  beilegt.  Das  Vermögen  des  Kurfürsten  reicht  aber  nicht
aus,  den  Angriff  allein  auszuhalten.

Dazu  sind  die  sonstigen  Ungelegenheiten  eines  Streits  mit
Sachsen  zu  erwägen:  zunächst  die  Gefahr  der  Acht,  die  nicht  ausbleiben
  würde,  ja  vielleicht  schon  erfolgt  wäre,  wenn  nicht  das  in
Oesterreich  aufgeloderte  Feuer  sie  zurückhielte;  es  haben  auch  die
vornehmsten  und  geheimsten  Räte  des  Kaisers  erst  dieser  Tage  den
Kurfürsten  vertraulich  warnen  lassen,  dass  in  des  Kaisers  geheimen
Rat  noch  jetzt  „fast  gefehrliche,  aber  I.  ksl.  M.'  nicht  unanmäütige
consilia  vorgiengen.‘“

Wer  es  aber  mit  dem  Kurfürsten  gut  meint,  wird  ihm  nicht  raten
können,  dass  er  bei  den  vielen  Mitbewerbern,  deren  jeder  Herr  der
Lande  da  unten  werden  möchte,  und  bei  der  Ungewissheit  des  Sieges
auch  einer  gerechten  Sache,  seine  getreuen,  opferwilligen  Lande,  die
ihm  in  wenig  Jahren  viele  Millionen  Goldes  gutwillig  gesteuert  haben,
seine  Iımunitäten  und  Freiheiten  samt  seinen  sonstigen  Anwartschaften
  daran  setze  und  sein  und  der  seinigen  Ehre,  Leben  und
Gut  in  die  Schanze  schlage.  An  Mitteln  der  Exekution  der  Acht,
sobald  sie  ergeht,  würde  es  sicherlich  nicht  fehlen:  am  meisten
würden  die  Nachbarn  zugreifen  und  wer  weiss,  wenn  e8  einmal  so
weit  ist,  ob  nicht  „das  mobile  vulgus“  auch  in  diesen  Landen  „dahin
  fiele‘,  wenn  ihm  die  Gefahr,  die  es  sonst  zu  erwarten  hätte,
recht  vorgestellt  und  dazu  etwa  ausgegeben  würde,  es  geschehe  die  Okkupation
  der  Mark  dem  Hause  Brandenburg  selbst  zum  besten,  damit
die  Lande  nicht  in  des  Kaisers  oder  in  der  Papisten  Hände  kämen;
und  das  würde  sich  umso  leichter  praktizieren  lassen,  wenn  man  dem
gemeinen  Pöbel  Erlassung  der  Steuern  und  anderer  Bürden  zusagte.
Der  Kurfürst  wäre  auch  nicht  versichert,  dass  nicht  die  Lande  unten,
wenn  sie  wegen  der  Acht  den  Ernst  sehen  oder  die  Exekution  dem
Erzherzog  Albrecht  aufgetragen  würde,  sich  „alterieren  oder  gar  revoltieren,“
  so  dass  man  zum  Entgang  des  Gewinns  noch  in  äusserster
Gefahr  sässe.  Würde  man  aber  der  Acht  trotzen  und  auch  die
untern  mit  den  obern  Lande  zu  verteidigen  vermögen,  so  würde  es
zur  jetzigen  Zeit  alsbald  an  Proviant  fehlen,  so  dass  man  aus
Hunger  zu  andern  Entschlässen  gezwungen  würde,  ohne  der  einmal
geladenen  Gäste  quitt  werden  zu  können.  Sicherlich  aber  würde  der
        <pb n="147" />
        58.  1611  125

Kurfürst  von  jenen  Landen,  wenn  diese  [die  obern]  verloren  wären,  Februar
nichts  behalten:  denn  jene  Leute  sind  nicht  gewohnt,  ihrem  Herrn  12.
viel  zu  geben,  sondern  sie  wollen  einen  haben,  der  sie  reich  macht.
Gefahrvoll  ist  auch,  dass  Spanien  oder  Burgund,  wenn  sie  inne
werden,  dass  der  Kurfürst  von  den  Assistierenden  ganz  verlassen  ist,
nicht  wie  bisher  still  sitzen  sondern  versuchen  werden,  sich  jener
Lande  zu  bemächtigen;  und  will  Burgund  schon  nichts  unmittelbar
  anfangen,  so  braucht  es  nur  Sachsen  einen  Reiterdienst  zu
tun;  denn  die  jülicher  Lande  sind  allenthalben  offen,  dagegen  viele
Plätze  darin,  die  leicht  so  befestigt  werden  können,  dass  sie  ohne
besondere  Macht  und  unerschwingliche  Kosten  vom  Feind  nicht
zurückgewonnen  werden  können,  die  auch  an  günstiger  Lage  die
Festung  Jülich  weit  übertreffen;  ja  um  die  Lande  nur  vor  einem  gewöhnlichen
  Ueberfall  in  etwas  zu  sichern,  bedürfte  man  eines  stetigen
Heers  von  6000  Mann  zu  Fuss  und  1000  Pferden.  Woher  soll  man
aber  auf  die  Dauer  dazu  die  Kosten  nehmen,  zumal  wenn  man  auch
heroben  eine  „Landrettung‘‘  anstellen  müsste;  denn  dazu  bedürfte  man
noch  mehrern  Kriegsvolks,  da  dies  ganze  Land  allenthalben  fast  offen
ist  oder  nur  „ganz  liederliche“  Pässe  hat.  Der  Kurfürst  kennt
zudem  die  Schwierigkeit,  auch  nur  das  geringe  Kriegsvolk,  das  man
bisher  erhielt,  zu  befriedigen.

Bleibt  es  beim  jetzigen  Zustand,  so  hat  der  Kurfürst  von  den
Landen  unten  nur  den  „schlechten  Titul“  und  muss  zu  allen  Sorgen
und  Mühen  noch  sein  ganzes  Vermögen  hineinstecken.  Wie  leicht  könnte
es  aber  kommen,  dass  die  untern  Lande  von  Soldaten  „übermacht‘‘
würden  und  daraus  eine  gänzliche  Rebellion  entstünde,  wie  man  ohnehin
  bereits  viele  Klagen  vernimmt;  der  Kurfürst  könnte  überrascht
  und,  ehe  man  diesseits  aufkäme,  so  geängstigt  werden,
dass  er  sich  aller  Ansprüche  auf  die  Lande  begeben  müsste;
mindestens  aber  würde  man,  wenn  man  auch  die  Stirn  böte  und  sich
gegenseitig  Land  und  Laute  weidlich  verdärbe,  da  diese  Lande  wegen
der  auf  ihnen  liegenden  Schuldenlast  nichts  ertragen  können,  im
besten  Fall  schliesslich  doch  zu  diesem  Mittel  [des  Verzichts]
greifen  müssen.

Der  Kurfürst  hat  zwar  zwei  junge  Herrn,  aber  nicht  von  starker
Komplexion;  würden  sie  in  jungen  Jahren  dahin  sterben,  so  hätte
man  mit  allen  Mühen  und  Kosten  nur  ein  fremdes  Haus,  in  das
man  ein  Fräulein  verheiratet,  gross  gemacht.  Darum  ist  besser
einen  Frieden  zu  machen  als  des  lands  Verderben  zu  erfahren,
„sonderlich  da  auch  hin  und  wider  im  lande  in  kurz  verwichnen
jaren  allerhand  ostenta  und  prodigia  sich  sehen  und  merken  lassen,
welche  ominos  genug  gewesen,  dahingegen  aber  wenig  frölichs  ausgangs
  angedeutet“;  auch  die  Prognostika,  die  nicht  zu  verachten
sind,  klingen  nicht  zum  besten.  Und  selbst,  wenn  der  Kurfürst  oben
oder  unten  Landes  einen  Sieg  erringt,  so  wird  die  Sache  darum  doch
„ninderst  auf  einen  ort  gebracht“:  unterliegt  auch  Sachsen,  so  bleiben
        <pb n="148" />
        Febrnar
12.

126  1611  58.

doch  der  Kaiser  und  Spanien  übrig;  unterliegt  der  Kurfürst,  so
wird  er  schwerlich  wieder  auf  die  Beine  kommen.  —  Ist  man  aber
mit  Sachsen  einig,  so  fallen  die  Gefahr  und  die  unerträglichen  Unkosten
  weg  oder  muss  zu  letzteren  Sachsen  das  seine  pro  rata  beitragen;
  die  armen  Untertanen  unten  werden  der  Lasten  erledigt,
wogegen  es  eine  Gewissenssache  wäre,  ihnen  mit  weitern  Kriegsbeschwerden
  lästig  zu  fallen;  denn  die  Oekonomie-  und  Rentkammersachen
  liegen  ganz  darnieder  und  sind  bei  jetzigem  Zustand  nicht
aufzurichten,  die  Lizenten,  die  Haupteinkünfte  des  Landes,  sind  nur
mit  den  Waffen  zu  erhalten;  mit  Zutun  Sachsens  würde  man  sie
aber  beim  kurfürstlichen  Kollegium  durchbringen.

Es  kann  Sachsen  auf  diesem  Weg  auch  der  päpstischen
Liga  und  der  Abhängigkeit  vom  kaiserlichen  Hof  entzogen  und  besseres
Einverständnis  zwischen  den  evangelischen  Ständen  hergestellt  werden,
woran  dem  ganzen  gemeinen  Wesen  viel  gelegen  it.  Man  käme  dadurch
  wieder  zu  den  gewöhnlichen  Mitteln,  den  Beschwerden  im
Reich  abzuhelfen,  könnte  die  Reichs-  und  Kurfürstentage,  die  bei
„zergänztem‘‘  kurfürstlichem  Kolleg  unterbleiben  mussten,  wieder  aufnehmen
  und  sie  zur  Wolfahrt  des  Reiches  benützen.  Man  entgienge
auch  der  Exekution  und  den  Exekutionskosten,  mit  denen  sonst  der  Kurfürst
  oder  dessen  Nachkommen  neben  Verlust  eines  guten  Teils  von
Land  und  Leuten  beschwert  würden,  wie  an  Sachsen-Coburg,  Donauwörth
  u.  a.  zu  sehen  war.  Die  Einnahme  Sachsens  würde  auch  dazn
dienen,  dass  die  jülicher  Successionssache  endlich  ein  Ende  erreichte;
denn  so  lange  man  nicht  allerseits  die  Waffen  niedergelegt  hat,
bleibt  alles  ungewiss  und  verwendet  man  sein  Geld.  ohne  zu
wissen,  wer  es  geniessen  soll.  Man  weiss,  wie  hart  bereits  Pfalz-Neuburg
  steckt,  also  dass  der  Pfalzgraf,  mag  er  auch  noch  so  fest
entschlossen  sein,  dem  dortmunder  und  haller  Vertrag  zu  folgen,  aus
Not  sich  in  ein  Verständnis  mit  Sachsen  einlassen  dürfte,  zumal  die
Möglichkeit  einer  Heirat  zwischen  Sachsen  und  Neuburg  vorhanden
ist.  Würde  das  „ad  partem“  unter  Ausschluss  Kurbrandenburgs  geschehen,
  so  wäre  das  für  den  Kurfürsten  sehr  übel;  „den  es
hengen  sowol  Sachsen  als  Neuburg  an  den  unaccomodirten,  dieselbe
würden  sich  solche  unaccomodirte  herfürzuziehen  höchst  angelegen
sein  lassen;“  dadurch  würden  Brandenburgs  Anhänger  ganz  unterdrückt,
  der  Kurfürst  aber,  ehe  er  sich  dessen  versieht,  aus  dem  Besitz
sein,  was  alles  durch  gegenwärtige  Handlung  vermieden  bleibt.

Die  entgegenstehenden  Motive  sind  leicht  abzulehnen:  die
Einwilligung  in  die  Handlung,  die  mit  Rat  und  Gutachten  der
Freunde,  Verwandten  und  Verbündeten  des  Kurfürsten  in  und  ausserhalb
  des  Reichs  geschieht,  ist  der  kurfürstlichen  Reputation  unabbrüchig;
  und  wäre  sie  selbst  auch  abträglich,  so  ist  immer  noch
besser,  eine  Zeit  lang  einen  Abgang  zu  dulden  als  die  kurf  ürstliche
Würde,  Leib  und  Leben,  Land  und  Leute  bei  ungewissem  Ausgang
sowol  des  Kriegs  als  des  rechtlichen  Austrags  in  die  Schanze  zu
        <pb n="149" />
        58.  1611  127

schlagen.  Man  wird  wol  auch  Gelegenheit  finden,  diesen  Abgang
zu  ersetzen  und  die  Reputation  wieder  zu  vermehren.  Es  ist  zwar
zuzugeben,  dass  das  Haus  Sachsen  sich  in  dieser  Sache  unfreundlich
genug  erwiesen  und  man  daher  keine  Ursache  hat,  demselben
nachzugeben  uud  ihm  viel  Freundschaft  zu  erweisen;  es  geschieht
aber  die  Einwilligung  zur  Einnahme  zunächst  gar  nicht  wegen  der
sächsischen  Freundschaft  sondern  aus  ganz  andern  Rücksichten.
Den  zu  besorgenden  Ungelegenheiten  eines  Gemeinbesitzes  für  die
Lande  lässt  sich  zum  Teil  durch  die  Bedingungen  der  Einnahme  abhelfen
  ;  die  Einnahme  geschieht  auch  nur  interimsweise  und  hört  auf,
sobald  die  rechtliche  Erkenntnis  in  der  Hauptsache  ergangen  ist;
dazu  kann  man  aber,  wenn  man  nur  will,  in  kurzer  Zeit  gelangen.
Uebrigens  sind  die  Ungelegenheiten  der  Einnahme  mit  den  sonst  drohenden
  gar  nicht  zu  vergleichen.  Dazu  kommt  alle  Tage  vor,  dass
hohe  und  niedere  Standespersonen,  um  grösseres  Unheil  zu  verhüten,
von  ihrem  Recht  weichen  und  durch  Unterhandlung  auf  etwas  eingehen,
  wozu  sie  von  rechtswegen  nicht  verpflichtet  wären.  Man
braucht  daher  diesorts  nicht  zu  erwägen,  wie  weit  das  sächsische  Begehren
  im  Recht  begründet  ist,

Uebrigens  muss  man  gänzlich  der  Meinung  sein,  dass  Sachsen
sonderlich  gegen  die  Lande  heroben  gar  wol  aufkommen  könnte:
wie  leicht  kann  Sachsen,  wenn  es  zu  einem  Vergleich  zwischen
Kaiser  und  König  kommt,  durch  Angebot  von  ein  paar  Monatssolden
das  passauer  Volk  zu  einem  Reiterdienst  bewegen  und  könnte  sich
die  Mark  auch  nur  von  einem  Durchzug  des  Feindes  auf  Menschengedenken
  nicht  erholen.  Es  würde  dabei  zwar  auch  Meissen  nicht  „auf
Rosen  tanzen‘,  aber  es  könnte  dag  Volk  auch  durch  die  Lausitzen,  ohne
Berührung  Meissens  hereingeführt  werden.  Ist  man  übrigens  einmal
  von  Feindschaft  soweit  eingenommen,  so  achtet  man  auch  des
Schadens  der  eignen  Untertanen  nicht,  wenn  nur  der  Gegner
grössern  leidet.  Sachsen  hat  dazu  den  Kaiser  und  die  ganze  Liga
auf  seiner  Seite,  die  mit  Geld,  Rat  und  Tat  das  Feuer  schüren
werden,  das  zwischen  den  evangelischen  Ständen  aufgegangen  ist;  in
den  Landen  unten  hat  Sachsen  das  erzherzogliche  Volk  zu  seinem  Willen
und  wird  auch  das  des  Koadjutors  von  Köln,  Rietbergs  und  das  der
Stadt  Köln  haben  können.  Ja  vielleicht  würde  es  überhaupt  keiner
besonderen  Gewalt  bedürfen,  da  man  besonders  die  herobern  Lande
durch  die  blosse  Acht  schon  so  verderben  kann,  dass  es  entweder  zu
einem  allgemeinen  Aufstand  in  den  Landen  kommen  dürfte  (‚dazue
es  ohne  das  eins  und  des  andern  orts  albereit  inclinirt‘)  oder  dass
man  gezwungener  massen  andere  Consilia  zu  noch  grösserem  Schimpf
würde  fassen  müssen:  denn  wenn  zufolge  der  Acht  die  Landeseinwohner
  ausserhalb  der  Landesgrenzen  oder  im  Lande  selber  des
ibhrigen  beraubt,  ja  gar  als  Gefangene  weggeschleppt  würden  (wie  das
die  Acht  erlaubt),  so  wird  in  wenigen  Monaten  die  ohnehin  sehr  geschwächte
  Nahrung  und  Hantierung  im  Lande  aufgehoben  und  un-Februar


12.
        <pb n="150" />
        Februar
12.

Februar
13.

128  1611  58—59.

säglicher  Jammer  gestiftet  werden,  alle  Schösse  und  Steuern  werden
aufhören,  alle  Einwohner,  die  das  ihrige  bei  den  Landschaften  oder
Städten  stehen  haben,  werden  gar  zu  Grunde  gehen,  „ja  umb  der
besten  und  fürnembsten  siegel,  ehr  und  glauben,  als  welche  sie
mannigfaltig  vor  die  landschaft  versezt,  will  es  fast  gefehrlich  stehen,
wo  sie  hierumb  nicht  gar  kommen.“  Ob  dies  die  Untertanen  nicht
zur  Ungeduld  und  schliesslich  zum  Aufstand  bewegen  wird,  wird
die  Erfahrung  eher  bezeugen  denn  gut  ist  und  also  viel  Schwertschlagens
  nicht  nötig  sein.

Aus  allen  diesen  Gründen,  die  von  den  Verwandten  und  Freunden
  des  Kurfürsten,  auch  von  uns  Räten  in  Acht  genommen  wurden,
raten  wir  dem  Kurfürsten,  diese  Handlung,  wenn  sie  nach  Recht  und

„Billigkeit  und  ohne  Praejudiz  der  Hauptsache  und  des  Successionswerks

  geschehen  kann,  zu  versuchen  und  nicht  auszuschlagen.

„Lectum  et  approbatum  in  consilio  praesentibus  electore,
marchione  Joachimo  Ernesto  et  principe  Christiano  Anhaltino.  Coloniae
ad  Spream  2.  febr.  a.  1611.“

„Hiebey!  seyndt  noch  ferner  gewesen  her  Adam  von  Pudlitz,
her  Wedigo  von  Pudliz,  her  vicecanzler  D."  Bruckmann,  D."  Pistorius.
Reich.artt  Beyer.‘

Bbg.,  A  Va.  no.  85,  f.  106;  Kopie?

59.  Aerssen  an  Benjamin  von  Buwinckhausen.

„Vous  attendös,  qu’on  prenne  icy  les  affaires  de  Vos  princes  ä
coeur  selon  leur  merite  et  selon  les  conventions,  mais  on  est  tant
occup&amp;amp;  au  dedans,  que  ie  ne  scay  pas,  sy  on  peut  penser  au  dehors
  ou  mesmes,  sy  entre  ceux  de  dehors  Vous  estes  les  plus
considerabls..  Pour  Vous  dire  vray,  iay  peur,  que  ne  trouves
point  encor  ceste  prudencee  en  nostre  minorite‘““‘  Folgt  eine
Schilderung  der  Zustände  am  Hof  von  Pars:  ....  „Nostre
thresor  aussy  est  espuis6  iusques  &amp;amp;  cing  millions  pres.  A  Vostre
advis,  monsieur,  sont  ce  pas  de  grandes  espines  dans  l’esprit
de  nos  conseillers  d’estat?  Avec  cela  mille  incidens  iournaliers
sont  cause,  qu’on  ne  s’occupe  qu’au  dedans  et  sy  on  a  quelque  relasche
  pour  ietter  l’oeil  sur  le  dehors,  Rome  et  Espagne  excluent
tous  autres.  Rome  veut,  qu’on  face  la  guerre  &amp;amp;  ceux  de  la  religion,
Espagne  se  faict  craindre,  sy  on  ne  la  contente  en  l’alliane.  Malaysement
  me  puis  ie  persuader,  quon  soit  en  estat  pour  gratifier
le  pape  en  son  desir,  quelque  animosit#  qu’on  porte  contre  la  religion,
  mais  l’Espagnol  tirera  ce  qu'il  vouldra.  Les  aflections  y  sont

!  Die  folgende  Bemerkung  ist  von  Fürst  Christians  eigener  Hand.

”  Das  von  dem  kurbrandenburgischen  Vizekanzler  D."  Pruckmann  eigenhändig
  geschriebene  Original  der  Denkschrift  war  am  19./29.  September  1612
dem  Fürsten  Johann  Georg  von  Anhalt  zur  Abschrift  mitgeteilt  worden.
        <pb n="151" />
        59.  1611  129

portees  et  les  fers  en  sont  mis  au  feu  pour  l’execution  sur  ce  fon-  Februar
dement,  que  la  royne  a  besoin  d’achever  sa  regence  en  paix,  que  18.
nul  ne  la  peut  alterer  que  le  roy  d’Espagne.  Estimes  Vous,  qu'en
suiste  de  ceste  maxime  on  puisse  exhorter  la  royne  d’embrasser
Vostre  cause  et  dintervenir  ä  Vostre  union.  On  luy  feroit  peur
de  la  guerre  et  d’une  despense,  de  laqnelle  le  fonds  luy  va  manquer.
Vous  scaves,  de  quelle  consideration  luy  devroient  estre  les  Pays-Bas,
sy  elle  vouloit  gouverner  le  royaulme  par  les  desseins  du  feu  roy,
et  toutes  fois  elle  delibere,  s’il  est  &amp;amp;  propos  de  nous  continuer  son,
secours  ou  non.  Pour  tout  dire  ie  crains  plus  nos  ennemis  en
ceste  deliberation  que  ie  n’espere  de  sa  prudence  et  toutes  fois  ce
secours  est  accordd  pour  la  garentye  de  nostre  treve,  pour  la  oonservation
  de  la  souvenance,  que  devons  &amp;amp;  ceste  monarchie  de  ses  bienfaicts.
  Pour  cela  i’ay  peur,  qu’on  ne  se  porte  pas  &amp;amp;  s’interesser  en
Vos  aflairee  que  par  des  conseils.  Et  quelis?  Certes  timides  et
fievreux,  conformes  A  ceste  constitution.  On  n’approuve  pas  les  expediens,
  que  porte  mons.  le  prince  d’Anhalt  pour  accommoder  les
differens  de  Juilliers  et  de  l’administration,  comme  fortifians  l’empereur
par  l’affoiblissement  des  autres  princes  que  partageront  ou  la  possession
de  Juliers  avec  Saxe  ou  l’administration  avec  Nieuburch.  Ce  neantmoins
quelque  interest  qu’on  y  reconnoisse,  encor  souffrira  on,  que  le  facies,
plustost  que  de  venir  ä  la  guerre.  C'est  &amp;amp;  Vous  de  prendre  Vos  resolutions
  fermes  en  Vostre  propre  cause  que  les  voisins  ne  connoissent
qu’en  tant  que  leurs  interests  les  y  portent.  Ceste  couronne  ne
Vous  tera  en  sa  minorit6  ne  bien  ne  mal.  Cependant  Vous  aves
l’Angleterre,  Vous  av6s  les  Provinces  Unies  qui  Vous  sont  considerables.
Que  ne  les  li6s  Vous  avant  le  perl?  Leur  union  peut  servir  &amp;amp;
intimider  les  brouillons.  Nos  provinces  sont  asses  voisines,  sy  Vos
resolutions  sont  asses  hardies;  mais  ce  seroit  imprudence  de  Vous  en
remettre  conıme  pour  le  pass6  sur  nostre  bonne  foy.  La  treve  nous
est  chere  et  ne  l’exposerons  plus  au  hasard  d’une  rupture  que  bien
asseures  de  l’evenement  de  la  querelle  par  un  solide  traict6  avec  Vos
princee.  Vous  y  deves  penser  de  bonn’'heure.  Milan  n'est  point
encor  desarın6,  huict  mille  Espagnols  et  plus  s’y  entretiennent  en
corps,  ce  qui  ne  s’est  point  veu  de  toutes  nos  guerres.  Le  duc  de
Savoye  croist  son  armde  de  iovur  &amp;amp;  autre  et  le  connestable  de  Castille!
  l’accommode  de  ce  quil  desire,  par  oü  nous  voyons  qu’ils  ont
concert6  leur  dessein  par  ensemble.  Aucuns  croyent,  qu’il  a  volonte
de  se  mettre  en  possession  du  paix  de  Vaux,  l’evesque  de  Syon  ayant
par  convention  ced6  son  evesch6  &amp;amp;  son  fils,  mais  &amp;amp;  cela  il  ne  faut
point  vingt  mil  hommes  de  pied  et  deux  mille  chevaux.  Plusieurs
dient,  que  c’est  contre  Geneve;  on  le  croit  communement  icy.?  Pour

ı  Vizekönig  von  Mailand.

?  Ganz  übereinstimmend  schreiben  am  12.  Februar  die  Zürcher  an  den
Administrator  der  Kurpfalz,  dass  der  Herzog  von  Savoyen  sein  Heer  vermehre
und  von  Spanien  verstärkt  werde;  es  scheine,  dass  er  etwas  gegen  Genf  und

Bern  im  Schilde  führe;  (Mb.,  11973,  f.  229;  Or.).
Briefe  u.  Akıen  des  dreissigjährigen  Kriegen,  IX.  Bd.  9
        <pb n="152" />
        Februar
13.

Februar
16.

130  1611  59—  60.

ceste  consideration  mons.  de  Baraux  est  envoy6  vers  le  duc  pour  l’admonester
  de  sa  foy  et  l’intimider  de  la  guerre,  s’il  se  mesprend.  Il
luy  est  impossible  d’y  attenter,  quand  la  France  en  entreprend  la
defence.  Elle  a  trop  d’interest  pour  le  negliger;  un  des  quatre  ou
cing  passages  conserv6  par  ceste  courronne  rendra  tous  les  desseins
du  duq  elusoirs.  Et  partant  y  a  il  inconvenient  d’apprehender,
que  ces  forces  soient  pour  descendre  dans  les  Pays  Pas  et  foudre
dans  l’estat  de  Juiliers.  L’archiduc  Albert  a  investy  Saxe  dans  les
pays  de  Ravestein;  &amp;amp;  quelle  autre  intention  que  pour  diviser  ces
princes  et  nourrir  les  animosit6s  pour  les  faire  esclatter  en  guerre.
Vous  et  nous  avons  interest,  que  l’Espagnol  ne  se  niche  point  dans
ces  estats,  mais  nous  Non  plus  que  Vous.  Je  reviens  dong  pour
Vous  dire  que  Vous  aves  besoin  de  prendre  Vos  aflaires  en  main,
sans  Vous  attendre  a  des  grandes  choses  de  deca  qui  sont  incompatibles
  avec  nostre  minorit6.  Vous  nous  avös  veu  deliberer  et  tastonner
  sur  le  secours  de  Juilliers;  les  affaires  sont  bien  empirdes  du
depuis;  eu  un  mot,  tout  est  confus  et  tout  se  conduict  par  des
interests  particuliers.“  De  Paris  ce  13°  de  fevrier  1611.
Haag,  Aerssens  Korrespondenz,  Band  VII.  —  Kopie.

60.  Das  passauer  Kriegsvolk  an  Kaiser  Rudolf  II.

„Allerdurchleuchtigster  etc.  Gleicher  gestalt  wie  wir  uns  alzeit
gegen  E.  ksl.  M.'  erklert,  so  erkleren  wir  uns  gehorsambist  noch,!
dass  wir  nichts  anders  begehren,  keiner  andern  ursach  auch  herkommen,
  dann  E.  ksl.  M.'  bei  Deroselben  hohen  ksl.  authoritet  zu
erbalten  und  dass  Sie  libere  selbsten,  was  zu  Ihrem  uutzen,  ehrn,
hoheit  und  wurden  dienet,  disponirn  konten  ;  dabei  wir  auch  nochmals
verbleiben  mit  bitt,  E.  ksl.  M.'  geruben  numehr  zu  befehlen,  dass
dieses  Deroselbeu  zue  Passau  geworbenes  kriegsvolk  mit  deme,  so
Sie  hier  zue  Prag  werben  lassen,  dergestalt  de  novo  vereinbart,  dass
sie  samentlich  E,  ksl.  M.'  schwören  und  angeloben,  dasselbe  ohne
ainiges  widerreden  und  einwenden  zu  thuen,  was  zu  erhaltung  E.  Mt!
kaiserlichen  und  königlichev  autoritet  und  schuldigen  geborsambs  und  erhaltung
  der  wolfahrt  und  ehrn  dieses  löblichen  königreichs,  auch  aller

I  Wegen  der  Vorgänge  zu  Prag  am  15.  Februar  ist  auf  Gindelys  ausführliche
  Darstellung,  a.  a.  O.,  S.199  f.  zu  verweisen.  Die  verschiedenen  mir
vorliegenden  Berichte  über  den  Ueberfall  ergänzen  jene  nur  in  unwesentlichen
Einzelnbeiten  und  weichen  noch  untereinander  ab.  Am  zuverlässigsten  erscheint
  neben  dem  Bericht  Zunigas  vom  19.  Februar  (vgl.  unten  no.  63)  der
Padavins  vom  21.  Februar  (Dispacei  Veneti,  44.  Bd.,  f.  361),  des  bairischen
Agenten  Bodenius  vom  19.  Februar  (in  Zeitungsform;  Mc.,  Entstehung,  Fasz.
V.  no.  371/,,  f.  507)  und  der  der  lüneburgischen  Gesandten  Grote,  Hoyor
und  Heydemann,  die  Augenzeugen  der  Greueltaten  waren  (De,  A  9a.  I.  c.
no.  4';  Kopie).
        <pb n="153" />
        60.  1611  131

denselben  incorporirten  landen,  privilegien  gehörig  und  dienlich.  Und  Februar
thuen  E.  ksl.  M.'  uns  etc.  Datum  Prag  den  16.  feb.  a.  1611.  16.
Hohe  und  niedere  bevelchshaber  Ires  zue  Passau  geworbenen
kriegsvolks  sambt  und  sonders.“
Stg.,  Unionsscta,  XL.  f.  628;  Kopie!

I  Noch  am  selben  Tag  ergieng  an  das  kaiserliche  Kriegsvolk  folgendes
kaiserlicheg  Dekret:  „lie  röm.  ksl.  M.totc....  haben  dero  zu  Passau  gelegenen
kriegsvolks  suppliciren  vernommen.  Wann  dan  I.  ksl.  M.t  aus  demselben
nichts  anderst  sehen  und  spüren  können  als  dass  jetztgedachtes  kriegevolk
allein  zu  erhaltung  deroselben  reputation  und  authoritet  sich  alhie  befindet,
derowegen  I.  ksl.  M.!  verursacht  werden,  alle  drei  prager  städt  und  obristen
landofficier  aus  allen  drei  ständen  des  königreichs  Beheimb  dergestalt  zu
citiren,  dass  sie  auf  dem  prager  schloss  zusamben  kommen,  alda  mit  dem
passauischen  kriegevolk  sich  beaidigen,  dass  keine  partei  (bei  verlust  leibs
und  lebens)  nichts  feindlichese  gegen  einander  fürnemben  und  auch  I.  kal.  M.t
fernere  resolution  aldort  erwarten  sollen.  Das  ist  I.  kel.  M.t  ernster  entlicher
will  und  meinung.  Datum  Prag  den  16.  februarii  anno  1611“  (Drs.,  1.  9167,
Il.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  17;  Kopie;  vgl.  P.  Ph.  Wolf,  Geschichte
Maximilians  I.,  III.,  8.243).  Zugleich  liess  der  Kaiser  obiges  Ansuchen  des
Kriegevolks  den  böhmischen  Landoffizieren  und  Ständen  mit  dem  ernstlichen
Befehl  zustellen,  „weil  I.  M.t  erstgemeltem  passauerischen  sowol  als  dessen
albier  in  Belıaimb  bestelten  kriegsvolks  ainziges  oberliaubt  und  kriegsherr
sein,  I.  M.!  auch  kain  anders  befinden  als  dass  der  Passauerischen  intent
und  mainung  eben  dasjenig  ist,  was  I.  M.t  bestallung,  so  sie  zu  defendierung
und  versicherung  des  königreich  Behaimb  an  dato  den  31.  januar  diss  jars
underzaichnet,  vermag  und  mit  sich  bringt,  hierumb  so  sollen  mehrbesagter
  baider  kriegshör  hoch  und  nider  befelchshaber  samet  ihren  undergebenen
  reutern  und  knechten  morgen  frue  ir  jurament  und  aid  de  novo
dahin  richten  und  erstatten,  dasjenige  ohne  ainiche  widerred  und  einwendung
zu  thun,  was  zu  erhaltung  I.  M.!  kaiserlichen  und  königlichen  authoritet
und  hocheit,  auch  dises  loblichen  konigreichs  und  all  derselben  inoorporirten
landen  ehr,  wolfart  und  privilegien  gehörig  und  dinstlich  ist,  hiezwischen
aber  heut  und  inkänftig  von  kainer  seiten,  wie  auch  auss  allen  prager
stätten  (bei  vermeidung  I  kel.  M.t  höchsten  ungnad  und  straf)  nichts  feintliches
  gegen  einander  fürnemen.  Das  ist  I.  ksl.  M.:  ernster  entlicher  will
and  mainung.  Signatum  zu  Praag  den  16,  febr.  a.  1611“  (Ib.,  Ambraser
Akten,  Missiven  von  März  1611,  zu  no.  27;  Kop.)  Beide  Dekrete  liess  der
Kaiser  am  17.  Februar  mit  der  Nachricht,  dass  er  sie  an  diesem  Tag  habe
publizieren  und  beide  Heere  darauf  schwören  lassen,  dem  Herzog  Karl
von  Münsterberg  mit  dem  Befehl  mitteilen,  der  Herzog  habe  von  Oberamtswegen
  dafür  zu  sorgen,  dass,  falls  aus  Schlesien  eine  Volkahilfe  hieher  geschickt
  würde,  solches  Volk  sich  gleichfalls  der  kaiserlichen  Ordnung  bequeme
(Drs.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Volks,  f.  236;  Kopie).  —  Ein  kaiserliches
Dekret  ähnlichen  Inhalte  und  Wortlauts  wie  das  vom  16.  Februar  an  die
Landoffiziere,  jedoch  vom  18.  Februar  datiert,  steht  bei  P.  Ph.  Wolf,  Geschichte
  Maximilians  I.,  III.,  S.  243.  Da  aber  schon  am  17.  Februar  die
neue  Vereidigung  des  kaiserlichen  und  ständischen  Kriegevolks  in  Gegenwart
des  Erzherzogs  Leopold  und  der  böhmischen  Landoffiziere  stattgefunden
hatte  (Bericht  des  Bodenius  an  Herzog  Maximilian  vom  19.  Februar;  Me.,
Entstehung,  Fasz.  V.,  no.  37'/,,  f.  507;  Kopie),  so  liegt  bei  Wolf  wol  ein
Ueberlieferungsfehler  vor.  —  An  die  in  die  Alt-  und  Neustadt  geflüchteten
böhmischen  Stände  ergieng  am  20.  Februar  ein  neues  kaiserliches  Dekret,
wonach  sie  am  21.  in  Gegenwart  kaiserlicher  Kommissarien  und  eines  Ausschusses
  des  kaiserlichen  Kriegsvolkes  das  vorige  kaiserliche  Dekret  anhören,
dann  denselben  Eid,  wie  er  am  17.  geschworen  worden  war,  ablegen,  das  in
die  Alt-  und  Neustadt  hereingelaufene  Volk  abschaffen  und  den  Verkehr  mit

9°
        <pb n="154" />
        Februar
17.

132  1611  61.

61.  Der  Erzbischof  von  Salzburg  an  Hans  Ruprecht
Hegenmüller.

Von  des  Herrn  [Hegenmüller]  Rückkehr  nach  Prag  unterrichtet  nehme
ich  den  Briefwechsel  in  des  Kaisers  Sachen  wieder  auf!  und  verweise
zunächst  auf  das  eingeschlossene  Schreiben  an  den  Kaiser.”  Es  gibt
„ein  zeit  her  in  Tirol  selzame  leufte  und  pratiken,  auch  vil  reutens
und  schickens  zwischen  dem  könig  und  erzberzog  Maximilian;  in  den
landen  aber  werden  vil  haimbliche  zusammenkunften  angestelt  und
darbei  allerlei  tractiert‘‘,  obne  Wissen  des  Kaisers  und  des  Erzherzogs
Ferdinand,  Eben  erhalte  ich  Nachricht,  dass  auf  den  7.  März  ein
Landtag  ausgeschrieben  sein  soll.  Davon  kann  Erzherzog  Ferdinand
durchaus  nichts  wissen,  ‚„seitemalen  der  Casal?  erst  diese  tag  bei
mir  gewest  und  sich  stark  beklagt  von  seines  hern  wegen,  dass  erzherzog
  Maximilian  ein  zimbliche  zeit  her  ime  wenig  oder  gar  nichts
in  den  tirolischen  sachen  mehr  communiciert  und  dieweil  ich  schon
dieses  vorhabens,  einen  landtag  auszuschreiben,  ein  geruch  von  vertrauten
  orten  aus  Tirol  empfangen  gehabt,  also  hab  ich  ime  Casal
solches  auch  andeut,  darauf  er  mir  geantwort,  dass  sein  her  das
wenigste  wissen  darumb  nicht  hette,  könne  es  auch  nicht  glauben.“
Der  eine  grazerische  zugeordnete  Rat  soll  bereits  hintergangen  sein,
dem  andern,  Schurpf,  gibt  man  auf  seiner  Pflege  soviel  zu  tun,  dass

der  Kleinseite  wieder  herstellen  sollen,  wogegen  der  Kaiser  die  aufgefahrenen
Geschütze  wieder  abführen  lassen  wolle.  Da  man  bei  dem  angedrohten,
„schon  fast  für  augen  schwebenden  sorglichen  uberfall“  sich  einer  einhelligen
Defensionsordnung  für  das  schon  vorhandene  und  noch  aus  dem  Reich  und
sonsther  zu  erwartende  Kriegsvolk  vergleichen  müsse,  so  möge  dazu  morgen
ein  Ausschuss  der  in  der  Alt-  und  Neustadt  anwesenden  Herrn,  Ritter  und
Städte  auf  dem  kaiserlichen  Schloss  erscheinen  (Drs.,  1.  9166,  1.  Buch
pass.  Kriegsvolks,  f.  178;  Kopie;  vgl.  dazu  A.  Gindely,  Rudolf  Il.  und
seine  Zeit,  II.,  S.  216  f.)

ı  Hegenmüller  hatte  dem  Erzbischof  zuletzt  am  13.  Dezember  über
seine  Schickung  an  die  geistlichen  Kurfürsten  geschrieben  (Ma.,  107/42,
f.  69;  Or.  eigh.);  vgl.  oben  no.  36,  S,  87,  Anm.  1.

®  Vom  17.  Februar  ale  Antwort  auf  ein  kaiserliches  Schreiben  vom
31.  Januar  (vgl.  oben  no.  34,  S.  83,  Anm.  3):  der  Erzbischof  bittet,  um  den  begehrten
  Rat  erteilen  zu  können,  um  Information  über  die  Lage  des  Kaisers
durch  eine  vertraute  Person.  Aus  Tirol  will  er  allerlei  verdriessliche  Nachrichten
  erhalten  haben;  er  unterbaue  aber  bei  den  Landständen  so,  dass  es
keine  Gefahr  für  den  Kaiser  habe;  aber  Aufacht  sei  sehr  nötig  (Wöa.,  Salzburg,
  10.  Bd.,  Fasz.  3;  Kpt.).

®  Geheimsekretär  Erzherzog  Ferdinand.  Nach  einem  Schreiben  Erzherzog
  Ferdinands  an  Erzherzog  Maximilian  vom  20.  Februar  sollte  Casal
in  Salzburg  für  die  angesichts  des  drohenden  Einfalls  der  Passauer  angebotene
Hilfeleistung  des  Erzbischofs  danken  und  dann  in  München  eine  Beglaubigung
des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern  an  König  Mattlias  erheben,  deren  er
[Casal]  zu  einer  ihm  vom  Herzog  auf  Ferdinands  Ersuchen  aufgetragenen
Werbung  bedürfe;  diese  Werbung  Casals  in  Wien  betreffe  aber  das  ganze  Haus
Oesterreich  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  März  1611,  no.  87;  Or.).  Nach
einem  zweiten  Schreiben  Erzherzog  Ferdinands  vom  gleichen  Tag  (Ib.,a.  a.  O.,
no.10)  hoffte  dieser  durch  die  Schickung  Casals  die  bräderliche  Versöhnung
zwischen  Kaiser  und  König  herbeizuführen,  Vgl.  unten  no.72,8.  164  und  Anm.  1.
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        61.  1611  133

er  wenig  Zeit  hat,  zu  Innsbruck  zu  weilen.  Wie  es  mit  den  kaiser-  Februar
lichen  Zugeordneten  stebt,  wird  der  Herr  besser  wissen  als  ich.  Ich  1.
habe  Casal  „stark  gewarnt“  und  gefunden,  dass  dessen  Reise  zu
mir  „nicht  ain  geringe  notturft  gewesen,  dieweil  ich  aus  seinen
reden  leichtlich  genuegsamb  abnemen  hab  können,  dass  man  von  Wien
aus  zu  Grätz  stark  practiciert  und  villeicht  alberait  etwas  wegig  gemacht
  möchte  haben;  wil  aber  verhoffen,  da  sie  sich  von  mir  nicht
gar  wenden,  jedoch  irr  werden  machen  lassen.  So  hab  ich  auch  in
den  tirolischen  sachen  bis  daher  nicht  gefeirt  sonder  bald  nach  des
grafen  von  Althan  verraisen!  von  mir  durch  unterschidliche  mitl
und  wege  die  sachen  bei  den  fürnembsten  landständen  also  underpaut,
  dass  sich  die  meisten  under  inen  alberait  zimblich  vernemen
lassen,  nichts  einzugehen  noch  zu  verwilligen,  so  I.  ksi.  M.*  und
erzherzog  Ferdinanden  zu  Grätz  praejudicierlich  sein  könnte.  Ja  ich
stehe  auch  in  der  arbeit,  den  bievor  angedeuten  landtag....  sovil
möglich  zu  hindern  und  zu  wasser  zu  machen.  Jedoch  bin  ich  dessen
im  wenigsten  nicht  vergwist  und  hielte  derhalben  für  ein  sondere
notturft,  I.  ksl.  M.*  hetten  an  die  gemainen  landstände  in  Tirol  mir
ein  schreiben  zukomnıen  lassen“,  des  Inhalts:  der  Kaiser  habe  Bericht
  empfangen,  was  in  Tirol  seit  einiger  Zeit  vorfalle;  er  habe
bei  den  bisherigen  Handlungen  die  Treue  der  meisten  Stände  gegen
ihn  mit  Freuden  verspürt  und  fordere  sie  auf,  da  ihm  „die  ein  zeit
her  geübte  process  verdechtlich  fürkemen“,  ohne  seine  ausdrückliche
  Einwilligung  hinfort  keiner  Handlung,  die  dieses  Land  betreffe,
statt  zu  geben.”  Dies  Schreiben  würde  ich  schleunigst  und  noch
vor  dem  Landtag  dem  Landeshauptmann  an  der  Etsch  zuschicken,
wodurch  ohne  Zweifel  ‚die  vor  augen  schwebende  practiken‘‘  für
diesmal  vereitelt  werden  würden.  Die  Sache  scheint  mir  so  wichtig,
dass  ich  den  Brief  durch  einen  eigenen  Eilboten  schicke,  zumal
ich  höre,  dass,  während  die  Landschaft  zur  Verhütung  alles  Verdaehts
  ihre  zwei  Fähnlein  abdankt,  Erzherzog  Maximilian  „mit
meniglichs  verwunderung  im  land“  400  Mann  zum  jetzigen  Landtag
oanter  einem  Lichtenstein  werben  lässt.  —  „In  Baiern  vernimb  ich
auch,  das  es  selzamb  solle  zugehn,  dieweil  Maximilianus  sein  schwester
dem  könig  in  Ungarn  suecht  zu  verheuraten,  herzog  Wilhelm  aber
solches  keineswegs  zugeben  wil,  wie  auch  die  fürstin  selber  villeicht

ı  Vgl.  oben  no.  8,  S.  21  Anm.  ].

?  Dies  Schreiben  ergeht  schon  am  21.  Februar  und  ist  dem  Vorschlag
des  Erzbischofs  ganz  entsprechend;  Wöa.,  Tirol,  Fasz.  7;  Kpt.  (mit  der
interessanten  Bemerkung  des  Konzipisten:  „Eodem  die  21.  febr.  vocatus  a
satellite  caesareo  comparui  in  aula  ın  der  wachstuben  und  ist  in  I.  kel.  Mt
namen  mir  dise  expedition  in  praesentia  ser.mi  archiducis  Leo  old,
dominorum  comitie  de  Sulz,  comitis  ab  Althan,  Hannewaldi  durch
Hegemüller,  quem  a  caesare  exeuntem  et  quasi  ex  ore  8.  M.'ie  loquentem  vidi,
anbevohlen  worden.  Die  habe  ich  gleich  in  selbiger  stund  mandantibus  in
specie  archiduce  et  Hegemullero  verfertigt  und  ime,  herrn  Hegemüllern,  una

cum  copia  zugeschickt“).
        <pb n="156" />
        Februar
17.

Februar
17.

134  1611  61—62.

wenig  lust  dahin  hat.“  —  Soll  ich  dem  Kaiser  im  Kriegswesen  mit
Rat  dienen,  so  muss  ich  durch  einen  Vertrauten  mündlich  unterrichtet
  werden.  Datum  Salzburg  den  17.  februarii  a.  1611.

Ma.,  107[48,  f.  129  ;  Kpt.  von  Kurz.

62.  Instruktion  des  Kurfürsten  von  Mainz  zum  frankfurter
  Kommunikationstag.

Zur  Vermeidung  ungleiohen  Verdachts  soll  die  Verhandlung,
die  allein  unter  den  geistlichen  Kurfürsten  und  Fürsten  vorgenommen
wird,  im  Prediger-  oder  einem  andern  Kloster  angestellt  werden.  —
Bei  der  Verhandlung  sind  zuerst  die  Bundessachen  vorzunehmen,  damit  die
Gesandten  von  Worms  und  Speier,  wenn  darüber  Beschluss  gefasst  ist,  heimreisen
  können.  —  Beim  Vortrag  haben  die  Gesandten  kurz  zu  wiederholen,
was  wir  wegen  der  Einnahme  Sachsens  und  wegen  der  Meinungsverschiedenheit
  mit  Baiern  den  rheinischen  Bundständen  mitgeteilt  haben.*®
Wir  konnten  uns  zur  Ausschreibung  eines  neuen  Bundestages
mit  Uebergehung  Sachsens  ohne  vorgängige  Beratung  mit  den  rheinischen
Bundständen  nicht  verstehen,  da  wir  dadurch  bei  Sachsen,  das  sich  einmal
  zu  der  Union  resolviert,  das  grösste  Mistrauen  zu  erwecken  besorgten
„und  andern  theils  uns  einen  solchen  starken  unglimpf  nicht  wollen
ufladen  lassen,  do  wir  mit  gnugsamem  vorrath  aller  nechst  zu  Prag
beisamen  gewesener  catholischer  churfürsten  und  erzherzogen,  auch
nicht  ohne  bewust  beider  des  zu  Prag  residirenden  bäpstlichen  nuncii
und  hispanischen  orators  eine  solche  behandlung  des  churfürsten  zu
Sachsen  übernommen  und  das  werk  zu  solcher  wilfahrigen  resolution
gefürdert,  dass  wir  nunmehr  solche  beschreibung  selbst  mit  zurückstellen
  sollten“.  Zwar  hat  der  Herzog  von  Baiern  jüngst  neue  Ausschreiben
  geschickt,?  welche,  um  die  Nichtbeschreibung  Sachsens
entschuldigen  zu  können,  nicht  auf  alle  zu  Augsburg  ausgesetzten
Punkte  gestellt  gewesen  sind.  Wir  haben  aber  dennoch,  weil  die
Einnahme  Sachsens  und  anderer  friedfertiger  Stände  A.  C.  vom
Herzog  noch  ziemlich  diffikultirt  wird,  vor  der  Ausfertigung  uns  mit
den  rheinischen  Bundständen  beraten  wollen;  auch  über  andere  Angelegenheiten
  des  so  übel  stabilierten  Unionswesens,  namentlich  über  die
zu  Augsburg  ausgesetzten  Punkte  halten  wir  eine  Vorbesprechung  für
nötig.  Die  Gesandten  sollen  sich  zu  weiterem  Bericht  erbieten,  den
sie  aus  den  ınitzunehmenden  Akten  (des  baierischen  Kanzlers  Werbung
  und  unsere  Antwort  darauf,*  die  zwischen  uns  und  dem  Herzog

I  Vgl  zu  dieser  Behauptung  die  Wittelsbacher  Briefe,  mitgeteilt  von
F.  Stioeve,  Abteilung  VI,  5.  677  fg.  und  VIIL.,  S.8  ff.

?  Vgl.  oben  no.  6.

®  Vgl.  oben  no.  19,  besonders  S.  50,  Anm.  2.

*  Vgl.  oben  no.  4.
        <pb n="157" />
        62.  1611  135

von  Baiern  gewechselten  Schreiben!  und  namentlich  des  kölnischen  Februar
Kanzlers  ‚‚memorial  uf  Dresden‘‘,?  sowie,  was  Trier  vor  einem  Jahr  im  17.
Januar  1609  more  Trevirorum®  an  uns  geschrieben  hat  u.  s.  w.)
werden  tuen  können.

Darauf,  dass  die  sächsische  Angelegenheit  zuerst  vorzunehmen  sei,
haben  die  Gesandten  nicht  unbedingt  zu  bestehen;  geschieht  es  aber
und  zeigt  sich  bei  der  Umfrage,  dass  nicht  nur  Baierns  Bedenken
in  sonderlicher  Konsideration  gehalten  werden,  sondern  dass  man  sich
auch  daran  stösst,  dass  mit  Sachsen  auch  bei  dem  landsberger  Verein,
„ut  vortzukommen  gewesen,  ohnangesehen  dass  man  doch  die  statt
Nürnberg  und  Augspurg  als  der  augspurgischen  confession  verwandten
stend  mit  in  demselbigen  bunt  gehabt,‘  und  dass  man  deshalb  dahin
neigt,  die  Beschreibung  Sachsens  aufzuschieben,  bis  mit  allen  Bundesständen
  beraten  ist,  so  haben  die  Gesandten  ausser  der  schon  Donnersberg
  erteilten  Widerlegung  auch  die  Gründe,  welche  den  zu  Prag
versammelten  katholischen  Fürsten  ‚zu  gemüt  gangen,‘‘  entgegenzustellen,
  dass  nämlich  der  Beitritt  Sachsens  und  anderer  der  A.C.,  Verwandten
  den  Katholiken  insgemein  zu  grossem  Nutzen  ‚und  fritfertigkeit
  im  h.  reich  ausschlagen  und  namentlich  bei  den  widerigen  ein
besser  vertrauen  zu  der  catholischen  union  pflanzen‘‘  werde,  wie  das
weiter  in  unserm  jüngsten  Schreiben  an  Zuniga®  ausgeführt  ist.  Sachsen
ist  dem  landsberger  Bund  nicht  beigetreten,  weil  die  Protestanten
damals  noch  stark  zusanımengehalten  haben,  auch  fast  „begert  worden,
alle  inen  anbengige  auswertige  potentaten  mit  einzuziehen;‘  übrigens
hätten  damals  auch  die  geistlichen  Kurfürsten  ‚wie  fast  die  damals
regierende  ksl.  M.*  selbst  nicht  zu  einer  solchen  eintheiligen  vereinigung
  (wie  sie  derzeit  solches  wort  gepraucht)  lust  gehabt‘  und
seien  die  geistlichen  Kurfürsten  hauptsächlich  wegen  des  Fernbleibens
friedfertiger  A.  C.  Verwandten  wieder,  ausgetreten  (Hinweis  auf
ein  Schreiben  des  Kurfürsten  Daniel  von  Mainz  an  einen  bairischen
Gesandten  und  Befehl,  die  landsberger  Bundesakten  nach  Frankfurt
mitzunehmen);  jetzt  aber  seien  die  Protestanten  durchaus  uneinig.
Dabei  sollen  die  Gesandten  erwähnen,  wie  beschwerlich  es  uns  sein
würde,  nachdem  wir  mit  Beirat  vornehmer  katholischer  Stände  die
Verhandlung  mit  dem  Kurfürsten  von  Sachsen  übernommen  und  denselben
  bewogen  haben,  auch  andere  Verwandte  seines  Hauses  wie
Braunschweig  und  Hessen  für  den  Bund  zu  bearbeiten,  nun  in  den
Verdacht  zu  kommen,  „als  ob  wir  diese  ding  allein  vor  uns  tentirt

!  Besonders  vom  15.  und  26.  Januar  und  2.  und  9.  Februar,  vgl.  oben
no.  19,  31  und  53.

?  Fehlt.

?  Fehlt.

*  Vom  28.  Januar,  vgl.  oben  no.  32.
        <pb n="158" />
        Februar
17.

136  1611  62.

und  villeicht  eine  andere  intention  bei  den  andern  catholischen  unirten
gewusst;  es  werde  auch  gegen  diese  Mistrauen  entstehen.  Schliesslich
  haben  die  Gesandten  dahin  zu  stimmen,  dass  Sachsen  zum  nächsten
Bundestage  beschrieben  und  ihm  sowie  andern  friedfertigen  A.  C.
Verwandten  die  Aufnahme  nicht  versagt  werde;  denn  bleibe  der  Bund
auf  die  jetzigen  Mitglieder  beschränkt  ‘oder  träten  nur  die  wenigen
katholischen  Stände  bei,  auf  die  man  rechnen  könne,  die  sich  aber
„besorglich  in  eben  dem  unvermögen  befinden  möchten  als  andere,
dahero  bis  uf  diese  zeit  weder  heller  oder  pfennig  an  der  union
vorrath  oder  gemeiner  hülf  zu  gewarten  gewesen,‘  s0  sei  keine  Hilfe
zu  erwarten;  wenn  die  oberländischen  Stände  darauf  bestehen,
dass  man  sich  der  jülichschen  Sache  durchaus  nicht  annehmen
dürfe,  so  nüätze  der  Bund  den  rheinischen,  die  grade  durch  die
jülichschen  Unruhen  aufs  höchst  bedroht  sind,  gar  nichts  und  sei  es  für
jene  nicht  rätlich,  sich  für  den  Bund  völlig  zu  erschöpfen.  „Umb
des  unvermögens  willen,  welches  sich  bei  der  schwachen  union  befunden,
  habe  die  jüngste  composition  mit  den  protestirenden  unirten
stenden  zu  München  vorgenommen  werden  müssen“.  Wie  man  sich
gegen  einen  unversehenen  Ueberfall,  der  sehr  zu  besorgen  ist,  ohne
Aufnahme  der  friedfertigen  A.  C.  Verwandten  in  Verfassung  setzen
wolle,  sei  nicht  zu  sehen.  Wie  wenig  die  rheinischen  Stände
bisher  geleistet,  sei  bekannt  und  ebenso,  welche  Hilfe  von  den
etwa  noch  beitretenden  österreichischen  Erzherzogen  zu  hoffen
sei,  da  dieselben  in  ihren  eigenen  Landen  leicht  angegriffen
werden  könnten.

Treten  darauf  die  Stände  unserer  Meinung  bei,  so  haben
die  Gesandten  zur  Beratung  zu  stellen,  ob  die  vom  Herzg  von
Baiern  geschickten  Ausschreiben  nicht  dahin  zu  ändern  seien,
dass  bei  dem  Bundestag  alle  Angelegenheiten  vorgenommen
werden  sollen,  damit  man  nicht  alsbald  wieder  einen  Tag  ausschreiben
  müsse,  und  ob  nicht  der  vorgeschlagene  Termin  hinauszuschieben
  sei.

Stimmen  die  anderen  Wesandten  gegen  uns,  was  wir  doch  nicht
vermuten  wollen,  da  man  weiss,  wie  sich  die  Korrespondierenden
bemühen,  Sachsen  von  den  Katholiken  abwendig  zu  machen,  so
sind  die  Gegengründe  zu  wiederholen  und  haben  die  Gesandten  darauf
zu  bestehen,  ‚die  ervolgte  erclerung  zu  referiren  und  so  vil  vorzubehalten,
  dass  zu  unserm  nachdenken  stehen  wurde,  wan  ohne  mitbeschreibung
  Sachsens  L.  ein  ander  buntstag  ausgeschrieben  werden  solte,
ob  uns  solchen  tag  mitauszuschreiben  oder  auch  hernach  durch  die
unserige  besuchen  zu  lassen  und  so  man  sich  mit  der  schwachen
union  lenger  ufhalten  wolte,  in  den  schweren  uud  doch  vergeblichen
auslagen  lenger  begriffen  zu  sein,  thunlich  fallen  wolle.‘

Erklären  sich  die  anderen  Abgeordneten  zum  äussersten  dahin,
dass  die  Einnahme  Sachsens  zu  aller  Bundesstände  Beschluss  zu  stellen,
        <pb n="159" />
        62.  1611  137

gleichwol  aber  dem  Kurfürsten  von  Sachsen  von  dem  Bundestage  mit  Februar
dem  Ersuchen  Nachricht  zu  geben  sei,  „ob  ir  gefallen  wollte,  jemant  1.
der  irigen  zu  demselben  abzuordnen  und  ire  gemüetsmeinung  wegen
miteintretung  in  der  Catholischen  union  den  versambleten  ständen  .

zu  eröffnen,“  so  könnten  wir  uns  diesen  Schluss  „zum  eussersten“
gefallen  lassen  und  hätten  unsere  Gesandten  sich  mit  den  andern

über  das  Anzeigeschreiben  an  Sachsen,  in  dem  jedoch  die  Beratungspunkte
  nicht  anzugeben  sind,  zu  vergleichen.

Darauf  haben  die  Gesandten  das  bairische  Ausschreiben  zum
augsburger  Bundestag  und  den  daselbst  gemachten  Abschied!
  zu  verlesen,  und  den  Anwesenden  anheim  zu  stellen,  ob,
da  in  den  Punkten  1—4,  7  und  8  (ausser  was  die  Kriegsschäden
betrifft)  von  den  Oberländern  ein  Schluss  gemacht  worden  ist,
die  Rheinischen  es  dabei  lassen  sollen.  Erinnern  die  anderen  Gesandten
  nichts,  so  sollen  auch  die  unsern  zustimmen,  weil  „ja  die
werbung  des  gehabten  volks  mehrtheils  uf  derselben  obern  stend
cassa  gerichtet  gewesen“  und,  falls  selbst  der  Zuschuss  von  zehn
Monaten  auch  auf  die  rheinischen  Stände  verstanden  werden
sollte,  dieses  ihn  doch  zu  der  rheinischen  Kasse  erlegen  würden.  —
Hinsichtlich  des  siebenten  Punktes  sollen  sie  mitteilen,  dass  die
Schreiben  an  den  päpstlichen  Nuntius  und  an  den  spanischen
Botschafter  zu  Prag  schon  ausgefertigt  sind,  und  hinsichtlich  des
achten,  dass  bereits  zwischen  uns  und  dem  Herzog  von  Baiern  wegen
der  Personen  zur  Gesandtschaft  nach  Frankreich  beraten  wurde  und,
wenn  Speier  sich  dazu  nicht  herbeiläst,  der  Graf  Helfenstein
nebst  etwa  noch  einem  Grafen  und  der  von  Ulm  in  Aussicht  genommen
  sind.?  —  Weil  dann  die  zur  ferneren  Erwägung  aller
Unierten  ausgesetzte  Entschädigung  für  die  Kriegsschäden  ‚‚fast
allein  uf  Baiern  und  Augspurg  gerichtet  wurdet  oder,  da  es  je
auch  uf  andere  stende  gemeint,  .  .  .  doch  eine  solche  restriction
darzue  gesezt:  »welcho  mit  wissen  gehandlet«,  wodurch  man  vielleicht
die  rheinischen  Stände,  „dern  viel  nicht  weniger  mit  durchzügen
des  von  den  protestirenden  stenden  abgedankten  und  andres  volks
merklich  hoch  beschwert  worden,  gemeint  auszuschliessen,  dass  sie
es  vielleicht  bei  den  bundstägen  nicht  geclagt  oder  clagen  können“,
so  muss  man  sich  in  Frankfurt  verständigen,  wie  man  beim  allgemeinen
  Bundestag  solche  Unbilligkeit  verhüten  will.  Auch  soll  jeder
Stand  ein  Verzeichnis  seiner  Schäden  mitbringen.

ı  Vom  8.  Dezember  1610  in  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  II,  no.  34;  Kpt.
von  Jocher;  Mc.,  Fasz.  V.,  no.86,  f.  67;  Kpt.  von  Leuker;  gedruckt  bei  C.M.
ron  Aretin,  Chronologisches  Verzeichnis  der  bayerischen  Staatsverträge,
$.  153  ff

’  Vgl.  oben  no.  31.
        <pb n="160" />
        Februar
17.

158  1611  62.

Bei  Vermehrung  des  Vorrats  ist  in  Acht  zu  nehmen,  dass,
wenn  man  vier  Jahre  hindurch  zwanzig  und  dann  jährlich  zehn
Monat  dazu  erlegen  und  bei  einem  plötzlichen  Notfall  sich  darüber
noch  zum  äussersten  angreifen  müsste,  das  wol  kein  Stand  aushalten
  könnte,  zumal  wenn  die  Union  auf  die  Katholiken  beschränkt
  bleibt.  In  diesem  Fall  hätten  die  rheinischen  Stände  wegen
der  jülichschen  Gefahr  wol  zu  überlegen,  was  sie  zu  tuen  haben.
wenn  die  Union  nicht  verstärkt  wird.  Nach  Anhörung  der  anderen
Gesandten  sollen  die  unsrigen  anzeigen,  dass  wir  uns  zu  weiteren
Beisteuern  schwerlich  verstehen  könne,  „do  nicht  bessere  ordnung
als  bishero  mit  erlegung  der  gewilligten  hülfen  solle  gehalten
werden.“  Hinsichtlich  der  vorgeschlagenen  Dezimation  von  allem
geistlichen  Einkommen  wird  man  sich  einer  gemeinsamen  Erklärung
für  den  nächsten  Bundestag  zu  vergleichen  haben,  „dieweil  deren
nacher  Franckfurt  beschribener  stend  abgeordneten  samptlich  bekant,
wie  schwerlich  in  diesem  begeren  mit  der  geistlichkeit  in  Teutschiant
bei  hohen  und  nidern  stiftern  vortzukommen  und  vil  eher  ein  anders
schweres  onheil  darbei  zu  gewarten  als  solches  begern  durchzupringen
sein  würde,  sonderlich  wann  es  nicht  ein  durchgehent  werk  in  der
ganzen  christenheit,  in  Italia,  Hispania  und  andern  dergleichen
catholischen  reichen  und  orten  sein  sollte.“  Wir  gedenken  uns  aber
von  der  Mehrheit  nicht  zu  sondern.  —  Besonders  ist  darauf  zu  achten,
wenn  man  Sich  zu  Ansammlung  eines  neuen  Vorrats  entschliesst,
dass  nicht  wie  bisher  jedem  Stande  freigelassen  werde,  „umb  seiner
eigener  vorgebener  notturft  willen  seine  ganze  quotam  einzubehalten
sonder  dass  durch  die  stende  determinirt  werde,  was  einem  jeden
zu  seiner  selbst  eigenen  notturft  passirt  und  das  ubrig  onfelbar  zu
einer  oder  anderer  verordneter  cassa  eingeliefert,  sonsten  aber  sovil
gleicheit  allenthalben  gehalten  werde,  dass  eines  notturft  neben  des
andern  nicht  onbedacht  pleibe.“  —

Der  fünfte  Punkt,  Verbesserung  des  Defensionswerkes,  ist  zu
allgemeiner  Beratung  ausgesetzt;  es  haben  auch  Baiern  und  Augsburg
allerhand  Mittel  dazu  vorgeschlagen,  diese  aber  noch  nicht  mitgeteilt.
—  Ebenso  ist  der  sechste  Punkt,  wie  das  Stift  Köln  zu  versichern  sei.
auszusetzen;  doch  ist  inzwischen  zu  erwägen,  „wie  durch  solche
defension  auch  diese  reinische  lant  wärklich  beschüzt  und  bei  erwegung
  des  erzstifts  Cöln  notwendigkeit  die  andere  reinische  erzund
  stifter  gegen  irer  darlag,  so  sie  zur  union  thun,  gleicher  gestalt
ohne  mangel  versichert  werden.“  —

Wegen  der  im  achten  Punkt  erwähnten,  längst  vorbereiteten
Gesandtschaft  an  Erzherzog  Albrecht  muss  man  sich  vergleichen,  ob
sie  noch  vor  dem  allgemeinen  Bundestag  in's  Werk  zu  setzen  und
ob  die  dafür  verfasste  Instruktion  zu  ändern  sei  oder  nicht.  —

Bei  der  Bestimmung  des  Abschiedes  wegen  der  Rechnungen
über  die  Auslagen  jeden  Standes  hat  man  sich  nicht  aufzuhalten,
        <pb n="161" />
        62.  1611  139

„dieweil  einen  jeden  seine  notturft  selbst  mahnen  kann,  was  ime  Februar
zu  vorkommung  seines  schadens  hierunder  zu  thun.“  —  1.
Schliesslich  sollen  die  Gesandten  mitteilen,  was  Erzherzog  Leopold
jüngst  an  uns  wegen  einer  ansehnlichen  Schickung  des  Kaisers  zum
nächsten  Bundestage  geschrieben  hat,!  „um  von  den  stenden  zu
vernemen,  was  sich  I.  M.:  gegen  denselben  der  gülchischen  exeeutionsachen

  halben  zu  versehen.“  —
Dann  ist  über  dies  alles  ein  Abschied  zu  verfassen,  damit  die  Gesandten
  von  Worms  und  Speier  heimreisen  können.

Darauf  sind  mit  den  kurfürstlichen  Gesandten  die  in  dem  Aus
schreiben  an  deren  Herren  besonders  erwähnten  Angelegenheiten  zu
beraten;  nämlich:  1)  des  Kurfürsten  von  Brandenburg  Schreiben  an
uns  Kurmainz  wegen  der  Einnahme  in  den  Kurverein;  2)  desselben
  Schreiben  an  alle  geistlichen  Kurfürsten  über  seine  Praeterition
  bei  Einholung  des  vom  Kaiser  bei  uns  Kurfürsten  begehrten
Gutachtens  wegen  des  kurpfälzischen  Administrationsstreits?
  und  3)  was  wegen  des  trotz  allen  Erinnerns  nicht  abgeschafften
  Auslogers  auf  dem  Rhein  zu  tuen  sei,  besonders
wenn,  wie  verlautet,®  noch  mehrere  Schiffe  heraufgebracht  wärden,  „ob
auch  dieselbige  mittel  ohne  zuziehung  Pfalz  zur  notturft  bedacht  und
effectuirt  werden  und  was  vileicht  dahero  incidenter  von  wegen
des  izigen  administrators  der  Chur-Pfalz  einnehmung  in  die  churfürstlich
  rheinische  verein  mit  zu  beratschlagen  vorfallen  möchte.“

Wollen  die  anderen  Gesandten  die  Beratung  des  ersten  Punktes
ablehnen,  weil  das  Schreiben  nur  an  uns  gerichtet  ist,  so  sollen  die
ungrigen  daran  erinnern,  dass  schon  bei  der  letzten  Zusammenkunft  zu
Mainz  davon  zwischen  uns  geistlichen  Kurfürsten  verhandelt,  der  Beschluss
aber  aufgeschoben  worden  sei,  „weil  man  den  anfang  des  gülchischen
wesens  und  wie  stark  des  churfürsten  zu  Brandenburg  L.  schon  darin
begriffen,  gewusst.“  Deshalb  und  weil  die  Sache  ohnehin  alle  Kurfürsten
angeht,  haben  wir  erst  das  Gutachten  der  anderen  geistlichen  Kurfürsten
  einholen  wollen,  dessen  Abgabe  wol  nicht  bedenklich  sein
dürfte.  Fällt  der  Ratschlag  für  die  Antwort  etwa  dahin  aus:  weil
die  Einnahme  mit  Einwilligung  aller  Kurfürsten  geschehen  müsse,
habe  man  jene  Zwistigkeiten  und  ‚dass  sich  die  ksl.  M.'  wegen  des
gülchischen  beschwerlichen  wesens  auch  etwas  gegen  S.  L.  alterirt
befunden,‘  ungern  vernommen,  ‚‚bevorab  dieweil  die  churfürstliche
verein  nicht  geringe  verpflichtung  uf  I.  M.'  respect  und  erhaltung
ruwigen  wesens  im  reich  in  sich  begriffe;‘‘  daher  habe  man  be-!

  Am  8.  Januar;  vgl  oben  no.  11.

’W  des  kierchen  Schreibens  vom  8.  November  1610  vgl.  oben
no.  42,  8.  98,  Anm.  2

°  Vgl.  oben  no.  6,  8.  15,  Anm.  1
        <pb n="162" />
        Februar
17.

140  1611  62.

fürchtet,  dass  die  Aufnahme  Kurbrandenburgs  vor  Erteilung  der  Regalien
durch  den  Kaiser  und  vor  Beilegung  der  Irrungen  sowol  dem  Kaiser
als  etwa  einem  oder  dem  anderen  Kurfürsten  Nachdenken  verursachen
  könnte,  hoffe  aber,  dass  sich  Brandenburg  zuerst  um
Verständigung  mit  Sachsen  und  durch  diesen  um  Aussöhnung  mit
dem  Kaiser  bemühen  werde,  —  so  sollen  unsere  Abgeordneten
solcher  Fassung  beistimmen  und,  wenn  sich  die  anderen  zur  Mitunterzeichnung
  der  Antwort  bereit  erklären,  sich  alsbald  über  einen
Entwurf  dazu  vergleichen.

Wegen  des  zweiten  Schreibens  sollen  die  Gesandten,  da  man
eine  Gesamtantwort  wird  geben  müssen,  der  anderen  Meinnung
beitreten.  Man  kann  den  Vorwand  gebrauchen,  dass  der  Kaiser
nicht,  wie  sonst  wol  gebräuchlich,  ein  Kollegialschreiben  an  die
mainzische  Kanzlei  geschickt  habe  und  dass  man  ausser  dem,  was
Kurbrandenburg  andeutete,  noch  nicht  wisse,  ob  auch  an  Sachsen  geschrieben
  worden  sei  ‚oder  ob  vileicht  I.  ksl.  M.!  ire  gedanken  meher
uf  dig  rheinische  churfürsten,  aldieweil  deren  hohe  notturft  bei  richtigmachung
  dieses  werks  meher  versiret,  gestelt“;  es  sei  also  nicht  zu
vermuten,  dass  der  Kaiser  die  Kurfürsten  trennen  wolle,  noch  würden
diese  darein  willigen.  —  Daneben  haben  sich  unsere  Gesaudten  zu
erkundigen,  ob  die  Kurfürsten  von  Trier  und  Köln  sich  schon  gegen
den  Kaiser  erklärt  haben  oder  ob  sie  vielleicht  für  gut  finden,  dem
Kaiser  ausser  einem  etwaigen  besondern  noch  ein  gemeinsames  Gutachten
  —  etwa’  auch  mit  Zuziehung  Sachsens  —  zu  geben.  Wir
zwar  sind  dagegen,  nicht  nur  weil  die  Zuziehung  Sachsens  Verzögerung
verursachen  würde  ‚sonder  auch  damit  Brandenburgs  L.  desto
weniger  zu  scrupulirn  hette,  wan  ein  solch  schreiben  von  den
geistlichen  churfursten  collegialiter  geschehe,  als  ob  es  ein  collegialsach
  were.“  —

Wegen  des  Auslegers  bei  Mondorf  sollen  die  Gesandten  daran
erinnern,  was  wir  mit  Kurköln  von  Prag  aus  an  den  Kurfürsten  von
Brandenburg,  dann  alle  geistlichen  Kurfürsten  und  der  pfälzische
Administrator  an  die  Fürsten  zu  Düsseldorf  und  wir  noch  besonders
an  deren  Prinzipale  geschrieben  haben,  was  darauf  erflgt  und
wie  hochnötig  es  daher  sei,  diesem  Einbruch  in  der  rheinischen
Kurfürsten  Regal  nicht  länger  zuzusehen,  wie  aber  alle  gütlichen
Mittel  an  sich  selbst  misslich  und  zweifelhaft,  rechtliche  voraussichtlich
unverfänglich  und  gewaltsame,  wenn  die  geistlichen  Kurfürsten  allein  sie
versuchen  sollten,  entweder  auch  zweifelhaft  oder  gefährlich  wären,  da
man  sich  die  düsseldorfer  Fürsten  zu  offenen  Feinden  machen  würde.
Auch  ist  zu  überlegen,  da  das  von  dem  pfälzischen  Administrator
mitbesiegelte  Schreiben  von  Düsseldorf  uneröffnet  zurückgekommen
ist,  ob  dieser  noch  ferner  zuzuziehen  sei,  um  Neuburg  nicht  weiter
zu  verletzen.

Wird  dafür  gestimmt,  dass  man  noch  weitere  schriftliche  Ersuchungen
  ergehen  lassen  und  namentlich  den  Kaiser  zu  ernstlichem
        <pb n="163" />
        62.  1611  141

Einschreiten  (gemäss  der  Wahlkapitulation)  auffordern,  daneben  aber
auch  „auf  die  würkliche  wege  gedanken  schlagen“  solle,  so  haben
sieh  unsere  Gesandten  zu  fügen,  die  betreffenden  Schreiben  zu  entwerfen
und  dann  wegen  der  wirklichen  Mittel  handeln  zu  lassen.  Dabei  ist
mnächst,  da  der  kurkölnische  Gesandte  Liz.  Wintzler  unlängst  mitgeteilt
  hat,!  „dass  man  auch  vom  rath  zu  Colln  etwas  anlass  hab,
wan  man  die  wurkliche  abschaffung  der  ausläger  mit  ernst  vornemen
wolle,  dass  sie  auch  das  irig  dabei  thun  wolten,“  und  wir  ihm  aufgetragen
  haben,  sich  um  weitere  Erklärung  zu  bemühen,  der  kurkölnischen
  Gesandten  Bericht  darüber  zu  fordern.  Ist  daraus  zu
ersehen,  dass  man  sich  von  der  Stadt  einer  erheblichen  Hilfe  zu
getrösten  hat  und  wird  geschlossen,  dass  auch  wir  geistliche  Kurfürsten
  das  unsere  dabei  tun,  auch  der  Administrator  der  Kurpfalz
und  Sachsen  um  Hilfeleistung  ersucht  werden  sollen,  so  lassen
wir  uns  das  gefallen.  Sachsen  wird  sicher  willfahren,  da  es
schn  uns  und  Kurköln  ermahnt  hat,  uns  nicht  so  in  unser
rbeinisches  Regal  greifen  zu  lassen;  der  Administrator  wird  sich
vielleicht”  weigern,  da  er  oft  ersucht  hat,  ihn  bei  „gemeinen
tigen  nicht,  auszuschliessen‘  und  man  ihn  jetzt,  obgleich  er
vorber  zur  Fertigung  des  Schreibeus  an  die  Possidierenden  herangezogen
  worden  war,  übergangen  hat:  auch  wird  er  nicht  viel
Last  haben,  sich  mit  den  düsseldorfer  Fürsten  zu  entzweien.  Wenn
aber  die  Beiziehung  des  Administrators  für  ratsam  erachtet  wird,
sollen  sich  unsere  Gesandten  dein  nicht  widersetzen.

Wegen  wirklicher  Abschaffung  des  Auslegers  haben  die  Gesandten
  die  Vorschläge  zu  Bericht  zu  nehmen.

Da  endlich  wegen  der  „Kriegsverfassungen‘“  am  untern  Rhein  und
droben  im  Elsass  die  Ergänzung  des  rheinischen  Kurfürstenkollegiums
  sehr  nötig  ist,  damit  solchen  Zunötigungen
  wie  mit  den  Auslegern  begegnet  werden  könne,  muss
beschlossen  werden,  ob  und  wie  der  kurpfälsische  Administrator
in  den  rheinischen  Verein  aufzunehmen  sei.  Wir  würden  gern
sehen,  dass  die  Abgeordneten,  trotzdem  die  Sache  im  Ausschreiben
nieht  erwähnt  ist,  die  Besprechung  nicht  ablehnen.  Allerdings  ist
der  Widerspruch  Neuburgs  gegen  des  Administrators  Recht  sehr
stark  und  hätte  man  bei  Bewilligung  der  Einnahme  desselben
desto  mehr  feindlicher  Zusetzung  aus  dem  Jülichschen  zu  erwarten,
  da  sich  auch  des  Pfalzgrafen  Sohn  zu  Düsseldorf  [Pfalzgraf
Wolfgang  Wilhelm]  der  Sache  sehr  annimmt;  auch  ist  der  Administrator
  noch  nicht  im  allgemeinen  Verein  der  Kurfürsten  und  hat
die  Kegalien  noch  nicht  vom  Kaiser  empfangen.  Andrerseis  aber  ist
die  grosse  Gefahr  für  die  geistlichen  Kurfürsten  zu  erwägen,  wenn
sie  dieser  Nichtaufnahme  wegen  der  kurpfälzischen  Beihilfe  entbehren

kam  gen  Wintslere  Schickung  an  Kurmainz  vgl.  oben  no.  48,  S.  109,

Februar
17.
        <pb n="164" />
        Februar
17.

142  1611  62.

sollten,  sowie  dass  der  Administrator  den  jungen  Kurfürsten,  der  schon
im  fünfzehnten  Jahr  ist,  bei  sich  hat,  ihn  mit  in  die  Räte  zieht,
der  Administrator  sich  auch  in  völligem  Besitz  der  Kurlande  befindet
und  ohne  rechtliche  Ausführung  oder  grosse  Weiterung  daraus  nicht
verdrängt  werden  kann.  Erachten  die  anderen  Gesandten  die  einfache
  Aufnahme  namentlich  ohne  Vorwissen  des  Kaisers  nicht  für
tunlich,  so  sollen  die  unsrigen  vorschlagen,  den  Kaiser  unter  Darlegung
  der  Gefahr  um  die  Einwilligung  zu  bitten.

Signatum  Aschaffenburg,  den  17.  februarii  1611.

Neben-Memorial:  Die  rheinischen  Mitkurfürsten  werden
sich  erinnern,  dass  wir  bei  Einwilligung  der  Union  zu  Mainz  auf
ihr  Anhalten  das  „mitobristenampt  sonderlich  an  dem  Rheinstramb‘“
unter  der  Bedingung  angenommen  haben,  dass,  wenn  wir  Ungelegenheit
  dabei  befinden,  uns  die  Aufkündigung  stets  frei  stehen  solle.
Da  nun  dies  eingetreten  ist,  wir  auch  in  der  Union  nicht  geringe
Ungleichheit  spüren,  die  wir  ohne  merkliche  Beschwerung  unseres
Erzstifts  nicht  länger  ertragen  können,  so  sollen  die  Gesandten
den  anderen  Abgeordneten  der  rheinischen  Stände  eröffnen,  dass
wir  das  Bundesoberstenamt  nicht  weiter  führen  können,  weshalb
  sich  deren  Herrschaften  längstens  bis  zum  nächsten  Bundestage
  wegen  anderweitiger  Verordnung  hierüber  erklären  mögen.

Der  Kurfürst  und  der  Koadjutor  von  Köln  haben  sich  jüngst  dahin
geäussert,!  dass  wegen  der  Einnahme  Sachsens  und  anderer
A.  C.  Verwandten  noch  etwas  Beratung  auf  dem  nächsten  Bundestag
nötig  sein  dürfte,  „uf  was  mass  einzuwilligen  seie.“  Wir  halten  solche
Weitläufigkeiten  für  unnötig,  zumal  Kurköln  so  gut  wie  wir  weiss,
wie  sich  der  Kurfürst  von  Sachsen  zu  Prag  ‚‚so  bestendig  zu  vester
unverdechtiger  haltung  des  religion-  und  prophanfridens  orkleret  und
es  wol  dahin  zu  achten  sein  möchte,  wann  die  catholischen  stende
bei  dein  religion-  und  prophanfriden  gehantvestigt'  zu  werden  versichert
  sein  können,  sie  würden  der  union  s0  hoch  nit  bedörfen.“
Doch  ist  uns,  damit  die  rheinischen  Stände  auf  dem  nächsten  Bundestago
desto  einiger  auftreten,  nicht  zuwider,  dass  unsere  Gesandten  etwaige
Bedenken  gegen  die  Aufnahme  erörtern  lassen  und,  „do  vileicht
solche  argumenta  geführt,  welche  zu  erweckung  gemeinen  strits  wegen
des  rechtmessigen  verstants  des  religion-  und  prophanfridens  könten
ursach  geben,  dieselbige  so  viel  an  ihnen  ablegen  mit  erinderung,‘:
dass  dadurch  nur  Weiterung,  Mistrauen  und  Offension  anderer  Stände
gegen  der  Katholischen  Vereinigung  erweckt  werden  würde,  „indem
ıman  eben  sich  dessen  ercleren  müste,  was  vileicht  gegen  die  Protestirende
  gesucht,‘  während  doch  unsere  Union  nur  zur  Verteidigung
gegen  unversehene  und  unziemliche  Gewalt  gemeint  sei  und  dass,  „da
man  sich  nunmehr  zu  einem  solchen  weitleufigen  intent  ercleren  solte‘,

ı  Vgl.  no.  42.  Der  Koadjutor  von  Köln  schrieb  am  12.  Februar  in
gleichem  Sinn  und  mahnte,  mit  der  Festsetzung  des  allgemeinen  Bundestages
  nicht  länger  einzuhalten  (Wmz.,  Religionsakten,  Band  12,  no.  19,  Or.).
        <pb n="165" />
        62—63.  1611  143

man  bei  der  jetzigen  Verfassung  viel  zu  schwach  wäre,  „um
sich  gegen  einer  hierauss  verursachten  offension  ufzuhalten“.  Als
unsere  Meinung  sollen  die  Gesandten  mitteilen,  dass,  wenn  man
die  dem  Kurfürsten  von  Sachsen  zu  Prag  übergebene  Notul!
dahin  näher  erläutert,  dass  die  Union  zur  Handhabung  der  kaiserlichen
  Hoheit,  zur  Aufrechthaltung  des  Religions-  und  Landfriedens
und  zur  Verteidigung  der  Bundesstände  gegen  Vergewaltigung  bestimmt
  sei,  man  nicht  allein  hinlänglich  gesichert  sein  sondern
„auch  bei  allen  Protestironden  besser  vertrauen  haben  oder  je  keine
sonderliche  offension  verursachen“  wird.  Wir  zweifeln  nicht,  dass
sich  Sachsen  und  andere  friedfertige  A.  C.  Verwandten  damit  begnügen
  würden.  Dabei  mögen  die  Gesandten  im  Vertrauen  mitteilen,
  ‚‚dass  als  die  churfürstlich  sächsische  räthe  bei  uns  gewesen
und  wir  nicht  allein  ires  herrn  sonder  auch  irer  selbst  inclination
zu  der  union  befunden,  wir  uf  ir  begern,  ob  sonsten  nichts
weiters  under  der  Catholischen  union  begriffen  und  gesucht  würde,
damit  sie  je  verspärten,  man  candide  mit  inen  umbzugehen  gemeint,
solcher  gemeinen  union  inen  bericht  gethan  und  darauf  keine
sonderliche  difficultet  von  inen  verspüren  können.“  —  Wollen  die
andern  die  Einnahme  zu  weitläufig  modifiziren,  „dass  man  dahero  die
andere  fritfertige  stende  nicht  allein  nit  gewinnen  sonder  vilmehr
verschlagen,  offendirn  und  einen  ungleichen  verdacht  uf  unsere  union
zihen  könte,‘  so  haben  die  Gesandten  solche  Vorschläge  nur  zu
Bericht  zu  nehmen.
Wmz.,  Religionsakten,  Band  13,  no.  22;  Or.?

63.  Zuniga  an  König  Philipp  II.

„A  los  12  deste  escrivi  a  V.  M.?  el  estado,  on  que  quedavan  las
cosas  de  aqui.  A  los  15  martes  de  carnestolendas  al  alba?  del  dia  el
coronel  de  la  Rame  entro  con  la  gente  de  guerra  del  emp.”
en  el  Clanzeite  (que  en  lengua  tudesca  quiere  dezir  la  pequena  parte)
por  la  puerta  de  Nuis,  que  esta  cerca  del  rio  a  la  parte  de  arriba,
hallo  muy  poco  resistencia  a  la  misma  puerta,  pero  luego  acudieron
algunos  soldados  y  el  conde  de  la  Torre  con  alguna  cavalleria  y  se
peleo  gran  rato  hasta  la  plaza  de  Clanzeite  a  donde  el  coronel  de  la
Rame  hizo  su  esquadron  haviendosele  rendido  todo  lo  restante  de
aquella  parte  de  la  ciudad,  donde  quedaron  muchos  muertos  de  una
parte  y  de  otra  que  dizen  liegaran  hasta  300  hombres  y  los  mas

ı  Vgl.  oben  no.  3,  8.  6,  Anm.  3.

?  In  Wimz.,  Religionsakten,  Bd.  12  unter  no.  21  und  ebenda  in  Bd.  11
unter  no.  153  liegen  die  Protokolle  verschiedener  Beratı.ngen  des  geheimen
Rats  vor,  aus  denen  die  obige  Instruktion  hervorgegangen  ist;  ein  erster
Eotwurf  von  Fauste  Hand,  der  schon  im  Januar  entstanden  ist,  liegt  in
Bd.  12,  n0.3.  —  Bevollmächtigt  zum  Kommunikationstag  waren  Dompropst
Georg  Friedrich  Greiffenclau  von  Volrats,  Grosshofmeister  Kaspar  von  Eltz,
Hans  RBeichard  Brömser  von  Rüdesheim,  Vizedom  im  Rheingau  und  Vizekanzler
  D."  Nikolaus  Gereon.

:  Vgl.  oben  no.  60,  8.  180,  Anm.  1.

Februar
17.

Februar
19.
        <pb n="166" />
        Februar
19.

144  1611  63.

dellos  de  los  de  la  Rame,  que  desde  las  ventanas  y  texados  mataron
y  hizieron  muchos;  entre  los  heridos  de  la  gente  de  los  Bohemios  fue
el  conde  de  la  Torre  su  teniente  general.!  Haviendo  ganado  finalmente
el  Clanzeite,  la  gente  de  la  Rame  intento  de  seguir  la  vitoria  y  dos
companias  de  cavallos  atravesaron  todo  el  puente  siguiendoles
otra  gente;  pero  entradas  que  fueron  las  dos  companias,  calaron  el
rastrillo  de  la  torre,  por  donde  se  entra  del  puente  en  la  tierra
vieja  y  los  villanos  que  avian  venido  de  socorro  hizieron  pedazos  toda
aquella  cavalleria,  que  se  avia  retirado  en  el  monasterio  de  Emaus,
donde  avia  un  solo  fraile  de  san  Benito  y  algunos  entraron  al  mismo
  tiempo  en  santa  Maria  de  las  Nieves  monasterio  de  san  Francisco
  de  la  observancia  y  mataron  diez  o  doze  religiosos,  que  eran
casi  todos  los  que  alli  avia  y  en  otros  monasterios  han  hecho  algunas
violengias.  Como  el  coronel  de  la  Rame  yba  entrando  y  tomando
en  el  Clanzeite  los  puestos,  le  yba  siguiendo  el  senor  archiduque
Leopoldo  armado?  con  una  tropa  de  cavalleria,  y  haviendo  dado
noticia  al  emp."  de  su  entrada,  subio  a  hablar  con  S.  M.?  con  permision
  de  los  Bohemios  que  estavan  en  el  Rachin,  que  en  lengua
tudesca  quiere  dezir  la  parte  alta,  y  se  comenco  a  tratar  de  medios
con  ellos  y  en  estas  platicas  se  andubo  hasta  los  17,,  que  los  capitanes
  y  gente  de  guerra  hizieron  juramento  al  emp.°,  pero  todavia
juntamente  con  los  estados,  y  assistieron  a  esto  el  burgravio,  el
cangiller®  y  otros  ofliciales  de  la  corona  y  el  baron  de  Filz,  que
por  la  herida  del  conde  de  la  Torre  mandava  a  la  gente,  con  que
quedo  por  la  gente  de  guerra  del  emp.”.  Todo  lo  que  esta  desta
parte  del  rio  hazia  el  castillo,  las  ciudades  vieja  y  nueva  estan  en
defensa  y  tiran  desde  las  torres  y  partes  eminentes  alguna  mosqueteria;
  andase  en  demandas  y  respuestas  con  ellos,  amenazando  de
arruinarlos  con  la  artilleria  desde  las  eminencias  que  ay,  que  son
grandes  y  veginas,  aunque  las  municiones  no  son  muchas.  Para  esta
manera  de  hostilidad  ellos  estan  llanos  en  la  obediencia  del  emp.°”,
pero  no  en  admitir  gente  de  Passau.  Los  barones  y  cavalleros  se  congregaron
  alli  en  la  casa  de  la  villa  de  la  viudad  vieja  el  primer
dia,  pero  despues  se  dize  que  casi  todos  sean  salido,  unos  para  sus
casas  y  otros  para  Moravia,  los  Quinskis  son  los  que  congitan  alla

ı  Nach  anderen  Berichten  hatten  die  Kugeln  nur  seinen  Mantel
getroffen.

?  Padavin  beschreibt  den  Erzherzog  sehr  anschaulich,  ‚ch’era  in  arme
bianche,  vestito  di  colore  cavilino  con  bande  gialle‘“‘  (Bericht  an  den  Dogen
vom  21.  Februar,  Dispacci  Veneti,  44.  Bd.,  f.  361).  Der  sächsische  Agent
Pfretzschner,  der  sich  nach  Leitmeritz  geflüchtet  hatte,  weiss  von  dort  am
19.  an  Kaspar  von  Schönberg  zu  melden,  „Leopold  reitet  in  einem  gelben
federbusch  und  cürasse  aufm  rücken,  der  pfaffenrock  hinterm  ofen‘,  (Dre.,
l.  9166,  L  Buch  passauer  Volks,  f.159;  Or.  eigh.).  Auch  die  lüneburgischen
Gesandten  berichten,  der  Erzberzog  habe  sich  „in  vollem  kürass  praesentiret“‘
(De.,  A  9a,  I  c.,  no.  4!;  Kopie).

°  Adam  Graf  von  Sternberg  und  Wilhelm  Popel  von  Lobkowitz;  im
folgenden  ist  natürlich  Leonhard  Colonna  von  Fels  gemeint.
        <pb n="167" />
        63.  1611  145

el  pueblo,  que  son  quatro  cavalleros?  mogos  de  gran  persona  y  brios,  Februar
y  uno  dellos,  que  es  el  mas  orgulloso  quellaman  Vencoslao,  es  de  la
camara  del  rey  de  Ungria  y  muy  declarado  en  aquella  parte.”  Tenemos

aqui  dificultad  en  saber  lo  que  passa  en  Viena,  por  tener  cerrado  el.

passo  los  de  tierra  vieja,  pero  las  cartas  ultimas  que  son  de  9  dezian

  que  comengava  a  marchar  el  campo  del  rey  con  buen  numero

de  artilleria,  pero  no  dezian  el  numero  de  la  gente.  Aqui  estan  con
pretension  de  que  el  rey  se  detenga  y  vea  esta  tragedia  desde  los
confines.

El  emp.”  nos  embio  ayer  un  recado  al  nungio  y  a  mi  con  el
lantzgravio  y  Ernesto  de  Molart,  aunque  se  duda  si  ellos  han  hecho
este  officio  de  suyo,  o  por  mandado  de  S.  M.d..  La  conclusion  era
significar  los  mandatos  que  havia  hecho  para  que  esta  gente  de
Passau  no  entrase  en  Praga?  y  que  contra  su  voluntad*  avia  entrado,

ı  Wenzel,  Ulrich,  Wilhelm  und  Adam  von  Kinsky.  Ueber  die  Verbindung
  von  Wenzel  Kinsky  mit  Zuniga  vgl.  A.  Gindely,  a.a.  O.,  8.  212.
Die  böhmischen  Ständen  suchten  sich  überhaupt  mit  Zuniga  im  Einvernehmen
zu  erhalten;  darum  beeilten  sie  sich,  den  Rlostersturm  bei  Zuniga  zu  entschuldigen
  und  zu  versichern,  dass  sie  gegen  die  katholischen  Stände  nichts
vornehmen  wollten;  dabei  beriefen  sie  sich  auf  die  Zeugenschaft  der  Jesuiten,
deren  Kolleg  von  einigen  Ständen  vor  Plünderung  geschützt  worden  war
(Stände  an  Zuniga,  desgl.  an  den  Nuntius  am  19.  Februar;  Dre.  l.,  9166,
TI.  Buch  uer  Volks,  f.  355;  Kop.,  vgl.  Häberlin-Senkenberg,  a.a.0O.,
Xx1IIl.  Bd.,8.398,  Anm.).  Zuniga  antwortete  anı  24.  Februar  verbindlich:  er  habe
an  dem  guten  Willen  der  Stände,  den  Frevel  zu  ahnden,  nie  gezweifelt;  zugleich
versicherte  er  die  Stände  des  Wolwollens  seines  Königs  gegen  (lies  Königreich,  der
es  ausdrücklich  gebilligt  habe,  dass  er,  Zuniga,  den  Ständen  zur  Abdankung
der  Passauer  mit  einer  grössern  Geldsumme  beigesprungen  sei;  sein  König
werle  stets  auf  die  Beruhigung  dieses  Königreichs  hinarbeiten  (Wmz.,  Reichstagsakten
  1611,  Fasz.  103,°  no.  26;  Kop.).

?  Ueber  Wenzel  von  Kinsky  vgl.  F.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinand
  II.,  VI.,  8.443  £f.  und  A.  Gindely,  a.a.O.,  8.210f.  Bodenius,  der  von
Wenzels  Flucht  in  die  Altstadt  berichtet,  urteilt,  dass  er  dort  viel  Uebles
stifte  and  Briefe  vorzeige,  wonach  König  Matthias  in  drei  Tagen  ankommen
werde,  weshalb  die  Alt-  und  Neustädter  sich  in  keinen  Vergleich  einlassen
wollen  (Bericht  an  Herzog  Maximilian  vom  19.  Februar,  8.  oben  no.  60,  S.  130,
Anm.  1).  Auch  Baugy  bezeichnet  in  einem  Bericht  an  die  Königin  vom
26.  Febr.  die  Kinskys  als  die  Führer  der  Opposition  gegen  den  Kaiser,  die
sich  soweit  vorgewagt  hätten,  dass  sie  nun  um  ihr  Leben  spielten  (Paris,
Harlay  288,  vol.  XII.,  f.  57;  Or.).

s  Vgl.  oben  no.  49.

*  Leuchtenberg  und  Mollart  sagten  die  Unwahrheit.  Einer,  der  ee
wissen  konnte,  der  Oberproviantmeister  Henning  Ubezko  bekennt  in  einem
Schreiben  an  Khlesi  vom  16.  August  1612,  worin  er  seine  Restitution  betreibt,
  wrogen  Ramees  Einfall  in  Prag:  ‚Dass  aber  ohne  der  kal.  M.!
wissen  und  willen  solches  alles  zugangen  seie,  wie  viele  vermeinen,  ist  nicht;
denn  I.  kel.  M.t  seliger  in  jegenwart  I.  fl.  D.t  mir  selbst  befolen,  dem
Bammen  anzuzeigen,  dass  er  mit  dem  volk  naher  nach  Pragk  rugken  solte“
(16,  Leopoldini  Akten,  Kasten  B,  no.  71;  Kpt.).  Auch  Tengnagel  sagte
beim  ersten  Verhör  am  5.  März  aus,  dass  der  Kaiser  um  den  Einfall  gewusst
babe  (vgl.  unten  no.  84).

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  10
        <pb n="168" />
        Februar
19,

146  1611  63.

que  despues  viendo  que  estava  en  el  Clanzeite  y  la  gente  de  los
Bohemios  en  el’  Rachin,  temiendo  alguna  gran  rotura  havia  dado  orden
que  se  juntasse.  A  que  nos  parecio  responder  sugintamente  mostrando
mucho  sentimiento  del  trabajoso  estado  de  las  cosas  presentes  y  apuntando
  el  poco  credito,  que  se  nos  havia  dado  por  lo  passado,  quando
tratavamos  de  que  se  remediasen  estos  inconvenientes.

Despues  deste  caso  aun  no  hemos  visto  al  senor  archiduque  Leopoldo
  el  nungio  ni  yo,  por  que  desconfiamos  ya  poderle  reduzir  ni
templar,  haviendo  visto  por  experiengia  la  poca  quenta,  que  ha  hecho
de  nuestras  amonestagioness  y  verdaderamente  haviendo  llegado  las
cosas  al  punto  que  estan,  que  yo  no  savria  que  poderle  aconsejar  ni
persuadir,  por  que  haviendo  offendido  tan  asperamente  a  todo  este
reyno,  no  se  quien  podra  aconsejar  al  emp.””  que  se  desarmase  ni
proponelle  ningun  partido,  que  no  sea  muy  encaminado  a  su  perdicion,
pudiendose  aguardar  cada  hora  la  nueva  de  la  entrada  del  rey  de
Ungria  con  exergito  poderoso  y  no  se  pudiendo  descubrir  ni  alcancar
medio  humano  que  le  assegure  al  rey,  viendo  que  la  concordia  hecha
este  verano  passado  con  tanta  solemnidad  y  autoridad,  no  se  le  ha
observado.  Y  no  pudiendose  sacar  fruto  del  frequentar  las  audiengias
del  senor  archiduque  ha  paregido  yrlas  reussando,  por  que  algunos  de
sus  consejeros  y  capitanes  hechan  voz  de  que  esta  guerra  se  haze
por  zelo  de  religion  y  para  castigar  los  hereges  de  Bohemia  por  los
atrevimientos  passados  y  con  esto  significan  que  el  papa  y  V.M.“  les
han  de  hazer  espaldas  y!  siendo  en  el  estado  presente  de  las  Cosas
tan  temerario  asumpto  este  y  tan  danoso  para  la  republica
y  para  el  poco  numero  de  catolicos  y  religiosos,  que  ay
en  Bohemis,  ha  sido  muy  forcoso  el  dar  a  entender  en  mis
platicas  y  en  todas  ocasiones  como  teniendo  toda  esta  violengia  por
muy  contraria  al  servicio  de  Dios  y  del  emp.°"  y  de  toda  la  casa
de  Austria  y  aun  he  estado  en  mucha  duda  si  convendra  0  no
apartarme  algo  de  Praga  para  con  esta  action  publica  mostrar  que
a  V.  M.  le  desplazen  estos  tumultos.  Y  sobre  esto  y  sobre  todo  lo
que  tengo  escrito  en  12  deste  deseo  mucho  que  V.  M.“  se  sirva  de
responderme  luego  en  particular  que  verdaderamente  aviendo  llegado
las  cosas  a  este  estado,  es  muy  considerable  si  sera  bien  ayudar
publicamente  o  sustangialmente  de  secreto  al  rey  Mathias,  para  que
acabe  de  ensenorearse  de  todo  el  resto,  por  que  el  rumor  de  que  el
senor  archiduque  Leopoldo  tiene  la  mira  de  hazerse  coronar  rey  de
Bohemia  con  consentimiento  del  emp.°,  es  mucho  y  grande  el  iudigio;
pues  se  sabe  cierto  que  el  emp.”  por  medio  de  los  principes  que
estuvieron  en  el  convento  trato  con  grandes  veras,  de  que  por  lo
Inenos  cediese  el  rey  Mathias  la  designagion  de  Bohemia  con  intento
de  introduzir  a  Leopoldo,  a  que  yo  me  opuse  entonges  hablando
abiertamente  con  los  electores  y  a  V.  M.@  le  parecio  bien.

ı  Die  folgenden  Zeilen  sind  abgedruckt  bei  Gindely,  a.  a.  O,,
8.  207,  Anm.
        <pb n="169" />
        63.  1611  147

Los  principes  vezinos  entiendo  que  estan  en  este  estado:  el  duque
  de  Baviera  Maximiliano  que  govierna  y  de  quien  se  deve  hazer
caso  siempre,  he  entendido  que  le  desplazen  estos  intentos  de  Leopoldo
v  ultimamente  me  lo  escrivio  assi  monsenor  Gaetano  nuncio  de
S.  S.d,  que  hizo  por  Monaco  su  camino  para  Roma;  el  duque  Guillelmo
su  padre  esta  metidisimo  en  favorecerle  por  zelo  indiscreto  de  religion.
Todo  lo  que  es  casa  de  Austria  le  os  muy  contrario  y  el  seuor  archiduque
  Ferdinando  ha  ofrecido  al  rey  Mathias  de  ayudalle  contra  la
gente  de  Passau;  no  se  hasta  agora  si  esto  se  entiende  para  entrar
contra  ella  dentro  de  Bohemia.  En  relation  de  Saxonia  tengo  entendido
que  se  estara  por  medio  de  los  ereges  calvinistas  como  son  los
electores  de  Brandemburg  y  Palatino.  Entiendo  que  assistiran  a  Mathias,
y  assi  antes  me  recato  mucho  de  que  el  ser  muy  ayudado  de  tantas
partes  no  cause  dauno  a  la  religion  cattolica  y  para  esto  tengo  por  muy
conveniente  lo  que  digo  arriva  del  enterar  generalmente  a  todos  que
V.  M.@  no  es  participe  en  estas  resoluciones  violentas,  sino  que  Su
intento  es  de  defender  los  principes  eclesiasticose  y  todo  el  estado
eclesiasticco  de  Alemania,  pero  no  de  turbar  indiscretamente  la  paz
unibersal.  Y  ha  me  parecido  embiar  a  V.  M.@  copia  de  un  villete!
que  me  escrivio  el  nuncio  el  dia  de  la  entrada  de  la  gente  de  guerra
en  el  Clanzeit,  que  haze  muy  al  caso  de  todo  lo  que  se  dize  arriva.
El  y  yo  quedamos  con  la  pena  que  V.  M.  puede  imaginar
viendo  tantos  malos  presentes  y  que  de  una  manera  y  de  otra,  si  no

es  que  Dios  ponga  su  poderosa  mano  en  ello,  ay  apariencia  de  grandes

danos  y  este  de  los  frayles  de  san  Francisco  me  tiene  con  grandisima
lastima.  De  Praga  a  19  de  hebrero  1611.“
Sim.,  Fasz.  251,  f.  11;  Or.2

ı  Vgl.  Gindely,  a.a.0.  Der  Wortlaut  ist:  „E  fornito  il  primer  atto
de  la  comedia;  piaccia  a  Dio  che  termini  qui.  Il  ser.mo  Leopoldo  ha  mandato
in  questo  punto  Miraballo  da  me  a  dar  conto  dell’attione  allegando  che  si  6
mosso  per  honor  di  Dio,  per  servitio  de  tutta  la  christiania  e  di  8.  M.t&amp;amp;  insieme
  e  che  non  poteva  far  di  meno,  di  modo  che  I’'habbiano  capo  dichiarato
di  sua  boca.  Risposi  che  al  fatto  non  era  rimedio,  ma  che  pregava  S.A.  a
considerar  bene  tutti  i  successi,  per  che  era  sicurissimo,  che  havrebbe
operato  in  modo,  che  non  si  accendesse  piu  un  fuoco  dificilissimo  di  smorzare.
  lo  sento  poco  quello  che  ho  veduto  io  stesso,  rispeto  aquello  che
temo  di  dover  vedere,  si  Dio  non  rimedia  con  la  sua  potente  mano,  il

aale  si  degni  di  donare  a  V.  8.rla  ogni  beneficio‘  (Sım.,  Fasz.  2497,
{  12;  Kopie).

®  Zunigas  Bericht  wird  in  manchem  von  dem  Baugys  an  die  Königin-Begentin
  von  Frankreich  vom  19.  Februar  ergänzt.  Zwar  von  den  äussern
Vorgängen  ist  Baugy  nicht  so  sorgfältig  unterrichtet,  denn  der  ängstliche,
der  die  Wut  des  czechischen  Pöbels  gegen  die  Fremden  fürchtete,  hielt  sich
zu  Hause  (der  kursächische  Agent  Pfretzschner  hatte  sich  sogar  nach
Leitmeritz  geflüchtet),  aber  sonst  weiss  er  zu  erzählen:  „L’archiduc  Leopold
n'est  bouge  d’avec  les  dicts  gens  de  guerre  de  Passau,  depuis  qu’il  leur  alla

la  dicte  responce,  et  est  tenu  pour  autheur  de  ce  mouvement,  luy
et  ses  adherans,  se  servans  ainsy  que  jay  autres  fois  mande  e  Vostre  Ma.t?,
du  maltalent  de  l’empereur  contre  le  roy  de  Hongrie  pour  parvenir  a  leurs
desseins.  Nous  sommes  icy  en  expectation  de  la  resolution  que  prendra

10”

Februar
16.
        <pb n="170" />
        148  1611  64,

Februar  64,  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Kur-19.
  fürsten  von  Mainz.

Als  der  verstorbene  Kurfürst  mit  mir  wegen  Uebernahme  der  Administration
  verhandelte,  ermahnte  er  mich,den  Wegen  zu  folgen,  die  er  zur  Erhaltung
  des  Vaterlandes  und  der  kurfärstlichen  Praseminenz  eingeschlagen
habe.  Nach  Antritt  der  Administration  haben  sodann  S.  L.  geheimste  Räte
mir  von  jenen  Verhandlungen  wegen  der  Nachfolge  im  Reich,  die
zwischen  S.  und  E.  L.  im  März  1607  im  neuen  Schloss  geführt
worden  sind!,  gegen  Zusage  der  Geheimhaltung  Mitteilung  gemacht,
wie  ich  mich  auch  dazu  durch  Revers  verbunden  habe.  Ich  mache
dies  E.  L.  zu  wissen  und  erbiete  mich  zur  fernerer  Reversierung;
zugleich  verspreche  ich  hiemit  alles,  was  ich  von  jenen  Verhandlungen
  weiss,  ganz  geheim  zu  halten.  —  Da  die  böhmischen  Angelegenheiten
  in  so  verwirrten  Stand  geraten  sind  und  zu  besorgen  ist,  es
könnte  ‚sich  dabei  etwas  menschliches  ereignen,  so  ist  es  um  so
nötiger,  zur  Verhütung  solcher  Zerrüttung  eines  gewissen  Subjekts
versichert  zu  sein,  besonders  da  man  von  allerlei  Praktiken  in  dieser
Sache  redet.  Ich  möchte  daher  gerne  E.  L.  Gedanken  darüber  vernehmen,
  ob  Sie  noch  bei  Ihren  vorigen  Absichten  beharren  oder  vermeinen,
  dass  die  Sachlage  sich  geändert  habe,  auch  wie  die  andern
Kurfürsten  darüber  denken  und  ob  auch  diese  bei  ihrer  vorigen
Meinung  bleiben  wollen.  Ich  bitte  um  schriftliche  Antwort,  da  Lautern?

le  diet  8.”  roy  sur  ces  nouvelles,  l’opinion  de  plusieurs  estant  que,  s’il  se
haste  de  venir,  il  trouvera  encores  plusieurs  Bohemes,  qui  sons  fort  irritez
de  ceste  procedure,  a  sa  devotion  et  qu’il  sera  receu  dans  ceste  vieille  ville,
ou  les  8.  de  Quinsqui  que  l’on  tient  ses  confidens  et  serviteurs,  ont
usurpe  une  grande  autorite  et  font  travailler  continuellement  a  des  retrenchemens
  et  barricades  contre  ceux  qui  sont  de  l’autre  coste  de  la  riviere.
I’escry  cecy  a  tout  hazard  ne  sachant,  si  l’on  fera  partir  la  poste  ordinaire*
(Pa.,  Harlay  no.  238,  XII.,  f.  39,  Or.).  —  Au  Puysieulx  fügt  Baugy  noch
hinzu,  Jass  alles,  was  sich  ereigne,  „n'est  que  le  prologue  d’une  sanglante
tragedie,  si  l’archiduc  Leopold  continue  comme  il  a  commence  et  si  le  roy
de  Hongrie  avec  ses  provinces  s’opposent  a  ses  entreprises,  comme  ilz
semblent  y  estre  obligez,  de  quoy  ceux  qui  ont  la  grandeur  des  Espagnols
et  de  la  maison  d’Austriche  pour  suspecte,  ne  debvront  estre  marry*  (Pa,,
a.  a.  0.  f.  42;  Or.).

!  Diese  Verhandlung  wegen  der  Nachfolge  im  Reich  fand  in  den  letzten
Märztagen  1607  statt;  vgl.  Briefe  und  Akten,  I.  no.  457  und  458,  V.,

?  Fast  gleichzeitig  mit  obigem  Schreiben  war  Engelbert  von  Lautern
an  den  Kurfürsten  von  Mainz  geschickt  worden,  um  von  diesem  vertrauliche
Mitteilung  wegen  der  eigentlichen  Absichten  des  passauer  Volks  und  eine
Intervention  zur  Verhütung  ferneren  Unheils  zu  erbitten;  zugleich  sollte  Lautern
von  dem  Ausgang  des  Vergleichstags  zu  Schwäbisch-Hall  und  von  der  Abhaltung
eines  Unionstages  zu  Schweinfurt  Mitteilung.  machen  und  wegen  des  Administrators
  Aufnahme  in  den  Kurverein  und  in  den  rheinischen  Verein  anklopfen.
Auch  sollte  Lautern  des  Gerüchtes  Erwähnung  tun,  dass  Erzherzog  Leopold
und  vielleicht  noch  andere  mehr  mit  hahen  Gedanken  von  solchen  Sachen  um
giengen,  von  denen  allein  den  Kurfürsten  zu  reden  zustehe.  {Instruktion  vom
        <pb n="171" />
        6466.  1611  149

von  der  Sache  nichts  weis.  Datum  Heidelberg  den  9.  februarii
a.  1611.
Ma.,  547j14,  £.  10;  Kpt!

65.  Zuüiga  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern.

„Dominus  elector  Moguntinus  denuo  ad  me  scripsit  super  negotio
Saxonico,?  quod  magni  ponderis  et  momenti  esse  sentio  et  magnopere
desidero,  ut  Ser.'“  V,'®  dominusque  elector  unanimes  in  eo  sint.
Fedus  enim  inire  cum  principibus  aliene  religions  ad  reciprocam  defensionem
  non  intelligo  vetitum  esse,  dummodo  conditiones  et  formule
inveniantur  apte  et  congruentes.  Carolus  V.  pie  memorie  in  bellis
adversus  Gallos  gestis  sepius  usus  est  opera  Heinrici  regis  Anglie  et
rex  catholicus  Philippus  Il.  serio  cogitavit  de  federe  sanciendo  cum
rege  Daniae  adversus  rebelles  suos  Holandos.  Et  revera  si  hae
turbae  mihi  permitterent,  libentissime  Monachium  et  Moguntiam
excurrerem,  cum  tanti  momenti  sit  ad  bonun  nostri  federis  et  unionis
catholieae,  ut  inter  Ser.”  Y,ram  ot  dominum  electorem  optime  conveniat“.
  Datum  Pragae  21.  februarii  a.1611.

Bamberg,  Bundesakten  I.,  f.  451;  Kopie.

66.  Reichshofrat  H.R.  Hegenmüller  an  den  Erzbischof
von  Salzburg.

Auf  das  Schreiben  vom  17.3,  das  am  20.  hier  einlief  und  den
Kaiser  „consoliert‘“‘  hat.  Auf  dessen  Befehl  überschicke  ich  E,  hochfi.

8./18.  Februar  1611,  Mb.,  119;3,  f.  215;  Kpt.).  —  Der  Kurfürst  beschied
Lautern  am  25.  Februar,  dass  er  den  augenblicklichen  Stand  der  Dinge  in
Böhmen  selbst  nicht  genau  kenne,  jedoch  von  Verhandlungen  zwischen  dem
Kaiser  und  König  höre  und  daraus  schliesse,  dass  jener  es  nicht  ungfütlich
mit  Matthias  und  den  Reichsständen  ıneine  und  dass  kein  Anlass  zu  Mistrauen
  und  Kriogsverfassung  gegeben  sei.  Der  Administrator  möge  auf  andere
Stände  beruhigend  einwirken,  dasselbe  wolle  auch  er  tun.  Der  angekündigte
Upionstag  werde  andern  Ständen  wol  zu  ähnlichen  Versammlungen  Anlass  geben  ;
der  Kurfürst  hoffe  aber,  dass  alles  auf  das  Wol  des  Vaterlandes  gerichtet  und
mit  Zuziehung  Ausländischer  Mass  gehalten  werden  würde,  um  Jdase  Mistrauen
nnter  den  Ständen  nicht  zu  vermehren;  gut  wäre,  wenn  der  Administrator
bei  dieser  Gelegenheit  Kurbrandenburg  und  Neuburg  wegen  Jülich  zur  Güte
brächte  [vgl.  dagegen  oben  no.  53,  S.  113,  Anm.  1].  Von  den  angedeuteten
Absichten  des  Erzherzogs  Leopold  wisse  der  Kurfürst  nichts  und  glaube  auch
nicht  daran:  der  Erzherzog  sei  auf  des  Kaisers  Befehl  nach  Prag  gekommen
und  habe  beim  Kriegewesen  Dienste  geleistet;  er,  der  Kurfürst,  habe  ihn
wiederholt  ermahnt,  dabei  alles  zu  vermeiden,  was  gegen  den  brüderlichen
Vergleich  sei.  „Höherer  Sachen“  werde  sich  der  Erzhersog  kaum  unterfangen,
  denn  der  Kaiser  wisse,  dass  hierin  ohne  die  Kurfürsten  nichts  zu  verriehten
  sei,  auch  sei  der  Erzherzog  gewiss  selbst  so  einsichtig,  dass  diese
Sacbe  nicht  vor  ihn  gehöre;  nötigenfalls  werde  aber  der  Kurfürst  Erinnerung
tun  (Stg.,  Unionsacta,  IX.,  f.  569;  Kopie).

!  Die  Antwort  vom  24.  Februar  8.  unter  no.  70.

?  Schreiben  vom  28.  Januar;  s.  oben  no.  32,

s  Vgl.  oben  no.  61.

Februar
19.

Februar
21.

Februar
22
        <pb n="172" />
        Februar
22.

150  1611  66.

Gn.  das  kaiserliche  Schreiben  an  die  tiroler  Landstände!  Vorher
schon  hatte  ich  Althans  Schickung  zu  E.  hochfl.  Gn.  veranlasst.
Der  Kaiser  würde  Derselben  eigenhändig  antworten,  „also  aber  sein
sie  von  feint  und  freunden  dermassen  behelliget,  perturbiert  und
gleichsam  belägert,  dass  man  fast  alles  nur  mutilatim  zur  hand
richten  kan,  biss  wier  ein  wenig  emporschwimmen.‘“  E.  hochfl.  Gn.
mögen  mir  mein  bisheriges  Schweigen  und  jetzige  „perturbierte
acceleration‘‘  wegen  dieses  Zustandes  verzeihen;  „dann  ich  undankbarer
  als  undankbar  wäre  wann  ich  meiner  schuldigkeit  gegen  E.
hochfl.  Gn.,  bevorab  als  meines  gnedigsten  kaisers  höchsten  und
treuisten  freunds,  ausser  der  grössten  impedimenten  vergessen  solte.‘“  Den
Einfall  des  kaiserlichen  'Kriegsvolks  in  Oesterreich,  Böhmen
und  gar  in  Prag  werden  die  zu  verantworten  haben,  „die  dessen  starke
rationes  allegiern.“  Ich  habe  steif  auf  der  von  E.  hochfl.  Gn.  schon
vor  einigen  Monaten  geratenen  Abdankung  bestanden  und  bin  deshalb
von  den  Soldaten  nicht  zu  Rat  gezogen  worden.  Jetzt  muss  man
sich  in  die  Umstände  schicken  und  helfe  ich  nach  Kräften  zum  Besten.
Die  Soldaten  haben  nach  dem  Einfall  nicht,  wie  man  befürchtete,
etwas  unrechtes  sondern  nur  begehrt,  dass  sich  das  böhmische  Volk
mit  ihnen  gegen  alle  Feinde  zusammenschwöre.  Da  die  Landoffiziere
und  Stände,  so  viele  ihrer  auf  der  Kleinseite  waren,  Schwierigkeiten
machten,  hat  der  Kaiser  den  Schwur  befohlen,  worauf  er  geschah.*®
Die  Alt-  und  Neustädter  stehen  noch  unter  Waffen  und  wollen  vor
Abzug  des  Volkes  die  Tore  nicht  Öffnen;  zum  Schwur  aber  haben
sie  sich  bereit  erklärt,  da  ein  Teil  des  Volkes  der  Stände,  die
Wenzel  Kinsky  leitet.  in  den  Städten  ist.  Ich  halte  das  für  den
Anfang  noch  besserer  Vereinigung.  Gott  gebe,  dass  der  Ueberfall
„von  dem  ganz  exacerbierten  und  haimlich  aufgebotenen  land‘  verhütet
  werde.  E.  hochfl.  Gn.  mögen  sich  ja  nicht  aus  „der  getreuen  verfassung
  [tädigen]  lassen,“  die  Sie  im  Notfall  dem  Kaiser  tun  wollen.  —
In  der  Altstadt  hat  man  schon  drei  Posten  aus  Wien  aufgefangen  ;
daher  weiss  ich  nicht,  was  König  Matthias  zu  tun  gedenkt;  ich
glaube  aber  nicht,  dass  er  sich  einmischen  wird.®  An  Kursachsen

!  Vom  21.  Februar;  vgl.  no.  61,  8.130.,  Anm.  2,

?  Vgl.  oben  no.  60,  bes.  S.  131,  Anm.  1.

®  Zufällig  schreibt  am  gleichen  Tag  König  Matthias  an  Friedrich  Grafen
von  Fürstenberg  über  den  Einfall  in  Böhmen  und  Prag:  „Nun  ist  dise
mascara  auch  abgezogen  und  daher  ein  anderer  process  nunmehr  zu  gebrauchen
und  offentlich  zu  erweisen,  wer  es  mit  dem  königreich....  treu  und  aufrecht
vermeinet,  damit  die  rauber  und  alle  interessirte  adhaerenten  möchten  gestraft
  werden.  Hab  also  all  mein  volk  bei  tag  und  nacht  völlig  nach  Prag
zu  reisen  verordnet;  ich  aber  bin  willens,  in  wenig  tagen  mit  eigener  person
ihnen  zu  folgen  und  dieser  edlen  nation,  welche  dem  hauss  Oesterreich  so
vil  guets  erzeiget,  ale  ihr  designatus  bies  auf  den  letzten  blutstropfen  beizustehen“
  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Fasz.  103°  ,  no.20;  Kopie  und  Münch-Fickler,
  Geschichte  des  Hauses  und  Landes  Fürstenberg,  II.,  1830,  S.  286).
        <pb n="173" />
        66—67.  1611  151

hat  man  eine  Schickung  getan,!  ebenso  ins  Königreich  [Ungarn],  Februar
nach  Schlesien  und  Mähren,  „sed  satis  tarde.‘“  ‚Was  E.  hochfl.  Gn.  2
mir  wegen  Baiern  vertraut,  ‚‚dass  ist  eben  der  punct,  der  mir  in
silentio  eingebunden  worden;?  dann  man  den  Hennot  unter  anderm
darumb  zu  L  M.!  geschickt  gebabt,?  ob  sie  das  freilin  Leopolden
verheuraten  und  demselben  die  succession  vermainen  wollten;  alles
beides  ist  der  zeit  in  seer  weitem  felt.‘‘  —  Der  Kaiser  hat  vor  ungefähr
  vierzehn  Tagen  durch  mich  an  Zollern  schreiben  lassen,  dass,
falls  ihm  der  König  genügende  Satisfaktion  gibt,  er  es  zu  einer
beständigen  Aussöhnung  kommen  lassen  und  sich  dazu  zweier  Fürsten
bedienen  wolle,  wobei  der  Kaiser  an  Erzherzog  Leopold  und  E.  hochfi.

Gn.  denkt.  Er  hat  mich  schon  gefragt,  ob  Sie  „gutes  leibsvermögens“

sind!  —  Datum  zu  Prag  den  22.  februarii  a.  1611.
Ma.,  10742,  f.  126;  Or.  eigb,‘

67.  Instruktiou  des  Kaisers  Rudolf  II.  für  Franz  Februar
Gansneb  gen.  Tengnagel  zur  Sendung  an  die  geistlichen
  Kurfürsten.

3»...  38  habe  S.  L.  schon  vorhin  vernommen  und  ist  zue  bestatter
erinnerung  aus  der  abschrift  no.  2  zue  befinden,  was  uns  von  unserm
eltern  brueder  für  ein  feindlicher  absagbrief  auss  Wien  zuegeschickt

ı  Den  Reichshofrat  Ehrnfried  von  Minckwitz  ;  seine  Beglaubigung  vom
16.  Februar  in  Drs.,  1.  9166;  I.  Buch  passauer  Kriegsevolks,  f.  218;  Or.,
seine  Instruktion  war  der  Tengnagels  gleich  ;  vgl.  die  folgende  Nummer.

2  Vgl.  das  Schreiben  vom  26.  November  1610;  Ma.,  107/42,  f.  50;

Or.  eigh.
Wegen  Hennots  Schickung  vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine
Zeit,  IL,  8.  162.  \

*  Umgehend  erwiderte  am  27.  Februar  der  Erzbischof:  Althan  (der
am  23.  dem  Erzbischof  seine  Abfertigung  mitteilte;  Wöa,  Salzburg,  Bd.  10.;
Fasz.  10.  —  Or.  eigh.)  niöge  sich  die  Reise  ersparen;  der  Kaiser  dürfe  bei
der  jetzigen  Schwierigkeit  dieser  ansehnlichen  Person  nicht  beraubt  werden;
auch  sei  jetzt  wenig  mehr  zu  raten,  da  das  meiste  schon  zu  Werk  gerichtet
sei;  die  Schickung  so  vornehmer  Personen  könnte  bei  andern  Ständen  leicht
Eifersucht  erregen.  Der  tirolsche  Landtag  sei  auf  den  28.  April  verschoben  ;
bis  dahin  werden  des  Kaisers  Angelegenheiten  hoffentlich  in  solebem  Stand
sein,  dass  mit  Erzherzog  Maximilian  leichter  als  jetzt  zu  handeln  sein  werde.
Dem  Kaiser  wolle  er,  Erzbischof,  bis  zum  Tod  nach  bestem  Vermögen  dienen
und  bedaure  nur,  dass  die  Leibeskräfte  dem  Willen  nicht  immer  entsprechen
und  er  deshalb  nicht  zu  allem  tauglich  sei  (Ma.,  107/42,  f.  134;  Kpt.  von  Kurz.)
—  Dem  Erzherzog  Maximilian,  der  den  Erzbischof  am  24.  Februar  wegen  angeblicher
  Werbung  eines  Fähnleins  Knechte  für  die  Passauer  in  der  Stadt
Salzburg  befragt  hatte  (Jb.,  Regimentssachen  von  1611,  f.  250;  Kptkop.),
antwortete  er  am  28.  Februar:  er  wisse  nichts  von  Öffentlichen  Werbungen;
nachdem  die  Gefahr  mit  den  Passauern  vorüber  sei,  nehme  er  sich  der  Sache
nicht  weiter  an  und  wolle  noch  weniger  Parteilichkeit  durch  Hinderung  oder
Förderung  solcher  Werbung  zeigen;  die  Zumutung  des  Erzherzogs  beofremde
ihn  (Wöa,  Salzburg,  Bd.  10;  Fasz.  3.  —  Kpt.).
        <pb n="174" />
        152  1611  67.

Februar  worden!,  umb  dass  unser  zue  Passau  geworbnes  kaiserliches  kriegs-23.
  volk  in  Oesterreich  (gleichwol  mit  dem  intent,  wie  es  mit  obgedachtem
brief  ausgelegt,  gar  nicht)  geruckt,  und  ob  wir  zwar  einen  ausführlichen
warhaften  bericht,  auch  ganz  friedliebendes  erbieten  durch  eine  ansehenliche
  legation,  nemlich  den  hochgebornen  Heinrich  Julium  herzogen
zue  Braunschweig  etc.  und  unsern...  .  Hans  Georgen  grafen  zu  Hohenzollern
  eic.,  unsern  rath  und  reichshofrathspraesidenten  thuen  lassen
laut  der  instruction  no.  32,  darzue  seit  dessen  widerumb  zur  anmahnung
  den  edlen  etc.  Marx  Becken  von  Leopoldsdorf,  unsern  hofkriegsrath
  und  bestellten  obristen  hinauss  abgefertigt  mit  befelch
inhalts  der  copi  43,  so  bliben  wir  bis  dato  unbeantwortet  und  ungeacht
  unsers  bruedern  L.,  wie  wir  glaubwurdige  nachrichtung
empfangen,  zum  frieden  und  einigkeit  nicht  ungenaigt,  so  bemüeheten
  sich  etliche  widerwertige  unruhige  fridhessige  leut  von  neuem,
zwischen  uns  krieg  und  entpöruug  anzuestiften,  wie  dann  zum  selben
end  zuvorderst  in  Ungarn,  Oesterreich  und  Mährern  starke  aufbot
und  werbungen  beschehen,  auch  inner-  und  ausserhalb  des  reichs
hilfen  und  beistand  wider  uns  gesucht  und  begert  wurden;  ja  noch
mehr,  als  wir  neuelich  mit  den  gehorsamen  stenden  unserer  cron
Böhem  diss  orts  eine  zusamenkunft  gehalten,  zue  beratschlagen,  wie
wir  bei  solchem  besorglichen  zuestand  versichert  sein  möchten,  so
haben  die  Österreichischen  landschaften  einen  gesandten  alher  verordnet?,
  welcher  durch  vielerlei  bittere  verhetzungen  und  betrohungen
die  gemüeter  untereinander  dermassen  irr  und  schwirig  gemacht,  dass
wir  daher  in  nicht  schlechte  gefahr  gerathen.  In  dessen  betrachtung
und  weil  stündlich  von  neuen  geschwinden  practiken,  ein-  und  uberfällen
  geredt  und  geschriben  worden,  hingegen  [wir]  aber  mit  nothwendiger
verfassung  in  der  cron  Böhem  und  dero  incorporirten  landen  so
eilends  nicht  aufkommen  konten,  sei  obbemeltes  unser  kaiserliches
zue  Passau  geworbenes  kriegsvolk  aus  ihren  quartieren  aufgebrochen
und  den  15.  diss  alhero  gen  Prag  kommen  mit  schriftlicher  erklerung,
wie  die  beilag  no.  5°  aussweiset,  darauf  wir  nach  reifer  der  sachen
beschaffenheit  erwegung  uns  einer  verordnung  entschlossen,  inhalts
der  copi  no.  6°.,  die  auch  alsbald  den  17.  diss  im  offnen  veld  beides
sowol  dem  bohemischen  als  auch  dem  andern  unserm  passauischen
kriegsheer  in  gegenwart  unsers  vettern  und  sohns  erzherzogen  Leopoldi
  zue  Oesterreich  L.,  auch  etlich  unserer  hierzu  deputierten  fürnehmen
  commissarien  sowol  der  anwesenden  obristen  böhemischen
landofficirer,  räth  und  rechtsitzer,  wie  nicht  weniger  einer  zimlichen

ı  Vom  29.  Dezember  1610.

?  Vom  27.  Januar  1611;  Kopeyen  und  Abschriften,  a.  a.  O.,  f.82.

®  Beglaubigung  des  Obersten  beim  Herzog  vom  27.  Januar  1611.  Der
Oberst  langte  am  10.  Februar  in  Wien  an  und  brachte  ein  kaiserliches
Schreiben  vom  5.  Februar  mit,  gedrucktim  „Gründlichen  Bericht,*  8.  246.

*  Maximilian  Ho&amp;amp;;  vgl.  oben  no.  39.

5  Vgl.  oben  no.  60  und  Anm.  1  auf  S.  131.
        <pb n="175" />
        67.  1611  153

anzahl  aller  dreier  stend  personen  publicirt  und  durch  allerseits  hohe  Februar  -
und  nidere  befehlshabere  sambt  den  undergebenen  reutern  und  23.
knechten  mit  einem  leiblichen  aidschwur  und  aufgereckten  fingern
becreftiget  und  bestetiget  worden.  Zue  dem  so  haben  wir  es  auch
albereit  durch  unsern  eben  der  zeit  alhie  gewesten  rath  und  haubtman
  der  fürstenthümer  Schweidnitz  und  Jauer,  den  Caspar  von
Rechenberg,  freiherrn  auf  Klitschdorf  und  Pruckenau,  unserm  königlichen
  oberambtman  und  andern  fursten  und  stenden  in  Schlesien
insinuirn  lassen  neben  angeheftem  [beveich],  wie  aus  der  abschrift  no  7.1
zu  sehen,  ungezweifelt  sie  werden  uns  hierin  gleichergestalt  schuldigen
gehorsamb  unwaigerlich  leisten.  Wann  wir  uns  aber  zu  gnuegsamer
abwendung  und  vorknmung  obangedeutten  aus  Ungarn,  Oesterreich
und  Mährern  uns  und  den  unserigen  anbetrohenden  und  bevorstehenden
  unverschultten  ubereilens  mit  einer  grössern  macht  und  gewalt
in  bereitschaft  stellen  müessen,  so  erwarten  wir  gleichwol  in  kurzem
von  underschiedlichen  orten  einer  zimblichen  anzahl  volks  zue  ross
und  fuess,  gesinneten  aber  daneben  an  S.  des  churfürsten  zu  Meinz
L,  sie  wollen  uns  in  gegenwertigem  nothfall  nicht  verlassen  sondern
als  ein  fürnehmer  des  heil.  reichs  churfurst,  zue  dessen  L.  wir  jederzeit
ein  hohes  vertrauen  getragen  und  noch  tragen,  ihrer  bishero  gegen
uns  in  viel  weeg  würklich  erzeigter  treu  und  guetherzigkeit  gemess,
bevorab  weil  hell  und  clar,  dass  wir  an  deren  im  verschienen  sommer
durch  S.  L.  und  andere  bei  uns  gewesene  churfursten,  erzherzogen
und  fursten  zwischen  uns  und  unserm  brueder  getroffener  abhandlung
violation,  riss  und  bruch  mit  nichten  sondern  etliche,  die  (wie  uns
der  herzog  zue  Braunschweig  und  graf  von  Hohenzollern  referirt)?
ihre  begierlichkeit,  noch  mehr  zu  herschen,  gern  erfülleten,  das  rädlein
  also  spilen  und  treiben,  an  dem  allen  schuldig,  mit  einer  eilenden
  ergebigen  gelt-  oder  volkbilf  beispringen  und  handreichung  thuen,
biss  einest  diss  verwirrte  wesen  gemeiner  Christenheit,  dem  heil.  reich,
auch  unsern  königreichen  und  ländern  zue  wolfarth  (welches  verhoffentlich
  bei  unserer  als  von  Gott  eingesetzter  ordenlicher  hoher
oberkeit  so  gerechter  sachen  nicht  lang  anstehen  möchte)  in  einen
ruhigen  fridlichen  und  bessern  stand  gebracht  und  befürdert  werde.  —
Dessen  thäten  wir  uns  zu  S.  L.  veranlässig  getrösten,  wolten  es  auch
etc.“  Die  gleiche  Werbung  hat  Tengnagel  auch  bei  den  Kurfürsten

')  Befehl  des  Kaisers  an  den  Herzog  Karl  von  Münsterberg  vom  17.
Februar;  vgl.  wie  oben  no.  60,  8.  131,  Anm.  1.

2)  Vgl.  die  Berichte  des  Herzogs  vom  29.  Januar  und  6.  und  9.  Februar
im  Gründlichen  Bericht,  S.  230,  241  und  243,  besonders  den  letzteren  mit
einem  selır  scharfen  Ausfall  auf  Khlesl,  der  den  König  gegen  den  Kaiser  verhetze
und  sogar  bei  Ablesung  Jer  kaiserlichen  Beglaubigung  das  dem  König
erteilte  Praelikat  „durchleuchtigster  furst“  in  „durchleuchtiger  furst‘
verwandelte,  was  Matthias  sehr  empfunden  habe.
        <pb n="176" />
        Februar
23.

Febr.  23.
bis
März  2.

154  1611  67—68.

von  Köln  und  Trier  zu  verrichten  und  sich  dann  ungesäumt  zurückzubegeben,
  um  uns  Bericht  zu  erstatten.  Geben  zue  Prag  den

23.  feb.  a.  1611.
Ma.,  111j11,  —  Kopie!

68.  Protokoll  des  frankfurter  Kommunikationstages
der  rheinischen  Stände  des  katholischen  Bundes.

Teilnehmer:  für  Kurmainz:  Greiffenclau,  Eltz,  Brömser  und
D.’  Gereon  ;?  —  für  Kurtrier:  Kanzler  D.“  Peter  Schneidt;  —  für
Kurköln:  Dompropst  Eitel  Fritz  Graf  zu  Hohenzollern  und
Liz.  Christoph  Wintzler;  —  für  Speier:  Kanzler  D.”  Marquard
Hauenstein.

Die  Verhandlung  finden  im  Prediger-Kloster  statt.

Februar  23.  D."  Gereon  proponiert  für  Mainz  gemäss  der  Instruktion
  und  stellt  zunächst  den  Punkt  wegen  Sachsens  Einnahme
zur  Umfrage.  Trier  tritt  für  den  Vorschlag  von  Kurmainz  in
Hinblick  auf  die  Bemühungen  des  Landgraf  Moriz  von  Hessen  und
anderer  ein,  Sachsen  der  katholischen  Union  abwendig  zu  machen,
und  betont  die  Notwendigkeit,  die  Protestanten  dadurch  zu  trennen;
des  jülichschen  Wesens  könne  der  Bund  sich  ohnehin  nicht  ganz
entschlagen.  Auch  Köln  kann  die  bairischen  Bedenken  nicht  so
schwerwiegend  finden.  Speier  warnt,  durch  die  Ablehnung  der  Einnahme
  nicht  das  Mistrauen  zu  erwecken  als  sei  die  katholische  Union
zur  Ausrottung  der  Protestanten  bestimmt.  —  Es  wird  einhellig
beschlossen,  Sachsen  zum  Bundestag  zu  beschreiben  und  zwar  auf
acht  Tage  nach  dessen  Beginn,  der  in  einer  zweiten  Umfrage  auf
Montag  nach  Misericordia  domini  [April  18.]  festgesetzt  wird.  Die

ı  Mit  obiger  Instruktion  gleichlautend  war  die  des  Reichshofrats
Ehrnfried  von  Minckwitz,  der  sich  gleichzeitig  nach  Dresden  begab;  (Werbung

beim  Kurfürsten  von  Sachsen  am  Peru  ‚  Drs.,  1.9166,  I.  Buch  passauer

Kriegevolks,  f.  219;  Kopie).  —  Nach  Tengnagels  Aussage  vom  14.  März
(vgl.  unten  no.  101)  war  die  Instruktion  von  Andreas  Hannewald  verfasst
worden,  nach  einer  früheren  Aussage  vom  5.  März  (vgl.  unten  no.  84)  war
Tengnagel  auch  noch  an  die  Bischöfe  von  Bamberg  und  Würzburg,  an  den
Lan  en  Ludwig  von  Hessen-Darmstadt  und  an  den  Administrator  der
Kurpfalz  abgefertint  worden.  —  Die  Abfertigung  Tengnagels  verzog  sich,  weil,
wie  Erzherzog  Leopold  am  26.  Februar  an  den  Kurlürsten  von  Mainz  schrieb,
man  vorher  noch  alles  in  ruhigen  Stand  bringen  wollte,  aber  wegen  einiger
unruhiger  Köpfe  nicht  so  bald  ‚zum  straich  kommen  könne;“  (Wmz.,Juliacensia,
tom.  V.  —  Or.).  ---  Tengnagel  machte  eich  am  3.  März  auf  die  Reise,  kam  aber
nur  bis  Welwarn,  nw.  von  Prag.;  (vgl.  die  folgenden  Numuern.)  —  Ueber  die
Persönlichkeit  Teugnagels  vgl.  besonders  Gindely,  RudolflI.  und  seine  Zeit,
Il.Bd.an  vielen  Orten  und  Briefe  und  Akten,  VI.,n0.379;,  Zacharias  Geizkofler
  weiss,  dass  Tengnagel,  ein  „Westphäling,  des  Tichonis  Brabe  basen  und  |!|
tochter  genommen“  habe  (Geizkofler  an  den  württembergischen  Kanzler  Melchior
  Jäger  am  9./19.  März  1611;  Stg.,  Unionsacta,  tom.  XI.,  no.  482;  Or.  eigh.).

?)  Vgl.  die  Instruktion  vom  17.  Februar,  oben  no.  62,  bes.  S.  143,  Anm.  1.
        <pb n="177" />
        68.  1611  155

Konzepte  für  das  Ausschreiben  und  das  Schreiben  an  Sachsen  werden  Febr.  23.
genehmigt.  wo  2
Februar  25.  Beratung  des  augsburger  Abschiedes.!
L  Umfrage  wegen  Ratifikation  der  dortselbst  von  den  oberländischen
Ständen  abgehandelten  Artikel  1,  2,  3,  7,  8:  diese  werden
angenommen.  —  Il.  Umfrage  wegen  des  4.  Artikels:  Alle  Anwesenden
‚sind  bereit,  die  zur  Abdankung  nötigen  zehn  Monate  antizipationsweise,
  jedoch  zur  rheinischen  Kasse  zu  erlegen,  wozu  man  ohnehin
durch  den  würzburger  Abschied  verbunden  ist;  Mainz  bezweifelt
allerdings,  ob  man  damit  ausreichen  wird.  —  Wegen  der  Schickung
nach  Frankreich,  die  zu  München  bedacht  worden  war,  ist  allen  der
Graf  von  Helfenstein  genehm,  wogegen  wegen  des  Reichshofrats  Hans
Ludwig  von  Ulm,  den  Kurmainz  empfahl,  dag  Bedenken  laut  wird,
dass  er  ebenso  wenig  wie  seine  ritterschaftlichen  Standesgenossen  dem
Bunde  verwandt  sei.  —  Wegen  der  in  Artikel  3  sausgesprochenen
Reservation  der  Kriegsschäden  finden  die  Anwesenden  die  Restriktion
etwas  dunkel,  erwarten  aber,  man  werde  die  rheinischen  Stände  beim
Bundestag  deshalb  nicht  benachteiligen  und,  wenn  man  den  Oberländern
  die  Schäden  liquidiert,  sie  auch  den  Rheinischen  passieren  lassen.
Nachmittag:  III.  Umfrage  über  Artikel  5:  Vermehrung  des
Unionsvorrats.  Trier:  hält  die  Fortsetzung  der  Union  für  notwendig
und  ist  bereit,  den  Vorrat  über  den  Vorschlag  hinaus  zu  stärken,
trotzdem  das  Erzstift  seit  vierzig  Jahren  so  viel  gelitten  hat,  während
die  Oberländer  des  Leidens  ungewohnt  sind.  Da  man  mit  den  Landständen
  eben  in  Rechnung  begriffen  ist,  kann  der  Gesandte  die  zwanzig
Monate  nur  zu  Bericht  nehmen.  Die  vorgeschlagene  Dezimation  der
Geistlichen  ist  im  Erzstift  uicht  Herkommens.  —  Köln  meldet  den
Eintritt  von  Berchtesgaden  in  den  Bund  an  und  stellt  den  der  andern
Stifter  des  Erzbischofs  in  Aussicht;  auch  er  hält  die  Fortsetzung  der
Union  für  nötig  und  wird  wegen  der  zwanzig  Monate  mit  der  Mehrheit
stimmen.  Wegen  der  Dezimation  soll  bei  dem  zwar  völlig  erschöpften
Klerus  das  äusserste  geschehen.  —  Speier  wünscht,  dass  er  seine
zwanzig  Monate  zum  Unterhalt  einer  Besatzung  verwenden  dürfe.  —
In  neuer  [IV.]  Umfrage  über  denselben  Gegenstand  stellt  Mainz  fest,
dass  Trier  wegen  der  zwanzig  Monate  nicht  befehligt  ist,  Köln  eine
Moderation  der  Matrikel  verlangt,  Speier  alles  auf  künftigen  Bundestag
stellt,  während  man  hier  zusammengekommen  ist,  sich  eines  einhelligen
Votums  für  den  Bundestag  zu  vergleichen;  auch  wegen  der  Dezimation
kann  man  keinen  Schluss  machen.  Mainz  betont  die  Notwendigkeit
besserer  Ordnung  bei  den  Anlagen;  bei  Begründung  eines  neuen
Vorrats  darf  nicht  jedem  Mitglied  freigestollt  werden,  seine  Anlage
für  sich  zu  verwenden,  sonst  hat  der  Kurfürst  allein  die  Last  auf
dem  Hals;  er  hat  bisher  für  das  kurkölnische  und  rietbergsche
Volk  ein  ansehnliches  bezahlt,  ohne  dass  ein  Heller  in  die  rheinische

:  Vgl.  no.  62,  S.  137,  Anm.  1.
        <pb n="178" />
        Febr.  23.
bis
März  2.

156  1611  68.

Kasse  gekommen  wäre.  --  Wegen  der  Zurückbaltung  der  Quoten
von  der  Kasse  wird  nochmals  umgefragt,  wobei  Trier  sich  rechtfertigt,
  dass  es  15  Monate  zum  jülichschen  Wesen  geliefert,  die
übrigen  25  zum  Unterhalt  eines  Fähnleins  Knechte  und  zur  Behauptung
  des  Ehrenbreitsteins  gebraucht  habe,  wobei  auch  Köln
einige  tausend  Gulden  zugeschossen  habe.  Köln  hat  seine  Quote
ähnlich  verwendet  und  glaubt  sich  viel  zu  hoch  veranschlagt;  er
kann  höchstens  ein  Drittel  des  Matrikularanschlags  aufbringen;  wegen
der  langen  Kriege  sind  die  Stiftsuntertanen  völlig  verarmt,  der
Koadjutor  muss  auf  eigene  Kosten  Hof  halten;  man  möge  Kommissarien
  zur  Untersuchung  der  Verhältnisse  ins  Erzstift  abordnen
und  beim  Bundestag  die  Moderation  befördern.  Speier  verspricht,
nur  die  Mittel  zur  notwendigsten  Verteidigung  zurückzubehalten.
Februar  26.  Auf  Kölns  Anregung  stellt  Mainz  zur  Umfrage,  in
welcher  Weise  Sachsen  in  den  Bund  aufzunehmen  sei.  Niemand  (auch
Köln  nicht)  ist  darauf  instruiert;  nur  äussert  Xö1n  das  Bedenken,  ob
nicht  Sachsens  Einnahme  den  Katholischen  praejudizierlich  wäre,  da
Sachsen  und  Braunschweig  verschiedene  Stifter  eingezogen  hätten.  —
Darüber  findet  besondere  Umfrage  statt,  wobei  Trier  warnt,  diesen
schweren  Stein  zu  erheben,  da  man  sonst  zu  einem  dem  vorigen  entgegengesetzten
  Schluss  kommen  wärde;  ebenso  warnt  Mainz  und
erinnert,  dass  man  zu  Prag  eine  neue  Unionsnotel!  aufgesetzt  und
Sachsen  mitgeteilt  habe,  die  auf  Erhaltung  des  Religions-  und  Profanfriodens
  gehe  und  des  Kaisers  Autorität  besser  „exprimiere.“  Die
Verhandlung  beim  Bundestag,  wenn  Sachsen  erscheint,  wird  die  Bedingungen
  geben;  jetzt  ist  nicht  ratsam,  etwas  zu  „moviern.‘“  Köln

‚hätte  eine  Klausel  zum  Schutz  der  Katholiken  gewünscht,  sonst  gibt

er  sich  zufrieden.

Bei  der  dritten  Umfrage  werden  die  im  augsburger  Abschied
ausgesetzten  Punkte  wegen  Verbesserung  der  Mängel  im  Defensionswesen
  zur  Beratung  gestellt.  Man  einigt  sich  zunächst,  dass  man  die
Bundesobersten  nicht  durch  Abschiede  binden  könne  und  dass  diese
die  Beschlüsse  pro  re  nata  fassen  müssten,  allenfalls  mit  Zuziehung
der  Adjunkten.  Die  Vorschläge  Baierns  und  Augsburgs  sind  beim
uächsten  Bundestag  anzuhören.  —  Auf  die  vierte  Umfrage  wegen
der  Schickung  an  Erzherzog  Albrecht  (8.  Artikel)  können  Trier  und
Köln  sich  erst  bis  zum  Bundestag  erklären,  ebenso  wegen  des  9.
Artikels  (Rechnungen).  —  In  fünfter  Umfrage  wird  das  kölnische
Defensionswesen  (6.  Artikel)  vorgenommen.  Trier  und  Köln
betonen  die  Fortdauer  der  Gefahr  durch  das  jülichsche  Wesen;  die
Abdankung  des  auf  Rechnung  des  Bundes  geworbenen  Volkes  ist
jetzt  unratsam.  Man  möge  Köln  nicht  hilflos  lassen;  würde  die
Besatzung  von  Kaiserswerth  meutern,  so  könnte  daraus  die  grösste
Gefahr  erwachsen.  Mainz  wird  sich  darüber  beim  Bundestag  erklären,

I  Vgl.  oben  no.  3,  S.5,  Anm.  3.
        <pb n="179" />
        68.  1611  151

wobei  auch  von  der  Sicherung  der  andern  Stifter  zu  reden  sein  wird.
Zugleich  zeigt  Mainz  an,  dass  nach  einem  Schreiben  des  Erzherzogs
Leopold!  der  Kaiser  den  Bundestag  beschicken  und  um  Hilfe  wegen
Jülich  bitten  will  und  dass  der  Kurfürst  sein  Bundesoberstenamt
niederzulegen  gedenkt.  —  Bei  der  sechsten  Umfrage  bitten  alle  Anwesenden,
  dass  der  Kurfürst  von  diesem  Beschluss  abstehe;  der  andere
Punkt  wird  auf  den  allgemeinen  Bundestag  verwiesen.

Februar  27.  Verlesung  des  an  Stelle  eines  Abschieds  vorfassten
Moemorials.?

Februar  28  (in  Speiers  Abwesenheit).  Verlesung  der  beiden
kurbrandenburgischen  Schreiben  wegen  des  kurpfälzischen  Adminıstrationsstreits
  und  wegen  Kurbrandenburgs  Einnahme  in  denK  u  ıverein.
  —  In  zwei  Umfragen  einigt  man  sich,  dass  das  erstere
Schreiben  von  Mainz  allein  beantwortet  werde,  weil  er  allein  befragt
sei,  das  zweite  von  allen  drei  geistlichen  Kurfürsten  ;  dieses  Schreiben  ist
auch  dem  Kaiser  mitzuteilen.  —  Köln  hat  erfahren,  dass  Kurbrandenburg
  in  einem  Schreiben  an  Kursachsen  die  geistlichen  Kurfürsten  aufs
höchste  beleidigt  habe  und  regt  eine  Abndung  an,  Trier  erinnert
dabei  auch  an  das  braunschweigische  Gutachten.”  Man  einigt  sich,
beide  Schriftstücke  von  Sachsen  zu  verlangen.

März  1.  Mainz  proponiert  wegen  der  Ausleger  im  Rhein,
die  das  höchste  Regal  der  rheinischen  Kurfürsten  bedrohen.  —  Da
man  „viam  facti“  für  zu  gefährlich  bält,  Schreiben  au  die  Possidierenden
  nichts  verfangen,  so  beschliesst  man,  sich  durch  eine  Schickung
an  den  mitinteressierten  Administrator  der  Kurpfalz  zu  wenden  und
ihn  zu  befragen,  was  er  hiebei  tun  wolle.,

März  2.  Verlesung  und  Genehmigung  der  Instruktion  zur
Schickung  an  den  Administrator.‘

Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12.;  no.  438,  Protokoll  von  Hensels  Hand.:

!  Vgl.  oben  no.  11.

?  Von  26.  Februar  in  Winz.,  a.a.O.,no.1*;  Kpt.  von  Faber,  ebenda,  no.38:
Or.  —  Aus  der  Einleitung  ist  die  Mitteilung  hervorzuheben,  dass  der  Bischof
von,  Worme  erklärt  hatte,  sich  allen  Beschlüssen  des  Kommunikationstags
zu  lügen.

8  (Gemeint  ist  das  Gutachten  vom  15./26.  Dezember  1610;  vgl.  oben
no.  22,  S.  54,  Anm.  2  und  des  Kurfürsten  von  Mainz  Schreiben  an  seinen
Kanzler  Faust  von  Ende  Februar  1611,  unten  no.  74.

*  Die  Instruktion  für  Kaspar  von  Eltz  und  Dr.  Gereon  zur  Sehickung  namens
der  drei  geistlichen  Kurfürsten  an  den  Administrator  ist  vom  2.  Mäız  datiert.  Die
Gesandten  sollen  den  Administrator  kraft  des  Kurvereins  und  als  Interessenten
ersuchen,  gegen  die  Ausleger  Beistand  zu  leisten  und  sein  Gutachten  zu  geben,
wie  die  wirkliche  Exekution  gegen  dioese  Beschwerde  vorzunehmen  sei;  ein
etwaiger  Hinweis  auf  rechtliche  Mittel  und  Prozesse  wäre  mit  dem  jetzigen
Zustand  im  Reich  abzulehnen  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd  12.,  n0.60;  Kpt.).

5  Der  Kommunikationstag  fand  bei  den  unierten  Ständen  natärlich
gebührende  Beachtung  und  erregte  mancherlei  Vermutungen  :  so  schreibt
der  württembergische  Vizekanzler  Dr  Faber  am  7./17.  März  aus  Schweinfurt
an  seinen  Herrn,  es  habe  den  Anschein,  als  gb  zu  Frankfurt  ‚„Praeparatoria‘
zu  einem  Wahltag  gemacht  werden  sollten,  was  aber  der  jetzige  Zustand  zu
Prag  wol  leicht  verhindern  möchte  (Stg.,  Unionsacta,  IX.,  f.  445;  Or.  eigh.).
        <pb n="180" />
        158  1611  69.

Februar  69.  Grosshofmeister  Graf  Johann  Albrecht  von  Solms
2.  an  Fürst  Christian  von  Anhalt.

Auf  ein  Schreiben  vom  2.12.  Febr.  Ich  bedaure  auch  in
meinem  besonderen  Interesse  Dero  Abwesenheit;  aber  bei  dem  Gewicht
Ihrer  Gründe  weiss  ich  nichts  zu  tun  als  Gott  zu  bitten,  dass  er
Dero  Absichten  zum  Wol  unseres  armen  Vaterlandes  fördere.  Wir
fürchten  aber,  dass  die  Handlung  zwischen  den  beiden  Kurbäusern  uns
unsern  schweinfurter  Tag  zerreissen  wird,  der  schon  festgesetzt
war,  bevor  wir  von  jener  Handlung  wussten  und  der  von  den  unierten
Ständen  so  sehr  gewünscht  wurde,  besonders  von  den  Städten,  die
gegenwärtig  auf  die  Abrechnung  der  Kosten  des  vorigen  Jahres  sehr
erpicht  sind.  Wenn  E.  fl.  Gn.  nicht  dabei  sein  können,  so  wird  die
Zeit,  die  man  dabei  zubringt,  verloren  sein  und  man  wird  zu  gar
keinem  Entschluss  kommen,  obgleich  der  prager  Verlauf  feste  Antschlüsse
  fordert.  Der  Administrator  will  den  Unionstag  persönlich
besuchen,  wenn  die  andern  Fürsten  auch  kommen  wollen,  worüber
er  noch  keine  Gewissheit  hat.!  Für  alle  Fälle  hat  er  für  sich  und
E.  Exz.  Quartiere  bestellt.  Neuburg  scheint  den  Tag  stören  und
einige  bestinnmen  zu  wollen,  nicht  zu  kommen;?  wir  wissen  noch
nicht,  ob  er  seinen  Zweck  erreichen  wird.  Baden  hat  verheissen,
selbst  zu  kommen  oder  zu  schicken,  aber  den  Rechten  Neuburgs
unpraejudizierlich,  da  er  Neutralität  halten  will.®  Die  Nürnberger
haben  heute  dem  Administrator  geschrieben,  dass  sie  ihre  Rüstungen
wegen  der  Wendung,  welche  die  Dinge  in  Böhmen  nehmen,  wieder
aufnehmen;  sie  berichten,  dass  die  Passauer  sich  der  Stadt  Prag
oder  wenigstens  des  Schlosses  bemächtigt  haben.  Ueber  die  Wahrheit
dieser  Nachrichten  wissen  wir  noch  nichts  sicheres;  wir  haben  seit
drei  Wochen  weder  von  Colli  noch  von  jemandem  andern  aus  Prag
Nachricht.  —  Hier  verabschiedet  man  dagegen  diese  Woche  die  zwei
Kompagnien  Obentrauts,  die  wir  neben  den  zwei  Kompagnien  Badens
und  Ansbachs  noch  als  Kavallerie  unterhalten  hatten.  Ich  bin

1  Am  10./20.  Februar  schrieb  Kurbrandenburg  ab  (Mb.,  119/3,  f.  256;
Or.)  am  16./26.  Februar  die  zu  Zossen  versammelten  Markgrafen  von  Culmbach
  und  Ansbach  nebst  Fürst  Christian  von  Anhalt,  diese  mit  dem  Vorschlag
der  Vertagung  auf  den  1.  Mai  (Mb.,  119'4,  f.  44;  Or.);  gleichzeitig  verständigten
sich  der  Herzog  von  Württemberg  und  der  Markgraf  von  Baden,  Schweinfurt
nicht  zu  besuchen  (Württemberg  an  Baden  am  18./28.  Februar;  Stg.,  Unionsacta,
  IX.,  f.  128;  Kpt.,  —  Baden  an  Württemberg  am  16./26.  Februar,  a.a.  O.,
f.  139;  Or.);  endlich  entschloss  sich  auch  der  Administrator,  nur  (Gresandte

zu  schicken  (Solms  an  Christian  von  Anhalt  am  23.  Februar  Bbg.,  A  9a,

b.  März  ’
no.  82,  f.  32;  Or.  eigh.).
?  Vgl.  oben  no.  40,  S.  92,  Anm.  2.
®  Kurze  Zeit  erörterten  Baden  und  Württemberg  untereinander  wirklich
die  Frage,  ob  man  nicht  mit  Rücksicht  auf  Neuburg  dem  Unionstag  ganz
fern  bleiben  solle  (Baden  an  Württemberg  am  3./13.  Februar;  Stg.,  Unions
acta,  IX.,  f.  127;  Or.).
        <pb n="181" />
        69.  1611  159

davon  überrascht  und  halte  diese  Massregel  nicht  für  zeitgemäss.  Februar
E.  Exz.  werden  aber  darüber  besser  zu  urteilen  wissen,  die  Sie  die  2°
Absichten  der  Passauer  genauer  kennen  werden  als  wir  hier,  die  wir
sehr  schlecht  darüber  unterrichtet  sind.  König  Matthias  hat  uns
dieser  Tage  durch  seinen  Rat  Wolfgang  Nikolaus  von  Grünthal  um
Hilfe  mit  Volk  oder  Geld  angehen  lassen.!  Die  Antwort  wurde  auf

den  Unionstag  verschoben,  wo  man  seine  Werbung  mit  den  andern
Unierten  beraten  will;  ebenso  wird  man  mit  dem  entsprechenden
Begehren  der  österreichischen  Stände  tun.  Diese  berichten  heute  dem
Administrator,  dass  sie  die  Rückkehr  des  mailändischen  Kriegsvolks
besorgen,  der  Herzog  von  Baiern  habe  seine  Untertanen  schon  davor
warnen  lassen.  Grünthal  hat  mich  auch  versichert,  er  wisse  für
bestimmt,  dass  der  König  von  Spanien  an  verschiedenen  Orten  Deutschlands
  150  000  Thaler  deponiert  habe,  um  die  zu  unterstützen,

die  im  Frühjahr  den  Krieg  in  Deutschland  anfangen  wollen,  besonders
  den  Erzherzog  Leopold.  Er  verhehlt  auch  nicht,  dass
Matthias  mit  Leopold  sehr  schlecht  steht,  von  dem  er  Durchkreuzung
seiner  Absichten  besorgt.

Der  Administrator  wird  dieser  Tage  Lautern  an  Kurmainz
schicken,”  um  dessen  Meinung  wegen  der  böhmischen  Dinge  zu  erkunden
  „et  l’on  a  quaut  et  quant  sonde  par  lettres  sur  le  subject
secret,  que  V.  Exc.  scait?  et  dont  Elle  a  faict  nagueres  mention
dans  Sa  lettre  a  moi  et  ainsi  l’oblige  a  respondre  par  escript,  ne
pouvant  rien  discourir  sur  cela  avec  Lautern,  qui  n’en  scait  rien  de
tout  cela.“  Ich  hoffe,  dass  man  auf  diese  Weise  erkennen  wird,
ob  Mainz  und  seine  geistlichen  Mitkurfürsten  inzwischen  ihre  Meinung
geändert  haben.  De  Heidelberg  ce  18.  februarii  1611.  —  Praes.
Zossen  25.  feb.  1611.

Nachschrift.  Auf  besonderen  Befehl  der  Kurfürstin  berichte
ich  E.  Exz.,  dass  dieser  Tage  der  Administrator  durch  mich  hat  bei
ihr  sondieren  lassen,  ob  er  die  Hand  des  ältesten  Fräuleins  von  der
Pfalz!  erhalten  könnte;  die  Kurfürstin  will  nicht  gleich  antworten
und  schützt  das  jugendliche  Alter  der  Prinzessin  vor;  sie  will  zuvor
Ihre  Meinung  darüber  hören  und  zwar  sobald  als  möglich,  damit
der  Administrator  durch  den  Verzug  nicht  verletzt  werde.  Niemand
sonst  weiss  von  der  Sache.  Ce  13.  febvrier  1611.

Bbg-,  A.  9a.  n.  82.  f.  86;  Or,  eigh.  mit  Ziffern.

!  Bescheid  Grüntbals  vom  17.  Februar  in  Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  4T,
f.  212;  Kop.  Vgl.  oben  no.  25,  8.  63,  Annı.  2,

:  Wegen  der  Instruktion  für  Engelbert  von  Lautern  vom  8./18.  Februar
vgl.  oben  no.  64,  8.  148,  Anm.  2  und  unten  no.  70.

®  Die  Successionssache:  vgl.  oben  no.  64  und  unter  no.  70.

*  Louise  Juliane  von  der  Pfalz;  die  Verlobung  fand  erst  am  15.  September
  1611  statt;  vgl.  Ch.  Häutle,  Genealogie  des  Stammhauses  Wittelsbach,
  München  1870,  8  188.
        <pb n="182" />
        Februar
24.

160  1611  70.

70.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  Administrator  der
Kurpfalz,

Lautern  überbrachte  E.  L.  Schreiben  vom  9./19.  Februar,!  worin  Sie
jener  hohen  und  wichtigen  „Privatsachen“  [Nachfolge  imBReich]  gedenken,
  die  vor  vier  Jahren  anfangs  zwischen  Kurfürst  Friedrich  IV.  und
mir,  dann  auch  mit  meinen  geistlichen  Mitkurfürsten  verhandelt  wurden.
Ich  weiss  mich  des  Verlaufs  wol  noch  zu  erinnern;  die  Sache  war  ohne
Praejudiz  der  goldenen  Bulle  und  der  Rechte  des  Kurfürstenkollees
gemeint,  weshalb  auch  durch  Vermittlung  des  Kurfürsten  Friedrich
die  beiden  andern  weltlichen  Kurfürsten  dafür  gewonnen  werden
sollten.  „So  hab  ich  zwar  darnach  furst  Christians  zu  Anhalt  L.
zu  underschiedlichen  malen  darunder  zu  begebender  gelegenheit
mundlich  befragt,  woruf  es  mit  nechstangedeuter  behandlung  bewende,
aber  allmal  die  resolution  entfangen,  dass  es  darzu  keine  bequemlichkeit
  geben  mögen.“?  Ich  habe  daher  auch  mit  meinen  geistlichen
Mitkurfürsten  darüber  nicht  weiter  geredet  und  weiss  daher  nicht,
was  sie  darüber  denken,  zumal  man  auch  von  den  weltlichen  Kurfürsten
deswegen  gar  keine  Nachricht  hat.  Da  wegen  des  Todes  des  Kurfürsten
  Friedrich  und  wegen  der  noch  mangelnden  Belehnung  Kurbrandenburgs
  das  Kurkolleg  sehr  geschwächt  ist,  so  kann  ich  mich
nicht  weiter  verbindlich  erklären,  bevor  es  nicht  wieder  ergänzt  ist:
denn  der  verstorbene  Kurfürst  und  ich  wollten  an  der  goldenen  Bulle
und  den  kurfürstlichen  Rechten  festhalten.  Wenn  E.  L.  von  den
beiden  andern  kurfürstlichen  Häusern?  Erklärungen  erlangen  und

!  Vgl.  oben  no.  64.

?  Der  kurpfälzische  Akten-Faszikel  Ma.,  574/14  gehörte  zur  böhmischen
Kriegsbeute  Herzog  Maximilians,  dessen  Bearbeitung  für  politische  Zwecke  der
bairische  Geheimsekretär  D."  Esaias  Leuker  übernommen  hatte;  vorläufig  versah
  er  ihn  mit  Randnoten.  Zur  bezeichneten  Stelle  bemerkte  er:  Dem  Anhalter
wäre  es  vielleicht  nicht  lieb  gewesen,  wenn  die  Verhandinngen  im  neuen
Schloss  ihren  Fortgang  genommon  hätten;  denn  [Erzherzog]  Maximilian  begann
  schliesslich  den  Possen  zu  merken,  worauf  eg  mit  ihm  abgesehen  war,
„do  man  dessen  patrimonii  halber  ihn  contra  Rudolf  et  Matthiam  anfrischen
wollen®;  er  zog  sich  daher  zurück,  worauf  Anhalt  mit  Matthias  in  Verhandlung
  trat,  „der  es  mehr  casu  als  iudicio  durchgetrungen,  biss  ee  den
Calvinisten  lestlich  mit  dem  Ferdinand,  den  si  gar  nie  haben  wolten,  an  die
gurgel  gangen*“.  Um  dies  zu  verhindern,  hat  man  alles  „zusambenklaubt“
und  weil  sonst  nichts  helfen  wollte  und  Ferdinand  bei  Lebzeiteu  des  Matthias
die  böhnmische  Krone  erlangte,  hat  man  sie  durch  den  Fenstersturz  ihm  vom
Haupte  nehmen  wollen;  hätte  man  mit  der  Abdikation  so  bald  fertig  werden
können,  so  hätte  man  ihn  auch  an  der  römischen  Krone  zu  verhindern  sich
beflissen.

®  Leuker  am  Rand:  Brandenburg  hätte  es  an  Sachsen  bringen  sollen,
es  hat  sich  aber  lange  verweilt  und  Anhalt  hat  immer  Mittel  gefunden,  die
Kommunikation  zu  suspendieren,  bis  Pfalz  und  Brandenburg  [soll  heissen
Sachsen]  starben;  inzwischen  ereignete  sich  der  Bruderstreit,  weshalb  Plessens
Sendung,  die  im  Oktober  1608  beschlossen  worden  war  und  diesen  Punkt
in  eich  begriff,  eingestellt  wurde.
        <pb n="183" />
        70-71.  1611  161

sie  mir  mitteilen,  so  will  ich  solche  auch  bei  den  geistlichen  Kurfürsten
einholen  und  mich  dann  weiter  erklären.  Datum  Aschaffenburg  den

24.  februarii  a.  1611.  Praes.  Heidelberg  19.  febr.  a.  1611.
Ma.,  547114,  f.  18;  Or.

U.  Aerssen  an  Bongars.

„Monsieur.  J’ay  receu  deux  de  Vos  lettres,  du  16°  de  janvier
et  8°  de  ce  mois.  Elles  m’empeschent  beaucour  en  la  response,
car  Vous  voy&amp;amp;s  clair  dans  les  affaires  de  dela  et  icy  il  n’y  a  que
confusion.  Vos  princes  remuent  beaucoup  de  matieres  &amp;amp;  la  fois;
en  un  autre  temps  et  soubs  des  voisins  plus  esveill&amp;amp;s  la  moicti6
eust  peu  suffire  pour  embraser,  voire  pour  changer  tout  l’empire;
maintenant  i’ose  croire,  que  tous  les  differens  et  toutes  les  ligues  et
assembl&amp;amp;es  se  determineront  sans  guerre.  La  constellation  de  ce  siecle
promet  cela.  L’administrateur  ne  demembrera  rien  de  ce  que
luy  a  est6  delaissö  par  testament  et  dont  il  a  la  premiere  possession,
recognue  quasi  de  tous;  du  moins  le  mande  il  ainsi  et  mons.  de
Bouillon  ne  luy  conseillera  pas  de  changer.  Sy  Nieuburch  entreprend
contre  cela,  peut  estre  aura  il  peut  de  suite  que  pour  faire  connoistre
sa  foiblesse  et  Vous  dites  tres  bien,  qu'il  s’est  faict  le  mal  duquel
il  se  plaint.  Mais  i’ay  peur,  que  ce  particulier  divise  l’union  de
Hal  en  laquelle  il  est  malays6,  quil  demeure  avec  l’administrateur.
L’expedient  que  mons.  le  prince  d’Anhalt  porte  pour  contenter  Saxe
m’est  plus  suspect.”  Qui  peut  recevoir  un  prince  en  la  possession
d’une  succession  a  laquelle  il  n’a  nul  droict?  Mais  Vous  dir6s,
pour  avoir  la  paix  il  faut  passer  ceste  formalit6  iusques  au  iugement
definitif.  Qui  croira  qu'il  soit  pour  en  sortir  iamais,  favoris6  comme

!  Das  vorstehende  Schreiben  teilt  der  (Grosshofmeister  der  Kurpfalz,

Jobann  Albrecht  Graf  von  Solms,  am  =  un  dem  Fürsten  Christian

von  Anhalt  mit  der  Bemerkung  mit,  es  lasse  sich  daraus  erkennen,  dass  sich  eine
Aenderung  ergeben  habe.  In  dieser  Meinung  werde  man  durch  die  Mitteilung
des  Kurfürsten  an  Lautern  bestärkt:  er,  Kurmainz,  habe  wegen  der  Suocession
  zu  Prag  beim  Kaiser  sehr  angehalten  und  ihn  versichert,  wenn  er,
der  Kaiser,  sich  hierin  den  zu  Prag  anwesenden  Kurfürsten  bequemen  wolle,
dass  hinwieder  diese  auf  des  Kaisers  Intention  nach  Möglichkeit  eingehen
wollten;  aber  trotzdem  hätte  Kurmainz  darauf  nicht  die  geringste  Resolution
erhalten.  Solms  schliesst  daraus,  dass  die  Kurfürsten  zu  Prag  zwar  an  die
Successionssache  gedacht,  aber  ihre  vorige  Meinung  verändert  hätten  (Bbg.,
A  9a,  no.  82,  f.  32;  Or.  eigh.).

?  Ueber  Christians  von  Anhalt  Stellung  in  der  jülicher  Sache  schreibt
am  26.  Februar,  also  vor  Empfang  obigen  Schreibens,  Jakob  Bongars,  der
französische  Gesandte  in  Heidelberg,  an  den  Staatssekretär  Villeroy:  „Ils
disent  et  escrivent,  que  le  prince  d’Anhalt  qui  s’estoit  rendu  quasi  chef  du
party  contraire,  pousse  le  plus  a  cest  accord,  ayant  rapport6  fort  froide
responce  d’Angleterre  et  de  Hollande  et  voyant  la  France  troubloe,  de  laquelle
ils  font  en  ce  pays  la  d’estranges  discours“  (Pa.,  Harlay,  no.  238,  vol.  XIL.,
f.  51;  Or...  Vgl.  auch  oben  no.  52  mit  Anm.  8  auf  8.  112.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  11

Februar
24.

Februar
25.
        <pb n="184" />
        Februar

Februar
26.

162  1611  71—72.

il  sera  de  l’empereur  et  peut  estre  des  autres  princes,  qui  ne  voyent
pas  de  bon  oeil,  que  Brandeburch  s’esleve  par  dessus  eux?  Sl
rofuse  d’obeyr  &amp;amp;  l’arrest,  qui  le  forcera®?  Sera  ce  pas  une  plus
rude  guerre  de  la  vouloir  dechasser  de  la  possession  que  pour  Il’en
excluree  Nous  croyons  icy  et  sur  tout  mons.  de  Boissise,  que  Saxe
est  en  tout  &amp;amp;  la  devotion  de  l’empereur  et  de  l’Espagnol.  On  cerche
les  causes  pour  lesquelles  mons.  le  princo  d’Anhalt  a  donne  de  sy
dangereux  conseils  &amp;amp;  ses  amis;  on  les  croit  toutes  particulieres,  mais
ie  ne  Vous  dis  rien  du  mien  que  le  jugement  seul  de  ceux  qui
gouvernent  icy.  Pour  Vous  dire  vray,  ils  ne  sont  pas  marrys  que
les  affaires  de  delä  se  portent  &amp;amp;  des  accommodemens,  car  ils  ne  sont
pas  en  estat  pour  contribuer  beaucoup  ä  l’appuy  des  amis;  ils  sont
trop  occup6s  au  dedans,  oü  nous  avons  divers  partis,  toutes  fois  qui
n'esclattent  point  encor  ouvertement.  La  royne  veut  la  paix  au
dedans  et  dehors  et  est  plus  ialouse  de  son  authorit6  qu’au  commencement,
  lorsque  chacun  s’en  voulut  prevaloir.“

Darstellung  der  Verhältnisse  des  pariser  Hofes.  „En  un  mot,  sy  demand&amp;amp;s
  ce  que  nous  faisons  en  ceste  cour,  tout  y  est  particulier,  tout  y  est
venal:  les  dignitös,  les  offices,  les  benefices  se  vendent  au  plus  offrant
et  en  tient  on  banque,  jusques  lä  que  la  royne  dit  ces  iours  pass6s,
qu’elle  croit,  que  l’Espagnol  envoye  de  l’argent  en  France  pour  faire
ces  achepts  lesquels  elle  va  defendre  par  edit  de  peur,  qu’on  n’entreprenne
  de  luy  vendre  le  royaume.  Üertes  sy  retournies,  &amp;amp;  pene
connoistries  aucun  de  nos  vieux  officiers.  C’est  le  desordre,  c'est
la  misere  du  regne.  Concini  achepte  tout,  Concini  vend  tout.  Mes
maistres  ont  peu  de  part,  toutesfois  la  royne  se  resoult  de  leur  continner
  leurs  regimens,  4  quoy  les  princes  du  sang  s’opposent  tant
qu’ils  peuvent.  .....  Au  reste,  monsieur,  ic  ne  scay  pas  de  quor
par  delä  on  se  peut  formaliser,  sy  mess.  les  Estats  aient  mis  les
republiques  devant  les  electeurs.  Celle  de  Venise  les  a  tousiours
precedös  en  tous  lieux  sans  contestation.....  J’avoue  bien,  que  ce
sont  de  folies  de  rompre  et  perdre  des  aflaires  pour  ces  formalitds,
mais  les  Romains  de  leur  naissance  jusques  &amp;amp;  la  fin  ont  est&amp;amp;  jaloux
de  leur  rang  et  mess.  les  Estats  en  ce  commencement  ne  doivent
rien  perdre  de  ce  que  leurs  voisins  leur  ont  adiuges.  Excusds  etc.“
De  Paris  ce  25°  de  fevrier  1611.

Haag,  Acrssens  Korrespondenz;  VII.  Bd.;  Kopie,

72.  König  Matthias  an  Erzherzog  Maximilian.

Auf  das  Schreiben  vom  15.'  Was  Salzburg  betrifft,  ist  es
gewiss  eine  grosse  Unbeständigkeit,  dass  der  Erzbischof  erst  die

ı  Der  Erzherzog  hattedem  König  eine  ihm  aus  Prag  zugekommene  Abschrift
des  Bescheids  des  Erzbischofs  von  Salzburg  auf  Grünthals  Werbung  (oben  no.  25)
und  die  Antworten  von  Kurmainz  und  Kurpfalz  auf  sein  Erinnerungsschreiben
wegen  des  passauer  Einfalls  mitgeteilt;  ausserden  versprach  der  Erzherzog,
zusammen  mit  Erzherzog  Ferdinand  nochmals  an  die  Teilnehmer  des  prager
Konvents  zu  schreiben  (lb.,  Hofkonzepte  vom  Febr.  1611,  no.  13.;  Kpt.).
        <pb n="185" />
        72.  1611  163

Erneuerung  der  Kompaktaten  mit  unserm  Hause,  gerade  da  ich  am
wenigsten  daran  dachte,  von  sich  aus  beim  Lande  ob  der  Enns  betrieb,
deshalb  Punkte  verfasste  und  nicht  aussetzte,  bis  man  eine  Generalberatschlagung
  vornahm  u.s.w.  —  uud  dass  er  gleich  darauf  auf  die
Verhandlungen  Althans  hin  sich  änderte,  dem  Kaiser  zufiel  und  mir
durch  einem  Gesandten  einen  solchen  Bescheid  gab!  Nun  wüsste  ich  zwar
wol,  was  darauf  gehört;  es  würden  mir  auch  die  Mittel  dazu  nicht
mangeln;  da  aber  die  Umstände  keine  Weiterungen  zulassen,  halte  ich
für  besser,  den  Erzbischof  wieder  zu  gewinnen,  ihn  besser  zu  informieren,
  zumal  der  prager  Verlauf  so  offen  daliegt,  dass  kein  Verständiger
  ihn  billigen  kann.  Das  beste  wäre,  wenn  E.  L.  die  Annäherung
  einleiteten,  dazu  als  Mittel  das  Werk  der  Konföderation
wegen  Versicherung  gegen  künftige  Einfälle  in  die  Erblande  brauchten
und  sich  den  Anschein  gäben,  als  wüssten  Sie  von  jenem  Bescheide
nichts  und  giengen  allein  darauf,  wie  man  sich  gemeinsam  bei
einer  neuerlichen  Bedrohung  dieser  Länder  durch  das  passauer
Kriegsvolks  versichern  könnte.  Da  es  aber  bedenklich  ist,  mit  S.  L.
schriftlich  zu  verhandeln,  so  halte  ich  fürs  beste,  dazu  eine  dem
Erzbischof  genehme  Person  zu  verwenden.  Unterdess  wird  meine
Antwortschrift  auf  das  Anbringen  der  kaiserlichen  Kommissarien
gedruckt!  und  also  seinem,  des  Erzbischofs,  Pasquill  mit  Wahrheit
  geautwortet.  —  Die  Antwortschreiben  der  beiden  Kurfürsten  sind
ansehnlich  und  gut,  deren  Intention  ist  Jöblich  und  muss  hoch  gehalten
werden,  wo  Vernunft  und  Billigkeit  statt  hat  und  man  den  rechten
Weg  wandeln  will.  Beim  Kaiser  und  dessen  Hof,  wo  man  nur  mit
Leidenschaft  regiert  und  handelt,  niemanden  hören  noch  weniger  folgen
will,  werden  aber,  —  besorge  ich,  —  gute  Intentionen  wenig  verfangen  und
der  passauer  Sache  wird  mit  Aufzügen,  Beratungen  und  Schreiben  wenig
geholfen.  Dabei  darf  man  freilich  wenigstens  äusserlich  nichts  unterlassen,
  was  die  Vernunft  mit  sich  bringt,  im  übrigen  aber  muss
man  die  wirkliche  Assistenz,  durch  die  man  den  Kaiser  am  besten  zur
Billigkeit  bewegt,  fortsetzen.

Ich  danke  E.  L.  für  Dero  Erklärung  wegen  dieser  Hilfe  und
nehme  sie  an,  hoffe  auch  Dero  brüderliche  Neigung  erwidern  zu
können  und  will  den  Ausschlag  des  von  E.  L.  angestellten  Landtags
erwarten.

Was  E.  L.  wegen  der  Succession  im  Reich  und  der  Unterredung
  mit  Kurköln  Schröttl?  mitteilten,  hat  er  berichtet.  ‚Was  aber
an  der  coniunction  und  union,  allermassen  ich  E.  L.  zuvor  ausfürlich
angedeut  und  das  wier  in  der  ordnung  unserer  voreltern  bleiben  und

ı  Die  Kopeyen  und  Abschriften‘,  vgl.  oben  no.  1,  Anm.1,  8.2.

?  Schröttls  Sendung  fällt  zwischen  23.  Januar  (Beglaubigung  in  Ib.,  Ambraser
  Akten,  Missiven  vom  Februar  1611,  no.  12;  Or.)  und  11.  Februar
(Rückbeglaubigung  in  Ib.,  Hofkonzepte  vom  Febr.  1611,  no.  10;  Kpt.);  seine
Werbung  beim  Erzherzog  war,  Hilfe  zu  verlangen!  (lb.,  a.  a.  O.,  no.  16);
vgl.  oben  no.  34,  8.  83,  Anm.  4.

11*

Februar
26.
        <pb n="186" />
        Februar

164  1611  12.

diese  generalitet  in  unserm  hauss  nit  einkummen  lassen  sollen,  gelegen
  und  wie  gefährlich  dieselb  sei,  sehen  E.  L,  an  erzherzogen
Leopolden  process,  welcher  sich  alspald  dises  mitls  gebraucht,  dessen
sich  auch  andere  auf  ander  weeg  (davor  Gott  gnedig  sein  wölle)
gebrauchen  möchten.  Do  aber  das  werk  von  denen  churfursten  dahin
gestelt  wäre,  wie  der  Schrötl  mir  angedeut,  dass  sie  keinen  römischen
könig  nemben  und  elegiern  wolten,  derselb  wäre  dann  I.  ksl.  M.!  angenemb
  und  gföllig,  wurden  wir  gowisslich  (ausser  erzherzogen  Leopolden
L.)  alle  verworfen  werden  und  also  viel  rathsamber  des  churfursten
von  Cöln  L,  mainung  nach,  dass  solche  tractation  der  election  derzeit
gar  eingestelt  als  prosequiert  wurde.‘

Erzherzog  Ferdinand  hat  mich  durch  Casal  erinnern  lassen,  dass
man  Erzherzog  Leopold  von  seinen  bösen  Intentionen  am  besten  durch
eine  Zusammenkunft  aller  Erzherzoge  abhalten  könnte.  Da  ich  für  meine
Person  zur  Zeit  nicht  kommen  kann,  E.  L.  vielleicht  auch  zu  Hause
werden  bleiben  müssen,  wird  sie  besser  zu  einer  andern  Zeit  geschehen.
Durch  Casal  hat  mir  auch  Herzog  Maximilian  von  Baiern  in  hohem
Vertrauen  mitteilen  lassen,  was  Erzherzog  Leopold  im  Reich  wegen  der
römischen  Krone  traktiert  und  der  Kaiser  deswegen  praktiziert,  wobei
der  Herzog  andeutet,  dass  ihm  dies  sehr  zuwider  sei.!  Ich  schicke
daher  unter  einem  andern  Vorwand  Schröttl  zum  Herzog  und  lasse  ihn
ermahnen,?  mit  uns  Brüdern  und  Vettern  in  Korrespondenz  zu  bleiben
und  nicht  zu  gestatten,  dass  uns  andern  Unrecht  geschehe,  und
sich  nicht  überreden  zu  lassen,  „dass  durch  S.  L.  mitl  dise  lande
sollen  turbiert  werden,  allermassen  der  von  Sultz  offentlich  zu  Praag
aussgeben  solle‘‘“  E.  L.  mögen  Ihrerseits  das  gleiche  tun.  Was
ich  E.  L.  durch  Dero  Kammerdiener  Grienberger®  habe  andeuten
lassen,  dabei  bleibe  ich  und  will  es  dieser  Tage  ins  Werk  setzen,
„ainmal  für  alles  aus  diser  servitut  kummen  und  also  mich  und  meine
successores  versichern  oder  den  ubrigen  rest  auch  daran  setzen.“

Von  verschiedenen  ansehenlichen  Orten  wird  mir  angedeutet,*
„mich  mit  gewissen  conditionen  und  vorbehalt  in  der  protestierunden
  conföderation  einzulassen,  so  wöÖllen  si  mir  mit  aller
ierer  macht  zu  hülf  kumen.  Nun  habe  ich  bisher  erhebliche  und
wichtige  bedenken  gehabt,  solches  einzuwilligen  und  derowegen  I.  H."
den  König  von  Hyspanien,  auch  andere  catholische  churfursten
und  fursten,  sonderlich  die  mir  de  novo  dem  vertrag  nach  verbürgte
umb  hilf  und  beistand  ersuecht,  dieselb  aber  auf  keinerlei  weeg  beı

  Vgl.  wegen  Peter  Casals  Schickung  nach  München  oben  no.  61,
S.  132,  Anm.  B.

?  Neue  Rückbeglaubigung  Schröttls  durch  den  Herzog  Maximilian  am
8.  März  (Wi.,  I  Ai,  Ka.  2991;  Or.)..  —  Andere  Akten  über  diese  Schickung
fehlen  leider.

®  Vgl.  oben  no,  14.

*  Vgl.  oben  no.  26  und  das  Schreiben  des  Grafen  Friedrich  von
Fürstenberg  an  den  König  vom  26.  Februar  bei  E.  Münch,  Geschichte
des  Hauses  Fürstenberg,  LI.,  8.  286.
        <pb n="187" />
        12—173.  1611  165

kumen  mugen;  entgegen  wöllen  I.  ksl.  M.*  von  mier  nicht  aussetzen
sondern  erdenken  von  tag  zu  tag  neue  practiken,  mich  von  meinen
landen  zu  turbiern,  deme  sich  die  Catholischen  maistenthailss  accomodiern
  und  solchen  umb  respeets  willen  nicht  ‘offendiren  und  recht
unter  die  augen  treten  wöllen.  So  wier  ich  getrungen,  auf  die  lezte
alle  dise  zu  hülf  zu  nemben,  welche  sich  derselben  anerbieten  ;  thue
ichs  dann  nicht,  so  möchten  meine  land  selbst  aussreissen  und  vermueten,
  ich  wolte  si  mit  vleis  ruiniern  lassen,  allermassen  sie  albereit
untereinander  dergleichen  reden  spargiern  und  wär  ich  auf  solchen
fal  des  kaisers  und  der  land  halben  sehr  unsicher.“  Ich  bitte  daher
E.  L.  unverzüglich  um  Dero  Rat,  damit  ich  mich  entschliessen  und
einmal  aus  dieser  Sache  kommen  kann.

Was  ich  den  Abgesandten  der  böhmischen  Stände,  die  vor  dem
Einfall  zu  mir  geschickt  wurden  und  alle  von  Erzherzogs  Leopolds
Partei  sind,  auf  ihr  Anbringen  als  Bescheid  erteilt  habe,  bleibt  E.  L.
unverborgen;!  vorläufig  werden  sie  aufgehalten  und  hoffe  ich,  dass
inzwischen  mein  Volk  in  Böhmen  sein  wird;  mit  dem  übrigen  will
ich  selbst  nachrücken  und  bin  ich  bisher  einiger  vornehmer  Orte  zu
Prag  und  in  Böhmen  versichert.  Datum  Wien  den  26.  febr.  a.  1611.  —

Praes.  den  14.  martii  1611.
Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  März  1611,  no.  35;  Or,

13.  Prior  Benno  von  St.  Margarethen  an  den  Abt  von
Braunau.

„Intentio  Leopoldi  et  suorum  militum  est  defendere  authoritatem
imperatoris  contra  defensores  et  status  illos,  qui  se  obedientiae  subtraxerunt
  et  armis  ad  suam  voluntatem  faciendam  imperatorem  co&amp;amp;-gerunt.
  Nova  et  antiqua  civitas  adhuc  durae  sunt  cervici’,  nolunt
se  subicere.  Posita  erant  iam  tormenta  magna,  quibus  Leopoldus  ad
deditionem  illos  cogere  voluit,  sed  imperator  compassus  sexui  fominino
et  innocenti  iuventuti  consentire  noluit,.  Milites  sibi  faciuut  pontem
ligneum  sub  arce,  per  quem  liberum  volunt  aditum  ad  alteram  partem;
credo  quod  inde  antiquam  civitatem  aggredientur.  Victoria  adhuc
est  dubia.  Si  Leopoldus  ceciderit,  vae  Catholicis;  5}  vicerit  non
dubito  quin  rebelles  facile  non  solum  compesci  sed  e'iam  privilegia
amittere  possint.  Baptim  26.  februarii  1611.“

Stg.,  Unionsacta,  IX.,  f.  463;  Kop.

ı  Dieser  Bescheid  auf  die  Werbung  der  böhmischen  Gesandten  (Oberststallmeister
  Adam  d.  J.  von  Wallenstein,  kaiserlicher  Kriegerat  Georg  Friedrich
  Graf  von  Hohenlohe,  Georg  Gersdorf  von  Gersdorf,  Prokop  Dwofezky
von  Alwranowicz,  Wenzel  Mayrle  von  Soböslau  und  (Georg  Schrick  von
Lukanes),  die  vor  dem  12.  Februar  von  Prag  abgereist  waren  (Silbermann  an

Philipp  Ludwig  von  Neuburg  am  2.:12.  Februar;  Ma.  299,18,  f.  129;
Kopie),  erfolgte  erst  am  3.  März  und  bestand  in  der  Ankündigung  des
Erscheinens  des  Königs  in  Böhmen  (Wi.,  I  A  1,  Ka.  2290;  Kpt.).

?  Das  Original  wurde  von  den  böhmischen  Ständen  aufgefangen,  wie

eine  Zeitung  aus  Prag  vom  1.  März  (Btg.,  a.  a.  O.,  f.  470;  Kop.)  versichert.

Februar
26.

Februar
26.
        <pb n="188" />
        166  1611  14.
Februar  74.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Dr.  Marx  Gerstenberg.

Aus  Deinem  Schreiben  vom  31.  Januar!  haben  wir  gern  vernommen,
dass  in  der  beschwerlichen  jülichschen  Sache  Kurbrandenburg  in  den
Hauptpunkt,  die  Einnahme  Kursachsens  in  die  Possession,
bis  „uf  die  modification“,  deren  man  sich  jetzt  zu  Jüterbogk  vergleichen
  will,  gewilligt  hat.  Gott  wolle  dazu  seinen  Segen  geben.  —

Abschriften  davon  wurden  durch  die  Stände  eifrig  verbreitet  und  finden  sich
in  allen  Archiven.  Ebenso  verbreitet  ist  die  Aussage  eines  Mönchs  Aegidius
aus  dem  Kloster  unserer  lieben  Frau  inı  Schneefeuer  in  der  prasor  Neustadt,
der  zu  Böhmisch-Brod  gefangen  wurde  (Zeitung  aus  Prag  von  4.  März,  Drs.,
1.  9166,  I.  Buch  passauer  Volks,  f.  271),  Die  Aussage  mit  dem  Datum
vom  17.  Februar  folgt  hier  im  Auszug:

1.  Der  Kaiser  hat  sich  mit  dem  Papst,  dem  König  von  Spanien  und
den  Bischöfen  von  Salzburg,  Bamberg  und  Würzburg  dahin  vorglichen,
dass  Ramöe  mit  seinem  Kriegsvolk  (das  angeblich  auf  Jülich
geworben  war)  nach  Böhmen  rücken,  die  Schlösser  an  der  Grenze  und  einige
Städte  einnehmen,  sich  der  prager  Städte  und  des  Schlosses  bemächtigen
und  die  dort  verwahrte  Krone  in  seiner  Gewalt  bringen  solle.  Darauf  will
der  Kaiser  den  Erzherzog  Leopold  zum  böhmischen  König  krönen  lassen  und
den  Vertrag  mit  Matthias  wegen  der  Designation  umstürzen;  dazu  hat  sich
der  Kaiser  mit  den  Genannten,  einigen  geheimen  Räten  und  böhmischen
Ständen  entschlossen.  Daneben  will  der  Kaiser  den  Böhmen  den  Majestätsbrief
  und  alle  andern  Freiheiten  nehmen;  die  Güter  der  Nichtkatholischen
sollen  eingezogen  und  die  Besitzer  armordet  werden.  Die  Hauptsache,  die  der
Kaiser  gegen  Matthias  einwendet,  ist,  dass  dieser  als  leiblicher,  aber  um
fünf  Jahre  jüngerer  Bruder  sich  untersteht,  ihm  seine  Länder  mit  Gewalt
zu  nehmen;  solchen  Schimpf  kann  er  nicht  leiden.  Die  Böhmen  müssen
dazu  gebracht  werden,  den  Erzherzog  als  König  anzunehmen,  die  katholische
Religion  zu  halten  und,  soweit  sie  traquisten,  zu  ihr  überzutreten.  Wenn
sie  dies  alles  getan  haben,  sollen  ihnen  erst  ihre  Privilegien  zurückgestellt
werden.  Wenn  aber  der  Kaiser  mit  Ramees  Volk  nichts  ausrichtet  und  die
Böhmen  zu  nichts  zwingen  kann,  so  sollen  der  Papst  und  Spanien  mit
3000  [!]  Mann,  die  bereits  im  Anzug  sind,  der  Salzburger  mit  1  [!)  und
der  Baiernherzog  mit  12000  Mann  dem  Kaiser  zu  Hilfe  kommen.  —  2.  Der
Kaiser  will  endlich,  wenn  diese  Hilfe  nicht  reicht,  seinen  Schatz,  der  auf
20  Millionen  geschätzt  wird,  angreifen  und  noch  nıchr  Volk  werben  lassen,
um  seine  Absicht  ins  Werk  zu  setzen,  alle  Ketzer  sub  utraque  aus  Böhmen
zu  vertreiben  und  Matthias  um  dies  Königreich  zu  bringen;  er  wendet  vor,
Matthias  sei  nur  um  fünf  Jahre  jünger,  habe  nicht  mehr  lange  zu  leben
und  keinen  Erben  zu  erwarten,  Leopold  dagegen  sei  jung  und  er,  Kaiser,
wolle  für  ihn  beim  Papst  die  Heiratsdispens  erwirken;  von  Matthias  wisse  der
Kaiser,  dass,  wenn  jener  den  böhmischen  Thron  besässe,  die  Böhmen,  für  die
Matthias  grosse  Zuneigung  habe  und  die  wieder  ihın  sehr  geneigt  seien,  alles
erlangen  würden,  was  sie  begehrten;  dann  aber,  wenn  Matthias  erbenlos
stürbe,  würden  vielleicht  die  Böhmen  einen  Ketzer  zum  König  wählen,  damit
aber  sich  die  Ketzerei  ausbreiten  und  die  katholische  Religion  ganz  unterdrückt
  werden.  —  3.  Die  letzte  Absicht  des  Kaisers  ist,  wenn  es  mit  den  obigen
Mitteln  nicht  gienge,  in  Böhmen,  Mähren,  Schlesien,  Oesterreich  und  Ungarn
alle  Bauern  aufzurufen,  sie  für  ewig  frei  zu  machen  und  ihnen  Macht  über  ihre
Herrn  zu  geben,  damit  sie  dieselben  erschlagen,  den  katholischen  Glauben
aufrichten  und  für  immer  frei  sein  sollen  (Dra.,  a.  a.  O.,  f.  352;  Kop.\,

ı  Vgl.  oben  no.  47,  107,  Anm  3.
        <pb n="189" />
        74.  1611  167

Durch  unsern  Kanzler  haben  wir  Dich  und  Brandenstein  ersuchen
lasson,  uns  Abschrift  eines  Gutachtens,  das  der  Herzog  von  Braunschweig
  dem  Kurfürsten  von  Sachsen  wegen  der  katholischen  Union
und  wegen  des  jülichschen  Wesens  geschickt  haben  soll,!  zu  senden.
Nun  hören  wir  aber,  dass  dieser  Diskurs  „fast  in  alle  vier  ort  der
welt‘‘  gelangt  ist,?2  wie  uns  Abschriften  aus  Jülich  und  andern
Orten  als  gemeine  Zeitungen  zukamen.  Das  jülichsche  Wesen
lassen  wir  auf  sich  beruhen;  ‚dass  aber  der  catholischen  stend  union
halber  sonderlich  e  bedenken  von  Braunschweigs  L.  causirt  werden,
das  kombt  uns  darumb  vermöge  der  beigeschlossenen  copien  frembd
vor,  dieweil  wir  nicht  allein  S.  L.  intention  und  meinung  zu  Prag
weit  anderst  vermerkt  sonder  uns  auch  nicht  wenig  schmerzt  und
bekümmert,  dass  uber  alle  unsere  so  getreue  gutherzige  rund  und
teutsche  expectoration  nichts  desto  weniger  zu  beharrung  des  nun  lange
zeit  gegen  die  catholische  stend  getragenen  unverschuldeten
misstrauens  noch  fernere  ursach  und  anlass  will  geben  und  die
catholische  stend  des  ohnguetlichen  verdachts  nicht  erlassen  werden.
Mussen  gedenken,  es  seien  noch  unruhige  personen  der  neuern
reformirten  oder  deformirten  [lehr]  under  wegen,  wie  es  dan  bisshero
bei  allen  gueten  vorschlägen  daran  niemals  gemanglet,  welche  das
ihrig  dabei  thun,  wie  die  chur-  und  fursten  und  alle  stende  des
reichs  under  einander  in  misverstand  [zu]  erhalten.  Aber  der  getreue
Gott  wurdet  einmal  gnad  verleihen,  damit  der  geist  des  friedens  die
oberhand  behalte  und  solche  untreue  unruhige  gemüeter  confundirt
werden.“  Wir  hoffen,  der  Kurfürst  und  Du  werden  uns  stets
„offen,  unverschlagen  und  rund  teutsch“  erfunden  haben.  Dabei
wollen  wir  stets  bleiben  und  versehen  uns  von  Dir,  Du  werdest
alles  anwenden,  „dass  es  an  andern  urten  gleichergestalt  bei  vorigen
beschehenen  erklerungen  und  runden  resolutionen  bestendig  verbleiben
und  bewenden  möge.‘  Datum  Aschaffenburg  den  28.  februarii  a.  1611.3
Wıoz,  Rellgionsakten,  Bd.  11,  no.  160%;  Kptkopie.t

'  Gemeint  ist  wieder  das  (Gutachten  vom  15./25.  Dezember  1610.

?  Vgl.  oben  no.  22,  S.  54,  Anm.  2.  Wegen  der  Verbreitung  des  Diskurses
  und  deren  Wirkung  vgl.  auch  unten  no.  75.

®  Auch  beim  Landgrafen  Ludwig  von  Hessen  beschwerte  sich  der  Kurfürst
am  27.  Februar  über  dies  Gutachten.  „Were  solche  I.  L.  [Braunschweig]  eingebildt,
  ist  leucbtlich  abzunenen  ;  verhoffe  jedoch,  E.  L.  sollen  bei  voriger  runden
gegebenen  erklerung  verpleiben  und  sich  solcher  ungütiger  uflagen  nit  irren
lassen.  Was  nnser  intent  und  zu  was  ende  [unser  union]  ufgericht,  sein
E.  L.  bericht;  sollens  auch  nit  anderst  spliren,  Gott  sei  mein  zeug,  das  ich
nichts  such  als  friede,  ruhe  und  vertreuligkeit  auss  guttem  treuem  teutechen
and  unverschlagenen  berzen“  (Da.,  VIII.  Abt.,  I;  com.  10;  Or.  eigh)  —
Der  Landgraf  erwidert  darauf  am  19.29.  März  aus  Jüterbogk:  auch  ihm
komme  wunderlich  vor,  dass  Braunschweig  von  seiner  zu  Prag  gefassten
guten  Intention  zurücktreten  wolle;  er,  J,andgraf,  habe  stets  als  nützlich
and  notwendig  erkannt,  den  seit  lange  gestörten  Frieden  wieder!  herzustellen,
  wie  er  dazu  auch  den  Kurfürsten  stets  geneigt  gefunden  habe  (Wimz.,
Religionsakten,  Bd.  12,  no.  62;  Or.).

*  Statt  eines  Konzepts  hat  eine  eigenhändige  briefliche  Anweisung  des
Kurfürsten  an  den  Kanzler  Faust  gedient,  die  mit  obigem  Schreiben  fast
wörtlich  übereinstimmt  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  160°).

Februar
        <pb n="190" />
        Februar
28.

März  1.

168  1611  175—76.

15.  Domprobst  Johann  Arnold  von  Bucholz  an  Herzog
Maximilian  von  Baiern.

„Questo  capitolo!  un  tempo  fa  ha  havuto  quella  speranza
chö  il  duca  di  Brunsweych  verria  ricevuto  nell’  unione  catholica  et
che  all’'hora  S.  A.?  potria  indurre  gli  altri  stati  del  paese,  ancora  che
heretici,  di  entrarvi  parimente  loro,  non  potendo  venire  a  nissuna
contributione  o  colletta  ne  anco  de  li  subditi  loro  proprii  senza
congregatione  delli  detti  stati.  Ma  havendo  io  veduto  la  lettera  et
discorsoo  che  il  duca  ba  mandato  all’  elettore  et  alla  casa  di
Sassonia?....  non  vedo  piu  apparenza  di  poterlo  sperare  n&amp;amp;  mezzo
alcuno  di  poterci  prometter  o  assicuraro  la  difesa  de  la  detta  unione,
non  fusse,  ch&amp;amp;  la  si  contentasse  de  la  proportione  et  portione,  che
fariano  le  persone  miedesime  dal  detto  capitolo  o  le  intrade  particolari
loro  alle  quale  forse  si  lasciariano  indurre,  se  ben  importaria  molto
poco.  Pero  quando  la  detta  unione  venesse  pure  una  volta  conchiusa
et  ben  stabilita  o  chö  S.  S'*  comandasse  o  almanco  permettesse  agli
ordinarii  et  vescovi  di  collettare  li  cleri  loro  con  quelle  maniere  et
forme,  che  giä  &amp;amp;  V.  A.  &amp;amp;  stato  esposto,  allora  io  non  dubitarei  che
tutte  queste  chiese  et  provincie  possedute  da  vescovi  catholici  potriano
con  gran  faculta  proveder  alle  quote  et  contingenti  delle  contributioni
loro,  risolvendosi  il  clero  medesimo  o  venendo  con  l’autoritä  superiore
costretto  &amp;amp;  fare  il  suo  dovere.  Di  Hildesio  alli  28.  di  fevarario  1611.“

Ma.,  956|9,  f.51;  eigh.  Or.

16.  Begierung  und  Kammer  der  oberösterreichischen
Lande  an  Erzherzog  Maximilian.

Auf  E.  hfl.  D"  Dekret  vom  14.*  haben  wir  in  Beratung  ge
zogen,  ob  und  wie  Sie  sich  mit  Dero  oberösterreichischen  und
vorderösterreichischen  Landen  in  die  katholische  Liga  begeben
könnten  und  wie  solches  bei  den  Ligaständen  anzubringen  wäre.

Zunächst  ist  zuzugeben,  dass  angesichts  der  vielen  Konventikel
der  protestantischen  Kurfürsten  und  Fürsten,  die,  wenn  nicht  auf  den
Ruin  der  katholischen  Religion  und  deren  vornehmster  Säule,  des
Hauses  Oesterreich,  so  doch  auf  die  Freistellung  und  Einführung  ihrer

ı  Von  Hildesheim.  Ueber  den  Schreiber  vgl.  Briefe  und  Akten,  IV,
V.  VI.  in  den  Registern  und  A.  Chroust,  Abraham  von  Dohna.  München  1896.
S.  317,  Anm.  1.

?  Kurfürst  Ernst  von  Köln.

®  Vgl.  oben  no.  74.

!  Befehl  des  Erzherzogs  an  die  ober-  und  vorderösterreichische  Begierung
  und  Kammer  ein  Gutachten  wegen  des  Eintritts  in  die  katholische  Liga
zu  erstatten,  der  beizustreten  er  eingeladen  worden  ist.  Zugleich  ü  berschickt
der  Erzherzog  einige  ‚Mittel  und  Ursachen‘  zum  Eintritt,  die  ihm  eine  vertraute
  Person  [Marx  Fugger]  mitgeteilt  hatte  (Wh.,  Reichsakten  in  genere,
Bd.  59%  ;  Kpt.  von  Saurgrein.
        <pb n="191" />
        14.  1611  169

Sekte  gehen,  alle  katholischen  Häupter  genugsam  Ursache  zur  Zusammensetzung
  haben,  um  die  Religion  samt  Landen  und  Leuten  zu
schützen,  wozu  ja  auch  die  Liga  angesehen  sein  soll.  Nun  wissen  wir
aber  nicht,  was  diese  Liga  für  Mitglieder  hat,  ob  sie  offensiv  oder
defensiv,  wie  ihre  Bundesnotel  beschaffen  ist,  ob  der  Kaiser  sie  genehmigt
  hat,  was  jeder  Stand  beitragen  muss.  Aber  auch  davon
abgesehen  haben  wir  allerlei  Bedenken,  weshalb  E.  D.*  sich  derzeit
ohne  besonderes  Praejudiz  in  diese  Liga  nicht  einlassen  können:

1.  Es  wäre  gegen  Ihres  Hauses  Hoheit  und  Reputation,  da
E.  D.'  nur  kontribuieren,  Baiern  aber  das  Direktorium  haben  sollte.
Der  uns  unbekannte  Verfasser  des  Diskurses  [Fugger]  subtilisiert  zwar,
dass,  weil  E.  D!  die  Session  vor  Erzherzog  Ferdinand  haben  und
über  den  bairischen  Gesandten  sitzen,  Baiern  nur  das  Direktorium
und  die  Umfrage  bleiben  würde,  wobei  er  auf  den  landsberger  Bund
und  den  Vliessorden  weist,  —  aber  die  Sache  lag  damals  doch  anders:
denn  damals  war  König  Ferdinand  alleiniger  Regierer  aller  österreichischon
  Tänder  und  konnte  für  sich  etwas  nachsehen  und  zugestehen;
  jetzt  aber,  wo  die  Erblande  getrennt  regiert  werden,
könnten  dies  E.  D*  nur  mit  Zustimmung  des  Kaisers  und  der
mitinteressierten  Erzherzoge  tun;  es  wäre  auch  E.D.'  verkleinerlich,
wenn  der  Herzog  von  Baiern  das  Direktorium  hätte,  der  nie  Kriegsmann
  war,  während  E.  D.‘  wiederholt  gegen  den  Erbfeind  Feldherr
waren.

2.  Wenn  aber  der  Kaiser  und  E.  D.'  sich  den  Eintritt  in
die  Liga  belieben  liessen,  so  ist  ferner  zu  erwägen,  woher  man  das  Geld
zur  Kontribution  nehmen  solle?  Es  soll  die  Liga  sich  auf  neun  Jahre
erstrecken,  jedes  Mitglied  soll  gleich  anfangs  vierzig  Monate  und  darüber
jährlich  noch  so  viel,  als  man  sich  vergleichen  würde,  erlegen.
Solche  Summen  könnten  von  den  ausgesogenen  ober-  und  vorderösterreichischen
  Kammern  nicht  aufgebracht  werden;  es  haben  sich
auch  die  tirolische  Landschaft  und  die  schwäbischen  und  vorarlbergschen
  Herrschaften  fast  über  ihr  Vermögen  angegriffen,  so  dass
sie  jetzt  nicht  „gefolgen‘‘  können;  auf  die  vorderösterreichischen
Lande  ist  nicht  zu  rechnen,  so  dass  man  mit  der  Kontribution
zurückbleiben  und  schliesslich  mit  Schimpf  austreten  müsste.

3.  Fragt  man,  was  die  Liga  bisher  genützt  hat  und  welche  Hilfe
die  ober-  und  vorderösterreichischen  Lande,  besonders  aber  Tirol  von
ihr  zu  erwarten  hätten,  so  ist  zwar  richtig,  dass  dem  Herzog  von
Baiern  im  vorigen  Jahr  eine  beträchtliche  Summe  von  der  Liga
zugekommen  ist,  damit  er  den  Mitgliedern  beispringe;  was  dies  aber
geholfen  hat,  haben  Erzherzog  I,eopold,  der  als  Bischof  von  Strassburg
der  Liga  angehört,  die  vorderösterreichischen  Lande,  Bamberg,  Würzburg
und  andere  besonders  beim  brandenburgischen  Zug  durch  Schwaben  erfahren.
  Baiern  hat  deswegen  keinen  Sattel  aufgelegt  und  mit  dem  Geld
der  Liga  nur  sein  Land  beschützt.  Tirol  ist  ein  geschlossenes  Land  und
hat  keine  andern  Feinde  als  die  Venezianer  und  Graubündner,  mit  denen

März  1.
        <pb n="192" />
        März  1.

170  1611  74.

man  jetzt  gute  Nachbarschaft  hat;  wenn  aber  diesem  Lande  eine  Gefahr
drohen  würde,  so  sehen  wir  doch  nicht,  wie  man  sich  der  bairischen
Hilfe  ohne  besondere  Bedenken  bedienen  könnte;  denn  man
weiss,  wie  Baiern  gegen  diese  Lande  gesinnt  ist  und  wie  ihm
die  Herrschaften  Kufstein,  Kitzbüchel  und  Rattenberg  in  die  Augen
stechen,  so  dass  wir  mit  der  bairischen  Hilfe  uns  nur  selbst  den
Feind  ins  Land  ziehen  möchten.  —  Berechnet  man  ferner,  was  man
gleich  anfangs  und  dann  alle  Jahre  der  Liga  zu  kontribuieren  hätte,
so  wird  man  finden,  dass  mit  demselben,  ja  mit  geringerem  Geld  sich
Tirol  selbst  schützen  kaun,  wogegen  es,  da  die  Liga  sich  gar
weit  und  den  Rhein  hinab  erstreckt,  diesem  Land  sehr  beschwerlich
wäre,  die  weit  Entlegenen  schützen  zu  müssen,  von  denen  es  selbst
keine  Hilfe  zu  erwarten  hat.  —  Die  schwäbischen  und  arlbergschen
Herrschaften  sind  zwar  offenes  Land  und  den  Ligisten  benachbart;
aber  es  würde  die  Liga  sich  ihrer,  da  sie  nur  wenig  beitragen
können,  wenig  zu  getrösten  haben;  die  vorderösterreichischen  Lande
endlich  werden  Jahre  lang  zu  schaffen  haben,  um  sich  des  [vom
elsässischen  Kriegsvolks  zugefügten]  Schadens,  da  sich  allein  die  aufgenommenen
  Gelder  auf  800  000  Gulden  erstrecken,  zu  erholen,  so  dass  sie
nicht  noch  darüber  zur  Liga  beitragen  können.  U.E.  wäre  am  besten,  die
grossen  und  kleinen  Schirmvereine  in  den  Vorlanden  wieder  zu  beleben.

Man  muss  sich  auch  wundern,  weshalb  sich  der  Erzbischof  von
Salzburg  und  der  Bischof  von  Eichstätt  nicht  in  die  Liga  begeben,
da  sie  doch  Baiern  so  sehr  benachbart  sind;  gewiss  werden  sie  dazu
ihre  erheblichen  Ursachen  haben.

Daher  ist  unser  Gutachten:  E.  D.‘  mögen  mit  Ihrem  Entschluss
wogen  des  Eintritts  in  die  Liga  noch  temporisieren,  aber  diese  Sache
alsbald  an  den  Kaiser  gelangen  lassen  und  Bescheid  einholen,  wie
Sie  sich  verhalten  sollen;  ebenso  wäre,  da  die  Landschaft  das
beste  dabei  tun  müsste,  die  Sache  auf  künftigem  Landtag  zu
proponieren  und  von  der  tirolischen  Landschaft  ein  Gutachten  zu
begehren,  desgleichen  von  der  vorderösterreichischen  Regierung  und
Kammer.!  Inzwischen  wäre  der  Diskurrent  mit  einem  „guten  Brieflein“
hinzuhalten.  Datum  Ynsprugg  1.  martii  a.  1611.

Wh.  Reichsakten  in  genere,  Bd.  59a;  Or.

!  In  demselben  Band  liegt  auch  das  Gutachten  der  vorderösterreichischen
Regierung  und  Kammer  zu  Ensisheim,  vom  14.  April  datiert  —  Die  Regierung
hatte  sich  zunächst  die  Bundesnotel  ausgebeten.  Auch  nach  deren  Kenntnis
findet  sie  für  unratsam,  dass  sich  die  vorderösterreichischen  Lande  in  die  Liga
begeben;  denn  diese  Lande  sind  offen,  haben  Nachbarn  verschiedener  Religion,
haben  sich  stets  neutral  verhalten  und  haben  vordem  auch  gewisse  Vereine
aufgerichtet,  wobei  sie  sich  sicher  befunden  haben.  Die  Stände  der  Lande
meinen,  dass,  wenn  diese  Vereine  im  Vorjahr  noch  bestanden  hätten,  so
wären  ihnen  nicht  solche  Lasten  auferlegt  worden.  Entäusserung  des
nachbarlichen  Verständnisses,  besonders  mit  den  Protestanten,  durch  den  Eintritt
  in  die  Liga  würde  nur  die  Lande  gefährden.  Auch  würden  die  Stände
nicht  einwilligen;  denn  die  Praelaten  haben  ihre  besten  Gefälle  im  württembergischen
  oder  badischen  Gebiet  und  würden  deren  Einziehung  besorgen,  wie
        <pb n="193" />
        77.  1611  171

Ti.  Kaiser  Rudolf  II  an  Erzherzog  Leopold  und  die
übrigen  Befehlshaber  sowie  an  die  Soldaten  des
passauer  Kriegsvolks.

Wir  haben  uns  entgiltig  entschlossen,  E.  L.  und  Euch  Eurer
von  uns  anvertrauten  Kriegsbefehle  gänzlich  zu  entlassen  und  abdanken
  zu  lassen  und  haben  bereits  angeordnet,  schon  morgen  durch
unsere  Kommissarien  wegen  der  Abdankung  und  Bezahlung  mit  Euch
handeln  zu  lassen.  Wir  befehlen  Euch  sonach  durch  dies  offene
Patent,  Euch  dem  zu  bequemen,  vor  unsern  Kommissarien  in
Person  oder  durch  einen  Ausschuss  zu  erscheinen  und  während  der
Abdankung  Euch  aller  und  jeder  Ungebähr  zu  enthalten.  Geben...
Prag  den  2.  martii  a.  1611.

Ma.,  111j11,—  Kop.!

dies  dem  Commenthur  von  Raitenau  durch  Württemberg  schon  geschehen
sein  soll,  weil  der  Johannitermeister  in  die  Liga  eingetreten  ist;  die  Ritterschaft
  endlich  ist  wegen  der  Religion  zweifelhaft  gesinnt.  Fraglich  ist  auch,
ob  bei  der  Entsessenheit  der  Bundesobersten  Hilfe  rechtzeitig  geleistet
werden  könnte.  Als  die  Vorlande  in  den  landsberger  Bund  traten,  war  das
Misstrauen  im  Reich  noch  nicht  so  gross  und  waren  auch  Protestanten
Mitglieder.  —  Für  den  Beitritt  spricht  aber:  Der  gute  Zweck  der  Liga  und
ibr  defensiver  Charakter;  doch  müsste  sie  vom  Kaiser  bestätigt  werden  und  die
Katholischen,  auch  Spanien  und  Burgund,  der  Papst  und  die  Italiener,
Lothringen,  Frankreich,  Venedig  und  wenigstens  die  katholischen  Orte  der
Schweiz  insgesamt  sich  daran  beteiligen.  Würde  dies  erreicht  und  könnte
man  neben  der  allgemeinen  Liga  auch  noch  einen  partikularen  Schirmverein
im  Lande  selbst  aufrichten,  so  wäre  der  Eintritt  dieser  Lande  weniger  hedenklich;'
  ausserdem  müsste  der  Eintritt  in  die  Liga  mit  Reputation  des  Erzherzogs
  und  des  Hauses  Oesterreich  geschehen,  dem  das  Direktorium  zu
lassen  wäre,  sei  es,  dass  dem  Erzherzog  von  den  beiden  Obersten  entweder  das
Mitdirektorium  angeboten  würde  oder  dass  die  Direktion  dem  Erzherzog  wenigstens
dann  zufiele,  wenn  etwas  gegen  diese  Lande  und  die  schwäbischen  Herrschaften
  vorgenommen  werden  und  der  Bund  einschreiten  würde;  denn  es
wäre  bedenklich,  dass  die  österreichischen  und  anderen  Herrschaften  sich
erst  bei  Mainz  oder  Baiern  Bescheid  holen  sollten.  -—  Ist  der  Erzherzog
zum  Eintritt  geneigt,  so  wird  sich  empfehlen,  Jie  Sache  nicht  gleich  vor
die  Stände  zu  bringen  sondern  sich  zuvor  mit.  einzelnen  Mitgliedern  derselben
  zu  beraten,  wozu  einige  hieher  berufen  werden  könnten  ;  Or.

!_  Wegen  der  dem  obigen  Patent  vorausgehenden  Verhandlungen  vgl.  Gindely,
  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,S.  222  -226.  Am  28.  Februar  fiel  den  Kaiserlicben
  ein  an  die  böhmischen  Ständen  gerichtetes  Patent  des  Königs  Matthias
in  dıe  Hände,  das  dessen  baldige  An  ku  nft  ankündigte,  während  des  Königs  Feldmarschall
  Sigismund  von  Herberstein  mit  etwa  10  000  Mann  österreichischen  und
mährischen  Volks  bereite  im  Lande  war  und  die  Aufgebote  der  böhmischen
Kreise  sich  um  Prag  sammelten.  Zu  besserer  Sicherheit  besetzten  darum  die
Passauer  allein  das  königliche  Schloss  und  trieben  dio  wenigen  Truppen  der
Stände  heraus,  die  sich  auf  die  andere  Seite  der  Moldau  begaben,  wohin
man  die  Führer  Thurn,  Fels  und  Lobkowitz  am  24.  Februar  entlassen  hatte.
Diese  traten  unter  die  dreissig  Direktoren  ein,  die  am  28.  Februar  gewählt
wurden  und  die  weitern  Verhandlungen  mit  dem  Kaiser  und  die  nötigen
Schritte  gegen  die  Passauer  leiteten.  —  Unter  diesen  Umständen  wandte  sich
der  Kaiser,  nachdem  sich  die  vorausgehenden  Verhandlungen  wegen  Abführung
  der  Passauer  an  der  Frage  des  Schadenersatzes  zerschlagen  hatten,
am  1.  März  wiederum  an  die  böhmischen  Stände  und  begehrte  von  ihnen

März  2.
        <pb n="194" />
        März  3.

172  1611  18.

78.  Instruktion  des  Kurfürsten  von  Brandenburg
für  Hans  Meinhard  von  Schönburg  zur  Schickung  an
König  Matthias.

Schon  die  päpstische  Liga  und  die  grossen  Kriegsvorbereitungen,
besonders  aber  das  passauer  und  elsässer  Volk  haben  den  evangelischen
Ständen  allerlei  Gedanken  verursacht;  der  prager  Einfall  lässt  aber
tiefer  blicken  und  dahin  schliessen,  „dass  solches  ein  werk,  welches
allein  durch  occasion  der  gulchischen  sachen  »reuge«  gemacht,  vorlengst
  aber  bei  den  Papisten  berathschlaget  und  zu  werk  gerichtet
werden  wollen,  nemlich  eine  absolutam  dominationem  ins  reich  einzufuhren
  und  die  religion  ad  antiquum  statum  wiederumb  zu  bringen.“
Wachsamkeit  tut  daher  Not,  um  diesem  bösen  blutdürstigen  Eifer
mit  gesamtem  Zutun  zuvorzukommen.

Man  muss  darum  zunächst  in  Acht  nehmen,  wie  König  Matthias
bei  diesem  nunmehr  begonnenen  Exekutionsprozess  gesinnt  ist,  „ob
es  mit  dern  oder  eins  theils  der  ihrigen  rath  unbewust  angefangen
und  sie  derowegen  darzu  still  sitzen  oder  eine  gegendefension  allein
simuliren,  in  effectu  aber  es  ihnen  kein  ernst  sein  möchte,“  zu
welchem  Verdacht  der  spanische  Wechsel  von  300  000  Kronen!  und
dass  Khlesl  stets  in  der  Umgebung  des  Königs  ist,  Ursache  geben.
Wäre  dem  so,  so  stünde  es  um  die  Sache  nur  um  so  gefährlicher.  —
Andererseits  ist  aber  zu  sehen,  ob  des  Königs  Eifer  nicht  doch
rechtschaffen  ist,  die  Krone  Böhmen  nicht  zu  verlassen,  Leopolds
Vornehmen  zu  bestrafen  und  nichts  wider  die  Religion  und  die
Unierten  zu  tun.  Wir  trauen  dem  König  letzteres  zu,  wie  es  für
ihn  auch  rühmlicher  ist.

iür  das  Kriegsvolk,  das  er  abdanken  wolle,  nochmals  Sicherheit  des  Rückzuges
  (Mc.,  Entstehung,  Fasz  V.,  no.  37'',,  f.  610;  Kopie),  natürlich  vergeblich,
da  vom  Schadenersatz  wieder  keine  Rede  war  (Stände  an  den  Kaiser  am
4.  März  (Mc.,a.  a.  O.,  f.611;  Kopie).  —  Unterdessen  waren  die  Verhandlungen
des  Kaisers  mit  den  Passauern,  denen  der  Boden  unter  den  Füssen  immer  heisser
wurde,  so  weit  gediehen,  dass  die  Führer  im  Eiaverständnis  mit  den  meisten  Befoblsbabern
  und  mit  den  Reitern  am  4.  März  einen  Revers  ausstellten,  wonach
sie  gegen  sofortige  Auszahlung  von  150000  Thalern  in  baarem  und  Lieferung
von  100000  rhein.  Gulden  in  Silbergeschirr,  Tüchern  und  Seidenwaren  sofort
mit  ihren  Kriegsvolk  nach  Budweis  und  Krumau  aufzubrechen  versprachen,
um  dort  die  endgiltige  Bezahlung  und  Abdankung  zu  erwarten;  Tabor  aber
sollte  gleich  abgetreten  werden  (Ib.,  Hofkonzepte  vom  März  1611.  —  Kopie);
das  Fussvolk  wollte  aber  von  diesem  Abkommen  nichts  wissen  und  begehrte,
noch  in  Prag  völlig  bezahlt  zu  werden.  So  verzog  sich  die  Abdankung  von
Tag  zu  Tag  (Bericht  eines  Agenten  in  Prag  an  den  Herzog  von  Württemberg
  vom  7.  März  in  Stg.,  Unionsacta,  Bd.  XI.,  f.  530;  Kop.).

‘  König  Matthias  waren  in  der  Tat  im  Jahr  1609  von  Philipp  II.
200000  Dukaten  in  vier  Raten  bewilligt  worden  (Spanischer  Staatsrat  vom
3.  März  1611;  Sim.,  Fasz.  709,  f.  189;  Kop.).
        <pb n="195" />
        18.  1611  173

Schönburg!  soll  sich  daher  im  geheimen  zum  König  begeben,
  unterwegs  auf  alles  wol  Acht  haben  und  zu  erfahren
suchen,  wie  der  König  sich  erzeigt,  ob  es  ihm  Ernst  ist  und
er  das  Werk  fortsetzen  will  oder  ob  er  wegen  der  Religion
laviert,  In  jedem  Fall  hat  Sch.  sich  bei  Matthias  in  höchstem
Geheimnis  anzumelden  und  vorzubringen  :  Polheim?  wird  dem  -König
berichtet  haben,  wie  wol  wir  gegen  ihn  gesinnt  sind,  der  uns  durch
vertrauliche  Schickungen  und  Schreiben  seinen  Zustand  entdeckt  hat;
wir  haben  daraus  abgenommen,  dass  des  Königs  Meinung  auf  die  Wolfahrt
des  Reiches  und  die  Freiheit  der  Glieder  desselben  sowie  auf  Erhaltung
von  Frieden  und  Vertrauen  gerichtet  ist.  Darum  haben  wir  und  die
andern  Unierten  mit  ihm  ein  Ziel  und  können  mit  ihm  korrespondieren
und,  da  dem  einen  oder  andern  Teil  von  bösen  friedhässigen  Leuten
etwas  übles  zugedacht  wird,  wäre  es  für  eine  gemeinsame  Sache  zu
halten  und  hätte  einer  dem  andern  die  Hand  zu  bieten.  Polheim
hat  uns  zu  solchen  Verständigang  nicht  abgeneigt  gefunden;  wir
erwarteten  nur  Polheims  Bericht,  ob  es  auch  dem  König  also  gefiele,
damit  wir  sodann  zu  vertraulicher  Unterredung  jemanden  von  den
unsrigen  an  den  König  abfertigen  könnten.  Mit  Rücksicht  aber  auf
den  inzwischen  erfolgten  Ueberfall  Prags  haben  wir  nicht  länger  einhalten
  wollen  und  haben  schon  jetzt  Sch.  an  den  König  geschickt.

Wir  zweifeln  nicht,  dass  der  König  an  dem  barbarischen  Beginnen
der  Passauer  ein  besonderes  Misfallen  haben  und  mit  den  böhmischen
Ständen  Mitleid  tragen  wird,  die  sich  gegen  ihren  Kaiser  und  König
zu  allem  Gehorsam,  Frieden  und  Einigkeit  bequemt  und  ihm  vertraut
  haben;  der  König  wird  aber  auch  bedacht  sein,  sie  aus  dieser
Gefahr  schleunig  zu  retten  und  den  Makel,  der  also  dem  Hause
Oesterreich  durch  böse  Leute  zugefügt  wurde,  mit  Hilfe  des  ganzen
Hauses  zu  tilgen.  Da  durch  das  passauer  Volk  ohne  rechtzeitiges
Zutun  des  Königs  der  Zustand  des  Reichs  verkehrt  und  alles  mit
Tyrannei  und  Krieg  erfüllt  werden  könnte,  so  bitten  wir  ihn,  daran
zu  sein,  damit  fernere  Ungelegenheit  und  Vergiessung  christlichen
Bluts  gehindert  und  der  ganzen  Christenheit  Ruhe  geschafft  werde.
Das  beste  Mittel  hiezu  ist,  dass  allentbalben  de  facto  prozediert  wird
und  der  König  dem  Mutwillen  einiger  weniger  Leute  nicht  länger
zusieht  sondern  ihn  mit  königlicher  Macht  bricht.  Es  geht  vielfältig
und  unter  dem  gemeinen  Kriegsvolk  die  Rede,  dass  es  nach  Eroberung
  Böhmens  in  unsere  Kur  gewiesen  werden  soll;  wir  wüssten

ı  Ueber  ihn  vgl.  [Kazner],  ‚Leben  Hans  Meynhards  von  Schönburg‘
en  J.  Mosers  ‚Patriotischem  Archiv  für  Deutschland‘,  VI1I.,  1788,

fl.

?  Polheim  war  im  Januar  beim  Kurfürsten  gewesen.  Der  altenburgische
  Kanzler  D.  Elias  Förster  schreibt  am  2./12.  Januar  an  die  kursächsischen
  geheimen  Räte,  gestern  sei  P.  in  Altenburg  angekommen  und  wolle
weiter  nach  der  Mark  (Drs.,  1.  8807,  20.  B.  jül.  Sachen,  f.  287;  Or.).  Vgl.
w  Folteime  Schickung  an  die  Reichsstände  oben  no.  21,  8.  52,  Anm,  2

20.  26.

März  3.
        <pb n="196" />
        März  3.

174  1611  18.

aber  nicht,  wodurch  wir  je  den  Kaiser  dazu  gereizt  hätten  ;  wir  haben
uns  ihm  bei  der  kölner  Handlung  also  submittiert,  dass  nur  der  Punkt
wegen  der  Einnahme  des  Hauses  Sachsen  rückständig  blieb,  worin  man
sich  soeben  mit  Zutun  von  Verwandten  so  bemüht,  dass  das  Haus
Sachsen  sich  nicht  zu  beschweren  hat;  wir  sind  auch  vor  wenigen
Tagen  mit  dem  Kurfürsten  in  Freundschaft  zusammengekommen  und
haben  uns  in  aller  Liebe  und  Einigkeit  verglichen;  wir  sehen  also
nicht,  wie  man  einen  Kurfürsten  „unangemeldet“  also  überfallen  könnte.
Der  König  aber  könnte  durch  seine  zeitige  und  befugte  „Vindicta“
allem  Unheil  leicht  vorkommen,  damit  von  uns  und  andern  ge
borsamen  Reichsständen  alle  Gewalt  und  Gefahr  abgewendet  werde;
dadurch  würde  er  sich  einen  unsterblichen  Namen  machen.  Dafür
wollen  wir  ihm  treulich  die  Hand  bieten  und  ihm  in  allem  helfen,
worin  wir  ihm  dienen  können,  auch  seiner  bei  den  andern  Unierten,
da  ohnehin  ein  Unionstag  angesagt  ist,  im  besten  gedenken,  damit
er  sich  von  ihnen  alles  Beistandes  zu  erfreuen  habe.

Wenn  Sch.  beim  König  in  der  Tat  den  gesuchten  Eifer  spürt
und  man  sich  darauf  gewiss  verlassen  kann,  so  hat  er  ihn  in  seinem
Eifer  zu  bestärken,  dass  das  Unternehmen  christlich,  löblich  und  nötig
sei,  dass  es  des  Hauses  Oesterreich  und  des  Königs  Reputation  erfordere,
  dass  er  sich  damit  einem  grossen  Namen  machen  und  sich
die  Unierten  verpflichten  werde,  damit  sie  die  Hand  anlegen  und  sich
ibm  bei  künftigen  Gelegenheiten  akkomodieren.  Da  wir  bemerkt
haben,  dass  Matthias  bei  der  letzten  Expedition  an  Kraut  und
andern  Sachen  ziemlichen  Mangel  hatte,  so  soll  Sch.  anbieten,  dass
wir  ihm  damit  aushelfen  wollten.

Wäre  aber  zu  vermerken.  dass  der  König  einer  allgemeinen
Verfolgung  der  Religion  konnivieren  oder  daran  gar  selbst  teilnehmen
würde,  so  hat  Sch.  ihn  von  diesem  Vorhaben  abzubringen  und  ihn
auf  das  Beispiel  seiner  Vorfahren  beim  Religionsfrieden  zu  verweisen,
die  dafür  hielten,  dass  es  nicht  eines  Menschen  sondern  Gottes
Werk  sei,  die  Gewissen  der  Menschen  zu  zwingen;  er  hat  ihn  an
das  schwere  Gewissen  derer  zu  erinnern,  die  zur  Vergiessung  christlichen
Bluts  Ursache  gaben,  an  den  Ruin  des  deutschen  Vaterlandes,  an
die  von  den  benachbarten  Barbaren  drohende  Gefahr,  wenn  wir  uns
untereinander  verderbt  hätten,  endlich  an  die  Ungewissheit  des  Ausgangs
  des  Krieges.  Sollte  endlich  der  Streit  zu  einem  Vertrag
kommen,  um  den  sich  zweifellos  viele  bewerben  werden,  so  soll  Sch.
sich  dahin  bemühen,  dass  Matthias  auf  keinen  Vertrag  eingeht,  der
nicht  dem  Reich,  den  Ständen  und  dem  Religionsfrieden  zum  besten
gereicht,  d.  h.  man  solle  alles  feindliche  Wesen  abstellen,  das  Kriegsvolk
  allenthalben  abdanken  und  in  gutem  Einverständnis  zum
Reichstag  schreiten.  Das  wird  dem  König  gleichfalls  einen  guten
Namen  machen.  Geben  uf  unserm  hause  Zossen  den  21.  feb.  a.  1611.

Bbg.,  A  9a,  no.  166,  f.  1;  auhaltsche  Kopie.
        <pb n="197" />
        19.  1611  175

79.  Aufzeichnungen  des  Fürsten  Christian  von  Anhalt  [März  3]
für  Hans  Meinhard  von  Schönburg  zu  dessen  Reise  ans
Hoflager  des  Königs  Matthias.

1.  Auf  der  Reise  ist  zu  erkunden,  wie  der  Handel  steht.
2.  DBottler  [?]  ist  erst  nach  dem  Zusammentreffen  mit  Matthias  abzufertigen.
  3.  Matthias  ist  geheim  anzusprechen.  4.  Mit  Zierotin,!
Herberstein,?  Tschernembl?  ist  vertraulich  zu  handeln,  mit  Liechtenstein*
„mittelmässig‘“;  vor  den  andern  geheimen  Räten  möge  Schönburg
sich  aber  in  Acht  nehmen,  besonders  vor  dem  Bruder  des  Obersten
von  Hofkirchen?  5.  Es  ist  zu  sondieren  ,  ob  des  Königs  Auszug
Finte  oder  Absicht  sei.  6.  Sch.  soll  Bericht  über  den  Zustand
der  königlichen  Armee  einziehen.  7.  über  deren  Hauptintent  und  8.  wie
es  mit  den  angeblich  dem  König  aus  Spanien  geschickten  300  000
Kronen  beschaffen  sei?  9.  Der  König  und  dessen  vertrauteste  Räte
sind  zu  erinnern,  dass  es  nicht  wol  getan  wäre,  auf  beiden  Achseln
zu  tragen  wie  1608  gegen  verschiedene  evangelische  und  katholische
Stände  und  im  Vorjahr  gegen  Frankreich  geschehen  ist.  10.  Matthias
und  alle  interessierten  Königreiche  und  Lande  sollen  hauptsächlich
dahin  sehen,  wirkliche  Versicherung  zu  erlangen,  dass  künftig  nicht
alle  Tage  die  Privilegien  und  Freiheiten  gebrochen  und  alles  zu
Grunde  gerichtet  werden  könne.  11.  Matthias  muss  auch  dahin  trachten,
  bei  diesem  Werk  auszuharren  und  sich  deshalb  des  Wolwollens
von  Mähren,  Oesterreich  und  Ungarn  versichern  ;  das  geschieht  am  besten,
wenn  er  persönlich  mitzieht.  12.  Der  König  soll  das  Proviantwesen
  ordentlich  anstellen,  damit  ihn  nicht  der  Hunger  von  seiner
„Impresa‘‘  abstehen  mache.  13.  Der  König  soll  die  Prager  der  Altstadt
  ermuntern  und  sie  seiner  Hilfe  und  der  Erhaltung  der  Privilegien
und  des  Alajestätsbriefs  versichern,  ihnen  auch  zusagen,  dass  er  bei  ihnen
Leib  und  Leben  lassen  wolle.  14.  Dem  Kurfürsten  von  Sachsen
soll  Matthias  nochmals  vorstellen,  was  er  vermöge  seiner  Zusage  zu
tun  schuldig  sei,  sich  über  Erzherzog  Leopold  beschweren  und

"  Karl  d.  Ae.  von  Zierotin,  Landeshauptmann  in  Mähren;  vgl.
Peter  v.  Chlumecky,  Karl  von  Zierotin  und  seine  Zeit  1564—1615,
Brünn  1862.

?  Hans  Sigismund  von  Herberstein,  Feldmarschall  des  Königs  Matthias.

?  Goorg  Erasmus  von  Tschernembl  auf  Windeck  und  Schwertberg
Führer  der  evangelischen  Stände  Oesterreichs  ob  der  Enns;  vgl.  über  ihn
Jodok  Stülz  im  Archiv  für  Kunde  österr.  Geschichtsquellen,  IX.,  171  ff.

*  Karl  von  Liechtenstein;  vgl.  F.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferrlipands
  II.,  VI.  8.  459,  das  Register  zu  Briefe  und  Akten,  V.  und  VI.
und  Jakob  von  Falke,  Geschichte  des  fürstlichen  Hauses  Liechtenstein,
II;  Wien  1877,  8.  125  f.

°  (teorg  Andreas  Freiberr  von  Hofkirchen  ;  ein  zweiter,  Wolfgang  von
Hofkirchen,  war  entschieden  evangelisch  gesinnt  gewesen;  vgl.  Briefe  und
Akten,  V.  709.

°  Bis  hieher  von  des  Fürsten  eigner  Hand.
        <pb n="198" />
        176  1611  79.

[März  3.]  ,‚vornemblich  seine  impresen,  beklagungen  und  intentiones  wider  den
Leopoldum  und  denselben  zusagen  an  die  spitze  setzen.‘  Sch.  soll
auch  berichten,  dass  Kursachsen  mit  Leopold  nicht  zufrieden  sei.
15.  Matthias  soll  mit  Erzherzog  Maximilian  gute  Korrespondenz
halten,  vornehmlich  damit  kein  Volk  aus  Italien  dnrchgelassen  werde.
16.  Würde  Matthias  vernehmen,  dass  Leopold  von  Graz  her  Hilfe  zu  erwarten
  hätte,  so  soll  er  die  steirischen  und  kärnthnischenStände  durch
das  Versprechen  von  Konzessionen  in  Religionssachen  an  sich  ziehen,  sich
auch  der  Ungarn  in  Niederungarn  [gegen  Erzherzog  Ferdinand]  bedienen.
17.  Könute  der  König  mit  seiner  Impresa  nicht  bald  zu  Ende
kommen,  so  soll  er  eine  Gesandtschaft  zum  Unionstag  vorbereiten,
dort  den  Verlauf  des  Handels  und  die  ihm  und  den  Ständen  widerfabrenen
  Unbilligkeiten  beweglich  anziehen  und  seine  Notdurft  suchen;
„wurde  ihme  von  uns  andern.  die  wir  alhier  zur  stelle  und  in  der
nehe,  gute  handbietung  geschehen.“  18.  Würdo  dem  König  die  Zeit
bis  zum  Unionstag  zu  lang  sein,  so  könnte  er  dasselbe  Begehren  durch
Botschaften  bei  den  einzelnen  Unierten  suchen  lassen  und  wird  dies
gewiss  einen  guten  Ausgang  nehmen.  19.  Da  die  kaiserlichen  Räte
darauf  zu  gehen  scheinen,  dass  Matthias  die  Königreiche  und  Länder
wieder  abtreten  solle,  so  ist  zu  erkunden,  wie  die  Lande,  besonders
Tingarn,  deswegen  gestimmt  sind  und  soll  Sch.  mit  den  Vornehmsten
der  Lande  darüber  reden,  20.  Würde  etwas  Tätliches  vorgenommen,
so  hätte  es  oben  anf  dem  Hradschin  zwei  gute  Gelegenheiten:  a)  bei
der  hintersten  Brücke,  „do  man  bedeckt  in  den  graben  kommen  kann“,
b)  auf  dem  Berge  bei  Strahov,  von  wo  aus  man  die  ganze  Kleinseite
  und  den  Hradschin  ‚commendieren“  kann.  Auch  Pilsen  wärs
„per  entreprise‘  zu  behaupten  und  dann  wäre  der  Pass  nach
Deutschland  und  zu  den  Unierten  offen  und  könnte  Zufuhr  und
Assistenz  hernach  folgen.  21.  Matthias  soll  alle  Nachbarn  Böhmens
bitten,  den  Gegnern  keinen  Proviant  zukommen  zu  lassen,  desgleichen
nicht  Munition  oder  Waffen.  22.  „Dieweil  deren  orten  durch  das
frawenzimmer  vil  auskompt,  wie  solches  in  specie  vermeldt  worden,
dass  man  dargegen  practiciren  welle,  sich  ebenmessiger  mittel  zu
gebrauchen.“  23.  Zu  einem  Haupttreffen  ist  nicht  zu  raten,  aber
man  soll  fleissig  den  Proviant  abschneiden.  24.  Der  vielen  böhmischen
Bergknappen  könnte  man  sich,  namentlich  wo  Berghäuser  sind,  mit
Nutzen  bedienen.  25,  Der  Berghäuser  in  Böhmen,  die  vielleicht  den
Gegnern  gehören  und  die  mit  wenig  Kosten  und  Volk  zu  behaupten
sind,  hätte  man  bei  dem  Anschlag  nicht  zu  vergessen.  26.  „A.
[Anhalt]  zu  gedenken,  sein  dependenz  von  Unirten,  Frankreich,
England,  Dennemark,  Staden  und  was  dieser  seiten  praestirt  worden
und  was  er  sich  auch  erboten,  hinforters  in  gemeinen  sachen  in
acht  zu  nehmen.“  27.  Warnung  vor  falschen  Zeitungen,  sich  dadurch
nicht  irre  machen  zu  lassen,  wie  auch  Anhalt  im  jülichschen  Krieg
es  gehalten  hat.  28.  „Zu  remonstriren,  gar  nit  zuzulassen,  pacifiration
  zu  machen,  wann  hingegen  das  kriegsvolk  uf  das  reich
        <pb n="199" />
        79.  1611  177

geführt  werden  solte;“  dadurch  würde  ihm  so  wonig  als  zuvor  ge-  [März  3.]
holfen  sein.  29.  Benachrichtigung  nach  der  Oberpfalz.  30,  Gebrauch
von  Ziffern  im  Verkehr  mit  Anhalt;  Mitteilung  des  Aufenthalts  und
Rückwegs.  31.  Mitteilung  der  Befehlshaber  und  der  Regimenter
der  königlichen  Armee.  32.  Zu  grüssen  sind  Thurzo  ‚!  Seifrid  und
Ferdivuand  Kollonitschh  Thurn,  Fels,  Wilhelm  Popel,  Hoditzky?,
Zierotin,  Tschernembl,  Starhemberg,?  Liechtenstein,  Ernst  Kollonitsch,
Buppa,!  Budowe.”  33.  Graf  Friedrich  von  Fürstenberg’  ist  im
Namen  von  Anhalt  der  zwischen  ihnen  vorgegangenen  Traktation  zu
Wittingau‘  und  Lipschitz  zu  erinnen;  Anhalt  will  dabei  bleiben
und  hofft,  in  diesen  Sachen  jetzt  mehr  als  je  zu  verrichten  „und
ihrestheils  an  dependenz  und  dergleichen  hiezu  gehorigen  qualiteten
nicht  abgenommen  zu  haben.“  34.  Matthias  und  seine  Räte  sind
zu  erinnern,  dem  Administrator  den  Titel  zu  geben,  wenn  es  nicht
schon  geschehen  ist,  da  derselbe  ihn  von  Frankreich,  England,  den
Staaten,  Dänemark,  den  geistlichen  Kurfürsten,  Brandenburg,  Baiern,
Erzherzog  Maximilian  und  den  meisten  Reichsständen  erhält;  das  ist
besonders  durch  Liechtenstein  zu  betreiben,  der  von  diesen  Sachen  viel
weiss.  35.  „Allezeit  guten  minen  machen,  dass  man  mit  Chursachsen
gar  nahe  beisammen  vnd  derselben  selbsten  [!]  kaiserliche  hilf  verdechtig
zu  halten  anfienge.‘‘“  36.  „Gute  minen  zu  machen,  wie  die  gulchische
sachen  in  eine  starke  manutention  gebracht,  dass  auch  die  Possedirende
  obne  assistenz  nur  aus  mittel  der  lande  sich  mainteniren
könten  und  was  von  magazin  und  dergleichen  anstellungen  von
Anhalt  geordnet  worden.“  37.  Wenn  Thurn  frei  und  ledig  ist  und
Sch.  mit  ibm  reden  kann,  soll  er  ihn  der  alten  Vertraulichkeit
mit  Anhalt  versichern  „und  dass  sie  die  consilia,  so  sie  mit  einander
vor  diesem  gehabt,  nun  einmal  zu  exequiren  und  nicht  lenger  einzustellen.“
  38.  Im  Fall  eines  Erfolges  soll  Matthias  eine  „Demonstration‘“‘
  wider  die  kaiserlichen  Räte  als  Hannewald,  Hegenmüller,
Hemmerle*  und  die  von  Leopold  abhängen,  vornehmen,  sowol  wegen
der  Justiz  als  um  bei  den  Reichsständen  Wolwollen  zu  erwecken.
39.  Matthias  soll  von  allen  seinen  Fortschritten  Kurbrandenburg,
Kurpfalz,  Ansbach  und  Anhalt  benachrichtigen.  40.  Im  Fall  einer

ı  Georg  Graf  Thurz‘,  Palatin  von  Ungarn;  vgl.  A.  Huber,  Geschichte
Öesterreichs,  1V.,  532.

”  Georg  Graf  von  Hoditzky,  königlicher  Oberstwachtmeister.

*  Richard  von  Starhemberg,  der  bekannte  Vertreter  der  evangelischen
Stände  in  Oesterreichs  ob  der  Enns.

*  Wenzel  Wilbelm  von  Ruppa,  einer  der  Führer  der  böhmischen
Brüder  und  einer  der  dreissig  Direktoren  von  1609;  vgl.  A.  Huber,  a.a.O,,
S.  992.

*  Wenzel  von  Budowec,  das  Haupt  der  Jreissig  Direktoren.

“  Teber  Friedrich  (IV.)  Grafen  vun  Fürstenberg  ,  vjzl.  BE.  Münch,  Geschichte
  des  Hauses  Fürstenberg,  II.,  S.  237  f.

°  Ueber  die  Wittingauer  Verhandlungen  vgl.  Briefe  und  Akton,
IL,  S.  420,  Anm.  2.

»  D."  Hans  Ulrich  Hemmerle,  Reichshofrat.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  12
        <pb n="200" />
        1718  1611  79-80.

März  3.)  Vergleichung  soll  Matthias  darauf  sehen,  die  wirkliche  Aufhebung

März

ei!

aller  Feindseligkeiten  im  Reich  zuwege  zu  bringen  und  Ruhe  zu
stiften,  wodurch  er  sich  selbst  sehr  fördern  würd.  41.  „Hingegen
ob  nit  muglich,  dieweil  unter  anderm  diese  unruhe  ohne  zweifel
daher  entstanden,  dass  Gottlob  so  viel  braver  leut  in  Deutschland
anizo  vorhanden  und  dass  man  zu  vorkommung  innerlicher  unruhe
mit  den  Turken  wiederumb  zu  handeln  uberkomme  und  zu  solchem
intent  die  gemüter  einig  machen  könte;  davon  wäre  mit  Kollonitsch,
Herberstein,  Thurzo,  Hodizky  und  andern  zu  reden.‘  42.  „Rosenberg,
Krumau  und  dergleichen“.  43.  Käme  Sch.  zu  Kleinsträtel,!  so  hat
er  ihm  die  zwei  Zeichen  +  H  zu  zeigen  und  von  ihm  vertrauliche
Mitteilung  zu  begehren.  0.  D.
Bbg.,  A  9a,  no.  166,  f.  12;  Aufzeichnung  im  Or

80.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  König  Matthias.

E.  kgl.  W.  worden  auf  Dero  Mahnschreiben  [vom  29.  Dezember]

unsere  Antwort  vom  29.  Dezember  1610°  erhalten  haben.  Wir  hatten
8.  Januar  1611

darnach  gänzlich  gehofft,  E.  kgl.  W.  würden  sich  auf  des  Kaisers
so  ausführlice  richtige  Erklärung  wegen  des  Einfalls
der  Passauer  gänzlich  zufrieden  geben  und  nicht  sich,
dem  Kaiser  und  Dero  Landen  neues  Ungemach  zuziehen  wollen.
Nun  bat  uns  aber  der  Kaiser  durch  einen  Gesandten  berichten
lassen,”  dass  er  sich  zwar  durch  eine  ansehnliche  Gesandtschaft
bei  E.  kgl.  W.  entschuldigt  und  erklärt  habe;  aber  es  wolle
nicht  verfangen,  er  erhalte  keine  Antwort  und  wisse  nicht,  wessen
er  sich  von  E.  kgl.  W.  zu  versehen  habe,  zumal  man  in  Oesterreich
und  den  anderen  Nachbarländern  stark  räste.  —  Wir  messen  dies  nun
zwar  nicht  E.  kgl.  W.  sondern  etlichen  friedhässigen  Leuten  zu;  es
ist  gleichwol  uns  aber  sehr  schmerzlich  zu  hören  gewesen.  E
kgl.  W.  ziehen  an,  dass  das  passauer  Volk  sich  „etwas“  nach
Oesterreich  begeben  habe;  aber  Sie  haben  doch  aus  des  Kaisers  Eıtschuldigung
  vernommen,  dass  er  den  Einfall  weder  befohlen  noch
gebilligt  sondern  ihn,  sobald  er  davon  gehört,  ernstlich  abgestellt  und

!  Gemeint  ist  derselbe  Kleinsträtel,  der  mit  dem  Herzog  von  Braunschweig
  als  einer  der  Abdankungskommissare  in  Passau  gewirkt  hatte;  vgl.
Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  S.  178.

”  Vgl.  oben  no.  9.

°  Minckwitz;  vgl.  oben  no.  67,  S.  154,  Anm.1;  sein  Anbringen  entsprach

dem  Tengnagels.  Der  am  =  mar  erteilte  kurfürstliche  Bescheid  für

Minckwitz  stellt  die  Absendung  eines  Gesandten  an  Matthias  in  Aussicht.
Würde  sich  der  König  dann  noch  nicht  akkomodieren,  so  wird  sich  der  Kurfürst
gemäss  dem  prager  Vertrag  und  den  andern  Vereinigungen  zu  des  Kaisers
Zufriedenheit  erzeigen.  Der  Kaiser  möge  aber  inzwischen  die  böhmischen
Stände  nicht  weiter  erbittern  und  ihnen  nicht  Anlass  geben,  Matthias  zu
Hilfe  zu  rufen  (Dre.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  237;  Kpt.).
        <pb n="201" />
        80—81.  1611  179

sich  zum  Ersatz  der  Schäden  sowie  zu  fester  Haltung  des  Vertrags
erboten  hat,  zu  geschweigen  dass  das  Kriegsvolk  weder  aus
Mutwillen  noch  in  feindlicher  Absicht  sondern  nur  aus  äusserster
Not  eingerückt  st.  Da  nun  viele  Stände  des  Reichs  solche
Durchzüge,  ja  ganze  Winterlager  haben  dulden  müssen,  so  meinen
wir,  dass  auch  E.  kgl.  W.  es  dem  Kaiser  gegenüber,  von  dessen
Milde  Sie  Ihre  Länder  haben,  nicht  so  genau  nehmen  dürfen.  —
Wir  wissen  uns  des  prager  Vertrags  wol  zu  entsinnen  und  wollen
ihn  treu  halten;  unsere  Verpflichtung  ist  aber  nicht  allein  auf
den  einen  oder  den  andern  Teil  sondern  auf  beide  in  gleicher
Weise  gemeint.  Greifen  nun  E.  kgl.  W.  den  Kaiser  und  dessen  Länder
feindlich  an,  so  haben  Sie  sich  unserer  im  Vertrag  ausbedungenen  Hilfe
nicht  zu  versehen  noch  dürfen  Sie  uns  oder  unsere  Mitbürger  dazu
ermahnen;  der  Kaiser  aber  würde  zur  Verteidigung  sein  äusserstes
versuchen  mässen,  seine  jetzige  Kriegsverfassung  nicht  nur  nicht
abschaffen  können  sondern  es  müssten  ihm  auch  alle  Reichsstände
ihrer  Pflicht  nach  beistehen,  besonders  aber  wir,  die  Bürgen  des
prager  Vertrags,  weil  der  Kaiser  die  Vergleichung  so  ernstlich  zu
halten  gemeint  ist.  E.  kgl.  W.  können  auch  leicht  ermessen,  dass,
so  lange  Sie  Ihre  Erklärung  hinterhalten,  Sie  selbst  die  Abdankung
des  passauer  Volkes  verzögern  und  haben  E.  kgl.  W.  die  Kosten  und
den  Schaden  für  sich,  den  Kaiser  und  die  Landschaften  zu  ermessen,
wenn  man  beiderseits  unter  Waffen  bleibt  und  sich  gar  nicht  vertrauen
  will,  woraus  zuletzt  ein  gefährlicher  Aufstand  des  verzweifelten
Volkes  entstehen  könnte.  Wir  ermahnen  E.  kgl.  W.  also  nochmals,
sich  nicht  durch  böse  Leute  zu  einem  gefährlichen  unnötigen  Krieg
aufbringen  zu  lassen  sondern  stetig  bei  dem  Vertrag  zu  beharren.  Wir
wollen  uns  dagegen  beim  Kaiser  für  völlige  Ausführung  des  Vertrags
verwenden,  damit  E.  kgl.  W.  und  Dero  Lande  vor  aller  Gefahr
bewahrt  bleiben.  Goldstein!  wird  dies  alles  E.  kgl.  W.  noch  weiter
ausführen.  Datum  Glücksburg  am  23,  februarii  1611.

Drs.,  1.  9166,  I.  Buch  passaucer  Kricogsvolks,  f.  243;  erste  Kptkopie  mit  Ver
besserangen  Gerstenbergs.  —  F.  249;  zweite  Kptkopie  mit  Verbesserungen  Schöubergs.

81.  Die  böhmischen  Stände  an  den  Kurfürsten  von
Sachsen.

E.  kfl.  Gn.  werden  aus  unserm  Schreiben,  aus  Karl  von
Wartenbergs  Anbringen?  und  anderweitig  vernommen  haben,  wie  das

'  Eine  Instruktion  für  Oberstleutnant  Karl  von  Goldstein  zur  Schickung

nach  Wien  vom  &amp;gt;  ebruar  (in  Drs.,  a.  a.  O.,  £.253;  Kpt.  von  Schönberg)

wiederholt  nur  obiges  Schreiben.  Die  Schickung  wurde  aber  eingestellt
ıKas  von  Schönberg  an  den  Hofmarschall  Christoph  von  Loss  am
2.12.  März;  Dre.,  a.  a.  O.,  f.  304;  Kpt.).

”  Karl  von  Wartenberg,  einer  der  dreissig  Direktoren,  war,  wie  es
scheint,  gleich  nach  dem  Einfall  der  Passauer  in  Prag  nach  Dresden  abgefertigt
  worden.  Oberst  Heinrich  von  Günterode  empfiehlt  ihn  am  18.  Februar
dem  Kurfürsten  von  Sachsen  zu  guter  Expedition  (Dre.,  1.  9166,  1.  Buch
passauer  Kriegsvolks,  f.  115;  Or.  eigh‘..  12*

März  5.

März  D.
        <pb n="202" />
        März  5.

180  1611  -1.

passauor  Volk  auf  Antrieb  untreuer  schädlicher  Räte  des  Kaisers
und  anderer  Helfershelfer  ohne  alle  Ursache  in  Böhmen  eingefallen
ist.  Nun  hören  wir,  dass  die  Rädelsführer  gar  uns  die  Schuld
an  dieser  macchiavellistischen  Tat  beilegen  und  uns  als  Aufrührer
angeben  wollen.  Wir  mfissen  uns  daher  durch  dies  Schreiben  rechtfertigen
  und  bezeugen,  dass  wir  zu  dem  blutdürstigen  Beginnen  dieser
Gesellen  in  keiner  Weise  Ursache  gegeben,  uns  stets  gegen  den
Kaiser  als  treue  Untertanen  geborsam  verhalten,  ihm  mit  unaufhörlichen
  Landsteuern  (bis  zu  unserer  und  der  unsrigen  Erschöpfung)
  beigesprungen  sind,  ja  selbst  bei  jüngster  Konfusion  ihn
mit  Darsetzung  Guts  und  Biluts  bei  Land  und  Leuten  erhalten
geholfen  haben.  Wir  wollten  auch,  obwol  wir  schon  bei  Anfang  des
passauer  Handels  dessen  Intent  leicht  abnehmen  konnten,  gegen  die
Passauer  doch  nichts  gewaltsanıes  vornehmen,  weil  wir  von  E.  kfi.
Gn.  eines  andern  vergewissert  worden  waren,  haben  vielinehr  den
Kaiser  bei  Zeiten  deshalb  erinnert  und  dessen  Schutz  erbeten,  auch  die
Zusage  erlangt,  dass  diesem  Königreich  nichts  feindliches  begegnen
solie.  Dieser  kaiserlichen  Versicherung  haben  wir  getraut,  „bis  uns
entlichen  der  glaube  leider  nanmehr  in  die  hand  kommen.“  Dass
wir  aber  trotz  unserer  kleinen  Zahl  unsern  offenen  Feinden  Widerstand
leisteten  und  mit  Zuziehung  des  Königs  von  Ungarn  und  mit  Hilfe
der  einverleibten  Länder  ibn  auch  fernerhin  noch  tun  wollen,  das  fordern
Naturrecht,  Landtagsbeschlüsse  u.  s.  w.  An  der  Zerstörung  etlicher
Klöster  und  an  der  Ermordung  einiger  geistlicher  Personen  sind  wir
durchaus  unschuldig;  wir  beklagen  die  Untaten  des  Pöbels,  da  wir
wol  wissen,  wie  wir  uns  als  vornehmes  Glied  des  heil.  römischen
Reichs  der  Religion  und  des  Landfrieden  halber  auch  gegen  andere
Relig  ionsverwandte  verhalten  sollen.  Wir  wollen  die  Schuldigen
ausforschen,  haben  auch  schon  einige  Personen  einziehen  lassen,  die
ehestens  verhört  und  nach  Befund  bestraft  werden  sollen;  wir  haben
uns  auch  gegen  den  Nuntius  und  den  spanischen  Gesandten  schon
schriftlich  entschuldigt,  was  gut  aufgenommen  worden  ist.!  Die
Ursache,  welche  den  Pöbel  zu  diesen  Untaten  bewogen  hat,  ist  wieder
die  passauer  Rotte  und  deren  Konsorten,  da  sich  von  den  zwei
Korneten  Reiter,  die  in  die  Alt-  und  Neustadt  eindrangen,  aber
aufgerieben  wurden,  etliche  Leute  in  die  Klöster  flüchteten,  mit
denen  wir  sonst,  besonders  mit  den  Jesuiten,  im  Einvernehmen
standen.  Der  Pöbel  hat  aber  wegen  des  Gemetzels  auf  der
Kleinseite  und,  weil  er  wol  wusste,  wie  treulich  das  welsche  Gesindel,
  darunter  auch  eingesessene  Bürger,  den  Passauern  geholfen
hatte  und  wie  den  unsern  aus  dem  Sachsenhause  und  in  der  welschen
Gasse  mit  Schiessen,  Pechkränzen,  Steinen,  heissem  Wasser  u.  s.  w.
zugesetzt  worden  war,  die  Klöster  gestürmt  und  dabei  leider  die
Mönche  erschlagen.  Da  also  E.  kfl.  Gn.  sehen,  dass  wir  nichts

I  Vgl.  oben  no.  63,  S.  145,  Anm.  1.
        <pb n="203" />
        81.  1611  181

gegen  Gott,  unser  Gewissen  und  unsere  Pflicht  getan  haben,  wie
wir  von  den  Rädelsführer  bezichtigt  werden,  sondern  nur  als
treue  Liebhaber  des  Vaterlandes  es  vor  solchem  räuberischen  und
mörderischen  Gesindel  zu  verteidigen  entschlossen  sind,  so  versehen
  wir  uns  gänzlich,  dass  sich  E.  kfl.  Gn.  unser  Vorhaben
gefallen  lassen,  uns  für  treue  Untertanen  achten,  uns  bei  allen
Reichsständen  rechtfertigen  und  sich  auf  unser  jüngstes  Hilfsgesuch
gnädigst  und  schleunig  entschliessen  werden.  Datum  Prag  den
3.  martii  a.  1611.

1.  Nachschrift,  Eben  wird  uns  E.  kfl..  Gn.  Bescheid  für
Wartenberg  vom  11./21.  Februar  zugebracht.!  „Dass  nun  die
erforderung  der  erbvereinigung  gemess  nicht  ervolgt,  ist  rebus  ita
stantibus,  ungeacht  dass  I.  ksl.  M.'  darein  consentieret  haben  sell,
vorsezlich  verblieben,  daran  wier  stende,  so  rechte  patrioten  und
liebhaber  des  vaterlandes,  im  wenigsten  nit  schuldig;  müssen  auch,
was  uns  der  empörung  halber  auf  ungleichen  bericht  zugemessen
werden  will,  dissmal  mit  gedult  verschmerzen,  Gott  und  der  zeit
bevehlen.“  Wohin  aber  und  gegen  wen  das  Volk  gebraucht  werden
soll,  ist  aus  der  macchiavellistischon  Handlung  des  passauer  Volkes
so  weltkundig,  dass  es  weiterer  Erklärung  nicht  bedaıf.  Können
und  wollen  wider  Zuversicht  E.  kfl.  Gn.  diesmal  dem  bedrängten
Vaterlande  nicht  anders  helfen,  so  bitten  wir  Sie,  sich  vermöge
Jer  Erbvereinigung  wenigstens  dahin  zu  erklären,  dass  auf  einseitige
  Erforderung  des  Kaisers  keine  Hilfe  von  E.  kfl.  Gn.  erfolgen
soll,  noch  Sie  fremdem  Volk  den  Zuzug  zu  den  Passauern  durch
Ihr  I,kand  gestatten  wollen.  Datum  Prag  den  7.  martii  a.  1611.

2.  Nachschrift.  Eben  ist  durch  besondere  Schickung  Gottes
Tenguagel,  der  vornehmste  geheime  Rat  des  Erzhorzogs  Jeopold
und  also  einer  der  Rädelsführer  der  'passauer  Praktiken,  von  einigen
unserer  Reiter  aufgehoben  worden,  die  auf  die  Streife  geschickt  waren,
um  Lorenz  Rame6s  Raub  abzufangen,  den  dieser  gewisser  Kundschaft
nach  auf  der  Elbe  fortschicken  wollte.”  Wir  senden  seino  zweimalige

ı  Der  Kurfürst  hat  mit  etwas  Ungeduld  von  diesen  neuen  Unruhen  ge
hört.  Er  und  seino  Mündel  wünschten,  da  auch  sie  Jdie  Erbvereinigung  treu
zu  halten  godenken,  nichts  mehr  als  sich  auf  Wartenbergs  Anbringen  gleich  so
entschlicssen  zu  können,  wie  es  die  böhmischen  Stände  vielleicht  erwarten.
Da  aber  (lie  Erforderung  Sachsens  allein  von  den  Ständen  und  nicht  vom  Kaiser
als  König  von  Böhmen  ausgeht  und  weder  angedeutet  wird,  wo  die  Hilfe  angenommen
  und  hingeführt,  noch  gegen  wen  sio  gebraucht  werden  soll,  so
haben  er  nud  seine  Mündel  nicht  zu  schliesslicher  Entscheidung  kommen
können.  Sic  wollen  sich  aber  nach  Besoitigung  dieser  Hindernisse  vermögo
der  Erbvereinigung  so  erzeigen,  dass  die  Böhmen  sich  darub  erfreuen
sollen  ı«Drs.,  a.  a.  O.,  f.  132;  Kpt.  von  Schönberg).  Vgl.  wegen  Wartenbergs
  Abfertigung  unten  no.  82

°  Die  Gefangennahue  geschah  am  3.  März  bei  Wolwarn  dureh  Wilhelm
von  Kinsky,  Bubna  und  300  ständischo  Reiter.  Ausser  Ramees  Schatz
und  Tengnagel  fielen  den  Böhmen  noch  der  englische  Gesandte  Stephan
Lesieur  und  der  kaiserliche  Hofkammerrat  Bernhard  Wilhelm  Meckbach  in  die
Hände,  welch  letzterer  bei  den  Ständen  des  niedorsächsischen  Kreises  Antizipa-März

  5.
        <pb n="204" />
        März  6,

März  5,

182  1611  81—82.

gütliche  Aussage!  nebst  der  eines  Mönches,?  wie  wir  denn  auch,
was  weiter  einkommt,  mitteilen  wollen.  Wir  bitten  E.  kfl.  Gn.,  diese
Aussagen  wol  zu  erwägen  und  uns  mit  Ihrem  Rat  beizustehen,  wie
solche  Praktiken  abzuwenden  seien.  Actum  ut  in  literis.

„Gleich  diese  stunde  haben  I.  fl.  D.*  [Leopold]  ihren  vornehmen
  kammerherrn  herrn  grafen  Mirabaldo  zu  uns  stenden  geschickt
  mit  vermeldung,  dass  er  als  ein  junger  und  im  kriegswesen
unerfahrner  herr  von  bössen  räthen  sei  verfürt  worden;  desgleichen
begehren  I.  fl.  D.!  freien  pass  zu  I.  kgl.  M.‘  in  Ungarn,  so  im
anzug  nach  Böhmen,  in  willens  bei  derselben  umb  gnad  zu  bitten.‘

Dra.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  338,  363,  345;  Or.  mit
Nachschriften.t

82.  Reichshofrat  Hegenmäller  an  den  Erzbischof  von
Salzburg.

Auf  das  Schreiben  vom  27.  Februar,°  das  am  3.  hier  einlief.  Althans
Abordnung  unterbleibt.  —  Weil  sich  die  Dinge  wegen  des  passauer
Volks  stündlich  ändern,  habe  ich  den  Eilboten  aufgehalten,  um  sicheres
melden  zu  können.  ‚‚Obwol  hievor  auf  diser  seiten  der  clainen  stat  etliche
actus,  auf  der  andern  seiten  aber  etliche  promissiones  fürgeloffen,
dardurch  man  aigentlich  eines  friedvertigen  wesens  sich  hette  vergewissen
  können,  so  hat  doch  trauen  und  glauben  aufgehört,  dieweil
sich  könig  stark  interponirt,  seine  anzig  sich  teklich  nehern.  L
ksl.  M.'  als  des  ganzen  werks  ganz  untheilhaftig  haben  den  landstenden
  alles  nachgeben  und  lezlich  dise  beiverwarte  resolution  der
abdankung  erteilt,’  damit  man  auch  vor  zweien  tagen  ein  anfang
gemacht,  aber  aus  mangl  der  mitl  und  der  register  nicht  erklecken
können.‘  Viele  ehrliche  Leute  haben  geraten,  die  so  hochurgierte
Abdankung,  ohne  welche  der  Kaiser  sich  der  Landschaft  und  anderer
nicht  wol  versichern  kann,  teils  mit  Geld  teils  mit  Versicherungen
zu  Prag  zu  vollziehen,  gleichwol  soll  das  Volk  „ad  amovendum  imtionen

  auf  die  Reichssteuern  ausbringen  sollte  (Kaiserliche  Instruktion  vom
2.März;  Ib.,  Hofkonzepte  vom  März  1611;  Kop.).  —  Ueber  Tengnagels  Gefangennahme
  berichtet  ausführlich  der  gewesene  Reichspfennigmeister  Matthaeus  Welser
an  den  Herzog  von  Baiern  am  5.  März  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  26,  f.  42;
Or.  eigh.),  kürzer  Wenzel  Kinsky  in  einem  Schreiben  an  König  Matthias  vom
4.  März,  worin  er  den  König  zur  Eile  anspornt  (Wi.,  IA  1,  Ka.  2991  ;  Or.  eigh.);
vgl.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  11.,  VI.,  S.  397  und  Gindely
Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.  S.  227,  der  irrig.  Ulrich  von  Kinsky  nennt.

!  Vgl.  unten  no.  84.

”  Vgl.  oben  no.  73,  S.  165,  Anm.  2.

®  Vgl.  Gindely,  a.a.0.,  S.  228  und  Zunigas  Schreiben  vom  7.  März
unten  no.  85.

*  Aehnlich  schreiben  die  böhmischen  Stände  am  8.  März  an  Jie  schlesischen
  (Wi.,  I  A1,  Ka.  2989;  Kopie)  und  am  9.  März  an  die  Reichsstände
(Stg.,  Unionsacta,  Bd.  XIl.,  no.  63;  Or.).

°  Vgl.  oben  no.  66,  S.  151,  Anm.  4.

®  Vgl.  oben  no.  77.
        <pb n="205" />
        82.  1611  183

prudens  et  impotens  scandalum‘  jetzt  nach  Budweis  ziehen,  „sich  März  5.
zur  abdankung  aufs  schörfist  obligiern,  die  commissarien  zu  disem
ende  mitnemen,  hergegen  I.  M.'  (welches  dan  auch  alberait  würklich
gelaistet  worden)  ein  150,000  thaler  baares  gelt  und  100,000  fi.
in  gold,  silber  und  waaren  zum  effect  diser  abdankung  mitgeben.
An  Leopold  mant  man  heftig  ab,  damit  er  nit  mitziehe,  ursachen
und  sach  halber,  wie  E.  hochfürstl.  Gn.  leichtlich  ermessen  können,
sonderlich  weil  man  sagt,  dass  zu  Budweis  fast  ein  neues  regiment
angeloffen  und  ein  grosse  anzal  aus  elsassisch  volk  sich  auch  herbei
mache.  Aber  es  wais  ainer  schier  seinen  besten  confidenten  nichts
mer  zu  glauben.  —  Aldieweil  aber  sorg  und  hofnung  in  höchster
bilancia  und  derjenige  theil  schier  fürschlägt,“  so  habe  ich  dem
Kaiser  E.  hochfl.  Gn.  Schreiben  und  Erbieten,  wie  ohnehin  billig,
mitgeteilt,  der  bestens  dankt  und  bittet,  dass,  wenn  „je  von  aussen
oder  inwendig  noch  merer  trangsal  erscheinen  solte,“  E.  hochfl.  Gn.
und  die  treuen  Nachbarfürsten  „sich  eifrig  interponirn  und  nicht
gestatten  wolten,  das  man  ein  römischen  kaiser  so  übel  tractiere.‘“  —
Gestern  haben  die  Stände  des  Erzherzogs  Leopold  geheimen
Rat  Tengnagel,  den  der  Kaiser  an  die  rheinischen  Kurfürsten
geschickt  hatte,  sowie  den  englischen  Gesandten  Lesieur  und  den
kaiserlichen  Hofkammerrat  Meckbach  gefangen  genommen.  —  „Der
baierischen  liga  marschalk  secretarius!  .....  ist  vor  5  tagen
gähling  dorthin  [nach  München]  abgefordert  worden.  Daneben  mörk
ich  an  babst,  Spanien,  Mathias,  Maximilians,  Ferdinands  ministris,  das
etwas  besonders  im  heu  ist;  Albrecht  excusando  se  accusat.  —
Minckwitz  aus  Sachsen?  hat  meines  wissens  noch  gar  nichts  bericht.
Ich  höre  aber  mit  zimblichem  fundament,  das  der  stend  abgesandter,
einer  von  Wartenberg,  mit  schlechtem  contento  alda  abgefortigt  sei

worden.”  Datum  zu  Prag  den  5.  martii  a.  1611.“
Ma.,  107  42,  f  142,  Or.  eigb.t

ı  Der  Name  von  Tillys  Sekretär  ist  ausgefallen.

?  Wegen  Minckwitz'  Schickung  vgl.  oben  ne.  67,  8.154,  Anm.1  und  no.  80.

®  Vgl.  oben  no.  81.

*  Hegenmüllers  Bericht  erfährt  durch  das  eben  erwähnte  Schreiben  des
Reichspfennigmeisters  Matthaeus  Welser  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern
vom  5.  März  noch  manche  Ergänzung.  Welser,  der  den  Kreisen  des  Erzherzogs
  Leopold  nahe  stand  wie  er  auch  hernach  in  dessen  Katastrophe  verwickelt
wurde,  schreibt:  Die  passauische  Impresa  will  ziemlich  schlecht  ablaufen,
Durch  lange  aufzügliche  Verhandlungen  und  weil  der  Kaiser  keinen  Ernst
gegen  die  Altstadt  zulassen  wollte,  haben  die  Stände  an  12000  Mann
geworbenen  Volkes  und  2000  Pferde,  das  Landvolk  ungerechnet,  in  dio  Stadt
bekommen  ;  doch  sind  die  Soldaten  noch  ungemustert  und  grossen  teils  unbewaffnet,
  die  Reiterei  ist  vom  Adel  gestellt.  Das  Volk  des  Königs  von
Ungarn  soll  nicht  mehr  weit  sein;  es  wird  auf  4—8000  Mann  geschätzt.
Einige  sagen,  der  König  sei  gestern  aufgebrochen,  nach  andern  ist  er  bettlägerig.
  Der  Kaiser  hat  sich  endlich  entschieden,  das  passauer  Volk  von  hier
abfüähren  zu  lassen;  es  soll  150000  Thaler  baar  und  100000  fl.  in  Waren  und
Silbergeschirr  erhalten  und  damit  nach  Budweis  ziehen,  wo  die  Abrechnung
und  Abdankung  erfolgen  soll.  Das  Unternehmen  war  auf  das  unbegründete
        <pb n="206" />
        März  5.

März  5.
und  7.

184  1611  83—  84.

83.  Baugy  an  Puysioulx.

„Monsieur.  Les  affaires  de  l’empereur  semblent  estre  en  tres
mauvais  termes  et  si  coux  qui  en  discourent  et  jugent  plus  librement;
ne  se  trompent,  il  est  a  la  veille  de  sa  totale  ruine  Ce  qui  les
confirme  en  ceste  opinion,  est  que  la  plus  grande  part  des  Bohemes
sont  tellement  irritez  de  ce  que  contre  la  parole  qu’il  leur  avoit
donnee,  les  gens  de  guerre  de  Passau  sont  entrez  dans  le  rovaume
  pour  y  faire  le  bel  exploict  dont  je  Vous  ay  cy  devant  escrit,
et  quilz  disent  tout  hault  qu'ilz  n’en  peuvent  suporter  davantage  et
qu'il  est  temps  de  changer  de  gouvernement  apres  avoir  endure  avec
tant  de  patience  plusieurs  oppressions  et  outrages  dont  ilz  se  seroient
rossentiz,  n’eust  est6  qu’ilz  ont  voulu  tesmoigner  a  tout  le  monde,
mesmes  aux  despens  de  leur  reputation,  l’honneur  et  le  respect  qu’ilz
portent  a  leur  prince.  Ce  sera  le  fruict  de  s’estre  laisse  transporter
&amp;amp;  un  apetit  de  vaugeance  sans  avoir  des  forces  suffisantes  pour
l'’assouvir  et  d’avoir  preste  l’oreille  aux  conseilz  de  ceux  qui  pour
l’esperance  qu’ilz  avoient  de  profiter  de  ces  remuements,  ne  se  sont
soucies  de  l’y  engager  au  peril  de  tout  ce  qui  luy  restoit.  J’enten
que  l’archiduc  Leopold  luy  offre  de  le  conduire  avec  ses  tresors  en
lieu  de  seurete  pour  attendre  des  secours  imaginaires,  mais  que  $S.*
M.‘‘  imperiale,  ayant  faict  un  si  mauvais  essay  de  ses  services  passez’
en  est  fort  desgoustee  pour  l’avenir,  tellement  qu’elle  ne  scait  a
quoy  se  resoudre  ny  quel  expodient  prendre  en  ceste  perplexite  de
laquello  attendant  comme  elle  sortira,  je  Vous  baiso  etc.  De  Praguc
le  5  de  mars  1611.“

Pa.,  Harlay,  n.  238,  vol.  XlL.,  f,  65;  Or.

84.  Teongnagels  erste  und  zweite  gütliche  Aussage.

1.  Von  wem,  wohin  und  weshalb  ist  T.  abgefertigt  worden?  —  Vom
Kaiser  an  die  geistlichen  Kurfürsten,  au  Würzburg,  Bamberg,  an  den

Vorgeben  einiger  begründet:  man  hatte  die  Zahl  dos  passauer  Volkes  auf
10  000  gerlühmt,  es  ist  aber  kaum  Jie  Hälfte;  man  hatte  auf  grossen  Zuzug
aus  dom  Elsass,  Schlesien  und  Polen  gerechnet,  von  dem  man  aber  nichts
sieht;  von  Entdeckung  gefährlicher  Praktiken  hat  man  viele  Worto  gemacht,
  es  kommt  aber  nichts  an  den  Tag;  auch  von  der  strengen  Disziplin,
scharfen  Justiz  und  guten  Ordnuug  hat  man  den  Leuten  viel  vorgebildet;
man  merkt  aber  davon  nichts.  So  bestehen  jene,  die  all  das  vorgaben,  ziemlich
  schlecht,  viele  unschuldige  Leute  werden  aber  beschwert.  Die  geplanten
Schickungen  von  hier  sind  aussor  der  Minckwitzens  nach  Dresden  unterblieben  ;
Tengnagel  hätte  zu  Bamberg,  Würzburg  und  zu  den  drei  geistlichen  Kurfürsten
reisen  sollen.  —  Bericht  über  dessen  Gefangennabme.  Die  Öbersten  der
Passauer  ausser  Trautmannsdorf  sollen  alle  mit  dem  Kriegsvolk  abziehen,  der
Erzherzog  aber  hier  bleiben.  Sein  Beichtvater  [P.  Henricus  Vivarins  Aquensis]
hat  sich  gestern,  obwol  von  Kinsky  mit  Geleite  verselien,  in  Bauornkleidern
aus  der  Altstadt  herüber  [auf  die  Kleinseite]  begeben  (Me,  a.a.  OÖ...  —  Auch
Wilhem  Bodenius  bestätigt  in  seinem  Bericht  an  Herzog  Maximilian,  dass
die  kaiserlichen  Kriegsdirektoren  sehr  kleinmütig  seien  und  jetzt  gern  das
Volk  nach  Budweis  und  Krumau  zurückführen  möchten  (Me.,  a.  a.  O,,
f  40;  Or.  eigh.).
        <pb n="207" />
        84.  ‚  1611  185

Landgrafen  Ludwig  von  Hessen  und  an  den  Administrator  der  Kur-  März  5.
pfalz,  und  zwar  vermöge  einer  im  gebeimen  Rat  beratenen  und  vom  Kaiser  Und  7.
gefertigten  Instruktion  des  Inhalts,  die  Genannten  möchten  den  Kaiser
gegen  Matthias  defendieren  helfen,  der  sich  an  jenem  vergreifen
wolle.!  2.  Weshalb  ist  T.  geschickt  worden?  —  Wegen  der
Feindseligkeiten  zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König.  Von  Eızherzog
  Leopold  hatte  er  an  die  Obigen  Beglaubigungen  mitbekommen:
mündlich  hatte  er  ihnen  anzuzeigen,  dass  sie  den  Kaiser  gegen  dessen
Feinde  verteidigen  helfen  möchten.  3.  Steht  T.  ausser  in
Leopolds  noch  in  anderer  Bestallung?  —  Nein;  er  ist  kaiserlicher
Rat,  der  Erzherzog  hat  ihn  durch  Hegenmüller  in  seinen  Dienst
berufen.  4.  Was  weiss  T.  vom  passauer  Handel  und  wer  hat
das  Volk  werben  lassen?  —  Vermöge  der  Bestallung  der  Kaiser.
5.  Hat  der  Kaiser  sich  alles  Vornehmen  der  Passauer  gefallen
lassen  ?  —  Ist  T.  unbekannt.  6.  Wozu  war  das  Volk  geworben?  —
Auf  Verlangen  des  Erzherzogs  Leopold  wegen  Jülich;  Ramde  kam
nach  Jülich  und  begehrte  vom  Er,herzog,  dass  ihm  Passau  als
Musterplatz  eingeräumt  werde.  7.  Wer  hat  das  Volk  in  dies
Land  geführt?  —  Es  war  weder  des  Kaisers  noch  des  Erzherzogs
Wille,  der  Kaiser  hat  Dekrete  dagegen  ausgefertigt;”  warum  Ramce
dennoch  fortzog,  ist  T.  unbekannt.  8.  Warum  hat  Leopold  sich
selbst  beim  Einfall  befunden?  —  Weil  das  Volk  kein  Dekret
achten  wollte,  erzürnte  sich  der  Erzherzog  und  schickte  Ubezko
hinaus.  Als  dieser  nach  Prag  zurückkam,  zeigte  er  an,  er  habe
draussen  einen  Eid  schwören  müssen,  nichts  von  dein  Vorhaben  des
Volkes  zu  verraten,  dem  Erzherzog  aber  und  T.  teilte  er  mit,  dass
Ramee  morgen  um  drei  Uhr  in  Prag  sein  werde  Darauf  ritt  der
Erzherzog  hinaus,  um  das  Volk  zurückzubalten.  Später  liess  er  in
Prag  anfragen,  ob  er  draussen  bleiben  oder  herein  kommen  solle.
Man  befahl  ihm  das  erstere;  so  kam  es,  dass  or  beim  Einfall  zugegen

  war.  9.  Warum  hat  T.,  da  er  von  dem  Einfall  so  zeitlich
wusste,  als  kaiserlicher  Diener  nicht  den  Kaiser  und  die  andern
benachrichtigt?  -—  Der  Kaiser  hat  vom  Einfall  in  Prag  wol  gewusst.

[Am  7.  März  sagte  T.  dazu  weiter  aus:  er  habo  es  dem  Kaiser
nicht  mitgeteilt,  weil  er  wusste.  wio  oft  dieser  seine  Fintschlüsse
ändere  und  un  ihn  bei  seiner  Reputation  zu  erhalten;  „‚dieweil
were  von  Ramee  angezeigt  worden,  es  wurden  bei  dem  einfall  uber
zwei  personen  nicht  verbleiben;  er  hette  es  aber  nicht  effectuirt
sondern  hat  den  kaiser,  den  erzherzog  und  auch  seine  diener  verführt  ;
denn  er,  Ramee,  hat  gesagt  als  wolte  er  es  effectuiren,  das  corpus
des  keisers  regiment  müste  geendert  werden  und  sonderlich  zu  Prag,
dieweil  von  dannen  alles  böse  kommen  were.  Rat  werc  beim  erzherzog
  gehalten  worden,  wie  man  dem  grafen  von  Thurn,  dem  herrn

m

'  Vgl.  oben  no.  67.
’  Vgl.  oben  no.  49,  S.  109,  Anm.  3.
        <pb n="208" />
        März  5.
und  7.

186  1611  84.

von  Vels  und  herrn  von  Lobkowitz  die  köpfe  nehmen  möge;  aber  er,  T.,
hette  gesagt,  solches  könte  man  wol  in  Welschland  verrichten,  aber  hier
in  Behomen  liesse  es  sich  nicht  sondern  [nur]  durch  ordentlichen  process
thun.].!  10.  Was  weiss  T.  von  den  Praktiken  der  Welschen  auf  der
Kleinseite  und  von  sonstigen  Anschlägen  gegen  die  unsern?  —  Nichts,
auch  nichts  von  dem  weissen  Zeichen.”  11.  Warum  ist  das
passauer  Volk  in  Prag  eingefallen?  —  Der  Erzherzog  wollte:  das
ständische  Kriegsvolk  solle  sich  mit  dem  passauischen  vergleichen  „und
[den  kaiser]  gegen  den  konig,  der  dem  kaiser  abgesagt,  defendiren.“
12.  Was  wäre  geschehen,  wenn  das  Volk  die  prager  Städte  eingenommen
  hätte?  —  „Der  erzherzog  hat  wollen  die  union?  erhalten,
hernacher  hetten  sie  wollen  auf  die  grenzen  ziehen  und  zusehen,
was  der  könig  machen  wollen.“  13.  Gesteht  T.  zu,  was  er  gestern
Wenzel  Kinsky  sagte,  dass  der  Kaiser  einige  von  den  Böhmen,  die  ihm
zuvor  getrotzt,  habe  „butzen‘‘  wollen?  —  T.  will  das  dahin  gemeint  haben,
dass,  weil  der  Kaiser  durch  die  geheimen  Räte  um  Land  und  Leute
gekommen  sei,  er  im  geheimen  Rat  eine  Reformation  habe  anstellen
wollen.!  14.  Sind  die  Stände  bei  den  Kurfürsten  und  Fürsten  als
Rebellen  angegeben  worden?  —  Seines  Wissens  nicht;  es  sind  aber
dem  Rechenberg  als  Hauptmann  in  Schlesien  und  dem  jungen  Dohna
nach  der  Lausitz  Beglaubigungen  mitgegeben  worden;  davon  kennt
er  die  Intention  nicht.  15.  Was  sollte  T.  bei  den  Kurfürsten
und  Fürsten  in  specie  anbringen?  —  Er  hätte  gesagt:  er  habe
zwischen  den  Böhmen  und  dem  passauer  Volk  Verbitterung  gesehen  ;
die  Böhmen  sagten,  die  Passauer  sollten  nicht  dem  Landtagsschluss
entgegen  ins  Land  fallen,  wogegen  die  andern  einwandten,  dieser
Schluss  sei  dem  Kaiser  von  den  Ständen  abgezwungen  worden  und
müsste  man  aus  der  Not  eine  Tugend  machen.  16.  Was  will
Ramde  tun,  wenn  er  sieht,  dass  er  nicht  durchbrechen  kann?  —
Rameöe  verlässt  sich  darauf,  ungefährdet  nach  Budweis  zu  kommen,  auch
wenn  er  von  Prag  weichen  müsste.  17.  War  es  nicht  ihrer  aller

ı  Daraus  ist  ersichtlich,  dass  hier  nicht  die  Abschrift  des  ursprünglichen
  Verhör-Protokolle  vorliegt  sondern  dass  die  beiden  Verhöre  vom  5.
und  7,  März  schon  kombiniert  worden  waren  (vgl.  Frage  25.);  in  manchen
Ueberlieferungen  wird  auch  noch  das  Verhör  vom  14.  März  hereingezogen.

?  Die  verschiedenen  Relationen  berichten,  dass  aus  den  Häusern  der
Papisten  und  der  Welschen  während  des  Einfalls  weisse  Tücher  geflattert
hätten,  offenbar  als  Parteizeichen;  vgl.  den  Bericht  der  lüneburgischen  Gesandten
  Grote,  Hoyer  und  Heydemann,  die  Augenzeugen  des  Einfalls  waren
(De.,  A  9a,  Ic.;  no.  4'.;  —  Kop.).

”  Das  ist  die  Vereinigung  des  kaiserlichen  und  ständischen  Kriegsvolkes.

‘  Am  Sn:  ril  berichten  die  kursächsischen  Gesandten  ihrem  Herrn,

dass  der  Kaiser  dem  Präsidenten  des  gaheimen  Rats,  dem  Landgrafen  von
Leuchtenberg,  und  Ernst  von  Mollart  vorgeworfen  habe:  sie  wollte  ihm  die
böhmische  Krone  vom  Haupt  nehmen  und  Matthias  aufsetzen  (Drs.,  1.  9167,
II.  Buch  passauer  Kriegsvolk,  f.  457;  Or.);  vgl.  unten  no.  181.
        <pb n="209" />
        84.  1611  187

Absicht,  die  Böhmen  zu  zwingen,  von  der  Designation  des  Königs  März  5.
Matthias  abzulassen?  —  Er  für  seine  Person  bekennt,  dass,  wenn  \ndT.
er  den  König  nicht  nur  um  die  Designation  sondern  auch  um  Land
und  Leute  bringen  und  dafür  Erzherzog  Leopold  zum  grossen  Monarchen
machen  könnte,  er  es  von  Herzen  gern  tun  wollte  Das  will  T.
dem  König  auch  ins  Gesicht  sagen;  denn  er  handelt  damit  nur  nach
seiner  Pflicht.  18.  Warum  wollte  Ramde  nach  Polen  ziehen?  —
Er  wollte  mit  Hilfe  des  Herzogs  von  Teschen  2000  Kosaken  werben
und  damit  wiederum  denen  [!  den  Passauern  ?]  helfen;  dazu  hat  er  sich
auch  polnische  Kleider  machen  lassen.  19.  Was  ist  der  Passauer
Absicht,  wenn  sich  die  Böhmen  mit  ihnen  nicht  vereinigen  und  der
König  diesen  zu  Hilfe  kommt?  —  Dann  wollen  sie  gegen  des
Königs  Volk  ziehen  oder  von  hier  aus  in  Oesterreich  einfallen.
20.  Haben  die  passauer  Knechte  nicht  abfallen  wollen?  —  Daran
war  etwas,  aber  der  Erzherzog  hat  es  gestillt.  „Der  erzherzog  hat
ihme  [T.]  und  dem  Ubessko  gesagt:  der  Ramee  hat  mich  verführt  und
Ihr,  Hubessky,  auch;  darauf  der  Hubessky  geantwortet:  ja,  wer
wolte  nicht  glauben;  man  hat  gesagt,  in  sechs  tagen  werden  die
kosaken  kommen,  welches  verbliben.  Itzo  ist  des  erzherzogs  meinung,
weil  er  umb  sein  land  und  leute  kommen,  dass  er  sich  neben  dem
kriegsvolk  will  ernehren,  der  krieg  sei  gleich,  wo  er  wolle  Man
hat  alle  mittel  und  wege  gemacht,  den  kaiser  zu  bereden,  er  soll
wegziehen  ins  reich  nach  Passau;  man  hat  auch  geraten,  der  kaiser
soll  seinen  schatz  wegschicken;  solches  rate  der  erzherzog,  alle  geheimen
  räte  und  auch  er  selber“.  21.  Hat  der  Kaiser  Hoffnung,
dass  der  Herzog  von  Baiern  ihm  helfen  wird?  —  T.  glaubt  es;
Graf  Althan  soll  mit  Kredenzschreiben  zum  Herzog  abgefertigt
werden.  !  22.  Was  ist  Minckwitz’  Werbung  bei  Kursachsen??  —
Ein  Gesuch  um  Hilfe,  23.  Was  hat  Ramde  jetzt  weggeschickt?  —
T.  vermutet,  dass  es  Silbergeschirr  sei;  „durch  den  verfluchten  blunder
sei  er  gefangen,  denn  er  hett  ihn  zu  lang  ufgehalten‘.

Fortsetzung  des  Verhörs  am  7.  März.  24.  Von  der  Intention  des
passauer  Volks  weiss  T.  nur,  dass  des  Kaisers  Absicht  dahin  gieng,
wieder  zu  den  abgetretenen  Ländern  zu  gelangen  und  Erzherzog  Leopold
  zum  böhmischen  und  römischen  König  zu  machen.
T.  bekennt  nochmals,  aus  Pflicht  und  Liebe  zum  Kaiser  und  zum  Erzherzog
  nichts  anderes  gewünscht  zu  haben  als  dass  Matthias  dabei  den
kürzern  ziehe  und  dass  Leopold  durch  Vermittlung  des  Kaisers  und
durch  zulässige  Mittel  gross,  ja  wenn  möglich  ein  Monarch  der
Welt  werde.  25.  Wie  wäre  man  im  Fall  eines  Sieges  mit  den
Böhmen  verfahren,  besonders  wenn  sie  sich  nicht  zur  Union  mit  den
Passauern  bequemt  hätten?  —  Man  hat  auf  Thurn  ein  besonderes
Auge  gehabt  und  darum  hat  Ramee  vorgeschlagen,  erst  diesen,  dann

!  Vgl.  oben  no.  66.
”  Vgl.  oben  no,  67,  S.  154,  Anm.  1.
        <pb n="210" />
        März  5.
und  7.

März  5.

188  1611  84  —85.

Fels  und  Wilhelm  Lobkowitz  zu  beseitigen,  dann  werde  alles  besser
gehen;  T.  hat  dies  treulich  widerraten  und  T,eopold  ist  ihm  mit  der

Bemerkung  beigefallen,  man  sei  nicht  in  Welschland.  26.  Mit
welchen  Personen  inner-  oder  ausserhalb  dieses  Königreiehs  hat  der
Kaiser  diese  Intentionen  beraten  lassen?  —  T.  war  nie  bei  einer

Beratung,  bei  der  auch  böhmische  Stände  gewesen  wären.  Im  Rat
des  Erzherzogs  waren  ausser  ihm  Sulz,  Althan  und  Ubozko.  So
lange  er  in  der  Kanzlei  war,  sind  solche  Partikularia  niemandem  sonst
mitgeteilt  worden.  Auf  weiteres  Befragen  gab  T.  an,  dass  Wenzel
Kinsky  öfters  in  der  Kanzlei  Leopolds  gewosen  sei;  auch  Berka,!
Slawata®  und  Smeczansky?  seien  oft  beim  Erzherzog  gewesen.

Wmz,  Reichstagsakten,  Fasz,  103c,  no.  7  und  23;  Kopic.t

85.  Zuniga  an  König  Philipp  I.

Was  E.  M.'  in  einem  Schreiben  vom  18.  Januar  bezüglich  der
Person  des  Herzogs  von  Baiern  in  der  Frage  der  Kaisorwahl  sagen,
„es  muy  conforme  a  lo  que  aca  corre,”  porque  cierto  el  valor  y

-——  -_—

!  Ladislaus  Freiherr  von  Berka,  Führer  der  katholischen  Partei  unter
den  mährischen  Laopdständen,  war  bis  1608  Landeshauptmann  von  Mähren;
vgl.  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreichs,  IV.,  8.  500.

”  Wilhelm  von  Slawata,  Burggraf  von  Karlstein.

*  Schwiegersohn  des  Oberstburggrafen  Adam  von  Sternberg,  hervorrogendes
  Mitglied  der  katholischen  Ständepartei  in  Böhmen.

‘  Nach  einer  prager  Zeitung  vom  6.  März  wurde  Tengnagel  zunächst
  im  Hause  Kinskys  verwahrt  und  hier  von  einigen  aus  den  Ständen
gütlich  examiniert;:  an  Geld  fand  man  bei  ihm  nur  80)  Thaler,  dafür
aber  eine  Anzahl  Schreiben,  aus  denen  die  Stände  solche  Geheimnisse  erfuhren,
  dass  sie  die  Schreiben  höher  als  grosse  Beute  achteten.  Am  Abend
bei  Tisch  äusserte  Tengnagel,  er  habe  manchen  Galgenritt  getan  und
wäro  allezeit  noch  davon  gekommen.  Man  erwiederte  ihm  aber,  er
möge  zusehen,  dass  er  jetzt  nicht  hängen  bleibo  (Dre.,  I.  9166.,  I.  Buch
passauer  Kriegsvolk,  f.  293;  Kop.  von  Pfretzschnere  Hand).  —  Am  9.  März
berichteten  die  Stände  über  ihren  Fang  und  dio  Aussagen  an  König
Matthias,  der  schärferes  und  peinliches  Verfahren  gegen  Tongnagel  zur  Erforschung
  der  Wahrheit  für  nötig  hielt  (Antwort  des  Königs  vom  14.  slärz
aus  Znaim;  Drs.,  a.  a.  O.,  f.  483,  Kopie);  in  einem  Schreiben  an  Herberstein
  vom  17.  März  wioderbolte  Matthias  diesen  Wunsch  und  legte  Interrogatorien
  bei;  doch  sollte  die  Befragung  vor  seiner  Ankunft  in  Prag  und  ia
solcher  Art  geschehen  als  käme  sie  nicht  von  ihm  her;  Hoerberstein  sollte  dies
durch  Vertraute  vermitteln  (Wi.,  I  Al;  Ka.  2991;  Kpt.).

»  Dass  man  damals  in  München  den  Kaiserträumen  nicht  völlig  ontsagt
hatte,  zeigen  die  freilich  sehr  aphoristischen  Aufzeichnungen  im  Protokoll  des
geheimen  Rats  vom  10.  Januar,  als  man  wegen  Abdankung  des  mörsbergschen
  und  haslangschen  Regiments  beriet;  dabei  äusserte  Herwartlhi:  „ob
I.  D.*  das  intentum,  zur  römischen  cron  zu  gelangen,  ganz  und  gar  fallen
wellen  lassen,  obs  ir  schon  aufgetragen  wurde:  quo  casu  das  volk  zu  licentiirn;
  2.  ob  sie  [fl.  D.!)  ainem  darzue  helfer,  dem  andern  enthelfen  wollen;
hoc  casu  were  das  volk  zu  behalten.  I.  D.!  aber  haben  sich  negative
resolrirt.*  D."r  Jocher  bemerkt  beim  Votieren:  „I.  D.!  geen  der  zeit  nit
auf  denen  gedanken,  dass  man  wegen  der  römischen  cron  dismalen  ain  aigentlich
  conelus  zu  machen  sondern  allain  al  desseo*“  (Md.,  (reh.  Rat.  XIIL
no.  619;  f.  100).
        <pb n="211" />
        85.  —86.  1611  189

atencion,  con  que  procede,  le  da  mucho  credito  en  todo  el  imperio
y  assi  he  significado  siempre  a  V.  M.'!  que  es  menester  ir  con  cuidado
con  el  y  por  otra  parte  mostrar  gran  confianza  en  lo  uno  y  en  lo
otro..  Me  he  desvelado  mucho  despues  que  estoy  aqui  y  en  todo  lo
que  toca  a  esto  de  la  election  estare  con  estraordinario  cuidado,
observando  las  ordenes,  que  podria  dar  para  venir  a  ello  esta  gran
turbacion  del  estado  del  emp.°““  Nicht  der  Herzog  Maximilian  von
Baiern  zeigt  zur  Verheiratung  der  Herzogin  Magdalena  mit
Leopold  Lust  sondern  der  alte  Herzog  Wilhelm  „esta  muy  embarzado
en  esta  empresa  del  s.°”  archiduque  y  en  todo  lo  que  es  grandeza
suia.!  Praga  di  5  marco  1611“.

8im.,  Fasz,  2497,  f.  289;  Kop,

86.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Kurfürsten
von  Brandenburg.

Auf  das  Schreiben  vom  20.  Februar.”  Dass  E.  L.  vom  Besuch
dieses  u.  E.  so  notwendigen  Unionstages  abgehalten  werden,  vernehmen
  wir  sehr  ungern,  halten  Sie  aber  wegen  der  wichtigen  Ursachen
  für  entschuldigt.  Wir  würden  zwar  den  Unionstag  gern
rückgängig  machen;  aber  wegen  Kürze  der  Zeit,  auch  weil  vermutlich
die  Gesandten  einiger  entsessener  Stände  schon  auf  dem  Wege  sind,
besonders  aber  mit  Rücksicht  auf  die  Städte,  die  auf  Vorlegung  der
Unionsrechnungen  am  heftigsten  gedrungen  haben,  ist  es  untunlich.
Den  Städten  würde  dadurch  nur  Ursache  zum  Argwohn  gegeben;
dazu  ist  durch  die  Ereignisse  in  Böhmen  die  Oberpfalz  und  ihre
Nachbarschaft  in  höchste  Gefahr  gesetzt,  so  dass  wir  dafür  halten,
dass,  wenn  auch  in  den  Hauptpunkten  des  Ausschreibens  nichts  schliessliches
  verrichtet  werden  kann,  der  Unionstag  doch  fortgehen,  von  den
Punkten  wenigstens  „praeparatorie‘‘  geredet  und  den  Städten  durch  Vorlegung
  der  Rechnungen,  soweit  es  sein  kann,  etwas  Genügen  geschehen
muss.  Hauptsächlich  soll  aber  beraten  werden,  da  der  Kaiser  und
die  böhmischen  Stände  angeblich  mit  einander  verhandeln,  um  das
passauer  Kriegsvolk  fünfzehn  Meilen  weg  von  Prag  zu  führen
und  dies  leicht  gegen  die  Lande  der  Unierten  hin  geschehen  könnte,
wie  diese  drohende  Gefahr  abzuwenden  wäre.  Damit  ist  keineswegs  zu

'  Vgl.  oben  no.  63  und  Wittelsbacher  Briefe,  Abt.  VIII,
Ss.  10  f.

?  Mitteilung  von  dem  Stand  der  Verhandlungen  in  Jüterbogk,  die  das
gemeine  Wesen  stark  berühren  und  die  Consilia  auf  künftigem  Unionstag  beeinflussen
  werden.  Man  möge  sich  daher  mit  dem  schweinfarter  Tag  nicht  übereilen
und  den  Ausschlag  der  jüterbogker  Handlung  abwarten  (Mb.,  1193,
f.  256;  Or.).  —  Schon  am  16.  26.  Februar  schlug  der  Kurfürst  mit  den
beiden  Markgrafen  von  Ansbach  und  Culmbach  und  dem  Fürsten  Spretian

21.  il
von  Anhalt  dem  Administrator  vor,  die  Versammlung  auf  den  un

1.  Mai
nach  Nürnberg  zu  verlegen  (ib.,  119,4,  f.  44;  Or.).

März  5.

März  5
        <pb n="212" />
        März  5.

März  6,

190  1611  86—87.

feiern;  es  müsste  sonst  unbedingt  wegen  der  böhmischen  Ereignisse
eine  besondere  Zusammenkunft  angestellt  werden.  Wir  sind  eben
daran,  die  unsrigen  nach  Schweinfurt  abzufertigen  und  werden  E.  L.
die  Verhandlungen  mitteilen.  Da  ohnehin  nächstens  eine  anderweitige
persönliche  Zusammenkunft  nötig  sein  wird,  so  wäre  zur  Beförderung
der  Sache  dienlich,  wenn  E.  L.  sich  mit  den  andern  Fürsten  unterredeten
  und  verglichen,  wann  und  wo  eine  solche  anzustellen  wäre,  und
dies  auch  unsern  Räten  zu  Schweinfurt  anzeigten,  damit  Tag  und
Ort  im  Abschied  bezeichnet  und  ein  besonderes  Ausschreiben  erspart
werden  könnte.  E.  L.  bitten,  dass  Fürst  Christian  nicht  heraus  zu
kommen  brauche.  Wir  gönnen  zwar  E.  L.  seinen  Rat  gern,  zweifeln
aber  nicht,  dass  der  Fürst,  wenn  er  vom  jetzigen  Zustand  hört,
bedacht  sein  wird,  durch  seine  Gegenwart  in  der  Oberpfalz  Rat  zu
schaffen.  Datum  Heidelberg  den  23.  februarii  a.  1611.

Mb.,  119]3,  f.  262;  Kpt.  von  Hausmann.!

87.  Koadjutor  Ferdinand  von  Köln  an  Herzog  Masimilian
  von  Baiern.

„E.  L.  schreiben  vom  ersten  diss’  ist  mir  mit  heutiger  ordinari
wol  zuekommen,  dessen  inhalt  mich  die  warheit  zu  bekennen  nit
wenig  erschrecket,  dieweil  ich  auss  demselben  befinde,  dass  ich  nit
allein  vor  dismal  sonder  auch  inskunftig  von  der  union  mich
einichen  beisprungs  und  hilf  nit  zu  versechen  haben  solle,  welches
zwar  allen  vorigen  mir  gegebnen  vertröstungen  sehr  ungemess.”

?  Am  gleichen  Tag  schreibt  der  Grosshofmeister  Solms  an  Fürst  Christian
von  Anhalt:  man  kann  den  Unionstag  wegen  der  Städte  nicht  abschreiben,  die
auf  Vorlage  der  Rechnungen  dringen;  vielleicht  aber  werden  gerade  die  böhn:-ischen
  Dinge  den  Städten  bessere  Resolution  eingeben.  Die  Städte  glauben,
dass  bei  einigen  Fürsten  grosse  Ausstände  seien,  man  aber  trotzdem  in  sie,
die  Städte,  dringe,  in  den  Beutel  zu  greifen.  Man  muss  ihnen  dies  Mistrauen
  schleunigst  benehmen  und  ihnen  vorstellen,  dass  die  unierten  Kurfürsten
  und  Fürsten  nicht  nur  nichts  erspart  sondern  einige  sogar  weit  über
ihre  Quote  hinaus  Darlagen  geleistet  haben.  Schweinfurt  als  Ort  der  Versammlung
  ist  gerade  von  Kurbrandenburg  angeregt  worden  (Bbg.,  A  9a.
no.  82,  f.  32;  Or.  eigh.).  Vgl.  oben  no.  70,  S.  161,  Anm.  1.

!  Antwort  auf  ein  Klageschreiben  des  Koadjutors  vom  20.  Februar  (Ma.,
39  22,  f£.28;  Or.).  Der  Herzog  erklärt  darin  kategorisch,  dass  der  Koadjutor  sich
auf  eine  Hilfe  aus  der  oberländischen  Bundeskasse  zur  Bezahlung  seiner  tausend
Mann  weder  für  jetzt  noch  für  die  Zukunft  Hoffaung  machen  dürfe,  darum
möge  der  Koadjutor  dies  Volk  sobald  als  möglich  abdanken.  Er,  Herzog,
könne  ihm  bei  der  augenblicklichen  Lage  im  Reich  höchstens  soweit  aushelfen,
  dass  er  ihm  jene  10000  Gulden,  die  er  dem  Koadjutor  aus  bräderlicher
  Liebe  „zu  aufnemung  seines  kunftigen  wolhausens*  verheissen  hat,  zur
Bezahlung  jenes  Volkes  zur  Verfügung  stellt;  aber  auf  eine  Erstattung  dieser
Summe  durch  den  Bund  dürfe  der  Koadjutor  nicht  rechnen  (Ma.,  39.22,
f.  36;  Kpt.).  Vgl.  oben  no.  48.

?  Der  Herzog  bemerkt  dazu  am  Rand  eigenhändig:  „die  vertröstungen
sollen  aufgesucht  werden.“
        <pb n="213" />
        87.  1611  191

Wie  mir  nun  bei  disem  in  der  union  namen  geworbnem  kriegsvolk  März  6.
zu  muet  sein  müesse,  das  lasse  ich  E.  L.  und  einen  jeden  verstendigen
  bei  sich  selbsten  ermessen,  und  obwol  E.  L.  in  itzig
Ihrigem  schreiben  anregung  thun,  Sie  hetten  sich  vor  disem  gegen
mir  vernemen  lassen,  berierts  kriegsvolk  abzedanken,  so  kann  ich
mich  doch  dessen  zumal  nit  erinnern,  auch  kein  dergleichen  schreiben
finden,  ausser  wass  etwa  ungefehr  vor  finf  monaten,  da  man  die
von  der  union  bewilligt  vollige  anzahl  der  2000  mann  annemen
sollen,  geschechen  sein  mag;  selbigen  mals  E.  L.  ich  auch  berichtet,
dass,  ehe  und  bevor  mir  Deroselben  schreiben  zuekommen,  die  200
reuter  und  800  zue  fuess  schon  geworben  gewest,  darbei  es  seithero
  verbliben  und  interim  keiner  weiteren  abdankung  meldung  beschechen
  sonder  vilmehr  E.  L.  freundlich  erbieten  in  allen  Ihren
schreiben  dahin  gangen,  dass  Sie  bei  vorstehender  bundsversaumblung
dises  betriebten  orzstifts  im  besten  gedenken  wollen,  dass  auch,  wie
E.  L.  in  Irer  schreiben  einem  underm  dato  9.  januarii!  jungsthin
meldung  gethan,  nit  nötig  were,  den  veldmarschalk  oder  generalwachtmeister
  zu  einnemung  des  augenscheins  dises  erzstifts  grenizen
herabzeschicken,  seitemal  in  meine  vilfeltige  eingelangte  schreiben
und  klagen  einicher  zweifel  nit  zu  stellen  sonder  alles,  was  fürkommen,
  wol  zu  glauben  seie,  darbei  aber,  so  auch  vor  und  nach,
keiner  cassation  meldung  beschechen.  So  hette  sich  auch,  seider
diser  zeit  das  volk  in  der  union  pflicht  und  eid  gewest,  auch  noch
ist,  die  abdankung  wegen  grosser  unsicherheit  und  besorgender  gefahr
(ausser  dass  es  sich  wenig  wochen  hero  etwass  stiller  erzeiget)
ganz  nit  thun  lassen.  Dass  ich  nun  aber  itzo  E.  L.  andeiten  nach
darmit  verfahren  solle,  ausserhalb  wass  zur  notwendigen  besatzung
der  vestung  Keisererswert,  weliche  zumal  nit  kann  unbesetzt  bleiben
ohn  gewisse  verlierung  derselben,  wie  auch  zu  versicherung  meiner  person
und  guardi  [erforderlich  ist],  weliches  E.L.  ich  bei  disen  schwirigen  zeiten
zu  bedenken  gibe,  were  mir  zwar  nit  zuwider,  aber  Dieselben  haben
schon  öfters  von  mir  verstanden,  dass  ich  die  geringste  mitel  weder
zu  fernerm  underhalt  noch  zu  abdankung  diser  ends  nit  weiss,
vil  weniger  bei  Meintz  (wie  mir  der  graf  von  Zollern  schreibt)  etwas
zu  gewarten  sonder  es  ist  mir  auch  daselbs  wie  in  gleichem  von
Trier  mit  fernerm  beisprung  abschlegiger  bescheid  erfolgt.”  Welches

ı  Der  Koadjutor  hatte  in  einem  Bittschreiben  vom  2.  Januar  (Ma.,  39  22,
f.  2:  Or.  eigh.)  den  Herzog  ersucht,  sich  durch  Absendung  von  Tilly  und
Haslang  überzeugen  zu  lassen,  dass  mit  dem  vorhandenen  Volk  die  Grenzen
nicht  genügend  besetzt  werden  könnten,  damit  bei  künftigem  Bundestag
wegen  einer  Hilfe  ein  gemeiner  Beschluss  zu  stande  käme.  Der  Herzog
lehnte  dies  am  9.  Januar  (Ma.,  39  22,  f.  4;  Kpt.  von  Gewold)  ab.

?  Am  4.  März  warben  der  Dompropst  Eitel  Friedrich  Graf  von  Hohenzollern
  und  Liz.  Wintzler  für  den  Koadjutor  beim  Kurfürsten  von  Mainz:
derselbe  möge  raten,  ob  das  im  Erzstift  Köln  unterhaltene  Volk  behalten
oder  abgedankt  werden  solle;  der  Koadjutor  habe  aus  eigenem  schon  grosse
Opfer  gebracht  und  rege  an,  die  im  Zahlen  säumigen  Stände  der  rheinischen
        <pb n="214" />
        März  6.

192  1611  87.

alles  und  dass  ich  von  der  union  so  ganz  und  gar  wogen  einer  so
geringen  summa  verlassen  sein  solle,  mir  billich  schmerzlich  fürkombt.
  Muess  es  also  gleich  Gott  und  der  zeit  befelchen.  Und  ist
sich  wol  billich  zu  verwunderen,  dass  ein  cassa  der  anderen  nit  so
vil  freundschaft  erzeigen  und  eine  dergleichen  geringe  summa  gelds,
dardurch  der  ganzen  catholischen  liga  schimpf,  spott,  mutination
des  volks  und  dardurch  entspringend  unwiderbringlicher  schaden
verhietet  werden  kunte,  fürstrecken  solle.  Dass  mir  nun  aber  alle
hoffnung  jetzt  und  inskünftig  benommen  sein  solle,  kann  ich  wiss
Gott  also  nit  verschmerzen  sonder  protestier  nochmal  hiemit  für
Gott,  da  auss  diser  missbezahlung  und  dass  ich  so  ganz  verlassen
werde,  einiche  mutination  von  dem  in  disem  erzstift  der  union  zugehörig
  verpflichtem  kriegsvolk  erregt  und  disem  armen  stift  einicher
schaden  und  gefahr  (welches  der  allmechtig  verhiete)  erfolgen  sollte:
dass  ich  hieran  genzlich  und  zumal  entschuldiget  sein  will,  dann
wie  oben  und  sonst  mehrmahl  von  mir  angedeitet,  zu  ferner  underhalt
  der  soldaten  nit  allein  gar  kein  mitel  mehr  vorhanden  sonder
ich  muess  daneben  noch  in  itzig  vorstehender  frankforteı  fastenmess
an  die  achttausend  reichstaler,  so  ich  der  union  zum  besten  von
guten  ehrlichen  leuten  uf  meinen  credit  entlehnet,  bezahlen.  Das
kan  aber  uf  kein  andere  weiss  zugehen  als  dass  ich  letztlich  meine
mobilia  und  was  ich  habe,  angreifen  und  meinen  biss  daheer  Gott
lob  erhbaltnen  glauben  rette..e  Wie  wehe  mir  aber  nun  darbei  geschechen
  und  zu  wass  grossem  schaden  mir  diss  unionwesen  gereiche,
ja  mich  bald  zur  desperation  bringe,  gibe  E.  L.  ich  freundlich  zu
erwegen  und  were  mir  bei  so  geschaffenen  sachen  besser,  dass  ich
disen  erzstift,  deme  ich  nunmehr  etliche  jahr  lang  ohne  rhuemb
treulich  vorgestanden,  niemals  gesechen  noch  darein  kommen,  Bitte
daher  E.L.  freund-brüederlich,  Sie  wollen  doch  diss  alles  der  notturft
nach  beherzigen  und  mich  berichten,  wess  ich  mich  noch  entlich  zu
diser  union  zu  getrösten,  wiewols,  wann  cs  sich  nit  anderst  als
bishero  beschechen  anlast,  mehr  einer  disunion  geleich  sechen  will.!
Zu  wass  ruemb  es  nun  aber  diser  liga,  damit  man  in  die  zwei  jahr
umbgangen,  bei  meniglich  gereichen  und  wass  es  sowol  bei  den
Catholischen  als  Uncatholischen  für  ein  seltzams  nachdenken  machen
wirdet,  ist  bei  verstendigen  leichtlich  zu  erwegen.  Ich  kann  mir
aber  je  nicht  einbilden,  wann  dio  sambtliche  stend  bei  kunftig
fülligem  bundstag  zusamenkommen,  dass  man  dassjenige,  welches  biebevor
  so  reiflich  und  wol  bedacht,  von  allen  interessirten  stenden

—  m  un

Kasse  zur  ungesäunten  Einlieferung  ihrer  Quoten  zu  veranlassen.  Der  Kurfürst
wies  auf  die  leero  Kasse  hin  und  erklärte  sich  einverstanden,  die  Säumigen,
besonders  Speier,  zu  ermahnen;  auch  eine  Zuwendung  aus  Jen  päpstlichen
Hilfsgeldern  wolle  er  unterstützen;  wegen  der  Abdankung  des  Volkes  und
der  Rettung  der  Stiftslande  handle  man  am  besten  beim  bevorstehenden
Bundestag  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  46;  Protokoll  von  Faber).

!  Der  Herzog  bemerkt  am  Rand:  „Diss  ist  der  dankh“.
        <pb n="215" />
        87  —  88.  1611  193

bochnutzlich  und  erspriesslich  angesechen,  auch  vil  hohe  potentaten,  März  6.
welche  ihnen  dise  heilsame  liga  ebenmessig  wol  gefallen  lassen,  zur
miteintretung  willig  gemacht,  jetzo  wideramb  so  urblitzlich  und
gleichsamb  nit  wissend,  auss  wass  ursachen!  sollte  widerumb  zu
trimmern  gehen  lassen;  dann  uf  solche  weiss  meniglich  darfür  halten
[wurde],  dass  ein  jeder  fuchs  seines  eignen  balgs  achtung  nemen
wollte.  Wass  es  aber  lestlich  für  ein  aussgang  gewinnen  [wurde],
wurde  man  besorglich,  doch  zu  spat  mit  schaden  erfahren.  Und  obwol
wir  die  nechsten  dissmals  beim  feur  sitzen,  so,  welches  Gott  gleichwol
  genedig  verhiete,  aufgefressen  werden,  kinte  es  doch  auch  wol
noch  auf  andere,  auch  die  weitesten  und  die,  welche  sich  jetzt  ganz
sicher  zu  sein  vermeinen,  bei  diser  disunion  etwo  mittreffen.  Ich
will  aber  noch  der  hoffnung  leben,  es  solle  bei  zukunftigem
bundstag  ein  anders  erfolgen  und  mit  der  loblichen  liga  vorbedachter
  massen  continuando  fortgefahren  werden.  So  vil  sonsten
aber  die  mir  von  E.  L.  vor  disem  verwilligte  zechentausend
gulden,  derentwegen  ich  mich  nochmalss  bedanke,  anlangt,  weil
ich  inhalt  E.  L.  heutiges  schreibens  der  widererstattung  von  der
liga  nit  vergewissigt  sein  kann,  alss  bin  ich  auch  nit  bedacht,
wird  mirs  auch  niemands  zumuethen,  weder  diselbe  noch  auch  wass
wenigers  der  union  zum  besten  einzeschiessen;  dann  ich  vermeine,
ich  habe  mit  meinem  embsigen,  getreuen,  wolmeinenden  fleiss  der
liga  zum  besten  bisshero  ohne  ruemb  nichts  ermanglen  lassen,  verhoffe
  auch  nit,  dass  ich  dergleichen  recompens  verdient,  auch  also
ganz  und  zumahl  verlassen  sein  sollee  E.  L.  wollen  mich  aber,
darumb  ich  freundlich  bitt,  mit  nechsten  zu  meiner  nachrichtung
verstendigen,  ob  der  gemeine  bundstag  noch  entlich  seinen  fortgang
  erreichen,  ob  ich  mich  auch  alssdann  ichtwass  zu  getrösten

haben  möge.  Geben  Bonn  den  6.  martii  a.  1611.“
Ma.,  3922,  f.  40;  Or.

88.  Zuniga  an  König  Philipp  III.  März  7.

A  los  19  del  passado  escrivi  a  V.  M.@  el  estado  travajoso  en  que
quedavan  las  cosas  desta  giudad?.  Despues  se  fue  procediendo
en  el  tratado  con  las  ciudades  vieja  y  nueva  y  barones  y  cavalleros
  alli  congregados,  los  quales  trujeron  en  palabras  al  emp.°"
siete  d  ocho  dias,  dando  esperangas  que  abririan  las  puertas  pregediendo
  ciertos  pactos,  pero  despues  cortaron  el  ylo  a  la  negogiasion
y  cada  dia  les  entra  gente  de  socorro  y  de  la  provingia  de  Moravia
  que  es  de  la  obediengia  del  rey  Mathias.  Se  esperan  ocho  mil
hombres  y  el  rey  con  el  resto  de  sus  fuergas  se  encaminava  hazia
la  frontera  y  estava  senalada  su  partida  para  los  4  deste,  segun

..  *  DerHerzog  am  Rand;  „Die  vrsach  wirt  sich  bald  finden,  dass  einem
nit  zu  heiffen,  der  thm  selbst  nit  helffen  will“.
’  Vgl.  oben  no.  63.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bi.  13
        <pb n="216" />
        März  7.

194  1611  88

escrive  el  cavallerizo  mayor  del  emp.°",  juez  mayor  de  Bohemia!,  que
fue  alli  dias  ha  [!]  con  embaxada  juntamente  con  otros  personajes  de
Bohemia  con  consentimiento  del  emp...  Ha  escrito  el  rey  a  los
estados  congregados  en  la  ciudad  vieja  que  venia  a  socorrellos  como
designado  rey  de  Bohemia  y  a  librarlos  de-la  tirania  de  los  soldados
de  Passau  y  no  nombra  al  emp.°”  en  esta  escritura..  Yo  no  he
tenido  carta  del  rey  nj  de  nadie  de  alla,  por  que  todos  los  caminos
  estan  tomados  y  detienen  todos  los  despachos  los  Bohemios.
8.  M.?  cesarea  los  primeros  dias  despues  de  la  entrada  del  senor
archiduque  se  mostrava  alegre,  aunque  siempre  a  negado  que
huviese  sido  con  su  orden  la  venida  desta  gente,  y  de  pocos  dias  a
esta  parte  haze  gran  fuerza  en  que  salgan  desta  ciudad  y  para  esto
sea  tratado  de  dalles  algun  dinero  y  con  effecto  se  ha  concertado
que  salgan  y  el  emp.”  se  resuelve  a  quedarse  a  voluntad  de  los
Bohemios,  esperando  que  ellos  seran  parte  para  detener  al  rey
Mathias  y  que  tendran  por  bien  de  continuar  en  su  serricio  Como
hasta  aqui  y  los  soldados  tienen  por  bien  de  retirarse,  viendo  que
de  otra  manera  van  perdiendo  tierra  cada  dia  y  dificultandoseles  la
retirada  tienen  designio  de  hazerla  encaminandosoe  a  Butdebais  y
Tabor  y  Cremau,  plazas  dentro  de  Bohemia  en  que  tienen  presidio
suio.  El  senor  archiduque  hasta  agora  esta  resuelto  a  yrse  con
ellos  y  segun  he  entendido,  esta  en  terrible  desesperacion?  y  habla
en  meterse  capuchino  y  no  ha  faltado,  quien  le  aya  propuesto  que  se
vaya  a  Francia  que  tan  ruyn  y  tan  baxa  gente  es  alguna  de  la  que
S.A.  trae  cabe  si[!].  Yo  hasta  aqui  he  disentido  muy  publicamente
desta  action  de  S.  A.,  como  lo  hize  siempre  desta  leva  de  gente  y
el  ha  estado  sentidissimo  de  mi.  Agora  que  le  veo  en  este  termino
  me  ha  parecido  por  medio  de  Antonio  Mirabalo  camarero
napolitano  que  es  de  su  camara,  abrille  manera  de  camino,  para  que
no  se  desespere  del  todo,  significandole  la  voluntad  que  V.  M.@  Ile
tiene  y  lo  que  gustaran  de  complazelle  y  consolalle  en  qualquiera
ocasion.  Una  de  las  quejas  que  el  senor  archiduque  a  tenido  de

ı  Adam  d.J.  von  Wallenstein,  einer  der  sechs  Abgesandten  der  Stände
an  König  Matthias;  vgl.  oben  no.  72,  8.  165,  Anm.  1.

?  Am  7.  März  schreibt  Feldmarschall  Sigisınund  von  Herberstein  an  König
Matthias:  Der  Erzherzog  hat  eben  seinen  Kämmerer  Mirobaldo  zum  Grafen
Thurn  und  zu  Wenzel  Kinsky  geschickt  und  ihnen,  weil  er  ihnen  vertraue,  eröffnen
  lassen:  er  sei  durch  seine  Jugend  und  durch  böse  Räte  in  dies  Unglück
  gekommen  und  erbitte  ihren  Rat,  was  er  tun  solle,  sich  beim  König
zu  salvieren.  Jene  erwiderten:  sie  bedauerten,  dass  der  Erzherzog  erst  80  spät
zwischen  treuen  Dienern  und  Jeichtfertigen  Heuchlern  unterscheiden  lerae;  hätte
er  ihnen  früher  geglaubt,  so  könnte  er  mit  grösserer  Reputation  als  jetzt
leben;  sie  könnten  ihm  nur  raten,  sich  vor  dem  König  zu  demütigen,  alle,
die  zu  diesem  Vornehmon  geraten  haben,  gefangen  nehmen  zu  lassen  und
dem  König  auszuliefern  (Wi.,  I  A1,  K.  2991;  Kopie).  Aebuliches  berichtet
Wenzel  Kinsky  selbst  an  den  König  (ebenda,  Or.);  vgl.  oben  no.  81,  S.  182,
Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,  VI,  Ss.  396,  und  Gindely,
Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  S.  229.
        <pb n="217" />
        88.  1611  195

mi  a  sido!,  de  que  el  dia  que  entro  por  fuerca  su  gente  en  esta  März  7.
ciudad,  Venceslao  Quinski  viniendo  roto  del  rencuentro,  que  hubo
en  la  plaza,  aporto  a  la  puerta  de  mi  casa  a  pie  y  luego  llegaron
quatro  cavallos  suios  y  el  pidio  otro  aqui  en  casa  para  poner  un
criado  y  con  todos  cinco  passo  la  rivera  y  se  entro  en  la  giudad
vieja,  y  pondera  mucho  el  seuor  archiduque  el  haverle  dado  yo  este
cavallo.  Y  lo  primero  los  Bohemios  peleavan  con  patentes  del  emp.’
y  nunca  S.  M.  antes  ni  despues  a  declarado  por  rebeldes  a  este
cavallero  ni  a  ninguno  dellos,  lo  otro  como  passo  con  Ginco
cavallos  pudiera  pasar  con  quatro,  y  yo  desde  la  ventana  nunca  le
dije  otra  cosa  que  compadecerme  de  su  travajo  y  oylle  sus  quejas
que  dezia  a  gritos,  de  manera  que  el  senor  archiduque  no  tiene
causa  ninguna  de  tener  sentimiento  deste  caso;  pero  es  verdad  que
aunque  yo  no  le  signifique  al  Vengeslao  ninguna  cosa  que  guste
de  que  pasase  a  la  otra  parte,  por  que  se  ha  temido  mucho  y  no
dexa  de  temerse,  aunque  las  ciudades  vieja  y  nueva  y  todo  el
reyno  no  solo  se  apartase  de  la  orden  del  emp.°",  pero  que  no
reciviese  tan  poco  al  rey  de  Ungria.  Y  como  este  Venceslao  es  su
gentilombre  de  la  camara  y  persona  muy  cavida  con  el  pueblo,  me
parecio  que  estaria  bien  alla,  para  que  ya  que  se  arrojasen  este  los
guiase  a  la  parte  del  rey;  pero  como  digo  yo  no  trate  ni  por  pensamiento
  con  el  nada  desto  ni  hable  con  el  palabra  sino  tan  en
publicco  como  de  una  bentana  alta  a  una  placetilla,  donde  avia
muchas  personas.  El  senor  archiduque  es  mozo  y  ha  tenido  muchos
lisongeros,  cave  se  que  le  han  hecho  herrar  y  abrazar  estas  quimeras,
pero  cierto  tiene  muchas  partes  buenas  y  assi  tengo  por  conveniente
que  V.  M.?  no  le  desheche  de  Su  gracia,  sino  que  se  sirva  de
favorezerle  y  hazerlo  merced  en  lo  Justo  y  assi  con  esta  letura
yre  contemporizando  con  S.  A.

Los  estados  de  Bohemia  que  estan  juntos  en  la  ciudad  vieja  me
escrivieron  una  carta?,  disculpandose  del  caso  de  los  religiosos  de
santa  Maria  de  las  Nieves  y  embiaron  aqui  tres  diputados  a  infofmarme,
  offreziendo  de  hazer  exemplar  castigo  y  yo  les  respondi®,
baziendo  apretada  instancia  por  la  demostragion  y  por  otra  parte
asigurandolos  del  descontento  que  V.  M.?  reciviria  de  la  entrada
desta  gente  de  guerra  en  esta  ciudad  y  del  desseo  que  V.  M.“  tenia
de  la  paz  y  tranquilidad  deste  reyno,  teniendola  por  muy  conveniente
para  el  servigio  del  emp."  y  de  toda  la  casa  de  Austria;  y  con
esta  emvio  copia  de  lo  uno  y  de  lo  otro  y  de  la  carta  que  eu  esta
ocassion  me  paregio  escrivir  a  algunos  principes  del  imperio.

'  Vgl.  darüber  noch  Gindely,  a.  a.  O.,  S.  212,  Anm.;  im  Schreiben
Zunigas  vom  19.  Februar  (oben  no.  63)  steht  aber  nichts  von  diesem  Vorfall.
?  Stände  an  Zuniga  und  an  den  Nuntius  am  19.  Februar;  vgl.  oben

no.  63,  8.  145,  Anın.  1.

3  Wegen  der  Antwort  Zunigas  an  die  böhmischen  Stände  vom  24.  Februar
vgl.  no.  63,  a.2.  0.

13*
        <pb n="218" />
        März  7.

196  1611  88.

Agora  me  emvio  a  dezir  el  senor  archiduque  que  queria  venir
a  verme  a  mi  posada  y  fue  a  buscarle  a  palacio,  a  donde  le  allado
muy  confuso,  aunque  no  perdido  de  animo  6  le  procurado  alentar,
mostrandole  la  buena  voluntad  que  V.  M.?  le  tiene  y  lo  que  ke
quieren  y  estiman  su  persona  y  que,  aunque  les  a  desplacido  siempre
esta  leva  de  gente  de  Pasau  y  sentiran  mucho  su  entrada  aqui,  no
dejaran  en  todo  lo  que  fuere  justo  y  hacedero  de  favoregelle  y  tener
quenta  con  la  persona  de  S.  A.  como  es  razon.  Dijome  que  tenia
aviso  que  la  gente  del  rey  avia  alojado  antenoche  a  cinco  leguas
de  aqui,  enviava  a  Saxonia  y  a  otras  partes  a  [!]  Technaguel,  que  &amp;amp;s
el  que  fue  a  tratar  negocios  suios  con  V.  M.?,  persona  de  cuia
vanidad  y  poco  assiento  e  escrito  a  V.  M.?  diversas  vezes;  han  le
cojido  en  el  camino  los  Bohemios  y  entiendese  lo  passara  mal.

Voy  escriviendo  esta  carta  a  remiendos  y  anadiendo  lo  que
se  va  offreziendo.  Esta  manana  vino  a  mi  el  se  cretario  Barbigio!  que
es  ministro  del  emp.°”  de  los  de  mejor  razon  y  mas  osperiencia  de
negocios  y  me  dijo  de  parte  de  S.  M.?,  que  aviendo  entendido  que
el  rey  Mathias  venia  y  que  buena  parte  de  su  gente  avia  llegado  a
la  ciudad  vieja,  desseava  que  el  obispo  de  Sarzana  nungio  de  8.
S.d  y  yo  le  salieramos  al  camino  y  que  juntamente  fuese  el  senor
archiduque  Leopoldo.  Respondimosle  allando  nos  juntos  que  estavamos
con  mucho  desseo  de  ser  de  provecho  para  el  servicio  de  S.  M.@  y
que  confeririamos  sobre  el  negogio  para  darle  respuesta  mas  parficular
  y  poco  despues  se  vino  el  senor  archiduque  a  comer  con  migo
y  nos  pidio  al  nuncio  y  a  mi  lo  mismo  que  el  secretario  Barbicio.?
Respondimos  tambien  a  S.  A.  en  terminos  generales  y  poco  despues
enviamos  a  Jaques  Bruneau  mi  secretario,  para  que  diese  la  respuesta
  al  secretario  Barbigio  de  parte  de  ambos,  que  fue  que  estavamos
  muy  &amp;amp;aparejados  y  desseosos  de  ser  de  provecho  para  servir
al  omp.””  y  que  yriamos  de  muy  buena  gana  a  encontrar  al  rey,
que  yr  juntamente  con  el  senor  archiduque  no  nos  paregia  servicio
de  S.  M.  cesarea  ni  de  $.  A.,  sino  que  seria  mas  conveniente  para
todo  yr  algo  antes  y  tener  dispuestas  en  alguna  manera  las  coßas,
para  quando  S.  A.  llegase.  Ha  nos  parecido  estando  eetos  primfipes
tan,  aflijidos  no  darles  mas  aflicion  sino  disponer  nos  de  nuestra
parte  a  hazerles  todo  servicio  y  templar  en  quanto  pudieremos  las
cosas,  aunque  tememos  que  el  rey  en  ninguna  manera  querra  dejar
de  acavar  con  todo  desta  vez  no  perdiendo  del  todo  el  decoro  y
respecto  tenido  a  S.  M.?  cesarea.

Con  esta  va  la  copia  de  un  papel  que  acavo  de  recivir  de
Julian  de  Medicis  embaxador  de  Toscana  que  tiene  su  posada  dentro

ı  Johann  Barvitius,  Rat  und  Geheimsekretär  des  Kaisers;  vgl.  über
ihn  und  seinen  Einfluss  beim  Kaiser,  Briefe  und  Akten,  V.,  819  f.  und
VI.,  707,  Anm.  8.

®  Dasselbe  berichtet  am  7.  März  Wilhelm  Bodenius  an  Herzog  Marimilian
  von  Baiern  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  26  f.  44;  Or.  eigh.).
        <pb n="219" />
        88  —89.  1611  197

de  la  ciudad  vieja,  por  donde  vera  V.  M.Ü  mas  particularmente  el
numero  de  la  gente  del  rey  de  Ungria  que  ha  llegado  y  los  cabos
que  trae  que  me  dizen  son  soldados  de  valor  y  esperiencia;  ay  entre
ellos  algunos  catholicos  y  otros  que  no  lo  son.  Praga  a  7  de

marzo  1611.“
Bim.,  Fass,  2496,  f.  370;  Or.

89.  Kurpfälzische  Instruktion  für  Engelbert  von
Lautern,  Dr.  Michael  Loefenius  und  Dr.  Ludwig  Camerarius
  zum  schweinfurter  Unionstag.

Es  war  zwar  auf  eine  persönliche  Zusammenkunftder  Unierten
abgesehen;  aber  es  werden  nach  Kurbrandenburgs  jüngstem  Schreiben!
die  wenigsten  erscheinen,  da  der  Kurfürst,  die  Markgrafen  von  Ansbach
und  Culmbach  und  Fürst  Christian  von  Anhalt  durch  die  Verhandlungen
mit  Sachsen  abgehalten  sind.  Man  wird  daher  diesmal  wenig  hauptsächliches
  und  schliessliches  verrichten  können.  Um  aber  von  den  ausgeschriebenen
  Punkten  wenigstens  vorbereitungsweise  für  eine  künftige
persönliche  Zusammenkunft,  sowie  von  dem  für  die  benachbarten
Unierten  so  gefährlichen  Lauf  der  Dinge  in  Böhmen  reden  lassen  zu
können,  haben  wir  diesem  Unionstag  seinen  Fortgang  nehmen  lassen.

Unsere  Räte  haben  daher  zu  Schweinfurt  die  im  Ausschreiben?
bezeichneten  Punkte  gemäss  folgender  Anweisung  zu  proponieren  :
1.  Zur  Erhaltung  der  Union  wissen  wir  keine  besseren  Mittel  als
deren  Ziel  nachzugehen,  alle  Widrige  zu  verhüten,  gleiche  Bürde  zu
tragen  und  in  allem  gute  Ordnung  zu  halten;  dann  wird  kein  Stand
Ursache  haben,  sich  von  der  Union  zu  trennen.  Sollte  aber  von
solchem  etwas  bei  einigen,  besonders  bei  den  Städten  bemerkt  werden,  so
sind  ihnen  die  schon  zu  Heilbronn?  angeregten  Gründe  vorzustellen,
besonders,  wie  sehr  es  die  Wolfahrt  der  ganzen  Union  erfordere,  noch
länger  beisammen  zu  bleiben,  und  welchen  Schaden  die  Trennung  mit
sich  bringen  würde.  Diese  Zusammensetzung  gerade  hält  die  Gegner
von  Verwirklichung  ihres  Vorsatzes  ab;  sonst  hätten  sie  die  beste
Gelegenheit,  da  ihr  Kriegsvolk  noch  beisammen,  das  der  Union  bereits
abgedankt  ist,  sich  zu  rächen,  wobei  man  neben  dem  Schimpf  noch
den  Schaden  zu  gewärtigen  hätte.  Unsere  Gesandten  sollen  sich
daher  bemühen,  dass  man  noch  länger  beisammen  bleibe,  und
den  Städten  die  Ursachen  zu  andern  Absichten  glimpflich  benehmen.  —
Da  die  Städte  so  heftig  auf  die  Abrechnung  über  die  geleisteten
Kontributionen  gedrungen  haben,  so  ist  ihnen  durch  Ablegung  der
Rechnungen  möglichst  entgegenzukommen,  damit  sie  die  Verwendung  des
Geldes  erfahren  und  damit  auch  diejenigen,  die  wie  Kurpfalz  Vorschüsse

ı  Vom  20.  Februar;  vgl.  oben  no.  86,  S.  189,  Anm.  2.
?  Vgl.  oben  no.  40.
s  Vgl.  Briefe  und  Akten,  III.,  no.  207.

März  7.

März  7.
        <pb n="220" />
        198  1611  89.

März  7.  geleistet  haben,  befriedigt  werden  können.  Bei  den  Rechnungen  hat
sich  Sekretär  Dathenus  der  heilbronner  Instruktion  zu  bedienen  ;!
auch  sind  für  die  Prüfung  der  Rechnungen  besondere  Personen  zu
verordnen,  um  das  Hauptwerk  nicht  aufzuhalten.  Etwaige  Ausstände
sind  zu  begleichen.  Auch  die  Obligation  der  Stadt  Nürnberg  auf
die  dargeliehenen  80,000  fl.  muss  richtig  gemacht  werden,  um
ungleiche  Gedanken  bei  dieser  Stadt  zu  verhüten;  es  müssen  daber
entweder  sämtliche  Unierte  diese  Versicherung  auf  sich  nehmen  oder  es
sind,  wenn  es  bei  der  heidelberger  Verabschiedung  bleiben  soll,  diejenigen
Stände,  „die  sich  dergestalt  verobligieren,,  von  den  überigen  schadlos
[zu  halten]  und  in  summa  dahin  zu  schen“,  dass  Nürnberg  bei  gutem
Willen  erhalten  wird.  Auch  muss  man  sich  vergleichen,  wie  dieses
und  das  ulmische  Anleihen  und  andere  Vorschüsse  erstattet  werden  sollen.

Von  den  Beschwerden  und  Mängeln  bei  der  Union  überhaupt
und  bei  dem  vorjährigen  Kriegszug  sollen  unsere  Gesandten  in  der
Proposition  nichts  erwähnen  sondern  zuwarten,  ob  von  anderer
Seite  deswegen  Anregung  geschieht;  alsdann  sind,  wie  zu  Heilbronn
geschehen  ist,  Entschuldigungen  vorzubringen.

Der  Punkt  wegen  Bestellung  der  Aemter  muss  von  den  Unierten
persönlich  verhandelt  werden;  diesmal  lässt  sich  höchstens  ‚„praeparatorie‘‘
  davon  reden.

2.  Vermehrung  der  Union.  Es  ist  der  Bericht  der  Stände,
welche  Unterhandlungen  auf  sich  genommen  haben,  anzuhören.  Der
abschlägige  Bescheid  Dänemarks?  ist  den  Städten  nur  dann  mitzuteilen,
  wenn  man  beim  1.  Punkt  bemerkt,  dass  sie  länger  bei  der
Union  bleiben  wollen.  Die  Verhandlung  mit  den  wetterauschen  und
fränkischen  Grafen  wegen  der  Zahl  der  Stimmen  ist  zwar  Kurpfalz
aufgetragen  worden;  da  aber  die  Erklärungen  der  Unierten  auf  die
vorgeschlagenen  Mittel  beim  Direktorium  noch  nicht  alle  eingelaufen
sind,  so  ist  bisher  nichts  geschehen.  Sollte  zu  Schweinfurt  auch
wegen  der  Ritterschaft  etwas  vorkommen,  so  soll  man  sich  bemühen,
es  mit  derselben  so  weit  zu  bringen,  dass  man  sich  im  Notfall  eines
Reiterdienstes  von  ihr  zu  versehen  hätte;  sie  in  die  Union  aufzunehmen,
  hat  noch  immer  seine  erheblichen  Bedenken.?  Von  der

“:  Briefe  und  Akten,  III.  no.  182.

?  Die  Verhandlung  mit  Dänemark  war  Fürst  Rudolf  von  Anhalt-Zerbst
anfgetragen  worden,  der  im  November  1610  in  Kopenhagen  erschien,  aber
sich  keines  Erfolges  rühmen  konnte;  Christian  1V.  wandte  vornehmlich  die
Rücksicht  auf  den  Kaiser  und  auf  England  vor,  sowie  dass  einige  ihm  nahverwandte
  Fürsten  der  Union  ferngeblieben  seien;  die  Akten  dieser  Schickung
liegen  in  Mb.,  119,3,  f.  110  ff.

8  Solche  Bedenken  äussert  auch  die  württembergische  Instruktion  zum

Unionstag  vom  2  ur,  es  wird  dort  bemerkt,  dass  die  Ritterschaft  viele

Beziehungen  zu  den  Katholischen  habe,  ihnen  mit  Lehenspflicht  verbunden
sei,  die  Unterhandlungen  weitläufig,  die  Verschwiegenheit  fraglich  sein  würde;
auch  sei  die  Ritterschaft  mit  vielen  Streitigkeiten  beladen  (Stg.,  Unionsacta,
  IX.,  f.  162;  Kpt.  —  f.  177;  Or.).
        <pb n="221" />
        89.  1611  199

Korrespondenz  mit  dem  Ausland  lässt  sich  diesmal  nicht  reden,  zumal  März  7.
man  weis,  wie  sich  die  Städte  deshalb  erklärt  haben.
3.  Wie  man  sich  der  Union  mit  Nutzen  zu  bedienen  hat?
Der  Ausschlag  ergibt  sich  aus  dem  ersten  Hauptpunkt,  dass  man  nämlich
  stets  dem  Zweck  der  Union  nachgehe.  Hauptsächlich  aber  muss
bei”diesem  Punkt  ein  gewisser  Schluss  gemacht  werden,  was  die  Union
tun  soll,  weil  die  Gegner  noch  mit  ihrem  Kriegsvolk  gefasst  sind.
Unsere  Gesandten  haben  die  gefährdete  Lage  der  Oberpfalz  und  der
Nachbarschaft  vorzustellen  und  sich  mit  den  Vorstimmenden  zu  vergleichen.
  „Einmal  will  uf  etwas  gegenverfassung,  die  gehe  gleich
uf  ein  neue  kriegsmacht  oder  nur  verwahrung  der  grenzen  gegen
Behmen,  bedacht  sein,“  wozu  es  einer  neuen  Bundesanlage  bedarf.
Zu  Worms  ist  die  Beratung  einer  eilenden  Assistenz  hier  am
Rhein  auf  den  Unionstag  verschoben  worden.!  Diese  Beratung  ist  daher
wieder  aufzunehmen.  Vielleicht  lässt  sich  angesichts  der  drohenden
Gefahr  etwas  fruchtbares  beschliessen,  dessen  man  sich  auch  gegen  das
passauer  Volk  bedienen  könnte.  Unsere  Meinung  wegen  einer  Versicherung
  gegen  das  passauer  Volk  enthält  beiliegendes  Memorial.?
Beim  3.  Punkt  ist  auch  davon  zu  reden,  wie  man  im  Beich  zu
einem  sichern  Frieden  kommen  könnte.  Da  der  münchner
Akkord  das  Mistrauen  nicht  völlig  behoben  hat,  so  ist  zu  bedenken,
  ob  man  nicht  den  drei  geistlichen  Kurfürsten  und  dem
Herzog  von  Baiern  schreiben,  ihnen  den  Zweck  der  Union  ausführlich
  dartun  und  bezeugen  solle,  dass  sie  sich  von  den  Unierten
keines  widrigen  zu  versehen  hätten;  zugleich  soll  man  von  ihnen
vernehmen,  wie  das  Mistrauen  unter  den  Ständen  beseitigt  werden
könnte.  Wir  hoffen,  dass  dies  nicht’  fruchtlos  bleiben  und  die  ungleichen
  Gedanken  der  Geistlichen  mildern  wird.?  Auch  mit
andern  füglichen  Vorschlägen  haben  die  unsern  sich  zu  vergleichen.
Wegen  der  gemeinen  Gravamina  und  wegen  Donauwörth  wird
man  diesmal  schwerlich  zu  einem  Beschluss  kommen  ;  mit  Schreiben,
ist  hierin,  wie  die  Erfahrung  lehrt,  beim  Kaiser  und  bei  Baiern
nichts  auszurichten.

nn

'  Vgl.  oben  no.  56.

?  Erstes  Nebenmemorial  wegen  der  nachbarlichen  Hilfe  und  Landrettung:
  die  Gesandten  haben  die  Gefahr  bei  der  Ansammlung  fremden
Kriegsvolks  zu  schildern  und  anzuregen,  ob  nicht  auch  droben  Landes  wegen
der  Gefabr  aus  Böhmen  gleichfalls  eine  „nachbarliche  Hilfo*  angestellt,
allenfalls  auch  einiges  Kriegsvolk  in  Wartegeld  genommen  werden  sollte
(Mb.,  119.3,  f.  276;  Or.).  —  Ein  zweites  Nebenmemorial  betrifft  die  Begleichung
  des  zweibrückenschen  Ausstandes  an  der  Unionsquote  in  der  Höhe
von  5811  fl.,  die  der  Administrator  als  Pfalzgraf  von  Zweibrücken  zu  zahlen
sich  weigert,  da  seine  Ausgaben  für  die  Union,  besonders  für  die  Legation
nach  Frankreich  viel  grösser  gewesen  seien;  auch  die  im  November  1610  zu  Speier
verglichenen  Monate  zur  jülicher  Assistenz  gedenkt  der  Pfalzgraf  nicht  zu
zahlen,  da  er  zu  solcher  Assistenz  nichts  beitragen  will  (Mb.,  a.  a.  O.,  f.  278;  Or.).

®  Vgl  oben  no.  64,  S.  148,  besonders  Anm.  2  wegen  des  angekündigten
Unionstags.
        <pb n="222" />
        März  7.

März  7.

200  1611  89—I0-König

  Matthias  und  die  „obderennsischen‘“  Stände  haben  bei  den
Unierten  um  Hilfe  wider  das  passauer  Volk  angesucht.  Da  sie  dies
Suchen  vielleicht  wiederholen  und  sogar  Gesandte  nach  Schweinfurt
schicken  werden,  so  bat  man  deren  Werbung  zu  hören;  wegen  der  voraussichtlichen
  Abwesenheit  der  unierten  Kurfürsten  und  Fürsten  kann  ihnen
aber  ein  endgiltiger  Bescheid  nicht  erteilt  werden,  vielmehr  sind  sie  mit
glimpflicher  Vorantwort  abzufertigen,  dass  man  alles  berichten,  sich
an  den  Grenzen  gegen  das  passauer  Volk  gefasst  halten  und  einander
  die  Hand  reichen  wolle;  doch  sollen  die  königlichen  Gesandten
  in  der  Antwort  die  gute  Affektion  der  Unierten  spüren.

Was  in  vorigen  Abschieden  auf  fernere  Verhandlung  gestellt
wurde,  soll  kier  reassumiert  werden.  Datum  Heidelberg  den  25.
februarii  a.  1611.

Mb.,  1193,  £.  269;  Or.i

90.  Der  Kurfürst  von  Mainz  und  der  Herzog  von  Baiern
an  sämtliche  Stände  des  katholischen  Bundes  und  an
die  Erzherzoge  Ferdinand  und  Maximilian.

(Ausschreiben  zum  würzburger  Ligatag).

E.  L.  wissen,  dass  die  Richtigmachung  der  Bundesrechnungen
vom  augsburger  Tag  auf  einen  andern  Bundestag  hat  verschoben  werden
müssen;  inzwischen  aber  (weil  die  bewilligten  Monate  zur  Abdankung
  des  Volkes  nicht  langten)  haben  wir,  der  Herzog  von  Baiern,
und  der  Bischof  von  Augsburg  über  unsere  Gebühr  eine  grössere
Summe  vorgeschossen;  endlich  haben  wir,  Kurmainz,  nachdem  auf
verschiedenen  Bundestagen  die  Stärkung  der  Union  bedacht  worden
ist,  mit  Gutachten  vieler  katholischer  Stände  mit  dem  Kurfürsten
von  Sachsen  verhandelt,  damit  er  und  sein  Haus  sich  mit  den
vereinigten  katholischen  Kurfürsten,  Fürsten  und  Ständen  zur  Erhaltung
  des  Religions-  und  Profanfriedens  in  guten  vertraulichen
Verstand  einlasse.?  Aus  diesen  drei  Gründen  (Aufnahme  der
Rechnungen,  Rückzablung  der  Vorschüsse  und  Einnahme  des  Hauses
Sachsen)  sowie  wegen  anderer  zu  Augsburg  ausgesetzter  Punkte  haben

ı  Mir  liegen  noch  vor  die  württembergische  Instruktion  (vgl  oben
8.  198,  Anm.  3)  und  die  der  Stadt  Ulm  vom  13./23.  Februar  (U.,  Unionsaeta,
tom.  XXI.,  no.  2025;  Or.),  die  sich  an  den  heilbronner  Abschied  der  ausschreibenden
  Städte  anschliosst  ;  vgl.  oben  no.  30.

’  Vom  gleichen  Tag  ist  ein  Schreiben  der  beiden  Bundesobersten  an
den  Kurfürsten  von  Sachsen  datiert,  worin  die  Ausschreibung  des  Bundestages
  für  den  18.  April  mitgeteilt  und  dem  Kurfürsten  anbeim  gegeben
wird,  jemanden  im  Namen  des  Gesamthauses  Sachsen  dahin  abzuordnen  und
dessen  Vorhaben  wegen  der  katholischen  Union  zu  eröffnen,  Da  jedoch  einige
Tage  mit  der  Rechnungsablage  hingehen  werden,  wird  dem  Kurfürsten  freigestellt,
  die  seinen  erst  sechs  bis  acht  Tage  später  in  Würzburg  eintreffen
zu  lassen  (Wmz.,  Religionsskten,  Bd.  12,  no.  42,  Kpt.  von  Faust;  Dre,,
1.  7272,  L  Buch  Unionssachen,  f.  394;  Or.  (praes,  Dresden  20./30.  März  1611).
        <pb n="223" />
        0  -91.  1611  201

wir  die  Ausschreibung  eines  allgemeinen  Bundıstages  für  nötig  er-  März  7.
achtet  und  ersuchen  daher  E.  L.,  Dero  Räte  und  Botschafter  auf
Montag  den  18.  April  nach  Würzburg  so  instruiert  zu  schicken,

dass  sie  ohne  „Hintersichbringen“  über  obige  Punkte  verhandeln
können  und,  falls  während  des  Bundestags  neue  Verhandlungsgegenstände

  sich  ergeben,  auch  diese  abzuhandeln  vermögen,  damit  man

nicht  immer  neue  Bundestage  ausschreiben  und  dadurch  immer

mehr  Mistrauen  gegen  die  katholischen  Stände  erwecken  muss.
Datum  den  7.  martii  a.  1611.

Winr.,  Religionsakten,  zu  Bd.  12.,  —  Kptkopie  mit  Verbesserungen  Faustsi.

91,  König  Matthias  an  Alessandro  Peretto,  Kardinal  März  8.
Montalto.

1.  Rechtfertigung  des  Zuges  nach  Böhmen.  Einfall  der
Passauerin  Oesterreich  ob  der  Enns  und  Böhmen.  Einnahme  der  prager
Kleinseite  durch  die  Machinationen  des  Generals  der  Passauer,  des
Erzberzogs  Leopold,  und  Versuch,  sich  der  Burg  zu  bemächtigen,  wo
die  böhmische  Krone  verwahrt  ist.  —  Alles  das  geschah  nur  zu  dem
Zweck,  wie  man  uns  sagt,  damit  dies  Kriegsvolk  demjenigen,  den  es
wolle,  die  Krone  aufsetzen  und  ihn  don  böhmischen  Ständen  aufdringen
könnte.  Unter  diesen  Umständen,  da  die  Stände  die  Burg  und  die  Königskrone
  bis  zum  letzten  Hauch  zu  verteidigen  entschlossen  waren  und
Werbungen  ausschrieben,  also  neues  Blutrergiessen  zu  erwarten  war,
und  da  der  Kaiser  von  jenem  Kriegsvolk  gleichsam  gefangen
gehalten  wurde  und  in  Gefahr  schwebte,  wurden  wir  iure
naturae  et  sanguinis  trotz  des  Einfalls  in  Oesterreich  angetrieben,
den  Kaiser  aus  seinem  Gefängnis  zu  befreien.  Wirerwogen  zugleich,  dass
wir  auf  einem  eigens  ausgeschriebenen  Landtag  mit  Wissen  und
Willen  des  Kaisers  zum  Nachfolger  in  diesem  Königreich  designiert
worden  waren  und  konnten  daher  nicht  umhin,  auf  Begehren  der
Stände,  da  der  Kaiser  sich  nicht  rührte,  diesen  Gräueln  mit  allen
unsern  und  unserer  Lande  Mitteln  zu  wehren  und  der  Gefahr,  die

ı  Die  Fertigung  des  ersten,  in  der  bairischen  Kanzlei  entworfene”
Ausschreibens  mit  dem  Datum  15.  Januar  (vgl.  oben  no.  19  und  S.  50,  Anm.  1)
hatte  der  Kurfürst  verschoben,  bis  seine  rheinischen  Mitstände  sich  zu  Frankfart
  wegen  der  Einnahme  Sachsens  erklärt  hatten.  Nachdem  gleich  in  der
ersten  Sitzung  die  Voten  zustimmend  ausgefallen  waren  (vgl.  das  Protokoll
oben  no.  68),  liess  der  Kurfürst  die  Ausschreiben  „umfertigen“  und  zur
Mitunterfertigung  an  den  He  schicken  (Kurmainz  an  Herzog  Maximilian
am  25.  keobruar;  Wmz.,  a.  0  no.  29.  und  30,  Kpt.  von  Faust).  Der
Herzog  erwilerte  am  8.  Nlärz,  dass  er  für  seine  Person  kein  weiteres  Bedenken
  hätte,  dass  er  aber  wegen  der  Einnahme  Sachsens  das  Gutachten
der  oberländischen  Stände  abwarten  müsse,  die  er  für  den  16.  März  nach
Augsburg  berufen  habe;  hätten  auch  diese  kein  Bedenken,  so  wolle  er  die
Sebreiben  vollziehen  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  48;  Or.);  vgl.  unten  no.  110.
        <pb n="224" />
        März  8,

202  1611  91.

davon  diesem  Königreich  und  unserm  Haus  drohen  konnte,  vorzubauen,
  damit  nicht  uns  zu  Praejudiz  und  unter  Verletzung  des  prager
Vertrags  diesem  Königreich  ein  anderer  König  vorgesetzt  werde.
Deshalb  haben  wir  unser  Kriegsvolk  voraus  gesandt  und  haben  beschlossen,
  ihm  bald  zu  folgen.!

2.  Wir  stellen  dies  E.  Em.  zur  Information  des  Papstes,  des
Kardinalskollegiums  u.  s.  w.  dar,  damit  diese  nicht  durch  die  in
Schwang  gehenden  Praktiken  dahin  irrig  unterrichtet  werden,  als  hätten
wir  diese  Schritte  zu  anderm  Zweck  als  zum  Nutzen  des  Kaisers
und  der  ganzen  Christenheit  getan.  Wir  geben  E.  Em.  auch  zu
bedenken,  welcher  Schaden  unserer  Religion  erwüchse,  wenn  unter  dem
Vorwande  notgedrungener  Verteidigung  den  Ketzern  Ursache  gegeben
würde,  die  Waffen  zu  ergreifen  und  sich  zu  verstärken;  schon  wüten
sie,  durch  diesen  Einfall  erbittert,  nicht  nur  in  Prag  sondern  im
ganzen  Königreiche  gegen  Kirchen,  Klöster  und  Mönche,  und  nicht
nur  die  Böhmen  sondern  alle  andern  Lande  verfolgen  den  Erzherzog
Leopold  mit  solchem  Hass,  dass  sie  offen  sagen,  sie  wollten  sich
eher  der  Herrschaft  der  Türken  und  Tartaren  als  der  seinen  unterwerfen.
  Wir  müssen  aber  unsere  Königreiche  und  Länder  schützen  sowol
als  ältester  des  Hauses  nach  dem  Kaiser  als  auch  als  designierter
König  von  Böhmen  und  als  rechtmässiger  Besitzer  der  übrigen
Königreiche  und  Länder,  die  unsern  Schutz  verlangen.  Auch  die
Interessen  unseres  Hauses  zwingen  dazu,  da  sonst  durch  solche
unerhörte  Praktiken  die  Testamente,  Verordnungen  und  Kompaktaten
unserer  Vorfahren  völlig  zunichte  werden  würden  und  jeder  ohne
Rücksicht  auf  seinen  Rang  unter  unrechtmässigem  Titel  nur  aus
Herrschbegier  und  mit  Gewalt  zum  grössten  Schaden  anderer  in  die
Königreiche  und  Länder  einfallen,  alles  verwirren  und  unser  Haus
und  unsere  Religion  erschüttern  könnte,  wie  die  Beispiele  lehren.

Alles  das  kommt  aber  aus  zwei  Ursachen:  1.  „quod  imperator  iuvenem
  istum  principem  archiducem  Leopoldum  verborum  lenociniis
in  suum  favorem  spe  successionis  illectum  tanto  melius  se  vindicare  et
omnem  futuram  successionem  in  rei  publicae  christianae  summum
detrimentum  tectius  protelare  et  suspendere  posset,  cuius  causa  etiam
non  tam  in  conservationem  transactionis  tam  sancte  initae  quam  in
continustionem  armorum  summa  semper  intentio  fuerat,  et  ob  id
etiam  ducis  Saxoniae  et  aliorum  principum  responsa  expetiverat,
qualiter  pacta  iam  inita  et  confirmata  denuo  rescindi  queant;  2.  qunod
nonnulli  in  eo  magnopere  laborarint,  ne  ex  domo  Austriaca  in  posterum
unica  solum  persona  et  quideın  aetate  senior  (prout  multis  iam
saeculis  laudabiliter  et  non  sine  maxiıno  fructu  ser.”  domus
nostrae  observatum  erat)  ad  electionem  regis  Hungariae  et  Bohemiae
commendaretur  et  promoveretur  sed  indifferenter  omnes  nominarentur  ;

!  Der  Aufbruch  des  Königs  erfolgte  am  selben  8.  März  (Mägerles
Diarium  des  königlichen  Zuges  nach  Böhmen  in  Wi.,  I  A  1,  Sucoession,
Ka.  2990;  Kopie),
        <pb n="225" />
        91-92.  1611  203

quam  occasiouem  captans  archidux  Leopoldus  exorbitans  huiusmodi
dignitates  quoque  ambire  non  erubuit.“  Aus  all  dem  erhellt,  wie
es  mit  den  neuen  vom  Kaiser,  Erzheızog  Leopold  und  dem  Kriegsrolk
erregten  Streitigkeiten  steht.  E.  Em.  werden  darüber  den  Papst  gewiss
so  informieren,  dass  er  uns  für  alle  unverhofften  Zwischenfälle  entschuldigt
  hält  und  den  Erzherzog  Leopold  durch  heilsame  Ermahnungen
zu  besserer  Vernunft  und  nach  seiner  bischöflichen  Residenz  zuräckruft,
  damit  durch  dessen  Anschläge  nicht  die  Religion  und  alle
Katholischen  in  grösste  Gefahr  gesetzt  werden.

3.  Wir  wissen,  dass  der  Kaiser  von  den  seinen  schlecht  unterrichtet
  und  verführt  viel  widriges  unter  dem  Schein  der  Religion  und
der  guten  Absicht  nach  Rom  schreibt;  ebenso  tun  einige  an  seinem
Hof,  die  von  Frieden  und  Eintracht  weit  entfernt  sind.  Wir  erbitten
vom  Papst,  dass  er  solchen  Informationen  nicht  eher  Glauben  schenke
als  bis  er  uns  gehört  hat.

4.  Da  endlich  der  Papst  aus  all  dem  leicht  ersehen  kann,  dass  die
ganze  Verwirrung  daher  stammt,  dass  alle  aus  dem  Hause  Oesterreich
unerwogen  des  Vorrechts  des  einen  nach  der  Kaiserkrone  streben,
so  bitten  wir  S.  H."  es  mit  Hilfe  des  Königs  von  Spanien  dahin  zu
richten,  dass  in  diesem  unsern  Hause  nach  dem  alten  Horkommen  und
Verordnungen  nur  auf  ein  solches  Subjekt  gesehen  werde,  welches
Natur  und  Hausgosetze  als  geeignet  bezeichnen,  durch  welches  die
Würde  des  Hauses  erhalten  wird,  auf  das  allein  der  Beistand  und
die  Empfehlungen  gerichtet  werden  mögen,  durch  das  allen  Trennungen
begegnet,  das  gemeine  und  unseres  Hauses  Wol  gefördert  wird  und
die  alten  Rechte  zwischen  Brüdern  und  Verwandten  gewahrt  bleiben.
Wir  setzen  alles  Vertrauen  in  den  Papst,  unterwerfen  und  empfehlen
uns  ihm.  Datum  in  civitate  nostra  Vienna..!  anno  1611.

Wi,  I  A  1,  Ka.  3991;  Kpt.

92.  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  an  Pfalzgraf
Philipp  Ludwig  von  Neuburg.

(Bericht  über  die  Verhandlung  mit  Harzog  Maximilian  von  Baiern.)

„...  Ynd  wie  wol  ich  wegen  der  chfl.  pfaltzischen  administration  vnd
vormundschafft  am  ersten  proponirt,”  weil  doch  in  den  letztern  dem

!  Aut  der  Rückseite  von  Khlesis  Hand:  „8.  marecii“.

?  Am  17.27.  Februar  schrieb  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  aus  Neuburg
  a.  D.,  wohin  er  tags  zuvor  von  Düsseldorf  kommend  eingetroffen  war,
an  Herzog  Maximilian,  dass  er  sich  mit  ihm  einiger  Sachen  halber,  die  das
gemeine  Wesen  betreffen,  unterreden  möchte  und  dazu  eine  Zusanımenkunft
vorschlage  (Ma.,  519,13,  f.3;  Or...  Der  Herzog  antwortete  am  1.  März  mit
einer  Einladung  nach  München  (ebenda,  f.  7;  Kptkopie).  Eigentlicher  Zweck
der  Unterredung  war,  wie  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  seinem  Vater  am
19.  Februar

1.  März
drängnis  in  der  jülicher  und  Administrationssache  zu  versichern  und  des  Herzogs
Interposition  beim  Kaiser,  allenfalls  bei  Kursachsen  und  bei  falz  wegen
dieser  beiden  Sachen  zu  erbitten  (Me.,  no.  178,  f.  41;  Kpt.  von  Gaugler).  —

auseinandersetzte,  sich  der  Assistenz  Baierns  im  Fall  unbilliger  Be-März

  8.

März  [8.]
        <pb n="226" />
        Mürz  [8.]

204  1611  92.

herzsogen  von  Bairen  vbergebenen  anmahnung  ich  für  die  ersten  puncten
gesezet:  die  ergentzung  des  geschwechten  vertrauens  im
reich  vnd  anrichtung  einer  bestendigen  gueten  nachbarschafft,  auch
befürderung  der  wolfart  des  gemeinen  vatterlandts  vnd  desselben
versicherung,  alss  berichte  E.  v.  Gn.  ich  hiemit,  dass  ich  mehrgemeltem
herzogen  desswegen  sehr  wol  affectionirt  befunden  vnd  vber  meine
ankunfft  sowol  bei  herschafft  alss  reth,  officieren,  dienern  vnd  vnderthanen
  ein  grosse  'freudte  gespäret  worden.  Vnd  haben  zwar  S.  des
herzogen  Maximiliani  L.  disen  puncten  »sicherheit«  selbst  getriben
vnd  dan  vns  [Unirten]  starkh  zuemessen  wellen  alss  ob  sie  mit  ihren
vnderschidlichen  einlägerungen  auf  vnschuldige  stende  des  reichs,
durchzüäg  vndt  dabey  vorgeloffenen  groben  vnthaten  zue  solcher
difidenz  vnd  darauf  erfolgten  werbung  vrsach  geben  mit  vermelden,
dass,  wenn  I.  L,  nit  die  ihrigen  so  starkh  sich  aller  feindlich
thetlikheit  zue  enthalten  eingebunden,  lezlich  auch  nit  vf  sich  genohmen,
  das  vnwesen  zue  stillen,  deswegen  sie  doch  am  kaiserlichen
boffe  vnd  bey  ettlichen  andern,  die  nit  vil  im  reich  zue  verlieren
(damit  I.  L.  meines  bedunkhbens  vf  erzherzog  Leopoldum  vndt  ettliche
desselben  roth  vnd  obersten,  wie  auch  zue  Mailand  bestelte  gubernatores
  vnd  kriegsheubter  gewisen),  wenig  dank  verdienet,  dass  gar
leuchtlich  ein  gross  blutbadt  im  reich  entstehen  hette  konnen,  welches
feur  zue  leschen  nit  mehr  bey  den  anfengen  bestanden  were.  Sie
wolten  aber  getreulich  erinnert  haben,  sich  vor  dergleichen  unverschulder
  beleidigung  ihrer  bundgenossen  zue  hüsten;  denn  ihnen  nit
allemahl  gelegen  sein  werde,  zuoe  werben  vnd  das  geworbene  volkh
also  vergebens  mit  vngelegenheit  zue  halten  vnd  nur,  was  die
Protestirende  anfangen  wollen,  warten  zu  lassen  vnd,  wenn  es  denselben
  geliebt,  wüder  abzuedankhen.  Insonderheit  aber  haben  S.  L.
auf  dero  schreiben  [gewisen],  so  sie  an  E.  v.  Gn.  gethan,  darin  sie
von  dem  zu  Hall  getroffenen  schluss  vnd  vorgewessten  practikhen,  davon
auch  in  der  relation  die  churpfeltzische  sachen  betreffendt  anregung  gethan,
meldung  thun].  Ich  habe  aber  nach  laut  mitgehabter  instruction  alles
vfs  best  ich  gekündt  entschuldiget,  aber  der  vorgewesten  practikhen
halben  mit  Frankhreich  vnd  den  Staden  S.  L.  versichert,  dass  nur
zue  aussfürung  des  gulchischen  wesens  die  auxilia  gesucht  vnd
bewilligt  worden;  aber  das  könten  I.  L.  selbst  ermessen,  dass,
wenn  andere  sich  in  das  werkh  gemischt  vnd  man  mehrer  volkhs
bedürfft  hette,  vf  solchen  fall  niemands  vns  oder  vnseren  assistenten
verdenkhen  können,  dass  man  sich  auf  solchen  fall  ferner  gefast
gemacht  hette  vod  mechten  dieselb,  [so]  sich  vns  zuewüder  erzeigt,
  alssdann  villaicht  ein  kalt  markht  gehabt  haben.

Am  6.  März  traf  Wolfgang  Wilhelm  in  München  ein  und  schrieb  schon  am
7.  an  die  neuburgischen  Statthalter  und  Räte  in  Düsseldorf,  er  hoffe,  das
alte  gute  Vertrauen  mit  Herzog  Maximilian  „zu  redintegriren  und  sonsten
dem  gemeinen  wesen  zum  besten  allerhand  nutzliche  underbauung  zue  thun*®
(Mc.,  Jülicher  Succession,  Fasz.  31,  no.  25,  ILL;  f.  80;  Or.).
        <pb n="227" />
        92.  1611  205

Aber  S.  L.  nahmen  daher  nachmaln  anlass,  dass  der  Vnirten
volkh  eben  darumb  vrsach  geben  vnd  die  Catolischen  reizen  wellen
zue  thathandlung,  damit  man  an  sie  ein  vrseach  vom  zaun  brechen
mög.  Alss  ich  aber  S.L.  bestendig  berichtet,  —  dass  meines  wissens
zue  Hall  von  beschwerung  der  stiffter  vnd  sonderlich  des  zugs  in
das  stifft  Strasburg  nit  gedacht  worden  sondern  geschlossen  worden,
der  Vnirten  volkh  allsobaldt  hinab  in  das  landt  von  Gülch  zue
schikhen,  nachdem  aber  das  elsasisch  vnd  passauisch  volkh  sich  nit
allein  wüder  verhoffen  gesterkht  vnd  hieoben  im  reich  vfgehalten
vnd  die  Vnirten,  dass  wir  daunden  ihres  volkhs  in  volliger  anzahl
nit  bedürfftig,  gespirt,  hetten  sie  auf  versiherung  ihres  eigenen  stats
gedenkhen  müssen,  —  haben  sich  S.  L.  zue  rhue  begeben  vnd,  da
ihnen  nit  zue  wüdrigem  vrsach  geben  werde  oder  krafft  der  schuldikheit,
  darzue  sie  dem  reich  verbunden,  zue  einem  andern  gedrungen
wurden,  zus  müglicher  nachbarschafft  vndt  befürderung  der  gemeinen
wollfart  vnd  ergentzung  des  geschwechten  vertrauens  im  reich  sich
erbotten,  dabey  aber  meine  vorschleg,  wie  darzue  zue  kommen,  zue
wissen  begert.  Wiewol  ich  nun  S.  L.  ersucht,  durch  ihr  vernünftige
gedankhen  mir  zum  nachdenkhen  anlass  zue  geben,  hab  ich  doch
mehr  nit  anfangs  heraussbringen  können  alss  dass  sie  sich  erklert,
man  müsse  wissen,  was  zue  solcher  diffidenz  vrsach  geben.  Nun
haben  S,  L.  vor  gesagt,  was  bey  ihnen  das  misstrauen  causiret;  sie
hofften,  sie  hetten  vns  kain  vrsach  geben.  Darauf  meldet  ich,  dass
nit  allein  die  beschwerliche  process,  so  von  dem  kaiserlichen  hof
aussgangen  wüder  vnderschidliche  fürsten,  grafen  vnd  sonderlich
etliche  stette  des  reichs,  wie  auch  die  werbung,  die  von  dem
Leopoldo  alss  ihrem  bundsverwanten  sowohl  alss  von  den,  vnsern  vnd
zwar  nacher  fürgangen,  gnugsame  diffidenz  vervrsacht.  So  könnten
S.  L.  ermessen,  dass  E.  v.  Gn.  ein  schlechte  freudt  geben,  dass  man
in  Dero  landt  vnd  klester  lange  zeit  bestendige  commissarios
herainseze  vnd  bielte.  ich  darfür,  wann  man  zur  communication
kommen  solt,  wir  wurden  vnser  theils  weit  mehr  exempel,  so  zur
diffidenz  vrsach  geben,  anzihen  können,  wie  denn  dass  S.  L.  so  vil
volkhs  von  des  donawertischen  wesens  halben  zuesammengebracht,
auch  nit  vnbillich  sorgfaltig  gemacht.

Haben  S.  L.  gleichwol  anfangs  priora  zum  theil  repetiren
wollen  vnd  insonderheit  angedeutt,  dass  dasjenig,  was  wüder  den
kaiserlichen  hof  geklagt  were,  S.  L.  bundtsgenossen  nit  zue  verantworten
  stiende  vnd  gleichwol  hingegen  wisslich,  wie  es  auf  dem
lezten  reichstag  zuegangen,  wie  man  mit  gwalt  den  religionfriden
hab  praetendiret  haben  wellen  vnd  interim  zue  keinem  schluss  kommen
wellen,  item  dass  man  wol  gewust,  dass,  was  Leopoldus  thue,  solchs
nit  alss  S.  L.  bundgenoss  sondern  auss  ksl.  M.'  bevelch  gethan,
allso  auch  S.  L.  nit  für  sich  sondern  auss  ksl.  M.'  geheiss  sich
vmb  die  statt  Donawert  angenohmen  vnd  nit  allein  sie  gantz
treulich  vndt  vatterlichen  gewardnet,  dass  sie  ksi.  M.'  pariren  welten,

März  [B.]
        <pb n="228" />
        März  [8.)

206  1611  92

auch  E.  v.  Gn.  dermassen  caution  angebotten,  dass  Sie  nit  vrsach
gehabt,  in  I.  L.  misstrauen  zue  sezen,  —  so  ist  doch  endlich,  nachdem
  mit  lachendem  munde  pro  et  contra  vermeldet  worden,  dass  in
statssachen  mann  nit  allemahl  alles  so  leucht  begreiffen  könne,  die
sachen  dahin  gestelt  worden,  wie  meine  anmahnung  aufweiset  (welche
ich  vmb  besserer  gwissheit  willen,  ob  ich  S.  L.  gemüet  recht
verstanden,  zue  papir  gebracht  und  S.  L.  vbergeben  vnd  von  S.  L.,
wie  sie  vnden  bei  dem  puncten  der  administration  auch  angedeutet
vnd  approbirt  worden,  hie  beygelegt  zue  befinden).!

Vnd  stehet  bey  E.  v.  Gn.  resolution,  ob  Sie  solche  darin  gedachte
  vorschleg  verstendig  vnd  der  sach  gemes  erkennen  welln  vnd
meinte  [ich],  dass  Wirtenberg  neben  E,  v.  Gn.  am  ersten  mit  S.  L.
vnd  etwa  Wurtzburg,  Menz  oder  sonst  einem  wolaffectionirten

ı  „Verzeichnuss  etlicher  puncten,  deren  mein  herr  vetter,  herr  Maximilian
  in  Beiren  hertzog  vor  meinem  abreisen  zu  erinnern.“  —  I.  Der  Herzog
ist  zu  ersuchen,  auf  alle  möglichen  Mittel  zu  denken,  damit  das  geschwächte
Vertrauen  imReich  wieder  gestärkt,  Friede  und  Einigkeit  unter  allen  Ständen
  wieder  aufgerichtet  und  allen  feindlichen  Anschlägen  gegen  das  Corpus  des
Reichs  oder  dessen  Glieder  —  auch  von  seiten  solcher,  Jie  in  der  Uneinigkeit  der
Stände  ihren  Vorteil  suchen  —  gesteuert  werde.  Dasselbe  willauch  mein  Vater
tun.  Daaber  ds%u  vor  allem  nötig  ist,  dass  die  Ursachen  zu  solchem  Mistrauen
aufgehoben  werden,  so  sull  jeder  Teil  seine  Beschwerden  in  möglichster  Kürze
und  mit  Weglassung  des  Unnötigen  zusammentragen.  Wenn  man  damit  gefasst
ist,  sollen  friedliebende  Fürsten  zusammentreten  oder  ihre  vertrautesten
Räte  zusammenschicken,  um  darüber  vertraulich  zu  kommunizieren  und  von
Mitteln  zu  reden,  wie  man  künftig  solchem  Mistrauen  und  Weitläufigkeiten
samt  dem  daraus  foleenden  Landschaden  und  Verderben  vorbauen  könne.
Wenn  möglich  sollen  sich  die  Räte  auch  eines  Gutachtens  vergleichen,  um
es  ihren  Herrn  zu  referieren;  namentlich  aber  sollen  sie  darauf  bedacht  sein,
wie  die  Justiz  wieder  in  richtigen  Gang  zu  bringen  wäre  und  die  unerörterten
Sachen  ehestens  expediert  werden  könnten;  dabei  soll  soviel  immer  möglich
  und  tunlich  den  alten  Reichssatzungen,  Abschieden  und  dem  Religionsfrieden,
  die  im  wesentlichen  nicht  wol  zu  verbessern  sind,  nac  n
werden.  Diese  Fürsten  könnten  es  dann  an  die  andern  im  Reiche  bringen.
II.  Weil  wegen  des  passauer  Volks  eine  General-Mutination  zu  besorgen  ist
und  dadurch  nächst  Böhmen  dem  Reich,  vor  allem  aber  dem  bairischen  Kreis
unwiderbringlicher  Schaden  zugefügt  werden  könnte,  so  wird  der  Herzog  wegen
allem,  was  dieses  Volkes  halber  gemeldet  wird,  mit  meinem  Vater  kommunizieren,
den  bairischen  Kreistag  befördern  und  dem  Vater  berichten,  was  für  Resolution
von  Salzburg  kommt,  damit  man  sich  ehestens  einer  Defension  vergleichen
und  Unheil  verhüten  kann.  Ich  vertraue  dem  Herzog  nicht  nur  wegen  der
Kreisverfassung  sondern  auch  wegen  der  Erbeinigung  und  Verwandtschaft,  dass
er,  sobald  ihm  etwas  vorkommt,  was  meinen  Eltern,  Brüdern  oder  deren
Landen  zu  Nachteil  gereichen  könnte,  uns  ehestens  Mitteilung  machen,  dem
Unheil  vorbauen  oder  im  Fall  widerrechtlichen  Zusetzens  dies  mit  der  Tat  abwenden
  helfen  und  uns  zur  Erreichung  unserer  Befugnisse  und  Rechte  behilflich
sein  werde.  Dasselbe  wollen  wir  dem  Herzog  und  dessen  Landen  erweisen
und  soll  man  sich  gegenseitig  aufs  äusserste  befleissen,  gute  Nachbarschaft
zu  halten  und  dies  auch  den  beiderseitigen  Dienern  und  Räten  einschärfen.  —
Die  andern  Punkte  betreffen  den  kurpfälzischen  Administrationsstreit,  die

jülicher  und  die  kaisheimische  Sache.  Actum  München  den  2  Der
1611  (Ma.,  519,3,  f.5;  eigenhändige  Aufzeichnung  Wolfgang  Wilhelms).
        <pb n="229" />
        92—93.  1611  207

geistlichen  fürsten  angedeuter  gestalt  ein  anfang  machten,  es  solte
der  gemeinen  sach  damit  nit  vbel  gedienet  sein.  Mann  würdt  aber
mit  Wirtenberg  behuetsam  in  communicatione  verfahren  müessen  vnd
fleiss  haben  zue  vnderbauen,  dass  Büwinkhausen  zue  diser  sach  nit
gezogen  werde:  dann  ihme  alle  handlung,  die  er  nit  angespunnen
vnd  von  E.  v.  Gn.  oder  den  Ihrigen  herkommet,  verdechtig  sein
würdt.*  O.D.

Mb.,  343|138,  f.  1;  eigenhändige  Aufzeichnung.!

März  [8.]

93.  Der  Erzbischof  von  Salzburg  an  Erzherzog  Mir  9.

Maximilian.

Obgleich  ich  mit  meinen  Landen  durch  das  passauer  Volk  in
nicht  geringe  Ungelegenheit  geraten  bin,  so  habe  ich  doch,  nachdem
ich  die  Gefahr  abgewandt,  die  Rachbegier  nie  so  weit  überwiegen
lassen,  dass  ich  mich  nicht  unverzüglich  darauf  bemüht  hätte,  die
zu  besorgenden  Weiterungen  zwischen  dem  Kaiser  und  dessen  Haus,
soweit  es  an  mir  gelegen  war,  abzukürzen,  wie  E.  L.  aus  meinen
Schreiben  wissen.  Nun  erhalte  ich  aber  Nachrichten  aus  Prag,
die  mich  erkennen  lassen,  dass  die  Sache  zwischen  dem  Kaiser
und  dem  König  auf  dem  äussersten  steht,  dass  aber  auch  der
Kaiser  zur  Zeit  also  gesinnt  ist,  dass,  wenn  geeignete  Personen  sich
der  Sache  annehmen,  er  nicht  nur  zu  einem  Vergleich  sondern  auch
zu  völliger  Zession  unter  Bedingungen  zu  bewogen  sein  wird,  was

*  An  diesen  Besuch  des  Pfalzgrafen  Wolfgang  Wilhelm  in  München  knüpftein
immer  intensiverer  Briefwechsel  zwischen  Neuburg  und  München  an,  in  dem  neben
den  konkreten  Angelegenheiten  der  Politik  die  Frage,  wie  das  verlorene  Vertrauen
unter  den  Reichsständen  wieder  herzustellen  wäre,  immer  wieder  zum  Vorschein
kommt.  Besonders  der  alte  Pfalzgraf  war  eifrig  in  Vorschlägen.  In  einer  Aufzeichnung
  aus  der  Mitte  des  März  regt  er  an,  den  Herzog  von  Württemberg  und  den
Erzherzog  Maximilian,  die  beide  als  Freunde  einer  Komposition  im  Reiche
galten,  ins  Vertrauen  zu  zieben,  vielleichi  auch  König  Matthias.  Er  denkt
daran.  dass  man  die  gegenseitigen  Beschwerden  einander  übergebe  und  deren
gütliche  Beilegung  versuche;  er  sieht  aber  selbst  ein,  dass  es  dabei  zu  heftigen
Auseinandersetzungen  kommen  und  dadurch  die  gute  Absicht  vereitelt  werden
könnte.  Darum  sollten  Unierte  und  „Konfoederirte*  sich  anfangs  nur  vergleichen,
  an  den  Reichssatzungen,  besonders  am  Landfrieden  festzuhalten
und  keinen  Stand,  der  ordentliches  Recht.  leiden  mag,  mit  Gewalt  zu  unterdrücken,
  ihn  auch  mit  getreuer  Zusammensetzung  bei  seinem  Recht  zu
schützen;  alsdann  könnte  man  die  Punkte  vornehmen,  bei  denen  ein  Ausgleich
zu  hoffen  sei,  den  Rest  könnte  man  auf  einen  Reichstag  verschieben  (Nib.,
343  13®,  f.  9;  Kopie).  —  Am  22.  März  drückt  Herzog  Maximilian  seinerseits
dem  Pfalzgrafen  Philipp  Ludwig  seine  Geneigtheit  aus,  die  Korrespondenz
wegen  Stärkung  des  Vertrauens  im  Reich  fortzusetzen  und  dem  Pfalzgrafen
und  dessen  Zugewandten  nach  Möglichkeit  zu  willen  zu  sein  (Ma.,  519,13,
f.25;  Kpt.).  Aehnlich  versichert  der  Herzog  am  27.  März  auch  Pialzgraf
Wolfgang  Wilhelm,  dass  „souil  an  mir  ich  zur  ergenzung  des  altten  vertrauens
  vnd  fortsezung  fridlichen  wesens  im  heil.  reich  je  vnd  allırog  sowol
alss  bisher  von  mir  beschehen  rathen  vnd  helffen  will,  dess  versehens  man
anderss  tailss  kbein  andere  vreach  geben  sonder  zu  solchem  ende  ebensfals
die  oonsilia  dirigiren  vnd  das  werkh  darnach  regulieren  werde“  (Ma.,  519,13,
f.  27;  eigenhändiges  Konzept  des  Herzogs).
        <pb n="230" />
        März  9.

März  10.

208  1611  93  -94.

bei  so  beschaffnen  Sachen  vielleicht  das  einzige  Mittel  ist,  das  Haus
Oesterreich  vor  weiteren  Gefahren  zu  behüten.  Als  „ein  alter,  treu
affectionirter  osterreichischer  diener*  habe  ich  dies  E.  L.  andeuten
wollen.  Wenn  Sie  mir  zustimmen,  so  mögen  Sie  mit  Erzherzog
Ferdinand  oder  allein  sich  ohne  Zeitverlust  in  die  Sache  schlagen,
um  grössere  Weiterungen  zu  verhüten.  Wird  diese  Gelegenheit  verabsäumt
  und  gewinnt  der  Kaiser  oder  der  König  die  völlige  Oberhand,
  so  wird  jeder  künftige  Vergleich  völlig  abgeschnitten  und  das
Haus  Oesterreich  ganz  getrennt  werden,  die  Untertanen  des  Hauses
aber,  die  sich  die  Erhebung  ihres  Herrn  allein  zumessen  werden,
werden  so  stark  „vorbrechen“,  dass  man  von  ihnen  künftig  wenig
Respekt  oder  Gehorsam  zu  erwarten  haben  wird,  wie  schon  jetzt
der  Augenschein  zeigt.  Datum  Salzburg  den  9.  martii  a.  1611.
Wba.,  Salzburg,  Bd  10,  Fasz.  3,  —  Kpt.!

94.  Papst  Paul  V.  an  König  Matthias.

„Paulus  papa  V.  Charissime  in  Christo  fili  noster,  salutem  et
apostolicam  benedictionem.  Quanta  animi  nostri  dolore  accepimus  ea,
quae  nuper  Pragae  tumultuose  acta  sunt,  ex  eo  facile  compertum
e8se  posse  existimamus  M.'"  Tuae,  quod  optime  intelligis,  uam  ardenti
paternae  charitatis  affectu  desideravimus,  semper  Vos  filios  nostros  in
Christo  charissimos  vinculo  pacis  coniunctos  et  unanimes  conservare
et  quia  oculis  nedum  mentis  sed  corporis  iam  cernimus  inevitabilem
ruinam  inclitae  familiae  Vestrae  et  religionis  catholicae  in  Germania,
si  haec  Vestra  discordia  ulterius  progrediatur.  Ideo  manus  nostras
ad  Deum  patrem  misericordiarum  levantes  eius  immensam  bonitatem

!  Gleichzeitig  schreibt  der  Geheimsekretär  des  Erzbischofs,  Thomas
Perger,  an  den  vertrauten  Rat  des  Erzherzogs  Ferdinand,  Peter  Casal:  sein
Herr  denkt  daran,  dass  die  Erzherzoge  Ferdinand  und  Maximilian  die  Gelegenheit,
  wie  sie  der  Stand  der  Dinge  in  Prag  mit  sich  bringt,  unverzüglich
  benützen  sollten  „und,  dieweil  sich  auf  I.  ksl.  M.t'seiten  je  keiner  bestendigen
  mutation  oder  enderung  gemeinem  wesen  zum  besten  villeicht  bei
80  beschaffnem  wesen  sonders  zu  trösten,  alle  mitl  und  weg  einwendeten,  ein
völlige  cession  der  erblanden  halben  mit  zimblichen  conditionen  zu  erhandlen,
wie  auch  volgends  im  reich  als  ein  notwendige  consequenz“.  Ausser  dem  sieht
der  Erzbischof  nicht,  wie  dem  Hause  Oesterreich  zu  beständiger  Ruhe  zu
verhelfen  wäre;  er  hat  nichts  an  sich  erwinden  lassen,  den  Kaiser  bei  seiner
Autorität  und  dessen  Haus  bei  Einigkeit  zu  erhalten  ;  aber  es  ist  allee  umsonst
und  wäre  bei  diesem  Regiment  dem  Kaiser  am  nützlichsten,  den  Rest  seines
Lebens  ic  Ruhe  und  ohne  grosse  Behelligung  zuzubringen  (Wda,  a.a.  O.;
Kpt.  eigb.).  —  Casal  erwidert  am  16.  März  mit  der  Mitteilung,  dass  den
Erzherzog  Ferdinand  die  Fürsorge  des  Erzbischofs  für  das  „hartsinkende*  Haus
Oesterreich  hoch  erfreue  und  dass  sein  Herr  dem  Erzherzog  Maximilian  eine
Zusammenkunft  in  Salzburg  wegen  einer  Interposition  der  Herzoge  vo
schlagen  habe  (Wda.,  a.  a.  O.;  Or.  eigh.).  Am  20.  März  laden  die  Erzherzoge
  Maximilian  und  Ferdinand  den  Erzherzog  Albrecht  zu  dieser  Zusammenkunft
  ein,  an  der  der  Erzbischof  von  Salzburg  und  Herzog  Maximilian
von  Baiern  teilnehmen  sollen  (Wöa.,  a.  a.  O.;  Kopie).
        <pb n="231" />
        94—95.  1611  209

assidue  precamur,  ut  nutriusque  mentem  spiritus  sancti  lumine
iliustrare  dignetur  neque  permittet  Vos  dilabi  in  cam,  quam  communes
  Vestri  inimici  Vobis  exoptant  miseriam  et  nos  paratam
vıdemus.  Charissime  fili,  hoc  in  omni  deliberatione  considerandum
est,  detrimentum  unius  fratris,  etsi  ad  speciem  ‚videatur  aliquando
conducere  r.ıtionibus  commodisque  alterius,  revera  tamen  domui
familiaeque  semper  perniciosissimum  esse.  Quod  si  hoc  in  privatis
domibus,  quando  magis  in  regalibus,  cum  veritas  ipsa  dicat,  quod
desolabitur  omne  regnum  in  se  divisum.  Et  quae  maior  divisio
quam  regiae  domus  discordia?  Propterea  cum  onnia  alia  consilia
praeter  ea  quae  pacis  sunt  nostro  quidem  iudicio  sint  non  solum
importuna  sed  etiam  deterrima,  M.'®  Tuam  cum  omni  charitatis
affectu  hortamur  ac  etiam,  si  pateris,  rogamus,  velis  pacem  cum
charissimo  in  Christo  filio  nostro  fratre  Tuo  imperatore  electo  conservare
  ac  tueri  eoque  studia  et  cogitationes  Tuas  omnes  dirigere,

ne  qui  cogitant  Vobis  mala  quique  ex  augustae  Austriacae  familiae.

ruina  viam  ad  propriam  exaltationem  sibi  sternunt,  ex  Vestro  dissidio
vel  potius  excidio  laetenturr.  Nos  autem  omnia  officia  ad  hoc
necessaria  sicuti  antea  ita  et  in  posterum  sedulo  diligenterque
obibimus,  quemadmodum  uberius  adhuc  intelliges  ex  venerabili
fratre  Placido  episcopo  Melphiensi!,  nuncio  nostro  apostolico,  qui  et
afflictionem  et  sollicitudinem,  qua  laboramus  hoc  tempore  et  fiduciam
quam  in  Tua  filiali  pietate  habemus,  tibi  exponet.  Cui  eandem  fidem
adhiberi  abs  Te  desideramus  quam  nobis  haberes,  si  Te  alloqueremur.
Et  M."  Tuae  benedictionem  nostram  apostolicam  ex  intimis  nostri
cordis  visceribus  tribuimus..  —  Datum  Romae  apud  S.  Petrum
sub  annulo  piscatoris  VI.  idus  martii  MDCXI  pontificatus  nostro
anno  sexto“,

Petrus  Stroza.
Wh.,  Urkunden.

95.  Die  Erzherzoge  Maximilian  und  Ferdinand  an
den  Kurfürsten  von  Sachsen,  dosgleichen  an  die
andern  Bürgen  des  prager  Vertrags.

Mit  höchster  Betrübnis  sehen  wir,  wie  wenig  alle  die  eifrigen  Bemühbungen
  E.  L.  und  der  anderen  zu  Prag  gewesenen  Kurfürsten  und
Fürsten  um  Aussöhnung  in  unserem  bedrängten  Hause  gefrachtet
  haben.  Die  jetzt  aufs  neue  entstandene  Zwietracht  zeigt  zur  Genüge,
wie  viel  mehr  die  hitzigen  Ratschläge  verbitterter  Leute  als  die  treuherzige
  Wolmeinung  und  das  Ansehen  der  damals  versammelten  Kurfürsten
  und  Fürsten  gelten,  und  möchte  es  jetzt  wol  an  dem  sein,  dass
der  ganze  Streit  nur  noch  mit  den  Waffen  geschlichtet  werden  kann.
Doch  ist  das  Vertrauen,  welches  wir  zu  E.  L.  Ansehen  im  Reich

ı  Der  Nuntius  am  wiener  Hot.
Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  14

März  10.

März  11.
        <pb n="232" />
        März  11.

März  11.

210  1611  95  —  96.

und  zu  Dero  vielfach  bewiesenen  Zuneigung  für  unser  Haus  tragen,
so  gross,  dass  wir  glauben,  wenn  E.  L.  sich  mit  Eifer  in  die  Sache
schlagen,  es  könnten  noch  Mittel  gefunden  werden,  diesem
allerseits  gefährlich  und  erbärmlich  aussehenden  Werke  abzuhelfon.
Darum  bitten  wir  E.  L.  dringend  ,!  uns,  die  wir  in  unserer  Bestürzung
  fast  keinen  Rat  zu  finden  wissen,  —  wenn  schon  nicht  aus
Mitleid  gegen  unser  Haus,  das  es  doch  um  das  Reich  vielfach  verdient
hat,  so  doch  zur  Rettung  vor  der  der  ganzen  Christenheit  drohenden
Gefahr  und  damit  nicht  unsere  zu  Prag  angewandte  Mühe  ganz  umsonst
sei,  —  Ihr  Gutachten  zu  eröffnen,  wie  etwa  ein  Ausgleich  möglich  sei
und  inzwischen  Ihr  Ansehen  zu  interponieren,  damit  Blutvergiessen
verhütet,  des  Hauses  Eintracht  hergestellt  und  der  Friede  den  Ländern
erhalten  werde.  Geben  zu  Insprugg  den  11.  martii  1611.
Dra.,  L  9166,  I.  B.  passauer  Kriegsvolks,  f.  521;  Or.!

96.  Hans  Meinbard  von  Schönburg  an  Fürst  Christian
von  Anhalt.

Gestern  abends  bin  ich  in  Breslau  angekommen,  wo  die  Fürsten
und  Stände  Schlesiens  versammelt  sind.  Ich  wandte  mich  an  Markgraf
Johann  Georg  von  Jägerndorf,  um  Neuigkeiten  zu  erfahren;  man  weis
aber  nichts  sicheres  und  glaubt,  Matthias  sei  von  Wien  aufgebrochen.
  Ramöe  soll  nach  Polen  gereist  sein,  um  zu  werben.  Hier
nimmt  man  4000  Mann  in  zwei  Regimentern  zu  sechs  und  fünf  Kompagnien
  und  1500  Reiter  an,  —  schlechtes  Volk.  Ich  vermute,  dass
das  Volk  des  Matthias  nicht  anders  sein  wird,  das  Leopolds  soll  weit

1  Das  Gesamtschreiben  war  von  Erzherzog  Maximilian  angeregt  worden:
Erzherzog  Ferdinand  hielt  zwar  nicht  viel  davon,  unterfertigte  es  aber
(vgl.  unten  no.  97)  und  schlug  seinerseits  eine  persönliche  Zusammenkunft
der  Erzherzoge  vor  (vgl.  oben  no.  93,  S.  208,  Anm.  1).

?  Die  Antwort  des  Kurfürsten  von  Sachsen  liegt  mir  nicht  vor,  wol
aber  die  von  Kurmainz:  der  Kurfürst  beklagt  am  30.  März  den  Verlauf  in
Prag,  dem  gegenüber  er  für  seine  Person  niclıts  nützliches  zu  raten  wisse:
er  habe  sich  bereits  mit  den  andern  Kurfürsten  wegen  einer  persönlichen  Zusammenkunft
  in  Verbindung  gosetzt,  bei  der  diese  und  andere  Notwendigkeiten
des  Reichs  beraten  werden  sollen:  schliesslich  bittet  er,  die  Verbitterung  unter
denBrüdern  mildern  zu  helfen  (Wınz.,  Reichstagsakten,  Fasz.  103°,  no.  10;  Kpt.
von  Faust);  vgl.  unten  no.  111.  -  Viel  ausführlicher  ist  das  Antwortschreiben
des  Herzogs  von  Braunschweig  vom  8.  April,  worin  er  beklagt,  dass  alle
seine  Mühe  umsonst  gewesen  sei;  der  „pragerische  fastelabent*  habe  alles
verdorben;  er  sehe  nun  kein  anderes  Mittel  als  dass  der  Kaiser  freiwillig  und
mit  Autorität  tue,  was  er  sonst  gezwungen  tun  müsste,  er  bemühe  sich,  den
Kaiser  zur  Einwilligung  in  die  Krönung  des  Königs  und  in  die  Reformation  des
Regiments  zu  bewegen,  wogegen  dem  Kaiser  die  königliche  Regierang  in  Böhmen
verbleiben  und  er  nicht  schimpflich  davon  verstossen  werden  solle;  auch  die  Beseitigung
  der  bösen  Ratgeber  und  die  Abdankung  des  Kriegsvolks  befördere  er
Herzog,  nach  Möglichkeit,  —  kurz,  er  lasse  es  an  nichts  fehlen,  des  Kaisers
Autorität  zu  erhalten,  brüderliches  Vertrauen  zu  stiften  und  dor  Zerrüttung  zu
wehren  (lb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  April  1611,  no.  42;  Or.  eigh.).
        <pb n="233" />
        6-97.  1611  211

besser  sein.  Ich  werde  morgen  von  hier  über  Jägerndorf  nach  März  11.

Olmütz  reisen;  Zierotin  wird  mir  angeben  können,  wo  ich  den
König  treffe.  —  ‚Ma  commission  est  quelque  chose  et  rien  aussi;  on
ne  parle  point  ce  qu’on  veut  assister,  comment  on  se  veut  declarer.
Ce  ne  sont  que  palabras;  cela  ne  peut  encourager  Matthias,  puisque
  la  flecheur  et  irresolution  nostre  est  tant  connue;  me  rosouvenant
du  discours,  que  me  ont  tenu  avant  deusz  ans  les  estats  d’Austriche!,
crains  je  quils  n’estimeront  mon  discours;  ils  voudront  scavoir  ce
qu’on  voudra  faire  contre  l’empereur  en  un  besoing,  tenant  la  cause
pour  sien,  si  on  aura  pour  agreablo  Mathias  sans  ses  estats
en  l’Union,  chose  de  nul  fondement  en  quel  terme,  en  ‚quelle
qualite.e.  A  quoy  sera  appele  le  secours,  il  eust  este  bon  que
jeeusse  este  instruict  en  cela.“  Jetzt  kann  ich  nichts  anderes  tun
als  mir  des  Matthias  Intention  anhören.  Gut  wäre  es,  wenn  mir
jemand  mit  erweiterten  Auftrag  nachgeschickt  würde;  man  muss  das
Eisen  schmieden,  so  lange  es  heiss  ist,  Matthias  verpflichten  und
einen  „accord  general“  machen.  De  Presla  ce  1./11.  martii  1611.  —
Praes.  9.  martii  1611.
Bbg.,  A  9a,  n.  166,  f.  15;  Or.  cigh

9%.  Erzherzog  Maximilian  an  König  Matthias,

Auf  das  Schreiben  vom  26.  Februar.”  Mitteilung  verschiedener
Schreiben,  die  Absichten  des  Kaisers  auf  Tirol  betreffend,  und  der  Abschrift
desalthanschen  Vertrags.?  Mistrauen  gegen  den  Erzbischof  von  Salzburg.  —
Erzherzog  Ferdinand  verspricht  sich  zwar  nichts  von  dem  von  mir  vorgeschlagenen
  Gesamtschreiben  der  Erzherzoge  an  die  Teilnehmer
des  prager  Konvents;  ich  halte  aber  eine  solche  Erinnerung
wenigstens  zu  unser  aller  besseren  Entschuldigung  nochmals  für  nötig,
weshalb  ich  sie  dem  Erzherzog  zur  Fertigung  überschicke.t

Was  ich  wegen  des  Successionswerks  durch  Schıöttl  bei
E.  M.'!  anregte,  tat  ich  nur  zu  Dero  Nachricht;  auch  ich  halte  zur
Zeit  nicht  für  ratsam,  dieser  Sache  nachzugehen.  Ich  will  aber  inzwischen
  sowol  bei  Erzherzog  Ferdinand  und  Baiern  wie  auch  sonst
mich  bemühen,  dass  es  deshalb  bei  unseres  Hauses  löblichen  Gewohnheiten
  bleibe.  Ich  glaube  auch  nicht,  dass  des  Grafen  Sulz
Bravieren  einigen  IHintergrund  hat.

Was  Dero  Eintritt  in  die  protestantische  Union  betrifft,
so  werden  E.  M.'  gewiss  die  beiderseits  obliegenden  Bedenken  so
erwogen  haben,  dass  deren  Wiederholung  unnötig  ist.  Ich  hoffe  dabei,
dass  E.  M.!  zur  Erlangung  Ihrer  billigen  Ansprüche  und  zur  Erbaltung
  von  Land  und  Leuten  dieses  Mittels  um  so  weniger  beı

  Vgl.  Briefe  und  Akten,  II.,  no.  107.
?2  No.  72.

2  No.  8.

*  Vgl.  oben  no.  95  und  Anm.  1  auf  S.  210.

14*

März  12.
        <pb n="234" />
        März  12.

März  12,

212  1611  97—98.

dürfen  werden  als  ich  es  nicht  anders  weiss  denn  dass  die  Böhmen  sich
gegen  E.  M.*  der  Billigkeit  nach  akkomodieren  wollen.  „Da  es  aber  je
die  notturft  also  erfordern  solte,  so  wäre  meines  erachtens  kein  unerhörte
sachen,  dass  in  dergleichen  faal  Catholische  und  Evangelische  zu
schutzung  land  und  leut  wider  solchs  landreuberisches  volk  zuesambenstunden,
  was  aber  keiner  sonderbaren  union  bedürfte‘  sondern
etwa  auf  die  Weise  geschehen  könnte,  wie  die  Unierten  dem  Herzog
von  Baiern  wider  das  passauer  Volk  aus  der  Oberppfalz  beizuspringen  versprachen.
  Dazu  sind  sie  vielleicht  auch  jetzt  noch,  da  das  Volk
sich  wieder  der  Pfalz  nähert,  geneigt,  doch  wären  die  Bedingungen
reiflich  zu  erwägen!  Ynnspruck  den  12.  martii  a.  1611.
Ib,,  Hofkonzepte  vom  März  1611,  no.  9;  Kpt.

98.  Zuniga  an  König  Philipp  III.

„En  carta  de  7  deste?  tengo  escrio  a  V.  M.@,  como  havia
llegado  la  gente  del  rey  de  Ungria  en  socorro  de  la  ciudad  vieja

1  Die  erste  Fassung  des  Konzepts  lautete  ganz  ablehnend:  die  Unierten
würden  sich  gewiss  in  nichts  einlassen,  was  nicht  zur  Stärkung  ihrer  Faktion,
Schmälerung  der  Religion  und  Erreichung  ihrer  gefährlichen  Intentionen
diente;  der  König  würde  durch  den  Eintritt  in  die  Union  den  Papst  und
alle  katholischen  Fürsten  gegen  sich  aufbringen  und  wegen  Unterdrückung
der  katholischen  Religion  schwere  Verantwortung  auf  sich  laden;  —  ein
anderes  wäre  es,  wenn  die  protestantischen  Fürsten  den:  König  ähnlich  wie
dem  Herzog  von  Baiern  einen  Reiterdienst  täten,  ohne  dass  er  in  ihre  „Liga“
einzutreten  hätte.  —  Ueber  die  Gefahr,  dass  Matthias  in  die  Union  eintreten
könnte,  sprach  sich  Erzherzog  Maximilian  auch  gegen  Erzherzog  Ferdinand
in  einem  Schreiben  vom  gleichen  Tage  aus:  er  könne  Ferdinand  nicht
bergen,  dass  die  protestantischen  Unierten  sich  stark  bemühen,  den  König
in  ihre  „Liga®  zu  bringen,  wofür  sie  sich  erbieten,  ihm  mit  aller  ihrer
Macht  zuzuziehen.  Er  zweifle  zwar  nicht,  dass  der  König  sich  dazu  nicht
bewegen  lassen  werde;  es  könnten  aber  dessen  Lande,  die  ohnehin  gutenteils
mit  jenen  Fürsten  korrespondieren,  wenn  sie  durch  die  neuangefangenen
Prozesse  zur  Desperation  gebracht  würden,  sich  so  weit  einlassen,  dass  dor
König  ihrer  nicht  mehr  mächtig  würde  nnd  die  ganze  Posterität  des  Hauses
Oesterreich  sich  von  diesem  Schaden  nicht  mehr  erholen  könnte  (Ib.,  Hofkonzepte
  vom  März  1611,  no  10;  Kpt.).  —  Was  Erzherzog  Maximilian  widerriet,
  das  war  natürlich  der  Wunsch  der  evangelischen  Stände  O6sterreichs  :
am  12.  März  schreibt  Peter  Wok  von  Rosenberg  aus  Wittingau  an  den  Administrator
  der  Kurpfalz:  er  habe  den  König  aus  Treue  aller  Konsequenzen
„und  wornach  er  sich  gegen  den  Protestirenden,  dem  prophan-  und  religionsfriden
  und  allen  treuen  Piasten  [!],  auch  patrioten  reguliren  solle,*  beweglich
informieren  lassen  ;  er  hoffe  auch,  dass  der  König  jemanden  zum  Unionstag
abordnen  und  sich  dem  Administrator  und  der  ganzen  Union  nähern  werdo
(Schl.,  18;3;  Kopie).  Aehnliche  Ratschläge  hatte  auch  Friedrich  Graf  Fürstenberg
  erteilt:  vgl.  Münch,  Geschichte  des  Hauses  Fürstenberg,  II.,  S,  300,
—  Dass  übrigens  Maximilian  seinem  Bruder  mit  dem  ausgesprochenen  Argwohn
  Unrecht  tat,  ergibt  der  Entwurf  einer  Instruktion  für  die  Gesandten,
die  Matthias  eben  damals  zu  verschiedenen  protestantischen  Reichsfürsten
schickte;  vgl.  Hammer-Purgstall,  Khlesls  Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,
  no.  304  und  dazu  ebenda  no.  369.

?  Oben  no.  88.
        <pb n="235" />
        98.  1611  213

y  deste  reyno,  que  como  la  gente  de  Passau  tratava  de  salir  de  März  12.
aqui,  finalmente  el  emp.”  dio  mucha  priesa  para  que  lo  effetuasen
y  despues  de  muchas  demandas  y  respuestas  se  congertaron  en  tres.
pagas,  las  quales  el  emp.°"  saco  de  su  thesoro  con  harto  dolor  de
su  alma.  Salieron  a  la  sorda  viernes  11.  Antes  de  amanecer  devieron
de  ser  numero  de  quatro  mill  iufantes  algo  menos  y  algo  mas  de
mill  cavallos,  comprehendiendo  los  que  estavan  en  Veraun  tres  leguas
de  aqui  con  el  coronel  la  Rame  (que  harvia  salido  dos  dias  antes
con  la  cavalleria  para  obligar  a  la  infanteria  que  le  siguiese).  EI
seınor  archiduque  Leopoldo  los  siguio  regelando  algun  desacato  de
los  Bohemioss.  A  mi  me  pedio  que  le  aconsejase  sobre  el  caso.!
Parecgiome  tarde  para  darle  consejos,  haviendo  hecho  S.  A,  tan  poco
caso  de  los  mios  por  lo  passado.  EI  dia  antes  que  partiesse  me  hizo
un  discurso  sobre  que  le  concertase  con  el  rey  de  Ungria  y  con
lo  restante  de  la  casa  de  Austria,  dejando  a  parte  el  emp.”  y  que
se  le  entregasen  a  el  todas  estas  armas  y  socorros  del  papa  y  V.
M.“  para  domar  estas  provincias  y  le  signifique  la  vanidad  que
contenia  esta  traza  en  que  se  havian  metido  y  le  dije  que  V.  M.d
no  podria  meterse  en  esto,  pero  que  no  dexaria  de  ayudarle  y
favorecerle  en  las  pretensiones  justas  y  hazederas  que  S.  A.  tuviese.
Quando  la  gente  se  partio,  quedava  en  el  castillo  y  en  este  Bachin
cosa  de  mil  soldados  de  bajo  de  officiales  Bohemios  y  del  burgravio
que  estava  dentro  del  castillo,  gente  que  havia  hecho  gierta  forma
de  juramento  nuevo  al  emp.”  juntamente  con  la  gente  de  Passau,
como  se  escrivio  a  los  19  de  febrero.  Al  cabo  de  quatro  o  ginco
horas  que  los  de  Passau  havian  partido,  comengo  a  pasar  el  puente
alguna  cavalleria  bohemia  siguiendolos  y  dieron  presto  la  buelta,  y
a  cusa  de  la  una  despues  de  medio  dia  se  incorporaron  con  mil
cavallos  y  1500  infantes  de  la  gente  del  rey  de  Ungria  y  de  la
provincia  de  Moravia  con  seis  piegeguelas  de  artilleria,  con  que
tomaron  la  placa  del  Rachin,  llegando  su  vanguardia  al  fosso  del
eastillo..e.  Mandava  a  la  gente  de  Bohemia  que  era  muy  poca  el
conde  de  la  Torre  teniente  general  y  la  del  rey  su  ministro  de
campo  general  Er:nestan.”?  Llegaron  aqui  luego  a  verme  los  coroneles
Puchan  y  de  Ampierre®  y  yo  les  pedi  que  dixessen  de  mi  parte  a
Ermestan,  quanto  deservicio  seria  del  rey  de  Ungria  y  de  toda  la
casa  el  hazer  ningun  desacato  al  emp.”.  A  que  me  respondio  el
Ermestan  de  manera  que  colegi  que  entendia  que  yo  hablava  solamente
  de  la  persona  del  emp.°"  y  assi  con  el  secretario  Pedro  Montanana
  le  embie  a  dezir  que  no  hablava  solo  de  su  persona,  s8ino
que  el  entrar  por  fuerca  on  el  castillo  tenia  por  mucho  deservicio
del  rey  de  Ungria  y  de  toda  la  casa  y  que  al  rey  le  estaria  muy

ı  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  Il,  S.  229.

?  Herberstein.  .

3  Hans  Christoph  von  Puchheim  und  Heinrich  Duval  Graf  von
Dampierre.
        <pb n="236" />
        März  12.

214  1611  98.

mal,  que  en  el  imperio  se  entendiesse  que  88  procedia  con  desacato
de  su  parte  con  el  emp”.  El  me  respondio  con  Montanana  que
escusaria  esto  quanto  pudiesse,  pero  que  el  venia  con  orden  de
governarse  conforme  el  pareser  de  los  Bohemios.  S.  M.?  se  altero
mucho  de  tener  tan  cerca  de  si  esta  gente  y  llamo  a  los  del
consejo  de  estado  y  a  los  officiales  de  la  corona  que  havian  quedado
aqui  y  como  estos  le  havian  dado  esperanca,  de  que  retirandose  los
de  Passau  se  haria  todo  bien;  quexavase  dellos  y  de  los  que  estavan
a  fuera,  diziendo  que  querrian  prenderle  y  mostrava  gran  sentimiento
de  no  haverse  ydo  con  los  de  Passau.  Finalmente!  se  determino  de
mandar  llamar  al  conde  de  la  Torre,  el  qual  haviendo  llegado  a  la
presencia  de  S.  M.d,  le  dixo  palabras  muy  sentidas  de  que  su
retiramiento  y  el  no  querer  dar  audiengia  ni  admitir  a  las  personas
de  gran  linage  y  calidad  como  el  y  otros  deste  reyno  y  el  tratar
y  conversar  con  gente  baxa  havian  reduzido  a  S.  M.d  a  tal  estado,
que  ellos  no  venian  para  hazerle  ningun  deservicio  sino  que  haviendo
venido  los  de  Moravia  como  miembro  desta  corona  a  ayudarlos  v
socorrerlos  contra  la  gente  de  Passau  querrian  tener  parte  en  1a
guardia  del  castillo..e  Y  en  fin  de  algunas  demandas  y  respuestas
mostrandose  el  emp.”  muy  sentido  y  muy  resuelto  de  no  acetar  la
gente  de  Moravia  dexando  a  los  Bohemios,  se  entro  en  otra  pieca
mas  adentro  con  los  consejeros  de  estado,  y  Barbicio  salio  con
orden  de  que  se  acetase  el  postrer  medio  que  havian  ofirezido  que
fue  que  quedasen  en  esta  parte  alta  600  hombres  de  los  de  Moravia
y  que  en  el  castillo  entrasen  150,  quedando  300  de  los  de  Bohemia,
  con  que  les  viene  a  tocar  una  de  las  tres  puertas  del  castillo.
Esta  traza  se  puso  en  execucion  y  la  demas  gente  se  fue  retirando
hazia  las  ciudades  vieja  y  nueva,  donde  havia  quedado  el  restante  de
su  gente?  y  se  van  encaminando  la  buelta  de  la  gente  de  Passau

ı  Hier  scheint  Zaniga  nicht  ganz  genau  unterrichtet  gewesen  zu  sein:
nach  Bodenius’  Bericht  an  Herzog  Maximilian  vom  12.  März  hatte  der  Kaiser
einen  Ausschuss  der  Stände  zu  sich  erfordern  lassen,  neben  Thurn  auch
Fels  und  Ruppa,  die  sich  überzeugen  sollten,  dass  die  böhmische  Krone
und  die  Privilegien  nicht,  wie  gefürchtet  worden  war,  von  Erzherzog  Leopold
entführt  worden  seien  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  26,  f.  47;  Or.  eigh.).  —
Pfretzschner  weiss  von  einer  zweimaligen  Unterredung  des  Kaisers  mit  Thurn
am  11.  März  zu  erzählen:  der  Kaiser  habe  Thurn  geklagt,  er  sei  von  den
bösen  Räten  verführt  worden;  Tlurn  aber  habe  geantwortet,  wenn  es  dem
Kaiser  Ernst  sei,  möge  er  an  den  Rädelsführern  ein  Exempel  statuieren;  das
ganze  Königreich  sei  in  äusserstes  Verderben  gesetzt  „und  weren  keine
remedia“  (Piretzschner  an  Schönberg  am  12.  März;  Drs.,  1.  9166,  I.  Buch
passauer  Kriegsvolks,  f.  375;  Or.  eigh.).

®  Herberstein  berichtet  hierüber  an  König  Matthias  am  11.  März,  dass
er.  um  des  Kaisers  und  des  Schlosses  versichert  zu  sein,  mit  den  Böhmen
vereinbart  habe,  eine  gemeinsame  Garnison  in’s  Schloss  zu  legen;  dazu  seien
mit  Zustimmung  des  Kaisers  vom  königlichen  Volk  zwei  mährische  Fähnlein
bestimmt  worden;  Thurn  habe  den  Oberbefehl  über  Jdas  Schloss  und  das
Volk  (Wi.,  IA  1,  Ka.  2991;  Or.  eigh).  Dass  schliesslich  nur  160  Mann
von  den  Mährern  das  Schloss  besetzten,  bestätigt  auch  Bodenius  (a,  a  O.),
        <pb n="237" />
        98.  1611  215

con  designio  de  romperlos  antes  de  liegar  a  Tabor,  Butbays  y  März  12.
Cremau  que  son  plazas  deste  reyno  en  que  tienen  guarnicion  y
cercanas  a  la  frontera  de  Austria  superior  y  al  obispado  de  Passau,

pero  entiendese  que  ellos  havran  marchado  con  mucha  diligencia  y

que  los  que  los  han  de  seguir  con  dificultad  podran  llegar  a  hazerles

  daino  antes  de  entrar  en  sus  puestos  y  que  despues  destar  en

ellos  no  ha  de  ser  muy  facil  el  deshazerlos.

Agora  a  estado  aqui  Vengeslao  Quinzki  gentilhombre  de  la
camara  del  rey  Mathias  que,  como  tengo  escrito,  es  gran  personaje
en  la  ciudad  vieja  y  es  uno  de  los  treinta  directores  que  han  nombrado
  diez  de  cada  estado.  Hablan  muy  claro  el  y  otros  en  que  quieren
por  rey  al  de  Uugria,  y  que  las  cosas  del  emp.?"  han  llegado  a
terminos  que  no  se  pueden  fiar  del  y  a  punto  que  combenia  encaminar
  al  emp.”,  a  que  se  resolviesse  en  retirarse  a  Tirol.  Es  punto
muy  considerable  este,  por  que  por  una  parte  parece  que  es  puesto
squel  en  que  se  podria  sustentar  en  la  administracion  del  imperio,
y  por  otra  es  puesto  con  vecinos  peligrosos  y  en  que  con  el  instrumento
  del  -senor  archiduque  Leopoldo  podria  por  ventura  bolver  a
tarbar  mucho  las  cosas.!  Es  bien  que  V.  M.@  se  sirva  de  mandarlo
considerar  para  avisarme  de  Su  voluntad  que  en  el  interim  yre
procediendo  con  consideracion  en  ello  y  sin  declararme  y  procurando
que  se  tome  otro  espediente  antes  que  este.

Entıaron  aqui  con  esta  gente  del  rey  de  Ungria  el  conde  de
Candala  hijo  mayor  del  duque  de  Bernon?  y  mos.  de  la  Valeta  su
hermano.

El  rey  de  Ungria  ay  nueva  que  partio  de  Viena  a  8  deste  y
viene  todavia  algo  tocado  de  la  gota;  dizen  que  trae  cinco  mil
hombres  con  sigo  y  solamente  quinientos  Ungaros  entre  ellos.  Los
Bohemios  han  ydo  defiriendo  el  passaporte,  para  que  el  nuncio  y  yo
podamos  yr  a  encontrarle  como  el  emp.”  nos  lo  tiene  pedido,  pero
en  fin  le  han  dado,  y  si  S.  M.  buelbe  a  hacer  instancia  en  ello,
partiremos  mas  por  cumplir  con  el  respeto  devido  que  por  esperanca
que  se  tenza  de  poder  hazer  mucho  effeto  en  benefigio  de  S.  M.?  cesarea.
Estoy  con  cuidado  de  que  no  se  suene  en  el  imperio  prision  este,
caso  que  ayer  sucedio  y  que  el  administrador  del  electorato  palatino
no  tome  ocasion  de  entrar  exergiendo  el  vicariato  que  le  toca  en  lo
pringipal  del  imperio,  sobre  que  voy  mirando  lo  que  combendra
escrivir  a  los  electores  eclesiasticos,  que  es  negogio  de  grandisima
consideracion.  Praga  a  12  de  marco  1611.“

Bim.,  Fasz.  2496,  f.  274;  Or.

!  Dieselben  Bedenken  wegen  einer  Uebersiedlung  des  Kaisers  nach
Innsbruck  Ausserte  auch  Erzherzog  Albrecht  in  einem  Schreiben  an  König
Philipp  IIl.  vom  24.  März  (Sim.,  Fasz.  2497,  f.  2756;  Kopie).

”  D'  Espernon;  vgl.  das  folgende  Stück.
        <pb n="238" />
        Mär  12.

216  1611  99.
99,  Baugy  an  Puysieulx.

„Monsieur.  De  plusieurs  particulariteze  qui  pourroient  servir
d’esclaircissement  a  ce  que  jescry  a  la  royne,  je  cotteray  seulement
celles-cy  qui  me  semblent  les  principales:  c'est  que  larchiduc
Leopold,  aprez  avoir  sceu  la  prise  du  s.”  Tenknaghel,  fut  si  esperdu,
qu’il  se  laissa  eschapper  de  la  main  des  letres  au  conte  de  la  Tour
plaines  de  submission,  qui  l’on  a  jugdö  peu  convenables  a  son  rang
et  a  sa  qualite,  jasques  a  le  prior  de  moyenner  que  les  estatz,  luy
ayans  refussd  tout  ce  qu’il  leur  avoit  demand,  luy  accordassent  pour
le  moins  une  sauvegarde  pour  demeurer  en  seurete  dans  ceste  ville
aprez  le  partement  des  gens  de  guerre  de  Passau!  Celä  luy  ayant
este  desnie  aussy  bien  que  le  surplus,  il  fut  en  termes  d’aller  trouver
le  roy  de  Hongrie  pour  se  jetter  a  ses  piedz  et  le  suplier  de  luy
pardonner  en  consideration  de  son  jeune  aage  et  de  leur  estroicte
parent6.  Sur  ce  quelcun  luy  representa  que,  sl  falloit  commettre
quelque  indignite,  il  valoit  mieux  que  ce  fust  avec  un  roy  de  son
sang  qu’avec  des  subjectz  de  leur  maison;  mais  ayant  ramasse  ses
espritz  il  semble  avoir  repris  ses  premieres  ertes  et  s’estre  resolu
d’essayer,  si  la  fortune  luy  voudra  estre  contraire  jusques  au  bout,
ayant  tenu  ce  langage  qui  met  encores  la  cervelle  de  ces  gens  cy
a  party  qu’il  a  vendu  sa  peau,  mais  devant  qu’il  la  livrer,  il  la
rencherira  beaucoup  a  ceux  qui  l’ont  acheptee.  Pendant  que  l’yssue
de  son  entreprise  estoit  encores  incertaine,  il  s’est  laisse  entendye,  a
ce  que  l’on  m’a  rapport£,  d’attendre  du  secours  de  plusieurs  endroictz
et  d’avoir  receu  des  lettres  de  la  royne  en  chiffre,  par  lesquelles  il
estoit  bien  asseur&amp;amp;6  de  sa  bonae  volont6  et  de  son  inelination  au
bien  de  ses  affaires,  de  quoy  jay  estim6  Vous  devoir  informer,  m’estant
  venu  un  doute  que  le  s.”  de  Revest,  qui  m’a  diet  avoir  un
chiffre  de  mons.  de  Villeroy,  pourroit  avoir  contrefaict  quelque  lettre
de  ceste  teneur  par  le  commandemeut  du  dict  s.”  archiduc,  auquel
je  scay  que  dom  Balthazar  de  Cuniga  envoya  une  bonne  somme  de
deniers  le  jour  de  devant  son  partement,?  bien  qu'il  face  contenance
de  n’aprouver  poinct  ses  deportemens  et  de  n'y  avoir  part  quelconque.
Le  3.”  de  Michbach?,  qui  fut  priz  avec  le  dict  s.”  Tenknaghel,  est  sur
le  point  d’estre  relasch6,  ces  mess.”  n’ayant  rien  trouve,  pourquoy

ı  Vgl.oben  no.88,  S.194,  Anm.2.  Unter  den  Konzepten  der  leopoldinischen
Kanzlei  in  Innsbruck  findet  sich  auch  der  Entwurf  eines  Schreibens  des
Erzherzogs  an  Wenzel  Kinsky  vom  7.  März.  Daıin  zeigt  Leopold  die  im
Gang  befindliche  Abdankung  des  Kriegsvolks  an  und  ersucht,  damit  er,
Leopold,  seiner  Person  halber  keine  Grefahr  zu  besorgen  habe  und  sicher
wieder  in  die  Stadt  kommen  könne,  dass  ihm  Kinsky  bei  den  Ständen  eine
gewisse  Assekuration  verschaffe,  „dieweil  icb  auch  I.  ksl.  M.t  und  diesem
königreich  nur  allein  zu  dienen  begere“  (Ib.,  Leopold.  Hofkonzepte  vom
März  1611;  Kpt.).  L

”  Wegen  der  Unterstützung  Leopölds  durch  Zuniga  vgl.  das  vorausgehende
  Stück.

®  Meckbach.
        <pb n="239" />
        99  —  100.  1611  217

il  doive  estre  retenu  davantage;  mais  le  dict  Tenknaghel  est  en
danger  d’estre  miz  a  la  question,  bien  qu'il  ayt  desia  descouvert  la
plas  grand’  part  de  ce  que  l’on  vouloit  tirer  de  luy.  Il  ne  s’est
pas  verifi6,  qu'ilz  emportassent  avec  eux  des  bagues  et  autres
precieux  meubles  de  l’empereur,  comme  l'on  avoit  soupconne,  ne
s’ostant  trouv6  sur  leurs  chariotz  que  la  valeur  de  vinteing  ou
trente  mille  tallers  qui  appartenoient  au  s.”  de  Ramöe,  dont  ce  qui
estoit  en  argent  contant,  estoit  desting  a  ce  que  l’on  dit,  a  faire  des
nouvelles  levöes  pour  renforcer  les  dietes  gens  de  guerre  de  Passaw.“  —
Die  Kinder  des  Herrn  d’Espernon  sind  bei  den  Truppen  des  Grafen
Dampierre,  der  sie  sehr  gut-behandelt.  —  „Il  ne  me  reste  qu’accuser
  la  reception  de  Vostre  derniere  du  17  de  fevrier,  sur  le
suget  de  laquelle  je  n’ay  autre  chose  a  dire  sinon  que  celuy!,  qui
fait  icy  les  affaires  de  l’electeur  de  Saxe,  publie,  qu’il  est  d’accord
avec  celuy  de  Brandebourg,  touchant  la  succession  de  Juliers  et
qu’ilz  se  devoient  entrevoir  jeudy  dernier  a  Torga  ou  a  Leipzig.
De  Prague  le  12  de  mars  1611.“
Pa,  Harlay,  no.  238,  vol.  XlI.,  f.  76;  Or.

100.  Protokoll  des  schweinfurter  Unionstages.

Verzeichnis  der  anwesenden  Gesandten:  Kurpfalz  (zugleich
für  Zweibrücken):  Johann  Engelbert  von  Lautern,  Dr.  Michael
Loe,enius,  Dr.  Ludwig  Camerarius,  Abraham  Colbinger  und  Gottfried
Saugenfinger,  Räte;  Dathenus  und  Hausmann,  Sekretäte.e  Neuburg:
Johann  von  Sperberseck,  Dr.  Kaspar  Heuchelin,  Dr.  Georg  Zeschliu
(Pfennigmeister),  Räte;  David  Widmann,  Sekretär.  Württemberg:
Sebastian  Waelling  von  Velingen,  Dr.  Sebastian  Faber,  Melchior
von  Reichau  und  Johann  Sigmund  Gomer,  Räte;  Johann  Christoph  Lutz
und  Sattler,  Sekretär.  Hessen-Cassel:  Otto  von  Starschedel
und  Kaspar  Wiedemarcker,  Räte  Baden:  Johann  Peter  Breitenacker,
  Friedrich  von  Fleckenstein  und  Christoph  Kessel,  Räte;  Thomas
Stotz,  Sekretär.  Oettingen:  Liz.  Ludwig  Müller  und  Dr.  Friedrich
Gottfried  Kessler,  Räte;  Gottfried  Herrenschmied,  Kanzlist.  Strassburg
  (zugleich  für  Weissenburg  i./E.):  Jakob  Wurmser,  Stark
und  Hartlieb  genannt  Walsporn  des  Rats;  Dr.  Wendt,  Advokat;
Lorenz  Clussrath,  Kanzlist,e  Nürnberg:  Ernst  Haller  von  Hallerstein,
  Leonbard  Grundberr  und  Andreas  Imhof  des  Rats;  Dr.  Johann
Christoph  Oelhafen  und  Dr.  Georg  Albert  Burkhard,  Advokaten;
Paul  Schwarz,  Sekretär.  Ulm  (zugleich  für  Kempten):  Leo  Roth
und  Sigmund  Schleicher  des  Rats;  Dr.  Hieronymus  Schleicher  und
Johann  Rudolf  Wick,  Advokaten.  Worms:  Johann  Philipp  Weber,
Altschultheiss;  Dr.  Paul  Rennekamp,  Advokat.  Speier  (zugleich
für  Landau):  Franz  Augspurger,  Altbürgermeister;  Dr.  Franz

!  Dr.  Ambrosius  Pfretzschner.

März  12.

März  13.

bie  23.
        <pb n="240" />
        März  13.

bis  23.

218  1611  100.

Jugert,  Advokat.  Nördlingen:  Kaspar  Heider  und  David  Gering
des  Rats;  Dr.  Georg  Heher,  Advokat;  Johann  Konrad  Gundelfinger,
Sekretär.  Rotenburg  a/T.:  Michael  Reichshöfer  des  Rats,
Dr.  Michael  vom  Berg,  Advokat.e.  Schwäbisch-Hall:  Georg
Melchior  Clasius  und  David  Wetzel  des  Rats;  Dr.  David  Schmalkalder,
  Advokat.  Heilbronn:  Simon  Weinmann  und  Konrad  Dirr
des  Rats;  Dr.  Johann  Georg  Würth,  Advokat.  Windsheim:
Jakob  Hofmann,  Oberrichter;  Philipp  Herbst,  RBatschreiber  und
Syndikus.  Weissenburg  a./N.:  Michael  Schmidt  des  Rats;  Dr.
Veit  Roth,  Syndikus.  Schweinfurt:  Johann  Höllerich  und  Georg
Spon  des  Rats;  Dr.  Paul  Prückner,  Advokat.

März  3./13.!

Beratung  unter  Württembergs  Vorsitz  und  in  Abwesenheit  der  Kurpfälzer
  über  das  Begehren  der  pfalz-neuburgischen  Gesandten,  ihnen  vor  der
Proposition  Audienz  zu  gewähren.  Nach  derenVerstattung  führt  Dr.  Heuchelin?
  Neuburgs  Rechte  auf  die  Administration  der  Kurpfalz  aus,
protestiert  gegen  das  Direktorium  Zweibrückens  in  der  Union,  bittet  seines
Herrn  Rechten  nicht  zu  gunsten  des  Pfalzgrafen  Johann  von  Zweibrücken
zu  praejudizieren  und  schlägt  als  unverfängliche  Mittel,  um  den  Tag  fortgehen
  zu  lassen,  vor:  1.  das  Direktorium  einem  Dritten  aufzutragen  oder
2.  es  durch  die  heidelbergischen  Räte,  aber  nach  Erlass  der  Pflicht
gegen  Zweibrücken  führen  zu  lassen  oder  3.  gemeinsamen  Vorsitz  von
Neuburg  und  Zweibrücken;  —  unter  andern  Umständen  könnten  die
Neuburger  weder  die  Proposition  anhören  noch  an  den  Beratungen
teilnebmen.  Man  beschliesst,  die  Heidelberger  zu  berufen  und  mit
ihnen  wegen  jener  Vorschläge  zu  handeln,  vorläufig  aber  die  Proposition
  einzustellen.  Die  Heidelberger  lehnen  es  ab,  zu  Verhandlungen
  wegen  des  Administrationsstreits  zu  erscheinen,  wozu  sie
nicht  instruiert  seien,  und  fordern  auf,  mit  der  Haupthandlung  zu

!  Den  gemeinsamen  Beratungen  giengen  Sonderberatungen  der  unierten
Städte  voraus  und  zur  Scite,  die  im  ulmer  Protokoll  (U.,  tom.  XXI,  no.  20818)
verzeichnet  sind.  Am  1.11.  März  wird  den  Städten  der  heilbronner  Abschied
der  ausschreibenden  Städte  (oben  no.  30)  mitgeteilt  und  die  Einzelnbeschwerden
der  Städte  entgegengenommen.  Man  beschliesst,  den  höheren  Ständen  die  städtischen
  Beschwerden  erst  mündlich,  dann  auf  Begehren  schriftlich  zu  übergeben,
und  zwar  nach  der  Proposition;  vor  Erledigung  dieser  Gravamina  soll  in  keine
Kontribution  für  die  Union  gewilligt  werden.  —  Zweite  Sitzung  am  2./12.  März:
Nördlingen  berichtet,  was  auf  den  von  Neuburg  ausgeschriebenen  Unionstag
(vgl.  oben  no.  40,  S.  93,  Anm.)  vor  sich  gegangen  sei:  ausser  Nördlingen
erschienen  Neuburg  und  Oettingen.  Heucholin  proponierte  wegen  der  Gefahr
durch  die  Passauer;  Oettingen  wollte  nicht  schliessen,  nur  diskurrieren  ;
schliesslich  überwog  die  Meinung,  die  Sache  auf  den  schweinfurter  Tag  zu
verschieben.  —  Wegen  des  Administrationsstreits  einigen  sich  die  Städte,  den
Pfalzgrafen  Johann  als  Administrator  anzuerkennen  und  den  Neuburgern,  die
von  den  Städten  begehrten,  dass  kein  ihrem  Herrn  praejudizierlicher  Akt
vorgehe,  zu  antworten,  dass  dio  Sache  bei  den  höhern  Ständen  stünde,  die
Städte  aber  gute  Beförderung  tun  wollten.

°  Ein  entsprechendes  schriftliches  Ansuchen  der  Neuburger  an  alle
Unierten  vom  1.11.  März  in  Stg.,  Unionsacta,  tom.  IX.,  f.  201;  Kopie.
        <pb n="241" />
        100.  1611  219

beginnen.  Auf  abermaliges  Ersuchen  wird  endlich  der  Sekretär  März  13.
Dathenus  in  die  Versammlung  geschickt,  aber  lediglich  um  zu  bie  23.
hören  ;  die  schriftliche  Deduktion  der  neuburgischen  Rechte  anzunehmen
  verweigert  er.!  Der  württembergische  Vizekanzler  Dr.  Faber
nimmt  endlich  auf  sich,  mit  den  Heidelbergern  weiter  zu  verhandeln.

März  4./14.

Faber  berichtet  über  das  Ergebnis  seiner  Unterredung  mit  Camerarius,?
  der  die  vorgeschlagenen  Mittel  ablehnte  und  begehrte,  Neuburg
zur  Ruhe  und  auf  den  Rechtsweg  zu  verweisen.  Unter  solchen
Umständen  beschliesst  man,  den  Neuburgern  vorzustellen,?  dass
der  Administrationsstreit  gar  nicht  vor  den  Unionstag  gehöre,
dass  die  Gesandten  darauf  nicht  instruiert  seien  und  dass  man  die  Beratungen
  über  die  Landrettung  nicht  länger  einstellen  dürfe;  das
jetzige  Direktorium  solle  aber  den  neuburgischen  Ansprüchen  gar  nicht
praejudizieren,  dazu  wolle  man  eine  Bechtsverwahrung  der  Neuburger
  annehmen;  dagegen  mögen  diese  sich  nicht  von  den  Beratungen
  absondern,  was  der  bisher  so  respektierten  Union  zur
„Disreputation‘‘  gereichen,  die  Gegner  ermutigen  und  manche  Stände
vom  Eintritt  in  die  Union  abhalten  würde;  der  Pfalzgraf  als
alter  weiser  Regent  möge  zeigen,  dass  er  das  gemeine  Wesen
böher  halte  als  solches  Misverständnis,  und  daran  denken,  dass  die
so  sehr  urgierten  Rechnungen  endlich  justifiziert  werden  müssten.  —
Tatsächlich  gaben  die  Städtegesandteu  schon  Aeusserungen  der  Ungeduld
  von  sich.  —  Heuchelin,  dem  dieser  Beschluss  eröffnet  wurde,
bat  nochmals,  mit  der  Proposition  einzuhalten  und  nicht  die  Neutralität
  zu  verletzen;  Zweibrücken  könnte  wegen  des  gemeinen
Wesens  ebensowol  als  Neuburg  auf  das  Direktorium  am  Unionstag
verzichten.  Bei  der  Umfrage,  was  weiter  zu  tun  sei,  dringt  die
Ansicht  durch,  am  nächsten  Tag  die  Replik  der  Neuburger  anzuhören
  und  bis  dahin  die  Proposition  noch  einzustellen.

März  5./15.

Die  neuburgische  Replik,*  die  die  Unierten  ersucht,  durch  vorhergehende
  Schlichtung  des  Streits  um  das  Direktorium  dem  Pfalzgrafen
  Philipp  Ludwig  die  Teilnahme  an  dem  ohnehin  schwach  besuchten

'  Vgl.  den  Bericht  der  kurpfälzischen  Gesandten  an  den  Administrator
vom  3./13.  März  in  Mb.,  119,4,  f.56;  Or.  und  den  Bericht  der  ulmischen
Gesandten  vom  gleichen  Tag  in  U.,  Unionsacta,  tom  XXI,  no.  2044;  Or.
Die  Ulmer  sind  über  die  Unnachgiebigkeit  der  Heidelberger  sehr  ungehalten
und  bemerken  schliesslich:  „Und  diss  ist  zue  disem  convent  ein  sehr  rauher
eingang;  Gott  verhelfe,  dass  der  rest  Jiser  unionshandlung  besser  ablaufe

an  es  ein  ansehen  hat.“

?”  Vgl.  den  Bericht  der  württembergischen  Gesandten  an  den  Herzog
vom  4./14.  März  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  IX.,  f.  436;  Or.).

*  Die  Gesandten  der  Unionsstände  an  die  neuburgischen  am  4./14.  März
(Stg.,  a.  a.  O.,  f.  210;  Kpt.).

‘  Vom  5.15.  März  (Stg.,  a.  a.  O,,  f.  215;  Kopie).
        <pb n="242" />
        März  13.
bis  23.

220  1611  100.

Unionstag  zu  ermöglichen,  im  andern  Fall  ader  mit  dem  Abzug  der
Neuburger  droht,  wird  verlesen.  Die  Württemberger  teilen  mit,  dass  sie
nochmals  den  vergeblichen  Versuch  gemacht  hätten,  die  Heidelberger  zu
einem  der  vorgeschlagenen  Mittel  zu  bewegen.  —  In  der  Umfrage  einigt
man  sich,  beiden  Teilen  als  Vorschlag  der  Versammlung  anzuzeigen:  es
solle  das  Direktorium  des  Pfalzgrafen  Johann,  der  einmal  in  Possession
der  Administration  sei,  der  Administrationsfrage  keineswegs  praejudizieren,
  man  sehe  das  Direktorium  in  der  Union  nicht  als  Anhang  der
Administration  der  Kurpfalz  an  und  wolle  zur  Bezeugung  der  Neutralität
dieser  Anschauung  im  Abschied  gedenken.!  Ein  Ausschuss  wird  beauftragt,
  daraufhin  nochmals  mit  beiden  Teilen  zu  verhandeln.?

März  6./16.

Württemberg  berichtet  über  das  Ergebnis  der  Verhandlungen  :3
die  Heidelberger  hätten  sich  den  Vorschlag  gefallen  lassen,  dass  sie
das  Direktorium  führen  sollen,  doch  ohne  dass  es  als  Anhang  der
Administration  betrachtet  und  den  Neuburgern  zu  Praejudiz  angezogen
  werde;  die  Neuburger  hätten  aber  alles  abgelehnt  und
schriftlich  erklärt,  unter  solchen  Umständen  der  Proposition  nicht
anwohnen  zu  können.  —  Darauf  einigt  man  sich  namentlich  im
Hinblick  auf  die  Gefahr,  die  vom  passauer  und  elsässer  Volk  droht,
nachmittags  zur  Proposition  zu  schreiten,  den  Neuburgern  aber  nochmals
  zu  schreiben,  die  vorigen  Erbieten  zu  wiederholen  und  die  Gesandten
  zum  Bleiben  zu  ersuchen.

Nachmittag  beginnen  in  Abwesenheit  Neuburgs  die  eigentlichen  Verhandlungen.
  Für  Kurpfalz  hält  Dr.  Camerarius  die  Proposition:
er  schildert  die  Gefahren,  die  aus  dem  prager  Unwesen  den  evangelischen,
  besonders  den  unierten  Ständen  zuwachsen  könnten,  betont
das  Recht  des  Administrators  auf  die  Direktion  der  Union  und
entschuldigt  dessen  persönliches  Ferubleiben;  die  von  Kurbrandenburg
und  von  andern  zu  Jüterbogk  anwesenden  Unionsständen  angeregte
Verschiebung  der  Versammlung?  konnte  nicht  mehr  bewirkt  werden,
da  ein  Teil  der  Gesandten  schon  auf  dem  Weg.  war  und  die  Ver-!

  Duplik  der  Unionsstände  vom  6./16.  März  (Stg.,  a.  a.O.,  f.  222;  Kpt.).

?  Städteratsprotokoll  vom  5./15.  März:  Beratung  des  Entwurfs  der
städtischen  Gravamina,  dann  Erörternng  der  Administrationssache.  Dabei
schlägt  Ulm  als  Mittel  vor,  das  Direktorium  von  der  Administration  zu
trennen,  was  den  Widerspruch  Strassburgs  hervorruft.  Man  einigt  sich,  dies
Mittel  wenigstens  zu  erwähnen;  im  übrigen  ist  man  mit  Ulm  einig,  unter
Wahrung  der  Neutralität  den  Verhandlungen  beizuwohnen.

3  Vgl.  den  Bericht  der  Württemberger  an  ihren  Herzog  vom  6./16.  März
(Stg.,  a.  a.  O.,  f.  471;  Or.),  der  Kurpfälzer  vom  7.;17.  März  (Mb.,  119/4,
f.  68;  Or.)  und  der  Ulmer  vom  gleichen  Tag  (U.,  Unionsacta,  tom.  XXI.,
no.  2046;  Or.).

*  Endliche  Resolution  der  Neuburger  vom  6./16.  März  (Stg.,  a.  a.  O.,
f.  225;  Kopie)  neben  einer  abermaligen  Schlusserklärung  derselben  Gesandten
(Stg.,  a.  a.  O.,  f.  229;  Kop.).

°  Vgl.  oben  no.  86,  39.  189,  Anm.  2,
        <pb n="243" />
        100.  1611  221

änderung  in  Böhmen  immer  grösser  wird.  Davon  wird  man  reden
müssen.  Im  übrigen  wiederholt  er  die  fünf  Punkte  des  Ausschreibens,!
  regt  beim  ersten,  dem  Rechnungspunkt,  an,  noch  heute
einen  besondern  Ausschuss  zur  Prüfung  der  Rechnungen  zu  bilden
und  stellt  zugleich  zur  Umfrage,  ob  man  bei  der  Ordnung  des
Ausschreibens  bleiben  will.  —  In  der  Umfrage  erklären  die  Gesandten
  von  Württemberg,  Baden  und  Oettingen  und  alle  Städte
ausser  Strassburg  und  Speier,  dass  sie  in  der  Administrationssache
neutral  bleiben  wollen,  einige  begehren  sogar,  dass  diese  ihre  Erklärung
  protokolliert  und  dem  Abschied  einverleibt  werde.  Einig
ist  man,  dass  die  Ordnung  des  Ausschreibens  eingehalten  und  ein
Ausschuss  für  die  Rechnungen  berufen  werd,  —  Beim  Schluss
betont  Camerarius  nochmals,  dass  der  Administrationsstreit  nicht
hieher  gehöre,  dass  der  Administrator  die  Administration  der  Kurpfalz
  nur  kraft  letztwilliger  Verfügung  an  sich  genommen  habe  und
die  Direktion  nur  im  Namen  des  jungen  Kurfürsten,  dem  sie  mit  der
Kur  erblich  zugefallen  sei,  führe.

März  7,/17.

I.  Kurpfalz  proponiert:  man  möge,  während  der  Ausschuss
die  Rechnungen  prüft,  mit  dem  ersten  Punkt  des  Ausschreibens,  Erhaltung
  und  Festigung  der  Union,  beginnen.”  Württemberg:
wenn  man  den  Abschieden  nachkommt  und  es  miteinander  treulich
meint,”  kann  die  Union  wol  bestehen.  Hossen-Cassel:  die
Union  hat  so  viel  Autorität  erlangt,  dass  sie  den  Papisten  wol
Widerpart  halten  kann,  darum  bleibe  man  bei  ihrer  alten  Verfassung;
doch  sind  folgende  „Inaequalitasten“‘  zu  bedenken:  1.  Ungleichheit
in  der  Erlegung  der  Quoten;  2.  ungenügende  Instruierung  oder
gänzliches  Fernbleiben  einiger  Stände  von  den  Unionstagen:  3.  manche
Stände  seben  mehr  auf  ihren  privaten  als  auf  den  gemeinen  Vorteil;
4.  die  Partikularzusammenkünfte,  zu  deren  Beschlüssen  auch  andere
verbunden  werden,  erregen  Mistrauen;  5.  besserer  Haushalt  im
Kriegswesen  ist  wünschenswert,  ebenso  6.  gegenseitige  Nachsicht  unter
den  Unierten.  —  Zur  Behebung  dieser  Uebelstände  schlägt  Hessen
vor:  1.  man  unterlasse  alles,  was  nicht  zum  Nutzen  der  Union
gereicht  und  bleibe  in  „terminis  defensionis“;  2.  man  enthalte  sich
unnötiger  Ausgaben;  3.  man  richte  zur  Unterstützung  des  Direktoriums
und  zur  Ersparung  der  kostbaren  Tagungen  ein  ‚„‚consilium  politicum“  ein,
das  vor  allem  Fragen  allgemeiner  Natur,  ob  etwas  zu  tun  oder  zu
lassen  sei,  beraten  solle;  4.  man  dringe  auf  Abhilfe  der  allgemeinen  Gravamina
  und  schreite  auf  den  Reichstagen  nicht  eher  zur  Beratung  der
Proposition;  5.  wegen  Vermehrung  der  Union  berichtet  er:  England
lässt  sich  zu  einer  Korrespondenz  herbei,  die  Hansestädte,  mit  denen

a  Oben  no.  40.
?  Vgl.  den  Bericht  der  Kurpfälzer  an  den  Administrator  vom  9./19.  März
(Mb.,  119/4,  f.  120;  Or.).

März  13.
bis  23.
        <pb n="244" />
        März  13.
bis  23.

222  1611  100.

der  Landgraf  selbst  verhandelte,  wollen  lieber  mit  den  niedersächsischen
Kreisständen  in  nähere  Beziehung  treten;  die  Verhandlung  mit
Dänemark  will  der  Landgraf  neben  Kurbrandenburg  fortsetzen;  mit
den  Grafen  in  der  Wetterau  könnte  bei  deren  jetzigem  Grafeutag  ein
Versuch  gemacht  werden;  die  von  König  Matthias  und  den  Österreichischen
  Ständen  oft  begehiıte  Korrespondenz  soll  nicht  ausser
Acht  gelassen  werden.  Aehnlich  Baden.  Oettingen  empfiehlt
der  ersten  Unionsverfassung  nachzuleben;  im  einzelnen  warnt  er,
den  gemeinen  Avisen  allzuviel  zu  glauben  und  daraufhin  gleich
Werbungen  anzustellen,  was  nur  das  Mistrauen  vermehre.  Man  soll
auch  nicht  gleich  zu  ausserordentlichen  Massregeln  greifen  und  sich  erst
des  ordentlichen  Mittels  der  Kreishilfen  bedienen.  Man  möge  auf  einen
neuen  [Geld-]  Vorrat  denken,  aber  dann  sparsam  damit  umgehen.  Zur
Abhilfe  der  allgemeinen  Beschwerden  ist  eben  jetzt  „herrliche  occasion‘-  ;
künftige  unversehene  Aonderuang  des  kaiserlichen  Regiments  wird  die
Abhilfe  erschweren.  Ein  ‚consilium  politicum‘“  wäre  nicht  undienlich.
Strassburg  erinnert  wegen  Erhaltung  der  Union  gleichfalls  an  den  Wortlaut
  der  Bundesverfassung.  Wäre  man  ihr  nachgegangen,  hätte  es  keine
Diffiidenz  gegeben;  aber  im  Kriegslager  im  Elsass  war  keine  Disziplin,
wurde  nicht  gemustert,  nicht  abgedankt  ;  man  erzwang  Darlehen  mit  Drohungen,
  hörte  die  Rechnungen  nicht  ab,  hielt  Partikularkonvente  u.  Ss.  w.
Daher  haben  die  Städte  ihre  besonderen  Gravamina  zusammengetragen,
  die  sie  hiemit  übergeben!  und  deren  Erledigung  sie  von  den
höheren  Ständen  erwarten.  Nürnberg:  die  Mängel  der  Union  kommen
von  Ungleichheit,  Egoismus  und  Mistrauen,  Einhelligkeit  beruht  auf
Gleichheit.  Ihre  Obern  wollen  aber  bei  der  Union  aushalten,  wenn
die  Beschwerden  abgestellt  werden,  worum  sie  ebenso  wie  die  Nachstimmenden
  bitten.  Ulm  (zugleich  für  Memmingen  und  Kempten)
ist  befehligt,  vor  Erledigung  der  städtischen  Beschwerden  sich  auf  nichts
weiteres  einzulassen.  Besonders  klagt  Ulm  über  die  angesonnenen  Darlehen;
  denn  mit  den  Städten  habe  es  eine  andere  Beschaffenheit  als  die
höhern  Stände  sich  vorstellen:  die  Obern  haben  kein  dominium  absolutum
über  die  Bürger,  sie  sind  nur  Administratoren,  die  Bürgerschaft  ist
keine  Untertanenschaft;  wenn  man  sich  nur  immer  an  die  Städte  hält,
wird  das  widrige  Gedanken  geben.  Da  Rame6  den  ulmer  Kaufleuten
  ihre  Waren  abnahm,  glaubten  die  Bürger,  dass  der  Magistrat
mit  seiner  Unionspolitik  dazu  Ursache  gegeben  habe.  Ebenso  votieren
die  andern  Städte.  —  Kurpfalz  konkludiert:  Man  hat  den  ersten
Punkt  nicht  aus  Mistrauen  ins  Ausschreiben  gesetzt  sondern  damit
man  vertraulich  beisammen  bleiben  und  miteinander  bedenken  kann,
wie  man  Misstände  beseitige.e  Der  verstorbene  Kurfürst  von  der
Pfalz  hat  bei  der  Union  sein  ganzes  Vermögen  zugesetzt,  der
Administrator  will  in  dessen  Fusstapfen  treten  und  die  Union  erhalten
  helfen.  Die  Gravamina  der  Städte  sollen  erörtert  werden  ;

!  Vgl.  unten  no.  107.
        <pb n="245" />
        100.  1611  223

freilich  wird  man  jetzt  nicht  alle  erledigen  können;  die  Städte  werden
aber  die  gefahrvolle  Lage  erwägen  und  die  Verhandlungen  nicht
sperren.  Die  Gravamina  werden  verlesen.

Dathenus  macht  hierauf  wegen  des  Rechnungswesens  die  Mitteilung,
  dass  die  dazu  Verordneten  über  den  Modus  der  Prüfung
geredet  und  beschlossen  hätten,  keine  Rechnung  anzunehmen,  die
dem  heilbronner  Abschied  zuwiderlaufe,!  dass  ferner  verschiedene
Rechnungen  fehlen.  Es  soll  Nachmittag  umgefragt  werden,  ob
man  unter  solchen  Umständen  mit  den  Rechnungen  fortfahren  soll?

Nachmittags-Sitzung:  Kurpfalz  lässt  umfragen,  was
wegen  der  Rechnungen  geschehen  und  ob  wenigstens  die  eingereichten
Justifiziert  werden  sollen?  Württemberg  und  Baden  wenden
ein,  man  könnte  bei  dem  Fehlen  so  vieler  Rechnungen  doch
kein  ganzes  machen  und  nicht  zur  Designation  der  Bestanten
kommen,  was  doch  die  Hauptsache  sei;  man  möge  darum  gemäss  dem
heilbronner  Abschied  die  Rechnungen  beim  Direktorium  einreichen
und,  wenn  alle  beisammen  sind,  einen  besondern  BRechnungstag
ausschreiben;  wolle  man  aber  hier  anfangen,  so  möge  man  zuerst
die  Rechnungen  der  geringeren  Stände  vornehmen,  da  die  Städte  sich
besonders  wegen  dieses  Mangels  beschwert  fühlen.  Aehnlich  Hessen
und  Oettingen?  Die  Strassburger  orklären  vor  Richtigmachung
  der  übermässig  hohen  Rechnungen  sich  in  keine  fernero
Handlung  einlassen  zu  können  ;  ihre  Herren  hätten  bei  einer  Anlage  von
60,000  f.  111,241  fl.  ausgegeben;  dieGesandten  müssen  auf  Begleichung
des  Rests  dringen  ;  man  hat  der  Union  in  einem  Jahr  mehr  gegeben  als
dem  Kaiser  in  dreien  und  vieren.  Nürnberg  hält  für  vergeblich,
mit  den  vorhandenen  Rechnungen  einen  Anfang  zu  machen;  die
Hauptsache  sind  die  Restanten;  hätte  man  die  eingebracht,  bätte  es
keiner  Antizipationen  bedurft.  Mit  der  Artillerie-Rechnung  haben  die
Städte  übrigens  nichts  zu  tun,  denn  sie  gehört  zum  elsässischen  Wesen.
Man  soll  den  Säumigen  zuschreiben,  in  gemessener  Frist  die
Rechnungen  beim  Direktorium  einzuliefern  und  dann  einen  Rechnungstag
  ansetzen.  Worms  lehnt  das  Eingehen  auf  die  Partikularrechnungen
  auch  ab,  da  daraus  nicht  ersichtlich  wird,  wie  weit  man
sich  noch  anzugreifen  habe.  Ihre  Obern  haben  68  Monate  dargeschossen
  und  werden  vor  Richtigmachung  der  Rechnungen  nichts
weiter  kontribuieren.  Ulm:  Seit  Jahr  und  Tag  halten  die  geringeren
Stände  um  Liquidation  der  Rechnungen  an;  ihre  Herren  haben  über
ihre  Quote  von  54,000  fl.  noch  100,000  fl.  hergeliehen  und  das
Versprechen  erhalten,  aus  den  Restanten  befriedigt  zu  werden  oder

ı  Vgl.  Briefe  und  Akten,  III.,  no.  207.

?  Vgl.  den  zweiten  Bericht  der  Kurpfälzer  an  den  Administrator  vom
9.19.  März  (Mb.,  119/4,  f.  116;  Or.)  der  Württemberger  an  den  Herzog  vom
gleichen  Tag  (Stg..  Unionsacta,  tom.  1X.,  f.  492;  Kpt.)  und  der  Ulmer  an
den  Rat  vom  10./20.  März  (U..  Unionsacta,  XXI.,  no.  2054;  Or.).

März  13.
bis  23.
        <pb n="246" />
        März  13,
bis  23.

224  1611  1X.

das  Darleben  von  der  künftigen  Kontribution  abziehen  zu  dürfen.  Vor
Erstattung  der  Schuldigkeit  können  auch  sie  sich  za  fernerer  Kontribution
  nicht  verstehen.  Ebenso  klagen  die  andern  Städte  über  die
schwere  Last  der  Union  und  erklären,  zur  Prüfung  von  Partikularrechnungen
  nicht  instruiert  zu  sein.  Kurpfalz  stellt  nochmals
zur  Umfrage,  ob  man  nicht  doch  wenigstens  die  vorhandenen
Rechnungen  durchgehen  solle,  um  nicht  Zeit  und  Kosten  zu  verlieren?  —
Die  Fürsten  sind  dafür,  die  Städte  trotz  wiederholter  Umfrage  dagegen.
  So  bleibt  es  dabei,  die  vorbandenen  Rechnungen  dem
Direktorium  einzuliefern,  die  ausstehenden  bei  Strafandrohung  einzufordern.!


März  8./18.  (In  Abwesenheit  der  Städte).

Kurpfalz  stellt  die  Gravamina  der  Städte  zur  Umfrage.
Württemberg:  die  Gravamina  betreffen  den  elsässischen  Zug,  die
Partikularkonvente,  die  Rechnungen  und  die  nachbarlichen  Irrungen.
Die  Kriegsdisziplin  ist  wirklich  schlecht  gewesen,  die  Kommiss  hat
man  den  Knechten  geschenkt,  die  Rechnungen  enthalten  verschiedene
Mängel.  Man  soll  den  Städten  zugestehen,  dass  die  höheren  Stände
selbst  nicht  zufrieden  seien,  und  ihnen  für  die  Zukunft  Abhilfe
versprechen.  Württemberg  und  Baden  haben  bei  Ulm  70,000  fl
entlehnt;  der  Herzog  hofft,  dass  die  Stadt  aus  den  Restanten  bezahlt
werden  wird.  An  den  Partikularkonventen  haben  Städte  stets  teilgenommen.
  Von  nachbarlichen  Irrungen  weiss  Württemberg  nichts;
desshalb  gibt  die  Union  Mass.  Das  Begehren  der  Städte  wegen  der
Restanten  ist  billig.  Die  Kosten  des  elsässischen  Zugs  sollen  ihnen  nach
Verhältnis  erstattet  werden;  beim  Akkord  mit  Baiern  hat  man  ausı

  Städteratsprotokoll  vom  7./17.  März:  Man  beschliesst,  beim  Votieren
der  Gravamina  zunächst  nur  im  allgemeinen  zu  gedenken;  jede  Stadt  möge
ihre  Spezialgravamina  besonders  ausführen.  —  Nachmittags  wird  der  Bechnungspunkt
  beraten.  Strassburg  klagt,  wie  stark  die  Städte  in  Anspruch
genommen  würden.  In  die  neuen  Kriegswerbungen  sollen  die  Städte  nicht
willigen,  da  man  von  den  Passauern  doch  nichts  zu  befahren  habe.  Auf  der
Richtigmachung  der  Rechnungen  solle  man  bestehen,  damit  man  wisse,  woran
man  sei.  Ulm  ist  auch  überrascht,  dass  man  in  den  Rechnungen  nicht
vorwärte  kommen  soll.  Bei  andern  Tagen,  wenn  von  Kontributionen  die
Rede  war,  seien  stets  Kriegsleute  dagewesen  ;  jetzt,  da  von  den  Rechnungen
zu  reden  ist,  sei  niemand  da,  nicht  einmal  der  Markgraf  von  Ansbach.
Ihren  Obern  haben  sie  ausdrücklich  befehligt,  sich  vor  Abhilfe  der  städtischen
Gravamina,  unter  die  auch  die  Rechnungen  gebören,  in  keine  weitere  Handlung
einzulassen.  Worms  erinnert,  dass  man  sich  schon  zu  Heilbronn  eines
besondern  Rechnungstages  verglichen  habe,  den  man  auch  zu  Speier  und
Worms  betrieb;  auch  das  Ausschreiben  habe  ihn  versprochen;  jetzt  geschehe
wieder  nichts;  auch  sie  können  vor  Ordnung  der  Rechnungssache  nicht
kontribuieren.  Ebenso  die  andern;  nur  Speier  gibt  zu  bedenken,  dass  ohne
Kontribution  der  „nervus“  der  Union  zergienge  und  diese  nicht  befestigt
werde;  vielleicht  könnte  man  den  Rechnungspunkt  diesmal  ganz  aussetzen.
Nürnberg  konkludiert  aber  mit  der  Mehrheit,  dass  Rechnungswesen  und
Kontribution  zusammenhängen  und  man  sich  auf  diese  nicht  einlassen  könne,
so  lange  nicht  die  Rechnungen  geprüft  seien.
        <pb n="247" />
        100.  1611  225

drücklich  erklärt,  dass  die  Städte  mit  dem  elsässer  Zug  nichts  zu  tun  haben;
auch  im  heilbronuer  Abschied  nahmen  die  höheren  Stände  die  Verantwortung
  für  diesen  Zug  allein  auf  sich,  doch  dass  die  Kosten  aus  der  gemeinen
  Unionskasse  erfolgen.  Baden:  man  soll  die  Städte  ersuchen,
die  Erledigung  der  Gravamina  bis  zu  einer  allgemeinen  Versammlung
zu  verschieben.  Jetzt  möge  man  ihnen  zu  ihrer  Beruhigung  vorstellen,
  dass  es  beim  Anfang  eines  Kriegszuges  ohne  Beschwerden  nicht
abgehen  könne;  man  habe  bei  der  Disziplin  etwas  nachgesehen,  um
rascher  Soldaten  zu  gewinnen;  auch  bei  der  Musterung  möge  es
ungleich  zugegangen  sein.  Wegen  der  Darlehen  habe  man  sich  an
die  Städte  gewendet,  nicht  damit  sie  selbst  Geld  hergeben  sondern  es
bei  andern  aufbringen  sollen;  sie  seien  übrigens  durch  Obligationen
gesichert.  Hessen  hat  mit  dem  jülichschen  Wesen  wegen  seines
Erbvertrags  mit  Kursachsen  nichts  zu  tun,  daher  auch  nichts  mit
dem  elsässischen.  Oettingen  besorgt,  dass  besonders  die  mittleren
Städte  wegen  der  übereilten  Kontributionen  einen  andern  Entschluss
fassen  könnten.  Die  Klagen  wegen  des  Uebermuts  der  Soldaten  sind
berechtigt:  das  Regiment,  das  von  Ulm  auf  Nördlingen  und  Nürnberg
zog,  hat  tausend  Wagen  und  Karren  gehabt;  es  wurde  übel  gehaust,  die
Abdankung  geschah  ohne  vorausgehende  Musterung  u.s.w.  Die  unierten
Städte  liegen  unter  den  Papisten,  die  alles  von  jenen  erfahren.  Man  möge
darum  mit  den  Städten  sorgfältig  umgehen  und  Gleichheit  halten.  Wegen
der  Rechnungen  gebe  man  ihnen  feste  Versprechungen.  Partikularkonvente
  erzeigen  Mistrauen,  weil  die  Vota  nicht  gehörig  in  Acht
genommen  werden;  auch  werden  die  Abschiede  zu  spät  mitgeteilt.
In  die  elsässer  Expedition  haben  die  Städte  übrigens  zu  Heilbronn  schliesslich
  suo  modo  eingewilligt.  Kurpfalz:  Die  städtischen  Gravamina
sind  allgeinein  gehalten  und  ein  Teil  der  Unierten  abwesend;  trotzdem
muss  man  trachten,  die  Städte  bei  gutem  Willen  zu  erhalten.  Man
könnte  sie  im  Abschied  versichern,  dass  sie  künftig  ähnliche  Belästigungen
  wie  beim  elsässer  Zug  nicht  zu  befahren  haben  sollen;
der  Zug  selbst  habe  nicht  dem  jülicher  Wesen  gegolten  sondern  der
vom  elsässer  Volk  drohenden  Gefahr.  Die  Kriezsdisziplin,  besonders  beim
Regiment  des  Obersten  Fuchs,  war  allerdings  schlecht.  Man  hat  vergessen,
  einen  Proviantkom  missar  aufzustellen  ;  aber  auch  die  Städte
baben  von  ihrem  Recht  keinen  Gebrauch  gemacht,  einen  Kommissar
beizugeben.  —  Nach  mehreren  Umfragen  wird  beschlossen,  den  Städten
zuerst  mündlich  zu  antworten,  da  man  sonst  in  Schriftenwechsel  geraten
  würde  und  die  Schriften,  in  denen  die  Fürsten  doch  „peccavimus“
sagen  müssten,  verbreitet  werden  könnten.

Nachmittags  werden.  die  drei  ausschreibenden  Städte  berufen,  denen
Camerarius  vorbält:  bevor  die  Höhern  einen  Beschluss  wegen  der
Gravamina  fassen,  wollen  sie  sich  mit  denAusschreibenden  vertraulich  unterreden.
  Ein  guter  Teil  der  Gravamına  ist  berechtigt;  zum  Teil  rühren  sie  vom
plötzlichen  Ausbruch  des  Krieges  her;  aber  auch  die  Kurpfalz  und  die
andern  Stände  lıaben  solche  Beschwerungen  erfahren;  es  hat  an

Briefe  u  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  15

März  13.
bis  23.
        <pb n="248" />
        März  13.
bis  23.

226  1611  10.

einem  General-Proviant-  und  Pfennigmeister  gemangelt;  man  erbietet
sich  aber,  künftig  solche  Mängel  abzustellen.  Im  einzelnen  ist  es  unnötig,
  1.  sich  auf  die  wiederholt  besprochene  elsässer  Expedition  einzulassen,
  deren  Verantwortung  die  höheren  Stände  übernommen  haben;
2.  wegen  der  Disziplin,  die  auch  die  Generalstaaten  erst  mit  stattlichem
Lehrgeld  erreichten,  wird  man  zu  bedenken  haben,  wie  man  künftig  zu
gleichem  Erfolge  kommen  könnte;  3.  mit  der  Bezahlung  [der  Soldaten]
konnte  es  diesmal  leider  nicht  erträglicher  gemacht  werden;  4.  die
Woerbungen  giengen  den  vorigen  Abschieden  gemäss  vorsich;  5.  von  den
geklagten  Bedrohungen  der  Städte  wissen  die  anwesenden  Gesandten
nichts;  6.  wegen  der  Anleihen  wurde  mit  Ulm  Richtigkeit  getroffen;
warum  das  nicht  auch  bei  Nürnberg  geschah,  wissen  die  Gesandten;  die
Richtigkeit  im  Hauptwerk  wird  hier  und  allenthalben  die  Vergleichung
bringen;  7.  an  Richtigmachung  der  Restanten  liegt  allen  Ständen,  doch
müssen  vorher  die  Rechnungen  abgehört  werden;  Anmahnungen  wegen
der  Rechnungen  sind  bereits  erfolgt;  8.  zu  allen  Partikularkonventen
wurden  Städte  erfordert  oder  wenigstens  mit  ihnen  derhalb  kommuniziert;
  9.  die  nachbarlichen  Irrungen  sind  näher  zu  bezeichnen,
wegen  ihrer  Beilegung  gibt  die  Union  Maass.  —  Da  jeder  Teil
seine  Last  zu  tragen  hat,  einer  dem  andern  etwas  nachsehen  mus
und  man  insgemein  bedenken  soll,  wie  man  den  Ungelegenheiten
vorbauen  kann,  mögen  die  städtischen  Gesandten  bei  ihren  Obern  auf
Abstellung  des  Mistrauens  hinwirken;  die  Höhern  sind  aber  bereit,
weitern  Bericht  zu  nehmen  und  zu  geben,  damit  man  in  der  Haupt
sache  nicht  aufgehalten  und  Trennung  vermieden  werde.

Die  Städtegesandten  ziehen  sich  zur  Beratung  zurück;  nach  der
Rückkehr  erklären  die  Strassburger:  die  höhern  Stände  haben  wol  die
Verantwortung  des  elsässer  Zugs  auf  sich  genommen,  aber  das  genügt
nicht;  es  ist  für  den  Zug  mehr  Volk  geworben  worden  als  der  Abschied
  erlaubte  und  dafür  müssen  die  höhern  Stände  die  Kosten  allein
tragen.  Das  fuchsische  Regiment  war  ebenso  auf  Jülich  gemeint
wie  das  Volk  im  Elsass;  alles,  was  mit  diesem  Volk  geschah,  erfolgte
in  Hinblick  auf  das  jülichsche  Wesen.  Die  Städte  gedenken  nicht  zu
bezahlen,  was  über  den  Abschied  an  Volk  angenommen  oder  für
Artillerie  ausgegeben  worden  isst.  Camerarius:  man  hat  das
fuchsische  Regiment  zwar  für  Jülich  geworben,  aber  wegen  der
Gefahr  hat  man  seiner  heroben  Landes  bedurft;  hätten  die  Böhmen
sich  gegen  das  passauer  Volk  so  versichert  wie  die  Unierten  gegen
das  elsässische,  so  wäre  ihnen  der  Einfall  erspart  geblieben.  Nürnberg
erinnert  gleichfalls,  dass  die  Städte  den  heilbronner  Abschied  nur  ohne
Approbation  des  elsässer  Zuges  angenommen  und  dem  Kaiser  und  den
Kurfürsten  erklärt  haben,  dass  sie  das  Aufschlagen  des  elsässer  Volks
nichts  angehe,  da  es  mit  der  jülicher  Sache  zusammenhänge,  mit  der
die  Städte  nichts  zu  tun  haben  wollen;  was  vor  und  nach  dem  Zug
ins  Elsass  aufgieng,  wollen  ihre  Obern  mitbezahlen,  aber  für  die
Kosten  während  des  Zuges  werden  sie  nicht  aufkommen.  Aehnlieh
        <pb n="249" />
        100.  1611  227

Ulm.  Camerarius  warnt  vor  Disput,  der  der  Union  nichts  März  13.
nütze;  man  sitze  keineswegs  in  Rosen  und  habe  genug  zu  bedenken;  bis  28.
man  möge  darum  nicht  so  genau  ansehen,  was  vorüber  sei.  Jetzt  handle

es  sich  um  festes  Zusammenhalten,  sonst  haben  die  Gegner  gewonnenes
  Spiel;  die  ausschreibenden  mögen  bei  den  andern  ‚Städten
bewirken,  dass  der  Punkt  wegen  des  elsässer  Zugs  diesmal  ausgesetzt

werde,  bis  man  auf  einem  andern  Tag  wieder  zusammenkomme,

März  9./19.

Im  Plenum.  Camorarius  rechtfortigt  vor  der  Gesamtheit  der  Städte
den  gestern  gebrauchten  Modus  mündlicher  Vergleichung.  Es  handle  sich
darum,  Zeit  zu  gewinnen,  denn  dasUnwesen  mit  dem  passauer  und  elsässer
Volk  daure  fort  und  Savoyen  rüste.  Die  Städte  mögen  wegen  ihrer
Beschwerden  die  Beratung  der  Hauptsache  nicht  hindern.  Strassburg
  stimmt  zu,  dass  der  Punkt  wegen  des  elsässer  Zugs  für  diesmal
ausgesetzt  werde;  dagegen  wünscht  es,  dass  über  den  zweiten  Punkt
der  Beschwerden  wegen  der  mangelhaften  Kriegsdisziplin  geredet
werde.  In  der  Umfrage  wird  auch  von  den  Fürsten  unter  Klagen
über  erlittene  Schäden  dieser  Mangel  anerkannt  und  dessen  Verbesserung
  dem  nächsten  Unionstag  zugeschoben.  Oettingen
schlägt  dazu  als  Mittel  vor,  zu  den  Aemtern  nur  exemplarische  Personen
zu  berufen,  zur  Erhaltung  der  Disziplin  die  Soldaten  pünktlich  zu
bezahlen,  die  Befehlshaber  für  Schäden  eine  Kaution  leisten  zu
lassen  und  Kommissarien  zu  bestellen,  wie  das  bei  den  Generalstaaten
  üblich  sei.  Die  Städte  wiederholen  ihr  ablehnendes  Votum
wegen  des  elsässer  Zugs  und  stimmen  den  Vorschlägen  Oettingens
bei.  —  In  neuer  Umfrage  wird  beschlossen,  dass  die  Stände  Gutachten
zur  Verbesserung  der  Kriegsdisziplin  an  das  Direktorium  binnen
zwei  Monaten  einschicken  mögen,  inzwischen  sollen  die  Obersten  im  Abschied
  angewiesen  werden,  weitere  Beschwerden  hintanzuhalten.  Dabei
äussert  Ulm,  dass  es  an  Geld  nicht  gemangelt  habe,  da  die  Städte  allein
575  000  fl.  kontribuiert  hätten,!  worauf  die  von  Speier  Zweifel  äussern,
ob  alles  erlegte  Geld  den  Soldaten  zu  gute  gekommen  sei.  —  Es  wird  dann
der  4.  und  5.  Punkt  der  Gravamina  (denn  der  3.  ist  mit  dem  2.  erledigt)
  vorgenommen.  Dabei  erklären  Strassburg  und  Nürnberg:
ihre  Obern  würden  nur  für  das  fuchsische  und  helmstättische,  nicht
auch  für  das  mansfeldische  Regiment  aufkommen  ;  beim  fuchsischen
wäre  auch  noch  zu  unterscheiden  zwischen  der  Zeit  vor  und  nach  und

ı  In  den  ulmischen  Akten  findet  sich  eine  Zusammenstellung  de,
Leistungen  der  unierten  Städte  im  Jahre  1610;  darnach  hatte  der  rheinisch
Kreis  152  808  fl.  zugeschossen  (Strassburg  54  000  fl.  ale  Quote  und  51000  fi’
als  Darlehen,  Worms  18  768  fl.,  8  peier  16560  fl.,  Weissenburg  i.  E.  6720  fi.’
Landau  5760  fl.),  der  fränkische  Kreis  206480  fl.  (Nürnberg  88000  fl.  als
Qaote  und  80.000  fl.  Darlehen,  Rotenburg  22800  fl.,  Windsheim  8880  fl.,
Weissenburg  6000  fl.,  Schweinfurt  ?  fl.),  der  schwäbische  Kreis  216480  Ai.
(Ulm  54  000  A.  als  Quote  und  100000  fl.  als  Darlehen,  Nördlingen  15  600  Al.,
Hali  17  600  f.,  Heilbronn  12480  fl.,  Memmingen  7440  fl.,  Kempten  9360  fl.),
zusammen  also  575768  fl.  (U.,  Unionsacta,  XXI.,  no.  2065).

15°
        <pb n="250" />
        März  13.
bis  28.

228  1611  100.

während  des  elsässer  Zuges;  auch  seien  die  Begimenter  stärker
gewesen  als  zuerst  bestimmt  war;  endlich  wird  über  Bedrohungen
geklagt.  Camerarius  erinnert,  dass  man  dem  General  nicht  die
Hände  binden  könne;  dem  Direktorium  habe  man  auch  gedroht,
wenn  kein  Geld  vorhanden  sei,  die  Truppen  in  die  Pfalz  zu  legen.  —
Beim  6.  Punkt  ersucht  Strassburg  mit  Darlehen  künftig  verschont
  zu  bleiben.  Nürnberg  beklagt,  dass  os  für  seine  dargeliehenen
80,000  fl.  noch  nicht  einmal  eine  Versicherung  empfangen  habe.  —
Beim  7.  Punkt  werden  Massregeln  gegen  säumige  Zrhler  vorgeschlagen.  —
Beim  8.  Punkt  wegen  der  Partikularkonvente  rügt  Strassburg,
dass  man  Baiern  die  Assistenz  zugesagt  habe,  auch  die  übrigen  Städte
mahnen  zur  Vorsicht  gegen  die  Papisten.  Camerarius  rechtfertigt
die  Beschreibung  nur  der  Nächstgesessenen  zu  den  Partikularkonventen
mit  der  Weitläufigkeit  der  Union;  ein  „consilium  politicum‘“  wird  viele
Tagungen  überflüssig  machen.  Die  Resolution  an  PBaiern  geschah
mit,  aller  Fürsten  Zustimmung  und  war  gut.  ‚„Bekennen  bäbstische
selbst,  dass  die  unruhe  und  mistrauen  vom  hof  rüre  und  sich  mehrer
zu  sichern;  Bairn  würd  sich  noch  besinnen,  wann  die  execution  mit
Thonawerth  nit  geschehen,  selbige  noch  zu  thun.“  -—  9.  Nachbarliche
  Irrungen.  Die  Nürnberger  klagen  über  die  Eingriffe  der
Markgrafen  in  ihre  hohe  Obrigkeit;  man  könne  kein  Recht  finden;
die  markgräflichen  Beamten  bekommen  die  Hälfte  der  Strafgelder  und
verfahren  desto  schärfer;  mit  ausgematteten  Mitgliedern  wäre  der
Union  nicht  gedient.  Worms  klagt  über  Einträge  durch  Kurpfalı.
Camerarius  verspricht,  sich  um  Abhilfe  zu  bemühen.

Nachmittag  kann  endlich  die  Beratung  des  ersten  Punktes  des
Ausschreibens  fortgesetzt  werden.  Ueber  Bestellung  der  hohen  Kriegsämter
  und  über  Zuordnung  von  Kriegsräten  wird  bei  der  Abwesenheit
  der  andern  Unierten  diesmal  nichts  endgiltiges  beschlossen;  die
Stände  sollen  auf  geeignete  Personen  denken  und  sie  dem  Direktorium
vorschlagen.  Wegen  der  Kriegsräte  bleibt  es  beim  heilbronner
Abschied.

II.  Vermehrung  der  Union.  Württemberg  erinnert  an
die  älteren  Bemühungen,  zwei  ‚‚Corpora“  [oben  und  unten  Landes]  der
Union  anzustellen;  heroben  Landes  wird  wegen  Hessen-Darmstadt
vielleicht  mehr  zu  hoffen  sein,  wenn  die  jüterbogker  Ha.ıdlung  wol
abläuft;  mit  der  Ritterschaft  möge  man  sich  höchstens  einer  Korrespondenz
  vergleicen.  Von  den  Städten  sind  Beutlingen  und
Esslingen  mit  dem  württembergischen  Schutz  zufrieden;  Regensburg

'besorgt  sich  wegen  Baiern.  Beim  niedersächsischen  Corpus  wird  man

besser  erst  nach  der  jüterbogker  Handlung  anklopfen.  Ungarn  und
Oesterreich  soll  man  in  ‚„Consideration‘“  halten,  doch  dass  es  allerseits
verantwortlich  ist.  Wegen  des  Königs  Matthias  wird  die  Union  behutsam
gehen  und  sehen  müssen,  wo  die  Sache  hinaus  will.  Hessen-Cassel:
  die  Hansestädte  sehen  auf  Dänemark;  England  hat  sich
selbst  zur  Korrespondenz  erboten.  Baden  hält  selbst  eine  Korre-
        <pb n="251" />
        100.  1611  229

spondenz  mit  der  Ritterschaft  für  bedenklich.  Wegen  der  Schweizer  März  13.
möge  man  den  Bericht  der  Strassburger  abwarten;  namentlich  soll  bis  28,
man  mit  den  Schweizern,  mit  Erzherzog  Maximilian  und  Venedig  wegen
Sperrung  der  Pässe  aus  Italien  verbandeln;  auch  muss  man  mit  den
Generalstaaten  Korrespondenz  halten,  was  aueh  in  der  Städte  Interesse
liegt.  Oettingen  wünscht  Fortsetzung  der  Verhandlung  mit  den
Grafen.  Mit  König  Matthias  möge  man  jetzt  wegen  des  Verdachts
beim  Kaiser  vorsichtig  verfahren,  aber  bei  ihm  und  Erzherzog
Maximilian  gutes  Vertrauen  pflanzen,  um  später  wegen  der  allgemeinen
Gravamina  bei  ihnen  Anregung  tun  zu  können,  zu  deren  Beilegung
sie  nach  den  eingelaufenen  Berichten  Eifer  haben  sollen.  Strassburg:
wenn  man  also  „in  offensione“  fortfährt,  wird  man  zu  keiner  Stärkung
der  Union  gelangen.  Wegen  der  Schweizer  wird  Kurpfalz  berichten,
Die  Erhandlung  der  Grafen  wäre  gut,  die  Neutralität  der  Bitterschaft
ist  zweifelhaft.  Mit  ausländischen  Bündnissen  wollen  sie  die  Union
nicht  beladen  lasssen,  Nürnberg  erinnert  an  die  gegebene  Vertröstung,
dass  die  Union  ein  gemeines  Werk  aller  Evangelischen  sein  solle;
darum  ist  zu  wünschen,  dass  noch  mehrere  wenigstens  zur  Korrespondenz
  berbeigebracht  werden.  Bei  Ungarn,  Mähren  und  Böhmen
würde  man  sich  nur  in  „Konfusion“  stecken.  Könnte  man  aber  beim
Hause  Sachsen  etwas  ausrichten,  würde  das  die  Papisten  erschrecken.
Auch  Erzberzog  Maximilian  ist  bei  gutem  Favor  zu  erhalten,  da  er
guten  deutschen  Gemüts  ist;  er  wird  auch  auf  Mittel  bedacht  sein,
die  Gefahr  wegen  des  passauer  Volks  abwenden  zu  helfen.  Ein
Agent  in  Venedig  wäre  nützlich.  Die  Einnahme  der  Grafen  wäre
erwünscht,  doch  ist  zuvor  anzuhören,  wie  es  mit  den  Voten  steht.  Ulm
wünscht  auch  Verhandlung  mit  den  Grafen  und  „Vertraulichkeit“
mit  König  Matthias  und  Erzherzog  Maximilian.  Speier:  auch
Braunschweig  ist  nicht  ausser  Acht  zu  lassen  ;  der  Herzog  sieht  jetzt,  wie
am  Kaiserhof  gekartet  wird.  Die  Hansestädte  wären  zur  Union
nicht  ungeneigt  gewesen,  aber  der  elsässer  Zug  hat  ihnen  misfallen,
Nebenbei  bemerkt  Speier,  dass  die  Bestimmung  der  Unionsnotel,
man  möge  auf  den  Kanzeln  nicht  gegen  die  Pfaffen  predigen,  untunlich
  sei;  denn  dadurch  würden  den  Predigern  die  Hälfte  ihrer
Predigten  genommen.  Speier  sowol  wie  die  andern  Städte
sprechen  sich  gegen  die  Verhandlung  mit  ausländischen  Potentaten  aus.
Camerarius  hätte  auch  gewünscht,  dass  aus  der  Union  ein  gemeines
Wesen  aller  Evangelischen  geworden  wäre;  aber  ein  Teil  hat  es
nicht  verstehen  wollen,  ein  anderer  hat  der  Gefahr  nicht  geachtet;
man  muss  sich  aber  weiter  bemühen.  Die  Verhandlung  mit  den
Grafen  und  Herrn  macht  wegen  der  Voten  Schwierigkeit  und  ist
durch  den  Tod  des  Kurfürsten  von  der  Pfalz  unterbrochen  worden.
Eine  Korrespondenz  mit  der  Ritterschaft  wäre  wünschenswert,  vielleicht
könnten  die  fränkischeu  Städte  dazu  Anleitung  geben.  Mit  Regensburg
  und  Frankfurt  stelıt  es  wie  zuvor.  Wegen  der  niedersächsischen
Kreisstände  ist  die  jüterbogker  Handlung  und  der  Bericht  Kur-
        <pb n="252" />
        März  13.
bis  23.

230  1611  100.

brandenburgs,  das  die  Verhandlung  auf  sich  genommen  hat,  abzuwarten.
  Mit  den  Hansestädten  mögen  Kurbrandenburg  und  Hessen
die  Verhandlungen  fortsetzen  und  sie  zu  einer  Abordnung  zum
nächsten  Unionstag  bewegen,  um  daselbst  weiter  zu  traktieren.  Bei
Dänemark  ist  wegen  Holstein  ein  Anwurf  geschehen,  aber  wegen
des  schwedischen  Krieges  darauf  nichts  gewisses  erfolgt;  im  Fall
der  Gefährdung  der  Religion  hat  es  sich  zur  Hilfeleistung  erboten.
Die  ausländischen  Potentaten  will  man  nicht  in  die  Union  zieber,
aber  ‚‚beständigen  Favor“  bei  ihnen  erhalten;  darum  ist  Korrespondenz
  mit  ihnen  zu  pflegen,  wie  ja  auch  die  Gegner  zu  Augsburg
Schickungen  nach  Frankreich  und  Lothringen  beschlossen  haben.
Die  gute  Korrespondenz,  die  der  verstorbene  Kurfürst  von  der  Pfalz
mit  Erzherzog  Maximilian  gepflogen  hatte,  soll  fortgesetzt  werden.
Die  Venezianer  haben  sich  der  Pässe  und  anderer  Sachen  halber  zu
vielem  guten‘  erboten.  Von  den  Schweizern  haben  Zürich,  Schaflbausen,
  Basel  und  Bern  erklärt,  Gefahr  von  der  Union  abwenden
zu  helfen.  —  Endlich  wird  beschlossen,  an  die  Graubündner  und
Venezianer  wegen  des  savoyschen  Volks  zu  schreiben.!

März  11./21.

Im  Plenum.  III.  Zweck  derUnion.  Camerarius  schlägt  wegen
der  Gefahr  im  Verzug  vor,  im  Plenum  zwar  den  Hauptpunkt  vorzunehmen,
das  Partikularwerk  der  Landesdefension  am  Rhein  und  an  der  Donau  aber
durch  einen  Ausschuss  beraten  zu  lassen.  Nach  Billigung  dieses  Vorschlags
liest  Camerarius  einen  Bericht  der  amberger  Regierung  vor,  wonach  das
passauer  Volk  gegen  Oesterreich  und  die  Oberpfalz  zieht.”  Darum
muss  man  sich  entschliessen,  ob  man  das  in  Wartegeld  genommene
Volk  jetzt  mustern  und  damit  die  Grenzen  sichern  will;  vor  allem  ist  auf
Beschaffung  von  Reiterei  zu  denken.  Ein  besonderer  Ausschuss  wird  dazu
gewählt.  —  Inzwischen  proponiert  Camerarius  dem  Plenum:  Zweck

1  Städteratsprotokoll  vom  9./19.  März:  Nürnberg  berichtet  über  die
gestrige  Unterredung  mit  den  Gesandten  der  höhern  Stände,  wobei  diese  aus
führten,  weshalb  man  den  städtischen  Gravamina  nicht  völlig  abhelfen
könne;  derlei  Beschwerden  seien  im  Krieg  unvermeidlich  u.  es.  w.  Nürnberg
habe  wieder  erklärt,  dass  die  Städte  mit  dem  elsässischen  Wesen  nichts  zu
tun  hätten,  wie  sie  dies  auch  an  den  Kaiser  schrieben  und  wie  der  speirer
Abschied  zu  erkennen  gebe;  die  höhern  Stände  seien  aber  der  Meinung,  dass
die  Städte  sich  des  elsässer  Wesens  auch  „realiter“  anzunehmen  hätten.
Schliesslich  einigt  man  sich,  diesen  Punkt  bis  zum  nächsten  Unionstag  und
bis  zur  Beschliessung  der  Hauptrechnung  zu  verschieben.

?  Da  dem  passauer  Kriegsvolk  der  Pass  gegen  Oesterreich  stark  verlegt
ist,  80  wird  es  sich  vermutlich  gegen  die  Oberpfalz  wenden,  wo  mon  zu
Widerstand  wenig  gefasst  ist.  Man  möge  sich  zu  Schweinfurt  ehestens
resolvieren,  ob  man  das  in  Wartegeld  genommene  Volk  mustern  soll,  um
die  Grenzen  besser  zu  versichern;  jetzt  liegt  nur  einiges  Landvolk  mit  einigen
Landsassen,  etwa  50  Pferde,  dort.  Es  ist  aber  damit  nichts  auszurichten;
das  Landvolk  soll  jetzt  seine  Ascker  bestellen,  der  Unterhalt  der  Landsassen
kommt  überdies  ebenso  teuer  wie  der  der  geworbenen  Knechte  (die  amberger
Regierung  an  die  kurpfälzischen  Räte  zu  Schweinfurt  am  6./16.  März;
Mb,,  119,4,  f.  93;  Or.).
        <pb n="253" />
        100.  1611  231

der  Union  ist,  sich  vor  unbilliger  Gewalt  zu  schützen;  die  Unierten
sind  verhasst;  man  wird  eine  Gelegenheit,  sie  zu  überfallen,  nicht
versäumen;  die  Ereignisse  mit  dem  passauer  Volk  zeigen,  dass  man
sich  auf  Briefe  und  Zusagen  nicht  verlassen  darf;  die  Intention  mit
diesem  Volk  kennt  niemand;  es  ist  darum  zu  bedenken,  ob  man  das
Landvolk  bewaffnen  oder  wie  man  sonst  die  Defension  anstellen
sl?  Württemberg  hofft,  der  Kaiser,  der  so  viel  zu  schaffen
habe,  werde  sich  nicht  gegen  die  Unierten  wenden;  das  elsässer
Volk  ist  abgedankt,  das  passauer  könnte  aber  über  den  Böhmerwald
streifen;  eine  eilende  Hilfe  genügt  nicht;  man  möge  die  markgräflichen
  Reiter  und  dieObentrauts  noch  auf  gemeine  Kosten  unterhalten.
Baden:  auch  das  elsässische  Volk  kann  sich  leicht  wieder  sammeln;
es  sollen  ihm  Musterplätze  im  Elsässischen  und  Fuldaischen  bestimmt
sein,  auch  soll  das  savoysche  Volk  herauskommen;!  die  Jesuiten
spinnen  Pläne  wegen  ihrer  vermeinten  spanischen  Weltmonarchie.
Man  muss  mit  andern  Potentaten  korrespondieren  und,  so  schwer  es
auch  bei  der  Erschöpfung  der  Union  fällt,  *den  Soldatem  Wartegeld
  geben  oder  gar  werben.  Hessen  betont  die  Gefahr,  die
gleich  von  drei  Orten  her  droht.  Savoyen  ist  von  Sachsen  um
Beistand  wegen  der  jülicher,Lande  ersucht  worden,  der  wird  nun  wol
unterbleiben  ;  gefährlicher  ist  das  passauer  Volk,  das  auf  der  Fiucht
ist  und  kein  Haupt  hat;  aber  es  wird  sich  vor  einem  Einfall
hüten.  Der  Landgraf  möchte  Unkosten  vermeiden:  man  behalte  das
Volk,  das  man  hat  und  ersuche  die  Strassburger,  ihr  geworbenes  Volk
nach  der  Oberpfalz  zu  schicken;  ausserdem  halte  jeder  Stand  seinen
Ausschuss  zur  eilenden  Hilfeleistung  bereit.  Zum  Schrecken  möge
man  aussprengen,  man  habe  die  Werbung  von  vielen  tausend  Maon
beschlossen.  Oettingen  verweist  auf  die  Reichs-  und  Kreishilfen,
die  man  auch  nachsuchen  möge.  Die  Strassburger  betonen  die
vollständige  Erschöpfung  der  Mittel  und  können  unmöglich  weiter
etwas  tun.  Man  möge  den  Gegnern  nicht  Ursache  zur  Gegenwerbung
  geben,  dadurch  würde  die  Union  verhasst;  die  Papisten
sind  auch  müde  und  ist  von  ihnen  nichts  zu  besorgen.  Strassburg

—  .——

!  Der  Markgraf  von  Baden  schreibt  am  4./14.  März  an  den  Pfalzgrafen
von  Neuburg  und  am  5./15.  an  den  Administrator  der  Kurpfalz,  dass  Oberst
Beuschenberg  wieder  fünfzehn  Fähnlein  neuen  Volkes  annehme,  auch  die
salmschen  Reiter  sich  sammeln  und  Salm  mit  tausend  Pferden  zu  Reuschenberg
  stossen  wolle;  der  AMusterplatz  soll  im  obern  Elsass  oder,  wenn  dies
nicht  angeht,  im  Stift  Fulda  sein.  Oberst  La  Fontaine  soll  dem  Herzog  von
Savoyen  zuziehen;  Jas  italienische  Volk  soll  sein  „Rendez-vous“  in  Burgund
haben  (Me.,  Neuburger  Archiv;  Jülich-Berg,  Fasz.  24,  64;  Or.  und  Mb.,  119/4,
f.  29;  Or.).  —  Der  Grosshofmeister  der  Kurpfalz,  Johann  Albrecht  Graf
Solms,  gibt  in  einem  Schreiben  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  vom  5./15.  März
Nachricht  von  dem  angeblichen  Vorhaben  des  Herzogs  von  Savoyen,  nach
dem  mislungenen  Anschlag  auf  Genf  mit  seiner  Armee  von  20000  Mann
ins  Reich  einzurücken  und  daselbst  für  die  Wahl  eines  römischen  Königs
im  Sinne  Spaniens  zu  wirken;  Frankreich  und  Bern  begännen  bereite  mit
Vorkebrangen  gegen  den  Savoyer  (Bbg.,  A  9a,  no.  82,  f.  40;  Or.  eigh.).

März  13.
bis  23.
        <pb n="254" />
        März  13.
bis  23,

232  1611  100.

kann  einen  Beschluss  wegen  neuer  \Verbungen  nur  zu  Bericht  nehmen  ;
ebenso  Worms.  Nürnberg  ist  auch  nicht  auf  weitere  Kontributionen
  instruiert  ;  aber  man  muss  sich  vor  dem  passauer  Volk  schützen,  das
das  Ausserste  versuchen  wird  und  keinen  andern  Ausweg  hat  als
durch  die  Oberpfalz;  os  könnte  ohne  Widerstand  bis  Nürnberg
kommen;  Ram6e  hat  wiederholt  geäussert,  er  wolle  sich  mit  6000
Mann  durch  ganz  Deutschland  schlagen.  Man  muss  also  auf  Defension
  denken;  das  Volk  in  der  Oberpfalz  wird  dazu  nicht  genügen,
man  muss  geübte  Soldaten  annehmen,  wie  ihre  Stadt  selbst  schon
400  geworben  hat.  Die  andern  Städte,  die  Markgrafen  und  Neuburg
  werden  dem  nicht  entgegen  sein.  Man  .soll  auch  die  Kreis
hilfen  fordern,  denn  die  Passauer  würden  auch  die  Papisten  nicht
verschonen.  Auch  die  von  der  Gefahr  nicht  unmittelbar  berührt
werden,  müssen  sich  anstrengen  ;  Strassburg  soll  seine  drei  Fähnlein
und  Ansbach  seine  Reiter  in  die  Oberpfalz  schicken.  Man  soll  sich  nicht
in  dieselbe  Sicherheit  wiegen,  die  Oesterreich  in  Gefahr  gebracht  hat.
Wenn  man  zu  ordentlicher  Werbung  schreitet,  soll  Baiern  davon
verständigt  und  um  Assistenz  wider  die  Passauer  ersucht  werden.
Ulm  weist  auch  auf  die  Kreishilfen;,  ausser  Baiern  soll  man  auch
Mainz  verständigen.  Wegen  Memmingen  sind  die  Ulmer  beauftragt,
  deren  Unvermögenheit  einzuwenden.  Speier  bemerkt,  dass
man  auch  von  den  Passauern  nichts  sonderliches  zu  besorgen  habe
und  erinnert  an  die  ordentlichen  Mittel  der  Kreishilfen;  vor  Abhörung
  der  Rechnungen  dürfen  sie  nichts  bewilligen,  aber  im  Fall  der
Not  werden  sie  mit  der  Mehrheit  gehen.  Ebenso  die  andern  Städte.
Camerarius  schliesst:  wegen  des  elsässer  Volks  werden  die  Beratungen
  über  eine  eilende  Hilfe  Mittel  geben:  wegen  der  Passauer
hat  man  sich  aber  vorzusehen:  die  Praktiken  rühren  von  den  Obersten
selbst  her;  das  Volk  ist  desperat,  ohne  Haupt;  Soldaten  und  Oberste
haben  sich  zusammengeschworen;  m$  dem  Landvolk  kommt  man
dagegen  nicht  auf;  der  schon  vorhandenen  Reiter  Obentrauts  und  Ansbachs
  sind  etwa  500;  dazu  hat  man  1000  Knechte  im  Wartegeld.

In  neuer  Umfrage  wird  erörtert,  wie  viel  Volk  man  endgiltig  werben
soll,  doch  dass  die  Last  gleichmässig  verteilt  werde.  Württemberg  schlägt
die  Werbung  von  2000  Knechten  vor,  die  vorhandenen  500  Pferde  werden
genügen.  Dringend  zu  wünschen  wäre  Anhalts  Anwesenheit  im  Lande,  die
den  Feinden  Furcht  machen  wird.  Wegen  Wehren,  Rüstungen  und  Geschütz
  wird  man  sich  ebenfalls  vergleichen  und  dafür  Magazine  am  Rhein
und  an  der  Donau  anordnen  müssen.  Baden:  neben  der  eilenden  Hilfe
soll  man  2000  Mann  auf  Unionskosten  werben;  mit  den  städtischen
Truppen  und  denen  im  Wartegeld  hat  man  sie  schon  beisammen;  die
strassburger  Fähnlein  nach  der  Oberpfalz  abzuführen  würde  bedenklich
sein.  Hessen  findet  die  vorgeschlageno  Zahl  nicht  ausreichend  für
den  Ernst  und  wünscht  Heranziehung  der  Papisten  zum  Defensionswerk.
Strassburg  und  Worms  können  nur  zu  Bericht  nehmen.  Nürnberg
  erinnert  dagegen,  dass  die  Gefahr  jünger  als  die  Instruktionen
        <pb n="255" />
        100.  1611  233

sei.  Die  vorgeschlagene  Zahl  genügt  aber  zur  Verlegung  der  Pässe;  ihre  März  13.
Obern  werden  die  geworbenen  400  Mann  für  den  gemeinsamen  Zweck  wol  bis  23.
hergeben.  Ulm  ist  mit  denVorschlägen  einverstanden.  Die  andern  Städte,

obwol  nicht  instruiert,  stimmen  mit  der  Mehrbeit.e  Camerarius:  die
Mehrheit  hat  die  Annahme  von  2000  Mann  und  5—600  Pferden
beschlossen,  wovon  man  den  grössten  Teil  schon  hat;  Armaturen

für  zwei  BRegimenter  liegen  in  Amberg;  der  ansbachschen  Reiter

ist  man  gewiss,  dazu  kanu  man  noch  Tiehenreiter  aufbringen.  Es
handelt  sich  jetzt  um  Vergleichung  der  für  die  Werbung  nötigen
Bundesanlage.  —  Vorher  berichtet  Dathenus  über  die  Ausschussberatung
  wegen  der  eilenden  Hilfe;  man  hat  den  speirer  und  wormser
Partikularabschied  vorgenommen,  verschiedene  Mängel  namentlich  wegen

Hessen  und  Württemberg  darin  gefunden,  wegen  Abwesenheit  der
höheren  Stände  hat  man  aber  über  Ausdehnung  dieser  eilenden  Hilfe

auch  auf  die  herobigen  Lande  diesmal  nichts  beschliessen  können.

Nachmittagssitzung.  Camerarius  lässt  umfragen,  woher  das
Geld  für  die  neue  Werbung  zu  nehmen,  wie  viel,  wo  und  wann  6s
zu  erlegen  sei  und  was  wegen  einer  eilenden  Hilfe  zu  geschehen
habe,  wobei  er  vorschlägt,  es  wegen  der  rheinischen  Stände  bei  jenen
Paırtikularabschieden  zu  lassen;  wegen  der  Gefahr  aus  Böhmen
sollen  die  Nächstgesessenen  oben  Landes  Kriegsverständige  zusammenordnen,
  die  sich  einer  eilenden  gegenseitigen  Hilfe  zu  vergleichen
hätten.  Württemberg  hält,  was  die  Partikularhilfe  anlangt,
nichts  von  der  Hilfe  durch  das  Landvolk,  das  auch  grosse  Kosten
verursacht;  es  will  statt  2000  Mann  Landvoiks  1000  Soldaten
stellen,  aber  keine  Roiterei;  es  ist  an  der  Hilfe  an  beiden  Strömen
interressiert  und  will  je  die  Hälfte  dorthin  liefern.  Für  die  Kosten  der
heute  beschlossenen  Werbung  beantragt  es,  sieben  bis  acht  Monate
in  zwei  Zielen  nach  Nürnberg  zu  erlegen.  Baden  geht  wegen  der
neuen  Kontribution  mit  der  Mehrheit.  Hessen  kann  den  Ansatz
wegen  der  eilenden  Hilfe  am  Rheinstrom  nur  zu  Bericht  nehmen.
Zur  Hilfe  gegen  die  Passauer  gehen  an  2000  Fussknechten  und
500  Reitern  monatlich  etwa  230,000  fl.  auf;  handelt  man  mit  ihnen  auf
drei  Monate,  so  wird  man  90000  fl.  bedürfen,  die  acht  Monaten  der
Bundesanlage  gleichkommen.  Oettingen:  zum  Beschluss  einer  eilenden
Hilfe  an  der  Donau  fehlen  die  Markgrafen  und  Neuburg;  die  neue
Anlage  nimmt  es  zu  Bericht.  Strassburg  will  sich  in  die  neue
Hilfe  nicht  einlassen,  sie  wird  auch  zu  spät  komınen;  ihre  drei
Fähnlein  wollen  sie  schicken,  wenn  im  Elsass  keine  Gefahr  mehr
dreht.  Nürnberg  wirft  den  Rheinischen  vor,  dass  man  vordem  zu
deren  Sicherung  am  Rheine  60  Monate  bewilligt  habe  und  dass
jene  jetzt  die  an  der  Donau  verlassen  wollen;  auch  sie  sind  instruiert,
nichts  zu  bewilligen,  aber  die  Gefahr  zwingt  zu  andern  Entschlüssen  ;
ob  die  Hilfe  mit  Volk  oder  Geld  zu  leisten  ist,  nehmen  sie  zu  Bericht
und  bitten  um  Aufschub  der  Beschlussfassung  hierüber  bis  morgen.
Dasselbe  tun  auch  die  andern  Städte.
        <pb n="256" />
        März  13.
bis  23.

234  1611  100.

Camerarius  betont  nochmals  die  Notwendigkeit  eilender  Hilfe,
verschiebt  die  Beschlussfassung  darüber  auf  morgen  und  fragt  zum
dritten  Punkt  des  Ausschreibens  um,  wie  man  sich  künftig  vor  derlei  Unruben
  versichern  und  zur  Abhilfe  der  allgemeinen  Besch  werden
  kommen  könnte,  ob  man  deshalb  an  den  Kaiser,  die  geistlichen  Kurfürsten
  und  Baiern  schreiben  solle  und  wie  insbesonders  Donauwörth
zu  helfen  wäre!  Württemberg:  Die  Gegner  sind  durch  die  Union  °
zu  Mistiauen  und  zu  Rüstungen  bewogen  worden;  um  solches  künftig
zu  verhüten,  soll  man  ihnen  anzeigen,  warum  man  werbe.  Auch
die  Ligastände  werden  bessere  Vertraulichkeit  wünschen.  Da  Baiern
von  der  Union  Assistenz  gegen  die  Passauer  begehrt  hat,  kann  man
sie  auch  von  ihm  verlangen;  man  möge  das  durch  eine  Schickung  tun,
zur  Vergleichung  der  Defonsion  eine  Zusammenschickung  vorschlagen
und  Baiern-  das  Direktorium  dieser  Defension  anbieten;  auch  Mainz
soll  verständigt  und  um  Hilfe  ersucht  werden.  Dem  Kaiser  schreibe
man  nicht,  bevor  man  weiss,  wo  die  Sache  hinaus  will.  Die  Gravamına
rühren  teils  vom  Hof  her,  teils  von  den  Mitständen;  diese  letztern
Beschwerden  können  nur  auf  Reichs-  und  andern  Tagen  erörtert  werden,
wegen  der  andern  gibt  die  Union  Anweisung.  Hofprozesse  wegen  der  Religion
  sind  seit  derGründung  der  Union  keine  ausgegangen.  Wegen  Donauwörth
  ist  jetzt  beim  Kaiser  nichts  zu  erhalten;  beim  müänchener  Akkord
hat  man  der  Stadt  nicht  gedenken  wollen;  Baiern  hat  die  Regel  für
sich,  erst  nach  Kostenersatz  zu  restituieren.  Baden:  Alles  Mistrauen
im  Reich  rührt  von  den  Gravamina  her;  wenn  Mainz  und  Baiern
den  Zweck  der  Union  kennen,  wird  sich  hodentlich  das  Mistrauen
verringern  und  werden  die  Gegner  vielleicht  selbst  Mittel  angeben,  wie
man  zu  besserm  Vertrauen  kommen  kann.  Hessen:  König
Matthias  begehrt  bei  verschiedenen  Reichsständen  Information  wegen
der  Reichsbeschwerden;  was  soll  man  antworten?  An  Mainz  und
Baiern  soll  man  schreiben,  dass  man  den  Gravamina  nur  durch  die
Union  abzuhelfen  wisse.  Er  gibt  zu  bedenken,  ob  man  die  Kosten
wegen  Donauwörth  allen  Ständen  aufladen  solle  und  ob  Salzburg,
das  sich  bisher  neutral  hielt,  unter  den  Ständen  wegen  des  Mistrauens
  etwas  ausrichten  könnte?  Oettingen  empfiehlt,  sich  in
guter  Bereitschaft  zu  halten,  auf  einen  Bundesvorrat  zu  denken  und  den
Zweck  der  Union  den  Gegnern  vorzustellen,  damit  diese  nicht  glauben,
sie  sei  zur  Ausrottung  ihrer  Religion  gemeint;  doch  muss  der
Schein  der  Kleinmut  dabei  vermieden  werden.  Die  Schickung  an  Baiern
lässt  es  sich  gefallen.  Am  kaiserlichen  Hof  ist  alles  vergebens;

!  In  Mb.,  119.4,  f.  110;  Or.  liegt  eine  undatierte  Bittschrift  vor,  von
drei  donauwörtber  Exulanten  unterschrieben.  Darin  wird  über  das  Verbot
des  bairischen  Statthalters  Bemelberg  geklagt,  Kinder  in  eine  andere  als  in
eine  papistische  Schule  zu  schicken,  und  über  dessen  Befehl,  bei  Beerdigungen
Evangelischer  in  Donauwörth  oder  bei  Heirat:n  in  der  Piarrkirche  von  Berg
auf  neuburgischem  Gebiet)  dem  papistischen  Pfarrer  Gebühren  zu  entrichten;
endlich  werden  zwei  Fälle  von  Veräusserung  der  Häuser  und  Habe  „ausgetretener“
  evangelischer  Bürger  berichtet  und  die  Bitte  um  Hilfe  daran  geknpüft.
        <pb n="257" />
        100.  1611  235

von  dort  kommen  alle  Beschwerungen;  Erzherzog  Maximilian  hat  ge-  März  13.
äussert,  er  wolle  gern  vermitteln,  aber  am  kaiserlichen  Hof  bleibe  bis  23.
alles  bangen;  auch  König  Matthias,  der  bei  den  Ständen  Favor  sucht,
weiss,  wie  68  dort  zugeht.  Das  beste  wäre,  wenn  die  jüterbogker
Handlung  wol  abliefe  und  man  Sachsen  besser  informieren  könnte,
In  Donauwörth  sind  vor  einigen  Wochen  neue  Gewaltsamkeiten  geschehen
  und  ist  flüchtigen  Bürgern  ihre  Armut  um  halbes  ueld  verkauft
worden  ;  man  soll  den  Herzog  von  Baiern  von  weiterer  Beschwerung
abmahnen.  Strassburg:  Der  Administrator  soll  die  gute  Korrespondenz
  mit  Mainz  fortsetzen  und  an  den  Kurfürsten  und  Baiern
eine  Schickung  tun,  um  sie  über  die  Union  aufzuklären.  Wegen
der  Gravamina  soll  man  nichts  anregen,  bevor  man  sieht,  wo  das
Spiel  zwischn  Kaiser  und  König  hinaus  will;  bei  dem  obsiegenden
  Teil  wäre  dann  anzuklopfen.  Donauwörths  könnte  bei
der  Schickung  an  Baiern  gedacht  oder  der  Kaiser,  wenn  die
Sachen  in  andern  Stand  sind,  seines  Dekrets  erinnert  werden.
Nürnberg  sieht  kein  Mittel  zur  Beseitigung  des  Mistrauens,  das
mit  dem  elsässischen  Wesen  anfieng,  billigt  aber  Oettingens  Vorschläge
wegen  Beseitigung  des  Verdachts.  Zur  Abhilfe  der  Gravamina  ist
jetzt  wol  kaum  Zeit.  Wegen  Donauwörth  gibt  es  kein  Mittel
als  Erstattung  der  Kosten;  die  Papisten  haben  schon  erklärt,  dazu
keinen  Heller  zu  geben;  vielleicht  liesse  sich  Baiern  durch  Mainz
zu  einer  Moderation  bewegen;  dann  könnte  man  versuchen,  insgemein
  einige  Monate  bewilligt  zu  erhalten.  Man  schreibe  weder  an
den  Kaiser  noch  an  den  König.  —  Der  Redner  fragt  an,  wie  es  mit
der  Ablehnung  der  „donauwörthschen  Relation“  steht,!  denn  auch
evangelische  Stände  meinen,  sie  enthalte  die  Wahrheit.  Ulm  schlägt
vor,  Erzherzog  Maximilian  um  dessen  Beistand  zu  bitten,  damit  man
aus  den  Beschwerden  komme  und  erinnert,  wie  durch  Eingreifen  verschiedener
  Stände  der  passauer  Vertrag  zu  stande  gekommen  sei.  Speier:
So  lange  die  Jesuiten  ihr  Wesen  treiben,  wird  man  nicht  zur  Ruhe
kommen  ;  denn  die  Papisten  müssen  tun,  was  jene  wollen.  Speier  kann
Baiern  wegen  der  zollernschen  Relation  nicht  trauen,?  eher  Mainz;
aber  die  Liga  wird  bleiben.  Mattbias  wird  am  Hof  eine  Reformation
  tun  müssen.  Die  andern  Städte  votieren  mit  der
Mehrheit.  Camerarius:  Ursache  des  Mistrauens  ist  der  Mangel
an  Justiz.  Die  wahre  Beschaffenheit  der  Union  ist  sowol  Baiern  beim
mänchener  Akkord  wie  Mainz  und  Sachsen  dargelegt  worden.  Der  elsässer
Zug  hat  gezeigt,  wie  ungerecht  die  Unierten  bezichtigt  werden;  denn
sonst  hätten  sie  die  besetzten  Orte  nicht  wieder  geräumt.  Wegen
einer  Verständigung  hat  der  Administrator  mit  Kurmainz  einen

ı  Vgl.  F.  Stieve,  der  Kampf  um  Donauwörth,  8.  420  f.

?  Vgl.  P.P.  Wolf,  Geschichte  Maximilians  1.,  II.,  S.  560  f.;  A.  Gindely,
  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  125  und  M.  Ritter,  Deutsche
Geschichte  im  Zeitalter  der  Gegenreformation,  IL,  S.  344.
        <pb n="258" />
        März  13.
bis  23.

236  1611  100.

ziemlichen  Anfang  gemacht!  und  steht  es  jetzt  auf  einer  persönlicheu
Zusammenkunft  beider  Herrn;  vielleicht  kann  man  beiderseits  zu
einer  Versicherung  koumen.  Die  Jesuiten  haben  verbreitet,  dass
die  Unierten  um  Frieden  gebeten  hätten,  während  man  noch  in  Waffen
stand.  Die  Schickung  zu  Baiern  und  Mainz  soll  man  aufschieben,
bis  man  von  Mainz  mehr  versichert  ist.  Baiern  hat  um  Assistenz
gebeten;  der  Administrator  hat  für  gut  befunden,  das  gleiche
zu  tun;  der  Herzog  hat  den  Vergleich  ratifiziert,  „der  assistenz
balben  [sie]  sich  gern  in  der  eng  ercleren  wolten“;  auch  sieht  der
Herzog  ein,  dass  am  kaiserlichen  Hof  nicht  alles  richtig  zugeht.  Wegen
König  Matthias  wird  der  Administrator  weiter  nachdenken.  Matthias  hat
sich  zu  vielem  erboten;  Erzherzog  Maximilian  wird  ihm  nicht  gern
vorgreifen  wollen.  Wegen  der  Gravamina  muss  man  zusehen,  wo
die  Dinge  hinaus  wollen.  Man  bleibe  dabei,  sich  gegenseitig  zu
helfen  nnd  vor  Abhilfe  der  Beschwerden  in  keinen  Reichstag  und  in
keine  Kontribution  zu  willigen.  Wegen  Donauwörth  konnte  zu
München  nichts  geschehen,  ist  auch  jetzt  nichts  auszurichten,  vielleicht
  ergibt  sich  bei  der  Zusammenkunft  mit  Mainz  dazu  Gelezenheit;
  man  hat  bei  Hof  vorgeschlagen,  dass  Baiern  seine  Kontribution
  bis  zur  Höhe  der  Kosten  zurückbehalte.e  Die  Widerlegung
  der  donauwörthschen  Relation  ist  verfasst  und  ist  zu  erörtern.

März  12./22.

Im  Plenum.  Camerarius  fragt  bei  den  Städten  wegen  der  gestern
beratenen  Defension  gegen  die  Passauer  um.  Strassburg  kann  nur  zu  Bericht
  nehmen  und  verweist  auf  das  Votum  von  Nürnberg.?  Nürnberg:
wegen  der  nachbarlichen  Hilfe  wird  man  sich  bei  nächstem  Unionstag  erklären,
  wegen  der  eilenden  Hilfe  wird  man  den  Obern  berichten.  Was  dio
neue  Hilfe  anlangt,  so  wollen  die  Städte,  da  ihnen  frei  steht,  mit  Volk  oder
Geld  zu  helfen,  als  ihren  Anteil  800  Mann  zu  Fuss  und  150  Pferde
auf  sich  nehmen,  diese  selber  bezahlen  und  unterhalten,  damit  Konfusion
mit  den  vorigen  Rechnungen  verhütet  werde;  ihre  Herrn  haben  sie  befehligt,
  vor  Abhörung  der  Rechnungen  sich  in  keine  neue  Kontribution
  einzulassen.  Camerarius  gibt  dagegen  den  Städten  zu  bedenken,
dass  die  freie  Wahl  zwischen  Volk-  und  Geldhilfe  sich  nur  auf  die
nachbarliche  Hilfe  bezieht;  jetzt  wird  in  die  Union  ein  neues
gebracht.  Mit  dem  Erbieten  der  Städte  wird  man  nicht  fortkommen,
  es  wird  den  Schein  einer  Trennung  und  Unordnung  verursachen;
  die  Befehlshaber  werden  ungleiche  Bestallungen  haben  ;

I  Vgl.  oben  no.  64.

®  Vgl.  die  Berichte  der  Kurpfälzer  vom  12./22.  März  (Mb.,  119,4,
f.  124;  Or.),  der  Württemberger  vom  gleichen  Tag  (Stg,  Unionsacta,  t.  IX.,
f.  514;  Kpt.)  und  der  Ulmer  vom  13/23.  März  (U.,  Unionsacta,  t.  XXI,
no.  2056;  Or.).  Die  ulmer  Gesandten  bemerken  zum  Schluss:  „wie  übel
nun  vermerkt  worden,  dass  die  stätt  ihr  aigen  volk  haben  und  besolden,
vorige  und  Jdise  rechnung  nit  unter  einander  ınengen  lassen  wollen“,  davon
wollen  s’e  mündlich  berichten.
        <pb n="259" />
        100.  1611  237

die  Bewilligung  ist  auch  zu  ande  n  Ausgaben  z.  B.  für  die  Artillerie  März  13.
angesehen.  Die  Städte  mögen  sich  anders  bedenken;  dieserseits  bis  23.
wird  man  alles  tun,  was  der  Union  zum  besten  gereicht.  —  Da
die  Instruktionen  der  fürstlichen  Gesandten  mit  dem  Erbieten  der
Städte  nicht  übereinstimmen,  lässt  Camerarius  deshalb  nochmals  umfragen.
  Württemberg  sieht,  dass  die  Städte  wegen  der  Rechnungen
den  Höhern  nicht  trauen,  was  für  diese  verkleinerlich  ist;  es  ist  ihnen
darum  und  mangels  an  Instruktion  bedenklich,  auf  den  von  den  Städten  vorgoschlagenen
  Modus  einzugehen.  Auch  Hessen  "findet  ihn  nicht
praktikabel  und  der  Religion  und  Union  schimpflich,  worauf  Nürnberg
sich  verwahrt,  dass  der  Vorschlag  ein  Zeichen  des  Mistrauens  sei:  man
wolle  nur  Konfusion  in  den  Rechnungen  verhüten;  die  amberger
Regierung  selber  habe  die  Stadt  aufgefordert,  Knechte  zu  werben
und  Hauptleute  zu  bestellen;  an  den  Kosten  der  höbern  Aemter
u.  s.  w.  wolle  man  nach  Anteil  beitragen.  Baden:  die  Städte
mögen  nicht  glauben,  dass  man  sie  übereile;  die  neue  Anlage  soll
mit  dem  andern  nicht  konfundiert  werden;  aber  wenn  nicht  einer
kommandiert  und  einer  zahlt,  gibt  es  wirklich  Verwirrung.  Man
möge  den  Schein  einer  Trennung  vermeiden.  Strassburg  bleibt
beim  Beschluss  der  Städte;  bei  Reichstagen  geht  man  allerdings  nicht  auf
Volkshilfe,  damit  es  nicht  das  Ansehen  habe,  als  ob  die  Stände  den
Türkenkrieg  auf  sich  nehmen;  bei  Kreishilfen  ist  aber  der  vorschlagene
Modus  schon  öfter  praktiziert  worden.  Nürnberg:  da  die  Städtegesandten
  vor  Abhörung  der  Rechnungen  in  keine  Kontribution  willigen
dürfen,  so  ist  dies  Mittel  das  einzige,  das  sie  vor  ihren  Obern  vertreten
können.  Die  Nürnberger  selber  haben  zu  Cham  ein  besonderes
Fähnlein  unter  besonderem  Hauptmann  gehabt  und  es  besonders
bezahlt,  ebenso  Neuburg.  Viele  Stände  haben  in  früheren  Kriegen
dasselbe  getan.  Da  die  drei  strassburger  Fähnlein  nicht  in  der
Eile  heranzubringen  sind,  wollen  die  Nürnberger  ihre  800  Mann
selbst  werben,  jene  Fähnlein  können  dagegen  abgedankt  werden.
Ebenso  die  andern  Städte,

Camerarius  erklärt,  dass  die  fürstlichen  Gesandten  auf  diesen
neuen  Modus  nicht  instruiert  seien  und  sich  beraten  müssten.  —  Nachher
  eröffnete  Camerarius  den  Städten:  Die  fürstlichen  Gesandten
finden  den  neuen  Modus  wider  die  Unionsverfassung  und  den  abwesenden
  Ständen  praejudizierlich,  nur  im  vorigen  Jahr  hat  man  die
Volkshilfe  ausnahmsweise  wegen  der  Eile  zugelassen.  Die  Städte
mögen  es  bei  den  acht  Monaten  Geldhilfe  laggen  und  eine  eigene  Person
benennen,  welche  die  Ausgaben  überwacht.  Wegen  der  nachbarlichen
Hilfe  wird  man  sich  nächstens  vergleichen.  Die  Städte  verharren
bei  ihrem  Erbieten.  Camerarius  wiederholt,  dass  die  fürstlichen
Gesandten  darauf  nicht  eingehen  könnten  ;  die  Unionshilfe  und  Unionsmatrikel
  sei  auf  Geld  gerichtet.  Die  Städte  mögen  der  Sache  nochmals
  nachdenken.!

!  Städteratsprotokoll  vom  12./22.  März:  Beratung,  ob  man  sich  auf
die  zur  Defension  notwendigen  7—8  Monate  einlassen  soll.  Nürnberg
        <pb n="260" />
        März  13.
bis  23.

März  14.

238  1611  100—101.

März  13./23.

Im  Plenum.  Camerarius  lässt  den  Entwurf  des  Abschieds
verlesen.  Eine  Reihe  von  Abänderungen  wegen  des  Administrationsstreits,
  wegen  der  städtischen  Beschwerden  u.  s.  w.  werden  beschlossen.
Beim  3.  Punkt  kommt  noch  einmal  die  Volkshilfe  der  Städte  zur
Erörterung.  Nürnberg  verwahrt  sich,  als  ob  man  den  höhern
Ständen  damit  praejudizieren  wolle;  würden  die  Höheren  deshalb  einen
Protest  anhängen,  so  könnten  die  Städte  den  Abschied  nicht  unterschreiben.
Zugleich  wünscht  Nürnberg,  dass  Anhalt  sich  bei  der  amberger  Regierung
einfinde  und  dass  die  donauwörthsche  Relation  widerlegt  werde,
eher  werde  Baiern  sich  auf  nichts  einlassen.  Nachdem  Camerarius
Erfüllung  der  geäussorten  Wünsche  zugesagt,  wird  die  Versammlung
geschlossen.

Stg.,  Unionsacta,  t.  IX.,  ft.  304-484,  Protokoll  von  Sattlers  Hand,  ebenda

.  280308,  Fabers  Handprotokell.  —  U.,  Unlonsacta,  t.  XXI.,  no.  2081a,  Hauptprotokoll,
no.  2081  b.,  Schleichers  Handprotokoll.

101.  Tengnagels  dritte  gütliche  Aussage.

Zuerst  wird  Tengnagel  angezeigt,  man  habe  inzwischen  weitern
Bericht  über  die  Praktiken  eingezogen,  die  er  bisher  geoffenbart  habe,
worauf  ihm  die  Aussagen  eines  Mönchs!  vorgelesen  werden.  1.  Frage.
Ob  dem  allem  so  ist?  —  Der  Mönch  ist  entweder  ein  Schelm  oder  ein
Narr.  Der  Kaiser  hat  mit  dem  König  von  Spanien  niemals  wegen  irgend
einer  Sache  Korrespondenz  gehabt;  er  ist  und  war  mit  Philipp  III.  wie  mit
dessen  Vater  „contrapique  und  widerwertiges  sinnes;‘“  der  Kaiser  hat
dem  Haus  Spanien  in  den  Niederlanden  nie  beistehen  wollen;  er,
Tengnagel,  könnte  schwören,  dass  der  König  von  Spanien  und  die
seinen  jetzt  wider  dies  Wesen  handeln  und  es  „contraminieren“.  Auch
der  Papst  hat  seines  Wissens  daran  keine  Schuld;  mit  dem  früheren
Nuntius  hat  er,  T.,  deswegen  nie  geredet,  den  jetzigen  kennt  er
nicht.  Im  vorigen  Jahr  ist  er,  T.,  von  Erzherzog  Leopold  nach
Spanien  geschickt  worden?  und  hat  dort  von  der  Aönigin,  der  Schwester
des  Erzherzogs,  soviel  erhandelt,  dass  zwischen  beiden  Herrn  Liebe
und  Freundschaft  gestiftet  und  für  das  passauer  Volk,  zum  jülicher
Wesen  und  zur  Erhaltung  der  katholischen  Liga  300,000  fl.  erlangt
wurden;  doch  wurde  wegen  einiger  Einwendungen  Erzherzogs  Albrechts

regt  an,  bei  dieser  Gelegenheit  den  Beschwerden  wegen  der  Werbungen  abzubelfen
  ,  die  Hilfe  in  Volk  zu  stellen  u.  s.  w.  Strassburg  kann  alles
nur  zu  Bericht  nehmen.  Die  andern  Städte  schützen  gleichfalls  Mangel  an
Instruktion  vor,  würden  sich  aber  Volkshilfe  am  ehesten  gefallen  lassen.
Nach  zweimal  wiederholter  Umfrage  kommt  endlich  der  Mehrheitsbeschluss
zu  etande,  den  Nürnberg  in  seinem  Votum  den  höheren  Ständen  zu  eröffnen
  hat.

1  Aussage  des  Mönchs  Aegidius;  vgl.  oben  no.  73,  8.  165,  Anm.  2.

?  Ueber  Tengnagels  Schickung  nach  Spanien  vgl.  A.  Gindely,
Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.55  f.,  P.  v.  Chlumecky,  Carl  von  Zierotin
und  seine  Zeit,  Brünn  1862,  I,  8.  615  f.
        <pb n="261" />
        101.  1611  239

und  wegen  der  Lage  in  den  Niederlanden  jene  Summe  auf  100,000  fl.  März  14.
verringert,  über  die  Zuniga  hätte  verfügen  sollen.  Aber  es  kam  auch
so  weit  nicht;  denn  inzwischen  erfuhr  der  König,  wie  man  damit  umgehe,
  dem  Erzherzog  Teopold  diese  Lande  zu  übertragen,  was  gegen
des  Königs  Absicht  ist;  das  spanische  Haus  trachtet  nämlich  darnach,  die
Succession  in  diesen  Landen  an  sich  zu  bringen;  da  der  Kaiser
ohne  Leibeserben  und  bei  Matthias  wenig  Hoffnung  auf  solche  ist,
so  würde  nach  deren  Tod  die  Regierung  vor  Erzherzog  Leopold  an  den
König  von  Spanien  kommen.  „Desswegen  der  erzherzog,  weilen  im  der
Spanier  den  possen  gerissen,  sei  er  ihme  todtfeind  und  het  sich  im  fall
der  not  an  die  cron  Frankreich  und  an  andere  gehenkt  und  gehalten,
beistand  zu  suchen“!  2.  Hat  der  Kaiser  mit  ihm,  T.,  wegen  der  aufgetragenen
  Verrichtung  im  Reich  persönlich  geredet;  wer  hat  sonst
noch  mit  ihm  darüber  geredet  und  ihm  die  Instruktion  zugestellt?  —  Der
Kaiser  hat  nicht  mit  ihm  darüber  gesprochen  ;  die  Instruktion  hat  Hannewald
  verfasst  und  Hertel  ihm  zugestellt”?  3.  Hat  derKaiser  gutwillig  und
wissentlich  die  Instruktion  ins  Reich  und  andere  Schreiben,  auch  die  Dekrete
welche  er  nach  dem  Einfall  an  dieStände  erliess,  unterschrieben  oder  hat  ihn
jemand  dazu  vermocht?  —  Der  Kaiser  hat  die  Unterschriften  gutwillig
gegeben.  T.  hat  die  Kommission  ins  Reich  nicht  sollizitiert;  zuerst  hätte
Leuchtenberg  zu  allen  Kurfürsten  ziehen  sollen;  dann  wurde  die
Schickung  ihm  aufgetragen,  obgleich  der  Landgraf  sie  nicht  von
sich  hat  geben  wollen.  T.  hat  gesagt,  wer  in  Böhmen  Blut  vergiessen
  wolle,  den  hole  der  Teufel;  er  hat  von  der  Absicht  der
Soldaten  nichts  gewusst  „sondern  contraria  decreta  gestellt,  wiewol
man  durcheinander  von  blutvergiessen  geredt;  aber  des  erzherzogen
intent  sei  die  union  der  kriegsleut  ins  werk  zu  bringen  gewest.“
4.  Wie  kommt  es,  dass,  wenn  man  diese  Vereinigung  anstrebte,  die
Obersten  sie  nicht  früher  vorwandten  als  drei  Tage  vor  dem  prager
Einfall?  Zweifellos  haben  sie  einen  anderen  Anschlag  gehabt.  —
T.  weiss  es  nicht:  in  der  Kanzlei  und  vom  Erzherzog  war  die  Abdankung
  ernst  gemeint  gewesen;  was  Sulz  und  andere  darüber  hinaustaten,
  kann  T.  nicht  verantworten.  b.  Es  gibt  ein  Originalschreiben
  Zuiiigas  an  Erzherzog  Leopold  vom  30.  Januar  1610,
worin  e8  heisst,  T.  habe  im  Namen  des  Erzherzogs  eine  heimliche
Hilfe  beim  König  von  Spanien  begehrt,  was  Zuniga  misbilligte;  T.
soll  sagen,  gegen  wen  diese  Hilfe  gemeint  war?  —  Damit  ist  die

ı  Dieser  Frageartikel  findet  sich  ins  spanische  übersetzt  auch  in  Sim.,
Fasz.  2497,  f.  267;  Zuniga  hatte  sich  das  Verhörsprotokoll  zu  verschaffen
gewusst.  Wegen  Leopolds  Bezielungen  zu  Frankreich  vgl.  no.  99.

?  Vgl.  oben  no.  67,  8.  154,  Anm.].

®  Nach  Gindely,  a.  a.  O.,  S.  60,  Anm.  3  vom  31.  Januar  1610.  Am
Rand  der  spanischen  Uebersetzung  des  ersten  Frageartikels  bemerkt  eine
Hand:  „Hallsron  los  Bohemios  al  Tegnagel  una  carta  original  ılel  embaxador
don  Balthasar  escrita  al  s.°"  archiduque  Leopoldo.  Ha  sido  a  proposito  que
ballasen  esta  carta  que  por  ella  so  vee  la  buena  fee,  con  que  en  esto  negocio
se  ‚ha  procedido.“
        <pb n="262" />
        März  14.

240  1611  101.

obige  Geldhilfe  gemeint,  die  dann  anderswohin  verwendet  wurde;  das  erwähnte
  Schreiben  Zunigas  an  den  Erzherzog  hat  er  mitgenommen,  um  Kurköln
  zu  beweisen,  dass  für  das  jülicher  Wesen  Geldhilfe  versprochen
worden  sei;  Zuuiga  hat  die  passauer  Werbung  niemals  gebilligt.

6.  Was  ist  mit  T.  sonst  mündlich  und  geheim  darüber  verhandelt
worden?  —  Er  weiss  von  nichts  als  dass  das  passauer  Volk  gegen  Jülich
geworben  wurde.  7.  In  Zunigas  Schreiben  heisst  es:  T.  habe  gesagt,
der  Erzherzog  wolle  mit  dem  jülicher  Volk  in  Böhmen  einfallen  und  sich
mit  dem  Fürsten  von  Teschen  vereinen,  der  an  den  schlesischen  und
mährischen  Grenzen  Volk  werben  solle.  Zu  welchem  Zweck  sollte
damals  der  Einfall  in  Böhmen  geschehen  ?  —  Das  passauer  Volk  sollte  sich
nur  auf  die  böhmische  Grenze,  das  teschner  auf  die  andere  Seite  legen.

8.  Warum  sollte  das  Volk  von  Jülich  an  die  böhmische  Grenze  rücken,
da  doch  das  Vorhaben  nach  Zunigas  Schreiben  ein  anderes  Ansehen  hat?  —
Er,  T.,  hat  dem  König  von  Spanien  im  Vorjahre  einen  Diskurs  geben  müssen,
warum  man  das  jülicher  Wesen  urgiere,  deshalb  nämlich,  weil  durch  das
Volk  und  die  Behauptung  Jülichs  dem  Kaiser  die  Waffen  in  den  Händen

.blieben  ;  dann  sollte  das  Volk  an  die  böhmische  Grenze  und  weiter  in

das  Gebiet  des  Matthias  geführt  werden.  9.  Warum  hat  man  in
der  Lausitz,  Schlesien  und  sonst  rings  um  Böhmen  geworben,  da  dies
Volk  doch  notwendig  ins  Land  [Böhmen]  hätte  rücken  müssen?  —
Das  Volk  sollte  um  die  Grenze  ‚herum  in  Matthias’  Land  geführt
werden.  Das  ganze  Wesen  war  überhaupt  nicht  gegen  die  Böhmen,
auch  nicht  zur  Kassierung  ihrer  Religion  und  ihrer  Majestätsbriefe
gemeint;  die  Politik  brachte  viel  mehr  mit  sich,  die  Krone  Böhmens
friedlich  für  Leopold  zu  erlangen;  T.  hat  darum  auch  absichtlich  und
mit  besonderer  Mühe  in  die  Unionsdekrete  die  Worte  gebracht:  „Wass
zuo  erhaltung  I.  M.'  hocheit,  auch  dieses  löblichen  königreichs  und  all
derselben  incorporierten  landen  ehr,  wolfahrt  und  privilegien  gehörig
und  dienlich  ist“!  10.  Wer  hat  im  geheimen  Rat  zu  diesem
Wesen  geraten?  —  Sulz,  Althban,  Hegenmüller,  Übezko;  T.  ist  erst
zuletzt  in  den  Rat  gelassen  worden  und  hat  sich  beschwert,  dass  man  in
seiner  Abwesenheit  Rats  pflege,  da  er  doch  als  geheimer  Rat  installiert
worden  sei.  11.  T.  hat  zuvor  bekannt,  wie  der  Erzherzog  Rat  halten
habe  lassen,  Thurn,  Fels  und  Lobkowitz  sicher  aus  dem  Weg  zu
räumen;  wo  und  wann  ist  dieser  Rat  gehalten  worden  und  wer,  besonders
  von  den  Böhmen,  bat  von  diesem  Anschlag  gewusst?  —  Beraten
wurde  in  Henkels  Haus;  Ramöe  hätte  d’e  fernere  Exekution  gegen  die
Alt-  und  Neustadt  vornehmen  sollen;  Ram&amp;amp;e,  Sulz,  Althan,  Ubezko  und
er,  T.,  waren  im  Rat,  der  nach  dem  Einfall  stattfand.  12.  Ist  es  richtig,
  dass  Thurn  und  andere  böhbmische  Herren  in  den  Häusern  auf
der  Kleinseite  überfallen  und  eingezogen  werden  sollten,  auch  dass
der  Anschlag  bereits  zu  Tabor  ba:ratschlagt  worden  sei?  —  T.  weiss
davon  nichts.  13.  Da  von  den  Bürgern,  besonders  von  den  welschen
auf  der  Kleinseite,  viele  auf  die  unsern  geschossen  haben,  soll  T.

ı  Vgl.  oben  no.  60,  S.  131,  Anm.  1.
        <pb n="263" />
        101.  1611  241

sagen,  wie  eie  dazu  bewogen  wurden  und  was  es  mit  dem  weissen  März  14
Zeichen  auf  sich  hatte?!  —  T.  weiss  auch  davon  nichts.  14.  Aus
anderen  Aussagen  ergibt  sich,  dass  die  gewisse  Absicht  bestanden  hat,
nicht  nur  die  genannten  drei  Personen  zu  köpfen;  was  hat  man  mit  den
anderen,  besonder:  den  zuvor  erwählten  Direktoren  (von  denen  man  sehr
schimpflich  geredet  bat)  im  Sinne  gehabt?  —  T.  weiss  nichts  anderes
als  dass  man  durch  gütliche  Mittel  und  durch  Liebe  die  Gemüter  der
Stände  beider  Religionen  gewinnen  wollte.  15.  T.  hat  zuvor  bekannt,
dass  er  im  Reich  sagen  sollte,  die  Böhmen  hätten  den  Landtagssch  luss
wegen  des  Kriegsvolk  vom  Kaiser  erzwungen  ;  wer  hat  das  beantragt  ?  —
Er  kann  sich  nicht  erinnern,  vermutlich  ist  der  Antrag  im  geheimen  Rat  erfolgt.
  15.  Da  T.  zuvor  öffentlich  bekannt  hat,  welche  Absicht  man
gegen  Matthias  wegen  der  Designation  in  Böhmen  und  wegen  der  andern
Länder  hatte,  so  soll  er  sagen,  waun  man  zu  dieser  Absicht  gekommen  sei,
weil  das  Volk  zuerst  vorgeblich  nach  Jülich  geworben  worden  war?  —  Das
passauer  Volk  war  zuerst  wirklich  gegen  Jülich  geworben;  als  der
Erzherzog  aber  von  Jülich  kam,  hat  er  die  Unmöglichkeit  eingesehen,
es  dorthin  zu  bringen.  17.  Warum  hat  man  das  Volk  nicht  damals
abgedankt?  —  Aus  Mangel  an  Geld.  18.  Es  waren  doch  damals
Mittel  zur  Abzahlung  vorhanden  und  hatte  man  soviel  Geld  eingebracht,
dass  man  es  davon  zufrieden  stellen  konnte.  —  Es  war  ein  geringes;
übrigens  haben  die  Kriegsobersten  dies  Wesen  gegen  des  Erzherzogs
Willen  und  Absicht  angesponnen.  19.  Wie  reimt  sich,  dass  der  Kaiser
schon  zuvor  die  Absicht  hatte,  den  König  zu  bekriegen  und  doch  wieder
das  Volk  abdanken  wollte?  —  Dem  Kaiser  ist  das  erstere  erst  nach  dem
Absagebrief  des  Königs?  in  den  Sinn  gekommen.  20.  Wie  kann  das
sein,  da  man  schon  vor  einem  Jahre  Anschläge  gegen  den  König  gemacht
  hatte?  —  „Das  sei  ja  wahr,  dass  damalen,  als  man  gesehen,  dass
das  gülchische  wesen  nicht  von  statten  gehn  und  glücken  wollen,  sei
man  an  den  anschlag  wider  den  konig  zuesambt  coniungirung  des
kriegsvolks,  so  in  Elsass  gelegen,  kommen  und  man  habe  wider  den
konig  hilfe  gesuecht.“  21.  Da  der  Kaiser  und  die  geheimen  Räte
nicht  nur  den  Kurfürsten  und  Fürsten  sondern  auch  den  Böhmen
stets  zugesagt  hatten,  dass  das  passauer  Volk  nicht  gegen  den  König  und
dessen  Lande  gemeint  sei  (was  nach  T’s.  Aussage  sich  anders  verhält),
&amp;amp;»  möge  T.  sagen,  wie  sie,  wenn  sie  ihre  Absicht  durchgeführt  hätten,
es  bei  den  Kurfürsten  und  jedermann  verantwortet  hätten?  —  Im
Rat  ist  darübor  nicht  gehandelt  worden;  unter  seinen  Sachen
hat  er  das  Konzept  einer  Verantwortung  mitbekommen,  die  anhebt:
„es  ist  land-  und  weltkundig  “  22.  Wussten  ausser  den  zuvor  genannten
  noch  andere  Personen  von  den  Ratschlägen?  —  Des  Erzherzogs
Beichtvater  P.  Henricus  Aquentius  war  anfangs  mit  im  Rat;  der
böhmische  Kammerpräsident  Dohna,  Slawata  und  Smezansky  haben  davon

!  Vgl.  oben  no.  84,  8.  186,  Anm.  2.
’  Vom  29.  Dezember  1610.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  16
        <pb n="264" />
        März  14.

März  14.

242.  1611  101—102.

gewusst  und  giengen  darauf  aus,  den  Erzherzog  gross  zu  machen;
Ladislaus  Berka  und  Hegenmüller  haben  den  Einfall  in  die  Kleinseite
widerraten  und  zwar  noch  am  Tag  zuvor;  Heidel!  war  stets  um  P.
Henricus  und  hat  gewiss  von  ihm  den  Handel  erforscht.  23.  Hat
der  Kaiser  von  dem  Blutbad  gründlichen  Bericht  erhalten,  durch
wen  und  was  hater  dazu  gesagt?  —  T.  weiss  es  nicht,  denn  er  war
nicht  bei  der  Audienz  des  Erzberzogs  anwesend.  24.  Auf  wessen
Geheiss  hat  man  einigen  Personen  vor  dem  Einfall  Salvaguar  dia
gegeben?  —  Wenn  der  Erzherzog  solche  erteilt  hätte,  hätte  T.  sie
unterschreiben  müssen;  er  weiss  von  keiner.  Leuchtenberg  konute  es
tun;  T.  selbst  hat  auf  Leuchtenbergs  und  anderer  Häuser  gedruckte
Adler  und  Salvaguardien  am  Tag  des  Einfalls  gesehen.  25.  Hat
der  Kaiser  wirklich  ein  Handschreiben  an  die  Obersten  der  Passaner
nach  Budweis  geschickt  und  sie  um  Gotteswillen  gebeten,  ihn  vor  der
Gewalt  der  Böhmen  zu  retten  und  unverzüglich  heranzurücken,  mit  dem
Andeuten,  als  wenn  die  Stände  den  Kaiser  belagerten  und  an  seiner
Person  Gewalt  üben  wollten?  —  „Es  hette  wol  geschehea  mögen  ;  er
halte  es  für  [k]Jein  figmentum;  dann  es  were  crimen  falsi,  wo  man
einige  schrift,  die  von  J.  M.®  nicht  kommen,  verlesen  hette.‘“
wi,  1IA1,  Ka.  2991;  Kop.

102.  Instruktion  des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern

für  Joachim  von  Donnersberg  und  Christoph  Ulrich

Elsenheimer  zum  Tag  der  oberländischen  Bundesstände
in  Augsburg.

Die  Gesandten  haben  den  Anwesenden  das  von  Mainz  wegen  der
Aufnahme  Kursachsens  Mitgeteilte  vorzutragen.?  In  Bezug  auf  diese
sollen  die  Gesandten  den  Bundesständen  gemäss  den  beiliegenden  Iustruktionen
  nach  Mainz  und  Graz?  die  Gründe  für  und  wider  ausführen  und
schliesslich  erklären:  da  die  rheinischen  Stände  nach  einem  Briefe
des  Kurfürsten  von  Mainz  sämtlich  für  die  Einnahme  Sachsens  und
dessen  Berufung  zum  nächsten  Bundestage  sind!  und  der  spanische
Botschafter  zu  Prag  laut  Beilage  geäussert  hat,  „dass  wider  seinen
könig  nit  sei,  mit  dem  haus  Sachsen  ein  verstand  zu  machen,“  da
also  die  Gegenbedenken  „etlicher  massen“  beseitigt  sind,  so  lassen
wir  uns  die  Berufung  Sachsens  zum  Bundestag  gefallen,  wenn  sie
den  Oberländern  genehm  ist.  Stimmt  die  Mehrheit  dafür,  so  ist
zu  beraten,  auf  welche  Weise  man  sich  mit  Sachsen  vereinen  soll:
am  besten  scheint,  Sachsen  nicht  als  Mitglied  in  den  Bund  aufzunehmen
  sondern  nur  eine  wechselseitige  Verpflichtung  zwischen  ihm

!  Georg  Heidel  von  Rassenstein,  Primator  von  Prag.
’  Vgl.  no.  31

®  Vgl.  oben  no.  4  und  no.  19,  S.  51,  Anm.  1.

*  Vgl.  oben  no.  %,  8.  201,  Anm.  1.

5  Vgl.  oben  no.  65.
        <pb n="265" />
        102.  1611  243

und  dem  Bunde  aufzurichten,  der  zufolge  hinfort  ewiger  Friede  und  März  14.
rechtes  Vertrauen  zwischen  beiden  Teilen  bestehen  und  keiner  den  andern
mit  der  Tat  beleidigen  oder  sich  mit  dessen  Gegnern  verbinden  soll;
jeder  Streit  soll  durch  gütliche  Verhandlung  oder  schleunigen  Kompromiss
erledigt  werden  und  soll  man  sich  gegen  Angriffe,  welche  der  Reichsverfassung
  und  dem  Religions-  und  Landfrieden  zuwiderlaufen,  mit  einer
zu  bestimmenden  Anzahl  Volks  gegenseitig  beistehen.  Sachsen  als  eigentliches
  Mitglied  inden  Bundaufzunehmen,  erscheint  bedenklich  und  sollen  die
Gesandten  sich  aufs  äusserste  bemühen,  dies  abzuwenden  und  die  vorgeschlagenen
  Mittel  durchzusetzen.  Entscheidet  sich  die  Mehrheit  trotzdem
fär  vollkommene  Aufnahme  Sachsens,  so  sollen  die  Gesandten  anzeigeu,
dass  wir  uns  zwar  dem  Beschlusse  nicht  widersetzen  werden,  jedoch  zu
bedenken  geben,  da  Mainz  dem  Hause  Sachsen  schon  eine  neue  Notel
für  die  beiderseitige  Vereinigung  zugeschickt  hat,  ob  es  den  katholischen
  Ständen  nicht  schimpflich  sei,  Sachsens  halber  ihre  alte
Notel  aufzugeben;  03  scheine  ratsamer,  entweder  Sachsen  auf  die  alta
Notel  einzunehmen  oder  es  sollen,  wenn  das  nicht  zulässig  wäre,  die  katholischen
  Stände  bei  ihrer  alten  Notel  bleiben  und  sich  zugleich  mit
Sachsen  auf  die  neue  mainzer  Notel,  falls  diese  nichts  Bedenkliches
enthält,  oder  wie  man  sonst  kann,  zu  einem  weitern  Bunde  vereinigen.
Begehrt  aber  Mainz  geradezu  die  Aufhebung  der  alten  Notel  oder
wollen  die  Oberländer  von  der  Aufnahme  Sachsens  überhaupt  nichts
wissen,  dann  ist,  um  den  Uebertritt  Sachsens  zu  den  Unierten  und
Unwillen  zu  verhüten,  der  Mittelweg  zu  empfehlen,  „dass  die  oberlendischen
  [stende  beisamen  verbleiben,  mit  den  reinlendischen
verainigungsstenden  guete  correspondenz  pflegten,  besagte  reinlendische
stend  aber  Sachsen  zu  sich  auf  die  von  Mainz  neue  verfasste  bundsnotl
  in  die  verain  ziechen,  wie  wir  dan  unser  tails  je  lenger  je  mehr
verspuren,  68  gebens  auch  die  bishero  vorgeloffne  reinische  actiones
zu  erkennen,  am  ratsambsten  zu  sein,  das  ain  abtailung  gemacht,
weil  man  einmal  sicht,  dass  mit  den  Reinischen  nit  vortzukommen,
uns  auch  nit  gemeint,  solcher  gestalt  das  bundsobristenamt  lenger
zu  tragen  sonder  dass  die  reinische  verainte  stend  aus  irem  mitl  ain
warklichen  bundsobristen  eligiern,  bei  deme  sie  auf  alle  fel  und  nit  bei
uns  hilf,  rat  und  beisprung  suchen.‘‘)!  —  Was  die  Aufnahme  der
Rechnungen  und  die  Erstattung  der  von  uns  und  dem  Bischof  von
von  Augsburg  geleisteten  Vorschässe  betrifft,  so  haben  die  Gesandten
die  beiliegenden  Rechnungen  vorzulegen?  und  auch  an  der  Prüfung  der

!  Die  eingeklammerte  Stelle  setzte  Donnersberg  in  die  zweite  Konzeptkopie
  ein;  der  Vordersatz  war  inbaltlich  schon  im  ersten  Entwurf  vorhanden
und  war  vom  Herzog  nicht  beanstandet  worden,  der  zweite  Teil,  der  die
Sonderung  der  Oberländer  von  den  Rheinischen  überhaupt  als  wünschenswert  bezeichnet,
  ist  dieAusführung  nachfolgender  eigenhändigen  Bemorkung  des  Herzogs
in  der  ersten  Konzeptkopie:  „wie  dann  aııch  ausser  dessen  vileicht  nit  gar  vnratsamb,
  dass  Jdergleichen  absonderung  vnd  verstandt  gemacht  wurde,  weil  doch
die  Beinle  i  nischen  den  last  den  herobern  vast  allain  auftragen  wollen.“

en.

16*
        <pb n="266" />
        März  14.

März  16.

244  1611  102—103.

Rechnungen  anderer  Stände  teilzunehmen.  Zur  Deckung  unser  Vorschüsse
  ist  stark  auf  die  Entrichtung  der  Rückstände  der  Prälaten  und
Grafen  an  der  Bundesquote  zu  dringen  und,  da  dieselben  nicht  ausreichen
werden,  zugleich  eine  neue  Steuer  zu  fordern,  von  welcher  auch  die  uns
und  dem  Bischof  von  Augsburg  durch  die  Musterplätze,  Durchzüge  und
Beistellung  der  Waffen  erwachsenen  Kosten  zu  ersetzen  sind.  Ueber
diesen  Punkt  sollen  sich  unsere  Gesandten  vorher  mit  den  Vertretern  des
Bischofs  von  Augsburg  verständigen.  —  Der  Versammlung  ist  auch  das
beiliegende  Gesuch  des  Koadjutors  von  Köln!  um  eine  Geldhilfe
zur  Bezahlung  der  in  seinem  Stift  liegenden  Besatzungen,  welche  zu
meutern  drohen,  vorzulegen  und  zu  empfehlen,  dass  die  Oberländer
eine  Summe  ‚‚gegen  vergleichung  der  rheinischen  cassa“  hergeben,
da  die  Rheinischen  den  Koadjutor  so  ganz  verliessen.  —  Würzburg
wird  Hilfe  gegen  Ansbach  nachsachen.  Die  Gesandten  sollen  befärworten,
  dass  man  den  Markgrafen  von  Ansbach  schriftlich  zum  Ersatz
der  Schäden  auffordere  oder,  falls  Güte  nicht  verfängt,  „sich  eines
schleunigen  austrages  vor  gewissen  erkiesten  richtern  vergleiche.“

Actum  München  den  14.  martii  1611.

°  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V.  no.  36,  f.  81;  Kpt.  von  Leuker;  —  f.  93;  erste  Kptkopie
mit  elgenhändigen  Aenderungen  und  Bemerkuugen  des  Herzogs;  —  f,  85;  zweite  Kptkopie
mit  Aenderungen  Donnersberg;  —  Ma.,  399|13,  f.  125;  dritte  Kptkopie  mit  Aenderungen
Donnersbergs  und  Jochers.?

103.  König  Philipp  III  an  Zuniga,

„Despues  de  firmado  las  cartas  que  van  con  esta  de  los  12  del
presente,  se  me  han  dado  los  tres  papeles  inclusos  que  contienen  lo
que  por  ellos  vereys  agerca  de  desviar  al  archiduque  Leopoldo  de
sus  pretensiones  y  aconsejar  y  declarar  mi  voluntad  a  su  hermano
mayor,  y  aunque  estando  Vos  tan  al  cavo  de  todo  lo  de  alla  no  Os
hazen  falta  estos  papeles,  todavia  he  querido  embiaroslos  y  deziros
juntamente  lo  que  se  me  ofreco  para  que  segun  el  estado  de  las
cosas  hagays  lo  que  mejor  Os  paregiere.

Lo  primero  que  se  deve  procurar,  es  apartar  al  archiduque
Leopoldo  de  las  quimeras  en  que  le  han  metido  y  para  esto  he
escrito  a  Roma,  que  de  parte  del  papa  se  hagan  los  offigios  negesarios
sobrello  y  Vos  podriades  acordar  al  mismo  archiduque  lo  que  la
serenisima  archiduquesa  su  madre  le  pidio  al  tiempo  de  su  muerte,
de  que  siguiese  el  camino  de  la  yglesia  y  la  palabra  que  el  la
dio  y  el  respeto  que  esta  obligado  a  tener  a  su  hermano  mayor  Y
mas  siendo  tal;  en  cuya  platica  podriades  entrar  en  ocasion  de  con-I

  Vgl.  oben  no.  87.

?  In  Bamberg,  Kriegsakten,  I.,  f.  404  liegt  das  Konzept  der  bambergischen
  Instruktion  für  den  Hofmarschall  Johann  ÖOnuphrius  von  Pellheim  vom
10.  März:  Wegen  der  Einnahme  Sachsens  hat  sich  P.  der  Meinung  Baierns
zu  akkomodieren;  doch  soll  vor  der  Aufnahme  die  Zustimmung  Spaniens  und
des  Papstes  eingeholt  werden;  keinesfalls  darf  aber  der  jülicher  Streit  in
die  Bundesangelegenheiten  gezogen  werden.
        <pb n="267" />
        103.  1611  245

tinuarlas  que  con  el  aveys  tenido  estos  dias  en  la  misma  materia,  März  16.
fuandandolo  en  que  yo  trato  desto  por  su  mismo  bien  y  pues  conforme
  a  lo  que  me  avreys  scrito  el  Os  ha  dado  intengion  de  querer
venir  por  aca  le  inclinareys  a  ello,  si  vieredes  que  con  apartarle  de
ahi  se  han  de  atajar  sus  disignios  y  acomodarse  las  cosas  como
conviene.  —

El  otro  punto  que  es  aconsejar  al  archiduque  Ferdinando  lo
que  deve  hazer  tiene  mucha  dificnitad,  pero  su  modestia  y  el  termino
  con  que  escrive  es  muy  loable  y  justo  mirar  mucho  por  sus
cosas.  YVos  teneys  orden  para  los  tres  en  quien  se  dessea  que  cayga  la
dignidad  de  rey  de  Romanos  y  assi  Os  remito  que  le  satisfagais
por  el  termino  que  sabreys,  dandole  la  carta  que  va  con  esta  del
tenor  que  vereys  por  su  copia  y  a  entender  el  mucho  caso  que
hago  del  y  que  en  qualquiera  que  se  ofrezca  ha  de  hallar  en  mi
notable  ayuda;  pero  en  la  forma  de  la  elecion  guardareys  la  orden
que  teneys  de  los  tres  por  sus  grados:  es  a  saver  el  rey  Matias,
archiduques  Ferdinando  o  Alberto,  el  que  mas  facilmente  yudiere
salir  y  no  vendreys  en  Leopoldo,  sino  fuere  en  peligro  conogido  de
que  por  desbiar  esto  aya  de  caer  la  dignidad  on  alguno  fuera  de  la
casa  de  Austria,

Tambien  se  Os  embian  cartas  en  Vuestra  creengia  con  sus  Copias
para  el  dicho  rey  y  para  los  archiduques  Maximiliano  y  Leopoldo,
de  las  quales  usareys  como  mas  vieredes  convenir  advirtiendo
que  estas  cartas  y  las  que  se  acusan  on  las  de  12  deste  son  todas  unas.

Assi  mismo  se  Os  embia  carta  para  el  duque  de  Baviera!  de
la  sustangia  que  vereys  por  la  copia  della,  por  entenderse  que  es  el
quien  debe  de  fomentar  mas  esto  de  Leopoldo  para  encaminar  con
el  el  casamiento  de  su  hermana.  Desta  carta  usareys  tambien
  quando  y  como  Os  pareciere.

Tras  lo  dicho  se  ha  considerado  que  seria  bien  diesedes  a
entender  al  rey  Matias  como  yo  desseo  que  cayga  en  su  persona
aquella  dignidad  y  que  desbio  como  mejor  puedo  lo  de  Leopoldo;
pues  con  esto  se  sosegara  el  dicho  rey  y  teniendo  el  la  dignidad,
supuesto  que  esta  sin  hijos,  es  el  camino  derecho,  para  que  despues
venga  en  Ferdinando  y  de  excluir  por  aqui  a  Leopoldo.

Todo  esto  he  querido  apuntar  para  que  tengays  entendida  mi
voluntad,  pero  fio  tanto  de  la  prudencia  y  acertamiento  con  que
procedeys  que  me  parece  lo  mejor  remitiros  como  lo  hago,  para  que
progedays  en  ello  segun  el  estado  de  los  negocios  como  que  ba

dicho.“
Sim,  Fasz.  2453,  f.  385;  Kpt.?

*  Deutsches  Beglaubigungsschreiben  vom  14.  März:  da  der  König
des  Herzogs  Eifer  für  des  Reiches  Nutzen  und  Einigkeit  kennt,  hat  er
Zuniga  befoblen,  den  Herzog  deshalb  mündlich  oder  schriftlich  anzureden
(Ma.,  292/10,  f.  5;  Or.).

?°  Zusammengesetzt  aus  den  Voten  des  Commendador  mayor  von  Leon
nad  des  Herzogs  von  Lerma  in  der  Sitzung  des  spanischen  Staatsrats  vom
12.  März;  Protokoll  in  Sim.,  Fasz.  709,  f.  187  von  Arrosteguis  Haud.
        <pb n="268" />
        März  16.

246  1611  104.
104.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  den  von  Mainz.

E.  L.  erinnern  sich  noch  der  Beschwerde  des  Königs  Matthias  über
den  Einfall  des  passauer  Kriegsvolkes  und  seines  Ersuchens  um
Hilfe  bei  E.  L.,  bei  uns  und  unseren  Mitkurfürsten  und  bei  den  Fürsten,
die  in  Prag  waren.  Darüber  haben  wir  E.  L.  schon  am  10./20.  Januar
geschrieben  ;!  aus  den  Zeitungen  werden  E.  L.  den  weiteren  Verlauf
vernommen  haben.

Nun  ist  zwar  das  pascauer  Kiiegsvolk,  als  es  mit  seinen  Befehlshabern
  merkte,  dass  es  seine  Absichten  nicht  ausführen  könne,  dass
es  auch  gegen  das  Volk  der  böhmischen  Stände  und  die  von  Matthias
geschickte  Hilfe  zu  schwach  sei,  am  12.  [!]  nachts  von  Prag  wieder
aufgebrochen,  hat  aber  durch  seinen  Einfall,  besonders  aber  durch  die
Aussagen  Tengnagels  über  heimliche  Praktiken,  von  denen  ich  E.  L
einige  Nachrichten  schicke,?  Anlass  gegeben,  dass  nunmehr  zwischen
dem  Kaiser  auf  der  einen  und  den  böhmischen  Ständen  und  König
Matthias  auf  der  anderen  Seite  ein  schwer  zu  beseitigendes  Mistrauen
  bestaht.

Da  das  Geschehene  und  die  sonst  geplanten  Praktiken  dem  prager
Vertrag  zuwiderlaufen,  der  Ka’'ser  wegen  der  böhmischen  Krone  gefährdet
  und  das  ganze  Königreich  Böhmen  in  solche  Unruhe  und
Aufstand  gesetzt  ist,  dass  schwerlich  Mittel  der  Abhilfe  zu  finden
sein  werden,  so  ersuchen  wir  E.  L.  um  Dero  Gutachten,  was  Sie  von
all  dem  halten  und  wie  Sie  dem  abzrhelfen  vermeinen.  Wir  sind  sowol
vom  Kaiser  als  vom  König  durch  besondere  Gesandten  um  Hilfe
ersucht  worden,  haben  uns  aber  bisher  keinem  Teil  beipflichtig  machen
wollen  sondern  uns  durch  Schreiben  und  Schickung  dahin  erklärt,’

1  Vgl.  die  oben  in  no.  9,  S.  24,  Anm.  1  angezogenen  Schreiben.

?  Pfretzschner  hatte  Tengnagels  Aussagen  (wahrschein!'ch  nur  die  erste
und  zweite)  am  15.  März  an  Kaspar  von  Schönberg  geschickt  (Dre.,  1.  9166,
I.  Buch  pessauer  Kriegsvolk,  f.  395;  Or.  eigh.).

®  Wegen  der  Schickung  des  Minckwitz  vgl.  oben  no.  67,8.  154,  Annı.'1,  wegen
der  Schickung  des  Wild-  und  Rbeingrafen  vgl.oben  no.9,  8.24,  Anm.1.  Der  Be
scheid  an  Minckwitz  erfolgte  am  7.  März;  vgl.  oben  no.  80,  8.178,  Anm.3.  —
Als  Antwort  auf  die  Werbung  des  Wild-  und  Rheingrafen  schrieb  der  Kurfürst
  von  Sachsen  am  5./15.  März  an  den  König:  Matthias  werde  sich
hoffentlich  mit  der  Erklärung  und  dem  Erbieten  zufrieden  geben,  das  Braunschweig
  und  Zollern  überbrachten,  und  ihn,  den  Kurftirsten,  nicht  weiter
zum  Beistend  auffordern;  dass  der  König  sich  auf  die  kaiserliche  Werbung
noch  nicht  befriedigend  erklärt  habe,  müsse  den  Kaiser  allerlei  Nachdenken
verursachen;  der  Kurfürst  werde  an  dem  prager  Vertrag  festhalten  und
sich  mit  andern  wider  den  finden  lassen,  der  des  andern  Lande  feindselig
überzieht  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  319;  Kpt.  von  Schönberg).  —  In  einem  zweiten
Schreiben  an  den  König  vom  gleichen  Tag  verwahrt  sich  der  Kurfürst  gegen
den  vom  königlichen  (esandten  ausgesprochenen  Verdacht,  dass  er  gegen
Matthias  keine  besondere  Affektion  trüge  (Dre.,  1.  8549,  Schreiben  Budolfs  IL  au
Christian  II.  ;  Kpt.).  —  Wesentlich  freundlicher  lautete  die  Antwort  des  Kurfürsten
vom  8./18.  März  auf  das  Anbringen,  das  die  böhmischen  Stände  schriftlich  (vgl.
oben  no.  81)  und  durch  Schickung  taten.  Der  Kurfürst  versicherte,  er  werde
        <pb n="269" />
        104.  1611  247

dass  wir  an  dem  prager  Vertrag  festhalten  und  uns  wider  den  setzen  März  16.
werden,  der  des  andern  Lande  feindselig  angreift  und  zu  Unfrieden
Ursache  gibt.

Da  wegen  des  unveranwortlichen  Beginnens  und  der  weiterhin  beabsichtigten
  Praktiken  Erzherzog  Leopold  bei  männiglich,  besonders
aber  bei  den  Evangelischen  in  starkem  Verdacht  und  Nachrede  ist,
wodurch  das  Mistrauen  zwischen  den  katholischen  und  evangelischen
Ständen  nur  vermehrt  wird,  so  stelle  ich  E.  L.  anheim,  dem  Erzherzog
  dies  Vornehmen  zu  verweisen,  ihn  an  den  aufgerichteten  und  von
ihm  mitbesiegelten  Vertrag  zu  erinnern  und  ihn  von  aller  Tätlichkeit  abzumahnen.
  Wenn  dies  unterbleibt  und  der  Erzherzog  weiteres  tentiert,
so  sorgen  wir,  dass  es  einen  solchen  Aufstand  im  Reiche  verursachen
wird,  dass  er  lange  nicht  zu  dämpfen  und  dem  Urheber  samt  Anhang
zu  unwiderbringlichem  Schimpf  und  Nachteil  geraten  wird.  Datum  Glücksburg
  den  6.  martii  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  23.  martii  1611.

Drs.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Kriczsvolk,  .  885;  Kop.  —  Wms.,  Reichstagsll
aktenr,  Fasz.  103c.,  no.  4;  Or.!
bei  der  ibm  bekannten  Treue  der  Stände  gegen  den  Kaiser  keinerlei  Beschuldigungen
  glauben;  da  die  Stände  gewiss  bei  solcher  Treue  verharren
werden,  so  sei  eine  besondere  Erinnerung  dazu  überflüssig.  Er  könne  ihnen
nur  raten,  den  Kaiser  zu  respektieren,  zwischen  ihm  und  friedhässigen  Leuten
zu  unterscheiden  und  deren  schädliche  Praktiken  dem  Kaiser  nicht  entgelten
zu  lassen;  auch  an  den  Kompaktaten  mit  den  Katboliken  mögen  die  Stände
treulich  festhalten  (Dres.,  ).  9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  359;  Kpt.
von  Schönberg).  —  Dies  Schreiben  gefiel  trotzdem  den  Kaiserlichen  sehr  wol,
Pfretzschner  bericht»t  am  20.  April  an  Schönberg:  „Mirum  est,  quo  applausu
reeipiantur  literae  Ser.@!  ad  status.  Werden  über  die  massen  gerühmet  tam
propter  res  quam  verba.  Die  herrn  lardofficirer  haben  mich  umb  eine
copei  ansprechen  lassen,  viel  kaiserliche  räthe  und  cammerer,  abgesanten,
agenten,  ihren  herm  principaln  zuzuschreiben.“  Es  gibt  schon  an  tausend
Abschriften  davon.  „Die  herrn  stände  aber  lassen  sich  verlauten,  dass  sie
in  der  antwort  die  feder  wieder  spitzen  wollen,  dessen  man  erwarten  muss®
(Drs.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  188;  Or.  eigh.).

2  Der  Kurfürst  von  Mainz  erwiderte  am  26.  März  mit  der  Aufzählung
dessen,  was  er  beim  Kaiser  und  bei  Erzherzog  Leopold  zur  Einhaltung  des
prager  Vertrags  getan  habe;  er  habe  auch  sogleich  nochmals  an  den  Errherzog
  ein  abmahnendes  Schreiben  gerichtet.  Wie  dem  Kaiser  zu  helfaı
sei,  darüber  habe  er  schon  eifrig  nachgedacht,  vorerst  aber  eine  Verständigung
  mit  den  andern  Kurfürsten  hierüber  unterlassen.  Da  aber  auf
seine  verschiedenen  Erinnerungsschreiben  an  den  Kaiser  nar  die  Vertröstung
auf  eine  Abordnung  [die  Tengnagels)  erfolgt  sei,  diese  aber  ausbleibe,  inzwischen
die  Nachricht  von  der  Einnahme  der  kaiserlichen  Residenz  eingelaufen  sei,  so
habe  er  sich  schon  vor  Eintreffen  des  kursächsischen  Schreibens  entschlossen,  an
alle  Mitglieder  des  Kurvereins  Abordnungen  zu  tun,  um  zu  vernehmen,  ob
man  sich  wegen  dieser  wichtigen  Sache  nicht  bei  einer  persönlichen  Zusammenkunft
  resolvieren  solle  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Fasz  103c,  00.6;  Kpt.
—Drs.,  a.a.0.,  f.516;  Or.;  vgl.  unten  no.  111).  —  Das  Schreiben  von  Kurmainz
  an  Erzherzog  Leopold  vom  26.’  März  enthält  Vorstellungen,  wie  dem  Kaiser
und  dessen  ganzem  Hause  aus  dem  böhmischen  Wesen  die  grösste  (Gefahr
zuwachsen,  ja  sogar  im  Reich  ein  schwer  zu  stillender  Aufstand  entstehen
könnte;  der  Erzherzog  möge  daher  die  unverzügliche  Abdankung  des
Kriegsrolkes  und  die  Einhaltung  des  prager  Vertrags  befördern  helfen
(Wmz.,  a.  a.  OÖ.  no.  5;  Kpt.).  —  Das  kursächsische  Schreiben  sowie  das
Schreiben  an  Leopold  wurde  am  27.  März  von  Kurmainz  dem  Kurfürsten
von  Köln,  gewiss  auch  dem  von  Trier  mitgeteilt  (Ma.,  39/9,  f.  25;  Kopie).
        <pb n="270" />
        März  17.
bis  30.

108.  1611  248

105.  Hans  Meinhard  vonSchönburg  an  den  Kurfürsten
von  Brandenburg.

(Tagebuch  seiner  Schickung  zu  König  Matthias.)

Am  17.März  kam  ich  in  Iglau  an  und  traf  dort  den  jägerndorfschen
  Gesandten  und  den  Landeshauptmann  von  Mähren,  Zierotin.  Nach
deren  Gutachten  meldete  ich  mich  tags  darauf  beim  Oberstkämmerer
Meggau,  der  mein  Beglaubigungsschreiben  abforderte  und  mich  fragen
liess,  ob  ich  geheime  oder  öffentliche  Audienz  beim  König  begebre.  Ich
entschied  mich  für  jene.  Die  Audienz  fand  am  Nachmittag  fim  3  Uhr
statt,  die  Werbung  legte  ich  entsprechend  der  Instruktion  ab.!
Der  König,  der  allein  war,  wiederholte  alle  Punkte  der  Werbung,  bedankte
  sich  und  erklärte  sich  zur  Fortsetzung  der  Korrespondenz  bereit;
ausserdem  misbilligte  er  sehr  den  Einfall  der  Passauer  und  äusserte,

-dass  er  eben  im  Begriff  sei,  nach  Prag  zu  ziehen,  um  weiterm  Unheil
  vorzubauen:;  er  empfahl,  dass  auch  die  Nachbarn  sich  vorsähen
und  versprach  mir,  mich  vor  seiner  Abreise  noch  einmal  rufen  zu
lassen,  um  auf  mein  Anbringen  ausführlicher  zu  antworten;  schliesslich
fragte  er,  ob  E.kfl.  Gn.  nunmehr  mit  Sachsen  verglichen  seien,  worauf
ich  antwortete,  dass  ich  es  für  gewiss  hielte.  Der  König  dankte  auch,
dass  Dero  Gemahlin  ihm  wiederholt  geschrieben  habe  und  versicherte,
des  Hauses  Kurbrandenburg  treuer  Freund  bleiben  zu  wollen.

Am  19.  nachmittags  liess  der  König  mich  rufen  und  sprach
fast  dreiviertel  Stunden  lang  mit  mir,  dankte  nochmals  für  E.  kfl.  Gn.
gute  Intention  und  erbot  sich  auf  mein  Begehren,  falls  sich  das  passaner
Volk  ins  Kurbrandenburgische  oder  ins  Reich  flüchten  würde,  E.  kfl.  Gn.
beizustehen,  Sie  von  den  prager  Vorgängen  zu  benachrichtigen  „und
[dass  sie]  keinen  generalaccord  oder  ende  der  sachen  machen  wolten,
sie  hetten  es  den  E.  kfl.  Gn.  sampt  Deren  mitunierten  verstendiget.‘‘  Der
König  will  auch  Reichard  von  Starhemberg  zum  Unionstag  abordnen,  den
Unierten  den  gegenwärtigen  Zustand  berichten  und  sich  ihnen  empfehlen.
Ich  habe  darauf  laut  meiner  Instruktion  den  König  E.  kfl.  Gn.  und
aller  Unierten  Affektion  versichert,?  „dass  die  geneigt,  I.  kgl.

ı  Vgl.  oben  no.  78.

?  In  einem  besondern  Bericht.  über  die  Unterredung  vom  19.  März
hat  Schönburg  sein  Anbringen  noch  weiter  ausgeführt.  Er  bat  den  König,
er  möge  dem  Kurfürsten  und  der  Kurfürstin  antworten  und  versprechen,
ihnen  in  der  jülichschen,  preussischen  und  jägorndorfischen  Sache  stets  günstig
zu  sein;  dadurch  werde  der  König  sich  das  ganze  Haus  Brandenburg,  Kurfalz

  und  deren  Anhang  verpflichten.  Es  wäre  auch  gut,  dem  Administrator
in  Heidelberg  den  Titel  zu  geben,  wenn  es  noch  nicht  geschehen  ist,  da  es
Frankreich,  England,  Dänemark,  die  geistlichen  Kurfürsten,  Brandenburg,
Baiern,  Lothringen,  die  Erzherzoge  Maximilian  und  Albrecht  und  die  Generalstaaten
  tun.  Nützlich  wäre  auch,  wenn  der  König  sich  der  bewusten  fürstlichen
  Person  sowol  jetzt  als  in  den  Reichsangelegenheiten  bediente;  diese  würde
sich  gewiss  auf  Erfordern  bei  ihm  einstellen;  das  würde  bei  den  Ständen
hier  grosses  Vertrauen  und  grössern  Eifer  machen  und  ihm  im  Reich  mehr
        <pb n="271" />
        108.  1611  249

M.!  (da  sie  gewiss,  dass  I.  kgl.  M.'  rund  mit  ihnen  handelten,  den  März  17.
religionsfriden  confirmirten,  alle  unordentliche  processen  abschafften,  bis  30.
sich  von  bösen  leuten  nicht  abwenden  liessen)  in  allen  deren  rechtmessigen
  fürnemen  die  hand  zu  bieten.“  Darauf  sagte  der  König
lachend:  „Was  ich  zusage,  will  ich  halten  ;  habe  heute  den  böhmischen
ständen  ihren  begerten  revers  und  assecuration  wegen  ihrer  freiheit
und  religion  underschrieben,  wiewol  viel  darwider  gewesen.“  Ich:
Man  mistraut  im  Reich  durchaus  nicht  E.  M,  „aber  den  bösen
corrumpirten  leuten,  die  stets  E.  kgl.  M.'  in  den  ohren  liegen,
Dieselbige  irre  machen,  es  sei  wider  E.  kgl.  M.‘  gewissen,  treuen
Dern  mit  der  excommunication,  dan  sich  an  ein  anderen  hangen,
E  kgl.  M.!  umb  land  und  leut  zu  bringen.  So  jederzeit  E.  kgl.
M.  von”  solchen  leuten  sich  commendiren  oder  ufs  wenigst  guberniren
lassen,  so  würd  erfolgen,  dass  sie  E.  kgl.  M.'  bei  Dero  landen  und
im  ganzen  reich  so  verhasset  machen,  dass  solche  leut  zu  dero
intent  leicht  kommen  werden.  E.  kgl.  M.'  wissen,  dass  nicht  allein
der  erzherzog  Leopold  sonder  andere  practiciren,  E.  kgl.  M.!  in  Dero
jetzigem  stattlichen  vorhaben  oder  vorstehender  gelegenheit  zu  hindern
und  die  auf  sich  zu  bringen;  dan  solche  leut  seind  so  schlecht  nicht,
dass  sie  nicht  täglich  und  nun  40  jahre  hero  gesehen,  dass  allen
romischen  catholischen  potentaten  zusammen  nicht  möglich  ist,  die
religion  zu  endern  und  uns  auszurotten.‘“  E.  kgl.  M.'  mögen  nur
bedenken,  was  Dero  Vorfahren  veranlasst  hat,  den  Religionsfrieden
zu  errichten  und  zu  erhalten  und  wie  es  denen  gegangen  ist,  welche
die  Gewissen  zwingen  wollten.  Was  hat  die  Liga  in  Frankreich
ausgerichtet,  welchen  Nutzen  hat  der  König  von  Spanien  in  den
Niederlanden  geschaffen,  wo  nur  eine  Hand  voll  Volkes  war,  von
dem  Alba  fast  die  Hälfte  verbrannte  uder  hinrichten  liess?  Als  der
König  die  Lande  endlich  verloren  und  die  Gefahr  für  sein  eigenes
Königreich  gemerkt  hatte,  hat  er  sie  um  Frieden  ersuchen  und  ihnen
wider  ceine  Reputation  alles  zugestehen  müssen.  Damals  hatten  die
evangelischen  Stände  keine  Verfassung,  keine  Macht,  keine  Hilfe
und  keinen  Trost  sondern  hatten  fast  alles  wider  sich;  jetzt  haben
sie  stattliche  Bündnisse  und  Unionen,  ihre  Macht  ist  durch  die  Verfolgung
  viel  grösser  geworden,  die  katholischen  Potentaten  sind  unter
einander  nicht  einig  und  will  wegen  der  Partikularinteressen  einer
des  andern  Aufkommen  nicht  leiden;  darum  ist  ihre  Macht  geteilt.

Ansehen  geben,  zumal  jetzt  noch  die  Sache  Haken  habe  und  deren  täglich  mehr
bekomme.  Der  König  möge  die  jetzige  Gelegenheit  wol  in  Acht  nehmen
und  in  diesen  Traktationen  fortfahren,  den  Gegnern  zu  Praktiken  und  Auswegen
  keine  Zeit  geben  und  der  Eifrigen  Herz  nicht  erkalten  lassen,  daher
jetzt  nieht  aussetzen,  bis  er  seinen  Zweck  erreicht  habe  (Eybach,  a.  a.  O.,
no.  48;  Kopie)

!  Der  Revers,  vom  17.  März  aus  Iglau  datiert!,  ist  gedruckt  bei
J.  Du  Mont,  Corpe  universel  diplomatiqne  du  droit  des  gens;  V.2,  Amsterdam
  et  &amp;amp;  la  Haye,  1728,  S.  160  nach  J.  Ch.  Lünig,  Teutsches  Reichsarchiv;
  Pars  specialis,  1.,  8.  71.
        <pb n="272" />
        März  17.
bis  30.

250  1611  106.

Das  alles  wissen  jene  „corrumpierten‘  Leute,  woraus  ersichtlich  ist,
dass  sie  nicht  E.  M.!  sondern  eines  andern  Nutzen  suchen.  Da  man
aber  von  zweien  das  kleinere  Uebel  wählen  soll,  E.  M.*  Ihrer
Religion  durch  Verfolgnng  keinen  Nutzen  schaffen  und  Gottes  Wille
nicht  zu  ändern  ist,  so  können  sich  E.  M.'  keinen  grösseren  Namen
machen  als  wenn  durch  Sie  die  Christenheit  zum  Frieden  kommt,  Sie
von  jedermann  geliebt  werden,  die  Flüche  über  die  Verursacher  des
Krieges  in  Gebete  sich  wandeln  und  Sie  alle  Ihre  Inftentionen
erreichen,  ohne  Blut  zu  vergiessen,  ohne  jemanden  in  seiner  Religion
zu  verletzen  und  ohne  das  Weltliche  dem  Geistlichen  vorzuziehen  ;
Sie  tun  damit  auch  nichts  neues  oder  praejudizierliches  sondern  treten,
nur  in  die  Fusstapfen  Ihrer  Vorfahren,  lassen  zu,  was  recht,
christlich  und  unabänderlich  ist,  kommen  ohne  Gewalt  in  das  Rsgiment
und  werden  sich  im  Reich  bei  beiden  Religionsparteien  geliebt  und
geachtet  und,  weil  Sie  mit  denselben  einig,  sich  und  das  ganze
Reich  bei  den  Fremden  „wieder  estimirt  und  gefürchtet  machen.‘“!
Der  König  erwiderte  darauf,  die  evangelischen  Stände  könntsn
nicht  sagen,  dass  er  sie  beschwert  hätte,  „begehr  es  auch  nimmermehr
  zu  thun“  —  Ich:  Der  spanische  und  päpstliche  Gesandte  und
Oberst  „Kain?“  haben  sich  bemüht,  E.  M.'  Aufbruch  von  Iglau  um

ı  Nach  demin  Anm.  2  auf  S.  248  angezogenen  Bericht  führte  Schönburg  noch
weiter  aus:  er  könne  aus  genauer  Kenntnis  des  Zwecks  und  der  Beschaffenheit
  der  Union  den  König  versichern,  dass  weder  die  Unierten  noch  die
Evangelischen  etwas  offensives  gegen  die  Katholischen  vornehmen  wollen.
Di»  Ursache  ihrer  Verbindung  und  ihres  bisherigen  Wachstums  sei  eben
die  Verfolgung,  da  sie  sahen,  wie  man  täglich  gegen  sie  praktiziere,
Neuerungen  vornehme  und  sie  für  Ketzer  halte,  denen  man  keinen  Glauben
zu  halten  brauche.  ])arum  seien  die  Unierten  unter  einander  und  mit  Ansländera
  ein  Defensionsbündnis  eingegangen,  aber  nur  um  ihre  Religion,
Gewissen,  Freiheit  und  Lande  zu  schützen,  nicht  um  etwas  gegen  die
katholische  Religion,  deren  Fürsten,  Lande  und  Freiheiten  vornehmen  zu
wollen,  wie  friedhässige  Leute  vielleicht  vorgeben.  Der  König  würde  in  der
Tat  die  Unierten  als  treue  Freunde  erkennen.  Wollten  schon  die  Kurfürsten
und  Fürsten  der  Union  etwas  anfangen,  so  würden  darauf  die  andern  Stände
nicht  eingehen  und  die  Union  gelrennt  werden;  auch  würde  es  dem  einen
Fürsten  nichts  helfen,  wenn  der  andere  ein  Land  gewänne.  Misgunst  regiere
überall.  Es  fehle  nicht  an  Mitteln  zu  einer  Vergleichung,  wonach,  wene
ein  Teil  den  Frieden  brechen  wollte,  die  andern  ihn  im  Zaume  halten  und
bestrafen  könnten;  beide  Teile  könnten  friedlich  neben  einander  leben  und
sei  eg  ein  Irrtum,  wenn  einige  meinen,  sie  könnten  die  Welt  allein  unter
sich  haben  und  darin  nur  eine  Religion  dulden.

?  Zuniga  und  der  Nuntius  trafen  am  16.  März  in  Iglau  ein  und  hatten
am  17.  beim  König  Audienz;  unmittelbar  hinter  ihnen  kam  der  Oberst  Marx
Freiherr  von  Bock  mit  einem  kaiserlichen  Handschreiben  an  den  Herzog,
von  Braunschweig,  worauf  auch  diese  beiden  beim  König  Audienz  hatten
(Mägerles  Tagebuch  des  königlichen  Zuges  nach  Böhmen  vom  16.  bis  19.  März;
Wi.,  I  A  1,  Succession,  Ka.  29%;  Kopie).  Schönburg  dürfte  den  Obersten
Beck  mit  dem  Obersten  „Kain“,  d.  i.  Johann  Eusebius  Khuen  zu  Belasy,
Freiherrn  auf  Lengbach,  Obersten  zu  Komorn,  verwechselt  haben.  —
Von  Zunigas  Anbringen  schreibt  Wenzel  von  Kinsky  am  18.  Märzt  aus
Deutschbrod  an  den  König:  die  Werbung  bestehe  nach  Zufigas  eigener
        <pb n="273" />
        105.  1611  251

einige  Tage  zu  verzögern;  als  sie  sahen,  dass  es  nichts  half,  haben
sie  gesagt:  in  Gottes  Namen;  E.  M.'  mögen  nur  sehen,  dass  Sie
nichts  der  Religion  oder  Dero  Haus  praejudizierliches  vornehmen.  —
Darauf  erinnerte  der  König  den  Hofmarschall!  nochmals,  morgen
aufzubrechen.  Als  dieser  einwandte,  dass  morgen  Sonntag  sei,  sagte
der  König:  ‚‚weiss  ichs  doch  wol;  es  ist  eben  viel,  ich  will  und
muss  vort.‘‘

Sonntag  den  20.  März  ist  der  König  mit  dem  ganzen  Hofstaat,
800  Pferde  stark,  aufgebrochen;  500  Pferde  des  Obersten  Goltz  und
150  Musketiere  begleiteten  ihn;  das  Nachtlager  nahm  er  in  Deutschbrod,
  wo  der  Magistrat  ibn  als  König  von  Ungarn  und  Böhmen
empfieng  ;  die  Nacht  über  hielt  eine  lteiterkompagnie  auf  dem  Markt  die
Wache.  Morgens  um  6  Uhr  [21.  März]  stieg  der  König  wieder  in  den
Wagen;  als  der  spanische  Botschafter  des  Königs  Entschluss  sah,  reiste
er  voraus  und  billigte  nochmals  des  Königs  Reise,  weil  kein  anderes
Mittel  sei.  Der  Herzog  von  Braunschweig  war  wieder  auf  dem  Rückweg
von  Prag  zum  König;  als  er  aber  des  Königs  Vortrab  gesehen  und
Zuniga  gesprochen  hatte,  hat  er,  ohne  den  König  anzusprechen,
umgewendet  und  sich  nur  in  einem  Schreiben  an  Losenstein  beschwert.?
  Abends  kam  der  König  in  Czaslau  an,  wo  Herberstein
mit  1000  puchheimschen  Pferden  und  500  Musketieren  unter  Ferdinand
Kollonitsch  zu  ihın  stiessen.  Bei  der  Ankunft  daselbst  überbrachte
der  kaiserliche  Stallmeister  Wallenstein  dem  König  ein  Schreiben  des
Kaisers?  und  kehrte  am  nächsten  Morgen  wieder  zurück.  Die
böhmischen  Stände  ermahnten  den  König  nochmals  fortzueilen,
worauf  er  am  22.  in  Kolin  übernachtete.  am  23.  mittags  von  dort
aufbrach  und  nachts  in  Böhmisch-Brod  blieb,  wo  einige  böhmische

Mitteilung  nur  aus  zwei  Punkten:  1.  der  König  möge  in  der  Resigrationssache
  mit  der  Person  des  Kaisers  glimpflich  verfahren,  im  übrigen  wolle  Z.
mit  seiner  Werbung  den  König  in  dessen  Vorhaben  durchaus  nicht  hindern;
2.  Z.  wolle  dem  König  den  böhmischen  Klerus  empfehlen,  damit  der  nicht
länger  in  Gefahr  schwobe  (Wi,  I  A1,  Ka.  2991;  Or.  eigh.).  Ausserdem
empfahl  Zuniga  dem  König  die  Person  des  Erzherzogs  Leopold  und  erhielt
die  Zusicherung,  dass  Matthias  einen  Gesandten  Leopolds  gern  anhören
werde  (Wi.,  a.  a.  O.;  Kopie).

ı  Wolf  Sigmund  von  Losenstein.

2  Der  Herzog  von  Braunschweig,  der  den  Zug  den  Königs  gegen  Prag
vergeblich  zu  hindern  suchte,  hatte  am  17.  März  Iglau  verlassen,  war  anı  18.
in  Prag  angekommen,  wo  er  schon  nachmittags  beim  Kaiser  Audienz  hatte
und  nochmals  den  Auftrag  empfieng,  den  König  zur  Einstellung  der  Reise
zu  bewegen.  Mit  einem  kaiserlichen  Handschreiben  an  Matthias  machte  sich
der  Herzog  aın  19.  früh  morgens  auf  den  Weg,  traf  aber  schon  in  Deutschbrod
  einen  königlichen  Kammerfurier,  vernahm  vom  Aufbruch  des  Königs
und  kehrte  nach  I’rag  zurück;  bei  Losenstein  beschwerte  er  sich  aber,  dass
der  König  ihn  nicht  zu  Iglau  erwartet  habe  (eigenhändiges  Diarium  des

von  Braunschweig  über  die  Verhandlungen  mit  König  Matthias
vom  15.  März  bis  21.  Juni;  Wolfenbüttel,  Landeshauptarchiv  und  Mägerles
Tagebuch,  a.  a.  O.).

°  Vom  19.  März  mit  der  Einladung,  die  Reise  fortzusetzen;  gedruckt

bei  Hammer-Purgstall,  Loben  Khlesls,  II.  Urkunden-Sammlung,  no.  306.

März  17.
bis  30.
        <pb n="274" />
        März  17.
bis  30.

252  1611  105.

Stände,  darunter  Kinsky,  ankamen  und  den  König  bewogen,  auch  hier
nicht  still  zu  liegen  sondern  am  andern  Tag  mit  ihnen  gegen  Prag
zu  rücken,  wie  auch  geschah.  Auf  halbem  Weg  erwarteten  den
König  10  Fähnlein  des  Obersten  Ferdinand  Kollonitsch  mit  3000
Mann  und  Hauptmann  Dorns  Fähnlein  mit  500  Mann,  dazu  Danmpierre
  mit  500  Pferden.  Feldmarschall  Herberstein  brachte  das  Volk
in  Schlachtordnung,  in  der  es  bis  zu  einem  Berg  fortmarschierte,  an
dem  das  Volk  der  Stände  den  König  erwartete  [nach  einem  beigelegten
  Verzeichnis  etwa  4000  Mann];!  zwischen  beiden  Schlachtordnungen
  hielten  die  königliche  Kutsche  und  der  Hoftrain;  die  Stände
kamen,  an  200  Pferde,  stattlich  heran,  stiegen  vierzig  Schritte  vor
der  Kutsche  ab,  worauf  der  König  ihnen  mit  dem  Hut  in  der  Hand
einige  Schritte  entgegen  gieng.  Auf  die  Ansprache  Adam  Wallensteins
antwortete  der  mährische  Landkämmerer  Popel,  der  König  danke  für
das  Erbieten  der  Stände  und  sei  auf  Erfordern  zu  deren  Schutz
gekommen.  Da  es  regnete,  setzte  sich  der  König  wieder  in  die
Kutsche;  voraus  zog  die  böhmische  Reiterei,  dann  folgten  die  1000  Pferde
Puchheims,  die  erste  Abteilung  des  Fussvolks  und  die  500  Reiter
Dampierres,  die  Handrosse  des  Königs  und  der  Herren,  der  Hoftrain,
die  zweite  Abteilung  des  Fussvolks,  dann  die  Herren  und  Obersten
des  Gefolges  und  der  König  in  seiner  Kutsche  ;  2000  Schritte  vor
der  Stadt  setzte  sich  der  König  auf  einen  türkischen  Fuchs  und  ritt
ungarisch  gekleidet  in  Prag  ein;  vor  ihm  ritt  Losenstein,  hinter  ihm
Meggau,  den  Schluss  machten  die  königliche  Guardia  und  500  Pferde
des  Obersten  Goltz.

Vom  ersten  Tor  bis  zu  des  Königs  Wohnung  waren  alle  Fenster
voll  Volkes,  auf  den  Strassen  stand  die  Bürgerschaft  in  Waffen.
Da  der  Raum  zu  eng  war,  zog  das  Volk  bei  einem  Tor  herein  und
zum  andern  hinaus.  Während  das  ständische  Volk  dem  König  ent
gegenrückte,  blieben  in  Prag  zur  Wache  1500  Soldaten  Tiefenbachs
und  500  Pferde  des  Obersten  Goltz.  Auf  dem  Hradschin  wachten
zwei  Kompagnien  zu  Fuss,  je  eine  vom  ständischen  und  königlichen
Volk,  vor  des  Königs  Bebausung  zwei  Kompagnien  zu  Fuss,  vor

!  In  einer  besonderen  Aufzeichnung  stellt  Schönburg  die  Streitkräfte
des  Königs  Matthias  auf  diesem  Zug  zusammen:  darnach  hatte  Feldmarschall
Herberstein  1500,  Oberst  Puchheim  1000  österreichische  und  Oberst
von  der  Goltz  1000  mährische  Reiter,  Dampierre  500  Reiter,  die  Obersten
Ferdinand  von  Kollonitsch  und  Rudolf  von  Tiefenbach  hatten  je  ein  Regiment
von  3000  Mann,  von  letzterem  Regiment  standen  aber  1500  Mann  noch  in
Mähren  ;  endlich  hatte  Hauptmann  Dorn  ein  Freifähnlein  von  500  Mann.
Das  königliche  Heer  zählte  also  5000  Reiter  und  5000  Mann  zu  Fuss,  wozu
noch  das  königliche  Gefolge  mit  1050  Pferden  kam.  In  Mähren  standen
ausser  den  1500  Mann  Tiefenbachs  noch  800  Giltpferde,  in  Oesterreich  unter
der  Enns  1500  Musketiere  und  1200  Giltpferde,  in  Oesterreich  ob  der  Enns
2000  Fussknechte,  1000  Musketiere  und  300  Giltpferde,  die  Truppen  der
böhmischen  Stände  schätzt  Schönburg  auf  1200  Reiter  und  4000  Mann  zu
Fuss;  15000  Ungarn  sollten  angeblich  binnen  acht  Tagen  marschfertig  seiu
(Eybach,  Akten  H.  M.  von  Schönburg  betreffend,  a.  1611,  no.  54;  Kopie).
        <pb n="275" />
        106.  1611  253

der  Brücke  eine  Kompagnie,  auf  dem  Markt  und  sonst  drei  Kom-  März  17.
pagnien,  eine  Kompagnie  versah  den  Rondendienst;  die  Bürger  bie  30.
bewachten  die  Rathäuser  und  einige  Tore.

Unterwegs  sprach  der  König  zweimal  mit  mir:  1.  von  der
Belagerung  Jülichs,  von  dem  Volk,  das  damals  davor  lag,  wer  dort
kommandierte,  welches  Volk  jetzt  dort  sei,  obdie  Fürsten  zu  Düsseldorf
bei  einander  wohnten,  ob  sie  sich  vertrügen,  ob  Sachsen  mitregieren
wolle?  2.  wie  mir  sein  Kriegsvolk  gefalle  und  ob  das  niederländische
  Volk  besser  sei?  —  Ich  erzählte  ihm  lange  von  der  Ordnung,
Bewaffnung  und  Stärke  der  Kompagnien  und  Schlachtordnungen,
worauf  der  König  nur  antwortete:  „die  continuation  thut  viel  darzu,
in  Ungern  will  es  gleichwol  so  nit  angehen“.  Ich  antwortete:
man  habe  es  nie  versucht,”  es  kennten  auch  die  Offiziere  die
Ordnungen  nicht  ‚und  kämen  nicht  gern  zu  kleinen  Kompagnien
und  guten  Waffen.

Khlesl  ist  eigens  auf  mich  zugekommen,  hat  sehr  gerühmt,
wie  wol  der  König  mit  meinem  Anbringen  zufrieden  gewesen  sei  und
wie  er,  der  König,  an  mir  Wolgefallen  und  mich  gern  in  seiner
Bestallung  hätte.  Iann  klagte  er,  dass  er  bei  den  evangelischen
Fürsten  in  so  schlechtem  Kredit  sei,  ohne  dass  er  den  Grund  wisse;
er  bekenne,  dass  er  gern  auf  seine  Religion  sehe  und  vordem  den
König  selbst  mit  Androhung  der  Exkommunikation  gehindert  habe,  den
Evangelischen  die  Religionsüäbung  zu  gestatten.  Da  er  aber  nun  sehe,
dass  nicht  der  König  sondern  dessen  Vorfahren  die  Religionsprivilegien
gegeben  hätten,  dass  der  König  sonst  nicht  ruhig  regieren  könne,
dass  auch  die  vielen  bisherigen  Kriege  keinen  Nutzen  geschaffen,
dass  der  König  in  seinen  Landen  so  wenig  gesichert  sei,
dass  der  Kaiser  selbst  dies  Werk  angesponnen  habe,  um  wieder  zu
den  Landen  zu  kommen  und  sich  dann  an  dem  König  rächen  zu
können,  dass  er,  Khlesl,  selbst  beim  Kaiser  in  grossen  Ungnaden
stehe,  „welcher  als  ein  tiran  sonder  treu,  glauben,  religion  oder
consciens  sein  konig  und  auch  ihn  umb  das  leben  bringen  zu  lassen
sich  understanden,  mit  erzchlung  mehrer  schandlichen  facten‘‘,  so  habe  all
das  ihn  veranlasst,  dem  König  zur  Bestätigung  der  Religionsprivilegien  zu
raten.  Seitdem  dies  geschehen  sei,  habe  er  niemals  zu  anderem  raten
wollen,  trotz  des  Begehrens  Kurkölns  und  des  Erzherzogs  Ferdinand,
vielmehr  sei  er  stets  dafür  gewesen,  mit  den  Evangelischen  friedlich  zu
leben;  die  Zusagen  an  sie  wolle  er  halten,  so  lange  er  lebe,  nicht  aus
Liebe  zur  evangelischen  Religion  sondern  weil  er  einsehe,  dass  ein
Teil  dem  andern  gewachsen  sei,  dass  es  nicht  anders  sein  könne
und  dass  sein  Herr  sonst  nicht  nur  um  Land  und  Leute  sondern
auch  um  seine  weiteren  Hoffnungen  komme  und  das  Haus  Oesterreich
ganz  ruiniert  werde.  Ich  antwortete:  „dass,  wenn  er  den  halben
theil  solches  meinte,  effectuirte  und  nachkommen  würde,  dass  ich
bekennte,  dass  wir  kein  nutzlicher  person  in  dem  reich  hetten  als
ihn,  aus  ursachen,  dass  er  in  grossem  credit  bei  I.  M.‘,  auch  den
        <pb n="276" />
        März  17.
bis  30.

254  1611  105.

geistlichen  das,  was  er  thun  würde,  denselben  nimmer  suspect,  also
seinen  konig  dem  ganzen  reich  [!]  beiderseits  uns  in  frieden  und  einigkeit
  balten  könte.“  Khlesl  erzählte  auch:  er  sei  Ursache,  dass  der
König  den  Revers  wegen  Bestätigung  der  Religion  und  der  Freiheiten
unterschrieben  habe;  er  wolle  auch  künftig  daran  sein,  dass  sich
kein  Fürst  wegen  der  Religion  zu  beschweren  habe;  Kurköln  und
Ferdinand  von  Graz  hätten  ihn  veranlassen  wollen,  dem  König  zu
einer  Heirat  aus  dem  bairischen  oder  florentinischen  Haus  zu
raten,  er  wolle  aber  zu  einer  solchen’  raten,  welche  auf  keiner  Seita
Argwohn  eırege.

Ich  habe  mich  darauf  bei  Herberstein,  Losenstein  und  Zierotin  erkundigt,
  wie  sich  Khlesl  nun  gegen  dieEvangelischen  verhalte;
sie  alle  bestätigten  mir,  dass,  wenn  sie  ihn  nicht  hätten,  sie  in
vielen  Sachen  nicht  fortkommen  könnten;  wenn  sie  ibn  gewonnen
haben,  so  seien  sie  des  Papstss  und  ihres  Königs  versichert;  sie
traueten  ihm  zwar  nicht  weiter  als  sie  sehen,  aber  sie  machten
sich  das  Interim  zu  Nutzen,  brächten  die  Evangelischen  in  die  vornehmsten
  Aemter  und  hätten  Fuss  um  Fuss  gewonnen;  so  hofiten  sie,
dass,  wenn  nach  ihrem  Willen  die  Union  zwischen  Böhmen,  ihren
Ländern,  Schlesien  und  den  Iausitzen  gemacht  würde,  Khlesi  oder  der
König  sich  dann  gegen  die  Evangelischen  wol  nicht  etwas  unterstehen
dürften.  Katholische  seien  um  den  König  drei  oder  vier,  ausser  Khlesi
Meggau,  Khuen  und  Liechtenstein;  diese  seien  bös  und  eifrig  und
kämen  mit  dem  spanischen  und  päpstlichen  Botschafter  zusammen.
Die  Evangelischen  hoffen  aber,  dies  „consilium‘“  zu  zertrennen.  Die
vornehmsten  Landoffiziere  sind  evangelisch;  darunter  ist  Zierotin  der
vornehmste,  der  den  andern  mit  gutem  Beispiel  vorangeht.!

Ich  war  zwei  Tage  in  Prag,  ohne  den  König  zu  sehen,
habe  aber  die  vornehmsten  Herrn  besucht,  mit  ihnen  gesprochen
und  sie  sehr  geneigt  gefunden,  die  Union  zwischen  ihnen  und  Kurbrandenburg
  zu  erneuern;  sie  wollen  auch  E.  kfl.  Gn.  schreiben,

ı  Ueber  die  katbolische  Partei  in  der  Umgebuug  des  Könige  berichtet
Pfretzschner  am  5.  April  an  Kaspar  von  Schönberg:  „Die  Catholıschen  trotzen  noch
sehr  und  insonderheit  die  königlichen  geheimen  räte;  Meckau,  Kain,  Popel
und  der  abgetallene  Puchaimb  lassen  sich  ausdrücklich  verlauten  ,  man  soll
sich  nur  weder  mit  worten  noch  werken  vernemen  lassen,  die  religion  bei
diesem  wesen  fortzusetzen  oder  den  Catholischen  einigon  abbruch  zu  thun
sondern  an  dem  vergnügen  lassen,  dass  zuvor  durch  die  zwischen  beiden
herrmm  brüdern  erstandene  uneinigkeit  die  kezereien  ihren  vollen  lauf  erreicht
und  sonderlich  in  diesen  landen  merklich  fortgepflanzet  worden.  Ist  sich
aber  wol  zu  befürchten,  es  werde  allezeit  ihr  hüten  und  wachen  vergeblich
sein,  dan,  was  expresse  nicht  gescheen  kan,  wird  sich  tacite  fein  von  sich
selbsten  geben,  indem  bei  der  reformation  des  regiments  sonder  zweifel  das
werk  Jermassen  wird  gefasset  werden,  dass  die  protestierenden  proceree  regni
ihre  loca  und  vota  höher  und  stärker  als  bisshero  nicht  bescheen  haben
und  per  consequens  die  ihrigen  in  billichen  schuz  und  befürderung  werden
nemen  können.“  Die  Friedenstraktation,  die  man  jetzt  pflegt,  „schnupft“  ihnen
sehr  in  die  Nase,  sie  dürfen  aber  nicht  merken  lassen,  dass  sie  ihnen  zuwider
sei  (Dre.,  9166,  I.  Buch  pasgauer  Kriegsvolks,  f.  572;  Or.).
        <pb n="277" />
        106.  1611  255

mich  hier  zu  lassen  oder  wenigstens  jemanden  andern  hieher  zu  schicken,  März  17.
der  ihnen  auf  ihrem  Landtag  beistände  und  die  Union  mit  ihnen  bis  30.
richtig  mache.  Sie  gedenken  sich  auf  dem  Landtag  so  zu  vergleichen,
dass  sie  die  Zügel  der  Regierung  in  der  Hand  behalten,  die  katholischen
  Räte  mögen  raten,  was  sie  wollen;  sie,  die  Evangelischen
hatten  doch  die  Macht  in  Händen.  Die  Union  mit  Oesterreich  dürfte
Sehwierigkeiten  haben,  weil  es  ein  Erbland  ist;  sie  hoffen  es
aber  bei  jetziger  Gelegenheit  doch  dahin  zu  bringen,  dass  die
Regierung  in  die  Hände  der  Stände  kommt  und  der  Rat  aus  beiden
Religionen  bestellt  wird.  Fast  alle  Landoffiziere  in  diesen  Landen
sind  evangelisch;  der  Herr  kann  nichts  tun,  wol  aber  seine
Lande,

Mit  Geschütz  ist  der  König  wol  versehen;  er  hat  über  150
Batterien,  im  ganzen  500  Metallstücke;  aber  es  fehlt  an  Zubehör,
Munition  und  an  den  nötigen  Personen;  Matthias  hat  zwar  eine  Menge
Kupfer,  Eisen  und  Salpeter,  aber  alles  [wol  die  Bergwerke]  ist  versetzt,
„über  ein  million  gulden;  hetten  sonst  jährlichs  pflegen  zu  tragen
600000  fi.“  Der  König  hat  viele  Schulden,  seine  Kammergüter
sind  fast  alle  verpfändet,  die  ordentlichen  Ausgaben  übersteigen  die
Einnahmen.  Zum  Unterhalt  des  Kriegs  in  Ungarn  und  zum  Schutz
der  ungarischen  Grenze  bezieht  er  ausserordentliche,  gutwillige  Beisteuern
  der  Länder,  die  dadurch  ihr  Religionswerk  befördern,  sich
sichern  und  den  König  täglich  verpflichten;  würde  er  etwas  anfangen,
  was  ihnen  entgegen  wäre,  so  fehlten  ihm  die  Mittel  wie
vor  drei  Jahren,  als  er  das  Volk,  das  er  gegen  die  evangelischen
Stände  warb,  nicht  bezahlen  konnte.

Was  der  dreijährige  Krieg  Ober-  und  Niederösterreich  und
Mähren  gekostet  hat  und  woher  das  Geld  dazu  genommen  wurde
habe  ich  besonders  verzeichnet!  Aus  Ungarn  bezieht  der  König  nichts’

R

!  Der  König  bezieht  aus  Ungarn  nichts  sondern  muss  noch  viel  zum
Unterhalt  der  Grenzen  beisteuern;  er  hat  daher  die  Herrschaft  Steyer  und
fast  alle  anderen  Kammergüter  versetzt,  darunter  auch  das  Salzwerk  in  Oberösterreich,
  das  zuvor  jährlich  300  009  fl.  einbrachte,  nun  kaum  80000  fl.  Der
Krieg  [in  Ungarn)  hat  bisher  Oberösterreich  700000,  Mähren  800000,  Niederösterreich
  150,000  fl.  gekostet;  ausserdem  geben  die  Mährer  zur  Erhaltung  der
ungarischen  Grenze  seit  drei  Jahren  300  000  fl.  und  für  den  königlichen  Hofbalt
jährlich  160  000  fl.  Erzherzog  Maximilian  hat  dem  König  zu  dessen  Reise
30000  Taler  gegeben  und  sich  erboten,  die  Tiroler  zu  bestimmen,  auf  fünf
Monate  ein  Regiment  zu  unterhalten;  die  wiener  Bürger  haben  10000,  die
Praelaten  12  000,  die  österreichische  Landschaft  60000,  die  mährischen  Städte
6000  und  die  Geistlichen  6000  Taler  gegeben.  Damit  wird  das  in  der  Liste  [vgl.
8.  262,  Anm.  1)  verzeichnete  Volk  unterhalten,  es  steht  also  bei  der  Landschaft,
  dasselbe  wieder  abzufordern.  —  Böhmen,  Mähren  und  Schlesien  haben
dem  Kaiser  nie  über  eine  Million  getragen;  seit  einigen  Jahren  hat  er  aus
Böhmen  und  Sehlesien  nicht  über  200  000  Taler  gezogen,  die  eigenen  Güter
ertzugen  früher  300000,  jetzt  nur  100000  Taler.  Diese  Lande  sind  ihrem
Herm  zu  sehr  wenig  verpflichtet;  die  herkömmliche  Bewilligung  ist  auf
jeden  Bauer  drei  Taler;  die  selbst  wieder  Herrn  haben,  geben  von  ihren  Bauern
einen  Taler;  das  Bergwerk  trägt  nicht  über  100000,  die  Bieraceise  100  000  Taler
jbach,  a.  a,  O.,  no.  56;  eigenhändige  Aufzeichnung).

-_—
        <pb n="278" />
        März  17.
bie  30.

256  1611  106.

vielmehr  müssen  seine  Lande  jährlich  noch  300  000  fl.  zur  Erhaltung
der  Grenzen  hergeben.  Wenn  sich  nich*  das  ganze  Reich  der  Grenzen
annimmt,  so  wird  man  mit  der  Zeit  Ungarn  verlieren  oder  seiner
nicht  mehr  mächtig  sein.  Die  Ungarn  wollen  von  keinem  Krieg
mehr  hören,  lieber  wollen  sie  dem  Türken  steuern  oder  sich  ihm
ganz  ergeben.  Der  König  behauptet  nur  mehr  Raab  und  Komorn,
deren  Garnisonen  sich  vor  zwei  Jahren  sehr  übel  versehen  befunden
haben;  seither  hat  sich  nichts  geändert.

In  Prag  hat  der  König  mich  zweimal  rufen  lassen.  Das  eine
mal  hat  er  vom  Kriegswesen  gesprochen  und  meine  Artillerie-  und
Fortifikations-Sachen  und  Instrumente,  die  ich  bei  mir  hatte,  zu  sehen
begehrt;  ich  habe  mit  ihm  weitläufig  davon  gesprochen,  wobei  er  mich
fragte,  ob  ich  nicht  Lust  hätte,  in  diesen  Landen  zu  dienen  ;  auch  durch
Herberstein  hat  er  deshalb  mit  mir  reden  lassen.  Zum  zweiten  mal
liess  der  König  mir  durch  Meggau  einige  Schreiben  übergeben,  dann
mich  vor  sich  berufen  ,  worauf  er  mir  auf  mein  Anbringen  folgenden
Bescheid  erteilte  :

1.  Dank  für  E.  kfl.  Gn.  „Zuentbieten“.  2.  Er  will  von
seinem  Vorhaben  nicht  aussetzen  und  die  Königreiche  und  Lande
dieser  „Servitut  und  übeln  Administration‘  entledigen;  er  wünscht
dabei,  dass  man  auch  das  Reich  in  gleiche  Ruhe  und  Sicherheit
bringen  und  das  alte  Vertrauen  wieder  herstellen  könnte,  wobei  er
sich  zu  allen  möglichen  Diensten  empfiehlt.  3.  Der  König  will
andern  zum  warnenden  Beispiel  nicht  unterlassen,  sobald  das  Regiment
reformiert  ist,  diejenigen  zu  strafen,  die  beim  Kaiser  zu  so  vielen
Uebeln  Anlass  gegeben  haben.  4.  Wegen  des  Beligionsfriedens
wird  der  König  in  die  Fusstapfen  seiner  Vordern  treten;  er  hält
ihn  für  ein  Mittel,  Frieden,  Einigkeit  und  Vertraulichkeit  zu  erhalten,
„allermassen  dan  I.  kgl.  M.  in  ihren  konigreichen  und  landen  solches
gleichfalls  practicirt,  dass  menniglich  damit  zufrieden.“  5.  Was  der
König  zu  den  Protestanten  und  besonders  zum  Hause  Brandenburg  für
ein  Vertrauen  hat,  geht  daraus  hervor,  „dass  dieselbe  [kgl.  M.']  in  allen
ihren  nöten  und  anliegen  zu  solchen  geflogen  [!]  und  noch  das  vertrauen
zu  denselben  tragen  und  haben,  hoffentlich,  die  werden  I.  kgl.  M.!  in
gleicher  affection,  allermassen  sie  sich  erbieten,  correspondiren  und
wöllen  gar  gern  ihres  theils  alle  vertreulichkeit  und  freundschaft
chur-  und  fürsten  im  heil.  reich  bei  aller  gelegenheit  erzeigen,  dessen
sie  sich  gegen  Jägerndorf  in  specie  erclärt  haben.“  6.  Der  König
hofft,  E.  kfl.  Gn.  werden  ihm  seine  Aufrichtigkeit  nicht  entgelten
lassen;  er  hat  auch  bereits  seinen  Gesandten  befohlen,  auf  dem

Unionstag  zu  erscheinen.
Eybach,  Akten  H.  M.  von  Schönburg  betreffend,  a.  1611,  no.47  und  49;  eigh!

!  In  zwei  Schreiben  vom  9./19.  März  teilt  Schönburg  dem  Fürsten
Christian  von  Anhalt  gleichfalls  seine  Eindrücke  von  dem  Zustand  in  Iglan
und  verschiedene  Einzelnheiten  aus  der  Unterredung  mit  dem  König  mit.
Dass  die  Truppen  des  Königs  und  der  Stände  Herrn  des  Schlosses,  der
Krone  und  des  Kaisers  selbst  sind,  will  Sch.  nicht  gefallen.  Der  Hersog
        <pb n="279" />
        106  -  1611  257
106.  Tongnagels  vierte  gütliche  Aussage.

Am  17.  März  ist  im  Beisein  Herbersteins  und  der  Kommissarien
der  drei  böhmischen  Stinde  Tengnagel  zum  vierten  Mal  über  zehn
von  Hoerberstein  übergebene  Fragen!  verhört  worden.  Zuerst  wird  T.
ermahnt,  die  rechte  Wahrheit  zu  sagen,  wer  die  Anstifter  dieser  bösen
Taten  seien;  weun  er  sie  wieder  verhielto,  würde  ihm  der  Henker
als  Examinator  an  die  Seite  gestellt  werden  :  denn  Kaiser,  König  und
so  grosse  Häupter  zusammenzuhetzen  und  solch  Blutbad  anzurichten,
die  Länder  zu  ruinieren  und  um  ihre  Privilegien  und  Freiheiten  zu
bringen,  das  sei  ein  grosses  Werk,  zu  dem  er  sich  habe  brauchen  lassen,

I.  Hauptfrage:  1.  Zu  welchem  Zweck  ist  anfangs  das  passauer
Volk  geworben  worden?  was  hoffte  man  mit  demselben  auszurichten
und  wer  gab  Rat  und  Tat  zu  solchem  Landverderben?  —  Das  Volk
war  anfangs  zur  Unterstätzung  des  Erzherzogs  Leopold  und  auf  dessen
Begehren  nach  Jülich  bestimmt;  da  man  wegen  des  böbmischen
Landtagsbeschlusses  in  Böhmen  keinen  Musterplatz  haben  konnte,  so
reiste  Ram6de  zum  Erzherzog  nach  Jülich  und  schlug  ihm  vor,
das  Volk  ins  Stift  Passau  zu  legen.  2.  Wie  konnte  das  Volk
zu  Passau  nach  Jülich  bestimmt  seiu,  da  man  den  Durchzug  durch
die  Lande  der  Unierten  nicht  erhalten  hätte?  —  Man  sagte,  jeder
gehorsame  Reichsstand  sei  gemäss  den  Reichsgesetzen  schuldig,  dem
kaiserlichen  Kriegsvolk  Durchzug  zu  gewähren  und  haben  solchen  Pass
die  Kurfürsten  und  Fürsten  zu  Prag  auch  bewilligt.  3.  Die  Kurfürsten
und  Fürsten  haben  doch  zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König  den
Vorgleich  geschlossen  und  selbst  zugesagt,  dass  das  Volk  binnen
Monatsfrist  abgedankt  werden  solle?  —  Das  Original  dieser  Verschreibung
bat  T.  nicht  gesehen,  in  der  Abschrift  hiess  es  allerdings  so.  4.
Warum  haben  der  Herzog  von  Baiern  und  andere  Fürsten  dem  Volk
keinen  Pass  geben  wollen?  —  Er  weiss  nur  so  viel,  dass  Baiern  ihn
zuletzt  gewährt  babe.  5.  Wer  bat  anfangs  geraten,  das  Volk  zu
werben?  —  T.  weiss  es  nicht,  „allein  des  gedacht,  als  der  Ram&amp;amp;e

von  Braunschweig  sagte  vor  seiner  Rückkehr  nach  Prag:  „si  le  roi  ne  veut
patisater  avec  ce  bon  seigneur  l’empereur,  je  lui  va  conseiller  qu’il  quitte  plustost
a  S.  M.t©  que  d’en  estre  demis  par  force“.  Der  Nuntius,  der  auch  hier  [in
Iglau|  ist,  soll  den  König  gewarnt  haben,  der  Religion  nicht  zu  praejudizieren,
„et  &amp;amp;  son  maistre  [Khlesl],  qu'il  ouvriroit  la  porte  aux  heretiques,  qu’il  leur
donneroit  trop  de  pied  au  gouvernement*.  Der  König  soll  geantwortet
haben,  er  habe  nicht  anders  handeln  können;  er  werde  seine  Religion  behaupten,
  aber  die  andere  nicht  verletzen  ;  diese  Sache  gehe  nicht  die  Religion
sondern  die  Ehre  seines  Hauses,  vor  allem  aber  seine  eigene  an;  von  den
Ständen  gerufen  habe  er  nicht  weniger  tun  können.  Khlesl  ist  stets  um
den  König;  er  wird  in  Böhmen  nicht  sehr  willkommen  sein;  übrigens  hofft
man  bei  dieser  Gelegenheit,  einige  Lieblinge  des  Königs  beseitigen  zu  können
(Bbe.,  A  9a,  no.  166,  f.  20;  Or.  eigh.)  —  In  dem  andern  Schreiben  weiss
Schönburg  zu  berichten,  dass  Althan  insgeheim  vom  König  Pardon  erbitte
(Bbg.,  a-  a.  O.,  f.19;  Or.  eigh.).
ı  Vgl.  oben  no.  84,  S.  188,  Anm.  4.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  17

März  17.
        <pb n="280" />
        März  17.

258  1611  106.

nach  Gülich  kommen,  so  ist  dahin  geschlossen  worden,  man  kan  durch
dieses  werk  den  vorigen  spott,  so  sie  erlanget,  wiederumb  einbringen
und  dadurch  könte  auch  der  konig  in  Hispania  wegen  der  Niederländer,
  Holländer  und  Seeländer  gesichert  werden.“

IH.  Hauptfrage:  1.  Warum  hat  sich  Erzherzog  Leopold  unterfangen,
  die  jülichschen  Lande  zu  überziehen  und  was  hat  er  dabei  gesucht?
—  Als  der  Erzherzog  zum  ersten  mal  nach  Jülich  zieben  sollte,  haben
die  geheimen  Räte  einen  Eid  schwören  müssen,  die  Intention  niemandem
zu  entdecken;  ihm,  T.,  hat  der  Erzherzog  davon  erst  auf  der  Reise
zu  Pilsen  geredet;  dann  ist  T.  von  Leopold  zum  König  von  Frankreich
geschickt  worden,  damit  sich  derselbe  der  jülicher  Sache  nicht  annehme.'
2.  Als  T.  nach  Spanien  geschickt  wurde,  was  sollte  er  dort  im  Namen
des  Erzherzogs  anzeigen?  —  Der  König  möge  darauf  achten,  dass
die  jülichschen  Lande  nicht  Brandenburg  und  andern  in  die  Hände
fielen,  da  diese  mit  den  Holländern  verbündet  und  des  Königs  Feinde
wären.

III.  Hauptfrage:  1.  Weshalb  und  auf  wessen  Geheiss  ist  das
passauer  Volk  in  Oberösterreich  eingefallen  und  wie  wollte
es  hier  seinen  Zweck  erreichen?  —  ‚Sie‘  haben  alle  Mittel  gesucht,
wieder  zu  den  Ehren  zu  kommen,  die  sie  zu  Jülich  verloren  hatten,
darum  hätten  sie  sich  gerne  mit  dem  elsässer  Volk  vereinigt.  Einige
rieten,  den  Weg  durch  das  Land  des  Kurfürsten  von  Sachsen  zu
nehmen  (der  an  der  jülicher  Sache  sehr  interessiert  war),  aber  Althan
riet  nach  Tirol  und  sagte,  der  Durchzug  solle  und  könne  durch  Tirol
geschehen,  da  in  der  Kapitulation  stehe,  der  König  solle  sich  gegen  den
Kaiser  wegen  dieser  Länder  als  ein  Lehensmann  verhalten.  2.  "Warum
haben  die  Passauer,  da  sie  bei  Baiern,  Salzburg  und  anderen  den  Pass
suchten,  ohne  ihn  zu  erhalten,  ihn  nicht  auch  zuvor  bei  König  Matthias
gesucht?  —  T.  hat  sich  den  Pass  durch  des  Königs  Land  nie  belieben
lassen.  3.  War  es  nicht  Absicht  der  Passauer,  sich  Oberösterreichs  zu
bemächtigen?  —  T.  weiss  davon  nichts  und  für  andere  kann  er  nicht
antworten.  4A.  War  nicht  ihre  Absicht,  Matthias  nicht  nur  um  die
Designation  zur  böhmischen  Krone  sondern  auch  um  die  Erbländer
und  Ungarn  zu  bringen?  —  T.  „Lest  es  in  diesem  artikel  bei  seiner
vorigen  aussage  verbleiben:  es  sei  dem  also  und  weis  nicht  anders,
der  kaiser  sei  auch  genzlichen  derselben  intention  gewesen,  und  solches
hette  der  graf  von  Sulz,  der  von  Althaim  und  andere  gerathen;  und
welche  personen  mehr  von  den  rathschlägen  gewust  und  gerne  gesehen
hetten,  dass  man  diese  intention  also  aussführen  möchte,  die  habe
er  vorhin  in  seiner  dritten  aussage,  so  den  14.  martii  geschehen,
mit  namen  genennet.“‘?  5.  Wollten  sie  nicht  auch  die  Böhmen  um
den  Majestätsbrief  bringen?  —  T.  weis3  es  nicht  und  lässt  es  andere
verantworten,

ı  Vgl.  A.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  S.  38.
®  Vgl.  Tengnagels  dritte  Aussage  in  no.  101,  8.  249.
        <pb n="281" />
        106.  1611  259

IV.  Hauptfrage:  1.  Wie  und  warum  hat  sich  das  Kriegsvolk  März  17.
der  prager  Kleinseite  bemächtigt?  was  für  Einverständnisse  hat  es
gehabt?  ist  der  Einfall  in  Prag  mit  Zustimmung  des  Kaisers  geschehen
und  was  sollte  mit  den  böhmischen  Ständen  vorgenommen  werden?  —
Man  wollte  die  Böhmen  zwingen,  sich  mit  den  Passauern  zu  vereinigen
und  den  Kaiser  gegen  dessen  Feinde  zu  defendieren.  2.  Wen  hat  man  für
des  Kaisers  Feind  erklärt?  —  Den  König  von  Ungarn.  3.  Hat  der
Kaiser  in  den  Einfall  gewilligt?  —  T.  weiss  es  nicht.  4,  Warum
hat  der  Kaiser  nach  dem  Einfall  ein  Dekret  ergehen  lassen,  dass  die
Böhmen  sich  mit  den  Passauern  vereinen  und  dass  beides  Kriegsvolk
zusammengeführt  werden  solle?!  —  „Er  weiss  anders  nicht,  der  kaiser
sei  noch  bis  ‘auf  diese  stunde  der  meinung,  den  konig  in  allem  zu
ruiniren,  in  welches  alles  auch  der  erzherzog  Leopoldus  consentiret.“
5.  Was  hätte  man  mit  den  Böhmen  gemacht,  wenn  sie  sich  mit  den
Passauern  nicht  vereinigen  wollten?  —  T.  „Darauf  hette  er  zuvor
geantwortet,  was  vor  ein  anschlag  wegen  der  wegreumung  des  grafen
von  Thurn  und  anderen  personen  gewesen.‘

V.  Hauptfrage:  Wenn  den  Passauern  ihr  Vorhaben  in  Böhmen
fehlgeschlageu  wäre,  was  wollten  sie  darauf  unternehmen?  —
Sich  nach  Budweis  und  Krumau  zurückziehen,  dort  sich  stärken,  mehr
Volk  werben,  auch  das  elsässer  Volk  an  sich  ziehen,  nach  niemandem
fragen  sondern  dem  König  ins  Land  fallen  und  ihn  „defensive  oder
offensive‘  verfolgen.

VI.  Hauptfrage:  Warum  behalten  die  Passauer  bis  zur  Stunde
Budweis  und  Tabor  besetzt?  Hoffen  sie,  von  dort  den  Krieg
fortzusetzen  und  durch  wessen  Hilfe  könnte  dies  geschehen?  —  Dass
sie  Tabor  behalten  wollen,  davon  weiss  T.  nichts,  wol  aber  weiss  er
von  Budweis,  dass  sie  sich  dort  verstärken  können.

VII.  Hauptfrage:  Haben  der  König  von  Spanien,  der  Papst,
Baiern,  Salzburg,  Bamberg,  Würzburg  oder  andere  diesem  Werk  zugestimmt
  und  zur  Beihilfe  sich  erboten?  Konnten  der  Kaiser  und
Leopold  sich  darauf  gänzlich  verlassen  und  wie  sollte  solche  Hilfe
ihnen  zukommen  ?  —  T.  Der  König  von  Spanien  war  dawider;  der
Papst  hatte  auch  nicht  zugestimmt;  Baiern  hat  keine  gewisse  Antwort
gegeben  sondern  geschrieben,  er  wolle  sich  bedenken;  Salzburg  hat
erklärt,  „es  wolte  defensive  daliingehen,  dass  ein  volk  das  andere
nicht  beleidige;“  doch  hat  man  auf  Salzburg  wegen  der  Hilfe  grosse
Hoffnung  gesetzt.

VIII.  Hauptfrage:  Wohin  wollte  Tengnagel  reisen,  als  er  gefangen
  wurde?  wer  hat  ihn  geschickt?  was  war  seine  Verrichtung?  was
und  mit  wem  sollte  er  mündlich  verhandeln?  —  T.  verweist  auf  seine
vorige  Aussage,  worin  er  bekaunte,  er  hätte  sagen  sollen,  „obwol
de  Böhmen  sprechen,  das  kriegsvolk  solte  wider  ihren  land,

:  Vgl.  oben  no.  60,  S.  131,  Anm.  1.

17*
        <pb n="282" />
        März  17.

260  1611  106.

tagsbeschluss  in  Böhmen  nicht  geführet  werden,  so  were  aber  solcher
landtagsbeschluss  vom  kaiser  erzwungen  worden.“

IX.  Hauptfrage:  Wer  sind  diejenigen,  die  den  Kaiser  und  Erzherzog
  Leopold  zu  diesem  Unheil  überredet  haben  ?  sind  in  des  Königs
Ländern  oder  in  Böhmen  einige  von  denen,  die  von  all  dem  wussten,
Rat  und  Tat  dazu  gaben  und  dergleichen  Korrespondenz  hielten?  —
Wer  dazu  geraten,  hat  er  schon  bekannt:  in  Oesterreich  waren  es
Georg  Ehrenreich  von  Puchheim!  und  der  alte  Hofkirchner,?  die  erklärten,
  mit  dem  Kaiser  gegen  den  König  zu  halten;  auch  der  Graf
von  Hohenzollern?  ist  sehr  kaiserisch  und  leopoldisch  gewesen.

X.  Hauptfrage:  Durch  welche  Mittel  hoffte  man,  den  König  um
seine  Erbländer  und  um  die  Designation  in  Böhmen  zu  bringen?
wollte  man  ihm  nach  dem  Leben  streben  und  ihn  durch  heimliche
Praktiken  und  Gift  umbringen  lassen?  —  Am  meisten  hat  man  sich
auf  Salzburg  verlassen,  mehr  selbst  als  auf  des  Kaisers  Hilfe;  dass
man  den  König  vergiften  wolle,  davon  hat  er  nichts  gehört.*

Schliesslich  wurde  T.  ermahnt,  da  er  offenbar  alle  Geheimnisse
und  bösen  Praktiken  wisse,  sie  in  specie  zu  bekennen  und  aufs

Papier  zu  bringen.  T.  erklärt,  damit  bereits  angefangen  zu  haben.
Wi,I.A  1,  Ka.  2991;  Kopie.

ı  Wol  zu  unterscheiden  von  dem  königlich  gesinnten  Hans  Christoph
von  Puchheim,  der  im  Hoeereszug  des  Königs  ein  Regiment  führte  ;  vgl.
oben  no.  105,  S.  252,  Anm  1.

!  Vgl.  oben  no.  79,  S.  175,  Anm.  6.

?  Der  Reichshofratspräsident;  vgl.  oben  no.  5.

*  Vgl.  Khlesls  Aeusserung  zu  Hans  Meinhard  von  Schönburg  oben
no.  105,  S.  253.

5  Der  kursächsische  Agent  Dr.  Pfretzschner  teilt  noch  Aeusserungen  mit,
die  Tengnagel  zwischen  dem  19.  und  28.  März  gemacht  haben  soll.  Zunächst
rühmt  T.  den  Erzherzog  Leopnld  ala  tapfern  und  tollkühnen  Soldaten,
der  zugleich  alle  Eigenschaften  des  Politikers  habe;  dem  sei  nie  in  den
Sinn  gekommen,  die  Kleinodien  und  Privilesien  dieses  Königreichs  zu  rauben,
dazu  habe  er  ja  noch  diese  Privilegien  besonders  beschworen  ;  für  den
Kaiser  habe  der  Erzherzog  schon  an  zwei  Tonnen  (Goldes  geopfert.  —  Danu
hebt  T.  die  Stärke  der  Stellung  des  passaner  Kriegsvolks  in  Budweis  hervor,
das  er  mit  12000  Mann  beziffert  und  das  sich  täglich  verstärke  ;  das  Volk
sei  ganz  desperat  und  werde  seine  Haut  teuer  verkaufen;  schon  habe  es  den
rosenbergischen  Teich  besetzt  und  ins  Auge  gefasst,  dessen  Damm  zu
durchstechen,  womit  der  vierte  Teil  des  Königreichs  verderbt  würde.  Rame®e
dürfte  gegenwärtig  in  Polen  sein,  um  mit  geworbenem  Volk  in  Oesterreich
einzufallen.  Des  Kaisers  Flucht  aus  Böhmen  sei  im  Rat  in  Tengnagels
(tegenwart  beschlossen  worden  und  sollte  Rudolf  mit  dem  passauer  Volk
abziehen;  hätte  der  Kaiser  dies  getan,  so  hätte  er  leicht  alles  wiedergewinnen
können,  so  aber  sei  er  ein  Gefangener;  des  Kaisers  Schatz,  der  sich  auf
viele  Tonnen  Goldes  belaufe,  sei  mit  dessen  Wissen  bereits  von  den  Passauern
weggeführt  worden.  Prag  sei  noch  nicht  gesichert;  denn  Ramce,  obwol
nur  General-Oberst-Wachtmeister,  lenke  alles  und  führe,  verschlagen  wie  er
gei,  etwas  neues  im  Schilde.  Ramee  habe  sich  vor  dem  Einfall  einen  ganzen
Tag  lang  in  Prag  aufgehalten  und  habe  die  Oertlichkeiten  für  den  Einfall
besichtigt;  er  wollte  auch  in  die  Alt-  und  Neustadt  einfallen  und  sie  wenn
nötig  durch  Feuer  verderben;  aber  der  Kaiser  und  der  Erzherzog  seien  dem
entgegen  gewesen.  —  Ramce  kenne  alle  Anschläge  durch  Kundschafter,
        <pb n="283" />
        107.  1611  261
107.  Gravamina  der  unierten  Reichsstädte.

Aus  dem  1.  und  3.  Punkt  des  Ausschreibens  zum  schweinfurter
Unionstag  haben  die  Städte  entnommen,  dass  hiebei  auch  von  Stabilierung
  der  „wol  angefangenen  christlichen  Correspondenz“  mit  Erhaltung
  des  vorgesetzten  Zweckes  der  Union  und  Abhilfe  der  Beschwerden
geredet  werden  soll.  Daher  haben  sie  ihren  Gesandten  aufgetragen,
ihre  teils  allgemeinen  teils  besonderen  Beschwerungen  wider  den
Begriff  der  Union  und  der  folgenden  Abschiede  den  Versammelten
vorzutragen  und  um  Abstellung  zu  bitten:  1.  Es  finden  sich  die
Städte  insgesamt,  besonders  aber  Strassburg  dadurch  beschwert,  dass
man  ihrer  unwissend  und  ungehört  und  dem  neuburger  und  speirer
Abschied  zuwider  im  Sommer  1610  mit  starker  Kriegsmacht  ins
Elsass  eingefallen  ist,  Belagerungen  und  anderes,  wodurch  den
Unierten  Gefahr  und  Nachteil  zuwuchs,  vorgenommen  (was  zu
verantworten  zwar  die  höheren  Stände  auf  sich  allein  nahmen),
während  der  Expedition  Strassburgs,  beim  An-  und  Abzug  aber  auch
anderer  unierter  Städte  Untertanen  mit  Einlagerungen,  Abdankplätzen,
Enatziehung  der  gutwillig  verordneten  Kommiss,  Einschleppung  von
Seuchen  dem  ersten  Unionsartikel  zuwider  beschwert  und  um  viele
tausend  Gulden  geschädigt  hat.  2.  Das  kam  aber  daher,  weil  die  notwendige
  zu  Heidelberg  und  Heilbronn  verglichne  Kriegsdisziplin
trotz  vielfältigen  Erinnerns  so  laxiert  war,  dass  kein  unierter  Stand
sich  einiger  Assistenz  zu  getrösten  hatte;  denn  ohne  Unterschied
wurden  fast  alle  Vermögenden  wie  Feinde  bedroht  und  bei  dem  ihrigen
wenig  geschützt.  3.  Bei  der  verzogenen  Abdankung  wurden  zu

die  er  an  vieler  Fürsten  Höfe  unterhalte.e  Auch  dem  österreichischen  Heer
sei  nicht  ganz  zu  trauen,  da  die  vornehmsten  Befehlshaber,  Dampierre  und
andere,  mit  Ramce  in  enger  Verbindung  stehen,  so  dass  sie  sich  gegenseitig
verabredeten,  einander  keinen  Schaden  zu  tun;  ja  es  möchten  viele  zu
Bamee  übergehen,  da  sie  wissen,  dass  er  reiche  Mittel  habe  und  Beutefreiheit
  gewähre.  Ramee  sei  verschlagen  und  tollkühn,  Sulz  unbeständig
und  unzuverlässig,  Althan  weichlich  und  knabenhaft.  —  Was  Leopold
getan  habe,  sei  mit  Wissen  des  Kaisers  geschehen,  „ut  regnum
Hispano,  qui  tamquam  nepos  ex  sorore  imperatoris  ius  aliquando  in
eo  vindicare  potuisset  eriperetur,  praesertim  nondum  deficiente  linea
masculina  imperatoris  Maximiliani  Il.,  nec  ignarum  esse  imperatorem,
Hispanum  quosdam  rebus  suis  admodum  faventes  in  hoc  regno  habere.
Elegisse  autem  imperatorem  hisce  suis  conatibus  perficiendis  prae  aliis
Austriarae  domus  Leopoldum:  1.  propter  summam  fidem,  quam  hactenus
in  eo  expertus;  2.  quod  heredes  imperio  et  regno  producere  possit,  quae
spes  reliquis  huius  familiae  fere  praccisa,  excepto  Ferdinando  et  Hispano,
qui  propter  tyrannidem  toti  mundo  exosi;  3.  quod  inter  imperii  proceres
non  sit,  per  quem  aureae  bullae  Caroli  1V.  (de  eligendo  in  imperatorem
Germano)  aeque  satisfieri  possit;  —  ut  sic  recte  et  imperatorem  et  I,eopoldum
fecisse,  sanus  quilibet  facile  possit  iudicare.  Impedimenti  quidem  aliquid
intulisse  Romei  temeritatem  ;  non  tamen  dubitandum,  Leopoldum  adhuc  suam
monarchiam  constituturum,  si  vitam  produxerit  Deus‘  (Drs.,  1.  9166;
1.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  512;  von  Pfretzschners  Hand  und  am
30.  März  an  Kaspar  von  Schönberg  geschickt).

März  17.
        <pb n="284" />
        März  17.

262  1611  107.

nicht  geringer  Schwächung  des  für  den  Notfall  bestimmten  „nerrus‘‘
die  verglichenen  Musterungen  eingestellt,  nur  auf  die  erste  Musterrolle
gesehen,  die  Kommiss  nicht  abgezogen,  der  Tross  so  wenig  abgeschafft,
„dass  auch  der  toten  stell  hernacher  mit  demselben  neben  andern
ersetzt  wurde,‘  und  den  unierten  Landen  eine  merkliche  Teurung
zugezogen.  4.  Auch  wurden  ganz  neue  Werbungen  ohne  Wissen
der  Unierten  vorgenommen,  das  neue  zum  andern  Volk  geschlagen,
hernach  der  Ersatz  der  Kriegskosten  dem  6.  Unionspunkt  zuwider  von
den  Städten  begehrt  und  mit  Androhung  dor  Einlagerung  und  nachfolgenden
  Landverderbnis  erzwungen.  5.  Es  wurden  auch  dem  letzten
Punkt  der  bei  der  Einnahme  der  Städte  verglichnen  Abrede  zuwider  vielfache
  „voreilende“  Kontributionen  und  Antizipationen  unter
Hintansetzung  der  anfangs  bewilligten  Dilationstermine  mit  scharfen
Schreiben  und  dem  „nachdenklichen“  Anhang  gefordert,  dass  man

 etwaiges  Unheil,  das  aus  mangelnder  Zahlung  entstünde,  den  Städten

beimessen  und  dass  man  das  Volk  auf  sie  legen  würde.  6.  Bei
Geldmangel  hat  man  alsbald  den  Städten  wider  den  Wortlaut
der  Einnahmsnotel,  dass  in  keinen  über  seine  Quote  gedrungen
werden  solle,  hohe  und  bei  der  Bürgerschaft  unverantwortliche  Darlehen
  bis  zu  Tonnen  Goldes  mit  ungewohnten  Erinnerungen  zugemutet,
dagegen  die  durch  den  heidelberger  Nebenabschied  vorgesehenen  Versicherungen
  unter  Vorwänden  bisher  verzogen  ;  andererseits  wird  gegen
die  säumigen  Zahler  der  Unionsquote,  durch  deren  hohe  Restanten,
wenn  sie  eingebracht  würden,  man  solcher  Darlehen  entübrigt  wäre,
nicht  mit  den  im  15.  Unionsartikel  beliebten  Exekutionsmitteln  vorgegangen;
  auch  die  Rechnungen  werden  nicht  befördert,  vielmehr  zu
grosser  Konfusion  immer  wieder  verzogen.  8.  Obwol  verglichen  worden  ist,
alles,  was  gemeiner  Unierten  Wolfahrt  betrifft,  insgesamt  zu  beraten  und
zu  beschliessen,  so  werden  doch  auch  in  Fällen,  die  Verzug  leiden  könnten,
Partikularkonvente  angestellt,  auch  sonst  absonderliche  weit  aussellende
  Resolutionen  erteilt.  9.  DieStädte  merken  nichts  davon,  dass  gemäss
dem  3.  Artikel  der  Union  die  Tätlichkeiten  eingestellt  oder  die  nachbarlichen
  Irrungen  beigelegt  würden;  diese  setzen  sich  vielmehr  täglich
fort  und  werden  von  einigen  Beamten,  hoffentlich  ohne  Befehl,  zu  eigenem
Nutzen  mit  Schmälerung  des  Einkommens  der  Städte  durch  Sperrung  des
Handels,  Verhinderung  der  Zufuhr  von  Viktualien,  Erhöhung  oder  Anstellung
  ungewöhnlicher  Zölle,  Konfundierung  der  hohen  und  niedern  Obrigkeit,
  Entziehung  der  Jagden,  Steuern  und  Gerechtigkeiten,  Beschützung
mutwillig  austretender  Bürger  und  Untertanen,  Gehorsamsentziehung  und
durch  unablässige  Eingriffe  in  die  städtischen  Rechte  bei  Verachtung
aller  Kammergerichtsmandate  dermassen  gemehrt,  dass  diese  Vorkommnisse
  selbst  den  Gegnern  mehr  als  „Zunötigung‘“  denn  als  vertiauliche
Korrespondenz  erscheinen.

Da  dies  alles  dem  ursprünglichen  Zweck  dieses  Schirmvereins»
den  Abschieden,  ja  selbst  den  Reichsgesetzen  zuwider  ist,  deren  Bestätigung
  doch  diese  Union  sein  soll  und  da  den  Gegnern  dadurch  nur
        <pb n="285" />
        107—108.  1611  263

erwünschter  Anlass  geboten  wird,  bei  den  bisherigen  Misdeutungen  Mäxz  17.
und  Verdächtigungen  der  Union  zu  verharren,  dagegen  andere
evangelische  Stände  vom  Eintritt  abgeschreckt  werden,  so  hoffen
die  Städte,  die  ihren  Verpflichtungen  zum  Ueberfluss  nachgekommen
sind:  man  werde  vor  jeder  andern  Handlung  ihre  Beschwerden
erwägen,  den  geklagten  unerschwinglichen  und  teilweise  unverantwortlichen
  Anlagen  und  übermässigen  Darlehen  Mass  und  für  letztere  auch
Assekuration  geben,  auf  die  versprochene  Gleichheit  bei  Auflegung
der  Bürden  sehen,  die  „termini  defensionis‘  neben  Anstellung
scharfer  Kriegsdisziplin  und  Ergänzung  des  Kriegsrats  einhalten,  die
übermässigen  Kosten,  Drohungen,  die  unnötigen  Partikularschlüsse  neben
den  weitaussehenden  gefährlichen  Resolutionen  einstellen,  die  im
Zahlen  Säumigen  zur  Gebübr  ermahnen,  die  Rechnungen  justifirieren,
  den  durch  den  elsässer  Zug  erschöpften  ‚‚nervus  unionis“
durch  die,  die  damit  den  jülicher  Landen  beisprangen,  ersetzen
lassen,  alle  Tätlichkeiten  und  Unnachbarlichkeiten  der  Beamten  abstellen
  und  insgemein  darauf  sehen,  dass  alle  in  gutem  Vertrauen
beisammen  bleiben,  der  Religions-  und  Landfrieden  gehandhabt,
Ruho  und  Einigkeit  im  Reich  gestiftet,  niemand  über  seine  Quote
und  die  geringeren  Städte  auch  nicht  über  ihr  Vermögen  beschwert
und  schon  gar  nicht  zu  unlauteren  Privat-  und  Nebensachen
gedrungen  werden.

Die  Städtegesandten  sind  ausdrücklich  befehligt,  vor  Abbelfung
  dieser  Beschwerden  sich  in  keine  „hauptsächliche‘“  Handlung
einzulassen:  denn  diese  Abhilfe  dient  zur  Erreichung  des  Zwecks
der  Union,  es  wird  dadurch  Verwirrung  verhütet,  zur  Vermehrung
des  ganzen  Corpus  und  zur  Abwendung  der  Gefahr  der  Weg
geebnet,  der  bisher  angewachsene  Verdacht  von  den  Mitunierten
abgeleitet  und  das  Vertrauen  zwischen  den  Unierten  gemehrt.  In
diesem  Fall  sind  die  Städte  erbietig,  alles  zu  befördern,  was  zur
Erreichung  des  ursprünglichen  Zweckes  dienen  mag.  Signatum
Schweinfurt  7.  martii  a.  1611.

Stg..  Unionsacta,  t.  IX.,  f.  238;  Kopie.

108.  Georg  Schröttl  an  König  Matthias.  März  19.

Ich  habe  mich  mit  E.  kgl.  M.‘  Memorial  sogleich  nach  München
aufgemacht,  mich  dort  bei  Wensin  angegeben,  Dero  Handschreiben
überreicht  und  am  andern  Tag  bei  Herzog  Maximilian  Audienz
erhalten.  Derselbe  dankte  für  die  angebotene  Fortsetzung  der  vertraulichen
  Korrespondenz  und  äusserte:  er  habe  des  passauer  Volks
Vornehmen  in  Oesterreich  und  Böhmen  ungern  vernommen;  seine
Leute,  die  er  an  der  österreichischen  Grenze  gehabt,  hätten  ihm  von
dessen  üblen  Hausen  weitläufig  berichtet;  er  könne  den  Prozess
nicht  gutheissen,  habe  nie  zur  Bestellung  oder  längeren  Unterhaltung
des  Volkes  geraten  und  dem  Kaiser,  als  dieser  um  sein  Gutachten
        <pb n="286" />
        März  19.

264  1611  108.

ersuchte,  die  drohenden  Unzukömmlichkeiten  entdeckt,  wie  auch
seine  Prophezeiung  sich  bewahrheitett  und  er  sich  hiedurch  ner
Misgunst  auf  den  Hals  geladen  habe.  Fast  alle  Beichsfürsten
empfänden  die  Insolenz  dieses  Volkes,  hätten  deswegen  grosse  Unkosten
gehabt  und  seien  unzufrieden.  Der  Herzog  habe  niemals  daran  gedacht,
etwas  Widriges  gegen  E.  M.  oder  Dero  Lande  vorzunehmen
sondern  gedenke  die  nachbarliche  Korrespondenz  fortzusetzen.  E.  M.!
sollen  den  widerwärtigen  Leuten,  welche  vorgeben,  er,  der  Herzog,
wolle  dem  Kaiser  gegen  E.  M.'  beistehen,  keinen  Glauben
schenken  ;  derlei  täten  diese  Leute  öfters.  Der  Kaiser  habe  ihn
nie  um  Hilfe  ersucht;  in  billigen  Sachen  sei  er  zwar  als  Lehensmann
  verpflichtet,  ihm  beizuspringen;  er  sei  aber  bisher  stets
neutral  geblieben  und  sei  auch  noch  entschlossen,  solche  Widerwärtigkeiten
  mehr  durch  Glimpf  als  durch  Blutvergiessen  stillen
zu  helfen  und  nicht  frische  Kohlen  auf  die  Glut  zu  tragen.

Von  Erzherzog  Leopold  hat  der  Herzog  nichts  weiter  als  in
genere  das  geäussert:  ‚dass  jetzo  die  jungen  leut  öfters  was  tentiern
und  fürnemen,  weliches  hernach  vil  ein  andern  ausgang  als  si  vermaint,
  erraichen  thue.“

Wegen  des  Kriegsvolks,  das  durch  sein  Gebiet  den  Passauern
zuzieht,  habe  er  bereits  Mandate  erlassen,  auf  das  gartende  Volk  und
den  Tross  Acht  zu  geben,  alle  Werbungen  einzustellen  und  Zuwiderhandelnde
  mit  dem  Strang  hinrichten  zu  lassen.  Einige  Befehlshabern
seien  mit  „Boletten“,  die  von  Ramde  ausgestellt  waren,  zu  seinen
Beamten  und  in  die  Städte  gekommen,  um  zu  werben,  was  ihnen
aber  abgeschlagen  wurde.

Dem  Kriegsvolk,  das  ausser  Landes,  sei  es  für  den  Kaiser,  sei
es  für  E.M.!  geworben  worden  war,  habe  man  beim  Hinabreisen  kein
Hindernis  in  den  Weg  gelegt  sondern  durch  die  Finger  gesehen.
Vor  Abdankung  des  elsässer  Volks  habe  der  Kaiser  vom  Herzog  begehrt,
  dies  Volk  durch  dessen  Gebiet  ziehen  zu  lassen,  was  rund
abgeschlagen  wurde.

Wegen  des  Begehrens  E.  M.,  bei  künftigen  Einfällen  in
Dero  Lande  der  Hilfe  der  benachbarten  Kreise  versichert  zu  sein,
konnte  der  Herzog  sich  diesmal  nicht  erklären,  weil  er  darüber
die  angrenzenden  Kreise  noch  nicht  vernommen  hätte.  Wegen  der
begehrten  vertraulichen  Avisen  will  der  Herzog  nichts  unterlassen;
  mit  dem  Salzburger  wäre  er  aber  nicht  so  wie  B.  M.
vertraut,  wolle  aber  auch  ihn  zu  nachbarlicher  Korrespondenz
bewegen,

Die  versprochene  Mitteilung  von  E.  M.'  Bescheid  an  die
kaiserlichen  Gesandten  zu  Wien  erwarte  er  und  wolle  bei  dem  bleiben,
was  er  E.  M.'  letzthin  durch  Dero  Gesandten!  habe  andeuten  lassen;
er  hoffe  übrigens,  dass  nunmehr  die  Unruhen  in  Böhmen  gestillt  werden

!  Vgl,  oben  no.  25,  8,  63,  Anm.  2.
        <pb n="287" />
        108—109.  1611  265

können:  denu  der  Hofrat  des  Erzherzogs  Leopold,  Hans  Jakob  Harmb,!
der  von  Prag  zu  ihm  geschickt  worden  war,  habe  ihm  mitgeteilt,  dass
der  Kaiser  sich  endlich  entschlossen  habe,  die  Passauer  abzudanken,
und  dass  der  böhmische  Kammerpräsident  Dohna  Mittel  zur  Bezahlung
des  Volkes  vorgeschlagen  habe.

Am  andern  Tag  bat  der  Herzog  durch  Wensin  mich  nochmals
zu  sich  rufen  lassen  und  gesagt:  er  hoffe,  dass  E.  M.'  mit  seinen
Erklärungen  und  Erbieten  zufrieden  sein  werden;  das  Verfahren  des
passauer  Volkes  sei  ihm  ganz  misfällig  gewesen,  es  sei  ein  weitaussehendes
  Werk  mit  böser  Konsequenz;  er  bleibe  E.  M.'  mit  treuer
Iiebe  zugetan,  meine  es  mit  Derselben  nur  ganz  treuherzig  und
aufrecht  und  versehe  sich,  dass,  wenn  ihm  etwas  widerwärtiges  zustiesse,
  Sie  ihm  gleichfalls  beispringen  werden.  Mit  Salzburg  habe
er  keine  ‚„intrinseca  familiaritas;“  der  Erzbischof  werde  E.  M.'  mehr
respektieren,  doch  wolle  er  ihm  schreiben.

Der  Herzog  übergab  mir  endlich  beiliegendes  Handschreiben  und
bemerkte  nochmals,  dass  er  bei  dem  bleibe,  was  er  jüngst  durch
Casal  E.  M.!  habe  andeuten  lassen.?

Am  Sonntag,  acht  Tage  vor  meiner  Ankunft,  ist  der  junge  Fürst
von  Neuburg  nach  München  gekommen  und  vom  Herzog  selbst  stattlich
einbegleitet,  auch  bis  Mittwoch  hier  traktiert  worden.”  Er  soll  sich
sehr  beklagt  haben,  dass  sich  Sachsen  und  Brandenburg’  wegen
Jülich  mit  einander  verglichen  und  ihn  ausgeschlossen  hätten;
daneben  hielt  er  um  Interzession  beim  Kaiser  an,  damit  seinem  Vater
die  Administration  von  Kurbrandenburg  [!]  bestätigt  werde.  Geben
Wien  den  19.  martii  a.  1611.

Wi,IA  1,  Ka.  2989;  Or.  eigh.‘

109.  Bericht  von  der  Pazifikationshandlung  zu
Jüterbogk.

Man  muss  bedauern,  dass  der  Kurfürst  [von  Brandenburg]  hier
nicht  besser  mit  wolgeeigneten  Räten  versehen  ist  und  dass  er
keinen  „rechten,  verfassten  und  bestelten  rat“  hat;  ‚ja  man  möcht
wol  sagen,  dass  gar  kein  rat  diess  orts  zu  finden,  würt  alles  unordentlich
  verrichtet  und  obenhin.  Bei  I.  chfl.  Gn.  ist  wenig

ı  Am  3.  März  wurde  der  erzherzogliche  Hofrat  Hans  Jakob  Harmb
von  Eyers  an  Erzherzog  Maximilian  beglaubigt  (Ib,  Ambraser  Akten,
Missiven  vom  März  1611,  no.  36;  Or.);  auf  der  Reise  hatte  er  auch  den
Herzog  von  Balern  angesprochen  (Kurköln  an  Herzog  Maximilian  am  31.  März
in  Ma.,39,9,  £.17;  Or.).  Leider  habe  ich  das  Schreiben  des  Herzogs  an  den
Kurfürsten,  worin  jener  seine  Resolution  an  Harmb  mitteilt,  nicht  gefunden.

?  Vgl.  oben  no.  61,  S.  132,  Anm.  3  und  no.  72,

®  Vgl.  oben  no.  92  und  Anm.  2  auf  8.  203;  darnach  war  Schröttl
etwa  am  18.  März  in  München  angekommen.

*  Ein  dankendes  Antwortschreiben  des  Königs  vom  26.  März  aus  Prag
in  Wi.,  a.  a.  O.;  Kpt.

März  19.

März  19.
        <pb n="288" />
        März  19.

266  1611  109.

resolution  in  dergleichen  sachen,  die  räte  wollen  ohne  I.  chfl.  Ga.
resolution  nichts  thun.  I.  chfl.  Gn.  werden  sich  ruiniren,  wo  sie
dieser  unordnung  nicht  vorkommen,  so  balt  es  müglich.“!

Was  den  Vertrag  mit  Sachsen  betrifft,  so  ist  1.  richtig,  „dass
allein  die  assistenten  die  genzliche  und  realem  ypossessionem  der
lande  Gülich  und  derselben  zuebehörungen  erhalten  haben  und  mit
nichten  die  possidirende  fürsten  durch  ihren  rat  oder  durch  ihre
macht;  welche  fürsten  uud  ihre  räte  die  sache  mehr  gehindert,
remoriret  und  ufgehalten  als  befordert,  indeın  sie  uneins,  mistrauig,
nicht  verschwiegen,  misgünstig,  in  summa  der  sachen  nicht  gewachsen
gewesen.‘  Ferner  ist  das  Kriegsvolk  der  possidierenden  Fürsten
schlecht  diszipliniertt  und  noch  schlechter  bezahlt  gewesen,  so  dass
man  davon  mehr  Schaden  als  Nutzen  gehabt  und  unlougbar  die
Eroberung  und  Erhaltung  Jülichs  allein  der  Hilfe  der  fremden  Könige,
Fürsten  und  Potentaten  zu  verdanken  hatte,  die  einhellig  raten,
Sachsen  in  die  Possession  einzunehmen,  und  die  Brandenburg  mit
Entziehung  der  Hilfe  drohen,  falls  es  widerstrebt.

2.  „So  können  Brandenburgs  sachen  in  dem  jotzigen  unwesen
nicht  lenger  bestehen  one  sonderbare  gefahr,  dass  nicht  alles  uber
einen  haufen  falle;  denn  den  beiden  Possidierenden  fehlt  Vertrauen
und  Einigkeit  zu  einander,  jeder  sieht  auf  sich  und  regieren  die
Privataffekte  gar  zu  sehr  bei  ihnen.  „Die  alten  ambassadores  der
frembden  potentaten,  welche  sich  haben  pflegen  zu  interponiren  und
die  fürsten,  wann  sie  uneins  gewesen  und  einander  raufen  wollen,
zu  vergleichen,  seind  von  ihren  herrschaften  absefordert  und  die
jetzigen  ambassadores  seind  weder  der  qualiteten  noch  der  autoritet,
dass  sie  das  praestiren  können,  was  die  vorigen  gethan.“  Die
Possidierenden  haben  in  den  jülichscken  Landen  auch  keine  rechten
Häupter,  die  dem  Kriegswesen  vorstehen  können,  sie  können  sich  auch
wegen  der  Befehle  nicht  vergleichen,  ihre  Ratschlüsse  sind  zwiespältig
und,  wenn  schon  in  den  Landen  unten  ein  guter  Entschluss  gefasst
wird,  so  ist  zu  Berlin  und  Neuburg  keine  Resolution  und  fehlen  die
Mittel  zur  Ausführung.  Daraus  und  wegen  der  mangelhaften  Bezahlung
wird  nichts  als  Konfusion,  Verheerung  der  Lande  und  Unwille  der  Leute
erwachsen,  ohne  dass  man  ein  Mittel  sieht,  dem  zu  steuern.  In  sieben
Monaten  hat  das  kurbrandenburgische  Volk  keine  Bezahlung  er-I

  Aehnlich  scharf  urteilt  Fürst  Christian  von  Anhalt  in  einem  Schreiben
an  seinen  Bruder  Johann  Georg  tiber  die  Verhältnisse  in  Berlin:  „Alhie
seyn  die  ordentlichen  confusiones  in  keynem  abnehmen.  So  finde  ich  keyn
formatum  consilium  vnd  vbergrosse  factiones  vad  dissidia;  man  praecipitiret
one  nott  vnd  hatt  den  pfalzgrauen  |Wolfgang  Wilhelm]  noch  nicht  geforderet.*
Englands  Ratschläge  werden  wol  ihre  Wirkung  haben,  aber  leider  nicht
„amore  virtutis  sed  formidine  poenao  vnd  lest  man  sich  zu  sehr  mercken,
dass  man  den  hasen  im  busen.“  (Schreiben  vom  6./16.  Januar  aus  Berlin;
De.,  A  9  a;  1a;  no.  62;  -  Or.).  Vgl.  über  die  Verhältnisse  am  berliner
Hof  M.  Ritter,  Deutsche  Geschichte  im  Zeitalter  der  Gegenreformation,  II.,
S.  369  und  A.  Chroust,  Abraham  von  Dohna,  S.  95.
        <pb n="289" />
        109.  1611  267

halten  und  wird  wol  bis  zum  achten  oder  neunten  Monat  darauf  März  19
warten  müssen.!

3.  Jeder  Politiker  kann  leicht  absehen,  dass  Spanien  sich  diese
Gelegenheit  zu  Nutzen  machen  wird;  wenn  Erzherzog  Albrecht
von  Sachsen  um  Assistenz  ersucht  wird,  so  dürfte  er  dazu  ebenso
bereit  sein  als  die  Staaten  gegenüber  Kurbrandenburg  willig  waren.?
Das  würde  dann  kurzen  Prozess  geben:  die  unbezahlte  Besatzung  von
Jülich  könnte  leicht  meutern  und  die  Festung  (wovor  Graf  Moriz
sich  so  besorgt)  einem  dritten  überliefern,  der  nicht  Brandenburgs
Freund  ist,  abgesehen  davon,  dass  auch  die  jülichschen  Stände
dadurch  Lust  bekommen  würden,  sich  von  aller  Untertänigkeit  zu
befreien;  kurz  die  Sache  steht  so,  dass  es  weder  des  passauer  Volkes
noch  der  Acht  noch  anderer  Gewalt  bedarf  sondern,  wenn  Sachsen
nur  ein  wenig  temporisieren  will,  wird  der  Pelz  so  zerrissen,
dass  Sachsen  mit  Hilfe  der  Erzherzoge  die  Lande  in  die  Hände  fallen
werden,  ohne  dass  es  selbst  recht  weiss,  wie  es  dazu  gekommen  ist.
Mit  Recht  sagt  der  englische  Gesandto:  „ipsa  si  nos  cuperet  salus
servare  non  posset.‘“  —  Dazu  ist  Jülich  ein  offenes  Land  mit  vielen
kleinen  Städten,  die  entweder  Besatzungen  erhalten  oder  geschleift
werden  müssen;  einige  davon  können  fester  gemacht  werden  als  die
Stadt  Jülich,  auf  die  Spanien  stets  ein  Auge  hat,  weshalb  es  sich  zur
Hilfe  um  so  eher  gebrauchen  lassen  wird.  Die  Residenz  Düsseldorf
bat  nur  den  Namen  einer  guten  Festung,  sonst  aber  grosse  Mängel,
so  dass  man  während  der  Belagerung  von  Jülich  sich  vor  nichts
mehr  als  vor  einer  Ueberrumplung  Düsseldorfs  gefürchtet  bat.  Von
Wesel  sagen  alle  Kriegskundigen,  dass,  wenn  einer  mit  800  bis
1000  Mann  samt  dem  nötigen  Geschütz  und  Zubehör  davor  zieht,  er
binnen  vierzehn  Tagen  mit  Hilfe  der  dortigen  Klerisei  der  Stadt
Herr  werden  kann.  Dasselbe  gilt  von  kleineren  Orten.

4.  Die  Einnahme  Sachsens  in  die  Possession  hat  zwar  ihre
grossen  Schwierigkeiten,  ist  aber  doch  erträglicher  als  wenn  man
die  jülichschen  Lande  lange  in  diesem  zweifelhaften  Stande  lässt  und
dadurch  den  Nachbarn  Anlass  gibt,  ihre  Augen  immer  mehr  darauf
zu  werfen,  wozu  sie  schon  bei  Jebzeiten  des  alten  Herzogs  geneigt
waren.  Das  Recht  auf  die  Lande  steht  zwar  bei  dem  unparteiischen
Richter,  dessen  man  sich  vergleichen  wird;  aber  dies  Recht  soll  so
verworren  sein,  dass,  wenn  der  Richter  nach  Recht  und  Gewissen
sprechen  will,  er  sich  wol  noch  ein  paar  Tage  wird  bedenken  müssen,
ehe  er  den  rechtlichen  Ausspruch  tut;  lieber  wird  er  es  auf  gütliche
Handlung  stellen.

5.  Was  man  jetzt  zu  Jüterbogk  verhandelt,  ist  kein  neues
Werk.  Von  Rechtswegen  brauchte  zwar  Brandenburg  ebenso  wenig
Sachsen  zu  admittioren  als  der  König  von  Spanien  die  Staaten  für

a  Ueber  die  kurbrandenburgischen  Finanzen  vgl.  M.  Ritter,  a.  a.  O.,
8.  294  und  409.
”  Vgl  oben  no.  17.
        <pb n="290" />
        März  19.

268  1611  109.

freie  Stände  und  Lande  zu  erklären;  aber  es  wurde  von  zwei  Uebeln
das  geringere  gewählt.  Man  hatte  übrigens  schon  zu  Köln  in  Sachsens
Admission  gewilligt,”  wenn  der  Rechtsspruch  nicht  binnen  sechs
Monaten,  was  doch  unmöglich  war,  orfolgen  würde;  ebenso  ist  man
dort  darauf  eingegangen,  dass  die  Possession  der  Lande  in  des
Kaisers  Namen  geschebe,  dass  der  Gubernator  von  Jülich  dem  Kaiser
schwöre  und  dass  die  rechtliche  Erkenntnis  der  Sache  dem
Kaiser  und  dem  kaiserlichen  Hof  eingeräumt  werde.  Das  alles  war
gewiss  viel  praejudizierlicher  als  das,  was  man  jetzt  zu  Jüterbogk
verbandelt.

Man  muss  endlich  bedenken,  dass  die  fornern  Unkosten,  die  unter  diesen
Umständen  auf  die  Behauptung  Jülichs  und  die  Versicherung  der  Mark
Brandenburg  gehen,  abgesehen  von  der  grossen  Sorge  und  Gefahr  dem
Kurfürsten  von  Brandenburg  nicht  länger  erschwinglich  sein  werden,
dass  aber  durch  einen  Vergleich  mit  Sachsen  dies  alles  erleichtert
und  aufhören  wird;  die  fernere  Hilfe  fremder  Potentaten  ist  ohnehin
zweifelhaft;  das  Land  wird  auch  von  den  täglichen  Räubereien  und
Plünderungen  befreit  und  zur  Ruhe  kommen,  ohne  welche  die  schliessliche
Entscheidung  ohnehin  nicht  vorgenommen  werden  kann.  Auch  das
Regiment  in  Jülich,  das  jetzt  ganz  uneins  und  zerrissen  ist,  wird
bessere  Form  gewinnen;  vor  allem  aber  wird  man  zu  Ruhe  und
Frieden  und  zu  besserem  Einvernehmen  unter  den  Evangelischen  gelangen
und  Sachsen  wird  von  der  Liga  und  den  pragerischen  Ratschlägen  abgezogen.
  Das  ist  aber  so  nötig,  dass  man  Gott  danken  muss,  dass  Sachsen
eben  während  der  jüterbogker  Pazifikation  durch  den  leopoldinischen
Einfall  die  Augen  geöffnet  wurden,  damit  es  sehe,  wie  sehr  man
seine  Autorität  zu  Prag  misbraucht  und  wie  treulich  man  as  mit
ihm  und  allen  Evangelischen  meint.  Dazu  finden  alle  kurbrandenburgischen
  Räte,  alle  Assistenten  und  die  Abgeordneten  aus  Jülich
ohne  Ausnahme  für  ratsam,  den  rechtlichen  Ausschlag  nach  Möglichkeit
  zu  befördern.  Datum  Jüterbogk  9.  martii  1611.

Schl,  1613;  Kopie.!

!  Schreiber  obigen  Berichte  ist  wahrscheinlich  Fürst  Christian  von
Anhalt,  wie  aus  der  Empfeblung  der  englischen  Vorschläge,  aus  der  Kritik
der  brandenburger  Verhältnisse,  vor  allem  aus  der  Parallellität  der  Argumente
  mit  denen  der  grossen  Denkschrift  wegen  der  Einnahme  Sachsens
(oben  no.  58),  die  vom  Fürsten  beeinflusst  war,  geschlossen  werden  kann.
Dor  Empfänger  ist  wol  am  dessauer  Hof  zu  suchen;  die  engen  Beziehungen
zwischen  Dessau  und  Schlobitten  legen  auch  ıiese  Vermutung  nahe  —
Eine  bemerkenswerte  Ergänzung  obigen  Schreibens  bildet  ein  Schreiben  aus
der  Umgebung  der  Kurfürstin  von  Brandenburg,  die  der  Einnahme  Sachsens
aufs  äusserste  widerstrebte;  das  Schreiben  ist  am  20./30.  März,  also  unmittelbar
  vor  Abschluss  des  jüterbogker  Vertrages  geschrieben.  Der  unbekannte
  Schreiber  sagt  u.  a.:  Meine  gnädigste  Frau  und  die  kurbrandenburgischen
  Räte  haben  es  treulich  gemeint;  alle  andern  Bekannten  und
Verwandten  sind  aber  von  Brandenburg  abgefallen  und  respektieren  Sachsen
viel  mehr.  „Die  assistenten  haben  Brandenburg  erst  in  die  springe  gebracht
mit  vorgeben,  dass  Franckreich  und  Engelland  nicht  mehr  helfen  würden,
da  man  doch  das  contrarium  weiss  und  würt  noch  wol  an  den  tag  kommen,
        <pb n="291" />
        110.  1611  269

110.  Abschied  der  oberländischen  Ligastände  zu
Augsburg.

Die  Gesandten  der  Stände  sind  am  16.  zusammengekommen!  und
haben  die  Punkte  des  Ausschreibens  erörtert.  —  Wegen  der  Einnahme
des  Hauses  Sachsen  ist  ihnen  das  Schreiben  des  Kurfürsten

ob  man  bemelte  „potontaten  darzue  disponiret  oder  sie  von  sich  selbst  fernere
assistenz  abgeschlagen.“  Einer  der  kurbrandenburgischen  Räte  [wol  Pruckmann]
  ist  aus  Furcht  beinaho  den  Assistenten  beigetreten;  Hessen  [Landgraf
  Moriz]  fiel  gar  fast  mit  der  Tür  ins  Haus,  wollte  Brandenburga
„,Notdurft‘‘  Sachsen  nicht  referieren  und  zwang  fast  die  kurbrandenburgischen
Räte,  in  alles  zu  willigen,  was  die  Assistenten  wollten;  „dargegen  man
Brandenburg  theils  kein  haubt  gehabt,  dahin  man  sich  hette  können  halten.
Die  assistenten  haben  den  churfurston  zue  Brandenburg  unter  sich  gehabt
und  zu  ihrem  gefallen  gebraucht.  Weil  dann  auch  darzue  gekommen,  dass
des  kaisers  räte  (woruf  sich  Sachsen  verlesst)  in  höchster  gefahr  seind  und
Matthias  gegen  Brandenburg  fleissig  correspondiret,  auch  numehr  resolvirt,
sich  nicht  eher  aus  Behmen  zue  begeben,  er  welle  dann  sein  regiment
daselbst  stabiliren  und  alles  in  sicherheit  bringen,  so  hat  solcher  prooess
wegen  einnebmung  Saxens  in  die  possession  die  brandenburgischen  räte  gar
heftig  verdrossen;  seind  darüber  ausgefilzt;  man  hat  ihnen  die  eusserste
gefahr  anerboten,  biss  dass  sie  es  entlich  cum  protestatione  tacite  haben
müessen  gehen  lassen,  wie  es  gehet.“  Manche  gönnen  eben  dem  Hause
Brandenburg  den  Zuwachs  nicht;  Gott  wird  aber  alle  falschen  Herzen  wol
finden.  „Es  mangelt  allerseits  am  haubt;  reliqua  membra  languescunt.  Ess  soll
kein  mensch  glauben,  dass  solche  untreu  unter  grossen  herro  verhanden.
Es  ist  kein  amor  religionis  oder  libertatis  publicae  zue  splieren,  ehr  und
eigennutz  haben  den  vorgang.  Man  sagt,  Brandenburg  könne  allein  die
lande  nicht  erhalten,  hingegen  sagt  man,  ein  land,  das  beisammen  ist,  kann
sich  besser  defendiren  als  wann  es  in  viel  theil  zerrissen  würt.  Sachsen
kann  auch  allein  nicht  die  lande  erhalten  sondern,  wann  die  lande  beisammen
bleiben,  einen  gewissen  herrn  haben,  mit  den  Staden  und  Franzosen  wol
stehen,  darin  beruhet  ihre  macht.

Das  beste  fundament  der  assistenten  ist,  dass  durch  den  vertrag  bei
diesen  gefehrlichen  leuften  das  churfurstliche  cullegium  einig  sein  muss,
sonst  könne  kein  reichstag  oder  andere  zusammenkunft  gehalten  werden.
Man  fragt  aber  hinwiderumb,  wer  dann  in  solchen  fällen  weichen  soll,  der
recht  oder  unrecht  begehret.  Brandenburg  erbeut  sich  zue  schleinigem
rechte,  Saxen  will  von  keinem  rechten  hören,  will  mit  gewalt  in  die
possession  und  [begert|  keines  andern.  Brandenburgs  bruder,  der  erzbischof  |von
Magdeburg],  fellet  dem  churfursten  auch  abe,  die  andern  vettern  sagen,  von
der  union  habe  der  churfurst  zue  Brandenburg  wenig  hilfe  zue  gewarten,
und  fallen  also  dem  bei,  der  der  union  zuwider.  Mancher  wünschet,  dass
er  diese  zeit  nicht  erlebet  hette;  mancher  hat  sich  gemühet,  dass  er  allen
seinen  vigorem  verloren.  Hette  Brandenburg  keine  assistenten  gehabt,  so
hette  es  aequioribus  conditionibus  pacisciren  können“.  Graf  von  Lynar  hat
Kurbrandenburg  schlechte  Dienste  erwiesen,  Gerstenberg  war  stets  bei  ihm
und  bei  Distelmeyer  (Schl.,  13./3.  ;  Kopie).

ı  Die  Gesandten  sind:  für  Baiern  —  Joachim  von  Donnersberg  und
Eisenheim;  für  Bamberg  —  Hans  Onuphrius  von  Pellheim;  für  Würzburg  —
Valentin  Echter  zu  Meepelbrunn;  für  Konstanz  —  D.r  Johann  Jakob
Deschler;  für  Augsburg  (zugleich  für  Kempten)  —  D.r  Mathes;  für  Regensburg
  —  D.r  Simprecht  Mertz,  Kanzler;  für  Ellwangen  —  Gebhard  Schelbammer;
  für  die  Reichspraelaten  —  D.'  Albrecht  Everhart;  für  die  Grafen
und  Herrn  --  Johann  Jakob  Oppenheimer.

März  21.
        <pb n="292" />
        März  21.

270  1611  110.

von  Mainz  an  Herzog  Maximilian  nebst  dem  „bunts-  und  notificationsschreiben‘
  und  der  Beschluss  der  rheinischen  Stände  mitgeteilt  worden.!
Da  von  diesen  ‚„numero  in  diser  sachen  zimblich  weit  verfaren,‘‘  so
ist  rätlich  befunden  worden,  das  „punts-  und  notificationsschreiben  ehistauszufertigen,?
  beinebens  reiflich  und  wol  zu  considerirn,  mit  was
mass  und  conditionen  bei  negst  vorsteendem  puntstag  mit...  Sachsen
ein  verstant  zu  machen.“  Obwol  die  Gesandten  darauf  meist  nicht
instruiert  waren,  sind  folgende  Mittel,  „welche  den  sachsischen  algeordneten
  gradatim  vorzuschlagen,‘“  bedacht  worden:  Als  das  beste
scheint,  „mit  dem  hauss  Sachsen  nit  tanquam  membro  unionis  ....
sonder  als  einem  gehorsamen  stand  des  reichs  ein  solche  reciprocam
obligationem  .  .  ...  zu  machen,  das  zwischen  den  catholischen  buntssteenden
  und  dem  hauss  Sachsen  hinfiro  ein  guetter  vertraulicher
fritlibender  verstant  und  rechtes  teusches  vertrauen  gepflanzt,  vortgesezt
  und  erhalten  werde,  keiner  den  andern,  uf  was  weeg  es  immer
sein  kan  oder  mag,  mit  der  tat  belaidigen,  schaden  zufuegen  oder
mit  desselben  widerigen  sich  verpinden,  da  auch  wider  verhoffen  zwischen
inen  streit  forfielen,  dieselben  durch  fridiiche  underhandlung  und
schleinigen  compromiss  zu  erortern  seien;  den  auch  uf  den  fal,  da
das  hauss  Sachsen  sambt  dero  rue:igen  [!]  furstentumb  und  lant
wider  die  heilsamen  wolfursehnen  reichssazungen  zu  schwechung  des
religion-  und  profanfridens  gewaltetig  de  facto  angriffen  [wurde],  dass
uf  solchen  fall  der  catholische  punt  dem  hauss  Sachssen  mit  einer  anzahl
volk  zu  ross  und  fuss  (deren  man  sich  bei  konftiger  tractation  vergleichen
  könnte)  beispringen,“  Sachsen  dagegen  dem  Bunde  ebenso
Hilfe  leisten  müsste.  —  Besteht  aber  Sachsen  gegen  Erwarten  darauf,
„pro  vero  et  integro  membro  unionis  erkant“  zu  werden,  so  wäre  es
auf  die  alte  Notul  einzunehmen,  in  der  jedoch  der  Ausdruck  „der
Catholischen  verain‘  etwa  in  ‚der  gehorsamen  stent  des  reichs  beder
religion  verpintnuss  zu  hanthabung  des  religion-  und  prophanfridens,
des  heil.  rom.  reichs  sazungen‘“  oder  ähnliches  zu  verändern  wäre,  —
Dringt  Sachsen  endlich  auf  Zugrundelegung  der  ihm  von  dem  Kurfürsten
  von  Mainz  zugestellten  Notel,  so  ‚were  die  sach  dohin  zu
moderirn,  dass  die  oberlendischen  buntssteut  beisamen  bei  der  vorigen
puntsnotul  verbleiben,  mit  den  reinschen  verainigungsstenden  guete
correspondenz  und  zusamensezungen  pflegen,  besagte  reinlendische
steende  aber  das  hauss  Sachsen  zu  sich  uf  die  von  Maintz  neu  verfaste
  puntsnotul  in  die  verain  ziehen,“  aus  sich  einem  Obersten  erwäblen
  und  eine  besondere  Kasse  halten,  doch  dass  beide  Teile  einander

!  Vgl.  oben  no.  102.

?  Noch  am  19.  März  schreibt  der  Herzog  von  Baiern  an  den  Kur
fürsten  von  Mainz:  Ja  die  oberländischen  Bundesstände  sich  die  Einnabme
Kursachsens  gefallen  lassen,  so  hat  er  das  vom  Kurfürsten  ihm  zugeschickte
Schreiben  für  Kursachsen  (vgl.  oben  no.  9),  S.  200,  Anm.  2)  gefertigt  und
nach  Dresden  geschickt,  ebenso  die  Ausschreiben  zum  würzburger  Ligatag
(vgl.  ebeniia,  8.  201,  Anm.  1)  expediert  (Wmz.,  Religionsakten,  Band  12,
no.  52;  Ur.)
        <pb n="293" />
        110—111.  1611  271

stets  beistehen.  —  Die  Prüfung  der  von  Baiern,  Bamberg,  Würzburg,  März  21.

Konstanz  und  Augsburg  vorgelegten  Rechnungen  wird,  da  sie  alle
Stände  angeht,  auf  den  würzburger  Tag  verschobon.  -—  Da  man
Baiern,  Bamberg,  Würzburg  und  Augsburg  254  189  fl.  schuldet!  ur.d
noch  130607  fi.  ausständig  sind,  so  sollen  die  Bischöfe  von  Konstauz
und  Augsburg  die  schwäbischen  Prälaten,  Grafen  und  Herren  und
deren  Bankverwandte,?  die  der  grösste  Teil  der  Restanten  triftt,
zur  schleunigen  Erlegung  der  Rückstände  ermahnen;  weil  aber  auch
darnach  ein  Teil  der  Schuld  ungedeckt  bleibt,  sollen  neuerdings
15  Monate,  zur  Hälfte  zu  Michaelis,  znr  Hälfte  zu  Martini  erlegt
worden.  Einige  Gesandte  haben  letzteres  nur  zu  Bericht  genommen.
Geschehen  in  Augspurg  den  21.  marti  a.  1611.

Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V.,  no.  36,  f.  75;  Kpt.  von  Leuker  mit  Zusätzen
Donnersbergs;  —  Bamberg,  Kath.  Bundesakten,  I,  f.  458;  Or.

1ll.  Instruktion  des  Kurfürsten  von  Mainz  für  die
verschiedenen  Gesandtschaften  zu  den  Kurfürsten  von
Trier,  Köln  und  Sachsen.

Die  Gesandten?  sollen  anbringen:  Seit  dem  prager  Konvent  und  seit
dem  Einfall  des  passauer  Kriegsvolkes  in  Prag  ist  es  dahin
gekommen,  dass  der  Kaiser  und  das  ganze  kaiserliche  Schloss  von
böhmischem  und  mährischen  Volk  verwahrt  ist!  und  der  König  von
Ungarn  in  Prag  erwartet  wird,  ohne  dass  man  weiss,  was  Gott  noch
weiter  über  Kaiser  und  Reich  verhängen  wird.  Wir  sind  zwar  wiederholt
  vom  Kaiser  einer  Abordnung  vertröstet  worden,  durch  die  er
uns  den  Verlauf  und  seine  Intention  kund  geben  wolle;  die  ist
aber  bisher  unterblieben  und  wol  zu  besorgen,  dass  es  in  Prag  so  weit
gekommen  ist,  dass  niemand  ohne  Gefahr  aus  und  ein  kann.  Wir
zweifeln  zwar  nicht,  dass  S.  L.  längst  erwogen  haben  wird,  wie
übel  es  im  Reiche  bestellt  wäre,  wenn  dessen  Haupt  aus
so  grosser  Gefahr  nicht  errettet  würde  oder  man  gar  eines  Oberı

  Im  einzelnen  an  Baiern  129053  fl.,  an  Bamberg  14770  fl.,  an
Würzburg  52365  fl.  und  an  Augsburg  über  58000  fl.  (Mc.,  Entstehung,
Fasz.  VII.,  no.  51,  f.  326.)

?  Die  Praelaten  waren  mit  58955  fl.  11  krz.,  die  Grafen  und  Herrn
mit  71652  fl.  im  Rückstand;  von  letzteren  hatte  überhaupt  nur  Graf
Frobenios  von  Helfenstein  seine  (Juote  erlegt,  son  ersteren  (abgesehen  von
Bamberg,  Würzburg  und  Augsburg)  nur  Regensburg,  Weingarten,  Ochsenhausen
  und  Ursberg  (Bamberg,  Bundesakten,  I.,  f.  381).

*  Kaspar  von  Eltz  gieng  zu  Kurtrier,  Friedrich  von  Fürstenberg,
kurmainzischer  Oberamtmann  zu  Königsstein,  zu  Kurköln  und  Brömser  zu
Kursachsen  (Beglaubigungen  vom  22.  März  in  Wmz.,  Reichstagsakten,
Bd.  103c,  no.  17;  Kpte.).  —  Vgl.  oben  no.  104,  S.  247,  Anm.  1.

*  In  dem  Anbringen  bei  Kursachsen  hiess  es  schärfer:  ...  und  der
Kaiser  dergestalt  mit  Unbescheidenheit  eingetan  und  versperrt  ist,  dass
er  für  nichts  anderes  als  eine  schimpfliche  und  verkleinerliche  Haft  zu

ten  ist.

März  22,
        <pb n="294" />
        272  1611  111.

.  hauptes  entbehren  müsste  und  wie  unverantwortlich  &amp;amp;&amp;amp;  für  uns

Kurfürsten  wäre,  dabei  still  zu  sitzen,  statt  sich  zusammenzutun  und
die  Notdurft  des  Kaisers  und  des  Reiches  zu  bedenken.  Wir  wollen
daber  S.  L.  wie  unserer  andern  Mitkurfürsten  Gutachten  durch  diese
Schickungen  darüber  einholen,  ob  es  nicht  unbedingt  nötig  ist,  dass  wenn
nichtalle,sodoch  einigeKurfürsten  persönlichzusammenkommen
und  folgende  Punkte  beraten:  1.  Ob  und  wie  Mittel  zu  finden
seien,  den  Kaiser  und  den  König  zu  besserem  Verständnis  zu  bringen
und  die  Niederlegung  der  Waffen  zu  bewirken  oder,  wenn  dazu  nach
dem  früheren  Verlauf  keine  Hoffnung  wäre,  wie  der  Kaiser  schleunigst
aus  der  grossen  Unsicherheit  gerettet  uud  das  Reich  seines  Oberhaupts
versichert  werden  könnte;  2.  wie  trotzdem  beim  Kaiser  endlich
zuwege  gebracht  werden  könnte,  sich  ohne  weiteres  Zaudern  der
Nachfolge  halber  so  zu  erklären,  dass  den  Kurfürsten  hierin  die
Hand  nicht  länger  gesperrt  bleibt;  3.  wie  die  Einigkeit  im  Kurfürstenkolleg,
  das  eine  gute  Zeit  her  durch  schädliches  Mistrauen
getrennt  und  durch  die  Ungelegenheit  mit  Kurbrandenburg  und  durch
den  kurpfälzischen  Administrationsstreit  auch  unergänzt  ist,  wirklich  und
fruchtbar  wieder  borgestellt,  die  Ergänzung  bewirkt,  der  alte  brüäderliche
Verein  erneuert  und  das  Mistrauen  beseitigt  werden  könnte;  4.  wie  dem
gefallenen  Justizwesen  wieder  aufzuhelfen  wäre;  5.  wie  die  Beschwerden
  gegen  die  Justiz  und  das  Regiment  am  kaiserlichen
  Hof,  worüber  schon  beim  prager  Konvent  viel  geklagt  und
dem  Kaiser  verschiedene  Vorschläge,  bisher  aber  vergeblich  gemacht
worden  sind,  endlich  abzustellen  seien.  Als  bester  Weg  zu  all  dem
erscheint  uns  eine  persönliche  Zusammenkunft  der  Kurfürsten.

[Das  folgende  nur  in  der  Iustruktion  für  Trier]:  Wir  zweifeln
nicht,  dass  Sachsen  derselben  Meinung  sein  wird,  da  es  durch  seine
geheimen  Räte  jederzeit  erklärt  hat,  mit  uns  geistlichen  Kurfürsten
unbedenklich  zusammenzukommen  und  von  den  Notwendigkeiten
des  Reiches  zu  reden,  „bevorab  wan  sie  des  gulchischen  wesens  halb
mit  Brandenburgs  L.  nicht  uberein  kommen  konten.“  Noch  weniger  ist
an  den  Kurfürsten  von  Köln  zu  zweifeln,  der  schon  zu  Prag  diese
Sachen  sich  sehr  angelegen  hat  sein  lasson.  --  Stimmt  Trier  einer
Zusammenkunft  zu,  so  kann  Eltz  gleich  von  dem  Ort  reden;  sollte  Trier
dabei  erinnern,  dass  der  Kurverein  für  Kurfürstentage  bestimmte  Orte
fostsetzt,  so  kann  Eltz  erwidern,  dass  wir  meinen,  „dieweil  dissmals  nicht
ein  collogial  churfurstliche  versamlung  zu  weg  pracht  werden  mochte,
damit  die  andere  baide  churfurstliche  heuser  [Pfalz  und  Brandenburg]  desto
weniger  zu  scrupuliren  haben  als  wann  es  vor  ein  collegialversamblung
  gehalten  und  verstanden  werden  wolte,“  so  solle  man  sich  nach
Sachsens  Bequemlichkeit  richten  und  zustimmen,  falls  etwa  Bamberg
oder  ein  ähnlicher  Ort  (der  auch  wegen  Böhmen,  Baiern  u.  8.  w.
gelegen  wäre)  vorgeschlagen  würd.  Wenn  Kurtrier  nur  eine  Zusammenkunft
  der  geheimen  Räte  vorschlagen  würde,  etwa  weil
das  Kollegium  nicht  ergänzt  sei,  so  weiss  Eltz,  weshalb  wir
        <pb n="295" />
        11.  1611  273

dazu  nicht  raten  können,  da  bei  den  Verhanllungen  solche  Partikularia
vorkommen  möchten,  die  den  Räten  ohne  „Hintersichbringen‘“  nicht
anbefohlen  werden  könnten;  dadurch  würde  Zeit  verloren,  wie  der
fuldaer  Tag  gelehrt  hat;  auch  wäre  es  gegen  das  Herkommen.  Eher
liesse  sich  daran  denken,  dass,  falls  auch  das  Justizwesen  vorgenommen
  werden  würde,  die  Räte  acht  Tage  vorher  zusammentreten
und  ihre  Gutachten  verfassen.  Würde  aber  Trier  einwenden,  dass
der  vorgeschlagene  Partikularkonvent  der  Sache  nicht  abhelfen  werde,
man  aber  zu  einem  allgemeinen  Kollegialtag  wegen  des  Administrationsstreites
  und  wegen  der  bisher  unterbliebenen  Aussöhnung
Kurbrandenburgs  mit  dem  Kaiser  doch  nicht  werde  kommen  können,  so  soll
Eltz  erwidern,  dass  wegen  dieser  Schwierigkeiten  die  andern  Kurfürsten
  die  gegenwärtige  Gefahr  nicht  unerwogen  lassen  könnten,
abgesehen  davon  dass  es  nötig  sei,  zu  bedenken,  wie  man  zur  Ergänzung
  des  Kollegiums  vorbehaltlich  der  Rechte  des  einzelnen  und
der  kaiserlichen  Entscheidung  gelangen  könne,  was  durch  blosse  Zusammenordnung
  der  Räte  nicht  zu  erreichen  wäre.

[Das  folgende  nur  in  der  Instruktion  für  Sachsen].  Wir  halten
die  persönliche  Zusammenkunft  und  die  Beratung  dieser  Punkte  nicht
nur  für  höchst  notwendig  sondern  auch  den  geringsten  Verzug  für
äusserst  gefährlich,  können  auch  nicht  anders  erachten,  ‚alss  das
I.  ksl.  M.'  in  erwegung  deren  vilfeltigen  erinderungen,  welche  sonderlich
  durch  die  bei  nechstem  convent  gewesene  churfürsten  sowol  dess
puncti  successionis  alss  auch  anderer  halben  geschehen,  nunmehr
selbst  anderst  als  notturftig  bei  ihro  nicht  finden  oder  sich  solches
successionwesens  halben  lenger  aufhalten  oder  jedoch  auf  allen
unverhofften  ohnwilfahrenden  fall  der  churfürstlichen  gebure  so  viel
in  acht  genommen  werden  müste,  wie  sie  es  zu  versicherung  des
reichs  gegen  Gott,  allen  stenden  und  der  geliebten  posteritet  hernach
getraueten  zu  verantworten.“  Der  Kurfürst  möge  endlich  auch  noch
zur  Abschaffung  der  Ausleger  im  Rhein  seine  Hand  bieten.!  Signatum
Aschaffenburg  den  22.  martii  1611.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  1;  Kpt.  von  Faust  ;  daselbst  no.  17;  Or.
tür  Trier,  no.  18;  Or,  tür  Köln.

ı  Brömser  bekam  noch  eine  Nebeninstruktion  mit:  er  sollte  Kursachsen
nochmals  wegen  der  Ausleger  in  Bewegung  setzen;  der  Kurfürst  möge  das
rheinische  Kurfürstenregal  erhalten  helfen  und  besonders  auf  Kurbrandenburg
einwirken,  damit  dieses  die  Ausleger  entfernen  lasse.  Wegen  des  Administrationsstreits
  soll  Brömser  erinnern,  dass  Kurmainz  nach  seiner  Rückkehr  von  Prag
den  Administrator  in  völligem  Besitz  gefunden  habe  und  als  Nachbar  ibm
daher  den  Titel  habe  geben  müssen;  auch  habe  Kurmainz  von  der  Bestätigung
  des  kurfürstlichen  Testaments  durch  den  Kaiser  gewusst.  Brömser  möge
auch  betonen,  wie  sehr  den  rheinischen  Kurfürsten  daran  lioge,  bei  solchen
Händeln  auf  dem  Rheinstrom  beisammen  zu  bleiben,  ganz  abgesehen  davon,
dass  das  Kolleg  nicht  unergänzt  bleiben  dürfe.  Wenn  Kursachsen  und  Kurbrandenburg
  sich  geeinigt  haben,  so  soll  Brömser  dahin  wirken,  dass
Kursachsen  schriftlich  anzeige,  es  habe  gegen  den  Eintritt  Kurbrandenburgs
  in  den  Kurverein  kein  Bedenken  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  2;  Kpt.  von
Faust).

£  Der  Bescheid  Kurtriers  erfolgte  am  30.  März:  der  Kurfürst  erklärte

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  18

März  22.
        <pb n="296" />
        274  1611  112.

.  112.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Koadjutor

Ferdinand  von  Köln.

Auf  das  Schreiben  vom  12.1  Ich  habe  wiederholt  schon  ge
äussert,  wie  gerne  ich  E.  L,  beistehen  würde,  aber  ich  habe  auch
wiederholt  dargetan,  was  mich  daran  hindert.  E.  L.  dürfen
nicht  denken,  dass  Sie  von  uns  hilflos  gelassen  werden;  es  hat  auch
niemand  E.  L.  beschuldigt,  dass  Sie  der  Bundesnotel  zuwider  gehandelt
  hätten  und  dass  sich  deswegen  die  oberländischen  Stände  von
E.  L.  absondern  und  aus  ihrer  Kasse  nichts  folgen  lassen  wollten;
vielmehr  wissen  die  Stände  sich  gar  wol  der  Bundesnotel  zu  erinnern,
machen  aber  die  Unmöglichkeit  [ihr  nachzukommen]  geltend.  E.  L

sich  mit  der  Ausschreibung  eines  Kurfürstentags  einverstanden  ;  einstweilen
aber  und  bis  man  zusammenkäme,  mögen  der  Kaiser  und  der  König  zur  Niederlegung
  der  Waffen  ersucht  und  dieser  noch  besonders  von  Tätlichkeiten
abgemahnt  werden  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  19;  Or...  Mündlich  äusserte  der
Kurfürst  das  Bedenken,  dass  der  Kurfürstentag  dem  Kaiser,  der  sich  zu
einem  solchen  nie  habe  verstehen  wollen,  schwere  Gedanken  machen  werde
(Eltz  an  Kurmainz  am  2.  April;  Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  28;  Or.  eigh.).  —  Auch
der  Kurfürst  von  Köln  gab  sogleich  zustimmenden  Bescheid  und  wünschte,
dass  Kurbrandenburg  und  Kurpfalz  von  der  Tagung  wenigstens  verständigt
und  bei  ihnen  zugleich  entschuldigt  würde,  dass  man  sie  nicht  beschrieben
habe  (Fürstenberg  an  Kurmainz  am  16.  April;  Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  30;  Or.
eigh...  —  Wegen  der  Antwort  von  Kursachsen  vgl.  unten  no.  149,  —
Dem  Administrator  der  Kurpfalz  hatte  Kurmainz  das  sächsische  Schreiben
vom  16.  März  (oben  no.  104)  mitgeteilt,  worauf  der  Administrator  am

m.  Pe  7  gleichfalls  einige  Briefabschriften,  die  sich  auf  die  böbmischen
Dinge  bezogen,  überschickte  und  ein  Gutachten  von  Kurmainz  begehrte,
was  dabei  den  Kurfürsten  zu  tun  gebühre  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.
103c,  no.  19;  Or.).

1!  Am  12.  März  hatte  der  Koadjutor  abermals  (vgl.  oben  no.  87)  ein
eigenhändiges  Mahnschreiben  an  seinen  Bruder  gerichtet,  worin  er  in  leidenschaftlicher
  Weise  beklagte,  dass  er  vom  Bund  im  Stich  gelassen  werde,
während  er  sich  doch  stets  der  Bundesverfassung  und  den  Weisungen  der
Bundesobersten  gemäss  verhalten  habe;  er  könne  daher  nicht  verstehen,  wie
sich  die  oberländischen  Bundesstände  der  Hilfeleistung  entziehen  könnten.
Wenn  schon  einige  von  ihnen  aus  „eigener  Passion‘  gegen  die  rheinischen
Stände  oder  gegen  ihn  nicht  helfen  wollten,  so  möge  man  Joch  die  Gefahr
des  Untergangs  der  Religion  und  des  kölner  Erzstifte  im  Auge  behalten;
denn  es  drohe  die  Meuterei  der  unbezahlten  Soldaten,  besonders  in  dem
wichtigen  Kaiserswerth.  Eine  Weisung  zur  Abdankung  habe  er  nie  erhalten
er  hätte  ihr  sonst  gewiss  stattgegeben.  Da  ihn  alle  Mittel  fehlen  und  die
rheinische  Kasso  leer  sei,  so  hofle  er,  dass  die  Gesamtheit  der  Bundesstände
sich  der  Bundesnotel  erinnern  und  der  Herzog  sie  auch  noch  besser  informieren
werde,  damit  er,  Koadjutor,  und  der  Graf  von  Rietberg  die  Mittel  zur  Abdankung
  erhalten.  In  einer  Nachschrift  bittet  der  Koadjutor  nochmals  um
einen  Vorschuss  aus  der  oberländischen  Kasse  und  um  Beförderung  eines
allgemeinen  Bundestages  (Ma.,39,22,  f.  49;  Or.  eigh.).  —  Am  20.  März  teilt
der  Koadjutor  dem  Herzog  mit,  dass  wirklich  die  Wallonen  der  Garnison
von  Kaiserswerth  gemeutert  hätten,  dass  aber  Dank  der  Zuverlässigkeit  der
Deutschen  der  Aufruhr  unterdrückt  worden  sei.  Daran  knüpfen  sich  neue
dringende  Bitten  um  Hilfe  (Ma.,  a.  a.O.,  f.  55;  Or.  eigh.).
        <pb n="297" />
        112,  1611  275

können  auch  selbst  erwägen,  dass  es  mir  ebenso  unmöglich  ist,  alles  März  22.
allein  zu  leisten  als  die  oberländischen  Bundesstände  zu  Leistungen
zu  zwingen.  Diese  können  aber  auch  nicht  die  ganze  Last  auf  sich  laden
und  das  Erzstift  Köln  erhalten;  sie  haben  sich  bereits  sehr  tief
eingelassen,  haben  ausser  den  insgemein  bewilligten  und  baar  erlegten
Bundesanlagen  noch  weitere  zehn  Monate  beigesteuert,  was  -  alles
aber  noch  nicht  reichen  will,  da  noch  200  000  fl.  Schulden  zu  bezahlen
  sind,  man  nehme  das  Geld  her,  wo  man  will.  Wenn  E.L.  von
der  spanischen  und  päpstlichen  Hilfe,  auf  die  fast  das  ganze  Fundament
gesetzt  wird,  absehen,  der  übrigen  oberländischen  Stände  Anschläge
  und  ‚‚Belegung‘‘  berechnen  und  dabei  erwägen,  wie  unvermögend
  diese  meistens  sind,  wie  die  schwäbischen  Grafen  und  Herren
die  bewilligte  Quote  erst  in  drei  Jahren  erlegen  wollen,  einige  Praelaten
zu  Grunde  gerichtet  sind  und  der  Bischof  von  Augsburg  und  ich
zwei  Regimenter  und  die  ganze  Reiterei  in  unsern  Landen  auf  unsern
armen  Untertanen  liegen  hatten,  so  werden  E.  L.  selbst  bekennen
müssen,  dass  die  oberländischen  Stände  bisher  über  ihr  Vermögen
das  ihrige  getan  haben,  wobei  sie  meist  selbst  Geld  haben  aufnehmen
müssen.  Dazu  war  diesen  die  Gefahr  vielleicht  noch  näher  oder
wenigstens  ganz  vor  der  Tür,  wie  der  Verlauf  mit  dem  passauer
Volke  zeigt,  das  sich  immer  mehr  den  Grenzen  nähert,  weshalb  man
sich  wol  vorzusehen  hat;  auch  wenn  ein  Vorrat  vorhanden  wäre,
dürfte  man  sich  desselben  jetzt  nicht  entäussern.  Dagegen  hatte  man
nach  dem  Abzug  der  Truppen  der  Franzosen  und  der  Staaten  in  den  untern
Landen  keinen  Ueberfall,  gänzliche  Okkupation  des  Erzstifts  oder  der
Nachbarschaft,  wie  E.  L.  besorgen  und  Hövelich  hier  vorgegeben  hat,
überhaupt  der  ganzen  Lage  nach  nicht  solche  Gefahr,  wie  sie  heroben
vom  passauer  Volke  droht,  zu  fürchten.  Es  wäre  auch  seltsam,  wenn
die  oberländischen  Stände,  von  denen  einige  durch  die  Gegner  schwer
geschädigt  wurden  und  die  die  ganze  bewilligte  Anlage  und  darüber
noch  zehn  Monate  haben  erlegen  und  sich  selbst  versichern  müssen,
überdies  noch  die  unterländischen  „übertragen‘‘  müssten,  „entgegen
gedachte  rheinlendische  sich  von  fernerer  contribution  eximirn,  da  es
doch  am  maisten  sie  unden  beriert,  und  da  sie,  wie  die  heroben,
noch  die  zehn  monat  darüber  herschiessen,  dardurch  E.  L,  und  der
von  Rittperg  zue  völliger  abdankung  wol  geholfen  were  worden,  also
dass  sich  dieselben  irer  quoten  nit  mit  fueg  zu  entschitten  sonder
billich  wie  andere  stend  darzue  gethan  haben  sollen.“  E.  L.  mögen
dies  Ihren  Mitständen  andeuten.  Was  wegen  Abdankung  Ihres
geworbenen  Volkes  zu  tun  war,  haben  E.  L.  aus  dem  hier  geschlossenen
  Vergleich  mit  den  Unierten  und  aus  den  Beschlüssen  des
augsburger  Bundestages  entnehmen  können  und  mussten  Sie  sich
darnach  richten.  Was  E.  L.  von  der  Gefahr  der  Meuterei  und  dem
daraus  erfolgenden  Unheil  schreiben,  ist  ja  unwidersprechlich;  aber
ebenso  wahr  ist,  was  oben  wegen  der  Erschöpfung  der  oberländischen
Stände  gesagt  wurde,  dass  es  derzeit  hier  an  Mitteln  fehlt,  E.  L,
18*
        <pb n="298" />
        März  22.

März  23.

276  1611  112.  -113.

beizuspringen.  Da  aber  ein  allgemeiner  Bundestag  nach  Würzburg
für  die  Zeit  nach  Ostern  ausgeschrieben  worden  ist,  so  kann
dort  darüber  gemeinsam  verhandelt  und  beschlossen  werden,
wobei  ich  mich  zu  aller  Beförderung  erbiete,  ohne  aber  E.  L.  darauf
Vertröstungen  machen  zu  können.  Ich  kann  inzwischen  E.  L.  nar
nochmals  raten,  wegen  dieser  Sache  mit  dem  Domkapitel  und  den  Landständen,
  die  es  ja  zunächst  angeht  und  deren  eigene  Wolfahrt  es  berührt,
zu  verhandeln  und  sie  zur  Hilfe  zu  ermahnen,  wovon  bisher  haben.
weder  ich  noch  andere  oberländische  Stände  das  geringste  gehört
Die  Landstände,  die  vor  den  düsseldorfschen  Ausfällen  durch  das  Volk
des  Bundes  geschützt  worden  sind,  sollen  das  ihrige  dabei  tun  und  sich
nicht  bloss  „mit  der  Weitentsessenen  Beschwerden‘  versichern.  E.  L
und  Dero  Räte  haben  auf  dem  letzten  Bundestage  selbst  versprochen,
  nach  des  Erzstifts  Vermögen  mitzusteuern,  was  nur  billig
ist  und  geschehen  muss.  Wenn  die  oberländischen  Stände  den  guten
Willen  sehen,  so  werden  sie  sich  desto  leichter  zu  einer  Hılfe  bewegen
lassen.  Ich  teile  dies  EE  L.  so  umständlich  mit,  damit  Sie  Der
Gesandten  zum  Bundestag  desto  besser  iustruieren  können.  Datum
München  den  22.  martii  a.  1611.

Nachschrift.  Ich  überschicke  Zeitungen  vom  passauer  Kriegs
volk.  Ich  hätte  gern  gesehen,  wenn  ich  den  von  E.  L.  arngekündigten
  Vorbericht  über  die  Bedrängnis  Ihres  Erzstiftes  vor  der
Ankunft  des  Pfalzgrafen  Wolfgang  Wilhelm,  der  sich  sonst  zu  Frieden
und  Einigkeit  und,  so  viel  an  ihm,  zur  Abstellung  der  Beschwerden
erboten  hat,!  zur  Hand  gehabt  hätte.  Ut  in  litteris.

Ma.,  39|22,  f.  86;  Kpt.  von  (dewold  mit  Zusätzen  Jocbers,  —  f.  57;  Kptkop.  mit
Zusätzen  Herwarts.?

113.  Abschied  des  schweinfurter  Unionstages.

Die  nach  dem  münchner  Akkord  noch  fortdauernde  Gefahr,
besonders  vom  elsässer  und  passauer  Volk,  verschiedene  notwendige
Unionsgeschäfte  und  das  Anlangen  mehrerer  unierter  Stände  haben
den  Administrator  der  Kurpfalz  zur  Ausschreibung  eines  Unionstages
nach  Schweinfurt  auf  den  1./11.  März  bewogen,  welcher  Tag  trotz  des  Ersuchens
  des  Kurfürsten  von  Brandenburg  um  Vertagung  und  trotz
der  Verhinderung  einiger  Unionsstände  durch  die  jüterbogker  Handlung
  mit  Rücksicht  auf  die  Vorgänge  in  Böhmen  seinen  Fortgang

!  Vgl.  oben  oo.  92.

*  Der  Koadjutor  erwidert  am  27.  März,’  dass  der  Ratschlag  wegen  des
Domkapitels  und  der  Landstände  nicht  ausführbar  sei;  ein  offener  Landtag
wäre  gefährlich,  da  viele  Landstände  in  den  jülichschen  Fürstentämenn
begütert  und  evangelischen  Bekenntnisses  seien;  dazu  könnten  die  Stände
wegen  der  vielen  Plünderungen  und  Räubereien  doch  nichts  beitragen,  viele
Untertanen  hätten  sich  verlaufen  und  dazu  währe  dies  Verderben  schon  dreissig
Jahre.  Aufzählung,  was  das  Erzstift  und  er  selbst  trotzdem  für  die  Union
geleistet  hätten  und  Bitte,  die  vornehmsten  oberländischen  Bundesstände  noch
vor  dem  Bundestag  für  eine  Hilfe  zu  gewinnen  (Ma.,  39/22,  f.  66;  Or.).
        <pb n="299" />
        113.  1611  277

genommen  hat.  Gleich  zu  anfang  erhob  sich  der  beschwerliche  Misverstand
  wegen  des  Administrationsstreites;  man  schob  ihn  aber
bei  seite,  indem  das  Direktorium  der  Union  dem  Administrator  belassen,
  aber  von  der  Mehrheit  der  unierten  Stände  erklärt  wurde,
dass  dies  keinem  der  streitenden  Teile  praejudizieren  solle.

Nach  Eröffnung  der  Proposition  wurde  beschlossen,  die  einzelnen
Punkte  nach  der  Ordnung  des  Ausschreibens  vorzunehmen  und  die  dem
ersten  Punkt  einverleibte  Abhörung  der  Rechnungen  einem  besondern
Ausschuss  zuzuweisen.  Dabei  ergab  sich,  dass  ein  Teil  der
Rechnungen  fehlte,  so  dass  man  auch  mit  den  vorhandenen  zu  nichts
fruchtbarem  kommen  konnte.  Es  wurde  aber  zu  künftiger  Richtigmachung
  beschlossen,  dass  alle  Stände  ihre  Rechnungen  5  —6  mal
abschreiben  zu  lassen  und  binnen  sechs  Wochen  beim  Direktorium
einzuliefern  hätten,  das  sie  den  vornehmsten  Ständen  mitteilen  und
alsdann  einen  besondern  Rechnungstag  ausschreiben  soll.  Zugleich
sollen  die  mit  ihrer  Quote  im  Rückstand  befindlichen  Stände  zur
Richtigmachung  ihrer  Schuldigkeit  aufgefordert  werden.

I.  Erhaltung  und  Fortsetzung  der  Union.  Bei
diesen  gefahrvollen  Läufen  ist  die  Erhaltung  der  Union  besonders  notwendig;
  das  beste  Mittel  dazu  ist,  ihrer  Verfassung  und  den  seither
  aufgerichteten  Abschieden  nachzugehen,  Gleichheit  zu  halten,
Mistrauen  zu  verhüten,  den  privaten  Vorteil  nicht  vor  den  gemeinen
der  Union  zu  setzen  und  in  „‚‚terminis  defensionis“  zn  bleiben.
Dazu  gehört  auch,  sich  nicht  durch  jede  gemeine  Zeitung  zu
Werbungen  verleiten  zu  lassen  sondern  gute  Kundschaft  zu  bestellen
und  auch  bei  wirklicher  Gefahr  zuerst  die  ‚ordentlichen  Mittel“
vorzunehmen.  —  Gutes  Vertrauen  unter  den  Unkierten  wird  namentlieh
  durch  Beseitigung  der  eingerissenen  Mängel  befördert,  von  denen
die  Gesandten  der  Städte  in  währender  Beratung  ein  Verzeichnis!
mit  der  Bitte  übergaben,  diesen  Beschwerden  noch  im  Verlauf  dieser
Tagung  Rat  zu  schaffen,  da  sie  sonst  gemäss  ihren  Instruktionen  mit
deu  übrigen  Beratungspunkten  nicht  fortkommen  könnten.  Die
Gesandten  der  höhern  Stände  haben  diese  Beschwerden  zuerst  unter
sich  beraten,  dann  aber  in  Erwägung,  dass  diese  Union  auf  rechtschaffenem
  Vertrauen  beruht  und  Schriftenwechsel  nur  Verzögerung
verursachen  würde,  mit  den  städtischen  Gesandten  deshalb  mündlich
geredet,  um  den  Beschwerden,  soweit  es  diesmal  und  in  Abwesenheit

vornehmer  unierter  Stände  sein  kann,  etwas  Rat  zu  schaffen.  Dabei

hat  mau  bekennen  müssen,  dass  allerlei  Mängel  eingerissen  seien,
die  aber  nicht  nur  die  Städte  sondern  auch  die  Fürsten  treffen,
wie  dies  bei  einem  so  ansehnlichen  ‚‚Corpus“  nicht  ausbleiben  kann,
zumal  wenn  die  notwendigen  Geldmittel  nicht  rechtzeitig  bei  der
Hand  siud,  —  Gleich  beim  1.  Punkt  wiederholten  die  Städte  ihre
Protestation  wegen  des  elsässischen  Zuges;  doch  wurde  dieser  Punkt

ı  Vgl  oben  no.  107.

März  13.
        <pb n="300" />
        März  23.

2718  1611  113.

bis  zu  nächstem  Unionstag  ausgesetzt.  2.  und  3.  Beiden  Klagen  wegen
mangelhafter  Disziplin,  Bezahlung  und  Musterung  des  Kriegsvolks  war  man
der  Meinung,  dass  bei  Respektierung  der  Kriegsbestallungen  und  Artikelsbriefe
  viel  Unordnung  erspart  geblieben  wäre.  Das  Verzeichnis  dieser  Beschwerden
  soll  den  abwesenden  Unionsständen  mitgeteilt,  inzwischen  aber
darauf  geachtet  werden,  wie  die  zu  bestellenden  Befehlshaber  beschaffen,
wo  sie  begütert  seien  und  wie  man  sie  zum  Schadenersatz  heranziehen
könnte;  gut  wäre  auch,  von  ihnen  bei  Durchzügen  und  Einlagerungen
Kaution  zu  nehmen  und  einen  besondern  Kommissar  aufzustellen,
der  die  Schuldigen  zum  Ersatz  heranzuziehen  hätte.  Unordnung
würde  ferner  verhütet,  ‚‚wan  die  soldaten  durch  die  bank,  wan  es
immer  zu  erhalten,  bezahlt  und  ihren  sold  nit  von  den  obristen  und
befelchsleuten  empfangen,  desgleichen  auch  die  musterungen  monatlich
vorgenommen  und  darauf  die  bezahlung  gelaistet  wurde“  Um  von
solchen  Verbesserungen  nächstens  beständiger  reden  zu  können,  sollen
die  Unionsstände  ihre  Gutachten  darüber  beim  Direktorium  einreichen,
das  sie  den  andern  mitteilen  will;  auf  grund  dieser  Gutachten  sollen
Kriegsverständige,  die  jeder  Stand  zu  nächster  Tagung  mitzubringen
hat,  eine  beständige  Verfassung  machen;  zugleich  soll  man  sich  bei
fremden  Mächten  um  solche  gute  Kriegsverfassungen  umtun,  inzwischen
  aber  die  Befehlshaber  und  das  bestellte  Kriegsvolk  ermahnen,
ihre  Bestallungen  einzuhalten  und  Beschwerungen  zu  vermeiden.  —
4.  und  5.  Die  Klagen  wegen  der  neuen  Werbungen  und  wegen
der  scharfen  Schreiben  zur  Erlangung  von  Kontributionen  werden
bis  zum  Rechnungstag  ausgesetzt  ;  inzwischen  soll  man  mit  Werbungen
gewahrsam  gehen.  6.  Man  hat  den  Städten  dargetan,  weshalb
man  Darlehen  aufnehmen  musste;  künftig  soll  sich  aber  niemand
deshalb  zu  beschweren  haben  und  Gleichheit  gehalten  werden.
7.  Die  Restanten  gehören  zum  Rechnungspunkt.  8.  Partikularkonvente
  waren  zuweilen  notwendig,  es  wurden  dazu  auch  die
benachbarten  Städte  gezogen;  ebenso  hat  man  sich  gegen  Baiern
wegen  der  Assistenz  entschliessen  müssen  ;  küuftig  will  man  aber  solche
Konvente  beschränken  oder  wenigstens  die  nächsten  Städte  beiziehen
und  den  Abwesenden  die  Abschiede  mitteilen.  9.  Wegen  der
nachbarlichen  Irrungen  soll  man  auf  Mittel  denken,  sie  nach  Ausweis
  der  Unionsverfassung  gütlich  oder  im  ordentlichen  Rechtsweg
beizulegen.

Besetzung  der  Aemter  und  Bestellung  der  zugeordneten  Räte:
Wegen  des  Kriegsrates  bleibt  es  beim  heilbronner  Abschied;  wegen
Verordnung  eines  Kommissars  und  eines  Adjunkten  anstatt  eines
Pfennigmeisterrs  —  wozu  die  Städte  Vorschläge  zu  machen
gehabt  hätten  -—  sowie  eines  Proviantmeisters  sollen  binnen  sechs
Wochen  Vorschläge  ans  Direktorium  erstattet  werden,  auf  grund
deren  die  Stände  die  Wahl  zu  treffen  haben  werden.  Die  Anregung
eines  consilium  politicum  zur  Ersparung  der  vielen  Zusammenkünfte
bleibt  bis  zur  nächsten  Tagung  ausgesetzt.  "
        <pb n="301" />
        113.  1611  279

II.  Erweiterung  der  Union.  Zur  Gewinnung  der  wette-  März  28.

rauischen  and  fränkischen  Grafen,  mit  der  Kurpfalz  beauftragt  ist,
wurden  zu  Heilbronn  gewisse  Mittel  „ratione  votorum‘  vorgeschlagen  ;
da  aber  noch  einige  Erklärungen  der  Unierten  auf  diese  Mittel
ausstehen,  mögen  sie  ehestens  beim  Direktorium  eingebracht  und  dann
die  Verhandlungen  fortgesetzt  werden.  —  Landgraf  Ludwig  von  Hessen
ist  wiederholt  zum  Beitritt  eingeladen  worden,  aber  vergeblich;  bei
gutem  Ausgang  der  jüterbogker  Handlung  soll  man  gelegentlich
wieder  einen  Anwurf  tun,  desgleichen  bei  Braunschweig.  Mit  der
rbeinischen  und  fränkischen  Ritterschaft  zu  verhandeln  hat  man  aus
allerlei  Erwägungen  verschoben  ;  man  hört  auch,  dass  die  Ritter  neutral
bleiben  wollen;  da  man  aber  von  ihuen  vielleicht  doch  einen  Reiterdienst
  erhoffen  kann,  so  soll  man  nächstens  darüber  weiter  reden.  —
Frankfurt  und  Regensburg  waren  bisher  nicht  zu  gewinnen;  dagegen
haben  sich  Giengen  und  Aalen  zur  Union  erklärt;  Ulm  hat  den
Auftrag,  mit  Wimpfen  zu  verhandeln.  —  Nach  gutem  Ausgang  der
jüterbogker  Handlung  dürfte  auch  die  Gewinnung  des  Hauses  Sachsen  und
anderer  „drinnen  Lands‘‘  gesessener  Stände  erleichtert  werden,  wozu
Kurbrandenburg  sie  disponieren  möge.  —  Ebenso  werden  Kurbrandenburg
  und  landgraf  Moriz  gebeten,  ihre  Bemühungen  bei  den
Hansestädten  fortzusetzen  und  es  dahin  zu  richten,  dass  diese  wegen
ihres  Eintritts  zum  nächstem  Unionstag  eine  Abordnung  schicken.  —
Dänemark  (wegen  Holstein)  trägt  Bedenken,  sich  derzeit  in  die  Union
einzulassen,  doch  hat  es  sich  zur  Korrespondenz  und  Hilfe  bei  Gefährdung
  der  Religion  erboten  ;  angesichts  des  schwedischen  Krieges  hat
man  es  dabei  gelassen.  —  Wegen  der  ausländischen  Potentaten  haben
die  Städte  ihre  vorige  Erklärung  wiederholt,  doch  wurde  die  Bestellung
eines  Residenten  in  Venedig  allerseits  ratsam  befunden  und  zu  Bericht
  genommen.  Die  evangelischen  Städte  der  Schweiz  haben  sich
zu  guter  Korrespondenz  erklärt.  Um  fremdem  Kriegsvolk  den  Pass
durch  Burgund,  Venedig,  Tirol  und  die  Schweiz  zu  sperren,  soll  das
Direktorium  an  den  König  von  Frankreich,  an  die  Herrschaft  Venedig,
an  Erzherzog  Maximilian,  an  die  Schweizer  und  Graubündner  ein  entsprechendes
  Ersuchen  richten.  Bei  Erhandlung  neuer  Stände  für  die
Union  soll  die  Kontribution  erst  von  der  Zeit  des  Eintritts  ab  und
nieht  für  die  verflossene  Zeit  berechnet  werden.

111.  Wie  hat  man  sich  der  Union  zu  bedienen?
Man  hat  in  Beratung  gezogen,  wie  man  die  Stände  oben  und  unten
Landes  vor  dem  unabgedankten  Kriegsvolk  der  Gegner  schützen
könne,  namentlich  hat  man  besorgt,  dass  das  passauer  Volk  sich
durch  den  egerer  Kreis  oder  durch  die  Oberpfalz  ins  Reich  begeben
und  die  obern  Lande  der  unierten  Fürsten  verderben  möchte.  Trotz
der  Beschwerden  einer  neuen  Kriegsverfassung  und  Werbung  hat  man
daher  beschlossen,  —  da  jedermann  sehen  kann,  dass  es  sich  nur  um
eine  Defension  bandelt  und  zu  einer  Gegenverfassung  kein  Anlass  ist,
—..  zur  Verwahrung  der  Grenzen  der  Oberpfalz  einiges  geübtes  Volk  zu
        <pb n="302" />
        März  23.

280  1611  113.

werben  —  weil  Landvolk  gegen  einen  solchen  Kriegshaufen  nicht  zu
gebrauchen  ist  —  und  zwar  2000  Mann  zu  Fuss  und  500  Pferde;  davon
hat  Kurpfalz  bereits  1000  und  Nürnberg  500  Mann  im  Wartegeld;
ebenso  sind  die  beiden  Reiterkompagnien  der  Markgrafen  von  Ansbach
und  Baden  zu  je  150  Pferden  und  die  zwei  Kompagnien  Obentrauts
zu  je  100  Pferden  noch  beisammen,  so  dass  man  nur  wenig  neues
Volk  anzunehmen  braucht.  Die  Stände  oben  Landes  sollen  auch
ihre  Kriegsverständigen  zu  Amberg  zusammenordnen,  um  zu  beraten,
wie  neben  diesem  geworbenen  Kriegsvolk  noch  eine  eilende  nachbarliche
  Rettung  und  Defension  anzustellen,  wie  die  Grenzen  zu  verwahren
  und  das  Kfiegsvolk  gleichmässig  auszuteilen  wäre  und  ob  man
68  nicht  dahin  richten  könnte,  dass  das  Volk  auf  dem  Sammelplatz
bleibt  und  seine  Musterung  und  Besoldung  erst  im  Notfall  geschieht  ;
auch  soll  man  sich  mit  dem  egerer  Kreis  wegen  Verhinderung  des
Durchzugs  der  Passauer,  wegen  rechtzeitiger  Benachrichtigung  und  gegenseitiger
  Assistenz  in  Verbindung  setzen.  Auch  der  ordentlichen  Mittel
der  Kreishilfe  soll  man  sich  bedienen  und  den  fränkischen  und
oberrbeinischen  Vreis  nicht  umgehen.  —  Zur  Bezahlung  des  geworbenen
  Volkes  und  im  Notfall  der  Lehenreiter  und  des  Ausschusses
des  Landvolks  hat  man  sich  einer  neuen  Anlage  von  acht  Monaten
verglichen,  von  denen  vier  binnen  vier  Wochen  a  dato  des  Abschieds,
der  Rest  vierzehn  Tage  darauf  zu  Nürnberg  ohne  Abzug  gehabter
Kosten  (wie  denn  auch  die  neue  Anlage  mit  den  vorigen  Rechnungen
nicht  konfundiert  werden  darf)  erlegt  werden  sollen.  —  Die  Städtegesandten
haben  aber  hiebei  erklärt,  dass  sie  vor  Richtigmachung  der  Kechnungen
  keine  neue  Anlage  bewilligen  dürfen;  wegen  der  augenscheinlichen
  Gefahr  werden  ihre  Obern  gleichwohl  das  ihrige,  aber  diesmal
mit  Volkshilfe  tun  und  800  Mann  zu  Fuss  annehmen,  —  doch  soll
die  Werbung  im  Namen  der  Union  geschehen  und  das  Volk  ihr
schwören,  —  auch  von  den  schon  geworbenen  Reitern  150  bezahlen
und  zu  den  gemeinsamen  Auslagen  für  die  höhern  Befehle,  fir  Artillerie
u.  s.  w.  nach  Verhältnis  beitragen.  Die  höhern  Stände  hät!en  zwar
den  gewöhnlichen  Modus  der  Geldhilfe  lieber  gesehen,  baben  aber
der  Gefahr  halber  auch  diesen  angenommen,  doch  dass  dadurch  den
höhern  Ständen  nicht  vorgegriffen  und  namentlich  die  Kurpfalz,  die
bisher  mit  Vorschüssen  und  mit  Einlagerungen  besonders  belastet
war,  nicht  vor  andern  beschwert  werde,  auch  kein  Stand  sich  säumig
erzeige  und  bei  Austeilung  des  Kriegsvolks  unter  die  Unierten  Gleichheit
  gehalten  werde.  Bei  Annehmuug  des  Kriegsvolk  soll  auf  Ersparnisse
  gedacht  und  darauf  gesehen  werden,  dass  es  nach  Boseitigung
  der  Gefahr  sofort  abgedankt  werden  kann;  was  an  den  acht
Monaten  erübrigt  wird,  ist  jedem  Stand  nach  Verhältnis  zurückzugeben
und  dürfen  die  acht  von  den  fünfzehn  Monaten,  die  jeder  Unionsstand
  in  die  Kasse  zu  erlegen  hat,  abgezogen  werden.

Zu  Speier  und  Worms  hat  man  wegen  einer  „eilenden  Assistenz“
unter  den  rheinischen  Ständen  gehandelt,  die  endgiltige  Vergleichung
        <pb n="303" />
        113.  1611  281

aber  hieher  verschoben;  zugleich  hat  man  sich  hier  auch  einer
eilenden  Hilfe  an  der  Donau  vergleichen  wollen.  Da  aber  einige
Stände  darauf  nicht  instruiert,  andere  abwesend  waren,  hat  -man
beschlossen,  sich  vorläufig  der  am  Rhein  verglichnen  Hilfe  zu  bedienen
  und  alsdann  die  Stände  an  der  Donau  zu  entsprechender
Vergleichung  einer  oilenden  Hilfe  gegen  feindlichen  Ueberfall  zusammenzuordnen.
  Der  Vorschlag,  an  beiden  Strömen  Magazine
anzulegen,  wurde  auf  nächsten  Unionstag  vers:hoben.

Beim  III.  Punkt  wurde  auch  beraten,  wie  man  zu  besserem
Verständnis  und  Frieden  im  Reich  kommen  könnte.  Die  unierten
Stände  wollen  sich  bei  jeder  Gelegenheit  bemühen,  den  papistischen,
die  von  der  Union  bisher  eine  ungleiche  Meinung  hatten,  ihre
wahre  Absicht  vorzustellen,  besonders  den  beiden  Bundesobersten.
Da  dies  mit  Schreiben  nicht  wol  angeht,  Schickungen  kostspielig
sind  und  leicht  unreputierlich  ausfallen  können,  der  Administrator
aber  mit  beiden  Fürsten  in  guter  Korrespondenz  steht,  so  wird  er
ersucht,  diese  Korrespondenz  fortzusetzen,  ihnen  dabei  den  Unionszweck
  mitzuteilen  und  es  bei  ihnen  auf  Mittel  zur  Wiederbringung
des  guten  Vertrauens  und  zur  Abhilfe  der  beiderseitigen  Beschwerden
zu  richten;  vor  allem  ist  Baiern,  das  sich  kürzlich  alles  guten  gegen
den  Administrator  erboten  hat,  um  Assistenz  bei  der  augenblicklichen
Lage,  jedoch  dergestalt  zu  ersuchen,  dass  daraus  nicht  etwa  auf
Kleinmütigkeit  in  der  Union  geschlossen  werde.  Auch  die  Korrespondenz
  mit  Erzherzog  Maximilian,  welche  [D."]  eines  aufrechten
teutschen  gemüts  berümbt  sein  und  sich  jederzeit  der  sachen  gemess
erzeigt,  auch  an  jetziger  zerritligkeit  kein  gefallen  getragen,“  ist  fortzusetzen.
  —  Zur  Abhilfe  der  allgemeinen  Gravamina  ist  bei
jetzigem  Zustand  in  Prag  noch  geringere  Aussicht;  man  lässt  es  deshalb
bei  den  vorigen  Abschieden  bewenden,  die  festsetzen,  wie  sich  die  Unierten
gegen  die  vom  Hof  ausgehenden  Beschwerden  und  Prozesse  und  bei
künftigen  Reichstagen  vor  Abhandlung  der  Beschwerden  verhalten  sollen.
—  Wegen  der  Restitution  Donauwörths  muss  man  es  trotz  der
eingobrachten  Supplik  der  bedrängten  Bürger  bis  zu  anderer  Gelegenheit
  dahingestellt  sein  lassen;  doch  möge  der  Administrator  bei
nächster  Kommunikation  mit  Baiern  der  Restitution  gedenken  und
könnte  vielleicht  Baiern  seinen  Anteil  an  künftigen  Reichssteuern  bis
zur  Höhe  der  Exekutionskosten  zurückhalten;  vor  allem  aber  möge
der  Herzog  bewogen  werden,  die  dortige  Bürgerschaft  an  Habe  uud
Gewissen  nicht  länger  beschweren  zu  lassen.  —  Wegen  des  Hilfegesuchs
  desKönigs  von  Ungarn  und  der  österreichischen  Stände  wurde
beschlossen,  erst  abzuwarten,  wie  die  Dinge  dort  verlaufen  werden.

Dieser  Abschied  soll  den  abwesenden  Unionsständen  zur  Ratifikation
  ebestens  mitgeteilt  werden.

Die  Konfutation  der  ‚‚donauwörthischen  Relation'‘  ist  zu  Papier
gebracht  und  einigen  Unionsständen  zum  Gutachten  zugestellt  worden;
diese  Gutachten  sind  dem  Direktorium  ehestens  einzuschicken,

März  23.
        <pb n="304" />
        März  23.

März  24.

282  1611  113—114.

damit  die  Veröffentlichung  durch  den  Druck  nicht  länger  verschoben
werden  muss.  So  geschehen  zu  Schweinfurt  den  13.  martii  1611.
Stg.,  Unionsacta,  t.  IX.,  f.  250;  Or.

114.  D."  Pfretzschner  an  Kaspar  von  Schönberg.

Aus  der  ständischen  Kanzlei  kommt  mir  nichts  zu;  ich  habe
mich  darum  bei  Schlick?  beschwert,  dass  die  Stände  ihr  voriges  Versprechen
  nicht  erfüllten,  meinem  Herrn  alles  mitzuteilen.  Er  entschuldigte
  sich  mit  der  Verwirrung  und  mit  den  calvinischen  Prokuratoren,
  die  alle  Originale  mit  sich  heimschleppten  und  sie  ihren
Religionsgenossen  „suggerierten‘.  Braunschweig  ist  bei  „den  ständen
alhier  in  grosser  verdacht,  hei  I.  M.‘  in  schlechtem  credit  und  bei  dem  könig,
wie  man  sagt,  nicht  hoch  angesehen.  Ist  sich  zu  besorgen,  er  werde
einstens  unverseliens  aufbrechen  und  die  Böhmen  lassen  Böhmen  sein,
dieweil  sie  ihm  in  faciem  sagen  und  schriftlichen  zu  erkennen  geben
dörfen:  er  sei  eine  ursach  dieses  unglücks,  dieweil  er  sie  abgehalten,
knecht  und  reiter  ihrem  vorhaben  nach  zu  ihrer  defension  zu  werben.’
Es  ist  ein  jämmerlicher  elender  handel  zu  sehen,  wie  gänzlichen
ksl.  M.'  anjezo  gelassen  und  fast  die  ganze  hofstat  neben  den  ständen  novum
solem  adorent.‘“  Wer  eine  Aussöhnung  zwischen  den  Brüdern
wünscht,  setzt  seine  Hoffnung  auf  das  Haus  Sachsen.  Der  Oberststallmeister*
  ist  gestern  zum  ersten  Mal  mit  den  Ständen  zu  Rat  gegangen
  ;  Hohenloue  lässt  sich  vom  Kaiser  noch  bisweilen  als  Kommissar
  gebrauchen.  —  Die  Passauer  verschanzen  sich  zu  Budweis,  tun
ringsum  Schaden  und  zitieren  Herren  und  Ritter  und  andere  vor  sich,

!  Den  abwesenden  Unionsfürsten  ausser  Neuburg  wird  zunächst  der

Inhalt  obigen  Abschied  am  hl  1611  vom  Administrator  mitgeteilt
Der  Administrator  schreibt  dazu  am  gleichen  Tag  an  die  zu  Torgau  ver
sammelten  Unionsmitglieder,  dass  seine  Gresand‘en  bei  der  Stimmung  der
Städte  nicht  für  ratsam  befanden,  den  Vorschlag  der  zu  Jüterbogk  versammelten
  Fürsten  wegen  einer  neuen  persönlichen  Zusammenkunft  der
Unierten  zu  Nürnberg  (vgl.  oben  no.  86,  S.  189,  Anm.  2)  vorzubringen,  da  die
Städte  ohnehin  erklärten,  sich  vor  Richtigmachung  der  Rechnungen  in  keine
neuen  Verhandlungen  einzulassen:  zuerst  müsse  also  der  Rechnungstag  stattfinden,
  weshalb  auf  Einsendung  die  Rechnungen  gedrungen  wird  (Mb.  119;4,
f.  133;  Kpt.)

*  Joachim  Andreas  Graf  von  Schlick,  einer  der  Direktoren  und  zugleich
Gewährsmann  Pfretzschners..  Von  Schlicks  Geschäftigkeit  urteilt  Pfretzschner
in  einem  Schreiben  vom  21.  März:  bei  den  Ständen  sei  schwer  Anudienz  zu
erlangen,  besonders  bei  Schlick,  „welcher  gar  immergiert  in  negotiis,  dass
sich  zu  befürchten,  es  möchte  stwan  eine  haubtkrankheit  mitzueschlagen,
dieweil  or  das  cerebrum  gar  zu  heftig  erhitzet  (Drs.,  1.  3166,  I.  B.  passauer
Kriegsvolks  f.  450;  Or.  eigh.).

°  Am  29.  März  berichtet  Pfretzechner  an  Schönberg  über  den  Herzog,
dass  derselbe  sich  über  die  Massen  ,‚.gut  kaiserisch‘“  erweise,  wie  er  bisher
auch  nicht  den  König  besucht  habe;  daher  seien  die  Stände  auf  den  Herwg
schlecht  zu  sprechen  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  492;  Or.  eigh.).

*  Adam  d.J.  von  Wallenstein,  der  bisher  kaiserlich  gesinnt  gewesen  war.
        <pb n="305" />
        114.  1611  283

als  ob  der  böhmische  König  daselbst  seine  Residenz  hätte.  Dem  Kaiser  März  24.
haben  sie  durch  den  Obersten  Gent  folgende  Friedensbedingungen  stellen
lassen:!  1.  Alsbaldige  Auszahlung  von  500  000  Talern;  2.  Freigabe
der  arrestierten  passauischen  Einkünfte  in  Oesterreich;  3.  Freilassung
aller  Gefangenen,  besonders  Tengnagels;  4.  Generalamnestie  und  Einsetzung
  eines  jeden  in  seine  vorigen  Würden.  Zur  Gegenantwort  soll
der  Kaiser  ihnen  zum  ersten  mal  die  Acht  angekündigt  haben,  wenn
sie  nicht  alsbald  abdanken  und  das  Königreich  räumen.?  —  Heute
orwarten  wir  den  König;  er  wird  trotz  der  kaiserlichen  Einladung  in
der  Altstadt  beim  Kaiserrichter  wohnen  ;  „wird  also  ein  wunderbares
regiment  sein,  wan  der  kaiser  aufn  Ratzschin  und  der  könig  in  den
stätten  mandiren  werden.“  Es  ist  hier  eine  überaus  grosse  Menge
Volks,  grosse  Teuerung  und  nicht  geringe  Besorgnis  vor  einer  Pest.  —
Tengnagel  wird  noch  mit  der  Folter  verschont,  da  er  sich  erboten  hat,  den
ganzen  Verlauf  schriftlich  zu  entdecken,  wozu  ihm  fünf  Tage  Zeit  gelassen
  wurden.  Er  hat  aber  ganz  wenig  geschrieben  unter  dem  Vorgeben,
  es  könne  niemand  seine  Schrift  lesen  ;  also  wird  man  wol  gegen
ihn  verfahren  und  der  König  schärfere  Inquisitoren  verordnen.
Schlesien  und  die  Lausitzen  sind  in  guter  Bereitschaft,  können  aber
den  Böhmen  wenig  Beistand  leisten,  da  sie  den  Herzog  von  Teschen,
der  mit  1500  Kosaken  in  die  Herrschaft  Pless  eingefallen  ist,  und  den

!  Der  Kaiser  hatte  noch  vor  dem  Abzug  des  Volkes,  am  10.  März,
dem  Erzherzog  Leopold  befohlen,  das  Volk  gemäss  dem  am  9.  März  von  den
Befehlshabern  unterzeichneten  Revers  (vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,
11.,8.  227)  ohne  weitern  Verzug  abzudanken  und  jede  neue  Werbung  einzustellen.
Am  11.  wiederholte  er  den  Befehl,  das  Volk  ohne  Aufenthalt  an  die  Grenze  zu
fübren  und  es  daselbst  abzudanken,  mit  dem  Beisatz,  dass  bei  Ungehorsam  er
dies  Volk  nicht  mehr  als  kaiserliches  Volk  erkennen  sondern  gegen  dasselbe
verfahren  werde  (Kaiser  an  Erzherzog  Leopold  am  11.  März:  Wimz.,  Reichstagsakten;
  Bd.  103c,  no.  3;  Kopie).  Der  Erzherzog  versicherte  am  13.,
sie  alle  seien  trot;  der  Angriffe  beim  Rückmarsch  entschlossen,  am  Bevers
festzuhalten  (Ib.,  Loopoldinische  Hotkonzepte  vom  März  1611;  no.  3;  dasselbe
schreibt  der  Erzherzog  am  14.  März  auch  au  Ramöe;:  ebenda).  Am  18.  März
zeigte  der  Erzherzog  dem  Kaiser  durch  den  Oberst  Kaspar  von  Gent  an,  dass
er  mit  dem  Volk  auf  Zahlung  von  noun  Monatssolden  akkordiert  und  'Tabor
geräumt  habe;  trotz  der  kaiserlichen  Ordonnanz  werde  aber  das  Volk  von
den  böhmischen  Ständen  feindselig  verfolgt,  seine,  Leopolds,  passauischen
Güter  vom  König  eingezogen  und  Tengnagel  gefangen  gehalten  ;,  sobald  diese
Beschwerden  abgestellt  seien,  wolle  er  an  die  Abdankung  gehen  (Ib.,  a.a.  O.,
no.  13).  —  Offenbar  hatte  Pfretzschnrer  von  diesem  Schreiben  Kenntnis.

?2  Der  Kaiser  erwiderte  auf  das  eben  zitierte  Schreiben  am  20.  März
mit  ernentem  strengen  Befehl,  sofort  das  Volk  abzudanken,  alle  besetzten
Orte  zu  räumen  und  allon  Schaden  gut  zu  machen,  bei  Vermeidung  höchster
Ungnade  und  Strafe;  denn  er  sei  im  Falle  Ungehorsams  gewillt,  zusammen
mit  den  böhmischen  Ständen  alle  Mittel  zur  Dämpfung  dieser  Landesempörung
  anzuwenden  (Mb.,  119.1,  f.  14;  Kopie.  Am  26.  März  schrieb
der  Kaiser  abermals  an  den  Erzherzog,  sich  dieses  Kriegsvolks  sofort  zu
entledigen;  er  werde  von  allen  Seiten  aufgefordert,  das  Volk  in  die  Acht
za  erklären  und  die  Exekution  anzuordnen,  was  er,  wenn  nicht  binnen  acht
Tage  pariert  würde,  nicht  läuger  verschieben  könne  (I[b.,  Ambraser  Akten,
Missiven  vom  April  1611,  zu  ao.  35;  Kopie).
        <pb n="306" />
        März  24.

284  1611  114.

Bischof  von  Breslau,!  der  heimlich  praktiziert  und  durch  seine  Wälder
bei  Glatz  einen  Pass  für  fünf  Pferde  neben  einander  hat  eröffnen  lassen,
zu  fürchten  haben.  Dem  Teschner  ist  aber  schon  bezahlt,  denn  die
Schlesier  haben  sein  Ländchen  mit  2000  Musketieren  eingenommen;
sie  haben  4000  Mann  zu  Fuss  und  1500  Reiter  geworben  und  ist
der  fünfte  Mann  aufgeboten.

Der  neue  geheime  Rat  und  Kammerpräsident  Dohna?  ist  bei  den
Böhmen  und  bei  seinen  Landsleuten  in  schlechtem  Ansehen;  er  hat  in
einem  Schreiben  an  diese  die  böhmischen  Stände  als  Rebellen  bezeichnet
und  die  Lausitzer  von  der  Hilfeleistung  abgemahnt.  Das  Schreiben  kam
heute  in  die  Hände  der  Stände;  Dohna  wird  wol  nicht  lange  präsidieren,
zumal  noch  Vermutungen  vorliegen,  das3  er  an  den  Consiliis  wegen  der
Passauer  teilgenommen  hat.  Die  Jesuiten  haben  ihr  Kollegium  zum  Gottesdienst
  wieder  frei,  auch  gehen  sie  unangefochten  in  der  Stadt  herum.  „Von
den  kaiserlichen  räten  ist  keiner,  der  anjezo  nicht  seine  hände  wasche
und  die  alle  dem  teufel  ergebe,  die  zu  diesen  ratschlägen  geholfen
baben.  Stralendorf®  sagt  mir  selhsten,  er  sei  bei  ksl.  M.®  darüber
in  ungnaden  geraten,  dass  er  diese  I.  M.'  intention  nicht  habe  wollen
approbiren  helfen.  Hanebaldt  ist  seinem  vorgeben  nach  der  allerunschuldigste,
  der  graf  von  Sulz  hats  einest  und  allein  gethan.  Wir
wollens  erfaren,  wie  sie  in  examine  bestehen  werden.  Dem  lantfriet
trauen  sie  allzeit  nicht,  haben  ihr  haab  und  gut  neben  weib  und  kind
ins  schloss  geflehet,  auch  noch  nicht  ersonnen,  sich  darauss  zu  begeben,
aussgenommen  Stralendorf.“  Zuniga  ist  vergangenen  Dienstag!  mit
sehr  schlechter  Expedition  wieder  zurückgekommen;;  dagegen  ist  gestern
abends  Wenzel  Kinsky  mit  dem  Gegenrevers®  zum  König  gereist,  um
ihn  hereinzubegleiten.  —  Soeben  zieht  der  König  mit  44  Kornet  Reitern,
etwa  5000  Pferden,  und  einem  Regiment  österreichischen  Fussvolks  ein  ;®
Liechtenstein,  Dietrichstein?  und  Khlesl  hat  man  nicht  bei  ihm  gesehen.®

Einige  sagen,  es  wäre  ein  gutes  Mittel  des  Vergleichs  zwischen
den  beiden  Brüdern,  wenn  sich  Erzherzog  Maximilian  bereden  liesse,
dem  Kaiser  Tirol  einzuräumen,  also  dass  die  kaiserliche  Hofhaltung
nach  Innsbruck  käme,?  wogegen  Maximilian  im  Namen  beider  Herrn

ı  Karl  Erzherzog  zu  Oesterreich.

?  Vgl.  oben  no.  57,  S.  121,  Anm.  1.

3  Leopold  von  Stralendorf,  Reichsvizekanzler,  wol  zu  unterscheiden  von
seinen  Sohn,  dem  Reichshofrat  Peter  Heinrich  von  Stralendorf.

+  Am  22.  März;  vgl.  oben  no.  105,  8.  250,  Anm.  2.

5  Nach  Mägerles  Tagebuch  hatte  Wenzel  Kinsky  am  23.  März  mu
Böhmisch-Brod  dem  König  den  Gegenrevers  der  Stände  (vom  22.  März;
Ma.,  111’11,  —  Kop.)  überreicht;  vgl.  auch  das  Schreiben  des  Königs  an
seine  hinterlussenen  Räte  zu  Wien  vom  25.  März  (Wi,  TA  1,K.  2991;  Kpt.).

°  Vgl.  H.  M.  von  Schönburgs  Angaben  in  no.  105,  S.  251  f.

’  Franz  von  Dietrichstein,  Kardinal  und  Erzbischof  von  Olmütz.

®  In  scinem  Bericht  vom  29.  März  widerruft  Pfretzschner  diese  Angabe
und  versichert,  dass  Khlesl  neben  Moggau,  Lobkowitz  und  Khuen  zu  allen
Audienzen  gezogen  werde  (Drs.,  a.  a.  OÖ,  f.  492;  Or.  eigh.).

°  Teber  dies  Projekt,  den  Kaiser  nach  Tirol  zu  versetzen  vgl.  oben
no.  98,  S.  215  und  Anm.  1.
        <pb n="307" />
        114  —115.  1611  285

Statthalter  in  Böhmen  sein  und  Matthias  zum  Successor  designiert  März  24:

werden  solle.  Man  hat  ein  gutes  Vertrauen  zum  Hause  Sachsen  und
hofft,  dass  durch  dessen  Intervention  alles  in  friedlichen  Stand  gobracht
  werden  wird,  obgleich  die  Stände  sich  jetzt  etwas  ‚‚refractorie“
erzeigen.  Prag  den  24.  martii  abends  um  9  uhr  1611.

Dre,  1.  9166,  I.  Buch  pass.  Krieg:volks,  f.  462;  Or.  eigh.

115.  Baugy  an  Puysieulx.

„bendant  que  les  affaires  cheminent  de  dec®  en  la  fagon  que
jescry  a  la  royne,  l’archiduc  Leopold  est  a  Cremaw  avec  partie  de
ses  trouppes  et  comme  il  a  est6  secoura  d’argent  par  l’ambassadeur
d’Espagne,  quand  il  est  party  de  ceste  ville,  ainsy  que  Vous  aurez
veu  dans  quelcune  de  mes  precedentes,  aussy  a  il  encores  recouru
a  luy  pour  moyenner  sa  reconciliation  avec  le  roy  de  Hongrie!,
se  disant  qu'il  offre  de  licentier  ses  dictes  trouppes,  pourveu  qu'on
luy  donne  de  quoy  les  payer  ou  qu’on  luy  permette  d’engager  a
oet  eflet  ladicte  seigneurie  de  Cremaw,  qu’on  leur  octroye  a  tous  un
pardon  general  et  saufconduit  pour  demeurer  en  seuret6  dans  ce
royaume  et  dans  l’empire,  aprez  qu'ilz  auront  est6  licentiez,  et  qu’on
le  laisse  jouir  paisiblement  des  biens  et  revenuz  de  son  evesch&amp;amp;  de
Passaw,  situez  en  la  Haute  Austriche.?  Il  y  en  a  qui  doutent,  s’il
fait  ces  propositions  a  bon  escient,  par  ce  qu’aussytost  qu’il  fut
arriv6  au  dict  lieu  de  Cremaw,  le  s.”.de  Ram&amp;amp;e  de  son  sceu  et  consentiment
  (a  ce  que  l’oon  dit)  feit  [!]  trencher  la  teste  a  neuf  officiers
qui  estoient  accusez  d’avoir  voulu  faire  mutiner  lesdictes  trouppes,  lors
qu’elles  estoient  a  Prague,  et  les  faire  passer  au  service  des  estatz,
en  leur  livrant  les  principaux  chefz  d'icelles,?  comme  si  par  ceste
exocution  et  chastiement  il  les  voulut  contenir  en  discipline  et
obeissance,  pour  les  employer  a  l’avancement  de  ses  premiers  desseins.
Son  conseiller  Tenknaghel  entre  plusieurs  depositions  sur  divers
interrogatoires,  qui  luy  ont  est6  faitz,  a  dit  (ainsy  que  l’on  m’a
rapport6),  que  ledict  s.”  archiduc  estoit  deliber6  de  chercher  de  l’appuy
en  France,  ce  qui  s’accorde  aucunement  a  ce  que  javois  desia
entendu,  qu’il  se  vantoit  d’avoir  receu  des  lettres  de  chiffre  de  la
royne,  pleines  de  bienveillance  et  d’inclination  au  bien  de  ses  uffaires,
de  quoy  j’ay  pens6  devoir  continuer  a  Vons  donner  aviz,!  d’autant
que  le  bruit  en  est  sem&amp;amp;  par  les  Espagnoles  et  leurs  suppostz,  qui
conduisent  toutes  ces  menees  avec  un  merveilleux  artificee.  Mons.  le
Rheingrare,  que  Vous  connoissez,  est  icy  depuis  deux  jours;?  je  ne
say  sil  est  venu  pour  essayer  d'estre  employ6  par  ledict  8.”  roy  ou
sil  a  este  envos6  vors  luy  (comme  il  dit)  avec  quelque  charge

'  Vgl.  oben  no.  105,  8.  250  Anm.  2.
?  Vgl.  oben  no.  114,  S.  283  und  Ann.  1.
‚3  Vgl.  A.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  1I.  8.  230
“  Vgl.  oben  no.  99.
&amp;gt;  Vgl.  oben  no.  104,  S.  246,  Anm.  3  und  Jie  folgende  no.  116

März  26.
        <pb n="308" />
        März  26.

März  28.

286  1611  115—116.

secrette  des  electeurs  de  Saxe  et  de  Brandebourg,  de  l’accord  desquelz
touchant  les  differens  de  Juliers  je  n’ay  rien  appriz  davantage  que
ce  que  je  Vous  en  ay  cy-devant  mandd.  De  Prague  le  26.  de
mars  1611“.

Pa.,  eoll  Harlay  n.  258.,  vol.  XII,  f,  107;  Or.

116.  Zuniga  an  König  Philipp  IIL

„Vienen  el  rey  de  Ungria  y  sus  ministros  muy  puestos  en
conseguir  desta  vez  no  solo  la  corona  de  Bohemia,  pero  tambien  la
de  reydeRomanos,  obligando  al  emp.°"  a  que  se  disponga  a  darsela.
Viene  con  el  rey  un  embaxador  del  elector  de  Brandemburg,!  de
quien  se  prometen  quanto  pueden  dessear  y  despues  de  ‚haver  llegado
aqui,  ha  venido  el  Ringrave,  que  es  un  conde  de  mucha  calıdad  del
imperio,  de  parte  del  elector  de  Saxonia,  segun  me  han  dicho  los
ministros  del  rey,  con  grandes  offrecimientos?,  y  lo  mismo  me  ha
confirmado  y  encarecido  mucho  el  mismo  Ringrave  que  es  conogido
mio.  De  lo  que  toca  a  los  eletores  eclesiasticcs  se  hallan  con  poca
luz  los  del  rey  y  aunque  yo  la  he  procurado  tomar  dellos,  se  han
escusado  con  la  poca  seguridad  de  las  cartas  y  assi  con  participacion
del  rey  trato  de  embiar  alla  alguna  persona  a  tentar  el  vado  y
de  parte  de  S.S.  haran  los  nuncios  todos  los  buenos  officios  que
pudieren  que  la  coyuntura  es  grande,  aunque  no  faltan  dificultades,
por  que  hasta  aqui  los  eclesiasticos  han  sido  poco  inclinados  al  rey
de  Ungria;  pero  en  esta  coyuntura  no  dejo  de  tener  esperancas  de
que  se  acomodaran,  si  bien  este  favor  que  por  todas  partes  se  va
descubriendo  en  los  hereges  a  la  persona  del  rey,  les  puede  poner
en  cuydado;  pero  en  qualquier  otro  camino  que  quisiesen  seguir  veo
mayores  incombenientes.

Suplico  a  V.  M.?  considere  de  quanta  suma  importancis  es  todo
este  negocio  que  aqui  tengo  entre  manos  y  quanto  inporta  quo  el
rey  Matias  se  vea  favorecido  y  apoyado  de  parte  de  V.  M.“,  para
que  en  las  cosas  justas  y  ragonables  se  acomode  con  los  protestantes,
pero  en  las  que  no  lo  fueren  pueda  tomar  alguna  manera  de  brios
y  autoridad  en  el  tratar  con  ellos  y  que  lo  de  la  election  de  rey  de
Romanos  se  encamine  como  comviene.  Para  todo  esto  seria  muy  forgoso
V.  M.?  se  sirviese  de  remitir  con  toda  prontitud  alguna  gran  suma,
que  la  que  yo  tengo  recivida  esta  tan  baja  como  V.  M.@  podra

ı  Hanse  Meinhard  von  Schönburg;  vgl.  oben  no.  105.

?  Wie  tatsächlich  die  Erbieten  Kursachsens  beschaffen  waren,  ergibt
das  in  no.  104,  S.246,  Anm.  3.  angeführte  Antwortschreiben  des  Kurfürsten  un
den  König  vom  5.115.  März.  Man  scheint  systematisch  über  Sachsens
Haltung  Tinklarheit  verbreitet  zu  haben;  denn  Friedrich  Graf  Fürstenberg
weiss  an  Erzherzog:  Maximilian  am  1.  April  gleichfalls  zu  melden,  dass  Kursachsen
  dem  König  durch  den  Rheingrafen  habe  gratulieren  lassen,  ohne  den
Kaiser  davon  zu  unterrichten  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  April
1611,  no.  15;  Or.  eigh.).
        <pb n="309" />
        116  —117.  1611  237

mandar  ver  por  el  tanteo  que  embio,  aunque  se  ha  procurado  todo  März  2R.

lo  posible  destribuir  el  dinero  solamente  en  Cosas  necesarias  0  muy
importantes  para  los  fins  que  se  pretenden.!  Praga  a  28  di

marzo  1611.“
Sim.  Fasz.  3406,  f.  917;  Or

117.  Zuüiga  an  König  Philipp  I.

„Al  emperador  hizo  nueva  instancia?  en  que  yo  fuese  encontrar
al  rey  de  Ungria;  avia  pedido  lo  mismo  al  nuncio,  pero  no  se  hizo
instancia  segunda  vez  con  el  antes;  parecio  que  quedasse  y  assi  yo
fni  solo.  No  me  mando  S.  M.?  ces.*  otra  cosa  sino  que  procurasse
que  se  detuviesse,  donde  le  hallase  y  que  procurase  entender,  si  venia
el  rey  de  buena  o  mala  voluntad  contra  el.  Pero  osto  se  trato  por
medio  de  consejeros,  que  yo  no  vi  al  emp.°"  partir  diciendoles,  que
pues  alla  avia  personajes  de  parte  de  S.  M.@  ces.*,  que  eran  el
duque  de  Branzwig  y  el  conde  de  Zoleren,  que  yo  les  ayudaria  en
todo  lo  que  pudiesse  como  embaxador  de  V.  M.?  que  tanto  desseava
meter  bien  entre  los  hermanos,  pero  que  no  me  encargava  de  hazer
la  embaxada  de  parte  del  emp...  Encontre  al  duque  de  Branzvig,
que  venia  por  la  posta  a  Praga  y  dixome  la  resolucion,  con  que
quedava  el  rey  de  entrar  en  Bohemia,  quede  con  cl  que  se  diesse
priesa  por  bolver  que  yo  procuraria  de  tener  al  rey  hasta  su  buelta,
llegue  a  los  19.  a  la  tarde  a  Iglau,  donde  alle  a  S.  M.?  y  tube
audiencia  a  los  20.  por  la  mauana  ;  avia  hecho  el  dia  antes  instancia
  con  los  ministros,  paraque  aguardase  el  rey  al  duque  y  con
8.  M.?  la  hize  en  la  audiencia;  pero  estava  ya  todo  muy  apunto
y  lego  un  correo  del  duque  con  una  carta  suia  y  aviso  de  que  el
se  havia  buelto  a  Praga  y  assi  el  rey  se  resolvio  de  entrar  en
Bohemia.  Llego  aquella  noche  a  la  primer  ciudada,  que  Ilaman
Taichenbrot.*  La  manana  siguente  me  parecio  adelantarme  y  assi
con  licencia  del  rey  caminava  hazia  a  Praga  y  encontre  al  cavallerizo

ı  Die  Rechnung  über  die  250000  Escudos,  die  nur  580085  fl.  ertrugen,
  fehlt.

?  Am  gleichen  Tag  berichtet  Zuniga  seinem  Herrn,  dass  Khlesl  und
Khuen  ihm  soeben  angezeigt  bätten,  Matthias  habe  sich  entschlossen,  die
Erzberzogin  Anna  [Tochter  des  Erzherzogs  Ferdinand  von  Tirol]  zu  heiraten.
Zuniga  erwiderte,  dass  sein  Kön’g  zwar  aus  Staatsgründen  eine  Verbindung
mit  der  Herzogin  Magdalene  von  Baiern  gewünscht  hätte;  wenn  sich  Jabei
aber  Schwierigkeiten  ergaben,  so  sci  wol  sicher,  dass  dem  König  Philipp  der
neue  Entschluss  des  Königs  Mattliias  sehr  angenehm  sein  werde,  „siendo
aquella  rincesa  de  tanta  virtud  y  de  su  propria  casa”  (Sim.,  a.  a.  O,,

.  216.  Or.‘.

3  Vgl.  oben  no.  88  und  98.  Uebor  Zunıgas  Schickung  vgl.  ferner
no.  105  und  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.  8.  248  f.

*  Deutsch-Brod.

März  28.
        <pb n="310" />
        März  28.

288  1611  117.

mayor  del  emp.°”,!  que  me  dio  una  carta  de  Ernesto  de  Molart,?
en  que  de  parte  de  $,  M.“  ces.”  me  decig,  que  juntamente  con  el
cavallerizo  mayor  pidiese  al  rey  que  viniese  a  Praga?  y  que  viniese
a  posar  a  la  ciudad  pequena  y  assi  hize  alto  en  el  lugar,  donde  el
rey  venia  a  comer.  Y  fue  muy  facil  de  alcanzar  la  primera  peticion;
en  quanto  a  la  segunda  hizo  el  rey  dificultad,  escusandose  con  que
las  vezes  que  avia  venido  a  Praga,  avia  posado  en  palacio  y  que
convidandole  el  emp.”  fuera  razon,  que  le  convidara  para  palacio  y
que  no  le  seria  para  la  parte  de  la  ciudad,  donde  queria  que
posasse.  Pero  formaron  una  respuesta’  decente  y  cortes  que  tray
el  cavallerizo  mayor.*  Yo  tambien  me  adelante  a  Praga  y  referi  al
Ernesto  de  Molart  que  havia  hallado  en  el  rey  muy  buena  voluntad
de  respetar  y  servir  el  emp.”,  pero  con  resolucion  de  no  desatarse
de  los  Bohemios,  a  quienes  estava  tan  obligado  y  aca  le  aguardavan
ya  con  paciencia.  Ha  estado  todos  estos  dias  passados  travajado  de
la  gota,  pero  allele  con  buena  disposicion  y  sin  ningun  embarazo  en
el  andar,  ponderle  mucho  quanto  le  convenia  en  lo  que  se  hubiese
de  tratar  y  hazer  con  el  emp.”  que  se  procedisse  de  su
parte  con  toda  modestia  y  que  en  las  cosas  de  la  religion  r
aun  en  las  demas  mostrasse  enterega  con  las  Bohemios  haziendoles
toda  merced  en  lo  que  fuere  justo  y  razonable  y  que  fiase  de
V.  M.@  que  le  queria  y  estimava  muchisimo  y  que  apoyaria  sus
cosas  como  propias.  Discurrio  sobre  todo  acertadamente  y  de  manera
que  halle  en  el  mas  de  lo  que  pensava,  porque  tenia  relaciones  de
muy  corto  talento  y  no  dejo  de  discurrir  harto  a  proposito  en
todo.“  Von  des  Königs  Räten  „me  ha  parecido  el  obispo  de  Viena  de  muy
raro  entendimiento  y  de  gran  eloquencia  en  la  lengua  latin;  es
tenido  comunmente  por  persona  muy  doblada,  no  esta  bien  quisto
ni  de  catolicos  ni  de  herejes.?  Meckau  es  cavallero,  muy  gentil

!  Adam  von  Wallenstein  d.  J.

?  Geheimer  Rat  des  Kaisers  und  einer  der  wenigen,  die  in  diesen
Tagen  beim  Kaiser  aushielten.

®  Vgl.  no.  106,  S.  250  Anm.  2.

*  Vgl.  Hammer-Purgstall,  Leben  Khlesls,  II.;  Urkundensammlung
no.  308  und  302.

5  Vgl.  Schönburgs  Urteil  in  no.  105  und  Anm.  1  auf  S.256.  Auch  Friedrich
Graf  Fürstenberg  klagt  in  einem  Schreiben  an  Erzherzog  Maximilian  vom
24.  März:  Kblesl  zieht  mit  dem  König,  weshalb  die  Stände  besorgen,  er
werde  nichts  gutes  stiften  und  Matthias  zu  einem  gefährlichen  Vertrag
bringen;  „kain  müglich  nit  ist,  ohn  disen  mann  zu  sein“  (Ib.,  Ambraser
Akten,  Missiven  vom  März  1611,  no.  28;  Or.  eigh.).  Und  einige  Tage  später,
am  1.  April,  schreibt  Fürstenberg:  ‚‚man  spannet  alborait  seer  auf  den
Glössl  zue  Prag  und  würd  man  ine  nit  Jeiden  wollen.  Althaimb  orpiett
sich  zue  dociren,  dass  niemand  als  Grlössl  an  disem  landeverderben  und  allem
übel  ursach  ;  das  würd  an  seinen  orten,  sovil  ich  vermerke,  auch  virkoınmen*
(lb.,  a.  a.  O.,  Missiven  vom  April  1611,  no.  15;  Or.  eigh..  Am  19.  April
berichtet  Fürstenberg  an  Erzherzog  Maximilian:  „Glösl  dominiret,  verwäret
die  sachen  und  disgustirt  dom  könig  die  besten  confidenten;  Gott’;  wolle,
dass  er  nit  bösers  causire  (Ib,  a.  a.  O.,  no.  41;  Or.  eigh.).  Und  einen
längern  Bericht  vom  27.  April  schliesst  der  Graf  mit  den  Worten:  „in
summa,  Glössl  will  auch  Böhmen  regieren“  (Ib.  a.  a.  O.,  Missiven  vom  Mai
        <pb n="311" />
        117.  1611  289

persona  y  de  mucha  bondad  y  estilo  de  palacio.  No  es  propriamento  März  28.
del  conseju,  pero  entra  en  el,  es  gran  catolico,  tiene  grandes  quejas
del  emp.”  y  assi  le  ha  desservido  en  todos  estos  negocios  pasados
con  gran  pasion.  Mit  dem  ordentlichen  [geheimen]  Rat  Popel,  einem  Bruder
des  Oberstkanzlers,  habe  ich  nicht  gesprochen;  „tiene  agora  la
expedicion  de  las  cosas  de  Bohemia;  dizeme  que  es  hombre  de
entendimiento,  aunque  muy  vario  y  asi  lo  ha  sido  en  materia  de
religion.  EI  maestro  de  campo  general  y  su  teniente!  son  hereges
y  se  admiten  muchas  vezes  al  consejo;  entre  los  coroneles  los  mas
son  catholicos.“  Die  6000  Soldaten  zu  Fuss  und  1500  zu  Pferd
werden  hauptsächlich  von  den  österreichischen  Provinzen  und  von
Mähren  bezahlt.  Ein  weniges  bezablt  der  König  „y  assi  no  tiene
S.  M.“  libre  disposicion,  antes  necessidad  de  contemporigar  siempre  con
elloe‘‘  Die  Böhmen  verhandeln  über  die  Berufung  eines  neuen
Landtags,  weil  der  letzte  nur  berufen  worden  war  „para  tratar  de  la
defension.‘‘?  Jotzt  wollen  sie  Matthias  zum  König  krönen  oder  ihn
die  Verwaltung  des  Königreichs  und  des  Kurfürstentums  [Böhmen]  übergeben
  „con  estar  el  emp.?"  en  mianos  del  rey  y  de  los  Bohemios,  teniendo
guarnicion  suia  en  el  castillo  toda,  y  algunos  dellos  indiciados  de
haver  conspirado  con  el  s.°"  archidugque  Leopoldo  para  hazerle  rey,
tienen  la  parte  de  $.  M.@  ces.®,  aunque  sin  esperanza  ninguna  de
podelle  remediar.  Yo  voi  procurando  que  se  junten  con  los  demas
a  tratar  de  los  negocios  y  que  los  que  tienen  culpa  sean  recividos
piadesamente,  y  he  ponderado  al  rey,  quanto  conviene  el  salvarlos,
si  bien  a  sido  cosa  lastimosa  los  hierros,  en  que  han  caido  muchos
catolicos  con  zelo  indiscreto  de  religion,  pues  el  demonio  no  pudiera
inventar  cosa  mas  perniciosa  para  ella  que  la  leva  y  progresos  de
esta  gente  de  Passau,  que  a  puesto  a  los  catholicos  en  terrible
aborrecimento  y  opinion  de  sediciosos  .y  aunque  parece,  que  con  la
venida  del  rey  se  ha  de  remediar  esto  en  mucha  parte  y  se  comienca

1611,  no.  11;  Or.  eigh.)..  Ein  Agent  schreibt  am  16./26.  März  aus  Prag:
„der  gewissenslose  pfaff  Clösel  [ist  auch  mitgekommen],  welches  uns  nit
allerdings  gefallen  will;  hoffen  doch,  ihme  solle  der  pass  den  stenden  zue
schaden  gepört  werden‘‘  (Stg.,  Uniousacta,  t.  XI.,f.  524;  Kopie).

!  Sigmund  von  Herberstein  und  Georg  Graf  Hoditzky.

?  Am  27.  März  ersuchten  die  böhmischen  Stände  den  Kaiser  um  Ausschreiben
  eines  Generallandtages  auf  Montag  nach  Quasimodogeniti
[April  11.,;  ale  Zweck  gaben  sie  an:  Einstellung  des  tyrannischen  Vornehmens
des  passauer  Volkes  und  Vergleichung,  wie  dies  Königreich  künftig  in  bessern
Stand  gebracht  und  regiert  werden  könnte.  Würde  der  Kaiser  nicht  willfahren,
  so  müssten  die  Stände  den  Generallandtag  selbst  ausschreiben  (  Wmz.,
Korrespondenz,  Band  1,  --  Kopie).  Am  gleichen  Tag  teilten  die  Stände  obiges
Begehren  dem  König  mit  und  baten  ihn,  mit  dem  Kaiser  dahin  zu  handeln,
dass  er  in  Ansehung  seines  Alters  und  wohin  es  durch  die  bösen  Räte
gekommen  sei  und  noch  kommen  könnte,  sich  ein  ruhiges  Leben  gefallen
lasse  und  sich  mit  Matthias  als  designiertem  König  wegen  eines  besseren
Regiments  benehme,;  Matthias  möge  so  lange  bei  den  Ständen  bleiben  und
ihnen  helfen  (Wi.,  1A  1,  Ka.  2991;  Kopie).  —  Das  folgende  ist  bei  Gindely,
Rodolf  IL  und  seine  Zeit,  II.  S.  253,  Aum.  abgedruckt.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd  19
        <pb n="312" />
        2%  1611  117—118.

März  28.  ya  a  ver  algun  beneficio,  todavia  es  cosa  de  grandisimo  cuidado  el

ver  que  el  rey  viene  llamado  de  los  herejes  y  que  si  ha  de  entrar
ha  de  ser  con  gran  vituperio  de  su  hermano  y  que  el  dia  de  oy  ni
el  uno  ni  el  otro  tienen  mandado  en  este  reyno  y  quando  se  venga  a
asentar  el  del  reg  como  se  puede  esperar,  no  parece  que  ha  de
ser  tan  absoluto  ni  con  aquella  autoridad  que  convendria.“  Die
Böhmen  dringen  stark  in  den  König,  dass  er  sein  Volk  gegen
Leopold  schicke  und  zwar  zugleich  mit  dem  ihrigen,  was  eine
Anzahl  von  3000  Pferden  und  9000  Knechten  ergeben  würde.  „Yo
procuro  que  el  rey  y  ellos  tengan  por  bien  que  Antonio  Mirabalo,
cavallero  Neapolitano  y  gentilhombre  de  la  camara  del  s.°”  archiduque,
que  se  halla  aqui  en  mi  casa,  vaya  a  tratar  con  S.  A.*,  que  se  a
parte  de  empresa  tan  sin  fundamento  y  con  algunos  de  sus  oficiales,
de  que  efectivamente  se  licencie  aquella  gente.  Pero  es  negocio  muy
intricado  y  dificultoso  yrase  haziendo  en  el  de  mi  parte  todo  lo  que
fuere  posible.e  De  Praga  28  de  marzo  1611.“
Bim.,  Fasz.  3497,  f.  220;  Or.!

‚  118.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  den  Kurfürsten

von  Sachsen.

„Freuntlicher  lieber  schwager  vnd  bruder.  Ich  babe  Dein
schreiben?  zu  meinen  handen  wol  entphangen  vnd  gebe  Dir  daraufl
freunttlich  zu  vernemen,  das  ich  vor  etzlichen  tagen  von  der  kal.  M.'
anhero  gefordert  zu  dem  ende,  des  konniges  auffbruch  zu  verhindern,
wie  ich  den  schon  zuuor  vor  mich  gethan,  aber  nichts  erhalten  konnen,
Soviel  des  konniges  eigene  persohn  anlangett,  habe  ich  dennoch  so
weit  gewonnen,  das  sich  I.  kgl.  W.  sowol  mündtt-  als  schrifftlich
erkleret,  wieder  der  ksl.  M.'  person  nichts  thettliches  vorzunemen
sondern  als  ein  bruder  zu  kommen  und  I.  M.'  freunttschafft  zu
beweisen,  wie  ich  den  glimpfs  halber  es  so  weitt  befordert,  das  die
ksl.  M.®  den  konig  durch  ein  handbrieflein  eingeladen,*  auch  dieselbige,
wie  sie  alhie  angelangett,  freunttlich  durch  den  lanttgraffen  und  her

ı  Im  spanischen  Staatsrat  beschloss  man  auf  obigen  Bericht  hia,
um  Matthias  von  den  Ketzern  unabhängig  zu  machen,  ihn  aus  spanischen
Mitteln  aufs  wenigste  mit  100000  Dukaten  zu  unterstützen  (Sim.,  Fasz.
709,  f.  180).  —

.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  schrieb  am  15.25.  März  an  den  Herzog:
Derselbe  möge  ihm  gewisses  über  den  Vergleich  zwischen  den  Brüdern  mitteilen  ;
er,  Kuriürst,  habe  bei  beiden  schon  Erinnerung  getan.  Der  Herzog  möge  auch
sorgen,  dass  dem  Kaiser  kein  Schimpf  widerfahre  und  nur  die  bösen  Ratgeber
  bestraft  werden.  Wenn  der  He  rzog  glaube,  dass  er,  Kurfürst,  dabei
etwas  gutes  verrichten  könnte,  so  wer  de  er  es  an  sich  nicht  fehlen  lassen
(Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Mai  1611,  zu  no.  11;  Kopie.

®  Vgl.  oben  no.  105,  S.  251,  Anm.  2  und  F.  Hurter,  Geschichte
Kaiser  Ferdinands  II.,  VI.  8.  475  f.

“  Vgl.  oben  no.  105,  8.  251,  Anm.  3.  Über  die  Bemühungen  des
Herzogs  in  Wien  vgl.  auch  den  „Gründlichen  Bericht“  an  vielen  Stellen.
        <pb n="313" />
        118.  1611  291

Ernsten  von  Mola  entphaben,  der  konig  auch  herwider  I.  ksl.  M.*  März  80.
durch  dero  obersten  cammerer!  freunttlich  grüssen  lassen.  Sonsten  ist
der  konnig  auff  verordnung  der  Bohemen  ihn  die  alte  stadtt  losirt,
mus  sich  aber  selber  bekosten.

Sonsten  stehen  die  sachen  ihn  einem  geferlichen  zustandtt  vnd.
ist  die  verbitterung  bey  dem  gemeinen  pebel  wieder  die  ksl.  M.'  so
gros,  das  sie  auch  von  deroselben  nichts  horen  noch  dero  namen
nennen  wollen.  Her  Omnis  hatt  das  regimentt,  der  altten  rahtt  gilt
nicht  vnd  werden  die  vota  numeriret  vnd  nicht  ponderiret  und  in
summa,  es  sihett  einem  grossen  generalauffstandtt  gar  gleich.  Vnd
sein  dic  Bohemen  gar  insolent  vnd  ist  kein  respect  mehr  verhanden,
wie  sie  den  auch  heutiges  tages  den  Hegenmüller  aus  dem  schlos
wegkgenommen  vnd  ihn  die  altte  stadt  auff  das  ratthaus  gesetzett,  ?

Vorgestriges  tags  haben  die  stende  bey  I.  M.'  vmb  einen  landtagk
  angesucht  mit  dem  anhange,®  wan  I.  M.'  ihrem  suchen  kein
statt  thun  wurden,  so  wolltten  sie  vor  sich  denselben  ausschreiben.
Es  haben  aber  I.  M.'  darein  gewilligett  vnd  auff  den  montag  nach
Quasimodogeniti  denselben  bestimmett.  Das  kaiserliche  schlos  wirdet
durch  das  mehrische  volk  verwachet  vnd  obwol  anfangs  in  namen
der  ksl.  M.'  bestallung  ausgangen,  darauf  auch  etzliche  bobemische
fenlein  gerichtet  vnd  der  ksl.  M.  vnd  den  stenden  zugleich
geschworen,  so  hatt  man  sie  doch  vor  wenig  tagen  dessen  vngeachtet
ihn  der  stende  namen  allein  beeydiget  vnd  sowol  die  ksl.  M.'  als  den
designirten  konig  ganz  ausgeschlossen.*  Die  obristen,  so  vorigem
eyd  zuwider  nicht  abermals  schweren  wollen,  sein  cassirt  vnd  andere
ahn  ihre  statt  verordnet  worden  vnd  ist  nuhn  es  bey  den  stenden  so
weit  kommen,  das  63  heisset:  sic  volo,  sic  iubeo,  sit  pro  ratione
voluntas.  Sonsten  ist  ihr  einiges  intent,  den  konig  zu  cronen  vnd
hinfaro  under  des  keissers  regiment  nicht  länger  zu  verpleiben.
Dem  gutten  alten  herrn  schibett  man  alle  last  auf  den  rucken  vnd
befleissiget  sich  darjegen,  denselben  buben,  so  I.  M.'  miht  ihren  vermessenen
  consiliis  hinder  das  licht  gefürett,  vberzubelfen  vnd  bei  dem
konnige  vnd  den  landen  auszusonen.®°  Der  graff  zu  Zollern  hatt
sich  aus  dem  staube  gemacht,  der  erzhertzog  Leopold  vnd  sein
anhang  perseveriren  ihn  vorigem  trotz,  zwingen  die  leute  mitt  gewaltt,
sich  ihnen  mitt  eyden  verwandt  zu  machen,  rauben  viehe  vnd  andere
victualien,  Buttwys  befestigen  sie,  der  erzherzog  verschreibett  die
landsherrn  und  dautzett  dieselbig  vnd  schreibt  ihnen:  liebe,  getreue;

°  Leonhard  Helferich  Freiherr  von  Meggau,  Oberstkämmerer  und  Obersthofmeisteramts-Verwalter.
  -

?  Zugleich  mit  Andreas  Hannewald  und  Matthaeus  Welser;  über  diese
Verhaftung  berichtet  ausführlich  Pfretzschner  am  30.  März  (Dre.,  1.  9166,
l.B.  passauer  Kriegsvolk,  f.  511;  Or.  eigh.);  vgl.  unten  no.  122,

Vgl.  oben  no.  117,  S.  289,  Anm.  2.

*  Bestätigt  durch  Pfretzschners  Bericht  vom  29.  März  (Drs.,  a.  a.  O,,
f.  492;  Or.  eigh.).

®  Vgl.  oben  no.105,  8.250,  Anm.  2,  und  unten  no.  131,  8.  317  mit  Anm.  2.

19*
        <pb n="314" />
        März  30.

292  1611  118.

hatt  die  enge  passe,  so  auff  Baiern  vnd  Passaw  gehen,  dardurch  nur
sonsten  die  saumros  gehen  konnen,  ofinen  vnd  ganze  herstrassen  machen
lassen,  wil  auch  wider  geschens  keiserlich  gebott  vnd  den  von  sich
gegebenen  reuers,  handtt  vnd  sigel  nicht  abdancken,  ehe  dan  vnd
zuvor  1)  ihm  seine  in  Ostereich  eingezogene  gütter  restituiret,  2)  die
herschafft  Crummaw  eigenthumblich  so  lange  verschriben,  bis  ehr  sich
aller  schaden,  so  ehr  gelitten,  erholett,  3)  das  Dennagel  vnd  ander
gefangene  losgelassen  4)  vnd  den  sambtlichen  officiren  vnd  kriegsleuten
  generalpardon  gegeben  sey.!  Ich  habe  mich  aber  so  stark
bemuhett,  das  I.  M.'  dessen  ungeachtet  ein  scharffes  monitorium
abgehen  lassen?  vnd  nochmals  die  abdankung  innerhalb  acht  tagen
ihns  wergk  zu  richten  sub  poena  banni  gebotten  haben,  wiewohl  sich
leutte  gefunden,  so  sich  solches  vmbzustossen  gar  hoch  bemuhett.?

Vnd  aus  obgeseztem  allem  hatt  mein  bruder  zu  vernemen,  wie
geferlich  die  sachen  mitt  der  ksl.  M.'  persohn  stehen  vnd  weil  es  ein
solch  werk,  das  sich  dises  feuer,  so  ihn  Vngern  angefangen  vnd
durch  Ostereich  vnd  Mehren  anhero  sich  begeben,  zur  bosen  consequenz
leichtlich  ihn  ganz  Teutschlandtt  vorstrecken  vnd  ein  generalrebellion
bey  aller  chur-  vnd  fursten  vnterthanen  erwecken  kontte,  als  hastu
neben  andern  chur-  vnd  fursten  wol  auffzuschaun.  Es  ist  mir
dise  sache  allein  zu  hoch  vnd  zu  schwer.  Mitt  des  konniges
persohn  hette  es  enttlich  keine  streitt,  wie  aber  die  Bohmen,  so  das
schwertt  ahnizo  ihn  handen  haben,  zu  stillen,  da  sehe  ich  wenig
mittel,  dieweil  sie  keine  rationes  oder  admonitiones  admittiren.?

Vor  mein  persohn,  weyl  es  leider  zu  solchen  extremitatibus
kommen  vnd  ich  ander  gestalt,  wie  gern  ich  auch  woltte,  I.  M.*  nicht
dienen  kan,  stehe  ihn  bemühung,  ob  es  dahin  zu  handeln,  das
I.  M.'  proprio  motu  zu  versicherung  kunftiger  succession  die  kronung

i  Vgl.  oben  no.  114.

?  Vgl.  Anm.  2  auf  Seite  283  zu  no.  114.

°  Der  Agent  eines  evangelischen  Fürsten,  vielleicht  Philipp  Ehem,
bezeichnet  Hannewald,  Hegenmüller  und  den  Reichshofratspräsidenten  Grafen
Hohenzollern  als  diejenigen,  die  das  scharfe  Verfahren  gegen  die  Passauer
widerriten  (Bericht  aus  Prag  vom  20./30.  März:  U.,  Unionsacta,  XXI.,
no.  2101).  —

*  Ueber  die  „Insolenz“  der  Böhmen  klagt  auch  Friedrich  Graf  Fürstenberg
  (Schreiben  an  König  Matthias  vom  26.  März  in  Wi.  I  A  1,  Ka.  2991;
Or.  eigh.).  Erasmus  Tschernembl  schreibt  an  den  oberpfälzischen  Rat  Theophil
Richius  am  29.  März  über  das  böhmische  Unwesen  :  „Viel  hette  bissher  mögen
durch  die  Böhemen  ihnen  selbst  und  uns  zu  gutem  leichtlich  remedirt  werden,
wan  nicht  die  forcht  der  offension,  die  sorg  der  aussgab,  die  blindheit,  die
hoffnung  eines  vortheils  hetten  unsere  benachbarten  Böhemen  beinahent  ohne
unterscheid  alles  schadens,  nachthail  und  gefahr  der  religion,  freiheit  und
guts,  ja  ihrer  nachkommen  vergessent  und  unempfintlich  gemacht“  (De,
A  9a,  Ic,  no.  8;  Kopie).  Auch  Pfretzschner  klagt  in  dem  oben  (8.291,  Anm.  4)
angeführten  Bericht:  „Es  gehet  leider  gar  ubel  zu,  ist  eine  pur  lauter  confusion,
  dardurch  nichts  anders  verrichtet  als  das  konigreich  ausgesogen  und
in  eusserste  armuth  und  verderben  gesetzt  wird.“  Ueber  die  Haltung  der
Böhmen  gegen  den  Herzogvon  Braunschweig  vgl.oben  no.  114  u.  Anm.3  auf.  282.
        <pb n="315" />
        118—119.  1611  293

dem  konnige  anbotten,  soviel  aber  die  regierung  anlanget,  sich  mit
dem  konnige  dahin  freunttlich  verglichen,  das  gleichwol  I.  M.®  konig
vnd  bey  der  regierung  pleiben,  doch  das  das  regiment  verbessert  vnd
ihn  einen  andern  stand  gesetzet  wurde;  dan  auf  solchen  wegk  ginge
es  noch  zum  thayl  mit  autoritet  vnd  glimpf  zu,  da  sonsten  auff  widrigen
fal  solches  alles  vnd  wol  ein  mehrers  mitt  schimpf  vnd  violenz
geschehen  mochte.  Vnd  da  ahnsonsten  mein  bruder  kein  bedencken
hetten,  sehe  ich  gern,  das  Sie  sowol  vor  sich  selber  ein  ansehnliche
legation  schickte  alss  die  bey  Dero  itz  anwesenden  chur-  vnd  fursten
dahin,  das  sie  ebenmessig  thetten,  vermugen  möchten,  damitt  gleiwol
L  M.'  einigen  beystandtt  habe,  auch  so  wol  der  konig  als  die  bohmische
  stende  zu  aller  schittligkeitt  ermanet  werden  mechten.  Datum
Prag  den  20  martii  a.  1611.“
Drs.,  1.  9166,  I.  Buch  passauer  Volks,  f.  507;  Or.  elgh.

119.  Der  pfalz-neuburgische  Sekretär  Gaugler  an
Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Neuburg.

Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  hat,  nachdem  er  erfahren,  dass
der  Herzog  von  Würtemberg  nicht  in  Stuttgart  sei,  nicht  für  ratsam
erachtet,  demselben  nachzureiten  sondern  hat  lieber  seine  Reise  nach
Düsseldorf  befördert!  Mich  hat  er  von  Cannstadt  aus  nach
Stuttgart  abgefertigt,  damit  ich,  was  der  Pfalzgraf  dem  Herzog  mitteilen
  wollte,  mit  Melchior  Jäger?  oder  Vizekanzler  Faber  bespräche.
Anı  14./24.  März  kam  ich  in  Stuttgart  an  und  erlangte  bei  Jäger  —  Faber
war  in  Schweinfurt  —  Gehör.  Auf  meinen  Bericht  von  dem,  was  Pfalzgraf
Wolfgang  Wilhelm  mit  dem  Herzog  von  Baiern  wegen  Erneuerung
des  gefallenen  Vertrauens  im  Reich  verhandelt  hatte®,  antwortete
Jäger:  er  höre  davon  gerne  und  wolle  es  seinem  Herrn  berichten,  der  sich
darüber  freuen  und  es  an  sich  nicht  fehlen  lassen  werde;  denn  ähnliche
Kommunikation  sei  seit  einiger  Zeit  zwischen  seinem  Herrn  und  Erzberzog
  Maximilian  vorgegangen  und  habe  er,  Jäger,  deshalb  mit  des
Erzherzogs  Geheimsekretär  verschiedene  Briefe  gewechselt.“  Der  Herzog

m

ı  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  hatte  am  21.  März  Neuburg  verlassen
und  war  am  31.  bereite  wieder  in  Düsseldorf  angekommen  (vgl.  Mec.,  Jül.
Saccession,  Fasz.  89,  no.  270,  IIL.,  f.  13  und  f.  25;  eigh.  Or.).

®  Württembergischer  Kanzler,  gestorben  vor  dem  19.  April  1611.

®  Vgl.  oben  no.  92.

*  Die  Versuche  des  Erzherzogs  Maximilian,  zu  einer  Komposition  im
Reich  zu  kommen,  gehen  ins  Jahr  1610  zurück,  ebenso  die  Anknüpfung  mit
Herzog  Johann  Friedrich  von  Württemberg;  man  hielt  sich  in  Stuttgart  aber
wegen  des  österreichischen  Hausstreites  un.  wegen  der  Eifersucht  des  Kaisers
gezen  Erzherzog  Maximilian  zunächst  zurück  (Württembergische  Räte  an  ihren

27.  Dezember  1610
H  2  .  “
Tg  am  Januar  16T  Stg.,  Unionsacts,  tom.  X.,  f.  379;  Or.),

doch  war  man  entschlossen,  dem  Erzherzog  bei  einer  etwaigen  Gefährdung
dureh  das  elsässer  Volk  die  Hand  zu  reichen  (Kurpfälzische  Räte  an  den
dministrator  am  9.’19.  Januar:  Mb.,  119,3,  f.  23;  Kpt.).

März  30.
        <pb n="316" />
        März  30,

294  1611  119.

hätte  mit  E.  fl  Gn.  gern  schon  eher  kommuniziert,  wenn  er  nicht
für  nötig  gehalten  hätte,  in  so  wichtiger  Sache  vorher  einen  guten  Grund
zu  legen,  weshalb  er  auch  Baden  noch  nicht  das  geringste  mitgeteilt  habe;
er  wolle  es  aber  tun,  sobald  die  Sache  in  Gang  gebracht  sei;  er
babe  auch  seinen  nach  Schweinfurt  abgeordneten  Räten  anbefohlen,
wegen  Erneuerung  des  Vertrauens  mit  den  anderen  Ständen  zu  reden
und  wegen  der  Mittel  hiezu  zu  beraten!  Da  sich  aber  wegen  des
Streits  um  das  Direktorium  die  Verhandlungen  zerschlugen  und  E.
fl.  Gn.  Leute  unverrichteter  Dinge  abzogen,  werde  dieser  Punkt  dahinten
bleiben.  Von  des  Erzherzogs  Anmutung  wissen  nur  er  und  jetzt  ich.
Wegen  Buwinckhausen  sagte  Jäger  selbst,  dass  diesem  hierin  nicht
zu  trauen  sei;  sobald  dieser  davon  erfahre,  wisse  man  es  allenthalben
in  deutschen  und  auch  welschen  Landen;  Buwinckhausen  sei  in  grossem
Verdacht.  —  König  Matthias  habe  fast  in  gleichem  Sinne  an  Württemberg
geschrieben,?  wie  gewiss  auch  an  E.  fl.  Gn.;  doch  werde  es  dabei
allerlei  Bedenken  haben;  die  Abschrift  der  Antwort  solle  E.  fL  Gn.
um  Gutachten  zugeschickt  werden.  —  Da  die  Wiederaufrichtung  des
Vertrauens  nötig  sei  und  man  bisher  mit  Schaden  erfahren  habe,
was  das  Mistrauen  mit  sich  gebracht  und  voraussichtlich  noch
bringen  werde,  so  habe  der  Herzog  der  Sache  umso  eifriger  nachgedacht,
  —  zumal  man  erkannt  habe,  dass  es  auch  dem  Erzherzog  Ernst
sei.  Der  Herzog  sei  der  Meinung,  dass,  wie  vor  Jahren  zu  Passau  geschehen,
  einige  Kurfürsten  und  Fürsten  in  der  Enge  und  Stille  mit  wenigen
Vertrauten  an  einem  besondern  Ort  zusammen  kommen  und  einander,  wie
Baiern  angedeutet,  „recht  berichten“  und  aufrichtig  sagen  sollen,  was  einer
vom  andern  begehre  und  was  zu  solchem  Mistrauen  Ursache  gebe;  dabei
sollen  sie  auch  anf  Mittel  denken,  die  Hindernisse  wegzuräumen,  und  also
das  Vertrauen  zu  pflanzen;  man  könnte  bei  solcher  Versammlung  einen
Eventual-Vergleich  treffen  und  denselben  auf  einem  Reichstag  den  andern
Kurfürsten  und  Fürsten  proponieren.  Je  geringer  anfangs  die  Zahl  der  Teilnehmer,
  desto  besser  wäre  es,  etwa  von  jeder  Religion  je  ein  Kurfürst
und  ein  Fürst,  vielleicht  Mainz  und  Baiern,  und  von  evangelischer  Seite

!  Die  württembergischen  Abgesandten  zum  schweinfurter  Unionstag
wurden  zum  dritten  Punkt  des  Ausschreibens  instruiert:  Dem  Herzog  sei
nicht  entgegen,  mit  den  geistlichen  Kurfürsten  und  Fürsten  in  besseres
Vertrauen  za  kommen;  man  möge  darüber  die  Meinung  der  andern  hören
und  sich  eines  gemeinen  Schlusses  vergleichen...  ...  Da  Baiern  gegen
das  uer  Volk  Assistenz  und  Kon  junktion  seines  und  der  Unierten  Volkes
begehrt  habe,  so  sei  zu  bedenken,  ob  man  nicht  auch  von  Baiern  solche
Assistenz  begehren  solle;  man  würde  dabei  wenigstens  erfahren,  wessen
man  sich  von  der  Päpstischen  zu  versehen  habe.  Die  Gesandten  sollen  den
Unionsständen  auch  den  württemborgischen  Briefwechsel  mit  König  Matthias,
und  Erzherzog  Maximilian  wegen  der  Gravamina  der  Unierten  mitteilen  und
das  Gutachten  der  Anwesenden  vernehmen,  ob  ein  oder  das  andere  3littel

zum  Zweck  dienlich  wäre  (Instruktion  von  =  ur.  Stg.,  Unionsacta
tom.  IX.,  f.  162;  Kpt.).

®  Am  3.  Februar:  vgl.  oben  no,  26  und  Anm.  2  auf  S,  67,
        <pb n="317" />
        119—121.  1611  295

E.  fl.  Gn.,  wenn  nicht  nomine  electorali  als  Administrator  der  Kurpfalz,  so
doch  als  Fürst;  würden  E.  fl.  Gn.  als  Administrator  zugelassen,  so  solle
Württemberg  eintreten,  sonst  aber  sollen  Sachsen  und  E.  fl.Gn.  fungieren.

E.  fl.  Gn.  werden  zu  bedenken  wissen,  was  Sie  demnach  an
Melchior  Jäger  oder  an  den  Herzog  selbst  schreiben  wollen;  gut
wäre,  dem  Herzog  mitzuteilen,  was  Sie  an  Baiern  schrieben  und
darauf  zu  Antwort  erhielten.  Es  muss  aber  ganz  im  geheimen
geschehen,  denn  wenn  die  Calvinisten  davon  das  geringste  erfahren,
so  werden  sie  heimlich  und  Öffentlich  das  Werk  zu  hindern  trachten.
Datum  Franckfortt  den  20.  martii  a.  1611.  —  Praes.  Neuburg
30.  martii.  a.  1611.

Mb.,  43j18  a,  f.  15;  Or.  eigh.i

120.  Der  jüterbogker  Vertrag.

Die  Hauptartikel  sind  gedruckt  bei  J.  Ch.  Lünig,  Deutsches
Reichsarchiv,  Pars  spec.,  1II.,  S.  135  f.;  J.  du  Mont,  Corps  universel
diplomatique  du  droit  des  gens,  V.,  2.,  8.  160  f.;  im  Auszug  bei
M.  Meyern,  Londorpius  suppletus  et  continuatus,  I.  1739,  S.  401  und
bei  Th.  von  Moerner,  Kurbrandenburgs  Staatsverträge  von  1601-—1700;
Berlin  1867,  S.  151.

121.  „Revelatio  consiliorum  in  aula  caesarea  ad  domandos

  Evangelicos  in  ducatibus  Juliacensibus  regnoque

Bohemiae  et  aliis  imperii  eiusdemque  vicinis  ditionibus

  apud  Pontificios  initorum,  a  Francisco  Tennaglio,

  ser.”!  archiducis  Leopoldi  cancellario,  recens

facta  et  ill.”!®  regni  Bohemiae  ordinibus  ab  eodem  in
scriptis  exhibita.“

„Cum  in  omnibus  consiliis,  quibus  nunc  paene  duos  interfui
annos,  hoc  tantum  simplex  et  nudum  fuerit  propositum  (sicuti  ogo

!  Am  9.'/19.  April  schreibt  mit  Beziehung  auf  Grauglers  Bericht  Pfalzeraf
  Philipp  Ludwig  an  den  Herzog  von  Württemberg:  er  habe  dem
Bericht  entnommen,  dass  ihrer  beiden  Gedanken  wegen  Herstellung  des
Vertrauens  im  Roich  gleichgerichtet  seien  und  dass  sich  auch  auf  der
andern  Seite  friedliobende  Fürsten  befänden,  durch  deren  Vermittlung  derselbe
Zweck  erreicht  werden  könnte.  Zur  Vermeidung  Verzugs  müsse  man  sich
dieserseits  alsbald  wegen  der  Personen  und  wegen  der  Verhandlungsgegenstände
  vergleichen:  von  den  katholischen  Ständen  komme  es  zunächst  auf  Mainz
und  Baiern  an,  durch  die  man  die  ganze  Liga  gewinnen  könnte;
wenn  der  Herzog  Mainz  auf  sich  nähme,  würde  er,  Pfalzgraf,  mit  Baiern
handeln;  als  dritter  katholischer  Stand  käme  noch  Erzherzog  Maximilian
in  Betracht.  Auf  Seite  der  Evangelischen  seien  Kursachsen  und  Württemberg
zu  diesem  Werk  an  besten  geeignet;  der  Pfalzgraf  wolle  es  aber  auch  an  sich
nicht  fehlen  lassen.  Sobald  man  wegen  der  Personen  einig  sei,  solle  jede
Partei  unter  sich  zunächst  bedenken,  wie  die  Sache  anzugreifen  sei  und
welche  Beschwerden  zur  Union  und  Defension  Anlass  gegeben  haben  (Mb.,
a  f.  22;  Kopie  nach  Heuchelins  Kpt.  —  Stg.,  Unionsacta,  tom.  IX.
4,  Ur...

März  30.

März
Ende.
        <pb n="318" />
        März

Ende.

296  1611  121.

bona  conscientia  testari  possum),  qua  scilicet  ratione  statim  ab  initio
nunc  paene  per  triennales  inter  duos  dominos  fratres  [versantium]
dissensionum  caes.  M.'*  auctoritas  satis  imminuta  caeteraeque  adhue
caesari  restantes  provinciae  conservari  atque  etiam  (si  reg  ad  novum  et
apertum  deveniret  bellum)  aliae,  quae  antea  perditae  fuerunt,  recuperari,
  imo  si  fieri  possit,  maius  aliquid  deinceps  ab  hoste  haereditario
obtineri  posset,  haec  statim  in  principio  sequentia  impedimenta  et
obstacula  prae  caeteris  hic  sese  ostenderunt  et  obtulerunt:

Inprimis  omnino  creditum  fuit,  alterationem  et  abalienationem
animorum  dominorum  fratrum  tum  temporis  contra  caes,.  M.'°”  maxime
erupisse,  cum  archidux  Ferdinandus  a.  1606  ad  comitia  imperii  tum
Ratisbonam  conscripta  a  caes.  M.'*  delectus  et  ablegatus  fuit;  et  cum
cacs.  M.'*  ipsiusque  fratres  aetate  satis  essent  confecti,  quidam  etiam
ipsorum  diversis  corporum  imbecillitatibus  per  intervalla  gravarentur  nec

a  qu:oquam,  ut  coniciebatur,  ulli  imposterum,  nedum  ante  obitum  propter
aetatem  ad  imperium  idonei  et  legitimi  haeredes  essent  sparandi,
nunc  caes,  M.'”  yatione  boni  publici  et  conservationis  inclitae  suae
Austriacae  domus  rom  quoad  punctum  successionisin  provinciis  guis
haereditariis  in  lineam  Graezensem  et  in  specie  in  dietum  archiducem
Ferdinandum  tamquam  natu  maiorem  et  rerum  potentem  libenter
dirigere  ac  propterea  Ser.'®"  Suam  quasi  hac  privata  ad  scopum  accomodata
  legatione  etiam  electoribus,  principibus  et  statibus  sacri  impenii,
ut  in  regem  Romanorum  eligi  posset,  notam  facere  et  insinuare  voluisse.

Quapropter  statim  opinio  ista  durantibus  adhuc  imperii  comitiis
non  tantum  per  ea  quae  tum  fiebant,  verum  etiam  propter  informationes
  Vienna  in  imperium  emanantes  (quarum  quidem  una  a  domino
comite  Mansfeldio  accepta  et  Straubingae  ex  clementissimo  mandato
dieti  domini  aıchiducis  Ferdinandi,  sicuti  mihi  documenta  a  domino
comite  Altheimio  in  ista  temporis  brevitate  comunicabantur,  refutata
fuit  et  inter  scripta  mea  intercepta  haud  dubie  adbuc  reperiretur)
apud  multos  plurimum  crevit.  Quoniam  vero  ab  illo  statim  tempore
contractus  antea  conclusus  in  ultima  transactione  inter  laudatissimam
domum  Austriacam  sublatus  innotuit  et  novis  discursibus  ansam  praebuit,
pro  tenui  meo  iudicio  arbitror,  quod  ab  illo  tantum  tempore  caes,
M.'**  ratione  successionis  in  8.  imperium  et  provincias  suas  haereditarias,
  quae  liberam  habent  electionem,  in  archiducem  Leopoldum
animum  converterit,  qui  dicto  contractui  non  subscripsit,  verum  perpetuo
partes  M."*  Suae  simpliciter  tenuit.  Et  quamvis  boc  pro  certo  affirmare  non
possim,  hanc  tamen  inde  habeo  coniecturam,  quod  archidux  Leopoldus
continuo,posteaquam  archiducem  Carolum  buc  est  comitatus,  in  commissione
Viennensi  pro  restitutione  regni  et  provinciarum  concessarum  adhibitus
ipsique  comes  Sulzius,  Altheimius  et  Hegenmüllerus  adiuncti  fuerunt,
Eodem  tempore  Joannes  Rupertus  Hegenmüllerus  imperialis  aulae  consiliarius
  inter  prandendum  mihi  significavit,  proficiscendum  sibi  esse
Viennam  et  an  ipsi  comes  esse  vellem?  Quod  cum  ipsi  continuo  promisissem,
  rhedam  conduxi  et  una  cum  ipso  iter  suscepi  interque  viam
        <pb n="319" />
        121.  1611  297

in  Ser.'®  Suam  ineidimus,  cui  ego  per  hanc  occasionem  humillime
notus  factus  sum.  Et  quoniam  illa  [Ser.‘*]  quendam  in  urbenm  Hornensem
  ablegare  decreverat,  ego  me  inscio  et  nescio  etiam  per  quem
Ser."  Suae  ad  id  negotium  fui  commendatus  et  eo  missus,  ut  ex
domino  Georgio  Erichio  a  Buchaim  resciscorem,  au  status  ibi  tunc
congregati  ad  protectionem  caes.  M.'*,  ut  rumor  erat,  redire  vellent.
Qui  id  mihi  propter  motus  tum  exorientes  pro  sua  persona  est  pollicitus
  et  de  caeteris  ibi  congregatis  statibus  bonam  spem  fecit.  Sic
cum  hoc  responso  equis  velocibus  ad  Ser.'*”  Suam  sum  reversus  samque
Golleredorfii  inveni  et  in  eodem  itinere,  ut  Ser."  Suae  iäservire  vellem,
a  me  fuit  petitum.  Quod  cum  bac  conditione  promisi,  ut  mihi  dimissionem
  muneris  mei,  quo  tanquam  consiliarius  appellationum  fungebar
quamque  diu  frustra  sollicitaveram,  impetraret,  quam  etiam  postea,
cum  Ser.'**  Sua  Pragam  rediisset,  obtinui  illaque  dimissio  reservato
titulo  consiliarii  a  domo  concepta  scripto  mihi  communicata  fuit.

Paulo  post  pascha,  cum  Ser.'*  Sa  esset  Passavii,  a  caes.  M.'°
cum  litteris  propria  sua  manu  scriptis  ad  Ser.”  Suam  missus  sum,
ut  auxiliante  comite  Sulzio  ipsam  clam,  ne  per  alios  impediretur,
Pragam  revocarem,  quo  etiam  Ser.'**  Sua,  quanquam  satis  longo  post
tempore  se  recepit  et  si  recte  memini  aliquot  septimanas  ibi  substitit,
donee  ii  qui  (sicuti  adhuc  hodierno  die  indubitanter  mihi  in  mentem
induco)  Ser.'®®  Suam  non  libenter  eo  venire  videbant  et  rerum  gubernacula
  ut  ante  in  manibus  servare  malebant,  ipsi  commissionem
Juliacensem  obtulerunt,  quod  (ut  postea  repertum)  ita  secrete  fuit
actum,  ut  etiaın,  cum  commissio  conclusa  et  a  Ser.‘  Sua  acceptata
esset,  intimi  et  secrotissimi  consiliarii,  se  illam  clam  habituros  iuramento
  promisisse  dicantur  et  sic  a  Ser.‘  Sua,  ut  una  proficiscerer,
sum  invitatus,  inscius  quidem,  quonam  esset  eundum.  Omnino  tandem
existimavi,  iter  illud  Monachium  et  inde  Passavium  tendere,  donec
Pilsam  venimus,  ubi  Ser."  Sua  intentionem  suam,  quod  Juliacum
vellet  proficisci,  mihi  clementissime  concredidit  eamque,  ut  clam  haberem,
mandavit,  ut  etiam  factum  est.  Tum  Ser.'“  quosdam  ex  comitatu  aulico
Passavium  remisit,  nostras  duas  rhedas  Noribergam  ablegaus,  ut  pro
literis  cambii  seu  traiectitiis,  quas  Ser."  Suae  supremi  camerarii
vicarius  secum  babebat,  quandam  pecuniae  summam  ad  12  credo
florenorum  milia  a  mercatoribus  postularemus  et  inde  quamprimum
iter  versus  Coloniam  ingrederemur  ibique  ulteriora  mandata  exspectaremus.
  Sua  vero  Ser.‘  paucis  equis  veredariis  assumptis  versus
Juliacum  descendit  interque  viam  duobus  electoribus  ecclesiasticis,
Moguntino  et  Trevirensi,  ut  percepi,  propositum  suum  patefecit  et
eo,  quo  toti  est  orbi  notum,  modo  Juliacum  pervenit.  Quamprimum
itaque  nos,  qui  remanseramus,  de  Ser."®  Suae  Juliacum  adventu  in  via
certiores  facti  sumus,  iter  nostrum  tanto  magis  Coloniam  versus
acceleravimus,  adventum  nostrum  Ser.''  Suae  literis  significavimus  et
continue,  ut  nos  Juliacum  (sicuti  factum  est)  conferremus,  mandata
accepimus.

März
Ende.
        <pb n="320" />
        März

Ende.

298  1611  121.

Secundo  post  adventum  nostrum  die  ad  ultimo  occisum  Galliae
regem  equis  celeribus  excurrere  Ine  oportuit,  ut  gravibus  et  magni
ponderis  argumentis  et  rationibus  M.'*®  Suam  hortarer,  ne  duobus
principibus  Brandenburgico  ac  Neoburgico  ulla  auxilia  praestaret  sed
iuxta  antiqua  et  nova  cum  caesare  Romano  icta  foedera,  nealter  alterius
iurisdictioni  se  immisceat  atque  etiam  iuxta  tractationem  Parisionsem
neutralitatem  observaret.  Post  multos  vero  labores  et  disputationes
nonnisi  dubium  et  simile  paene  illi,  quod  postmodum  comiti  Zollerensi
datum  responsum  reportavi;  nihilominus  tamen  realia  auxilia  tam
ea  aestate  quam  hieme  sequente  (nisi  clam  factum  sit)  emansere.

Quoniam  vero  ex  Praga  non  tantum  minima  auxilia  nobis  non
adveniebant  verum  etiam  persecutionis  processus  non  Sequebantur,
adversarii  etiam  magis  ac  magis  viribus  et  auxiliis  corroborabantur,  in
eas  tu  n  cogitatationos  et  suspiciones  incidimus,  quod  illi,  qui  Ser."  Suae,  ut
hance  perplexam  et  periculosam  commissionem  acceptaret,  persuaserant,
rem  eo  deducere  cogitarent,  ut  Ser.'*®  Sua  despectum  et  ignominiam
reportaret  et  sic  per  indirectum  gratiam  et  favorem  caesareum  amitteret,

Posthac  Ser.'*  Sua  ubique  sollieitare  auxilia  non  intermisit  et
ab  electore  Trevirensi  ac  qui  tum  temporis  erat  coadjutore  nunc
episcopo  Spirensi  per  me  12  circiter  milia  florenorum  obtinuit  hac
cum  conditione,  ut  ista  summa  in  solvendis  futuris  imperii  contributionibus
  retraheretur  et  reservaretur.

Apud  electorem  Moguntinum  similiter  hac  cum  conditione  aliquid
actum,  nescio  autem  quando  et  quantum,  quoniam  posi  meum  ab
electore  Trevirensi  reditum  continuo  in  Hispaniam  ablegatus  fui
ibidemque  similiter  omnibus  gravibus  et  magni  momenti  argumentis,
quae  excogitare  poteram,  auxilia  petivi  et  sollicitavi,  hoc  praecipue
urgens,  unumquemque,  cui  ducatus  Juliaceusis,  Clevensis  et  Bergensis
  caeterorumque  appertinentinum  comitatuum  et  dominioruum  conditio
  nota  esset,  non  ignorare,  quanti  regiae  Hispaniae  M.*  ipsiusque
regnorum  et  provinciarum  interesset,  ne  dicti  ducatus  in  principum
manus  devenirent,  qui  continuata  et  aperta  inobedientia  spretisque
omnibus  caesareis  etiam  sub  poena  banni  editis  diversis  legitimis  et
omni  exceptione  maioribus  mandatis  omnium  praetensionum  nondum
adhuc  decisarum  se  expertes  facerent;  nam  etiam  ipsos,  ut  notorium,
cum  Hollandis  et  Galliae  rege,  coronae  Hispanicae  hostibus,  esse
confoederatos  et  fere  quotidie  clandestina  et  aperta  ab  ipsis  accipere
auxilia.  Unde  aperte  coniciondum  et  aestimandum,  quod  si  dicti  duo
principes  intentionen  suam  manu  armata  ad  finem  perducerent,  regiae
Suae  M.'  respectu  istarum  provinciarum  non  solum  omnia  media  ad  oa,
quae  Hollandi  ipsorumque  confoederati  ipsi  in  Belgio  armis  extorserunt,
recuperanda  perderentur  verum  etiam  ea,  quae  ipsi  adhuc  ibi  restarent,
non  sine  summo  periculo  forent;  unde  praeterca  finitimi  electores  ecclesiastici
  facilce  opprimi  et  res  eo  deduci  possent,  ut  laudatissima  domus
  Austriaca  imperium  amitteret,  per  quod,  sicuti  ad  potentiam  et
reputationem  toti  mundo  notam  prae  caeteris  orbis  christiani  familiis
        <pb n="321" />
        121.  1611  299

ascenderit,  sic  etiam  eandem  necessario,  praesertim  in  praesenti  rerum
statu  per  Imperium  conservari  oportere  —  et  quae  aliae  rationes  et
promotiones  ad  obtinendum  magnam  pecuniae  summam  et  auxilium
in  diversis  et  copiosis  discursibus  propositae  fuere,  quas  impossibile
est,  memoria  continere,  nedum  calamo  concipere.

Et  quamvis  omnino  sperassem,  fortia  quamvis  clandestina
auxilia  ad  minimum  non  fore  defutura,  praesertim  cum  certo  essem
expertus,  quod  regina  archiducem  Leopoldum  fratrem  suum  intime
amaret  atquo  etiam  extreme  et  vehementissime  sibi  hoc  negotium
cordi  esse  sineret,  ut  etiam  in  rebus  suis  propriis  diligentius  esse  et
ipse  archidux  Leopoldus  melius  quam  ego  tractari  non  potuerit,  cum
etiam  apud  sororem  suam,  magnam  Hetruriae  ducem  (quoniam  alia
nobis  succurrendi  media  non  suppetebant)  tantum  effecerit,  ut  iste
magnus  dux  300  coronatorum  milis,  quae  ex  navigationibus  indiacis
tribus  annis  sine  ullo  lucro  persolvi  deberent,  mutuo  concesserit.  Ex
quibus  legato  Hispanico  domino  Balthasaro  de  Zuniga,  qui  hic  residet,
200  coronatorum  milia  assignata  et  Qjuae  restant  archiduci  Alberto
instanter  sollicitanti  in  Belgium  delegata  fuerunt.

Sic  cum  litteris  tam  ad  Ser.'®  Suam  quam  ad  dietum  legatum
Hispanicum  remissus  fui,  hac  spe  mihi  facta,  illum  pro  sua  prudentia
nobis  ista  pecunia  succurrere  sciturum.  Et  quoniam  neque  regina
neque  ii,  qui  ipsi  erant  addicti,  maius  aliquid  quoad  pecuniae  directorium
  obtinere  poterant,  ista  nixus  spe  ex  Hispania  per  Galliam
Jullacum  me  recepi  et  expeditionem  meam  obedienter  retuli  et  narravi.
Continue  inde  post  Pragam  ad  Rom.  caes.  M.'”  et  sacpius  dietum
legatum  Hispanicum  auxilia  me  impetraturum  sperans  profectus  et
simul  a  Ser.  Sua  pro  supremo  consiliariorum  secretissimorum  iuramento
  praestito  susceptus  sum.

Cum  autem  apud  legatum  Hispanicum  essem  et  contra  spem
meam  nulla  auxilia  realia  (licet  ille,  prout  sese  ferebat,  pauca  florenorum
  milia,  quao  magis  ad  iuvandam  sumptuun:  solutionem  quam  ad  rem
et  bellum  faciebant,  duabus  vicibus  eo  miserit)  vel  per  me  vel  per
alios  obtinere  potuissem,  caes.  Suae  M."  in  longa  mihi  dıta  audientia
humillime  declaravi,  exacerbationem,  quam  in  Hispania  reperissem,  ex
duabus  praecipue  causis  promanare:  primum  quod  M.“*  Sua  legatum
Hispanicum  nulla  audientia  dignaretur,  sicuti  praesens  legatus  per
duos  annos  ad  ipsam  non  venisse  diceretur,  in  Hispania  autem  ipsius
relationes  et  consilia,  quae  de  huius  loci  rebus  proferret  (ut  ex  ipsa
regina  intellexeram),  in  omnibus  paene  probari  ac  Viennenses  nullam
in  informando  et  praeoccupando  diligentiam  omittere  ideoque  M.'*”
Suanı  ipsum  non  solum  clementissime  audire  verum  etiam  ad  obtinenda
pecuniarum  auxilia  sufficientibus  invicem  oblationibus  factis  ipsam
cum  illo  tractare  debere;  deinde  etiam  M.'”  Suam  marchionem  Castilionensem
  adiunctum  legatum  quam  primum  eo  mittere  debere;  nam
quod  tribus  abhinc  annis  nullus  in  aula  Hispanica  inter  omnes
contrarias  informationes,  nedum  legatus  caesareus,  qui  res  M.  Suae

März
Ende.
        <pb n="322" />
        März
Ende,

300  1611  121.

in  casibus  incidentibus  procuraret  et  defenderet,  adfuisset,  non  solum
iniquissime  ferri  verum  etiam  M.!  Suae  summe  damnosum  esee.

Ad  haec  M.“’  Sua  in  ambobus  punctis  consentit  iussitque,  at
legato  Hispanico  audientiam  indicerem,  sicuti  factum;  M.'**  que  Sus
ipsa  supradicta  auxilia  instanter  sollicitavit.  Nihil  autem  effectum,
verum  legatus  in  generalibus  remansit.  Expeditio  etiam  marchionis
ex  illo  tempore  decreta  et  promota  fuit.

Hisce  autem  negotium  hoc  non  fuit  finitum  ;  verum  dicta  caes.
M.'%*  me  ulterius  instante  et  sollicitante  una  mecum  d.  Hegenmällerum
  ad  legatum  misit;  ibi  praesente  Hegenmüllero  ipsi  de  novo  in
mentem  adduxi,  an  non  regina  ipsa  expresse  scripsisset,  ne  dominum
fratrem  suum  ullo  modo  desereret  sed  ubique  manus  auxiliares  ipsi
praestaret  et  si  remissa  illa  200  coronatorum  milia  non  sufficerent,
an  non  regina  promitteret,  se,  quaecumque  ulterius  expenderet,
rato  haberi  et  ipsi  reddi  curare  velle?  Quod  legatus  quidem  non
negavit,  nihil  tamen  categorice  ad  baec  declarare  voluit;  licet  tandem
dimidiam  tantum  istius  summae  partem  ad  belli  Juliacensis  continuationem
  flagitaverim,  ibi  aeque  atque  antea  nihil  obtinui.  Tandem  d.
landgravius  Leuchteburgius  et  ut  opinor  comes  Sulzius  et  d.  Lambergius
a  M.'  Sua  eo  missi  fuere,  nihil  tamen  magni  ut  antea  obtinere
potuere.  Ex  illo  tempore  a  superiore  nuntio  et  praesenti  legato
Hispanico  nihil  nisi  persecutiones  partim  scriptis  partim  et  saepius
coram  apud  Ser.”  Suam  sustinui,  quae  tamen  apud  ipsam,  quoniam
rem  gestam  et  innocentiam  meam  noverat,  nunquam  valere  potuerunt.

Cum  igitur  tam  a  M."  suae  ministris,  qui  hic  erant  et  nos  hinc
inde  eircumducebant,  quam  ab  Hispaniarum  rege  et  archiduce  Alberto,
in  quibus  duobus  nostram  summam  spem  collocaveramus  (siquidem  in
processibus  Pragensibus  nullam  fiduciam  ponere  poteramus)  atque
etiam  aliuude  sine  auxilio  relinqueremur,  ecoutra  vero  duobus  principibus
  ex  Gallia,  ab  Hollandis  et  aliis  unitis  principibus  magna  et  potentia
nummorum,  militum  et  omnium  rerum  ad  bellum  pertinentium  auxilia
summitterentur,  negotium  Juliacense  se  nullum  alium  quam  qui  toi
mundo  notus  est  exitum  sortiri  potuit.

Verum  quidem  est,  quod  speratis  auxiliis  duos  illos  principes
istis  ducatibus  cedere  cogere  potuissemus;  nam  Ser.‘  Sua  illis  prius
excedere  non  decreverat  quamı  sumptus  impensos  recepisset;  qui  cum
plurimum  forent  augmentati,  Ser.‘“*  Sua  adhuc  longe  tempore  in
possessione  remansisset.  Et  hoc  facile  evenire  potuisset:  nam  si  iuxta
spem  nostram  multa  obtinuissemus  auxilia  sumptuumque  magnitudo
multum  excrevisset  et  sic  difficulter  ab  illa  parte,  quae  causam  iure
obtinuisset,  rependi  potuissent,  tum  Ser.'*  Sua  parti  causam  obtinenti
aliquam  pecuniae  summam  (quam  ad  rem  multi  istorum  principatuum
status  tam  ut  tanto  citius  ex  illo  labyrintho  liberarentur  quam  quod
Ser.  Suae  bene  affecti  essent,  quantum  in  ipsis  fuisset,  sine  dubio
fideliter  praestitissent)  pro  iure  suo  rependisset,  dicti  sane  duo  principes
aut  ipsorum  principales  propter  inobedientiam  aut  alioquin  propter
ius  Saxonum  validum  praetensiones  suas  amittere  potuissent.  Becordor
        <pb n="323" />
        121.  1611  301

etiam  adhuc  doctorem  Joannem  Gedelmannum  legatum  Saxonicum  hic
rosidentem  vivente  adhuc  principe  defuncto  Joanne  Wilhelmo,  cum
mihi  obtenta  domus  Saxoniae  privilegia  monstraret,  mihi  tum  expresse
dixisse,  dietam  laudatissimam  domum  Saxonicam  sus  quidem  opinione
non  alienam  force,  ut  post  illius  decessum  et  in  casu  victoriao  et  in
foro  iustitiae  caes.  Suae  M.!  laudatissimaeque  suae  domui  pro  alia
recompensatione  praetensionibus  suis  legitimis  cederet.

Quod  autem  Ser.‘  Sua  propter  provincias  istas  tanto  aere  aliono
obrutas,  quo  omnes  paene  praefecturae  premuntur  et  nunc  magna  pars
tamquam  feuda  vacua  a  diverris  dominis  directis  ortum  habentia
retrahuntur,  non  solum  electoratum  Saxonicum  verum  etiam  totum
imperium  modo  iniustissimo  in  se  concitare,  omnes  alias  spes,  quas
tempus  et  fortuna  dare  potuissent,  relinquere  et  de  faeto  istas  provincias
  sibi  subicere  voluerit,  hoc  sane  Ser.''  Suae,  quantum  ego
penetrare  potui,  nunquam  in  mentem  venit.  Esset  etiam  hoc  contra
omnes  rationes  politicas  omnisque  praetextus,  quo  id  coram  imperio  et
exteris  principibus  defendi  possit,  nobis  sublatus  fuisset  et  consequenter
haec  res  non  bene  successisset.  Et  hac  quantum  ad  rem  Juliacensem,
quoniam  in  specie  de  hac  fui  interrogatus.

Quod  iam  successionem  in  imperium  et  regna  illa,  quae  ut
supra  dictum  liberam  electionem  habent,  attinet,  ego  antehac  transactionem
  et  contractum  inter  laudatissimam  domum  Austiiacam  factum
a  Ser.‘  Sua  duabus  vicibus  petivi,  ut  ex  illis  videre  possem,  quousque
in  hisce  praetensionibus  procedendum  esset,  siquidem  unus  quisque
fidelis  minister,  si  per  legitima  media  potest,  dominum  suum  extollere
et  magnum  facere  eiusque  utilitatem  promovere  tenetur.

Intellexi  autem,  nullum  in  Ser.'  Suae  cancellaria  Passaviensi
esomplar  adesse  et  sic  ad  hodiernum  usque  diem,  quomodo  res  illa
ex  fundamento  et  particulariter  sese  haberet,  rescire  non  potui;  et
mihi  hic  semper  ea,  quae  aliquando  antehac,  cum  privata  mea  curarem
  negotia  nec  adhuc  Ser.'!  Suae  operam  meam  addixissem,  audivi
longusque  ille  discursus,  quem  Cum  episcopo  Burgensi  habui,  in  mentem
venerunt,  qui  nescio  an  serio  vel  mentem  meam  expiscandi  causa
tandem  affirmavit,  quod  hasce  domus  Austriacae  provincias  deficiente
imperatoria  M.'  [et]  dominis  fratribus,  de  quibus  nulla  fit  spes  prolis,
et  consequenter  tota  linea  masculina  Maximiliani  II.  imperatoris  augustae
memoriae  ad  regem  Hispanine  delabi  oporteret!  Ad.  quod  respondi,
me  hoc  propter  sequentes  rationes  et  causas  probare  non  posse:  primum,
in  partitione  inter  Carolum  V.  et  Ferdinandum  augustum  huic  non
multum  obvenisse  et  invicem  tantorum  regnorum  Indiarum,  Belgii  et
paene  quartae  mundi  partis  nonnisi  Austriam,  Styriam  et  ditionem
Tiroleusem  cum  pertinentibus  provinciis  sortitum  esse,  praesertim  cum
regna  Hungariae  et  Bohemise  cum  adiunctis  provinciis  tandem  post
ex  fundamento  electionis  et  matrimoniorum  obtinuerit;  me  itaque  videro
non  posse,  qua  ratione  et  aequitate  rex  Hispaniae  in  hisce  pauculis,
quae  lineae  Ferdinandicae  relicta  essent,  successione  Maximiliani
deficiente  praeferri  posset,  praesertim  cum  linea  Graezensis  a  conımuni

März
Ende.
        <pb n="324" />
        März
Einde.

302  1611  121.

stipite  Ferdinandi  descenderet  et  sic  stirps  mascula  nondum  interiisset,
unde  regem  Hispaniae  hac  in  parte,  quod  praetenderet,  non  habere.  —
Ad  haec  si  recte  memini  fuit  replicatum:  regem  Bohemiae  Vladislaum
multa  bona  equestria  allodialia  fecisse  et  vicissim  a  statibus  banc
transactionem  obtinuisse,  quod  ipsius  Vladislai  heredes  masculi  contiuua
serie  descondentes  aut  etiam  illis  deficientibus  filiae  in  hoc  regnum  sucsedere
deberent  et  sic  de  iure  deficiente  linea  masculina  dicti  regis  hoc
regnum  per  matrimonium  ad  Ferdinandum  devolutum  esse,  hac  tamen
re  occultata  idem  per  electionem  data  prius  obligatione  rex  factus
et  electus  esset;  caesarem  vero  Ferdinandum,  postquam  de  omnibus
sufficienter  informatus  fuisset,  istam  obligationem  repetivisse  et  sustulisse.
Cum  igitur  tam  hoc  regnum  quam  reliquae  provinciae  Austriacae
per  matrimonium  ad  domum  Austriacam  devenerint  et  propterea  etiam
filiae  iuxta  proximitatem  gradus  succedant,  necessario  deficiente  imperatore
  et  fratribus  regem  Hispaniae  tamquam  caesaris  ex  sorore
nepotem  iure  reprassentationis  Graezeusibus,  qui  uno  gradu  longius
abessent,  praeferendum  esse.  In  imperio  etiam  electores  ecclessiasticos  .
sua  conservandi  causa  illam  sequi  oportere  ;  sic  devoluto  ad  se  regno
Bohemiae  quatuor  vota  in  electione  imperatoris  habiturum  ;  hac  etiam
ratione  conservationis  domus  Austriacae  utilissimum  fore  et  Ferdinandum
archiducem  eo  in  casu  ob  rationes  antedictas  atque  etiam  ad  conservationem
laudatissimae  domus  Austriacae  et  boni  publici  tandem  cessurum.

Quamvis  autem  ego  pacta  haereditaria  ut  supra  memoratum  nunquam
  viderim,  in  mentem  tamen  inducere  non  potui,  quod,  quamdiu
haeres  aliquis  masculus  ex  stipite  Ferdinandi  imperatoris  superesset,
illi,  qui  ex  sorore  descenderunt,  hac  in  parte  aliquid  haberent,  quod
praetenderent.  Quoniam  vero  superiori  anno  in  Hispania  comperi,
bunc  discursum  non  esse  sine  causa  institutum  sed  in  consiliis  etiam
Hispanicis  eundem  scopum  peti,  non  intermisi,  quin  hoc  archiduei
Leopoldo  diversis  vicibus  humillime  ob  oculos  ponerem  ac  simul  indicarem,
  cum  iam  caes.  M.'*  ipsiusque  fratres  anni  sint  satis  confecti
nec  ulli  ex  iis  sperari  haeredes  possint,  archidux  etiam  Ferdinandus
apud  multos  in  imperio  in  odium  venerit  et  juxta  communem  opinionem
  difficile  futurum  sit,  ut  in  regem  aut  imperatorem  Romanorum
casu  incidente  eligatur,  Ser.'”  Suam  animos  electorum  facile  sibi
acquirere  et  sic  per  legitima  media  magnum  principem  fiori  posse.
Hungariae  et  Bohemiae  eandem  esse  conditionenı  nec  ullum  ex  sua
familia  id  iniuriam  vocari  posse,  cum  iis,  quae  veniunt  in  liberam  electionem,
  nemini  inferatur  iniusia.  Ad  imperium  enim  neminem  ex
quacunque  alia  familia  facile  aspirare  posse,  quia  nemo  propriis  sit
suffultus  opibus  ad  onera  imperii  ferenda  requisitis  et  quae  aliae  sunt
rationes.  A  Ser.'*  autem  Sua  hoc  responsum  accepi:  nemini  feliciter
facile  cessisse,  qui  se  in  alienam  vocationem  introiceret;  se  in  suo
statu  et  vocatione  permanere  velle.  Ad  haec  ego  respondi:  quamvis
quondam  antiqui  in  aliqua  essent  vocatione,  Deum  tamen  saepius
quosdam  ad  aliam  vocasse;  et  quoniam  Ser.‘  Sua  tanto  talento  regna
        <pb n="325" />
        121.  1611  303

hominesque  gubernandi  praedita  esset,  sicuti  in  ipsius  praesentia
dicere  me  non  deceret,  ipsam  etiam  scire  non  posse,  ad  quid  Deus  ipsam
  vocarit;  si  Ser.“  Sua  per  illegitima  media  ad  simile  aliquid
aspiraret,  me  ipsum  nihili  eam  facturam,  si  vero  quisquam  legitime
praesertim  idoneus  per  conciliationem  animorum  ad  aliquid  pervenire
posset,  id  nemini  vitio  vertendum,  multo  minus  id  ministro  alicui
vitio  verti  posse,  qui  domini  sui  gloriam  et  incrementum  legitime
propagare  et  promovere  tenetur.

Sic  itaque,  cum  Pragam  venissem,  in  ea  quam  apud  caes.  M.'e"
habui  audientia,  consilia  Hispanica,  sicut  ea  resciveram,  humillime
aperui  eademque  similiter  in  ultimo,  qui  a.  1610  hic  fuit,  conventu
praesentibus  electoribus  et  quidem  antea  Dresdae  electori  Saxoniae
nec  non  ärchiduci  Ferdinando  detexi  significans,  nationem  Germanicam
  nNunquam  adhuc  sub  alieno  dominio  fuisse  et  me  non  sperare
nec  ad  ea  extrema  devenisse,  ut  contra  aureaım  Caroli  IV.  bullam
peregrinis  nationibus  nos  subinittere  et  sub  iugum  venire  nos  oporteret.  Et
quantum  penetrare  potui,  omnium  Aanimos  nequaquam  60  inclinatos
sed  potius  iuxta  omnia  indicia  archiduci  Leopoldo  prae  caeteris  domus
Austriacae  affectos  sensi.  Necessario  autem  me  conicere  oportuit,
Hispanos  propterea  successioni  fratrum  inhaerere,  ut  affectioni  imperatoriao
  M."*  erga  Leopoldum,  quantum  fieri  posset,  obsisterent  et  adrersarentur,
  quo  post  obitum  fratrum  supradicto  modo  ad  intentionem
suam,  quae  alias  in  fumum  abiret,  pervenire  possint.

Iuxta  haec  confiteor,  ligam  catholicam  aeque  atque  Hallensem
  nunquam  mihi  placuisse.  Semper  enim  existimavi  modum  esse,
per  quem  Hispanus  et  Bavarus  claves  imperii  quaererent;  saepe  etiam
tam  multa  coutra  eam  dixi,  ut  quandoque  reprehensus  fuerim.  Exinde
in  omnibus  consiliis  id  quaesivi,  ut  ante  omnia  archidux  Jueopoldus
staret  constanter  partibus  imperatoris  conscriptis,  suffragante  iustitia
causae,  quantum  ratione  assequi  poteram,  ut  imperatore  mediante  et
electoribus  suffragantibus  ad  intentionem  supradictam  yperveniretur.
Et  adbuc  eam  teneo  opinionem  id  nos  fallere  non  debuisse,  si  modus
a  Bamaeo  inventus  rem  non  turbasset  et  perdidisset;  quoniam  vero
omnino  existimabamus,  militum  in  hoc  regno  conscriptiones  mayis  in
praeiudicium  caesaris  quam  pro  utilitate  eiusdem  fieri,  tandem  post
multa  decreta  et  ordinationes  in  contrarium  editas  in  id  consensum
fuit,  cum  nobis  persuaderemus,  coniunctionem  utriusque  partis  militum
unicum  et  optimum  medium  fore,  caesaris  autoritatem  et  consequenter
modo  iam  dicto  spem  nostram  integram  conservandi,  praesertin  cum  ductor
Ramaeus  pollicitus  esset,  omnia  sine  sanguinis  effusione  fieri  debere
seque  noctu  et  clam,  ut  decreverat,  ingressurum.  ÖOpinor  etiam,  si  eo
tempore,  quod  per  Übesco  significare  fecerat,  venisset,  cum  nihil  prope
ad  defensionem  erat  paratum  et  quidem  noctu  et  clam,  promissis
eventum  responsurum  fuisse.

Haec  breviter  intentiones  et  media  nostra  fuerunt,  per  quae  ad
propositum  nostrum  pervenire  sperabamus  ;  hoc  etiam  corporali  iuramento
confirmare  et  sanctissimum  sacramentum  super  hoc  Sumere  paratus  sum,

März
Ende.
        <pb n="326" />
        März
Ende,

April  2,

304  1611  121—122.

Pro  condusione  humillime  rogo,  sicut  et  heri  precatus  sum,  ut
ompium  gentium  iure  de  non  violandis  legatis  atque  etiam  salvo  conductu
  hoc  regio  frui  possim.  Hoc  per  omnem  meam  vitam,  sanguine
etiam  meo  non  parsyrus  obedienter  oommereri  studebo.!

Franeiscus  Tenvagel.“

wi,  1A  1,  Suocession,  Ka,  2990;  schlechte  Kopie  (lateinieeh)  ;  Wöda.,  Böhmische
Akten,  Bd.  14;  deutsche  Uebersetzung.

122.  Zuniga  an  König  Philipp  I.

Die  Böbmen  haben  „Anibal“  und  ‚Eckmüler“  sowie  „Mathoo
Velsar  tesorero“,  wie  Matthias  sagt,  gegen  sein  Wissen  gefangen
genommen.?  „He  sentido  en  particular  lo  de  Anibal,  porque  el  emp.”
me  havia  mandado  que  yo  tratase  con  el  rey,  que  no  se  procediese
contra  el  y  me  avia  escrito  el  obispo  de  Viena  que  no  le  prenderian
y  que  decia  esto  aviendolo  tratado  con  algunos  de  los  estados  de
Bohemia,  pero  todos  resolvieron  despues  de  prenderle..  Dize  el  obispo
que  sin  sabiduria  del  rey,  pero  afirman  me  otros  lo  contrario  y  los
Bohemios  dizen,  que  se  movieron  por  causa  nueva,  aviendo  venido  un
aviso  de  Silesia,  de  que  avian  entrado  2000  cosacos  en  el  pais?
con  nombre  de  soldados  del  emp.”  y  que  esta  leva  se  avia  encaminado
por  via  de  Anibal.  EI  obispo  me  parece  demasiado  artificioso  y  que
a  la  larga  dificultosamente  podra  llevar  esta  carga,  que  tiene  acuestas.
Procuro  que  el  rey  se  anime  y  cobre  autoridad,  que  estamos  enmuy
  trabajosos  terminos,  no  teniendo  el  emp.”  ninguna  y  el  rey
muy  poca.  Dicen  los  Bohemios,  que  aguardan  a  que  se  junte  la
dieta  y  a  que  sea  ru  rey;  pero  bien  se  vee  que  van  con  intento
de  darle  la  corona  muy  gercenada.“  Erzherzog  Leopold  hat  zu
direkten  Verhandlungen  mit  Matthias  in  meinem  Hause  den  italienischen
Kapitän  Manfrin  Castillon  hieher  geschickt,  „un  de  los  mas  honrados
de  su  exercito  y  el  instrumento  principal  que  anduvo  entre  el  emp.’
y  el  coronel  de  la  Rame  para  traer  aqui  la  gente  de  Passau  y
demas  desto  odiosisimo  a  los  Bohemios  por  averlos  amenacado  y
oechado  mil  invectivas  contra  ellos;  fue  menester  hazerle  retirar
luego  y  temo  que  si  da  en  sus  manos  lo  passara  mal.  Tiene  gran

!  Bodenius  schreibt  an  den  Herzog  von  Baiern  am  9.  Mai:  es  gibt
einen  von  Tengnagel  selbst  geschriebenen  Diskurs,  den.  ich  nächstens  mitteilen
  werde,  worin  der  Autor  sagt,  dass  Spanien  und  Baiorn  bishe:  die
Schlüssel  zum  Reich  gesucht  hätten  (Me.,  Fntstehung,  Fasz.  III.,  no.  26,
f.  68;  Or.  eigh.).  —  Da  Tengnagel  am  Schluss  seiner  vierten  Aussage  vom
17.  März  (oben  no.  106)  angibt,  dass  er  bereits  begonnen  habe,  seine  Ge
heimnisse  niederzuschreiben,  so  darf  die  Abfassung  dieser  „Revelatio*  an
das  Ende  des  März  oder  den  Anfang  des  April  gesetzt  werden,  jedenfalls
vor  die  peinliche  Befragung  am  18.  April,  auf  die  Tengnagel  sonst  wol  am
Schluss  dieses  Schriftstückes  angespielt  hätte;  vgl.  no.  114,  8.  283.

?  Vgl.  oben  no.  118,  8.  291,  Anm.  2.

®  Der  Herzog  von  Teschen  war  als  Parteigänger  des  Erzherzogs  Leopold
in  die  Herrschaft  Ploss  in  Schlesien  eingefallen  (vgl.  oben  no.  114).
        <pb n="327" />
        122—128.  1611  305

falta  el  archiduque  de  personas,  que  le  aconsejen,  que  aqui  debiera  April  2.

embiar  una  persona  pacifica  y  de  buen  termino  para  componerse  con

el  rey.“  De  Praga  2  abril  1611.
Bim.,  Fasz.  2497,  f.  260;  Or.

123.  Baugy  an  Puysieulx.

„Quelque  mine  que  facent  los  Espagnols,  je  croy  ainsy  que
Vous  me  mandez  par  Vostre  derniere  du  13  de  mars,  qu’ilz  ont
part  aux  entreprises  de  l’archiduc  Leopold  ou  du  moins  qu’ilz
ont  eu  dessein,  qu’il  donnast  occasion  au  roy  de  Hongrie  de  venir  de
deca  pour  s’asseurer  de  la  couronne  de  Boheme  et  se  faciliter
celle  de  l’empire  pour  la  crainte  quilz  ont  tousjours  eue,  que
l'empereur  en  vielissant  en  sa  resolution  de  ne  8’accommoder  a  leurs
intentions  et  venant  a  deceder  sans  avoir  dispos6  de  sa  succession,
ella  ne  tumbast  en  quelquse  autre  main  que  d’un  prince  de  la  maison
d’Austriche.  Ce  qui  me  confirme  en  ceste  opinion  est,  qu’entre  eux
ilz  parlent  avec  grand  mespris  dudict  s.”  empereur  et  qu’ilz  ne  peuvent
si  bien  findre,  que  l’on  ne  recongnoisse  qu’ilz  sont  fort  contantz
de  le  veoir  reduict  a  ceste  extremite,  en  laquelle  s’ilz  s’employeront,
affıin  que  sa  cheute  ne  soit  si  rude  et  entierement  honteuse,  ce  ne
sera  pas  pour  affection  ou  compassion  qu’ilz  en  ayent,  ayns  seulement
pour  la  reputation  de  la  famille  qui  seroit  bien  ravallee,  si  l’on
procedoit  contre  luy  en  la  facon  que  plusieurs  ont  desire;  mais
comme  il  y  en  a  dedans  et  dehors  l’Alemagne  qui  seront  marriz,
que  ledict  s.”  roy  n’ayt  trouv6  plus  de  resistance  en  ce  pays,  aussy
croit  on  qu’il  ne  seroit  pas  difficile  de  renverser  ou  reculer  le  dessein,
qu’ont  lesdictes  Espagnoles  de  le  pousser  a  la  dignit6  imperiale,  en
faisant  remonstrer  a  quelques  electeurs  et  autres  princes,  qui  y  ont
interest,  le  fondement  quiceux  Espagnols  font  sur  sa  personne,  pour
s’en  prevaloir  un  jour  &amp;amp;  l’advancement  et  establissement  de  leur
pretendue  monarchie.  De  quoy  reviendroit  ce  profit  au  public  que
les  choses  demeurassent  en  l’estat  qu’elles  sont;  l’on  auroit  commodits
d’attendre  le  benefico  du  temps  pendant  la  foiblesse,  division  et
irresolution  des  Allemans,  dont  Vous  parlez  en  Vostre  dicte  lettre  et  que
les  occasions  que  l’on  a  au  dedans  du  royaume  qui  empeschent,  que
l’on  ne  peut  penser  au  dehors  avec  tant  de  vigueur  et  d’attention,
fussent  passses.  Le  bruit  est  icy  que  ledict  s.”  archiduc  Leopold  s’est
achemind  avec  cing  cens  chevaux  et  cing  cens  mousquetaires  a
Passaw!,  pour  s’en  rendre  le  maistre  et  s’en  asseurer  sur  un  aviz

ı  Der  Erzherzog  befand  eich  seit  27.  März  in  Passau  (lb.,  Hofkonzepte
vom  März  1611;  —  Kpt.);  er  hatte  den  Untertanen  der  Herrschaft  Krumau
befohlen,  einen  Weg  von  solcher  Breite  zu  bauen,  dass  drei  Bosse  nebeneinder
  gehen  könnten  (Landeshauptmann  von  Mähren  an  die  geheimen  Räte  in
Wien  am  29.  März:  Ib.,,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  April  1611,  zu
no.  35;  Auszug),  d.  h.  den  alten  Saumweg,  den  „goldenen  Steig“,  zu  verbreitern,
  und  war  dann  auf  dieeem  Weg  mit  Sulz  und  Ramse  in  Passau

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  20

April  2.
        <pb n="328" />
        April  2.

April  2.

April  4.

306  1611  123—125

qu’on  luy  auroit  donns  que  les  estatz  de  la  Haute  Austriche  y
avoient  quelque  intelligence.  Ceux  de  Boheme  ont  envoy6  quelques
trouppes  de  leur  cavallerie  et  infanterie  avec  des  autres  dudict  s.”  roy
pour  s’emparer  de  quelques  avenues  et  reserrer  celles  dudict  a”
archiduc  qui  sont  a  Budueiz  et  aux  environs.  De  Prague  le

2.°  diavril  1611.“
Pa.,  Harlay  no,  288,  vol.  XII,  f.  123;  Or.  eigh.

124.  Das  Gesamthaus  Sachsen  an  den  Kurfürsten  von
Mainz.

Auf  die  Einladung  zum  würzburger  Bundostag.!  Wir  wären
nicht  abgeneigt  gewesen,  uns  auf  E.  L.  Schreiben  näher  zu  erklären.
„Dieweil  uns  aber  dasselbe  eben  zu  der  zeit,  da  wir  wegen  des
gülchischen  successionsstreits  mit  Churbrandenburg  in  volligem  tractat
und  handlung  gestanden,  jinmassen  auch  Gottlob  derowegen  eine
vergleichung  zwischen  uns  und  S.  L.  getroffen?  zukommen  und
die  zeit  etwas  kurz,  als  werden  wir  dahero  verhindert,  die  angedeute
tagfahrt  zu  beschicken.  Pitten  derwegen  freuntlich,  E.  L.  wöllen
uns  onbeschwert  des  verzugs  entschuldigt  halten  und,  weil  wir
bedacht,  einen  unser  vornehmen  freund  zu  vermögen,  dass  er  sich
in  kurzem  persönlich  zu  E.  L.  verfüge  und  Derselben,  was  ermelter
union  wegen  unser  gemüt  und  meinung,  entdecken  möge,  sich  bis

dahin  freuntlich  gedulden“.  Datum  Torgau  den  23.  martü  a.  1611.

Drs,  I,  7272,  II.  Buch  Unionssachen,  f.  396;  Kptkopie  —  Wmz.,  Religionsakten,
Bd.  12.,  no.  92;  Kopie,

125.  Bescheid  des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern
auf  die  Werbung  der  Gesandten  des  Königs  Matthias,

Dank  für  die  Mitteilung  wegen  des  Verlaufs  mit  dem  passauer
Volke.  —  Das  Anbringen  der  königlichen  Gesandten*  wird  wiederholt:

erschienen  (Verordnete  des  Landes  ob  der  Enns  an  die  Unierten  am  30.  März:
Stg.,  Uuionsacta,  tom.  XII.,  f.  73;  Kopie)  und  zwar  mit  je  500  Mann  su
Fuss  und  zu  Pferd  (Landeshauptmann  des  Landes  ob  der  Enns  an
Mar  milian  am  2.  April:  Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  April  1611,
no.  7;  Or.).

1  Vgl.  oben  no.  90,  S.  200,  Anm.  2  und  no.  110,  8.  271,  Anm.  2.

*  Am  a  macht  das  Gesamthaus  Sachsen  an  Kurmainz,  ebenso

wie  an  Kurtrier,  Kurköln,  an  den  Koadjutor  von  Köln  und  an  den  Herzog
von  Braunschweig  Mitteilung  von  dem  Abschluss  des  jüterbogker  Vertrags
und  den  Eintritt  Sachsens  in  den  Mitbesitz  der  jülichschen  Lande  (Wmz,,
Juliacensia,  V.,  —  Or.).

®  Wegen  der  Schickung  des  Landgrafen  Ludwig  von  Hessen  an  Kurmainz
  vgl.  unten  no.  134.

“  Die  Gesandten  waren  Hans  Georg  Teufel,  Freiherr  zu  Gunderedorf,
niederösterreichischer  Regimentsrat,  und  Dr.  Johann  Jakob  Wacker  von  Wackernfels,
  erzbischöflich  olmützischer  Kanzler  (Beglaubigung  an  Baiern  und  Kurmainz
  vom  12,  März  in  Mc,,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  25,  —  Or.  und  Wmz,,
Reichtagsakten.  Band  103c,  no.  30;  Or.).  Die  Instruktion  vom  12.  März
datiert  ist  gedruckt  bei  Hammer-Purgstall,  Khlesis  Leben,  I.  Urkundensammlung
  no.  363;  vgl.  no.  304.
        <pb n="329" />
        128.  1611  307

1.  Der  König  hat  mitteilen  lassen,  wie  sehr  das  Königreich  April  4.
Böhmen  und  die  unierten  österreichischen  Lande  durch  das
passauer  Volk  gefährdet  wurden,  weshalb  er  verpflichtet  war,  dies  Volk
mit  aller  Macht  zu  verfolgen,  die  Königreiche  und  Länder  zu  sichern
und  zu  diesem  Ende  vor  Prag  zu  ziehen.  Da  aber  die  Königreiche
und  Länder  durch  den  langen  ungarischen  Krieg  und  durch  die  jetzt
entstandenen  Unruhen  völlig  erschöpft  sind  und,  wenn  diesem
Unwesen  nicht  gesteuert  wird,  mehr  Unrat  daraus  folgen,  dem  Erbfeind
  das  Tor  geöffnet  und  das  passauer  Volk  nicht  nur  in  Böhmen
hausen  sondern  schliesslich  gar  ins  Reich  rücken  möchte,  so  begehrt
der  König  in  dieser  wichtigen  Sache  1.  des  Herzogs  Rat,  2.  dessen
Hilfe  mit  Volk  oder  Geld.

Der  Herzog  hört  von  diesen  gefährlichen  Unruhen  und  dem
Streit  zwischen  Kaiser  und  König  sehr  ungern,  da  an  dessen  Beilegung
nicht  nur  der  beiden  sondern  auch  des  ganzen  Hauses  Oesterreich  und  des
Reiches  Interesse  hängt.  Was  aber  das  Ersuchen  um  Rat  und  Hilfe
anlangt,  so  hat  der  König  an  den  Herzog  dasselbe  Begehren  bereits  durch
seinen  niederösterreichischen  Regimentsrat  Wolf  Niklas  von  Grünthal
zu  Kremseck  gelangen  lassen  !  und  hat  der  Herzog  dem  Gesandten  ausführlich
  und  schriftlich  geantwortet,  dass  er  den  ganzen  Hergang
mit  dem  passauer  Volke  bis  zum  Einfall  in  Böhmen  sehr  ungern
gesehen  und  den  Kaiser  schriftlich  und  durch  eigene  Gesandten  der
drohenden  Unzukömmlichkeiten  hat  erinnern  lassen.  DieDinge  sind  zwar
dann  ganz  anders  gekommen;  aber  jetzt  ist  es  an  dem,  dass  der
Kaiser  das  Volk  abdanken  will,  wie  er  bereits  deswegen  dem  Erzherzog
  Leopold  ernstlichen  Befehl  hat  zukommen  lassen,?  den  dieser
eben  zu  des  Volks  Zufriedenheit  ausführen  will,  weshalb  er,  Leopold,
erst  vor  einigen  Tagen  Ramde  zu  dem  Erzherzog  Maximilian  um
„hilfliche  Mittel“  zur  Abdankung  geschickt  hat.?  Demnach  sieht  der
Herzog  für  das  gemeine  Wesen,  für  den  König,  dessen  Erblande,  alle
Nachbarn  und  das  ganze  Reich  keinen  bessern  Weg  als  diese  Abdankung
  möglichst  zu  befördern,  indem  der  König,  das  Königreich
Böhmen  und  andere  zu  den  Mitteln  der  Abdankung  zuschiessen,  mit
wenigem  die  Gefahr  abkaufen  und  Friede,  Ruhe  und  Einigkeit  einführen
  statt  sich  in  weitere  Gefahr  und  Unkosten  setzen,  zumal
angesichts  der  Türkengefahr  und  bei  der  Kostspieligkeit  aller  Kriegsnotdurft
  zur  jetzigen  Zeit.  Der  Herzog  hat  dies  auch  dem  Erzherzog
Leopold  vor  kurzem  vorgestellt  und  ihn  durch  einen  eigenen  Gesandten  zu

!  Vgl.  oben  no.  25,  8.  63,  Anm.  2.

®  Vgl  oben  no.  114,  S.  283,  Anm.  1.

®  Hier  liegt  ein  Irrtum  des  Herzogs  vor:  Ramee  war  wol  nach  Salzburg
  und  München,  nicht  aber  nach  Innsbruck  bestimmt.  Bei  Erzherzog
Maximilian  beglaubigte  Leopold  am  29.  März  dessen  in  Passau  anwesenden
Oberst-Stallmeister  Hartlieb  Freiherrn  von  Pötting  (Ib,  Ambraser  Akten,
Missiven  vom  April  1611,  no.  9;  Or.

20*
        <pb n="330" />
        April  4.

April
[vor  B.].

308  1611  125—126.

schleuniger  Abdankung  gemahnt,!  auch  auf  des  Erzherzogs  dur
Ramde  abgelegte  Werbung?,  „allem  fernern  unrath  vorzukomen  und
gemeinem  wesen  zum  besten,  dardurch  dero  wolmeinent  gemüt  dester
mer  zu  erweisen,  sich  dahin  erboten,  gegen  gnugsamer  angebotener
caution  ihren  credit  zu  interponirn,  wie  sein  des  königs  W.  aus  der
vor  zwei  tagen  comunicierten  resolution  nunmer  verstanden.“

Der  Herzog  zweifelt  also  nicht,  dass  die  ganze  Sache  ohne
Weiterungen  durch  gütlichen  Vergleich  beigelegt  werden  kann  und  die
völlige  Abdankung  allem  Unheil  abhelfen  wird;  dem  König  und  dessen
Ständen  werden  dazu  erspriessliche  Mittel  gewiss  nicht  mangeln,  besonders
da  auch  der  König  zu  gütlichem  Vergleich  Ursache  hat  und  sonst
nur  äusserstes  Verderben  des  Reiches  zum  Frohlocken  des  Erbfeindes
folgen  würde.  Der  Herzog  würde  nichts  lieber  sehen  als  dass  unter
so  nahe  Versippten  aller  Misverstand  aufhöre  und  guter  brüderlicher
Korrespondenz  zum  eigenen  Wol  und  dem  der  Untertanen  dafür
eintrete.  Auch  der  Papst  geht  nur  auf  friedlichen  Vergleich  und
Einigkeit  und  hat  den  Herzog  erst  dieser  Tage  durch  ein  Brew
ermahnt,  es  an  nichts  fehlen  zu  lassen,  was  zu  friedlicher  Beilegung
des  Streits  dienen  kann.

Gewiss  werden  auch  die  interessierten  und  dem  [prager]  Akkord
„einverleibten“  Kurfürsten,  Erzherzoge  und  Fürsten  neben  andern  friedliebenden
  Reichsständen  das  ihrige  zur  Verhütung  von  Weiterungen
tun;  von  ihren  Beschlässen  will  der  Herzog  sich  nicht  sondern.
Jedenfalls  wird  er  sich  der  Sache  stets  annehmen  und  nichts  unterlassen,
  um  in  dem  so  nah  verwandten  Hause  Eintracht  herbeführen

  zu  helfen.  Datum  München  den  4.  aprilis  a.  1611.
Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V,  no,  89;  f.  6;  Kpt.  von  Lackner  mit  vielen  Korrektaren
Jochers.3

126.  Kanzler  Faust  an  den  Kurfürsten  von  Mainz

So  viel  ich  auch  über  eine  Instruktion  zum  würzburger  Tag
nachdenke,  so  kann  ich  doch  nicht  finden,  dass  wegen  der  Punkte,

ı  Ich  finde  nur  eine  Rückbeglaubigung  Viepeckhs  durch  den  Erzhersg
vom  2.  April  (lb.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofkonzepte  von  1611;  f.  21).

?  Ramee  wurde  am  27.  März  von  Leopold  an  Herzog  Maximilian  und
Herzog  Wilhelm  beglaubigt  (!b.,  Hofkonzepte  vom  März  1611,  —)  und  legte  am
1.  April  bei  ersterem  seine  Werbung  ab,  indem  er  den  Verlauf  mit  dem
passauer  Volk  und  die  Bemühungen  des  Erzherzogs  um  die  Abdankung  erzählte
  und  um  ein  Darlehen  von  150400  fl.  gegen  Verpfändung  einiger  in
Baiern  gelegener  passauer  Stiftsgüter  bat;  da  der  Erzherzog  einen  Einfall
des  Königs  Matthiasin  das  Stift  besorge,  möge  der  Herzog  ihm  auch  mit  Munition
ausbelfen.  —  Der  Herzog  wies  zunächst  hin,  welche  Kosten  ihm  die  Versicherung
seines  Landes  gegen  das  Kriegsvolk  verursacht  habe;  gleichwol  wolle  er  zar
Herstellung  der  Ruhe  und  zur  Abwendung  der  Gefahr  gegen  Einantwortang
genügender  Pfänder  seinen  Kredit  interponieren,  doch  dass  das  Kriegsvolk
wirklich  abgedankt  werde.  Dem  Erzherzog  Munition  zu  überlassen,  lehnte
der  Herzog  ab,  da  Leopold  gegen  den  König  zu  schwach  sei  und  Schloss
und  Stadt  «doch  nicht  widerstehen  könnten;  der  Erzherzog  möge  sich  mit
Matthias  versöhnen,  dazu  wolle  er  das  beste  tun  (Ma.,  111/11;  —  Kptkopie).

°  Am  Rücken  die  Bemerkung:  „Gilt  nit,  ist  ein  corrigirtes  [Konzept]
vorhanden.“
        <pb n="331" />
        126.  1611  309

deren  hauptsächliche  Verhandlung  man  dahin  verschoben  hat,  eine  April
weitere  Anweisung  zu  geben  sei  als  was  die  Instruktion  für  den  frank-  [Vor  5.
furter  Tag!  über  diese  Punkte  enthält,  „sonderlich  dieweil  solche  puncten

des  wenigern  theils  auss  vorgewandtem  mangel  bevelchs  damals  in

keine  deliberation  komen,  sonder  mochte  bei  solcher  instruction  verpleiben,
  wass  und  sovil  die  von  Bayern  hiebevor  designirte  und  bei

dem  nechsten  bundstag  zu  Augspurg  aussgesetzte  puncten  belangen

the  „  .

1.  Nurder  Rechnungen  halber  könnte  vielleicht  verordnet  werden,
wie  einzelne  Posten,  welche  die  Stände  etwa  nicht  passieren  lassen,
zu  justifizieren  seien,  besonders  aber,  was  wegen  der  mainzischen  Soldaten
abgerechnet  werden  solle,  „und  wan  etwas  in  residuo  pliebe,  dieweil
es  zu  volliger  abzahlung  des  hiebevor  geworbenen  kriegsvolks  nicht
mangelt  und  also  die  bare  erlegung  solches  residui  erfordert  werden
mochte,  wie  man  sich  darbei  zu  resolvirn  ;‘“  dazu  wäre  der  Kämmerer
Gutachten  gut.

2.  Es  wird  einer  ernsten  Beratung  bedürfen,  falls  Sachsen  und
andere  Evangelische  wider  Erwarten  Bedenken  trügen,  sich  zur  katholischen
  Union  zu  erklären  und  dieUnion  so  schwach  als  zuvor  bleibt,
„wie  man  sich  deren  zu  erfrewen  haben  konne  und  ob  dergestalt  nicht
rathsamer  were,  von  der  union  abzulassen‘“*  als  durch  Aufhäufung  grossen
Vorrats  sich  ganz  zu  erschöpfen  und  trotzdem  weder  allein  noch  mit
dem  Vorrat  einem  geringen  Ueberfall  zu  begegnen  zu  wissen.  Und
obwol,  wie  E.  kfl.  Gn.  in  Ihren  Erwägungen  ?  anregen,  os  hochbedenklich
  wäre,  von  der  Union  ganz  abzutreten,  da  dann  alle  bisherigen
Aufwendungen  verloren  wären  und  den  katholischen  Ständen  daraus  nur
grosser  Schimpf  erwüchse,  als  ob  sie  nicht  ausführen  könnten,  was  sie
angefangen  haben,  auch  des  Gegners  Mut  sehr  gestärkt  würde,  so  ist
dagegen  auch  zu  bedenken,  was  denn  mit  der  Union,  wenn  sie  in
diesem  Stand  bleibt  und  wenn  man  sich  auf  sie  gar  nicht  verlassen  kann,
nützliches  ausgerichtet  werden  kann,  zumal  wenn  die  Herrn  sich
in  ihren  Kammergefällen  ganz  erschöpft  haben  und  die  Untertanen
sich  beschweren  und  sich  widersetzen,  zu  ungewissen  Dingen  zu
kontribuieren;  wie  übel  würden  sich  dann  die  Herrschaften  befinden,
wenn  sie  einom  unverschenen  Unglück  weder  für  sich  noch  mit  Hilfe
der  unwilligen  Untertanen  widerstehen  könnten.  —  Es  wäre  daher
vielleicht  nicht  vergeblich  zu  erwägen,  —  besonders  weun  man  keine  Mittel
wüsste,  alle  katholischen  Stände  zur  Union  zu  bringen,  oder  wenn
bei  den  Protestanten  zu  erlangen  wäre,  dass  sie  ihre  Union  aufgeben,  '
oder  wenn  zum  äussersten  „die  versicherte  mittel  an  die  hand
gegeben  wurden,  wie  die  rheynische  stende,  sonderlich  Maintz,
Wormbs  vnd  Speyer  bei  ihrer  rings  umbgebener  nachbarschaft  vor
allem  uberfall  konteu  versichert  una  geschutzt  werden  (darauff  Speyer

--.  .2—  _

!  Vgl.  oben  no.  62.
?  Fehlen.
        <pb n="332" />
        April
[vor  5.].

310  1611  126.

nicht  [un]vernunftige  andeutung  thut),  —  ob  den  rheynischen  churund
  fursten  allen  oder  etlichen  so  sehr  bedenklich  fallen  konte,
sich  auss  der  union  zu  begeben  und  ihre  sicherung,  so  gut  sie  der
allmechtig  einem  jeden  an  die  hand  schickt,  mit  wunderhaltung
einer  ohnverdechtigen  neutralitet  mit  den  benachbarten  zu  bedenken
und  dabei  die  underthanen  in  einem  willigen  gehorsam  zu  erhalten,
alles  in  der  vornemen  betrachtung,  wan  der  ander  theil  selbst
spuren  wurde,  wie  ubel  die  catholischen  stende  mit  ihrer  union
vortkomen,  dass  eben  solche  union  den  protestirenden  den  meisten
anlass  geben  wurde,  die  catholische  und  sonderlich  diejenige,  deren
angesessenheit  halben  sie  etwas  meher  mechtig  sein  konten,  zu
vervolgen.‘‘

3.  Man  wird  sich  auch  darüber  resolvieren  müssen,  man  bleibe
in  der  Union  oder  nicht,  „wie  ich  leichtlich  der  meinung  sein  kan,
wan  es  alle  catholische  stende  also  fur  gut  ansehen  und  die  angeregte
  beschwerungen  nicht  attendirn  wolten  (wiewol  die  geringere
bissweilen  in  das  hundert  hinein  rathen  und  reden  und  maistentheils
ihre  rechnung  uf  die  vermoglichste  stellen‘‘),  dass  es  E.  kfl.  QGn.
auch  mochten  er[wegen]  —“,  ob  SiedasObersten-Amt  länger  aufsich
nehmen  sollen.  Es  haben  zwar  E.  kfl.  Gn.  sich  deswegen  bereits  auf  dem
letzten  frankfurter  Tag  einigermassen  erklärt,  andere  haben  aber
mangels  an  Befehl  sich  nicht  geäussert,  vielmehr  gebeten,  dass  E.  kfl
Gn.  das  Amt  behalten  mögen.!  Dass  E.  kfl.  Gn.  sich  mit  dem  Amt  länger
beladen,  habe  ich  niemals  raten  können,  kann  es  auch  jetzt  nicht.
E.  kfl.  Gn.  werden  aus  vielen  Vorgängen  bemerkt  haben,  wie  sehr
Sie  deshalb  angefochten  werden.  Doch  muss  bedacht  werden,
wie  dies  Amt  auf  andere  Weise  besetzt  werde  ‚oder  je  die  rheinische
stende  in  andere  wege  bei  dem  ihren  gesichert  seien.“  Aber  dass
es  E.  kfl.  Gn.  länger  tragen  sollen,  „dessen  werden  die  nunmehr
je  lenger  je  mehr  einfallende  sorgliche  zustende  zum  nachdenken
gnugsamen  anlass  geben,“  zumal  man  stets  beim  Bundesobersten  Beistand
sucht.  Gewährt  er  die  Hilfe,  so  geschieht  es  nicht  ohne  Offension,
verweigert  oder  verzieht  er  sie,  „so  hat  man  den  last  von  den
stenden  selbst  und  darf  einem  wol  der  gast  heimgewiesen  werden,
der  dem  wurt  ubel  lohnet.“

Wenn  es  schon  wegen  der  andern  von  Baiern  designierten  Punkte
keiner  neuen  Instruktion  bedarf,  so  bedürfen  diese  drei  unbedingt
des  Ausschlags  E,  kfl.  Gn.?  Bis  dahin  will  ich  mit  Anfertigung

einer  Instruktion  einhalten.  O.  D.
Wimz.,  Religionsakten,  Bd.  11,  Beiheft;  Or.  eigh.

!  Schon  in  einer  Sitzung  des  kurmainzischen  geheimen  Rats  vom  2.  Dezember
  1610  erwägt  Faust,  wie  der  Kurfürst  sich  des  Bundesoberstenamts
mit  Glimpf  entledigen  kAante  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  11,  no.  60;  Protokoll);
in  der  Instruktion  zum  frankfurter  Kommunikationstag  (vgl.  oben  no.  62)
wird  den  Gesandten  aufgetragen,  die  Aufkündung  des  Amtes  den  rheinischen
Ständen  anzukünden;  vgl.  das  Protokoll  des  Kommunikationstages  vom
25.  Februar  (oben  no.  2:

®  Vgl.  unten  no.  129,
        <pb n="333" />
        127  —1238.  1611  all

127.  ,„Defectus  nostrae  unionig“  (eigenhändige  Auf-  April.
zeichnung  des  Kurfürsten  von  Mainz).

1.  „Confirmatio  vnionis  von  I.  ksl.  M.*  hatt  bisshero  gemanglett
vnd  noch;  nam  sine  consensu  expresso  videmur  contra  pacta  agere
vnd  wirdt  Saxen  auch  nitt  dozue  verstehen  wöllen.

2.  Wegen  der  contribution  oder  ahnlaag  ist  vber  verhoffen  kein
gleicheitt  zuspuren  gewesen  vnd  hatt  man  sich  der  lägstett  halber
nichts  resoluirt,  auch  kein  liefferung  beschehen,  do  doch  zu  Meintz
vff  alle  stiffter,  so  jeder  churfurst  haben  möchtte,  geschlossen.
Zu  helffen  vnd  keiner  hilff  reciproce  zuerwarten,  contra  rationem  est.

3.  Ausslandischer  hilff  halber  hatt  man  sich  mit  hoffnung
abspeissen  lassen,  deren  man  doch  versichertt  sein  muss  sihe
villa  conditione.

4,  Die  vnion  ist  nitt  der  büre  stabilirt  oder  vermehrtt  sonder
geringertt  worden,  in  dem  sich  etliche  stiffter  gantz  eximirt,  gedencken
auch  wegen  unuermögenheitt  nichts  zugeben.

5.  I.H."  vnd  kgl.  M.*  zu  Hispanien  hilff  halber  ist  man  vf  diss
stundt  nitt  gesichertt  sonder  fallen  conditiones  vohr;  in  fall  man
sich  vergleichen  wirdt,  dan  mangeltt  es  ahn  wegssell  vnd  stehett
die  anlaag  bey  einer  person;  do  die  verfallen  soltte,  ist  alles  nichtts.

6.  Der  hilff  halber  hatt  man  sich  ahm  Reinstrohm  wenig  zu
erfreyen  gehabtt  sonder  ist  einem  standt  allein  der  last  zugewiesen
worden.

7.  Ratione  directorii  grosse  defectus,  priuatum  wirdt  publico
vorgezogen.

Do  diessen  defectibus  nitt  remedirt  vnd  die  vnion  nitt  verbessert
  vnd  vermehrett  mitt  würcklicher  ahnlaag,  kan  ich  bey  mir
nitt  befinden,  was  nützlichs  zu  hoffen,  allein  das  man  sich  selbst  in
grundt  verdirbt;  derhalben  billig  vff  mittul  zu  gedencken,  wie  beyde
vniones  zu  cassiren,  quod  authoritate  caes.  M."*  wol  beschehen  kan.
Confaederatio  aduersariorrum  wird  ire  defectus  auch  haben,  doran  nit
zu  zweyflelln,  sed  nobis  sunt  cautiores,.  Datae  Aschaffenburg  den
5.  aprilis  a.  1611.

Do  man  ein  gantzes  machen  will,  mussen  obstacula  auss  dem

weg  geraumbtt  werden,  derhalben  nötig  anzuregen  vnd  zu  mouiren.“
Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  11,  Beiheft;  —  eigenhändige  Aufzeichnung,

128.  Resolution  des  Kurfürsten  von  Mainz  auf  das  April  6.
Gutachten!  des  Kanzlers  Faust.

„Ad  1  der  rechnung  halber  maag  ich  wol  laiden,  das  solche
ersehen  vnd  erwogen,  ob  etwas  ausszulassen;  der  cammerschreiber
wirdt  solche  vbergeben.  Ich  zweyffel  nitt,  man  werde  mir  die
300  soldaten  zu  Meintz  nitt  passiren  lassen;  jedoch  hatt  man  staiff

!  Vgl.  oben  no.  127.
        <pb n="334" />
        April  5.

312  1611  128.

dorauff  zu  bestehen  mit  erholung,  was  mir  vor  anisen  von  trewhertzigen
  personen,  die  in  consilio  gewesen,  mitt  einnehmung  der
statt  Meintz  einkommen  mit  etlichen  particulariteten,  so  sich  auch
befunden;  wie  sich  auch  etliche  auss  der  burgerschafft  erzaigt,  ist
bewust.  Wen  den  ahn  solcher  statt  nitt  wenig  gelegen  als  thue  ich
mich  gäntzlich  versehen,  man  werde  biss  vf  dato  kein  difficulteten
haben.  Ingleich  was  vor  vnkosten  vff  Rayffenbergs  regiment  gangen;
einmahl  ist  bewilligtt  worden,  das  regiment  werben  zu  lassen,  dessen
mir  der  obristleuteampt  [!]  N.,  so  zu  Praag  gewesen,  zeugnus  geben
wirdt,  wie  den  andere.

Ad  2.  Do  man  ein  gewisses  vnnd  bestendigs  haben  will,  mus
dia  unionsnotul  verbessert  vnd  in  ein  ander  form  gebrachtt  werden
mit  besserer  extention,  was  unsere  motiuen;  Spanien  als  proteetor
zuzulassen  ist  contra  praestitum  iuramentum,  dozue  ich  nimmermehr
verstehen  kan,  nisi  fiat  cum  scitu  imperatoris  et  electorum.  Ist
I.  ksl.  M.*  in  dem  die  handt  gebunden,  kan  ich  nitt  befinden,  das  &amp;amp;
vns  zulässig;  wirdt  auch  juramentum  fidelitatis  solches  nitt  zulassen,
derbalber  mir  ganz  frembt  vorkombt,  das  dorauff  geschlossenn.

Doandere  deraugspurgischen  religion  nitt  dozue  verstehen
soltten,  kan  ich  in  warheitt  nitt  befinden,  das  einem  oder  dem  ande
mitt  bestandt  geholffenn;  will  jedoch  hoffen,  weil  die  erklerung
obligatorie  von  Saxen  vnd  landgraf  Ludwig  erfolgtt,  sie  söllen  sich
wilfarig  erkleren.  Es  ist  nitt  zu  zweyfellln  [!],  sie  ire  notturfft  vorbringen,
  insonderheitt  wegen  des  religionsfrieden,  des  man  sich  auch
zu  Praag  getröstet,  derhalber  die  vnionsnotul  dorauff  gerichtt;  vnd
hatt  sich  Collns  L.  gegen  Saxen  dohin  erklerdt,  do  deshalben  einig
bedenckens,  das  sie  vrbietig,  nachmals  juramento  zu  bekräffttigen;
wo  nötig  jeder  churfurst,  imo  imperator  selbst  muss  schweren,  deme  nichts
zuwider  zu  handlen  sonder  zu  confirmiren  und  zu  ernewern;  vid.
compact.  imp.  art.  2.,  ni  fallor.  Kan  also  nitt  befinden,  das  solches
zu  difficultiren,  man  woltte  dan  die  patres  ad  consilia  mitt  zuziehen.
Quod  magis,  dixit  nuncius,  quod  Sua  Sanctitas  cupiat,  religionem
augustanae  confessionis  et  talia  compactata  illaesa  et  si  quid  contra
statuatur,  quod  non  velit  contribuere  praemissa;  idem  sentiit  legatus
Hispanicus,  an  ex  corde  non  iudico.  Do  wider  verhoffen  nichts  erfolgen
soltte  oder  aber  iniquissimae  conditiones  zuuerspuren,  ist  nit
rahttsamb,  diesse  vnsere  vnion  alsobald  zu  cassiren  sonder  Saxen  vnd
andere  friedtliebendechur-  vnd  fursten  musten  handlen,  auch  I.  ksl.  M.!  solche
beyde  vniones  cassiren  vnd  vffheben,  wie  den  I.  ksl.  M.'  in  compattatis
  eingebunden,  hessige  bündtnus  vffzuheben  vnd  abzuschaffen,  vid
comp.  art.  5.

Es  pleibe  die  vnion  oder  nitt,  so  musten  die  costen  endtrichtt
werden,  es  thue  so  wehe  als  immer  wolle;  doch  gedencke  ich  kein
heller  ferners  zu  erlegen,  ehe  die  andere  als  Luttig,  Münster,  Wepbalen,
  Hildesheim,  Freising  vnd  andere  ire  quotam  gutt  gemachtt;
deshalben  inen  ein  kurtzer  termin  zu  setzen.  Ob  man  solche  zu
        <pb n="335" />
        128—130.  1611  313

abdanckung  des  collnischen  vnd  rieppergschen  regiment  anweisen  woltt,  April  5.
bin  indifferens.  Nach  abdanckung  derselben  soll  den  meinigen  auch
abgedancktt  werden.
So  baldt  mein  hoffmeinster  kombt,  können  alle  sachen  zu  fernere
berahttschlagung  gezogen  werden.  His  Bene  vale.  Datum  Asch[affenbarg].
  5.  ap.  1611.“
Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  11.  —  Beilbeft;  Or,  eigh.

129.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Kurfürsten  April  5.
von  Köln.

Den  übersandten  Diskurs  [feblt|  habe  ich  erhalten  und  hätte
darüber  gern  E.  L.  Gutachten  gehört.  Mir  scheint,  dass  er  sich  nicht
praktizieren  lassen  wird.  „Dan  mit  dem  kunig  in  Ungarn  dahin  zu
bandlen  (darauf  doch  fast  das  ganze  fundament  gemacht),  dass  er
zum  wenigst  aines,  wo  nit  beede  kunigreich  dem  curato  regi  Romanorum
resignire,  ist  darauf  gar  kain  rechnung  zu  machen.  So  sein  die
ubrigen  in  angeregtem  discurss  vorgeschlagne  media  auch  also  beschaffen,
  dass  sie  sich  gar  nit  oder  doch  schwerlich  practicieru  lassen
werden;  dan  die  Niderlande  betreffend,  da  erzherzog  Albreht  gar  ohne
leibserben  solte  abgen,  wierd  solche  der  kunig,  weil  er  so  vil  junger
berrn  hat,  auch  dem  willen  Gottes  nach  noch  mehr  bekumen  kan,
nit  mehr  von  sich  lassen,  inmassen  der  spanische  ambasciator  zu
Prag  sich  aines  solhen,  als  er  dergleichen  vermerkt,  beraits  lauter
vernemen  lassen.  So  ist  auch  anietzo  die  sach  mit  I.  M.'  und  dem
erzberzog  Leopold  wegen  des  passauischen  volks  in  solche  terminos
gerathen,  welche  totam  causam,  wo  nit  gar  doch  maistens  invertiren
und  forthin  wenig  hoffnung  darauf  zu  setzen.“  Ich  teile  E.  L  abschriftlich
  mit,  was  dieser  Tage  Erzherzog  Leopold  durch  Ramee  und
König  Matthias  durch  seine  Gesandten  bei  mir  hat  anbringen  lassen
und  was  ich  darauf  geantwortet  „babe!  Datum  München  den
5.martii  [!]  a.  1611.

Ma,  39|9,  f.  7;  Kpt.  von  Donnersberg.

130.  Kanzler  Faust  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.  Aptil  Ä
[nach  6.].

Dero  Bedenken  auf  meinen  Diskurs?  finde  ich  hochverständig.
Beim  1.  Punkt  hat  man  E.kfl.  Gn.  Motive  der  verzeichneten  Posten
balben  wol  in  Acht  zu  nehmen  und  steif  darauf  zu  halten:  es  kann
auch  nicht  für  unbillig  gehalten  werden,  wenn  das  abgezogen  wird,
was  E.  kfl.  Gn.  auf  das  reiffenbergsche  Regiment  ausgelegt  haben.
2.  Die  Union  muss  verstärkt  werden,  sonst  werden  sich  vermögliche
und  unvermögliche  Stände  dabei  übel  befinden,  am  übelsten  aber  der
vermöglichste.  Die  von  E.  kfl.  Gn.  angedeutete  Abänderung  und

!  Vgl,  wegen  beider  Werbungen  oben  no.  125,  S.  308  und  Anm.  2,
2  Vgl.  oben  no.  127.
        <pb n="336" />
        April
[nach  5].

314  1611  130

Verbesserung  der  Notel  scheint  mirschwierig  zu  sein  ;  Sie  können  aus
den  eingelaufenen  Schreiben  des  Kurfürsten  und  des  Koadjutors  von  Köln
sehen,  dass,  wenn  schon  diese  zu  Baiern  neigen,  alle  oberländischen  Stände
erst  recht  derselben  Meinung  sind  und  werden  E.  kfl.  Gn.  nur  Trier  für
sich  haben  oder  mit  Ihrer  Meinung  gar  allein  stehen;  was  das  fruchten
würde,  haben  die  vorigen  Tage  zur  Genüge  ergeben.  „Das  argument
wegen  der  uf  Spanien  gerichteter  protection  der  union  ist  an  sich
selbst  validum  und  billich  zu  behaupten,  mag  wvileicht  auch  den
verstand  nicht  haben,  wie  der  bayerische  obristcanzler  sagt,  weniger  sol
es  in  der  union  vermeldet  werden.“  Die  neue  eidliche  Beteurung  des
Religionsfriedens  wird,  wie  ich  besorge  (ausser  wenn  die  geistlichen
Kurfürsten  es  einhellig  tun,  woran  ich  sehr  zweifle),  bei  den  andern
Unionsständen  nimmer  zu  erhalten  sein!(besondersum  einiger  weniger  Stände
willen,  die  aus  besondern  Erwägungen  zu  dieser  Union  treten)  und  würde
jeder  religionseifrige  Unionsstand  darüber  Nachdenken  pflegen,  wie  viel
man  sich  darauf  zu  verlassen  habe,  ‚und  werden  es  besorglich  lieber
zu  allgemeiner  catholischer  stend  schluss  stellen;  quia  quilibet  abundat
in  suo  sensu  und  werden  vileicht  den  churfursten  gern  frei  geben,
wass  ihre  gelegenheit  hierunder  sei  zu  thun.“  —  Richtig  ist,  dass
man  ebenso  wie  der  Kaiser  selbst  zum  Religionsfrieden  aufs  höchste
verpflichtet  ist  und  dass  derselbe  billig  gehalten  werden  muss.
Würde  es  wirklich  zu  einer  neuen  Beteurung  desselben  kommen,
müsste  man  eine  starke  Erklärung  von  der  andern  Seite  begehrer,
wie  die  den  Religionsfrieden  verstünde,  sonst  würden  die,  die  ohne
Zutun  aller  katholischen  Stände  zu  einer  Beteurung  sich  bereit
erklärten,  schweren  Verweis  und  Nachrede  auf  sich  ziehen.  Di
Kassation  beider  Unionen  sollte  man  billig  beim  Kaiser  suchen,  aber
der  offenbare  Ungehorsam  gibt  deutlich  zu  erkennen,  was  man  deswegen
  zu  erwarten  hat.  „Dass  man  mit  dem  rest,  welcher  bei  einem
oder  andern  stand  sein  mochte,  sich  wolle  uf  die  stifter  referirn‘‘,  die
bisher  trotz  alles  Anmahnens  sick  zur  Union  nicht  verstehen  wollten
oder  konnten,  ist  nicht  ratsam.  Man  hat  zwar  bei  der  ersten  Vergleichung
  abgeredet,  es  solle  jeder  Kurfürst  seine  Komprovinzialen
und  Suffragane  zur  Union  vermögen,  aber  diese  haben  zum  Teil  eingewandt,
  dass  sie  ohne  Bewilligung  ihrer  Stände  nicht  dazu  kommen
könnten,  „und  werden  E.  chfl.  Gn.  bald  einen  gegenwurf  mit  Paderborn
  zu  gewarten  haben.“

„Quoad  defectus  unionis“,?  Diese  Bedenken  sind  alle  wahr,  ja  es
sind  ihrer  noch  mehr  und  wird  es,  wenn  sie  nicht  verbessert  und  die  Union
nicht  verstärkt  wird,?  sehr  mislich  sein,  mit  ihr  fortzukommen,  ohne
grosse  Gefahren  auszustehen.  Was  die  kaiserliche  Bestätigung  aber
anlangt,  so  erinnern  sich  E.  kfl.  Gn.,  dass  der  Hauptbeweggrund,  an

i  Der  Kurfürst  am  Rand  eigenhändig:  „Mögtt  villeucht  nitt  begert
werden;  ist  derhalber  gesetztt,  do  diffidentz.*
®  Vgl.  oben  no.  128.
®  Kurfürst  am  Rand:  „Fiat  propter,  domitt  ein  gantzes  gemachtt.“
        <pb n="337" />
        130—131.  1611  315

eine  Union  zu  denken,  war,  dass  man  auf  Hilfe  von  seiten  des
Kaisers  fast  gar  keine  Hoffuung  mehr  setzte  und  dass  man  auch
auf  früheren  Zusammenkünften  schon  beschlossen  hatte,  mit  der  Union
fortzufahren,  es  willige  der  Kaiser  darein  oder  nicht.!

Aus  des  Grosshofmeisters  Bericht?  habe  ich  noch  besonders  entnommen,
  dass  man  E.  kfl.  Gn.  des  Bundesoberstenamts  halber  gern
an  der  Hand  behalten  möchte.  Ich  verdenke  das  dem  Kurfürsten
[von  Trier]  und  andern  rheinischen  Ständen  gar  nicht;  sie  haben
gute  Ursache  dazu.  Was  aber  E,  kfl.  Gn.  deswegen  zu  raten  sei,
möge  ein  Verständigerer  raten;?  ich  lasse  es  bei  meinem  vorigen  Ratschlag;
  denn  ich  habe  die  ganze  Zeit  her  nicht  spüren  können,  dass
E.  kfl.  Gn.  oder  Dero  Erzstift  sich  bei  dem  Amt  wol  befunden  hätten.  kann
mir  auch  nicht  denken,  dass  bei  den  grossen  Gefahren  (in  denen  der
Kaiser  schon  steckt  und  in  die  in  der  Folge  auch  das  ganze  Reich
geraten  muss,  wenn  man  das  Haupt  nicht  ganz  aufgeben  will)  sich  E.  kfl.
Gn.  oder  Dero  Erzstift  bei  diesen  Nachbarverhältnissen  besser
befinden  werden.*  O.  D.

Wime.,  Religionsakten,  Bd.  11,  Beiheft;  Or.  eigh,

131.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  die  zu  Torgan
versammelten  Kurfürsten  und  Fürsten.

„Ihn  was  weittleuffigen  vnd  geferlichen  zustandtt  die  sachen
dieser  endes  gerathen,  dasselbe  ist  EE.  LL.  nhumer  ans  gemeinem
geschrey  ohne  das  gnugsamb  bewust  vnd  bekantt.  Wie  trewlich  vnd
fleissig  ich  nhun  bishero  mich  diese  sachen  angelegen  sein  lassen
vnd  sonderlich  mich  dahin  beflissen,  damitt  zwischen  der  röm.  kay.
May.‘  meinem  allergnedigsten  hern  vnd  der  k.  W.  zu  Vngern  guetes
bruderliches  vertrauen  gestifttet  vnd  alle  vnruhe  so  wol  dieses  ohrtts
als  ihm  ganzen  romischen  reich  gestillet  werden  mochte,  diser  wegen

!  Kurfürst  am  Rand:  „Die  confirmation  ist  nachmals  vor  hochnötig
angesehen  worden,  derhalb  ich  noch  Praag  durch  schickung  ersuchtt.*

?2  Vgl.  oben  no.  111,  S.  273,  Anm.  2.  Der  Kurfürst  von  Trier  hatte
Eltz  noch  besonders  aufgetragen,  Kurmainz  in  seinem  Namen  um  Beibehaltung
des  Bundesoberstenamts  zu  ersuchen.

®  Kurfürst  am  Rand:  „Neben  Baiern  gedencke  ich  nitt  zu  pleiben  ;
den  das  misstrawens  genugsamb  zu  spüren;  pleibtt  also  bey  voriger  erklerung,
so  zu  Franckfortt  beschehen.*

4  Kurfürst  am  Rand:  „Neutralitet  kan  wol  haltten;  ob  aber  meinen
successoribus  vorträglich,  dubito;  nichts  desto  weniger  inter  duo  mala  minus
eligendum;  hab  verhofftt  gehabt,  betrangtte  stiffter  zu  erhalten,  besorg  aber
bey  solcher  neutralitet  in  grosserer  gefahr  gelangen  möchtten.*

&amp;amp;  Zu  Torgau  waren  ausser  den  beiden  Kurfürsten  von  Brandenburg
und  Sachsen  noch  die  beiden  Markgrafen  von  Ansbach  und  Culmbach,  Jie
beiden  Landgrafen  Ludwig  und  Moriz  von  Hessen,  zwei  Fürsten  von  Anhalt
(Christian  und  Johann  Georg),  ein  Herzog  von  Holstein,  die  zwei  Brüder
des  Kurfürsten  von  Sachsen,  die  Herzoge  Johann  Georg  und  August,  und
wahrscheinlich  auch  der  Administrator  von  Magdeburg  anwesend  ;  vgl.  Brömsers
Bericht  aus  orgau  vom  13.  April  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.
2;  Or.  eigh.).

April
[nach  5.]

April  6.
        <pb n="338" />
        316  1611  131.

April  6.  hoffe  ich,  werde  ich  sowol  tey  EE.  ILL.  als  menninglich  ein

guttes  gezeugnus  baben.  Das  nhun  aber  durch  anstifftung  böser
vnd  vermessener  leutte  alles,  was  ich  gutt  vnd  trewlich  gemeinet,
zu  wasser  gemacht  vnd  dadurch  ein  solch  grosses  vnheyl  gestiftett,
solches  ist  mir  von  grundtt  meines  hertzens  leydtt  vnd  habens  die
verursacher  schwerlicb  vor  Gott  vnd  der  weltt  zu  veranttwortten.
Das  hbauptwergk  ahn  ihm  selber  belangett,  beruhett  darauff,  das  der
bo  hemischen  stende  intention  dieses  ist:  konig  Matthiam  zu  kronen
vnd  vnder  der  kays.  May.'  regimentt  nicht  mehr  zu  sein.  Ob  nhun
wol  nicht  ohn,  das  die  Bohemen  viel  grauamina  zu  praetendiren,
so  fangen  sie  es  doch  nicht  ahm  rechten  ohrtt  ahn  vnd  ist  ihr
proces,  den  sie  füren,  gar  zu  violent  vnd  ist  aller  respect  verloschen;
wie  sie  dan  die  kays.  May.‘  mitt  ihrem  geworbenen  volck  nicht
allein  verwachen  lassen  !  vnd  ihn  der  beeydigung  der  krigsleutte  die
kays.  May.  ,  auch  den  designirten  konig  gar  ausgeschlossen  vnd
dieselbige  auff  die  stende  allein  gerichtett,  sondern  sie  haben  auch
Hegenmüllern,  so  ein  reichshoffrabtt,  aus  dem  schlos,  Hannibal,
ein  geheimer  raht,  aus  seinem  hausse  wegfüren  vnd  alle  ihre  sachen
versigeln  lassen,  auch  noch  sider  des  zwey  andere  diener,  so  Ihr  M.'
sonsten  zu  ihren  sachen  gebraucht,  aus  dem  schlos  vor  I.  M!
fenster  gefenglich  weggefuertt?  vnd  solches  alles  propria  autoritate,

!  In  einem  Schreiben  an  König  latthias  vom  gleichen  Tag  wirft  der
Herzog  diesem  vor,  dass  man  dem  Kaiser  zu  besonderm  Despekt  das  mäbrische
Kriegsvolk  auf  den  Hradschin  geführt  habe  und  ihn  durch  dieses  wie  einen  Gefangenen
  Tag  und  Nacht  bewachen  lasse  (Landeshauptarchiv  in  Wolfenbüttel;
Kptkopie).  Als  wegen  dieses  Schreibens  und  wegen  des  Herzogs  Eintreten
für  den  Kaiser  es  zwischen  dem  Herzog  und  dem  König  zu  einer  scharfen
Auseinandersetzung  kam  und  Matthias  durch  den  Herrn  von  Losenstein  und
den  Grafen  von  Hardegg  den  Herzog  förmlich  verwarnen  liess,  klagte  dieser
abermals,  dass  durch  die  Wachen  viel  Unbescheidenheiten  geschehen:  man
habe  den  Landgrafen  von  Leuchtenberg  nicht  in  seinen  (rarten  fahren  lassen,
habe  das  „Frauenzimmer“  mit  Musketen  und  Hellebarlen  überfallen,  dem
Kaiser  eine  Schildwache  gesetzt,  doss  er  nicht  spazieren  gehen  kann;  die
Wache  habe  dem  Kaiser  sogar  die  Muskate  vor  das  Gesicht  gehalten  und
wäre  ein  unversehener  Schuss  gefallen,  „hettens  I.  M.!  miessen  haben“
(Protokoll  der  Beschickung  des  Herzogs  vom  9.  April:  Drs.,  1.  9166,  IL.  Buch
pasasuer  Kriegsvolks,  f.  151;  Kopie).  Der  sächsische  Agent  Dr.  Pfretzschner
weiss  am  11.  April  wegen  der  Wachen  zu  berichten:  man  habs  sie  aufgestellt
  „zu  erwischung  des  stubenheizers,  welcher  I.  M.t  ohr  biso  anhero
gehabt  und  die  sulzischen  practiken  I.  M.t  mehrernteils  fürgetragen  haben
soll“  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  1;  Or.  eigh.).

?  Die  Kammerdiener  Christoph  Kühbach,  einen  getauften  Juden,  und  den
Astrologen  Dr.  Hauser  (Pfretzschners  Bericht  an  Schönberg  vom  6.  Februar:
Drs.,  1.9166,  I.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  680;  Or.eigh.).  Nach  Zunigas
Bericht  an  Philipp  III.  vom  7.  April  sollen  die  beiden  dem  Kaiser  angeboten  habep,
den  König  entweder  durch  Gift  oder  Zauberei  aus  dem  Weg  zu  räumen
(Sim.,  Fasz.  2497,  f.  261;  Kop.);  vgl.  dazu  Khlesls  Mitteilung  an  Hans  Meinhard
  von  Schönburg  oben  no.  105,  die  Instrauktion  des  Matthias  für  den
Rheingrafen  von  Stein  unten  no.  134,  Anm.  2  und  A.Gindely,  Rudolf  I.
und  seine  Zeit,  II.,  8.  256.  —  Ein  paar  Tage  später  wurden  noch  der  kaiserliche
  Hofkaplan  Praetorius  und  ein  altes  Weib  verhaftet,  das  einen  Hund
        <pb n="339" />
        131.  |  1611  317

vnersucht  I.  M.  ,  das  sich  noch  bishero  kein  chur-  oder  färst  ihn  April  6.
reich  zu  thun  ihn  den  sin  genommen,  vnd  vnderstehen  sich  also
hierdurch  die  eine  vnd  ander  I.  M.'  geheimbnus  zu  expisciren  vnd
ist  alles  dahin  angesehen,  nhur  die  last  einzig  vnd  allein  der  rom.
kay.  May.‘  auff  den  hals  zu  laden  vnd  darjegen  bemuhen  sich
etzliche  gar  starck,  Alttheimb  vnd  andere  bose  leichtferttige  leutte,
so  dieses  vnheyls  rechte  verursacher  sein,  vberzuhelffen.!  Vnd  geben
also  alle  vmbstende,  das  etzliche  leutte  nhur  gemeinett,  ahn  der
rom.  kays,  May.'  sich  zu  rechnen,  konig  Matthiae  sub  praetextu,  ihne
hoch  zu  heben,  die  hende  zu  binden  vnd  leges  vorzuschreiben  vnd
enttlich  das  haus  Ostereich  genzlich  zu  ruiniren,  wie  ich  solches  aus
etzlichen  discursen  vornemer  leutte  gnugsamb  verstanden  habe.?

Nbu  wil  ich  zwar  abn  disem  ohrtt,  ob  die  Bohemen  zu  diser
disjusto  vrsach  haben,  nicht  disputiren  sondern  mus  bekennen,  das
sie  vrsach  haben,  auch  eine  nutzliche  verenderung  des  regiments  in
personalibus  gar  hoch  von  notten,  aber  hingegen  kan  ich  solche
violentz  vnd  angesteltten  proces,  weyl  ehs  zu  der  kay.  May.‘  hochsten
verkleinerung  vnd  schimp  gereichen  thett,  ganz  nicht  loben,  ihn
mehrerm  betracht,  wen  vnderthanen  dergestaltt  wider  ihre  obrigkeit,
auch  dero  rethe  vnd  diener  pro  libitu  zu  procediren  freystehen  soltte,
sich  solches  fenr  leichtlich  weitter  extendiren  vnd  ihm  ganzen
romischen  reich  zu  allergemeinem  auffstand  der  vnderthanen  wider
ihre  obrigkeitt  vrsach  geben,  wie  dan  auch  keine  obrigkeitt  auff
solchen  fal  einigen  rahtt  oder  diener  behaltten,  auch  keiner  sich  zu
einem  rahtt  oder  diener  bestellen  lassen  wurde,  wan  ehr  sich  dergleichen
  proces  zu  befaren  haben  soltte.

Demnach  nhu  aber  die  rom.  kay.  M.'  mich  allergnedigst  ihn
der  person  ersuchtt,  auch  ersuchon  lassen,  [.  M.*  ihn  diser  gefahr
nicht  zu  verlassen  vnd  alhier  zu  verpleiben,  welches  den,  ob  es  wol
eine  schwere  last,  so  ich  dieser  wegen  auff  mich  genommen,  I.  M.!
mitt  fugen  abzuschlagen  nicht  gewust,  so  befinde  ich  doch  dises
wergk  allein  zu  erheben,  weyl  der  gemeine  man  sehr  mittregiertt,
viel  zu  wichtig  vnd  zu  schwer.  Doch  damitt  meines  theyls  kein
mangel  befunden  werden  moge,  so  habe  ich  meinen  scopum  einzig

—

„zauberisch*  getauft,  dann  zu  Pulver  verbrannt  und  mit  diesem  Pulver  und
anderm  die  Zimmer  des  Königs  hatte  räuchern  wollen,  damit  er  darın
umkomme  (Bericht  aus  Prag  vom  7.  April:  Ma.,  549,6,  —  ;  Kopie).  Nach
andern  Berichten  aus  Prag  (vom  11.  April:  Ma.,  111/11  —)  war  es  der  kaiserliche
  Hofkaplan,  der  den  Hund  auf  den  Namen  Matthias  taufte,  damit  alle
Quälereien,  die  or  an  dem  Hund  verübte,  den  König  echädigten.  Vgl.  unten
no.  145.  -

ı  Wol  eine  Anspielung  auf  die  Verbandlungen,  die  mit  Vorwissen  («des
Königs  besonders  mit  Althan  gefübrt  wurden,  um  gegen  den  Preis  der
Pardonnierung  das  passauer  Volk  zu  trennen;  namentlich  Peter  Wok  von
Rosenberg  nahm  sich  dieser  Verhandlungen  an.  Vgl.  oben  no.  118,  8.  291.

?  Diese  und  die  folgenden  Ausführungen  finden  sich  fast  wörtlich  in
dem  in  Anm.  1auf  8.  316  angezogenen  Schreiben  des  Herzogs  an  den  König  wieder.
        <pb n="340" />
        April  6.

318  1611  131.

vnd  allein  dahin  gerichtett,  die  bruderliche  vergleichung  vnd
personliche  besprechung  zum  hochsten  zu  vrgiren.  So  viel  die
kronung  anlangett,  darauff  gar  hartt  gedrungen  wirdett,  furchte,
wirdet  schwerlich  zu  hindern  sein;  doch  werde  ich  nichts  vnderlassen.
Doch  weyl  dieselbe  zu  dem  ende  angesehen,  damit  konig  Matthias
kunfftiger  succession  halber  desto  mehr  gesichertt  sein  mochte  als
konte  entlich,  weyl  dergleichen  exempl  schon  verhanden,  mit
I.  M.'  gutten  willen  geschehen,  damitt  es  gleichwol  nicht  violenter
oder  gedrungener  weisse  zu  wergk  gerichtet  wurde!  So  viel  die
bestallung  des  regimentts  belangett,  bemuhe  ich  mich,  ob  es  dahin
zu  richten,  das  zwar  mitt  qualificirten  personen  solche  verenderung
vorgenommen,  gleichwol  aber  die  kays.  M.'  konig  vnd  in  residentia
verplibe,  auch  umb  mehrern  respects  willen  alles  ihn  I.  M.'  namen
gefertigett,  auch  damitt  konig  Mattias  desto  mehr  gesichertt,  dieselben
rethe  gleichsfals  1.  kgl.  W.  mitt  pflicht  vnd  eiden  verwantt  sich
machen  musten.  Dan  wan  es  auff  solchen  wegk  gerichtet  wurd,
so  kontte  man  der  kays.  M.®  respect  erhalten,  die  kgl.  W.  were
versichert,  die  stende  wurden  contentiret  vnd  wurde  alles  mitt
bessern  respect  vod  glimpf  zu  allen  seitten  zugehen  als  wan  es
auf  widrig  fall  cum  violentiv  zu  werk  gerichtet  werden  soltte.
Und  weyl  ich  darfur  haltte,  das  propter  publicum  scandalum  et
graue  praejuditium  euitandum  chur-  vnd  fürsten  ihn  disem  fal  der
rom.  ksl.  M.‘  als  das  haupt  der  ganzen  christenheit,  einem  romischen
keyser  vnd  gesalbeten  des  herrn,  so  nhun  etzlich  vnd  dreissig  jahr
löblich  regirett  vnd  vnder  I.  M.'  bishero  schuz  vnd  schirmb  gehabitt,
ihn  ihren  notten  mitt  gutten  rahtt  beyzuspringen  nicht  lassen
konnen,  als  habe  ich  nicht  vnderlassen  wollen,  dieweyl  ich  verstanden,
das  EE.  LL.  daselbst  beyeinander  versamblett,  disen  zustandtt  warhafftiglich
  zu  berichten  vnd  Sie  recht  zu  informiren,  auch  daneben
freunttlich  zu  ersuchen,  das  Sio  der  ksl.  M.®  zu  vnderthenigsten
ehren,  auch  solche  scandala,  so  weitters  greiffen  mochten,  dadurch
bey  zeitten  zu  verhindern,  auff  beuorstebenden  landtag  anher  Ihre
ahnsenliche  gesantten  abordnen  woltten,  damitt  sie  sowol  I.  ksl.  M.!
beyrettig  sein,  auch  mir  mitt  ihrer  gegenwartt  behülfflich  sein
vnd  die  schwere  last  mitt  vbertragen  helffen  vnd  alles  darhin  richten

!  An  den  König  schreibt  der  Herzog  wegen  der  Krönung:  da  diese
nicht  ohne  des  Kaisers  „Offension*  geschehen  könnte,  so  gebe  er  ihm  mit
Rücksicht  auf  die  lange  Regierung  und  das  hohe  Alter  des  Kaisers  zu  bedenken,
  ob  dıe  Zeremonie  —  doch  gegen  Versicherung  der  künftigen  Succession  des
Königs  —  nicht  besser  zu  unterlassen  sei;  jedenfalls  aber  möge  der  König
in  Erwägung  der  kaiserlichen  Würde  des  älteren  Bruders  es  bei  einer  etwaigen
Veränderung  des  Regiments  dahın  richten,  dass  der  Kaiser  König  von  Böhmen
und  in  seiner  Residenz  bleibe  und  alles  in  des  Kaisers  Name  expediert
werde.  —  Fast  gleichzeitig  (am  8.  April)  schreibt  der  Herzog  an  die  Er
herzoge  Maximilian  und  Ferdinand,  dass  er  den  Kaiser  zur  Kinwilligung  in
die  Krönung  zu  bewegen  sich  bemühe  und  dass  er  hoffe,  der  Kaiser  werde
die  Krönung  den  böhmischen  Ständen  selbst  proponieren  (vgl.  oben  no.  %,
8.  210,  Anm.  2.
        <pb n="341" />
        131  —132.  1611  319

heiffen,  damit  es  zufodderst  zu  I.  ksl.  M.!  respect,  bruderlicher

eynigkeit  vnd  gutten  friden,  ruhe  vnd  einigkeitt  "gereichen  moge.

Abn  dem  allen  verrichten  etc.  Datum  Prage  den  6.  april  a.  1611.“
Dres,  L  9166,  L  Buch  pass.  Kriegsvolks,  f.  575;  Or.  eigh.!

132.  Zuüiga  an  König  Philipp  IU.

Der  Herzog  von  Baiern  macht  Schwierigkeiten  wegen  des  Eintrittes
des  Kurfürsten  von  Sachsen  in  die  katholische  Union  „y  algunas
personas  religiosas  le  han  puesto  escrupulo  en  ello;  pero  yo  he
jmaginado  que  deve  haver  tenido  algun  otro  motivo  de  estado  para
recusarlo,  por  lo  demas  parece  seria  gran  ignorancia.  Yo  he  hecho
lo  que  he  podido  para  venir  a  estos  dos  principes  y  al  de  Baviera
be  significado,?2  quan  poco  escrupulo  se  puede  teuer  desto  a  mi
parecer,  haciendo  esta  union  en  forma  y  con  palabras  combeniente  y
le  he  advertido  del  exemplo  de  emp.”  Carlo  V.  que  se  confedero
con  Enrico  VIII.  de  Inglatierra,  siendo  herege,  contra  el  rey  de
Francia,  que  es  exemplo  muy  fuerte,  pues  entonces  se  tratava  de
hazer  la  guerra  con  principe  catolicco  y  agora  de  defenderse  de  otro
hereje  o  de  defondelle  al  de  Saxonia  de  otros  hereges.“  Zum  Unionstag
  nach  Würzburg  werde  ich  eine  Person  schicken,  um  ein  Anwachsen
  des  Zwistes  zwischen  Baiern  und  Mainz,  welches  den  Eintritt
  Kursachsens  befürwortet,  hintanzuhalten.  Praga  7.  abril  1611,

Sim.,  Fasz.  3497,  f.  262;  Or.  in  Ziffern,

!  An  den  Kurfürsten  von  Sachsen  fügte  der  Herzog  noch  ein  eigenhändigos
  Billet  vom  6.  April  bei:  „Weyl  ich  verstanden,  das  bey  Dir  etzliche
  chur-  und  fürsten  bey  einander,  so  habe  ich  ihngesambt  ahn  sie  geschrieben,
  wie  Du  hierbei  zu  entpfangen.  I.  M.t  haben  zu  Dir  ein  gros
vertrauen,  wie  Du  vom  graffen  zu  Hollach  mit  mehrerm  vernemen  kanst.
Haben  auch  I.  M.*  mich  ersucht,  Dir  zu  schreiben  vnd  zu  bestendigor  trew  zu  ermanen,
  das  I.  M.*  in  gnaden  noch  zu  erkennen  wissen.“  Falls  eine  Schickung  von
Torgau  hieher  beabsichtigt  sei,  möge  der  Kurfürst  ihn  davon  vorher  verständigen
(Dra.,  1.  9166,  I.  Buch  pass.  Kriegsvolks  f.  573;  Or.  eigh.).  —  Der  Kurfürst
orwiderte  am  2./l2.  April:  die  zu  Torgau  versammelten  Fürsten  seien
schon  in  der  Abreise  begriffen  gewesen,  als  das  Schreiben  ankam;  er  habe
daher  mit  ibnen  wegen  einer  Schickung  nicht  mehr  reden  können.  Er  habe
vorläufig  die  Böhmen  zum  Gehorsam  ermahnt  (Schreiben  vom  2./12.  April,
gedruckt  bei  Hammer-Purgstall,  Ueber  die  Verhandlungen  mit  Herrn
von  Rosenberg  während  des  Einfalle  des  Passau’schen  Kriegevolks  in  Böhmen
im  Jahre  1611,  Abhandlungen  der  kön.  böhmischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften,
  V.  Folge,  3.  Bd.,  Prag  1845,  S.  812),  habe  sich  aber  schon  vor
einigen  Wochen  mit  Kurmainz  in  Beziehung  gesetzt  und  erwarte  atlindlich
einen  Gesandten  von  dort,  um  sich  dann  zu  entschliessen,  was  zu  tun  sei.
Der  Herzog  möge  den  König  ermahnen,  dass  er  nicht  auf  die  Krönung
dringe,  da  er  wegen  der  Nachfolge  hinlänglich  gesichert  sei;  es  genüge,
dass  das  Regiment  verbessert  und  die  Räte  und  Diener  dem  König  vereidigt
werden.  Der  Kaiser  solle  von  des  Kurfürsten  Intention  durch  den  Herzog
unterrichtet  werden  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  581;  Kpt.);  vgl.  Hurter,  Geschichte
Kaiser  Ferdinands  II.,  VI.,  8.  495.

’  Vgl  oben  no.  66.

April  6.

April  7.
        <pb n="342" />
        April  9.

320  1611  133.

133.  König  Matthias  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen.

Der  Rheingraf  bat  mir  E.  L.  Schreiben  vom  15.  März  zug
stellt  1  und  auch  sonst  Bericht  erstattet.  „Wann  ich  dann  aus  disem
allem  anderst  nichts  befinde  dann  E.  L.  aufrecht  getreues  und
teutsches  gemüet,  auch  sonderliche  affection  gegen  mir,  als  welche
obne  zweifel  nunmehr  den  statum,  wie  alle  meine  sachen  beschaffen
und  fundiert,  genuegsamb  werden  eingenommen  haben,  so  verlanget
mich  nit  weniger,  E.  L.  zu  sehen,  mich  mit  Derselben  zu  unterreden,
rechte  kundschaft  und  vertreulichkeit  zu  machen,  auch  mit  allen
gelegenheiten  mich  also  zu  erzeigen,  damit  E.  L.  würklich  spüren
mechten,  dass  ichs  Derselben  gleichesfalls  aufrecht,  redlich  und
teutsch  vermaine  und  weit  anderst  beschaffen  bin  als  villeicht  Dieselb
vor  der  zeit  von  etlichen  meinen  widrigen  informiert  gewesen.“
Daher  schicke  ich  nochmals.  den  Rheingrafen,  damit  derselbe  E.  L
„zu  genüeg  mein  erclärung  confirmiret  und  auch,  wie  alle  sachen
beschaffen,  referiert,  auch  Dieselb  genusgsamb  informieret,  damit
E.  L.  ohne  ursach  keinen  ungleichen  gedanken  von  mir  fassen

kunten“.  Beglaubigung.*  Datum  Praag  den  9.  aprilis  a.  1611.-Drs.,
  I,  9167,  II.  Buch  pass.  Kriegsvoiks,  f.  211;  Or.

ı  Vgl.  oben  no.  104,  8.  246,  Anm.  3.

?  Eine  Instruktion  für  den  Rheingrafen  [vom  9.  April]  zur  Schickung
an  Kursachsen  hat  sich  wenigstens  auszugsweise  erhalten.  Sie  kann  ihrem
Inhalt  nach  nicht  zur  Mitteilung  an  Kursachsen  bestimmt  gewesen  sei,

"findet  sich  aber  sowol  unter  den  kursächsischen  Akten  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  40)

wie  unter  den  kurmainzischen  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  51).
Der  Rheingtaf  soll  ausführen:  1.  Der  König  ist  von  den  böhmischen  Ständen
ordentlich  berufen  worden.  2.  Er  ist  bei  seiner  Ankunft  feierlich  empfangen,
kostfrei  gehalten  und  von  den  Ständen  um  Rat  und  Hilfe  angegangen  worden.

3.  Er  hat  sich  bisher  in  nichts  gemischt  oder  die  Stände  zu  etwas  be
wogen  sondern  erwartet  den  Landtag.  4.  Die  Stände  stehen  mit  dem
Kaiser  wegen  Aenderung  des  Regiments  in  Verhandlung  und  sind  mit
Gründen  genügend  gefasst,  warum  sie  nicht  länger  unter  diesem  Begiment
bleiben  können.  5.  Der  Kaiser  hatzwar  mit  dem  König  mündlich  verhandela
und  sich  vergleichen  wollen,  da  aber  dies  gefährlich  ist  und  die  Gemüter
verbittert  sind,  auch  ohne  die  Stände  nich’s  verhandelt  werden  kann,  so  bleibt  es
beim  Landtag.  6.  Ia  der  König  Ungam,  die  andern  Erblande  und  das  Reich
vor  den  Türken  sichern  will,  so  wird  er  von  dem  Termin  [des  Landtags;
nıcht  aussetzen,  damit  er  künftig  nicht  von  des  Kaisers  Wort  und  Handschrift,
  die  nieht  geachtet  werden  will,  abhängt  ;  der  König  will  sich  solcher
Servitut  auch  deshalb  entledigen,  damit  die  bösen  Leute,  die  den  Kaiser  bisher
verfübrten  und  dadurch  Land  und  Leute  verdarben,  es  künftig  nicht  mehr  tun
können;  damit  wird  dem  König  und  dessen  Ländern,  ja  dem  Kaiser  selbst,  dem
Hausa  Oesterreich  und  dem  Reiche  geholfen.  7.  Der  König  hat  einige
Personen  einziehen  lassen,  die  ihm  nach  dem  Leben  trachteten  und  es  auch
selbst  einbekannten;  er  wird  noch  mehrere,  besonders  von  den  Zauberern
einziehen  lassen,  damit  auch  dieser  tible  Prozess  aus  dem  Fundament  er
wiesen  und  abgestellt  werde.  8.  Viele  wollen  aus  ungegründetem  Mitleid,
aus  Passion  oder  Interesse  unter  dem  Schein,  des  Kaisers  und  seines  Hauses
Autorität  zu  erhalten,  diese  Reformation  und  das  Eingreifen  des  Königs  verhindern,
  indem  sie  diesem  beim  Kaiser  sowie  bei  den  Kurfürsten  und  Fürsten  böse
Dienste  erweisen  und  ungleiche  Nachrichten  verbreiten.  Da  dies  gewiss
auch  beim  Kurfürst  geschehen  ist,  so  begehrt  der  König  von  ihm,  diesen  Leuten
        <pb n="343" />
        134.  1611  821

134.  Instruktion  des  Gesamthauses  Sachsen  für  den  April  9.
Landgrafen  Ludwig  von  Hessen  zu  dessen  Verrichtung
beim  Kurfürsten  von  Mainz.

Der  Landgraf  hat  auf  Bitten  des  Kurfürsten  und  der  Herzoge
von  Sachsen  übernommen,  auf  seiner  Reise  von  hier  nach  Hause  zu
Kurmainz  zu  gehen.  Dort  soll  er  anbringen:  Mainz  und  Baiern  haben
das  Haus  Sachsen  zum  Besuch  des  würzburger  Tages  eingeladen  ;
wegen  Kürze  der  Zeit  haben  sich  die  sächsischen  Fürsten  entschuldigt,
  aber  versprochen,  einen  ihrer  vornehmen  Freunde  zur
Reise  zu  Kurmainz  zu  vermögen,  um  ihr  Gemüt  wegen  der  katholischen
  Union  zu  eröffnen,  was  nun  durch  ihn,  den  Landgrafen,
geschieht:  !

Der  Kurfürst  und  die  Herzoge  erinnern  sich  wol,  was  Mainz  bei  dem
Kurfürsten  zu  Prag  und  Dresden  wegen  der  katholischen  Union  gesucht
und  wessen  sie  sich  gegen  Mainz  durch  Herzog  Johann  Casimir
erklärt  haben?  „Es  were  auch  I.  I.  chur-  und  fl.Gn.  nichts  liebers
als  das  demselben  sie  also  nachsezen  und  in  die  catholische  union
sich  alsbald  mitbegeben  konten,  indem  sie  gleich  wie  vormals  solcbe
union  allerdings  nicht  improbiren  sondern  dieselbe  als  vor  eine
vorgenommene  nottringliche  defension  achten,  halten  und  erkennen
müssen.“  Sie  haben  aber  bei  fleissigem  Nachdenken  befunden,
dass  ibre  bisherige  Neutralität  den  katholischen  Ständen  und  dem
ganzen  Reich  mehr  zuträglich  als  nachteilig  gewesen  sei;  daher  scheint
ihnen,  dass  man  noch  zur  Zeit  sich  nicht  übereilen  sondern  etwas
an  sich  halten  soll.  —  Mainz  weiss  wol,  was  für  ein  „Bedenken“  der
Herzog  von  Braunschweig  sowol  der  jülichschen  Sache  als  der  Union
halber  proprio  motu  ihnen  übergeben  hat,?  welches  Gutachten  jetzt  im

nicht  ohne  weiteres  Glauben  zu  schenken  sondern  zuvor  darüber  den  König  zu  vernehmen.
  9.  Der  Rheingraf  soll  auch  die  Gemüter  der  vertrauten  Räte  und
Diener  des  Kurfürsten  zu  gewinnen  suchen,  um  sich  dessen  desto  besser  versichern
  zu  können.  10.  Desgleichen  müssen  des  Kurfürsten  Brüder  dem  König
geneigt  gemacht  werden.  11.  Ueber  die  Verrichtung  hat  der  Rheingraf
schriftlich  zu  berichten.  —  Der  Rheingraf  kam  erst  am  17.  April  in  Dresden
an.  Dort  traf  ihn  der  kurmainzische  Rat  Brömser,  der  am  19.  an  seinen
Herm  berichtet  :  der  Rheingraf  habe  Bedenken,  seine  Werbung  (die  Brömser
beilegen  kann)  abzulegen,  da  die  Stimmung  tlir  den  König  hier  ungünstig  sei;  er
sei  auch  persönlich  nicht  angesehen  un  warnen  die  kursächsischen  geheimen
Räte  vor  seiner  Unbeständigkeit  und  geringen  Verschwiegenheit  (vgl.  unten
no.  149).  Der  Rheingraf  scheint  wirklich  seian  geheime  Instruktion  selbst  mitteilt
  zu  haben;  auf  dem  dresdener  Auszug  stehen  von  Kaspar  von  Schönbergs
d  die  Worte:  „Diss  memorial  hat  der  konig  Matthias  dem  Rheingrafen
zugestellet.*  —  Ein  Bescheid  auf  diese  Werbung  erfolgte  nicht,  da  unmittelbar
  darauf  ein  anderer  königlicher  Gesandter,  Polheim,  mit  ähnlicher  Werbung
eintraf,  auf  die  der  Kurfürst  durch  ein  Schreiben  vom  11./21.  April  antwortete
  (vgl.  unten  no.  151).
ı  Vgl.  oben  no.  124.
?  Vgl.  oben  no.  4,  8.  6,  Anm.  1.
®  Vgl.  oben  no.  7,  8.  18,  Anm.  3.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  21
        <pb n="344" />
        April  9.

322  1611  134.

ganzen  Reich  bekannt  geworden  ist,  „daraus  I.  chfi.  Gn.  wol  werden
abnehmen,  wie  geneigt  des  herzogen  zue  Braunschweig  fl.  Gn.  zu
der  union  sei.“  Da  aber  der  Herzog  ein  mächtiger  Fürst  ist,  so  muss
man  etwas  gemach  mit  ihm  umgehen,  damit  er,  wenn  er  schon  nicht  zur
katholischen  Union  zu  bewegen  ist,  doch  in  der  Neutralität  erhalten
werde;  denn  es  liegt  auf  der  Hand,  wie  sehr  die  evangelische  Union,
durch  seinen  Beitritt  gestärkt  würde;  dieser  Beitritt  würde  aber  ohne
Zweifel  erfolgen,  wenn  sich  Sachsen  ohne  vorhergehende  vertrauliche
Unterredung  mit  dem  Herzog  in  die  katholische  Union  einliesse.  —
2.  Ferner  finden  sich  bei  der  evangelischen  Union  schon  viele
Schwierigkeiten  und  ist  zu  hoffen,  dass  sie  nicht  lange  Bestand
haben  wird,  zumal  man  sich  nach  dem  Tode  des  Kurfürsten  von  der
Pfalz  des  Direktoriums  halber  nicht  vergleichen  kann  und  di
Mehrheit  der  Reichsstädte  wegen  etlicher  im  Namen  der  Union
vorgenommenen  Sachen,  in  welche  sie  nicht  gewilligt  hatten,  so
schwierig  ist,  dass  sie  austreten  dürfte;  davon  würde  sie  aber  der
Beitritt  Sachsens  zur  katholischen  Union  abhalten:  —  3.  Noch
sind  viele  evangelische  Stände  neutral,  die  bis  jetzt  nicht  in  die
Union  traten  und  auf  Sachsen  ein  besonderes  Auge  hatten.
Diese  alle  würden  ohne  Zweifel  die  Neutralität  aufgeben,  wenn
Sachsen  vor  dem  Eintritt  in  die  katholische  Union  sich  nicht  mit
ihnen  verständigt  und  allerhand  Vorbereitung  macht,  was  bisher
wegen  der  verschiedenen  jülichschen  und  anderen  Streitigkeiten  nicht
möglich  war.  —  4.  Der  Kurfürst  von  Mainz  weiss  wol,  wie  viel  Gutes
bisher  Sachsens  Neutralität  bei  Reichs-  und  anderen  Tagen  gestiftet
hat,  indem  es  zur  Erhaltung  von  Friede  und  Einigkeit  gleichsam
die  Wage  gehalten  hat.  Verbündet  es  sich  nun  mit  dem  einen  oder  dem
andern  Teil,  so  ist  davon  nichts  als  künftige  Zerrüttung  im  Reich  zu
erwarten;  denn  dadurch  würde  Sachsen  jede  Möglichkeit  der  Vermittlung
benommen  und  müsste  es  stets  bei  seiner  Partei  verbleiben.  —  5.  Wollte
man  auch  diese  sehr  wichtigen  Gründe  nicht  in  Acht  nehmen,  so  würde
man  sich  doch  nicht  leicht  wegen  des  Direktoriums  in  der  Union  und
anderer  Sachen  vergleichen  können.  Sollte  man  nun  unverrichteter
Sache  vom  Unionstage  abziehen,  so  wäre  es  Sachsen  schimpflich,
den  katholischen  Ständen  schädlich  und  der  hallischen  Union  mehr
als  nützlich.  —  Deshalb  halten  der  Kurfürst  und  die  Herzoge
dafür,  man  müsse  in  dieser  Sache  ganz  gewahrsam  gehen,  zuvor
allerhand  gute  „‚Praeparatoria‘‘  machen,  der  Stände  Gemüter  wol  disponieren
  und  08  so  angreifen,  dass  der  beabsichtigte  Zweck  sicherlich
erreicht  werde.  —  Das  alles  erinnern  die  Fürsten  ganz  wolmeinend,
nicht  als  hätten  sie  sich  geändert  und  wollten  von  den  vorigen
Ansichten  abweichen  ‚sondern  damit  alle  sachen  so  angestellet,  dass
das  imperium  mehr  conservirt  dann  destruirt  werde;  erböten  sich
aber  hierneben  dahin,  wie  bisshero  also  auch  forthin  bei  dem  aufgerichten
  und  hochbeteuerten  religion-  und  prophanfriden,  kaiserlichen
capitulation,  churfürstlichen  verein  und  anderen  reichsverfassungen
        <pb n="345" />
        134—1385.  1611  823

standhaftig  zu.  verharren,  darbei  zu  leben  und  zu  sterben  und  sich  April  9.

alle  weg  wider  dieselbe  finden  zu  lassen,  derer  gemüther  dahin

gerichtet,  wie  solche  bande  aufgelöset,  zerıüttet  und  eine  anarchia

angerichtet  werden  möchte.“  —  Der  Tuandgraf  soll  den  Kurfürsten

bitten,  diese  Gedanken  des  Hauses  Sachsen  wol  aufzunehmen  und

auch  Baiern  mitzuteilen.  Geben  zu  Torgau  den  30  martii  a.  1611.
Drs.,  l\.  7272,  I.  Buch  Unionsakten,  f.  400;  Kpt.  von  Schönberg.!

135.  Der  Kurfürst  von  Köln  an  den  Kurfürsten  von
Mainz.

Aus  dem  Bericht  unserer  nach  Frankfurt  abgeordneten  Räte
und  aus  dem  aufgerichteten  Abschied  haben  wir  vernommen,  dass
E.  L.  das  Bundesoberstenamt  niederlegen  wollen.  Nun  wissen  wir
sehr  wol,  welche  Beschwerden  E.  L.  bei  diesem  Amt  ausgestanden
und  weshalb  Sie  zu  diesem  Entschluss  grosse  Ursache  haben,
hoffen  aber  doch  zuversichtlich,  E.  L.  werden  das  Wol  des  Bundes
beherzigen  und  bedenken:  1.  dass,  wenn  Sie  gleich  anfangs,  da  der
Bund  erst  recht  „firmiert  und  stabiliert‘‘?  werden  soll,  die  Hand
davon  abziehen,  Sie  andere  Bundesstände  dadurch  kleinmütig  machen  und
solchen  Ständen,  die  erst  eintreten  wollen,  Bedenken  einflössen  werden.
2.  Bei  Anstellung  dieser  Bundesverfassung  ist  es  für  nützlich  und  nötig
angesehen  worden,  bei  diesen  schwierigen  Zeiten  wegen  der  Weitentsessenheit
  der  Stände  zwei  Bundesoberste  zu  benennen,  die  in  den  obern
Landen  wie  im  rheinischen  Kreis  jeder  für  sich  bei  Zeiten  drohenden

ı  Der  Landgrat  legte  die  Werbung  am  22.  April  zu  Höchst  mündlich
ab  und  übergab  sie  noch  in  einer  Schrift,  betitelt:  „Etliche  motiven  und
ursachen,  derhalben  noch  zur  zeit  nicht  rathsamb,  dass  diejenigen  evangelischen
ehur-  und  fursten  und  stende,  welche  sich  bisshero  neutral  gehalten,  zu  der
eatholischen  gegenunion  verbunden  gemacht  werden“  (Wmz.,  Religionsakten,
Bd.  12,  no.  106;  Kopie).  —  Ueber  den  Eindruck  der  Werbung  berichtet
der  Landgraf  am  14./24.  April  an  Kursachsen:  Kurmainz  besorge,  weil  er
die  anderen  Stände  der  früheren  Erklärung  Kursachsens  versichert  habe,
dass  „er  jetzt  in  labyrinth  kommen  und  es  sonsten  das  ansehen  gewinnen
möchte  als  würden  durch  den  jütterbockischen  vergleich  die  consilia  umb
80  viel  geendert  sein  oder  noch  werden.“  Kurmainz  gebe  zwar  zu,  dass  die
vorgebrachten  Bedenken  gewichtig  seien,  „worbei  dann  der  mit  fleiss  S.  L.
zu  gemüth  geführte  terminus  (noch  zur  zeit)  laut  des  memorials  deroselben
ein  zimlichs  contentament  gegeben;  doch  weren  I.  L.  der  hoffnung,  die
angedeutte  disponierung  und  praeparation  der  neutralstenden  gemütlier  auch
vor  die  band  genommen  und  ins  werk  gesezt  werden  würde.  Dass  aber  mit
der  neutralitet  den  sachen  zu  gebührlicher  handhabung  des  heil.  reiche  verfassung
  und  constitutionen  gedienet  werden  solt,  haben  wir  von  8,L.  nicht
sondern  ihre  meinunge  fast  dahin  verstehen  können,  wie  ein  jeder  dieselbe
satzung  und  urdnunge  nach  seiner  gelegenheit  anzuziehen,  aber  nicht  sich
deroselben  disposition  zu  accomodiren  gewillet,  also  würde  es  auch  den
neutralstenden  an  allerhand  entschuldigung,  wann  es  zum  treffen  kommen
solte,  nicht  manglen*®  (UDrs.,  a.  a.  O.,  f.  407;  Or.).

®  Der  Kurfürst  eigenhändig  am  Rand:  „Utinam.*

21*

April  10.
        <pb n="346" />
        April  10.

524  1611  135.

Gefahren  zuvorkommen  können.  Dies  würde  zum  Schaden  der  Bundesverwandten
  hier  am  Rhein  unterbleiben  müssen,  wenn  man  nur  zu  einem
oben  Lands  gesessenen  Bundesobersten  seine  Zuflucht  nebmen  und
auf  dessen  Hilfe  warten  müsste.  3.  Man  hat  bei  früheren
Beratungen  auch  erwogen,  dass  E.  L.  als  Haupt  des  kurrheinischen
Kreises  inmitten  aller  katholischen  rheinischen  Stände  gesessen
auch  dies  Amt  durch  Dero  Autorität  dem  katholischen  Wesen  zum
besten  verwalten  würden.  4A.  Auch  ist  unumstösslich  wahr,  „dass
bei  diser  coniunctur  nicht  leichtlich  einer  wurde  zu  finden  sein  auss
allen  catholischen  rheinischen  chur-  und  fürsten,  welcher  sich  uf
solche  E.  L.  vorgenommene  abdication  dises  ambts  undernemen  oder
sonsten  dasselbe  der  notturft  nach  wurde  respicirn  können;  wir
wollen  geschweigen,  dass  es  auch  zu  E.  L.  reputation  nicht  sein
wurde,  dass  Derselben  ein  ander  vorgezogen  und  zu  disem  ambt  solle
gebraucht  werden.“  !

Da  wir  zu  E.  L.  vertrauen,  Sie  werden  sich  diese  Intentionen
vor  Augen  halten  und  erwägen,  worauf  dieser  Bund,  als  dessen
vornehmste  Säule  wir  E.  L.  erkennen,  angesehen  ist,  so  hoffen  und  bitten
wir,  dass  E.  L.  von  Dero  Vorhaben  abstehen,  das  Bundesoberstenamt
weiter  behalten  und  andern  Bundesständen  kein  Mistrauen  verursachen
werden,  als  ob  dieser  Bund  doch  keinen  Bestand  haben  würde;
vielmehr  sollen  andere  Stände  ausserhalb  des  Bundes  Anleitung
bekommen,  in  denselben  freiwillig  einzutreten  und  ihn  zu  verstärken;
dabei  wollen  wir  E.L.  nach  Möglichkeit  unterstützen.  —  E.L.  werden
von  Ihren  Abgesandten  auch  vernommen  haben,  weshalb  wir  uns  nicht
nur  bei  den  Bundesquoten  sondern  auch  bei  allen  Reichsanlagen
wegen  des  übermässigen  Anschlags  in  der  Reichsmatrikel  beschwert
finden  und  erklärt  haben,  dass  es  unserm  verarmten  Erzstift  unmöglich
fallen  würd,  ohne  Moderation,  um  die  wir  wieder  bitten,  den
Anschlag  zu  zahlen.  Demnach  ersuchen  wir  E.  L.,  Dero  Räte  zum
Bundestag  dahin  zu  instruieren,  dass  diese  Moderation  uns  endlich
widerfahre  ®  und  wir  nicht  über  Vermögen  angestrengt  werden.  Wir
haben  unsern  nach  Würzburg  abgeordnueten  Räten  befohlen,  E.  L.
unsere  Gedanken  weiter  zu  entdecken  und  Dero  Gutachten  zu  vernehmen.
Datum  Arnsperg  den  10.  aprilis  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg
den  16.  aprilis.

Wmg.,  Religionsakien,  Bd.  12,  no.  83;  Or.®

!  Der  Kurfürst  am  Rand  :  „Fistula  dulce  canit.*

?  Der  Kurfürst  am  Rand:  „NB.  Wo  sein  die  zölle  und  numehr  lang
erhobene  licenten  ?*

®  Gleichlautend  mit  obigem  Schreiben  war  die  Werbung,  die  im  Namen
des  Kurfürsten  und  des  Koadjutorse  von  Köln  der  Dompropst  Graf  Eitel  Fritz  von
Hohenzollern  beim  Kurfürsten  von  Mainz  am  16.  April  ablegte.  Der  Kurfürst
erwiderte  mit  dem  Hinweis  auf  die  Instruktion  seiner  Gesandten  zum
Bundestag  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  82;  eigenhändige  Aufzeichnung).
        <pb n="347" />
        136.  1611  325
136.  Die  böhmischen  Stände  an  Kaiser  Budolf  IL  April  12.

Auf  Anlass  des  allgemeinen  Generallandtages  dieses  Königreichs
und  aller  inkorporierten  Länder,  den  E.  ksl.  M.!  auf  unsere  Vorstellung
  vom  28.  März!  auszuschreiben  bewilligt  haben,  bitten  wir
E.  M.‘,  unsere  Beschwerden  anzuhören,  sie  sich  zu  Herzen  zu  nehmen
und  unser  Begehren  zu  erfüllen.

Unsere  Herzen  freuen  sich  noch  in  der  Erinnerung  an  die  Zeit,  da
E.  M.‘  uns  durch  einige  zwanzig  Jahre  friedlich  und  väterlich  regiert
haben.  Da  gieng  alles  ordentlich  zu;  dem  Recht,  den  Landesordnungen
und  Gerichten  wurde  kein  Hindernis  in  den  Weg  gelegt;  männiglich
hatte  täglich  freien  Zutritt  zu  E.  M.®  und  konnte  Derselben  seine
Not  klagen,  war  baldiger  und  gebührlicher  Abfertigung  versichert  und
mit  diesem  Regiment  zufrieden.  Dabei  ist  dies  Königreich  mit
seinen  Nebenländern  gewachsen  und  hat  an  Reichtum  zugenommen,
wogegen  es  sich  auch  bestrebt  hat,  dies  mit  allerlei  Wolthaten  an
E.  M.'  zu  verdienen.  Es  hat  Derselben  willig  unerhört  hohe  Steuern,
wie  Dero  Vorfahren  sie  nie  erlangten,  durch  viele  Jahre  bewilligt,
so  dass  1593,  als  der  Türkenkrieg  begann,  dies  Königreich  mit
seinen  Nebenländern  E.  M.'  mehr  Geldhilfen  geleistet  hatte  als  allen
andern  Königen  seit  Sigismund.

Mit  dieser  tröstlichen  Regierung  hat  es  sich  aber  geändert,  als
E.M.'  im  Jahr  1600  von  Pilsen  sich  wieder  nach  dem  prager  Schloss
begaben.”  Wir  haben  es  zwar  E.  M!  zu  Isdebe  geduldet,  als
angefangen  wurde,  in  vielen  Sachen  wider  den  alten  Brauch  zu
regieren;  da  wir  aber  nicht  mehr  tägliche  Audienz  erlangen  konnten,
so  konnte  daraus  nur  allerlei  Böses  und  Schädliches  folgen  und  ist
es  endlich  so  weit  gekommen,  dass  die  Stände  dieser  Lande  sich
unerhörter  Mittel  bedienen  und  durch  die  Kammerdiener  (weil  die,
denen  der  Zutritt  zu  E.  M.'  von  rechtswegen  gebührt,  ihn  nicht
haben  konnten)  um  schweres  Geld  Beförderung  ihrer  Sachen  suchen
mussten.

Es  ist  manchen  aus  den  Ständen  wider  die  Landesordnung,
„da  man  den  waisen  die  jare  vollstreckt‘‘  und  sonst,  Verkürzung
geschehen;  man  hat  sich  vergeblich  auf  ordentliches  Verhör  und
richterliche  Erkenntnis  berufen  und  darum  gebeten;  auch  die
mährischen  Stände  haben  dies  zu  empfinden  gehabt;  aber  wir  haben  alles
mit  Geduld  überwunden.  Diejenigen,  die  zu  E.  M.'  Zutritt  hatten,
haben  sich  grosse  Freiheiten,  auch  gegen  die  obersten  Landoffiziere
za  deren  Despekt  angemasst;  es  hat  diese  Unordnung  viele
Jahre  gedauert  und  wir  Stände  baben  E.  M.'  mit  unsern  Klagen

ı  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  254.

?  Treber  den  verhängnisvollen  Einschnitt,  den  das  Jahr  1600  in  der
langen  Regierungszeit  Rudolfse  bedeutet,  vgl.  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreiche,
  1V.,  8.  369  f.  und  die  dort  in  der  Anm.  angeführte  Literatur.
        <pb n="348" />
        April  12.

326  1611  136.

gleichwol  nicht  behelligen  wollen,  da  wir  auf  Besserung  hoflien  —
leider  vergeblich.

Denn  bald  darauf  sind  wegen  dieses  schlechten  Regiments  die
Grenzhäuser  in  Ungarn  in  äusserste  Gefahr  gekommen  und  wären,  wenn
König  Matthias  sich  nicht  mit  den  ungarischen,  Österreichischen  und
mährischen  Ständen  (da  sich  E.  M.'  des  Regiments  nicht  selbst
annehmen  wollten)  vereinigt  und  Mittel  zur  Abwehr  gesucht  hätte,
obne  Zweifel  nicht  nur  Ungarn  sondern  auch  dieses  Länder  an  den
Türken  verloren  worden.

Als  der  König  mit  Kriegsmacht  nach  Böhmen  gekommen  war,!
hat  er  neben  den  vereinigten  Ländern  sich  wider  ein  so  schlechtes
Begiment  aufs  höchste  beschwert  und  begehrt,  dass  E.  M_®  sich
lieber  ein  ruhiges  Leben  gefallen  lassen  und  die  Regierung  dieses
Königreichs  wie  Ungarns  und  ÖOesterreichs  ihm  übergeben  sollten.
Wir  Stände  aber  als  E.  M.'  getreue  Untertanen  haben  dies  nicht
zugeben  wollen  sondern  haben  es  mit  Darsetzung  von  Leib  und
Gut  dabin  gebracht,  dass  Matthias  von  seinem  Begehren  abstand
und  zufrieden  war,  dass  wir  ihn  auf  E.  M.  Landtagsproposition  hin
zum  designierten  König  von  Böhmen  erwählten  —  und  auch  das  nur  unter
gewissen  Bedingungen,  wodurch  wir  gleichfalls  unsere  Treue  gegen
E.  M.!  erwiesen  haben.  Dabei  waren  wir  der  Hoffnung,  E.  M.!  würden
dem  mit  dem  König  und  den  Bevollmächtigten  der  Markgrafschaft
Mähren  geschlossenen  und  von  beiden  Teilen  sowie  von  den  böhmischen
und  mährischen  Ständen  bekräftigten  Vertrag  (der  auch  der  Landtafel
  einverleibt  wurde)  genügen  und  nach  dem  so  lange  ertragenen
beschwerlichen  Regiment  es  wieder  zum  vorigen  guten  kommen  lassen.
Wir  Stände  sind  auf  alle  bei  jenem  Landtag  traktierten  Sachen  desto
williger  eingegangen,  weil  E.  M.  uns  erklärten,  Donnerstag  nach
Martini  [1608]  einen  neuen  Landtag  beschreiben  ?  und  sowol  den  Artikel
wegen  der  Religion  als  auch  die  sonst  auf  vorigem  Landtag  bezeichneten
  Punkte  zur  Verbesserung  bringen  zu  wollen;  auch  hatten  E.
M.!  versichern  lassen,  dass,  wer  künftig  zu  Derselben  seine  Zuflucht
nehmen  und  durch  den  Oberstkämmerer  oder  sonst  jemanden  um
Audienz  bitten  würde,  sich  nicht  zu  beschweren  haben  solle.

Wir  haben  in  all  dem  E.  M.'  getraut,  aber  alsbald  zu  unserm
grossen  Schaden  erfahren  müssen,  dass  abermals  einige  schädliche  Leute
und  Räte  dies  Vornehmen  haben  hindern  wollen;  wir  mussten,  ehe  nur
das  bekräftigt  und  verbessert  wurde,  was  vermöge  des  Landtagsbeschlusses
  und  E.  M.'  Zusage  in  dem  Artikel  wegen  der  Religion
hat  bekräftigt  und  in  andern  politischen  Artikeln  hat  verbessert

ı  Vgl.  über  die  Vorgänge,  die  zum  Vertrag  von  Lieben  führten,
A.  Huber,  a.  a.  O.,  IV.,  f.

?  Der  Landtag  trat  nie  am  28.  Januar  1609  zusammen;  vgl.  A.  Gindely,
  Geschichte  der  Erteilung  des  böhmischen  Hajestätsbrief  von  1609,
8.27  fi.  und  desselben  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  I.,  S.  308  £.
        <pb n="349" />
        136.  1611  327

werden  sollen,  mehr  als  1!/,  Jahre  bei  den  Landtagen  verharren
und  einige  hunderttausend  Gulden  (ausser  den  Bewilligungen  an
BE.  M.')  verzehren  und  anwenden.  Wäre  uns  die  Woltat  einer
Audienz  zu  Teil  geworden,  so  wäre  es  nie  zu  so  erschrecklichen
schweren  Sachen  (wie  wir  davon  weiter  reden  müssen)  gekommen
sondern  E.  M.*  hätten  ruhig  über  uns  und  die  andern  Länder  bis
an  Ihr  Lebensende  herrschen  können.  Aber  einige  böse  Leute,  die
in  diesem  Königreich  nichts  zu  verlieren  haben  sondern  nur  dahin
trachten,  sich  durch  Praktiken  mit  fremdem  Gut  zu  bereichern  und
alles  nach  ihrem  Willen  zu  richten,  haben  mit  ungegründetem
Bericht  uns  unschuldige  Untertanen  bei  E.  M.'  angegeben  und
Dieselbe  gegen  uns  so  eingenommen,  dass  nicht  nur  die  gemeinen
Stände  sondern  auch  die  vornehmsten  Landoffiziere  in  vielen  Wochen
keinen  Zutritt  zu  E.  M.'  haben,  die  Notdurft  dieses  Königreichs
nicht  mündlich  vorbringen  und  nicht  darüber  gehörig  beratschlagen
konnten.  Wie  leidsam  uns  war,  des  Angesichts  E.  M.*  beraubt  zu
sein,  sei  Gott  geklagt.

Welchen  Nutzen  aber  E.  M.'  von  diesen  bösen  Leuten  hatten
und  worauf  sie  es  anlegten,  das  müssen  wir,  wenn  auch  ungern,
kurz  dartun,  um  uns  vor  E.  M.'  und  der  ganzen  Welt  zu  reinigen,

Bald  nach  Abzug  des  Königs  aus  diesem  Königreich  ist  der
Landtagsschluss  in  vielen  Dingen  gebrochen  worden,  wobei  die
unaufrichtigen  Räte  E.  M,'  Anseben  aufs  höchste  verkleinerten  statt
darauf  zu  sehen,  dass  die  Verträge,  Majestätsbriefe,  Landtagsschlüsse
und  die  von  E.  M.:  beschworenen  Landesordnungen  getreulich  ohne
arglistige  Auslegung  gehalten  wfirden.  Sie  haben  aber  statt  dessen
E.  M.'  grausam  verführt,  haben  sich  die  böhmischen  Dinge,  die
ihnen  nicht  zustanden,  angemasst,  während  doch  bei  allen  Landtagen
strenge  bestimmt  worden  war,  dass  alle  Sachen  diese  Königreichs  und  der
einverleibten  Länder  nur  durch  die  obersten  Landoffiziere  und  BRechtsbeisitzer
  und  durch  E.  M.*  Hof-  und  Kammergerichtsräte  (als  geheime
Räte  des  böhmischen  Königs)  verrichtet  werden  sollen;  E.  M.'  mögen
aber  selbst  erwägen,  wie  diese  Ausländer  und  Hofräte  verfahren
sind,

Im  Vertrag  zwischen  E.  M.‘  und  dem  König  war  die  beiderseitige
Entlassung  des  Kriegsvolks  ausdrücklich  vorgesehen  worden.  Ferner
war  bei  den  Landtagen  von  1609  und  1610  wegen  der  Ruhe  des
Königreiches  bestimmt  worden,  E.  M.'  sollen  sich  mit  den  Ständen  dahin
vertragen,  dass,  wenn  jemand  in  dies  Königreich  einfiele,  um
E.  M.!  zu  schaden  und  die  Stäude  in  ihren  Freiheiten  oder  in  ihrer
Religion  gegen  den  Majestätsbrief  und  die  Verträge  zwischen
Katholischen  und  Evangelischen  zu  hindern,  E.  M.!  sogleich  das
Nötige  anordnen  wollten,  um  dem  Uebel  zuvorzukommen;  endlich
sollten  E.  M.!  unter  gar  keinem  Vorwande  ohne  Wissen  des  ganzen
Landes  Kriegsvolk  annehmen.

April  12.
        <pb n="350" />
        April  12.

328  1611  136.

Aber  das  Folgende  zeigt,  wie  dies  alles  gehalten  wurde:  denn
08  haben  die  'untreuen  Räte  bei  sich  erwogen,  wie  sie  dies
Königreich  um  ihres  eigenen  Nutzens  willen  auf  einen  andern  als
auf  unsern  nach  E.  M.'  Begehren  designierten  König  durch  ihr
unehrlichen  Praktiken  übertragen  und  uns  Stände  um  unsern  Namen
und  unsere  Ehre  zu  unserer  ewigen  Schmach  bringen  könnten.  Sie  wollten
Erzherzog  Leopold  erheben  und  zu  einem  grossen  Herrn  machen,
dagegen  Dero  Bruder  nicht  nur  der  Designation  sondern  aller  künftigen
Güter  entsetzen!  und  sich  dies  Königreich  unterwürfig  und  dienstbar
machen.  Dazu  haben  sie  ohne  Wissen  und  Willen  des  Landes  in
E.  M.'  Namen  und  unter  Dero  blinder  Bestallung,  in  der  kein  Feind
besonders  genannt  wurde  sondern  die  auf  alle  E.  M.'  Widersacher
gedeutet  wird,  das  passauer  Volk  in  der  Nachbarschaft  und  in  diesem
Königreich  selbst  unter  dem  Schein  werben  lassen  als  sollte  es
Erzherzog  Leopold  nach  Jülich  zu  Hilfe  geschickt  werden.  Da  die
Musterung  nicht  in  Böhmen  stattfinden  konnte,  haben  sie  dazu
Passau  gewählt,  woraus  der  gemeine  Mann  damals  schon  schloss,  es
müsse  unter  diesem  Deckel  etwas  anderes  verborgen  sein,  wie  nun  aus
Tengnagels  Bekenntnis  auch  wirklich  offenbar  geworden  ist.  Als
wir  Stände  besorgten,  es  möchte  durch  dieses  Werbung  etwas
den  Landtagsbeschlüssen  zuwider  geschehen  oder  das  Volk  wegen
der  Bezahlung  in  das  Königreich  rücken,  da  wurde  uns  gewaltig
zugesprochen,  es  sei  das  Volk  nicht  gegen  das  Königreich  gemeint,
werde  auch  nicht  in  dasselbe  einräcken  sondern  nach  Jülich  ziehen;
es  haben  auch  der  König  und  die  vereinigten  Länder,  als  sie  begehrten,
dass  man  mit  diesem  Volk  nichts  wider  sie  und  die  Verträge  vornehmen
  solle,  zur  Antwort  erhalten,  sie  hätten  nichts  zu  befürchten.

Nun  findet  sich  aber,  dass,  als  im  Jahre  1610  einige  Kurfürsten,
Erzherzoge  und  Fürsten  bei  E.  M.'  waren,  Sie  denselben  in  Ihrer
Proposition  vom  2.  Mai  haben  vortragen  lassen,  ®  als  wären  Ungarı,
Oesterreich  und  Mähren  E.  M.'  unbillig  entzogen  worden,  weshalb
E.  M.'  von  den  Kurfürsten  etc.  begehrten,  diese  Länder  E.  M.!  wieder
zu  verschaffen.  Die  Kurfürsten  etc.  haben  sich  lange  bemüht  und
endlich  zwischen  E.  M.'  und  Dero  Bruder  einen  Vertrag  abgehandelt,
wonach  E.  M.'  und  der  König  binnen  einem  Monat  beide  Ihr  Volk  abdanken
  sollen.  Da  aber  inzwischen  die  obgenannten  Länder  nicht
aufhörten,  uns  böhmische  Stände  zu  ermahnen,  Acht  zu  geben,
Volk  zu  werben,  die  Grenzen  zu  besetzen  und  im  Notfall  ihnen
beizuspringen,  so  haben  die  obersten  Landoffiziere,  Rechtsbeisitzer,  Hofund
  Kammerräte  und  die  vom  Landtag  zur  Defension  verordneten
Personen  diese  Warnungen  den  versammelten  Kurfürsten  etc,  am
14.  Juli  1610  mitgeteilt  und  Schutz  begehrt,  widrigenfalls  sie  zu  der

ı  Vgl.  den  Wortlaut  von  Tengnagels  Aussage  in  no.  84,  8.  187  und
n  no.  106,  S.  258.

?  Vgl.  A.  Gindely,  a.a.O,,  IL,  8.  111  f.,  128  f.  und  F.  v.  Hurter,
Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,  VL,  S.  247  £.
        <pb n="351" />
        136.  1611  329

im  Jandtag  beschlossenen  Defension  greifen  müssten.  Darauf  hat  April  12.
uns  der  Herzog  von  Braunschweig  am  21.,  dann  alle  Kurfürsten

etc.  am  29.  Juli  geantwortet:  wir  sollten  nicht  Volk  werben  und

unnütz  Geld  aufwenden,  da  dies  nur  die  schwebenden  Verhandlungen
-hindern  würde;  auch  hätte  der  Kaiser  ihnen,  den  Kurfürsten  etc.,

gleich  bei  ihrer  Ankunft  angezeigt,  dass  das  passauer  Volk  nicht

gegen  den  König  und  dessen  Länder  gemeint  sei;  es  hätte  also

dies  Königreich  nichts  zu  fürchten  und  mögen  wir  Werbungen  unterlassen,

  wenn  auch  dies  Kriegsvolk  wegen  einiger  Unruhen  im  Reiche

nicht  so  bald  abgeführt  würde.

Dieser  Zusage  und  Versicherung  haben  wir  Stände  natürlich
geglaubt  und  haben  auch  die  Kurfürsten  etc.  sich  nicht  versehen,
dass  von  dem  passauer  Volk  dawider  etwas  anderes  vorgenommen
werden  sollte,  ja  sie  selbst  haben  im  letzten  Veıtrag  bekräftigt,  dass
sie  zum  haltenden  Teile  stehen  wollten.

Was  aber  trotzdem  nach  dem  Abzug  der  Kurfürsten  etc.  für
ein  feindlicher  Einfall  durch  dies  Volk  in  Oesterreich  erfolgt  ist,
zeigen  die  Schreiben  des  Königs  an  E.  M.',  an  den  Herzog  von
Braunschweig  und  an  uns  Stände,  endlich  das  Work  selbst.  Als
darauf  der  König  und  seine  Länder  uns,  die  böhmischen  Stände,  vermöge
der  Verträge  zur  Hilfe  aufforderten,  haben  wir  uns  für  schuldig
erkannt,  die  Zusage  zu  halten  und  haben  ihnen  geantwortet,  wir
wollten  die  Gronzen  mit  geworbenem  Volke  besetzen  und  helfen.
Nun  sollte  dies  Volk  auf  E.  M.'  Bestallung  geworben  werden,  aber
weder  wir  Stände  noch  die  Landoffiziere  konnten  von  E.  M.'  Audienz
oder  eine  gewisse  Resolution  erlangen;  vielmehr  liessen  E.  M.'  uns
Ständen  durch  den  Oberstkanzier  zuentbieten,  wenn  E.  M.'  mit  so
häufigen  Audienzen  bemüssigt  würden,  würden  wir  Stände  E.  M.'  nicht
lango  haben  sondern  Derselben  vielmehr  vom  Leben  zum  Tod  helfen,
während  man  doch  wusste,  dass  die  bösen  Räte  und  unsere  Feinde
täglich  und  so  oft  sie  wollten  bei  E.  M.'  Audienz  hatten.  So  sind  wir
Stände  mit  wunderbarlichen  Listen  verhindert  und  aufgehalten  worden,
bis  schliesslich  das  passauer  Volk  sich  nach  der  Plünderung
Oesterreichs  nach  der  böhmischen  Grenze  zurückwandte,  gegen
Landtagsbeschluss,  Landesordnung  und  alle  uns  gegebenen  Verheissungen
  in  dies  Königreich  einfifl  und  sich  Krumaus  und
Budweis’  bemächtigte.e  Als  wir  dies  E.  M.*  vortrugen,  begehrten
Sie,  wir  sollten  uns  nur  zwölf  Tage  gedulden  und  gegen  das  Volk  nichts
vornehmen,  da  E.  M.!  es  abdanken  lassen,  wenn  es  aber  weiter
fortrückte,  in  die  Acht  tun,  alle  Ihre  Macht  gegen  es  kehren
und  die  Reichsstände  zu  Hilfe  rufen  wollten.  Inzwischen  aber
besetzten  die  Passauer  auch  Tabor  und  während  verschiedene  Verhandlungen,
  offenbar  nur  zum  Schein,  mit  denselben  zu  Beraun
und  in  deren  Lager  auf  dem  weissen  Berg  und  um  das  prager  Schloss
herum  geführt  wurden  !  und  uns  Ständen  in  der  böhmischen  Kanzlei

ı  Vgl.  für  das  folgende  oben  no.  60,  S.  131,  Anm.  1.
        <pb n="352" />
        April  12,

330  1611  136

angezeigt  wurde,  dass  am  letzten  Faschingstag  morgens  zwischen  E.  M_!
und  dem  Erzherzog  wegen  der  Abdankung  verhandelt  werden  solle,
haben  desselben  Tags  die  Passauer  in  aller  Früh  uns  Stände  (die
wir,  um  nicht  gegen  solchen  Feind  gefasst  zu  sein,  mit  wanderlichen
Praktiken  und  Vertröstungen  aufgehalten  worden  waren)  auf  der  prager
Kleinseite  überfallen,  haben  mit  unserm  auf  E.M.*  Bestallung  geworbenen
Kriegsvolk  und  einigen  Jandvolk  geschlagen,  wobei  beiderseits  einige
hundert  Personen,  doch  mehr  von  jenen  als  von  uns  gefallen  sind;
in  die  Altstadt  drangen  zwei  Kornete  ihrer  Reiterei,  welche  dieselbe
einnehmen  und  die  vornehmsten  Orte  besetzen  sollten,  ein,  wurden
aber  niedergemacht.  Inzwischen  hatten  sich  die  Passauer  auch  des  Schlosses,
worin  die  böhmische  Krone  mit  allen  Privilegien  und  Freiheiten  und
der  Landtafel  verblieben  war,  bemächtigt,  es  zum  Spott  der  böhmischen
Nation  mit  ihren  Wachen  besetzt,  unser  geworbenes  Volk  herausgestossen,
  die  Schlüssel  dem  Schlosshauptmann  abgenummen  und
allerlei  Praktiken  geübt,  um  ihre  Absichten  zu  vollenden:  so  haben
sie  durch  Dekrete,  die  mit  E.  M.'  kleinem  Siegel  besiegelt  und
eigenhändig  von  E.  M.'  unterschrieben  waren  und  worin  ihr  Vornehmen
  gelobt  wird,  die  unsern  (die  sich  in  der  Altstadt  eingeschlossen
hatten  und  mit  den  Einwohnern  der  Alt-  und  Neustadt  allerlei  Feindseligkeiten
  ritterlich  abwehrten)  dahin  zu  bringen  versucht,  dass  sie  sich
mit  ihnen,  den  Passauern,  vereinigen  (was  sie  aber  wider  ihr  Gewissen  und
die  Landtagsbeschlüsse  nicht  tun  mochten)  und  dass  bei  höchster
Strafe  und  Ungnade  kein  Teil  gegen  den  andern  etwas  feindseliges
vornehmen  solle.  Damit  wollten  sie  uns  zwingen,  E.  M.'  gegen  den
König  zu  defendieren.  Eine  Zeit  lang  drohten  sie  auch,  die  Stadt
Prag  mit  grobem  Geschütz  (wozu  sie  aus  dem  Schloss  viele  Stücke
schaffen  und  gegen  die  Stadt  richten  liessen)  zu  verderben  und
darin  nicht  das  Kind  im  Mutterleib  zu  schonen;  aber  Gott  hat
dies  nicht  zugelassen  sondern  den  Verteidigern  Mut  gegeben.  —  Der
Gegner  Praktiken  mag  man  auch  daraus  erkennen,  dass  sie  E.  M.*,
bewogen,  durch  offene  Mandate  den  Ständen  aller  Kreise  ernstlich
zu  verbieten,  zum  Schutz  E.  M.!  ,  der  Krone,  Privilegien  etc.  mit
dem  Aufgebot  nach  Prag  zu  ziehen  und  zwar  unter  dem  Vorwand,
E.  M.'  seien  oberster  Kriegsherr  sowol  des  passauer  als  unseres  zur
Defension  geworbenen  Volkes  und  sie,  die  Passauer,  hätten  die  gleiche
Absicht  wie  unser  Volk.  Schliegslich  haben  wir  nichts  anderes  tun
können  als  zur  Erhaltung  unseres  Vaterlandes,  unserer  Rechte,  Freiheiten,
  unserer  Habe,  Weiber  und  Kinder  die  inkorporierten  Länder
um  Hilfe  anzurufen.

Als  Matthias,  unser  designierter  König,  dies  vernahm,  hat  er
unsern  aus  so  erheblichen  Ursachen  zu  ihm  abgefertigten  Kommissarien
die  Resolution  erteilt:  weil  er  uns  in  solcher  Gefahr  sehe,  wolle  er
kraft  des  Vertrags  von  1608  nicht  nur  mit  seinem  Kriegsrolk
sondern  auch  mit  eigener  Person  diesem  Königreich  und  uns
Ständen  beispringen.  Wir  haben  dies  dankbar  angenommen  und
        <pb n="353" />
        136.  1611  331

ihm  sagen  lassen,  dass  wir  gern  von  seiner  Aukunft  hören  und  April  12.
dass  er  sie  beschleunigen  möge.!  —

Wir  Stände  des  Königreichs  tragen  wegen  dieser  unerhörten
Taten  und  der  Vergiessung  unschuldigen  Blutes  ein  herzliches
Mitleiden  und  können  kaum  an  uns  halten,  laut  zu  beklagen,  dass
E.  M.'  Dero  getreuen  Untertanen  („die  E.  M.'  kurz  vor  diesem  für
solche  nit  allein  durch  den  landgrafen  sondern  auch  mit  Deroselben
aigenem  ksl.  und  kgl.  mund  erkant  und  angesprochen‘‘)  so  grausam
haben  hinmorden  und  berauben,  dass  Sie  deren  Weiber  und  Kinder
zu  Witwen  und  Waisen  haben  machen  lassen,  dass  Sie  deren  Rechte
durch  solche  Dekrete  zu  brechen  gestattet  haben  und  noch  gestatten,
  dass  Dero  Ständen  und  Untertanen  unwiederbringlicher
Schaden  zugefügt  werde.  Wir  haben  solches  keineswegs  um  E.  M.t
verdient;  hat  jemand  von  uns  etwas  wider  Dieselbe  verbrochen,  so
konnte  er  durch  ordentliches  Verhör  und  schleunige  Erkenntnis
zur  Gebühr  gebracht  werden  und  hätte  es  so  arglistiger  böser  Praktiken,
wodurch  dies  Königreich  solchen  Schaden  genommen,  wider  die  Stände
nicht  bedurft,  abgesehen  davon  dass,  das  Land  nach  Tengnagls
Aussage  künftig  noch  grössere  Gefahren  hätte  erleiden  sollen.

E.M.!  mögen  darnach  selbst  urteilen,  wohin  Sie  durch  Dero  ungetreuen
Räte  und  deren  Praktiken  (weshalb  wir  mit  E.  M.'  Mitleid  tragen)
gekommen  sind,  so  dass  man  schon  in  den  umliegenden  Landen  für
gemein  sagt,  man  wisse  nicht,”  wie  man  noch  E.  M.'  Siegeln,
Briefen,  Verheissungen  und  mündlichen  Anzeigen  glauben  solle.

Aus  diesen  und  andern  gewichtigen  Ursachen  aber  sind  wir  drei
Stände  einhellig  dabei  verblieben,  dass  wir  nicht  länger  unter  einem
so  schweren  und  unleidlichen  Joch  bleiben  können  „und  schlecht
beraus  gesagt  zu  bleiben  nicht  willens  haben,“  sondern  bitten,
unsere  Angst  und  Bedrängnis  barmherzig  anzusehen  und,  damit  wir
uns  von  diesem  grossen  Jammer  wieder  erbolen  können,  unsere  folgenden
Begehren  unverzüglich  zu  erfüllen:

1.  E.  M.‘  mögen  die  boshaften  Verursacher  dieser  verderblichen
Praktiken,  vor  allem  diejenigen  von  ihnen,  welche  sich  von  hier
wieder  nach  Budweis  begaben,  sich  dort  verschanzen  und  durch
Werbung  neuen  Kriegsvolks  sich  täglich  verstärken,  für  Ihre  und
dieses  Königreichs  offene  Feinde  erklären,  dieselben  in  unsere  Gewalt
geben  oder  andern  zum  Exempel  selbst  strafen,  diejenigen  aber,
welche  sich  etwa  bereits  aus  Böhmen  begeben  haben,  samt  dem
ganzen  passauer  Volk,  wenn  es  nicht  unverzüglich  das  Land  verlässt,
in  die  Acht  tun.  2.  Die  von  den  Passauern  Geschädigten  sollen
von  ihren  Restanten  oder  sonstwie  unverzüglich  entschädigt  werden.

!  Schreiben  der  böhmischen  Stände  an  den  König  vom  10.  März  (Wi,
IA1,  Ka.  2991;  Or.)
        <pb n="354" />
        April  12.

April  12.

332  1611  136—137.

3.  Da  E.  M.!  an  Ihrem  hohen  Alter  und  „Arbeitselikeit‘“  mehr  als
zuvor  laborieren,  Audienzen  zu  geben  und  was  zur  königlichen
Pflicht  sonst  gehört,  zu  erfüllen  nicht  vermögen,  so  sollen  E.  M.'  sich
forthin  ein  ruhiges  Leben  gefallen  lassen,  sich  nach  dem  Beispiel
Ihrer  Vorfahren,  die  es  freiwillig  taten,  zur  Ruhe  begeben  und  dies  bei
dem  Generallandtag  von  uns  Ständen  (gleich  wie  bei  der  Designation)
nachsuchen,  damit  wir  nach  Dero  Begehren  und  aus  vorangedeuteten
Ursachen  Matthias  zum  böhmischen  König  wählen  können,  was  wir
zu  tun  versprechen,  doch  dass  E.  M.!  ihm  das  ganze  Regiment
abtreten;  der  König  wird  aber  vor  der  Krönung  alle  Verträge,
Privilegien,  Maiestätsbriefe,  Landtagsbeschlüsse  u.  3.  w.  erneuern  und
durch  einen  neuen  Majestätsbrief  bekräftigen.

So  werden  E.  M.'  sich  dies  Königreich  verpflichten,  wogegen  wir
drei  Stände  samt  den  zugehörigen  Landen  nicht  unterlassen  wollen,
E.  M.'  bei  Gott  langes  und  ruhiges  Leben  zu  erbitten.  Wir  hoffen
dabei,  es  werde  dies  billige  und  christliche  Begehren  auch  deshalb,
weil  ein  gewaltiges  Kriegsvolk  von  30000  Mann  derzeit  im  Königreich
  liegt,  das  Land  verdirbt  und  täglich  ein  grosses  darauf  geht,
von  E.  M.!  ehestens  ins  Werk  gesetzt  werden.  O0.  D.!

Wi,  I  A  1;  Ka.  2989;  Kptkopic  mit  Verbesserungen  Khrenbergs,

137.  Die  kurpfälzischen  Räte  an  den  Administrator
der  Kurpfalz.

Vergangenen  Sonnabend  ist  Colli  von  Prag  zurückgekehrt  *  und
hat  heute  im  Rat  kurzen  Bericht  erstattet:  er  ist  von  hier  nach  Nürnberg
und  von  da  auf  Loefenius’  Rat  nach  Wittingau  gereist,  wo  er  Schreiben
an  Budowec  und  einige  kaiserliche  Kammerdiener  empfieng.?  Ankunft
in  Prag  am  20./30.  Januar.  Auf  die  versprochene  Audienz  hat  C.
eine  gute  Zeit  gewartet,  bis  endlich  einige  kaiserliche  Räte  ihm  anzeigten,
er  werde  keine  persönliche  Audienz  erlangen  sondern  es  habe  der
Kaiser  befohlen,  dass  die  Räte  ihn  hören  sollen.  C.  hat  sich
trotzdem  beim  kaiserlichen  Kammerdiener  Ericius?  angegeben  und
nochmals  die  persönliche  Audienz  betrieben;  aber  es  verzog  sich

*  Datiert  nach  einem  Vermerk  auf  der  Rückseite.
?  Der  Hofrichter  und  Stuhlfauth  zu  Heidelberg,  Hippolyt  a  Collibus,

24.  Dezember  1610  .
3.  Januar  16.  Administrator  der  Kur

pfalz  nach  Prag  abgefertigt  worden,  um  in  dessen  Namen  die  Belehnung  des
fünfzehnjährigen  Kurerben  der  Pfalz  mit  den  Regalien  der  Kurpfalz  zu  erwirken,
  obgleich  dem  Administrator  Johann  von  Zweibrücken  Vormundschaft
und  Administration  der  Kurpfalz  durch  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Neuburg
streitig  gemacht  wurden  (Instruktion  in  Mb.,  101/4  —  Kpt.  von  Hausmann).
Vgl.  oben  no.  6,  8.15,  Anm.  2.

®  In  dem  ersten  Bericht  aus  Prag  vom  21./31.  Januar  schreibt  Colli,
dass  er  auch  an  den  kaiserlichen  Hofmaler  Hans  von  Aachen  empfohlen
worden  sei  (Mb.,  101/4  —  Or.  eigh.\.

*  Vgl.  über  diese  Persönlichkeit  oben  no.  33,  S.  83,  Anm.  1.

war  mit  Instruktion  vom
        <pb n="355" />
        137.  1611  333

doch  damit  bis  zur  Ankunft  des  Erzherzogs  Leopold  in  Prag.  Dieser
versprach  C.  gleichfalls,  ihm  zur  Audienz  zu  verhelfen;  !  aber  Althan
und  Hegenmüller  gaben  C.  zu  verstehen,  dass  Leuchtenberg  e8  verhindere
  und  ihn  mit  Dr.  Silbermann  ?  gleichgehalten  wissen  wolle.

Dennoch  wurde  er  am  =  u  erfordert  und  vom  Kaiser  persönlich

aur  in  Hegenmüllers  Gegenwart  angehört.  Nach  etwa  acht  Tagen
erhielt  er  mündlich  zur  Antwort,  der  Kaiser  könne  diesmal  wegen
anderer.  Geschäfte,  besonders  wegen  der  Passauer  nicht  zu  einer
endlichen  Resolution  gelangen;  sie  würde  aber  in  wenigen  Tagen  nachfolgen
  und  zwar  dergestalt,  dass  E.fl.  Gn.  und  der  junge  Herr  daraus
des  Kaisers  Affektion  spüren  sollen,  Vier  Tage  später  folgte  beiliegende
schriftliche  Resoluti)n,®  auf  die,  weil  der  Kaiser  diesmal  als  Ursache  des
Verzugs  mit  der  Belehnung  das  Ausbleiben  der  kurfürstlichen  Gutachten
  wogen  des  Administrationsstreits  anzog,  C.  den  Kaiser  erinnern
liess,  dass  die  Administration  und  die  Bolehnung  ganz
verschiedenes  seien;  er  bat  dann  nochmals  um  willfährigen  Bescheid.
Darauf  erhielt  er  wieder  zur  Antwort,  der  Kaiser  werde  sich
ehestens  zur  Zufriedenheit  des  Administrators  und  des  jungen  Herrn
erkläien.  Zugleich  liess  der  Kaiser  C.  fragen,  ob  König  Matthias
etwas  bei  E.  fl.  Gn.  wider  ihn  suchen  lasse.  Darauf  C.:  der  König
babe  nicht  gegen  den  Kaiser,  wol  aber  gegen  die  Passauer  Hilfe  begehrt;
  E.  fl.  Gn.  hätten  sich  darauf  noch  nicht  hauptsächlich  erklärt.?
Unter  einem  bat  C.  den  Kaiser  nochmals  um  erspriessliche  Resolution,
worauf  er  die  Antwort  erhielt,  er  möge  noch  drei  Tage  warten,  der
Kaiser  wolle  Barvitius  in  drei  Sachen  Befehl  auftragen.  Inzwischen
änderten  sich  die  Dinge  immer  mehr,  der  König  zog  in  Prag  ein,

ı  Am  5./15.  März  schreibt  der  Grosshofmeister  Graf  von  Solms  an
Fürst  Christian  von  Anhalt:  Erzherzog  Leopold  schmeichle  Colli  sehr  und
habe  ihm  versprochen,  ihn  in  dessen  Geschäften  zu  unterstützen;  zugleich
lasse  er  aber  Colli  sondieren,  ob  der  Kaiser  im  Notfall  Hılfe  vom  Hause
Pfalz  zu  erwarten  babe,  worauf  Colli  ausweichend  antwortete  (Bbg.,  A  9a,
no.  82,  f.  40;  Or.  eigh.).

”  Neuburgischer  Rat.  —  Anfangs  war  Colli  wegen  Leuchtenberg  anderer

24.  Januar,  .  .
3_  Februar  berichtet  Colli  nach  Hause,  dass  der  Landgraf

sich  sehr  wol  erkläre,  wie  er  auch  erzähle,  dass  er  sich  beim  Kaiser  um  die
Bestätigung  des  kurfürstlichen  Testaments  bemüht  habe  (Mb.,  101/4,  —.  Or.
eigh.)..  —  Leuchtenberg  bemühte  sich  tatsächlich,  Gleichbeit  zwischen  den
Parteien  zu  erhalten  und  wies  auch  Silbermann  zur  Geduld,  ja  riet  dem
Pfalzgrafen  sogar  zur  Nachgiebigkeit  (Dr.  Silbermann  an  Pfalzgraf  Philipp
28.  Januar  .  RN

7.  Februar  (Ma.,  299/18,  £.  121;  Kopie).

®  Vom  12.  März  datiert.  Die  Resolution  enthielt  nur  das  Versprechen,
das  Gutachten  der  Kurfürsten  im  Administrationsstreits  betreiben  zu  wollen,
worauf  sogleich  die  kaiserliche  Entscheidung  ergehen  solle  (Mb.,  101/4;  Or.).
Zugleich  wurden  die  Kurfürsten  unter  dem  10.  März  neuerdings  wegen  des
Gutachtens  angemahnt  (Mb.,  a.  a.  O.,  Kopie).

*  Vgl.  oben  no.  25,  S.  63,  Anm.  1.

Meinung:  noch  am

Ludwig  von  Neuburg  am

April  12.
        <pb n="356" />
        April  12.

April  12.
und  13.

334  1611  137  —138.

so  dass  alles  weitere  vergeblich  war.  Vor  Collis  Abreise  kam
Leuchtenberg  zu  ihm  und  zeigte  ihm  an,  der  Kaiser  lasse  dem
Administrator  und  dem  jungen  Herrn  seinen  kaiserlichen  Gruss  vermelden.
  —  Der  König  gab  C.  Audienz  und  äusserte:  es  seien  die  beiden
vorigen  Kurfürsten  der  Pfalz  gegen  ihn  stets  wolgeneigt  gewesen;
er  hoffe,  der  junge  Kurerbe  werde  diese  Gesinnung  geerbt  haben.
Khlesl  bat  C.,  die  Kurfürsten  und  Fürsten  des  Reichs  zu  versichern,
„dass  er  seine  vorige  gedanken  umb  sovil  geendert  und  nunmehr
der  entlichen  und  bestendigen  meinung  were,  dass  man  die  religion
freilassen  und  mehr  uf  das  gemeine  wesen  sehen  solte.“  !

C.  rühmte  endlich,  was  für  Ehre  und  guten  Willen  ihm  Gabriel
von  Donnep,  gewesener  landgräflicher  Stallmeister  zu  Cassel,  und  Lazarus
Henkel  erwiesen  haben;  letzterer  versah  ihn  mit  Quartier  und  nahm  für
die  stattliche  Traktion  keine  Bezahlung  an.  Das  am  Samstag  eingelaufene
Schreiben  der  österreichischen  Stände  an  die  Unierten  haben  wir
diesen  mitteilen  lassen.  Datum  Heidelberg  den  2.  aprilis  a.  1611.

Mb.,  101|4,  —  Kpt.  von  Hausmann.

138.  Instruktion  des  Kurfürsten  von  Mainz  zum
katholischen  Bundestag  zu  Würzburg.

Unsere  Gesandten?  haben  sich  nach  ihrer  Ankunft  bei  den
bairischen  anzumelden  und  deren  Ansage  zu  erwarten,  sich  auch  bei  der
Verhandlung  nach  der  bairischen  Proposition  zu  richten.  —  Die  Baiern
werden  voraussichtlich  das  Gutachten  der  unsrigen  wegen  des  modus
procedendi  begehren.  Dabei  meinen  wir,  dass  zuerst  von  der
Einnahme  Sachsens  und  anderer  friedfertiger  evangelischer  Stände,
dann  von  der  „Generalstabilierung‘‘  des  Bundes  sowol  durch  Aufnahme
  mehrerer  Stände  als  auch  durch  Abstellung  der  bisherigen
Mängel  und  zuletzt  von  dem  ‚„privatum  als  der  stende  berochnungen“
zu  handeln  wäre,  weil  „die  meiste  noturft  an  richtigmachung  des
hauptwesens  bestehe‘  und  weil  den  sächsischen  Gesandten  ,  die
nur  auf  sechs  bis  acht  Tage  später  geladen  sind,?  durch  längeren
Verzug  nicht  Anlass  zu  Mistraueh  gegeben  werden  darf.  „Wabei  dann
gleichwie  in  allen  andern  proponirten  puncten  die  unserige  auch  vor
dem  gemeinen  rahtgang  mit  den  Trier-,  Cölln-,  Speyer-  und
Wormbsischen  fleissige  unvermerkte  communication  pflegen  und  sie
soviel  möglich  zue  einer  gleichmessigen  meinung  disponiren  und
hierunter  mit  solcher  behuetsambkeit  verfahren  sollen,  damit  hierdurch
  einige  trennung  der  consilien  noch  misstreuliche  gedanken
bei  den  directorn  verursacht  werden.“  Namentlich  ist  darauf  zu

!  Vgl.  oben  no.  108.

°  Greiffenclau,  Eltz  und  Gereon,  also  dieselben,  die  zum  frankfurter
Kommunikationstag  abgeordnet  worden  waren  ‚vgl.  oben  no.  62,  8.  143,  Anm.  ?2)

®  Vgl.  oben  no.  %,  8.  200,  Anm,  2.
        <pb n="357" />
        138.  1611  335

sehen,  dass  sich  die  Trierer  mit  den  unsrigen  übereinstimmend  April  12.
erklären.  —  Hält  man  aber  an  der  Ordaung  des  Ausschreibens  fest,  so  und  13.
haben  unsere  Gesandten  nachzugeben,  „doch  mit  dem  vorbehalt,  dass
man  sich  zue  keinem  solchen  particularpuncten  verbindlich  ercleren
könne,  bis  der  hauptpunct  der  union  uf  eine  bestendige  gewisheit
gepracht.“

Hinsichtlich  der  Einnahme  Sachsens  und  anderer  Evangelischer
balten  wir  dafür,  dass,  da  sich  der  Kurfürst  von  Sachsen  zu  Prag
„zue  steifer  unverbrüchlicher  haltung  des  religion-  und  prophanfriedens,
  wie  derselbe  in  seinem  buchstablichen  inhalt  begriffen,
ganz  rund  und  bestendig  erelert,  es  anderer  clausulen  und  reservationen“
nicht  bedarf  und  wäre  es  auch  „ganz  unvorträglich,  dass  an  seiten
der  catholischen  diessfals  das  wenigst  dubium  movirt  werde.‘‘  Sollte
aber  von  den  Sächsischen  oder  anderen  Evangelischen  eine  den
Beligionsfrieden  verletzende  Erklärung  oder  der  bekannte  Vorbehalt
„cum  protestatione“  vorgebracht  werden  oder  eines  Bundesstandes
Abgesandte  ‚aus  überflüssigem  eifer‘  eine  Erörterung  über  den
Verstand  eines  oder  des  anderen  Punktes  im  Religions-  oder  Landfrieden
  und  besonders  über  den  geistlichen  Vorbehalt  anregen,  so  haben
unsere  Gesandten  das  glimpflich  abzuwenden,  weil  diese  Punkte  vor
alle  Stände  des  Reiches  gehörten  und  die  Union  einzig  den  Zweck
habe,  dass  ‚ein  ieder  stant  ohne  underschiet  der  religion  bei  dem
seinigen  ruhig  verpleiben  und  gegen  denjenigen,  so  sich  an  gleichen
rechten  nicht  begnügen  lassen  sonder  den  andern  feindlich  und
de  facto  zuesetzen,  überziehen  und  ohne  erkantnus  rechtens  ihnen
seiner  lant,  leut,  rechten  und  gefellen  zue  destituiren  und  zu  entsetzen
  sich  understehen  wolten,  von  dem  bunt  notwendige,  würkliche
hälf  und  beistant  haben  und  erlangen  möge.‘  —  Sollten  jedoch
„andere  bedenken  hierbei  vorfallen  und  etwa  per  maiora  uf  specialclausulen‘
  zu  besserer  Versicherung  der  Katholiken  geschlossen
werden,  so  haben  die  Gesandten  sich  den  anderen  möglichst  zu
fügen,  damit  wir  nicht  der  „Singularität‘“  oder  der  Hinderung  der
Beratungen  oder  der  Vernachlässigung  der  Sicherung  der  Katholiken
beschuldigt  werden.  —  Auch  wenn  wegen  der  Direktion  und  sonst
ausserhalb  des  Religionsfriedens  in  gemeinem  Unionswesen  gewisse
„modi  und  conditiones“  bei  Einnahme  ‚der  Evangelischen  beschlossen
werden,  haben  sich  die  Gesandten  nach  Verständigung  mit  den
anderen  rheinischen  Ständen  nicht  abzusondern,  in  jeder  Weise  aber
unnötiges  „Skrupuliren“,  das  zu  Mistrauen  Anlass  geben  könnte,
nach  Kräften  zu  verhüten.

Bei  Abrechnung  der  Auslagen  und  Schäden  sollen  die
Gesandten  vor  allem  darauf  sehen,  dass  Gleichheit  gehalten  und
nur  die  Schäden,  „so  dem  bunt  zue  guetem  bei  kriegsverfassungen,
durchzügen  und  einlegerungen  verursacht  woıden“,  passiert  werden,
solche  aber,  „welche  etwa  ausser  des  bunts  als  bei  Strassburg,  Passau,
Würtzburg,  Bamberg,  Speyer,  Teutschmeister  etc.  vergangenen  jars
        <pb n="358" />
        April  12.
und  13.

336  1611  138.

vorgelaufen‘“,  dürfen  nicht  in  Anschlag  gebracht  werden.  Geschielt
e8  dennoch,  so  sollen  die  Gesandten  auch  über  den  in  unserm
Oberstift  durch  Durchzüge  verursachten  Schaden  Rechnung  legen.  —
Die  Gesandten  sollen  auch  beantragen,  dass  uns  die  Kosten  für  das  im
vorigen  Jahr  zur  Sicherung  der  Stadt  Mainz  geworbene  Fähnlein
Knechte,  welches  wir  bis  jetzt  unterhalten  haben,  erstattet  werden;  wird
dagegen  eingewendet,  dass  die  Annahme  ohne  Bewilligung  der  Bundestände
  geschehen  sei,  so  ist  darauf  zu  erwidern,  dass  diese  Werbung
wegen  allerhand  gefährlicher  Anschläge  auf  die  Stadt  („wovon  wir
im  höchsten  vertrauen  und  gehaim  von  personen,  80  solchen  geferlichen
consiliis  beigewonet,  bestendige  avis  gehabt“)  unbedingt  nötig
gewesen,  dom  Herzog  von  Baiern  davon  gebührende  Anzeige  gemacht
und  bei  den  gesamten  Bundesständen  zu  München  deshalb  angesacht
worden,  dass  auch  dem  gesamten  Bunde  und  den  rheinischen
Ständen  insbesonders  an  Behauptung  dieser  Stadt  sehr  viel  gelegen
sei.  —  Desgleichen  ist  Erstattung  unserer  Unkosten  für  das  reiffenbergischo
  Regiment,  das  wir  wit  ausdrücklicher  Bewilligung  des
Herzogs  von  Baiern  geworben  haben,  zu  begehren.  —

Die  geforderten  Beiträge  zu  einem  neuen  Vorrate,  ausser  dem
man  sich  bei  eilender  Not  doch  noch  aufs  äusserst  würde  angreifen  müssen,
wird  nicht  leicht  ein  Stand  erschwingen  können,  zumal  wenn  der
Bund  auf  die  jetzigen  wenigen  Mitglieder  beschränkt  bleibt;  in
diesem  Falle  werden  die  dem  oberländischen  Direktorium  weit
entsessenen  rheinischen  Stände  wol  zu  bedenken  haben,  was  sie  tun.!
Unsere  Gesandten  sollen  dazu  nach  Anhörung  der  anderen  erklären:
obgleich  wir  uns  schwer  zu  einer  Bewilligung  verstehen  können,
„do  nicht  bessere  ordnung  als  bishero  mit  erlegung  der  gewilligten
hülfen  gehalten  werden  solte‘“‘,  so  wollten  wir  uns  doch  in  der  Hoffnung,
dass  bei  dieser  Zusammenkunft  das  Hauptwerk  verbessert  werden
würde,  nicht  absondern,  ‚jedoch  mit  dieser  austrücklichen  mass,  das
des  churfürsten  zue  Cöllns  L.  zuegehörige  stifter  Lüttich,  ‚Münster,
Hildesheim,  Freisingen,  Berchtesgaden,  wie  zue  Maintz  desswegen
vergleicbung  geschehen,  sich  zue  der  union  auch  accommodiren  asd
ihre  angepürnus  sowol  an  verschienenen  als  folgenden  anlagen  richtig
erlegen;‘‘  denn  es  wäre  uns  und  andern  sonst  beschwerlich,  ohne  gleiche
Gegenleistung  ihnen  in  allen  Fällen  beizustehen.

Die  vom  Kurfürsten  von  Köln  mehrfach  begehrte  Ermässigung
des  Anschlages  für  sein  Stift  ist  nicht  zu  bewilligen,  weil  song
andere  wie  Worms,  Bamberg  und  Speier  dasselbe  Verlangen  stellen
würden  und  daraus  Verwirrung  und  Unsicherheit  der  Hilfe  entsteben
müsste.  —  Jeder  soll  seine  Anlage  ganz  zur  Kasse  erlegen;  nur
wenn  etwa  vor  dem  FErlagsziel  ein  Stand  überfallen  würde,  darf

!  Vgl.  die  kurmainzisc  he  Instruktion  zum  frankfurter  Kommunikationstag
oben  no.  62.
        <pb n="359" />
        138.  1611  887

er  mit  Vorwissen  der  beiden  Obersten  seine  Verteidigung  von  April  12.
der  Anlage  bestreiten  und  die  Kosten  nachher  abziehen.  -—  Die  Wnd  18.
Dezimation  der  Geistlichen  scheint  nicht  tunlich,  doch  wollen  wir
uns  auch  hier  der  Mehrheit  fügen.  !

Hinsichtlich  der  Verbesserung  des  Defonsionswerks  sind  die  im
augsburger  Abschied  erwähnten  Vorschläge  Baierns  und  Augsburgs
zu  hören  und  ist  darnach  mit  der  Mehrheit  zu  stimmen.

Wegen  der  in  Frankfurt  zu  weiterem  Nachdenken  gestellten  Sicherung
des  Stiftes  Mainz  sind  die  Gesandten  der  rheinischen  Stände  um  ihr
Gutachten  zu  befragen,  das  auf  derselben  Gutbefinden  dann  den
sammtlichen  Ständen  vorgetragen  werden  kann.  Wir  sind  übrigens
der  Meinung,  dass,  wenn  dem  ganzen  Wesen  geholfen  ist,  auch
diese  Sache  erledigt  sein  wird.

Die  Gesandtschaften  au  Erzherzog  Albrecht,  Frankreich  und
Lothringen  sind,  „bis  die  union  allerdings  firmirt  und  die  unirte  unter
sich  selbsten  einig‘‘,  aufzuschieben,  da  sonst  davon  keine  Frucht  zu
hoffen  ist.  Zur  Gesandtschaft  nach  Frankreich  ist  neben  Helfenstein
am  besten  der  von  Ulm  zu  verwenden;  doch  wollen  wir  uns  dem
Schluss  der  Mehrheit  bequemen.

Hinsichtlich  des  Bundesoberstenamtes  wissen  die  Gesandten
hinlänglich,  ‚in  was  grossen  gefahr  wir  die  zeit  heru  bei  vorgewesenen
unruhen  unsers  erzstifts  halber  nicht  allein  begriffen  gewesen  sonder
auch  noch  sein,  zue  geschweigen  was  wir  darbei  vor  vielfältige
schwere  ausgaben  und  verdriesslich  unablässig,  zue  zeiten  auch  wol
zimlich  ongestimmes  anlaufen  gehabt,  indem  man  uns  je  zueweilen
fast  über  unser  vermögen  mit  rauen  harten  worten  und  reden  solches
ampts  halben  zue  treiben  understanden“  ;  deshalb  haben  wir  die  Aufkündigung
  zu  Frankfurt  geschehen  lassen.  Obgleich  nun  diese  von
den  rheinischen  Ständegesaudten  aus  Mangel  an  Befehl  nicht  angenommen
  worden  ist  und  der  Kurfürst  von  Trier  sowie  der  Koadjutor
  von  Köln  uns  seitdem  um  Fortführung  des  Amtes  angelegentlich
gebeten  haben,?  so  sollen  unsere  Abgesandten  dennoch  auf  der  früheren
Erklärung  fest  bestehen.  Sollten  aber  die  Stände  von  uns  nicht
ablassen  noch  andere  sich  zu  dieser  Funktion  bewegen  lassen,
so  wollen  wir  bis  auf  weiteres  das  Amt  behalten,  „jedoch  dass  dem
hauptunionwerk  zuvor  allerdings  geholfen.“

Wird  „in  craft  deren  general  dem  ausschreiben  inserirten
clausul  noch  anderes  zue  beförderung  gemeinen  bundswesens  proponirt,“
so  werden  die  unsrigen  unseres  Stiftes  und  der  rheinischen  Stände

ı  Ans  der  frankfurter  Instruktion.  oben  no.  62.

*  Kurtrier  an  Kurmainz  am  28.  März  mit  der  Begründung,  wie  wichtig
es  für  die  rheinischun  Stände  sei,  den  einen  Bundesobersten  bei  der  Hand
zu  haben  (Wmz,,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  63;  Or.).  Kurtrier  liers  die
Bitte  um  Beibehaltung  des  Bundesoberstenamts  noch  durch  Eltz  wiederholen  ;
vgl  oben  no.  111,  S.  273,  Anm.  2  und  no.  135,  S.  324,  Anm.3.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges.  IX.  Bd.  22
        <pb n="360" />
        April  12.
und  13.

338  1611  138.

Nutzen  in  Acht  zu  nehmen  und  dahin  zu  sehen  haben,  „damit  das
hauptwerk  dermaleinest  zue  rechten  stant  gebracht  werde,‘  wobei  sie
sich  nach  dem  besonderen  Memorial  [siehe  unten]  zu  richten  haben;
die  Festigung  des  Bundes  wird  etwa  bei  der  Einnahme  Sachsens  zur
Sprache  zu  bringen  sein.  Signatum  Aschaffenburg  den  12,  aprilisa.  1611.!

Neben-Memorial,

Mit  der  Erledigung  der  vorstehenden  Punkte  ist  aber  der
Sache  noch  nicht  geholfen  sondern  es  muss  das  „Hauptwesen‘“‘  von
Grund  aus  angegriffen  werden;  bringen  die  baierischoen  Gesandten
dies  nicht  von  selbst  zur  Sprache,  so  haben  die  unsrigen  sie  an  das
folgende  zu  erinnern:

Da  der  Bund  einzig  den  Zweck  hat,  die  Mitglieder  vor  Vergewaltigung
  im  Sinn  des  Religions-  und  Landfriedens  zu  schützen,
„welches  dann  gleichwol  ohne  leut  nicht  geschehen  kann,  so  wurt
man  notwendig  uf  eine  starke  anzal  volks  und  einen  instructum
exercitum  als  etwan  von  zwanzig  tausent  mann  zue  ross  und  fues,
wie  dann  anfangs  dieser  buntstractatiin  auch  bedacht  worden,
bedacht  sein,  auch  sich  des  underhalts  halber  also  vergleichen
müssen,  dass,  wann  es  die  notturft  erfordert,  solcher  exercitus  nicht
allein  in  eil  ufgebracht  sonder  auch  jahr  und  tag,  es  seie  zue  felt
oder  in  guarnisonen  und,  wie  es  die  notturft  erfordert,  an  salt
proviant,  munition  und  aller  notturft  erhalten  werden  möge.“  --Um
  zu  sehen,  ob  man  das  vermag,  ist  ein  genaues  Verzeichnis
sowol  der  Leistungen,  zu  denen  die  Stände  fähig  sind,  als  auch  der
Zuschüsse  der  auswärtigen  Mächte  zu  machen.  Es  wird  aber  nicht
genügen,  sich  gewisser  Monate  zu  vergleichen  „und  ins  hundert
hinein  (etwa  auf  die  vermöglichere)  zue  raten  sondern  würt  man
bei  heller  und  pfenniug  wissen  müssen,  was  man  von  einem  ieden
stant  würklich  zu  gewarten  hab,  damit  das  facit  bestendig  darnach
gemacht  werden  könne  und  nicht  etwa  viel  ufm  papier  und  hernacher
wenig  im  seckel  sich  befinde,  aus  welchem  dann  ervolgt,  dass  man
grosse  anschläg  macht  und  uf  ein  ungewisses  bauet  und  gemeinlich
nicht  allein  nichts  ausrichtet  sonder  alles  vergeblich  angewendet,
sich  und  seine  underthanen  erseigert  und  eröset  und  wol  mehr
schadens  und  unglücks  als  vortheils  dabei  hat.“  Ist  das  Verzeichnis
  angefertigt,  so  soll  man  den  Ueberschlag  machen,  ob  man  ein
solches  Heer  Jahr  und  Tag  erhalten  kann.  Bevor  man  dessen
Gewissheit  hat,  wird  man  vergeblich  von  Herbeischaffung  eines
grösseren  Vorrats  und  anderm  handeln  und  bleibt  ungewiss,  ob  man
das  Angefangene  ausführen  kann  oder  ob  man  davon  nicht  etwa  mit
Schimpf  und  Schande  ablassen  muss.  Findet  man  sich  aber  stark

!  Zur  Entstehung  der  Instruktion  vgl.  oben  no.  126.  Die  Hauptinstruktion
  ist  unter  Heranziehung  der  frankfurter  Instruktion  aus  zwei
Beratungen  des  kurmainzischen  geheimen  Rats  vom  11.  und  12.  April  (Wmz,,
a.  a.  O.,  no.  65  und  66)  hervorgegangen.
        <pb n="361" />
        138.  1611  339

genug,  8o  ist  der  Kaiser  um  Bestätigung  des  Bundes  zu  bitten,  April  12,
sind  die  Legstätten  zu  verordnen  und  die  Kassen  so  zu  teilen,  und  13.
dass  alle  Stände  die  Hilfe  bequem  erlangen  können.  Dabei  wird

sich  auch  die  Verbesserung  der  Mängel  ergeben  und  es  kann  auch

vom  modus  defensionis  besser  geredet  werden.  Würden  aber  die

Mittel  nicht  ausreichen,  ein  solches  Heer  zu  unterhalten,  so  wäre

wol  zu  bedenken,  ob  man  nicht  besser  liegen  lässt,  was  man  nicht

erheben  kann,  statt  sich  in  Gefahr  zu  setzen,  sich  grosse  Feindschaft

zu  machen,  seine  Untertanen  zu  Unwillen  zu  bewegen  und  sich

selbst  in  falschem  Wahne  zu  wiegen.  Signatum  Aschaffenburg  den

13.  aprilis  a.  1611.

Wmz,,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  86;  Kpt.  von  Faber  mit  Zusätzen  von
Faust;  ebenda,  no.  88;  Or.  —  Nebenmemorlal:  ebenda,  no.  87;  Kpt.  von  Faber  mit  Zusätsen
  von  Faust  und  Gereon,  no,  89;  Or.  1

ı  Zu  obiger  Instruktion  hat  der  Kurfürst  zwei  eigenhändige  Aufzeichnungen
  gemacht,  die  seine  persönliche  Anschauung  von  den  Unionsangelegenheiten
  aın  treuesten  wiederspiegeln.  Die  eine,  undatiert,  ist  überschrieben
  „Requisita®  :  „Vor  allen  dingen  die  vnion  zu  uerbessern  vnd  zu
vermehren  mitt  einnehmung  mehrer  vermöglicher  vnd  gehorsammer  stende.  —
Rechtige  vnuerwaigerliche  gleichmössige  anlaag  zu  gewisser  zeitt  vnd  ahn  ein
gewiss  ortt.  —  Die  stende  also  ausszutailen,  damitt  man  sich  der  hilff  zu
getrösten  vnd  zu  erfrayen.  —  Weil  bey  vorigem  directorio  vill  vngelegenbeitt
vorgefallen  vnd  man  sich  wegen  entsessenheitt  keiner  hilff  zu  getrösten
gehabtt,  ob  nit  solchem  zu  helffen,  nemblich  durch  ausstailung  treyer  crais:
l.  säxisch,  2.  bayrisch,  3.  reinisch,  eo  doch  in  einer  vnion  begriffen  vnd
tempore  necessitatis  ein  corpus.  —  Nottwendig  vff  mittul  zu  gedenken,  wie
das  hauss  Oesterich  realiter  zu  erlangen.  —  In  jedem  corays  ein  bundesobristen
  neben  den  adiuncten.  —  Wasmaassen  ein  crais  dem  andern  beyspringen
sollt.  —  Nichts  tähttlichse  vorzunehmen  ohn  vorwissen  der  3  craisobristen
vnd  derselben  adiuncten.  —  In  jedem  crais  auffs  wenigst  ein  obrister
2  oder  3  rittmeister  vff  der  bundtstende  costen.  —  Vorrahtt  ahn  geschüts,
vnd  munition,  wie  man  sich  dessen  vergleichen  kontte,  vti  factum.  —  Der
ahnlaag  halber  richtigkeitt  zu  machen.  Hic  quaeritur,  do  einer  oder  der
ander  sein  ohnuermögen  allegiren  soltte,  was  zu  schliessen.  Meo  iuditio
woltt  daruorhaltten,  sie  sollten  alsdan  sehen,  wie  inen  zu  helffen,  vnd
haist:  do  ut  des.  —  Burgundt  müst  ebenmössig  als  ein  standt  des  reiche
zur  vnion  gezogen  werden  vnd  als  bnundtobrister  ahm  Reinstrohm  mit  erpietung
proportionabiliter  gewisser  gegenhilff.  —  Aussländischer  hilff  tam  tempore
pacıs  quam  belli  sich  nitt  mitt  hoffnung  abspaissen  zu  lassenn  sondern  gewisheitt
  zu  haben.  —  Do  Bayern  zur  abtailung  der  3  craissen  nitt  verstehen
woltt,  ob  den  wenigen  stenden  zu  rathen,  bey  diesser  vnion  zu  uerharren,
insonderheitt  do  andere  fridtfertige  der  augspurgsschen  confessionen  nitt  zu
erbandlen.  Ich  haldt  daruor,  nitt  rahttsamb  zu  sein  sonder  man  muss  vff
andere  mittel  gedencken,  wie  zuuor  von  mir  angedeutiet;  et  hoc  negotium
vff  samptlicher  chur-  vnd  fursten  persönlicher  zusammenkunfftt  differiren.  —
Der  abnlaag  halber  kan  ich  nochmals  kein  bequemerer  weg  erdencken  als
wie  hiebeuor  in  meinem  ersten  bedencken  (ehe  diesse  vnion  vffgerichtt)
vermeldt“  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  %)  —  Die  zweite  Aufzeichnung,  vom
16.  April  datiert,  hat  den  Charakter  einer  besondern  Nebeninstruktion  für
die  dten  und  ist  auch  als  „Memoriale*  bezeichnet:  „Ich  lass  es
nachmals  bey  voriger  instruction  verpleiben:  einmahl  wöllen  die  vfigelauffene
costen  erstattet  sein,  dozu  alle  stende,  so  sich  angeben  vnd  dorin  gewilligtt,
verobligirt  indifferenter  vnd  sein  die  hern  prineipalen  vnd  nitt  die  vnderthan
dessen  schuldig;  do  aber  der  vorbehaldt  erstlich  beschehen,  hette  es  seinen

29*
        <pb n="362" />
        April  12,

340  1611  139.

139.  Der  Bischof  von  Speier  an  den  Kurfürsten  von
Mainz,

Bei  meinem  Begierungsantritt!  steht  es  mit  mir  so,  dass  ich
von  meinem  Domkapitel  nicht  einmal  die  Kosten  der  Regierung
erhalten  kann  und  dass,  wenn  ich  nicht  mein  eigenes  Geld  hergebe,
die  ganze  Regierung  entlaufen  würd.  Ich  kann  daher  für  die
Union  nichts  weiter  tun,  zumal  ich  für  sie  ohnehin  das  doppelte
meiner  Gebührnis  in  Bargeld  ausgelegt  und  noch  Schaden  erlitten  habe.
E.  kfl.  Gn.  könnten  mir  und  meinem  Stift  eine  grosse  Gnade  erweisen,
  wenn  Sie  Ihre  Gesandten  zum  Bundestag  dahin  instruierten,
dass  man  mir  nichts  weiter  zumute  und  für  mein  verarmtes  Stift
billige  Moderation  eintreten  lasse.  Trier  hat  mir  das  bereits  zugesagt
und  will  zu  erwägen  geben,  dass  ich  mich  fast  ein  Jahr  lang  für
diese  Union  persönlich  bemüht  und  jetzt  auch  noch  das  kostspielige
Kammerrichteramt  auf  mich  genommen  habe.  Ich  brauchte  eigentlich
diese  Entschuldigung  gar  nicht  einzuwenden,  da  mein  Stift  um

neck,  derhalben  billig  gleicheitt  zu  haltten.  Vnd  seintemal  alberaidt  diesse
difficultet  vorfeldt,  muss  man  vff  mittul  gedencken,  wie  mitt  fugen  darauss
zu  kommen;  den  einen  oder  3  den  last  zu  traren,  nitt  zuzumuthen.  —  Des
hern  bischoffen  von  Basells  schreiben  ad  Spirensem  ist  wol  in  achtt  zu
nemen  [fehlt].  —  Ich  hab  diesser  tagen  auch  meinem  hoffministorn  mein  einfalttig
  bedencken  eröffnett  der  anlaag  halben,  ob  villeicht  die  stende  desto  eher  zu
erlangen,  nemblich  das  man  sich  jdes  standts  ahnlaag  [quota  übergeschrieben]
zu  uergleichen,  indem  man  die  matricul  vorzunsmen  vnd  nach  vermögenbeitt
auch  mehr  als  sein  gebüre  zu  setzen,  dero  gestaldt  das  jeder  solche  quotam
järlichs  an  gewiss  ahnnemblich  ortt  verordnett,  so  auch  nahmhafftt  gemachtt
soltt  werden,  douon  geburende  interesse  entpfangen;  doch  soltt  kein  standt
die  haupttsumma,  so  lang  diesse  vnion  weren  möchtte,  erhäben,  vnd  obwol
die  vffkundigung  bey  den  verkeuffer  [!)  nitt  hehrkommen,  so  haldt  jedoch
daruor,  in  hoc  casu  werde  sich  practiciren  lassenn  vnd  wirdt  ein  jeder  des
halben  sorgfälttig  sein;  tempore  necessitatis  aber,  do  es  Jurch  die  bundtsobristen
  vnd  der  samblichen  adiuneten  erkandt,  soltts  inen  freystehen,  wie
es  die  noturfftt  erfordertt,  proportionabiliter  vel  in  totum  quocumque  tempore
vffzukunden,  wie  den  solches  in  der  hauptverschreibung  aussdrucklich  zu
specificiren.  Durch  solche  mittul  meines  erachttens  köntte  man  auch  auslendischer
  hilff  desto  besser  versichertt  sein,  den  die  päpstliche  vnd  spanische
hilf?  vff  die  nohtt  allein  gesetzt.  Ad  haec  köntten  alle  requisita  specificirtt
werden.  Do  die  erst  ahnlaag  nitt  sufficiens,  musten  dieselbige  järlichs  vermehrett
  werden,  wie  man  sich  dessen  zu  uergleichen.  —  Diss  mein  einfälttig
bedencken  hab  ich  derhalben  eroffnett,  weil  ich  sehe,  das  der  anlaag  halber
kein  medium  zu  erdencken,  domitt  richtigkeitt.  Jeder  besorgtt,  er  gebe  zu
uil  vod  werdt  verforteltt  oder  vor  dem  andern  grauirtt.  Bitt  disses  besser
als  es  geschrieben  zu  uermercken.  Beschicht  auss  sorgfaltigkeitt,  domitt  das
vnionwesen  erhaltten.  Hisce  valete;  den  16.  aprilis  nocturno  tempore“
(Wmz,  a.  a.  O.,  no.  91).

ı  Philipp  Christoph  von  Soetern,  erst  im  Dienst  Kurtriers,  dann  als
Domscholaster  zu  Mainz  Johann  Schweikhards  einflussreicher  Berater,  war
am  30.  Mai  1609  zum  Koadjutor  des  Bischofs  Eberhard  von  Speier  erwählt
und  am  22.  Oktober  1610  dort  als  Bischof  inthronisiert  worden  (vgl.  F.X.  Remling,
  Geschichte  der  Bischöfe  zu  Speyer,  II.,  S.  432  f.  und  Briefe  und
Akten,  VI.,  S.  734).
        <pb n="363" />
        139—140.  1611  341

23000  fl.  mehr  Schaden  erlitten  hat  als  meine  Quote  beträgt;  ich  April  12,

höre  aber,  dass  Baiern  den  ausgestandenen  Schaden  in  die  Schanze
schlagen  und  überdies  den  Bundesständen  eine  neue  Kontribution
auferlegen  will.  Diese  neue  Last  zu  tragen  ist  mir  unmöglich  und
wäre  billiger,  Baiern  mit  dem  Rest  seiner  Forderungen  an  Spanien
und  den  Papst  zu  weisen.  Datum  Udenheimb  den  12,  aprilis
a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  15.  aprilis.

Nachschrift.  Aus  beiliegenden  prager  Zeitungen  können  E.Gn.
„ruinam  nostri  imperatoris  et  imperii  abnemen.  Do  ich  noch  in
meinem  gringern  stant  were,  konnte  ich  darbei  nit  still  sitzen  und
seie  her  Hanniwaldt,  Hegenmüllern,  Weltzer  und  Tennagell  beschaffen
  wie  sie  wollen,  fuerunt  tamen  columnae  catholicae  religionis
und  haben  ihrem  kaiser  und  hern  getreulich  vermeint  zu  dienen.

Herzog  zu  Braunschweig  Darius  fuit  in  comoedia  Pragensi,
nunc  autem  idem  in  tragoedia:  hat  es  alzeit  mher  uff  des  konigs
als  kaysers  seiten  gehalten.

Quid  dicam  de  nuncio  apostolico  et  oratore  Hispanico  ?  Unserm
frommen  Schmesansky,  Schlauata  und  andern  catholischen  wirt  es
nit  besser  erghen;  in  summa  könig  Mathias  muss  erhöcht,  der
teutsch  kaiser  aber  supprimirt  werden  und  solte  die  ganze  catholische
religion  doruf  ghen;  ob  nit  auch  etliche  catholischo  im  reich  uff
diesen  exitum  vorlengst  ein  aug  geschlagen,  könte  ihm  wol  manchen
gedanken  machen.  Sachsen  rhät  seint  auch  nit  all  gesant.  Quid
restat?  Allein  dass  Gott  unsern  kayser  erleuchte  und  zu  sich

neme.‘“
Wmz,,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  78;  Or.  eigh.!

140.  Der  Herzog  von  Württemberg  an  König  Matthias.

E.  kgl.  W.  Abgesandter,  Herr  Reichard  von  Starhemberg,  hat  mir  den
Zweck  seiner  Gesandtschaft  zu  mir  und  den  andern  Unierten
ausführlich  dargelegt.?  —  Ich  hatte  mich  nun  nicht  wenig  des  Inhalts
der  ersten  Schickung  erfreut,’  wonach  E.  kgl.  W.  zum  Akkord  mit
dem  Kaiser  gelangt  seien,  und  hatte  auf  Fortsetzung  dieses  Vergleichs
gehofft,  damit  E.  kgl.  W.  die  Früchte  Ihrer  ruhmvollen  Tätigkeit
im  ungarischen  Feldzug  geniessen  könnten.  —  Dass  es  nun  anders
ausgeschlagen  ist,  muss  ich  den  dem  gemeinen  friedlichen  Wesen

ı  Gleichzeitig  liess  der  Bischof  durch  seinen  Rat  Jakob  Rinck  von
Baldenstein  dem  Kurfürsten  dasselbe  Begehren  mündlich  vortragen  (Beglaubigung
  vom  18.  April,  Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  74;  Or.),  erfuhr  aber  eine
sbschlägige  Antwort.

?  Die  Beglaubigung  Reichards  von  Starhemberg,  der  zu  den  evangelischen
Reichsfürsten  geschickt  wurde,  ist  vom  12.  März  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  XI.,
f.  542;  Or.);  von  seiner  Instruktion  liegt  bei  Hammer-Purgstall,  Khlesis
Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,  no.  304  (erster  Teil)  nur  ein  erster  Entwurf
vor  (vgl.  oben  no.  125,  8.  306,  Anm.  4).

®  Damit  ist  wol  Polheime  Schickung  zu  Ende  des  Jahres  1610  gemeint
(vgl.  oben  no.  21,  8.  53,  Anm.  2).

April  13.
        <pb n="364" />
        April  13.

342  1611  140,

übel  affektionierten  Leuten,  über  die  sich  auch  die  evangelischen
Stande  oft  beschwert  haben,  zumesen.  Man  weiss,  wie  am
kaiserlichen  Hof  gegen  die  Reichsstände,  besonders  gegen  die  unierten
verfahren  wurde;  es  ist  daher  E.  kgl.  W.  um  so  weniger  zu  verdenken,
dass  Sie  in  Acht  nehmen,  was  zur  Erhaltung  Ihrer  Ehre  und  zu  Ihrer
Defension  gereicht.  Da  E.  kgl.  W.  nach  Dero  Ankunft  in  Prag
auch  die  nötigen  Reformationen  und  Demonstrationen,  wie  verlautet,
vornehmen,  dem  räuberischen  Volk,  dass  es  nicht  andere  Stände
bedränge,  wehren  und  das  alte  Vertrauen  zwischen  den  Ständen
wieder  herstellen  wollen,  so  werden  Sie  davon  gewiss  nicht  aussetzen,
es  auch  hinfürder  mit  dem  Kaiser  und  den  Ständen  gut  meinen
und  geneigt  sein,  den  Beschwerden  Abhilfe  zu  schaffen,  wie  die
Unierten  beim  Kaiser  durch  besondere  Schickung  gesucht,!  aber
durch  Verhinderung  der  „unreformierten‘“  Leute  nicht  haben  erlangen
können.  E.  kgl.  W.  würden  sich  durch  solche  Abhilfe  um  all
Reichsstände  noch  mehr  verdient  machen  und  sich  den  Weg  zu  dem
bereiten,  „was  der  almechtig  E.  kgl.  W.  ohne  das  gonden  mach.“
Ich  zweifle  auch  nicht,  wenn  E.  kgl.  W.  den  Reichsständen,  besonders
den  Unierten  Anleitung  geben,  wie  sie  Ihnen  dazu  helfen  könnten,
dass  sie  dazu  kein  Bedenken  tragen  werden.”  Wegen  Fortsetzung
unserer  Kommunikation  hatte  ich  meinen  Gesandten  zum  schweinfurter
Tag  befohlen,  mit  den  andern  Unierten  deshalb  zu  beraten.  Da  aber
wegen  Abwesenheit  vornehmer  Stände  dort  nichts  endliches  geschlossen
werden  konnte,  so  beschränkte  ich  mich,  seitdem  ich  von  E.  kgl.  W.
Ankunft  in  Prag  vernommen  hatte,  darauf,  mich  mit  andern  Ständen
schriftlich  zu  verständigen,  was  bei  dieser  Lage  zu  tun  sei;  ebenso
muss  ich  denselben  auch  E.  kgl.  W.  jetziges  Anbringen  mitteilen,
weshalb  E.  kgl.  W.  wegen  der  Hauptresolution  noch  etwas  Geduld
haben  mögen.  Die  Unierten  haben  wegen  dieses  prager  Volks  eine
Defension  angestellt;  wenn  E.  kgl.  W,.  noch  einer  Hilfe  bedürfen
und  sie  begehren,  so  wird  sie  Ihnen  zweifelsohne  geleistet  werden.
Was  über  ein  angebliches  Anbringen  von  Gesandten  E.  kgl.  W.  beim
französischen  Hof  verbreitet  wurde,  ist  mir  zwar  auch  zugekommen,
doch  habe  ich  nie  geglaubt,  dass  es  aus  E.  kgl.  W.  Befehl  herrühre°

!  Anhalts  Schickung  nach  Prag  (vgl.  A.  Gindely,  Rudolf  II.  and
seine  Zeit,  Il.,  8.  37  und  Briefe  und  Akten,  II.,  no.  200.

?  Starhemberg  hatte,  wie  aus  seiner  Schlussrelation  (vgl.  unten  no.  217)
hervorgeht,  noch  eine  Nebeninstruktion  erhalten,  vermöge  derer  er  die
Meinung  der  Unierten  wegen  der  Wahl  des  Matthias  zum  römischen  König
zu  sondieren  hatte.

®  Der  betreffende  Satz  in  der  Instruktion  lautete  nach  einer  württembergischen
  Kopie:  Der  König  hat  vernommen,  dass  im  Reich  die  Bede
gehe,  er  habe  durch  seinen  Gesandten  bei  der  Krone  Frankreich  von  einer
Unterstützung  der  Unierten  abmahnen  lassen.  Daran  geschieht  dem  König
Unrecht;  denn  der  Gesandte  hatte  nur  zu  kondolieren,  dem  jungen  König
zu  gratulieren  und  um  Fortsetzung  der  Vertraulichkeit  zwischen  ihm,
Matthias,  und  der  Krone  Frankreich  zu  ersuchen.  Hätte  der  Gesandte  mehr
vorgebracht,  30  wäre  es  wider  Befehl  geschehen  (Stg.,  a.  a.  O.,  f.  620;  Kopie).
        <pb n="365" />
        140—141.  1611  343

Datum  Stuttgart  3./13.  aprilis  a.  1611.
Stg.,  Unionsacta,  tom.  XI.,518  Kpt,  mit  Fabers  Verbesserungen.

April  18.

14.  Kaiserliche  Instruktion  für  den  oldenburgischen  April  18.

Rat  Christoph  Pflug  zur  Schickung  an  die  zu  Torgau
versammelten  Reichsfürsten.

I.  „Es  ist  der  röm.  ksl.  M.®  will  und  befehl,  Ihr  den  churfursten,
fursten  und  stenden  des  heil.  reichs,  so  dieser  zeit  zu  Torgau  versammelt,
  vermelden  sollet,  welcher  massen  I.  M.'  durch  vielfeltigen
ihr  von  den  stenden  der  cron  Behem  erweisten  spott  und  schmach
und  ganz  trozliche  betrauung.  der  eisen  und  ketten  und  das  sie
dieselb  zu  allen  zeiten  und  in  ewikeit  infam,  ehrlos  und  vor
der  ganzen  welt  stinkent  machen  wollen,  gezwungen  und  genötiget
sein,  alles  dasjenig  zu  thun  und  einzugehen,  was  sie  suchen  und  begeren
  wurden.  W\WWVelches  höchst-  und  hochgemelten  churfursten,  fursten
und  stenden  des  heil.  reichs  zu  nachrichtung  dienen  möge,  damit,

i  Ziemlich  gleichlautend  war  der  Bescheid  des  Markgrafen  von  Baden
auf  Starhembergs  Werbung  am  7./17.  April  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  XII.,
f.96;  Kopie).  Auf  die  geheime  Werbung  Starhembergs,  die  Wahl  betreffend,
erwiderte  der  Markgraf  nach  einem  Schreiben  an  Matthias:  „Vnd  sollen
E.  kgl.  W.  mir  gewislich  zutranwen,  in  ansehung  ich  schon  längst  wie  auch
noch  dieses  für  das  ainige  medium  meinem  betrübten  vatterland  röm.  reichte
widerumb  zu  helffen  gehaltten,  dass  ich  bishero  als  gleichwoll  der  geringste
rod  der  prineipaliter  mit  solchen  sachen,  so  allein  dem  chfl.  collegio  zusteht,
nichts  zu  thuen,  iedoch  abn  meinem  eussersten  vermabnen  vnd  andern
hierzu  dienlichen  demonstrationen  nichts  ermanglen  lassen,  welches  ich  nach
meiner  möglichkeit  zu  continuiren  genaigt  ..  .  Da  ia  wider  verhoffen  sich
iemand  solche  ordeliche  wahl  zu  uerbindern  vnderstehn  solte,  ich  mich
erbietig  mache,  die  wehr,  so  ich  vnder  E.  kgl.  W.  commendo  vormahln
geführt,  auf?  Dero  begern  zu  Dero  dienst  nach  meinem  vermögen  zu  gebrauchen.*
  Carlspurg  den  8.  aprilis  a.  1611  (Wi.,  1A  1,  Ka.  2990;  Or.  eigh.;
rgL  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  IL,  VI.,  S.  492).  Ausführlicher
ist  die  Erklärung  des  Administratore  der  Kurpfalz  vom  15./25.  April:  Er
stimmt  des  Königs  Verfahren  gegen  die  Passauer  zu  und  hält  dessen  Unterstätzung
  für  billig  und  nötig.  Der  König  möge  seiner  und  des  Hauses
Pfalz  Willfährigkeit  versichert  sein;  aber  er,  Administrator,  kann  für  sich
keinen  endgiltigen  Beschluss  fassen  und  muss  sich  deshalb  mit  seinen  Mitunierten
  verständigen,  was  er  sofort  tun  will.  Er  ist  auch  der  Zuversicht,
dass  der  König  in  Religionssachen  niemanden  beschweren  werde;  besonders
dadurch  wird  der  König  bei  den  Reichsständen  Ruhm  und  „Favor*  erlangen
und  seinen  Wolstand  befördern.  Der  König  möge  anch  Böhmen  und  die
andern  Länder  durch  gute  Verfassung  versichern  und  zur  Ruhe  bringen
(U.,  Unionsacta,  tom.  XXII.,  no.  2142;  Kopie).  —  Wegen  der  Wahlsache
aber  schreibt  der  Administrator  an  den  König  am  17./27.  April:  er  wolle
es  an  sich  nicht  fehlen  lassen,  „und  obwol  das  beschehen  andeuten,  wie
E.  kgl.  W.  bewust,  allein  in  meinen  mächten  nicht  stehett,  so  wollen  doch
Dieselbe  sich  vergewissert  halten,  dass,  was  ich  abn  meinem  ort  werde  thun

‚  so  zu  Deren  erspriesslichen  wohlstand  gereichen  moge,  68  von  mir
nicht  vnderlassen  werden  solle“  (Ma.,  547/14,  £.35;  Kpt.  von  v.d.Grän;  Wi,,
IA  1,  Ka.  2990;  Or.  eigh.).  —  Wegen  des  Bescheides  der  beiden  Landgrafen
  von  Hessen  vgl.  unten  no.  166.

und  15.
        <pb n="366" />
        344  1611  141.

April  13.  wann  sie  hören  und  erfahren  werden,  dass  I.  M.'  Dero  herrn  brudem,

und  1

dem  könig  auss  Hungern,  die  cron  Behem  .und  derselben  administration
und  regirung  willig  solle  abgetreten  haben,  wissen  und  vermerken
können,  dass  alles  durch  zwang  und  gewalt  geschehen,  und  inmittalst
nicht  underlassen,  diejenig  provision  und  gute  vorsehung  bei  zeiten
zu  thun  als  eine  solche  an  der  ksl.  M.'  geübte  schmach  erfordert,
seitemal  dieselb  sowohl  die  churfursten,  fursten  und  stende  des  reichs  als
glidmassen  als  das  haupt  selbst  angehet  und  berühret.  Ueber  diss
sollet  Ihr  nicht  vergessen  mit  wahrheit  als  Ihr  thun  könnet,  zu
bezeugen,  wass  vor  trotz  und  affront  gedachte  stende  I.  fl.  Gn.  dem
herzog  von  Braunschweig  erwiesen,  wiewohl  dieselb  ihnen,  den
stenden,  auf  verweiss,  dass  I.  fl.  Gn.  sich  in  die  behemischen  sachen
und  hendel  zu  mischen  nicht  underlisse,  eine  furstliche  antwort
widerfahren  lassen  als  nemlich,  dass  alle  diejenigen,  so  sich  verlauten
liessen,  was  wirden,  wesens  oder  standes  sie  auch  sein  möchten,
dass  I.  fl.  Gn.  sich  in  ihre  sachen  solte  ingeriret  und  eingetrungen
haben,  die  vergessen  darin  die  wahrheit  und  lögen  als  ehrlose  leute
und  verleumbder;  dagegen  weren  1.  fl.  Gn.  in  keiner  abred,  dass
sie  sich  bemühet  und  noch  bemüheten,  I.  M.'  mit  Dero  herren
brüdern  wiederumb  zu  vergleichung  und  in  vertraulige  ainikait  zu
sezon,  erfreuten  sich  ihres  gewissens,  dass  sie  in  dem  handelten  als
ein  treuer  und  gehorsamer  reichsfurst,  seitemahl  I.  fl.  Gn.  sich  aus
aidspflicht  verbunden  befänden,  vor  der  ksl.  M.'  reputation,  ehr  und
hohen  wolstand  leib  und  leben  zu  lassen  und  wann  sich  alle  ihrer
pflicht  ebenmessig  hetten  erinnern  wollen,  würden  sie,  die  stende,
dagjenig,  was  sie  izo  üben,  nicht  thun  und  begehen.“!

!  Am  11.  April  schickten  die  böhmischen  Stände  eine  Abordnung  unter
Wenzel  Kinskys  Führung  zum  Herzog  von  Braunschweig  und  hielten  diesem
laut  einem  vom  Herzog  au  den  Kurfürsten  von  Sachsen  überschicktes
Protokoll  vor:  1.  Es  scheine  ibnen,  dass  er  den  Kaiser  „turbiere“,  ihm  durch
Einreden  vergebliche  Hoffnung  mache  ala  würde  alles  wieder  in  vorigen
Stand  kommen,  und  dadurch  der  Stände  Absichten  hindere.  2.  Der  Herzog
lasse  eich  über  die  Stände  allerlei  Reden  verlauten,  gedenke  auch  in  Schriften
ihrer  nicht  zum  besten;  er  möge  sich  nicht  in  ihre  Landesangelegenheiten
mischen.  3.  Hätten  sie  ihm  nicht  zu  viel  getraut  und  lieber  bei  Zeiten  geworben,
so  hätten  sie  vom  passauer  Volk  nichts  zu  befahren  gehabt;  sie,  die  Stände,
hätten  ihm  damals  auch  eine  ansehnliche  Geldsumme  anvertraut,  die  aber  vergeblich
  ausgegeben  worden  sei,  ohne  dass  die  Abdankung  der  Passauer  darauf  erfolgte:
sie  ersuchten  daher  um  Rückerstattung  des  Geldes.  4.  Würde  der  Herzog  auch
fernerhin  nicht  ablassen,  den  Kaiser  zu  turbieren,  so  müssten  sie  bedacht  sein,  es
auf  andern  Weg  zu  hindern.  —  Der  Herzog  erwiderte  darauf:  Zu  1.  Dass  man  ihn
für  einen  neuen  Friedensstörer  halten  wolle,  empfinde  er  sehr  hart  und  müsse  es
abnden.  Als  Fürst  des  Reiches  habe  er,  so  lange  er  lebe,  dem  Kaiser  Treue
zu  beweisen,  selbst  mit  seinem  Blute.  Der  Kaiser  begehre  seinen  Rat,  da
er  sonst  von  Niemandem  Beistand  oder  Trost  zu  erwarten  hat.  Er  habe  es
dem  Kaiser  nicht  abschlagen  können  und  werde  auch  künftig  davon  nicht
ablassen.  Seine  Ratschläge  giengen  nur  auf  Erhaltung  der  kaiserlichen
Autorität,  der  Ruhe  und  des  Hauses  Oesterreich  sowie  auf  Stiftung  brüderlichen
  Vertrauens,  dies  alles  den  Ständen  selbst  zu  Glimpf;  er  wünschte,
dass  andere  das  gleiche  täten.  Dass  er  Ordnungen  geben  wolle  und  dem
        <pb n="367" />
        141.  1611  345

II.  Eben  lässt  der  Kaiser  durch  Herrn  Ericius  mich  berufen  und  April  13.
mir  bofehlen,  Euch  zu  schreiben,  dass  die  Böhmen  vorgestern  eine  und  15.
neue  Proposition  getan  haben:!  1.  dass  er  sie  des  Eides  entlasse,
2.  vom  Regiment  abtrete,  3.  die  Acht  gegen  die  Passauer  veröffentliche;
  der  Rest  betrifft  die  Krönung.  Der  Kaiser  will,  dass  Ihr
auch  dies  den  Reichsfürsten  und  besonders  dem  Kurfürsten  und  den
Fürsten  des  Hauses  Sachsen,  auf  welche  er  seine  Hoffnung  mohr
als  "auf  andere  Fürsten  im  Reich  setzt,  mitteilen  sollet.  —  Ihr  werdet
auch  ohne  meine  Ausführung  die  spanischen  und  päpstlichen
Griffe  erwägen  können;  denn  eben  sie  sind  es,  welche  das  ganze

Kaiser  turbiere,  werde  ihm  fälschlich  angediehtet;  wer  es  den  Ständen
gesagt,  habe  wie  ein  Schelm  gelogen.  Zu  2.  Es  sei  nicht  sein  Brauch,
jemandem  übel  nachzureden;  aber  weil  er  manchen  Vorgang  misbilligt,
habe  er  dessen  wolmeinende  Erinnerung  getan;  doch  seion  es  nur  vertrauliche
Warnungen  gewesen.  Zu  3.  Zur  Annehmung  und  Behaltung  des  passauer
Volks  habe  er  nie  geraten  und  werfe  man  mit  Unrecht  ihm  vor  als  hätte
er  der  Passauer  Taten  verursacht,  weil  er  der  Stände  Werbungen  vorhinderte.
Davon  habe  er  abgeraten,  weil  er  besorgte,  1.  dass  dio  Werbungen  die  gütlichen
Verhandlungen  zwischen  den  Brüdern  aufhalten  würden,  2.  dass  dadurch  die
Abdankung  der  Passauer  unter  dem  Vorwande,  den  Kaiser  gegen  die  Stände
zu  schützen,  verzögert  werden  würde,  3.  dass  zu  Tumulten  und  Aufständen,
wie  leider  jetzt  geschehen,  Anlass  gegeben  würde,  4.  dase  die  Stände  in  vergebliche
  Unkosten  kämen,  5.  dass  unschuldiges  Blutvergiessen  und  Landverderben
  verursacht  werden  könnte.  Sonst  sei  offenbar,  was  er  für  don
brüderlichen  Vergleich  und  die  Abdankung  getan  habe;  hätten  die  kaiserlichen
  Räte  und  Kriegsobersten  rowie  die  Stände  seinen  Vorschlägen  gefolgt,
so  würde  es  zu  solchen  Weitläufigkeiten  nicht  gekommen  sein.  Die  Wiedererstattung
  des  Geldes  sei  eine  befremdliche  Anmutung;  er  habe  davon  einen
Monatssold  erlegt;  ohne  den  wäre,  wie  Kinsky  selber  wisse,  das  Volk  zum
Despekt  des  Kaisers  schon  früher  aufgebrochen  und  meuternd  in  Böhmen
eingefallen.  Die  Stände  könnten  das  Geld  nicht  wieder  begehren  noch  werde
er  es  je  erstatten;  er  hätte  sich  von  den  Ständen  mehr  Bescheidenheit  und
für  die  angewandte  Mühe  und  ausgestandene  Gefahr  mehr  Dank  erwartet.  Zu  4.
}ie  unbesonnene  Drohung  lasse  er  dahingestellt  sein;  er  rate  ihnen  aber,  ihn
als  vornehmen  Reichsfürsten,  der  nicht  vom  Zaun  gebrochen  worden  sei,
gebührlieh  zu  respektieren,  den  Leuten,  |die  ihnen  widriges  zutrügen,  nicht
Glauben  zu  schenken  und  ihn  mit  solchen  Anmutungen  zu  verschonen.  Er
lasse  sich  den  Zutritt  zum  Kaiser  nicht  versperren  noch  sich  verwehren,  ihm
mit  Rat  beizustehen.  Wolle  man  ihm,  Herzog,  dabei  einen  Schimpf  antun,
so  werde  er  sich,  so  lange  er  könne,  mit  der  Wehre  verteidisen  und  müsste
er  das  Leben  lassen.  Jetzt  seien  sie  stärker  als  er;  aber  er  habe  einen
erwachsenen  Sohn,  königliche,  kurfürstliche  und  fürstliche  Verwandten,  die
ibn  nicht  ungero«chen  lassen  würden.  Er  versehe  sich  Jdaher  von  ihnen
mehrerer  Bescheidenheit  (Drs.,  1.  9167,  Il.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  158;
Kopie‘;  vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  257.

ı  Gemeint  ist  die  Antwort  der  Stände  auf  die  Landtagsproposition  des
Kaisors;  in  der  Antwort  wird  Abänderung  (des  Wortluuts  der  Proposition  in  obigem
Sinne  verlangt  [Drs.,  a.  a.  O.,  f.  163;  Kopie).  Der  Kaiser  erwiderte  am  16.
mit  teilweiser  Gewährung,  die  Eideserlassung  aber  sollte  erst  nach  Abhandlung
aller  strittigen  Punkte  erfolgen.  Vom  Verzicht  auf  die  Regierung  war  in
dem  standischen  Begehran  keine  Rede;  wol  aber  verlangten  Jie  Stände,  dass
der  Kaiser  bei  ihnen  eine  Fürbitte  tue,  duss  sie  Matthias  zum  König  wählen
mögen,  was  eine  Anerkennung  des  freien  Wahlrechtse  der  Stände  in  sich
geschlossen  hätte.  In  der  Tat  wurde  die  kaiserliche  Proposition  dahin  abgeändert,
  dass  der  Kaiser  um  die  Krönung  seines  Bruders  bat.
        <pb n="368" />
        April  13.

und  15.

346  1611  141

Werk  führen  und  treiben,  ohne  sie  wäre  es  längst  zum  Vergleich
gekommen;  aber  sie  haben  dies  Werk  seit  langen  Jahren  angesponnen
und  fast  zu  Ende  gebracht:  den  Kaiser  ab-  und  Matthias  auf
den  Kaiserstuhl  zu  setzen  und  dann  Erzherzog  Albrecht  zum
römischen  König  zu  erheben,  wodurch  sie  leicht  alle  ihre  Absichten
erreichen  können;  den  Erzherzog  Maximilian,  „so  an  einem  geringen
sich  genügen  lest,“  haben  sie  schon  in  Händen.  Ist  aber  Albrecht  zur
römischen  Krone  gelangt,  so  wird  ein  spanischer  Prinz  nach  Deufschland
  geschickt  werden,  um  dort  Sprache  und  Sitte  zu  lernen  und  so
nicht  als  Ausländer  zu  erscheinen  ;  der  wird  schliesslich  Albrecht  nachfolgen.
  „Wann  auch  diessmal  die  protestierende  stende  des  heil.
reich»  die  augen  nicht  auftlun  wollen,  ist  es  umb  sie  geschehen;
den  innerhalb  weinig  jahren  wurden  sie  die  spanische  inquisition
im  reich  haben.“  —  Die  erste  Proposition  ist  von  den  Böhmen
schriftlich  übergeben  worden,  bei  der  zweiten  haben  sie  das  nicht  tun
wollen  —  auf  Rat  der  Königlichen,  die  hierin  wieder  von  den  spanischen
Praktikanten  unterwiessen  werden,  damit  es  nicht  den  Anschein
gewinnt  als  hätte  der  Kaiser  etwas  gezwungen  getan  und  damit
die  unbillige  „ausschweifonde“  Handlung  der  Böhmen  nicht  approbirt
und  belegt  werden  kann.  —  Der  Kaiser  selbst  hat  trotz  des  Anhaltens
der  Spanier  nicht  bewogen  werden  können,  den  spanischen  Gesandten
vor  sich  zu  rufen,  weil  derselbe  so  nicht  oder  doch  weniger  schaden
möchte;  doch  unterlässt  Herr  Ericius  nicht,  wegen  Gewährung
einer  Audienz  Anregung  zu  tun,  weil  ich  ihm  angedeutet  habe,
es  sei  besser,  man  stelle  sich  als  traue  man  den  Spaniern;
dadurch  werde  man  viel  gewinnen.  Die  Spanier  bemühen  sich  aufs
äusserste,  den  Kaiser  durch  Leuchtenberg  und  Mollart  zu  überreden,
dass  sie  ihm  helfen  wollten,  „nemlich  zum  untergang;  aber  der
fromme  alte  regente  hat  ihnen  recht  in  die  karten  gesehen  und
klaget,  dass  niemand  denn  die  Spanier  übler  mit  ihm  umbgehen.“!  —
Ihr  waret  der  Meinung,  der  Kaiser  würde  nicht  übel  fahren,  wenn
er  einen  der  böhmischen  Rädelsführer  zur  geheimen  Audienz  zulasse
und  zu  gewinnen  suche.  Obgleich  der  Kaiser  sich  schwer  zu  dergleichen
  „indigniteten‘“  versteht,  ist  doch  heute  morgens  endlich
Wenzel  Kinsky  heimlich  durch  Ericius  in  die  Kammer,  wo  der  ‚„motus
perpetuus“  steht,  geführt  worden,  wo  ihn  der  Kaiser  empfangen  hat.
Wir  hoffen  davon  gute  Frucht,  ‚‚dieweil  Kintschky  gute  satisfaction
empfangen  und  dagegen  grosse  dinge  verheissen.‘‘  —  Alle  Abende
versammeln  sich  neben  meiner  Herberge  in  der  Oberstkanzlerin
Hause  der  spanische  Gesandte,  die  beiden  Nuntien?  und  Khlesl;
da  wird  alles  beschlossen.  —'  Graf  Althan  hat  mit  den  Böhmen
und  Matthias  über  seine  Aussöhnung  verhandelt  und  ihnen
versprochen,  alles  Fussvolk  des  Erzherzogs  Leopold  auf  ihre  Seite  zu

’  Vgl.  no.  101,  S.  238.

?  Nämlich  der  am  kaiserlichen  Hof  boglaubigte  Bischof  von  Sarzana
und  der  mit  Matthias  eingetroffene  Placidus,  Bischof  von  Melfi,  Nuntius
in  Wien.
        <pb n="369" />
        141—142.  1611  347

bringen.“  Das  ist  durch  des  Grafen  Gemahlin  angestiftet  worden,  die
nur  scheinbar  geflohen  ist.  Doch  soll  dem  Werk  schon  Rat  geschafft
und  Althan  verhaftet  sein.?2  Vielleicht  ist  aber  alles  nur  geschehen,
um  Zeit  zu  gewinnen,  damit  die  Böhmen  nicht  so  heftig  auf  die
Acht  dringen  und  damit  das  andere  Volk,  welches  erwartet  wird,  ankommen
  kann.  Ramde  soll  schon  mit  2000  Mann  in  Passau
sein;  Ericius  versichert  es  als  gewiss.  Matthias  und  die  Böhmen
haben  vorgehabt,  sich  des  Stiftes  Passau  zu  bemächtigen  und  es
Böhmen  einzuverleiben.  Da  dies  das  Reich  betrifft,  hat  der  Kaiser
mir  befehlen  lassen,  auch  dies  den  Kurfürsten  und  Fürsten  zu  melden.
Tengnagel  ist  noch  nicht  peinlich  befragt  worden.  O.  D.®
Dras.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f,  38  und  42;  Koplen,t

142.  Zuüiga  an  König  Philipp  III.

„He  regibido  la  carta  de  V.  M.@  de  16  de  margo®  y  los  papeles
que  con  ella  venian,  tocantes  a  las  cosas  del  s."archiduque  Leopoldo,
las  quales  estan  tan  caydas  que  los  discursos,  que  sobre  ellas  se
hazian,  no  vienen  ya  a  proposito,  y  entiendo  que  se  halla  agora  en
Pasau,  aunque  ha  dias  que  no  he  regibido  caıta  suya;  pero  todavia
la  gente  de  guerra  depende  de  S.  A,  y  esta  en  Budebais,  placa  de

ı  Vgl.  oben  no.  131,  8.  317,  Anm.  1.  Nach  einem  Bericht  des  Grafen
Friedrich  von  Fürstenberg  an  Erzherzog  Maximilian  vom  1.  April  gieng  die
Anregung  zu  diesen  Verhandlungen  von  Altban  und  den  Befehlshabern  des
Kriegsvolks  in  Budweis  aus,  die  Peter  Wok  von  Rosenberg  anboten,  sich  zu
ergeben,  Budweis  den  Königlichen  zu  überliefern  und  sich  sogar  gegen
Ramee  gebrauchen  zu  lassen,  wenn  sie  pardonniert  und  ihre  Soldansprüche
befriedigt  würden.  Der  Oberstleutnant  Lucan  begann  dann  mit  ihnen  zu
verhandeln  iIb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  April  1611,  no.  15;;  Or.  eigh.).

*  Friedrich  von  Fürstenberg  berichtet  am  18.  April  an  Erzherzog
Maximilian:  Erzherzog  Leopold  habe  Althan,  Oberstleutnant  Schwendi  und
andere  zu  sich  berufen;  sie  hätten  sich  aber  zu  ihrem  Glück  nicht  eingestellt,
  weil  sie  sonst  wegen  der  Verhandlungen  mit  den  Königlichen  bei
den  Köpfen  genommen  worden  wären.  Althans  Frau  sei  bei  Nacht  aus
Prag  gewichen  und  habe  zwei  Meilen  zu  Fuss  zurückgelegt;  erst  dann  habe
sie  sich  in  eine  Kutsche  gesetzt  und  sei  nach  Raab»  gefahren  (Ib.,  a.  a.  O,,
no.  35;  Or.  eigh.).  —  Tatsächlich  hatte  Erzherzog  Leopold  den  Grafen
wiederholt,  am  5.  und  7.  April,  zu  einer  Zusammenkunft  nach  Wallern  ge
laden,  Althan  war  aber  ausgeblieben  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische
Hofkonzepte  1611,  f.  35).

3  ].  ist  datiert  nach  der  Zeitung,  mit  der  es  in  der  Ueberlieferung  verbunden
  ist,  II.  nach  der  Uebergabe  der  ständischen  Antwort  auf  die  Landtagsproposition
  und  nach  no.  146.

*  Der  Verfasser  dieser  beiden  Schreiben,  die  Pflug  anstatt  einer  Instruktion
dienen  sollten,  ist.  in  der  nächstenUmgebung  des  Kaisers  zu  suchen;  da  der  Reichshofratspräsident
  Hohenzollern  geflohen,  Hannewald  und  Hegenmüller  verhaftet
waren,  die  in  den  Schreiben  genannten  Leuchtenberg  und  Mollart  nicht  in  Betracht
kommen  können,  Stralendorf  nicht  des  Kaisers  Vertrauen  hatte,  so  wird  wol  nur
der  geheime  Rat  Jobann  Barvitius  der  Schreiber  sein  können,  der  fast  allein
beim  Kaiser  aushielt.  Der  Empfänger  kann  nur  Pflug  sein,  der  am  8.  April
vom  Kaiser  beim  Kurfürsten  von  Sachsen  und  bei  den  zu  Torgau  anwesenden
Fürstlichkeiten  beglaubigt  wird  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  25;  Or.).

°  Vgl.  oben  no.  103.

April  13.
und  15.

April
[etwa  15.]
        <pb n="370" />
        348  1611  142

April  Bohemia  gerca  de  su  obispado,  y  si  no  acaban  aqui  de  darles  satisetwa
  15.]  farion  les  ha  de  dar  en  que  entender;  he  hechado  en  la  oreja  al
8.°’  archiduque  por  via  de  Antonio  Miravalo,  quanto  le  importa  acudir
a  V.  M.@  y  yr  o  embiar  por  alla,  que  es  muy  conveniente  lo  que
V.  M.*  me  ha  mandado  que  haga  en  esto,  y  agora  mas,  teniendo
cabe  si  algunos  tan  ruynes  que  le  hablan  en  cosas  de  Francia.  La
carta  que  V.  M.?  ha  escrito  a  S.  A.  no  se  la  he  embiado,  porque
traya  una  clausula  que  mostrandola  pudiera  dar  &amp;amp;  entender  que
V.  M.?  dezin  alli  algun  misterio  tocante  a  favoregelle  en  sus  pretensiones
  de  aca.  —

Al  8.”  archiduque  Ferdinando  he  embiado  su  carta  y  segun  lo
que  V.  M.?  me  manda  no  hallo  muy  fagil  el  escriville,  pero  en  fin
le  dixe  muchos  encarecimientos  de  lo  que  V.  M.@  le  queria  y  procurava
su  grandeza  y  quanto  alava  la  buena  correspondencia  y  amistad
que  S.  A.  tenia  con  el  rey  Mathias,  y  que  al  s."  archiduque  I,eopoldo
me  mandava  V.  M.?  que  procurase  desviarle  de  sus  intentos,  apunte
lo  del  rey  Mathias,  porque  estando  sus  cosas  tan  adelante  y  siendo
tan  conveniente  aun  para  el  mesmo  8.”  archiduque  el  encaminarle
por  medio  del  rey  la  succession  del  imperio,  me  paregio  que
convenia  que  entendiese  quo  V.  M.?  se  inclinava  a  esta  trasa.

Que  el  duque  de  Baviera  Maximiliano  que  govierna  aya
fomentado  las  cosas  de  Leopoldo,  como  han  informado  a  V.  M.*,  lo  tengo
por  muy  ajeno  del  hecho,  pero  todavia  ha  sido  muy  cConveniente  que
V.  M.?  le  oscriva  en  la  forma  que  lo  haze  y  el  lo  estimara  como
es  razon;  el  duque  viejo  Guillermo  tuvo  congertadas  vistas  con  el
8.”  archiduque  en  RBRatisbona!  y  el  duque  Maximiliano  las  ha
desviado,  y  me  parece  que  ha  acertado  mucho  en  ello.

Al  rey  de  Ungria  di  la  carta  de  V.M.‘  y  le  dixe  el  desseo  que
V.  M.?  tenia,  de  que  la  election  de  rey  de  Romanos  cayesse  en
su  persona  y  que  me  mandava  hiziese  todas  las  diligengias  posibles
de  su  parte  para  este  efecto.  Lo  uno  y  lo  otro  estimaron  el  y  sus
ministros  en  mucho;  aungue  sin  tener  esta  ultima  orden  de  V.  M.“  les
avia  yo  significado  harto  de  Su  voluntad  en  esta  parte  y  comunicandoles
  el  viaje  de  mi  secretario  al  imperio?  para  descubrir  tierra  en
los  electores  eclesiasticos  y  porque  haze  a  este  proposito  una  carta

1  Zuniga  war  nicht  schlecht  unterrichtet:  Herzog  Wilhelm  hatte  sum
Erzberzog  eine  vertraute  Person  geschickt,  „um  sich  alles  guets  zu  erkundigen“,
  und  nahm,  wie  er  am  5.  April  mit  dem  Ausdruck  herzlicher  Teilnabme
  für  Leopold  an  den  Kurfürsten  von  Köln  schreibt  (Ma.,  39:9,  f.  33;
Or.),  in  Aussicht,  sich  zum  Erzherzog  zu  begeben;  aber  dieser  lehnte  am  6.  April
den  Vorschlag  einer  Zusammenkunft  mit  der  Versicherung  ab,  „dass  dis
ganze  wesen  auf  solche  wolbegränte  ursachen  fundiert,  angefangen  und
maneggirt  worden,  das  es  bei  der  ganzen  welt  und  allen  ehrliebenden
rübmblich  zu  verantworten  ist*;  der  Herzog  möge  sich  seinethalben  nicht
mit  fremden  Gedanken  beladen  und  sein  „vetter-  und  vaterliches“  Herz
nicht  von  ihm  abwenden  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofkonzepte,
f.  41).  —  Einige  Tage  später  aber  bat  der  Erzherzog  selber  um  eine  Unterredung
  zu  Brühl  bei  Regensburg  (vgl.  unten  no.  146,  8.  364,  Anın.  4).
2  Jacques  Bruneau;  vgl.  oben  no.  132,
        <pb n="371" />
        142—143.  1611  349

que  he  tenido  del  elector  de  Colonia,  embio  la  copia  y  [la]  de  Magungia,  April
se  que  inclina  a  lo  mesmo,  aunque  el  uno  y  el  otro  se  declaran  en  [etwa  15.
la  persona  del  rey  de  Ungria,  pero  assentandose  lo  de  Bohemia  como

espero,  con  dificultad  podran  inclinar  a  otra  parte.

La  negogiagion  entre  el  emp.”  y  el  rey  se  fuo  estrechando
  por  medio  de  lanzgrauio  de  Leitemberg  y  Arnesto  de  Molart  que
llevavan  los  recados  y  pringipalmente  entre  el  obispo  de  Viena  y
el  secretario  Barvicio,  el  qual  dispusso  al  emp.°,  a  que  tuviesse  por
bien  de  que  el  rey  se  corone  y  assi  por  orden  de  S.  M."  el  gran
cangiller  ordeno  la  proposigion  de  la  dieta,  la  qual  hizo  el  burgravio
en  nombre  del  emp.”,  exortando  a  los  estados,  para  que  assi  como
agora  tres  anos  avian  desiguado  al  roey  Mathias  por  rey  a  su
instangia,  tanbien  le  coronen.  Fue  muy  bien  admitida  la  proposigion,
pero  andase  en  demandas  y  respuestas  sobre  las  condiciones  que
pretende  el  emp.”,  aunque  dexar  este  reyno  al  rey  (en  estando
assentadas  las  embiare  a  V.  M.?)  ha  avido  tambien  dificultades  en
la  forma  de  la  resignagion,  pretendiendo  los  del  reyno  que  se  declare
ser  electivo!,  pero  los  exemplos  passados  no  hazen  a  su  proposito
dellos,  y  los  ministros  del  emp.”  y  del  rey  han  procurado  que  se
assionte  en  buena  forma.  Hasta  agora  no  esta  del  todo  concluydo,
pero  espero  que  no  se  pondra  mal,  siempre  ha  avido  algo  desto  de
election,  pero  casi  siempre  regulada  conforme  a  la  succgession  Y
desendengia  de  los  reyes.  Hanse  prendido  mas  personas  por  lo  tocante
  a  echizos  y  venenos  de  que  ha  avido  aqui  mucho  escandalo  2,
y  el  rey  ha  estado  mal  dispuesto,  aunque  so  halla  mejor  de  gomitos
con  calentura  no  sin  temor  de  veneno,  pero  ayer  se  hallo  bien  y
estuvo  levantado.

El  emp.’  anda  muy  trabajado  de  salud  y  le  han  tomado  diversas
  vezes  accidentes  muy  apretados  de  palpitagion  del  corazon  y
los  medicos  temen  mucho.  Ha  de  vivir  poco,  Ja  estranas  tracas  en
su  salida  de  aqui  y  en  su  manera  de  vivir  y  algunas  personas
aqui  en  la  passion  de  las  injurias  recibidas  le  tienen  del  todo  fuera
desentido,  que  cierto  es  grandissima  compassion.“  O.  D.?

Bim.,  Fasz.  2497,  f.  329;  Or.

143.  Tengnagels  fünfte  gütliche  Aussage.  April  15.

Gedruckt  bei  Hammer  -  Purgstall,  Ueber  die  Verhandlungen
mit  Herrn  von  Rosenberg  während  des  Einfalls  des  Passauschen
Kriegsvolkes.  —  Abhandlungen  der  k.  böhmischen  Gesellschaft  der
Wissenschaften.  V.  Folge,  III.  Band.,  S.  790  £.t

!  Vgl.  oben  no.  141,  S.  345,  Anm.  1.

*  Vgl.  oben  no.  131,  S.  316,  Anm.  2.  Im  ganzen  waren  bis  14.  April
35  Personen  verhaftet  worden  (Bericht  eines  anhaltischen  Agenten  aus  Prag
vom  14.  April;  De.,  A  9a,  I.c.,  no.  8;  Kopie).

®  Datiert  nach  dem  Postenlauf,  der  zwischen  Madrid  und  Prag  in  der

1  vier  Wochen  forderte.  Das  Stück  ist  jedenfalls  zwischen  7.  April

(oben  no.  132)  und  25.  April  (unten  no.  158)  einzureihen.

*  Daselbst,  8.  792  £.,  ist  auch  Tengnagels  sechste  peinliche  Aussage
vom  18.  April  gedruckt.
        <pb n="372" />
        April  16.

350  1611  144.

144.  Bescheid  des  Kurfürsten  von  Mainz  auf  die
Werbung  der  Gesandten  des  Königs  Matthias.

[Die  Werbung  geschah  am  15.  April  und  bestand  in  einer
geschichtlichen  Darstellung  dessen,  was  sich  seit  dem  Vertrag  von
Lieben,  besonders  aber  seit  dem  prager  Konvent  bis  zum  Einfall
des  passauer  Volks  in  Prag  zwischen  den  Brüdern  zugetragen  hatte,
und  schloss  mit  der  Aufforderung  an  den  Kurfürsten  als  den
„Prinzipal‘‘  des  geschlossenen  Vertrags,  zu  erwägen,  ob  diesem  Vertrag,
besonders  aber  dessen  7.  Artikel  wegen  Abführung  des  Kriegsvolks
nachgelebt  worden  sei  und  mit  der  Bitte,  dem  König  mit  Rat,  Volkund
  Geldhilfe  beizuspringen].!

Der  Kurfürst,  der  stets  auf  Zuhaltung  des  neuen  Vertrags
gehofft  hatte,  ist  von  diesem  beschwerlichen  Zustand  schmerzlich
berührt;  er  weiss  nicht  einmal,  weshalb  dieser  Einbruch  des  passaner
Volks  geschehen  und  ob  er  mit  Zustimmung  des  Kaisers  erfolgt  ist,
der  leicht  denken  konnte,  es  würde  ihm  dies  sowol  beim  König  wie
bei  den  fürstlichen  Unterhändlern  „ungleichen  Verstand‘  bringen.
Sobald  er,  der  Kurfürst,  vom  König  wie  auch  von  anderer  Seite  von
diesen  Vorkommnissen  nnterrichtet  worden  war,  hat  er,  obwol  die
Nachrichten  differierten,  sowol  beim  Kaiser  als  auch  an  andern
Orten  zur  Einhaltung  des  Vertrags  und  Abdankung  des  Kriegsvolks
eifrig  gemahnt,  wie  der  König  dies  selbst  weiss.  Nun  erwartet  der
Kurfürst  zwar  immer  noch  die  vom  Kaiser  verheissene  zuverlässige
Information  darüber,  was  es  mit  jenem  Einfall  auf  sich  hatte;  aber  seine
Hoffnung,  dass  der  Kaiser  nichts  wider  den  Vertrag  tun  werde,  ist  durch
die  ausdrückliche  Erklärung  in  den  Schreiben  und  Instruktionen
des  Kaisers  an  den  König  bestärkt  worden,  von  denen  er  zum  Teil
durch  einen  der  in  Prag  gewesenen  Kurfürsten  Kenntnis  hat.  Von
dieser  Hoffnung  lässt  der  Kurfürst  umso  weniger  als  er  (abgesehen  von
dem  feindlichen  Gebahren  des  passauer  Volkes,  bei  dem  sich  eben
wie  sonst  nur  zu  oft  zeigt,  zu  welcher  Vermessenheit  ein  Kriegsvolk  bei
Mangel  an  Bezahlung  ohne  Zutun  der  Feldherrn  und  Obern  kommen
kann)  jüngst  vernommen  hat,  wie  freundlich  der  Kaiser  gegen  den  König
und  dieser  auch  hinwieder  sich  zu  brüderlicher  Affektion  erboten
haben;  der  Kurfürst  erwartet  daher,  der  Kaiser  werde  dem  König  nicht
nur  eine  befriedigende  Erklärung  geben,  die  ihm  alles  Verdachts
ungleicher  Gesinnung  gegen  den  Bruder  entheben  wird,  sondern
auch  alles  übrige  so  vereinbaren,  dass  es  zu  beständiger  Eintracht
zwischen  zwei  so  hohen  Potentaten  gereichen  mag.

Demnach  wird  der  König  leicht  ermessen  können,  dass  der  Kurfürst
  in  Unkenntnis  der  eigentlichen  Absichten  des  Kaisers  sich  auf
das  Begehren  um  Hilfe  (das  nach  der  erfolgten  Zusammenkunft

ı  Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  31;  Kopie;  die  (Gesandten
waren  Teufel  und  Wacker.  Vgl.  oben  no.  125,  8.  306,  Anm.  4.
        <pb n="373" />
        144.  1611  351

beider  Fürsten  hoffentlich  unnötig  sein  wird)  in  so  kurzer  Zeit  und  April  16.
bevor  er  sich  deswegen  mit  den  andern  prager  Unterhändlern  verständigt
  hat,  nicht  entschliessen  kann;  der  König  möge  ihn  daher  für
entschuldigt  halten.  Er  will  aber  ehestens  diese  Verständigung
vornehmen,!  sich  dann  gemeinem  Gutachten  bequemen  und,  da  er
nicht  gewillt  ist,  von  der  getroffenen  Vergleichung  auszusetzen,
mit  den  andern  Unterhändlern  alles  anwenden,  damit  derselben  nachgelebt
  werd.  Er  ist  auch  gern  bereit,  bei  der  Zusammenkunft
beider  Brüder  durch  treuliche  Erinnerung  Dienste  zu  leisten.?  Dagegen
erhofft  der  Kurfürst  vom  König,  dass  er  sich  zu  Bestätigung  brüderlicher
  Affektion  so  bequemen  werde,  dass  es  zum  Frieden  mit  dem  Kaiser,
zur  Wolfahrt  des  Hauses  Oesterreich  und  zur  Handhabung  des  Beligionsund
  Profanfriedens  im  Reiche  gereichen  möge  und  dass  er,  wenn
einige  Irrungen  vorfallen,  den  Kaiser  vermöge  dessen  Alters  und
langer  Regierung  für  entschuldigt  halten  werde.  Der  Kurfürst  setzt
in  den  König  das  gewisse  Vertrauen,  der  werde  als  ein  ansehnliches
Glied  des  Reiches  die  Rücksicht  auf  Kaiser  und  Reich  gehörig
erwägen  und  beflissen  sein,  dessen  Ehre  und  Wolstand  zu  erhalten.
Damit  zeigt  der  König  seine  Friedfertigkeit  und  wird  sich  um  das
Reich  verdient  machen.  Signatum  Aschaffenburg  den  16.  aprilis  a.1611.
Wmsz,,  Reichstagsakten,  Bd.  109c,  no  96;  Kpt.  von  Faust!

ı  Am  20,  April  schraibt  der  Kurfürst  an  jeden  der  Teilnehmer  des
prager  Konvents  wegen  des  Hilfebegehrens  des  Königs  und  schlägt  eine  Gesamtantwort
  an  diosen  vor,  „damit,  wan  man  je  etwas  der  hülf  halben  bei
derselbigen  [kgl.  M.t]  thun  solte,  |man]  doch  der  pflichten  halben,  domit
man  I.  ksl.  M.:  und  dem  heil.  reich  verwandt,  welche  unsers  erachte  in
obangezogenem  vertrag  nicht  aussgeschlossen  sein  konnen,  salviert  und  ohngefärt
  pliebe.“  Der  Kurfürst  wünscht  Gutachten,  wie  man  zu  solcher  Gesamterklärung
  kommen  könne  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  44;  Kpt.  von  Faust).

?  Zunächst  schrieb  unter  dem  17.  April  der  Kurfürst  an  den  Kaiser,
telte  ihm  des  Königs  Hilfebegehren  mit  und  gab  ihm  zu  bedenken,  in
weiche  Gefahr  die  Unterhändler  des  prager  Vertrags  gesetzt  würden,  wenn
der  König  bei  diesem  Begehren  verharrt  und  der  Kaiser  das  Kriegsvolk
nicht  abschafft.  Der  Kaiser  solle  die  Abdankung  nicht  länger  verziehen
und  sich  bei  einer  Zusammenkunft  dem  König  also  akkomodieren,  dass
die  Reichsstände  bei  ihrem  Vertrauen  auf  den  kaiserlichen  Schutz  verharren
könnten.  Der  Kaiser  möge  erwägen,  wenn  den  Ungelegenheiten  nicht
ehestens  abgeholfen  wird  und  die  Unterhändler  unter  rich  zu  dem  Schluss
kommen,  dass  man  dem  gegebenen  Versprechen  folgen  müsse,  „zu  was  betrüebnussen
  vileicht  E.  ksl.  M.t  dasselbis,  uns  andern  aber  neben  höchster
und  schmerzlicher  bekümmernuss  ohnverträglichen  last  ausschlagen  wurde*
(Wiınz.,  a.  a.  O.,  no.  39;  Kpt.  von  Faust).

®  Im  Konzepte  folgte  noch  der  später  gestrichene  Wunsch,  der  König
möge  die  Freilassung  der  verhafteten  kaiserlichen  Räte  bewirken,  die,  wenn
sie  in  ihren  Ratschlägen  zu  weit  gegangen  sind,  —  was  der  Kurfürst  nicht
bestreiten  will  —  wol  noch  zur  Verantwortung  gezogen  werden  könnten.

*  Diesen  Bescheid  teilt  der  Kurfürst  noch  am  16.  April  Kurköln  und
Kurtrier  mit  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  42).  Der  kurkölnische  Bescheid  an  die
königlichen  Gesandten  vom  7.  Mai  entsprach  demnäch  dem  obigen  (Wimz.,
Korrespondenz,  Bd.  1;  Kopie).  —  Die  königlichen  Gesandten  gaben  sich
aber  mit  obigem  Bescheid  von  Kurmainz  nicht  zufrieden  sonderu  replizierten  noch
am  16.:  Der  Tenor  ihrer  Proposition  beruhe  darauf,  dass  dem  7.  Artikel  des
        <pb n="374" />
        April  17.

352  1611  145.

145.  König  Matthias  an  Erzherzog  Maximilian.

Auf  ein  Schreiben  vom  11.1  Ich  will  Tengnagel,  der  gestern
zum  ersten  mal  torquiert  wurde,  auch  darüber  befragen  lassen.  Seine
Aussage  vom  14.  März  und  seinen  „Diskurs“  schicke  ich  anbei?
Die  Zauberer  des  Kaisers  habe  ich,  soviel  ich  ihrer  bekommen  konnte?,
einziehen  lassen  „und  erschrökliche  sachen  befunden,  wie  tyrannisch
mit  mir  gehandlet  worden,  mich  umb  das  leeben  armbseelig  zu
bringen,  do  nicht  Gott  mich  insonderheit  bewahret  hette.“  Bis  ich
E.  L.  die  Beweise  schicke,  mögen  Sie  dafür  halten,  „dass  so  erschröckliche
  sachen  fürkummen,  welche  allein  genuegsamb  wären,

prager  Vertrages  wegen  Abdankung  des  Kriegsevolkes  und  Schadloshaltung
für  die  Schäden  nicht  Folge  gegeben  sondern  von  seiten  des  Kaisers
zu  Verderb  des  dem  König  zedierten  Erblandes  Oesterreich  das  Widerspiel
praktiziert  worden  sei.  Sie  hoffen  daher  nochmals,  der  Kurfürst  werde  sich
dahin  bemühen,  dass  dem  Vertrag  nachgelebt  und  dem  haltenden  Teile  Beistand
geleistet  werde.  Da  der  Kurfürst  zweifele,  ob  das  passauer  Volk  über  die
bestimmte  Monatsfrist  hinaus  in  des  Kaisers  Namen  aufgehalten  worden  sei
und  unter  dessen  Namen  das  Land  verderbt  habe  ader  ob  es  aus  eigenem
bösen  Vorsatz  so  gehandelt  habe,  so  möge  sich  der  Kurfürst  darüber  durch  schriftliche
  Anfrage  beim  Kaiser  vergewissern,  damit  in  dem  einen  Fall  das
friedbrüchige  Vornehmen  der  Passaucr  rechtmässig  gestraft  oder  im  andern
Fall  dem  Vertrag  genügt  werde  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  37;  Kopie).  —  Der  Kurfürst
lehnte  dies  Begehren  vor  der  Verständigung  mit  den  andern  Unterhändlera
ab  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no  38;  Kpt.  von  Faust).  —  Viel  sanguinischer  als  die  Gesandten
  war  Matthias  selbst,  der  am9.  Juni  dem  Kurfürsten  für  dessen  Bescheid
dankte;  er  fasste  des  Kurfürsten  Erklärung  dahin  auf,  „dass  ich  mich  der
80  hochen  gegen  meiner  person  und  ganzem  hauss  Oesterreich  tragenden
sonderbaren  affektion  höchlichen  zu  erfreuen  und  dahin  zu  gedenken  hab,
solches  nach  fürfallender  occasion  gegen  E.  L.  zu  erwidern“.  Der  Kurfürst
bemerkt  dazu  eigenhändig  am  Rand:  „Grosses  erpietens  wais  ich  mich  nitt
zu  erindern  sonder  villmelır  das  contrarium,  das  modus  procedendi  nimmer
zu  verantworten,  mich  vff  ein  zettul  referirent,  dorin  die  cronung  zu  sus
pendieren;  hab  inen  nitt  rechtt  geben“  (Wmz.,a.  a.  O.,  Bd.  104,  no.  58;  Or.).

-  *  Der  Erzherzog  hatte  dem  König  mitgeteilt,  was  Leopolds  Beichtvater,
P.Hepricus  Aquensis[Aquentius],  ausgegeben  hatte  und  wie  es  Ramee  in  München
und  Salzburg  ergangen  war.  Daraus  und  aus  Tengnagels  Aussagen  vom  14.  März
lasse  sich  erkennen,  dass  noch  allerlei  gefährliche  Praktiken  im  Schwange
seien;  der  König  möge  sich  bemühen,  den  „Praktikanten“  die  Flügel  zu
stutzen  (Ib.,  Maximilianische  Hofkonzepte  vom  April  1611,  no.  9).  —  Am
8.  April  hatte  Maximilian  auch  an  Khlesl  geschrieben,  Tengnagel  und  andere
beim  Verhör  ernstdich  zu  bofragen,  wer  jene  unruhigen  Köpfe  seien,  die,
wie  er  verspüre,  aus  den  tirolischen  Landen  mit  dem  kaiserlichen  Hof  in
verdächtiger  Weise  korrespondieren  und  dadurch  Mistrauen  und  Verbitterung
im  Hause  Oesterreich  verursachen  (Ib.,  a.  a.  O.,  no.  4).  In  einem  Schreiben
an  seinen  Agenten  in  Prag,  Paul  Hahn,  bezeichnet  der  Erzherzog  besonders
den  Hofkammer-Präsidenten  Paul  Freiherrn  von  Krauseneck  und  den  Hofzahlamts-Kontrolor
  Gabriel  Pühler  als  dessen  verdächtig  und  lässt  durch  Hahn  dea
Grafen  Heinrich  Matthias  Thurn  ersuchen,  die  beiden  zu  verhören  und  derea
Korrespondenzen  zu  untersuchen  (Ib.,  a.  a.  O.,  no.  5;  Kpt.).  —  Offenbar
bezieht  sich  der  erste  Satz  obigen  Schreibens  auf  dieses  Begehren  des  Erz

erzoge.
’  Vgl.  oben  no.  101  und  121.
®  Vgl.  oben  no.  142,  S.  349,  Anm.  2.
        <pb n="375" />
        145.  1611  358

I.  ksl.  M.!  vonierer  digniteten  zu  deponiern.  Ich  willaber  wie  April  17.
billich  des  haubts  unsers  hauss  und  des  eltisten  brueders  verschonen,
da  anderst  mir  nicht  zu  einer  extremitet  weiters  ursach  gegeben
wird;  dann  auf  solchen  fal  wurde  ich  mehr  das  gmaine  wösen  als
ein  particularperson  bedenken.‘  1  Dass  E.  L.  dem  Verkehr  mit
Erzherzog  Leopold  ausweichen,  ist  sehr  vernünftig;  er  wird  daraus
ersehen,  dass  wir  eines  Herzens  und  von  ihm  gleichmässig  beleidigt
sind?  Toengnagels  und  anderer  Aussagen  sind  derart,  „dass  S.  L.
eıcusation  und  defension  mehr  ein  accusation  ist  und  dieselb  noch
heutzutag  nicht  von  mier  und  denen  landen  aussetzen  sondern  aller
orten  practiciern,  sich  feundlich  wiederamben  zu  erholen.“  —  Ich
habe  gern  gehört,  dass  der  Akkord  mit  dem  elsässer  Volk  soweit
gediehen  ist;  mit  denen  in  Budweis  stehe  ich  in  ebensolchen
Verhandlungen.

Ram6e  hat  mit  seiner  Abfertigung  bei  Baiern  und  Salzburg
seinen  billigen  Lohn  empfangen;?  das  übrige  steht  ihm  noch  aus.
Dass  Leopold  sich  seiner  weiter  bedient,  ist  kein  Zeichen  von  Beue
sondern  vielmehr  von  Bachbegier,  wozu  er  als  fast  der  jüngste  von
uns  keine  Ursache  hat.

Ich  überschicke  E.  L.  die  kaiserliche  Proposition  beim  Landtag,  wie
sie-auf  die  erste  Replik  der  Stände  korrigiert  wurde;  wegen  der  Krönung
sind  die  Stände  zufrieden;  sie  begehren  aber  auch  Abtretung  des

!  Vgl.  oben  no.  181,  8.  316,  Anm.  2.  —  Ueber  diese  Verhaftungen
hatte  Khlesl  am  11.  April  dem  Erzherzog  berichtet,  der  am  18.  April  mit
warmen  Worten  der  Anerkennung  für  des  Bischofs  Sorge  und  Mühe  zu  des
Hauses  Wolfahrt  erwidert:  „Die  vermessenheit  deren  inquirierten  magischen
künstlern  ist  hoch  verwunderlichen  zu  vernehmen,  und  weiln  mich  eben  der
Praetorius  [kaiserlicher  Hofkaplan]  durch  gewisse  person  vor  dem  Khüebach  und
etlichen  durch  ihne  hiehero  geführte  praktiken  verwarnen  lassen,  so  mechte
ich  sehr  wol  laiden,  dass  ainer  und  der  andere  destwegen  ernstlich  befragt,
auch  womöglich  deren  originalschreiben,  so  etwo  von  hinnen  mit  ihnen

iert,  überkomben  und  was  ihnen  dissorts  sunsten  bewust,  erfragt
werden  mechte.  Damit  Ir  auch  den  Hegemüller  und  andere  complices
vorangeteutter  massen  desto  mehrer  und  mit  grund  befragen  zue  lassen
wsach  finden  möget,  so  überschicke  ich  Euch  hiemit  copiam  eines  schreibene,
weiches  des  erzberzogse  Leopoldi  L.  aus  Gfllch  vor  ainem  jahr  an  ihne,
Hegenmüller,  gethan  (fehlt),  und  hielte  für  ein  sehr  nuzliches  werk,  da  auch
die  diser  orten  falsche  und  schedliche  praktiken  derzeit  entdekt,  bestraft
und  hinfüro  abgeschnitten  werden  mechten,  nit  zweiflent,  Ihr  werdet  deme
einen  anfang  albereit  gemacht  und  hiedurch  weiter  zue  procediren  mehrere
licht  zu  nehmen  haben*  (Ib.,  a.  a.  O.,  no.  15;  Kpt.)

?  In  dem  oben  8.  352,  Anm.  1  erwähnten  Schreiben  vom  11.  April  hatte
Maximilian  weiter  berichtet,  dass  Erzherzog  Leopold  ihn  habe  ersuchen
lassen,  den  König  zu  ermahbnen,  dass  der  die  böhmische  oder  römische  Krone
nicbt  mit  den  Waffen  suche  sondern  Glfick  und  Zeit  ihren  Lauf  lasse,
sonst  würde  das  Haus  Oesterreich  sein  Successionsrecht  verlieren  und  der
König  zur  Freistellung  der  Religion,  Annehmung  ketzerischer  Räte  und  zu
anderen  schweren  Bedingungen  gedrängt  werden;  auch  eine  Zusammenkunft
mit  Maximilian  habe  der  kirzherzog  gewünscht,  doch  habe  er,  Maximilian,
ihm  bisber  darauf  nicht  geantwortet.

®  Vgl.  oben  no.  125,  8.  307,  Anm.  3.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  28
        <pb n="376" />
        April  17.

April  17.

354  1611  145  —146.

Regiments  und  Erlassung  des  Eides.!  Ich  ermahne  täglich  die
Stände,  die  Sache  zu  befördern  und  keinen  Aufzug  zu  gestatten.  —
Das  französisch  und  savoyische  Kriegsvolk  macht  mir  allerlei
Gedanken,?  „dass  noch  ein  verdecktes  essen  wider  unser  hauss  mechte
darunter  steken‘;  man  muss  daher  auf  die  Zeitungen  wol  achten.
Ich  erwarte  dieser  Tage  die  moldauischen  und  wallachischen  Gesandten,
die  sich  meinem  Schuts  unterworfen  haben.  Bathory  sucht  alle
Gelegenheit,  Oberungarn  zu  beunruhigen  und  sich  dessen  zu  bemächtigen?
  Wenn  ich  mit  Böhmen  in  ÖOrduung  und  vor  dem
Kaiser  versichert  bin,  habe  ich  wol  Mittel,  mich  Bathory  entgegenzustellen
  und  ihm  mehr  zu  tun  als  er  sich  denkt;  aber  jetzt  liegt
mir  vor  allem  an  Böhmen.  Datum  Praag  den  17.  aprilis  a.  1611.  —
Praes.  21.  aprilis  1611.

ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  April  1611,  no.  31;  Or.

146.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Kurfürsten
von  Köln.

Auf  ein  Schreiben  vom  8.  Aprl.*  Aus  den  mitgeteilten
Schreiben  ersehe  ich,  „wie  weit  erzherzog  Leopold  mit  seinen  sachen
über  so  vilfeltige  guetherzige  warnung  gerathen  und  was  für  sorglichen

i  Vgl.  oben  no.  141,  S.  344  und  345  mit  Anm.  1.

?  Die  Besorgnis  vor  den  angeblichen  Rüstungen  des  Herzogs  von
Savoyen  war  allgemein  (vgl.  oben  no.  59):  Herzog  Maximilian  schreibt  am
17.  April  an  den  Kurfürsten  von  Köln,  derselbe  möge  Erkundigungen  wegen
des  savoyischen  Kriegevolks  einziehen,  das  angeblich  nicht  gegen  Geaf
oder  Bern  sondern  gegen  Deutschland  angesehen  sein  soll;  auch  die  Königin
von  Frankreich  treffe  an  den  burgundischen  Grenzen  Kriegsvorbereitungen
(Ma.,  39/9,  f.  37;  Kpt).  —  Auch  Erzherzog  Leopold  hatte  ein  Auge  auf
die  saroyischen  Rüstungen  und  befahl  am  18.  April  Bamee,  die  schon  ge
plante  Schickung  des  Hauptmannes  Wilhelm  von  Croy  an  den  Herzog  nicht
eine  Stunde  länger  zu  verzögern  /Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofkonzepte
  von  1611,  f.  84;  die  Beglaubigung  für  Croy  vom  14.  April,
ebenda,  f.  70).

8  Wegen  Gabriel  Bathory  vgl.  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreichs,
IV.,  474  £.,  V.,  60  f£.

*  Der  Kurfürst  teilte  dom  Herzog  den  Vorschlag  von  Kurmainz
eines  Kurfürstentages  mitıvgl.  oben  no.  111  und  Anm.  2  aufS.273),  ferner  das
Schreiben  des  Kurfürsten  von  Sachsen  an  den  von  Mainz  vom  6./16.  Mär
(oben  no.  104)  und  das  Schreiben  der  Erzberzoge  Maximilian  und  Ferdinand
an  dieKurfürsten  vom  11.  März  (oben  n0.95).  Zum  zweiten  Schreiben  bemerkt
Kurkölo,  dass  darnach  auch  in  Dresden  die  Affektion  für  Erzherzog  Leopold  zu
sinken  beginne;  zugleich  fragt  er  an,  was  Herzog  Wilhelm  zu  dem  Handel  sage
„und  ob  der  Leopoldus  noch  in  allem  recht  muess  haben“  (Ma.,  39/9,  f.  19;
Or.).  —  Mit  einem  zweiten  Schreiben  vom  15.  April  überschickt  der  Karfürst
  Abscnrift  eines  an  ihn  gerichteten  Schreibens  des  Herzogs  Wilhelm  in  den
Angelegenheiten  Leopolds,  aus  dem  der  Herzog  sehen  möge,  „wie  meinem  bruedern
diss  werk  eingehet  und  8.  L.  dem  erzherzogen  noch  wie  vor  favorisieren*
(Ma.,  39/9,  f.  32;  Or.).  In  dem  erwähnten  Schreiben  (vom  5.  April)  klagt  Herzog
Wilhelm  über  die  Fortschritte  des  Matthias,  über  die  Bedrängnis  Leppolds
durch  den  König,  der  Passau  und  Öberhaus  einnehmen  wolle,  „welches
Leopold  zu  difficultiern  gesinnet;  aber  niemand  will  im  helfen,  jederman
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        146.  1611  355

geferlichen  effect  er  allenthalben  in  und  ausser  des  röm.  reichs  April  17.
causirt,  auch  zu  noch  merer  angedeiter  gefahr  anlass  geben.  Und
obwol  der  herr  vater  noch  in  disen  verstrichenen  hochen  festtägen
auf  des  erzherzogen  begern  nach  Brüel  bei  Regenspurz  ein  zusamenkonft
  bewilligt,!  so  ist  doch  dieselb  auf  mein  erinderung  allerhand
suspitionen  [zu  verhietten  mit  harter  mhüe]!  eingestelt  und  an  deren
stat  von  dem  herrn  vater  ain  schreiben,  wie  die  beilag  [fehlt]
vermag,  abgangen,  daraus  E.  L.  die  jetzige  intention  zu  ersehen.“
Soeben  hält  aber  der  Erzherzog,  der  sich  von  Passau  nach  Alt-Oetting
  begeben  hat,  bei  meinem  Vater  so  inständig  an,  dass
dieser  morgen  naclı  Oetting  reisen  will.  Sulz  und  Ram6e  sind  in
Passau,  wo  man  wegen  des  Köniys  Drohschreiben  300  Mann  zur
Verwahrung  von  Stadt  und  Schloss  werben  will.  Aber  man  hat  kein
Geld,  die  Obersten  flüchten  ihre  besten  Sachen  aus  Böhmen.  „Allain  will
man  sich  verlauten  lassen,  weil  I.  kgl.  W.  aus  Ungern  die  passauische
in  Oesterreich  ligende  güeter  angehalten,  dass  man  dieselben,  da  der
könig  solche  nit  wider  relaxirn  und  restituirn  werde,  gedenke  mit
gewalt  zue  holen  und  ledig  zu  machen  [auch  eher  diese  soldatesca,
wan  sie  in  Behem  nach  der  lizencierung  vonn  einander  weren,  wider
de  nouo  zu  samblen,  vnd  diss  hat  Leopoldus  dem  herr  vatter,  dass
er  entlich  resoluirt  sey,  zuentbotten]),!  dieweil  die  passauische
oldatesca  dem  erzherzog  Leopold  geschworen  haben  solle,  wann  si
schon  gar  bezalt  und  abgedankt,  dannoch  ime  erzherzog  Leopolden
noch  darauf  und  darüber  drei  monat  umbsonst  zue  dienen.  [Es
last  sich  gleichwol  der  herr  vatter  verlautten,  dass  er  eben  desshalben
iesto  mehr  vrsach,  hinab  zum  erzherzog  Leopold  zu  raisen  vnd  ihne
ib  hoc  proposito  zu  dinertieren].!  Gestern  abents  haben  sich  des
ıbergemelts  erzherzog  Leopoldi  gesandten,  so  auf  den  bundstag
raisen,  bei  mir  angemeldt  ;  begern  unter  anderm,  dass  der  bund  ihnen
rerwilligen  soll,  drei  fendlein  zu  versicherung  des  stifts  zu  werben,
reiches  ich  für  mein  person  rund  abgeschlagen.  —-  Wie  es  zu  Prag
jeschaffen  und  dass  die  Behaimb  zween,  wie  man  sagt,  schwarztünstler
  in  ketten  zu  verhaft  genommen,  der  ksl.  M.‘  die  schiltwacht
zar  auf  den  gang  bestelt,  aus  des  Hegenmillers  und  Hanniwaldts
deposition  ainen  process  formiern  wellen,  werden  E.  L.  von  dannen
bericht  haben.

Was  nun  den  vorhabenden  churfürstentag  und  was  daselbst
zu  handlen  betrifft,  wissen  E,  L.  selbst,  was  auf  solchen  fal  dem
ehurfürstlichen  collegio  [vnd  dessen  directorio]?  obligt,  [vnd  da

'espectiert  den  Matthiam“  ;  er  beabsichtige,  sich  zu  Leopold  zu  begeben  und
nit  ihm  zu  reden  (Ma,  39/9,  f.  33;  Kopie).  Am  20.  April  wird  wirklich  aus
Passau  berichtet,  dass  nıan  Jen  Herzog  von  Baiern  daselbst  orwarte  (Kundschaft
ws  Passau  vom  20.  April;  Ma.,  694/6,  Kopie);  vgl.  oben  no.  142,  8.  348,
Anm.  1.

!  Eigemhändige  Zusätze  des  Herzogs.

93%
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        April  17.

April  17.

356  1611  146—  147.

hiebevor,  ehe  es  zu  diesem  laidigen  stand  gerathen  und  doch
gleichwol  gnuegsame  vermuetung  denselben  prognosticiert,  raht  geschafft
  werden  können,  solches  villeicht  fieglicher  geschehen  were,
vmb  sovil  desto  mer  ich  nun]!  wünsche,  dass  jezt  solche  wichtige
geheufte  puncten,  die  an  inen  selbst  hochnotwendig,  iren  gueten
effect  erlangen.“  Datum  München  den  17.  aprilis  a.  1611.

Ma.,  899,  f.  35;  Kptkople  mit  eigenhändigen  Zusätzen  des  Herzogs.

147.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

„Ich  habe  Dein  schreiben?  entphangen  vnd  inhalts  daraus
verstanden,  das  sich  nhu  mein  her  bruder  der  röm.  kal.  M.*  geferlichen
vnd  betrubten  zustand  zu  herzen  gehen  lassett  vnd  sich  gegen
I.  M.!  so  hoch  erbietten  thun.  Dasselbige  hab  ich  gern  vernommen,
wil  es  auch  I.  ksl.  M.'  undertbenigst  zu  rumen  wissen.  Ob  nhu
wol  Dein  schreiben  ahn  die  stende®  ausfurlich  vnd  beweglich,  so
wirdet  doch  dasselbige,  weyl  leyder  der  gemeine  pobel  mittregirtt,
wenig  frucht  schaffen.  Den  landtagk  haben  I.  M.  in  praefixo
termino,  wie  ihn  die  stende  vorgeschlagen,  ausschreiben  müssen
vnd  haben  I,  M.'  dahero  keine  lenger  dilation  vergonnen  wollen.
Damitt  nhu  nicht  etwa  IL  kel,  M.‘  ein  grosser  schimpf  daraus  entstehen
  mog,  dieweyl  sie  sich  austrucklich  verlautten  lassen,  wofern
I.  M.'  begerter  massen  nicht  den  landtag  ausschreiben  wurden,  das
sie  alsdan  solches  vor  sich  thun  woltten,  als  haben  sich  L  M.!  bequomen
  mussen.

So  haben  sie  es  auch  bey  voriger  wachtbestellung  nicht
bewenden  lassen  sondern  auff  alle  genge,  dahin  I.  M.*:ihres  leibes
recreation  halber  zu  spatziren  geben  pflegen,  schiltwachen  gestellet,
wie  dan  auch  vor  wenig  tagen  einer  I.  M.‘,  als  sie  zum  fenster
hinausgeschauet,  die  muschetten  nach  dem  gesichtt  gehaltten;  *  in
summa  es  ist  nhur  lautter  crucifige  und  alles,  was  sie  durch  guttliche
  und  scharfe  fragen  von  I.  M.'  eingezogene  diener  erfaren
konnten,  nhur  disen  frommen  altten  hern  zu  vnderdrücken  vnd  bey
der  gantzen  weltt  verhast  zu  machen,  daran  wirdet  nichts  vnderlassen.


Gott  sey  mein  zeuge,  das  mir  mein  herz  so  webe  thutt,  das
mir  manchmal  die  tranen  ihn  die  augen  kommen,  wan  ich  den
fromen  altten  hern  anschaue,  wie  dan  auch  L  M.*  allen  ihren  trost
auff  mich  gesetzet  und  sie  nicht  zu  verlassen  ganz  gnedigst  begertt

!  Vom  Herzog  getilgt.

2  Vom  2./12.  April;  vgl.  oben  no.  131,  S.  319,  Anm.  1.

®  Vom  gleichen  Tag;  vgl.  das  Zitat  auf  8.  319,  Anm.  1.

*  Vgl.  oben  no.  131,  8.316,  Anm.  1  und  F.  Hurter,  Geschichte
Kaiser  Ferdinands  II.,  VI,  8.  489,  wonach  diese  Bedrohung  des  Kaisers
durch  die  Wache  der  Anlass  zu  dem  bekannten  Fluch  wurde,  den  Rudalf
über  die  Stadt  Prag  und  Böhmen  ausgesprochen  haben  soll.
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        147.  1611  357

haben;  und  krencket  mich  von  hertze,  das  ich  nach  meinem  willen  April  17.
I.  Mt,  wie  ich  gern  woltte,  nicht  dienen  kan;  dan  wie  ich  von

einen  vornemen  Bohemen,  so  ich  aber  itzo  nicht  nennen  magk,

gehoret,  gehett  dises  werk  nirgent  anderst  hin  als  diesen  frommen

altten  hern  zu  ruiniren,  dem  konige  die  hende  zu  binden  und  das

sie  das  regiment  selber  in  henden  behaltten  vnd  zu  kunfftiger  zeitt

das  haus  Ostereich  gar  vber  eine  seitten  setzen  wollen.

Ich  habe  nicht  vnderlassen,  dem  konig  ganz  treuherzig  durch
ein  ausfurlich  schreiben,  so  ich  mitt  eigen  handen  gethan,  zu  erinnern
  und  zu  vermanen,  wie  den  aus  der  copey  sub.  no.  1L!.  hirbey
zu  befinden,  vnd  ob  ich  wol  vermeinett,  das  ehr  solches  ihm  besten
verstanden  haben  vnd  bey  sich  selber  bedacht  und  erwogen  haben
soltte,  so  vermerk  ich  doch  so  viel,  das  ehrs  den  stenden  communieirot,
  und  habe  dadurch  sowol  bey  dem  konnige  als  stenden  mich
in  ein  grosses  mistrauen  gesetzett  vnd  grosse  vngunst  auff  den  hals
geladen,  wie  den  auch  der  konig  solch  mein  ausfurlich  schreiben
schimplich  einen  zettel  genennett  vnd  eine  ganze  unfreuntliche
anttwort  herwider  zu  banden  stellen  lassen,  wie  solches  hiebei  sub.
no.  2?  zu  befinden.  Als  ich  auch  solche  unfreunttliche  anttwortt
geandett  und  dem  concipienten  zugemessen,  wie  dan  aus  der  copey
sub  no.  3°  mitt  mehrem  zu  vernemen,  als  bin  ich  vermoge  des
protocols  sub  no.  4*  von  dem  konige  beschicket  worden,  derwegen
ich  auch  mitt  ihm  mich  ferner  einzulassen  bedencken  trage,

ı  Vgl.  oben  no.  131,  S,  316,  Anm.  1.

’  Das  königliche  Schreiben  vom  8.  April  beginnt  mit  den  Worten:
„E.  L.  zettel  vom  6  aprilis  hab  ich  empfangen,  weil  aber  derselb  etlich
scharfe  anzüg  [aufweist],  zu  abschneidung  aller  weiterung  diesmals  nit  antworten
  wöllen.“  Er,  der  König,  habe  sein  Wort  redlich  gebalten  und  den

des  seinen  mehrınals  erinnert,  wobei  er  es  verbleiben  lasse.  „Wan
aber  diese  sachen  I.  ksl.  M.t  gefallen  nach  numehr  in  einen  andern  stand
geraten,  mir  auch  anderst  nichts  als  die  verschribne  bürgschaft  verblieben,
bin  ich,  was  ich  hierauf  zu  thun  willens,  alberait  dessen  entschlossen,  was
ich  mir  vor  Gott  und  der  welt  getrewe  zu  verantworten.  Do  nun  E.  L.
die  angefangene  freundschaft  mit  mir  zu  eontinuieren  Ihrem  vermelden  nach
gedacht,  wie  ich  dann  dieselb  meines  thaile  verlange,  Jer  auch  zu  keinem
andern  ursach  geben,  so  werden  Sie  meiner  mit  diser  materia  künftig  desto
mehr  verschonen,  weil  Sie  damit  anderst  nichts  als  misverstand  und
mehrere  weiterung  verursachen,  sonsten  aber,  wo  Sie  meinem  freundlichen
begehren  volgen,  solche  missverständ  abschneiden  wurden*  (Wolfenbüttel,
Landeshauptarchiv,  Akten  des  österr.  Hausstreits;  Or.).

s  Der  Herzog  erwiderte  noch  am  8.:  er  wollte  mit  dem  König  sprechen,
weil  man  dem  Kaiser  auf  dessen  Spazierweg  eine  Schildwache  gestellt  habe,
die  ihm  die  Muskete  vor  das  Gesicht  bielt,  was  nur  Verbitterung  -  hervorrufe,
  nicht  aber  zur  Hauptsache  diene.  „Das  auch  E.  kgl.  W.  meine  treuherzige
  erinnerung  80  vbel  auflgenommen,  solches  mus  ich  dahinstellen  vnd
mehr  dem  concipienten  als  E.  kgl.  W.  zumessen;  vud  weyl  ich  vermercke,
das  ich  mitt  meiner  guttherzigkeitt  nicht  mehr  dank  verdienen  sol,  will  ich
mieh  diesen  sachen  ganz  abthun  (Wolfenbüttel,  a.  a.  O.;  Kpt.  eigh.).

*  Am  9.  April  erschienen  der  königliche  Hofmarschall  Herr  von  Losenstein
  und  (Graf  Hardeck  beim  Herzog  und  erinnerten  ihn  an  die  beim  prager
Konvent  eingegangenen  Verpflichtungen:  der  Herzog,  der  wegen  des
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        April  17.

358  1161  147.

Ich  habe  mich  so  hoch  vnd  fleissig  bemuhett,  das  ich  die
beyden  brüder  zuem  freunttlichen  gesprech  zusamenbringen  mochtt,
vnd  ob  ich  wol  I.  M.*  dahin  bewogen,  das  sie  es  ihres  theyis  eisgangen
  weren,  so  hatt  es  doch  bey  dem  konig,  vermuttlich  aus  rahtt
des  Klesels,  auch  der  stende,  nicht  erhoben  werden  konnen.  Welcher
gestalt  mich  auch  die  bomischen  stend  fast  unbesonner  weisse  be

‘schicken  lassen,  ich  ihnen  aber  daraufi  zur  antwortt  geben,  das

hastu  gleichsfals  hiebey  sub  no.  5!  zu  entphangen.

Wie  der  bestimte  tag  des  lantags  sich  herzu  genahett,  hat  I.  M_',  vnangesehen
  sie  es  begert,  auch  das  die  merischen  stende  vnd  Schlesinger
noch  nicht  ankommen,  keine  dilation  zur  proposition  erlangen  konnen
sonder  haben  sich  vngeschewett  verlautten  lassen,  wofern  I.  ML!  die
propositionem  nicht  thun  wurden,  das  sie  alsdan  dieselbige  ins  werk
setzen  woltten,  wie  sie  den  auch  ein  gros  geschmier  von  acht  bogen
sollen  aufgeseztt  haben  vnd  darin  gleich  I.  M.!  accusiren  wollen,
darunder  dan  gar  grobe,  ehrenrugige  hendel  zu  befinden  sein  sollen.‘

Solches  zu  verhutten  haben  I.  M.:  die  propositiin  thun  lassen
vnd  ihn  die  kronung  willigen  mussen,  wie  aus  der  proposition  sub.

passauer  Volkes  doch  so  eifrig  gewesen  sei,  scheine  jetzt  seinen  Sinn  geändert
zu  haben.  Den  gestrigen  „Zettel“  des  Herzogs  mit  der  Beschwerde  gegen
den  Konzipienten  habe  der  König  sehr  empfunden;  denn  er  werde  dariz
verdächtigt  ale  sei  er  seiner  nicht  mächtig  und  hänge  von  seinen  Räten  ab.
Der  König  habe  aber  Verstand  genug,  habe  es  selbst  hefohlen  und  bitte,  iha
künftig  wit  dergleichen  Anzügen  zu  verschonen.  Da  der  König  höre,  dass  de
Herzog  sich  in  diese  Sachen  mische  und  ihn  an  seinem  Glück  hindern  wol,
auch  dem  Kaiser  einen  Rücken  mache,  so  bitte  er  den  Herzog,  von  all  des
abzustehen,  da  daraus  nur  Verbitterung  entstehen  würde,  und  lieber  dea
Kaiser  zur  Billigkeit  zu  weisen.  —  Darauf  der  Herzog:  Er  wisse  sich  neiner
Erklärung  zu  Wien  und  seiner  Bürgschaft  wol  zu  erinnern;  er  habe  dem  König
nicht  die  geringste  Ursache  zu  Mistrauen  gegen  ihn  gegeben,  habe  sich  auch  nie
geändert,  und  wer  das  dem  König  gesagt  habe,  „hette  das  maul  zu  weit
aufgethan  und  auf  gut  teutsch  gelogen“.  Des  Königs  „fast  eiferige  antwort‘,
in  der  er  sein,  des  Herzogs,  ausführliches  Schreiben  und  wolmeinendes  Erinnern
schimpflich  einen  Zettel  nennt  und  alles,  was  er,  Herzog,  in  treuherziger
Meinung  warnungsweise  schrieb,  verkehrt  und  widersionig  deutet,  habe  e:
sehr  empfunden  und  dem  Konzipienten  zugeschrieben.  Er  lasse  es  aber
dahingestellt  sein  und  wolle  nur  den  König  warnen,  dass  er  sich  nicht  za
sehr  die  Hände  binden  lasse  und  so  endlich  das  Haus  Oesterreich  unter  di
Bank  gesteckt  würde.  Mit  den  böhmischen  Sachen  habe  er,  Herzog,  nichta
zu  tun  und  mische  er  sich  nicht  darein;  aber  dem  Reichsfürsten  werde  es
niemand  verdenken,  dass  er  dem  Kaiser,  der  ihm  vertraut  und  seines
Rat  begehrt,  sein  Gutachten  gibt.  Seine  Consilia  wolle  er  vor  männiglich
verantworten;  sie  richten  sich  darauf,  des  Kaisers  Autorität  zu  wahren,
damit  ein  brüderlicher  Vergleich  getroffen,  Frieden  gestiftet  und  das  Haus
Oesterreich  erhalten  werde;  der  König  werde  vielleicht  noch  inne  werden,
ob  der  Herzog  oder  ein  anderer  ihm  am  besten  geraten  habe.  —  Darauf
folgen  Klagen  über  das  ungebührliche  Verhalten  der  Wachen  (Wolfenbüttel,
a.  a.  O.;  Kpt.  eigh.).
!  Vgl.  oben  no.  141,  8.  344,  Anm.  1.
?  Oben  no.  136.
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        147.  1611  359

no.  61  mit  mehrem  zu  vernemen,  nd  hetten  I.  M.!  die  kronung  April  17.
nicht  gutwillich  eingangen,  so  were  nichts  gewissers  erfolgett  dan
das  sie  die  cron  mit  gewaltt  hinwegk  genommen  und  ihn  der  altten
stadt  auff  dem  rahthausse  den  konig  gekronett  hetten,  zu  geschweigen,
was  sie  I.  M.‘  noch  wol  sonsten  vor  einen  despect  bewiesen,  welches
aber  gleichwol  bishero  durch  meine  gegenwart  verhindertt  worden.
Auf  solche  proposition  haben  sie  I.  M.*  vnderschittliche  puncta,  no.  7.,
vbergeben  und  alsobaltt  erklerung  haben  wollen;?  es  haben  aber
I.  M.  bis  auf  den  sambstag  auffischub  der  sachen  wichtigkeitt  nach
begerett.  Wie  nhun  dersambstag  [April  16]  herankommen  vnd  I.  M.'  sehr
vbel  auffgewesen  und  noch  den  einigen  tagk  dilation  begertt,  hatt
man  doch  solches  nicht  erhalten  konnen  sondern  ganz  mitt  vngestumb
die  resolution  gesucht,  mit  vermeldung,  do  dieselbige  nicht  erfolgett,
sie  vor  sich  nicht  desto  weniger  vortfaren  woltten.  Weil  man  dan
ihre  insolentiam  gespuret  vnd  sie  durchaus  nicht‘  mehr  vnder  I.  M.*
regiment  zu  verpleiben  sich  resoluiret,  als  habe  ich  neben  den
geheimen  retben  ee  gewaget  vnd  sein  zu  I.  M.!  ungefoddert  ihns
zimmer  gangen  vnd  die  gefahr  angemeldet  vnd  I.  M.'  ersucht,  das
sio  sich  gedulden  vnd  gestaltten  sachen  nach,  wie  es,  die  vorigen
tage  abgeredett,  resoluiren  mochten,  andern  schimpf  vnd  inconvenientz
zu  verhutten,  welches  dan  erhalten  worden;  vnd  weyl  sie  die  designation
  dem  konig  streittig  machen  vnd  auff  eine  freyhe  wal  gehen
wollen,  hat  die  propositio,  wie  sie  es  begeret,  geendertt  werden
müssen,  I.  M.'  auch  sich  noch  der  vbrigen  puncten  halber  resoluiret,
wie  dan  solches  alles  aus  den  beylagen  sub.  no.  8,  9,  103  mit  mererm
zu  vernemen.  Wie  sie  sich  aber  daraufi  resoluiren  werden,  das
mus  man  erwartten.

Gott  sey  mein  zeuge,  das  ich  mich  vber  die  ksl.  M.*,  als  ich
sie  gesehen,  gleych  entsetzet  habe,  den  sie  so  erdfarbich  ausgesehen
und  wegen  des  catharri  suffocatiui  und  palpitatione  cordis,  so
I.  M.'  die  vorige  nacht  angestossen,  fast  nicht  reden  konnen.*  Soviel  den
koning  sonsten  anlangett,  haben  die  stende  ihm  die  kaiserliche  proposition
zugestellet,  aber  darneben  erinnertt,  das  ehr  ohne  der  stende  vorwissen,
  rahtt,  guttachten  vnd  bewilligung  mit  der  ksl.  M.'  nichts
tractiren  sollte.

ı  Vom  12.  April:  Der  Kaiser  hat  aus  briüderlicher  Liebe  bewilligt,
dass  der  zum  König  schon  designierte  Matthias  nach  altem  Brauch  publiziert
und  gekrönt  werde.  Er  erwartet,  dass  die  Stände  in  die  Krönung  willigen
und  sich  mit  ihm  eines  gewissen  Krönungstages  vergleichen  werden.  Der
Kaiser  behält  sich  aber  vor,  zu  dieser  Pıo  Erw  noch  einige  Artikel  zu
weiterer  Verhandlung  nachzutragen  (Ma.,  542/10,  f.  12;  Kopie);  gedruckt  bei
M.  C.  Londorp,  Acta  publica,  I.,  8.  97;  vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und
seine  Zeit,  II.,  8.  869.

?  Vgl.  oben  no.  141.  8.  345  und  Anm.  1.

®  Vgl  die  vorige  Anmerkung.

*  Ueber  den  Gesundheitszustand  des  Kaisers  vgl.  Zunigas  Bericht
oben  no.  142,
        <pb n="382" />
        April  17.

April  19.

360  1611  147  —148.

Dein  erbitten  wirdt  den  frommen  hern  noch  in  seinem  grossen
bekummernis  ein  herz  machen;  den  es  haben  I.  M.*  zu  vnderschittlichen
malen  mich  gefragtt,  ob  ich  auch  hoffnung  hette,  das  die  churvnd
  fursten  I.  M.*  nicht  verlassen  vnd  allen  respect  als  einem
römischen  keiser  beweissen  werden;  daruff  ich  I.  M.'  zum  besten
als  ich  gekontt  getrostett  vnd  das  ich  derselben  nach  mugligkeitt
gutte  officia  praestiren  woltte,  mich  erbotten  habe.  Vnd  weyl  ich
nicht  zweiffle,  das  man  allerhandtt  wider  I.  M.‘  pratisiren  wirdett,
so  will  ich  mich  doch  verhoffen  vnd  freuntlich  darumb  gebetten
haben,  das  Du  neben  Brandenburgk  vnd  anderen  chur-  und  fursten  gleichwol
  von  I.  M.*  nicht  aussetzen  und  das  derselben  ihn  ihrem  hohen
altter  ein  solcher  despect  vber  die  albereit  erlittene  [nicht]  widerfaren  moge.
Das  werden  I.  M.‘  ihn  keyserlichen  gnaden  zu  erkennen  wissen  vnd
ich  verdiene  es  freuntlich  herwider“‘  Datum  Prag  den  7./17.  aprilis

a.  1611.
Drs.,  l.  9167;  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  160;  Or.  eigh.

148.  Werbung  des  kaiserlichen  Gosandten  Pflug  beim
Kurfürsten  von  Sachsen.

1.  Die  böhmischen  Stände  haben  des  passauer  Volkes  etwas
gewaltsamen  Einzug  in  Prag  weit  anders  als  er  gemeint  war  aufgenommen,
  ihn  viel  schändlicher  als  er  in  Wahrheit  gewesen  den
Reichsständen  geschildert  und  gebrauchen  ihn  meisterlich  und  ganz
arglistig  als  erwünschte  Gelegenheit,  ihre  böse  Absicht  ins  Werk
zu  setzen,  welche  sie  vor  zweieinhalb  Jahren  unter  dem  Schein  ihrer
Freiheiten,  Pakta,  Konventionen  und  anderen  dergleichen  Vorwänden
angesponnen  haben:  sie  wollen  damit  nur  ihre  Begierde,  die  alte
Verfassung  des  böhmischen  Reiches  zu  ändern  und  die  königliche
Gewalt  zu  schmälern  und  also  das  Unterste  zu  Oberst  zu  kehren,
bemänteln.  Diese  ihre  böse  Absicht  und  Feindseligkeit  gegen  den
Kaiser  erhellt  klärlich  daraus,  dass  sie  die  Schmach  und  den  überaus
grossen  Schimpf,  den  der  König  von  Ungarn  vor  zwei  und  einem
halben  Jahre  dem  Kaiser  und  der  Krone  Böhmen  angetan  hat,  sw
rasch  ausser  Acht  gelassen  und  nie  daran  gedacht  haben,  ihn  zu
ahnden,  jetzt  aber  des  passauer  Volkes  „etwas  thätliche  Handlung“
8o  hoch  empfinden  und  den  König  von  Ungarn,  der  nicht  nur,  wie
jetzt  dem  Kaiser  zugemessen  wird,  die  Stände  sondern  auch  den
Kaiser  als  König  von  Böhmen  und  mithin  die  ganze  Krone  Böhmen
aufs  äusserste  beleidigt  hat,  durch  des  Kaisers  Verderben  zu  erheben
trachten.  Dies  parteiische  Verhalten  nebst  dem,  was  sich  seit  zweieinhalb
Jahren  in  Böhmen  und  in  den  Österreichischen  Ländern  ereignet  hat,
muss  billig  bei  E.  kfl.  Gn.  undallen  Reichsständen  Nachdenken  erwecken.

2.  Die  böhmischen  Stände  unterstehen  sich,  den  Kaiser  beim
ganzen  Reich  zu  verdächtigen  als  sei  alles,  was  wegen  des
passauer  Kriegsvolkes  geschehen  ist,  dahin  gemeint  gewesen,  den
        <pb n="383" />
        148.  1611  361

Land-  und  Religionsfrieden  zu  schwächen  und  zu  vernichten  wie
auch  die  Böhmen  um  ihre  alten  und  neuen  Freiheiten  zu  bringen.
Das  ist  aber  nur  ein  arglistiges,  unbegründotes  Vorgeben,  welches
des  Kaisers  lange  friedliche  und  in  höchster  Sanftmuth  geführte,
herrliche  Regierung  leicht  widerlegt,  indem  weltkundig  ist,  „dass
I.  ksl.  M.'  nicht  allein  nach  gedachtem  religion-  und  prophanfrieden
alss  eine  normam  ihre  ganze  regierung  angestellet  und  dirigiret
sondern  auch  vielen  römischen  und  spanischen  praktiken,  so  demselben
zuwider  im  heil.  reich  unablässlich  angespunnen  und  getrieben
worden,  mit  vaterlicher  embsiger  sorgfeltigkeit  s’ch  jederzeit  wiedersezet
  und  derentwegen  nicht  ein  geringe  burde  vieler  geferlicher
missgunstbei  dem  römischen  stuel  und  der  cron  Spanien  auf
sich  geladen  haben,  wie  dan  der  pabstische  und  spanische  rat  I.  M.*  alss
eine  remoram  und  verhinderung  des  pabsts  und  Spaniens  monarchischen
ambition  nicht  weinig  verfolget  und  a.  1605  und  1606  auf  die
wahl  eines  romischen  konigs  heftig  zu  tringen  angefangen!  und
erzherzogen  Albrechten  zu  solcher  hoheit  zu  befürdern  sich  unternommen
  und  in  einer  schrift,  so  der  churfurst  von  Coln  dem  pabst
zu  Rom  überschicket,  vier  ursachen,  warumb  erzherzog  Matthias
und  Maximilian  zu  excludiren  und  gedachter  hohen  dignitet  nicht
fähig  und  würdig,  ganz  verkleinerlichen  und  mit  ebrenverlezlichen
worten  weitleuftig  ausgeführet  werden.  Alss  aber  die  röm.  ksl.  M.
alss  ein  hochverstendiger  alter  regent  gedachten  römischon  und
spanischen  practicanten  und  ihrem  anbang  ins  herz  gesehen  und
derentwegen  zu  gedachter  wahl  nicht  verstehen  wollen,  wie  viel  sich
auch  der  pabst  durch  seinen  nuntium  und  die  cron  Spanien  durch
den  churfursten  zu  Collen  und  I.  M.!  beichtvater,  den  Pistorium,?
darumb  bemühet,  haben  sie  dassjenige,  was  directe  nicht  gehen
wöllen,  via  obliqua  durchzutreiben  sich  resolviret  und  volgents  gegen
die  röm.  ksl.  M.'  ,  ihren  eltisten  herrn  brudern,  welchen  sie  vordem
in  obberührter  schrift  alss  ganz  undüchtig  zur  cron  verworfen  und
excludirt,  verhezet,  werden  auch  nicht  ruhen,  biss  sie  demselben
neben  der  bohemischen  die  römische  cron  tanquan  infulam  aufgesezet
und  lezlichen  erzberzogen  Albrechten  und  dan  der  cron  Spanien
einen  zugang  und  weg  zum  römischen  reich  zugerichtet  und  bereitet
haben;  we/-he  practiken  durch  den  Glesel  bisshero  getrieben  worden
und  wird  er  sich  nochmaln  seinen  könig  und  erzherzog  Maximilian,
so  er  izo  dem  schein  nach  faviret,?  umb  einen  cardinalhuet  zu  verkaufen
  und  zu  übergeben  kein  gewisseu  machen.“

3.  Die  Stände  sind  nach  dem  Abzug  der  Passauer  mit  ihrem  und
der  Mährer  und  Oesterreicher  Volk  vor  das  Schloss  gerückt,  haben

’  Vgl.  darüber  F.  von  Hurter,  Goschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,  VI.,
8.  427  und  Briefe  und  Akten,  V.,  S.  739  f.,  753  f.

?  Ueber  Johann  Pistorius  d.  Ae.  vgl.  Briefe  undAkten,  V.,  Register.
Er  starb  am  19.  Juni  1608  (Briefe  und  Akten,  VI,,  428).

®  Vgl.  oben  no.  145,  8.  353,  Anm.  1.

April  19.
        <pb n="384" />
        April  19.

362  1611  148.

sich  unterstanden,  os,  weil  es  verschlossen,  mit  Gewalt  und  mit  grobem
Geschütz  und  ganz  ehrenrührigen  Drohungen  zu  Öffnen  und  haben,
um  den  Kaiser  desto  mehr  zu  verhöhnen,  durch  dessen  geschwornen
Feind  Herberstein  die  Wachen  gegen  des  Kaisers  Willen  mit  fremdem
Volk  besetzen  lassen,  darüber  sich  die  Stände  nicht  wenig  „gekitzelt“.!

4,  Die  Stände  haben  den  König  von  Ungarn  in  die  Krone  Böhmen
berufen  und  haben  ihn,  obgleich  er,  als  er  an  die  Grenze  gekommen
war,  weiter  zu  ziehen  nicht  Lust  hatte,  mit  Hilfe  des  ungestümen
Anhalten  Khlesls  und  dessen  Anhanges  gleichsam  gezwungen,  wenn  er
ihre  Gunst  behalten  wollte,  sich  nach  Prag  zu  begeben,  damit  jeder
gütlichen  Handlung  zwischen  dem  Kaiser  und  ihm  ein  Riegel  vorgeschoben
  werde  und  die  Stände,  welche  den  König  in  der  Hand
haben,  desto  leichter  ihre  Absicht  erreichen  könnten.

5.  Die  Stände  haben  den  Eid,  durch  den  ihr  geworbenes  Volk  dem
Kaiser  und  der  Krone  Böhmen  verpflichtet  war,?  geändert  und  auf
sich  allein  gerichtet,  auch  darin  weder  des  Königs  [d.  h.  von  Böhmen]
gedacht  noch  den  Kaiser  und  das  Reich  ausgenommen,  also  sich
iura  maiestatis  angemasst.  6.  Alle  Obersten  und  hohen  Befehls
haber,  die  den  Ständen  allein  nicht  schwören  wollten,  haben  sie
schmählich  abgedankt.e.  7.  Dadurch  ist  in  der  deutschen  Nation,
die  stets  wegen  ihrer  Treue  vor  anderen  berühmt  war,  ein  böses
Beispiel  gegeben  worden,  da  man  die  Soldaten  zum  Meineide  an
dem  Kaiser  und  ihren  Obersten  verleitete.

8.  Die  Stände  haben  sich  nicht  gescheut,  gegen  alles  Völkerrecht
des  Kaisers  Gesandten  an  die  geistlichen  Kurfürsten  aufzuhalten,  zu
verhaften  und  wie  einen  Missetäter  zu  verhören,  ja  sie  wollen  ihn  auch
peinlich  vernehmen?  9.  Sie  haben  des  Kaisers  geheime  und
Reichshofräte  verhaftet,  was  sich  gegen  niemanden,  besonders  aber
nicht  gegen  das  RBeich  rechtfertigen  lässt.  10.  Sie  haben  des
Kaisers  Kurier  niedergeworfen  und  die  Schreiben  erbrochen.

11.  Sie  halten  den  Kaiser  wie  einen  Uebeltäter  gefangen  und  be
wachen  ihn  wie  einen  servum  fugitivum.  12.  Der  Inquisitionsprozess,
den  sie  gegen  den  Kaiser  angestellt  haben,  ist  ein  ganz  abscheuliches
und  ärgerliches  Werk,  das  dem  Kaiser  wie  dem  Reiche  zum  höchsten
Schimpf  gereicht  und  ein  sehr  böses  Beispiel  gib.  13.  Die  Stände
zeigen  ihre  Bosheit  nicht  weniger  darin,  dass  sie,  immer  um  ihren
Prozess  zu  rechtfertigen  und  den  Kaiser  bei  den  Reichsständen  zu
verunglimpfen,  etliche  Zauberer  zur  Haft  haben  bringen  lassen  und
den  Kaiser  der  Zauberei  und  ähnlicher  unerweislicher  Beschuldigungen

ı  Vgl.  oben  no.  98  und  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  I;
S.  243.
?  Vgl.  oben  no.  118.

®  Das  peinliche  Verbör  Tengnagels  war  inzwischen  erfolgt;  vgl.  oben
no.  143,  8.349,  Anm.  4.
        <pb n="385" />
        148.  1611  363

anklagen.!  14.  Tengnagel  und  andere  Verhaftete  werden  ganz  April  19.
nachdrücklich  nach  Sachen,  die  die  Reichsstände  und  das  Reich  betreffen,
gefragt  und  so  zum  Meineid  verhalten.  15.  Wie  weit  die  Stände
die  Beschimpfung  des  Kaisers  treiben,  zeigt  sich  darin,  dass  der
Kaiser  jüngst  auf  dem  Gang,  der  nach  seinem  Lustgarten  führt,
etliche  Musketiere  fand,  die  auf  Befehl  der  Stände  mit  Leitern  durch
ein  Fenster  in  den  Gang  hinaufgestiegen  waren;  der  Kaiser  musste
deshalb  zurückgehen,  ist  also  auch  in  seinen  Gemächern  seines  Lebens
nicht  sicher.

16.  Die  Stände  untersteben  sich,  dem  Kaiser  die  Proposition
und  den  Landtagsschluss  zu  entziehen  und  alles  wie  bei  einem  Interregnum
  ‚„absoluta  potestate‘“  zu  verhandeln.  17.  Daraus  erhellt,
dass  sie  nicht  nur  ihren  Vorgeben  nach  ‚„regem  et  regimen“
sondern  „ipsum  regnum  et  formam  sive  rationem  imperii,  cuius  mutatio
caedes,  rapinas  aliaque  hostilia  portendit‘“,  verändern  wollen,  wie  sie
denn  auch  keine  Scheu  tragen,  „sich  der  Schweizer  und  Niederlendischen
Staaten  regierung  loco  exempli  und  regulae  fur  augen  zu  stellen.“
18.  Es  ist  ein  Gräuel  zu  hören,  dass  der  Kaiser  zu  Prag  von
Leuten  aller  Stände  als  Landesverräter  ausgerufen  und  mit  schmählichen
Worten  gelästert  wird,  die  „sine  nefario  facinore‘‘  nicht  zu  erzählen  sind.

19.  Der  Kaiser  kann  sich  in  dieser  Bedrängnis  seiner  getreuen
Räte  und  Diener  nicht  wol  bedienen  und  wird  von  allen  verlassen  ;
denn  die  ihm  treu  und  gewärtig  sind,  werden  auch  für  Landesverräter
  ausgegeben  und  in  vielen  anderen  Wegen  gefährdet.

20.  Unerhörter,  unverschämter  Weise  wollen  die  Stände  zugleich
Kläger  und  Richter  gegen  ihren  König  und  Kaiser  sein.  21.  Wenn
die  böhmischen  Stände  die  Reichsstände  nur  im  geringsten  respektierten,
„würden  sie  sich  nicht  unterstanden  baben,  einen  König  ihres  Gefallens  abund
  einzusetzen.  22.  Wie  gering  die  Stände  die  Reichsfürsten  achten,
zeigen  auch  ihre  trotzigen  Reden  und  das  Beispiel  des  Herzogs  von
Braunschweig,  von  dem  sie  wissen,  dass  er  ihr  Vorgehen  nicht  billigt
und  sich  des  Kaisers  annimmt;  daher  haben  sie  ihn  „besprechen‘‘  und
sich  verlauten  lassen,  wenn  er  nicht  aufhöre,  mit  dem  Kaiser  zu
praktizieren  und  zu  handeln,  so  werde  man  ihm  den  Zugang  zu
demselben  durch  eine  Wache  sperren.?

23.  Als  der  Kaiser  auf  Gutachten  des  Herzogs  von  Braunschweig
  am  80.  März  durch  Leuchtenberg,  Mollart  und  Barvitius
dem  König  von  Ungarn  die  Krönung  in  Böhmen  anbot  wie  sie
unter  Ferdinand  I.  und  Maximilian  II.  geschehen  ist,  der  König  dies  mit
höchstem  Dank  annabm  und  sich  dagegen  erbot,  sich  bei  den  folgenden
Unterhandlungen  so  zu  erzeigen,  dass  der  Kaiser  seine  brüderliche
Affektion  merken  solle,®  waren  die  Stände  mit  dieser  Erklärung  übel

!  Vgl  obenno.  181  mit  Anm.  1  aufS.  316  und  no.  147  mit  Ann.  3  aufS.  356,

?  Vgl.  oben  no.  141,  8.344,  Anm.  1  und  no,  147;  siehe  auch  Gindely,
Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  1I.,  257.

s  Zuniga  berichtet  am  7.  April  an  seinen  Herrn,  dass  der  Kaiser  Nachgiebigkeit
  gegen  die  Wünsche  seines  Bruders  gezeigt  und  diesem  durch
        <pb n="386" />
        April  19.

364  1611  148.

zufrieden  und  dringen  mit  Gewalt  auf  gänzliche  Abtretung  der
Regierung  von  Böhmen  und  der  einverleibten  Läuder,  hindern  also
die  bräderliche  Vergleichung.  24.  Die  Stände  sollen  sogar  ent
schlossen  sein,  sich  des  kaiserlichen  Schatzes  zu  bemächtigen.

25.  „Betauren  I.  M.‘,  dass  der  könig  in  Ungarn  nicht  vermerket
und  bedenket,  dass  Spanien,  der  pabst  und  die  stende  in  den  erblanden,
zuvorderst  aber  in  der  cron  Behmen  sich  desselben  person  und
hoheit  zum  eussersten  verderb  und  untergang  des  hauses  Oesterreichs
mit  sonder  gefahrlicbem  nachtheil  des  heil.  reichs,  ihre  intention
allerseits  dermaleins  ins  werk  zu  richten,  schendlichen  missbrauchen.“
26.  Dem  König  und  allen  Reichsständen  sollte  nicht  weniger  verdächtig
  sein,  dass  etliche  Reichsfürsten  „mit  particularpersonen  von
den  stenden,  denen  die  Picarder  fürnemblichen  anhangen,  und  nicht
mit  T.  M.'  und  den  standen,  als  von  E.  chfl.  gn.  hochloblichen
beschicht,  nicht  sonder  verweiss  und  vermutung  zukunftiger  gefehrlicher
verenderung  im  regiment  correspondieren.“  !

27.  Der  Kaiser  besorgt,  dass  das  vom  König  und  den  Ständen
aus  verschiedenen  Nationen  gesammelte  zahlreiche  Volk,  weil  keine  Mittel
zur  Bezahlung  vorbanden  sind,  bei  so  unordentlichem  Wesen  meutern,
ns  Reich  einbrechen  und  wie  die  böhmische  Krone  80  auch  die  römische
mit  Gewalt  zu  erlangen  sich  unterstehen  wird,  zumal  es  an
schwierigen  Köpfen  und  gefährlichen  Praktikanten  nicht  fehlt  und
der  König  denen,  die  ihn  erhoben,  auch  gegen  seinen  Willen  wird  folgen
müssen.  28.  Endlich  erinnert  der  Kaiser  E.  kfl.  Gn.  ganz  väterlich
zu  erwägen,  wie  sich  dieser  Aufstand  der  Untertanen  aus  der
Moldau  in  die  Wallachei.  und  von  da  durch  Siebenbürgen,  Ober-  und
Nieder-Ungarn,  Oesterreich  und  Mähren  wie  eine  ansteckende  Seuche
bis  nach  Böhmen  und  an  E.  kfl.  Gn.  Grenze  fortgepflanzt  hat,  so
dass  diese  Gefahr  E,  kfl.  Gn.  jetzt  am  nächsten  ist.  Der  Kaiser
gibt  auch  E.  kfl.  Gn.  zu  erwägen,  wie  viel  des  Königs  von  Ungarn
Volk  und  Anhang  bei  solchem  Ehrgeiz  und  Verlangen  nach  Regimentsveränderung
  und  Neuerungen  zu  trauen  ist,  da  jener  Anhang  sich  %
verlauten  lässt  als  stehe  die  römische  Krone  in  seinen  Händen.

Da  nun  der  Kaiser  zu  E.  kfl.  Gun.  ein  besonderes  Vertrauen
hat  und  von  niemandem  in  dieser  so  AäAussersten  Not  mehr  Gutes
erwartet  als  von  Derselben,  er  auch  wol  weiss,  in  welchem  Ansehen
E.  kfl.  Gn.  bei  König  Matthias  und  den  Ständen  stehen,  so  bittet  er
E.  kfl.  Gn.  „ganz  embsig“,  ihn  als  das  höchste  Haupt  des  Reichs

zwei  seiner,  geeimen  Räte  eine  persönliche  Zusammenkunft  vorgeschlagen
habe,  dass  aber  die  königlichen  Räte  mit  Rücksicht  auf  die  böhmischre
Stände  davon  abgeraten  hätten;  Khlesl  selber  machte  Zuniga  davon  Mitteilang
(Sim.,  Fasz.  2497,  f.  261;  Kopie).  Ein  Schreiben  des  Königs  an  die  böhmischen
Stände  vom  19.  April  (Wi,  IA  1,  K.  2990;  Kpt.)  und  der  Bericht  eines
Agenten,  wahrscheinlich  des  kurpfälzischen,  vom  3.  April  aus  Prag,  bestätigen
die  Tatsache;  letzterer  verlegt  sie  auf  den  2.  April  (U.,  Unionsacta,  tom.  XXI,
no.  2102).
ı  Vgl.  no.  79  und  no,  108.
        <pb n="387" />
        148.  1611  365

und  der  Christenheit,  als  Mitkurfürsten  und  jetzt  alten  und  um  das  April  19.
Reich  nicht  übel  verdienten  Regenten  in  seiner  höchsten  Bedrängnis
nicht  zu  verlassen  und  ihn  nicht  so  schmählich  und  schändlieh  durch
seine  eignen  Untertanen  und  durch  jene  gefährlichen  Praktikanten  seiner
Hoheit  und  Würde  berauben  zu  lassen  sondern  ihm  mit  Rat  und
Hilfe  beizuspringen.  Und  da  ihm  bedenklich  ist,  E.  kfl.  Gn,  und
andere  Kurfürsten  und  Fürsten  persönlich  nach  Prag  zu  berufen,
obgleich  es  sehr  nötig  wäre,  so  bittet  er,  dass  E.  kfl.  Gn.  nicht
nur  Dero  ansehnliche  Gesandte  ihm  zum  Beistand  schicken  und  sich
bemühen,  dass  von  anderen  Kurfürsten  und  Fürsten,  besonders  aber
von  den  E,  kfl.  Gn.  Erbverbrüderten  dasselbe  geschehe,  sondern  dass
E,  kfl.  Gn.  auch,  weil  Gefahr  im  Verzug  ist  und  die  Stände  in  ihrem  Unwesen
  ganz  unbesonnen  verfahren,  ungesäumt  den  König  von  Ungarn
und  die  Stände  durch  ein  ernstliches  Schreiben  von  Tätlichkeiten
gegen  den  Kaiser  abmahnen.  Ich,  Pflug,  soll  mich  von  hier  zu
Herzog  Karl  von  Münsterberg  begeben  und  ihn  im  Namen  des
Kaisers  auffordern,  sich  bei  den  schlesischen  Ständen,  zu  denen
der  Kaiser  ein  besonderes  Vertrauen  hat,  zu  verwenden,  damit
dieselben  ihm  Treue  halten;  der  Kaiser  bittet,  dass  E.  kfl.  Gn.  mir
dazu  ein  Ermahnungsschreiben  an  den  Herzog  in  obigem  Sinne
mitgeben.!

Der  Herzog  von  Braunschweig  hat  mir  noch  besonders  aufgetragen,
E.  kfl.  Gn.  zu  melden:  er  könne  den  Einfall  der  Passauer  nicht  billigen,
noch  weniger  aber  das  Verfahren  und  die  äusserste  Insolenz  der  Böhmen
gegen  den  Kaiser.  Da  er  sich,  um  der  Stände  Wüten  und  Toben
Widerstand  und  dem  Kaiser  Beistand  zu  leisten,  allein  zu  wenig  finde  und
fürchte,  dass  die  Stände,  wie  sie  des  Kaisers  nicht  schonen,  so  auch
an  seiner  Person  sich  vergreifen  könnten,  —  wie  sie  sich  denn  schon
durch  Schickungen  und  böse  Drohungen  haben  vermerken  lassen,  —  so
bitte  er  E.  kfl.  Gn,  mit  der  Abschickung  Ihrer  Gesandten  nicht  zu
zögern  und  nur  seinem  wahrhaften  Berichte,®  der  mit  meinem
obigen  ganz  übereinstimmt,  nicht  aber  anderem  Vorgeben  der
Stände  Glauben  zu  schenken;  nur  wer  selbst  zu  Prag  sei,  könne  das

Verfahren  der  Stände  für  möglich  halten.  O.  D.?
Dre.,  I.  9167,  lI.  Buch  passauer  Kriogsvolks,  f.  37;  Or.t

ı  Am  27.  April  schreibt  der  Herzog  von  Münsterberg  an  den  Kaiser:
er  babe  Pflugs  Werbung  angehört,  beklage  des  Kaisers  Zustand  und  haltemit
  den  übrigen  Fürsten  und  Ständen  Schlesiens  ihn  für  unschuldig  an  dem
Geschehenen.  Die  Instruktion  der  schlesischen  Gesandten  zum  Grenerallandtag
  gehe  auf  Erhaltung  der  kaiserlichen  Hoheit,  Abschaffung  der  bösen
Räte  und  Praktiken  und  Wahrung  der  Privilegien  (Wi.,  I  A  1,  Ka.  2990;  Or.).

2  Vom  17.  April;  vgl.  oben  no.  147.

s  Wegen  der  Datierung  vgl.  unten  Anm.  4.

*“  Noch  am  19.  April  schreibt  der  Kurfürst  an  den  Kaiser:  Seine
Gesandten  sollen  hoffentlich  bis  Montag  [April  25.]  in  Prag  sein;  sie
sollen  nicht  nur  Schreiben  an  Matthias  und  die  Böhmen  sondern  auch  an
die  schlesischen  und  lausitzischen  Stände  mitbekommen  ;  einen  kurmainzischen
Gesandten[  Bröinser],  der  eben  wegen  dieser  Sachen  in  Dresden  sei,  habe  er  bewogen,
        <pb n="388" />
        April  19.

366  1611  149.

149.  Brömser  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Zu  meinem  grossen  Verdruss  habe  ich  erst  gestern  Andienz
erhalten,!  bei  der  ausser  dem  Kurfürsten  Schönberg,  Loss  und  Gerstenberg
anwesend  waren.  Der  Kurfürst  liess  mir  durch  ersteren  auf  meine  Werbung
[wegendes  Kurfürstentags]nurerwidern,  erwolle  darüber  beraten  lassen
und  sich  ehestens  entscheiden  ;aufBegehren  übergab  ichdieWerbung  schriftlich.
  Gegen  die  früheren  Zumutungen  ?  habe  ich  mich  inzwischen  durch
gute  Grfinde  geschützt.  —  Gestern  abends  liess  mich  der  Kurfürst  durch
Gerstenberg  eilends  in  den  gebeimen  Rat  rufen;  dort  fand  ich  die  oben
Genannten  und  Herzog  Johann  Georg.  Der  Kurfürst  gab  mir  den  Platz
neben  sich  und  liess  mir  durch  Gerstenberg  vortragen,  er  sei  im  Begriff,
  auf  meine  Werbung  einen  Bescheid  zu  verfassen,  mit  dem
E.  kfl.  Gn.  zufrieden  sein  werden.  Soeben  habe  sich  aber  ein
Adeliger  mit  geheimen  Kreditiven  und  Handschreiben  des  Kaisers  angemeldet,
  von  dem  der  Kurfürst  mit  höchster  Betrübnis  vernommen  habe,
wie  weit  es  gekommen  sei:  dass  der  Kaiser  wie  ein  Gefangener
gehalten  und  noch  mit  mehrerem  bedroht,  dass  Räte  und
Schreiber  von  ihm  fern  gehalten  werden  und  dass  selbst  dieser
Adelige  nur  in  grösstem  Geheimnis  instruiert  werden  konnte;  derselbe
babe  sich  auch  nicht  als  Gesandter  ausgegeben  und  habe  ihn  der
Kurfürst  nicht  als  solchen  annehmen  dürfen,  wollte  er  dem  Kaiser
nicht  die  Gelegenheit  abschneiden,  sich  künftig  desselben  zu  bedienen.°
Der  Kurfürst  könne  nach  solchem  Anbringen  nicht  unterlassen,  die
begehrte  Schickung  nach  Prag  abzufertigen.  Er  halte  es  aber  für
sehr  dienlich,  dass  ich  mich  namens  E.  kfl.  Gn.  derselben  anschliesse,
da  E.  kfl.  Gn.,  wenn  Sie  von  dieser  höchsten  Not  des  Kaisers

mit  nach  Prag  zu  ziehen  (Dre.,  1.  9167,  II.  Buch  passauor  Kriegsvolks,  f.  44;
Kptkopie).  —  Dies  Schreiben  wird  an  den  Herzog  von  Braunschweig  mit
der  Bitte  geschickt,  es  dem  Kaiser  persönlich  zu  übergeben;  die  kurfürstlichen
  Gesandten  seien  befehligt,  sich  in  allem  nach  dem  Herzog  zu  richten
(Dra.,  a.  a.  O.,  f.  46;  Kpt.).

1  Brömser  war  schon  am  13.  April  beim  Kurfürsten  in  Torgau  eingetroffen,
  eben  als  die  dortige  Versammlung  auseinandergieng  (vgl.  oben  no.  131,
8.  315,  Anm.  5).  Der  Kurfürst  wünschte  aber,  dass  Brömser  gleich  nach
Dresden  reise  und  dort  seine  Werbung  in  aller  Form  ablege;  zugleich  liess
er  Brömser  andeuten,  dass  er,  Kurfürst,  besorge,  die  von  Kurmainz  ge
wünschte  Zusammenkunft  der  Kurfürsten  werde  sich  allzu  lange  verziehen
  und  inzwischen  Kaiser  und  Reich  unwiederbringlicher  Schaden  zuwachsen;
Brömser  möge  gleich  mit  einer  eächsischen  Gresandtschaft  nach  Prag  reisen
und  dem  König  und  den  Ständen  dort  allerlei  im  Namen  der  Kurfürstes
vorhalten.  Auf  Brömsers  Einwand  mangelnder  Instruktion  erwiderten  die
kursächsischen  Räte,  ihr  Herr  wolle  alles  auf  sich  nehmen.  Brömser  aber  bat
sogleich  seinen  Herrn,  ihn  mit  dieser  Schickung  zu  verschonen,  da  sie  bei  Leuten
doch  nichts  fruchten  könnte,  denen  die  persönliche  Anwesenheit  so  vieler  Kurfursten,
  Erzherzoge  und  Fürsten  keinen  Respekt  eingeflösst  habe  (Bericht
Brömsera  an  den  Kurfürsten  von  Mainz  vom  13.  April;  Wmz.,  Reichstagsakten,
  Bd.  104,  no.  2;  Or.  eigh.).

?  Vgl.  oben  no.  111  mit  Anm.  2  auf  S.  273.

?  Pflugs  Sendung;  vgl.  oben  no.  141  und  148,
        <pb n="389" />
        149.  1611  367

wüssten,  dies  gewiss  selbst  anbefehlen  würden.  Daher  gesinne  er  April  19.
an  mich,  mich  dem  gemeinen  Wesen  nicht  zu  entziehen  sondern
alsbald  abzureisen;  er  wolle  bei  E.  kfl.  Gn.  alles  auf  sich  nehmen.
Ich  wandte  darauf  nicht  nur  Mangel  an  Befehl  sondern  auch
meine  Privatverhältnisse  ein,  wodurch  die  Reise  mir  beschwerlich  und
fast  verderblich  falle.  Es  half  alles  nichts;  der  Kurfürst  und  dessen
Bruder  drangen  so  in  mich,  dass  ich  mich  zu  meiner  grossen  Bekümmernis
  dazu  bequemen  musste,  wie  aus  des  Kurfürsten  Schreiben
an  E.kfl.Gn.  hiebei  zu  ersehen  ist,!  Ich  werde  also  nächsten  Montag
wieder  in  dem  leidigen  Prag  sein  müssen,  dessen  ich  im  vorigen
Jahr  so  müde  geworden  bin,  ohne  dass  ich  weiss,  wann  ich  wieder
loskomme.  Schönberg  und  dGerstenberg  ziehen  mit.  Ich  bitte
E.  kl.  Gn.  mit  Rücksicht  auf  meinen  Hausstand,  dass,  falls  diese
Sache  sich  in  die  Länge  zieht,  ich  durch  eine  andere  Person  von
dieser  wichtigen  und  gefährlichen  Handlung  abgelöst  werde.  Ich
bitte  auch  E.  kfl.  Gn.  vorzubauen,  dass,  wenn  Sachsen  die  beiden
andern  geistlichen  Kurfürsten  ersuchen  wird,  gleichfalls  Gesandte
abzufertigen,  die  Kurfürsten  ihre  Instruktionen  nicht  auf  mich  richten  ;
denn  es  wäre  mir  zu  beschwerlich  und  würde  auch  der  erwachsende
Undank  auf  E.  kfl.  Gn.  allein  fallen.  Was  von  des  Kaiserg  Beschwerungen
  dem  Kurfürsten  heimlich  vorgebracht  wurde,  habe  ich
in  Erfahrung  gebracht  und  lege  es  bei  [fehlt].

Vor  zwei  Tagen  ist  der  Rheingraf  aus  Prag  mit  einer  Werbung
von  König  Matthias  hier  angelangt;?  er  hat  aber  Bedenken,  sie
abzulegen,  da  er  sieht,  dass  die  Stimmung  für  ihn  hier  ungünstig  ist,
und  will  wieder  abreisen.  Er  ist  hier  nicht  angesehen  und  meinen  die
geheimen  Räte,  man  müsse  sich  wegen  seiner  Unbeständigkeit  und

'  Der  Kurfürst  von  Sachsen  schreibt  unter  dem  8/18.  April  an  Kurmainz:
  In  Prag  steht  es  viel  gefährlicher  als  Kurmainz  bei  Brömsors  Abfertigung
  gewusst  hat:  man  hat  das  Schloss  mit  starken  Wachen  besetzt,
kaiserliche  Diener,  sogar  Reichshof-  und  gebeime  Räte  verhaftet  und  gefährliche
  und  unerhörte  Inquisitionen  gegen  den  Kaiser  selbst  angestellt,  ja
diesen  so  in  die  Enge  getrieben,  dass  er  keines  Dieners  oder  Sekretärs  mehr
mächtig  ist  und  jedermann  der  Zutritt,  also  auch  dem  Kaiser  jede  Verteidigung
  benommen  ist.  Soeben  ist  ein  Handbrieflein  des  Kaisers  eingelaufen,
  worin  dieser  ihm,  dem  Kurfürsten,  seinen  betrübten  Zustand  ganz
webhmütig  anzeigt  und  bittet,  ihn  nicht  zu  verlassen  und  bei  andern  Kurfürsten
und  Fürsten  solche  Beförderung  zu  tun,  wie  es  seine  höchste  Not  erfordere
und  wie  er  zum  Kurfürsten  vertraue.  Da  dies  ihm,  Kurfürsten,  sehr  zu  Gemüt
gebt,  so  will  er  sogleich  einige  Gesandte  nach  Prag  schicken,  die  dem

iser  aufwarten,  den  König  und  die  Stände  zur  Mässigung  ermahnen  und
befördern  sollen,  was  zur  Erhaltung  der  Hoheit  des  Kaisers  und  des  Reiches
nötig  ist.  Er  hat  Brömser  auf  eigene  Verantwortung  bewogen,  mitzureisen,
da  Gefahr  in  Verzug  ist  und  des  Kurfürsten  Befehle  nicht  abgewartet  werden
konnten.  Kurmainz  möge  eiligst  Instruktion  und  Beglaubigung  nachschicken
und  Kurköln  und  Kurtrier  zu  gleichen  Abordnungen  bewegen  ;  dasselbe  will
er,  Kursachsen,  bei  Kurbrandenburg  tun  (Dre.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer
Kriegsvolks,  f.  64;  Kptkopie;  —  Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  47;
Or.;  —  praes.  enburg  26.  aprilis).

?  Vgl.  oben  no.  133  mit  Anm.  2  auf  $.  321.
        <pb n="390" />
        April  19.

368  1611  149.

geringen  Veischwiegenheit  vorsehen,  was  E.  kfl.  Gn.  in  Acht  nehmen
werden,  wenn  er  seinem  Vorgeben  nach  zu  Derselben  kommt.  Ich
habe  heute  auch  mit  dem  kaiserlichen  Gesandten  aus  Prag  gesprochen,
der  mir  beiliegenden  Auszug  eines  italienischen  Schreibens  übergab,
das  er  von  einem  der  Geheimsten  des  Kaisers  hat.!

Soeben  erhalte  ich  die  kurfürstliche  Resolution  auf  meine  Werbung,?
über  die  ich  nicht  weiter  berichte,  da  sie  E.  kfl.  Gn.  Intention  ganz  gemäss
ist.  Im  Gespräch  mit  den  geheimen  Räten  fand  ich,  dass  es  dem  Kurfürsten
  sehr  bedenklich  sein  würde,  sich  zum  Kurfürstentag  weit
ausser  I,andes  zu  begeben  ;  er  ist  für  Mühlhausen;  der  Termin  wäre  wegen
der  Gefahr  über  zwei  Monate  anzuberaumen.  Mit  der  vorhergehenden  Zusammenkunft
  der  Räte  sind  sie  einverstanden;  der  Kurfürst  wird  sich
darüber  erst  am  Nachmittag  eutscheiden.?  Wegen  Kurbrandenburg  meinen
dieRäte,  dieser  Kurfürst  werde  sich  inzwischen  wol  zum  Kurverein  geeignet
machen.  Ich  bemerkte  dagegen,  dass  die  rheinischen  Kurfürsten  sich  zu
dessen  Aufnahme  nicht  eher  verstehen  werden,  bevor  die  Aussöhnung  mit
dem  Kaiser  erfolgt  und  die  Lizenten  abgeschafft  sind,  da  dies  sonst  dem
Kurverein  ganz  zuwider  wäre.  Der  Kurfürst  und  seine  Räte  stimmten
dem  zu.  —  Ich  habe  auch  angefragt,  wie  es  E.  kfl.  Gn.  wegen  Pfalz
mit  dem  Ausschreiben  halten  sollen?  Die  Räte  meinten,  man  solle
beide  [Pfalz  und  Brandenburg]  wie  zu  einer  Vergleichung  beschreiben,
versprachen  übrigens,  darüber  die  Meinung  ihres  Herrn  einzuholen.
  —  Ich  bitte  zu  sorgen,  dass  mir  Geldmittel  für  die  erweiterte
  Reise  zukommen,  damit  E.  kfl,  Gn.  und  ich  bei  „den  groben,
ungeschlachten  Leuten‘  keinen  Schimpf  erfahren;  ich  will  mich  zu

!  Es  ist  der  erste  Teil  der  Instruktion  für  Pflug  (oben  no.  141;  vgl.
Anm.  3  auf  8.347).  Die  italienische  Uebersetzung  liegt  in  Wmz.,  Beichstageakten,
  Bd.  103c,  no.  52  vor.

®  Vom  10./20.  April:  Allerdings  wird  der  Kaiser  von  den  unruhigen
Böhmen  mehr  als  zuviel  „custodiret*,  alle  Räte  werden  ihm  entzogen,  aller
Zu-  und  Ausgang  versperrt  und  ist  nichts  als  lauter  Schimpf  und  Spott
hieraus  zu  besorgen,  der  Absichten,  die  man  auf  die  römische  Krone  haben
mag,  zu  geschweigen  ,  auch  sind  des  Reiches  Angelegenheiten  so  beschaffen,  Jass,
wenn  ihnen  nicht  zeitig  abgeholfen  wird,  es  zu  (runde  gehen  muss.
Der  Kurfürst  kann  daher  auch  kein  besseres  Mittel  finden  als  die  von  Kurmainz
  vorgeschlagene  persönliche  Zusammenkunft  der  Kurfürsten,  billigt
daber  dessen  Vorschlag  auch  hinsichtlich  der  zu  proponierenden  Punkte
vollständig  und  erwartet  das  Ausschreiben,  doch  möge  die  Malstatt  nicht
zu  weit  von  den  sächsischen  Landen  gewählt  werden,  da  er  dem  Feuer  am
nächsten  sitzt,  Nachdem  er  jetzt  mit  Kurbrandenburg  verglichen  ist,  ist  das
Kollegium  fast  ergänzt,  —  bis  auf  den  Streit  mit  Kurpfalz,  von  dem  auf  dem
Kurfürstentag  geredet  werden  kann.  Dem  Begehren  wegen  der  Lizenten  ist
durch  den  jüterbogker  Vertrag  bereits  abgeholfen  (Dre.,  1.  9167,  II.  Buch
passauer  Kriegsvolke,  f.  58;  Kpt.  vun  Schönberg).

°  Am  20.  schreibt  Brömser:  der  Kurfürst  entscheide  sich  für  Mühlhausen
  und  wünsche  als  Termin  acht  Wochen  nach  Einhändigung  des  Ausschreibens
  angesetzt;  im  Hinblick  auf  den  Administrationsstreit  möge  man
beiden  streitenden  Teilen  mitteilen,  dass  man  zusammenkommen  und  von  der
Zusammenkunft  aus  ein  (sesamtschreiben  an  beide  richten  wolle  (Wmsz,
Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  7;  Or.  eigh.).
        <pb n="391" />
        149—  150.  1611  369

den  Sachsen  halte...  Datum  Dresden  den  9./19.  aprilis  a.  1611.  —  April  19.
Praes.  Aschaffenburg  26.  aprilis.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  4;  Or.  eigh.

150.  Bericht  über  eine  Unterredung  des  Erzherzogs  April
Leopold  mit  Peter  Casal,  Gesandten  des  Erzherzogs  [vor  20.)
Ferdinand.

Erzberzog  Ferdinand  ist  ebenso  wie  viele  andere  wegen  Erzherzog
Leopold  ungleich  berichtet  worden.  L.  hat  beim  ganzen  Verlauf
mit  dem  passauer  Volk  nur  dem  Haus  Oesterreich  und  der
gemeinen  Wolfahrt  dienen  wollen;  er  hat  nicht  nach  der  böhmischen
oder  römischen  Krone  gestrebt  und  denkt  zur  Zeit  nicht  daran,  seinen
jetzigen  Stand  zu  ändern,  da  er  sich  der  mütterlichen  Ermahnungen
und  seiner  Erklärung  darauf  noch  wol  zu  erinnern  weiss.  Er  hat
überhaupt  bei  Jiesem  Werk  entweder  auf  gemessenen  Befehl  des
Kaisers  (dessen  Verordnungen  er  sich  nicht  widersetzen  konnte)
gehandelt  oder  er  ist  mit  Gewalt  dazu  gedrängt  worden,  so  dass  er
es  nicht  verhüten  konnte.

An  dem  Versuch  eines  Durchbruchs  des  passauer  Volkes  nach
Tirol?  hat  L.  die  geringste  Schuld;  er  hat  dem  eifrig  widerraten  und
u.  a.  auch  vorgebracht,  dass  wegen  der  Enge  der  Pässe  der
Darchzug  eines  solchen  Volkes  unmöglich  sei  und  dass,  wenn  man  auch
die  Erlaubnis  dazu  erlangte,  Proviant  und  Futter  in  Tirol  mangeln
würden,  auch  Mishelligkeiten  im  Hause  Oesterreich  daraus  entstehen
  möchten;  er  hat  den  audern  stark  widersprochen  und  sich
aufs  Ausserste  bemüht,  dass  das  Volk  nach  Böhmen  rücke.  Die  Böhmen
aber  hielten  steif  an  der  kaiserlichen  Zusage  fest,  dass  das  Königreich
mit  diesem  Volk  verschont  werden  solle  und  willigten  nicht  in  den  Einmarsch.
  So  ist  es  dann  trotz  seines  Einredens  zu  diesem  Durchzug  [in
der  Richtung  nach  Tirol]  gekommen.  Er  bekennt,  dass  ihn  dabei  nichts
so  sehr  bekümmert  habe  als  dass  Oesterreich,  Kärnthen  und  Krain
davon  grossen  Schaden  nehmen  und  Erzherzog  Ferdinand  daraus
Unwillen  schöpfen  würde,  aber  er  musste  es  geschehen  lassen;  denn
der  kaiserliche  Befehl  wollte  es  so.?

Erzherzog  Leopold  glaubt,  den  Kaiser  habe  zu  dieser  Resolution
veranlasst,  dass  er  Nachricht  bekam,  der  König  von  Spanien  sei
im  Begriff,  ein  Heer  von  80000  Mann  nach  Deutschland  zu
schicken,  um  einen  römischen  Kaiser  seines  Gefallens  einzusetzen  ;
dem  Kaiser  gieng  dies  sehr  zu  Gemüt  und  bewog  ihn,  mit  dem
passauer  und  elsässer  Volk  diesem  Vorhaben  zu  wehren.  Dabei
mag  der  Kaiser  auch  gedacht  haben,  dass,  weil  von  der  tiroler  Erbschaft
  ihm  drei  Teile  gehören,  ihm  die  Einlagerung  umso  weniger

ı  Vgl.  oben  no.  103.
°  Vgl.  oben  no.  1  mit  Anm.  1  auf  8.  1,  Anm.1  auf  8.2  und  no.  2  und.
®  Vgl.  oben  no.  1,  8.1,  Anm.1  und  no.  2,  8.6.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  24
        <pb n="392" />
        370  1611  150.

April  verwehrt  werden  würde;  dass  aber  das  passauer  Volk  den  Zug  nach  Tirol

[vor  20.]  neuerdings  versuche,  ist  erdichtet.  An  den  Ueberfall  der  Stadt
Prag  hat  er,  Leopold,  gar  keine  Schuld;  er  hat  sich  vielmehr
bemüht,  den  schädlichen  Einfall  zu  hindern  und  ist  wie  bekannt
mehrmals  vom  Kaiser  dem  Kriegsvolk  entgegengeschickt  worden,  um
allen  Tätlichkeiten  zu  wehren  und  das  Volk  zuräckzuhalten  1,  —  trotz
alles  Fleisses  leider  vergeblich.  Die  Verbitterung  zwischen  dem
böhmischen  und  passauischen  Kriegsvolk  war  zu  tief  eingewurzelt,
weil  die  Böhmen  mit  ihren  Schreiben  gar  scharf  und  grob  waren;
das  wollten  die  Passauer  nicht  dulden,  vielmehr  ihren  Vorsatz  ausführen,
  zumal  sie  glaubten,  dem  Kaiser  damit  wirklich  zu  dienen
und  ihn  vor  Gefahr  zu  retten.  Er,  L.,  selbst  war  nicht  beim  Einfall,
ist  erst  einige  Stunden  später  nach  Prag  gekommen  und  hat  an
dem  Verlauf  kein  Gefallen  gebabt.e.  Nach  dem  Einfall  wurde
Frieden  und  Stillstand  geboten  und  gehalten,  der  Eid  geleistet  und
anderes  verrichtet.  Dass  dabei  vielfältige  Unordnung  vorlief,  ist
nicht  ihm  sondern  den  bösen  Räten  (bei  denen  längst  eine  Veränderung
  und  Verbesserung  bätte  geschehen  sollen)  zuzumessen.  Er
hat  zu  beklagen,  dass  er  durch  diesen  unglückseligen  Handel  seine
Ersparnisse,  Silbergeschmeide  und  Einkünfte  darangesetzt  und  seine
beiden  Stifter  so  verderbt  hat,  dass  sie  sich  in  Jahren  nicht  erholen
können  ;  obendrein  hat  er  sich  allerlei  Verdacht  gefallen  lassen  müssen.
Wenn  ihm  nun  auch  die  Güter  und  Einkünfte  des  Stiftes  Passau
entzogen  werden  (wozu  die  aus  Wien  ergangenen  Verordnungen  den
Anfang  machen),  würde  es  ihm  sehr  beschwerlich  fallen;  doch  will
er  sich  in  Ansehung  der  wahren  Beschaffenheit  der  Sache  eines
andern  getrösten.

Als  neulich  der  König  von  Wien  nach  Prag  zog,  hat  der
Kaiser  ihm,  Leopold,  stark  zugesprochen,  dem  König  entgegenzuziehen
und  von  der  Reise  abzuhalten.”  Er  hat  sich  aber  damit  entschuldigt,
dass  der  König  sich  daran  nicht  kehren  und  sich  von  ihm  nicht
abhalten  lassen  werde.  Bei  dieser  Gelegenheit  hat  er  dem  Kaiser
auch  eifrig  geraten,  sich  mit  dem  König  brüderlich  zu  vereinigen
und  demselben  mehr  als  einem  andern  zu  vertrauen.

Leopold  dankt  seinem  Bruder  Ferdinand  für  die  treuen  Ermahnungen
und  hofft,  sich  ehestens  in  Graz  einstellen  zu  können,  wo  dann
das  eine  und  andere  desto  besser  beraten  und  beschlossen  werden
kann.  Und  da  die  Läufe  sich  immer  gefährlicher  erzeigen,  %
sollen  die  Herrn  von  Oesterreich  nicht  feiern  sondern  ehestens
zusammenkommen,  um  weitere  Gefahr  zu  verhüten;  er  wird  gem
dabei  erscheinen  und  das  seine  tun,  denn  er  hat  nie  etwas  anderes
gesucht  als  die  Erhaltung  des  Hauses;  am  wenigsten  hat  er  daran
gedacht,  die  Ordnung  der  Nachfolge  zu  stören  und  den  ältern  Herrn

ı  Vgl.  oben  no.  57,  8.121,  Anm.1  und  Gindely,  Kaiser  Rudolf  IL
und  seine  Zeit,  II.,  196.
”  Vgl.  oben  no.  88,  S.  196.
        <pb n="393" />
        150.  1611  371

und  deren  Nachkommenschaft  vorzugreifen,  wie  er  unbillig  beschuldigt  April
wird.  Der  Kaiser  hat  ihm  die  Abdankung  des  passauer  Volkes  [Vor  20.)
ernstlich  auferlegt;!  die  will  er  nach  Möglichkeit  vollziehen.  Er
handelt  eifrig  mit  den  Soldaten  wegen  ihres  Ausstandes  und  trachtet
fleissig  nach  Mitteln  zur  Bezahlung,  wie  denn  auch  ein  grosses
Darlehen  auf  die  Herrschaft  Krumau  prokuriert  wird.  Am  liobsten

wäre  ihm,  sich  dieses  Volkes  ganz  zu  entledigen,  sich  zur  Ruhe  zu
begeben  und  seine  Stifter  aufatmen  zu  lassen.  —  Es  folgen  Klagen

über  die  Einziehung  der  passauer  Stiftsgüter:  er  hat  zum  Stift
geschworen  und  kann  nicht  umhin,  Wandel  zu  begehren;  Ferdinand

möge  sich  deshalb  beim  König  interponieren,  damit  ihm,  L,,  und

dem  Stift  kein  weiterer  Eintrag  geschehe.

Wie  er,  Leopold,  bisher  Ferdinand  respektiert  hat,  so  will  er  auch
künftig  ohne  dessen  Vorwissen  nichts  tun,  will  ihm  stets  seine
Vorhaben  kund  geben  und  getröstet  sich  seines  Rats  und  Beistands.
„Und  ob  ihme  wol  die  gelegenheiten,  für  sein  person  was  zu  tentiren,
villeicht  nit  gemangelt  hetten,  ihme  auch  destwillen  von  mehr  orten
erbietungen  zuegemuetet  worden,  so  hab  er  doch  unter  seinem  hauss
kainen  zwitracht  erwöcken  noch  ainiche  weiterung  causiren  wöllen,
zudem  er  auch  ohne  begrüessung  I.  D.  nichts  dergleichen  fürgenomben
  hette.“  Schliesslich  bittet  er,  dem  König  das  Nötige  zur
Verhütung  weiterer  Ungelegenheiten  unverzüglich  mitteilen  zu  lassen
und  ihm  in  seiner  Not  mit  einem  zweijährigen  Deputat  anticipando
zu  Hilfe  zu  kommen.  O0.  D.

Ib.,  Ambraser  Akten;  Missiven  vom  April  1611,  zu  no.  40;  Kopie.?

ı  Vgl.  oben  no.  77.

’  Am  19.  April  teilt  Erzherzog  Ferdinand  obige  Unterredung  König
Matthias  mit  und  macht  zur  Entschuldigung  Leopolds  geltend,  dass  derselbe
für  sich  wonig  gehandelt  habe  und  von  andern  in  das  Spiel  gebracht  und

iesslich  verlassen  worden  sei.  Man  könne  aber  aus  obigem  abnehmen,
dass  Leopold  sich  jetzt  seiner  soldatischen  Neigungen  eher  entschlagen  als
ihnen  nachhängen  wolle  und  dass  er  gegen  den  König  guten  Willen  zeige.
Matthias  möge  daher  das  Geschehene  dem  Stift  des  Erzherzogs  nicht  entgelten
lassen  und  Restitution  des  Entzogenen  verordnen,  damit  dem  Hause  Oesterreich
nieht  nachgesagt  werde,  dass  unter  dessen  Herrschaft  die  geistlichen  Güter
geschädigt  würden;  es  könnten  sich  auch  der  Papst  und  das  Reich  in  diesen
Handel  mischen  ;  der  König  werde  sein  Gewissen  nicht  mit  dem  Patrimonıum  ,
Christi  beschweren  wollen  (Wi.,  I  Al,  Ka.  2990;  —  Or.).  —  Der  König  erwiderte
  am  2.  Mai:  an  dieser  Sache  seien  nicht  nur  er  sondern  auch  die  Länder
interessiert,  die  Schadenersatz  und  Genugtuung  begehren  ;  Leopold  begünstige
immer  noch  die  Rädelsführer  dieses  Verderbens,  habe  sie  um  sich  und  praktisiere
  mit  ihnen  noch  heute  allenthalben;  er  könne  daher  dem  Wunsch
des  Erzherzogs  Ferdinand  nicht  entsprechen.  —  Vorteidigung  des  Bechts  auf
Arrestation  der  uischen  Stiftegüter.  Er,  der  König,  wolle  Ferdinand  auch
informieren,  wie  Leopold  gegen  seine  Person,  die  Hausverträge  und  Testamente
ehandelt  habe  und  werde  gewiss  männiglich  im  Beich  Leopolds  Verten

  als  gefährlich  orkennen  (Wi,  IA1,  Ka.  29%;  Kpt.  mit  Zusätzen
Khlesls).

24*
        <pb n="394" />
        April  21.

372  1611  151.

151.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  König  Matthias

Auf  Polheims  Werbung.  Der  Erinnerung  an  E.  kgl.  W.
Verdienste  in  Oesterreich  und  Ungarn  hätte  es  bei  uns  nicht  bedurft,
da  wir  genügend  darum  wissen  und  sie  mit  Dank  erkennen,  auch
der  Kaiser  sie  mit  Abtretung  so  vieler  Länder  belohnt  hat.  Wir
wissen  auch  noch,  was  für  ein  Vertrag  zwischen  dem  Kaiser  und
E.  kgl.W.  im  Jahr  1608  aufgerichtet,  1610  erneuert  und  von  uns  und
den  anderen  zu  Prag  anwesenden  Kurfürsten,  Erzherzogen  und  Fürsten
bekräftigt  worden,  auch  was  vorher  und  nachher  geschehen  ist  und  was
E.  kgl.  W.  wegen  des  Einfalls  in  Oesterreich  erst  durch  Dero
Agenten  zu  Prag  Rebmann?  und  dann  durch  den  Kheingrafen  zu
Stein  bei  uns  gesucht  und  der  Assistenz  halber  begehrt  haben.  Wir
wollen  unsere  damals  gegebene  Antwort  hiemit  wiederholt  haben.?  —
Dass  sich  E.  kgl.  W.  auf  Ersuchen  der  Böhmen  nach  Prag  begeben  haben,
dessen  waren  wir  bereits  zur  Genüge  verständigt.  Wir  wissen  aber  auch,
dass  E.  kgl.  W.  sich  in  Ihrer  an  Braunschweig  und  Hohenzollern  am
27.  Februar  *  erteilten  Antwort  dahin  erklärt  haben,  dass  Sie  des
Kaisers  Hoheit,  Würde  und  Praesminenz  weder  mit  Gedanken,  Worten
noch  Werken  angreifen  sondern  ihn  als  dessen  Lehensmaun  stets
ehren  wollten,  auch  die  böhmischen  Gesandten  dahin  beschieden
hätten,  dass  Sie  als  ordentlicher  Nachfolger  dem  Kaiser  bei
diesem  unversehenen  Zustande  hintangesetzt  aller  vorhergegangenen
Privatoffensiin  die  schuldige  brüderliche  Liebe  erzeigen,  ihm  in
seiner  Bedrängnis  zu  Hilfe  kommen,  ihn  und  das  Haus  vor  Vergewaltigung,
  Schimpf  und  Schaden  und  Böhmen  vor  gänzlichen  Verderben
  retten  wollen.  Wir  zweifelten  daher  nicht,  dass  E.  kgl  W.
als  ein  hochlöblicher  deutscher  Fürst  bei  Ihrer  Anwesenheit  zu  Prag  dies,
besonders  aber  den  1608  aufgerichteten  und  nachmals  vom  Kaiser,
von  E.  kgl.  W.  und  den  versammelten  Kurfürsten,  Erzherzogen  und
Fürsten  bekräftigten  Vertrag,  soweit  er  die  Krone  Böhmen,  deren  ein-1

  Ueber  Polheims  Schickung  vgl.  oben  no.  183,  S.  320,  Anm.  2.  Seine
Werbung,  die  er  am  20.  April  vor  dem  Kurfürsten  ablegte,  entsprach  der
Starhembergs  (vgl.  oben  no.  140,  8.  341,  Anm.  2)  und  schloss  mit  der  Bitte
um  Hilfeleistung;  ausserdem  zeigte  Polheim  an,  dass  der  König  von  den
böhmischen  Ständen  zuerst  zur  Hilfeleistung  gegen  die  Passauer  aufgefordert  und
nach  Abfertigung  dieser  Hilfe  auch  noch  um  persönliches  Erscheinen  gebeten
worden  sei;  endlich  überreichte  Polheim  dem  Kurfürsten  die  „Gedruckten
Copeyen  und  Abschriften“  (vgl.  oben  no.1,8.2,  Anm.  1;  Dre.,  a.a.O.,  f.75;
Or...  Zu  Polheims  Werbung  vgl.  auch  Brömsers  Bericht  vom  22.  April
unten  no,  158.

?  Vgl.  oben  no.  5.  Nach  einer  Notiz  auf  der  Instruktioa  vom
29.  Februar  zur  ersten  Schickung  des  Rheingrafen  zu  Stein  nach  Dresden  (vgl.
oben  no.  9,  S.  24,  Anm.  1)  hatte  Dr.  Johann  Martin  Rebmann  dem  König
das  kurfürstliche  Schreiben  vom  8.  Januar  (oben  no.  9)  überbracht.

®  Wegen  des  Bescheides  an  den  Rheingrafen  vgl.  oben  no.  104,
8.  246,  Anm.  3.

*  Vgl.  den  „Gründlichen  und  wahrhaftigen  Bericht*,  8.  279  f.
und  „Gedruckte  Copeyen  etc.“  no.  3.
        <pb n="395" />
        181.  1611  373

verleibte  Länder  und  die  Regierung  betrifft,  in  Acht  nehmen  und  April  21.
zu  grösserer  Weiterung  und  Verbitterung  nicht  Anlass  geben  werden.
Wir  haben  aber  glaabwürdige  Nachricht  erhalten,  dass  des  Kaisers
Wohnung  allenthalben  mit  starken  Wachen  besetzt,  seine  geheimen
und  Reichs-Hofräte  wie  auch  andere  Diener  verhaftet  und  aller  Zugang
zu  ihm  so  gesperrt  worden  ist,  dass  er  keines  Rates  oder  Dieners
mächtig  ist  und  mit  niemandem  das  geringste  kommunizieren  kann,
wie  auch  Fürsten  und  andere  Personen,  die  ihm  mit  Rat  beistehen
wollen,  schimpflich  angelasseen  und  bösen  Verdachts  beschuldigt
werden;  ja  was  das  ärgste  ist,  gegen  des  Kaisers  eigne  Person
sowie  gegen  Kurfürsten  und  Fürsten  des  Reichs  werden  ganz  gefährliche
und  unverantwortliche  Inquisitionen  angestellt  und  das  Fundament
auf  etlicher  leichtfertiger,  böser,  zauberischer  und  dem  Teufel  selbst
ergebener  leute  Aussage  gestellt,  die  sonst  nicht  einmal  gegen  geringe
Personen,  geschweige  denn  gegen  die  höchste  Obrigkeit  gelten.
Da  dies  Verfahren  gegen  die  höchste  Obrigkeit  ganz  „violent“,  unverantwortlich
  und  im  Reich  unerhört  ist,  so  bitten  wir  E.  kgl.  W.,
besonders  in  Anbetracht  der  gefährlichen  Konsequenzen,  bei  den
böhmischen  Ständen,  Dero  -  Autorität  zu  interponieren,  damit  die
kaiserliche  Hoheit,  königliche  Würde,  kurfürstliche  Dignität  ‚und
die  von  Gott  dem  allmächtigen  solcher  person  eingepflanzte  majestät
nicht  laedirt‘‘“  noch  das  kurfürstliche  Kolleg  und  das  ganze  Reich
beleidigt  werden.  Wir  erbieten  uns  gegen  E.  kgl.  W.  zu  aller
Freundschaft,  erklären  uns  aber  auch  zugleich  dahin,  dass  wir  wie
bisher  so  forthin  standhaft  beim  Kaiser  aushalten  und  nach  dem
Beispiel  unserer  Vorfahren  unseren  schweren  Eid  in  Acht  nehmen
wollen,  gänzlich  vertrauend,  dass  Gott  es  uns  reichlich  vergelten
und  es  uns  bei  der  Mit-  und  Nachwelt  und  bei  allen  ehrliebenden
gegen  die  Obrigkeit  wohlgesinnten  Leuten  rühmliche  Nachrede  erwecken
  wird.  Datum  Dresden  am  11.  aprilis  a.  1611.
Drs,,  l.  9167;  II.  Buch  passaner  Kriegsvoiks,  f.  139;  Kptkopie.!

1  Gleichzeitig  erlies  der  Kurfürst  ein  scharfes  Schreiben  an  die
böhmischen  Stände:  er  bedaure,  dass  seine  vorigen  Ermahnungen  (vgl.
oben  no.  104,  B.  246,  Anm.  3)  nicht  den  gehofften  Erfolg  "gehabt  hätten,
vielmehr  gegen  den  Kaiser  in  unerhörter  Weise  prozedirt  werde;  als  Nachbar
ermahne  er  die  Stände,  die  Autorität  des  Kaisers  zu  bedenkon  und  dem
göttlichen  und  weltlichen  Recht  gemäss  zu  verfahren;  um  den  Kaiser  nicht
rat-  und  hilflos  zu  lassen,  schicke  er  seine  Räte,  die  bei  den  Ständen  noch
weitere  Erinnerung  tun  sollen  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  178;  Kptkopie).  —  Am
20./30.  April  weist  er  aber  die  nach  Prag  abgeordneten  Räte  Dr.  Gerstenberg
und  Wolf  von  Lättichau  an,  die  die  Schreiben  an  den  König  und  sn  die
Stände  übergeben  sollen,  mit  letzterm  Schreiben  zurückzuhalten  und  bei  den
Ständen  nur  ein  mündliches  Anbringen  zu  tun  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  241;  Kpt.).  —

Der  kurfürstliche  Befehl  an  Gerstenberg  und  Lüttichau,  nach  Prag  zu

‚  ist  gleichfalle  vom  11./21.  April  datiert.  Beiden  wird  aufgetragen,
sich  am  25.  April  in  Prag  einzufinden,  persönliche  Audienz  beim  Kaiser  zu

bren,  ihm  des  Kurfürsten  Mitleid  und  bereiten  Willen  auszudrücken
und  ihm  mit  Rat  beizustehen;;  jedesmal  sollen  sie  sich  mit  dem  Herzog  von
Braunschweig  und  mit  Brömser  in  Verbindung  setzen  und  mit  diesen  alles
dahin  richten,  dass  dem  Unwesen  gütlich  gesteuert  und  der  Kaiser  bei
seinem  Ansehen  erhalten  werde  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  172;  Kpt.).
        <pb n="396" />
        374  1611  152.

April  21.  152.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

„Dein  schreiben  habe  ich  von  zeigern,  Deinem  curieren,  wol
entphangen,  auch  das  originalschreiben,!  weyl  ich  es  leibesschwacheitt
halber  ihn  der  person  nicht  vberanttwortten  konnen,  alsobaltt  verschaffett,
  das  es  I.  M.!  zur  stundt  zur  handen  kommen,  wil  auch
gentzlich  verhoffen,  das  es  I.  ksl.  M.*  zu  besondern  keyserlichen  gnaden
auffnemen,  auch  dadurch  ihn  ihrer  hochsten  betrübnus  ihn  etwas
trost  erlangen  werden.  Der  hertzog  von  der  Lignitz,  auch  die
schlesingische  vnd  laussenittische  gesantten  sein  gestriges  tages  angelangett..
  Ich  hab  bei  ihnen  schon  der  ksl.  M.!  gutte  officia
praestiret  vnd  spuere  Gottlob  so  viel,  das  sie  I.  M.!  wol  affectioniret,
wie  ich  auch  nicht  vnderlassen  wil,  alles  zu  thun  vnd  ihn  acht  nu
nemen,  was  mir  nhur  menschlich  vnd  muglich  ist,  ob  ich  gleich  bey
allen  leutton  nicht  danck  verdine.  Dein  schreiben,?  so  Du  ahn  die
stende  gethan,  ist  in  pleno  verlesen  vnd  sollen  darüber  gewalttig
fulminiret  vnd  gedonnert  haben.  Ich  mus  alles  vber  mich  nemen,
das  ich  solches  practisirt,  acht  es  aber  gar  nicht,  dieweyl  ich  bey
disen  sachen  ein  guttes  gewissen  vnd  auffrichtige  intention  habe.  Es
sollen  sich  auch  gestriges  tages  ihm  rahtt  die  stende  gezweyhett  vnd
sehr  hartt  mitt  wortten  zusamengestossen  haben.  Wie  schimplich  sie
die  resolution  auff  I.  M.'  vbergebene  puncta  zu  papir  gesetzett,  hastu
hierbey  zu  entphangen.®  Es  ist  aber  solche  resolutio  noch  zur  zeitt
bey  dem  konig  vnd  der  ksl.  M.'  nicht  vbergeben.  Deiner  vnd  des

ı  Vgl.  wegen  dieses  Schreibens  oben  no.  148,  8.  865,  Anm.  4.

’  Vgl.  oben  no.  181,  8.  319,  Anm.  1  und  no.  147,  B.  356.

®  Die  Resolution  des  Kaisers  vom  16.  April  bestand  aus  acht  Artikeln,  nach
deren  Erfüllung  sich  der  Kaiser  bereit  erklärte,  die  Stände  nach  der  Krönung
ihres  Eides  zu  entlassen:  1.  Beibehaltung  des  Titels  eines  Königs  von  Böhmen;
2.  Residenz  auf  dem  prager  Schloss  und  freier  Ein-  und  Auszug  daselbst  ;  3.  Uebernahme
  aller  kaiserlichen  Schulden  durch  die  Stände;  4.  Zusicherung  aller  bisher  im
Besitz  des  Kaisers  befindlichen  (liter  sowie  der  Restanten  von  gewissen  Steuern  ;
6.  Anerkennung  der  kaiserlichen  Begnadungen  ;  6.  Verschonung  der  kaiserlichen
Autorität  im  Reden  und  Schreiben;  7.  beiderseitiger  Generalpardon;  8.  Auf
hebung  der  Verhaftungen  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  76;  Kopie);
vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  260.  —  Ueber  diese  Punkt»  erteilte
  der  König  den  Ständen  noch  vor  dem  21.  April  ein  Gutachten,  das  bei
Hammer-Purgstall,  Khlesls  Leben,  II.,  Urkundenanhang,  no.  816  gedruckt
ist.  Darauf  gab  noch  der  Ständeausschuss  seine  Meinung  zu  erkennen:  zu  1.
der  Kaiser  darf  nach  des  Königs  etwaigem  Ableben  die  Königswürde  nicht  wieder
annehmen;  zu  2.  der  Kaiser  darf  nur  ausserhalb  des  prager  Schlosses
residieren;  zu  3.  die  Stände  können  die  21  Tonnen  Goldes  an  Schulden  des
Kaisers  nicht  zahlen;  zu  4.  was  nach  Abzahlung  der  Schulden  an  Gütern
übrig  ist,  verbleibt  dem  Kaiser;  zu  5.  Vergabungen  nach  dem  passauer  Einfall
und  zu  Nachteil  des  künftigen  Königs  sind  ungiltig;  zu  6.  bewilligt;  der
Kaiser  soll  aber  zu  Nachreden  keine  Ursache  geben;  zu  7.  die  Restanten  sind  zur
Schuldentilgung  zu  verwenden;  zu  8.  Treue  muss  belohnt,  TIntreue  bestraft
werden  (Wimz.,  a.  a.  O,  oo.  79;  Kopie).  Diese  Resolution  ist  oben  gemeint;
die  definitive  Erklärung  der  Stände  wurde  dem  Kaiser  am  9.  Mai  übergeben.
        <pb n="397" />
        152—153.  1611  375

meintzischen  gesautten  erwartte  ich  mitt  verlangen  vnd  wil  steiff
vnd  fest  bey  ihnen  haltten,  auch  befordern,  das  der  meintzische  ihn
geburliche  acht  genommen  werde.  Vor  dismal  weys  ich  Dir  nicht  mehr
zu  schreiben,  dan  dass  man  sich  nhur  befleissigett  vnd  alles  bedenckett,
den  gutten  altten  herrn  zu  betrüben  vnd  zu  beleidigen,  auch  schimp
zu  beweissen,  wie  sich  auch  eines  teyls  leichtferttige  vnd  vermessene

leutte  nicht  schemen,  offenttlich  zu  sagen:  wen  sie  dem  kayser  des,

tages  auff  sein  person  zwey  taler  geben,  wer  genug,  den  ehr  vber
einen  ihm  wirtzhausse  nicht  verzehren  wurde;  in  gleichen  es  musten
die  chur-  vnd  fursten  darauff  bedacht  sein,  wohin  sie  ihren  altten
kaysser  stellen  woltten;  andere  schentliche,  teuffllische  vnd  lesterliche
calumnien,  deren  sich  gar  vorneme  leute  aus  teufflischer  rachgir  verlautten
  lassen,  scheme  vnd  scheue  ich  mich  zu  schreiben.  Ich  wil
zum  lieben  Gott  hoffen,  er  werde  disen  proces  nicht  vngerochen
lassen  vnd  erfreue  mich  darneben,  das  ich  ahn  Dir  vnd  Meintz  gutte
assistentz  habe.  Ich  hoffe  Braudenburgk,  Coln,  Trier  vnd  Pfaltz!
noch  vnserm  exempl  folgen,  damitt  wir  also  getrewe  teutsche  auffrichtige
  chur-  vnd  fursten  vnsern  lieben  altten  keysser  ihn  geburlichen
respect  vnd  kayserlichen  digniteten  erhaltten  vnd  die  widrige  practicanten,
  so  liber  ein  anderen  sehen,  dempfon  mogen.  Mein  bruder
wolle  seins  theyls  ahn  sich  bey  andern  solches  zu  befodderen  nichts
ermangeln  lassen;  so  viel  ich  darbay  thun  kan,  consilio  et  auxilio,
hatt  mein  bruder  ahn  mir  zu  zweifflen  keine  vrsach.  Prage  den

11.  aprilis  anno  1611.“
Dres,  L  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  207;  Or.  eigh.

153.  Markgraf  Joachim  Ernst  von  Ansbach  an  den
Administrator  der  Kurpfalz.

Nach  Abschluss  der  jüterbogker  Verhandlungen  und  nach  der  darauf
erfolgten  persönlichen  Zusammenkunft  zu  Torgau  sind  die  beiden  Häuser

ı  Am  17./27.  April  schreibt  der  Herzog  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen:
er  habe  Kurbrandenburg  zur  Abordnung  von  Gesandten  ermahnt,  Kursachsen
möge  bei  demselben  und  bei  den  geistlichen  Kurfürsten  dasselbe  tun;
könnte  man  durch  Fürst  Christian  von  Anhalt  Kurptalz  zu  gleichem  bewegen,
  so  dass  das  ganze  Kurkolleg  zur  Sache  täte,  würde  man  ohne  Zweifel
viele  Ungehörigkeiten  hintanhalten  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  244;  Or.  eigh.).  —  Am
20.’30.  April  schreibt  darauf  der  Bruder  des  Kurfürsten,  Herzog  Johann  Georg,
an  Fürst  Christian,  er  möge  es  in  Heidelberg  dahin  richten,  dass  auch  von  dort
Gesandte  nach  Prag  geschickt  würden,  um  den  Kaiser  zu  „besuchen“;  das
würde  die  Admipistrationssache  sehr  befördern.  Hoffentlich  werde  auch  Kurbrandenburg
  nach  Prag  schicken,  was  wegen  der  jülicher  Sache  gut  wäre;  „dann
gewisslich  itzo  kan  alles  erlangt  werden,  die  furseiende  belehnung,  ratifieation
  und  confirmation,  80  sich  sonsten  villeicht  wol  eine  weile  verziehen
möchte.“  Der  Fürst  sandte  aus  Dessau  obigen  Auszug  des  Schreibens  (in
Mb.,  101/4)  am  n  zer
von  einer  solchen  Schickung  für  Pfalz  nicht  viel  hoffe;  allenfalls  würden
die  Handlungen  Neuburgs  in  Prag  gebindert  werden  und  könnte  man  erfahren,
wo  hinaus  die  andern  kurfürstlichen  Gesandten  wollen  (Mb.,  101/4;  —  Or.).

an  den  Administrator  und  bemerkt  dazu,  dass  er

April  21°

April  21.
        <pb n="398" />
        April  21.

April

21.  bis  30.

376  1611  153—154.

Sachsen  und  Brandenburg  völlig  verglichen.  Bei  dieser  Gelegenheit
ist  auch  das  Interesse  der  Kurpfalz  und  E.  L.  Frau  Mutter!  wol  in
Acht  genommen  worden;  auch  ist  die  Erbvereinigung  unter  den
Erbverbrüderten  neuerdings  bekräftigt  worden.  Davon  ist  zu  erwarten,
dass  das  Haus  Sachsen,  weil  es  durch  solche  Mittel  so  weit
gebracht  worden  ist,  sich  künftig  näher  herzutun  und  das  gemeine
Wesen  mehr  von  demselben  zu  hoffen  haben  wird.  —  Wegen  der  Union
Notdurft  und  weil  jüngst  zu  Schweinfurt  einige  Punkte  ausgesetzt
werden  mussten,  besonders  aber  weil  der  Abgesandte  des  Königs  von
Ungarn,  Starhemberg,  so  viel  man  merkt,  solche  Anbringen  hat,’  die
der  ganzen  Union  mitgeteilt  werden  müssen,  so  ist  zu  Torgau  von
den  dort  anwesenden  unierten  Kurfürsten  und  Fürsten  für  nötig  erachtet
worden,  ehestens  eine  persönliche  Zusammenkunft  aller  Unierten
auszuschreiben.  Wir  haben  auf  uns  genommen,  E.  L.  deswegen  zu
ersuchen  und  bitten  ehestens  um  Dero  Resolution.  Datum  Onoltzbach

den  11.  aprilis  a  1611.  —  Praes.  Heidelberg  14.  aprilis  1611.
Mb.,  119|1,  f.  98;  Or.

154.  Protokoll  des  würzburger  Ligatages.

Verzeichnis  der  anwesenden  Gesandten:  Mainz:  Georg  Friedrich
Greiffenclau  von  Vollrats,  Dompropst  und  Kämmerer  zu  Mainz;  Kaspar
von  Eltz,  Grosshofmeister  und  Amtmann  zu  Brotfelden;  Dr.  Nikolaus
Gereon,  Rat.  Trier:  Johann  Wilhelm  Husman  von  Namedy,  Chorbischof
zu  Trier;  Dr.  Petrus  Schneidt,  Kanzler.  Köln:  Eitel  Friedrich
Graf  zu  Hohenzollern,  Chorbischof  und  Dompropst  zu  Köln;  Laz.
Christoph  Wintzler,  Kanzler  (beide  auch  für  den  Koadjutor).  Baiern:
Joachim  von  Donnersberg,  Oberstkanzler  und  Pfleger  zu  Marquartstein,
Christoph  Ulrich  von  Elsenheim  zu  Wolnzach,  Hofkammerpräsident.
Bamberg:  Hektor  von  Kotzau,  Domdechant;  Jobann  Onuphrius
von  Pellheim,  Hofmarschall  und  Amtmann  zu  Senftenberg.  Würzburg:
Konrad  Friedrich  von  Thüngen,  Domdechant;  Valentin  Echter  zu
Mespelbrunn,  Amtmann  zu  Aschach;  Johann  Servatius  Demantstein
und  Dr.  Johann  Brandt,  Räte.  Speier  (zugleich  für  Udenheim):
Otto  Heinrich  von  Hoheneck,  Dechant  des  Stifts  Bruchsal;  Johann
Jakob  Rinck  von  Baldenstein,  Rate  Passau:  Dr.  Stephan  Planck

1  Die  Herzogin  Magdalene  von  Zweibrücken  war  als  Tochter  des  Herzogs
Wilhelm  IV.  von  Jülich  eine  der  Anwärterinnen  der  jülicher  Erbschaft.

?  Vgl.  oben  no.  105  und  140.

®  Der  Administrator  erwidert  am  15./25.  April,  dass  er  bereits  befohlen
habe,  die  Ausschreiben  zu  einem  Unionstag  aufzusetzen.  Da  die  Zusammenkunft
  geraume  Zeit  erfordere,  der  Verlauf  der  Dinge  in  Böhmen  aber
reifliches  Nachdenken  nötig  mache,  so  gebe  er  dem  Markgrafen  seinerseits  zu
erwägen,  ob  man  nicht  noch  vor  dem  Bundestag  die  nächstgesessenen  Unions
fürsten  als  Culmbach,  Baden  und  Württemberg  neben  den  drei  ausschreibenden
  eadte  zu  einer  Beratung  einladen  solle  (Mb.,  119/1,  f.  99;  Kpt.  von
v.  d.  Grän).
        <pb n="399" />
        154.  1611  377

und  Friedrich  Moll,  Räte.  Konstanz:  Dr.  Johann  Jakob  Deschler,  April
Kanzler.  Augsburg:  Dr.  Johann  Leonhard  Roth,  kaiserlicher  und  21-bis30.
augsburgischer  Rat;  Dı.  Matthaeus.  Wanner,  Kanzler  (zugleich  für
Regensburg  und  Kempten).  Ellwangen:  Dr.  Gebhard
Schöllhammer,  Kanzler.  Schwäbische  Praelaten:  Dr.  Nikolaus
Eberhard.  Schwäbische  Grafen  und  Herrn:  Dr.  Johann

Jakob  Oppenheimer,  Syndikus.  Bietberg:  Johann  von  Bre6e,
Hauptmann;  Martin  de  Brüen,  Sekretär.

Die  Sitzungen  werden  im  Rathaus  ‚zum  grünen  Baum“  abgehalten.


April  21.

Präfung  der  Vollmachten.  Verlesung  des  sächsischen  Schreibens
an  die  Bundesobersten.1  Beschlussfassung  über  den  „modus  procedendi“:
Nach  Baierns  Vorschlag  beschliesst  zuerst  die  Mehrheit  gegen  die
kurfürstlichen  Stimmen,  den  ersten  Punkt  des  Ausschreibens,  die
Bechnungsprüfung,  durch  einen  besondern  Ausschuss  vornehmen
zu  lassen  und  inzwischen  die  übrigen  Punkte  im  Plenum  zu  verhandeln;
  aber  die  kurfürstlichen  Gesandten  machen  den  Mangel  an
rechnungsverständigen  Räten  geltend  und  Mainz  erklärt,  unter
solchen  Umständen  nichts  zu  schliessen,  bevor  nicht  die  Hauptsache
erörtert  ist.  So  stimmen  auch  Baiern  und  die  andern  zu,  dass
vor  allem  die  Rechnungen  im  Plenum  vorgenommen  werden.

Nachmittagssitzung.  Man  beginnt  mit  der  Rechnung  von  Kurtrier  für
42  Ligamonate,  die  eine  Quote  von  34  048  fl.  ertragen;  ?  die  zehn  resp.  fünfzehn
  Monate  für  Jülich  sollen  besonders  verrechnet  werden.  Baiern

!  Vgl.oben  no.  124.  Die  Werbung  des  Landgrafen  Ludwig  beim  Kurfürsten
war  erst  am  22.  April  abgelegt  worden  (vgl.  oben  no.  134,  8.  823,  Anm.  1).
Am  24.  April  schickt  der  Kurfürst  seinen  Gesandten  eine  Abschrift  dieser  Werbung
und  beınerkt  dazu:  „Ob  Jan  wol  solche  erklerung  darfur  anzusehen,  wiewol
der  chur-  und  fursten  zu  Sachsen  LL.  mit  wurklicher  eintretung  zu  der
catholischen  union  nicht  zu  eilen  rathlich  ermessen,  dass  doch  zeit  gnung
darüber  verlaufen  mochte,  ob  und  wie  sie  sich  ihren  vorigen  erklerungen
gemess  auch  hernechst  dazu  resolvirn  werden,  sintemal  die  praetendirte
motiven  nicht  allerdings  ohnerbeblich  sein“,  so  meinen  wir  doch,  man  solle
die  Beratuug  über  Jie  Einnahme  dieser  und  anderer  friedfertiger  Stände
nicht  ganz  zurücksetzen  sondern,  wenn  von  Stärkung  und  Stabilierung  der
Union  geredet  wird,  sich  auch  darüber  vergleichen,  damit,  wenn  Sachsen  oder
andere  zum  Eintritt  in  die  Union  sich  entschliessen  würden,  es  dabei  keinen
Aufenthalt  gibt,  „sie  auch  nicht  ursach  haben,  do  man  inen  mit  ohnnötigen
scrupulis  begegnen  wolte,  dieselbige  zu  difficultirn“.  Wir  glauben,  dass  das
lange  Zaudern  mit  der  Einnahme  des  Hauses  Sachsen  zu  jener  Erklärung
Ursache  gab,  da  inzwischen  widerwärtige  Stände  nach  Möglichkeit  sich  bemühten,
  dies  Haus  von  seiner  früheren  Absicht  abzubringen  (Wmz.,  Religionsakten,
  Bd.  12,  no.  102;  Or.).

?  Die  trierische  Rechnung  stellt  in  Gegenrechnung  14  017  fl.  6  Batzen  16'/,
Albus  als  Anteil  an  der  Hilfe  der  geistlichen  Kurfürsten  für  Erzherzog  Leopold,
7000  fl.  als  Hilfe  für  den  Koadjutor  von  Köln  zur  Abzahlung  des  Kriegsvolks,  1504  fl.
und  12'/,  Albus  für  die  Gesandtschaft  von  1610  nach  Italien.  Für  die  200  Kriegsknechte,
  die  Trier  vom  14.  Mai  bis  14.  September  1610  in  Bestallung  gehalten
hatte  und  für  ein  weiteres  Fähnlein  vom  14.  September  1610  bis  14.  Mai  1611,
sind  keine  Posten  ausgesetzt  (Mc.,  Entstehung,  Fasz,  I.,  no.  9;  Or.).
        <pb n="400" />
        378  1611  154.

April  bemängelt  vor  allem,  dass  der  Anschlag  Triers  nicht  der  Matrikel

21.  bis  30

gemäss  und  dass  Partikularsachen  in  die  Rechnung  eingemischt
worden  seien;  zugleich  beantragt  Baiern  nochmals  die  Einsetzung  eines
Rechnungsausschusses,  was  wieder  abgelehnt  wird.  —  Da  sich  aber  die  Erörterung
  der  folgenden  kurkölnischen  Rechnung  abermals  als  zeitraubend
erweist,  so  einigt  man  sich  schliesslich  dahin,  dass  jeder  Stand  sogleich
einen  Auszug  seiner  Rechnungen  in  vier  Abschriften  anfertigen  und
jedem  Kreis  der  Union,  eine  zustellen  solle;  die  Kreisstände  haben
dann  otwaige  Bedenken  dem  Plenum  vorzutragen.
April  22.

Baiern  proponiert  den  Punkt  wegen  der  Einnahme  Sachsens
und  lässt  das  Schreiben  des  Herzogs  Johann  Casimir  von  Coburg  an
Kurmainz  !  verlesen.  Man  beschliesst,  die  Beratung  darüber  aufzuschieben
und  die  versprochene  Abordnung?  zu  erwarten.  —  Baiern  propeniert
weiter,  die  Beschlüsse  des  augsburger  Bundestages  vorzunehmen
und  zuerst  von  Vermehrung  des  Vorrats  zu  reden;  aber  nach  Mainz
Vorschlag  wird  dies  verschoben,  bis  man  nach  Prüfung  der  Rechnungen
den  Schuldenstand  des  Bundes  kennt;  dagegen  soll  nach  desselben
Antrag  von  den  Mitteln  der  Einnahme  Sachsens,  von  der  Verbesserung
  der  Mängel  und  von  der  Stabilierung  des  Bundes  gehandelt
werden.  Mainz:  das  Unionswerk  muss  auf  eine  wirkliche  Assistenz

mit  etwa  20000  Mann  gerichtet  werden;  der  ausländischen  Hilfe
muss  man  sich  besser  versichern,  damit  man  jedes  Standes  Quote
desto  richtiger  ansetzen  kann  und  nicht  die  ganze  Last  allein  auf  den
vermöglicheren  Ständen  liegt;  jeder  Stand  möge  erklären,  was  er  zu  solcher
Assistenz  wirklich  tun  kann;  dann  soll  man  einen  richtigen  Ueberschlag
aufstellen,  wie  ein  solches  Volk  zu  erhalten  sei?  Baiern:  bleibt
man  beim  Buchstaben  des  mainzer  und  münchner  Abschieds,  s0
werden  die  Bundesstände  erschöpft;  nur  bei  wirklichem  Angriff  greife
man  zu  den  Waffen  ;  den  Bundesobersten  soll  man  ermächtigen,  bei
drohender  Gefahr  mit  Zuziehung  der  Adjunkten  zu  handeln.  Das
Fundament  des  Bundes  ist  nicht  die  ausländische  Hilfe;  darum  darf
man,  wenn  sie  ausbleibt,  den  Bund  nicht  vernachlässigen;  zur
gegenseitigen  Hilfeleistung  braucht  man  nicht  20000  Mann.  —  Ein
Teil  der  oberdeutschen  Stände  stimmt  Baiern  zu,  der  andere  will
sich  morgen  erklären.

April  23.

Nachmittagssitzung*  Baiern  proponiert  die  Rechnungssache

und  schlägt  vor,  zuerst  die  Rechnungen  zur  rheinischen,  dann  zur  ober-1

  Vgl.  oben  no.  4,  8.  6,  Anm.  1.

?  Vgl.  Anm.  1  auf  8.  377.

®  Vgl.  oben  no.  138,  S.  338.

*  Neben  den  allgemeinen  Sitzungen  fand  im  mainzischen  Quartier  noch
eine  besondere  „Kommunikation“  der  rheinischen  Bundesstände  statt,  deren
Protokoll  von  Fabers  Hand  in  Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  122  erliegt
(zitiert  «ale  Nebenprotokoll).  Am  23.  April  nahm  man  die  Rechnungen  vor
und  hob  die  Mängel  heraus.
        <pb n="401" />
        154.  1611  379

ländischen  Kasse  vorzunehmen,  da  diese  jener  zu  Hilfe  kam.  Nach  Triers
Vorschlag  bleibt  man  beim  vorigen  Beschluss,  die  Rechnungen  nach  den  vier
Kreisen  vorzunehmen  ;  zunächst  kommt  wieder  die  trierische  an  die  Reihe.
Nach  verschiedenen  Bemängelungen,  wobei  die  wichtigste  ist,  dass  Trier
seine  Quote  nicht  der  Reichsmatrikel  gemäss  berechne,  wird  beschlossen,
dass  Trier  seine  42  Monate  gemäss  der  Matrikel  in  Ansatz  bringen  müsse
und  die  15  Monate,  die  es  für  das  jülicher  Unternehmen  zuschoss,!
ebenso  wenig  wie  die  Oberländer  von  der  Unionsquote  in  Abzug  bringen
dürfe;  auch  was  Trier  für  geworbenes  Volk  vor  dem  14.  September  und
nach  dem  15.  November  ausgelegt,  solle  es  selber  tragen.  Trier  wendet
ein,  dass  die  Ritterschaft  des  Erzstifts  sich  von  allen  Steuern  eximiert
habe,  weshalb  Trier  mit  Bewilligung  des  Kaisers  seit  dreissig  Jahren
nur  zwei  Drittel  der  Beichssteuer  zahle;  ausserdem  seien  die  Untertanen
  dusch  den  vierzigjährigen  Krieg  ganz  verarmt;  es  habe  zum
Schutz  des  für  die  katholische  Sache  so  wichtigen  Ehrenbreitsteins
200  Musketiere,  wenn  auch  ohne  Bewilligung  des  Bundes  werben,
müssen  und  bitte  für  alle  diese  Mehrausgaben  sowie  für  den  Abzug
der  15  „leopoldischen“  Monate  um  Anerkennung  Mainz  tritt
für  Trier  ein,  namentlich  für  den  Abzug  der  15  Monate,  da  die
geistlichen  Kurfürsten  dem  Kaiser  auch  noch  darüber  hinaus  mit
grossen  Summen  beigesprungen  seien,  die  man  nicht  verrechnet  habe.
Baiern  verlangt  aber  Konformierung  an  die  Matrikel  und  spricht
sich  gegen  den  Abzug  aus,  auf  den  auch  die  Oberländer  verzichtet
hätten  ;  was  ohne  Abschied  und  Bewilligung  des  Bundesobersten  an
Volk  unterhalten  wurde,  solle  jeder  selbst  bezahlen;  Baiern  habe  auch
auf  eigene  Kosten  ein  Regiment  unterhalten  und  behalte  sich  unter
solchen  Umständen  den  Kostenersatz  vor.  —  Da  die  Stände  des
fränkischen  und  schwäbischen  Kreises  wie  Baiern  stimmen,  wird  dessen
Antrag  zum  Beschluss  erhoben,  wogegen  Trier  sich  verwahrt.

ı  Man  hatte  im  August  1609,  als  die  drei  geistlichen  Kurfürsten  zu
Mainz  versammelt  waren,  auf  die  im  Namen  des  Kaisers  abgelegte  Werbung
des  Grafen  Althan  dem  Erzherzog  Leopold  zehn  Monate  bewilligt,  da  an
dem  jülicher  Wesen  der  ganzen  katholischen  Union,  vor  allem  aber  den
rheinischen  Bundesständen  viel  gelegen  sei  ;  diese  zehn  Monate  sollten  aber  von  der
Bandesquote  abgezogen  werden,  wogegen  sich  schon  damals  Baiern  aussprach.
Beim  würzburger  Bundestag  im  Februar  1610  begehrte  Graf  Hans  Georg  von
Hohenzollern  im  Namen  des  Kaisers  und  des  Erzherzogs  Leopold  Erhöhung
der  Hilfe  von  zehn  auf  fünfzehn  Monate,  die  dazu  von  allen  Bundesständen
übernommen  werden  sollten.  Die  geistlichen  Kurfürsten  waren  einverstanden,
doch  mit  dem  Vorbehalt,  die  15  Monate  von  der  Bundeshilfe  abziehen  zu  dürfen,
wenn  nicht  auch  die  andern  Unierten  die  Monate  ohne  Abzug  bewilligton.  Da
dieUnionsstände  sich  auf  keine  gemeinsame  Hilfeleistung  einliessen,  so  wurden
die  zehn  Monate  von  den  zu  Prag  bewilligten  vierzig  (vgl.  Gindely,  Rudolf.
und  seine  Zeit,  II,  8.  124  f.)  abgezogen.  Den  im  September  1610  zu
München  versammelten  Bundesständen  wurde  von  den  katholischen  Mitgliedern
des  prager  Konvents  gar  zugemutet,  jene  vierzig  Monate  nachträglich
sach  ihrerseits  zu  bewilligen;  das  Ansinnen  wurde  aber  abgelehnt  (Bericht,
wie  es  mit  den  zehn  monaten,  welche  zu  gulischem  wesen  dergestalt  erlegt
worden,  dass  sie  an  der  unionshilf  abgekurzt  werden  sollen,  eigentlich  bewandt
  und  geschaffen;  Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  13,  —  von  Hensels  Hand).

April

21.  bis  30.
        <pb n="402" />
        April
21.  bis  30.

380  1611  154.
April  25,

Baiern  schlägt  vor:!  die  rheinischen  Stände  sollen  ihre
Rechnungen  unter  sich  prüfen  und  ihre  Schulden  selber  bezahlen;

ı  Teber  den  bairischen  Vorschlag  der  Trennung  der  Kassen  berichten  die
kurmainzischen  Gesandten  am  24.  April  eingehend  an  ihren  Herrn  und  em
die  Massregel,  da  die  Schulden  der  rheinischen  Kassa  nur  etwa  700004,
die  der  oberländischon  über  350000  fl.  betragen  sollen,  zu  deren  Tilgung
die  Oberländer  noch  15  Monate  zu  erlegen  hätten;  dabei  verbleibe  noch  ein
ungedeckter  Rest  von  50000  fl.  Die  Trennung  werde  aleo  den  Rheinischen
geringere  Opfer  auferlegen,  doch  wäre  sie  nur  mit  der  Bedingung  einzugehen,
dass  sie  keinen  Bruch  des  Unionswesens  bedeute.  Zugleich  klagen  die  Ge
sandten  über  die  Baiern  und  Oberländer  überhaupt,  die  weder  die  für  Erzherzog
Leopold  bewilligten  Monate  noch  das  von  Trier  unterhaltene  Volk  passieren
lassen  wollen;  die  Oberländer  hätten  sich  offenbar  zu  Augsburg  eines  gemeinsamen
  Votume  verglichen,  „indeme  sie  ihres  gefallens  gegen  und  wider  die
rheinische  chur-  und  furstliche  in  geringer  zahl  anwesende  stende  gleichsamb
auss  einem  horn,  wiewohl  ohne  allegirung  einiger  triftigen  motiven  sonder
vermittelst  einziger  mitbeistimmung  und  repetition  des  bayrischen  voti  blasen
und  dardurch  per  maiora  einen  schluss  erzwingen  wöllen*.  Den  rheinischen
Kurfürsten  und  Ständen  sei  es  verkleinerlich,  geringern  Ständen,  die  des  kurrheinischen
  Kreises  Lage  und  Not  nicht  kennen,  unterworfen  zu  sein.  Trier,
Köln  und  Speier  seien  mit  den  mainzischen  Gesanlten  einig,  die  Kassen  zu  trennen.
Die  Baiern  lassen  sich  übrigena  auch  verlauten,  dass  ihr  Herr  das  Bundeoberstenamt
  aufgeben  wolle  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.12,  no.  113;  Kpt.  von
Faber).  —  Am  27.  April  antwortet  der  Kurfürst  von  Mainz,  dass  er  unter  den
berichteten  Umständen  in  die  Trennung  der  Kassen  willigen  könne.  Dar  Widerspruch
  Baierns  wegen  des  Abzugs  der  leopoldischen  Monate  und  wegen  des  von
Trier  geworbenen  Volks  sei  nicht  zulässig;  er  selber  wolle  weder  auf
diese  Monate  noch  auf  die  Auslagen  für  die  Besatzung  von  Mainz  verzichten.
In  jedem  Fall  aber  sei  eine  allgemeine  Trennung  der  Union  zu  vermeiden
(Wmz.,  a.3.0.,  no.  116;  Kpt.)  Die  Weisung  kam  erst  am  29.  April  in  Würsburg
  an.  —  Dem  erwähnten  Schreiben  liegt  eine  eigenhändige  Aufzeichnurg
zu  grunde,  in  der  es  u.a.  heisst:  „Weil  die  vnion  zu  keiner  perfection  vnd
vorige  requisita  [vgl.  oben  no.  138,  S.  389,  Anm.  1]  nitt  in  esse,  haldt  ich
nitt  daruor,  das  man  astringirtt  ad  maiora  vota.  Do  sich  die  vorige  stiffter
[der  Kurfürst  hatte  zuvor  des  Eintritts  von  Lüttich,  Münster,  Stablo,  Hildeshein
  und  Freising  gedacht]  vnd  andere  zue  jeder  quota  nitt  wilferig  erzaigtten,
  feldt  allee  vnd  werde  ich  mich  können  entschuldigen  vnd  wirdt
eim  jeden  zu  wachen  angesagt  sein.  —  Bayerns  intention  ist  wol  abzunemen;
alles  vff  die  conten  tation  der  ausslaagen  gestellt“  (Wmz.,  a  a.  O.,  no.  115).
—  Nebenprotokoll  vom  25.  April.  Beratang  über  die  Trennung  beider  Kassen.
Mainz  möchte  den  Schein  der  Separation  vermieden  sehen  und  regt  sogar  an,
der  oberländischen  Kasse  zu  gutem  eine  Summe  vorzuschiessen.  Trier  ist
der  Meinung,  man  möge  in  die  Trennung  willigen,  wenn  sich  ein  Vorteil
[für  die  Rheinischen]  daraus  ergibt.  Köln  hält  auch  die  Trennung  für
besser;  denn  wenn  die  Rechnungen  der  Rheinischen  in  die  Hände  der  Oberländer
  kämen,  würden  diese  viele  Posten  disputieren.  Dann  wird  nochmals  dis
trierische  Rechnung  vorgenommen  und  festgestellt,  dass  der  Anschlag  für  Prüm
ausgelassen  sei.  Auch  in  der  kurkölnischen  Rechnung  wird  vieles  bemängelt
und  werden  die  Gesandten  aufgefordert,  mit  dem  Nachlass  eines  Drittels  des
Anschlags  zufrieden  zu  sein,  da  Kölns  Einnahmen  aus  den  Lizenten
seien  ale  die  Rheinzölle  mancher  Kurfürsten.  Köln  verantwortet  sich  wie
im  Plenum  und  erhält  das  Zugeständnis,  die  42  und  10  Monate  nach
dem  trierer  Anschlag  verrechnen  zu  dürfen,  dagegen  wird  abgelehnt,
ihm  drei  Soldmonate  für  das  vor  dem  münchner  Akkord  angenommene
        <pb n="403" />
        164.  1611  381

dasselbe  wollen  die  Oberländer  im  Interesse  der  Rheinischen  tun,  denen
sonst  noch  grössere  Last  erwüchsen;  der  Vorschlag  ist  nicht  zur
Trennung  sondern  zur  Beförderung  der  Union  gemeint.  Darauf
erklärt  Mainz  im  Namen  der  Rheinischen:  die  Oberländer  sind  trotz
ihrer  grossen  Schulden  im  Vorteil,  weil  ihrer  viele  sind,  die  wenigen
Rheinischen  aber  eine  unerschwingliche  Last  tragen  und  immer  noch
Volk  erhalten  müssen;  die  Oberländer  haben  ihre  Schäden  in  Rechnung
gesetzt,  die  Rheinischen  können  nicht  verrechnen,  was  durch  die
täglichen  Plünderungen  und  Räubereien  verderbt  wird;  man  möge
darum  zur  rheinischen  etwas  aus  der  oberländischen  Kasse  oder  aus
der  spanischen  und  päpstlichen  Hilfe  „aus  gutem  Willen‘  beisteuern,
dann  wollen  die  Rheinischen  sich  erklären.  Baiern  führt  dagegen
aus,  dass  die  Oberländer  65  [gegen  52]  Monate  zu  erlegen  hätten,
die.  oberländische  Kasse  mehr  belastot  sei,  dass  man  habe  Schulden
machen  müssen  und  die  Anlage  bei  manchen  schwer  einzubringen
sei;  es  empfiehlt  nochmals  seinen  Vorschlag,  der  aber  von  der  Mehrheit
  abgelehnt  wird.  —  Darauf  wird  die  kurkölnische  Rechnung  !  vorgenommen.
  Köln  will  nur  ein  Drittel  des  Anschlags  zahlen  und
macht  ähnliche  Gründe  wie  Trier,  besonders  die  vielen  Kriege
geltend.  —  In  der  Erörterung  werden  einige  Rechnungsmängel
hervorgehoben.  —  Ebenso  werden  die  Rechnungen  von  Mainz,?  Speier,?

Kriegsvolk  passieren  zu  lassen,  womit  die  Kölner  aber  nicht  zufrieden  sind.
In  der  speierischen  Rechnung  werden  die  Ansätze  für  die  erlittenen  Schäden
und  für  das  nusgehobene  Landvolk  bemängelt.

*  Köln  stellt  in  Empfang  seine  Quote  von  37  Monaten  (15  Blonate  wurden
an  Erzherzog  Leopold  bezahlt)  nach  dem  für  Trier  giltigen  Anschlag  (ein  Monat
-810?/,  fl.)  mit  29994  fl.  40  krz.;  an  Baargeld  lieferten  ihm  Augsburg  20  000  fl.,
Kurmainz  8000  fl.,  Kurtrier  7000  fl.  und  Speier  4000  fl.,  zusammen
68994  fl.  40  krz.  Seine  Ausgaben  berechnet  Köln  mit  80178  fl.  Galb.  3  heller
(für  die  Besatzung  von  Kaiserswerth  vom  1.  September  1610  bis  16.  März  1611
33260  fl.  48  alb.  2  h.,  für  Bonn  7885  fl.  66  alb.  4  h.,  für  Jie  übrigen
Schlösser  7178  fl.  18  alb.  3  h.,  für  Reiterei  vom  4.  April  1609  bis  28.  März  1611
21724  fl.  51  alb.  9  h.,  für  Zehrungen,  Frachten,  Gesandtschaften  5726  fi.
45  alb.  6h.,  für  Wechselgeld  4401  fl.  16  alb.  3  h.),  so  dass  dem  Erzstift  noch
111183  fl.  26  alb.  3  h.  zu  vergüten  waren  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  13;  —  Kopie).

2  Die  mainzische  Rechnung  stellt  in  Ausgabe:  96569  fl.  30'/,  krz.  (die
bedeutendsten  Posten  sind:  zehn  leopoldische  Monate  19520  fl.,  dem  Koadjutor
von  Köln  im  Noveniber  1610  bezahlt  8000  fl.,  für  die  Bezahlung  Jdes  rietbergschen
  Regiments  40000  fl.,  Kosten  für  ein  Fäbnlein  Knechte  zur  Verwahrung
von  Mainz  vom  4.  September  1610  bis  13.  April  1611  19117  fl.  30  kr.,  dem
Obersten  Reiffenberg  zu  Laufgeld  für  ein  Regiment  Knechte  4080  fl,  zur
Schickung  nach  Italien  3344  fl.  30  kr.,  für  Legationskosten  Rn  Soetern
2174  fl,  30  kr.,  der  Rest  für  Botenlohn  ete.)..  Da  die  zu  Würzburg  bewilligten
42  |!)  Monate  81  984  fl.  ausmachen,  so  hat  Kurmainz  14585  fl.  30'/,  kr.  von
dem  Bund  zu  fordern  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  I.,  no.  10,  f.  254;  Kopie).

®  Speier  hatte  52  Monate  mit  29952  fl.  zu  erlegen,  stellte  dagegen
14180  fi.  an  Ausgaben  (4000  fl.  für  Erzherzog  Leopold,  4000  fl.  für  den
Koadjutor  von  Köln,  6000  fl.  zur  Besetzung  der  Grenzhäuser)  und  30000  fl.  an
Schäden  durch  Einlagerung  in  Rechnung  (Wimz.,  a.  a.  O.).

April

21.  bis  30.
        <pb n="404" />
        2

382  1611  154.

A  Augsburg  !  und  die  der  Grafen  und  Herrm  behandelt.?
.  DIE  OV.

April  26.

Bairische  Rechnung.?  Bei  der  Umfrage  werden  der  zu  niedrige
Anschlag,  die  zu  hoch  angesetzten  Kosten  für  Proviant  und  für  die
hohen  Aemter,  für  Kuriere  und  Schickungen,  die  Anrechnung  erlittener
Schäden  bemängelt.  Ebenso  werden  die  fränkischen  *  und  die  konstanzer
Rechnung  [fehlt]  vorgenommen  und  schliesslich  wird  von  Baiern  erinnert,
dass  jeder  Kreis  nun  zur  Zahlung  seiner  Rechnungen  zu  schreiten  habe.  —
Dem  Grafen  von  Rietberg  wird  eine  Stimme  für  sich  in  der  Union  zuerkannt,
  so  lange  nicht  andere  rheinische  Stände  in  den  Bund  treten.

Nachmittagssitzung.  Baiern  proponiert  wegen  Vermehrung
des  Vorrats.  Trier  will  das  Unionswesen  befördern;  man  soll  sich
dazu  einer  erklecklichen  Defension  vergleichen,  bei  der  jeder  tut,  was  er
kann;  friedfertige  Stände  im  Reich  und  ausserhalb  suche  man  zı
gewinnen;  vielleicht  könnte  bei  einigen  Katholischen  der  Papst  durch
Ermahnungen  helfen,  unkatholische  Stände  soll  man  wenigstens  zur
Neutralität  bewegen.  Zur  Verbesserung  der  Mängel  wäre  dienlich,  die  Adjunkten
  zeitlich  zu  berufen  und  nicht  jedesmal  Unionstage  auszuschreiben.
Köln  schlägt  die  Erhandlung  der  Stadt  Köln  und  der  Bistümer  Lüttich,
Hildesheim  und  Münster  vor,  fügtaber  bei,  dassmit  Münsterallein  zu  handeln,
hm  wegen  der  Generalstaaten  bisher  bedenklich  war,  dass  Hildesheim  wegen
seiner  Lage  nicht  viel  Beisprung  hoffen  kann,  in  Lüttich  bisher  geringe  Neigung
  war  und  dieStadt  Köln  ihre  grossen  Ausgaben  vorschützt.  —  Mainz:
man  muss  wissen,  ob  sich  jeder  Stand  nach  der  Reichsmatrikel  anschlagen
lassen  und  wie  hoch  er  sich  angreifen  will;  darnach  ist  der  Anschlag  für  den
Bund  zu  machen  und  aufeinen  neuen  Vorrat  zu  denken;  Mainz  könnte  auch
für  sich  auf  Moderation  dringen,  lässt  es  aber  bei  der  Matrikel.  —  Aehnlich
Baiern.  —  Demnach  wird  umgefragt,ob  jeder  Stand  sich  der  Matrikel  bequemen
  will:  Trier  und  Köln,  ebenso  Strassburg  und  Passau  be
gehren  Moderation  und  klagen  über  die  Beschwerung  ihrer  Stifter,  während
die  andern  es  bei  der  Matrikel  belassen  wollen.  Konstanz  beschwert  sich

ı  Augsburg  stellt  an  Ausgaben  61396  fl.  15  krz,  5  h.  in  Rechnung,
darunter  52000  fi  als  Darlehen  zur  Abdankung  des  Ligavolks;  seine  (Quote
betrug  33252  fl.  (Winz.,  a.  a.  O.).

?  Die  Grafen  und  Herrn  legten  eine  Rechnung  mit  26329  fl.  46  krz.
für  erlittene  Schäden  und  gelieferten  Proviant  vor;  von  der  Quote  hatte
nur  a  robenius  Graf  von  Helfenstein  2604  fl.  erlegt  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  L,
no.  9;  Or.).

®  Die  Detailrechnung  fehlt;  Baierns  Quote  wurde  mit  95056  fl.  be
rechnet,  der  vom  Herzog  geleistete  Vorschuss  (ohne  die  Ausgaben)  betrag
129053  fl.  (Winz.,  a.  a.  Ö.).

“  Bamberg  und  Würzburg  verrechnen  an  Ausgaben  für  Werbung  eines
Regiments  Knechte  und  dreier  Kornete  Reiter  162860  fl.  8  krz,,  wovon  auf
Bamberg  69650  fl.  51  krz.,  auf  Würzburg  93209  fl.  17  krz.  treffen;  an
der  gr  hatte  Bamberg  9600  fl,  Würzburg  30500  fl.  bezahlt  (Wmz,
a.  a.  O.).
        <pb n="405" />
        154.  1611  383

dabei  über  sein  Kapitel,  das  nicht  in  der  Union  bleiben  wolle!  —  In  April
Abwesenheit  jener  vier  Stände  wird  über  eine  Moderation  ihrer  Anlage  21-  bie  50.
umgefragt,  wobei  Mainz  und  Baiern  für  eine  Ermässigung  zu  gunsten

Triers  und  Kölns  und  für  Berücksichtigung  Passaug  und  Strassburgs
eintreten.  Die  Mehrheit  entscheidet  aber,  dass  Trier  den  ganzen
Anschlag  zahlen  soll,  Köln  die  Hälfte;  Strassburg  und  Passau  sollen
gleichfalls  das  ganze  zahlen,  weil  ihre  Beschwerung  nur  vorübergehend

ist.  Wegen  der  von  Passau  begehrten  Hilfe  mit  Kriegsvolk  gegen

den  König  ist  niemand  instruiert.?

April  27.

Baiern  teilt  die  gestrigen  Beschlüsse  wegen  der  Moderation
mit.  Trier:  wenn  es  dabei  bleibt,  kann  es  den  Verhandlungen
nicht  weiter  beiwohnen.  Köln  bittet,  es  wenigstens  für  einige  Jahre
bei  einem  Drittel  des  Anschlags  zu  lassen.  —  In  Abwesenheit  beider  wird
nochmals  umgefragt  und  beschlossen,  es  bei  gestrigem  Beschluss  zu
lassen;  um  aber  die  Sache  nicht  zu  schädigen,  soll  Trier  und  Köln
anbeimgestellt  werden,  die  Entscheidung  des  nächsten  Bundestages
anzurufen;  bis  dahin  soll  Trier  zwei,  Köln  ein  Drittel  zahlen.  Das
wird  beiden  angezeigt,  die  sich  endlich  zufrieden  geben.

Baiern  proponiert  wegen  einer  neuen  Bewilligung  zur  Ergänzung
des  Vorrats  gemäss  dem  4.  Punkt  des  augsburger  Abschieds.  Trier
darf  auf  14—15  Monate  gehen,  Köln  unter  Voraussetzung  der  Moderation
bis  auf  20;  es  darf  auch  von  einer  Dezimation  der  Geistlichen  reden.
Mainz  will  sich  vor  jeder  Bewilligung  erst  überzeugen,  ob  man  so  viel
zusammenbringen  kann  als  zu  einer  genügenden  Defension  nötig  ist;
sonst  erschöpft  man  nur  vergeblich  die  Untertanen.  Baiern:  man
bedarf  vorerst  zur  Schuldentilgung  15  Monate,  dann  zum  Vorrat
60—70;  mit  20  Monaten  ist  nichts  zu  machen.  Da  man  von  den
Untertanen  und  aus  den  Kammergefällen  das  nicht  erheben  kann,  so  ist
die  Dezimation  das  beste  Mittel;  die  Union  ist  ja  hauptsächlich  zur  Erhaltung
  der  Geistlichen  bestimmt.  Dies  Opfer  ist  immer  noch  geringer
als  alles  zu  verlieren.  Bamberg  stimmt  zu  und  hat  mit  der

ı  Der  Bischof  von  Konstanz  liess  am  22.  April  den  mainzischen  Räten
durch  seinen  Kanzler  Deschler  vortregen:  das  Domkapitel  wulle  auf  Anreizung
  einiger  Uebelwollender  und  des  Unionswesens  Unkundiger  seine  Gebühr
sur  Union  nicht  beitragen.  Der  Erzbischof  von  Mainz  als  Metropolit  möge
einwirken  und  das  Kapitel  zur  Einhaltung  seines  Versprechens  ermahnen,
auch  den  Papst  um  ein  Breve  an  das  Kapitel  ersuchen;  er,  der  Bischof,  habe
für  den  Bund  schon  viele  tausend  Gulden,  das  Kapitel  nicht  500  erlegt
(Wımz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  92).  -  Am  5.  Mai  ergieng  ein  scharfes
Mahnschreiben  des  Kurfürsten  an  das  Kapitel  (Wimz.,  a.a.  O.,  no.  129;  Kpt.).

*  Nebenprotokoll  vom  26.  April:  Köln  will  nochmals  die  drei  Soldmonate
  retten  und  bescheinigen,  dass  es  das  Volk  mit  Baierns  Vorwissen
angenommen  habe,  wird  aber  wieder  abgewiesen.  Auch  an  der  mainzischen
Rechnung  wird  verschiedenes  bemängelt,  besonders  das  Laufgeld  für  Reiffenbergs
  Regiment,  da  das  Volk  gar  nicht  auf  die  Beine  kam.  Die  Mainzer
machen  geltend,  dass  ihnen  diese  Werbung  aufgetragen  worden  zei.
        <pb n="406" />
        April

21.  bis  30.

384  1611  154.

Dezimation  bei  seinem  Domkapitel  schon  den  Anfang  gemacht,
Speier  will  zunächst  hören,  welche  Hilfe  es  vom  Bund  zu  erwarten
bat  nnd  wird  dann  das  äusserste  tun.  Konstanz  beklagt  sich
nochmals  über  sein  Domkapitel;  der  Bund  möge  an  das  Kapitel
schreiben,  ebenso  an  den  Papst,  damit  dieser  die  widrigen  Mitglieder
des  Kapitels  zurechtweise,.  Augsburg:  da  die  Gegner  die  Geistlichen
und  das  Patrimonium  Petri  ausrotten  wollen,  so  muss  man  sich
angreifen;  die  Dezimation  ist  dazu  der  beste  Weg,  der  Ordinarius
soll  den  Auschlag  machen  und  die  Gebühr  einbringen.  Man  möge
in  den  vier  ersten  Jahren  je  20  Monate  und  in  den  übrigen  Jahren
bis  zum  Ablauf  des  Bundes  je  10  Monate  erheben.  Ellwangen
möchte  statt  des  Geldes  eingeübtes  Landvolk  stellen.  Die  Grafen
klagen  über  die  Last  der  Anlage.

Nachmittagssitzung.  PBaiern:  da  die  Voten  zu  einem  be
stimmten  Schluss  nicht  genügen,  muss  die  Umfrage  wiederholt  werden,
Trier  will  Fortsetzung  der  Union,  wozu  ein  Vorrat  nötig  ist,  aber
auf  so  viele  Schulden  war  es  nicht  gefasst;  zur  Schaffung  eines
Vorrats  muss  die  Erweiterung  der  Union  bedacht  werden;  es  weist
auf  Lothringen  und  Erzherzog  Albrecht  hin.  Eine  Dezimation  kann
Trier  schwerlich  erheben,  weil  der  Klerus  als  Landstand  steuert
Ebenso  Köln,  das  noch  an  die  spanische  und  päpstliche  Hilfe
erinnert.  Mainz  hofft  nicht  viel  auf  Lothringen  und  den  Erzherzog;
  die  Mitglieder  werden  sich  selbst  angreifen  müssen;  es  schlägt
für  das  erste  Jahr  15  Monate  zur  Kasse  und  5  zum  Vorrat  vor  und
will  auch  noch  mehr  tun;  die  Dezimation  scheint  auch  ihm  untunlich.
Baiern  ist  mit  der  Erweiterung  der  Union  einverstanden  und
benennt  noch  den  Herzog  von  Mantua.  Zum  Vorrat  möge  man
durch  vier  Jahre  je  20  Monate  erlegen.  Die  Dezimation  möge
geschehen,  doch  mit  der  Klausel,  dass  nach  Ablauf  des  Bundes  das  in  der
Kasse  vorbandene  Geld  den  Geistlichen  wieder  zukommen  solle,  so  dass
es  sich  nur  um  eine  Hinterlegung  handeln  würde.  Schliesslich  empfiehlt
es  Partikularvereinigungen  der  Stände.  Dasselbe  tut  Bamberg,
das  noch  rät,  dass  jeder  Stand  sich  mit  einer  gewissen  Barsumme
gefasst  halten  sollee  Würzburg  ist  zur  Zahlung  willig,  mahnt
aber  von  der  Dezimation  ab.  Speier  erinnert,  dass  die  geistlichen
Güter  meist  unter  unkatholischen  Herrn  liegen.  Die  andern  vetieren
wie  zuvor.  Baiern  schliesst,  dass  die  Union  fortzusetzen  ist,  dass
durch  vier  Jahre  je  20  Monate  erlegt  werden  sollen,  wovon  im  ersten
Jahr  15  zur  Schuldentilgung  zu  verwenden  sind.  Ziele  sind  im
ersten  Jahr  Michaelis  und  Nativitas,  später  Johannis  und  Natiritas.
Partikularvereinigungen  unter  den  Nachbarn  sind  zu  empfehlen.
Zur  Dezimation  haben  sich  nur  Bamberg,  Baiern  und  Augsburg
verstanden.  Der  Papst  und  Spanien  sollen  gebeten  werden,  für  dies
Jahr  drei  Monate  zum  Vorrat  zu  erlegen.

Baiern  stellt  die  Verbesserung  der  Dofensionsmittel  sur
Umfrage,  lässt  den  betreffenden  Punkt  des  augsburger  Abschieds  verlesen
        <pb n="407" />
        154.  1611  386

und  schlägt  vor:  1.  der  Angreifer  ist  nicht  nur  abzuweisen  sondern
uch  noch  zu  verfolgen,  bis  er  Schadenersatz  und  Bürgschaft  für  die
Zukunft  leistet;  die  Musterplätze  soll  man  auch  in  das  Gebiet  der
Protestanten  verlegen;  2.  der  Bundesoberst  darf,  wenn  das  Heer  im  Feld
ist,  bei  Gefahr  auch  ohne  Zuziehung  der  Adjunkten  handeln;  3.  was  der
Oberst  zu  gunsten  des  Bundes  tut,  ist  genehm  zu  halten  und  ihm  der
daraus  entstehende  Schaden  zu  vergüten.  —  Dazu  kommen  Augsburgs  Vorschläge:
  1.  die  Untertanen  der  Bundesstände  dürfen  sich  nicht  in  fremde
Bestallung  einlassen;  2.  die  Musterplätze  der  Gegner  soll  man  nach
Möglichkeit  „aufschlagen“;  3.  jeder  Stand  soll  seine  Untertanen  mustern
und  abrichten  lassen;  4.  die  Kreise  sollen  Oberstleutnante  und  Knechte
ins  Wartegeld  nehmen;  d.  jeder  einzelne  Unionsstand  soll  erfahrene  Soldaten
unterhalten,  die  unter  das  Landvolk  zu  verteilen  sind;  6.  die  daraus  erwachsenden
  Kosten  soll  jeder  Stand,  doch  ohne  Abzug  von  der  Quote  bestreiten,
damit  der  Vorrat  nicht  verringert  wird.  —  Trier  gibt  zu,  dass  man
den  Gegnern  zu  viel  Luft  gelassen  hat;  bevor  man  aber  die  Waffen  zur
Hand  nimmt,  möge  man  noch  die  Adjunkten  zu  Rat  ziehen,  dann  aber
die  Waffen  in  der  Hand  behalten.  Man  möge  auch  bedenken,  wie
man  den  Rheinischen  beispringen  will,  da  Baiern  weit  entsessen  ist?
Köln  warnt,  die  gehörten  Vorschläge  in  den  Abschied  zu  bringen,
da  der  Papst  und  Spanien  erklärt  haben,  nichts  für  den  Bund
za  tun,  wenn  man  zum  Angriff  schritte;  dagegen  ist  billig,  dem
Bundesobersten  mehr  Gewalt  zu  geben  und  seine  Anordnungen  zu  ratifzieren.
  Mainz  zweifelt  auch  an  der  Ausführbarkeit  der  augsburgischen
Vorschläge  und  warnt  wie  Köln,  die  Beschlüsse  in  den  Abschied  zu
bringen.  Baiorn  empfiehlt  die  Partikularverfassung  der  Stände.
Die  andern  bringen  nichts  von  Belang  vor.  Schliesslich  einigt  man
sich  dahin,  es  wegen  des  Direktoriums  bei  vorigen  Abschieden  zu
lassen,  die  Defensionsmängel  im  neuen  Abschied  anzuführen,  nicht
aber  die  obigen  Vorschläge.
April  28.

Baiern  proponiert  wegen  der  Hilfe  für  das  Erzstift  Köln
und  die  andern  rheinischen  Stifter.  Köln  dankt  für  die  bisher  geleistete
Hilfe,  die  die  Gegner  zum  Akkord  veranlasst  hat;  seitdem  konnte  man
einige  Truppen  abdanken  ;  da  aber  die  Possidierenden  noch  viel  Volk
unterhalten  und  das  Erzstift  bedrohen,  kann  Köln  nicht  alles  Volk  entlassen;
  man  möge  auch  ferner  für  das  Erzstift  zwei  Fähnlein  Knechte
und  80  Reiter  auf  Bundeskosten  unterhalten;  bei  völliger  Abdankung
könnte  man  das  wichtige  Kaiserswerth  verlieren,  um  das  sich  die
Staaten  alsbald  bemühen  würden  ;  ohne  diesen  Schlüssel  kommen  sie
aber  am  Rhein  nicht  fort.  Man  lasse  durch  Mainz  als  Kommissar
den  Augenschein  einnehmen  und  verfahre  nach  dessen  Gutachten.
Speier  bittet  gleichfalls  um  Unterstützung.  Rietberg  verweist
  auf  seine  schriftlich  eingebrachten  Praetensionen.!  Baiern

I  Der  Graf  bittet,  dass  von  den  noch  übrigen  zwei  Fähnlein  eines  auf
Bundeskosten  zum  Schutz  des  wichtigen  Rietbergs  unterhalten  werde.  Für

Briefe  u.  Akten  dos  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  25

April

21.  bis  30.
        <pb n="408" />
        386  1611  154.

Aprl  fragt  um,  ob  man  nach  Kölns  Begehren  die  zwei  Fähnlein  auf  Bunde-21.bis30.
  posten  in  Garnison  erhalten  soll.  Trier  verlangt,  dass  auch  die  Besatzung
  des  wichtigen  Ehrenbreitstein  vom  Bund  erhalten  werde  und
ausserdem  100—200  Mann  zur  Verwahrung  der  Pässe;  auch  Speier
möge  man  wegen  der  gefährlichen  Nachbarschaft  etwas  gönnen  ;  doch  achte
man,  dass  damit  bei  den  Protestanten  nicht  Mistrauen  erweckt  werde.
Mainz  hält  die  Gefahr  nicht  mehr  für  so  gross,  dass  man  für  Köln
Kriegsvolk  unterhalten  sollte,  zumal  das  Kriegsvolk  im  Jülichschen
abgedankt  werden  soll.  Die  Kosten  der  Besatzung  von  Kaiserswertä
kann  man  dem  Bund  ebenso  wenig  aufnötigen  wie  die  der  Stadt
Mainz;  man  hat  Köln  Lizenten  nachgesehen,  die  jährlich  60  000  Taler
ertragen.  Wegen  Speier  gibt  die  Bundesnotel  Mass.  Es  möge
übrigens  auch  von  einer  Hilfeleistung  für  das  Erzstift  Mainz  geredet
werden,  das  von  Trier,  Köln  und  Speier  nichts  zu  erwarten  hat  und
sich  deshalb  an  die  Oberländer  halten  muss;  Mainz  wird  sich  daher  auch
der  partikularen  „Zusammenhaltung“  bedienen,  was  man  dem  Abschied
einverleiben  möge.  Die  Heranziehung  der  andern  Stifter  Kurkölns
ist  zu  erwägen;  das  rietbergsche  Volk  kommt  nur  Stiftern  zu  gute,
die  gar  nicht  in  der  Union  sind,  z.  B.  Paderborn.  Baiern  spricht
sich  ebenso  aus:  man  möge  gleichfalls  abdanken;  soll  der  Bund
jedem  Stand  seine  Festungen  erhalten,  so  bleibt  nichts  im  Vorrat;  Trier  und
Köln  sind  abzuweisen  und  das  rietbergsche  Volk  abzudanken.  —  Da  die
Nachstimmenden  derselben  Meinung  sind,  zeigt  Baiern  den  hereingerufenen
Trierern,  Kölnern  und  Speirern  als  Beschluss  an:  wegen  des  kölnischen  Begehrens,
  500  Mann  zu  Fuss  und  80  zu  Pford  auf  Bunderkosten  zu  unterhalten,
  wird  auf  die  Bestimmungen  der  Bundesnotel  wegen  der  Hilfeleistung
  verwiesen;  Köln  kann  jetzt  abdanken  ;  jeder  hat  seine  Festungen
selbst  zu  verwahren  ;  Köln  ist  zndem  gering  veranschlagt,  hat  die  Lizenten
und  hat  Stifter,  die  nicht  im  Bund  sind;  wenn  diese  eintreten,  wird
man  sich  weiter  erklären.  Trier  zablt  auch  nur  geringe  Anlage.
Wegen  Speier  wird  auf  die  Unionsnotel  verwiesen.  Das  rietbergsche
Volk  ist  abzudanken,  da  es  nur  Dritten  zu  gute  kommt.  Partikularvereinigungen
  der  Nachbarn  werden  empfohlen;  dann  wird  es  auch
Speier  nicht  an  Hilfe  mangeln.  Köln  wendet  ein,  dass  das  Erzstift
die  kaiserswerther  Besatzung  nicht  erhalten  könne;  die  Lizenten
dienten  zum  Unterhalt  des  Kurfürsten.  Man  möge  zum  Schutz
gegen  Streifen  wenigstens  60  Reiter  bewilligen.  —  Bei  neuer
Umfrage  werden  die  60  Reiter  auf  zwei  Monate  genehmigt.
Baiern  proponiert  den  7.  Punkt  des  augsburger  Abschiodes
wegen  der  Mitteilung  des  münchner  Akkords  an  den  Papst  und  an
Spanien.  Das  Konzept  wird  genehmigt.  —
Sodann  wird  der  8.  Punkt  des  Abschiedes  wegen  der  Schickung
nach  Frankreich  u.  s.  w.  vorgenommen.  Man  beschliesst,  allein

sich  begehrt  er  Auszahlung  der  ihm  als  Artillerie-General  des  Bundes  za
Anfang  der  Bestallung  zugesicherten  3000  fl.  und  um  eine  Besoldung  (Mc,
Entstehung,  Fasz.  VI.,  no.  44,  f.  93;  Kop.).
        <pb n="409" />
        154—155.  1611  387

Helfenstein  zu  schicken.  Dabei  wird  angeregt,  Oesterreich,  besonders
  aber  Erzherzog  Maximilian  für  den  Bund  zu  gewinnen.

Nachmittagssitzung.  Verschiedene  Partikularpunkte  :
1.  Udenheimscher  Streit.  2.  Aufnahme  der  antoninischen  Linie  der
Fugger,  doch  ohne  besonderes  Votum.  3.  Die  rietbergschen  Ansprüche
sind  vorerst  zu  liquidieren.  A.  Dem  Christoph  Erbtruchsess  wird
eine  Interzession  an  Erzherzog  Maximilian  bewilligt.  5.  Eine  „Verehrung“
  für  Tilly  wird  Baiern  anheimgegeben.  6.  Mainz  lässt  sich
auf  Anhalten  aller  Stände  bestimmen,  das  Bundesoberstenamt  weiter  beizubehalten.
  7.  Kurköln  wird  ein  Gesamtschreiben  des  Bandes  an  Fürst
Christian  von  Anhalt  wegen  der  erlachschen  Schuld  erteilt.  8.  Wegen
der  hartheimschen  Händel  zwischen  Mainz  und  Würzburg  sollen
gütliche  Verhandlungen  versucht  werden.!

April  30.

Verlesung  des  Abschieds..  Würzburg  verlangt  ein  Schreiben
an  Brandenhurg-Ansbach  wegen  der  im  Jahr  1610  durch  die  Einlagerung
  erlittenen  Schäden,  Mainz  ein  gleiches,  weil  davon  auch
sieben  seiner  Aemter  berührt  wurden.  Man  beschliesst  ein  solches
und  dass  im  erstern  Fall  beide  Bundesobersten,  im  zweiten  Baiern  und  alle
Adjunkten  ausser  Würzburg  unterschreiben  sollen.  —  Verhandlung
wegen  der  hartheimschen  Händel.

Wmz.,  Religionsakten,  zum  13.  Band;  Protokoll  von  Fabers  Hand.

155.  Brömser  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Der  Kurfürst  von  Sachsen  hält  angesichts  der  stündlich  einlangenden
Nachrichten  von  dem  Uebermut  der  Böhmen  dafür,  dass  der  Kurfürstentag
  möglichst  beschleunigt  werde;  doch  wird  es  bei  den  zwei  Monaten
als  Termin  bleiben  müssen.  Er  begehrt  auch  Berücksichtigung,  dass  er
der  Gefahr  am  nächsten  sei,  weshalb  es  bei  Mühlhausen  gelassen
werden  möge.  Gestern  hat  der  Kurfürst  mir  ein  Handschreiben  des
Herzogs  von  Braunschweig  samt  Beilagen  mitteilen  lassen,  deren  Abschriften
  2?  ich  überschicke.  Es  ist  daraus  zu  sehen,  bis  zu  welcher
Vermessenheit  die  Böhmen  geraten  sind  und  wie  sich  der  König  deren
teilbaftig  macht.  Der  Herzog,  der  sich  um  den  Kaiser  besonders  verdient
  macht,  hat  ihnen  aber  gebührend  geantwortet.

!  Nebenprotokoll  vom  29.  April.  Beratung  über  die  Trennung  der  Kassen,
Tilgung  der  Schulden,  die  nach  Einbringung  aller  Ausstände  noch  49  000  fl.
u.  s.  w.  Mainz  fragt  an,  ob  man,  wenn  evangelische  Stände  in
den  Bund  eintreten  wollten,  in  der  Bundesnotel  die  Worte  „unsere  allein
selig  machende  Religion*  abändern  und  andere  wie  „Religions-  und  Profanfrieden",
  „Erbaltung  kaiserlicher  Hoheit“  besser  ausführen  solle;  was  solle
ferner  geschehen,  wenn  der  geistliche  Vorbehalt  disputiert  würde?  —  Man
iesst,  in  „terminis  generalibus*  zu  bleiben  und  nicht  Bedingungen
anzuknüpfen;  bestreiten  die  evangelischen  Stände  den  Vorbehalt,  so  ist  es
ihnen  mit  der  Aufnahme  ohnehin  nicht  Erust.  Verlesung  des  Entwurfs
des  Abschieds.
?  Oben  no.  147.

25”

April

21.  bis  30.

April  22,
        <pb n="410" />
        April  22.

April  24.

388  1611  155—  156.

Morgen  ziehe  ich  zu  meiner  grossen  Ungelegenheit  mit  den
Sachsen  nach  Prag  und  hoffe  am  Montag  dort  einzutreffen;  der
Kaiser  ist  bereits  davon  benachrichtigt.  Vor  einigen  Tagen  ist  hier  ein
Gesandter  des  Königs  Matthias,  ein  Herr  von  Polheim,  angekommen
dessen  Werbung  besonders  des  Königs  Einzug  in  Prag  entschuldigen  solL!,
Der  Kurfürst  bat  ihm  in  meiner  Gegenwart  gar  hart  zugesprochen
und  bemerkt,  dass  die  dem  Kaiser  von  den  böhmischen  Ständen  zu
gefügte  Schmach  von  den  Ständen  des  Reichs  höchlich  empfunden
werde  und  sie  dies  niemals  gut  heissen  würden.  Von  Polheim  habe
ich  im  Privatgespräch  vernommen,  „dass  er  die  vermählung  zwischen
dem  könig  und  dem  bairischen  freulein  vor  gewiss  und  beschlossen
balt“.2  Das  macht  mir  seltsame  Gedanken  und  wird  das  Mistraueı
zwischen  dem  Kaiser  und  Baiern  sehr  vermehren,  ‚inmassen  dan
I.  M.'  solches  und  dass  sie  dieses  unwesens  halben  Beiern  und  Spanien
in  verdacht  haben,?  den  churfursten  zu  Sachsen  albereit  avisiren  lassen,
darbei  Cöllens  chfl.  gn.  auch  etwas  verdechtig  mit  angezogen  worden“;
doch  habe  ich  noch  nichts  näheres  vernehmen  können.  Man  wird
aber  mit  Baiern  vorsichtig  sein  müssen;  „dan  also  mich  jederzeit
bedunket  hat  und  noch,  so  sticht  man  jeweilens  an  dem  ort  durch
den  zaun  und  lässet  sich  ein  schädliche  emulation  zwischen  beeden
heusern  merken.“  —  Ich  habe  empfangenem  Befehl  nach  nicht  unterlassen,
  das  anzügliche  Schreiben  Kurbrandenburgs  an  Kursachsen  *
wegen  der  katholischen  Stände  von  den  geheimen  Räten  zu  erbitten;
aber  sie  erklären,  dass  es  nicht  mehr  gut  sei,  die  Sache  nach  ge
troffener  Vereinbarung  auf  die  Bahn  zu  bringen;  namentlich  hat  Gerstenberg
  mir  davon  abgeraten,  zumal  er  ohnehin  neulich  eine  ausführliche
Inhaltsangabe  au  Dr.  Faust  geschickt  habe.  Besonders  befremdet  die
Räte,  dass  Kurköln  davon  Abschrift  haben  will.  Ich  glaube  auch,  das
man  in  dieser  Sache  nichts  weiteres  anregen  solle.  Es  heisst,
dass  Tengnagel  nun  gefoltert  werden  soll.  Datum  Dressden  des
12./22.  aprilis  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  30.  aprilis  1611

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  60;  Or.

156.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern.

Die  Erklärung  des  Hauses  Sachsen  kommt  uns  in  Anbetracht
der  vorigen  Erklärungen  unerwartet.  Wir  haben  aber  immer  die  Sorge
gehabt,  dass  bei  dem  langen  Zaudern  wegen  Einnahme  und  Beschreibung
der  Sachsen  „andere  operationes  einfallen‘  möchten,  um  diese  von  ihrer
Absicht  abwendig  zu  machen;  aus  den  einlaufenden  Nachrichten  ergibt

!  Vgl.  oben  no.  151,  8.  372,  Anm.  1.

?  Vgl.  über  dies  Gerücht  oben  no.  61,  8.  133  und  no.  116,  S.  287,  Anm.  2.
®  Vgl.  Pflugs  Werbung  oben  no.  148.

“  Vgl.  oben  no.  74.

®  Vgl.  oben  no.  124  und  no.  134  mit  Anm.  1  auf  S.  328.
        <pb n="411" />
        156—157.  1611  389

sich  auch  wirklich,  dass  einige  Stände  sich  dieser  Sache  sehr  annehmen.  April  24.

Vorläufig  muss  man  es  bei  der  obigen  Erklärung  bewenden  lassen.
Wir  glauben  aber,  da  die  Sachsen  ibr  vorige  Einwilligung  nicht  widerrufen
  wollen  sondern  nınr  ratsam  befinden,  mit  der  Einnahme  nicht  zu  eilen,
dass  man  beim  Unionstag  die  Beratung  wegen  Einnahme  dieser  Stände  nicht
ganz  zurücksetzen  sondern,  wenn  man  von  Stabilierung  der  Union
reden  wird,  auch  wegen  Einnahme  dieser  und  anderer  friedfertiger
evangelischer  Stände  sich  vergleichen  solle,  damit  man  später  nicht
za  zögern  braucht,  Da  in  der  sächsischen  Erklärung  auf  eine
Gesandtschaft  an  E.  L.  und  uns  Bezug  genommen  wird,  die  die
Gründe  dieser  Erklärung  eröffnen  soll,  so  teilen  wir  E.  L.  mit,  dass,  bevor
wir  noch  eine  Abschrift  des  sächsischen  Schreibens  aus  Würzburg
erlangt  hatten,  der  Landgraf  Ludwig  von  Hessen  am  22.  zu  Höchst  zu
uns  kam,  ein  Kreditive  vom  Hause  Sachsen  überreichte  und  uns  die
Gründe  der  Resolution  mündlich  und  schriftlich  eröffnete,  wie  die
Beilagen  ergeben.  Dem  ausgesprochenen  Begehren  gemäss,  diese
Schreiben  E.  L.  mitzuteilen,  tun  wir  dies  hiemit  und  ersuchen  um
Dero  Gutachten,  was  zu  antworten  ist,  damit  des  Hauses  Sachsen
gute  Intention  gegen  die  katholischen  Stände  und  die  katholische
Union  erhalten  wird.  Wir  erwarten  von  E.  L.  den  Entwurf  eines
solchen  Antwortschreibens,  das  wir  gern  fertigen  wollen.  Datum
Aschaffenburg  den  24.  aprilis  a.  1611.

Wmz.,  Religionsakten,  12.Bd.,  no.  97;  Kpt.  von  Faust.  —  Drs,,  1.  7373,  I.  Buch
Unionsskten,  f.  412;  Kopie.!

157.  Khleslan  Erzherzog  Maximilian.

Auf  das  Schreiben  vom  18.  April?  Ich  erbielt  es,  als  ich  bei
Abfassung  der  Artikel  war,  will  auch  den  Sachen  recht  tun,  damit
das  Glück,  das  Gott  uns  in  die  Hand  gab,  nicht  versäumt  werde.
Ich  überschicke  E.  D.'  die  letzte  Aussage  Tengnagels.  Die  Böhmen
sind  der  Sache  etwas  müde;  denn  die  „Stellung‘  der  Artikel
fordert  grosse  Arbeit  und  Erfahrung,  „desswegen  ich  das
passauerisch  officialatambt,  welches  ich  22  jahr  auf  mier  getragen,
hiezunt  in  dieser  sachen  genüesse,  dann  daselb  täglich  articl  zu  stellen
gewesen.‘  Die  Schlesier  und  Lausitzer  haben  heute  beim  König
Audienz  gehabt,  gestern  beim  Kaiser;  ich  höre,  dass  sie  vom  alten
Regiment  sehr  „dependieren“.  Der  Aufzug  der  Krönung,  der  durch
die  Haupttraktation  wegen  des  Unterhalts  des  Kaisers  verursacht

ı  Der  Herzog  erwiderte  am  14.  Mai:  die  Meinung  des  Kurfürsten,
dass  das  lange  Zaudern  jene  Resolution  Sachsens  verursacht  habe,  könne  er
nicht  teilen;  denn  in  der  Resolution  heisse  es,  man  müsse  in  der  Sache

ahrsam  gehen,  sich  nicht  übereilen  und  alles  bedenken;  es  könne  daher  der
Verzug  nicht  Ursache  sein,  da  alles  noch  zu  weiterer  Deliberation  gestellt
werde;  die  Antwort  an  Sachsen  möge  der  Kurfürst  abfassen  (W'mz.,  a.  a.  O.,
no.  139°;  Or.).

?  Vgl.  oben  no.  145,  8.  353,  Anm.  1.

April  25.
        <pb n="412" />
        April  26.

April  25.

3%  1611  157  —158.

wird,  hindert  uns  sehr,  trotzdem  der  König  und  wir  Tag  und  Nacht
treiben.  Wegen  des  budweiser  Volks  stehen  wir  in  guter  Hoffnung
des  Akkords,  obwol  Erzherzog  Leopold  neuerdings  500  Mann  geworben
haben  soll.  Die  Gesandten  des  Kurfürsten  von  Sachsen  erwartet  man
täglich;  dieser  Herr  ist  nicht  gut  königlich,  seine  vornehmsten  Räte
sollen  vom  Kaiser  Pensionen  haben;  man  muss  aber  auch  hier  ‚‚durchbrechen‘‘.
  Gestern  hatten  die  wallachischen  und  moldauischen,  Gesandten
beim  König  Audienz,  sie  haben  sich  dessen  Schutz  untergeben;  ich
hoffe,  dass  des  jungen  Bathory  Insolenz  noch  diesen  Sommer  unterdrückt
werden  wird.  Auf  den  türkischen  und  ungarischen  Frieden  zu  bauen
wird  mich  kein  Verständiger  überreden  ;  doch  können  wir  unter  diesem
Schein  unsere  Kräfte  ausdehnen  und  uns  auf  alle  Fälle  gefasst  machen,
„welches  dann  vielleicht  uns  im  heil.  röm.  reich  mehrer  authoritet,
credit  und  kunftige  befürderung  machen  möchte.‘“  Bei  Gottes  Segen
ist  kein  besseres  Mittel  als  dem  Glück  eifrig  nachzusetzen  und  in  allen
wichtigen  Sachen,  nachdem  sie  wol  beratschlagt,  Resolution,  Herz  und
Exekution  zu  haben.  Prag  den  25.  april  a.  1611.  —  Praes  1.  maii  1611.
Ib,,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Mai  1611,  no.  4;  Or.

158.  Zuniga  an  König  Philipp  II.

„El  rey  y  los  Bohemios  han  resuelto  la  respuesta  para  los
puntos  que  el  emp.°"  pedia  como  condigiones,  con  las  quales  le
resignaria  el  reynol!,  y  todo  se  reduze  a  dalle  ochenta  mil  escades
cada  ano,  y  estos  quieren  que  no  los  de  el  reyno,  porque  no  parezca
manera  de  tributo,  sino  que  de  las  mayores  sumas  que  el  reyno
contribuiere  al  rey,  acuda  el  con  esto  al  emp.”,  y  aun  los  Ingares
y  haziendas  que  S.  M.?  ces.“  avia  comprado  en  este  reyno  no  quieren
dej  arselas,  sino  que  el  rey  quede  con  ellas  para  pagar  las  deudas
del  emp.°,  que  muchos  de  los  acreedores  son  Bohemios  y  les  parese
que  se  asiguran  mas  por  esta  via.  Pedia  el  emp.°”  que  se  asentase
que  pudiese  tener  su  residengia  aqui  0  en  otro  qualquier  lugar  del
reyno  y  salir  y  bolver  a  el  con  su  corte  y  recamara  y  thesoro,
quando  y  como  quisiesse.  A  esto  responden  senalandole  tres  o  4
villetas  de  este  reyno,  que  todas  las  del  fuera  desta  siudad  son  muy
pequenas  y  Pilzen,  que  es  la  que  algo  vale  y  adonde  inclinan  que
resida,  no  tiene  palacio  ni  avitagion  conviniente  y  entiendese  que  a
de  estar  alli  sin  poder  salir  a  otra  parte  a  lo  menos  fuera  del
reyno.  Escrivi  sobre  estas  cosas  un  papel  algo  aspero  al  obispo  de
Viena  de  que  se  muestra  muy  sentido,  diziendole  que  el  intento  de
V.  M.@  no  era  de  desviar  la  grandeza  del  rey  y  que  se  asentasen
las  cosas  como  mas  conviniese,  pero  que  entendiesen  que  lo  que  era
afrenta  y  menosprecio  del  emp.”,  le  desplazeria  a  V.  M.“  muy  de
veras;  he  sentido  particularmente  lo  que  tocava  a  la  residengia,
porque  al  rey  y  a  los  Bohemios  y  a  todos  me  parecia  que  les

I  Vgl.  oben  no.  152,  S.  374,  Anm.  93.
        <pb n="413" />
        158.  1611  391

copvenia  que  el  emp."  se  estuviese  en  su  palacio  y  aposento
ordinario  y  assi  lo  havia  platicado  con  el  obispo  y  era  cosa  mucho
mas  degente,  quando  quisiesen  quitalle  la  livertad  quitarsela,  diziendo
que  el  rey  y  los  Bohemios  recivirian  disfavor  en  que  se  entendiese
que  ellos  le  hechavan  de  su  casa  y  aposento,  donde  havia  bivido
tantos  anos.  Pero  el  rey  y  ellos  se  disculpan  con  las  cosas  tan
atrozes  que  dizen  han  descubierto  en  materia  de  hechizos  y  benenos
contra  la  persona  del  rey!,  y  como  en  esta  misma  coiuntura  adolecio
de  enfermedad  de  gomitos  con  calentura  que  le  duro  dos  o  tres
dias?2  (de  que  esta  ya  bueno),  enconaronse  mucho  mas  las  cosas,
porque  el  rey  y  los  suios  estuvieron  con  notable  miedo  de  que  le
avian  atosigade.  Siempre  continuare  en  hazer  todos  los  buenos
officios  possibles  de  mi  parte,  pero  las  causas  de  odio  de  entrambas
partes  son  tan  terribles  que  no  ay  pensar  puedan  mitigarse  los
animos  ni  reduzirse  a  singera  recongiliacion.  —

En  el  llamamiento  general  de  esta  dieta  de  Bohemia  que  86
ha  hecho  para  la  coronacgion  del'rey,  fueron  llamados  los  diputados
de  la  provincia  de  Silesia  que  no  es  de  menos  consideragion  que  la
Bohemia  y  ay  entre  ellos  diferengia  antigua  sobre  si  en  la  coronacion
de  los  reyes  y  pretensa  election  an  de  seguir  &amp;amp;  los  Bohemios  o
tener  ellos  su  voz?,  y  quando  agora  tres  anos  se  hizo  la  designacion
y  nombramiento  de  sugession  en  la  persona  del  rey  Mathias,  Bilesia
no  concurrio  en  ella.  Ha  venido  por  cabeza  de  los  diputados  el
duque  de  Liniz  persona  de  gran  calidad  y  estado  en  aquella  provingia.  Ha
tenido  audiengia  del  emp.°"  y  la  platica  que  hizo  fue  la  ordinaria  sin  tocar
en  la  renungiacion  de  la  corona.  No  se  ban  juntado  hasta  ora  con  los
Bohemios  y  esde  gran  momento  su  resolugion  en  esta  coiuntura.  El  emp."
tiene  confianca  de  que  an  de  queror  quedar  en  su  obediengia  en  todo  caso
y  segun  el  estado  a  que  han  llegado  las  cosas,  tendria  esto  mucho
inconbeniente,  pero  los  del  rey  esperan  ganarlos  y  reducirlos  a  su
obediengia  como  a  los  demas,  pero  esta  obediencia  como  e  escrit)
a  V.  M.?  siempre  temo  que  sera  tam  limitada  que  el  rey  no
sera  senor  nunca  de  veras.*  Porque  ya  la  tenia  muy  perdida  el

ı  Ueber  diese  Sache  (vgl.  no.  131,  8.  316,  Anm.  2  und  no.  145,
8.  362)  schreibt  Zuniga  am  25.  April  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern:
Täglich  mehren  sich  hier  die  Schwierigkeiten  wegen  des  wachsenden  Mistrauens
  zwischen  den  Brüdern,  „praesertim  propter  quaesitiones  et  examina
execrandorum  horum  astrologorum  et  nigromanticorum,  qui  plurimum  mihi
obfuerunt  in  tractatione,  qua  efficere  conabar,  ut  cum  caes.  M.te  procederetur
quam  mitissime  et  cum  ea  qua  decet  humanitate  et  respectu®  (Mec.,  Entstehung,
  Fasz.  III.,  no.  25,  f.  86;  Or.).

?  Vgl.  oben  no.  142,  8  349.

s  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  261  ff.

*  Dieser  Anschauung  war  auch  Graf  Friedrich  von  Fürstenberg,  der  am
27.  April  an  Erzherzog  Maximilian  schreibt:  man  habe  wol  Ursache,  sich
vorzusehen;  „dann  wan  der  berr  vermeint,  er  habe  die  länder,  so  haben
die  länder  ine“.  Es  sei  daher  kein  beständiges  Regiment  zu  erhoffen  und

werde  die  katholische  Religion  dabei  Schaden  leiden  (lb.,  Ambraser  Akten,
Missiven  vom  Mai  1611,  no.  11;  Or.  eigh.).

April  25.
        <pb n="414" />
        April  25,

April
[zu  26.]

392  1611  158—159.

emp.”  y  el  modo  con  que  le  sugede  ni  el  caudal  propio  de  la
persona  no  ayudaran  a  cobrarla  en  ninguna  manera  mas.  Si  algun
remedio  tiene  es  el  abrigo  y  amparo  de  V.  M.@,  para  lo  qual  a
esta  coyuntura  asi  respeto  a  las  cosas  destas  provincias  como  a  las
del  imperio  es  sumamente  negessario  que  V.  M.@  se  sirva  de  hazer
la  provision  de  dinero  que  tengo  pedido,  que  si  de  una  vez  se  compusiesen
  estas  cosas,  seria  de  gran  descanso  para  V.  My  &amp;amp;
mucha  conviniencia  para  el  bien  public.  He  savido  que  oy  han
corregido  los  Bohemios  en  mucha  parte  la  respuesta  que  tenian
ordenada  para  el  emp.°"  a  lo  menos  en  el  termino  y  palabras  della
que  eran  muy  descompuestas.  Pienso  que  no  deve  haver  hecho  dano
para  esto  el  offigio  que  digo  arriva  que  hize  con  el  obispo  de  Viena
yre  continuando  el  hazer  otros  tales,  porque  estoy  con  mucho  rezelo
de  que  se  alteren  demasiado  contra  el  rey  los  electores  del  imperk,
respecto  del  mal  tratamiento  del  emp.°,  y  de  Sajonia  me  han  dicho
mucho  en  lo  qua  toca  a  esto,  pero  el  poner  limitacion  en  las  bengancas
es  negogio  dificditosoe.  De  Praga  25  de  abril  1611.“
Sim.,  Fasz.  2497,  f.  326;  Or.

159.  Kanzler  Faust  an  den  Kurfürsten  von  Mainı.

Die  Nachrichten  über  des  Kaisers  Lage  habe  ich  aus  dem
kursächsischen  und  aus  Brömsers  Schreiben  !  mit  Schrecken  vernommen
Es  geht  nun  fast  E.  kfl.Gn.  Reden  nach:  „wen  die  sachen  ubersehen
und  man  zuvor  keinem  wolmeinenden  rath  volgen  wollen,  so  werde  man
sich  widerumb  deren  nach  dem  ersten  vertrag  zwischen  I  M.!  und  dem
könig‘eingewandten  exceptionen  gebrauchen.‘‘  —  Vier  Dinge  sind  zu  be
denken:  was  Brömser  wegen  der  prager  Reise  zu  schreiben,  was  auf  das  kursächsische
  Schreiben  zu  antworten,  wie  die  Zusammenkunft  der  Kurfürsten
auszuschreiben  und  ob  Kurbrandenburg  dazu  zu  laden  ist?  -—  Mit  den  Aus
schreiben  an  Köln  und  Trier  ist  nicht  länger  zu  zögern,  doch  kanı,
besonders  wenn  Kurbrandenburg  beschrieben  werden  soll,  der  Termin
zum  Kurfürstentag  nicht  vor  August  angesetzt  werden.  Wegen
Kurbrandenburgs  Beschreibung  schlage  ich  vor,  ein  Ausschreiben  für  ihn
auszufertigen  und  an  Kursachsen  zu  schicken,  dem  anheimgestellt  werden
möge,  dasSchreiben  an  seine  Adresse  gelangen  zu  lassen;  Trierund  Köln  sind
von  diesem  Modus  zu  verständigen.  —  Wegen  BrömsersInstruierung
zu  raten,  halte  ich  mich  für  zu  schwach  ;  denn  wenn  ich  denke,  wie  gering
E.  kfl.  Gn.  und  anderer  Herrschaften  persönliche  Bemühungen  ange
schlagen  wurden,  zweifle  ich  sehr,  ob  die  Abordnung  besonders  bei
dem  einen  Teile  fruchten  wird,  „der  sich  zum  hochsten  zu  der  newen
verfassung  genottrengt  aussgibt  und  sich  nunmehr  bei  dem  inhabenden
vortheil,  sich  seiner  sachen  nicht  allein  vor  konftigen  contradictionen
und  revocirung  vorgangner  handlungen  zu  versichern  sondern  auch

—

:  Vgl.  no.  149  und  Anm.  1  auf  S.  367.
        <pb n="415" />
        159.  1611  393

noch  die  hülf  fast  gegen  I.  M.*  von  den  gewesenen  underhendlern  zu  '

extorquiren  vornimbt.‘‘“  Doch  gebührt  es  allen  Ständen  des  Reiches
und  vor  allen  den  Kurfürsten,  das  Oberhaupt  nicht  im  Stich  zu  lassen;
man  kann  sich  dieser  Pflicht  nicht  entziehen,  auch  wenn  der  Kaiser
deswegen  die  Kurfürsten  und  zunächst  E.  kfl.  Gn.  noch  nicht  ersucht
hat.  Bei  dieser  Notlage  genügte  es,  dass  der  Kaiser  durch  den  Adeligen
dem  nächsten  Kurfürsten  seine  Lage  entdecken  liess.  Es  wäre  sehr  zu
wünschen  gewesen,  dass  der  Kaiser  beim  ersten  Handel,  bei  der  Zession  der
ungarischen  Krone,  nur  halb  soviel  getan  hätte:  es  hätte  dann  jeder  seine
Schuldigkeit  getan  und  wäre  gleich  anfangs  die  Sache  besser  geraten.
Da  auf  die  Benachrichtigung  durch  Kursachsen  sich  niemand  mehr
mit  Unwissenheit  entschuldigen  kann,  so  werden  E.  kfl.  Gn.  als  vornehmster
  Kurfürst  nicht  weniger  als  die  weltlichen  Kurfürsten  Dero
Affektion  gegen  den  Kaiser  zeigen  und  Brömser  Kreditive  an  den
Kaiser,  den  König  und  die  böhmischen  Stände  neben  lInstruktion
zukommen  lassen  müssen;  dabei  wird  zu  beachten  sein,  dass  man,
da  die  Reichsstände  sehr  ungleicher  Intention  in  politischen  und
katholischen  Sachen  sind,  mainzischer  seits  nicht  zu  weit  gehe.
Man  möge  daher  zur  Zeit  nur  Generalbefehle  erteilen,  bis  man  genauer
weiss,  wobin  diese  sächsische  Schickung  in  specie  angesehen  ist,
und  etwa  anordnen,  dass,  —  wenn  Brömser  vernimmt,  die  Sachsen
seien  instruiert,  den  Kaiser  zu  trösten,  sich  über  den  Ursprung  der
Notlage  zu  informieren,  sich  zu  treuem  Rat  zu  erbieten,  auch  den  König
und  dieStände  zur  Mässigung  zu  ermahnen,  —ersich  davon  nicht  absondere;
aber  in  besondere  Verhandlungen  ausser  einer  gütlichen  Ersuchung  des
Königs  und  der  Stände  soll  er  sich  ohne  ausdrücklichen  Befehl  nicht  verbindlich
  einlassen  sondern  alles  zu  Bericht  nehmen,  bis  E.  kfl.  Gn.  sehen,
worauf  die  ganzen  Verhandlungen  eigentlich  zielen.  —  Trier  und
Köln  ist  die  kursächsische  Erklärung  mitzuteilen  und  dabei  zu  bemerken,
  dass  man  auf  geschehenes  Anrufen  den  Kaiser  nicht  werde
lassen  können.  O.  D.  —  Praes.  Aschaffenburg,  26.  aprilis  1611.
Wmz,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  9;  Or.  eigh.

i  Geschiebt  am  27.  April:  Kurmainz  fordert  die  beiden  Mitkurfürsten
auf,  an  eine  eilige  Abordnung  nach  Prag  zu  denken,  damit  bei  den  geistlichen
  Kurfürsten  nicht  weniger  Eifer  erscbeine  als  bei  den  weltlichen,  und
auch  in  der  Erwägung,  „dass  unsers  erachtens  nicht  wenig  daran  gelegen,
wan  der  weltlichen  churfursten  abgeordnete  allein  deren  orten  begriffen
weren  und  sich  vileicht  der  direction  in  einem  und  andern  in  religion-  und

rophansachen  wurden  annemen  wollen,  damit  dennocht  der  geistlichen  churreton

  abgeordnete  auch  mitzusehen  und  sovil  dabei  in  acht  nemen,  das
in  einem  nnd  andern  gepurende  mass  gehalten  und  nicht  zu  weit  gegangen
werde*  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  58;  Kpt.  von  Faust).  —
Kurköln  erwidert  am  7.  Mai,  dass  es  die  Abordnung  nach  Prag  vornehmen
wolle,  Mainz  möge  aber  die  Propositionen,  was  beim  Kaiser,  König  und  den
Ständen  anzubringen  sei,  verfassen  und  mitteilen  lassen,  damit  die  Kurkölnischen
gleichmässig  instruiert  werden  könnten;  besonders  wäre  die  feindliche  „Anstellung“
  der  böhmischen  Stände  scharf  zu  rügen  und  ihnen  anzndeuten,
dass  Jie  gehorsamen  Reichsstände  auf  Mittel  denken  müssten,  dieser  „Gewalt“
zu  steuern  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  101;  Or.).  —  Kurtrier  ordnete  am  12.  Mai

April
[zu  25.]
        <pb n="416" />
        April  26.

394  1611  160.

160.  Gerstenberg  und  Lüttichau  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

[Beide  kamen  am  25.  April  in  Prag  an  und  stiegen  im  Gasthaus
  „zum  Türken“  ab,  wo  auch  der  Herzog  von  Braunschweig
wohnte.]  1  Heute  hatten  wir  beim  Herzog  Audienz  und  teilten  ihm  den
Zweck  unserer  Schickung  mit.  Dieser  erwiderte,  es  sei  äusserst
notwendig,  dem  Kaiser  die  Hand  zu  bieten;  er  selber  wolle  stets
zum  Kaiser  halten,  verdiene  aber  damit  beim  König  und  den  Ständen
schlechten  Dank,  obgleich  er  es  mit  beiden  Teilen  gut  meine;  er
freue  sich,  dass  auch  die  andern  Kurfürsten,  besonders  Kurbrandenburg,
an  dem  er  bisher  sehr  gezweifelt  habe,  sich  akkomodieren  wollen;
die  böhmischen  Stände  seien  sehr  offendiert  und  verführen  schier  unverantwortlich;
  die  Krönung  des  Matthias  werde  man  nicht  hindern
können,  man  müsse  aber  trachten,  dass  dem  Kaiser  wenigstens  die
Regierung  bleibe.  —  Wir  eröffneten  darauf  dem  Herzog  unsere
Gedanken,  wie  man  die  Gefahr  vom  Hause  Oesterreich  abwenden  könnte;
der  Herzog  billigte  sie.  ——-  Gleich  darauf  hatten  wir  mit  Brömser
Audienz  beim  Kaiser,  der  ganz  allein  war.  Erst  drückten  wir  unsern
Schmerz  über  die  Drangsale  des  Kaisers  aus;  er  möge  aber  den
Mut  nicht  sinken  lassen,  denn  er  sei  nicht  ein  Eindringling  in  seine
Würde  sondern  Gott  habe  ihn  ordentlicher  Weise  durch  die  einhellige
Wahl  der  Kurfürsten  berufen  und  werde  ihn  gegen  alle  schändlichen

den  Landhofmeister  Johann  Zant  von  Merle  nach  Prag  ab  (Beglaubigung  an
Kurmainz  vom  12.  Mai;  Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  143;  Or.);  derselbe  kam  aber
nur  bis  Mainz,  wo  er  am  20.  Mai  beim  Kurfürsten  Audienz  hatte  (Wmz.,
a.  a.  O.,  no.  144;  eigenhändige  Aufzeichnung  von  Kurmainz),  und  kehrte,
als  er  daselbst  von  dem  augenblicklichen  Stand  der  Dinge  in  Prag  erfuhr,
entgegen  dem  Wunsch  von  Kurmainz  nach  Trier  zurück  (Rückbeglaubigung
vom  21.  Mai;  ebenda,  no.  146;  Kpt.),  —  Der  kurkölnische  Gesandte,  der
westphälische  Marschall  Jobst  von  Landsberg  zu  Erwitte,  wurde  am  16.  Mai
an  Sachsen  beglaubigt;  am  5.  Juni  hatte  er  beim  Kurfürsten  zu  Dresden
Audienz,  der  ihn  in  der  Fortsetzung  der  Reise  nach  Prag  bestärkte,  obgleich
die  karsächsischen  und  der  mainzische  Gesandte  von  dort  schon  wieder

zurückgekehrt  waren  (Kursachsen  an  Kurköln  am  a  Drs.,  L  9167,

II.  Buch  passauer  Kriegsevolks,  f.  750;  Kpt.).  Jobst  von  Landsberg  traf
am  9.  Juni  in  Prag  ein  (Neuburgische  Gesandte  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig
aus  Prag  am1./11.  Juni;  Mc.,  Neuburger  Archiv,  Jülich-Berg,  Fasz.24,  6%;  Kpt.).
!  Erster  Bericht  vom  15./25.  April:  Die  beiden  melden,  dass  der
Kaiser  und  der  König  einander  nicht  mehr  besuchen  lassen,  dass  T
im  weissen  Turm  liege,  wo  der  Scharfrichter  und  der  Büttel  täglich  mit
ihm  essen  müssten,  damit  er  kein  Gift  bekomme,  dass  Hannewald  sich  weigere,
über  Reichssachen  auszusagen;  nur  Barvitius  und  Stralendorf  warten  noch
täglich  dem  Kaiser  auf;  Minckwitz  versichere,  dass  der  Kaiser  sich  über  den
jüterbogker  Vertrag  sehr  freue  und  dass,  wenn  Kurbrandenburg  jetst  Ge
sandte  schicke,  die  Aussöhnung,  Bestätigung  und  Belehnung  nicht  fehlen
werde  (Drs.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  213;  Or.).
        <pb n="417" />
        160.  1611  395

Pläne  zu  erhalten  wissen;  E.  kfl.  Gn.  bemühten  sich  seit  Wochen  April  26.
bei  den  andern  Kurfürsten,  besonders  bei  Kurmainz  wegen  einer
Hilfeleistung;  Brömser  sei  deshalb  zu  Torgau  erschienen  und  sei  bewogen
worden,  wenn  auch  ohne  Beglaubigung  und  Instruktion  sich  uns  anzuschliessen.
  —  Dann  sprach  Brömser  und  entschuldigte  die  Verzögerung
einer  kurmainzischen  Schickung  damit,  dass  man  immer  auf  die
vom  Kaiser  verheissene  Information  durch  einen  Gesandten  gewartet
habe;  er  erbot  sich,  bis  die  Instruktion  kommt,  als  ein  reichsunmittelbarer
  Edelmann  dem  Kaiser  zu  Diensten  zu  sein.  —  „Hierauf
antworten  [l.  M.'  ]  gar  wolbedechtig  und  ordentlich  auf  alle  puncten
ungeverlichen  mit  diesen  worten:  Ich  bedanke  mich  gegen  den  churfursten
  zu  Sachsen  seines  freundlichen  begrüssens  und  wünsch  I.  L,
hinwieder  alle  gedeiliche  wolfart  und  sonderlichen,  dass  mich  I.  L.
in  diesem  meinem  unglücklichem  zustande  so  freundlichen  besuchen,
trösten  und  dero  hülf  und  assistenz  anerbieten  lassen,  darneben  auch
bei  Brandenburg  und  den  anderen  churfursten  so  gute  officia  geleistet,
  dessen  thue  ich  mich  zum  allerhöchten  und  freundlichsten
bedanken.  Es  wird  mit  mir  gar  unformblichen  wider  alle  göttliche
und  weltliche  rechte  procediret  und  ich  habe  keine  gelegenheit  gehabt,
  meinen  zuestand  zu  berichten;  denn  man  hat  mir  meine
gemeine  diener,  wie  auch  gebeime  und  reichshofräthe  eingezogen  und
abgeschnitten,  welches  das  reich  wohl  zu  consideriren  ;  höre  derowegen
gerne,  das  der  Pflug  die  sachen  bei  I.  L.  verrichtet,  verhoffond  die
churfursten  und  das  reich,  die  mich  zu  dieser  hoheit  erwehlet,
werden  mich  nicht  lassen.  Ich  höre  auch  gar  gerne,  das  L  L.
Euch  anhero  geschicket,  mir  einrathen  zu  helfen;  bedanke  mich  gegen
Euch  Euers  anerbietens,  wils  mit  gnaden  erkennen  und  durch  den
von  Minkwitz,  welchen  ich  noch  als  meinen  treuen  diener  erkenne,
mit  Euch  weiter  von  allen  sachen  communicieren  lassen.“  Darauf
wandte  sich  der  Kaiser  zu  Brömser  und  sagte:  „Ich  vernimb  auch
ganz  gerne,  dass  Meinz  mit  Sachsen  communicieret  und  einer  meinunge
seind,  mich  nicht  zu  verlassen  sondern  mir  hülf  und  beistand  zu
leisten.  Das  ich  aber  I.  L.  meines  zustandes  nicht  ehe  berichtet,
ist  dahero  gescheen,  dass  ich  so  enge  eingethan  und  in  mich  deromassen
  gedrungen,  dass  ich  dazu  kein  mittel  gehabt.  Es  werden
sich  aber  I.  L.  erinnern,  dass  vergangenen  herbst,  als  ich  begert,
Meinz  solt  ezliche  räthe  zu  wir  abordenen,  darauf  auch  der  canzler
neben  noch  einen  zu  mir  kommen,  dass  ich  iziges  unwesen  damals
gleich  propheceiet,  inmassen  ich  dann  leicht  merken  können,  womit
die  Boömen  umbgangen  und  was  deroselben  intention  were.  Zweivele
demnach  nicht,  I.  L.  als  ein  getreuer  churfurst  werde  von  mir  nicht
absezen,  inmassen  ich  anders  nicht  gespüret,  auch  nochmals  zu  I.  L.
mein  gnediges  und  freuntliches  vertrauen  stehet.  Wolt  derowegen
solches  I.  L.  balden  berichten,  inzwischen  wil  ich  mich  Eurs  raths
gebrauchen  und  es  umb  Euch  in  gnaden  erkennen.“  —  Heute
Nachiittag  ist  der  König  Matthias  mit  grossem  Gefolge  über  den
        <pb n="418" />
        396  1611  160

April  26.  „Stern“  in  seine  neue  Wohnung  auf  dem  Hradschin  geritten.  Darnach
hat  der  Kaiser  dem  Herzog  von  Braunschweig  und  uns  ein  Handschreiben
  geschickt,  wie  aus  beiliegender  Abschrift!  zu  sehen  ist
Da  wir  dasselbe  in  Befehl  hatten,  was  darin  gesucht  wird,  hat  sich
Braunschweig  mit  uns  gebührlich  erboten.  —  Die  Böhmen  aind
gegen  den  Kaiser  sehr  erbittert  und  ist  noch  wenig  Hoffnung  zu
hegen.  Morgen  hoffen  wir  Audienz  beim  König  zu  haben.?  Datum
Prag  am  16.  aprilis  a.  1611.

Drs.,  1.  9167;  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  218;  Or.

ı  „Von  meinem  ietzigen  unglücklichem  und  unverdientem  gefehrliches
zustand  darf  ich  nit  viel  melden,  dann  E.  L.  und  Ihr  sehet  den  selbst  vor
augen.  Dieweil  ich  aber  uber  das  zu  den  chur-  und  fursten  auch  noch  ein
vertrauen  zu  meinen  gehorsamben  fürsten  und  ständen  in  Schlesien,
Ober-  und  Niederlaussnitz  trage,  alss  welche  ich  jederzeit  treu  und  gehorsamb
erkennt  und  nicht,  wie  andere  lout  gethan,  mit  practiken  wider  mich
eingelassen,  inmassen  ich  off,  sie  auch  noch  thun  werden,  so  begehre
ich,  E.  L.  und  Ihr  wollet  mit  denselben  im  gehaimb  und  vertranes,
weil  ichs  selbst  in  der  audienz  wichtigen  bedenkens  halben  nicht
thuen  können,  meinetwegen  beweglichen  reden,  ihnen  allerhand  motiren
zue  gemüth  führen  und  sie  zur  continuation  der  alten  erkanuten  treu  und
gehorsamb  vermahnen,  damit  sie  sich  durch  die  verbitterte  und  friedhessige
leut  nicht  verführen  lassen  und  in  solchem  unverantwortlichen  vornehmen
nit  beipflichten  sondern  vielmehr  bei  mir  bestendig  als  rechte,  geborne
alte  Deutsche  verbleiben,  mich  in  der  noth  neben  E,  L  und  Euren  prindpalen,
  den  churfursten,  nicht  verlassen  wollen,  und  dann  neben  ihnen  aufs

este  beratschlagen  wollet,  wie  ich  auss  disen  unzimlichen  widerwertigkeiten

mit  meiner  und  des  reichs  reputation  ohne  fernere  gefahr  kommen  müge*
(Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Mai  1611,  zu  no.  31;  Kopie  mit  dem
Datum  29.  April,  mitgeteilt  vom  Agenten  des  Erzherzog  Maximilian,
Paul  Hahn).

?  Ueber  diese  Audienz  berichten  die  Gesandten  am  17./27.  April:  sie
haben  mit  Gutachten  Braunschweigs  und  Brömsers  dem  König,  mit  dem
Khleel  und  Meggau  erschienen  waren,  vorgebracht,  dass  ihr  Kurfürst  den
Dingen  in  Böhmen  nicht  länger  zusehen  könne,  da  er  dem  Kaiser  mit  Eid
verbunden,  der  Krone  Böhmen  nächster  Nachbar  und  dem  König  und  dem
ganzen  Hause  Oesterreich  besonders  ergeben  sei,  wie  er  ja  auch  von  des
Königs  nächsten  Verwandten  beweglich  unı  Interposition  gebeten  worden  sei.
Der  König  möge  das  Vorhaben  des  Kurfürsten  als  treuherzig  gemeint  auffassen
  und  einen  Vertrauten  bestimmen,  der  mit  den  Gesandten  sich  vertraulich
  unterrede.  Der  König  hahe  sich  dazu  durch  Khlesl  ganz  freundlich
erboten  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  234;  Or.).  —  Am  18./23.  April  berichten  die  Ge
sandten  weiter:  der  Kaiser  erwarte  mit  besonderem  Verlangen  die  Ankunft
eines  kurbrandenburgischen  Gesandten  und  gehe  die  Versicherung,  er  werde
ihm  Audienz  und  Gnade  gewähren.  Der  Papst  soll,  wie  Braunschweig  wissen
will,  Khlesl  sub  poena  banni  befohlen  haben,  „des  königs  consilia  zu  hindern
und  zu  endern;  dann  er  wurde  hierdurch  sein  eigen  hauss  genzlichen
ruiniren,  sei  auch  der  bäbstliche  nuncius  und  spanische  orator  mit  diesem
process  gar  übel  zuefrieden.“  Aus  Hannewald  und  Hegenmüller  hat  man
nichts  herausbringen  können;  sie  sollen  bald  entlassen  werden.  (Gestern  ist
Sigmund  von  Götz  als  kurbrandenburgischer  Gesandter  angekommen;  ee  ist
noch  ungewiss,  ob  er  zum  Kaiser  oder  zum  König  bestimmt  ist  (Dis,
a.  a.  O.,  f.  249;  Or.).
        <pb n="419" />
        161.  1611  397

161.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Brömser.

Auf  die  Schreiben  vom  19.  und  20.  April.  Mit  Deiner  Verrichtung
bei  Sachsen  sind  wir  zufrieden;  wir  haben  auch  schon  den  Kurfürstentag
  auf  den  15.  Juli  ausgeschrieben,?  die  Auswahl  zwischen  Bamberg
und  Mühlhausen  als  Malstatt  aber  dem  Kurfürsten  von  Sachsen
überlassen.  Dass  Du  Dich  zur  Reise  nach  Prag  entschlossen  hast,
gereicht  uns  zu  Gefallen;  denn  bei  Unterlassung  derselben  hätte
unsere  Affektiin  gegen  den  Kaiser  in  Zweifel  gezogen  werden
können,  doch  wollen  wir  Deines  Wunsches  um  eheste  Ersetzung
eingedenk  bleiben.  Zugleich  überschicken  wir  Dir  Kreditive  an  den
Kaiser,  den  König  und  die  böhmischen  Stände.®  Dich  genau  zu
instruieren  fällt  uns  schwer,*  da  Du  uns  ganz  in  Unkenntnis  gelassen
  hast,  wie  von  Sachsen  diese  Abordnung  gemeint  ist.  Auch
aus  dem  sächsischen  Schreiben  geht  nur  hervor,  dass  die  Gesandten
sich  dem  Kaiser  vorstellen,  ihm  in  Ermanglung  seiner  Räte  und
Diener  aufwarten,  den  König  und  die  Stände  zur  Mässigung  ermahnen
und  sonst  befördern  sollen,  was  zur  Erhaltung  kaiserliche  Autorität
dienlich  ist.  —  Wenn  Du  nun  hörst,  dass  der  Sachsen  Instruktion
nur  dahin  geht,  dem  Kaiser  bei  seinem  Zustand  zu  kondolieren  und
ibn  zu  trösten,  ihm  bei  seinem  Vornehmen  einzuraten,  den  König  und
die  Stände  zur  Mässigung  zu  ermahnen  und  dass  sie  sich  mit  der
Krönung  nicht  übereilen,  auch  dass  sie  mit  den  kaiserlichen  Räten
und  Dienern  (wodurch  des  Kaisers  Staat  zu  seiner  und  des  Reiches
nicht  geringen  Verkleinerung  angegriffen  würde)  nicht  so  geschwinde
verführen,  und  sonstige  Dienste  zu  leisten,  so  kannst  Du  das  auch
übernehmen.  Wollte  man  aber  unter  der  in  genere  angedeuteten
Notwendigkeit  des  Reiches  sich  „in  die  haupt  kaiserliche  regierung“
schlagen,  in  Religions-  und  Profansachen  Ordnungen  geben  oder
neue  Verhandlungen  mit  dem  König  beginnen,  die  vielleicht  zu
einer  neuen  Verbürgung  führen  möchten,  wodurch  wir  und  andere
Kurfürsten  noch  mehr  beschwert  würden,  die  wir  gegen  den  König
ohnehin  schon  ‚‚dissfals  zimblich  stark  bestrickt  und  damit  gefehrt
sein,‘  so  hast  Du  Dich  vorzusehen  und  ohne  unsern  besondern
Befehl  auf  nichts  Verbindliches  einzugehen,  Dein  ganzes  Handeln
auf  die  termini  generales  einzuschränken  und  Dich  zu  weiterem
nicht  zu  verstehen  „als  dass  die  erinderung  allerorten  dohin  geriehtet,
  damit  der  religion-  und  prophanfrieden  ohngeschwecht  sondern
vestiglich  manutenirt  und  gehandhabt  werde,“  bis  wir  gründlich  von
dem  Zwecke  der  Abordnnng  unterrichtet  sind.  Dabei  hast  Du  mit
der  nötigen  Vorsicht  uns  alle  Vorfälle  zu  berichten,  worauf  wir  uns

!  Vgl.  oben  no.  149;  das  Schreiben  vom  20.  April  fehlt.

’  Vgl.  no.  162.

®  Beglaubigung  Brömsers  beim  Kaiser  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  103  c,
no.  58)  bei  König  Matthias  (ebenda,  no.  53*),  bei  den  böhmischen  Ständen
(ebenda,  no.  54);  Kpte.,  sämtlich  vom  27.  Aprıl.

*  Vgl.  Fausts  Schreiben  an  den  Kurfürsten,  oben  no.  159.

April  27.
        <pb n="420" />
        April  27.

April  27.

398  1611  161—162.

weiter  erklären  wollen.  Die  andern  Kurfürsten  wollen  wir  zu  gleicher

Abordnung  ermahnen  und  dabei  achten,  dass  sie  nicht  Dir  diesen

Auftrag  geben.  Datum  Aschaffenburg  den  27.  aprilis  a.  1611.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  109c,  no.  56;  Kpt,  von  Faust.

162.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  von  Brandenburg
(Kurmainzisches  Ausschreiben  zum  mühlhauser  Kurfürstentag).

Wegen  des  Zustandes  in  Prag,  wegen  der  Betrübnis,  in  der  sich  der
Kaiser  befindet,  und  wegen  anderer  hoher  Notwendigkeiten  des  Reichs  haben
wir  das  Gutachten  einiger  Mitkurfürsten  eingeholt,  ob  nicht  eine  persönliche
  Zusammenkunft  der  Kurfürsten  zur  Beratschlagung  folgender
  wichtiger  Punkte  auszuschreiben  sei:  1.  wie  der  Kaiser  aus  der
grossen  Unsicherheit  zu  retten  und  das  Reich  seines  Oberhauptes  zu
versichern  sei;  2.  wie  man  beim  Kaiser  zu  einer  gewissan  Resolution
wegen  der  Succession  kommen  könne;  3.  wie  das  Mistrauen  im
kurfürstlichen  Kolleg  zu  beseitigen,  dasselbe  zu  ergänzen  und  der
kurfürstliche  Verein  zu  erneuern  wäre;  4.  wie  dem  gesteckten  Justiswesen
  im  Reich  aufzuhelfon  wäre,  ebenso  den  Klagen  gegen  die  Justiz  am
kaiserlichen  Hof  und  gegen  das  ganze  Regiment  daselbst,  derentwegen  bei
Jüngstem  prager  Konvent  verschiedene  Beschwerden  eingelaufen  und  dem
Kaiser  gute  Vorschläge  gemacht  worden  waren.  Da  auch  unsere  Mit
kurfürsten  diese  Punkte  für  so  wichtig  ansahen,  dass  sie  am  besten
in  persönlicher  Zusammenkunft  zu  beraten  seien,  wobei  auch  die  Kurfürsten
  sich  unter  sich  persönlich  bekannt  machen,  alles  Mistrauen
aufheben  und  den  Kurverein  nicht  nur  in  Schriften  sondern  tatsächlich
  erneuern  könnten,  so  haben  sie  uns  anheimgegeben,  das  Ausschreiben
ergehen  zu  lassen.  —  Da  wir  von  Kursachsen  mit  Freuden  verstanden
haben,  dass  er  mit  E.  L.  verglichen  sei  und  also  zu  hoffen  ist,  man
werde  sich  wegen  Dero  Einnahmen  in  den  Kurverein  akkommodieren,  ®
machen  wir  auch  E.  L.  diesen  Kurfürstentag  zu  wissen.  Wir  benennen
dazu  den  17./27.  Juli  und  die  Malstatt  zu  Bamberg,  um  dort  persönlich
einzutreffen  und  am  nächsten  Tag  mit  der  Beratung  der  bezeichneten
Punkte  zu  beginnen.  Zur  Ersparung  von  Zeit  und  Kosten  will  man
zu  einigen  Punkten,  besonders  zum  Justizpunkt  durch  die  kurfürstlichen
Räte  Praeparatoria  machen  lassen,  weshalb  auch  E.  L.  Dero  Bäte
etwa  um  zehn  Tage  vorausschicken  mögen.  Datum  Aschaffenburg,
den  27.  aprillis  a.  1611.

Be.,  Rep.  88.,  Unionsacta,  ad  t.  XII.  f.  279;  Kop.!

!  Das  Ausschreiben  an  Kursachsen  (Drs.,  1.  7387,  erstes  Buch
Kurfürstentags,  f.  6;  Or.)  ist  kürzer  und  enthält  nur  die  aufgezählten
Beratungspunkte;  die  Schreiben  an  Kurtrier  und  Kurköln  weisen  noch  eine
Nachschrift  mit  der  Mitteilung  auf,  dass,  da  Kursachsen  zu  Mühlhausen
ale  Malstatt  neige,  Kurmainz  ihm  anheimgestellt  habe,  falls  ihm  Bamberg
ungelegen  wäre,  sich  für  Mühlhausen  zu  entscheiden  und  in  dem  zur  Be
stellung  übersandten  Ausschreiben  für  Kurbrandenburg  die  nötige  Aenderung
vorzunehmen  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.13;  Kpt.  von  Faust).  —
        <pb n="421" />
        163.  1611  399

163.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Herzog
von  Württemberg.

.  Min!  .
Auf  das  Schreiben  vom  x  am  mit  den  Vorschlägen,  was  bei

den:  jetzigen  Zustand  in  Böhmen  von  einigen  benachbarten  Unierten  an
König  Matthias  zum  besten  des  Reichs  und  wegen  Abschaffung
einiger  Gravamina  zu  schreiben  wäre.  —  Bevor  wir  E.  L.  darauf  antworteten,
  wollten  wir  die  Werbung  der  königlichen  Gesandten  abwarten,?
um  eigentliches  von  dem  prager  Zusand  zu  vernehmen,  desgleichen  wollten
wir  auch  den  Verlauf  der  jüterbogker  Sache  zuvor  kennen  lernen.  Da  aber
Mitteilungen  darüber  ausblieben,  so  haben  wir  den  Sachen  für  uns  allein
nachgedacht  und  befinden  sie  wichtig  genug,  dass  sie  von  den  Unierten
insgesamt  bedacht  werden  müssten;  man  wird  es  aber,  weil  viel  Zeit
vergeht,  bis  man  zu  solcher  gemeinsamer  Beratschlagung  gelangt,  nicht
auf  eine  solche  stellen  dürfen.  Nun  wollten  wir  uns  gern  mit  E.L.
vergleichen,  dass  wir,  E.  L.,  Ansbach  und  Baden  ein  gemeinsames
Erinnerungsschreiben  an  den  König  abgehen  lassen  ;  aber  bei  weiterm
Nachdenken  konnten  wir  nicht  den  Nutzen  eines  solchen  Schreibens
finden,  da  der  König  mit  Stabilierung  seiner  Designation,  Verbesserung
des  Regiments  in  Böhmen  u.  8.  w.  genug  zu  tun-hat  und  sich  der  Reichssachen
  wenig  wird  annehmen  können  ;  auch  ist  noch  unbekannt,  wie  Kur-Das

  angezogene  kurmainzische  Schreiben  an  Kursachsen  ist  gleichfalls  vom
27.  April  datiert  und  ist  das  Begleitschreiben  zum  Ausschreiben.  Darin
wird  nochmals  Bamberg  als  Malstatt  empfohlen,  weil  es  dem  Fürstentum
Henneberg  und  anderen  vornehmen  Ständen  benachbart  sei,  man  sich  Baierns
und  anderer  Gutachten  bedienen  und  im  Fall  der  Not  leicht  eine  eilende
Schickung  nach  Prag  abfertigen  könnte;  doch  sei  Kurmainz  auch  mit  Mühlhausen
  zufrieden.  Unter  einem  dankt  der  Kurfürst  dafür,  dass  Kursachsen
Brömser  zur  Reise  nach  Prag  bewogen  habe  und  schickt  Beglaubigungen
und  Instruktion  für  Brömser  zur  Weiterbeförderung  (Wmz.,  a.  a.0.,  Bd.  10c,
no.  57;  Kpt.  von  Faust).  —  Die  kurmainzische  Anzeige  an  den  Kaiser,  dass
die  Kurfürsten  zusammenkommen  wollen,  ist  vom  12.  Mai;  als  einziger
Zweck  der  Zusammenkunft  wird  angegeben:  alles  zu  befördern,  was  zur  Erhaltung
  der  Reputation  und  Hoheit  des  Kaisers  nnd  des  Reichs  sowie  zu
Ruhe  und  Frieden  gereichen  kann  (Wmz.,  a.  a,  O.,  Bd.  104,  no.  24;  Kpt.).
!  Das  württembergische  Schreiben,  das  gleichlautend  an  den  Administrator,
an  Neuburg  und  Baden  ergieng,  erinnert  an  die  schweinfurter  Beschlüsse
wegen  fornerer  Korrespondenz  mit  König  Matthias  und  Erzherzog
Maximilian  und  regt  an,  —  da  sich  die  Dinge  am  kaiserlichen  Hof  so  sehr
geändert  hätten,  Gelegenheit  zur  Abhilfe  der  von  den  Unierten  geklagten
Gravamina  sich  zu  bieten  scheine  und  dem  König  allerlei  Anlass  zur  Reformierung
  des  kaiserlichen  Hofes  gegeben  werden  könnte,  dieser  sich  auch
zur  Abhilfe  der  Gravamina  erboten  habe,  —  dies  jetzt  nicht  ausser  Acht  zu
lassen  und  den  König  durch  einige  benachbarte  Unierte  seines  vorigen  Versprechens
  erinnern  zu  lassen.  Der  König  würde  aus  einem  solchen  Schreiben
wenigstens  der  Unierten  Sorgfalt  und  Aufacht  gegen  den  Kaiser  und  das
eine  Wesen  spüren  und  dürfte,  wenn  er  der  Mahnung  nicht  folgt,  die
nierten  nicht  der  Saumseligkeit  beschuldigen  (Stg..  Unionsacta,  tom.  XII.,
f.  4;  Kpt.  von  Faber).
3  Vo  oben  no.  140  und  Anm.  B  auf  S.  342.

April  28
        <pb n="422" />
        400  1611  163  —164.

April  28.  brandenburg,  Sachsen  und  die  andern  Fürsten  die  Sachen  ansehen  ;
endlich  würde  das  Schreiben  beim  Kaiser  Nachdenken  erregen  „als
wan  man  albereit  sich  etwas  zu  genau  zu  I  kgl.  W.  auch  ratione
des  reichs  lenken  wolte.“  Wir  geben  daher  E.  L.  zu  bedenken,  ob
man  nicht  mit  dem  Schreiben  einhalten  soll,  bis  man  klarer  sieht
und  mehr  Hoffnung  auf  Erfolg  hat.  Würden  aber  E.  L.  auf  einem
solchen  Schreiben  bestehen,  so  müsste  es  bei  der  Unsicherheit  der
Lage  ganz  allgemein  gehalten  sein,  wie  beiliegender  Entwurf!  ergibt;
wir  überlassen  Derselben  das  Konzept  zu  verbessern.  —  Wir  selbst  haben
mit  dem  königlichen  Gesandten  von  diesem  Gegenstand  geredet  und
ihn  erinnert,  dass  sein  Herr  bei  dieser  Gelegenheit  auch  des  Reiches
Interresss  nicht  ausser  Acht  lassen  möge.  Nach  Anhalts  Rückkehr
werden  sich  bessere  Consilia  anstellen  lassen.  —  Mitteilung  der  kurpfälzischen
  Resolution  an  den  königlichen  Gesandten  [Starhemberg],?
mit  der  dieser  gestern  zu  Landgraf  Moriz  abgereist  is.  Datum

Heidelberg  den  18.  aprilis  a.  1611.  —  Praes.  Stuttgart  23.  aprilis  1611.
Stg.,  Unlonsacta,  tom.  X.,  f.  14;  Or

Aprii  164.  „Ungefehrliche  gedanken  [der  sächsischen  und

[etwa  28.]des  mainzischen  Gesandten],  wie  die  eingefallene

misshelligkeit  zwischen  JJ.  ksl.  und  kgl.  M"  mit

beeder  teil  reputation  und  gemeinem  wolstand  zu
componiren.“

1.  Die  Verträge  von  1608  und  1610  sollen  in  allen  Punkten
sowol  von  den  Prinzipalen  wie  von  den  Bürgen  stetig  gehalten
werden.  2.  Das  passauer  Volk  soll  vom  Kaiser  und  vom  König  verfolgt

i  Die  Absender  hoffen,  der  König  werde  den  Brunnquell  aller  bisherigen
Beschwerungen  verstopfen.  Hinweis  auf  die  Tätigkeit  friedhässiger  Leute,  die
jegliche  Besserung  verhindern.  Der  König  möge  nach  seinem  vorigen  Erbieten
die  Wolfahrt  des  Reiches  und  der  Stände  desselben  in  Acht  nehmen  (Stg.,
a.  a.  O.,  f.  16).  —  Die  württembergischen  Räte  fanden  nach  des  Herzogs
Bescheid  auf  Starbembergs  Werbung  die  Ausfertigung  dieses  Konzepts  über-Hüssig
  (Stg.,  a.  a.  O.,  1.19).

®  Vgl.  oben  no.  140,  Anm.  1  auf  S.  343,

®  Auch  im  neuburgischen  Rat  erwog  man  das  württembergische
Schreiben  vom  6.  April  und  fand  auch  hier  den  Vorschlag  bedenklich:  die
Reformation  des  Hofes  würde  weitläußge  Verhandlungen  erfordern,  der
König  habe  mit  seinen  eigenen  Sachen  genug  zu  schaffen;  dazu  komme
Sachsens  Interposition,  die  dem  Kaiser  gemach  tun  und  eich  einer  Reformation
  des  geheimen  und  des  Reichshofrats  nicht  annehmen  werde;  ebenso
würden  es  auch  die  andern  Kurfürsten  und  Fürsten  halten;  die  Reformation
des  kaiserlichen  Hofe  und  die  Frage,  ob  man  einen  „unqualificierten“  Kaiser
habe,  gehöre  mehr  vor  die  Kurfürsten.  Eine  solche  Reformation  müsste  mit
Güte  oder  Gewalt  erfolgen;  mit  ersterer  würde  der  König  wegen  seines  Verhältnisses
  zum  Kaiser  wenig  ausrichten,  eine  gewalteame  Beformierung  zu
unterstützen  wäre  aber  den  Unierten  unverantwortllich  (Protokoll  vom
15./25.  April;  Mb.,  343/13  a,  f.  37,  von  Zeschlins  Hand).
        <pb n="423" />
        164.  1611  401

und  abgeschafft  und  die  Urheber  dieses  schädlichen  Ratschlags  April
ernstlich  bestraft  werden,  wozu,  3.  wenn  nötig,  die  Bürgen  des  [etwa  2%.)
prager  Vertrags  auf  Ersuchen  beider  Teile  helfen  sollen.  4.  Um
Matthias  der  Succession  in  Böhmen  desto  besser  zu  versichern,  soll
der  Kaiser  ihn  zum  künftigen  König  Böhmens  krönen  und  publizieren
lassen  wie  es  mit  Maximilian  II.  geschehen  is.  5.  Alle  Landofiziere,
  Räte  und  Amtleute  in  Böhmen,  Schlesien  und  in  der
Lausitz  sowie  die  Räte  der  königlichen  Städte  sollen  dem  Kaiser
eidlich  huldigen,  ihm  bis  zu  seinem  Ableben  gewärtig  zu  sein  und
sich  an  sonst  niemanden  zu  halten.  6.  Es  soll  eine  Universalreformation
  des  Regiments  vorgenommen  werden;  dazu  sollen  der
der  Kaiser  und  der  König  ihre  Kommissarien  in  gleicher  Zahl  verordnen,
die  Sachen  in  bessern  Stand  richten  und  allenthalben  mit  Rat  der  Stände
handeln.  7.  Der  Kaiser  soll  regierender  König  in  Böhmen  bleiben
und  vorigen  Verträgen  gemäss  daran  nicht  gehindert  werden.
8.  Was  beiderseits  ungleiches  vorgegangen  ist,  soll  vergeben  und
vergessen  sein  und  künftig  brüderliche  Liebe  in  Worten  und  Werken
erwiesen  werden.  9.  Kaiser  und  König  sollen  deshalb  beiderseits
die  schädlichen  Diener,  von  denen  dies  Unglück  herrührt,  abschaffen
und  sich  friedsamer  Leute  bedienen,  die  geeignet  sind,  Vertrauen  und
gute  Korrespondenz  zwischen  den  Brüdern  zu  stiften  und  zu  erhalten.
10.  Der  Kaiser  wird  den  König  als  seinen  ältesten  Bruder  den
Kurfürsten  des  Reiches  zu  bevorstehendem  Kurfürstentag  gehörig
empfehlen,  was  nicht  allein  zur  Erhaltung  der  Praeeminenz  und
Hoheit  des  Hauses  Oesterreich  dienen  sondern  auch  der  ganzen
Christenheit  zum  Vorteil  gereichen  wird,  wogegen  die  drohende  Zerreissung
der  Eintracht  dem  Hause,  dem  Kaiser  und  König  verkleinerlich,  den
Landen  schädlich  sein  und  den  Türken  die  Tore  nach  Ungarn,
Oesterreich  und  Böhmen  eröffnen  würde.  11.  Ueber  den  Vergleich
soll  ein  ausführliches  Dokument  verfasst  und  beiderseits  mit  körperlichen
Eiden  bekräftigt  werden.  12.  Der  Kaiser  und  der  König  sollen
den  König  von  Spanien  und  alle  Erzhorzoge  ersuchen,  neben  den
Kurfürsten  diesen  Vergleich  zu  verbürgen.  0.  D.!

Wmz.,  Reichstagsakten;  Bd,  103  c,  no.  92;  Kopie.?

1  Datiert  nach  Brömsers  Bericht  vom  30.  Aprıl;  vgl.  unten  no.  169.

*  Aehnliche  Vorschläge  enthält  die  Instruktion,  die  Pfalzgraf  Philipp
Ladwig  von  Neuburg  wegen  der  böhmischen  Dinge  seinen  beiden  Gesandten  in
Prag,  Hugolt  Beer  und  Dr.  Silbermanp,  erteilt:  man  möge  dem  König  und
den  böhmischen  Ständen  raten,  wegen  des  freien  Ab-  und  Zuzugs,  wegen
einer  Geldsumme,  wegen  des  Schatzes  dom  Kaiser  keine  Schwierigkeiten  zu
machen,  für  Abdankung  und  völlige  Trennung  des  passauer  Kriegsvolks  müsse
gesorgt,  aber  dem  Volk  zum  Abzug  freier  Pass  gewährt  werden;  Erzherzog
Leopold  solle  dem  König  und  den  böhmischen  Ständen  abbitten  und  für  sein
künftiges  Wolverhal  ten  Bürgschaft  stellen;  da  es  im  Reich  nicht  neu  sei,
dass  neben  dem  Kaiser  ein  gekrönter  römischer  König  stehe,  so  könnte  das
wieder  geschehen,  doch  vorbehaltlich  der  Rechte  der  Kurfürsten  wegen  der
ireien  Wahl  (Dre.,  1.9167,  IL  Buch  passauer  Kriegsvolke,  f.  383;  Kopie).

Briefe  u.  Akton  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  26
        <pb n="424" />
        April  29.

402  1611  165

165.  Protokoll  der  Unterredung  der  kursächsischen
Gesandten  mit  den  Räten  des  Königs  Matthias

Khlesl!  gieng  von  unserem  Memorial  aus  ?  und  sagte:  es  sei  jetzt
zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König  keine  „Unruhe“;  der  König
sei  von  den  Ständen  als  „designierter  rex“  ins  Land  erfordert  worden,
der  Kaiser  habe  ihn  empfangen  lassen,  ihm  auf  dem  Schloss  Wohnung
angeboten,  die  Gemächer  des  Königs  mit  Tapezereien  schmücken
lassen,  einen  allgemeinen  Landtag  ausgeschrieben  und  die  Krönung
des  Königs  beantragt,  für  welche  schon  ein  Tag  verglichen  se;
beide  hätten  zusammenkommen  wollen  und  das  könnte  wol  noch  ge
schehen.  Die  Königlichen  versehen  sich  daher,  dass  der  Kurfürst
ihrem  Herrn  dies  gönnen  und  wir  nichts  dagegen  „tentieren‘‘  werden;
diese  Sache  gehe  die  Kurfürsten  nichts  an,  denen  der  König  in
deren  Angelegenheiten  auch  nichts  vorschreiben  werde.

Wir:  Unser  Kurfürst  nimmt  sich  der  Sache  an,  weil  er  dem
Kaiser  mit  schweren  Eiden  verbunden  ist,  gegen  das  Haus  Oesterreich
besondere  Ergebenheit  hat  und  von  Erzherzog  Maximilian  und
Ferdinand  ausdrücklich  darum  ersucht  worden  ist;?  auch  hat  ibm
der  König  von  Spanien  für  seine  Interposition  höchlich  gedankt  und
ihm  das  Haus  Oesterreich  befohlen;  der  Kurfürst  hat  sich  auch
dazu  erboten.  Der  Kurfürst  hofft  daher,  dass  der  König  die  Ab
ordnung  nicht  anders  auflasst  als  dass  sie  aus  treuen  Herzen
geschehen  ist.  Wir  hören  gern,  dass  die  Sache  in  so  guten  „terminos“
steht,  besonders  hat  sich  der  Kurfürst  über  die  Erklärung  des  Königs
gefreut,  dass  er  als  Bruder  komme  und  den  Kaiser  nicht  im  geringsten
beleidigen  wolle  Wir  wünschen  nichts  mehr  als  die  brüderliche
Eintracht,  die  wir  nicht  hindern  sondern  fördern  wollen  und  sollen.
Der  Kurfürst  hat  aber  Bericht  und  bestätigt  es  der  Augenschein,  dass
alles  voll  Kriegsvolk  ist  und  der  Kaiser  von  demselben  allerhand
„fastidia“  erdulden  muss;  auch  wissen  wir  nicht,  ob  derselbe  die  Krönung
freiwillig  zugestanden  hat  und  ist  man  der  Kautionen  halber  noch
durchaus  nicht  einig.  Die  Krönung  will  der  Kurfürst  dem  König
nicht  misgönnen,  da  er  ja  selbst  vor  einem  Jahre  die  Designation
gewiss  machen  geholfen  hat,  doch  lässt  ‚er  ihn  ermahnen,
„moderate“  vorzugehon,  dem  Kaiser  keinen  Despekt  zu  erweisen  und
den  jüngst  zwischen  dem  Kaiser  und  ihm,  dem  König,  aufgerichteten
Vertrag  in  Acht  zu  nehmen.  Dies  ist  nicht  nur  unseres  Herrn
Meinung  sondern  all  die  anderen  Kurfürsten,  mit  welchen  über  die
Sache  verhandelt  worden  ist,  haben  sich  in  gleichem  Sinne  geäussert
und  erwarten  wir  täglich  deren  Gesandte  hier.  —

1  Ausser  Khlesl  waren  Zierotin,  Losenstein,  Herberstein,  Meggau  und
Hofkirchen  anwesend  (Bericht  Lüttichaus  und  Gerstenberge  vom  19./29.  April
(Vrs.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  259;  Or.).

®  Oben  no.  164.

®  Vgl.  oben  no.  95.
        <pb n="425" />
        166.  1611  403

Khlesl  findet,  dass  wir  besserer  Information  bedürfen,  dieer  uns  geben  April  29.
wolle.  Man  müsse  zwischen  der  vorigen  und  jetzigen  Transaktion
unterscheiden.  Der  vorigjährige  Vertrag  sei  nicht  gehalten  worden  ;  denn
die  Passauer  seien  gegen  dessen  Wortlaut  in  Oesterreich  eingefallen,  hätten
dort  für  etliche  Millionen  Schaden  getan,  dann  in  Böhmen  ärger  als
Ziska  gehaust,  endlich  Prag  mörderisch  überfallen  und  viel  böhmischer
Adeliger  Blut,  also  Christenblut  vergossen.  Der  König  habe  die  Bürgen  des
Vertrags  ermahnt,  sei  aber  von  allen  verlassen  worden.  Da  habe  man
nicht  länger  warten  können,  sonst  wäre  alles  zu  grunde  gegangen.  Hätten
die  Bürgen  bald  dazu  getan,  wäre  es  nicht  so  weit  gekommen;
denn  der  König  sei  mit  seinem  Volk  auf  der  Grenze  stehen  geblieben
und  habe  seinem  Feldmarschall  verboten,  sie  zu  überschreiten.  Da
es  aber  nun  mit  dem  Vertrag  eine  solche  Beschaffenheit  gewonnen,
habe  der  König  ihn  beiseite  gesetzt  und  wolle  nicht  ferner  darauf
dringen  noch  darauf  handeln.  Die  jetzige  Handlung  aber  sei  von
der  vorigen  ganz  verschieden:  sie  sei  keine  Handlung  zwischen  dem
Kaiser  und  dem  König  sondern  zwischen  dem  böhmischen  König
und  den  Ständen,  dessen  Untertanen,  also  eiue  Privatsache,  die  mit
dem  römischen  Kaiser  nichts  zu  tun  habe.  Der  König  habe  sich
mit  den  Ständen  eines  Tags  zur  Krönung  verglichen  und  hoffe  nochmals,
  dass  der  Kurfürst  sie  ihm  nicht  misgönnen  und  wir  nichts
tun  werden,  was  ihm  binderlich  sein  könnte.  „Wenn  man  auch  die
ursach  wissen  wolte,  so  were  man  gefast,  mit  I.  M.‘  autentischen
hand  und  siegel  zu  demonstriren,  wie  man  ein  hund  getauft  und
sonsten  mit  allerhand  zeuberischen  händeln  dem  könige  nachgestellt‘‘;  1
man  habe  die  Länder  übel  regiert,  keine  Audienzen  gegeben,  nicht
Brief  noch  Siegel  gehalten,  „die  stände  durch  cammerdiener,  practicanten
  und  nichtswürdige  leute  vor  schlaven  tractiret  und  darunter
keiner  religion  geschonet,  die  catholischon  sowol  als  augsburger
confession  verwandten,  dahero  sie  nunmehr  alle  handlunge  uf  vorige  transaction
  abzuschneiden  verursachet.  Hoette  man  uns  aber  im  reich  besser
tractiret  (lächelte  mehrers  teils  darzu)  und  wir  hetten  auch  lust,  lenger
unter  solchem  regiment  zu  sein,  das  wolten  sie  uns  gern  gönnen;
alleine  solten  wir  an  diesem  ort  nichts  verhinderliches  einstrouen.“

Wir  [nach  einer  Beratung]:  Wir  können  die  Handlungen
von  1610  und  jetzt  nicht  für  verschieden  halten  sondern  beide
hängen  wie  Ursache  und  Wirkung  zusammen  ;  denn  der  Königlichen
eignen  Erzählung  nach  wird  alles  auf  die  Nichteinhaltung  des
Vertrags  von  1610  gebaut.  Es  wird  also  davon  zu  reden  sein,
ob  dieser  gänzlich  aufgehoben  sei.  „Soviel  der  Passauer  einfälle
und  darunter  gehabte  intention  anlanget,  haben  sich  I.  chfl.  Gn.  zu
höchstem  darüber  commovirt  und  anders  nicht  als  pro  diabolicis
Consiliis  geacht  eines  jungen  unbesonnenen  herras,.  der  auch  mit
solchen  räthen  versehen,  welche  ihm  ehe  ein  land  verlieren  denn
gewinnen  können  und  den  herrn  sua  temeritate  dahin  geführet,  dass

!  Vgl  oben  no.  131,  8.  316,  Anm.  2  und  no.  168,  8.  391,  Anm.  1,
26*
        <pb n="426" />
        404  1611  166.

April  29.  er  hoch  fliegen  sollen,  ehe  ihm  die  federn  wuchsen,  dahero  an  ihme
wahr  wird:  Icarus  icariis  nomine  fecit  aquis.“  Dass  aber  die  Bürgen
nichts  bei  der  Sache  getan  oder  den  König  gänzlich  verlassen
baben  sollen,  dagegen  müssen  wir  den  Kurfürsten  rechtfertigen;
denn  sobald  ihm  des  Königs  Schreiben  zugekommen  war,  hat  e@
den  Kaiser  ganz  ernstlich  ermahnt,  den  Vertrag  zu  halten  und  rund
erklärt,  dass  er  sich  im  Gegenfall  gegen  den  König  seinem  Worte
gemäss  erzeigen  müsste!  Das  hat  bewirkt,  dass  sich  der  Kaiser
zur  Haltung  des  Vertrags  erklärt  und  Schadenersatz  versprochen  hat
Damit  hätte  man  sich  den  Umständen  nach  wol  begnügen  können,
weil  der  Kaiser  sich  Oesterreichs  nicht  bemächtigen  wollte  und
andererseits  kein  Reichsfürst  dem  Kaiser  den  Durchzug  des  Kriegs
volks  verweigern  kann.  Der  Kurfürst  hat  sich  gegen  den  König  we
gegen  den  Kaiser  stets  eıboten,  sich  bei  dem  Teil  finden  zu  lassen,
der  den  Vertrag  hält,  hat  dies  auch  noch  unlängst  gegen  Polbeim
betont  ®  und  uns  befohlen,  diese  Erklärung  nochmals  zu  wiederholen;
gewiss  sind  auch  die  anderen  Bürgen  ebenso  gesinnt,  —  Was  des
Kaisers  Regiment  im  Reich  betrifft,  so  können  wir  nicht  anders
sagen  als  dass  der  Kaiser  das  Reich  so  lange  Zeit  weislich  und
wol  regiert,  es  gegen  den  Erbfeind  verteidigt  und  Ruhe  und  Friedea
erhalten  hat.  Es  gibt  wol  allerhand  Gebrechen  bei  Hof,  doch
mangelt  es  daran  auch  nicht  bei  den  Ständen.  \erfährt  man  gr
setzlich  und  mit  gebührendem  Respekt,  so  kann  da  wol  geholfen  werden.
Es  hat  dem  Kurfürsten  aber  nie  gefallen,  ein  Regiment  mit  Reiters
und  Knechten  zu  verbessern  und  ist  stets  nur  Verwüstung  der
Länder  darauf  gefolgt,  wie  auch  jetzt.  Wir  haben  von  St.  Paulus
gelernt,  der  Obrigkeit  zu  gehorchen,  auch  der  gottlosen.  Stände  des
Untertanen  frei,  ihre  Obrigkeit  zu  judizieren,  würde  es  bald  um
alle  Herrschaft  gethan  sein.  ‚Der  kaiser  wird  unser  vater  genennet,
sol  auch  pater  patriae  sein;  si  pater,  ergo  ferendus.  Epykia  is
die  tugend,  so  alle  kinder  ihren  eltern  zu  beweisen  und  mit  ihren
gebrechen  gedult  zu  haben  schuldig.  Was  von  zauberei,  hundsteufere
und  dergleichen  erzehlet,  hette  ich  [wol  Gerstenberg]  vor  drei  jarea
von  den  Oesterreichern  auch  gehört,  hieltens  aber  davor,  satius  esse
ea  ignorare  quam  commemorarc.  Wann  ichs  sehe,  so  wolt  iA
einen  mantel  drüber  decken  wie  des  Noae  gehorsame  söhne  usd
nicht  entblössen  wie  Cham.  Dazu  were  ungewiss,  was  die  ksl.  M.!
darzu  sagen  wurde.  Es  wurde  criminaliter  inguirirt  in  capet
imperatoris,  caesare  non  audito  et  praeserim  ab  eis,  qui  nullam
habent  jurisdietionem.  Das  were  unerhört  und  res  pessimi  exempli”
Es  wäre  dem  Hause  Oesterreich  viel  rühmlicher,  diese  Dinge  gänzlich
zu  unterdrücken  und  die  gefährlichen  Prozesse  abzuschaffen.  Wir
sind  aber  nicht  hierher  geschickt  um  zu  disputieren  oder  jemanden

ı  Vgl.  no.  9,  8.  24,  Anm.  1.
’  Vgl.  no.  151,  8.  372,  Anm.  1  und  no.  155.
        <pb n="427" />
        168.  1611  405

zu  „syndizieren“,  geschweige  die  Krönung  zu  hindern;  „wüsten  auch  April  29.
wohl,  das  I.  chf.  Gn.  dem  könig  nicht  allein  solche  sondern  auch
grössere  ehr  geru  gönnen  und  befördern  wurden  (das  prothocollirten
sie  alle  vleisig  und  war  ihnen  sehr  anmutlich‘“,  doch  muss  der
König  auch  in  dieser  böhmischen  Sache  des  Kaisers  Hoheit  und
Majestät  besser  in  Acht  baben  und  sich  nach  des  Kurfürstenkollegs
Rat  richten;  denn  wenn  er  auch  sagt,  er  habe  mit  dem  Kaiser
nichts  zu  schaffen,  so  ist  doch  der  böhmische  König  der  siebente
Kurfürst  und  kann  demselben  nichts  verkleinerliches  widerfahren,
wag  nicht  der  Kaiser  und  das  Kurfürstenkolleg  höchlich  empfinden
müssen.  Wenn  der  König  der  Kurfürsten  Gutachten  gebührlich
respektiert  und  so  vorgeht,  ‚das  der  löbliche  alte  kaiser  (so  etwan
noch  vier  wochen  zu  leben  haben  möchte)  !  nicht  gar  cassirt  und,
wie  man  sagt,  unter  die  bank  gestecket,‘  wird  er  beim  Kurfürstenkolleg
  grosse  Gunst  erlangen;  „wenn  man  aber  so  schimpflich  und
nigerose  procediren  würde,  wie  mans  izo  vorhette,  so  hette  man
nichts  gewissers  als  eine  gevehrliche  divulsionem  imperii  ab  his
terris  zu  versehen,  wodurch  mehr  verloren  als  gewonnen  würde.“

Khlesl  [nach  gehabtem  Ratschlag]:  Die  Gesandten  hätten  eine  wolbegründete
  und  vernünftige  Antwort  gegeben  und  mit  der  Tat  bewiesen,
dass  ihr  Herr  und  sie  es  mit  dem  König,  dem  Haus  Oesterreich  und  der
Christenheit  treulich  meinen.  Sie,  die  königlichen  Räte,  hätten  nicht
unterlassen  können,  uns  aus  deutschem  Herzen  ihre  Not  zu  klagen,
sonst  seien  sie  derselben  Absicht  wie  wir  und  hofften  desto  eher  zum
Ziel  zu  kommen.  Sie  hätten  stets  zum  Kurfürsten  von  Sachsen  ein
besonderes  Vertrauen  gehabt  und  wenn  derselbe  auch  zuweilen
ziemlich  stark  an  den  König  geschrieben  habe,  so  habe  dieser  es
doch  stets  als  treu  gemeint  wol  aufgenommen.  Wären  sie  Dresden
so  nahe  gewesen  als  Prag,  so  würden  sie  den  Kurfürsten  besser
informiert  haben  ;  sie  hätten  gegen  Sachsen  stets  ein  treues  Gemüt
gehabt  und  Kurbrandenburg  geraten,  sich  mit  Sachsen  zu  vergleichen  ;
der  König  sei  gleichsam  zum  Frieden  geboren.  Sie  wollten  dem
König  über  die  Unterredung  berichten  und  bäten,  dass  wir  morgen
wieder  kämen.  Actum  Praag  den  19.  aprilis  a.  1611.

Nachschrift:  Am  20./30.  April  schickte  der  König  Losenstein
zu  uns.  Ich,  Gerstenberg,  sprach  mit  ihm  zwei  Stunden  lang  und
zeigte  ihm  die  Mittel,  die  Sache  mit  Reputation  beider  Herrn  zu
vergleichen.  Losenstein  gieng  voll  Freude  von  mir  und  sagte,  er
wollte  tausend  Dukaten  dafür  geben,  dass  die  Sachen  also  beigelegt
würden,  und  hoffe,  dass  sein  König,  dem  er  die  Sache  vortragen
müsse,  sich  aller  Gebühr  nach  erweisen  werde.

Drs.,  L  9167,  IL  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  278  ;  Or.

ı  Dober  des  Kaisers  Gesundheitszustand  vgl.  no.  142,  8.  849.  Auch
Dr.  Rebmann  berichtet  am  23,  April  an  den  Kurfürsten  von  Mainz:  der  Kaiser
sei  übel  auf  und  laboriere  am  Schlagfluss;  leider  sei  dessen  Wiederkehr  zu
befürchten  (Wmz.,  Reichstageakten,  Bd.  1030,  no.  75;  Or.  eigh.).
        <pb n="428" />
        406  1611  166.

April[29.]166.  Geheimes  Anbringen  Reichards  von  Starhemberg
bei  Landgraf  Ludwig  von  Hessen.

„Legati  memorial;  propria  manu  legati.

Gnediger  herr.  E.fl.  Gn.  wolten  I.  kgl.  M.‘  auss  den  erheblichen
motivis  helfen,  bei  Ihren  hern  und  freunden,  sonderlich  den  churfursten  Mainz
und  Saxen  recommendiern,  dass  sie  I.  kgl.  M.'  in  konftiger  election
zur  romischen  cron  wolten  in  bestem  ingedenk  sein  und  wollten
sich  E.  fl.  Gn.  gegen  I.  kgl.  M.‘,  dass  Sie  diss  orts  Ihr  bestes  thun
wollen,  durch  ein  handbrieflein  erkleren.“

„Protocollum  hieruber  bei  des  gesandten  werbung  gehalten“:
Starhemberg  hat  im  Namen  des  Königs  Matthias  dem  Landgrafen
neben  der  ersten  Werbung  !  noch  mitgeteilt:  Da  es  sich  zutragen
möchte,  dass  der  Kaiser  wegen  seines  hohen  Alters  und  wegen  der
schweren  Regierung  auf  Wege  dächte,  zur  Erleichterung  der  Las
sich  einen  „consors  imperii‘‘  zuzugesellen  und  der  König  weiss,  in  welch
vertraulicher  Korrespondenz  der  Landgraf  mit  den  Kurfürsten  von
Mainz  und  Sachsen  steht,  so  bittet  er  ihn,  bei  diesen  gute  Dieuste  zu
tun,  in  Anbetracht  der  Verdienste,  die  der  König  sich  bei  seinen
„hochberühmten  Qualitäten“  gegen  die  Türken  erworben  hat,  „[die  seil
kgl.  W.]  auch  wegen  angebornen  hohen  fürstlichen  teutschen  geblüets
alzeit  ein  ufrichtig  teutsch  gemüet  haben;  wollen  sich  auch  gegen
dem  heil.  reich  noch  besser  verdient  machen.‘  —  Darauf  der  Landgraf:
Dank  für  das  Vertrauen.  Die  Sache  gehört  vor  die  Kurfürsten.  Obwol
er  bei  diesen  nicht  viel  vermag,  so  will  er  doch,  wenn  die  Zessios
und  Adjunktion  zum  Regiment  mit  des  Kaisers  Willen  geschieht,  bei  beiden
Kurfürsten  des  Königs  im  besten  eingedenk  sein;  und  wenn  der  König
durch  die  im  Reiche  herkömmlichen  Mittel  zu  solcher  Würde  kommen
sollte,  wolle  er,  I,andgraf,  ihm  ebenso  wie  dem  Kaiser  Treue  erweisen.  —

Auf  Begehren  des  Landgrafen  hat  Starhemberg,  wenn  auch  ungern,
obigen  Zettel  ausgestellt.  Actum  Darmstadt.  O.  D.?

Wmz.  Reichstagsakten,  Bd.  1080,  no.  73;  Kopie  von  Fausts  Hand.?

!  Die  Hauptwerbung  betraf  die  Aufforderung  zur  Hilfeleistung  mit
Rücksicht  auf  die  zu  Prag  gegebene  Bürgschaft  (Wmz,,  a.  a.  O.,  no.  72;
Kopie).  Ueber  den  Gegenstand  der  geheimen  Werbung  vgl.  no.  140.

®  Datiert  nach  der  am  29.  April  abgelegten  Hauptwerbung.

®  Der  Landgraf  schrieb  noch  am  19./29.  April  an  König  Matthias:
Starhemberg  habe  bei  ihm  im  Vertrauen  eine  Sache  angebracht,  deren  wegen
der  König  ihm  zutrauen  solle,  „wann  nur  mit  verwilligung  der  ksl.  M.!  ein
solche  cession  oder  adiunction  geschehen  solte,  dass  ich  dann,  ob  ich  schen
nit  viel  bei  Meintz  vnd  Sachsen  vermag,  mit  meiner  wenigen  vnd  geringen
erinnerung  gern  bei  beiden  LL.  E.  kgl.  W.  bestes  vndt  dass  Sie  zu  Irem
intent  gelangen  mogen,  befördern  zu  helffen  im  besten  eingedenck  sein
wöllen;  da  auch  E.  kgl.  W.  zu  solcher  dignitet  durch  die  im  reich  ber
kommene  mittel  gelangen  wurden  (dass  ich  Iro  dann  vff  selbigem  fall  von

.  bertzen  gern  gönnen  wolte),  will  ich  alssdann  nit  weniger  alss  ich  ohne
ruhm  zu  melden  bisshero  bei  I.  ksl.  M.t  trewlich  gethan,  E.  kgl.  W.  mit
chmessiger  ndt  bostendiger  treuwe  begegnen“  (Wi.,  I  A  1,  Ka,  29%;

.  eigh.).  —  Zugleich  schickte  der  Landgraf  beide  Werbungen  Starbembergs
        <pb n="429" />
        167.  1611  407

167.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Kur-  April  29.
fürsten  von  Mainz.

Man  hört,  dassein  Gesandter  des  Königs  Matthias  beiE.L.
gewesen  ist;!  eben  ein  solcher,  Herr  Reichard  von  Starhemberg,  war
dieser  Tage  auch  bei  uns?  und  hat  uns  die  Ursachen  erzählt,  warum  König
Matthias  nach  Prag  gezogen  ist.  Der  Gesandte  hat  auch  die  Nachricht
der  Zeitungen  bestätigt,  dass  der  König  auf  Begehren  des  Kaisers

an  Kurmainz.  Der  Kurfürst  schrieb  unter  die  mitgeteilte  Werbung  eigenhändig:
  da  der  Landgraf  an  der  Sache  nicht  interessiert  sei  und  dieselbe  nur
die  Kurfürsten  angehe,  könne  er,  Kurmainz,  um  80  weniger  etwas  versprechen,
wolle  aber  bei  der  persönlichen  Zusammenkunft  der  Sache  eingedenk  sein.
„Bey  mir  ist  nichts  gesuchtt;  der  modus  wirdt  vberschritten,  indem
man  die  kaiserlichen  dienor  also  vbell  tractirtr.  Haec  mea  sententia‘“
(Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  74.  In  diesem  Binn  schrieb  der  Kurfürst  am
30.  April  an  den  Landgrafen,  der  sich  beeilte  zu  versichern,  Jass  er  in
der  Sucwessionssache  nicht  anders  als  zur  Zufriedonheit  des  Kaisers  zu  interzedieren
  gesinnt  gewesen  sei;  er  werde  nimmer  gegen  den  Kaiser

und  die  Kurfürsten  handeln  (Schreiben  des  Landyrafen  vom  7  ap
in  Wmz.,a.a.  O.,no.  86;  Or.).  —  Am  =  Ser  teilt  Landgraf  Ludwig  obige

Werbung  auch  Kaspar  von  Schönberg  mit  und  versichert  auch  ihm,  dass  seia
Bescheid  nichts  enthalte,  was  dem  Kaiser  oder  den  Kurfürsten  zuwider  sein
könnte:  er  gedenke  nicht  vom  Kaiser  abzusetzen  (Dre.,  I.  9167;  II.  Buch
pass.  Kriegsvolks,  f.  665;  Or...  —  Gleiches  Anbringen  hatte  Starhemberg
am  6.  Mai  auch  in  Cassel  bei  Landgraf  Moriz  getan.  Auf  das  Begehren
der  Hilfeleistung  erwiderte  der  Landgraf,  er  wolle  deshalb  mit  einigen  wolgeneigten
  Ständen  kommunizieren  und  werde  sich  von  dem  nicht  sondern,
was  den  andern  Unierten  belieben  werde;  man  möge  aber  des  Kaisers

Hoheit  in  Acht  nehmen  (Bescheid  vom  =  mu  in  Ma.,111/11,—  Kop.).

Auf  Starhombergs  geheimer  Werbung  erwiderte  der  Landgraf  durch  ein
Schreiben  an  den  König  vom  2  pri.  diese  hochwichtige  Sache  gehöre
vor  die  Kurfürsten;  er  wolle  aber  die  hohe  Ehre,  dass  der  König  sich  dabei
seiner  bedienen  wolle,  so  schätzen,  „das  so  viel  ich  immer  bey  gedachten
bern  churfürsten  vnd  bevorab  denen  mir  zunegst  befreundten  mit  guter
anmahnung  vnd  erinnerung  erweisen  können  werde,  nichts  vuterlassen“
sondern,  wenn  der  König  ihm  geeignete  Wege  zeige,  diese  einschlagen  werde
(Wi.,a.a.0.;  Or  eigh.).  —  Der  Markgraf  von  Ansbach  schreibt  am  5./15.  Mai
an  Matthias:  Starhemberg  habe  ihm  des  Königs  Auftrag  mitgeteilt,  ‚die
beforderung  Deroselben  koniglichen  persohn  zum  romischen  konig  in  acht  zu
nehmen“;  er,  Markgraf,  wolle  dazu  alles  tun,  was  der  König  ihm  auftragen
werde  (Wi.,  a.  a.  O.;  Or.  eigh.).  Auch  Philipp  Fuchs  von  Bimbach,  des
Markgrafen  geheimer  Rat,  versicherte  dem  König:  er  wünsche  sehr,  dem
König  in  dieser  hohen  Sache,  die  das  ganze  Reich,  ja  Europa  betreffe,
dienen  zu  können  und  werde  sich  jedem  Auftrag  des  Königs  unterziehen
(Wi.,  a.  a.  O.;  Or.  eigh.)..  Starhemberg  hatte  auch  ein  Schreiben  und
Memoriale  an  den  König  von  England  bei  sich,  dessen  Bestellung  der  Administrator
  der  Kurpfalz  auf  sich  nahm  (Schreiben  des  Administrators  an  den
Eee  a  9./19.  Mai  in  Ma,,  547/14,  f.  62;  Kpt.  von  Dathenus).
.  DO.
®  Vgl  no.  140,  Anm.  1  auf  S,  848.
        <pb n="430" />
        April  29.

April  29.

408  1611  167--168.

zum  König  von  Böhmen  gekrönt  werden  soll.  Man  kann  sich
leicht  denken,  was  nach  dieser  Krönung  erfolgen  wird  und  muss  daher
sehr  darauf  achten,  in  welchen  Zustand  der  Kaiser  geraten  könnte.
Wir  möchten  gerne  hierüber  E.  L.  Gutachten  vernehmen,  wie  wir
schon  am  6.  April!  darum  ersucht  haben,  ohne  dass  Antwort  darauf.
erfolgt  wäre.  Es  ist  aber  dem  Reich  und  dem  kurfürstlichen  Kolleg  nicht
reputierlich,  dieser  Sache  stillschweigend  zuzusehen,  wir  müssen  vielmehr
  dabei  stets  des  Reiches  Reputation  und  Wolfart  im  Auge  haben.
Datum  Heidelberg  den  19.  aprilis  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg
3.  maii  1611.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd,  1080,n0.  83;  Or.3

168.  Der  Kurfürst  von  Köln  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern.

Auf  das  Schreiben  vom  17.3  „Ich  vor  meine  person  halt
darvor,  E.  L.  haben  recht  und  vernunftig  gethon,  indem  Sie  Ihrm
herrn  vatern  die  Brielischo  raiss  zu  des  erzherzogen  Leopoldi
L.  missraten  ;  dan  ich  hoc  perturbatissimo  statu  Bohemico  nicht  abnehmen
kan,  das  diesergleichen  beisamenkumpst  (weiln  selbige  nicht  verschwiegen
  bleiben)  was  weiters  als  mistrawen  und  grosse  suspiciones
würken  würden.  Welche  meine  impression  des  Tengnagels  lezte
vorgangene  aussag  eben  umb  sovil  mehr  bestettigt,  dan  er  bei  der
siebenten  haubtfrag  (laut  beiligendem  extract)  *  ungescheucht  dasjenig  von
E.  L.  zu  deponiren  sich  gelusten  lasset,  was  bei  den  bosshaftigen
leichtlich  in  ungleichen  verdacht  nnd  argwohn  gezogen  werden  kont.
Stelle  also  E.  L.  freundlich  anheimb,  ob  Sie  solches  tacendo  ver-!

  Vgl.  no.  111,  Anm.  2  auf  S.  273.

*  Der  Kurfürst  antwortete  am  4.  Mai:  er  habe  vorerst  die  Gutachten
der  andern  Kurfürsten  abgewartet,  die  auf  eine  persönliche  Zusammenkunft
giengen,  weshalb  er  einen  Kurfürstentag  für  Mitte  Juli  ausgeschrieben
habe.  Zur  Ergänzung  des  kurfürstlichen  Kollege  wäre  wünschenswert,  dass
der  Administrator  beim  Kaiser  die  Beilegung  des  Administrationsstreite  herbeiführte,
  damit  man  einhellig  der  Sache  Rat  schaffen  könnte.  Die  königlichen
Gesandten  hätten  ihm  wegen  JderKrönung  nichts  vorgebracht.  Da  aber  er  und
andere  Kurfürsten  besorgten,  der  König  und  die  Stände  möchten  es  an  ge
bübrender  Moderation  gegen  den  Kaiser  felılen  lassen,  so  habe  Kursachsen
Gesandte  nach  Prag  abgefertigt  und  sei  Brömser  mitgezogen,  um  den  Kaiser
zu  trösten  und  die  andern  zur  Mässigung  zu  ermahnen;  daher  lasse  sich
das  verlangte  Gutachten  noch  nicht  erteilen  (Wmz.,,  a.  a.  O.,  no.  84;
Kpt.  von  Faust).  —  Der  Passus  wegen  des  Administrationestreites  erregta
den  Argwohn  des  Administrator,  dass  Mainz  ihn  vom  Kurfürstentag
ausschliesseu  und  sich  vielleicht  Neuburg  eindrängen  wollte  oder  dass  mit
Umgehung  beider  Teile  bei  unergänztem  Kolleg  Beschlüsse  zum  Nachteil
gemeinen  Wesens  gefasst  werden  könnten  (Administrator  an  Christian  von
Anhalt  am  1./11.  Mai  in  Bbg.,  A  9a,  no.  107,  f.  11;  Or.).  In  der  Folge
liess  der  Administrator  deshalb  eine  Gesandtschaft  an  Kurmainz  abgehen;
vgl.  unten  no.  199.

®  No.  146,
*  Vgl.  no.  106,  VI.  Hauptfrage.
        <pb n="431" />
        168—169.  1611  409

schmerzen  oder  einige  andung  vorzunehmen  ratlich  erachten  möchten.“  —
Wegen  des  Kurfürstentags  hat  mir  Kurmainz  nur  geschrieben,  dass
er  Brömser  zu  Kursachsen  abgefertigt  habe.  Bis  mir  Sachsens  Bescheid  mitgeteilt
  wird,  will  ich,  nächsten  Montag  oder  Dienstag,  nach  Lüttich  verreisen,
  was  mich  aber  vom  Besuch  des  Kurfürstentags  nicht  abhalten  wird.

„Von  dem  saphoyschen  kriegsvolk  oder  zu  was  intent  dasselbig
geworben  sein  mag,  hab  ich  ganz  keine  besondere  avisen,  vil  weniger
das  dasselb  nach  Teutschland  destinirt  sein  solte;  desto  weniger
aber  nit  mach  ich  mir  bei  ietziger  sachen  beschaffenheit  wol  die  gedanken,
  dasaufangeben  und  guetachten  des  spanischen  zu  Prag  residirenden
ambassator  I.  kgl.  W.  solches  kriegssolk  wol  auss  andern  ursachen
oder  allerlei  schein  und  namen  oder  praetext  werben  und  bisshero
beisamenhalten  lassen  und  dennoch  das  intent  auch  wol  dabei  gehabt
haben  und  noch,  im  fal  die  protestirende  oder  jemands  anders  im  reich
sich  der  römischen  kron  mit  gewalt  oder  sonsten  mit  hindansetzung
ihres  hauses  underfangen  oder  auch  zwischen  I.  ksl.  M.*  und  der  kgl.  W.
in  Ungarn  oder  andern  ihres  hauses  zu  einiger  kriegsverfassung
anleitung  gegeben  werden  möchte,  auf  solchen  oder  dergleichen  fall
demselbigen,  deme  sie  es  gunnen  wurden,  zum  besten  solches  kriegsvolk
zu  gebrauchen.  Datum  auf  meinem  schloss  Arnsperg,  den  29.  april
a.  611“.

Ma,  39|9,  f.  40;  Or.

169.  Brömser  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Letzten  Montag  [April  25]  bin  ich  mit  den  Sachsen  hier  angekommen
  und  habe  alles  in  traurigem  und  gefährlichem  Zustande
gefunden.  Wir  haben  uns  gleich  mittags  anmelden  lassen  und  wurden
für  nächsten  Morgen  zur  Audienz  berufen;  auf  besonderes  Verlangen
des  Kaisers  musste  auch  ich  dabei  erscheinen.  Bericht  über  die  Audienz.!

Der  Kaiser  antwortete  unser  Anbringen  kurz  wiederholend  ;  ich
wunderte  mich,  dass  er  bei  diesen  beschwerlichen  Zuständen  und
Wirrnissen  noch  so  „beständig“  redete  und  alles  so  wol  behielt.  —
Am  selben  Tag  noch  kamen  einige  von  den  Ständen,  die  mit  den
Sachsen  bekannt  waren,  zu  uns  und  redeten  allerlei,  woraus  der
böhmischen  Stände  verbittertes  giftiges  Gemüt  leicht  abzunehmen  war.  Wir
begegneten  ihnen  mit  Bescheidenheit,  wobei  sich  die  Sachsen  »sehr
löblich  erzeigten.

Am  nächsten  Morgen  schickte  der  Kaiser  ein  Handbrieflein  ?  an
den  Herzog  von  Braunschweig  und  uns  andere  herab;  wir  liessen
demselben  gemäss  die  Schlesier  sobald  als  möglich  ermahnen,  die  sich  zu
allem  guten  erklärten  und  vorgaben,  bisher  in  der  ganzen  Handlung  von
den  Böhmen  noch  nicht  ersucht  oder  gehört  worden  zu  sein.

’  Vgl.  den  Bericht  der  Sachsen  in  no.  160.
®  Vgl.  no.  160,  8.396,  Anm.  1.

April  29.

April  30.
        <pb n="432" />
        April  30,

410  1611  169.

Am  selben  Tag  ist  der  König  aus  der  Altstadt  auf  den  Hradschin
gezogen;  er  wohnt  dort  im  Hause  Popels,  wo  im  vorigen  Jahr  Rat  gehalten
worden  war.  Sein  Aufzug  war  anzusehen  als  zöge  er  gegen  den  Feind
oder  in  grosse  Gefahr.  Das  hat  nicht  nur  der  Kaiser  übel  empfunden
sondern  auch  viele  Leute  geärgert;  denn  mit  Matthias  zogen  sechs  Fähnlein
Reiter  in  voller  Rüstung  und  einige  Fähnlein  Knechte,  Österreichische
und  böhmische.e  Darauf  wurden  die  Wachen  angestellt:  auf  den
Platz  vor  des  Königs  Behausung  blieben  zwei  Fähnlein,  auch  auf  dem
Hradschin  und  allen  andern  Plätzen  werden  so  starke  Wachen  unterhalten,
  dass  alle  Stunden  4000  Mann  auf  Wache  sind.  Das  Schloss
wird  innen  durch  die  Böhmen  und  Mährer  verwahrt,  wobei  grosse
Vermessenheit  und  Unbescheidenheit  zu  spüren  ist,  indem  alle  Winkel,
wo  nur  der  Kaiser  zu  gehen  pflegt,  mit  Wachen  besetzt  sind,
so  dass  das  Schloss  einem  engen  Gefängnis  gleich  sieht,  was  dem
Kaiser  sehr  zu  Herzen  geht!  Wir  haben  beim  König  und  den
Ständen  deswegen  wiederholt  scharf  remonstriert,  haben  auch  gehofft,
es  werde  ertıäglicher  werden,  wenn  der  König  herüberzieht,  aber  es  sind
die  Wachen  nur  vermehrt  worden.  Erst  heute  ist  uns  in  des  Königs
Namen  versprochen  werden,  man  wolle  besonders  auf  den  geheimen  Gängen
sich  mehrerer  Diskretion  bedienen.

Vorgestern  haben  die  Sachsen  beim  König  Audienz  gehabt  und  begehrt,
  dass  er  einen  Vertrauten  zur  Kommunikation  mit  uns  verordne.
Gestern  fieng  man  mit  derselben  an  ?;  ich  bin  mangels  an  Kreditiven  weggeblieben,
  doch  haben  mir  die  Sachsen  alles  berichtet:  Khlesl  hat  gans
eifrig  wider  den  Kaiser  gesprochen  und  wird  er  für  den  Direktor  alles
dessen  gehalten,  was  geschieht.  Man  antwortete  den  Königlichen  so,  dass
die  verordneten  Räte  sich  erboten,  der  Sache  nachzudenken  und  des  Königs
Meinung  darüber  zu  vernehmen;  auch  begehrten  sie,  montags  wieder
zusammenzukommen.  Inzwischen  schieben  sie  alles,  was  sie  nicht
verantworten  können,  auf  die  Stände,  deren  der  König  nicht  völlig
mächtig  sei;  diese  aber  wollen  ohne  Rücksicht  auf  Kaiser  und  Reich
immer  vorwärts  und  haben  bereits  den  Himmelfahrtstag  [Mai  12]  für
die  Krönung  bestimmt.  Darauf  liessen  wir  den  König  durch  seine
geheimen  Räte  warnen,  dass,  wenn  die  Krönung  so  unförmlich  und
mit  Verachtung  des  Kaisers  und  der  Kurfürsten  vor  sich  gienge,  er
sich  das  ganze  Reich  zuwider  machen,  sich  alle  Hoffnung,  weiter  zu
kommen,  abschneiden  und  sein  Haus  ruinieren  würde:  wenn  er  sich
aber  nicht  übereile,  so  werde  man  hoffentlich  Mittel  und  Vorschläge
finden,  wodurch  beide  Teile  bei  „gutem  Glimpf“  erhalten  werden  könnten.

1  Dasselbe  meldet  am  2.  Mai  Wilhelm  Bodenius  an  den  Herzog  von
Baiern:  der  Kaiser  habe  diese  Wachen  sehr  empfunden  und  Bei  in  solchem
Despekt  und  „angustiis“,  dass  es  schier  unerhört  sei;  er  sei  darüber  sehr
bekümmert,  habe  gestern  fast  den  ganzen  Tag  zu  Bett  gelegen,  „welches
kaum  ein  kaiserlicher  Minister  gedenket“  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  ILI.,  no.  26,
f.  79;  Or.  eigh.).

’  Vgl  no.  166.
        <pb n="433" />
        169.  1611  411

Darauf  fiengen  die  Königlichen  an,  sich  zu  Verhandlungen  zu  erbieten;  April  29.
die  Stände  aber  bleiben  böse  und  unbescheiden.

Wir  Gesandte  haben  uns  einiger  Artikel  verglichen,!  wie  aus
diesem  Unwesen  mit  Reputation  von  Kaiser  und  Reich  zu  kommen
wäre  und  wollen  deswegen  heute  oder  morgen  des  Kaisers  Willensmeinung
  erforschen.  Ich  lege  sie  bei  und  bitte  um  Dero
Resolution  und  Gutachten  darüber.  —  Es  ist  nicht  sicher,  in  geheimen
  Sachen  schriftlich  zu  berichten;  kaiserliche,  kurfürstliche
und  fürstliche  Schreiben  werden  aufgefangen,  erbrochen  oder
zurückgehalten;  da  ich  aber  Sachen  erfahren  habe,  die  E.  kfl.  Gn.
noch  vor  dem  Kurfürstentag  wissen  müssen,  so  bitte  ich  einen
Vertrauten  hieherzuschicken,  der  mich  entweder  ablöst  oder  dem
ich  mündlich  Mitteilung  darüber  machen  kann.  Ich  habe  einen  Anwurf
getan,  selbst  ins  Reich  zu  ziehen,  Berichte  zu  erstatten  und  dann  wieder
za  kommen;  man  hat  sich  aber  nicht  dazu  verstanden.  Ich
erinnere  E.  kfl.  Gn.,  Dero  geistliche  Mitkurfürsten  ernstlich  anzumahnen,
  auch  jemanden  bierherzuschicken  ;  der  Kaiser  und  die  Sachsen
erwarten  es  und  hat  es  Dero  Reputation  sehr  gemehrt,  dass  ich  mit
den  Sachsen  hieher  gezogen  bin,  so  sauer  es  mich  ankam.  Sachsen
erzeigt  sich  in  allem  wol  und  gut  deutsch.

Mit  Tengnagel  steht  es  ganz  erbärmlich.  Er  ist  wiederholt,  wie
der  Scharfrichter  selbst  bekennt,  schrecklich  gefoltert  worden  —  wie  68
scheint  —  nur  darum,  um’etwas  gegen  die  Katholischen  aus  ihm  herauszubringen.
  Ich  höre  aber,  dass  die  Stände  nicht  finden,  was  sie
suchen  und  sollen  darum,  wie  den  Sachsen  mitgeteilt  wurde,  Hannewald
  und  Hegenmüller  wieder  in  ihre  Häuser  gelassen,  doch  noch
im  Arrest  behalten  werden.  Nun  gibt  man  vor,  dass  die  Oesterreicher
begehren,  die  beiden  in  ihre  Gewalt  zu  bekommen.  Die  Sachsen  und  ich  aber
haben  beschlossen,  falls  die  Entlassung  nicht  erfolgt,  im  Namen  des  Kaisers
und  der  Kurfürsten  die  Stände  und  den  König  anzureden,  dass  solches
Vorgehen  gegen  geheime  und  RBeichshofräte  für  Kaiser  und
Reich  und  besonders  für  das  kurfürstliche  Kolleg  verkleinerlich  sei  und
dass,  wenn  jene  schon  den  Kaiser  hierin  für  parteiisch  erachteten,  die
Kurfürsten  „auf  genugsame  klag  und  beweiss  darin  verfugen  wurden,“
was  Recht  sei  und  was  des  Reiches  Notdurft  und  Reputation  erfordere;
die  Stände  könnten  nicht  Kläger  und  Richter  zugleich  sein,  noch  seien
sio  dazu  kompetent.  Schmetschansky  und  Slawata  haben  sie  hart  zugesetzt;
  Tengnagel  hat  die  beiden  ersteren  als  Mitanstifter  angegeben
und  sie  dadurch  sehr  gefährdet,  aber  dann  immer  wieder  „losgesprochen  ;
daher  sollen  sie  beide  wieder  in  ihre  Ehren  bei  den  Ständen  restituiert
werden.  —  Vom  passauer  Volk  hört  man  hier  fast  gar  nichts,  so
dass  man  sich  wundern  muss,  dass  die  Böhmen  so  böse  und  über  den
armen  Kaiser  her  sind,  der  ganz  wehrlos,  ja  fast  ohne  Diener  ist.
wogegen  man  das  passauer  Volk,  das  sich  in  seinen  Quartieren  lustig

!  No.  164.
        <pb n="434" />
        April  30.

412  1611  169.

macht,  unangefochten  lässt.  Erzherzog  Leopold,  Sulz  und  Ramöe
sollen  zu  Passau  sein,  Althan  bei  den  Soldaten  in  Budweis;  die  Führer
sollen  uneins  sein  und  Althan  den  Ramde  und  Sulz  vor  das  Kriegsrecht
  geladen  haben;  sie  wollen  aber  nicht  kommen.

Der  Fürst  von  Siebenbürgen  !  ist  vergangene  Woche  vom  Kaiser
wieder  losgegeben  worden;  während  der  Verhaftung  hatte  man  ihm  all
sein  Geld  und  seine  Kleinodien  abgenommen  und  die  Truhen  versiegelt
und  in  Verwahrung  genommen;  als  man  ihm  jetzt  die  Truhen  auf
Befehl  des  Kaisers  zurückstellte,  fanden  sie  sich  alle  leer;  Sulz  soll
den  Inhalt  als  Zehrpfennig  und,  um  damit  seine  Taten  zu  krönen,
mitgenommen  haben;  daher  gedenkt  jeder  des  Grafen  wie  eines  toten
Gauls;  ich  glaube  nicht,  dass  er  sobald  wiederkommen  und  sich  bei
den  Böbmen  persönlich  entschuldigen  wird.

Ich  wohne  noch  bei  den  Sachsen,  wo  wir  uns  auch  mit  der
Mahlzeit  eingedingt  haben;  die  trockene  Mahlzeit  kostet  für  die  Herm
einen  Taler,  für  die  Diener  das  Ort  eines  Talere,  der  Wein  wird  auf  den
Kerbstock  geholt.  Ich  und  die  Sachsen  speisen  gesondert.  Anderes
darf  ich  der  Feder  nicht  vertrauen  und  bitte,  dass  E.  kfl.  Gn.  eine
geeignete  Person  deswegen  hierher  schicken.  Datum  Pragk  den  letzten
aprilis  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  8.  maii  1611.

Nachschrift:  Soeben  fordern  die  Kursachsen  mich  auf,  E.  kfl.  Gn,
zu  erinnern,  bei  Dero  geistlichen  Mitkurfürsten  entsprechende  Abordnungen
  hieher  zu  beschleunigen,  damit  alles  mit  Reputation  des  Reiches  und
des  kurfürstlichen  Kollegs  geschehe.  Ebenso  bitte  ich,  mir  jemanden
geeigneten  beizuordnen  ;  denn  es  ist  mir  hochbedenklich,  in  so  wichtigen
und  gefährlichen  Sachen  die  Katholischen  hier  allein  zu  vertreten,  zumal
die  Brandenburger  jedenfalls  vor  den  Trierern  und  Kölnern  kommen
werden.  —  Die  Reichshofratskanzlisten  finden  sich  beschwert,  dass  jene
Anordnungen,  die  E.  kfl.  Gn.  vor  Dero  Abzug  gegeben,  nicht  beachtet
werden;  auch  ich  finde,  dass  dieser  Aufschub  des  Taxators  E.  kfl.  Gn.
verkleinerlich  und  es  unbillig  ist,  dass  einer  allein  den  Vorteil  geniessen
will,  der  vielen  zukommt.  —  Eben  höre  ich  von  Hegenmüllers  Weib,
dass  es  mit  der  Enthaftung  ihres  Mannes  und  Hannewalds  nichts  sei;  sie
seien  wieder  in  die  Altstadt  in  das  gewöhnliche  Gefängnis  geführt  worden,
Da  der  Kaiser  die  Verbaftungen  sehr  empfindet  und  dies  in  der  ersten
Audienz  stark  betont  hat,  so  wollen  wir  Gesandte  morgen  dem  König  und
den  Ständen  deshalb  ein  Memorial  übergeben;  ich  glaube,  dass  E.  kfl.  Gn.
mir  deswegen  noch  besonderen  ernsten  Befehl  zukommen  lassen  sollten.
Dr.  Rebmann  erbietet  sich  zu  allen  möglichen  Diensten,  doch  habe  ich
seinetwegen  noch  Bedenken.  Datum  Pragk  wie  oben.

Wmz,  Reichstagsakten,  Bd.  1030,  n0.87  und  88;  Or.  eigh#

1  Sigmund  Bathory;  vgl.  A.  Huber,  Geschichte  Ossterreichs,  IV.,  8.434.
?  Der  Kurfürst  erwiderte  am  12.  Mai:  er  könne  auch  jetzt  noch  keine
weiteren  Instruktionen  erteilaon  als  dass  Brömser  mit  den  anwesenden  kurfürstlichen
  Räten  guteKorrespondenz  pflege  und  des  Kaisers  Hoheit  und  Frieden
und  Einigkeit  erhalten  helfe;  das  andere  berube  auf  der  persönlichen  Zusammenkunft
  der  Kurfürsten.  Brömser  habe  sich  vor  weiteren  Verbürgungen
        <pb n="435" />
        170.  1611  413

170.  Baugy  an  Puysieulx.

„Les  Espagnolz  en  conformite  du  jugement  que  Vous  en  faictes
dans  Vostro  derniere  du  13.°  de  ce  mois,  aydent  tant  qu'ilz  peuvent
a  l’advancement  des  desseings  et  a  l’accroissement  du  roy  de
Hongrie,  esperans  de  le  trouver  plus  maniable  et  favorable  a  leurs
entreprises  que  n’a  este  ledict  8.”  empereur,  lequel  estant  bien  averty
des  mauvais  offices  qu'ilz  luy  rendent  en  cela  et  mesmes  qu’ilz  ont
gagne  ses  principaulx  ministres  pour  cooperer  a  leur  intention,  s’en
plainct  grandement  et  monstre,  qu’il  voudroit  bien  s’en  ressentir  ;
mais  ce  desir  est  vain  et  ne  sert  qu’a  luy  travailler  l’esprit,  maintenant
qu’il  luy  est  quasi  impossible  de  le  mettre  en  execution.  Il  y  en
a  qui  afferment,  qu’il  avoit  projett6  de  faire  passer  en  Allemagne  le
duc  de  Savoye  et  de  le  faire  joindre  aux  troupes  qui  ont  este
si  Iongtemps  inutiles  on  Alsace  et  a  colles  de  Passaw,  ce  que  semblent
eonfirmer  les  intelligences  et  correspondances  que  l’archiduc  Leopold
et  le  sieur  de  Ramee  entretenoient  avec  ledict  8.”  duc,!  lequel  auroit
sem&amp;amp;  le  bruit  du  siege  de  Geneve  et  du  recouvrement  du  pays  de
Vaux,  pour  avoir  quelque  pretexte  de  retenir  son  armee  sur  pied.
Je  Vous  laisse  a  considerer,  monsieur,  ce  qui  en  peut  estre  et  les
empeschemens,  qu’eust  rencontr6  ledict  8.”  duc;  cel&amp;amp;  Vous  diray-je
seulement  que  son  humeur,  que  I’on  cognoist  assez  en  France,  fait
que  plusieurs  croyent  que  ce  discours  n’est  pas  sans  fondement.
L’on  attend  icy  il  y  a  desja  quelques  semaines  un  sien  agent  et  ne

im  Namen  von  Kurmainz  zu  hüten,  bis  die  Absichten  der  andern  Kurfürsten
bekaent  seien;  inzwischen  sei  die  Abschaffung  der  Schildwachen  und  die
Befreiung  der  kaiserlichen  Diener  zu  betreiben.  Brömser  möge  sich  auch  mit
den  Sachsen  unterreden,  ob  man  nicht  dem  Kaiser  vorschlagen  solle,  einige
der  Reichssachen  kundige  Räte  aus  dem  Reich  kommen  zu  lassen,  damit
er  sie  su  Schickungen  und  sonstwie  gebrauche.  Wegen  des  Hoerannahens
des  Kurfürstentages  könne  Brömser  noch  nicht  abberufen  werden  (Wmz.,
a.  a.  O.,  no.  95  und  96;  Kpe).

!  Vgl.  no.  145,  8.  354,  Anm.  2  und  no.  168.  Der  spanische  Staatssekretär
  Andreas  de  Prada  schreibt  am  6.  Mai  über  dieselbe  Sache  an  den
Staatssekretär  Antonio  de  Arrostegui:  aus  Turin  habe  man  Nachricht,  dass
der  Herzog  von  Bavoyen  jemanden  nach  Deutschland  abgeordnet  habe,  um
die  Absichten  des  Kaisers  zu  gunsten  des  Erzherzogs  Leopold  zu  unterstätzen,
  „llevando  el  dos  fines  en  lo  suyo:  el  uno  de  que  haziendose  guerra
a  los  heregts  de  Alemana  se  diviertan  de  soccorerer  a  (Grenebrinos  y  Berneses
y  el  otro,  porque  siendo  Leopoldo  electo  rey  de  Romanos,  piensa  el  duque
tratar  casamıento  con  una  de  sus  hijas  0  por  lo  menos  ganarle  para  que
se  lo  ayude  a  tratar  en  Espana,  y  que  para  este  efecto  avıa  embiado  letras
de  cien  mil  escudos  para  soccorrerle  luego  con  ellos.“  Man  möge  Zuniga
deshalb  benachrichtigen  (Sim.,  Fasz.  2497,  f.  276;  Or.).  —  Das  königliche
Schreiben  an  Zuniga  vom  21.  Mai;  ebenda,  f.  399;  Kpt.  —  Auch  der  Herzog
von  Württemberg  wollte  wissen,  dass  das  savoyische  Kriegsvolk  von  der
Königin  von  Frankreich  den  Pass  durch  Burgund  stark  begehre;  er  besorgte
einen  Angriff  auf  seine  burgundischen  Besitzungen,  besonders  auf  die
Foatung  Blamont  (Württemberg  an  den  Administrator  der  Kurpfalz  am

.  April

ua  U.,  Unionsacta,  tom.  XXII.,  no.  2159;  Kopie).

April  30.
        <pb n="436" />
        April  30.

April  30.

414  1611  170-111.

sait  un  autre  suget  de  son  retardement,  si  non  que  les  aflaires  ayant
priz  de  decä  un  autre  train  que  quelgues  uns  ne  pensoient,  il  a
ronvoye  a  Turin  querir  une  nouvelle  instruction.  Les  ambasssdeurs
de  Vallaquie  sont  icy  pour  demander  secours  au  roy  de  Hongrie
pour  le  Vayvode  Radul  contre  Gabriel  Battori  prince  de  Transeilranie;
le  cousin  de  cestuy-cy  Sigismond  a  estö  finablement  miz  en  liberte
depuis  quelques  jours  aprez  quinze  mois  de  prison  et  qu'on  Ta
despouill6  de  tout  ce  qu’on  luy  a  peu  prendre.  De  Prague  ce
30.°  d’avril  1611“.
Pa,,  coll.  Harlay  no.  238,  vol.  XII.,  f.  151;  Or.  eigh.

171.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  von  Sachsen.

Brömser  hat  uns  überschickt,  was  E.  L.  ihm  über  das  prager
Wesen  haben  mitteilen  lassen.  Wir  waren  darüber  höchlich  bestürzt  und
konnten  nicht  erdenken,  wie  König  Matthias  sich  zu  solchem  Vornehmen
hat  bewegen  lassen  können,  nicht  nur  für  sich  sondern  auch,  indem
er  zu  dem  Vorgehen  der  Stände  gegen  den  Kaiser  und  dessen  Diener
schwieg;  der  König  ist  doch  ein  Beichsfürst,  die  Krone  Böhmen  ein
Kurland;  gleichwol  setzt  er  die  Rücksicht  auf  das  Reich  ganz  bei
Seite  als  hätte  er  es  nicht  zu  verantworten  oder  müssten  alle
Reichsstände  ihm  nachgeben,  dass  er  und  die  Böhmen  nach  ihrem  Gefallen
mit  dem  Kaiser  verfahren.  Dazu  wird  es  aber  hoffentlich  nicht  kommen
und  wird  Gott  alle  friedfertigen  Stände  erleuchten,  dass  sie  zum
Haupte  halten.  Wir  danken  daher  nochmals  E.  L.,  dass  Sie  als  nächster
Nachbar  Böhmens  der  Sache  wahrnahmen  und  die  Ihrigen  nach  Prag
abfertigten;  wir  haben  auch  bereits  unsere  geistlichen  Mitkurfürsten
zu  gleichem  ermahnt;!  leider  wird  man  es  trotz  der  hohen  Notwendigkeit
  bei  dem  festgesetzten  Termin  für  den  Kurfürstentag
belassen  müssen.  Wir  bedenken  auch,  dass  bei  allem  Eifer  die  Kurfürsten
  bei  ihrer  Zusammenkunft  die  Hauptlast  nicht  allein  werden
erheben  können,  wenn  nicht  alle  Stände  des  Reiches  das  ihrige
beitragen;  andererseits  sehen  wir  nicht,  wie  der  Kaiser  bei  solcher  Einschränkung
  zur  Ausschreibung  eines  Reichstages  kommen,  sich
zu  einer  freien  Proposition  ungefährdet  entschliessen  oder  die  ordentliche
Direktion  bei  einem  Reichstag  würde  halten  können.  Da  aber  dem
Hauptwerke  Rat  geschafft  werden  muss  und  zu  besorgen  ist,  wenn
die  Kurfürsten  bei  solcher  Lage  mit  oder  ohne  Zustimmung  des
Kaisers  selber  einen  Reichstag  ausschreiben,  dass  wegen  der  be
schwerlichen  Spaltung  unter  den  Ständen  einem  solchen  Ausschreiben
schlechte  Folge  gegeben  werden  würde,  so  haben  wir  unsE.  I.  eröffnen
wollen,  ob  Sie  vielleicht  einen  Weg  finden,  durch  Mittelspersonen
des  Kaisers  „Gelegenheit‘‘  zu  vernehmen,  ob  er  sich  getraue,  selbst
ein  solches  Ausschreiben  zu  erlassen  oder  ob  er  sonst  den  Kurfürsten
  insgesamt,  doch  dem  Herkommen  unabträglich,  die  Aussung



ı  Ygl.  no.  169,  8,  398,  Anm.  1.
        <pb n="437" />
        171—112.  1611  415

schreibung  eines  Reichstages  befehlen  wolle,  einzig  um  zu  bedenken,  April  80.
wıe  dem  unordentlichen  Verfahren  gegen  ihn,  den  Kaiser,  gesteuert  und
er  aus  so  unverantwortlicher  Gewalt  errettet  werden  könne  und  mit
dem  Vorbehalt,  dass  die  Punkte,  die  allein  vor  die  Kurfärsten
gehörten,  diesen  auch  gewahrt  bleiben.  Würde  hierüber  dem  Kurfürstentag
  eine  Erklärung  des  Kaisers  vorliegen,  so  könnte  man
desto  eher  zu  einem  gewissen  Ausschlag  ‚‚eines  zuträglichen  mittels
zu  versamblung  der  reichsstende“  gelangen  und  von  dort  aus  gleich
das  Nötige  bedenken  und  richten.  Wir  bitten  darüber  um  Dero
Gutachten  und  wollen  mit  E.  L.  und  den  andern  Kurfürsten  alles
befördern,  was  zu  des  Kaisers  Tröstung,  Errettung  und  zur  Erhaltung
seiner  und  des  Reiches  Ehre  dienen  mag.  Datum  Aschaffenburg
den  30.  aprilis  a.  1611.

Nachschrift.  Mit  Rücksicht  auf  das  gefährliche  Aufwachsen
der  prager  Sache  wäre  vielleicht  dienlich,  noch  vor  dem  Kurfürstentag
Kurbrandenburg  dazu  zu  bestimmen,  dass  der  Kurfürst,  falls  er  bei
der  aus  dem  jülichschen  Verfahren  entsprungenen  Öffension  gegen
den  Kaiser  noch  etwas  alteriert  wäre  und  mehr  auf  des  Königs
Seite  neigte,  den  Sachen  zuvor  etwas  besser  nachdächte,  damit  man
beim  Kurfürstentag  desto  leichter  fortkäme  und  nicht  ungleicher

Meinung  würde.
Wms.,  Reichstagsakten,  Bd.  1080;  no.  68;  Kpt.  von  Faust.

172.  Abschied  des  würzburger  Ligatages.  April  30.

Da  auf  dem  im  Dezember  1610  zu  Augsburg  gehaltenen  Tag
die  vorgelegten  Punkte  wegen  Abwesenheit  der  rheinischen  Stände
nicht  haben  erledigt  werden  können  und  inzwischen  nicht  wenig  erhebliche
  Sachen  vorgefallen  sind,  so  ist  dieser  Tag  nach  Würzburg  auf  den
18.  April  ausgeschrieben  und  endlich  folgendes  verabschiedet  worden  :

1.  Die  Rechnungen  sind  zuerst  in  pleno  ‚„summariter‘“  durchgegangen,
  dann  aber  ist  bestimmt  worden,  dass,  „ob  gleichwol  dis  ein
gemaines  und  unabsonderlich  werk,‘  für  diesmal  die  rheinischen  und
oberländischen  Stände  ihre  Rechnungen  für  sich  prüfen  und  berichtigen
  sollen  ;  unter  den  rheinischen  Schulden  sind  die  Forderungen
des  Grafen  Rietberg  einbegriffen.

3.  Ueber  die  Aufnahme  Sachsens  ist,  weil  dasselbe  keinen
Abgeordneten  geschickt  hat,  nichts  verabschiedet,  doch  bedacht
worden,  dass  dessen  und  anderer  Protestanten  Aufnahme  gemäss  dem
Inhalt  der  Bundesnotel  geschehen  soll.

3.  Die  Sammlung  eines  ergiebigen  Vorrates  ist  für  durchaus  notwendig
  erachtet  worden.  Da  aber  beide  Bezirke  der  Union  grosse  Schulden
haben,  die  noch  im  laufenden  Jahr  bezahlt  werden  müssen  und  sollen,
so  würde  es  manchen  Ständen  unerschwinglich  sein,  über  die  dafür
nötige  Steuer  noch  mehr  zu  leisten;  um  jedoch  einen  Anfang  zu
machen,  sollen  noch  vor  Ausgang  dieses  Jahres  5  Monate  zum  Vorrat  erlegt
werden,  in  den  nächsten  drei  Jahren  dann  je  20  und  darauf,  ®0
        <pb n="438" />
        April  80.

416  1611  172.

lange  die  Union  währt,  jährlich  je  10  Monate.  Diese  Bewilligung,  ausser  der
für  das  laufende  Jahr,  ist  von  etlichen  nur  zu  Bericht  genommen  worden;
deren  Herrschaften  sollen  sich  deshalb  noch  vor  Ende  des  Jahres  erklären.
Die  neue  Steuer  soll  vollständig  an  die  Kasse  gezahlt  werden  und
kein  Stand  über  seine  Quote  —  ausser  in  dem  durch  die  Bandesnotel
vorgesehenen  Falle  —  anderweitig  verfügen  dürfen.  —  Da  jedoch
der  so  beschaffte  Vorrat  noch  nicht  erklecklich  sein  wird,  ein  mehreres  den
Ständen  nicht  möglich  und  die  Dezimation  der  Geistlichen  bei  den  meisten
nicht  „practicierlich“  ist,  so  soll  gemäss  dem  ersten  würzburger  Abschied
dahin  gesehen  werden,  „alle  dort  benambste  in-und  auslendische  potentaten
und  stende  in  dise  verain  mit  einzuziehen  und  das  jeder,  dem  die
erhantlung  anderer  stent  ufgetragen,  von  dato  aines  halben  jars
beden  herrn  puntsoberisten  seiner  verrichtung  relation  thuen  sol,  dabei
aber  in  allweg  bedacht  worden,  erzherzog  Maximilian...  durch  beie
berrn  puntsoberisten  vermitls  1.  fl.  Gn.  herrn  abten  zu  Kembten
zu  ersuchen,  nit  weniger  bei  bepstlicher  H."  und  kgl.  W.  in  Hispanien“
durch  deren  Gesandte  zu  Prag  „zu  solicitirn,  das  bede....  aus  dero  der
liga  zum  besten  verortneten  suma  gelts,  wo  nit  uf  einmal,  jedoch
alle  jar  was  ergibigs,  so  lang  die  union  weret,  zum  voraht  par
erlegen  und  in  bede  cassen  zugleich  eintragen.“  —  „Nachdem  aber
noch  zur  zeit  bei  so  geringer  anzal  der  stent  und  schlechten  parschaft
einem  inskonftig  betrangten  puntsstant  die  hilfliche  hant  nicht,  wie
es  etwa  die  notturft  erfordert,  kan  geboten  werden,  so  hat  man  für
rahtlich  angesehen  und  gehalten,  es  sollen  die  negstbenachtparten  stent
sich,  doch  unabrichig  diser  union,  einer  particulardetension....
mit  einander  ehist  vergleichen.“  —  Kur-Trier  hat  erklärt,  da  es
mit  seiner  Ritterschaft  wegen  der  Steuerfreitheit  am  Kammergericht
rechtshängig  sei,  könne  es,  wie  es  seit  mehr  als  30  Jahren  bei  den  Reichshilfen
  tue,  nur  zwei  Drittel  des  Reichsmatrikelsanschlags  erlegen;  Kurköln
will  wegen  der  bekannten  Erschöpfung  des  Erzstifts,  falls  es  in
jetzigem  „Ruhestand‘‘  verbleibt,  ein  Drittel  erlegen.  Beide  worden
deshalb  an  die  Obersten  gewiesen,  bis  zu  künftigem  Bundestag  und
auf  Ratifikation  wurde  aber  die  Moderation  bewilligt.

4.  Die  Stände  werden  ermahnt,  pünktlich  zu  zahlen.  Der
Abgesandte  der  schwäbischen  Grafen  erklärt  auf  Befragen,  dass  diese
die  zu  Würzburg  bewilligten  42  Monate  zu  den  vier  von  ihnen
bezeichneten  Zielen  (Martini  1610,  Invocavit  und  Michaelis  1611
und  Purificationis  1612)  unfehlbar  erlegen  wollen,  was  die  anderen
Gesandten  angenommen  haben.  Die  neuen  Bewilligungen  hat  der
Gesandte  zu  Bericht  genommen.

5.  Nach  der  mainzer  und  münchener  Notel  muss  derjenige,  der  einen
Bundesstand  angreift,  ehe  der  Bund  rüstet,  um  Abstellung  der  Beschwerung
ersucht  werden.  Diese  Bestimmung  bewirkt,  dass  die  Gegner  die  Bundesstände
  nur  um  so  leichter  und  ungescheuter  vergewaltigen  können  :  denn
ehe  jene  ersucht  werden,  können  sie  viel  Schaden  anrichten  ;  auch  muss
man,  falls  die  Gegner  angesichts  der  Massregeln  der  Abwehr  die  Waffen
        <pb n="439" />
        172.  1611  417

ablegen  und  jener  Notel  nach  Kosten  und  Schäden  „dahinden  lassen.“
Daher  ist  folgende  Erläuterung  der  Notel  beschlossen  worden:

„Rs  sollen  gleichwol  die  catholische  buntsstend  zue  tathandlung
und  armirung  nit  anlass  geben,  da  aber  auss  verursachung  dess
gegenthails  die  defension  und  waffen  nottringlich  ainmal  an  die
hant  genomen,  er  erpiete  sich  hernach  gleich  zur  güete  oder  nit,  [so
ist]  besagte  defension  oder  arma,  so  gut  man  kan  oder  mag,  dem
freunt  zum  besten  und  dem  feint  zum  höchsten  nachthail  fürund
  anzuwenden,  das  volk  so  balt  es  imer  geschehen  kan  und
mag,  uf  des  feints  lant  und  unterthonen  zu  legen  und  zu  füeren,
auch  forderst  die  waflen  weiter  so  lang  nit  auss  den  handen  zu
lassen  sonder  damit  wirklich  vortzusezen  und  dem  gegenthail  so
lang  armata  manu  nachzuhengen  und  zu  verfaren,  biss  sowol  der
erlittne  schaden  als  auch  der  ufgewandte  uncosten  zu  gnüegen
erstadt  und  von  dem  gegenthail  durch  gebürende  caution  und
versicherung  die  bundständ  weiter  dergleichen  überfals  und  betrangnus
  geübrigt;  nicht  weniger,  wann  und  so  oft  es  ad  factum
und  zur  gegenthathandlung  kombt,  auch  das  volk  auf  den  beinen,
also  dass  es  nur  fortruckens  und  exequierns  bedarf  und  man  die
gelegenheit  an  händen,  den  vergewaltigern  wirklich  resistenz,
widerstand  und  abbruch  zu  thun,  dass  alsdann  dem  bundsobristen
inhalt  verglichener  bundsnotl  ein  fıeie  offne  hand  gelassen  werden
soll,  ohne  ferners  zuruckgelangen,  requiriern  und  dergleichen  seiner
discretion  und  guetachten  nach  zu  verfahrn.“

6.  Obgleich  die  kurkölnischen  Gesandten  die  von  Jülich  her  den
rheinischen  Stiftern  drobende  Gefahr  „hoch  angezogen“  und  insbesonders
um  Unterhalt  der  kaiserswerther,  die  kurtrierischen  um  Unterhalt  der
ehrenbreitsteiner  und  der  Grenz-Besatzungen  gebeten  haben,  so  ist  doch
beschlossen  worden,  da  die  Possidierenden  nach  dem  getroffenen  Vergleich
  ‚ihr  Volk  entlassen  müssen,  auch  das  des  Bundes  ganz  zu
verabschieden;  nur  ist  Kurtrier  und  Kurköln,  damit  sie  während
der  Abdankung  des  Volkes  der  Possidierenden  gesichert  sind,  die
Unterhaltung  von  60  Pferden  auf  zwei  Monate  vom  Tage  dieses
Abschiedes  an  bewilligt  worden.

7.  Wie  zu  Augsburg  angeregt  worden,  wurde  nun  ein  Schreiben
an  den  Papst  und  an  den  König  von  Spanien  entworfen,  um  beide  von
dem  münchener  Vertrag  mit  den  Protestanten  zu  benachrichtigen;
Köln,  Trier,  Würzburg  und  Augsburg  sollen  als  Adjunkten  mitunterzeichnen.


8.  Die  Gesandtschaft  nach  Frankreich  und  Lothringen  ist
möglichst  zu  befördern;  da  der  Bischof  von  Speier  sich  entschuldigt  hat,
soll  dem  Grafen  Frobenius  von  Helfenstein  durch  die  Bundesobersten  ein
anderer  Graf  zum  Begleiter  erhandelt  werden;  ist  keiner  zu  finden,
so  soll  Helfenstein  allein  reisen.!  —  Die  Abordnung  an  Erzherzog

_  4  Der  Abschied  steht  im  Auszug  bei  P.  P.  Wolf,  Geschichte
Maximilians  I.;  IIL,  S.39  f.  —  Am  gleichen  Tag  errichteten  die  rheinischen

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  27

April  30.
        <pb n="440" />
        April  30.

Bade)

418  1611  172—173.

Albrecht  wollen  die  kurfürstliichen  Gesandten  gleich  ins  Werk
setzen.  —  Ob  die  Gesandtschaft  nach  Venedig  anzustellen  sei,
wird  den  Bundesobersten  überlassen.  Geschehen  zu  Wirzburg  den
30.  aprilis  im  jar  1611.

Mc.,  Entstebung,  Fasz.  V.,no,  37,  f.  149;  Kpt.  von  Leuker.  —  Wmr.,  Religionsakten,
Bad  13,  no.  123;  Or!

173.  Instruktionen  des  Fürsten  Christian  von  Anhalt
für  Johann  von  Dordt  zur  Schickung  an  König
Matthias  und  an  die  böhmischen  Stände.

A.  Hauptmemoriale.

I.  Zur  Werbung  beim  König:

1.  Dank  für  das  Schreiben  vom  19.  März,  das  Schönburg  überbracht
  hatte?  2.  Mitteilung  von  dem  zwischen  Kursachsen  und
Kurbrandenburg  getroffenen  Akkord;  Ratschlag,  beiden  Kurfürsten
deshalb  zu  gratulieren  und  sich  bei  ihnen  also  zu  insinuieren.  3.  Bisher
wurde  kein  Unionstag  ausgeschrieben,  doch  soll  der  König  zeitig  genuz
von  der  Ausschreibung  benachrichtigt  werden.  O0.  D.

O.  Zur  Werbung  bei  den  böhmischen  Ständen:

1.  Wünsche  guten  Erfolgs  zu  deren  Vornehmen.  Der  Fürst  war  wege
des  jülicher  Wesens  lange  von  den  böhmischen  Grenzen  abwesend,  doch  hat
er  auch  so  stets  der  Stände  bestes  in  Acht  genommen.  2.  Ihren  Bericht  vom
9.  März  3  wegen  des  Einfalls  u.  s.  w.  hat  der  Fürst  erst  zu  anfang  des  Apr]

Stände  unter  sich  noch  einen  besonderen  Rechnungsrezess  mit  der  Bestimmunr.
dass  jeder  rheinische  Bundesstand  seine  Spezialrechnung  mit  Belegen  bis  zu
30.  Mai  der  mainzischen  Kanzlei  einzuliefern  habe;  ebenso  sollen  binnes
sechs  Wochen  alle  Ausstände  an  die  rheinische  Kasso  geliefert  werden  (Wınz,
Religionsakten,  Bd.13;  —  Kpt.).  Ein  gleicher  Rezess  der  Oberländer  fehlt,
dagegen  liegt  (in  Wmz.,  a  a.  O.)  ein  Rechnungsauszug  der  oberländiscbeu
Kasse  vor,  wonach  diese  Kasse  einschliesslich  der  Beiträge  des  Papstes
(16666  fl.  40  krz.,  und  Spaniens  (9VU000  fl.y)  und  der  bairischen  und  augr
burgischen  Vorschüsse  (129  053  fl.  und  52000  fl.)  547048  fl.  49  krz.  erhalten.
aber  (hauptsächlich  für  die  R«gimenter  von  Maradas,  Mörsberg  und  Ba
lung)  569703  fl.  19  krz.  5  h.  ausgegeben  hatte.  —  Die  am  Nachmittag  des
28.  April  verabschiedeten  Partikularpunkte  blieben  aus  dem  Abschied  weg
und  wurden  in  ein  besonderce  Verzeichnis  gebracht  (Wmz.,  Religionsakter.
Bd.  12,  no.  124,  Kpt.)..  Dem  Abschied  trat  ausser  den  Teilnehmern  de
Versammlung  nachträglich  noch  der  Bisch-f  von  Worms  bei  (Bischof  sw
Worms  an  Kurmainz  am  3.  Mai;  Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  132;  Or.

!  Kurmainz  schlug  am  5.  Mai  für  diese  Schickung  neben  Helfenstei
den  Grafen  Johann  von  Hohenzollern  vor  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  130;  Kpt..
Herzog  Maximilian  von  Baiern  aber  mit  Rücksicht  darauf,  dass  die  katholisch
Union  meist  aus  geistlichen  Ständen  testehe  und  man  geübte  Leute  vwwenden
  müsse,  weil  man  es  in  Frankreich  mit  „refierigen*  Köpfen  zu  tu
habe,  den  Dompropst  Arnold  Bucholz  von  Hildesheim  (Baiern  an  Kurmais!
am  20.  Mai;  Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  148;  Or.).

?  Vgl.  no  105,  8.  256.

®  Vgl.  no.  81,  8.  182,  Anm.  4.
        <pb n="441" />
        173.  1611  419

empfangen;  er  hat  keinen  Augenblick  daran  gedacht,  dass  die  den
Ständen  zugemessenen  Auflagen  wahr  sein  könnten  und  zweifelt
nicht,  die  Stände  werden  die  Gelegenheit  zur  Beförderung  der  Ehre
Gottes  und  zur  Erhaltung  gemeiner  Libertät  gebrauchen.  Sie  werden
sich  auch  sicherlich  bei  ihren  Erfolgen  so  zu  benehmen  wissen,
dass  sie  nicht  durch  Geringschätzung  des  geringen  leopoldischen
Kriegsvolks  das  Feuer  wieder  über  Hand  nehmen  lassen.  Erbieten
zur  Korrespondenz.  O.D.

B.  Nebenmemoriale,

I.  Zur  Werbung  beim  König:

1.  Der  König  ist  im  Privatgespräch  daran  zu  erinnern,  dass  er
sich  ein  für  allemal  vor  bösen  Räten  sichere,  damit  sie  nicht
wieder  aufkommen  und  das  letzte  ärger  werde  als  das  erste;  darüber
ist  auch  mit  Thurn,  Herberstein  und  Lucan!  zu  reden.  2.  Sollte
ein  Vergleich  zwischen  Kaiser  und  König  getroffen  werden,  so  ist
darüber  ehestens  zu  berichten.  3.  Es  ist  zu  erkunden,  wie  sich
Sachsen  gegen  den  König  erweist  und  was  man  deswegen  hoffen  kann.
4.  Weitere  Aussagen  der  kaiserlichen  Räte,  Aerzte  u.  s.  w.,  die  gegen  den
König  etwas  vornehmen  sollten,  sind  dem  Fürsten  mitzuteilen.  5.  Es  ist
zu  erforschen,  was  der  Nuntius  und  Zuniga  gutes  kochen?  6.  worauf
es  mit  Braunschweig,  Leuchtenberg,  Barvitius  und  Wacker?  besteht?
7.  was  Erzherzog  Albrecht  bei  diesen  Sachen  tut  und  wie  der
König  gegen  ihn  affektioniert  st?  8.  Khlesl  ist  des  Fürsten  Gruss  zu
vermelden  und  ihm  zu  sagen,  dass  Schönburg  seiner  in  allem  guten
gedacht  habe;  er  möge  bei  seinem  guten  Vorsatz  beharren  und,  wenn  er
dem  Fürsten  schriebe,  wolle  dieser  auch  antworten.  9.  Es  ist
zu  berichten,  wie  das  königliche  und  böhmische  Kriegsvolk  beschaffen
und  was  dessen  Vorhaben  ist?  10.  wie  es  mit  Magazin  und  Vorrat
steht  ?  11.  Der  Zustand  des  passauer  Volks  ist  zu  schildern.
12.  Die  Vornehmsten,  denen  D.  sich  anzuvertrauen  hat,  sind:  Thurn,
Herberstein,  Zierotin,  Losenstein,  Wilhelm  Lobkowitz,  Fels,  Budoweec,
Ruppa,  Wallenstein,  Karl  von  Lichtenstein,  Lucan,  Thurzo,  Seifried
Kollonitschh  Beichard  von  Starhemberg,  Tschernembl  und  Graf
Friedrich  von  Fürstenberg.  13.  Es  ist  zu  erkunden,  wie  die  Geistlichen,
besonders  Mainz,  Würzburg  und  Salzburg  mit  dem  König  stehen?
14.  Korrespondenz  in  Ziffern.  15.  Der  Fürst  will  bis  3.  oder  4.  Mai
[a.  St.]  in  Bernburg  bleiben  und  um  Pfingsten  zu  Amberg  sein;  darnach
ist  die  Korrespondenz  anzustellen.  16.  Was  ist  aus  Italien  an
Kriegsvolk  zu  erwarten  und  was  will  der  Papt  bei  der  Sache  tun?
Ist  Aussicht  auf  einen  Türkenkrieg?

I  Oberstleutnant  im  Dienste  Rosenbergs;  L.  vornehmlich  führte  die
Verhandlung  wegen  Zertrennung  und  Abdankung  des  passauer  Volkes.

?  Dr.  Johann  Matthias  Wacker  von  Woackernfels  auf  Jungferndorf,
Referendar  des  Reichshofrates.

27*

April

nde].
        <pb n="442" />
        [April
Ende].

Mai  1.

420  1611  173—  114.

II.  Zur  Werbung  bei  den  böhmischen  Ständen:

Wie  können  die  böhmischen  Stände  des  passauer  Volkes  ledig
werden?  —  Da  dies  Volk  noch  zwei  bis  drei  Monate  im  Lande  bleiben
möchte  und  allerlei  Zwischenfälle  eintreten  könnten,  zu  einer  Aktion  mehr
Volk  und  Vorrat  vorbanden  sein  müsste  und,  wenn  man  Volk  aus  dem  Reich
oder  der  Nachbarschaft  einführte,  die  Krone  Böhmen  darüber  zu  grunde
gehen  könnte,  so  sieht  der  Fürst  zu  obigem  Zweck  nur  zwei  Wege:
1.  die  Passauer  mit  der  Länge  der  Zeit  auszumatten,  wozu  aber  grosse
Vorsicht  .  gehört  und  wobei  die  Untertanen  auch  sehr  beschwert
würden  oder  2.,  die  Passsauer  mit  Geld  abzufinden,  was  vielleicht  das
beste  Mittel  wäre.  Damit  es  aber  nicht  aussieht,  als  geschehe  es  aus
Not  und  Zwang,  so  könnte  diese  Abfindung  durch  Interposition  des
Fürsten  als  eines  Soldatenfreundes  zur  grösseren  Reputation  des  Königs
und  der  Stände  geschehen.  Dordt  soll  darüber  mit  Lucan  reden.

Wenn  Thurn  und  Herberstein  diesen  Weg  ratsam  finden,
könnte  Dordt  desselben  beim  König  gedenken  ;  dabei  wäre  darauf  zu
sehen,  dass  das  passauer  Volk  völlig  abgedankt  und  es  verhütet  werde,
dass  es  sich  wieder  sammle,  sonst  könnte  des  Fürsten  Intention  bi
den  Unierten  leicht  anders  verstanden  werden.  Würde  man  aber
das  passauer  Volk  los,  so  würden  die  Unierten  es  dem  Fürsten  Dank

wissen.  0.  D.
Bbg.,  A  9a,  no.  166.,  f.  132;  Kptkopie.!

14.  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  an  den  von
Sachsen.

Eben  wollten  wir  E.  L.  unsere  Gedanken  wegen  der  begehrten
Abordnung  nach  Prag  weiter  entdecken?  als  E.  L.  fernere
Anmahnung  vom  16./26.  April  einlief.?  Wir  lassen  nun  dahingestellt

-——  —_

t  Johann  von  Dordt  war  Generalkommissar  und  Proviantmeister  im
Kriegslager  vor  Jülich  gewesen  und  wurde  von  Fürst  Christian  noch  mit
besonderen  Empfehlungen  an  den  König  und  an  die  böhmischen  Stände,  an
Herberstein  und  Thurn  ausgerüstet,  damit  er  in  Böhmen  Dienst  finde  \Bbg.
a.a.  O.,  f.  136;  Kpt..,  —  Am  7.  Mai  berichten  sowol  die  kursächsischen
Gesandten  (vgl.  unten  no.  181)  als  Bodenius  (Mc.,  Entstehung,  Fass.  Il,
n0.  26,  f.83  ;  Or.  eigh.‘  von  Dordts  Anwesenheit  zu  Prag.

?  Schon  am  12/22.  April  hatte  Kurbrandenhurg  die  erste  Aufforderung
Kursachsens  (vom  8./18.  April),  Gesandte  nach  Prag  abzuordnen,  mit  dem
Hinweis  darauf  abgelehnt,  dass  er  mit  dem  Kaiser  nicht  ausgesöhnt  und
weder  von  diesem  noch  von  Kurmainz  ersucht  worden  sei,  also  nicht  wissen
könne,  wie  der  Kaiser  eine  solche  Abordnung  aufnehmen  möchte;  als  des
Kurfürsten  Vater  sich  1608  in  derselben  Sache  wolmeiuend  interpociert,
habe  man  dessen  Gesandte  doch  von  der  Handlung  ausgeschlossen;  auch
sei  die  Zeit  zu  einer  Abordnung  zu  kurz  und  würden  die  Gesandten  zu  spät
kommen  ;  doch  wolle  der  Kurfürst  der  Sache  nochmale  nachdenken  und
baldigst  seine  Entschliessung  mitteilen  (Drs.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer
Kriegsvolks,  f.  195;  Or.).

®  Der  Kurfürst  von  Sachsen  schrieb:  Da  höchste  Gefahr  im  Versug
ist,  jeder  Kurfürst  sich  Amts  und  Pflichten  halber  des  Reichshauptes  an
        <pb n="443" />
        174.  1611  421

sein,  in  wieweit  wir  als  Kurfürst  verpflichtet  sind,  uns  des  Kaisers
auch  unser  unersucht  anzunehmen,  da  eine  Verpflichtung  doch  nur  in
dem  Fall  eintreten  kann,  wenn  der  Kaiser  nach  vorhergehender  Beratung
mit  den  Kurfürsten  etwas  anfängt  und  dabei  in  Gefahr  gerät;  wir  lassen
auch  dahingestellt,  ‚dass  wir  alsdann  allein  uns  unersucht  in  dem
werk  mit  einzulassen,  wan  niemand  unserer  mitchurfürsten  ersucht  ;“
nun  ist  aber  ein  Teil  ersucht,  wir  aber  sind  jetzt  ebenso  wie  in
der  pfälzischen  Vormundschaftssache  übergangen  worden.  Wir  besorgen
  ferner,  dass  diese  Unterbandlung  allem  Ansehen  nach  nicht
ohne  Verweis  des  Kurfürstenkolleggs  abgehen  wird,  weshalb  uns
um  so  bedenklicher  ist,  uns  ihrer  teilhaftig  zu  machen.  Dazu
bleibt  das  Kolleg,  auch  wenn  wir  uns  hinzu  tun,  unergänzt;  wir  wissen
ferner  nicht,  wie  unsere  Vorstimmenden,  Trier,  Köln  und  Pfalz,  uns  einen
solchen  Schritt  deuten  würden,  der  uns  nicht  dem  Kurverein
durchaus  gemäss  zu  sein  scheint.  Zudem  kann  nicht  ausbleiben,  wie
es  auch  aus  den  vorigen  Handlungen  und  aus  dem  Vortrag,
den  jüngst  des  Königs  Gesandter  vor  E.  L.  getan  hat,!  erhellt,  dass,
wenn  wir  als  Unterhändler  auftreten,  wir  uus  auch  zur  Bürgschaft
für  das  Abgehandelte  bewegen  lassen  müssten.  Es  würde  uns  aber
ungelogen  sein,  sollten  wir  nachher,  wenn  dem  Vertrag  nicht  durchaus
  genügt  wird,  von  einem  oder  den  andern  Teil  in  Anspruch
genommen  werden,  wie  03  nach  Polheims  Vortrag  jetzt  schon  geschieht  ;
denn  dadurch  würden  wir  selbst  uns,  statt  unserem  Oberhaupt
Beistand  zu  leisten,  nur  zu  weit  vertiefen  und  zwar  so  sehr,  dass
wir  nicht  sehen,  wie  es  ohne  grossen  Verweis  für  uns  abgehen
könnte,  aller  anderen  Ungelegenheiten  zu  geschweigen.  Wäre  ferner
auch  schon  unsere  Unterhandlung  dem  Kaiser  nicht  unannehmlich,
so  wissen  wir  doch  nicht,  ob  sie  dem  anderen  Teil  gefällig  ist  und  ob
uns  nicht  von  diesem  ein  Despekt  widerfahren  würde,  zumal  er
der  Stadt  Prag  weitaus  mächtiger  ist  als  der  Kaiser.  Haben  doch
die  böhmischen  Stände  dem  Herzog  von  Braunschweig  ziemlich  hart
zugesprochen,  weil  er  sich  etwas  eifrig  bei  dem  Werk  erzeigt  hat,
und  wer  will  sagen,  wie  es  erst  ablaufen  möchte,  wenn  der  böhmische

nehmen  muss,  so  möge  Kurbrandenburg  schleunige  Abordnung  nach  Prag  tun,
damit  jeder  desselben  Eifer  zur  Erhaltung  der  kaiserlichen  Würde  erkenne,
wozu  in  solchen  Fällen  jeder  Kurfürst  auch  unersucht  schuldig  ist.  Despekt
ist  nicht  zu  besorgen;  der  Kaiser  wird  die  ihm  zum  besten  gemeinte  Abordnung
  gnädigst  vermerken;  überdies  werden  die  sächsischen  und  mainzischen
Gesandten  neben  dem  Herzog  von  Braunschweig  unterbauen,  damit  Kurbrandenburg
  nicht  nur  nichts  wi.lerwärtiges  zustösst  sondern  hoffentlich  die
Aussöhnung  und  Bestätigung  des  jüterbogker  Vergleiche  erfolgt  ıDre.,  a.  a.  O.,
[.198;  Kpt.  von  Schönberg).

ı  Der  Kurfürst  von  Sachsen  hatte  am  13./23.  April  Polheims  Werbung
und  den  Bescheid  darauf  (vgl.  no.  151)  nach  Berlin  mitgeteilt  und  Kurbrandenburg
  gebeten,  Polheim  die  gleiche  Aniwort  zu  erteilen,  damit  man
daraus  der  Kurfürsten  Einmütigkeit  und  deren  Unwillen  über  das  gegen
den  Kaiser  geübte  Verfahren  erkenne  (Drs.,  a.  a.  O.  f.  187;  Kpt.  von
Schönberg).

Mai  1.
        <pb n="444" />
        Mai  1.

422  -  1161  174.

Pöbel  einmal  erst  recht  erhitzt  ist?  Beklagte  man  sich  nachher
darüber,  würde  man  zum  Schaden  noch  den  Schimpf  haben,  weil  in  der
Sache  nicht  collegialiter  vorgegangen  worden  sei.  Zudem  hat  sich  der
Herzog  von  Braunschweig  ohne  all  unser  Verschulden  sehr  unfreundlic
gegen  uns  erzeigt,  denn  er  hat  uns  auf  wiederholte,  selbst  eigenhändige
  Schreiben  nicht  geantwortet;  wir  sind  daher  ganz  ungewiss,
wie  weit  er  sich  bemühen  wird,  uns  vor  Despekt  bei  der  Handluns
zu  behüten.!  Auch  bedenken  wir,  wenn  wir  schon  bei  de
jetzigen  Läufen  (was  uns  sehr  lieb  wäre)  mit  dem  Kaiser  ausgesöhnt
würden  und  ihm  dagegen  treuen  Beistand  leisteten  ,  dass  sich  dee
nachher,  wenn  es  zu  besserem  Stande  gekommen  wäre,  Leute  finden
dürften,  die  den  Kaiser  bereden  möchten,  als  sei  er  durch  sokt:
Aussöhnung,  die  zu  „ungleicher“  Zeit  geschehen  sei,  nicht  verbunder
Ferner  haben  wir  kraft  unserer  Union,  ebe  E.  L,  uns  etws
von  der  Sache  geschrieben  haben,  den  Administrator  der  Kur
pfalz  um  dessen  Gutachten  ersucht,  welches  wir  nun  erwarten  müsser.
Endlich  wissen  wir  nicht,  wie  und  zu  welchem  Ende  die  Beordnung
  von  uns  verlangt  wird,  können  aber  in  so  wichtiger
Sache  die  unseren  nicht  „cum  libera“  abfertigen;  es  würde  sich  and
niemand  mit  so  ungemessenem  Befehl  beladen  lassen  ;  dagegen
sehen  wir  aus  einem  Schreiben  E.  L.  an  Braunschweig,?  dass
sich  mit  Mainz  schon  lange  vor  unserer  Zusammenkunft  zu  Torga
verglichen  hatten,  was  durch  die  Ihrigen  zu  Prag  zu  handeln  ei,  S
dass  wir  abermals  nicht  finden  können,  wie  wir  bei  solcher  Br

ı  Der  Herzog  von  Bra  unschweig  hatte,  wie  er  am  18./28.  April  «
Kursachsen  schrieb,  sogleich  beim  Kaiser  wegen  Kurbrandenburg  angefraf
und  durch  Minckwitz  den  Bescheid  erhalten,  dem  Kaiser  werde  die  Ankır:
eines  kurbrandenburgischen  Gesandten  nicht  nur  wolgefällig  sein  sonder  e
werde  denselben  gern  hören  und  „wer  vor  disem  was  widriges  vorgelaufe.
daran  weren  I.  M.!  unschuldig  und  were  der  leute  schult,  so  es  verhindert
und  I.M.!  nicht  gebürlich  vorbracht“.  Braunschweig  versicherte,  dass  weit
der  Kurfürst  noch  dessen  Räte  etwas  Nachteiliges  zu  befahren  haben  würde
(Dre.,  a.  a.  O.,  f.  245;  Or.  eigh.).  —  Am  2.  Mai  wandte  sich  der  Her
unmittelbar  an  den  Kur  fürsten  von  Brandenburg:  DaSigmund  von  Götze  befehlist
sei,  sich  eventuell  beim  Kaiser  anzumelden,  so  habe  er,  Herzog,  die  Audiens  fü
ihn  befördert,  dienur  wegen  des  Kaisers  Schwachheit  bisher  unterblieben  sei.  Ta
zu  zeigen,  wie  guter,  Herzog,  es  mit  dem  Hause  Brandenburg  meine,  habe  er
neben  den  sächsischen  Gesandten  wegen  dessen  Vergleichung  und  Aussöbnug
mit  dem  Kaiser  persönlich  bemüht  und  zur  Verfertigung  eines  kaiserlickt
Dekrets  an  die  sächsischen  Gesandten  (vom  2.  Mai)  des  Inhalte  Anleitug
gegeben:  wenn  der  Kurfürst  von  Brandenburg  und  der  Pfalzgraf  von  Neuburg
um  Verzeihung  ansuchen  und  sich  künftig  schuldigen  Gehorsams  beflsissee.
so  wolle  der  Kaiser  sie  die  Wirkung  der  sächsischen  Interzession  geniesse
lassen  (Drs.,  1.  8808,  23.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  220;  Or.).  Der  Kurlür:
möge  daher  ohestens  soine  Räte  lhieher  abfertigen,  um,  da  die  Krönumg
doch  nicht  zu  hindern  sei,  wenigstens  weitern  Despekt  vom  Kaiser  abwehm
zu  helfen  und  ihm  bei  den  noch  unabgehandelten  Artikeln  wegen  Resiier:
und  Regierung  Genugtuung  zu  verschaffen  (Drs.,  1.  9167,  IL  Buch  passar::
Kriegsvolks,  f.  349;  Kopie).

’  Vgl.  no.  131.  S.  319,  Anm.  1.
        <pb n="445" />
        174—175.  1611  423

schaffenheit  zur  begehrten  Beiordnung  gelangen  sollen.  Trotz  aller  Mai  1.
dieser  gewiss  gewichtigen  Bedenken  wollen  wir  uns  aber  doch  E.  L,
Mahnung  bequemen  und  uns  dem  gemeinen  Besten  zu  Ehren  zur
Beiordnung  verstehen,  wenn  wir  vorher  genügend  versichert  werden,
dass  uns  die  Aussöhnung  beim  Kaiser  nicht  versagt  wird  und  dass  sie,
wie  auch  immer  die  Läufe  jetzt  beschaffen  sind  und  nachher  folgen,
in  Kräften  bleiben  soll.  Ferner  müssen  uns  E.  L.  mitteilen,  wessen
Sie  sich  mit  Mainz  verständigt  baben,  damit  wir  die  unsrigen  gleichmässig
  instruieren  können;  denn  es  wäre  eine  gauz  unförmliche  Beiordnung,
  wenn  die  unsrigen  nur  alles  zu  Bericht  nehmen  oder  sich
stets  der  Mehrbeit  fügen  sollten.  —  Don  Kurverein  halten  wir  für
nützlich  und  heilsam,  sind  zum  Eintritt  bereit  und  bitten  E.  L,,  uns
dazu  Tag  und  Malstatt  zu  bestimmen;  denn  bei  einem  anderen
als  E.  L,,  unserem  nächsten  Nachbar,  wollen  wir  den  Eintritt  nicht
suchen.  ‚Geben  in  aller  eil  in  unserm  hoflager  zu  Cöllen  an  der
Sprew  am  21.  aprilis  des  jares  1611.“
Dra.,  1.  9167;  JIL.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f,  320;  Or.i

175.  Brömsers  erster  Wochenbericht  aus  Prag.  0  Mai  q
-  DIE  6.
Mai  2.

Minckwitz  hat  mich  erinnert,  bei  den  Sachsen  daran  zu
sein,  dass  de  Kommunikation  mit  den  Schlesiern  und
Lausitzern  befördert  werde,  wie  der  Kaiser  begehrt,  da  Gefahr  im
Verzug  sei.  Die  Sachsen  haben  daher  mit  einigen  der  Abgesandten
geredet  und  ihnen  auch  das  kaiserliche  Handschreiben  ?  gezeigt.  —
Darauf  liess  der  Landgraf  von  Leuchtenberg  die  Sachsen  in  seine
Wohnung  berufen  und  sagte  ihnen  in  Gegenwart  Mollarts:  da  der  König
und  die  Stände  so  sehr  auf  die  declaratio  banni  gegen  die  Passauer
drängen,  wolle  der  Kaiser  hierüber  der  Gesandten  Gutachten  hören.
Die  Sachsen  erklärten,  sich  zuvor  mit  Braunschweig  und  mir  unterreden
  zu  wollen.  Dies  geschah.  Der  Herzog  berichtete,  dass  der
Kaiser  schon  vordem  zweimal  die  Achtsandrohung  habe  ergehen  lassen,
was  nicht  mehr  zurückgenommen  werden  könne;  .doch  sollen  in  der
Deklaration  die  „Narrata“  möglichst  beschränkt  und  bemerkt  werden,  dass

ı  Am  mp  erklärte  Kurbrandenburg  nochmals  in  einer  Antwort

auf  ein  eigenhändiges  Schreiben  Kursachsens:  „Wann  dann  ich  nicht
zweiffele,  mein  bruder  werde  mein  voriges  schreibenn  inmittels  wol  enttpfangen
  vndt  darauss  mein  bedencken  vndt  freundtliches  erbietten  mitt
mebrem  vernommen  haben,  so  bin  ich  der  gentzlichen  hoffnung,  der  herr
bruder  werde  mich  gestalden  dingen  nach  wol  entschuldigett  halden,  desswegen
  ich  dan  meines  bruder:  fernerer  communication  gerne  gewertig  sein
wndt  mich  in  allen  also  erzeygen  will,  wie  688  einem  getrewen  churfursten
dess  reiche  wol  anstehett,  eigenett  vnd  gebuorett.  Habe  ess  u.  s.  w.“  (Dre.,
aa.  O.,  f.  397;  Or.  eigh.).
»  No.  160,  8.  396,  Anm.  1.
        <pb n="446" />
        Mai
2.  bis  7.

424  1611  173.

die  Willfahrung  auf  inständiges  Anhalten  des  Königs  und  der  Stände
geschehe,  ebenso  solle  noch  eine  gewisse  Zeit  zur  Aussöhnung  offengelassen
  werden.!  Dies  eröffneten  wir  dann  den  geheimen  Räten  auf
dem  Schloss.?

1  Kopie  eines  kaiserlichen  Achtsmandats  regen  die  Passauer  in  Drs,
1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegevolks,  f.  346.  Gerstenberg  bemerkt  dazu:
„Ex  autographo  domini  Brunsvicensis;  nos  monuimus  per  Hofmann,  inserendam
esse  clausulam  suspensivam  ad  8  vel  10  dies,  si  qui  velint  resipiscere  et
esse  rationabilee.  Dom.  Brunsvic.  respondit:  er  hett  es»  mussen  machen,  wie
es  die  geheimen  räht  ihm  bevohlen,  die  wurdens  wol  reformiren.*

?  Lüttichau  und  Gerstenberg  berichten  am  Zap  zer!  noch  über  ein  am
Vortag  gehaltenes  Gespräch  mit  Khlesl,  der  wieder  über  Nichteinhaltung  des
Vertrags  und  über  den  Einfall  klagte  und  versicherte,  man  wolle  königlicherseits
alles  nur  „moderato  und  legitimo  modo*  durchsetzen  ;  die  Sachsen  möchten  dagegen
nichts  tentieren  und  dem  Kaiser,  der  ohnehin  wankelmütiger  Natur  sei,  nicht  Aniass
geben,  das  Bewilligte  wieder  zurückzunehmen,  —  denn  die  Königlichen  halten  die
Landtagsproposition  für  des  Kaisers  Entschliessung  —  sie  müssten  sonst  alle
folgenden  Unzukömmlichkeiten  den  Gesandten  zuschreiben;  dass  die  Herrn  von
Oesterreich  wegen  hohen  Alters  die  Regierung  an  den  Nachfolger  abtreten,  sei
nichts  neues;  „sie  könten  und  wolten  nunmehr  in  illo  puncto  resignationis
keine  enderung  noch  handlung  leiden  noch  zugeben“.  Darauf  die  Sachsen:
Sie  seien  nicht  befehligt,  Widerwärtigkeiten  anzustiften  sondern  die  vorige
Mishelligkeit  abzuwenden.  Sie  hätten  aber  nicht  gehört,  dass  alle  Sachen
zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König  richtig  seien  sondern,  dass  der  Kaiser
der  Proposition  etliche  Bedingungen  angehängt  habe,  auf  welche  die  Böhmen
so  geantwortet  hätten,  dass  der  Kaiser  schwerlich  damit  zufrieden  sein
könne;  auch  wüssten  sie  nicht,  ob  die  Resignation  (wie  die  der  früheren
Herrscher)  frei  willig  geschehen  sei;  im  Reich  seien  solche  „armata  comitia®
nicht  gebräuch  lich.  Da  man  aber  keine  Handlung  mehr  leiden  könne  noch
wolle,  8o  möge  man  ihnen,  den  Gesandten,  eine  schriftliche  Abfertigung  geben,
wie  bei  allen  Gesandtschaften  gebräuchlich  sei,  der  Kurfürst  werde  darauf  das
seine  zu  tun  wissen.  Darauf  Kblesl:  Der  Kaiser  und  der  König  seien
schon  in  der  Hauptsache  (er  meinte  damit  die  Resignation  und  die  Ab
tretung  Böhmens)  verglichen,  darum  könne  man  keine  Handlung  mehr  leiden;
doch  könnte  in  dem  Modus  noch  vielleicht  etwas  remediert  werden.  —  Dann
fieng  Zierotin  an,  den  Vorwurf  der  „armata  comitia®  zu  verantworten  mit
langer  Ausführung,  wie  man  die  Ungarn,  Oesterreicher  und  Mährer  behandelt
habe;  er  selbst  habe  1000  Dukaten  für  eine  Audienz  geboten,  sie  aber  nicht
erlangen  können.  Diese  und  viele  andere  Beschwerden  hätten  vor  drei  Jahren
die  Stände  in  die  Waffen  gebracht  und  jetzt  wieder  u.  8.  w.  Wie  vergeblich
habe  Christian  von  Anhalt  um  Abstellung  der  Beschwerden  angehalten.  —
Die  Sachsen  brachten  darauf  vor,  weshalb  ihr  Herr  gegen  solches  Verfahren
Bedenken  hätte  und  wie  er  sich  deshalb  gegen  die  evangelischen  Unierten
erklärt  habe;  der  Kaiser  sei  für  entschuldigt  zu  halten,  da  er  gemäss  dem
Religionsfrisden  und  der  Wahlkapitulation  schuldig  sei,  zwischen  den  Ständen
beider  Religionen  die  Wage  zu  halten,  wenn  die  Evangelischen  sich  gegen
die  Katholischen  beschweren,  müsse  er  sie  hören  und  umgekehrt;  wern
nicht  alle  Stände  ihre  Gravamina  zusammentragen,  könne  der  Kaiser  einem
Teil  so  wenig  gratifizieren  als  dem  andern.  Dabei  blieb  ee.  —  Der  Kaiser
iet  totkrank  geworden,  der  König  lag  vorige  Woche  drei  Tage  zu  Bett;  es
sieht  aus,  als  wolle  Gott  selbst  in  den  Streit  eingreifen  (Dra.,  I.  9167,
II.  Buch  passauer  Kriegevolks,  f.  332;  Or.).
        <pb n="447" />
        175.  1611  425

Mai  3.  9  Mai  7
.  DIE  I.
Wegen  Slawatas  und  Smeczankys,  ebenso  wegen  Hannewalds  und  Hegenmüllers

  Freilassung  vgl.  man  den  Bericht  der  sächsichen  Gesandten.!  —
Da  wir  und  der  Herzog  von  Braunschweig  das  befremdliche  Verfahren
gegen  des  Kaisers  und  Reiches  Hofräte  der  kaiserlichen  Hoheit  und
dem  ganzen  Reich  für  sehr  verkleinerlich  ansahen,  haben  wir  durch
Gerstenberg  beiliegendes  Memorial?  an  die  Stände  zu  schleuniger

ı  Am  =  sen  berichten  Lüttichau  und  Gerstenberg:  Polheim  ist

zurückgekehrt.  Die  neuburgischen  Gesandten  haben  uns  und  Brömser  besucht
  und  mitgeteilt,  dass  auch  ihr  Herr  den  Kaiser  beispringen  wolle,
weshalb  er  ihnen  Beglaubigungen  an  uns  geschickt  habe.  Auf  ihre  Bitte,
ihnen  das  bisher  Verhandelte  mitzuteilen,  forderten  wir  sie  auf,  das  Erbieten
  ihres  Herrn  dem!Kaiser  selbst  vorzutragen,  der  sie  dann  nach  geinem  Willen
anweisen  werde:  darauf  wollten  wir  ihnen  alles  mitteilen.  —  Slawata  und
Smeczansky  sind  heute  ing  Burggrafenamt  erfordert  worden,  wo  ihnen  angezeigt
wurde,  „dass  sie  das  böhmische  recht  hetten  ausgestanden  ;  weil  sich  dann  befunden,
  das  sie  ganz  unschuldig  sein,  so  werde  man  ihnen  brief  und  sigel  geben
dass  sie  ehrliche  leut  sein  und  desswegen  keinen  verweiss  haben  sollen;  seind
also  dimittiert.*“  Nachher  wurden  Hannewald,  Hegenmüller  und  Heidelius
vorgefordert  und  ihnen  dasselbe  mit  dem  Anhang  angezeigt,  „was  den  arrest  anlange,
  rüre  derselbige  von  andern  orten  her“  ;  darum  sollten  sie  sich  in  ihre  vorigen
Losamente  begeben.  Hannewald  hat  gefragt:  ob  der  Arrest  vom  König
oder  von  den  Ständen  herrübre,  damit  sie  wüssten,  wo  sie  weiter  anhalten
sollten.  Es  ist  aber  nur  wiederholt  worden:  er  rühre  von  anderen  Orten
her;  „seind  also  wieder  in  ihr  quartier  [d.  h.  in  Haft]  gefahren“.  Hannewald
  und  Hegenmüller  suchen  desbalb  setr  fleissig,  dass  wir  uns  ihrer
annehmen.  Wir  wollen  darüber  mit  dem  Kaiser,  Braunschweig,  Brömser
und  den  Pfalzgräfischen  beraten  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  339;  Or.).

?  Begehren  der  kursächsischen  und  des  kurmainzischen  Gesandten  vom  2.  Mai
an  die  böbmischen  Stände,  die  beiden  Reichshofräte  und  den  Reichspfennigmeister
[Welser]  ihnen  zu  übergeben.  —  Die  Gesandten  verbürgen  sich  darin  für  die
drei,  dass,  falls  jemand  diese  in  Zivil-  oder  Kriminalsachen  ansprechen  würde,
sie  sich  zur  Verantwortung  stellen  und  das  Urteil  leiden  würden  (Wimz.,
Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  109).  —  Das  Begehren  wurde  am  4.  dem
Grafen  Joachim  Andreas  Schlick  übergeben,  der  die  Vorantwort  erteilte,  „dass
sie  [die  Räte]  bis  anhero  der  stände  in  Böhmen  verhafte  und  gefangene
nicht  gewesen;  es  wurden  itzo  von  der  kgl.  M.t  in  Ungarn  wider  Hanniwalden
  und  Hegenmällern  in  die  60  articul  ubergeben,  darauf  sie  noch
examiniret  und  vernommen  werden  müssten“.  —  Die  Aussagen  der  beiden
am  2.  Mai  liegen  gedruckt  vor  bei  W.  Hanka,  Korrespondenz  zwischen
Kaiser  Rudolf  u.  s.  w.  in  Betreff  des  Passauischen  Kriegsvolks  (Abhandlungen
der  böhmischen  ‘Gesellschaft  der  Wissenschaften,  V.  Folge,  4.  Bd.,  8.  82).  —
Das  Verhör  mit  Welser  findet  sich  unter  dem  Titel:  „Ungefehrliche  verzeichnuss,
  was  herr  Wenzel  Kintzsky  in  der  behmischen  stend  namen  Mattlıeum
Welsern  gefragt  bat“.  —  „1.  Warumb  er  bieher  komben  ?  2.  Warumb  er  so
lang  hier  gelegen?  3.  Ob  er  den  freiherrn  von  Söttern  kenne?  4.  Ob  er
ihm  nit  zue  Augspurg  geld  geben,  warumb  und  auf  wes  anordnung?  5.  Ob
er  nit'gewisset,  8  solch  geld  dem  passauischen  volk  zum  besten  gemeint
sei?  6.  Ob  er  nit  im  monat  augusti  ainen  aigenen  diener  mit  einer  grossen
summa  gelds  narh  Freiburg  geschickt?  Warumb?  auf  wess  bevelch?  und
ob  nit  dem  Pistorio  ein  thail  von  demselben  geld  zuekomben?  7.  Weiln  er
gesaget,  er  sei  seiner  rechnungen  halben  hier  gelegen,  warumben  er  sich
dan  deren  von  chur-  und  fürsten  bewilligten  40  monaten  underfangen,  was
        <pb n="448" />
        2.  bis  7.

426  1611  175.

Vebergabe  verfassen  und  dem  Herzog  mitteilen  lassen.  —  Audienz
der  Neuburger  [wie  im  Bericht  der  Sachsen  vom  8.  Mai]!.

Mai  4.

Verhandlung  mit  den  Schlesiern.  Deren  Ausschuss  bestand
aus  den  Herrn  von  Promnitz  und  von  Loss  und  einem  Syndikus.  Sie  bezogen
  sich  auf  die  vorausgegangene  Unterredung  der  Sachsen  mit  ihnen  ;
aus  dieser  hätten  sie  entnommen,  dass  wir  mit  ihnen  vertraulich  verhandeln
  wollten,  wozu  sie  bereit  seien.  Darauf  verlas  der  Herzog  von
Braunschweig  ein  Memorial,?  das  er  dann  den  Schesiern  übergeben  liess;
ein  ähnliches  übergaben  auch  die  Sachsen,?  wobei  sie  auch  meiner
gedachten  und  versicherten,  dass  Mainz  und  Sachsen  in  diesem  Fall
ganz  übereinstimmten;  ich  würde  alsbald  Vollmacht  bekommen,  ebenso
seien  auch  bald  Abordnungen  der  andern  Kurfürsten  zu  erwarten.
Darauf  erklärten  die  Abgesandten  unter  anderm  rund:  den  Schlesiern
und  Lausitzern  hätte  dies  unförmliche  und  unverantwortliche  Verfahren,
das  sie  selbst  sehen  und  empfinden,  niemals  gefallen;  sie  hätten  nie
etwas  dazu  getan,  wollten  auch  jetzt  nicht  zustimmen  sondern  sich
des  schuldigen  Respekts  gegen  Kaiser  und  Reich  befleissen,  wie  man
auch  aus  ihrem  gestern  den  böhmischen  Ständen  übergebenem  Votum  *

er  davon  empfangen  und  wie  viel  anticipirt?  8.  Was  er  von  den  bohmischen
ractiken  wisse,  weiln  man  ihme  leut  under  augen  stellen  könde,  die  gehöret,
ass  er  und  sein  sein  sohn  ubel  von  ihnen  geredet?  9.  Was  Pater  Heinricas
fur  practiken  mit  den  Jesuitern  zue  Wien  gehabt?  10.  Warumb  er  ao  oft
bei  erzherzogen  Leopoldo  und  in  seiner  kanzelei  gewesen?  11.  Was  ihme
I.  D.t  versprochen,  wan  sie  die  böhmische  cron  bekomben?  12.  Was  er
von  practiken  wider  den  könig  Matthiam  wisse?  13.  Was  man  auf  dem
lezten  reichstag  wider  den  könig  Matthiam  tractirt  habe?  14.  Wie  viel
herr  Hanniwald  geld  bei  ihme  auf  interesse  ligend  habe?  15.  Was  er  wo
oft,  sogar  auch  bei  nechtlicher  weil,  in  des  Heydelii  haus  gethan?*  (Drs,
l.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  466;  Kopie).

ı  Vgl.  oben  Anm.  1  auf  8.  425.

2  Gedruckt  bei  Hammer-Purgstall,  Ueber  die  Verhandlungen  mit
Rosenberg  während  des  Einfalls  des  Passauischen  Kriegsvolkes  u.  8.  w.
(Abbandlung  der  böhmischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften,  V.  Folge,
3.  Bd.,  8.  800).

®  Vom  4.  Mai  datiert.  Darin  wird  besonders  betont,  wie  sehr  es  die
Stände  des  Reiches  empfinden  müssten,  dass  man  gegen  ihren  Kaiser  so  unförmlich
  verfahre;  die  schlesischen  und  lausitzischen  Stände  mögen  erwägen,
was  die  Verbindung  ihrer  Lande  mit  dem  Reich  bedeute  und  was  aus  der
Abreissung  der  Lande  der  böhmischen  Krone  für  ein  Unheil  erfolgen  könnte;  die
Gesandten  mögen  daher  befördern,  dass  der  Kaiser  respektiert  und  ausser  der
Krönung  von  ihm  nichts  begehrt  werde  (Dra.,  a.  a.  O.,  f.  378;  Kopie).

*  Erklärung  der  schlesischen  Gesandten  vom  2.  Mai:  Verwahrung,
dass  die  kaiserliche  Proposition  in  Abwesenheit  der  Nebenländer  angenommen
und  verhandelt  wurde  und  dass  die  Böhmen  allein  den  Krönungstag  festsetzen
und  sich  als  Haupt  der  inkorporierten  Länder  angeben;  Erinnerung  an  die
Ursachen,  wesbalb  sich  Schlesien  freiwillig  von  Polon  zu  Böhmen  begeben
hat.  Die  Schlesier  wünschen,  dass  ihr  Land,  so  lange  Rudolf  II.  lebt,  in
dessen  Hand  bleibt;  die  Sorge  des  Kaisers  für  die  Zukunft,  indem  er  einen
Successor  designiert,  ist  aber  dankbar  anzuerkennen.  Wenn  der  Kaiser  sis  von
ihren  Pflichten  loszählt  und  Matthias  ihre  Privilegien  bestätigt,  wollen  ale
        <pb n="449" />
        175.  1611  427

sehen  könne;  nach  Beratung  mit  ihren  Prinzipalen  wollten  sie  sich  Mai  7
.  DIE  6.

weiter  erklären.  Wir  gaben  ihnen  noch  die  von  uns  erwogenen  ‚ungefährlichen
  mittel  und  vorschläge‘‘!  zur  Beratung  mit,  worauf  sie
mit  Wiederholung  obigen  Versprechens  sich  entfernten.

Darauf  berichtete  der,  dem  wir  unser  Memorial  wegen  der
Reichshofräte  zur  Zustellung  an  die  böhmischen  Stände  übergeben
hatten,  er  habe  es  dem  Grafen  von  Schlick  zugestellt,  der  ihm  angezeigt
  habe:  Die  Gefangenen  seien  niemals  von  den  böhmischen
Ständen  angehalten  worden  sondern  vom  König;  gegen  Hannewald  und
Hegenmüller  lägen  schwere  Sachen  vor,  die  abscheulich  zu  hören
wären;  der  König  werde  sie  wegen  verschiedener  Punkte,  von  denen
sechzig  sehr  wichtig  seien,  verhören.  Er,  Schlick,  bitte  und  rate,  die
Kurfürsten  möchten  sich  ihrer  nicht  annehmen,  der  König  würde
dadurch  verletzt  und  zu  anderem  verursacht  werden.  Dabei  führte
Schlick  viele  abscheuliche  leichtfertige  Rede  gegen  des  Kaisers  eigene
Person,  die  kein  ehrliebender  Deutscher  anhören  oder  dulden  darf;
ich  mag  davon  schriftlich  gar  nicht  berichten.  Schlick  hat  sich
auch  verlauten  lassen,  dass  die  Verhörspunkte  vornehmlich  gegen  den
Kaiser,  den  Papst,  den  König  von  Spanien  und  viele  Kurfürsten  und
Fürsten  des  Reichs  sich  richten.  —  Die  Sachsen  haben  an  all  dem
ihr  höchstes  Misfallen;  doch  wird  es  auch  von  vielen  andern,  die
sonst  dieser  unbesonnenen  böhmischen  Partei  wol  geneigt  sind,  eifrig
gerügt.

Mittags  wurden  die  Sachsen  durch  Mittelspersonen  zu  Zuniga
berufen,  auf  Begehren  gieng  auch  ich  zur  Mahlzeit  mit.  Zuniga  war
sebr  höflich,  sprach  von  dem  grossen  Misfallen  seines  Königs  an
diesem  Unwesen  und  von  dessen  Ueberzeugung,  dass  Sachsen  gute
Dienste  leisten  werde?  Das  passauische  Attentat  sei  unbesonnen
und  ohne  weisen  Rat  angefangen  worden;  man  habe  damit  nur  das

ihn  als  König  anerkennen.  Die  noch  unerörterten  Nebenpunkte  der  Abhandlung
mit  dem  Kaiser  sollen  dahin  gerichtet  werden,  dass  ihm  der  königliche  Titel
bleibt  und  die  Länder  die  kaiserliche  Hoheit  respektieren,  damit  man  im
Reich  den  Glimpf  bemerkt  (Wi.,  I  A  1,  Ka.  2990;  Or.).

!  No.  164.

?  Die  Sachsen  berichten  am  zen
dem  Prozess  sebr  übel  zufrieden;  er  hat  sich  heute  höchlich  bedankt,  dass
E.  kfl.Gn.  sich  der  Sache  so  annehmen  und  hat  uns  viel  Ehre  bewiesen.
„Es  laufen  unter  herr  omnes  viel  verächtliche  reden,  wie  sie  die  römische
eron  mit  gewalt  holen  wollen;  hat  auch  gestern  der  Reingraf  gedacht,  ob
wir  nicht  werben  wolten  ?  Darauf  wir  geantwortet,  es  wero  unss  nichts  davon
bevohlen,  hielten  es  aber  vor  lauter  kinderwerk,  das  man  dem  römischen
reich  die  cron  abtruzen  wurde.  Das  ärgeste,  so  bei  dieser  sach  zu  befahren,
ist  ein  universalaufstand,  daran  etliche  leut  vleisig  arbeiten.  Man  sagt,
es  sollen  sich  600  bauern  auss  des  kaisers  embtern  zusammengethan  haben,
die  wollen  nicht  mehr  arbeiten  noch  ackera.  Wans  dahin  kommen  solte,  wurde
es  an  einem  Zischka  nicht  mangeln.  Der  kaiser  ist  übel  auf  und  der  könig
baufellig,  nichts  weniger  praepariret  man  alles  zur  crönung“,  wobei  es  aber
noch  viele  Schwierigkeiten  zu  überwinden  gibt  (Drs.,  a.  a.  O..  f.  367;  Or.).

unter  anderm:  Zuniga  iet  mit
        <pb n="450" />
        Mai
2.  bis  7.

428  1611  175.

gemeine  Wesen  in  grosse  Gefahr  gesetzt.  Aus  dem  ganzen  Gespräch
war  abzunehmen,  dass  Spanien  und  Zuniga  das  ganze  Verfahren  und  das
Vorhaben  des  Königs  Matthias  nicht  gefällt,  besonders  der  Prozess  gegen
des  Kaisers  Räte;  Zuniga  versprach  auch,  sein  möglichstes  anzuwenden,
wenn  auf  unser  Memorial  eine  widrige  Antwort  erfolgen  sollte.  —  Nachmittags
  gab  mir  der  Herzog  von  Braunschweig  Abschrift  eines  eigenhändigen
  Schreibens  des  Pfalzgrafen  von  Neuburg  an  den  Kaiser
und  teilte  mir  des  Kaisers  Befehl  mit,  dass  die  neuburgischen  Abgesandten
  zu  unsern  Beratungen  zn  ziehen  seien.  Ferner  begehrte
der  Kaiser,  dass  wir  mit  dem  Nuntius  und  Zuniga  wegen  der  bevorstehenden
  Krönung  verhandeln  sollen,  wie  beiliegendes  Schreiben  ergibt.!

Mai  5.

Ich  gieng  zum  Nuntius  und  legte  laut  Beilage  ?  meine  Werbung  ab.
Derselbe  erklärte  darauf:  er  habe  sich  schon  zu  anfang  dieses  Unwesens,

1  Schreiben  eines  Ungenannten  an  den  Herzog  von  Braunschweig:
Dem  kurbranden  burgischen  Gesandten  ist  um  3  Uhr  zur  Audienz  angezeigt.
Der  Kaiser  billigt,  dass  Minckwitz  mit  Brömser  den  Verhandlungen  mit
Zuniga  beigezogen  werde;  wegen  Mollart  überlässt  der  Kaiser  dies  E.fL  Gn.
Ermessen,  da  Mollart  mit  Zuniga  sehr  intim  ist.  —  Der  Kaiser  schlägt  zur
Hinderung  der  Krönung  folgendes  vor:  Zun'ga  und  der  Nuntius  sollen
dem  König  vorhalten  „animi  fraterni  in  Caesarem  devotionem,  quam  proßitetur*;
  wolle  der  König  römischer  König  werden,  go  dürfe  er  den  Kaiser
nicht  beleidigen;  denn  auf  keinem  andern  Weg  würde  er  leichter  zum
Szepter  gelangen  als  durch  des  Kaisers  Autorität.  Wenn  der  König  die
Krönung  von  den  Böhmen  annehme,  so  würden  diese  dafür  eine  Entschädigung
durch  Privilegien  und  Deklarationen  begehren,  welche  nicht  nur  die  Religion
schädigen  sondern  auch  die  Nachfolge  des  Hauses  Oesterreich  in  diesem
Königreich  für  künftig  abschneiden  würden.  Der  Kaiser  hält  für  gut,
dass  Brömser  das  auf  die  Religion  bezügliche  Zuniga  und  dem  Nuntius
vorbringt.  Wenn  der  König  aus  Rücksicht  für  den  Kaiser  der  Krönung
ausweicht,  so  will  der  Kaiser  alles  anwenden,  um  den  König  ans  Reich
zu  bringen:  das  wird  dem  König  die  Herzen  der  Kurfürsten  gewinnen.  —
Sollte  aber  all  dies  nicht  verfangen,  so  bittet  der  Kaiser  E.  fl.  Gn  nachzudenken,
  wie  er  für  die  Tage  der  Krönung  mit  Reputation  sich  entfernen
und  dann  wieder  zurückkehren  könnte.  Die  Verhandlung  nit  Zuniga  und
dem  Nuntius  muss  alsbald  geschehen,  denn  die  Königlichen  dringen  auf
die  Krönung.  O.  D.  (Wmz.,  Reichstapsakten,  Bd.  103c,  no.  115;  Kopie).

?  Brömsers  Werbung  beim  Nuntius:  Es  handelt  sich  darum,  wie
man  diesem  Unwesen  mit  Reputation  des  Kaisers  und  des  Reiches  und
ohne  Schaden  und  Gefahr  für  die  Katholischen  in  diesen  Landen  abhelfen
kann.  Die  Stände  von  Böhmen,  Mähren  und  Oesterreich  sind  aus  Hass
gegen  die  katholische  Religion  vernünftigen  Ratschlägen  unzugänglich  ;
wenn  der  König  Matthias  diesen  Leuten  das  Obr  leiht,  ist  alles  verloren.
Man  muss  sich  deshalb  dahin  bemühen,  den  gereizten  Sinn  des  Könige
durch  Vorstellungen  und  Vernunftgründe  so  weit  zu  mildern,  dass  er  nicht
jenen  gefährlichen  Ratschlägen  nachgibt,  zumal  der  ganze  Verlauf  erkennen
lässt,  dass  die  Stände  nicht  so  sehr  die  königliche  Macht  und  den  allgemeinen
Frieden  fördern  als  ihren  Privataffekten  folgen  d.  h.  besonders  die  katholische
Religion  ausrotten  wollen.  DaE.  Herrl.t  nıit  Ihrer  Autorität  beim  König  hierin  viel
ausrichten  können  und  es  auch  gewiss  gerne  tun  werden,  so  bitten  Sie  die
anwesenden  Fürsten  und  der  abwesenden  Gesandten  und  alle  Guten  und
Friedliebenden  jeder  Religion,  durch  Ihre  Autorität  zu  verhindern,  dass  die
        <pb n="451" />
        175.  1611  429

bevor  noch  der  Einfall  geschah,  beim  Erzherzog  Leopold  mit  Ueberreichung
  eines  päpstlichen  Kreditivs  angegeben  und  dies  Vorhaben
aufs  höchste  widerraten;  es  sei  aber  übel  aufgenommen  und  ihm
gesagt  worden,  das  stamme  aus  seinem  Kopf  und  sei  nicht,  wie
er  vorgebe,  Befehl  des  Papstes.  Er  habe  darauf  erwidert,  der  Erzherzog
  möge  bei  sich  erwägen,  ob  dieser  Ratschlag  gut  sei  oder  nicht;
wenn  ersteres,  so  möge  er  sich  ihm  akkomodieren,  auch  wenn  er
aus  des  Nuntius  Kopf  sei,  sonst  könne  er  ihn  verwerfen,  auch  wenn
er  vom  Papste  komme.  Nun  gebe  der  Augenschein,  wer  es  besser
erraten  habe.  Er,  Nuntius,  habe  auch  bei  Ankunft  des  Königs
alles  mögliche,  aber  vergebens  versucht;  er  habe  auch  Khlesi  zu
sprechen  begehrt,  was  ihm  aber  mit  dem  rund  abgeschlagen  worden
sei:  da  der  Nuntius  bei  den  Ständen  so  verhasst  sei,  wolle  Khlesl
nicht  auch  in  Verdacht  kommen.  Habe  er,  Nuntius,  Gelegenheit,
sich  dieser  Sache  weiter  annehmen  zu  können,  so  wolle  er  mit  Zuniga,
mit  dem  wir  auch  reden  sollen,  verhandeln,  wie  sie  beide  von  ihren
Herrn  ohnehin  befehligt  seien,  —  Darauf  wurden  auf  Rat  der  Sachsen
obige  „media“  auch  dem  Nuntius  zugestellt.  Nachmittags  kam  Zuniga
zum  Herzog  von  Braunschweig,  der  dem  Gesandten  dasselbe  vorhielt
und  ihm  auch  die  „media“  zustellte,  wobei  Z.  sich  zu  gleichem
erbot.  —  Heute  abends  bekam  ich  erst  die  Schreiben  des  Kurfürsten  !
samt  den  Kreditiven.

Mai  6.

Ich  liess  dies  Minckwitz  anzeigen  und  stellte  ihm  anheim,  ob  ich,
da  meine  Instruktion  dem  beim  Kaiser  geschehenen  Vortrag  gemäss
sei,  nochmals  beim  Kaiser  Audienz  nachsuchen  oder  nur  das  Kreditiv
ihm  überreichen  lassen  solle.  Minckwitz  erbot  sich,  letzteres  zu  besorgen
  und  fand  eine  neue  Audienz  üherflüssig.  Als  ich  vormittags
auf  den  Saal  gieng,  ersah  mich  Wenzel  Kinsky,  führte  mich  bei  seite
und  fragte  mich,  ob  uns  die  Zeit  hier  lang  würde  und  ob  wir  bei
den  Ständen  etwas  anzubringen  hätten.  Ich  antwortete:  Ja,  die
Sachsen  würden  es  heute  tun,  auch  meine  Kreditive  seien  an-Krönung

  des  Königs,  die  schon  nahe  sein  soll,  ohne  Willen  des  Kaisers
und  also  zum  Schimpf  der  Kurfürsten  und  des  ganzen  Reiches  zur  bestimmten
Frist  erfolge  sondern  dass  sie  um  etwas  verschoben  werıle,  bis  durch  passende
Mittel  des  Kaisers  Zustimmung  erlangt  ist;  alle  Wolgesinnten  versprechen
sich  davon  guten  Ausgang,  wenn  nur  vernünftigen  Rauschlägen  der  Zugang
zum  König  durch  übelwollende  Leute  nicht  versperrt  wird.  Der  König  möge
überzeugt  sein,  dass,  wenn  er  nach  der  Würde  des  römischen  Königs  strebt,
er  vor  allem  nicht  den  Kaiser  beleidigen  darf;  denn  das  Szepter  des  Reiches
kann  er  auf  keinem  Weg  leichter  erlangen  als  durch  die  Autorität  des
Kaisers  etc.  Wenn  der  König  aus  Rücksicht  auf  den  Kaiser  der  Krönung
ausweicht,  wird  er  sich  den  Kaiser  und  alle  Kurfürsten  verpflichten  (Wmz.,
Bd.  1;  —  eigh.  Kpt.  Brömsers).
U  No.  161.

Mai
2.  bis  7.
        <pb n="452" />
        Mai
2.  bie  7.

430  1611  175.

gekommen  und  würde  ich  nun  meine  Aufträge  zu  verrichten  suchen.
Darauf  Kinsky:  Ihn  und  die  böhmischen  Stände  nehme  es  Wunder
und  sie  fühlten  sich  dadurch  auch  beschwert,  dass  unsere  Herrn  sich
unterstünden,  diesen  Verlauf  nun  zu  ‚verantworten‘,  da  sie  doch
im  vorigen  Jahr  den  Modus  des  Regiments  und  wie  übel  und
böslich  man  seither  mit  den  Ständen  umgegangen  sei,  selber  gesehen
und  erfahren  hätten;  wären  nicht  drei  oder  vier  dem  zuvorgekommen,
  so  hätte  man  ihnen  die  Köpfe  abgerissen,  Jetzt  schwören
die  Stände,  dass  unsere  und  unserer  Herrn  Bemühungen  vergeblich
sein  sollen;  sie  würden  von  ibrem  Beschluss  nicht  weichen;  alle  seien
entschlossen  eher  zu  sterben  als  nachzugeben;  sie  wollten  auch  die
unter  ihnen,  die  nicht  mit  ihnen  halten  würden,  sterben  machen.
Das  solle  ich  den  andern  Gesandten  anzeigen;  er  hoffe,  dass  ich
wüsste,  wer  er  sei.  —  Ich  antwortete,  ich  wüsste  nur,  dass  er  Wenzel
Kinsky  sei.  —  Darauf  antwortete  er:  Ja.  —  Ich  sagte  darauf:
Wir  Abgesandte  könnten  nichts  anderes  tun  als  die  Befehle
unserer  Herrn  den  Ständen  eröffnen;  bei  diesen  stünde  es,  sich
darauf  so  zu  bescheiden,  wie  sie  es  für  nötig  finden  und  verantworten
könnten,  darin  wollten  wir  ihnen  kein  Mass  geben.  Dass  aber  die
Stände  diese  Abordnung  dahin  deuten,  als  ob  unsere  Herrn  den  bösen
Verlauf  des  Einfalls  und  anderes  Unwesen  dabei  gutheissen  und  verteidigen
  wollten,  darin  täten  sie  den  Kurfürsten  Unrecht;  davon
hätten  sie  weder  bei  unsern  Herrn  noch  bei  uns  hoffentlich  etwas
bemerkt.  Mein  Kurfürst  sei  durch  dies  unbesonnene  Gebahren  sehr
bekümmert  worden,  habe  es  sehr  misbilligt  und  gewünscht,  dass  man
bei  Zeiten  seinem  treuen  Rat  gefolgt  hättee  Dabei  wollte  ich  aber
ihm,  Kinsky,  nicht  verhalten,  dass  unsere  Herrn,  die  Stände  des
Reiches,  ja  alle  ehrlichen  Deutschen  diesen  unglücklichen  Verlauf
sehr  misbilligen,  besonders  den  unförmlichen  und  weitaussehenden
modus  procedendi  der  böhmischen  Stände  und  was  sonst  vorgegangen;
man  empfinde  das  aufs  höchste  und  werde  gewiss  nicht  unterlassen,  das
zu  tun,  was  die  Pflicht  gegen  Kaiser  und  Reich  und  die  deutsche  Redlichkeit
  erfordere.  —  Darauf  fiel  mir  Kinsky  in  die  Rede:  Es  müsse  beim
gefassten  Beschluss  verbleiben;  sie,  die  Stände,  seien  schon  entschlossen,
uns  eine  Antwort  zu  geben,  damit  wir  nicht  aufgehalten  würden;
es  bedürfe  deshalb  keiner  weiteren  Verhandlungen;  wenn  dem
Reich  mit  einem  solchen  Regenten  so  wol  gedient  sei,  so  sollten
wir  ihn  nur  nehmen  und  erhalten,  so  lange  wir  wollten  und  könnten;
die  Böhmen  begehrten  seiner  nicht  mehr,  hätten  es  auch  80  einge
richtet,  dass  sie  seiner  entraten  könnten;  übrigens  wüssten  sie  wol,
wie  es  in  diesem  Fall  im  Reiche  stünde,  sie  bekämen  täglich  von
dort  gute  Nachrichten.  —  Darauf  ich:  Wir  müssten  alle  diese  harten
Reden  an  ihren  Oıt  stellen;  Kinsky  und  die  Böhmen  könnten  noch
finden,  dass  dem  Reich  noch  nicht  die  Mittel  fehlten,  sein  Oberhaupt
mit  allen  seinen  Vollkommenheiten  und  Unvollkommenheiten  zu  erhalten;
Eid  und  Pflicht  und  die  alte  deutsche  Redlichkeit  wollten  ein  anderes
        <pb n="453" />
        175.  1611  431

nicht  leiden.  Nach  diesem  zierlichen  Dialog  schieden  wir  von
einander,!
Mai  7.

Der  Herzog  von  Braunschweig,  Gerstenberg  und  ich  wurden  zum
Kaiser  berufen  und  mit  Leuchtenberg  und  Mollart  ins  kaiserliche
Gemach  geführt,  wo  der  Kaiser  allein  sitzend  uns  ganz  beweglich
proponierte:  1.  Was  er  bei  diesem  Unwesen  tun  solle,  um
„unturbiert“  zu  bleiben?  2.  dass  wir  dahin  trachten  möchten,  dass
die  Krönung  verhindert  oder  doch  auf  ein  paar  Monate  verschoben
  werde;  3.  wenn  dies  unmöglich  wäre,  sollten  wir  Mittel  vorschlagen,
  wie  er  von  hier  wegkommen  könne,  da  er  nicht  dabei

1  Die  Sachsen  berichten  am  ma  ihrem  Herrn:  Heute  fand  unsere
Audienz  bei  den  böhmischen  Ständen  statt,  die  katholische  wie  evangelische
in  grosser  Zahl  versammelt  waren.  Unser  Vortrag  gieng  dahin,  dass
E.  kfl.  Gn.  diese  neue  Unrube  in  Böhmen  mitleidig  vernommen  und  aus
vielen  Ursachen  nicht  hätten  unterlassen  können,  Gesandte  hieher  zu
schicken  und  bei  Kaiser  und  König  Werbung  ablegen  zu  lassen,  was
beide  in  aller  Freundschaft  aufgenommen  hätten,  es  sei  daher  zu  hoffen,  Gott
werde  die  Herzen  der  zwei  Potentaten  dahin  lenken,  dass  sie  sich  gegen
einander  brüderlich  erweisen.  Da  die  böhmischen  Stände  dabei  vornehmlich
interessiert  seien,  so  sollen  sie  hiemit  ermahnt  sein,  alles  dahin  zu  moderieren,
damit  weitere  Verbitterung  verhütet  und,  was  etwa  Ungleiches  vorgegangen
wäre,  so  geschlichtet  werde,  dass  des  Kaisers  Hoheit  und  Majestät  nach  dessen
langer  löblicher  Regierung  gebührlich  geachtet.  und  aller  Despekt  gegen
das  Reich  vermieden  werde  Was  E.  kti.  Gn.  dabei  tun  könnten,  wollten
Bie  leisten  und  hofften  Sie  noch  Mittel  zu  finden,  um  Kaiser  und
König  zu  befriedigen  und  zu  vorhüten,  dass  zu  den  Extremen  geschritten
werde.  Wir  seien  bereit,  uns  mit  etlichen  Abgeordneten  der  Stände  darüber  weiter
zu  unterreden.  —  Darauf  sind  wir  in  ein  Nebongemach  geführt  worden;  als  wir
wieder  vorgefordert  wurden,  haben  Oberstb'rggraf  Sternberg  böhmisch  und
dann  Sekretär  Platteis  deutsch  E.  kfl.  Gn.  gedankt  und  versprochen,  unsere
Anbringen  zu  beraten  und  bald  Antwort  zu  geben.  —  Die  Neuburger  haben
bei  den  Schlesiern  Audienz  gehabt  und  sie  zur  Standhaftigkeit  ermahnt,
worauf  diese  sich  gar  stattlich  erboten,  sich  beim  Kaiser  finden  zu
lassen.  —  lan  spricht  von  einer  Verschiebung  der  Krönung,  angeblich  bis
zum  zweiten  Pfingsttag,  wegen  der  vielen  noch  abzuhandelnden  Punkte  —
Man  ist  damit  uicht  zufrieden,  dass  unser  Kolleg  sich  hier  so  verstärkt.  —
Polheim  soll  noch  nicht  wieder  hier  sein;  doch  sagt  man  uns,  dass  man
von  allem,  was  E.  kfl.  Gn.  an  Brandenburg  schrieben,  hier  Abschrift  habe;
auch  hat  man  uns  vor  wenig  Tagen  berichtet,  was  E.  kfl.  Gn.  bei  Tafel
über  den  römischen  Kaiser  gesagt  haben.  —  Man  diskurriert  hier  viel,  was  wir
uns  zu  schreiben  schämen:  wie  gut  man  in  diesen  Landen  gefasst  sei;  man  habe
sich  nicht  zu  fürchten,  besitzn  gewaltisre  Macht,  gute  Korreapondenz  im  Reich
und  wolle  mit  Gewalt  die  römische  Krone  holen,  Sachsen  durch  die  unierten
Länder  und  die  geistlichen  Kurfürsten  durch  die  Staaten  und  Pfalz  „ad  suam
derotionem“*  bringen.  Die  Königlichen,  welche  wir  deshalb  fragten,  widersprechen
  dem  gar  hoch  und  teuer  und  auch  wir  halten  es  für  leere  Drohungen,
weil  gar  kein  Geld  vorhanden  ist,  so  dass  die  Soldaten  heute,  gestern  und
fast  alle  Tage  das  Brot  und  die  Läden  plündern  und  „die  kriegsleute  in  der
statt  und  ufm  lande  (wie  alle  ehrliche  leut  sagen)  die  Passauer  fromb
machen®*.  Wir  glauben  nicht,  dass  das  kurfürstliche  Kolleg,  so  schlecht  es
von  einigen  Leuten  gemacht  wird,  sich  die  „maiestas  imperialis*  wird  abnötigen
  lassen  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  399;  Or.).

Mai

2.  bis  7.
        <pb n="454" />
        Mai
2.  bis  7.

432  -  1611  175.

sein  wolle.  Dabei  brachte  der  Kaiser  allerlei  Motive  und  Umstände  gar  beweglich
  und  vernünftig  vor.  —  Auf  Befehl  des  Kaisers  traten  wir  zur  Beratung
  ab;  nach  kurzer  Zeit  berief  er  uns  wieder,  um  unsereResolution  zu
hören.  Sie  lautete:  Zu  1.  Da  die  Stände  ihre  Resolution  auf  die  Proposition
noch  nicht  übergeben,  noch  weniger  die  darin  bezeichneten  Nebenpunkte
ihre  Richtigkeit  erlangt  haben,  so  muss  zuvor  dies  abgewartet  werden.
Zu  2.  Wegen  der  Krönung  haben  wir  bereits  unsern  möglichsten  Fleiss
angewendet,  finden  aber  die  Gemüter  der  Stände  so  entfremdet  und
verrückt,  dass  auf  vernünftige  Consilia  nicht  zu  hoffen  ist.  Wir  glauben
daher  nicht,  dass  wir  die  Krönung  aufhalten  oder  die  Hartnäckigkeit  der
Stände  lindern  können  ;  es  werden  auch  bereits  öffentlich  Vorbereitungen
getroffen  und  soll  die  Krönung  am  Himmelfahrtstag  erfolgen.  Zu  3.  Zum
Aufbruch  können  wir  dem  Kaiser  nicht  raten,  denn  es  würde  nicht
ohne  besonderen  Schimpf  und  Nachteil  des  Kaisers  und  der  seinigen
abgehen;  auch  können  wir  nicht  denken,  wohin  er  sich,  während
das  ganze  Land  in  Aufruhr  und  voll  undisziplinierten  Kriegsvolks  ist,
mit  Sicherheit,  geschweige  denn  mit  gebührender  Reputation  wenden
soll.  Wir  halten  dafür,  dass,  wenn  die  Böhmen  die  Krönung  mit
Gewalt  fortgehen  lassen  wollen,  der  Kaiser  sich  in  seinem  Gemach
halten,  sich  selbst  überwinden  und  alles  Gott  befehlen  soll;  er  hat
bisher  weder  die  Böhmen  noch  die  Schlesier  und  Lausitzer  ihrer  Pflicht
entlassen,  die  beiden  letztgenannten  Länder  haben  sich  auch  noch
nicht  zu  diesem  Verfahren  verstanden  sondern  erzeigen  sich  als
gehorsame  Untertanen;  es  wird  vielleicht  von  selbst  mit  der  Krönung
nicht  so  geschwind  gehen;  erfolgt  sie  aber,  so  hat  der  Kaiser  bei
aller  Welt  den  Glimpf  und  kann  bei  den  Kurfürsten  Rat  und  Beistand
mit  gebührlicher  Reputation  fordern.  —  Der  Kaiser  hat  darauf  sehr
beweglich  und  vernünftig  repliziert  und  geklagt,  er  sei  vordem
in  allem  übereilt  worden  und  habe  von  den  Böhmen  auch  nicht  eine
Stunde  zur  Ueberlegung  erlangen  können,  während  sie  seit  so  vielen
Wochen  berieten,  sich  nicht  entschlössen  und  nun  haben  wollten,
dass  der  Kaiser  sich  ohne  Verzug  entscheide  ;  übrigens  wolle  er  dem
heute  vorgebrachten  nachdenken.  Die  Audienz  dauerte  fast  eine  Stunde.

Nach  der  Audienz  sagte  mir  Leuchtenberg  :  der  Kaiser  erwarte,
man  werde  ihm  Zeit  und  Ort  des  Kurfürstentags  bekannt  geben;  er
wolle  die  seinigen  dazu  abordnen  ;  ich  solle  heute  noch  meinen  Kurfürsten
  deswegen  verständigen.

Vormittags  hätte  ich  bei  König  Matthias  Audienz  haben  sollen;
aber  man  liess  mir  durch  Rebmann  anzeigen,  der  König  sei  unwol,
ich  möchte  mich  gedulden.  Wie  die  Sachsen  so  will  auch  ich  bei  der
Audienz  ein  schriftliches  Memorial  meines  Anbringens  übergeben;  ich
überschicke  davon  die  Abschrift!  Nachmittags  hat  sich  der  kurbrandenburgische
  Gesandte  bei  uns  angemeldet  und  sich  zu  guter  Korrespondenz

erboten.
Wmz.,  Reichtagsakten,  Bd.  103c,  no.  108;  Or.

1  Brömsers  Werbung  bei  König  Matthias:  Der  Kurfürst  von  Mains
hat,  als  er  von  der  Wendung  der  Dinge  trotz  der  vorjährigen  Komposition
vernahm,  aus  Neigung  zum  Hause  Oesterreich  und  aus  Pflicht  gegen  Kaiser
        <pb n="455" />
        176.  1611  433

116.  Markgraf  Joachim  Ernst  von  Ansbach  an  den
Administrator  der  Kurpfalz.

Auf  das  Schreiben  vom  15./25.  April.!  Ich  habe  meines  Bruders
Christian  Meinung  wegen  Ausschreibung  eines  Unionstages
eingeholt;  sie  geht  dahin,  dass  die  von  Kurbrandenburg  vorgeschlagene
Zusammenkunft  aller  unierten  Stände  zu  befördern  sei.  Eine  solche  wird
aber,  wie  auch  E.  L.  meinen,  viel  Zeit  kosten  und  wäre  es  gemeiner
Notdurft  halber  fast  besser,  wenn  vorerst  nur  die  nächstgesessenen
Kurfürsten  und  Fürsten  und  von  den  Städten  die  ausschreibenden  berufen
wärden  ;  esdürften  sich  doch  nur  Kurbrandenburg  und  Hessen  absentieren,
während  die  unierten  Städte  es  bei  dem  verbleiben  lassen  werden,  was
die  ausschreibenden  gehandelt  haben.  Dabei  könnte  alles  nötige  beraten
und  verhandelt  werden  und  wäre  auf  Ratifikation  der  Abwesenden
zu  schliessen.  —  Von  der  Meinung  der  zu  Torgau  versammelten
Kurfürsten  und  Fürsten  wissen  wir  bisber  nur  gerüchtweise.  Es  wäre
daher  gut,  wenn  E.L.  Fürst  Christian  aufforderten,  zu  bevorstehendem
Tag  zu  kommen;  da  könnte  man  dann  Kurbrandenburgs  Intention
erfahren,  auch  wie  zu  Berlin  des  Landgrafen  Moriz  Sinn  befunden
worden  ist;  darnach  könnte  man  die  Proposition  für  den  Unionstag
richten.  Datum  Onoltzbach  den  23.  aprilis  a,  1611.*  —  Praes.
26.  aprilis  1611.

Mb,  119/1,  f.  160;  Or.?

und  Reich  seine  Mitkurfürsten  von  der  drohenden  Gefahr  verständigt  und  sie
zu  einer  persönlichen  Zusammenkunft  beschrieben.  Er  hat  aber
inzwischen  erfahren,  wie  durch  die  böhmischen  und  anderen  Stände  bei
dieser  Zerrüttung  gegen  des  Kaisers  eigene  Person  und  gegen  dessen  und
des  Reiches  Räte  verfahren  wird,  wobei  man  auch  nicht  ausländische
Potentaten  nnd  die  Kurfürsten  und  Fürsten  des  Beiches  verschont.
Da  dies  alles  dem  Kaiser  verkleinerlich  ist  und  dem  Beich  und  der
deutschen  Nation  zu  Schimpf  gereicht,  dabei  auch  allerlei,  wae  E.  kgl.  M.t
Haus  nachteilig  ist,  mitunterläuft,  so  lässt  er  E.  kgl.  M.t  hiemit  bitten  und  ermabnen,
  Dero  Autorität  einzusetzen  und  solch  unförmliches  Verfahren  nicht
länger  zu  dulden,  durch  das  die  Hoheit  des  Kaisers  und  das  Reich  verletzt
und  unwiderruflicher  Widerwille  aller  Kurfürsten,  Fürsten  und  Stände  des
Reiches  erregt  wird,  was  E.  kgl.  M.t,  Doro  Haus  und  besonders  diesen  Ländern
schädlich  und  mit  Rücksicht  auf  die  Türken  verderblich  werden  kaan.
Der  Kurfürst  wird  nichts  unterlassen,  was  zu  Beseitigung  dieses  Unwesens,
sur  Satisfaktion  E.  kgl.  M.t,  zur  Vermehrung  Ihrer  und  Ihres  Hauses  Hoheit
und  zur  Wolfahrt  dieser  Länder  dienen  mag,  soweit  es  die  Reputation  des
Reiches  und  die  eigene  Pflicht  gestattet,  wie  dies  auch  die  Kursachsen
(denen  mich  zu  konformieren  ich  Befehl  habe)  angeboten  haben.  OÖ.  D.
(Wimz.,  a.  a.  O.,  no.  116;  Kopie).

'  Vgl.  no.  153,  8.  376,  Anm.  3.

”  Am  3./13.  Mai  forderte  der  Administrator  den  Markgrafen  von  Baden,
den  Herzog  von  Württemberg  und  Fürst  Christian  von  Anhalt  auf,  ihr  Gutachten
  wegen  der  vorgeschlagenen  Partikularzusammenkunft  vor  einem
allgemeinen  Unionstag  zu  erstatten  (Mb.,  119/1,  f.162;  Kpt.),  Württemberg
erklärte  sich  am  6./16.  Mai  im  Hinblick  auf  das  böhmische  Wesen  und  da
68  vermutlich  mit  dem  Kaisertum  eine  Aenderung  geben  werde,  mit  der  Zusammenkunft
  einverstanden;  denn  man  müsse  die  Freiheiten  und  Beschwerden  der

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  28

Mai  3,
        <pb n="456" />
        Mai  6.

434  1611  1m.

177.  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  an  den  Herzog
von  Braunschweig.

Ich  hätte  wol  gewünscht,  dass  E.  L.  mit  mir  die  Zeit  her  eben
so  fleissig  wie  mit  Sachsen  korrespondiert  hätten,  doch  werden  Se
durch  die  böhmischen  Unruhen  wol  vielfältig  belästigt  gewesen  sein....
„Wass  anlanget  den  jezigen  zustand  unsers  allergnedigsten  herrn.
der  rom.  kais.  M.‘,  trage  ich  mit  derselben  ein  treuherziges  mittleiden
vnd  kan  zwar  nicht  wissen,  woher  sich  derselbe  verursachet,  sintemal  mir
von  den  vorhergehenden  tractaten  wenig  zu  wissen  gemacht  worden.
muss  aber  alss  ein  churfürst  dess  reichs,  der  ichs  nach  dem  exempl
meiner  löblichen  vorfahren  mitt  I.  Maiestedt  sowol  dem  reich  eben
so  treulicb  meine  alss  eines  theils  andere,  denen  e8s  weniger  zı
wissen  gebueret,  zum  hochsten  beklagen,  dass  es  mitt  der  teuzsches
chur-  vnd  fürsten  freiheit  und  praceminenz  dahin  geratten  vnd  habens
viel  ehr  zu  beklagen  alss  nuhmehr  zu  endern.  Vnd  obwol  ich  mich
zum  höchsten  schuldig  erkonnete,  neben  andern  chur-  vnd  fürste
das  meine  zu  thun,  so  kann  ich  doch  bei  diesem  selzamen  vad  alla
frommen  stenden  zimlich  vertechtigen  wesen  fast  nicht  absehen,  wi
man  sich  in  die  sache  schicken  soll.  Ich  habe  aber  mitt  des
churfürsten  von  Sachsen  L.  auss  der  sachen  vertraulich  commaniciet
vnd  derselben  mein  nottwendiges  bedenken  dabei  eroffnet  vnd  stehett
zu  fernerer  vereinbarung,  inmassen  dan  mein  erbietten  dahin  g®
richtet,  dass  ich  mich  von  der  andern  chur-  vnd  fürsten  des  reichs
ratht  vnd  schluess  nicht  absondern  sondern  dassjenige  mittpraestire
helfen  will,  wass  einem  getreuen  churfürsten  des  reichs  disfals  wol
anstehett,  eigenett  vnd  gebueret.  Habe  u.  s.  w.  Datum  Collen  an

der  Sprew  den  26.  aprılis  anno  1611“.
Wolfenbüttel,  Differenz  zwischen  Rudolf  und  Matthias,  II.  5.,  no.  51;  Or.  eigh.!

unieten  und  ihnen  verwandten  Stände  in  Acht  nehmen,  zumal  die
Ligisten  beim  König  bereits  allerlei  unterbauen  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  X,
f.  45;  Kpt.);  ebenso  zustimmend  äusserte  sich  am  7./17.,  Mai  der  Markgraf
von  Baden  (Stg.,  a.  a.  O.,  f.  43;  Kopie);  vgl.  no.  185,  S.  447,  Anm.  1.

ı  Vgl.  über  die  Haltung  Kurbrandenburgs  gegenüber  der  kurfürstlichen
Intervention  oben  no.174  und  Anm.1  aufS.423.  —  Auf  ein  zweites  Schreiben  des
Herzogs  (vermutlich  vom  2.  Mai;  vgl.  no.174,  S.422,  Anm.1)  antwortete  der  Ksrfürst

  am  =  pr  mit  Dankesworten  für  Braunschweigs  Bemühurge,

ihn  in  der  Huld  des  Kaisers  zu  befördern.  Er,  Kurfürst,  sei  dem  Kaier
stets  in  Treuen  zugetan  gewesen,  habe  nie  zu  andern  Gedanken  Ursache
gegeben  und  wünsche,  dass  der  Kaiser  aus  seiner  üblen  Lage  errettet  werk;
nur  sehe  er  nicht,  was  er  dabei  tun  könnte  und  wie  seine  Intervention,  5
der  keiner  der  beiden  Teile  ihn  ersucht  habe,  aufgenommen  werden  würd,
„da  wir  uns  in  frembde  händel,  die  extra  imperium  sein,  einmischen  wolten‘,
zumal  in  so  wichtige  und  gefährliche,  deren  Absichten  nicht  leicht  m
durchschauen  seien.  Der  Herzog  werde  sich  noch  erinnern,  „was  allain  us
füer  gefahr  in  offentlichen  keiserlichen  instructionibus,  numehr  auch  I
druck  von  der  kgl.  W.  zu  Ungern,  wegen  des  so  lang  auf  den  beinen  g*
haltenen  kriegsvolks  angedeutet  wurden;  was  auch  mehr  dabei  zu  besorgen
        <pb n="457" />
        118.  1611  435

178.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  den  von  Mainz.

Auf  die  beiden  Schreiben  vom  27.  April.!  Der  7./17.  Juli  als
Termin  der  Zusammenkunft  der  Kurfürsten  gefällt  uns  wol;  wir

‚Juni  .
6.  hl  vorausschicken.

Was  den  Ort  anbelangt,  so  können  wir  bei  den  täglich  anwachsenden
böhmischen  Unruhen  uns  nicht  weit  von  unserm  Land  begeben  ;  auch  ist
Bamberg  im  Kurverein  nicht  benannt,  daher  könnte  es  allerlei  „Disputat“
ınd  Verzögerungen  geben;  wir  danken  daher,  dass  E.  L.  auf  Bamberg  ver-Sehten
  und  sich  Mühlhausen  gefallen  lassen  und  werden  dies  sowol  Kurjrandenburg
  bei  Zuschickung  von  E.L.  Schreiben  zu  wissen  machen  als  es
iom  Bürgermeister  und  Rat  von  Mühlhausen  bekanntgeben  und  Pappenheim
jefehlen,  dort  für  die  Kurfürsten  Quartier  zu  bestellen  und  ihnen  wie
Iblich  aufzuwarten;  E.  L.  mögen  wegen  der  Malstatt  Trier  und  Köln
rerständigen  und  auch  dem  Kaiser  davon  Anzeige  machen.  —  Wir  haben
us  Dero  Schreiben  auch  gern  verstanden,  dass  Sie  mit  Brömsers
schiekung  nach  Prag  zufrieden  sind;  wir  handelten  so,  weil  uns  E.L.
tandhafte  Treue  und  Gehorsam  gegen  den  Kaiser  genugsam  bekannt
raren  und  beide  nicht  besser  bewiesen  werden  konnten  als  in  diesem
Yotfall.  Wie  es  zu  Prag  steht  und  wie  der  Kaiser  sich  durch  den
Iersog  von  Braunschweig  in  seiner  Proposition  sowol  gegen  den  König
Is  gegen  die  Stände  wegen  der  Krönung  und  wegen  des  Regiments  erklärt
at  und  wie,  als  unsere  Gesandten  dort  ankamen,  es  nicht  mehr  ‚,‚res
ıtegra‘“  und  die  Bewilligung  erfolgt  war,  wird  Brömser  berichtet  haben.
Yir  haben  die  böhmischen  Stände  insgesamt  und  die  vornehmsten  darunter
och  besonders  durch  Schreiben  und  Gesandte  zur  Mässigung  und
um  Gehorsam  gegen  den  Kaiser  ermahnt  und  den  König  ersucht,

wollen  auch  unsere  Räte  zu  den  Vorberatungen  am

eweseen  und  wohin  das  ganze  werk  angesehen,  sonderlich  da  man
och  von  atarker  kriegspraeparation  auf  der  papisten  seiten  schreiben
ıuet,  ist  dem  lieben  (Gott  bekannt.“  Er,  Kurfürst,  sehe  deshalb
icht,”  wie  diesem  Wesen  aus  dem  Grunde  zu  helfen  sei  ausser  mit
atun  aller  Reichsstände,  und  da  ihm  eben  ein  Ausschreiben  des  Kurirsten
  von  Mainz  zu  einem  Kurfürstentage  auf  den  7./17.  Juli  zukommt,
&amp;gt;  scheine  ihm  dies  der  beste  Weg  dazu.  Fir  wolle  aber  seinen  in  Prag
wegen  der  Aussöhnung  mit  dem  Kaiser  in  der  jülicher  Sache)  an-'esenden
  Gesandten  Götze  anweisen,  dass  er  bei  Matthias  und  den  Böhmen
ute  Dienste  leiste,  damit  des  Kaisers  Hoheit,  Ansehen  und  Regierung
Thalten  und  alle  hitzigen  Ratschläge  gemildert  oder  abgewendet  werden.

Wolfenbüttel,  a.  a.O.,  no.  bla;  Or.).  —  Am  29._Ap  nil  schreibt  der  Kurfürst

9.  Mai

ı  derselben  Sache  an  den  Administrator  der  Kurpfalz:  er  habe  sich  auf  die
irschiedenen  Aufforderungen  Kursachsens  und  Braunschweigs  bisher  dilawisch
  erklärt,  unter  anderm  auch  deshalb,  weil  er  zuvor  des  Administratore
3  des  Direktors  der  Union  Gutachten  hierüber  hören  möchte;  er  wünsche
ı  wissen,  ob  der  Administrator  gleichfalls  um  eine  Abordnung  nach
rag  ersucht  worden  sei  und  wie  er  es  deshalb  sowol  als  auch  wegen  des
a  on)  Besuchs  des  Kurfürstentages  zu  halten  gedenke  (Ma.,  547/14,

;  Or.).

ı  Vgl.  no.  162,  8.  398,  Anm.  1.

28”

Mai  6
        <pb n="458" />
        436  1611  178-179.

Mai  6.  sich  bei  den  Ständen  zu  interponieren,  damit  dies  üble  Verfahren

Mai  6.

abgeschafft  werde,  haben  aber  noch  wenig  Besserung  befunden  und
Dinge  erfahren  müssen,  die  zu  schreiben  wir  Bedenken  tragen.  Wi
wollen  aber  nichts  unterlassen,  was  zur  Abhilfe  dieses  Unheils  dienlich
sein  kann,  hoffen  dabei  auf  E.  L.  Beistand  und  bitten  Dieselbe  nochmals,
Trier  und  Köln  wegen  der  Abordnungen  nach  Prag  zu  erinnern.  Unser
Gesandten  haben  Befehl,  mit  Ihren  und  den  noch  folgenden  kurfürstlichen
Gesandten  vertrauliche  Korrespondenz  zu  halten  „und  pro  re  nata
dieweil  sie  in  tam  turbulento  statu  auf  nichts  gewisses  instruiet
werden  können,  solche  consilia  für  die  hand  zu  nehmen,  die  zu  erhaltung
der  kaiserlichen  hoheit,  fried  und  ruhe  under  brüdern,  herren  und  undertbanen
  nützlich  und  dienstlich  sein.“

Wir  danken  auch  für  die  Mitteilung  in  Dero  Schreiben  von
20.  April!  und  überschicken  dafür,  was  der  königliche  Gesandte  bi
uns  geworben  hat  und  wie  er  beschieden  worden  ist.?  Wir  fanden,
dass  es  wegen  der  begehrten  Hilfe  mit  Volk  oder  Geld  jetst  gan
anders  als  zur  Zeit  der  Absendung  beschaffen  sei;  darnach  war  die
Antwort  zu  richten.  Datum  Dressden  den  26.  aprilis  a.  1611.  —

Praes.  Aschaffenburg  11.  maii  1611.
Drs,,  1.  7887,  I.  B.  Kurfürstentags,  f.  13;  Kpt.3

179.  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  an  Pfalszgrsl
Philipp  Ludwig  von  Neuburg.

Auf  das  Schreiben  vom  9./19.  April  wegen  Erneuerung  des  gr
fallenen  Vertrauens  und  wegen  der  Kommunikation  mit  Württemberg.‘
Ich  bin  ganz  der  Meinung,  dass  man  diese  gute  Gelegenheit  zur

ı  Vgl.  no.  144,  8.  351,  Anm.  1.

?  Vgl.  no.  161.

®  Am  gleichen  Tag  schickte  Kursachseen  an  Kurbrandenburg  das
Ausschreiben  zum  Kurfürstentag  und  beteuerte  nochmals,  dass  Kurbrandeburg
  sich  beim  Kaiser  aller  Gnade  zu  versehen  habe  und  dass  die  kır
sächsischen  Räte  desbalb  guten  Bescheid  erlangt  hätten,  wie  das  beiliegende  braesschweigische
  Memorial  nebst  der  Antwort  versichere  (vgl.  no.  174,8.  422,  Anm  1}:
übrigens  habe  auch  er,  Kursachsen,  seine  Räte  auf  nichts  gewisses  instraiere
können  und  habe  sie  nur  angewiesen,  je  nach  der  augenblicklichen  Lage  ®
handeln  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  19;  Kpt.).  Allein  Kurbrandenburg  blieb  hart

näckig  und  kritisierte  in  seiner  Antwort  vom  =  en  das  Memorial,  we
darin  allzusehr  der  „Offene“,  die  er  dem  Kaiser  zugefügt,  gedacht  wit,
von  der  er  doch  gar  nichts  wisse,  wol  aber  von  dem  viel  ren

der  ihm  widerfahren  sei;  eben  so  wenig  genüge  das  kaiserliche  Dekret,  da
alles  auf  weitere  Entschliessung  des  Kaisers  stelle  und  nicht  Sicherbeit
gebe,  dass  nicht  bei  Besserung  der  Lage  des  Kaisere  Kurbrandenburg  su
neue  gefährdet  werde;  auch  könno  er  seine  Gesandten  nicht  instruiere
und  müsse  vorerst  um  Mitteilung  über  den  Stand  der  Angelegenheit
ersuchen.  Würden  diese  Bedenken  beseitigt,  so  wolle  er  die  Abordoosg
tun;  Götze,  der  in  Prag  sei,  habe  ganz  andere  Aufträge  (Drs.,  1.  916i,
I.  unuch  passauer  Kriegsvolks,  f.  520;  Or).  Vgl.  dagegen  Anm.  1  sul
S.  434.

*  Vgl.  no.  119  mit  Anm.  1  auf  9.  295.
        <pb n="459" />
        179.  1611  437

Erneuerung  des  Vertrauens  nicht  ausser  Acht  lassen  sondern
fleissig  verfolgen  soll;  die  Reise  des  Pfalzgrafen  August  [nach
München]  ist  daher  zu  beschleunigen,  damit  den  calvinischen  Praktikon
  vorgebaut,  Baiern  bei  seiner  guten  Absicht  erhalten!  „und
anfangs  zwischen  den  recht  evangelischen  und  den  päpstischen,
weiln  doch  E.  v.  Gn.  von  der  union  nichts  gutes  zu  hoffen,
za  solcher  vertreuligkeit  ein  anfang  gemacht  und  also  Bairn
E,  v.  Gn.  zur  assistenz  in  dem  administrationstrit  bewogen  werden
und  bei  8.  L.  E.  v.  Gn.  den  dank  behalten‘  ;  sonst  möchte  vermöge
des  schweinfurter  Abschieds  Zweibrücken,  dem  ähnliches  von  den
Unierten  aufgetragen  ist,  Derselben  zuvorkommen  und  wäre  zu
besorgen,  dass  Zweibrücken  und  andere  Calviner  diesen  Auftrag  zu
ihrem  eigenen  Nutzen  ausbeuten  oder  das  Werk  ganz  verhindern,
besonders  wenn  es  nicht  auf  ihren  Schlag  hinausgeht.  Ich  weiss,
dass  die  wenigsten  päpstischen  Stände  zur  Korrespondenz  mit  den
Calvinern,  die  sie  unter  den  ZBeligionsfrisden  nicht  begreifen,
Lust  haben,  darum  muss  man  auf  der  bereits  gelegten  Grundlage
  weiter  bauen  und  Verhinderungen  begegneu,  was  E.  v.  Gn.
durch  Anmahnungen  bei  Württemberg  zu  befördern  wissen  werden.
Sollte  es  endlich  zur  geheimen  Zusammenkunft  kommen,  so  werden
es  E.  v.  Gn.  dahin  richten,  dass  von  den  Evangelischen  Sie  und
Württemberg  dazu  gezogen  werden;  könnten  Sie  als  Administrator
zugelassen  werden,  so  wäre  es  noch  besser.  Sich  mit  Kursachsen
deshalb  in  Verhandlungen  einzulassen,  scheint  mir  bedenklich,  denn
E.  v.  Gn.  sind  mit  diesem  Haus  noch  nicht  verglichen  ;  der  Kurfürst
muss  tun,  wass  seine  Räte  wollen,  weshalb  auch  Baiern  dies  Haus
wenig  achtet.  Da  nun  der  ganze  Stand  des  Reichs  auf  dem  Ausgang
des  böhmischen  Tumults  beruht,  so  muss  man  um  so  behutsamer  verfahren
und  sich  vor  aller  Offension  hüten.  Ich  gebe  E.  v.  Gn.  endlich  zu
bedenken,  wenn  die  Kurfürsten  und  Fürsten  dem  Kaiser  jemanden  der
ihrigen  zuordnen,  ob  Sie  dies  nicht  auch  tun  oder  gar  einen  meiner
Bräder  nach  Prag  schicken  sollen.”  Datum  Düsseldorf  den  6.  maii

a.  1611.  —  Praes.  Neuburg  den  4.  maii  1611.
Mb.,  343/13,  f.  62;  Or.  ganz  chiffriert.3

ı  Pfalzaraf  Wolfgang  Wilhelm  hatte  durch  seine  Reise  nach  München
im  März  1611  (vgl.  no.  92)  bessere  Beziehungen  zwischen  Baiern  und  Neuburg
angebahnt  und  war  auch  von  Düsseldorf  aus  eifrig  bemüht,  diese  Beziehungen
zu  festigen.  Darum  beklagte  er  in  einem  Schreiben  vom  5.  Mai  an  seinen
Bruder  Pfalzgraf  August  lebhaft,  dass  man  sein  letztes  Schreiben  au  Herzog
Maximilian  nicht  fortgeschickt  habe  und  dadurch  aufs  neue  zu  Mistrauen
und  Verdacht  Anlass  gebe;  was  er  in  München  mit  grosser  Mühe  und
Kosten  gut  gemacht  habe,  werde  aus  unzeitiger  Vorsorge  vorsätzlich  verdorben;,
  Herzog  Maximilian  werde  des  Pfalzgrafen  vertrauliche  Schreiben  ihm
zum  Nachteil  gewiss  nicht  publizieren  (Moc.,  Jülicher  Bucoession,  Fasz.  89,
no.  270,  III,  f.  33;  Kpt.).

?  Vgl.  no.  164,  S.  401,  Anm.  2  und  no.  175,  8.  425,  Anm.  1.

?  Am  5./15.  Mai  lief  in  Neuburg  ein  Schreiben  des  Herzogs  von  Württemberg

  vo  S  Sen  ein,  das  die  Antwort  auf  des  alten  Pfalzgrafen

Mai  6.
        <pb n="460" />
        Mai  7.

438  1611  180.

180.  Brömser  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Vorgestern  habe  ich  Dero  Schreiben  samt  Kreditiven  fiber  Dresdes
erhalten.  Die  Begebenheiten  seit  meinem  letzten  Schreiben  entnehmer
E.  kfl.  Gn.  aus  beilioegendem  Protokollauszug.!  —  Ich  möchte  gerne  mehr
schreiben  ;  es  ist  dies  aber  bei  diesen  Leuten,  die  obne  Rücksicht  auf  Gott
und  Menschen  sind,  nicht  ratsam.  Hannewald,  Hegenmüller  und  Welser
ersucht,  sind  noch  in  Haft;  wir  haben  den  König  und  die  Stände  ihretwegen
bisher  aber  noch  keinen  Bescheid  erhalten.  Khlesl  soll  160  Artikel
verfasst  haben,  über  die  Hannewald  und  Hegenmüller  verhört
werden  sollen;  sie  betreffen  Reichssachen,  ausländische  Potentaten,
Kurfürsten  und  Fürsten  des  Reiches;  jetzt  sollen  sie  auf  42  zusammergezogen
  werden,  von  denen  der  wichtigste  ist,  was  Hegenmüller
jüngst  im  Namen  des  Kaisers  bei  den  Kurfürsten  und  Fürsten  ge
worben  und  was  jeder  für  Bescheid  und  sonstige  Reden  gegeben
habe.  Solche  Inquisition  ist  unerhört  und  sollen  sich  dieser  Sache  alle
Potentaten  der  Welt  annebmen,  sonst  würde  es  ehrlichen  Leuten  schwer
werden,  ihnen  zu  dienen;  auch  Sachsen  lässt  sich  dies  sehr  misfallen
und  zeigt  sich  in  allem  aufrecht  und  deutsch.  —  Die  unsinnigea
Böhmen  und  Oesterreicher  treiben  zur  Krönung;  wir  glauben,  das

Schreiben  vom  9./19.  April  enthielt.  Darin  wird  mit  Rücksicht  auf  di
Dinge  in  Prag  vorgeschlagen,  dem  Verlauf  noch  etwas  zuzusehen  und  Kur
mainz  und  Kursachsen  nicht  vorzugreifen,  wie  denn  die  Interposition  nieht
eines  oder  zweier  Stände  Tun  sei  und  sonst  leicht  „Offensiones®  erweckt
könnten.  Nach  der  Vergleichung  zwischen  Kursachsen  und  Kurbrandenbarg
werden  die  Unierten  über  die  Interposition  zweifellos  Beratungen  anstelles,
wobei  Württemberg  es  an  sich  nicht  fehlen  lassen  werde.  Anfrage,  ob
über  den  neuburgischen  Vorschlag  nicht  das  Gutachten  der  nächs
Unierten  als  Ansbachse,  Badens  und  des  Pfalzgrafen  Johann  eingeholt  werden
solle?(Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.12;  Kpt.).  —  Im  neuburgischen  Rat,  wo
man  am  6./16.  Mai  das  Schreiben  des  Pfalzgrafen  Wolfgang  Wilhelm  und
das  württembergische  beriet,  erkannte  man,  dass  Württemberg  die  Ernenerung
des  Vertrauens  im  Reich  nicht  mehr  so  eifrig  betreibe  wie  ehedem  und  die
vordem  so  geheim  betriebenu  Sache  nun  gar  (offenbar  nach  Buwinckhausens
Vorschlag)  unter  die  Calviner  bringen  wolle,  was  die  Papisten  abstossen
würde  (Protokoll  in  Mb.,  343/13a,  f.53).  In  diesem  Sinn  wurde  Württemberg
  am  7./17.  Mai  geantwortet:  Zur  vorgeschlagenen  Kommunikation  mit
den  Nachbarn  sei  es  noch  zu  früh,  es  möchten  auch  die  andern  die  Aur
dehnung  des  Werkes  ungern  sehen.  Württemberg  möge  selbst  bei  Baier
anfragen,  welche  Stände  dieses  zur  Handlung  zu  ziehen  gedenke;  die
bairische  Resolution  würde  einen  Fingerzeig  geben,  wer  von  den  Ständen
dieserseits  heranzuziehen  wäre;  dann  könnten  die  Räte  beider  Teile  sich  zuerst
  absonderlich  wegen  eines  Modus  der  Handlung  vergleichen,  darauf  solle
bei  einer  gemeinsamen  Zusammenkunft  der  Modus  der  Interpostion
beschlossen  werden.  König  Matthias,  mit  dem  Württemberg  schon  einen
ziemlichen  Anfang  gemacht  habe,  werde  jetzt  nicht  Zeit  haben,  sich  um
diese  Dinge  zu  kümmern.  Man  solle  trotz  der  böhmischen  Unruhen  die
Verhandlungen  nicht  verziehen,  aber,  bevor  man  die  Sache  an  den  Kaiser
bringt,  sich  unter  den  Reichsständen  vorbereitungsweise  vergleichen  (Mb.,
3aaj1Ba:  —  Kopt.  von  Heuchelip).

o.  175.
        <pb n="461" />
        180—181.  1611  439

sie  sich  davon  nicht  abweisen  lassen  sondern  sie  nächsten  Donnerstag
[Mai  12.]  vornehmen  werden.  Wenn  die  Krönung  ohne  des  Kaisers  Willen
geschieht,  so  wollen  wir  uns  davon  fernhalten,  doch  haben  die
Sachsen  deswegen  noch  ihrem  Kurfürsten  geschrieben;  dessen  Bescheid  will
auch  ich  mich  fügen.  E.  kfl.  Gn.  ersehen  aus  dem  Protokoll,  was  der  Kaiser
durch  den  Landgrafen  von  Leuchtenberg  mir  wegen  des  Kurfürstentags
  hat  befehlen  lassen  und  köunen  Sie  dem  entsprechend  verfügen.
Sachsen  will  wegen  der  drohenden  Gefahr  nicht  von  Mühlhausen
ablassen  und  stellt  sonst  sein  persönliches  Erscheinen  in  Frage.
Die  Motive  sind  derartig,  dass  man  es  dem  Kurfürsten  nicht  verübeln  kann;
man  kann  aber  darüber  nicht  schreiben.  Ich  bitte  nochmals,  bei
diesem  wichtigen  Handel  mich  nicht  allein  zu  lassen.  Datum  Pragk
den  7.  maii  a.  1611.  —  Pıraes.  Aschaffenburg  15.  maii  1611.

Nachschrift:  Wegen  der  Wachen  und  wegen  des  anderen  Kriegswesens
ist  e8  hier  noch  beim  alten;  die  Passauer  liegen  zu  Budweis  in  guter
Ruhe  und  scheinen  nicht  weichen  zu  wollen,  wenn  nicht  die  Böhmen
näher  heranrücken.  Mir  scheint,  dass  der  Eifer  bei  diesen  nicht  mehr
so  gross  ist  wie  zuvor  und  sie  nicht  mehr  so  böse  sind;  sie  werden
wol  merken,  „dass  es  ohne  starcke  cappen  nicht  abgehen  mogte,“
wollte  man  jene  mit  Gewalt  vertreiben.  „Gott  schick  alles  zum  besten
und  helfe  mir  balt  wieder  mit  gluck  haimb,  dan  ich  der  ehren,  ein
geheimer  kaiserlicher  rath  zu  sein,  schon  gar  müed  und  verdrossen
bin,  will  einem  anderen  die  ehr  gar  gern  ubertragen.‘‘

Wus.  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  107;  Or.  eigh.

181.  Lüttichau  und  Gerstenberg  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

Heute  haben  wir  mit  Wallenstein  und  Thurn  über  unsern
gestrigen  Vortrag  !  vertraulich  gesprochen.  Beide  erboten  sich  hoch
gegen  E.  kfl.  Gn.,  aber  erklärten  schliesslich,  es  wäre  ‚die  gemeine
durch  den  pragischen  einfall  (dann  das  übrige  wolten  sie  gerne
vergessen)  also  erhitzet,  dass  alles  denken,  handeln  und  rathschlagen
vergeblichen.“  Sie  baten  uns,  sie  bei  E.  kfl.  Gn.  aufs  beste  zu
entschuldigen  und  erboten  sich,  uns  stattliche  Ursachen  anzuzeigen,
warum  wegen  der  Krönung  und  wegen  der  gänzlichen  Abtretung  des
Regiments  nichts  mehr  geändert  werden  könne.  Darnach  hat  uns
der  Kaiser  erfordern  lassen  und  hat  uns  neben  Braunschweig,  Leuchtenberg,
Mollart  und  Brömser  „bei  anderthalben  stunden  ein  solch  claglich
und  beweglich  gespräch  gehalten,  dass  wir  uns  der  threnen  kaum
erwehren  können.“  Der  Inhalt  der  Rede  war:  „1)  die  crönung
zu  verhindern  2)  oder  auf  vier  monate  zu  prorogieren  3)  oder  von
hinnen  I.  ksl.  M.*  zu  bringen,  darzu  sie  dann  Regensburg  vorschlugen.“
  —  Nach  gehaltener  Beratung  hat  Braunschweig  erwidert:

—-—  .n-  .  _  _._

’  Vgl.  no.  175,  S.  431,  Anm.  1.

Mai  7.

Mai  7.
        <pb n="462" />
        440  1611  181.

Mai  7.  Die  Krönung  könne  weder  verhindert  noch  aufgeschoben  werden,  weil  die
Böhmen  sich  davon  durchaus  nicht  abweisen  lassen  wollten  und  weil
schon  in  der  Kirche  dafür  gebaut  werde.  —  Das  hat  der  Kaiser  noch
nicht  gewusst,  obgleich  die  ganze  Stadt  davon  voll  ist.  Er  wandte
ein,  die  Stände  hätten  sich  auf  seine  Artikel  noch  nicht  erklärt;  sie
hätten  fünfzehn  Tage  darüber  beraten,  eben  so  viel  Zeit  müsse  man
doch  auch  ihm  [zur  Beratung  der  Antwort]  gönnen  ;  die  Stände  wären  ja
noch  in  seiner  Pflicht,  die  Kompaktate  bestimmten  klar,  dass  er
zeitlebens  nicht  in  der  böhmischen  Regierung  beirrt  werden  solle:
die  Passauer  hätten  geraubt,  die  Oesterreicher  gestohlen;  die
Passauer  hätten  die  Kleinseite  eingenommen,  die  Oestereicher  das
Schloss  und  hielten  ihn  gefangen.  „Man  solt  doch  sehen,  das  mans
hinderte  oder  I.  M.*  hinweg  brechte,  denn  sie  könnten  das  gedrämmel,
drommeten  und  schiessen  nicht  hören;  es  würde  ihr  gift  sein,.  man
würde  sie  umbs  leben  bringen.  Was  sie  solten  alhier  machen,  ob
sie  solten  des  Mathiae  gubernator  sein?  Achte  nicht  mehr  alhier
zu  bleiben  oder  auch  ihren  schaz  und  vorrath,  das  leben  sei  ihm
lieber.‘‘  Es  ist  dem  Kaiser  vorgestellt  worden,  dass,  wenn  er  Prag  einmal
verlassen  habe,  die  Rückkehr  ihm  unmöglich  sein  werde  und  dass  für  ihn  bei
dem  urplötzlichen  Aufbruch  von  dem  unbändigen  Volk  Schimpf  und  Spott
zu  fürchten  wäre;  es  hat  aber  alles  nicht  haften  wollen.  Der  Herzog
von  Braunschweig  hat  angeregt,  wenn  der  König  sich  mit  der
Krönung  begnügen  und  dem  Kaiser  die  Regierung  in  Böhmen  lassen
würde,  ob  der  Kaiser  sich  überwinden  könnte,  den  König  dem  Kurfürstenkolleg
  zum  Nachfolger  zu  empfehlen;  es  stünde  ja  auch  dann
noch  immer  bei  den  Kurfürsten,  zu  tun,  was  sie  wollten.  Das  hat
aber  dem  Kaiser  gar  nicht  gefallen  sondern  hat  er  gesagt:  „Es  wurde
mich  schwer  ankommen,  ob  man  im  reich  solche  bendel  wolt  un
gestraft  lassen.  Es  wurde  I.  M.*  ein  nagender  wormb  am  herze
sein.‘  Endlich  entliess  or  uns  mit  den  Worten,  er  wolle  der  Sache
weiter  nachdenken.  —  „Dem  könig  ist  auch  solcher  vorschlag  an  die
hand  gegeben  ;  der  achtets  vor  nichts,  begert  auch  der  intercessios
nicht  sondern  man  lest  sich  an  dem  ort  bedunken,  es  '  könne  ihm
ohne  das  nicht  entstehen,  darvon  mündlichen  ferner  bericht  gescheen
kann.“  Es  steht  also  darauf,  dass  in  wenigen  Tagen  die  Krönung
erfolgen  und  das  Regiment  mit  Willen  oder  Unwillen  des  Kaiser
dem  König  übergeben  werden  wird.

Unser  aller  Meinung  ist,  dass  der  Kaiser  hier  bleibt,  sich
in  seinem  Gemach  aufhält  und  sich  wegen  der  Teilnabme  an  dr
Krönung  leicht  entschuldigen  kann.  „Wie  es  aber  ferner  mit
abfuehrung  I.  ksl.  M.  und  anstellung  ihres  kaiserlichen  gubernaments‘
  zu  halten  ist  und  was  wir  aufeine  Einladung  zur  Krönung  tun
sollen,  darüber  erbitten  wir  Bescheid.  —  Auf  Freigebung  der  Reichahefund
  geheimen  Räthe  haben  wir  gar  keine  Hoffnung;  denn  man  bst
jetzt  im  Namen  des  Königs  neue  Fragen  formuliert  und  soll,  wie
man  sagt,  gegen  sie  nicht  besser  als  gegen  Tengnagel  verfahren  werden.  —
        <pb n="463" />
        181.  1611  441

Der  kurbrandenburgische  Gesandte,  der  hier  ist,  hält  um  Aussöhnung
seines  Herrn  und  um  die  Belehnung  mit  den  Reichslehen  und  den
böhmischen  und  jülichschen  Lehen  salvo  iure  Saxonico  an;  der  Bestätigung
  des  jüterbogker  Vertrags  hat  er  aber  nicht  gedacht,  weil
die  neuburgische  Ratifikation  noch  aussteht.  Der  Kaiser  hat  durch
Dr.  Wacker  darauf  erwidern  lassen:  er  sei  dem  Hause  Brandenburg
  stets  mit  Gnaden  zugetan  gewesen  und  sei  e8  noch;  was
geschehen,  sei  ratione  iustitiae  geschehen  ;  er  habe  von  dem  Vergleich
  zwischen  Sachsen  und  Brandenburg  gern  gehört  und  wolle
sich  wegen  der  Lehen  Brandenburg  gnädig  erweisen.  —  Der  Gesandte
  Christians  von  Anhalt!  hat  den  Böhmen  des  Fürsten  Bedauern
über  den  passauer  Einfall  ausgedrückt  und  mitgeteilt,  dass  der  Fürst  in
der  Oberpfalz  solche  Anstalten  treffen  wolle,  dass  Böhmen  sich  davon
Beistands  getrösten  könne?  Datum  Praga  den  27.  aprilis  a.  1611.

Nachschrift  Gerstenbergs:  Ich  habe  mich  vergeblich  um  den.

Grund  der  vorigen  Erforderung  des  Herzogs  Johann  Georg  erkundigt;  die
geheimen  Räte  wissen  nichts  davon  und  meinen,  es  werde  auch  der
Kaiser  davon  nichts  wissen,  „denn  sich  Leopold  des  dinges  zu
derselben  zeit  viel  gebraucht.“

Drs.,  L.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  426;  Or.+

"  Johann  von  Dordt;  vgl.  no.  173.  Nach  Bodenius’  Bericht  vom  7.  Mal
brachte  Dordt  am  6.  Mai  in  der  prager  Landstube  vor:  sein  Herr  habe  aus
der  Stände  Schreiben  vom  9.  März  die  Sachlage  in  Böhmen  ganz  anders  befunden
  als  hin  und  wieder  verbreitet  werde;  er  habe  das  Schreiben  anderen
Kurfürsten  und  Fürsten  mitgeteilt  und  hoffe  von  den  Ständen,  „sie  in.  iren
successibus  also  weiter  procedirn  und  ir  propositum  oontinuirn  werden“;  der
Fürst,  der  bald  wieder  in  die  Oberpfalz  kommen  werde,  erbiete  sich  dem
König  und  den  Ständen  zu  Rat  und  "Beistand  (Me.,  Entstehung,  Fasz.  III.,

o.  26,  f.  83;  Or.  eigh.).

26.  April  schreibt  aber  der  Administrator  der  Kurpfalz  an  die

Unierten:  Da  noch  niemand  die  acht  schweinfurter  Monate  entrichtet  und
die  Kurpfalz  nicht  die.  Mittel  hat,  das  Volk  in  der  Oberpfalz  länger  im

artegeld  zu  erhalten,  so  hat  er  die  amberger  Regierung  angewiesen,  das
Fussroik  ehestens  laufen  zu  lassen,  obgleich  er  leicht  ermessen  kann,  welch
ungleiches  Ansehen  diese  Abdankung  bei  König  Matthias  verursachen  wird,
nachdem  man  jüngst  Starhemberg  ganz  anderes  versprochen  hat  ;  hoffentlich
wird  aber  der  König  den  Beistands  der  Union  nicht  mehr  bedürfen  (Mb.,
119/1,  f.  130,  Kopt.).

®  Vgl.  no.  27,  S.  69,  Anm.  2.

*  In  einem  Bericht  vom  —  —

-——  tragen  die  sächsischen  (Gresandten

noch  folgendes  nach:  Bei  dem  neulichen  Gespräch  mit  Jem  Kaiser  hat
dieser  also  begonnen:  „Ich  habe  ein  sonders  gutes  vortrauen  zum  churfürsten
  zu  Meinz,  Saxen  und  E.  L.  (den  herzogen  von  Braunschweig
meinende),  daramb  wil  ich  Euch  mein  anbegeren  entdecken,  dann  die  noth
lehrt  mich  reden.  Ihr  landgraf  habt  gesaget  :  wenn  Ihr  jenesmal  bei  mir
gewest,  ich  solte  die  ungarische  cron  wol  behalten  haben;  izo  wolt  Ihr
mir  die  boömische  eron  von  meinem  haupt  nehmen  und  dem  Matthiae  aufsezen.
  Darauf  sprach  der  landgraf  mit  entsezunge:  Allergnedigster  kaiser,
solt  ich  das  tlıun?  Der  kaiser  antwortet:  Ihr  beede  (den  von  Mollar
neben  dem  landgraven  meinend).  Der  landgraf  trat  zurucke  und  begert

Mai  7.
        <pb n="464" />
        [Mai  7.]

442  1611  182.

182.  Bericht  aus  Prag.

„Los  medicos  dudan  que  el  catarro  no  ahoge  S.  M.@  ces.,  porque
no  se  guarda  de  desordenes,  aunque  esta  aflijidisima  por  estos  trabajos.!
Los  oficios  que  hazen  los  electores,  hazen  estar  con  el  animo  muy
sospensn  al  rey  de  Ungria  y  a  los  Bohemios,  aungque  no  dexan  por
esto  de  hazerlo  que  les  comple  mostrando,  que  esto  no  les  da  mucha
pena;  mas  los  embaxadores  de  dichos  electores  hablan  cierto  mur
resolutamente  y  pero  se  haze,  quanto  se  puede,  porque  se  camine  con
el  emp.”  con  destreca  para  no  ruinar  el  negocio  principal  del  rey  de
Romanos,  el  cual  los  ministros  del  rey  tienen  por  siguro,  aun  sin
el  favor  de  S.  M.@  ces.,?  mas  no  se  cree,  stante  lo  que  los  embaxadores
  de  los  electores  hazen  y  dizen,  con  los  quales  eletores  esta
S.  M.@  ces.  muy  unida,  haziendo  entrar  sus  embaxadores  en  el  consejo
  de  estado  y  tambien  los  embaxadores  de  Brandenburg  y  Noiburg,
a  los  quales  principes  ya  ha  perdonado  a  instancia  del  eletor  de
Sasonia,  aviendoles  confirmado  el  concierto  hecho  entre  ellos  sobre
Juliers,  y  dichos  de  Brandenburg  y  Noiburg  han  ofrecido  ansi  mismo
a  S.  M.?  su  asistencia  y  ayudas.  Los  oficios  de  los  eletores  han
obrado  que  pienso  se  quitara  la  guardia  a  S.  M."  ces.  y  que  les
s.”°®  Sjawata,  Smisansqui,  Anıbald,  Eghemiler  y  Velser  ?  se  an  absuelto
de  la  imputacion  dada  les  y  se  tiene,  que  estos  se  libraran  de  donde
estan  muy  presto.‘“  Matthias  will,  wie  es  heisst,  Wolkenstein  an  den
König  von  Spanien  schicken.  Der  König  ‚vive  ahora  en  el  Rachin  y
en  la  cama  de  ayer  aca  a  causa  de  gota  y  trata  de  Concertarse  con
Leopoldo  y  de  asoldar  su  gente.“  O0.  D.

Sim.,  Fasz.  3497,  f.  231;  Ort

alsbalden  seinen  abschied;  wolt  wissen,  wer  ihn  also  angeben.  Mollar  sagt
kein  wort.  Der  kaiser  sprach:  Ihr  must  mich  recht  vorstehen  ;  Ihr  habt
mich  ubereilet  mit  der  proposition;  man  hat  mir  nicht  einen  tag  zet
gelassen  zu  bedenken  und.  I  ich  habe  essen  wollen,  hat  mir  noch  der
Barwicius  die  proposition  in  die  hand  gestossen,  das  ichs  habe  unterschreiben
müssen.“  Dann  folgte  das  neulich  berichtete  Gespräch.  —  Wir  haben  dies
nicht  gleich  mitgeteilt,  weil  der  Kaiser  uns  darunı  gebeten  hat,  doch  ist  &amp;amp;
jetzt  ganz  bekannt.  Obgleich  Braunschweig,  Brömser  und  wir  den  Landgrafen
  zur  Geduld  mit  dem  hochbetrübten  Kaiser  dringend  ermahnt  haben,
hat  derselbe  doch  gestern  dem  ÜOberstkämmerer  den  goldenen  Schlüssel
zugeschickt,  seinen  Abschied  verlangt  und  will  nächster  Tage  fort,  um  der
Krönung  nicht  beiwohnen  zu  müssen.  Mollart  soll  auch  abdanken  wollen,
so  dass  dem  Kaiser  nur  Barvitius  als  geheimer  Rat  bliebe.  —  Mit  der
Freilassung  der  Reichshofräte  sieht  es  noch  weitläufig  aus,  doch  wird
vielleicht  heute  Hegenmüller  vom  Rathause  in  ein  anderes  Haus  logiert  und
Welser  entlassen  werden.  „Bei  demselben  mag  Hanniwald  seine  gelder
haben,  die  ihn  vieleicht  desto  lenger  in  arrest  behalten  möchten®  (Drs.,
a.  a.  O.,  f.  426;  Or...  —  Die  obige  Szene  schildert  auch  Bodenius  in
seinem  Bericht  vom  9.  Mai  (Mc.  Entstehung,  Fasz.  III,  no.  26,  f.  08;

"Or.  eigh.).  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II,  S.  280.

!  Ueber  den  Gesundheitszustand  des  Kaisers  vgl.  no.  175,  8.  424,  Anm.  2.

?  Vgl.  no.  181.  j

°  Die  Freilassung  des  Matthaeus  Welser  erfolgte  am  10.  Mai  (Welser
an  Erzherzog  Maximilian  am  11.  Mai;  Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom
Mai  1611,  no.  34;  Or.).

*  Der  Bericht  stammt  aus  der  spanischen  Gesandtachaft  in  Prag.
        <pb n="465" />
        183.  1611  443

183.  Brömsers  zweiter  Wochenbericht  aus  Prag.  Mai
8.  bis  14.
Mai  8.1

Ich  habe  die  Sachsen  zur  Mahlzeit  gebeten,  wobei  diese  für  gut
fanden,  dass  ich  auch  den  Brandenburger  [Götze]  einlade,  was  auch  geschah
  ;  aber  man  hat  von  ibm  nicht  erfahren  können,  was  seine  eigentlichen
  Befehle  seien.

Mai  9—  11.

In  diesen  Tagen  kamen  einzelne  Personen  aus  den  böhmischen,
mährischen  und  Österreichischen  Ständen  zu  uns.  Aus  den  verschiedenen
Unterredungen  ergab  sich  nur,  dass  dort  mit  Vernunftgründen  nichts
auszurichten  sei;  einer  sagte,  es  könnte  sie  weder  Salomon  noch  ein
Engel,  ja  nicht  einmal  Christus,  wenn  er  da  wäre,  abwendig  machen.?

Mai  12.

Die  böhmischen  Stände  übergaben  ihre  Resolution  auf  die  kaiserlichen
  Artikel  $®  und  begehrten  mündlich  und  ungestüm,  der  Kaiser  solle
sich  ungesäumt  darauf  entscheiden,  sonst  würde  er  ein  anderes  zu
befahren  haben;  auch  die  geheimen  Räte  wurden  von  einigen  Ständen
mit  Bitten  und  Drohungen  angegangen,  die  Resolution  zu  befördern.  —
Nachdem  der  Kaiser  sich  mit  uns  und  den  geheimen  Räten  beraten
hatte,  wurde  für  gut  angesehen,  den  Böhmen  beiliegende  Antwort
schriftlich  zuzustellen.*

ı  Brömser  erkrankte  in  diesen  Tagen;  daher  sind  die  Aufzeichnungen
bis  zam  13.  Mai  spärlich.

?  Vgl.  F.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,  VI.,  8.  497.

®  Wegen  der  Artikel  des  Kaisers  vom  16.  April  vgl.  no.  152,  S.  374  Anm.  3.
Der.  Bescheid  der  Stände  lautete:  Zu  1)  der  12.  Mai  ist  ale  Krönungstag
festgesetzt;  der  Kaiser  darf  aber  auch  hernach  den  Titel  eines  Königs  von  Böhmen
behalten,  doch  gegen  einen  Revers,  allen  Rechten  auf  die  Länder  zu  ent
sagen.  Zu  2)  der  König  wird  dem  Kaiser  jährlich  100000  Schock  meissnischer
  Groschen  auszahlen.  Zu  3)  der  Kaiser  soll  seine  Residenz  in  Pilsen
nehmen;  der  freie  Ein-  und  Auszug  daselbst  wird  wegen  der  Gefahr  abgelehnt.
Zu  4)  die  Herrschaften  müssen  dem  König  bleiben,  auch  um  des  Kaisers
grosses  Schulden  zu  bezahlen.  Zu  5)  die  ordentlicher  Weise  und  vor  dem
passauer  Einfall  erteilten  Begnadungen  sollen  in  Kraft  bleiben.  Zu  6)  gegen
den  Kaiser  soll  nichts  geredet  und  geschrieben  werden,  doch  dass  den  Ständen
kein  Anlass  gegeben  wird,  sich  ihrerseits  verteidigen  zu  müssen.  Zu  7)
die  Enthaftung  der  kaiserlichen  Diener  kann  wegen  deren  geheimen  Praktiken

n  das  Königreich  erst  geschehen,  wenn  sich  deren  Unschuld  herausgestellt
hat.  Zu8)  der  Kaiser  möge  die  Achtserklärung  gegen  die  Passauer  ungesäumt
vornehmen  (Wi.,  I  A  1,  Ka.  2990;  Kopie).

“4  Da  die  Stände  zur  Beratung  ihrer  Resolution  fast  vier  Wochen
gebraucht  haben,  so  kann  sich  der  Kaiser  in  der  kurzen  Frist  bis  zur
Krönung  auch  nicht  erklären;  es  möge  daher  mit  der  Krönung  nicht  so
sehr  geeilt  werden.  Der  Kaiser  kann  die  Stände  auch  nicht  eher  ihrer
Eid  und  Pflichten  entlassen,  bevor  die  unerledigten  Punkte  richtig  gemacht
sind.  Signatum  Prag  den  10.  maii  1611.  (Das  Konzept,  in  Wi,  IA,
Ka.  2990,  hat  9.  Mai  —  Wmz.,  Korrespondenz,  Bd.  1;  Kopie).
        <pb n="466" />
        Mai
8.  bis  14.

444  1611  183.

Mai  13.

Auf  diese  Antwort  haben  die  Böhmen  sich  heute  erklärt.!
Diese  Erklärung  ist  aber  nicht  nur  vom  Kaiser  sondern  auch  von  uns
und  allen  ehrlichen  Deutschen  stark  empfunden  worden;  denn  daraus  ist
ersichtlich,  wie  halsstarrig  die  Böhmen  verfahren  und  wie  wenig  sie
Kaiser  und  Reich  respektierenwollen.  Man  gieng  deswegen  zu  Rat,  befand
aber  die  geheimen  Räte  in  ihren  Erklärungen  ganz  perplex  und  da
alle  zu  verzweifeln  schienen,  haben  auch  wir  Bedenken  gehabt,  der
Sache  näher  zu  gehen  sondern  haben  nur  betont,  dass  die  Sache  ein
dreifaches  Praejudiz  in  sich  trage,  1.  gegen  des  Kaisers  Haus,  den
König  von  Spanien  und  die  Erzherzoge  ;  2.  gegen  das  Reich,  3.  gegen
alle  Potentaten  und  Fürsten  ausserhalb  des  Reiches;  wir  könnten
daher  nur  raten,  dass  der  Kaiser  sich  auf  diese  bezöge  und  weiteren
Aufschub  begehre,  um  mit  den  Interessenten  zu  beraten,  allerdings  unter
Benennung  einer  gewissen  Frist.  Damit  giengen  wir  in  unsere  Be
hausung,  nur  der  Herzog  von  Braunschweig  blieb  oben  und  brachte  uns  spät
abends  ein  Verzeichnis  einiger  Punkte,’  auf  die  wir  unser  Gutachten
abgeben  sollten.  Darauf  wurde  aber  nicht  weiter  bestanden,  dafür  kam
Hertel  zu  mir  und  sagte:  der  Kaiser  habe  durch  Leuchtenberg  und
Mollart  beim  König  anhalten  lassen,  dass  die  Krönung  auf  Pfingstmontag
  [Mai  23.]  verschoben  werde  und  habe  es  auch  erlangt;  die
Böhmen  hätten  ferner  vom  Kaiser  sehr  eifrig  begehrt,  noch  diesen  Abend
die  Achtserklärung  gegen  die  Passauer  zu  fertigen  und  ihnen  zuzustellen,
  widrigonfalls  sie  angezeigt  haben  wollten,  dass  morgen  etwas
erfolgen  werde,  was  dem  Kaiser  und  andern  beschwerlich  sein  wärde,
was  sie  aber  nicht  länger  hindern  könnten;  das  passauer  Volk  zeige
sich  immer  feindseliger.  Nun  seien  die  geheimen  Räte  der  Meinung,
man  solle  aus  der  Not  eine  Tugend  machen,  zumal  der  Kaiser  zuvor
schon  die  Achtserklärung  versprochen  habe;  doch  wolle  man  meine
Meinung  darüber  hören.  Ich  ersuchte  Hertel,  mich  mit  den  Sachsen  bereden

!  Die  Stände  erwiderten  unter  dem  Datum  des  11.  Mai:  die  Krönung
soll  auf  nächsten  Montag  [Mai  16]  verschoben  werden,  doch  erwarten  die
Stände  vom  Kaiser,  dass  er  sie  vorigem  Erbieten  gemäss  am  nächsten  Sonntag
ihres  Eides  entbindet;  denn  länger  als  bis  Montag  kann  weder  die  noch
ausstehende  Resolution  des  Kaisers  auf  die  unverglichnen  Punkte  noch  die
Krönung  und  die  Abtretung  des  Regiments  verschoben  werden  (Wmz.,  Reichstag®
akten,  Bd.  103c,  no.  130;  Kopie).

?  1.  Verschiebung  der  Krönung  bis  Pfingstmontag,  worauf  der  Kaiser,
jedoch  nach  Abhandlung  der  noch  folgenden  Punkte,  die  Stände  ihrer  Pficht
entlassen  will.  2.  Der  König  soll  das  volle  Regiment  haben,  aber  os  in  des
Kaisers  Namen  führen.  3.  Wegen  des  Beverses  soll  eg  wie  bei  Abtretung
der  ungarischen  Krone  gebalten  werden.  4.  Wegen  des  Deputats  will  der
Kaiser  mit  dem  König  selbst  handeln.  5.  Der  Kaiser  will  seine  Residenz
in  Prag  behalten,  aber  auch  freien  Ein-  und  Auszug  haben.  6.  Dem  Kaiser
sollen  seine  böhmischen  Herrschaften  zu  freier  Disposition  gelassen  werde.
7.  Die  kaiserlichen  Gnaden  an  die  treuen  Diener,  auch  solche,  die  noch
künftig  bis  zur  völligen  Abtretung  des  Regiments  gewährt  werden,  sollen
respektiert  werden.  8.  Der  Kaiser  begehrt  noohmals  die  Freilassung  seiner
verhafteten  Räte  und  Diener  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  131;  Kopie).
        <pb n="467" />
        183.  1611  445

zu  därfen,  um  uns  einer  Meinung  zu  vergleichen.  Die  Sachsen
kamen  alsbald  zu  mir  und  hörten  Hertels  Bericht  an,  worauf  wir  insgesamt
antworteten:  Wir  hätten  unter  diesen  Umständen  auch  nichts  dagegen  ;
„wir  sehen  und  empfinden  so  viel,  wan  die  stende  wollten,  dass  man
unsere  herrn  solte  in  die  acht  thuen,  so  musste  es  der  gute  fromme
kaiser  wohl  gerne  thuen,  wo  er  nicht  anders  mehrers  schimpfs
gewertig  sein  wolte;“  1  wir  liessen  sonst  dahingestellt,  ob  duıch  diese
Achtserklärung  den  Böhmen  und  deren  Lande  Nutzen  geschafft  würde.
Zur  Abfassung  der  Achtserklärung  wollten  wir  nur  nochmals  erinnern,
dass  man  betonen  möge,  diese  sei  auf  Anhalten  des  Königs  und
der  Stände  geschehen,  auch  solle  ein  terminus  suspensionis  angefügt
werden.  —  Von  vertrauter  Seite  habe  ich  dieser  Tage  gehört,  dass
einige  böhmische  Herrn  einen  oder  den  andern  kaiserlichen  Rat  angeredet
  hätten:  sie  sollten  ihre  Consilia  dahin  richten,  dass  der  Böhmen
Vorhaben  nicht  gehindert  werde;  sonst  müssten  sie  etwas  anderes
erwarten.
Mai  14,

Wir  kurfürstliche  Gesandte  wurden  durch  Leuchtenberg  in
den  geheimen  Rat  erfordert.  Als  wir  uns  im  Vorzimmer  einstellten,
teilte  uns  der  Landgraf  mit,  die  Beratung  sei  wieder  eingestellt,  wir
möchten  uns  aber  über  die  vom  Herzog  von  Braunschweig  uns
mitgeteilten  Artikel  bedenken  und  in  der  nächsten  Sitzung  darüber
unsere  Meinung  sagen;  das  Gutachten  des  Herzogs,  der  unpass
sei,  solle  uns  zugestellt  werden.  Als  wir  darauf  wieder  auf  den  Saal
giengen,  redete  Wenzel  Kinsky  mich  und  Lüttichau  aus  freien  Stücken
an  und  erklärte  ganz  offen:  „das  er  aller  dieser  sachen  ein  anfenger
und  urheber  seie“,?  und  erzählte,  wie  er  „disgustiert‘  worden  sei.  Wir
hörten  es  schweigend  an  und  erwiderten  nichts,  —  Bisher  hat  der
kurbrandenburgische  Gesandte  mit  uns  keine  Kommunikation  gepflogen,
so  dass  den  Sachsen  und  mir  die  Sache  verdächtig  vorkommt,
zumal  die  Königlichen  und  die  Böhmen  sich  mehrerer  Bestärkung  und
guter  Korrespondenz  von  dorther  Öffentlich  rühmen.  Man  sagt  auch
ganz  offen,  dass  die  Generalstaaten  ihren  Gesandten  hier  hätten.®
Hannewald  und  Hegenmüller  werden  immer  noch  in  Haft  behalten;
letzerer  hat  aber  ein  leidlicheres  Losament  bekommen,  Hannewald  soll
begehrt  haben,  mit  den  kurfürstlichen  Gesandten  sprechen  zu  dürfen;
damit  hat  er  nur  erreicht,  dass  man  nun  niemanden  zu  ihm  lässt.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  126;  Or“

ı  Vgl.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,  VI.,  8.  499,  wegen
der  Verhandlung  üher  die  Achteerklärung  vgl.  auch  Gindel  y,  Rudolf  D.
und  seine  Zeit,  II.,  8.  286.

?  Vgl.  Hurter,  a.  a.  O.,  8.  450.

s  Gemeint  ist  natürlich  wieder  Dordt;  über  seine  vermeintlichen  Beziehungen
  zu  den  Generalstaaten  vgl.  ausser  Hurter,  a.  a.  O.,  8.500  noch
die  Berichte  der  sächsischen  Gesandten  in  no.  188,  S.  452,  Anım.  2.

*  Das  obige  „Protokoll“  begleitet  Brömser  mit  einem  Schreiben  vom
14.  Mai,  wobei  er  wieder  bemerkt,  dass  er  nicht  alles  der  Feder  anvertraue,

Mai
8.  bis  14.
        <pb n="468" />
        Mai  9.

446  1611  184.

184.  Eigenhändige  Aufzeichnung  des  Kurfürsten  von
Mainz  [für  den  Landgrafen  Ludwig  von  Hessen?].

 „Amicus  amico.  Den  ahnwesenden  koniglichen  gesandten  ist
mein  einfaltig  bedencken  (wie  nichtt  allein  I.  kgl.  W.  sonder
den  bömischen  stenden  in  hoc  perturbato  statu  zu  helffen  vnd  fridt
zu  erlangen)  eröffnett  worden,!  haben  es  auch  fideliter  zu  vberschreiben
  versprochen;  will  mit  Gott  bezeugen,  do  ich  I.  kgl.  W.
würklich  diener,  das  ich  deroselben  nitt  andersts  rathen  köntte.

besonders  hier,  „da  es  scheinet  als  wan  aller  respect  Gottes,  der  obrichkeit,
ja  der  naturlichen  billich-  und  »mpfindlichkeiten  genzlich  verbannet  und
verwisen  sei.*  Die  Krönung  ist  mit  Einwilligung  des  Königs  auf  Pfingstmontag
  verschoben  worden;  von  dem  Ausschlag  in  den  übrigen  Punkten
kann  ich  nichts  gewisses  schreiben,  alles  steht  bei  den  Böhmen;  da  sie  aber
ganz  verstockt  und  unempfindlich  sind,  ist  keine  Hoffnung  auf  Milderung.
Die  Sachsen  und  ich  stecken  wirklich  in  einer  schweren  Sache;  aber  alles
wäre  noch  zu  ertragen,  wenn  hier  nur  Vernunft  gelten  wollte.  Die  geheimen
Räte  erzeigen  sich  sehr  zweifelhaft;  es  werden  in  den  geheimen  Rat  nur
Leuchtenberg  und  Mollart,  zuweilen  auch  Barvitius  gezogen,  während  man
doch  der  Räte  jetzt  nicht  zu  viele  haben  kann.  Der  Landgraf  ist  noch  immer
unzufrieden,  geht  aber  doch  in  den  Rat,  der  Vizekanzler  wird  gar  nicht
berufen;  es  ist  für  ihn  nicht  übel,  bei  solcher  Verwirrung  nicht  dabei  zu
sein.  —  Die  Stadt  liegt  voll  Kriegsvolk,  das  nicht  bezahlt  wird;  daher  hat
schon  Meuterei  und  gemeiner  Aufstand  gedroht,  wiederholt  wurden  die
Fleisch-  und  Brotläden  gestürmt;  dazu  strömt  noch  täglich  wegen  der
Krönung  mächtig  viel  Volk  herbei:  weiss  Gott,  wie  es  bei  der  Krönung
ablaufen  wird.  —  Die  Sachsen  waren  vorhabens,  falls  der  Kaiser  nicht  gut
willig  der  Krönung  zustimmt,  nach  Dresden  abzureisen;  ich  hätte  mich
ihnen  akkomodiert.  Da  der  Kaiser  zugestimmt  hat  und  nun  die  übrigen
Punkte  verhandelt  werden  sollen,  so  besorgen  wir,  dass  wir  vor  der  Krönung
nicht  werden  abkommen  können,  sehen  aber  nicht,  was  unsere  (Gegenwart
noch  fruchten  mag;  denn  was  von  jenen  Punkten  nicht  vor  der  Krönung
abgehandelt  wird,  darauf  ist  hernach  trotz  unserer  Anwesenheit  wenig
Hoffnung  und  werden  die  Kurfürsten  und  das  Reich  den  Sachen  selbst
nachdenken  und  nach  Notdurft  verfahren  müssen.  —  Hier  geht  man  mit  seltsamen
  Praktiken  offen  um;  wir  müssen  viel  hören,  was  sich  nicht  schreiben
lässt.  Dies  Unwesen  geht  die  ganze  Christenheit  an.  Sachsen  lässt  sich
alles  wol  angelegen  sein;  wir  sind  aber  leider  nicht  einmal  so  weit  g®
kommen,  dass  wir  uns  des  Abzugs  des  Kaisers  versichern  können.  Fast
scheint  cs,  als  sei  aller  Respekt  verbannt.  Bleibt  es  so,  so  gehe  ich
nach  der  Krönung  mit  den  Sachsen,  falls  der  Kurfürst  es  begehrt
und  es  sicherer  ist,  nach  Dresden  zurück  und  von  dort  gleich  an
Dero  Hoflager.  —  Das  passauer  Volk  liegt  in  guter  Ruhe;  niemand
begehrt  hinaus,  um  es  zu  vertreiben;  es  soll  sich  sehr  verstärkt  haben.
Wenn  die  Stände  ihr  Volk  nicht  besser  bezahlen,  so  werden  auch  die
zweiten  Passauer  bald  da  sein.  Mit  den  Wachen  und  sonstigem  Ge
bahren  steht  es  bei  vorigem;  Versprechungen  der  Abstellung  sind  bisher
nicht  erfüllt  worden.  Wie  dem  frommen  Kaiser  dabei  zu  Mute  sein  mag,
weiss  Gott;  „ist  ein  starkes  vorbilt.  humanae  miseriae,  daran  sich  andere,
so  hierzue  helfen  oder  je  nicht  hinderen,  wol  apiegelen  mogten,  aber  da  ist
kein  empfindlichkeit“.  Praes.  Maintz  21.  mai  1611  (Wmz.,  Reichstagsakten,
Bd.  103c,  no.  25;  Or.  eigh.).
ı  Vgl.  no.  144.
        <pb n="469" />
        184—185.  1611  447

Mitto  in  hoc  negotio  prothocollum,  wie  ichs  breuiter  ad  notam  genommen.
  Do  je  die  crönung  vorgenommen,  will  ich  jedoch  verhoffen,
soll  mitt  I.  ksl,  M.*  ratification  vnd  reputation  beschehen,  wie  den
deshalber  instendig  anzuhalten.  Do  I.  M.*  sich  der  wahl  eines
römischen  konigs  resoluirt  vnd  geburende  reformation  vorgenommen
hetten,  setztte  kein  zweyfell,  es  soltte  solche  vnruhe  verplieben  sein
vod  were  I.  ksl.  M.*  nachmals  dozue  zu  erindern.  Lel[gatus]
Hispfanicus]  retulit,  das  I.  kgl.  W.  zu  Vngern  vnd  den  die
bömische  stende  erindertt,  in  alweg  dohin  die  sachen  zu  dirigiren,
domitt  I.  ksl.  M.!  authoritet  nitt  ledirt,  im  gegenfall  könnte  His
[panicus]  I.  ksl.  M.'  nitt  lassen.  Haec  ille!  Werde  auch  bestendig
verpleiben;  dessen  man  sich  zu  getrösten,  so  ahn  geburenden  ort
zu  referiren.  I.  ksl.  M.'  ist  nitt  zu  rathen,  in  solcher  vnruhe  zu
sitzen  sonder  sollen  iro  sachen  zur  ruhe  stellen,  auch  die  succession
bei  den  churffffff.  suchen  ;  hoc  vnicum  medium  tranquilitatis  et  compositionis.
  Mit  dem  erpieten  ist  vorsichtich  zu  gehen,  piscator  iustus
sapit  odium.  Ist  also  eingewurzeltt,  das  nitt  zu  trawen  beyderseits.
Plura  scribere  non  licet.  Haec  ex  sincero  corde.  Den  9.  maii
1*  hora  noctis  1611.“
Wmz.,  Korrespondenz,  Bd.  1;  —  eigenhändige  Aufzeichnung.

185.  Die  Aeltern  und  Geheimen  von  Nürnberg
an  die  von  Ulm.

Dr.  Loefenius  hat  vor  einigen  Tagen  unserm  Ratsfreund  Ernst
Haller  folgendes  angedeutet:  Es  sei  bekannt,  wie  bei  der  Union  nicht
allein  der  Rechnungen  halber  allerlei  Unrichtigkeiten  vorgehen  sondern
auch  sonst  unter  den  Unierten  allerlei  Beschwerungen  sich  ereignen,
woraus  leicht  ungleicher  Verstand,  Mistrauen  und  noch  beschwerlicheres
erwachsen  könnte  ;  dem  vorzubauen  und  um  weiteres  Unheil  zu  verhüten,
werde  von  einigen  für  sehr  ratsam  angesehen  ,!  abermals  einen
Unionstag  auszuschreiben  und  ihn  so  anzustellen,  dass  einige  Deputierte
8  bis  14  Tage  zuvor  zusammenkommen,  die  Rechnungen  prüfen  und
sich  vergleichen  sollen,  welche  Posten  passiert  werden  könnten;  dann
sollen  sie  dem  Plenum  referieren,  damit  man  sich  daselbst  eines

21.  April
1.  Mai
nach  Nürnberg  auszuschreiben,  gieng  von  den  zu  Torgau  versammelten
Fürsten  aus  (vgl  no.  86,  8.  189,  Anm.  2).  Der  Administrator  fand  zwar
eine  neue  persönliche  Zusammenkunft  der  Unierten  selbst  tür  wünschenswert,
  wagte  aber  bei  der  Stimmung  der  Städte  nicht,  den  Vorschlag  in
Schweinfurt  machen  zu  lassen  (vgl.  no.  113,  S.  282,  Anm.  1).  —  Wegen
der  böhmischen  Unruhen  mahnten  die  beiden  Markgrafen  von  Ansbacb  und  von
Culmbach  abermals  wegen  der  persönlichen  Zusammenkunft  der  Unierten  an
(vgl.  no.  153),  die  der  Administrator  zwar  grundsätzlich  verhiess,  zunächst
aber  srhlug  er  eine  Partikular-Zusammenkunft  der  nächstgesessenen  Unierten
vor  (vgl.  Anm.  3  zu  no.  153  auf  8.  376  und  no.  176).

ı  Der  Gedanke,  einen  neuen  Unionstag  und  zwar  auf  den

Mai  9.

Mai  9.
        <pb n="470" />
        Mai  9.

Mai  10.

448  1611  186—  186.

endlichen  entschliesse.  Loefenius  wünscht  darüber  und  über  den  Ort  der
künftigen  Tagung  unsere  Meinung  zu  vernehmen,  da  man  auch  daräber
zweifelhaft  sei;  es  sei  zwar  Rotenburg  vorgeschlagen,  man  möchte
aber  gern  einen  solchen  Ort,  dessenwegen  sich  Kurbrandenburg  mit
Entlegenheit  nicht  zu  sehr  entschuldigen  könnte.

Wir  haben  dabei  allerlei  Gedanken:  einerseits  möchten  wir  gern  die
Rechnungen  justifiziert  und  andere  Gravamina  erledigt  sehen,  können
aber  andererseits  nicht  ratsam  finden,  dass  so  viele  Tage  ausgeschrieben
werden,  noch  weniger,  dass  man  sie  gleichsam  begehren  solle,  was  sich  die
höheren  Stände  vielleicht  zu  Nutze  machen  würden.  Um  niemandem
vorzugreifen,  erbitten  wir  Dero  Gutachten,  ob  und  wohin  ein  Unionstag
anzustellen  wäre.  Wir  wollen  dann  mit  Loefenius  weiter  reden  lassen.
Datum  29.  aprilis  a.  1611.

U.,  Unionsaota,  tom.  XXII  ,  no.  2189;  Or.t

186.  Anbringen  des  kurbrandenburgischen  Gesandten
Sigmund  von  Götze  beim  Kaiser  und  Bescheid  darauf.

Dem  Kaiser  hat  der  Kurfürst  von  Brandenburg  vorbringen
lassen  :  Der  Kurfürst  erinnert  sich,  wie  der  Kaiser  aus  friedhässiger
  Leute  Antrieb  auf  ihn  grosse  Ungnade  geworfen  hat,  woraus
erfolgte,  dass  ihm  trotz  alles  Bittens  die  Belehnung  mit  den  Beichslehen
  diffikultiert  und  seinen  Gesandten  trotz  vielfältigen  Sollizitierens
der  Zutritt  zum  Kaiser  so  verschränkt  wurde,  dass  der  Kurfürst
in  der  so  wichtigen  jülicher  Sache  keine  Audienz  hat  erlangen
können,  auch  seine  Schreiben  ihm  uneröffnet  zurückgeschickt  wurden.
Trotzdem  hat  der  Kurfüst  sich  alles  Gehorsams  und  Respekts  gegen
den  Kaiser  beflissen  und  dies  in  der  Tat  bezeugt,  indem  er  unlängst  mit
dem  Hause  Sachsen  einen  Akkord  in  der  jülicher  Sache  schloss  und
zwar  vornehmlich  darum,  weil  er  vernahm,  dass  dies  dem  Kaiser  lieb  wäre.
Der  Kurfürst  ersucht  nun  den  Kaiser,  bei  seiner  genugsam  hervorleuchtenden
  Unschuld  allen  Zorn  und  Widerwillen  gegen  ihn  fallen

!  Die  Ulmer  erwidern  am  9./19.  Mai:  Man  möge  es  wegen  der
Rechnungen  beim  letzten  Abschied  lassen,  die  Kurpfälzer  hätten  in  Schweinfurt
  selbst  zugegeben,  dass  neue  Unionstage  kostspielig  seien  und  den
Gegnern  nur  Nachdenken  verursachten;  dazu  sei  der  Administrationsstreit
nicht  verglichen  und  hätten  die  badischen  und  württembergischen  Räte  sich
verlauten  lassen,  dass  ibre  Herrn  vor  dessen  Vergleichung  in  keinen  Unionstag
willigen  würden;  die  angedeuteten  Beschwerungen  unter  den  Unierten
möchten  Sachen  betreffen,  mit  denen  die  Städte  sich  nicht  zu  beladen
haben;  da  ohnehin  ein  Kurfürstentag  bevorstehe,  möge  man  Loefenius  unter
Einwendung  obiger  Gründe  das  Tun  und  Lassen  anheimgeben  (U.,  a.  a.  0,
no.  2144;  Kpt.  von  Schleicher).

?  Die  Werbung  wurde  am  4.  Mai  abgelegt  (Bericht  der  sächsischen
Gesandten  vom  ap,  Drs.,  1  9167,  DI.  Buch  passauer  Kriegarolks,
f.  390;  Or.  und  oben  no.  175,  S.  428,  Aum.  2);  am  7.  Mai  kennen  die
Sachsen  bereits  den  Bescheid  \vgl.  no.  181).
        <pb n="471" />
        186  —187.  1611  449

zu  lassen,  ihn  für  einen  Kurfürsten  zu  erkennen,  mit  den  Reichs-  Mai  10.
lehen  zu  beleihen  und  die  innehabenden  kaiserlichen  Begnadungen
und  Privilegien  zu  bestätigen.  Da  im  jüterbogker  Vergleich  auch
ausdrücklich  vorgesehen  ist,  dass  es  dem  Hause  Sachsen  nicht
zuwider  sei,  wenn  Kurbrandenburg  vom  Kaiser  die  Belehnung  mit
den  jülicher  Landen  erlangt,  und  der  Kurfürst  sich  versichert  hält,
dass  der  Kaiser  durch  die  sächsische  Belehnung  keinem  Praetendenten
  praejudizioren  wollte,  so  bittet  er,  ihm  dieselbe  Gnade
wie  Sachsen  widerfahren  zu  lassen  und  ihn  mit  den  jülichschen
Landen  auf  sein  Recht  salvo  iure  Saxonico  zu  beleihen,  wogegen
er  dem  Kaiser  und  Reich  alles  tun  und  leisten  will,  was  von  einem
getrouen  Kurfürsten  erfordert  wird;  und  wenn  es  bei  den  jetzigen
Läufen  in  seinem  Vermögen  steht,  den  Kaiser  nützliche  Dienste  zu
erweisen,  so  soll  es  an  seinem  Fleiss  nicht  fehlen.

Der  Kaiser  erklärte  darauf:  Er  ist  dem  Kurfürsten  und  dem
Hause  Brandenburg  jederzeit  gewogen  gewesen;  das  bisher  Vorgegangane
  ist  iustitiae  causa  und  wegen  anderer  Interessenten  geschehen.
Von  dem  gütlichen  Vergleich  hat  er  gern  vernommen  und  will  er
sich  so  erweisen,  dass  man  allerseits  mit  ihm  zufrieden  sein  wird;
auch  will  er  künftig  dem  Kurfürsten  mit  allen  kaiserlichen  Gnaden
beigetan  bleiben,  wie  er  auch  nicht  zweifelt,  der  Kurfürst  werde  sich
gegen  ihn  als  gehorsamer  Lehensfürst  verhalten.  Wegen  der  nachgesuchten
  Belehnungen  und  Bestätigungen  wird  der  Kaiser  beratschlagen
lassen  und  sich  dann  zu  des  Kurfürsten  Zufriedenheit  erklären.!

Der  Gesandte  bat  um  Ausstellung  eines  Dekrets  über  diese
Erklärung  und  erinnerte,  es  möge  auch  wegen  der  übrigen  Punkte
dem  Kurfürsten  deferiert  werden.  Signatum  Praga  den  1./10.  [I]  maii

a  1611.
Drs.,  1.  8806,  88.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  862;  Kopie.

18%.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  Bischof  von  Mai  10.
Bamberg.

Beim  würzburger  Bundestag  wurde  für  ratsam  erachtet,  dass  sich  die
nächstbenachbarten  Bundesstände,  doch  unabbrüchig  der  gemeinen  Union,
einer  Partikulardefonsion  vergleichen.  Auch  E.  L.  haben  dies  Mittel
für  nützlich  befunden.  Da  wir  nicht  wissen,  ob  E.  L.  noch  dieser
Meinung  sind  und  die  gefährlichen  Zeiten  längeren  Aufzug  nicht

ı  Die  endgiltige  kaiserliche  Erklärung  erfolgte  erst  am  24.  Juni:  aus
Affektion  n  das  Haus  Brandenburg,  wegen  der  sächsischen  Interzession
und  der  hohen  Erbieten  des  Kurfürsten  lässt  der  Kaiser  allen  gefassten
Unwillen  schwinden,  nimmt  den  Kurfürsten  wieder  zu  kaiserlichen  Gnaden
auf,  verleiht  ihm  die  Regalien  und  Lehen  der  Kur  und  bestätigt  die  kurbrandenburgischen
  Privilegien;  wegen  der  nachgesuchten  Belehnung  mit  den
jülichschen  Fürstentümern  wird  der  Kaiser  sich  ehestens  entschliessen
(Bbg.,  A  9a,  no.  85,  f.  28;  Kopie).

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  29
        <pb n="472" />
        Mai  10.

Mai  11.

450  1611  187—188.

leiden,  so  haben  wir  E.  L.  daran  erinnern  und  Sie  um  Dero  Gutachten
bitten  wollen,  ob  zu  dieser  Sondervereinigung  ausser  Trier  und
Wärzburg  noch  andere  rheinische  Stände  gezogen  werden  sollen  und
wie  sie  anzustellen  ist.  Nach  Eintreffen  der  Antwort  wollen  wir  uns
der  Tags  und  der  Malstatt  vergleichen.  Datum  Aschaffenburg  de

10.  mai  a.  1611.
Wmz.  Religionsakten,  Bd.  12.,  no.  134;  Kpt.  von  Faber.!

188.  Lüttichau  und  Gerstenberg  an  den  Kurfürsten  von
Sachsen.

Als  wir  heute  mit  Braunschweig  in  das  kaiserliche  Vorzimmer
kamen,  —  Brömser  war  krank,  -—  schien  es  als  sollte  ans  de
Beratung,  wie  auf  die  Erklärung  der  Böhmen  wegen  der  kaiserliche:
Artikel  zu  antworten  sei,?  nichts  werden,  da  Leuchtenberg  diesen
Morgen  nicht  zu  Hofe  gekommen  war;  schliesslich  schritt  man  doch  dazı.
weil  mit  der  Krönung  sehr  geeilt  wird  und  die  Stände  auf  eine  Ant
wort  und  Erklärung  vermutlich  dringen  werden.  Wir  haben  votiert:
wir  hätten  neben  Braunschweig  und  Brömser  die  Artikel  bereit
bedacht  und  fänden  sie  so  wichtig,  dass  man  darin  mit  gata
Bedacht  verfahren  müsste;  da  an  der  Sache  sowol  dem  Kaiser  al:

—

1  Das  gleiche  Schreiben  wurde  auch  an  den  Kurfürsten  von  Trier  und  an  de
Bischof  von  Würzburg  gerichtet.  —  Trier  schlug  in  seiner  Antwort  vom  26.  Ns
vor,  ausser  Bamberg  und  Würzburg  noch  Erzherzog  Albrecht  und  Lothringen
in  den  Sonderverein  einzubeziehen;  vorher  aber  müssten  die  beschlossene
Schickungen  an  beide  erfolgen  und  sie  sich  in  den  gemeinen  Bund  begeben  haben;
man  werde  die  Verhandlungen  wegen  des  Sondervereins  daher  bis  nach  dev
Kurfürstentag  aussetzen  können  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  155:  Or.).  —  Wir
burg  erwiderte  am  28.  Mai:  Die  nachbarliche  Partikulardefension  sei  gut
und  nützlich;  da  aber  der  gemeine  Bund  jährlich  ein  stattliches  erfordern,
so  werde  man  vor  allem  denken  mtissen,  wie  die  Partikulardefension  „neben
ertragung  der  haubtverain  mit  weniger  beschwär  der  erz-  und  stifter,
gleichwol  aber  zu  derselben  schutz  und  sicherung  uf  alle  und  jede  weg  zu
effectuiren  sein  möchte“,  der  Kurfürst  möge  ihm  seine  Gedanken  eröffnes.
wie  solche  Zusammensetzung  zu  „kontinuieren“  wäre;  er  wolle  dann  nac
Vermögen  seines  Stiftes  gern  dazu  helfen  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  151;  Or..  —
Am  4.  Juni  antworteten  auch  Statthalter  und  Räte  des  auf  seinen  Herschaften
  in  Kärnthen  befindlichen  Bischofs  von  Bamberg:  Ihr  Herr  versteh:
die  Partikulardefension  dahin,  dass  sie  allein  auf  einen  eilenden  Sukkurı
mit  Volk  angesehen  sei,  mit  dem  ein  Stand  dem  andern  auf  dessen  Anrıfen
bei  unversehenen  Plackereien,  Durchzügen,  Einlagerungen,  Ueberfällen  ber
springen  solle;  darum  könne  ein  solches  Sonderbünduis  nur”  unter  Stände
statthaben,  die  so  nahe  an  einander  grenzen,  dass  sie  einander  ihre  Hilfe,
ohne  das  Gebiet  anderer  „höherer“  Stände  zu  berühren,  zufüh-en  könntee.
Wäre  ein  „mächtiges  Feldlager“  nötig,  so  hätte  der  Gesamtbund  einzuschreiten,
inzwischen  würde  aber  der  Sonderbund  zur  Abwehr  von  Durchzügen  und  Musterlätzen

  sehr  nützlich  sein.  Ein  solcher  Sonderbund  wäre  zwischen  Kurıaioz,

amberg,  Würzburg  und  etwa  noch  dem  deutschen  Orden  aufzarichten,

welch  letzterer,  wenn  er  kein  Volk  schicken  könnte,  sich  zu  einer  eilenda

Geldhilfe  verpflichten  müsste  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  164*;  Or.‘
?  Vgl.  no.  183,  8.  443,  Anm.  3.
        <pb n="473" />
        188.  1611  451

dessen  ganzen  Hause  aufs  höchste  gelegen  sei,  werde  er  den  Bat  seiner  Mai  11.
Brüder,  Vettern  und  Spaniens  einholen  müssen;  auch  sei  dos  Kaisers
Hoheit  und  Ehre  wol  in  Acht  zu  nehmen,  damit  er  jetzt  nicht  auf
etwas  eingehe,  was  er  nachher  gegen  die  Kurfürsten  und  die  Reichsstände
  nicht  verantworten  könnte;  da  der  Kaiser  jüngst  bemerkte,
er  habe  sich  dadurch  nicht  wenig  beschwert  befunden,  dass  er  durch
die  geheimen  Räte  mit  der  Proposition  so  übereilt  worden  sei  und
darüber  fast  keinen  Rat  habe  einholen  können,  so  stehe  nun  zu  bedenken,
ob  nicht  der  Kaiser  von  den  Ständen,  die  zur  Verfassung  ihrer  Punkte
an  vier  Wochen  7eit  gebraucht  hätten,  für  sich  etwa  sechs  Monate
Bedenkzeit  begehren  solle,  um  das  Gutachten  seiner  Brüder  und
seiner  Vettern  sowie  der  Kurfürsten  und  der  Stände  des  Reiches
zu  erlangen;  inzwischen  aber  habe  es  nicht  wenig  Bedenken,
die  Stände  ihres  Eides  zu  entlassen!  —-  Die  kaiserlichen
Räte,  —  Mollart,  Minckwitz  und  Wacker,  —  haben  kurzen
Abtritt  genommen  und  sich  dann  mit  unserm  Vorschlag  einverstanden
erklärt,  von  den  Ständen  Bedenkzeit  zu  begehren;  einstweilen
aber  werde  gut  sein,  sich  über  die  einzelnen  Punkte  zu  unterreden  ;
die  Antwort  an  die  Stände  wollten  sie  in  einen  kurzen  Bescheid
bringen.  —  Der  Herzog  von  Braunschweig  soll  übernommen  haben,
diese  Vorantwort  an  die  Stände  aufzusetzen.?  —  Krönung  und
Resignation  werden  übrigens  am  16.  Mai  sicher  erfolgen,  es  sei  dem
Kaiser  und  dessen  Anhängern  lieb  oder  leid.  Wir  haben  zwar  alles
aufgeboten,  damit  dem  Kaiser  das  Regiment  bleibe  und  es  nur  mit
Zutun  des  Königs  und  der  Stände  reformiert  und  genugsam  restringiert
werde,  doch  ist  alles  vergeblich,  die  Stände  und  der  König  beharren
auf  ihrer  Meinung;  der  Hofmarschall  Losenstein  hat  uns  noch  heute  gesagt,
  es  sei  nicht  zu  ändern.  Wir,  der  Mainzer  und  die  Neuburger,
werden  an  der  Krönung  nicht  teilnehmen,  da  wir  von  E.  kfl.  Gn.  deshalb
gemessenen  Befehl  haben,  obgleich  es  den  König  beleidigen  wird.  —
Losenstein  hat  uns  auch  gesagt,  der  König  wolle  E.  kfl.  Gn.
unversehens  besuchen,  niemand  solle  vorher  davon  wissen;  auch
sei  für  uns  und  die  andern  Gesandten  eine  besondere  Bühne  in  der
Kirche  errichtet,  damit  wir  nicht  im  Gedränge  zu  stehen  brauchten.
Wir  haben  auf  beides  nichts  erwidert.  Durch  Brömser  haben  wir
uns  bei  den  päpstlichen  Nuntien  und  bei  Zuniga  erkundigt,  was  diese  tun
wollen,  haben  aber  nur  gehört,  sie  seien  unter  sich  noch  nicht  einig.
Brömser  und  die  Neuburger  wollen  sich  nach  uns  richten;  Götzens
Absieht  kennen  wir  nicht;  der  Herzog  von  Braunschweig  sagt  uns  eben,
er,  Herzog,  werde  der  Krönung  nicht  anwohnen.  —  Derjenige,  welcher
sich  hier  für  einen  Gesandten  Anhalts  ausgibt,  ist  ein  Herr  von
Dordt,  der  bei  den  Staaten  viel  gelten  soll;  es  ist  derselbe,  der
unlängst  bei  E.  kfl.  Gn.  zu  Torgau  war.  „Dessen  bebarrlich  anwesen
ist  uns  und  andern  sehr  suspect  und  wil  fast  davor  gehalten  werden

1  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  284  f£.
?  Vgl.  no.  183,  8.  443,  Anm.  4.

29*
        <pb n="474" />
        Mai  11.

462  1611  188.

als  wann  die  Staaden  mit  diesem  volk  einen  heimlichen  verstand
haben  oder  machen  wolten.“!  —  Wir  bitten  um  Befehl,  ob  wir  noch
länger  hier  bleiben  sollen  ;  denn  wir  können  hier  nichts  mehr  nützen  und
sind  bei  diesen  steten  Aufläufeon  und  dieser  Verwirrung  in  nicht
geringer  Gefahr,  weil  wir  uns  des  Kaisers  treulich  angenommen  haben.

Datum  Praga  am  1.  mai  1611.
Drs.,  1  9167,  IL  B.  passauischen  Kriegsvolks,  f.  527;  Or.3

!  Vgl.  no.  183,  8.  445,  Anm.  3  und  Hurter,  Geschichte  Kaiser
Ferdinands  II.,  VI.,  8.  500.

®  Am  2./12.  Mai  berichten  die  sächsischen  (Gesandten:  Nachdenn
  die  böhmischen  Stände  beim  Kaiser  gestern  ganz  ungestüim  um  Bescheid
  auf  die  von  ihnen  übergebenen  Punkte  mit  dem  angehalten  haben,  dass,
wenn  sie  des  Eides  auch  nicht  entlassen  würden,  sie  doch  die  Krönnng
und  Uebergabe  der  Regierung  an  Matthias  am  16.  Mai  vornehmen  wollten,
ist  dem  Herzog  von  Braunschweig,  Brömser  und  uns  heute  wieder  zur  Be
ratung  mit  den  kaiserlichen  Räten  angesagt  worden.  Braunschweig  hat  dabei
im  Namen  des  Kaisers  angezeigt:  dieser  möchte,  bevor  er  den  Bescheid  auf  der
Stände  gestriges  Suchen  erteile,  gern  des  Königs  Meinung  darüber  wissen,  wel
ihm  Matthias,  ale  er  nach  Böhmen  gekommen  war,  durch  Leuchtenberg  und
Mollart  erklärt  habe,  dass  er  nicht  als  Feind  oder  ihm,  dem  Kaiser,  zum
Nachteil  sondern  ala  treuer  Freund  und  Bruder  komme  und  dass  er,
Rudolf,  Kaiser,  König  und  Herr  in  diesen  I,ändern  bleiben  solle;  man
möge  den  König  dieser  Zusage  wieder  erinnern,  damit  der  Kaiser  sich
bei  seinem  Bescheide  an  die  Stände  nach  der  Antwort  richten  könnte.  Man
hat  dies  für  nützlich  erachtet  und  Leuchtenberg,  Mollart,  Minckwits  und
Wacker  beauftragt,  sich  deshalb  noch  heute  beim  Könige  zu  erkundigen.  —
Wir  lassen  es  bei  den  Königlichen  und  bei  den  Ständen  an  Vorschlägen  und
Erinnerungen  nicht  fehlen,  aber  es  ist  alles  vergebens  und  sagen  sie  uns
ausdrücklich,  „wann  Salomonis  weissheit  und  Ciceronis  sowohl  Demosthenis
eloquentia  vorhanden,  so  könte  und  möchte  es  doch  anders  nieht  sein  und
geendert  werden";  auch  fallen  viele  bedrohliche  Reden,  so  dass  wir  alles
gehen  lassen  müssen,  wie  es  geht.  Man  sagt  heute,  der  König  habe
Tengnagel  das  Leben  geschenkt;  einige  glauben,  er  werde  zu  ewigem  Kerker
verurteilt  werden.  —  Dordts  Anwesenheit  und  sein  Verkehr  mit  des
böhmischen  Ständen  erregt  viel  Nachdenken  ;  es  scheint,  dass  er  im  Namen
der  Staaten  allerlei  mit  den  Böhmen  verhandelt.  Man  sagt,  es  soll  gleich
nach  der  Krönung  zwischen  den  Staaten  und  diesen  Landen  ein  Bündnis
geschlossen  werden.  Die  Kurfürsten  mögen  darauf  wol  Acht  geben.  Khiesl
soll  ausdrücklich  äussern:  „er  sehe  wol,  dass  hierdurch  das  hauss  Oesterreich
ruiniret  werde,  sie  können  aber  anderer  gestalt  zu  ihrer  intention  nicht
gelangen“.  —  Leuchtenberg  sagte  uns  heute,  in  drei  Tagen  werde  Graf
Visconti  als  Gesandter  des  Erzherzogs  Albrecht  hier  sein;  binnen  vierzehn
Tagen  soll  noch  ein  spanischer  Gesandter  und  einer  von  Graz  eintreffe.
Vielleicht  eilt  man  deshalb  so  sehr  mit  der  Krönung  (Drs.,  a.a.O.,  f.  560;  Or).

Am  3./13.  Mai  berichten  die  Sachsen  weiter:  Da  die  kaiserlichen  Räte  vernommen
  haben,  dass  der  Herzog  von  Braunschweig  und  wir  uns  entschuldigten,
die  Anfrage  bei  Matthias  zu  tun,  und  sie  selbst  erachten,  dass  beim  König
wenig  Dank  damit  zu  verdienen  ist,  haben  eie  für  sich  eine  Antwort  auf  die
böhmischen  Artikel  verfasst,  dabei  aber  unsere  Erinnerung  wegen  des  Interenses
des  ganzen  Hauses  Oesterreich  und  des  Reiches  ganz  ausgelassen.  Diese  Antwort
ist  dem  König  heute  durch  Leuchtenberg,  Mollart  und  Minckwits  vorgetrages
worden,  der  darauf  erklärte,  mit  einem  starken  Ausschuss  die  Stände  darüber
beraten  zu  wollen.  Die  Krönung  soll  von  den  Ständen  bis  Donnerstag
[Mai  19.]  verschoben  worden  sein,  vermutlich,  weil  der  König  das  Podagra
hat.  An  der  viel  verbreiteten  Aussage  des  Mönchs  [vgl.  no.  73,  Anm.  2]  ist
        <pb n="475" />
        189.  1611  453

"189.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  den  von  Mainz.

Auf  das  Schreiben  vom  30.  April!  Wie  erbärmlich  des  Kaisers
Zustand  geworden,  wie  alles  Bitten,  Warnen,  Ermahnen  vergeblich
und  man  entschlossen  ist,  die  Krönung  mit  oder  ohne  Zustimmung
des  Kaisers  vorzunehmen,  ihm  das  ganze  Regiment  zu  entziehen,
ihm  nicht  mehr  die  Residenz  zu  Prag  zu  gestatten  sondern  ihn  nach
Pilsen  oder  sonst  wohin  in  Böhmen  zu  verweisen,  werden  E.  L.  wissen.
Wir  für  unsere  Person  sehen  kein  Mittel,  wodurch  in  der  Eile  dies  Unwesen
  gestillt  werden  könnte  und  hätten  darum  gerne  gesehen,  dass  der
Kurfürstentag  früher  begonnen  hätte;  doch  lassen  wir  es  aufE.L.
Erklärung,  dass  dies  unmöglich  sei,  beim  angesetzten  Termin  bewenden.
Nun  gilt  zu  erwägen,  ob  angesichts  des  oben  Erwähnten  dem  Kaiser
noch  zu  raten  ist,  in  Böhmen  zu  residieren.  Wir  für  unsere  Person
halten  es  für  schimpflich,  dass  der  Kaiser  an  einem  Ort  bleibt,  wo
er  keine  Jurisdiktion  hat  und  fremder  Botmässigkeit  unterworfen  ist,
wohin  sich  die  Reichsstände  mit  ihren  Anliegen  begeben  sollen,  ohne
dort  ihr  Oberhaupt  beschützen  oder  selber  sicher  zu-  und  abreisen  zu

gar  nichts,  das  als  Zauberin  eingezogene  alte  Weib  ist  wieder  entlassen  worden;
Dr.  Hauser  [vgl.  no.  218]  nat  viel  alchymistische  Sachen  mit  Zeichen  und  Charakteren
  nach  Paracelsus  getrieben;  „der  wälsche  pfaff,  so  protonotarius  apostolicus
sein  und  Jen  hund  getauft  haben  soll,  ist  noch  nicht  peinlichen  examinirt.*  —
Eben  lässt  der  Kaiser  uns  durch  Hertel  sagen,  der  König  und  die  Stände
hätten  in  den  Aufschub  der  Krönung  bis  Pfingstmontag  gewilligt,  doch
soll  dagegen  der  Kaiser  die  Acht  gegen  Jie  Passauer  veröffentlichen  und
sie  eigenhändig  unterzeichnen  „mit  verwarnung,  do  es  nicht  geschoe,  hetten
sich  I.  M.t  morgendes  tags  von  den  Bömen  eines  ungestumern  procedirens
zu  befahren“,  weil  die  Passauer  den  Königlichen  so  grossen  Schaden  zufügen.
  Auf  die  Münze,  die  zar  Krönung  ausgeworfen  werden  soll,  soll  u.  a.
geprägt  werden:  „salutem  ex  inimicis  nostris*  (Dre,  a.  a.  O.,  f.  567;  Or.).

Am  4./14.Mai  wird  weiter  berichtet:  Gestern  ist  der  Kardinal  Dietrichstein
  angekommen,  der  anstatt  des  Erzbischofs  von  Prag  den  König  krönen
sol.  „Es  ist  nicht  mehr  heimblichen,  dass  der  herr  von  Dort  von  wegen
der  Generalsetaaden  mit  dem  könig  und  diesen  landen  eine  union  tractire.
Dieweil  dann  dieselbige  nhne  zweifel  zu  aller  chur-  und  fürsten  ruin  gereichen
muss,  80  will  deroselben  eusserste  notturft  erfordern,  diesen  sachen  bei  zeiten
vorzubanen,  68  wird  sonsten  umbs  reich  gar  bald  gescheen  sein.  Der  fürst
von  Anhalt  kan  es  mit  einem  wort  verhindern,  desgleichen  die  Schlesier
und  Lausnizer.  Solten  die  mit  den  andern  ländern  in  die  verbünduuss
kommen,  wie  sie  eich  freilich  von  den  andern  nicht  absondern  können,  80
wurden  derogestalt  die  Staaden  mit  ihnen  unsere  nechste  nachbarn  werden.
Der  von  Dort  ist  auch  zu  Braunschweig  gewesen,  vermuthlichen  dieselb
sambt  den  Hansestädten  an  sich  zu  bringen.  Wann  dann  die  Staaden,
Schwoizer,  Venediger,  Hansestädte  mit  diesen  landen  als  Ungarn,  Oesterreich,
Mähren,  Bömen,  Schlesien  und  Lausnitz  die  seiten  zusammenzögen,  ist
leicht  zu  erachten,  wie  die  im  mittel  gelegne  chur-  und  fürsten  bei  dem
ohne  das  haftenden  grossen  mistrauen  sizen  wurden.“  Man  sagt,  der  Könie
wolle  gleich  nach  der  Krönung  eine  Gesandtschaft  nach  Innsbruck  abfertigen
und  um  die  ältere  Tochter  des  Erzherzogs  Ferdinand  werben,  sobald  der
Kaiser,  al  deren  Vormund  eingewilligt  habe  (Nrs.,  a.  a.  O.,  f.  574;  Or.).

o.  171.

Mai  11.
        <pb n="476" />
        Mai  11.

Mai  12.

454  1611  189—1%.

können;  darum  wäre  am  bequemsten,  wenn  der  Kaiser  seine  Residenz  ın
eine  Reic  hsstadt,  etwa  nach  Regensburg,  verlegte.  Sobald  er  sich  dazu  eıtschlossen
  und  dahin  begeben  hat  und  damit  wieder  frei  ist,  könnte  er  einen
Reichstag  ausschreiben,  allen  Ständen  seine  Not  klagen  und  dere
Hilfe  begebren;  zugleich  könnte  über  die  Bestellung  des  kaiserlichen
Regiments  und  wie  des  Kaisers  Ehre  zu  erhalten  sei,  gehandelt
werden.  Freilich  gehört  dazu  Zeit;  aber  ein  Reichstag  ist  der  beste
Weg,  da  alle  Stände  schuldig  sind,  ihr  Oberhaupt  zu  schützen  und
zu  erhalten.  Beim  Kurfürstentag  könnten  dazu  Vorbereitungen  ge
troffen,  dem  Kaiser  der  Konsens  zur  Ausschreibung  erteilt,  ihm  auch
eine  Residenz  vorgeschlagen  und  beraten  werden,  wie  man  den  Kaiser
mit  Reputation  aus  Böhmen  bringen  könnte.  Auch  hoffen  wir,  weil
der  Kaiser  sich  gegen  Kurbrandenburg  wegen  der  „Offens“  zu  allen
kaiserlichen  Gnaden  bat  vernehmen  lassen,  dass  dieser  sich  gegen
den  Kaiser  gleichfalls  als  Kurfürst  bezeigen  werde,  wobei  wir  e8  an
unserer  Erinnerung  nicht  fehlen  lassen  wollen;  es  ist  aber  nötig,
dass  E.  I.  ihm  den  Kurverein  notifizieren  und  noch  vor  dem  Kurfürstentag
  ihn  darin  aufnehmen.  Datum  Dressden  den  1.  mai
a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  18.  maii  1611.

Drs.,  1.  9167,  1I.B.  passauer  Kriegsvolks,  f.  419;  Kpt.  von  Schönberg.  —  Ws
Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  134,  Or.l

190.  Erzherzog  Ferdinand  an  König  Matthias.

Aus  besonderer  Sorgfalt  für  die  gemeine  Wolfahrt  und  unser
wahre  katholische  Religion  habe  ich  E.  L.  öfter  daran  erinnert,  bi
der  jetzigen  prager  Handlung  und  bevorstehenden  Aonderung  in  der
Krone  Böhmen  dahin  zu  sehen,  dass  unserer  Religion  kein  Nachteil
zugezogen  wird.  Ich  zweifle  nun  zwar  nicht,  dass  E..M.®  und  L.  für

!  Kanzler  Faust,  dem  obiges  Schreiben  zur  Begutachtung  überschidt
worden  war,  schreibt  ungefähr  am  20.  Mai  an  den  Kurfürsten  von  Mainz:
Kursachsens  Motive  sind  sehr  erheblich;  denn  im  angedeuteten  Falk
wäre  der  Kaiser  zu  Pilsen  ein  Gefangener  der  Böhmen.  Das  schwierig
wird  aber  sein,  des  Kaisers  Schatz  aus  Böhmen  zu  bringen  und  dessa
Herrschaften  zu  sichern  oder  um  angemessenen  Preis  zu  verkaufen
Man  soll  den  kurfürstlichen  Räten  zu  Prag  befehlen,  dass  sie,  sobald  dem
Kaiser  die  ganze  Administration  und  die  Residenz  genommen  würde,  zuerst
ihn  fragen  sollen,  wohin  er  am  liebsten  gienge;  dann  sollen  sie  sich
beim  König  und  bei  den  Ständen  aufs  äusserste  anstrengen,  dass  jane  Artikel
wegen  Unterhalt  des  Kaisers  und  Ausfolgung  des  kaiserlichen  Gutes,  fiber  die
der  Kaiser  schon  vor  der  Krönung  die  Erklärung  der  Stände  gefordert  hatke,
schleunigst  richtig  gemacht  werden  und  dem  Kaiser  von  dem  seinigen  nichts
vorenthalten  wird.  Geschieht  dies  nicht  vor  der  Krönung  und  bevor  der  Kaiser
sich  wegen  des  Abzugs  erklärt  hat,  so  wird  man  hernach  gar  nichts  erhalten.
Brömser  soll  dann  schleunig  darliber  berichten,  damit  man  auf  dem  Kurfürstentsg
desto  besser  beschliessen  kann.  Es  sollten  wol  alle  Herrn  von  Oesterreich
den  Schimpf,  der  jedem  einzelnen  wie  dem  ganzen  Reich  aus  der  Behandlung
des  Kaisers  erwächst,  sich  zu  Herzen  nehmen  und  eine  solche  Demütigung
des  Kaisers  nicht  gestatten;  aber  wo  widerwärtige  Affektionen  einwaurzelt,
hat  die  Vernunft  keine  Wirkung  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  135;  Or.  eigh.).
        <pb n="477" />
        1.  1611  455

sich  selbst  Ihren  bekannten  Eifer  zeigen  werden;  aber  es  geben  die  Mai  12.
im  Reich  vordem  vorgefallenen  Handlungen  zu  erkennen,  wie  stark
sich  unsere  Widersacher  bei  solchen  Gelegenheiten  bemühen,  das  zur
Handhabung  und  zum  Aufnehmen  unserer  Religion  Dienliche  zu  verhindern.
So  werde  ich  u.  a.  von  glaubwürdigen  Orten  berichtet,  dass  unter
den  böbmischen  Ständen  einige  unserer  Religion  nicht  zugethane  bei
dieser  Gelegenheit  es  dahin  richten  wollen,  die  Gesellschaft  Jesu  aus
Prag  und  aus  der  ganzen  Krone  Böhmen  zu  vertreiben.  „Nun  ist
aber  E.  M.‘  und  L.  ohne  mein  erinnerung  selbsten  unverborgen,
was  diese  societet  und  gottseelige  institution  bishero  sowol  im  heil.
reich  deutscher  nation  als  andern  königreichen  und  ländern,  die  mit
irrtthumben  der  religion  befleckt  worden,  mit  predigen,  unterweisung
der  lieben  jugend,  auch  andern  geistlichen  functionibus  für  frucht
geschaffen  und  wie  stark  hierdurch  der  sonsten  vor  augen  gestandene
völlige  untergang  des  catholischen  glaubens  vermehret  worden,  welches
dann  gewiesslichen  die  vornembste  ursach  ist,  dass  unsere  widersacher
diesen  orden  vor  andern  abhold  sein  und  dessen  vertilgung  alles
angelegenen  vleiss  begehren  und  suchen.  Sintemal  ich  dann  der
ungezweifelten  mainung  bin,  dass  die  vertreibung  und  abthuung  mehrberührter
  societet,  derselbigen  collegien  und  schulen,  wo  nit  die  vertilgung
  der  catholischen  religion  mit  sich  ziehe,  jedoch  ein  gewiesse
vorberaitung  darzue  sei,  so  lasse  ich  mir  auch  derselben  societet
handhabung  umb  sovil  euveriger  angelegen  sein  und  wurde  dardurch
zue  dieser  meiner  erinnerung  angetrieben,  E.  M.'  und  L.  hiermit
beweglich  ersuchende,  Sie  geruehe  mir  diese  meine  erinnerung  nicht
allein  in  unguten  nit  zu  vermerken  sonder  Ihro  bei  gegenwertigen
handlungen  mit  den  böhemischen  ständen  die  societet  Jesu  in  gnaden
lassen  bevohlen  sein,  damit  sie  bei  ihren  unter  der  cron  Behaimb
habenden  collegiis  und  schuelen  und  derselben  unverhindertem  exercitio
  obngedrangt  gelassen  werden  in  vleissiger  erwegung,  dass  durch
den  widerigen  fall  nit  allein  dem  gegentheil  die  tbür  zue  leichterer
undertruckung  unserer  wahren  apostolischen  religion  umb  sovil  mehr
geöffnet  sondern  auch  E.  M.  und  L.  catholischer  eifer  bei  andern
unserer  religion  zugewandten  potentaten,  wie  zumal  der  lieben  posteritet
in  etwas  zweifel  gezogen  werden,  zu  geschweigen,  Sie  es  etwan  in  ander
weg  bei  dem  lieben  Gott  sowol  im  zeitlichen  als  ewiglich  zu  entgelten
  haben  möchten.  Das  schreib  ich  nit  der  mainung,  als  ob  in
Dieselbige  ich  einigen  zweifel  sezte  sondern  vielmehr  aus  vetter-  und
brüderlichen  treuen  und  dienstwilligkeit.e.  Datum  Gräz  den  12.  maii

anno  1611“.
Schl,  17/8,  —  Kopie.!

'  Zugleich  schreibt  der  Erzherzog  in  derselben  Angelegenheit  auch  an  Khleal:
Da  er  wisse,  dass  Khlesl  in  dieser  Sache  viel  tun  könne,  so  ersuche  er  ihn  noch
besonders,  sich  die  Gesellschaft  Jesu  befohlen  sein  zu  lassen  und  nach  Möglichkeit
  Praktiken  gegen  sie  abzuwehren;  denn  die  Austreibung  des  Ordens
aus  Böhmen  würde  dio  Austilgung  der  katholischen  Religion  dort  nach  sich
ziehen  und  den  König  samt  dessen  katholischen  Räten  und  Ministern  beim
        <pb n="478" />
        Mai  14.

Mai  14.

456  1611  191—122.

191.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  von  Trier.

Zuniga  hat  uns  dieser  Tage  durch  seinen  Sekretär  Jakob
Bruneau  den  Verlauf  zu  Prag  berichten  und  uns  anzeigen  lassen,  dass
sein  Herr,  der  König  von  Spanien,  mit  diesem  geschwinden  und
unförmlichen  Verfahren  gegen  den  Kaiser  sehr  unzufrieden  sei  und  ihm,
Zuniga,  ausdrücklich  befohlen  habe,  dahin  zu  trachten,  dass  des
Kaisers  Autorität  und  Hoheit  gebührlich  erhalten  werde;  demgemäss  habe
Zuniga  den  König  Matthias  zur  Mässigung  ermahnt  und  etwas  hart
zugeredet;!  wir  und  unsere  Mitkurfürsten  möchten  daher  nicht  dafür
halten  als  wenn  der  König  von  Spanien  an  diesem  Verlauf  Gefallea
hätte.  Auch  sei  der  König  der  katholischen  Union  nach  wie  vor
mit  Gnaden  zugetan.  Wir  haben  geantwortet,  dass  diese  Rücksicht
des  Königs  von  Spanien  auf  den  Kaiser  uns  zu  hören  ganz  erfreulich
sei  und  dass  wir  hofiten,  es  werde  Zuuiga  daran  festhalten  und  all  sein
Tun  beständig  darauf  richten,  seines  Herrn  gute  Affektion  zu
verwirklichen  und,  wenn  die  Krönung  nicht  mehr  hinauszuschieben
sei,  wenigstens  zu  veranlassen,  dass  alles  mit  des  Kaisers
Satisfaktion  und  Autorität  zugehe.  Zugleich  dankten  wir  für  die
Versicherung  wegen  der  katholischen  Union  und  baten,  dass  der
König  sich  die  katholische  Religion  und  die  Ruhe  im  Reiche  aufs
beste  befohlen  sein  lassen  möge.  Datum  Aschaffenburg  14.  mai
anno  1611.2

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  1030,  no.  105;  Kpt.

192.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  Lüttichau  und
Gerstenberg.

Auf  die  Berichte  vom  9.  und  10.  Mai.?_  Wir  hätten  überhaupt
gewünscht,  dass  mit  der  kaiserlichen  Proposition  etwas  zurückgehalten
worden  wäre.  Wenn  nun  darin  die  Krönung  des  Matthias  auch

Papst,  bei  Spanien  nnd  bei  allen  katholischen  Potentaten  in  solchea
Verdacht  bringen  als  hätten  sie  „umb  ihres  privatinteresse  willen  die
religion  zue  schaden  und  abgang  kommen  lassen;  dessen  etwan  hernach
I.  Mt  und  L.  an  einem  oder  dem  andern  ort  zue  ihrer  aigenen  verhindernuss
entgelten  möchten.  Wass  nun  die  vielgemelte  societet  in  der  catholischen
kirchen  bisshero  für  nutz  geschaffet,  wie  stark  sie  auch  dahero  vor  anderen
orden  durch  die  widersacher  verfolget  werden,  was  auch  aus  absahaffung
derselben  dem  catholischen  wesen  für  merklicher  schimpf  und  schaden
zuestehen  wurde,  das  ist  Euch  ohne  unsere  erinnerung  bestermassen  bewust
und  werdet  Ihr  derohalben  unsers  verhoffens  für  Euch  selbsten  genaigt  sein,
dergleichen  hochschädliche  fürnehmen  zu  verhüten  und  dardurch  sowohl
I.  M.t  und  L.  als  Euch  selbsten  allerhand  verclainerliche  nachreden  und
verargwöhnung  zuesambt  der  ewigen  und  zeitlichen  rach  zu  vermaiden
(Schl.,  87/3;  —  Kopie).

1  Vgl.  no.  1563  mit  Anm.  1  auf  8.  391.  —  Bruneau  war  auch  in
München  gewesen.

‚  Dieselbe  Mitteilung  erhält  auch  Kurköln;  vgl.  unten  no.  207,  S.  496,
Anm.  1.
®  Vgl.  no.  181,  S.  441,  Anm.  4.
        <pb n="479" />
        192.  1611  457

bewilligt  wurde,  so  geschah  das  doch  nur  in  der  Meinung,  dass  nach  Mai  14.
des  Kaisers  Tod  Unruhen  in  Böhmen  verhütet  werden  sollen,  nicht  aber
um  auf  das  Regiment  zu  verzichten.  Der  Kaiser  hat  sich  in  der  Proposition
auch  noch  einige  Punkte  vorbehalten,  die  mit  dem  König  und  den
Ständen  zuvor  abgehandelt  werden  müssen  ;  sie  ist  daher  teils  „eventualis,‘‘
teils  „‚conditionalis‘‘  und  ist  inihr  vom  Verzicht  auf  das  Regiment  keine
Rede.  Da  die  Stände  insgesamt  des  Kaisers  Proposition,  wie  der  Buchstabe
lautet,  angenommen  haben,  auf  die  vom  Kaiser  den  böhmischen  Ständen
übergebenen  Punkte  aber  keine  solche  Resolution  erfolgt  ist,  dass  der
Kaiser  damit  zufrieden  sein  kann,  auch  der  Vergleich  mit  dem  König
und  den  Gesandten  der  inkorporierten  T,änder  noch  bevorsteht,  so
sehen  wir  nicht,  wie  man  jetzt  auf  die  Resignation  dringen  oder  zur
Krönung  schreiten  kann,  zumal  der  Kaiser  „das  sterkeste  vinculum,
nemblich  iuramenti,  noch  in  banden  und  zur  relaxation  ante  impletionem
propositorum  et  proponendarum  conditionam  nicht  konne  gezwungen
werden.“  Das  habt  Ihr  wol  zu  beachten  und  mit  Braunschweig  und
den  andern  Gesandten  darüber  zu  reden.  —  „Sonsten  so  viel  das
königreich  Behem  betrifft,  seind  wir  berichtet,  dass  dasselbe  anfenglich
  ein  herzogthumb  gewesen  und  von  kaiser  Heinrico  anno  1086  zu
Meinz  auf  dem  reichstage  zum  konigreich  erigirt  und  also  feudum
imperii  worden;  wie  denn  die  @önige  in  Behem  bei  den  römischen
kaisern  die  confirmationem  suchen,  auch  die  salbung  und  krönung
von  einem  erzbischofe  zu  Meinz  entpfahen  müssen;  hernachmals  aber
seind  sie  dessen  allein  von  Friderico  und  Carolo  IV.  anno  1212  und
1347  und  1348  entnommen  und  ein  frei  konigreich  worden,  wie
beiliegende  privilegia  mit  mehrerm  besagen,  welche  wir  zwar  nicht
aus  unseren  archivis  sondern  ezlichen  behmischen  historien  erlanget.
Wir  zweifeln  aber  nicht,  man  dessen  bei  kaiserlicher  und  meinzischer
kanzlei  mehr  bericht  uberkommen  können.  Darbei  werden  wir  aber  auch
diss  verstendiget,  dass  der  könig  in  Behem  im  reich  keinen  anschlag
habe,  zu  keinem  reichgtage  beschrieben,  viel  weniger  sein  consensus
zum  reichstage  erfodert,  auch  nicht  in  der  churfursten  verein  sowie
in  austeilung  des  römischen  reichs  kreisen  befunden  werde,  inmassen
ihme  dann  auch  keine  praesentation  ans  kammergericht  zustendig,  auch
sonsten  zu  keinen  im  reich  ublichen  und  gebreuchlichen  tägen  ausserhalb
der  wahltägen,  welches  privilegium  ein  könig  in  Behem  von  Rudolpho
imperatore  anno  1290  impetrirt,  vocirt  wurde;  doch  werdet  Ihr
weiter  nachzufragen  wissen,  damit  man  ein  ding  nicht  rege  mache,
darzu  kein  fundament  vorhanden.”  Datum  Dressden  den  4.  maii  a,  1611.“
Drs.,  I.  9167,  II.  B.  passauer  Kriogsvolks,  f.  488;  Kptkopie.,

ı  Vgl.  no.  152,  8.  374,  Anm.  3  und  no.  183,  8.  443,  Anm.  3.

?  Die  Gesandten  hatten  am  9.  Mai  dem  Kurfürsten  ihre  Ansicht  über
das  staatsrechtliche  Verhältnis  Böhmens  zum  Reich  geäussert:  „Wir
wissen  anders  nicht  dann  dass  die  cron  Böhmen,  wenn  sie  ein  römischer  kaiser
nicht  besitzt,  wie  nun  viel  lange  jar  gescheen,  so  sei  sie  doch  ein  feudum
imperii,  musse  vom  romischen  kaiser  reoognosciret  werden,  wie  dann  auch
        <pb n="480" />
        Mai  15,

458  1611  193

193.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Brömser.

Auf  den  Bericht  vom  7.  Mai.!  Wir  hoffen,  dass  Du  auch  künftig
mit  den  anwesenden  kurfürstlichen  und  andern  Räten,  besonders  aber
mit  dem  Herzog  von  Braunschweig  (dessen  Gegenwart  viel  Gutes  schaffen
kann)  nichts  unterlassen  wirst,  was  zum  Trost  und  Erleichterung  des
Kaisers,  zur  Erhaltung  seiner  und  des  Reiches  Ehre,  gemeiner  Wolfahrt
nnd  Friedens  in  Religion-  und  Profansachen  gereichen  mag.  Du
wirst  auch  mit  den  andern  kurfürstlichen  Gesandten  (von  denen  die
trierischen  und  kölnischen  bereits  auf  der  Reise  sein  werden  ?)  gute
Kommunikation  halten  und  Dich  denselben  konformieren.  Wir  ersuchen
  eben  den  Kurfürsten  von  Sachsen,?  seinen  Räten  zu  befehlen,
mit  Dir  weiter  in  gutem  Verstand  zu  bleiben.

Warum  wir  wegen  der  erbetenen  Zuordnung  Dir  nicht  nachgeben
können,  weisst  Du  bereits:  Faust  hat  wegen  Kränklichkeit  sich  nach
Hause  begeben  müssen,  die  anderen,  besonders  die  gelehrten  Räte
brauchen  wir  wegen  des  Kurfürstentags..  Hoffentlich  werden  die
Sachen  in  Prag  bald  in  besseren  Stand  kommen  und  Du  dann  ledig
werden.  Die  Anzeige  an  den  Kaiser  wegen  des  Kurfürstentags  ist
von  uus  bereits  erfolgt;  *  es  wäre  gut,  wenn  der  Kaiser  dazu  solche
Personen  abordnete,  denen  die  Reichssachen  bekannt  [,„und  bey  andern
nitt  verdächtig‘)  ®  wären,  was  Du  Leuchtenberg  oder  einem  andera
geheimen  Rat  gelegentlich  andeuten  kannst.  Mit  Deiner  Werbung
beim  Nuntius®  in  unserm  Namen  sind  wir  zufrieden  ;  die  auf  ihn  gerichtete
  Beglaubigung  ist  nur  zufällig  hier  liegen  geblieben.  Wir  hoffen,

die  ceron  Boehmen  :und  Oesterreich  ihren  sonderlichen  anschlag  ins  reichs
matricul  haben,  welche  contribution  bisher  in  die  kaiserliche  cammer  geliefert.*
Da  daraus  viele  nützliche  Argumente  in  der  schwebenden  Sache  genommen
werden  könnten,  so  bitten  die  Gesandten  deshalb  um  nähere  Information
(Drs.,  a.  a.  O.,  f.  426;  Or.).

ı  No.  180.  .

32  Der  Kurfürst  von  Trier  teilt  am  14.  Mai  nochmals  (vgl.  no.  159,
Anm.  2  auf  S.  394)  mit,  dass  er  tags  zuvor  seinen  Landhofmeister  Johann
Zant  von  Merle  nach  Prag  abgefertigt  habe  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  13;
Or.).  —  Am  16.  Mai  schreibt  der  Kurfürst  von  Köln  an  den  von  Sachsen,
er  habe  seinen  westphälischon  Marschall  Jobst  von  Landsberg  und  seinen
Rat  Liz.  Christoph  Wintzler  zum  Kaiser  und  zum  Kurfürsten  abgefertigt
(Dre,  |.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  747;  Or.).  —  Vgl.  no.  159,
aa  0.

®  Das  gleichzeitige  Schreiben  des  Kurfürsten  an  Kursachsen  ist  fast
gleichen  Inhalts  mit  obigem:  Kurmainz  spricht  darin  noch  seine  Besorgnis
aus,  ob  nicht  die  böhmischen  Stände,  die  mit  dem  passauer  Volk  verhandeln
lassen,  daran  denken,  dies  Volk  für  sich  zu  werben,  um  ihre  Anschläge
gegen  den  Kaiser,  dessen  Räte  und  vielleicht  auch  gegen  die  benachbarten
Reichsstände  um  so  besser  fortsetzen  zu  können;  er  gibt  daher  Kursachsen  zu
erwägen,  ob  man  die  Achtserklärung  nicht  etwas  suspendieren  solle  (Wma.,
a.  a.  O.;  f.  118;  Kpt.).

“  Am  12.  Mai;  vgl.  no.  162,  S.  398,  Anm.  1.

5  Eigenhändiger  Zusatz  des  Kurfürsten.

®  Vgl.  no.  175,  S.  428,  Anm.  2.
        <pb n="481" />
        193  —194.  1611  459

dass  seine  und  Zunigas,  der  anwesenden  kurfürstlichen  und  fürstlichen  Mai  16.
Räte  und  besonders  Braunschweigs  Interposition  beim  König  und
bei  den  böhmischen,  mährischen  und  österreichischen  Ständen  so  viel
wirken  wird,  dass  mit  dem  geschwinden,  unförmlichen  Verfahren
gegen  den  Kaiser  (‚es  seien  gleich  sonsten  die  sachen  geschaffen
wie  sie  immer  wöllen,  deme  dann  in  andere,  verantwortlichere  und
glimpflichere  wege  wol  rath  und  mittel  zu  finden‘)  und  dessen  Räte
und  Diener  eingehalten  und  nicht  anderm  Ungemach  und  unausbleiblichem
  Verweis  für  den  König,  dessen  Haus  und  die  böhmischen
Stände  Tür  und  Tor  geöffnet  werde.  Sollte  aber  trotz  aller  Mühe
alles  fruchtlos  ablaufen  und  weder  der  Kaiser  noch  das  Reich  in  Acht
genommen  sondern  nach  erklärter  Meinung  einiger  böhmischer  Stände
immer  weiter  gegangen  werden,  so  hast  Du  Dich  mit  den  andern  Räten,
mit  dem  Herzog,  mit  Zuniga  und  dem  Nuntius  dahin  zu  bemühen,  wie
der  Kaiser  samt  seinem  Hofstaat,  besonders  seinen  geheimen  und
Reichshofräten,  der  Reichshofkanzlei,  dem  Archiv  und  der  Registratur
ungefährdet  von  Prag  anderswohin  übersiedeln  kann  und  er  so  vor  weiterem
Schimpf  und  Ungelegenheit  behätet  werde.  Dabei  hast  Du  Dich
der  Mehrheit  zu  konformieren.  Datum  Aschaffenburg  den  15.  maü

anno  1611.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  1030,  no.  117;  Kpt,

194.  Brömsers  dritter  Wochenbericht  aus  Prag.

Mai  15.

Leuchtenberg  berichtet  uns  Gesandten,  dass  dieböhmischen  Stände  nochmals
  ernstlich  auf  die  Ausfertigung  der  Achtserklärung  gegen  die  Passauer
dringen;  der  Kaiser  habe  noch  Bedenken,  da  das  Gutachten  des  Reichshofrates
dahin  laute,  es  sei  nicht  förmlich  verfahren  worden;  trotzdem  habe  der
Kaiser  unterschrieben  und  wolle  die  Achtserklärung  den  Böhmen  zustellen
lassen.  Leuchtenberg  begehrte  auch,  dass  wir  unser  Gutachten  über
die  Punkte!,  die  mit  dem  König  noch  vor  der  Krönung  zu  verhandeln
seien,  eröffnen  wollten,  zugleich  stellte  er  uns  das  Gutachten  des
Herzogs  von  Braunschweig  darüber  zu.?2  Abends  liess  Leuchtenberg  mich

—

Mai
15.  bis  21.

i  Vgl.  no.  183,  S.  443,  Anm.  3  und  $.  444,  Anm.  2.  Nach  dem
Bericht  der  sächsischen  Gesandten  vom  5./15.  Mai  waren  diese  Artikel  dem
König  gar  nicht  übergeben  worden  ,  die  kaiserlichen  Räte  hatten  bei  einer
Audienz  vom  König  nur  die  Verschiebung  der  Krönung  bis  Pfingstmontag
erbeten,  aber  der  andern  Punkte  keine  Erwähnung  getan  (Dre.,  1.  9167,
U.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  578;  Or.).

?  1.  Wegen  des  Titels’  hat  es  sein  Mass;  der  begehrte  Revers  ist  zwar
bart  und  ftir  den  Kaiser  schimpflich,  doch  werden  die  Stände  sich  darauf  berufen,
  dass  es  mit  Ungarn,  Oesterreich  und  Mähren  ebenso  gehalten  worden  sei
und  werden  davon  nicht  ablassen;  auch  hat  der  Kaiser  in  den  Punkten,  „so  mit
dem  könig  geredt  werden  sollen“,  sich  dazu  schon  eventualiter  erboten.
2.  Die  100  000  Schock  Groschen  sind  zu  wenig  ;  da  der  Kaiser  sich  vorbehalten  hat,
deswegen  mit  dem  König  zu  verhandeln,  so  wird  man  bei  dieser  Verhandlung
es  dahin  richten,  dass  auch  die  andern  Länder,  Ungarn,  Oesterreich,  Mähren,
        <pb n="482" />
        Mai
15.  bis  21.

460  1611  194.

ersuchen,  ich  solle  mein  Gutachten  ihm  versiegelt  zuschicken;  ich
verglich  mich  aber  mit  den  Sachsen,  in  diesem  Fall  nichts  schriftliches
von  uns  zu  geben  und  das  Gutachten  nur  mündlich  zu  erstatten;
wir  boten  an,  dies  morgen  zu  tun.  Die  böhmischen  Stände
baben  Hannewald  ersucht,  ihnen  40  000  Taler  gegen  genügende
Versicherung  zu  leihen,  dafür  wollten  sie  beim  König  wegen  seiner
Freilassung  interzedieren.
Mai  16.

Wegen  Unwolseins  bin  ich  nicht  mit  den  Sachsen  in  den  Rat
gegangen.  Sie  berichteten  mir  nach  der  Rückkehr,  dass  Leuchtenberg
sio  abermals  um  ein  schriftliches  Gutachten  ersucht  habe;  sie  erboten
sich  aber  nur,  dass,  wenn  auch  die  geheimen  Räte  sich  darüber  erklärten,
  wir  ihnen  unsere  Gedanken  mündlich  eröffnen  würden.!

Schlesien  und  Lausitz  zum  Unterhalt  des  Kaisers  herangezogen  werden,  doch
wäre  dem  Kaiser  unreputierlich,  eine  bestimmte  Summe  zu  fordern.  3.  Der  Kaiser
soll  nochmals  darauf  dringen,  dass  das  prager  Schloss  ihm  zur  Residenz  bleibe.
Würden  die  Stände  es  verweigern,  so  soll  der  Kaiser  ihnen,  wie  es  bereits
gegen  den  König  geschehen  ist,  anzeigen,  er  wolle  nach  Schlesien,  Lausitz  oder
ins  Reich  und  begehre  dazu  Geleite  bis  zur  Grenze  sowie  Fuhrwerk  für
seine  Sachen  und  die  Kanzlei.  4.  Von  den  Herrschaften  sollen  wenigstens
die  erkauften  dem  Kaiser  zu  besseren  Unterhalt  und  zur  Erholung  bleiben.
5.  Das  gleiche  gilt  von  den  Begnadungen  der  Diener  bis  zur  wirklichen
Abtretung  der  Krone.  6.  Wegen  der  eingezogenen  Räte  und  Diener  soll
ein  Unterschied  gemacht  und  das  Begehren  allein  anf  Hannewald  und
Hegenmüller  als  gebeime  und  Reichshofräte  beschränkt,  es  anch  dahin  ergänzt
  werden,  dass  sie  gegen  genügende  Sicherstellung  in  die  Hände  der
anwesenden  (sesandten  geliefert  und  in  ihren  Häusern  arrestiert  werden  sollen,
so  dass  sie  jedem  zu  Recht  stünden.  7.  Der  Punkt  wegen  der  Acht  gegen
die  Passauer  ist  erledigt.  8.  Der  Punkt  wegen  Abtretung  des  Regiments
muss  dahin  beschränkt  werden,  dass  der  Kaiser  dem  Bruder  die  Regierung
„cum  plenipotentia“  abtritt,  dass  aber  alles  in  des  Kaisers  Namen  geschehen
soll;  daher  müssen  alle  Räte  und  Beamten  dem  Kaiser  und  dem  König  mit
Eid  verbunden  sein;  die  Bestallung  neuer  Räte  und  die  Ausschreibung  eines
Landtags  muss  dem  Kaiser  notifiziert  werden  und  die  Untertanen  dem  Kaiser
zum  Gehorsam  um  mehreren  Respekts  willen  verpflichtet  bleiben.  9.  Da
die  Schulden  gross  sein  sollen,  so  muss  bei  künftiger  Verhandlung  darauf
gesehen  werden,  dass  der  König  un.  die  Stände  sie  auf  sich  nehmen  (Wmz,,
a.  a.  O.,  no.  157;  Kopie).

i  Die  sächsischen  Gesandten  berichten  darüber  am  6./16.  Mai  aus
führlich:  Leuchtenberg  verlangte  von  uns  ein  schriftliches  Gutachten  über
die  von  Braunschweig  verfassten  Punkte,  was  wir  ablehnten,  weil  wir
an  des  Herzogs  Befehl  gewiesen  seien  und  weil  man  im  Rat  schen
den  einhelligen  Beschluss  gefasst  habe,  den  König  an  die  Zusage  zu
erinnern,  dass  er  als  Bruder  ins  Land  komme  und  dass  der  Kaiser  daselbst
Kaiser,  König  und  Herr  bleiben  solle,  ferner  den  König  um  einen  Aufschub
auf  sechs  Monate  zu  ersuchen  u.  a.  w.  (vgl.  'no.  188).  Die  kaiserlichen
Räte  entschuldigten  eich  und  vereprachen,  noch  heute  ihre  Meinu
schriftlich  zu  übergeben.  Statt  der  Schrift  kaın  aber  Sekretär  H
und  verlangte  von  uns  abermals  ein  schriftliches  Gutachten,  wie  man
den  Böhmen  antworten  solle.  Wir  argwohnten,  die  kaiserlichen  Räte
wollten  uns  durch  Mitteilung  der  Schrift  beim  König  und  den  Ständen  in
Nachteil  bringen  und  lehnten  ab,  das  Odium  auf  unsern  Herrn  und  uns  ma
wälsen  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  588;  Or.).
        <pb n="483" />
        194.  1611  461

Darauf  versprach  Leuchtenberg,  uns  am  Nachmittag  die  Meinung  der
geheimen  Räte  zu  berichten,  worauf  morgen  darüber  beraten  werden  könnte.
—  Nachmittags  kam  Hertel  in  unsere  Wohnung  und  brachte  die  schriftliche
Erklärung  der  geheimen  Räte  über  die  Punkte  mit;  sie  unterschied  sich
von  der  vorigen  nur  im  zweiten  Punkt  wegen  des  Reverses.!  Ich  erwog
mit  den  Sachsen,  was  man  morgen  bei  der  Beratung  vorbringen  könnte.  Wir
hielten  dafür  vorzuschlagen:  es  seion  dem  König  die  Punkte  vorzuhalten
und,  falls  er  sich  zu  einer  Verhandlung  darüber  versteht,  habe  man  sich
zuvor  über  Personen,  Ort  und  Art  der  Verhandlung  zu  vergleichen  ;  bei  der
Verhandlung  würde  sich  dann  von  selbst  ergeben,  was  bei  jedem  Punkt
zu  erinnern  wäre;  doch  müsste  man  wegen  der  herannahenden  Krönung
den  König  ersuchen,  die  Handlung  gleich  vorzunehmen  und  sich
alsbald  vernehmen  zu  lassen.?

Mai  17.

Wir  erschienen  im  Vorzimmer  und  wurden  von  Leuchtenberg  in  ein
Nebengemach  gerufen,  wo  wir  auch  Mollart,  Barvitius,  Minckwitz  und
Wacker  fanden.  Auf  Leuchtenbergs  Aufforderung  gaben  wir  unser
Gutachten  ab  und  stellten  den  geheimen  Räten  zu  weiterem  Nachı

  Wmz.,  a,8.0.,  no.58;  Kopie.  Der  zweite  Punkt  lautet  nun:  Wegen
des  Reverses,  den  die  Stände  vom  Kaiser  begehren,  soll  der  König  mit  ihnen
verhandeln,  dass  sie  davon  abstehen,  da  dieser  Revers  nicht  nur  dem  Kaiser
sondern  auch  dem  König  und  dem  ganzen  Hause  praejudizieren  würde.  —
Ausserdem  enthält  diese  neue  Redaktion  der  Bedingungen  noch  zwei  Punkte,
die  in  der  ersten  fehlen  oder  weggelassen  worden  waren:  9.  Der  König
soll  die  auf  den  kaiserlichen  Herrschaften  haftenden  Schulden  auf  sich
nehmen.  10.  Gemäss  der  Vergleichung  von  1610  werden  weder  der  König
noch  die  Stände  dieser  Krone  sich  in  eine  Union  oder  in  ein  Bündnis  einlassen,
  das  dem  Kaiser  oder  dem  Reich  nachteilig  wäre.

?  Die  sächsischen  Gesaudten  berichten  noch  (vgl.  Anm.  1  auf  8,  460):
Man  redet  hier,  dass  der  Kaiser  gleichzeitig  mit  der  Achtserklärung,  die
gestern  abgieng,  den  Passauern  geschrieben  habe,  sie  sollten  sich  an  die
Acht  nicht  kehren,  sie  sei  ihm  abgezwungen  worden.  Althan  soll  heute
hieber  geschrieben  baben,  Leopold  habe  ihn  aufgefordert,  die  Abdankung  zu
unterlassen,  denn  der  Kaiser  wolle  das  Volk  anderweitig  gebrauchen.  Eben
hört  man,  dass  der  Markgraf  von  Ansbach  sich  durch  List  Donauwörthe
bemächtigt  habe;  wenn  es  wahr  ist,  kann  man  sich  denken,  welche  Unruhe
im  Reich  daraus  entstehen  wird.  —  Wir  hiben  alle  möglichen  Vorstellungen
gemacht,  um  den  König  und  die  Stände  von  ihrem  Vorhaben  abzubringen,  doch
ist  alles  vergeblich;  denn  man  hat  es  mit  unsinnigen  Leuten  zu  tun.  Es  steht
jetzt  so,  dass,  wenn  jemand  jetzt  noch  ein  Wort  gegen  die  Krönung  redete,  er  vor
der  Gemeinde  seines  Lebens  nicht  sicher  wäre,  auch  bei  Unterlassung  gewiss  ein
allgemeiner  Aufstand  erfolgen  würde;  wie  wir  denn  heute  auf  Begehren  des
Landgrafen  und  Wallensteins  den  Herzog  von  Braunschweig  haben  warnen
müssen,  nicht  so  freimütig  zu  reden  und  zu  schreiben;  „wolten  wünschen,
L  fl.  Gn.  weren  bei  den  ihrigen.*  Eben  schicken  uns  die  kaiserlichen  Räte
beiliegende  Artikel,  die  morgen  beraten  werden  sollen.  Es  sind  dieselben,
die  sie  schon  vor  etlichen  Tagen  verfasst  haben.  Wir  wollen  erinnern,
dass  der  Artikel  wegen  der  Konfoederationen  aus  dem  Vertrag  von  1610

rübergenommen  werde,  „damit  der  anfang  von  der  ksl.  M.t  erfolge,  darnach
wird  sich  vielleicht  occasion  begeben,  wie  dem  Staadischen  wesen  [vgl.
n0.  188,  Aum.  2  auf  8.  453]  desto  füglicher  zu  begegnen  sei“.

Mai

15.  bis  21.
        <pb n="484" />
        Mai
15.  bis  21.

462  1611  194.

denken  anheim:  1.  uns  bediinke,  wenn  der  Kaiser  in  seiner  Residenz  bleiben
solle,  müsse  der  betreffende  Artikel  so  abgefasst  werden,  dass  des  Kaisers
eigene  Wiener  wie  auch  die  zu  ihm  aus  dem  Reiche  kommen,  gehörig
gesichert  werden;  2.  man  rede,  dass  allerlei  dem  Reiche  gefährliche
Unionen  im  Werke  seien;  man  solle  daher  den  König  bei  jetziger
Verhandlung  dahin  vermögen,  dass  solcha  ihm  selbst  nachteilige
Unionen  vermieden  bleiben  und  dass  dazu  ein  entsprechender  Punkt  ia
den  Vertrag  gebracht  werde  wie  im  vorigen  Jahre.  Dies  liessen  die
geheimen  Räte  sich  wol  gefallen  und  versprachen  es  noch  heute  dem
König  vorzuhalten.  Als  wir  uns  entfernten,  näherte  sich  Graf
Hohenlobe  und  gab  uns  zu  verstehen,  dass  das  passauer  Volk  den
König  in  die  Rüstung  gebracht  habe,  „dahero  man  im  reich  wohl
zuzusehen;  dann  obwohl  die  Passawischen  abziehen  oder  geschlagen
werden  solten,  so  würde  doch  der  könig  sogleich  nicht  zuruckweichen
oder  nachlassen  sondern  sein  glück  verfolgen.  Was  dieses  auf  sich
hat,  stehet  zu  bedenken.“
Mai  18.

Uns  wurde  berichtet,  der  Kaiser  habe  Zuniga  rufen  lassen  und
von  ihm  begehrt,  er  solle  dem  König  Matthias  die  Punkte  vorhalten.!
Zuniga  nahm  es  auf  sich,  wurde  aber  zuerst  vormittags  einer  Antwort
vertröstet,  dann  wurde  sie  von  Khuen  auf  den  Nachmittag,  sodann
wieder  auf  morgen  verschoben.  Man  scheint  also  die  Sache  absichtlich
hinauszuziehen.  Die  Sachsen  haben  dieser  Tage  von  ihrem  Herra
ein  Schreiben  bekommen,  worin  derselbe  andeutet,  dass  er  nicht  für  gut
halte,  falls  die  Krönung  nicht  mit  Willen  des  Kaisers  und  mit  dessen
Satisfaktion  in  den  übrigeu  Punkten  vor  sich  gehe,  dass  wir  derselben
anwobnten;  die  Gesandten  sollten  aber  darüber  mein  und  Braunschweigs
Gutachten  vernehmen  und  dann  berichten.  Der  Herzog  erklärte,  er  wolle
nicht  dabei  sein;  ich  schloss  mich  dem  an,  da  es  sonst  das  Ansehen

ı  Es  sind  ihrer  zwölf  geworden:  1.  Der  König  soll  Krönung  und
Regiment  haben,  doch  soll  der  Kaiser  den  königlichen  Titel  fortführen  und  der
König  im  Namen  des  Kaisers  regieren.  2.  Der  Kaiser  ist  nicht  verpflichtet,
einen  Revers  auszustellen,  dass  er,  auch  wenn  er  den  König  überlebt,  sich
picht  mehr  in  das  böhmische  Regiment  mischen  wolle;  wenn  er  aber  einen
Revers  ausstellt,  so  soll  es  mit  der  Klausel  geschehen,  dass  er  dem  Hause
unpraejudiziellich  sei._  3.  Das  Deputat  von  100000  Talern  soll  entsprechend
der  kaiserlichen  Hoheit  erhöht  werden.  4.  Der  Kaiser  kann  nach  Gefallen  in-  und
ausserhalb  des  Königreichs  wohnen  und  ein-  und  ausziehen.  5.  Der  Kaiser  kann
seine  Herrschaften  selbst  besitzen  und  geniessen.  6.  Alle  kaiserlichen  Schenkungen
bis  zum  Tag  der  Krönung  sollengiltig  sein.  7.  Alle  kaiserlicben  Räte  sollen  aus  dem
Gefängnis  befreit  werden.  8.  Der  König  soll  des  Kaisers  Schulden  bezahlen,
9.  soll  kein  Bündnis  gegen  den  Kaiser  und  das  Reich  eingehen,  10.  soll  die
Zession  Tirole  an  den  Kaiser  bei  den  Erzherzogen  und  11.  die  Rekompens
für  den  Kaiser  aus  TIngarn  und  den  zedierten  Ländern  betreiben.  12.  Der
König  soll  ohne  Entgelt  des  Kaisers  dem  Erzherzog  Albrecht  eine  Enatschädigung
  [für  dessen  Ansprüche  auf  Tirol]  geben  (Wi.,  I  A  1,  Ka.  2989;
Kopie).  Auf  die  Aussenseite  hat  Khlesl  geschrieben:  „Artickhl  so  die
spänische  podtschafft  den  19.  diss  vmb  3  vhr  I.  M.t  füerbracht,  eo  alspald  berathschlagt
  worden“  (vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II,  S.  288),
        <pb n="485" />
        194.  1611  463

haben  würde  als  hiesse  man  jetzt  gut,  was  man  früher  so  sehr  Mai
getadelt  habe;  unsern  ganzen  bisherigen  Fleiss  würde  man  für  ein  35.  bis21.
Spiegelfechten  achten;  man  möge  aber  noch  des  Kaisers  Meinung  darüber
vernehmen.  Wenn  wir  von  der  Krönung  wegbleiben,  ist  es  besser,

dass  wir  vorher  abreisen.!

Mai  19.

Auf  Gutachten  der  Sachsen  sprach  ich  Barvitius  an,  um  von  ihm
des  Kaisers  Meinung  wegen  der  Krönung  zu  vernehmen;  er  hielt  aber  für
gut  zu  warten,  bis  des  Königs  Resolution  auf  die  übrigen  Punkte  erfolgt
sei;  dann  werde  man  leicht  sehen,  ob  einige  Hoffnung.  sei  oder
nicht.  Da  ich  von  Zuniga  zur  Mittagsmahlzeit  geladen  worden  war,
hoffte  ich  von  ihm  zu  erfahren,  was  er  beim  König  ausgerichtet
habe,  hörte  aber,  der  König  habe  die  Entscheidung  nochmals  auf  den
Nachmittag  verschoben,  so  dass  der  Argwohn  in  mir  wuchs,  man
verziehe  absichtlich  alles  bis  zum  letzten  Augenblick;  ebenso  denkt
Zuniga.  Im  übrigen  habe  ich  Zuniga  die  Beglaubigung  meines  Herrn
überreicht  und  allerlei  mit  ihm  geredet,  was  ich  auf  den  mündlichen
Bericht  verschieben  muss.

Nachmittags  liess  uns  der  Kaiser  durch  Minckwitz  sagen:  wir
sollten,  da  alle  Verhandlungen  vom  König  hinausgeschoben  würden,
nochmals  mit  dem  König  und  den  Ständen  in  Güte  und  Ernst
handeln,  dass  die  Krönung  vertagt  werde  oder,  wenn  dies  nicht
möglich  sei,  dass  er,  der  Kaiser,  von  hier  weg  könne,  um  während  der
Krönung  nicht  hier  sein  zu  müssen.  Wir  erwiderten,  dass  wir  dies  bereits
getan  hätten,  aber  es  sei  alles  vergeblich  und  wären  wir  keiner
Antwort,  geschweige  denn  einer  Verhandlung  gewürdigt  worden;
ferneres  Verbandeln  scheine  uns  nicht  nur  überflüssig  sondern  auch
bei  dem  verwirrten  Humor  der  Böhmen  gefährlich,  zumal  in  Bezug
suf  die  Verschiebung  der  Krönung,  da  der  Kaiser  proprio  motu,  soviel
wir  wissen,  und  ohne  unsern  Rat  diesen  Termin  bezeichnet  und  mit
dem  König  verglichen  habe;  würde  man  da  „zurückhandeln“,  so  würde
es  Mistrauen  und  Argwohn  geben;  zu  einem  eilenden  Aufbruch  des
Kaisers  könnten  wir  auch  diesmal  nicht  raten,  der  Kaiser  würde  sich  und
die  seinen  allerlei  Schimpf  und  Gefahr  aussetzen,  doch  wollten  wir
uns  darüber  morgen  weiter  resolvieren.  —  Ich  erlangte  Abschrift
des  kaiserlicben  Abmahnungsschreiben  an  Erzherzog  Leopold.?

!  Auch  die  Sachsen  schreiben  am  8./18.  Mai:  sie  sind  mit  Brömser
der  Meinung,  («ass  sie  nach  der  Krönung  nicht  viel  nützen  und  sich  vom
Kaiser  verabschieden  könnten.  In  der  Nachschrift  regen  sie  an,  ob  es  nicht  noch
besser  sei,  noch  vor  der  Krönung  abzureisen,  um  durch  das  Wegbleiben  vom
Krönangsakt  den  König  nicht  zu  beleidigen  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  605;  Or.).

’  Vom  17.  Mai:  Dem  Kaiser  ist  berichtet  worden,  der  Erzlierzog  habe
sich  mit  einigen  hohen  Befehlshabern  des  passauer  Volkes  wieder  nach
Böhmen  begeben  und  verhindere  dadurch  nicht  nur  die  Verhandlungen
wegen  der  Abdankung  des  Volkes  sondern  erwecke  dadurch  auch  allerlei
neuen  Verdacht.  Dies  Hereinkommen  ohne  sein  Vorwissen  gereicht  dem
Kaiser  zu  höchstem  Misfallen;  daher  befiehlt  er  dem  Erzherzog  ernstlich,  sich
        <pb n="486" />
        Mai
16.  bis  21,

464  1611  194.

Mai  20.

Morgens  kam  wieder  Minckwitz  zu  uns.  Wir  sagten  ihm,  wir  seien
der  vorigen  Ansicht.  Zunigas  Sekretär  lies  mir  mitteilen,  dass  sein
Herr  zwar  beim  König  gewesen,  dass  aber  nichts  eigentliches  resolrviert
worden  sei.  —  Hannewald  verfiel  in  verflossener  Nacht  in  einen
16stündigen  Schlaf,  aus  dem  er  nicht  zu  erwecken  war;  er  hatte
auch  fast  keine  Empfindung  mehr,  so  dass  man  wenig  Hoffnung  für  sein
Leben  hatte.  Am  selben  Tag  war  Hannewall  von  den  Königlichen,
nämlich  von  Losenstein  und  Dr.  Rebmann,  im  Beisein  der  Böhmen
von  Fels  und  Graf  Schlick  verhört  worden  und  hatte  ihnen  sehr
unvermutete  Antworten  gegeben,  so  dass  sie  ihm  nichts  anhaben
konnten;  abends  war  er  ganz  gesund,  lustig  und  unbezecht  und  fiel
dann  doch  in  diesen  Zustand,  so  dass  allerlei  geargwohnt  wird.

Nachmittags  wurden  ich  und  die  Sachsen  zum  Kaiser  berufen;  der
Braunschweiger  entschuldigte  sich  mit  Unpässlichkeit.  Wir  mussten
eine  Stunde  in  der  Antecamera  warten;  dann  liess  der  Kaiser  uns
durch  Mollart  anzeigen:  wir  sollten  beratschlagen,  wie  er  sich  gegen
die  Böhmen  wegen  der  Loszählung  vom  Eide  verhalten  solle  Wir
resolvierten  uns  schriftlich,  dass  man  sich  noch  keines  gewissen
entschliessen  könnte,  da  Zunigas  Bericht  noch  ausstehe,  wie  der  König
sich  auf  die  vorgeschlagenen  Punkte  erklärt  habe,  Mollart  und
Barvitius  erwiderten  darauf,  dass  sie  gehört  hätten,  der  König  habe
diese  Punkte  den  böhmischen  Ständen  zur  Beratung  übergeben,  diese
hätten  dann  eine  sehr  unförmliche  Schrift  nicht  wegen  der  Punkts
soudern  wegen  des  Eides  überreicht,  'aber  alsbald  wieder  zurückgenommen;
  eben  korrigieren  sie  sie.!  Die  geheimen  Bit

nach  Empfang  dieses  Schreibens  sofort  wieder  in  das  Stift  Passau  zu  begeben  und
Böhmen  mit  fernerer  Bedrängnis  zu  verschonen,  widrigenfalls  sich  der  Erzherzog
den  daraus  erwachsenden  Schaden  und  Spott  selber  zuzuschreiben  hätte  (us,
Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  159;  Kopie).  —  Erzherzog  Leopold  war
wegen  der  Abdankung  und  wegen  des  drohenden  Abfalls  Althans  am  12.  Mai  in
Krumau,  am  15.  in  Budweis  eingetroffen  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische
Hofkonzepto  von  1611,  f.  161  ff.);  vgl.  unten  no.  209.

Die  sächsischen  Gesandten  berichten  am  9./19.  Mai:  Je  gefährlicher  sich
hier  die  Sachen  anlassen,  desto  weniger  Ernst  wird  dazu  gebraucht;  auch
Zunigas  Verhandlung  wegen  der  unlängst  verfassten  Artikel  geht  schläfrig
von  statten  und  wird  eher  der  Pfingstmontag  herankommen,  bevor  sie  ia
Richtigkeit  gebracht  sind.  Eben  lässt  uns  der  Kaiser  durch  Minckwits
wegen  Verschiebung  der  Krönung  befragen;  denn  er  will  Prag  verlassen,  da
er  das  Schiessen  und  Blasen  nicht  hören  könne.  Minckwitz  bemerkt,  „dass
L  M.:  über  diesem  werk  sich  bestürzt,  auch  gar  wehe-  und  kleinmülig
befinden  und  erzeigt“.  ...  Zuniga  hat  dem  König  gestern  wegen  des
beabsichtigten  Bündnisses  mit  den  Staaten  hart  zugesprochen  und  erklärt,
sein  König  werde  es  nicht  leiden  sondern  all  sein  Vermögen  dagegen  einsetzen;
  denn  das  Haus  Oesterreich  sei  auch  sein  Haus.  Der  König  hat
darauf  zur  grossen  Veswunderung  des  Gesandten  koin  Wort  gesprochen
(Dres.,  a,  a.  O.,  f.  615;  Or.).

!  Das  Gutachten  der  böhmischen  Stände  lautete:  1.  Des  Königs
Regiment  muss  absolut  sein  und  darf  wegen  böser  Folgen  nicht  auf  de
        <pb n="487" />
        194.  1611  465

stımmten  uns  zu,  des  Königs  Erklärung  und  die  Schrift  der  Stände  Mai
zu  erwarten.  In  die  Ritterstabe  kamen  uns  Minckwitz  und  der  15.  bis  21.
Kammerdiener  Ericius  nach.  Letzterer  sagte  uns,  der  Kaiser  habe
erfahren.  es  seien  Gesandte  der  Generalstaaten  hier;  !  darüber  sei
derselbe  sebr  bestärzt,  bilde  sich  ein,  dass  auch  das  Reich  gegen
ihn  sei  und  wolle  wissen,  was  wir  davon  vernommen  bätten;
er,  Ericius,  habe  es  dem  Kaiser  auszureden  gesucht  und  ihm  vorgestellt,
dass,  wenn  dem  so  wäre,  es  ihm  im  Reich  nur  noch  mehr  guten
Willen  verschaffen  würde,  da  dergleichen  Verhandlungen  der  Staaten
nicht  wol  aufgenommen  werden  würden.  Gerstenberg  erwiderte:  Es
si  ein  Niederländer  hier  gewesen,  habe  sich  aber  für  einen  anhaltischen
Gesandten  ausgegeben  und  sei  auch  von  ihnen,  den  Sachsen,  vor  zwei  Tagen
zur  Mahlzeit  geladen  worden,  da  sie  ihn  von  den  kölner  Verhandlungen
  her  als  einen  ‚‚Staatischen‘  gekannt  und  gerne  von  ihm  seine
Absichten  erfahren  hätten.  Er  babe  ihnen  gesagt,  dass  er  mit  den
böbmischen  Ständen  in  Verhandlung  stünde  und  von  denselben  beschieden
  worden  sei,  in  sechs  Wochen  wieder  hieher  zu  kommen;  sonst
höre  man,  dass  er  unter  dem  Namen  des  Anhalters  im  Auftrag  der
Staaten  mit  den  Ständen  und  vielleicht  auch  mit  dem  König  verhandle;
man  könne  sich  leicht  denken,  wozu.  Der  König  habe  den  Gesandten
ansehnlich  gehalten  und  ihm  eine  goldene  Kette  verehrt,  so  dass  daraus
abzunehmen  sei,  dass  ihm  diese  Werbung  nicht  misfalle  und  dass
er  sie  höher  als  die  Interposition  der  Kurfürsten  achten  werde,  da  er
unser  Anbringen  und  Erbieten  noch  immer  keiner  rechten  Antwort  gewürdigt
  habe.  Der  Kaiser  möge  aber  deswegen  nicht  bekümmert  sein  ;
solche  Verhandlungen  und  Bündnisse  seien  den  Kurfürsten  und  Fürsten
des  Reiches  verdächtig  und  böten  ihnen  umso  mehr  Anlass,  sich  des
Kaisers  und  des  gemeinen  Wesens  eifrig  anzunehmen.  Der  Gesandte

Kaisers  „Plenipotenz*  gerichtet  werden;  die  Mährer,  die  sich  eben  wegen  des
schlechten  Regiments  dem  Kaiser  entzogen  haben,  würden  sonst  nicht  dazutreten  ;
dabei  sind  den  Böhmen  noch  grössere  Ungelegenheiten  als  den  Mährern  widerfahren.
2.  Der  Revers  des  Kaisers  soll  wie  der  für  Mähren  „absolut“  sein,  sonst  hätten
die  Mährer  mehr  Rechte  als  die  Böhmen,  auch  die  Schlesier  und  Lausitzer  würden
darauf  nicht  eingehen  ;  die  Bedingung  wegen  des  Reverses  |vgl.  Anm.  1  auf  8  462]
muss  auszolassen  werden,  sonst  wäre  Böhmen  kein  freies  Königreich.  3.  Im
Landtag  wurde  beschlossen,  dem  Kaiser  über  die  100  000  Taler  hinaus  keine
weitere  Zubusse  zu  bewilligen;  der  König  soll  aich  dafür  gegen  den  Kaiser
etwas  „milter“  erbieten  und  mit  Hilfe  der  inkorporierten  Länder  etwas  mehr
zu  geben  bewilligen.  4.  Wegen  der  Residenz  solleu  sich  die  Brüder  unter
einander  vergleichen;  vielleicht  könnte  noch  ein  anderer  Ort  als  Pilsen
bezeichnet  werden,  nur  duss  kein  Betrug  dahinter  steckt.  5.  Die  Kammergüter
  „des  königlichen  Stuhls*  können  schon  wegen  der  Schuldentilgung  dem
Kaiser  nicht  ausgefolgt  werden.  6.  Die  Begnadungen  für  verdiente  Räte
und  Diener  sollen  passiert,  die  andern  auf  Erkenntnis  gestellt  werden.
7.  Wegen  der  Gefangenen  wird  alles  dem  König  anheimgestell.  8.  Der  König
bat  nur  „rechte“  Schulden  auf  sich  zu  nehmen.  Die  Punkte  9.  bie  12.  gehen
nur  den  König  an  (Ma.,  111/11:  —  Kopie).

!  Gemeint  ist  natürlich  Dordt.  Nach  dem  Bericht  der  Sachsen  vom
8./18.  Mai  war  er  an  diesem  Tage  wieder  abgereist  (vgl.  oben  Aum.  1  auf
8.  463  und  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,  VI,  S.  500).

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  30
        <pb n="488" />
        Mai
15.  bis  21.

466  1611  194

sei  vor  zwei  Tagen  abgereist.e.  Abends  erfuhr  ich,  dass  es  mit
Hannewald  besser  gehe  und  dass  er  eingewilligt  habe,  den  Böhmen
gegen  Versicherung  40  000  Taler  zu  leihen.  —  Die  Stände  hab
mit  Trommelschlag  in  der  Stadt  bekannt  gegeben,  dass  am  Feiertag
[Mai  23.]  die  Krönung  geschehen  werde,  dass  jeder  zu  Hause  bleiben,
sich  mit  Lebensmitteln  auf  etliche  Tage  und  mit  Wasser,  Steinen,  Büchsen
and  Wehren  ve:ısehen  solle;  es  ist  als  erwarte  man  für  diese  Zeit
den  Feind  und  öffentlichen  Aufstand.  So  wird  wegen  dieser  Krönung
alles  in  Sorge  und  Trauer  gesetzt.  Auch  solche,  die  dies  Wesen
bisher  gefördert  haben,  zweifeln,  ob  dies  ein  fröhlicher  Eingang  der
königlichen  Regierung  sei.  Abends  schickte  Zu.ıiga  seinen  Sekretär
mit  der  Mitteilung  zu  mir,  er  sei  vom  König  mit  der  Resolution
abermals  auf  den  nächsten  Morgen  verwiesen  worden.

Mai  21.

Vormittags  wurden  wir  aufs  Schloss  berufen.  Während  wir
warteten,  wurde  uns  mitgeteilt,  dass  Zuniga  eben  jetzt  beim  König
sei;  sobald  man  seine  Verrichtung  vernomınen  habe,  wolle  man  Rat  halten.
Als  Zuniga  erschien,  übergab  er  schriftlich  die  königliche  Resolution  den
geheinien  Räten,!  die  sie  dann  uns  zustellten  und  über  die  sie  bis

!  Allgemeine  Zusicherung  der  Geneigtheit,  dem  Kaiser  brüderliche  Rücksicht
zu  erweisen.  Zu  1:  Der  Punkt  wegen  des  Regiments  betrifft  hauptsä-hlich  di»
böhmischen  Stände,  die  eben  durch  das  schlechte  Regiment  des  Kaisers  verbittert
worden  sind  und  sich  um  keinen  Preis  auf  dessen  Begehren  einlassen  werden,
auch  deshalb  nicht,  weil  den  andern  Ländern  nicht  das  gleiche  zugemutet
worden  ist.  Was  den  freien  Ein-  und  Auszug  betrifft,  so  hat  der  König  nie  daran
gedacht,  den  Kaiser  wie  einen  Gefangenen  zu  halten  sondern  er  sieht  in  ihm
den  älteren  Bruder,  den  er  respektieren  will,  so  lange  derselbe  friedlich  Jebt
und  sich  durch  böse  Leute  nicht  beirren  lässt.  Auch  dieser  Punkt  betrifft
übrigens  hauptsächlich  die  Stände,  welche  wegen  der  augenscheinlichen  Urruhen
  mistrauisch  sind  und  in  ihrem  Königreich  gesichert  sein  wollen,  aber
dem  Kaiser  nicht  verwehren  werden,  die  Reichstage  zu  bosuchen  und  seines  kaiserlichen
  Amtes  zu  walten.  Zu  2:  Durch  den  begehrten  Revers  würde  dor  König
seinem  ganzen  Hause  praejudizieren  und  Ursache  geben,  dass  die  Stände  die  altes
zwischen  diesem  Königreich  und  dem  Hause  Habsburg  aufgerichteten
Koipaktate  diffikultieren  und  die  freie  Wahl  begehren:  der  König  aber
will  das  Haus  wegen  des  Praejudizes  vertraulich  versivhern.  Zu  3.  wegen
des  Unterhalt:  Die  Länder  sind  völlig  erschöpf:;  dazu  bat  der  Kaiser  alle
Grenzhilfen  zurückbehalten,  der  König  hat  von  den  abgetretenen  Ländern  bisbar
keinen  Heller  Vorteil  gehabt,  aber  um  einige  hbunderttausend  Gulden
Schulden  gemacht.  Zur  Erweisung  brüderlicher  Liebe  will  der  König  dem
Kaıser  200  000  Taler  geben  und  sonst  noch  nach  Möglichkeit  desselben  ge
denken,  doch  dass  der  Kaiser  auf  die  begehrte  weitere  Kekompens  verzichtet
Zu  4:  Der  König  will  den  Kaiser  nicht  aus  dessen  gewohnter  Residenz
vertreiben,  er  will  nur  darin  für  sich  und  seine  künftige  Gemahlin  Wobnung
haben  und  über  das  Schloss  verfügen  können;  aber  es  ist  ihm  nicht  zuwider,
dass  der  Kaiser  „auf  ein  zeit*  daselbst  verbleibt;  beide  Teile  sollen  sich
nach  Verlauf  eines  halben  Jahres  deshalb  neuerdings  vergleichen.  Wegen  Tirol
lässt  es  der  König  bei  seinem  Verzichtt  Wegen  des  Erzherzoga  Albrecht  bleibt
es  bei  der  Erklärung,  die  der  König  dem  Erzherzog  gegeben  hat.  Der  Köcig
gedenkt  keine  Konfoederationen  gegen  Kaiser  und  Reich  zu  machen,  „im  fall
anderst  I.  kel.  M.!  der  kgl.  Mt,  dass  sie  [kgl.  M.t|  sich  auf  alle  weeg  sie  nur
        <pb n="489" />
        194.  1611  467

zum  Nachmittag  unser  Gutachten  begehrten.  Wir  lasen  die  Mai
Schrift  im  Beisein  von  Minckwitz,  Barvitius  und  Wacker  und  befanden.1d-  bis  21.
sie  im  Vergleich  zu  voriger  Handlung  nicht  besser  sondern
eher  schärfer  und  mehr  verklausuliert,  so  dass  wir  alle  Hoffaung
auf  Erfolg  der  Verhandlung  verloren.  Inzwischen  urgierten
die  böhmischen  Stände  wiederholt  ernstlich  und  mit  Drohungen  die
Loszählung  vom  Eide  und  wurden  nur  mit  Mühe  abgewiesen.
Nachmittags  giengen  wir  wieder  auf  das  Schloss  und  fanden  dort
den  Herzog,  Leuchtenberg,  Mollart,  Barvitius,  Wacker  und  Hertel;
etwas  später  kam  Zuniga.  Wir  warteten  einige  Stunden,  bis  ich  zu
Bervitius  gieng  und  ihn  erinnerte,  dass  die  Zeit  vergeblich  verstreiche,
während  die  Stände  eben  jetzt  zum  dritten  und  vierten  mal  um  die  Loszählung
  vom  Eide  anhielten.  Barvitius  sagte  mir,  der  Kaiser  sei  auf  dem
grossen  Saal  und  wolle  nicht  „turbiert“  sein.  Da  uns  dies  befremdete
und  Gefahr  im  Verzuge  war,  so  entschlossen  wir,  die  Sachsen  und  ich,
uns,  Leuchtenberg,  Mollart  und  Barvitius  anzusprechen,  ihnen  unser  Gutachten
  über  die  königliche  Erklärung  freiwillig  zu  eröffnen  und“sie  zu
ersuchen,  die  Sache  so  zu  befördern,  dass  dem  Kaiser  und  uns  kein
Schimpf  widerfahre.  —  Unser  Gutachten  gieng  dahin:  Wir  merkten,  dass
mit  Vernunftgründen  weder  beim  König  noch  bei  den  Ständen  mehr
etwas  auszurichten  sei;  daher  sei  Aufschub  der  Krönung  oder  der
Eidesentlassung  nicht  nur  vergeblich  sondern  auch  für  den  Kaiser
gefährlich.  Derselbe  möge  sich  also  dahin  resolvieren:  er  habe  gehofft,
sein  Bruder  und  die  Stände  würden  sich  besser  erklären  und  bis
zu  gebührlicher  Erledigung  der  Punkte  in  ihn  wegen  der  Krönung
und  Eidesentlassung  nicht  dringen  ;  nun  aber,  da  er  der  Stände  Ungestüm
vermerke,  müsse  er  es  wegen  der  Krönung  und  dem  Eide  Gott  befehlen,
wolle  die  Unterschrift  geben  und  die  Krönung  vorgehen  lassen;  wegen
der  übrigen  Punkte  behalte  er  sich  weitere  Verhandlungen  mit  seinem

kunten,  defendiren  müessten,  wider  verhoffen  nicht  ursach  geben“.  Die
verhafteten  Räte  wurden  von  den  Ständen  eingezogen;  nach  dem  Verhör
soll  dem  Kaiser  nach  Beschaffenheit  der  Sache  hierin  genügt  werden.  Wegen
der  Herrschaften,  Schulden  und  Schenkungen  lassen  es  König  und  Stände,
die  dabei  am  meisten  interessiert  sind,  bei  voriger  Erklärung.  Der  Kaiser
möge  die  Donative,  deren  nur  vier  sein  sollen,  spezifizieren;  kann  sie  der
König  auf  sich  nehmen,  so  will  er  eg  dem  Kaiser  zu  Ehren  tun,  soweit  es
sich  um  Personen  handelt,  die  an  dem  passauer  Einfall  nicht  beteiligt  waren
und  verdiente  Böhmen  sind.  —  Der  König  knüpft  jedoch  diese  Erbieten  an  die
Bedingung,  des  Kaisers  Neigung  in  dem  zu  verspüren:  dass  1.  der  Kaiser
den  König  bei  jetzigem  Kurfürstentag  den  Kurfürsten  bestens  empfichl,
damit  jeder  sieht,  dass  sie  beide  mit  einander  ganz  verglichen  sind;  2.  dass
der  Kaiser  die  Grenzhilfen  aus  dem  Reich  nach  bester  Möglichkeit  befördert;
3.  dass  der  Kaiser  das  „Trühel“,  das  er  aus  dem  wiener  Schatzgewölbe  hatte
nehmen  lassen,  mit  allen  Urkunden,  Verträgen  und  Privilegien  im  Original
dem  König  zustellt;  4.  dass  er  diejenigen,  die  in  den  dem  König  zedierten
Landen  wohnen  und  vom  Kaiser  auf  die  Reichshilfen  verwiesen  wurden,
wirklich  befriedigt;  5.  dass  der  Kaiser  die  Ausführung  dieses  Vertrags  s0
versichert,  dass  jeder  seinen  Ernst  sieht  (Wi.,  I  A  1,  Ka.  2989;  Kptkopie).

30*
        <pb n="490" />
        Mai

15.  bis  21.

468  1611  194.

Bruder  vor  und  wolle  darüber  auch  noch  das  Gutachten  der  inte-‚ressierten

  Mitglieder  seines  Hauses  und  der  Kurfürsten  und  Stände  des

Reiches  vernehmen;  man  möge  ibn  daher  nicht  übereilen.  —  Der
Herzog  und  die  andern  stimmten  dem  Gutachten  zu,  Leuchtenberg  fägte
noch  bei:  inzwischen  solle  der  Kaiser  samt  seinem  Hofgesinde  ehrlichen
Unterhalt,  Respekt  und  Sicherheit  für  sich  und  die  seinen  haben.  —
Dies  alles  wurde  dem  Kaiser  referiert;  der  aber  bewog  Zufiga,  nochmals
  beim  König  zu  versuchen,  ob  nicht  die  Krönung  etwas  hinausgeschoben
  werden  könnte.  Obwol  wir  es  für  vergeblich  und  wegen
der  Stände  für  gefährlich  hielten,  fahr  Zuuiga  dennoch  zum  König;
inzwischen  berief  der  Kaiser  den  Braunschweiger,  die  Sachsen  und  mich
zu  sich.  Wir  wiederholten  ihm  unser  Gutachten,  das  er  sich  gefallea
liess;  nur  darin  machte  er  Schwierigkeiten,  dass  er  noch  nicht  wüsste,  ob
die  Stände  mit  dem  König  wegen  der  Punkte,  die  sie  demselben  übergaben.
verglichen  seien  !;  zähle  er,  Kaiser,  die  Stände  jetzt  los,  so  wären  sie  in
niemandes  Pflicht;  wir  (Sachsen  und  ich)  sollten  daher  zunächst  den  König
darüber  befragen.  Wir  nahmen  es  zwar  auf  uns,  doch  kam  uns
dann  das  Bedenken,  dass  unsere  Herrn  die  ganze  Handlung  nicht  wol
genehm  halten  köunten;  wenn  wir  aber  die  Befragung  übernehmen

1  1.  Bestätigung  aller  älteren  Privilegien  und  Landtagsbeschlüsse  (besonders
  der  von  1608  und  1610),  der  Verszleichung  unter  den  Ständen  sub
una  und  sub  utraque,  des  Büudnisses  vwischen  den  utraquistischen  Ständen
und  den  Fürsten  und  Ständen  Schlesiens  —  und  zwar  mit  Majestätsbrıef
  binnen  zwei  Wochen.  2.  Neubesetzung  der  Aemter  der  Landoffiziere
und  Räte  nach  der  Krönung  auf  grund  von  Vorschlägen,  die  dreissig  beim
Landtag  zu  wählende  Personen  des  Herrn-  und  Ritterstandes  dem  König
machen  werden  (jeder  der  dreissig  bezeichnet  dem  König  schriftlich  je  drei
taugliche  Pereonen);  bei  künftigen  Vakanzen  haben  die  übrigen  Landoffiziere
dem  König  drei  taugliche  Kandidaten  vorzuschlagen;  im  Hof-  und  Kammerrecht
  besetzt  der  König  die  Ratsstellen..  8.  Der  König  ordnet  die  Rangverhältniesse
  der  Land-  und  Hofoffiziere  und  der  obersten  militärisches
Befehlshaber.  4.  Die  Landtage  sind  auf  dem  Schloss  oder  in  den  prager
Städten  abzuhalten;  bei  Seuchen  oder  anderen  Hindernissen  kann  eine  andere
Stadt  gewählt  werden;  die  Landtagsbeschlüsse  sind  „ad  servandam  debitum
respectum*  dem  König  vorzutragen,  gemäss  der  Bescklussfassu  :g  zu  ratifizieren
  und  sofort  auszufertigen.  Wenn  der  König,  von  den  obersten  Landoffizieren
  ersucht,  binnen  acht  Tagen  einen  Landtag  nicht  ausschreibt,  sollen  es  jene
tun  dürfen,  jedoch  dem  König  den  Zweck  der  Tagung  anzeigen.  Die  Statthalter
des  Königs  sollen  geborene  Böhmen  sein.  5.  „Lefensionem  paratam
defendendis  regni  et  coniunctarum  provinciarum  iurıbus  et  libertatibus  ut
habere  et  constituere  possint.*  6.  Mit  dem  Könixreıich  Ungarn  und  dem
Erzherzogtum  Oesterreich  soll  eine  gegenseitige  Konfnederation  für  Jen  Fall
des  Aufruhrs.  der  Verletzung  der  Privilegien  und  Freiheiten  Böhmens  und
der  inkorporierten  Laude  aufgerichtet  werden,  „exceptis  auxıliis  pro  bello
Turcico,  quae  more  solito  tractanda  erunt*.  7.  Ist  Gefahr  im  Verzug,  wo
dürfen  die  obersten  Landoffiziere  und  die  Beisitzer  des  obersten  Landrechts
selber  Truppenwerbungen  anstellen,  falls  der  König  den  Entschluss  dazu  über
acht  Tage  verzieht.e  8.  Den  vorıgen  Verträgen  und  Einungen  zwischen
diesem  Königreich,  der  Pfalz  und  Brandenburg  sollen  noch  einige  Artikel
zugefügt  werden.  9.  Die  Bürgen  für  die  kaiserlichen  Schulden  sollen  vorläufig
  nıcht  in  Anspruch  genommen  werden  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.
103  c,  no.  169;  Kopie).
        <pb n="491" />
        194.  1611  469

und  der  König  erklärte,  dass  er  mit  den  Ständen  verglichen  sei,  wir  _  Mai
hingegen  im  Namen  des  Kaisers  erklärten,  dass  daraufhin  in  die  15.  bis  21.
Krönung  und  Eidesentlassung  gewilligt  werde,  so  würde  es  das  Ansehen
gewinnen,  als  billigten  wir  den  ganzen  Verlauf,  während  wir  doch

wissen,  dass  der  Kaiser  durch  uns  den  Bericht  ins  Reiche  tun  will,

er  sei  zu  allen  diesen  Dingen  gezwungen  worden.  Während  wir  uns

also  weigerten,  berichteten  einige  böhmische  Stände,  darunter  Wenzel

Kinsky,  dass  Matthias  mit  den  Ständen  einig  sei,  es  also  der
Abordnung  zum  König  nicht  bedärfe.

Die  geheimen  Räte  muteten  uns  noch  zu,  dass  wir  im  Namen
dee  Kaisers  den  Ständen  antworten  sollten,  was  wir  rund  abschlugen;
  wir  rieten,  sie  möchten  den  Ständen  schriftlich  antworten.
Als  wir  aber  merkten,  dass  die  geheimen  Räte  „tergiversieiten“
und  uns  den  „Dank“  aufladen  wollten,  entfernten  wir  uns  nach  mehr
ala  drei  Stunden  mit  Zustimmung  des  Herzogs  und  mit  der  Bernerkung,
wir  wüssten  nichts  mehr  zu  erinnern.  Abends  liess  mir  Zuniga
durch  seinen  Sekretär  sagen,  der  Kaiser  habe  durch  ihn  dem  König
erklären  lassen,  dass  er  in  die  Krönung  willigen  und  die  Böhmen  ihrer
Pflicht  entlassen  wolle,!  doch  sollten  die  übrigen  Punkte  unter  ihnen
nächstens  verglichen  und  ihm,  dem  Kaiser,  samt  seinem  Hofhalt  inzwischen
gebührender  Unterhalt  beschafft  werden.  Der  König  habe  darauf
erwidert:  für  das  erstere  danke  er;  im  übrigen  wolle  er  sich  gegen

!  Kaiserliche  Erklärung  der  Eidesentlassung  [vom  21.  Mai]  (von  Braunschweig
  verfasst):  „Demnach  I.  kel.  M.t  die  erlassung  der  pflicht  einzuewilligen
  gedrungen,  also  liessen  sie  es  auch  darbei  bewenden;  der  uberigen
uncten  halber,  dieweil  sie  wichtig  und  fernern  nachdenkens  nötig,  wollen
.ksl.  M.t  mit  1.  kgl.  W.  aufs  eheste  fernere  underhandlung  pflegen.  Piss
dahin  wöllen  I.  M.*  begehret  haben,  dass  man  dieselbige  gepüerlichen
respeetiren  und  bei  dero  gewonlichen  underhalt,  wie  biss  anhero  gescheen,  verbleiben
  lassen,  auch  I,  M.!  räthe,  diener  und  ganzen  hofstat  sicherheit  verschafft
  wurde“  (Wmz.,  a.a.  O.,  no.  168;  Kopie).  —  Mit  welcher  Mühe  diese
Eidesentlassung  erlangt  wurde,  gibt  folgendes  undatiertes  Schreiben  Leuchtenbergs
  an  den  Herzog  von  Braunschweig  zu  erkennen:  „Ich  lasse  Dich
wissen,  dass  der  konig  gleich  ietz  Jen  hern  Poppel  wieder  zu  mir  geschickt
und  vermelden  lassen:  er  bitt,  I.  M.t  wellen  die  losszelung  der  Schlesinger
und  Ober-  und  Nider-Lausnitzer  underschreiben  und  heut  noch  herauss
geben;  den  er,  konig,  drau  im  die  stend  lenger  als  heut  nit  aufzuhalten
sonder  sie  werden  ein  solche  insolenz  gebrauchen,  die  I.  M.t  geferlich  und
sehr  schedlich  sein  werde,  welches  ime  leit  were.  Welches  ich  Dir  avisieren
wellen  und  wirst  ime  wissen  recht  zu  thuen.  Ich  babe  gleich  zum  obristen
cammerer  geschickt,  er  soll  herander  zu  mir  kummen;  dem  will  ichs  auch
sagen.  Mein  ratt  were,  Du  hettest  dem  kaiser  solches  durch  d«n  Eritzium
anzeigen  lassen,  im  faal  Du  selber  nit  nach  dem  essen  hinauf  wirst“  (Aus  den
Sammlungen  der  histor.  Kommission,  ohne  Signatur,  wahrscheinlich  aus
Dresden).  —  Nach  der  Eidesentlassung  zeigte  der  Kaiser  Braunschweig  und
den  kurfürstlichen  Gesandten  an,  sie  säben,  wie  mit  ihm  verfahren  werde
und  dass  er  nur  gezwungen  und  zur  Verhütung  grösseren  Unglücks  (da  er
seines  Lebens  fast  nicht  mehr  sicher  sei)  in  die  Forderungen  der  Böhmen
gewilligt  habe;  er  bitte,  ihm  «dessen  künftig  vor  den  Reichsständen  Zeugnis  zu
geben  (Bericht  der  neuburgischen  Giesandten  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig
vom  13./28.  Mai;  Mb.,  337/15,  f.  35;  Or.).
        <pb n="492" />
        Mai
15.  bis  21.

Mai  18.

410  1611  194—193.

den  Kaiser  nach  der  Krönung  so  erweisen,  das  dieser  seinen  guten
brüderlichen  Willen  verspüren  solle.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bil.  109c,  no.  155;  Or.l

195.  Die  württembergischen  Räte  an  ihren  Herzog.

E.  fl.Gn.  hatten  Zweifel,  ob  dem  Herzog  Johann  von  Zweibrücken  die
Direktion  der  Union  über  die  drei  Jahre  hinaus  noch  gebühre,  weshalb
Sie  das  Schreiben  an  ihn  wegen  der  Zusammenkunft  ?  zu  unterzeichnen
Bedenken  trugen.  Nun  bestimmt  der  achte  Punkt  des  ahauser  Hauptabschieds,
  dass  die  Kurpfalz  in  Friedenszeiten  das  Direktorium  während
der  ganzen  zehnjährigen  Dauer  der  Union  führen,  in  Kriegszeiten  aber
der  beschwerte  Stand  das  Direktorium  in  seinem  Lande  haben  und  die
übrigen  Stände  beschreiben  solle?  Im  ahauser  Nebenabschied  *  ist  aber
Kurpfalz  das  Generalat  auch  ausser  Landes  und  zu  Kriegszeiten  auf  drei
Jahre  aufgetragen  worden  ;  darnach  soll  es  unter  den  Unierten  umgehen
und  zwar  in  anderthalbjährigen  Fristen,  doch  darf  dann  Kurpfalz
einen  Oberstleutnant  adjungieren.  Der  verstorbene  Kurfürst  hat  das
Generalat  zwar  angenommen;  da  er  aber  wegen  Kränklichkeit  dies
Amt  nicht  verwalten  konnte,  hat  er  gebeten,  einen  andern  General
benennen  zu  dürfen,  was  ihm  im  rotenburger  Abschied  zugestanden
wurde,  worauf  der  Markgraf  von  Ansbach  als  General  und  der  Fürst

ı  Den  Protokollauszug  begleitet  Brömser  mit  einem  Schreiben  vom
21.  Mai:  Alles  ist  zu  solcher  Extremität  und  zu  solcher  Vermessenheit  bei
gross  und  klein  gekommen,  dass  für  das  Reich  grosse  Unruhe  und  Ausserste
Gefahr  zu  besorgen  ist.  Nächsten  Montag  soll  die  Krönung  stattfinden,
bei  der,  wie  ich  besorge,  auch  wir  werden  sein  müssen;  die  Sachsen  erwarten
  aber  noch  ihres  Herrn  Entschliessung,  nach  der  auch  ich  mich
richten  werde.  Wir  gedenken  nächsten  Montag  aufzubrechen  ;  ich  will  mit  dem
Sachsen  nach  Dresden,  von  dort  aber  möglichst  rasch  nach  Hause  reisen.
Vorber,  wenn  möglich  morgen,  wollen  wir  des  Kaisers  Intention  in
der  Weiss  erforschen,  wie  E.  kfl.  Gn.  an  Kursachsen  geschriehen  haben,
damit  man  sich  beim  Kurfürstentag  darnach  richten  kann.  Wegen  des
passauer  Volks  kann  ich  nichts  gewisses  schreiben;  der  Herold  ist  scbon
vor  acht  Tagen  mit  der  Acht  dahin  abgegangen,  aber  noch  nicht  zurückgekommen.
  Man  sagte  mir  heute,  die  Passauer  hätten  ihn  sehr  ehrerbietig
empfangen  und  behandelt,  aber  ibm  den  Brief  nicht  abnehmen  wollen,
indem  sie  vorgaben,  sie  hielten  den  Kaiser  für  einen  Gefangenen,  weshalb  er
ihnen  nichts  gebieten  könne;  sie  könnten  auf  den  Brief,  der  ihm  ab
gedrungen  worden  sei,  nichts  geben.  ])es  Königs  und  der  Stände  Kriegr
volk  ist  noch  hier;  es  wird  übel  bezahlt  und  viele  sterben  weg;  ich  glaube,
sie  werden  damit  gegen  die  Passauer  nicht  viel  ausrichten.  Mit  Hannewall
hat  es  sich  gebessert,  doch  ist  er  noch  in  Lebensgefahr  (Wmz.,  a.  a.  0.
no.  154;  Or.  eigb.).

?  Vgl.  no.  176,  S.  433,  Anm.  2.

®  Vgl.  Chr.  Fr.  Sattler,  Geschichte  des  Herzogthums  Würtenberg,
VL,  Ulm,  1773,  Beilagen  no.  4,  S.  14.

“  Vgl.  Ph.  E.  Spiess,  Aıchivische  Nebenarbeiten  und  Nachrichten,
I.,  Halle,  1783,  S.  86.
        <pb n="493" />
        195  —  196.  1611  471

von  Anhalt  als  Oberstleutnant  [1]  bestätigt  wurden.  —  Wir  glauben
daher,  dass  das  Direktorium  bei  Kurpfalz  zu  lassen  sei.  Dies  haben
auch  zu  Schweinfurt  die  Kurpfälzer  neben  Strassburg  und  Speier
stark  behauptet,  während  andere  evangelische  Stände  die  Direktion
nur  für  ein  Personalwerk,  das  durch  das  Ableben  des  Kurfürsten
erloschen  sei,  ansehen  wollten.  Man  verschob  aber  diese  Frage,
als  nicht  zu  jener  Tagung  gehörig  und  nur  von  den  Neuburgern
wegen  des  Administrations-Streits  erweckt,  auf  die  nächste  persönliche
Zusammenkunft.  Da  die  Direktion  während  des  Friedens  der  Kurpfalz
überlassen  wurde,  man  aber  jetzt  Friedens  halber  zusammenkommt
und  es  sich  überdies  nicht  um  einen  eigentlichen  Unionstag  handelt,
so  werden  E.  fl.  Gn.  durch  Dero  Unterschrift  keinem  Teil  praejudizieren
  ;  vielleicht  aber  könnten  E.  fl.  Gn.  darüber  noch  die  Meinung
Badens  einholen,!  das  die  Meinung  der  Städte  zu  Schweinfurt  verteidigte.
8.  maii  a.  1611.
Btg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  49;  Or.

196.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Fürst  Christian
von  Anhalt.

28.  April

8.  Mai?
Herzog  Johann  Georg  von  Sachsen  wegen  einer  Gesandtschaft  nach
Prag  gutachtlich  vorgeschlagen  hat  und  dass  E.  L.  eine  solche  nicht
widerraten..  Wir  haben  den  Vorschlag  lange  hin  und  her  beraten
lassen,  bis  schliesslich  die  Erwägung  den  Ausschlag  gab,  dass,  wenn
Kurpfalz  allein  still  sitzen  und  den  Sachen  von  ferne  zusehen  würde,
man  nicht  nur  Verweis  und  Nachrede  zu  besorgen  hätte  sondern
dass  auch  von  den  übrigen  Kurfürsten  etwas  verhandelt  werden  könnte,
was  gemeinem  Wesen  nicht  zuträglich  wäre;  endlich  könnte  uns  Neuburg
mit  allerlei  Praktiken  in  unserer  Administration  Schwierigkeiten
verursachen,  so  dass  die  Abordnung  schon  deshalb  vor  sich  gehen
muss,  um  die  neuburgischen  Aktionen  zu  verhindern.  Wir  sind
also  im  Begriff,  Hippolyt  von  Colli  wieder  nach  Prag  abzufertigen.  —
Inzwischen  scheint  aber  Kurmainz,  wie  wir  E.  L.  jüngst  mitteilten,?  wegen
der  Administration  auf  andere  Gedanken  gekommen  zu  sein  und  sind
wir  nicht  sicher,  ob  unser  Gesandter  zu  Prag  zu  den  Consiliis  zugelassen
oder  nicht  vielmehr  mit  Spott  übergangen  werden  wir.  Da  wir
auch  nicht  wissen,  ob  in  dem  Schreiben  des  Herzogs  an  E.  L.  auch
der  Beförderung  der  Administrationssache  als  Zweck  der  Schickung
gedacht  und  ersichtlich  gemacht  worden  ist,  was  Kursachsens  Meinung
wegen  der  Administration  sei,  so  lassen  wir  Colli  zunächst  nach

.—  _

'  Geschieht  am  9./19.  Mai  (Stg.,  a.  a.  O.,  f.  51;  Kpt.).
”  Vgl.  no.  152,  8.  375,  Anm.  1.
'  Vgl.  no.  167,  B.  408,  Anm.  2.

Auf  das  Schreiben  vom  :

,‚  aus  dem  wir  ersahen,  was

Mai  18.

Mai  19.
        <pb n="494" />
        Mai  19.

472  1611  196.

Dresden  reisen,  um  den  Kurfürsten  von  dem  Stand  der  Administrationssache
  zu  unterrichten,  uns  indirekt  zu  erkundigen,  wessen  wir  uns  von
dort  zu  befahren  haben  und  wozu  die  Abordnung  sämtlicher  Kurfürsten
nach  Prag  gemeint  sei,  und  um  uns  zu  erbieten,  dass  wir  es  an
nichts  fehlen  lassen  wollen,  was  zu  des  Reiches  Wolstand  gereichen
mag.  Wir  wollen  dazu  Colli  so  instruieren,!  wie  es  dem  bekannten
Zweck  dieses  kurfürstlichen  Hauses  gemäss  ist,  dass  er  nämlich  dahin
sehe,  wie  des  Reiches  Wolfart  in  Acht  genommen  und  man  der
geklagten  Beschwerden  geübrigt  werden  könnte;  wenn  die  andern
kurfürstlichen  Gesandten  wegen  des  Bruderstreits  gütliche  Mittel
vorschlagen  und  der  Kaiser  den  König  derenhalben  versichert.
so  soll  Colli  sich  ihnen  bequemen;  würde  man  aber  auf  schärfere
Mittel  gegen  den  König  und  die  böhmischen  Stände  denken,  so  könnten
wir  uns  gemäss  den  Erklärungen,  die  wir  beiden  wegen  des  passauer  Volks
gegeben  haben,  darauf  nicht  einlassen.  Bevor  aber  Colli  nach  Dresden
geht,  soll  er  sich  zu  Dessau  mit  E.  L.  unterreden;  er  wird  in  längstens
sechs  Tager  dahin  aufbrechen.  Wir  bitten,  ihn  mit  Ratschlägen  zu
versehen,  besonders  ıhn  zu  unterrichten,  was  Kurbrandenburgs
Gedanken  diesfalls  sein  möchten;  E.  L.  mögen  ihm  auch  durch
Schreiben  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen  und  an  Herzog
Hans  Georg  vorbauen,  besonders  aber  letzteren  um  dessen  Unterstützung
  beim  Kurfürsten  angehen.  Datum  Heidelberg  den  9.  mai
anno  1611.

Nachschrift:  Mitteilung  des  kurbrandenburgischen  Schreibens
vom  9.  Mai.?  Wir  glauben  demnach  erst  recht,  unsern  Gesandten
nach  Dresdien  und  Prag  abfertigen  und  Kurbrandenburg  davon
verständigen  zu  sollen?  Wegen  des  Kollegialtags  missen
wir  in  der  Tat  nun  spüren,  'dass  Mainz  in  der  Administrationssache
einen  andern  Weg,  als  seine  vorigen  Erklärungen  erwarten  liessen,
geht  und  uns  nicht  beschreiben  will.  Wegen  des  Praejudizes  und
wegen  der  Wichtigkeit  der  Punkte,  die  dabei  beraten  werden  sollen  und
bei  denen  die  andern  Kurfürsten  leicht  etwas  vornehmen  könnten,  was
diesem  Hause  zum  Schaden  gereicht,  bitten  wir  um  Dero  Gutachten,
was  dagegen  zu  tun  sei.  Inzwischen  wollen  wir  an  Mainz  eine  Schickung
abordnen.!  Signatum  ut  in  literis  den  9.  maii  a.  1611.

Mb,  101/4,  —  Kpt.  des  Hauptschreibens.  —  Ma.,  547/14,  f.b1  ;  Kpt.  der  Nachschrift  —
Bbg.,  A  9a,  no.  107,  f.  17  und  23;  Orr.5

!  Vgl.  unten  no.  208.

°  Vgl.  no.  177,  S.  434,  Anm.  1.

’  Geschieht  am  15./25.  Mai  mit  langer,  der  obigen  entsprechenden
Begründung,  weshalb  der  Administrator  trotz  der  guten  Beziehungen  der
Union  zu  König  Mattbias  und  zu  den  österreichischen  Erblanden  sich  zur  Abordnung
  Collis  entschlossen  habe  (Ma.,  547/14,  f.  65;  Kpt.  von  v.  d.  Grün‘.

*  Vgl.  unten  no.  19.

®  Am  10./20.  Mai  treibt  der  Administrator  den  Fürsten  zur  Eile  an,
damit  Colli,  der  in  einigen  Tagen  von  Heidelberg  aufbrechen  soll,  zu  Dessau
das  fürstliche  Gutachten  vorfinden  kann  (Bbg.,  a.  a.  O.,  f.  22;  Ur.)
        <pb n="495" />
        197.  1611  473

197.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  Bischof  von  Speier.

Johann  Jakob  Rinck  wird  E.L.  berichtet  haben,!was  wir  ihm  auf  seine
Werbung  u.a.wegen  Abdankung  des  kurkölnischen  und  rietbergischen  Volkes
geantwortet  baben.  Wir  haben  uns  inzwischen  bemüht,  zur  Erhaltung  des
Kredits  der  katholischen  Union  das  zur  Abdankung  nötige  Geld  durch
Handelsleute  aufzubringen;  ?  da  dies  in  der  Eile  nicht  möglich  war,  auch
Kurtrier?uns  diedazu  nötige  Obligation  ungefertigt  mit  dom  zurückgeschickt
bat,  dass  er  erst  den  Bericht  seiner  Gesandten  vom  würzburger  Ligatag  abwarten
  und  mit  dem  Domkapitel  handeln  müsste,  sich  aber  schliesslich
zur  Quote  bereit  erklärt  hat,  uud  dann  auch  E.  L.  wegen  Fertigung  der
Obligation  Schwierigkeiten  einwandten,  so  lassen  wir  vorläufig  unsere
und  Worms’  Quote,  die  erlegt  worden  ist  [ein  Betrag  von  20.435  fl.],
nach  Köln  schaffen  und  mit  Triers  Quote,  falls  sie  erlegt  wird,  Hoevelich
einhändigen,  um  mit  der  Bezahlung  und  Abdankung  des  rietbergischen
  Volkes  einen  Anfang  zu  machen.  Dabei  behalten  wir,
nachdem  wir  unsere  Quote  berichtigt  haben,  uns  ausdrücklich  vor,  wenn
der  eine  oder  der  andere  Stand  mit  Erlegung  der  seinigen  säumig  wäre
und  dadurch  die  Last  vergrössert  würde,  dass  wir  zu  deren  Tragung
uns  unverbunden  erachten  und  die  daraus  entstehenden  Ungelegenheiten
auf  den  Säumigen  laden.  Unser  geworbenes  Fähnlein  Knechte  in
Mainz  wollen  wir  ehestens  abdanken  *  und  der  Union  vom  17.  Mai  ab
deswegen  keine  weitere  Beschwerung  zuziehen.  E.  L,  haben
aber  zu  ermessen,  was  durch  Ihre  und  Triers  Weigerung,  —  die
Obligation  des  Anleihens  vor  dem  17.  Mai  zu  fertigen,  an  dem  vermöge
aufgerichteten  Rezesses  das  Kriegsvolk  zu  bezahlen  gewesen  wäre,  —
ans  rheinischen  Ständen  statt  des  verhofften  Vorteils,  der  uns  zur
Ausstellung  der  Obligation  veranlasst  hat,  für  Ungelegenheit  zugewachsen
ist;  wir  hätten  nämlich,  wenn  unser  wolgemeinter  Vorschlag  mit
der  Obligation  verwirklicht  worden  wäre,  mit  dem  zu  Würzburg

ı  Zur  unverzüglichen  Abdankung  des  Kriegsvolks  der  Liga  gedachte
  Kurmainz  auf  Rechnung  der  rheinischen  Kasse  eine  Anleihe  von
ungefähr  60000  fl.  aufzunehmen  und  sandte  deshalb  zunächst  an  Speier
eine  Schuldurkunde  zur  Unterfertigung;  der  Bischof  aber  schickte  sie  am
6.  Mai  unvollzogen  zurück,  weil  die  andern  Bundesstände  den  Vorrang  hätten,
er  sich  erst  mit  seinem  Domkapitel  benehmen  müsste  und  das  rietbergische
Volk  ihn  nichte  angienge  (Wmz.,  a.  a.  O.;  Or).  Der  Kurfürst  lehnte  am
8.  Mai  diese  Gründe  ab  und  erinnerte  den  Bischof,  wie  gerade  er  vordem
das  Bundeswesen  so  stark  und  eifrig  betrieben  habe;  die  Höhe  des  Ausstanldes
  rühre  davon  her,  dass  der  Bischof  seine  Quote  nicht  rechtzeitig
erlegt  habe;  vom  rietbergischen  Volk  habe  Kurmainz  ebenso  wenig  Vorteil
gehabt  wie  Speier  (Wmz.,  a.  a.  O.;  Kpt.).  Darauf  ordnete  der  Bischof  am
12.  Mai  seinen  Rat  Johann  Jakob  Rinck  von  Baldenstein  nach  Mainz  ab
(Beglaubigung  vom  12.  Mai;  ebenda).

?  Am  13.  Mai  berichten  die  beiden  mainzer  Handelsleute  Hieronymus
Costa  und  Johann  Paul  Volpi  dem  Kurfürst  über  ihren  Miserfolg,  in  Köln
die  Geldsumme  aufzubringen  (Wmz,  a.  a.  O.;  Or.).

*  Kurtrier  an  Kurmainz  am  14.  Mai  (Wmz.,  a.  a.  O.;  Or.).

*  Vgl.  no.  154,  8.  381,  Anm.  2.

Mai  19
        <pb n="496" />
        Mai  19.

Mai  21.

474  1611  197  —1%.

gemachten  Ueberschlag  zur  Tilgung  der  auf  der  rheinischen  Kasse
lastenden  Schulden  auskommen  können;  nun  wird  man  aber  ausser  dea
Restanten  noch  13!/,  Monate  erlegen  müssen.  Zu  besserer  Erläuterung
dessen  überschicken  wir  einen  Auszug  des  Einnahm-  und  Schuldenstandes
  der  rheinischen  Kasse.!

Da  wir  wahrnehmen,  dass  man  die  aufgerichteten  Rezesse  und
Abschiede  in  Zweifel  zieht,  allerlei  Einwendungen  erhebt  und  wir
uns  leicht  denken  können,  dass  die  Ungelegenheiten  nur  anwachsen
werden,  auch  E.L.  wissen,  dass  wir  gleich  anfangs  Bedenken  hatten,  das
Bundesoberstenamt  auf  uns  zu  nehmen,  so  künden  wir  dies  Amt,  bei
dem  wir  und  unser  Erzstift  in  höchste  Gefahr  geraten  könnten,  nochmals
  auf?  und  werden  uns  damit  nicht  mehr  beladen  lassen.  Datum
zu  St.  Martinsburg  in  unser  statt  Mainz  den  19.  maii  a.  1611.

Wimz.,  Religionsakten,  Bd.  18,  —  Kpt.  von  Faber.

198.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  von  Sachsen.

Auf  das  Schreiben  vom  11.  Mai.®  Auch  wir  können  nicht  erdenken.
was  man  noch  zu  gunsten  des  Kaisers  Erspriessliches  tun  könnte  ;  man
muss  nun  alles  Gott  überlassen,  sodann  getrösten  wir  uns  des  Eifers  und
der  Treue  E.  L.  Dero  Gutachten  wegen  des  Aufenthalts  des  Kaisers
und  was  beim  Kurfürstentag  und  künftigen  Reichstag  wegen  des
Unterhalts  des  Kaisers  beraten  werden  soll,  wollen  wir  bis  zum
Kurfürstentag  in  Erwägung  ziehen.  Wir,  halten  gleichfalls  dafür.
dass  unter  so  bewandten  Umständen  dem  Kaiser  nicht  zu  raten  ist,
länger  in  Böhmen,  wo  er  gleichsam  der  Stände  Gefangener  wäre,  zu
bleiben,  geben  aber  E.L.  zu  bedenken  anheim,  ob  nicht  unsere  Gesandten
zu  Prag  zuerst  vom  Kaiser  in  Erfahrung  bringen  sollen,  wohin  er
am  liebsten  gienge  etc.  [wörtlich  wie  in  Fausts  Schreiben  an  Kurmainz  in

!  Die  Gesamtschulden  der  rheinischen  Kasse  werden  am  21.  Mai  mit
816734.  12alb.  3  Pfg.  berechnet;  bei  Einbringung  aller  Restanten  und  mit
den  neubewilligten  Monaten  im  Betrag  von  82947  fl.  7  alb.  sollten  am
31.  Mai  in  Jer  rheinischen  Kasse  12734.  24alb.  5  Pig.  Ueberschuss  sein
(Rechnungsüberschlag  in  Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  13,  —  Kopie).

?  Mutatis  mutandis  schreibt  der  Aurfürst  von  Mainz  dieselbe  Erinnerung,
doch  ohne  die  Vorwürfe  an  den  Bischof  von  Worms,  —  an  den  Koadjutor  von  Köln
mit  der  Bemerkung,  derselbe  möge  sich  um  den  versprochenen  Eintritt  der
Stifter  Lüttich,  Münster,  Hildesheim,  Freising  und  Stablo  bemühen  (Wmz.,
a.a.0.;  Kpte.).  --  Am  20.  Mai  ergeht  an  den  Generalkommissar  des  Bundes,  von
Hoevelich,  der  Befehl,  mit  der  Abdankung  Jes  rietbergischen  Volks  zu  beginnen
  und  dazu  zunächst  die  mainzische  und  wormsische  Quote,  die  nächster
Tage  ın  Köln  erlegt  werden  soll,  zu  verwenden;  mit  den  hoffentlich  bald
nachfolgenden  Quoten  Triers  und  Speiers  werde  man  auch  das  übrige  Volk
entlassen  können  ıWmz.,  a.  a.  O.;  Kpt.).  In  der  Tat  versprach  Trier  am
30.  Mai,  binnen  acht  Tagen  seinen  ganzen  Ausstand  von  12728  fl.  12  alb.
nach  Köln  erlegen  zu  lassen;  Speier  liess  sich  am  11.  Juni  herbei,  11000  A.
zu  zahlen,  womit  er  seiner  Meinung  nach  seine  Gebühr  erstattet  hatte  (Mainz
berechnete  die  speirische  Gebühr  auf  23598  fl.;  Wmz,  a.  a.  O.,  Or.).

o.  189.
        <pb n="497" />
        198.  1611  475

n0.  189,  S.  454,  Ann.  1].  Wegen  der  Ausschreibung  des  Reichstages
haben  wir  das  Bedenken,  „es  möchten  I.  ksl.  M.'  etwa  vor  der  verglichenen
  collegialzusammenkunft  an  ein  solch  ort,  wie  das  auch  von
Deroselben  benambt  werden  würdt,  nit  eben  zu  gelangen  haben.“
Zur  Beförderung  der  Sache  und  ehesten  Rettung  des  Kaisers  geben
wir  E.  L.  aber  zu  erwägen,  ob  man  nicht  auf  den  äussersten  Fall.  dem
Kaiser  vorschlagen  könnte,  —  wenn  er  nicht  die  Freiheit  hätte,  einen
Reichstag  auszuschreiben,  —  dass  er  nach  erfolgtem  Konsens  der
Kurfürsten  uns  als  Erzkanzler  Vollmacht  auftrüge,  im  Notfall  ungesäumt
  einen  Reichstag  auszuschreiben;  auch  möchten  wir  Dero  Meinung
hören,  ob  bei  derartigem  Verfahren  alle  Stände  erscheinen  würden.
Datum  zu  St.  Martinsburg  in  unserer  statt  Mainz  den  21.  mai
anno  1611.

1.  Nachschrift:  Eben  lassen  wir  an  Brömser  allerlei  schreiben,
was  in  unrechten  Händen  gefährlich  werden  könnte.  Wir  bitten  E.  L..  das
Schreiben  entweder  mit  sicherer  Gelegenheit  nach  Prag  zu  befördern
oder  es  bis  Brömsers  Ankunft  zu  Dresden  aufzubewahren.

2.  Nachschrift:  Wir  haben  Dero  Boten  etwas  länger  aufgehalten,
weil  wir  mit  dieser  Ordinaripost  mehrere  und  bessere  Nachrichten  aus  Prag
erwarteten.  Nun  schreibt  uns  Brömser!  ebenso  wie  E.  L.,  dass  der
Kaiser  nur  zu  unverantwortlich  behandelt  werde,  weshalb  Dero  Abgesandte
  und  Braunschweig  zum  Abzug  entschlossen  seien.  Wir  müssen  es
dahin  gestellt  sein  lassen;  vielleicht  wird  Gott  uns  auf  dem  Kurfürstentag
solche  Ratschläge  eingeben,  durch  die  seine  und  auch  des  Reiches  Ehre
erhalten  bleibt,  Wir  bitten  auch,  auf  die  andern  Gesandtschaften,
die  sich  nach  den  Avisen  zu  Prag  aufhalten  sollen  „und  vielleicht
ungleiche  intentiones  gegen  unsere  abgesandten“  im  Befehl  haben
möchten,  besonders  auf  die  der  Staaten  und  der  Unierten  ein  wachsames
Auge  zu  haben,  auch  bei  Kurbrandenburg,  falls  etwa  irgendwo
ungleiche  Gedanken  unterliefen,  vorzubauen,  damit  der  Kurfürstentag
desto  fruchtbarer  abgehe;  denn  wäre  man  dort  ungleicher  Meinung,
was  könnte  da  ein  Reichstag  fruchten  ?

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  136—133:  Kpte.:

!  Vgl.  no.  183  mit  Anm.  4  auf  S.  445.

°  Gleichzeitig  und  im  selben  Sinn  harte  Kurmainz  unter  Mitteilung  des
sächsischen  Schreibens  auch  an  Kurköln  geschrieben,  der  am  1.  Juni  antwortete:
Gegenüber  den  weitaussehenden  Folgen  des  prager  Verlaufs  muss  man  auf
Vorbeugungsmittel  denken;  seine  Ansicht  will  er  aber  erst  beim  Kurfürstentag
entdecken,  wo  man  sich  einer  einhelligen  Meinung  vergleichen  und  den
Willen  des  etwas  zweifelhaften  Kurbrandenburgers  erforschen  kann;  sein
Gesandter  nach  Prag  ist  instruiert,  die  Krönung  verhindern  zu  helfen  oder
sie  wenigstens  an  Bedingungen  zu  knüpfen,  damit  der  Schein  vermieden
bleibe  als  hätten  die  kurfürstlichen  Gesandten  darein  gewilligt.  Kurköln
  ist  mit  Kursachsen  einig,  dass,  wenn  die  Krönung  vor  sich  geht,
der  Kaiser  aus  den  Händen  der  Böhmen  zu  retten  und  ins  Reich  zu  führen
ist;  wegen  der  Residenz  des  Kaisers  will  er  eich  beim  Kurfürstentag  mit
den  andern  vergleichen  (Wmz,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  36;  Or.)  —
Am  21.  Mai  befiehlt  Kurmainz  als  Reichserzkanzler  dem  Reichsvizekanzler
von  Stralendorf,  dem  Taxator  und  dem  Registrator  der  Reichskanzlei  und  der

Mai  21.
        <pb n="498" />
        Mai  21.

476  1611  199.

199.  Instruktion  des  Administrators  der  Kurpfalz  für
Hans  Engelbert  von  Lautern  und  Dr.  Ludwig  Camerarius
zur  Schickung  an  Kurmainz.

Wir  hatten  Lautern  und  Camerarius  schon  im  Oktober  1610
abgefertigt,  um  wegen  der  Eingriffe  Neuburgs  in  die  Administration
der  Kurpfalz  bei  Kurmainz  zu  klagen  und  zu  bitten,  dass,  wenn  der
Neuburger,  wie  er  an  andern  Orten  getan,  beim  Kurfürsten  dehalb  etwas
suchen  würde,  derselbe  ihm  nicht  beipflichte  sondern  bei  Ausschreibung  von
Kreis-  und  Kollegialtagen  und  bei  Einnahme  in  den  Kurverein  nichts
geschehen  lasse,  was  unserer  Administration  praejudizieren  könnte.
Dabei  haben  wir  Kurmainz  an  die  schriftlichen  und  mündlichen  Versprechungen
  erinnert,  die  er  dem  verstorbenen  Kurfürsten  von  der  Pfalı
gegeben  hatte.  Kurmainz  hat  sich  derselben  wol  entsonnen  und  erklärt,
er  setze  in  unser  Recht  an  der  Administration  keinen  Zweifel,  erkenne  und
als  alleinigen  Administrator  an  und  werde  unsertwegen  bei  allen  Versammlungen
  die  Gebühr  in  Acht  nehmen.  Wir  haben  immer  damit  gerechnet,
  bemerken  aber  nun  von  allem  das  Widerspiel;  denn  als  wir  von
Kurmainz  ein  Gutachten  wegen  des  prager  Unwesens  begehrten,!  da  hat
er  sich  wegen  der  verzüglichen  Antwort  mit  dem  entschuldigt,  er  habe
deswegen  mit  den  andern  Kurfürsten  verhandelt,  die  eine  persönliche
Zusammenkunft  für  das  beste  hielten  und  ihm  anheimgaben,
sie  auf  Mitte  Juli  anzustellen;  dabei  aber  wurde  mit  keinem  Wort
erwähnt,  dass  auch  wir  beschrieben  werden  sollen.  Das  könnte  unserer
Administration  und  diesem  Kurhaus  leicht  unwiderbringlichen  Schaden
bringen;  dazu  hat  Kurbrandenburg  uns  verständigt,  dass  ein  solcher
Kollegialtag  bereits  ausgeschrieben  sei,  was  Mainz  uns  aber  verborgen
oder  nur  von  weitem  angedeutet  hatte.

Daher  haben  sich  unsere  Räte  bei  Kurmainz  anzumelden,  ihn  an
seine  vorigen  Erbieten  zu  erinnern  und  zu  betonen,  wie  wir  und  die
Kurfärstin-Witwe  uns  deshalb  zu  Dank  verpflichtet  gefühlt  hätten,  was
das  Kurfürstentum  Mainz  im  vorigen  Jahr  auch  in  des  Kurfürsten
Abwesenheit  wol  verspürt  habe.  Es  befremde  uns  daher  zu  vernehmen,
dass,  wie  der  Kurfürst  in  seinom  Schreiben  vom  4.  Mai  uns  angedeutet
hat,  ein  Kurfürstentag  bevorstehe  und  nur  der  Ort  noch  zweifelhaft
sei,  ohne  dass  wir  als  anerkannter  Administrator  der  Kurpfalz  darum
wissen  und  ohne  dass  sich  Kurmainz  deswegen  mit  uns  ins  Einrernehmen
  gesetzt  habe.  Wir  hätten  überdies  dieser  Tage  von  anderer  Seite
her  gewisse  Nachricht  erlangt,  dass  Kurpfalz  ganz  bei  Seite  geschoben.
dafür  aber  Neuburg  beschrieben  werden  solle  oder  schon  beschrieben
sei.  Das  könnten  wir  uns  aber  wegen  unseres  Rechtes  und  wegen  der

Tun  m

Reichsregistratur,  zu  berichten,  wie  Kanzlei  und  Registratur  verwahrt  seien.
ob  der  König  und  die  Böhmen  sich  um  beide  kümmern  und  wie  die  Akten
im  Notfall  fortzuschaffen  wären  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  108e,  no,  133;
Kpt.  von  Faust).

!  Vgl.  no.  167  mit  Anm  2  auf  8.  408.
        <pb n="499" />
        199.  1611  477

verschiedenen  Erbieten  von  Kurmainz  gar  nicht  vorstellen  und  wenn
wir  bedächten,  was  bei  diesem  Kurfürstentag  vorkommen  soll,  so  sähen  wir
auch  nicht,  wie  bei  unergänztem  Kolleg  und  bei  unserer  Ausschliessung
etwas  Beständiges  beschlossen  werden  könnte.  Wir  wollten  daher  von
Kurmainz  den  Grund  dieses  sonderbaren  Verhaltens  vernehmen.
Kurmainz  habe  sich  ja  bisher  sowol  gegen  den  verstorbenen  Kurfürsten
als  auch  jüngst  gegen  unsere  Räte  günstig  erklärt,  auch  habe  der
Kaiser  selbst  noch  dem  Kurfürsten  Friedrich  IV.  zugesichert,  er  wolle  den,
der  sich  zu  rechtlicher  und  ordentlicher  Ausführung  erbiete,  beim  kurfürstlichen
  Testament  und  bei  allem,  was  vom  Kurfürstentum  dependiert.
handhaben;  würde  Kurmainz  bei  künftigem  Kurfürstentag  uns  umgehen,
so  würde  er  also  dem  Kaiser  selbst  vorgreifen.  Der  Kurfürst  habe  auch
bereits  mit  uns  in  kurfürstlichen  Sachen  verkehrt,  z.  B.  wegen  der  jülicher
Lizenten,  Beschreibung  zu  Münztagen,  in  Zollsachen;  würds  er  uns
jetzt  umgehen,  so  würde  er  uns  gleichsam  depossedieren  und  würde
dieser  Schimpf  weniger  uns  als  diesem  Hause  und  dem  Kurerben
geschehen.  Es  scheine,  als  habe  der  Kurfürst  seit  kurzer  Zeit  andere
Gedanken  gefasst,  wozu  wir  hoffentlich  keine  Ursache  gegeben  haben.
Wir  versähen  uns  aber  einer  Umgehung  umso  weniger  als  wir  im
Besitz  der  Administration  und  der  Lande  selbst  sind  und  die  Kur
und  Stimme  auf  dem  Fürstentum  und  Lande  Pfalz  ruht.  Wir  ersuchten
daher,  auch  uns  zu  beschreiben,  sonst  wäre  das  Kolleg  unergänzt  und
könnte  es  nichts  vornehmen,  wie  ja  auch  der  fuldaer  Tag  wegen
des  Ablebens  Kurbrandenburgs  auseinander  gehen  musste.

Unsere  Räte  haben  darüber  auch  mit  den  mainzischen  Räten  zu
sprochen  und  unsere  Beschreibung  zu  betreiben,  wobei  auch  auszuführen
ist,  dass  Neuburg  sich  in  Schriften  gegen  uns  und  dieses  Kurhaus  so
„verlaufen“  habe,  dass  man  auf  einen  Vergleich  nicht  eingehen  könute,  wie
auch  sonst  Ursachen  vorhanden  wären,  Neuburg  von  der  Administration
auszuschlisssen.  Würde  Kurmainz  sich  vor  einem  Verweis  von  Neuburg
fürchten,  so  wollten  wir  dem  Kurfürsten  gut  stehen,  dass  durch  unsere
Zulassung  dem  Hauptstreit  nicht  praejndiziert  sondern  alles  zu
ordentlicher  Ausführung  und  Austrag  gestellt  werden  solle.  Würden
wir  aber  trotzdem  umgangen  werden  (dass  Neuburg  beschrieben  werden
soll,  können  wir  nicht  glauben),  so  soll  erklärt  werden,  dass
wir  uns  dessen  nicht  versehen  hätten,  es  für  eine  Zunötigung  an
uns  und  dieses  Kurhaus  hielten,  die  Sachen  mit  den  andern
Testaments-Exekutoren  und  Vormündern  erwägen  müssten  und  uns
ein  solches  Praejudiz  nicht  zufügen  lassen  würden.  Datum  Heydelberg

den  11.  maii  a.  1611.
Ma.,  547/14,  f.  68;  Kpt.  von  v.  d.  Grün;  —  f.  31;  Or.!

i  Vom  gleichen  Tag  ein  Handschbreiben  des  jungen  Kurerben  an  Kurmainz
  mit  kurzer  Wiederholung  des  obigen  und  mit  der  Bitte,  die  Rechte
des  Hauses  Pfalz  achten  zu  wollen  (Ma.,  547/14,  f.  63;  Kpt.).  —  Am
15./25.  Mai  (vgl.  no.  196,  S.  472,  Anm.  3)  macht  der  Administrator  dem
Kurfürsten  von  Brandenburg  Mitteilung  von  der  Abordnung  nach  Mainz:
Das  kurfürstliche  Schreiben  vom  4.  Mai  (vgl.  no.  167,  S.  408,  Änm.  2)

Mai  21.
        <pb n="500" />
        Mai
22.  bis  28.

478  1611  200

200.  Brömsers  vierter  Wochenbericht  aus  Prag.

Mai  22.

Vormittags  traf  ich  Zuniga  in  der  Antecamera,  der  mir  mitteilte,
er  habe  von  seinem  Herrn  ein  Schreiben  vom  4.  Mai,  worin  derselbe
ihn  ernstiich  ermahnt,  Matthias  in  seinem  Namen  zu  erinnern,  des
Kaisers  Hoheit  und  des  Reiches  Reputation  und  Gunst  in  Acht  nu
nehmen;  Matthias  habe  ihm  nach  Mitteilung  dieses  Schreibens
versichert,  er  wolle  sich  nach  der  Krönung  gebährlich  bezeigen
Ich  habe  Zuniga  noch  weiter  ermuntert  und  weitläufig  erzählt,  wie  ich
und  die  Sachsen  vernommen  hätten,  dass  der  böhmiscnen  Stände
Vorhaben  einzig  darauf  gerichtet  sei,  dem  König  noch  vor  der
Krönung  nit  ‚‚gespitzten‘‘  und  gefährlichen  Reversen  die  Hände  zu
binden,!  "damit  er  dann,  auch  wenn  er  wollte,  nicht  loskommen  könnte

babe  in  ihm  den  Argwohn  erregt,  als  sei  es  Mainz  und  dessen  Anhang  darum
zu  tun,  beim  Kurfürstentag  alles  nach  ihrem  Schlag  zu  richten.  Wegen
des  grossen  Praejudizes  für  das  Haus  Pfalz  babe  er,  Administrator,  sich  dureh
diese  Schiekung  beschwert,  Kurmainz  wegen  etwaiger  Sorgen  vor  Neuburg
beruhigt  und  gewarnt,  dass,  wenn  es  bei  seiner  Ausschliessung  bliebe,  der
Pfalz  nicht  die  Mittel  fehlen  würden,  ihre  Praeeminenz  zu  behaupten.  Auch
Kurbrandenburg  möge  dies  Praejudız  abwehren  helfen,  das  andern  kurfürstlichen
  Häusern  zur  K:'nsequenz  gezogen  werden  könnte,  zumal  man  bei  dea
bevorstehenden  Verhandlungen  ohnehin  einige  weltliche  Kurfürsten  nicht
gern  werde  Jabei  haben  wollen.  Da  bei  unergänztem  Kolleg  (denn  an  Neaburgs
  Beschreibung  sei  wohl  nicht  zu  denken)  so  wichtige  Sachen  nicht
erspriesslich  verhandelt,  geschweige  dena  beschlossen  werden  könnten,  so
werde  sich  Kurmainz  hoffentlich  eines  bessern  besinnen.  Kurbrandenburg
möge  auch  bei  Kursachsen  wegen  Beschreibung  der  Kurpfalz  unterbauen
(Ma.,  547/14,  f.  65;  Kpt.  von  v.  d.  Grün).

ı  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  IL,  S.  291  und  Hurter,
Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,  VI.,  512.  Matthias  selbst  berichtet  darüber
am  24.  Mai  an  Erzherzog  Maximilian:  Die  böhmische  Krönung  hat  sich
wider  Erwarten  lange  verzögert.  Die  Stände  erregten  allerlei  Zwist,  der
das  Hauptwerk  aufzog.  Schliesslich  brachten  sie  noch  fünf  schwere  Punkte
vor  und  begehrten,  dass  ich  ihnen  darüber  einen  Revers  ausstelle.  Als
ich  mich  weigerte,  darin  weiter  zu  gehen  als  der  Kaiser,  liessen  es  die
Stände  endlich  nach  zwei  Tagen  der  Verhandlung  beim  alten  Herkommen,
doch  dass  ich  wegen  dieser  fünf  Punkte  mit  ihnen  auf  dem  nächsten
Landtag  verhandeln  solle,  was  ich  zusagte.  Darauf  wurde  die  Krönung  auf
den  23.  Mai  festgesetzt.  Trotz  des  obigen  Beschlusses  brachten  Jdie  Stände
noch  am  22.  Mai  in  den  Reverse,  den  ich  unterschreiben  sollte:  ich
solle  die  auf  den  nächsten  Landtag  verschobenen  fünf  Punkte  schon  vierzehn
Tage  nach  der  Krönung  abhandeln  lassen  und  die  Kompaktate  bestätigen,
welche  die  böhmischen  mit  den  schlesischen  Utraquisten  vor  drei  Jahren
aufgerichtet  hatten.  Da  ich  darauf  nicht  eingehen  wollte,  gab  es
langen  Streit,  bis  die  Stände  durch  ihr  eigenes  Original  überführt  wurden,
dass  es  sich  um  neue  Forderungen  handle;  sie  schoben  dann  die  Schuld
auf  den  Sckretär.  Auch  die  Bestätigung  der  Kompaktate  mit  den  Schlesiern
verweigerte  ich,  um  der  katholischen  Religion  nicht  Abbruch  zu  tun.
Darüber  wurde  bis  11  Uhr  nachts  verhandelt  und  da  die  Stände  gar  nicht
nachgaben,  wurde  in  den  Bevers  schliesslich  eine  Klausel  gesetzt,  dass  diese
Union  .nicht  gegen  die  Katholischen  angesehen  sei  (lb,  Ambraser  Akten,
Missiven  vom  Juni  1611,  no.1;  Or.).  —  Aehnlich  berichtet  am  23.  Mai  auch
        <pb n="501" />
        200.  1611  479

sondern  sich  und  seinem  Hause  unwiederbringliches  Praejudiz  zuziehen
müsste;  Spanien  möge  dabei  wol  achten,  was  ihm  selbst  daraus
erwachsen  würde,  wenn  nach  dem  Vorhaben  der  Böhmen  die  Konfoederation,
  erst  der  Länder  untereinander,  dann  mit  den  Staaten  und
mit  der  calvinischen  Union  zu  stande  käme,  zu  geschweigen  des
gefährlichen  Beispiels  für  andere  christliche  Potentaten  und  Fürsten.
Zuniga  versprach  nochmals  allen  Fleiss  anzuwenden;  er  hofft,
der  König  werde  nach  der  Krönung  sein  Ve.sprechen  halten;
sein  Herr  werde  so  praejudizierliche  Unionen  nicht  billigen
sondern  eher,  wenn  Matthias  sich  auf  derlei  Sachen  einliesse,  all  sein
Vermögen  dagegen  einsetzen;  zum  Schluss  begehrte  Zuniga,  dass  ich
meinem  Herrn  deu  Kaiser,  des  Reiches  Hoheit  und  König  Matthias
empfehlen  solle.  Ich  versprach  es  mit  dem,  dass  Zuniga  dem  König  Matthias
sage:  wolle  derselbe  den  Kurfürsten  und  dem  Reiche  empfohlen  sein,  so
solle  er  selbst  mildere  Massregeln  ergreifen  und  zusehen,  dass  nicht
in  der  Person  des  Kaisers  den  Kurfürsten  und  dem  Reiche  Unehre
widerfahre;  denn  wenn  das  Haupt  verletzt  würde,  müssten  die  Glieder
es  empfinden.  Zuniga  erbot  sich,  dies  auszurichten.

Nachmittags  erfuhr  ich,  dass  es  zwischen  den  Ständen  und  dem
König  wegen  des  Reverses  noch  nicht  richtig  sei  und  der  König  die
ihm  vorgelegten  Bedingungen  nicht  unterzeichnen  wolle;  man  sieht
also  schon  jetzt,  dass  die  Stände  ihn  wie  den  Kaiser  behandeln
wollen  ;  sie  halten  mit  Ungestüm  und  Ernst  an  und  wollen
nicht  nachgeben.  —  Nachmittags  liess  mir  der  kaiserliche  Hofmarschall
  von  Losenstein  durch  einen  Diener  sagen,  morgen  sei
die  Krönung;  wollte  ich  dabei  sein,  so  sollte  ich  mich  um
sieben  Uhr  in  die  Kirche  begeben,  für  die  kurfärstlichen  Gesandten
seien  besondere  Plätze  vorbereitet.  Ich  erwiderte,  ich  sei  von  meinem
Herrn  abgeordnet  worden,  dem  Kaiser  aufzuwarten  und  würde  mich
morgen  in  dessen  Antecamera  einfinden.  Gleich  darauf  liess  mich  der
Oberstburggraf  zur  Mahlzeit  einladen,  dem  ich  gleiche  Antwort  gab.  —
Abends  waren  die  Stände  mit  dem  König  noch  nicht  einig,  so

Wilhelm  Bodenius  über  diese  Verhandlungen.  Darnach  war  der  vorgelegte
Reverse  von  Wenzel  Kinsky  in  tschechischer  Sprache  dem  König  vorgelegt
worden;  aus  der  deutschen  Uebersetzung  orsah  aber  Matthias  die  Täuschung.
Die  Stände  legten  sodann  einen  verdeutschten  Revers  vor,  der  aber  die
neuen  Bestimmungen  enthielt,  dass  die  bohmischen  sich  niit  den  Ständen  der
andern  Länder  verbinden,  jederzeit  nach  ihrem  Gefallen  sich  versammeln
könnten  und  nach  des  Königs  Tod  freie  Wahl  haben  sollten.  Schliesslich
liessen  sich  aber  die  Stände  zur  Abänderung  herbei  (Mc.,  Entstehung,
Fasz.  III,  no.  26,  £.  90;  Or.  eigh.).  —  Der  Revers  für  dıe  böhmischen
Stände  ist  gedruckt  bei  J.  Du  Mont,  Corps  universel  diplomatique,  V.  2.,
S.  166  und  bei  J.  Ch.  Lünig,  Deutsches  Reichsarchiv,  Pars  spec.,  I,
8.  72.  —  Die  von  Gindely  vermissten  Reverse  für  die  schlesischen  und
lausitzischen  Stände  sind  in  \lägerles  Diarium  zum  23.  Mai  inseriert  \Wi.,  IAl,
Ka.  2990;  Kopie,  f.  4%,  f.  52,  f.  53;  vgl.  no  91,  S  202,  Anm.  1.

Mai

22.  bis  28.
        <pb n="502" />
        480  1611  200-Mai

  dass  die  Krönung  für  morgen  zweifelhaft  ist.  Um  10  Uhr  nachts
22.  bis  28.  «uhren  die  böhmischen  Stände  vom  Hradschin  herunter.!

Mai  23.

Das  Wetter  liess  sich  kalt  und  trüb  an;  um  5  Uhr  morgens
wurde  das  Kriegsvolk  aufgeführt  und  begann  man  sich  zur  Krönung
zu  rüsten,  um  7  Uhr  stellten  ich,  die  Sachsen  und  die  Neuburger
uns  in  der  Antecamera  ein,  bald  darauf  kam  auch  der  kurbrandenburgische
  Gesandte;  auch  Leuchtenberg,  Mollart,  Barvitius,  einige
Kammerherrn,  der  Vizekanzler  und  andere  waren  da.  Es  hiess,  der
König  sei  mit  den  Ständen  noch  nicht  einig.  So  vergieng  die  Zeit
bis  zwei  Uhr;  da  erfuhren  wir,  der  König  habe  alles  unterschrieben;
es  würden  nun  die  Schriften  verlesen  werden,  dabei  aber  weder  der
spanische  noch  der  päpstliche  noch  sonst  ein  Botschafter  sein.  Als  wir
ung  aber  auf  den  Gang  verfügten,  um  den  Einritt  des  Königs  zu  sehen,
da  fuhren  alle  die  Botschafter  mit,  was  uns  und  auch  den  Kaiser.
wie  wir  hörten,  besonders  verdrossen  hat,  Bald  darauf  kam  der  Kardinal
von  Dietrichstein,  der  König  aber  erst  zwischen  3  und  4  Uhr  zu  Pferd  im
grünen  ungarischen  Kleid,  worauf  die  Zeremonien  der  Krönung  stattfanden.
Während  all  dem  hat  der  Kaiser  sich  ganz  ernst  und  herzhaft  gezeigt
  und  die  Mahlzeit  im  hintersten  grossen  Saal  gehalten,  um  das
Trommeln  weniger  zu  hören.  Alle,  die  ich  ansah,  auch  die  Böhmen
zeigten  sich  traurig,  „der  landgrave  von  Leuchtenberg  aber  sampt
etlichen  mehrn  haben  interim  alla  primiera  fleisig  gespielet  und  sich
dieses  alles  wenig  irren  lassen“.  Nach  dem  Einritt  hat  man  uns  zu
Hof  gespeist,  sonst  hat  sich  aber  um  uns  nur  Barvitius  bemüht,
später  kam  auch  Mollart;  Leuchtenberg  und  der  ÖOberstkammerherr
Proskowsky  liessen  sich  bei  uns  nicht  sehen,  obwol  die  andern  sie
öfters  ermahnen-  liessen.  Abends  kehrten  wir  in  unsere  Wohnungen
zurück.

Mai  24.

Vormittags  in  der  Antecamera  erfuhren  wir  von  Barvitius,  dass
der  Kaiser  wol  geruht  habe  und  nach  Gelegenheit  wolgemut  sei.  Da
die  Sachsen  und  ich  uns  hier  für  überflüssig  halten  und  ohnehin
ein  anderur  modus  tractandi  vorgenommen  werden  muss,  so  haben

!  Die  sächsischen  Gesandten  berichten  am  12./22.  Mai:  Losensteia
habe  sie  auf  morgen  zur  Krönung  eingeladen  ;  sie  erwiderten  aber,  sie  seien
von  ihrem  Herrn  nicht  abgeordnet,  um  der  Krönung  beizuwohnen  sondern
um  dem  Kaiser  aufzuwarten;  gebe  dieser  Urlaub,  so  wollten  sie  erscheinen;
Braunschweig  habe  sich  mit  Krankheit  entschuldigen  lassen,  was  der  König
übel  aufnahm  (Drs.,  I.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegevolks,  f.  637;  Or.
Am  13./23.  Mai  berichten  sie  über  die  Krönung  weiter:  Sie  seien  von  derselben
  weggeblieben,  weil  sie  erfuhren,  dass  ihre  Anwesenheit  den  Kaiser  noch
mehr  betrüben  würde;  der  Kaiser  sehe  darin  eine  Billigung  des  ganzen  Werkes,
Uebrigens  seien  weder  sie  selbst  noch  der  Kurfürst  vom  König  geladen  worden,
Losenstein  habe  nur  „ungemeldet  des  königs“  mitteilen  lassen,  dass  für  die
Gesandten  in  der  Kirche  ein  Stand  bereitet  sei  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  679:  Or.).
        <pb n="503" />
        200.  1611  481

wir  uns  entschlossen,  durch  ein  Memorial!  den  Kaiser  um  unsere
Entlassung  zu  ersuchen.  Wir  baten  Barvitius,  es  dem  Kaiser  zu
überreichen;  doch  sagte  er  uns,  heute  werde  beim  Kaiser  nichts
zu  verrichten  sein,  da  er  nach  dem  gestrigen  Tumult  ruhen  wolle.
Beim  Herabgehen  trat  Graf  Schlick  zu  uns  und  gebrauchte  viele
harte,  dem  Kaiser  und  Reich  schimpfliche  Reden,  worüber  ich  mündlich
berichten  werde.  Soeben  höre  ich,  dass  Zuniga  vor  einer  Stunde
geäussert  habe,  der  König  sei  in  grossen  Aengsten,  die  Stände  muteten
ihm  über  das  vorige  noch  allerlei  beschwerliche  Sachen  mit  Ungestäm
zu.  Am  selben  Tag  hat  sich  Schlick  auch  öffentlich  vernehmen
lassen,  die  Stände  hätten  dem  König  bereits  vorgehalten,  Khlesl  und
Khuen  (dessen  „innerste  und  geheimste‘‘  Räte)  abzuschaffen  „und

möchte  der  Cain  in  Oesterreich  unruhe  anrichten  so  lang  und  viel

er  wolte,“  worauf  Gerstenberg  ihm  antwortete:  „albier  in  Böhmen
könnet  Ihr,  herr  graf,  es  selber  verrichten.“  Schlick  gieng  lachend  ab.?

Mai  25.

Gestern  erhielt  ich  die  Schreiben  meines  Herrn  ?  und  suchte
darauf  um  Audienz  bei  Zuniga  an,  der  mir  aber  sagen  liess:  er  sei  um
8  Uhr  zur  Audienz  beim  König  berufen,  ich  möchte  warten  oder  er  wolle
mich  in  der  Kapuzinerkirche  ansprechen;  ich  liess  erwidern,  dass
ich  ihn  womöglich  noch  vor  der  Audienz  sprechen  möchte,  da  die
Schreiben  meines  Herrn  ihm  zur  Information  dienen  könnten.  Als
er  mich  darauf  sofort  rufen  liess,  erinnerte  ich  ihn  an  sein  Begehren,
dass  ich  Matthias  bei  meinem  Herrn  empfehlen  solle,  wozu  ich  unter
gewissen  Bedingungen  noch  erbötig  sei;  nun  schreibe  mir  aber  mein
Kurfürst,  dass  er  und  Kurköln  das  Verfahren  gegen  den  Kaiser  sehr  hoch
empfänden  ;  um  wie  vie)  mehr  werde  dies  erst  der  Fall  sein,  wenn  sie  des
weiteren  Verlaufs  berichtet  würden;  wir  kurfürstlichen  Gesandten
könnten  durchaus  nicht  finden,  dass  der  König  bei  diesem  Handel  die
Kurfürsten  und  Fürsten  des  Reiches  respektiere,  habe  er  uns  ja  nicht

m  m  —

ı  Datiert  vom  22.  Mai  und  an  Barvitius  gerichtet;  es  enthält  zugleich
die  Bitte,  dass  Barvitius  erkunden  möge,  ob,  wann  und  wohin  ins  Reich  sich
der  Kaiser  begeben  wolle  und  was  er  deshalb  von  den  Kurfürsten  begehren
und  beim  Kurfürstentag  etwa  vorbringen  lassen  möchte  (Wmz.,  Reichstagsakten,
  Bd.  103c,  no.  170;  Kopie).

?  Bericht  der  Sachsen  vom  14.'24.  Mai:  Der  Kaiser  hat  heute  die
uns  zugesagte  Audienz  nicht  erteilt,  weil  er  allein  bleiben  will.  Es
ist  nicht  ratsam,  dass  der  Kaiser  jetzt  nach  vollzogener  Krönung,  da  er
hier  gar  nichts  mehr  zu  befehlen  hat,  länger  hier  bleibe;  man  muss  ihm
vielmehr  Anleitung  und  Vorschub  geben,  sich  je  eher  je  besser  in  eine
Reichsstadt  zu  verfügen,  etwa  nach  Regensburg,  wohin  er  besondere  Lust  hat;
er  selbst  soll  nicht  die  Absicht  haben,  länger  hier  zu  bleiben.  Wir  und  Brömser
sehen  auch  nicht,  was  die  Gesandten  von  Kurköln  und  Kurtrier  hier  noch  anderes
tun  könnten  als  dasselbe  raten;  den  Gesandten  wäre  daher  Einstellung
ihrer  Reise  zu  empfehlen.  Wir  hören  auch,  dass  der  Kaiser  uns  bei  nächster
Audienz  selbst  entlassen  will.  Brömser  teilt  uns  eben  mit,  dass  auch
Kurmainz  das  Verbleiben  des  Kaisers  in  Prag  widerrät  (Dre.,  a.  a.  O.,
f.  687;  Or.).

®  Vgl.  no.  193.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  31

Mai

22.  bie  28.
        <pb n="504" />
        Mai
22.  bis  28,

482  1611  200.

einmal  einer  Antwort,  geschweige  denn  einer  Verhandlung  gewürdigt;
meinen  Herrn  befremde  aufs  höchste,  dass  die  geheimen  und  Reichshofräte
  noch  in  Haft  wären  und  über  Sachen,  die  das  Reich  betreffen.
verhört  würden,  derentwegen  sie  weder  dem  König  noch  den  Böhmen
sondern  nur  dem  Kaiser  und  Reich  mit  Pflichten  zugetan  seien.  Im
Namen  meines  Kurfürsten  ersuchte  ich  daher  Zuniga,  dies  dem  König
vorzuhalten  und  ihn  zu  ermahnen,  das  Reich  besser  in  Acht  zu  haben,  die
verhafteten  Räte  zu  entlassen  und  sich  gegen  den  Kaiser  und  die  Kurfürsten
mit  Respekt  zu  erzeigen.  --  Zuniga  fand  alles,  was  ich  sagte,  für  richtig
und  versprach  es  vorzubringen,  zumal  er  auch  von  seinem  Herm
entsprechenden  Befehl  habe;  dabei  liess  er  den  Wunsch  merken

‚zu  wissen,  was  unsere  Meinung  wegen  des  Kaisers  künftiger  Residenz

sei.  —  Ich:  Wir  wissen  von  unsern  Herrn  so  viel,  dass  die  Kurfürsten
  und  andere  Stände  des  Reiches  ein  längeres  Verbleiben  des  Kaisers
in  Böhmen  für  unmöglich  halten;  denn  nach  der  Böhmen  jetzigem  Gebahren
  könnten  die  kaiserlichen  Räte  und  Diener  nicht  ungehindert  ihrer
Pflicht  nachkommen,  stünden  vielmehr  in  höchster  Gefahr,  auch  hätten
die  Abgesandten  der  Reichsstände  zum  Kaiser  hier  nur  Schimpf  zu
erwarten;  endlich  was  hätte  es  in  der  ganzen  Welt  für  ein  Ansehen,
wenn  das  Reich  in  Böhmen  einen  gefangenen,  seiner  eigenen  Person  unmächtigen
  Kaiser  hätte?  —  Zuniga  glaubte  nicht,  dass  der  König  oder
die  Böhmen  den  Kaiser  mit  Gewalt  aufhalten  würden  ;  das  würde  auch  sein
Herr  ungern  vernehmen,  allein  er  besorge,  dass  dieStände  vom  Kaiser  oder
von  den  keichsfürsten  einen  Schein  begehren  werden,  dass  am  Hof  nichts
diesem  Königreich  Gefährliches  praktiziert  werde  —  Ich:  Des  Beiches
Gelegenheit  ist  jetzt  leider  derartig,  dass  man  sich  von  dort  gewiss
keiner  gefährlichen  Zumutungen  zu  befahren  hat;  es  ist  auch  für  den
König  und  die  Böhmen  unnötig,  deshalb  etwa  vorzubauen,  weil  sie
doch  nicht  geständig  sind,  den  Kaiser  oder  das  Reich  offendiert  zu
haben  ;  dass  die  Kurfürsten  und  Stände  sich  auf  einen  solchen  Revers
einlassen  werden,  scheint  mir  sehr  zweifelhaft;  ich  sehe  auch  nicht,  wie
man  ihnen  dies  füglich  zumuten  könnte,  es  würde  höchstens  noch  mehr
Weiterungen  verursachen;  ich  bin  der  Meinung,  dass,  selbst  wenn  der
Kaiser  selber  hier  in  Böhmen  bleiben  wollte,sich  die  Kurfürsten  und  das  Reich
nicht  dazu  verstehen  dürften,  es  wäre  denn  dass  der  Kaiser  auch  auf  die
kaiserliche  Krone  und  Regierung  verzichtet.  —  Zuhiga  gab  zu,  dass  dies
alles  begründet  sei,  versprach  auch,  mit  dem  König  ernstlich  davon  zu
reden;  ich  solle  nur  meinem  Herrn  versichern,  dass  er,  Zuniga,  von  seinem
König  Befehl  habe,  des  Reiches  Ehre  und  Ansehen  in  Acht  zu  nehmen,
daran  wolle  er  es  nicht  fehlen  lassen  -—  Ich:  Die  Kurfärsten  versehen
sich  auch  von  ihm  und  seinem  Herrn  keines  andern.!  —  Zuniga  fuhr
dann  zum  König,  ich  gieng  in  die  Antecamera  und  fand  dort  des
Königs  obersten  Kammerherrn  Meggau  und  andere  Königliche,  die
beim  Kaiser  Audienz  hatten,  aber  kaum  fünf  ‚Vater  unser  lang‘‘  darin

'  Vgl.  Zunigas  Schreiben  an  Kurmainz  vom  23.  Mai  unten  no.  24.
        <pb n="505" />
        200.  1611  483

blieben.  Sie  hatten  dem  Kaiser  im  Namen  des  Königs  für  die  Mi
Abtretung  des  Königreichs  und  für  die  Erlaubnis  zur  Krönung  zu  2.  bis  28.
danken.  Abends  lud  Zuuiga  mich  für  morgen  früh  zu  sich.!

Mai  26.

Ich  erfuhr  von  verschiedenen  Seiten,  wie  die  kaiserlichen  Hofdiener
von  den  Böhmen  und  den  Königlichen  schmählich  behandelt  würden
und  die  Böhmen,  auch  höher  gestellte,  schon  anfiengen,  die  Kaiserlichen
schimpflich  ‚auszumachen“.  Man  kann  sich  daher  leicht  denken,  wie  das
künftig  werden  würde,  wenn  der  Kaiser  hier  bliebe;  daher  ist  unserer
Herrn  Gutachten  umso  richtiger,  dass  der  Kaiser  sich  von  hier  entferne.
Wir  hören  aber  von  verschiedenen  Orten,  dass  es  zweifelhaft  sei,  ob
der  Kaiser  selbst  wegziehen  wolle  oder  die  Böhmen  ihn  ohne  schimpflichen
Revers  weglassen  würden.  Ich  und  die  Sachsen  sind  nach  fleissiger  Erwägung
  der  Meinung  geworden:  der  Kaiser  kann  unmöglich  hier  bleiben,
wenn  er  nicht  die  Regierung  dieses  Königreichs  behält  oder  auch  auf  die
des  Reiches  verzichtet  und  sich  freiwillig  zur  Ruhe  begibt.  Errsteres  ist
bei  der  Hartnäckigkeit  der  Böhmen  und  anderer  nicht  zu  hoffen,
letzteres  kann  man  dem  Kaiser  bei  seiner  langen  Regierung  nicht
zumuten;  es  muss  also  nach  dem  dritten  getrachtet  werden,  wenn
es  auch  anfänglich  mit  etwas  Unwillen  abgeht.  Uıhn  des  Kaisers  wie
der  Böhmen  Meinung  und  Vorhaben  zu  entdecken,  fanden  wir  für
gut,  verbreiten  zu  lassen,  dass  mein  Herr  als  Erzkanzler  auf  Gutachten
seiner  Mitkurfürsten  die  Reichskanzlei  und  die  Akten  ehestens  von  hier
nach  einem  Ort  des  Reiches,  „da  man  ].M.'  sicher  rathen  und  deren
geniessen  könne“,  schaffen  lassen  wolle.  Wir  beratschlagten  dies  mit
einigen  vornehmen  Herrn  und,  nachdem  es  gebilligt  worden,  „als  dardurch
den  Böhmen  ire  praetension  benomen,  dem  könig  nachdenkens  gemacht,
auch  der  kaiser,  ob  er  schon  nicht  gern  wolte,  dannocht  zu  folgen
vermöget  wurde  (er  wölle  sich  dann  alles  verzeihen)‘‘,  habe  ich  im
Namen  meines  Herrn  dem  Vizekanzler  angemeldet:  die  Kurfürsten
könnten  nicht  finden,  dass  der  Kaiser  mit  Reputation  und  Nutzen  des
Reiches  länger  in  Böhmen  residieren  könne:  sie  giengen  daher  mit  dem
Gedanken  um,  den  Kaiser  mit  gebührenden  Ehren  ins  Reich  zu  bringen,
daher  müsste  auch  die  Reichskanzlei  samt  Zubehör  dahin  transferirt  werden;

ı  Die  Sachsen  berichten  am  15.,25.  Mai  nach  Hause:  die  Audienz  ist
abermals  unterblieben,  nur  Meggau  wurde  vom  Kaiser  vorgelassen,  um  im
Namen  des  Königs  für  die  Abtretung  der  Krone  zu  danken;  man  sagt,  der
König  wolle  zu  allen  Kurfürsten  Gesandtschaften  abordnen,  um  sich  um  die
römische  Krone  zu  bewerben  \Drs.,  a.  a.  O.,  f.  692;  Or.).  —  Nach  dem
Bericht  der  neuburgischen  Gesandten  an  ihren  Herrn  vom  18./28.  Mai
nahm  der  Kaiser  Meggaus  Audienz  so  gut  auf,  dass  er  den  ganzen  Tag
über  niemanden  vor  sich  liess  und  seinen  Dienern  verbot,  den  König
„Majestät"  zu  nennen.  Dieselben  Gesandten  berichten,  dass  Stralendorf  von
Kurmainz  Befehl  erhalten  habe,  die  Akten  des  Reichshofrats  zusammenzupacken
und  sich  damit  ehestens  ins  Reich  zu  begeben;  die  kurfürstlichen  Räte
raten  dem  Kaiser  zum  .  Abzug,  die  kaiserlichen  Diener  meinen  aber,  der
Kaiser  werde  sich  zur  Aenderung  der  gewohnten  Residenz  nicht  entschliessen
können  (Mb.,  337,15,  f.  35;  Or.).

31*
        <pb n="506" />
        Mai
22.  bis  28.

484  1611  200.

der  Kurfürst  lasse  ihm  dies  mitteilen  und  ihn  auffordern,  alles
dazu  zu  richten  und  die  Interessenten  zeitig  zu  verständigen,  damit
auf  fernere  Abforderung  der  Kurfürsten  dem  Abzug  nichts  im  Wege
stünde.  Der  Vizekanzler  liess  es  sich  gern  gefallen  und  meinte,
es  solle  je  eher  je  besser  sein.

Aus  der  Antecamera  gieng  ich  zu  Zuniga.  Dieser  berichtete:
er  habe  den  König  gestern  ernstlich  mit  Vorweisung  des
Schreibens  seines  Herrn  ermahnt;  Matthias  habe  sich  darauf  nu
aller  Gebühr  erklärt,  auch  versprochen,  die  Sache  mit  den  gefangenen
  kaiserlichen  Räten  zu  Ende  zu  bringen,  aber  deren
Freilassung  habe  er  nicht  verheissen.  Zuniga  hofft  aber  trotzdem.
es  werde  deswegen  keine  weiteren  Schwierigkeiten  geben;  der  König
besorge  nur,  die  Räte  würden  ihm  im  Reich  mit  ihren  Klagen  und  Ratschlägen
  Hindernisse  bereiten  ;  er  wolle  aber  den  König  deshalb  nochmals
  ernstlich  ermahnen.  Dem  König  sei  auch  berichtet  worden,  dass
die  böhmischen  Stände  einen  guten  Teil  des  passauer  Volkes,  mit  dem
sie  nun  vertragen  sind,  in  ihre  Dienste  nehmen  wollten,  was  Matthias
sehr  verdächtig  sei;  er  denke  daher  daran,  es  für  sich  selbst  zu  behalten,
wenn  er  das,  ohne  das  Mistrauen  der  Stände  zu  erregen,  tun  könnte
Zuniga  meinte  aber,  der  König  solle  sich  für  gänzliche  Entlassung  jenes
Volkes  einsetzen  und  wünschte,dass  auch  wir  kurfürstliche  Gesandte  den  König
deshalb  ungefähr  wie  folgt  erinnern  sollten:  es  heisse,  dass  er  dies  ganze
Kriegsvolk  oder  doch  einen  grossen  Teil  im  Lande  behalten  wolle;
wir  könnten  keinen  Zweck  dabei  sehen,  es  würden  nur  bei  den  Nachbar
im  Reich  Nachdenken  und  Gegenrüstungen  verursacht  werden,  woraus
leicht  Ungelegenheiten  entstehen  könnten,  die  den  König  selbst  allerseits
  in  Mistrauen  brächten;  wir  möchten  daher  im  Namen  unserer
Herrn  erinnert  haben,  dies  Volk  ganz  zu  entlassen.  Zuhiga  glautt,
dass  unsere  und  seine  Erinnerungen  den  König  von  diesem  Plan
abwenden  und  ihm  zugleich  Anlass  geben  werden,  auch  die  Stände
davon  abzumahnen.  —  Ich:  Der  König  wird  hoffentlich  solche  Erinnerungen
  nicht  in  den  Wind  schlagen  und  sich  gegen  den  Kaiser  nach
Billigkeit  erzeigen.  Die  Gefangenhaltung  der  Räte  empfinden  die
Kurfürsten  als  besondern  Despekt;  will  der  König  überhaupt
auf  diese  Rücksicht  nehmen,  so  muss  er  die  Räte  ehestens  entlassen:
mehr  als  die  Feindschaft  der  Gefangenen  wird  dies  unförmliche  Gebahren
gegen  die  Räte  ihm  die  Kurfürsten  und  alle  Stände  des  Reiches
entfreomden.  Was  das  letzte  Begehren  Zunigas  anlangt,  so  habes
wir  Kurfürstliche  bisher  nicht  merken  können  dass  unsere  und  unserer
Herrn  Erinnerungen  und  Erbieten  vom  König  wol  aufgenommen  und
respektiert  worden  wären;  jedenfalls  will  ich  mich  deshalb  zuvor  mit  den
Sachsen  besprechen.  Wir  haben  schon  vorber  vernommen,  dass  der  König
oder  die  Stände  das  passauer  Volk  im  Dienst  behalten  wollen,  haben  auch
darüber  an  unsere  Herrn  berichtet  und  zweifeln  gar  nicht,  eg  würde
solches  bei  den  friedfertigen  Ständen  des  Reiches  um  so  mehr  Nachdenken
  verursachen  als  es  schon  heisst,  dass  einiger  unruhiger  Leute  Pläne
        <pb n="507" />
        200.  1611  485

dahin  gehen,  die  Kurfürsten  des  Reiches  mit  Gewalt  und  durch  Mai
Schrecken  zu  einer  Wahl  zu  vermögen  und  zu  drängen,  wie  einige  22.  bis  28.
ganz  ungescheut  und  Öffentlich  sich  vernehmen  lassen.  Ich  will  °

nicht  hoffen,  dass  der  König  sich  mit  solchen  gefährlichen  Anschlägen

trägt  und  sich  darauf  vergebliche  Gedanken  macht;  denn  das  wäre

gar  nicht  der  Weg  zur  Krone.  Jedenfalls  würde,  wenn  der  König  oder

die  Stände  sich  mit  einer  so  schweren  Last  beladen  wie  die  Annahme  des
passauer  Volkes  eine  ist,  es  allenthalben  im  Reich  ein  seltsames  Ansehen

  haben,  denn  man  würde  den  Zweck  nicht  einsehen.!

Mai  27.

Ich  sprach  mit  den  Sachsen  über  Zunigas  Mitteilung  und  fand  sie
zu  derlei  Anlangen  gleichfalls  nicht  geneigt,  da  der  König  unsere  Herrn
bisher  so  wenig  beachtet  habe;  auch  sie  hielten  nicht  für  reputierlich,
sich  weiter  bei  ihm  zu  bemühen  und  meinten,  man  solle  es  aus
Mangel  an  Befehl  unterlassen.  Sie  wollen  Zuniga  erklären:  da  sie  eben  ihre
Entlassung  betreiben,  werden  sie  alles  ihrem  Herrn  berichten,  der
vielleicht  den  König  schriftlich  erinnern  wird,  was  mehr  Ansehen
bei  diesem  haben  möchte  —  |

Morgens  liess  Braunschweig  mich  zu  sich  rufen  und  zeigte  mir
schriftlich  des  Kaisers  Gedanken,?  wie  der  König  zu  ersuchen  wäre;

ı  Bericht  der  Sachsen  vom  16.’/26.  Mai:  „Dieser  tag  ist  abermals
ganz  vergeblichen  hingegangen;  dan  ob  wir  gleich  vleisig  aufwarten,  so
lest  man  une  doch  stehen,  bevielt  uns  nichts  und  thut  auch  sonsten  kein
mensch  etwas  bei  den  sachen,  wie  betrübt  und  jämmerlichen  dieselb  geschaffen.“
  Fast  gewinnt  es  das  Ansehen  als  wolle  der  Kaiser  auch  das
römische  Reich  resignieren.  Zunahme  der  Seuche  in  Prag  [an  der  am
26.  Mai  auch  der  kursächsische  Agent  Dr.  Pfretzschner  stirbt]  (Drs.,  a.  a.  O.,
f.  702;  Or.).

?2  Der  Kaiser  hat  gehofft,  man  werde  wegen  der  Krönung  und
Eidesentlassung  nicht  in  ihn  dringen,  bevor  die  in  der  Proposition
vorbehaltenen  Punkte  erledigt  sind.  Die  auf  die  letzten  Punkte  erfolgte
Resolution  und  die  daran  gehängten  Begehren  sind  aber  dem  Hause  O6sterreich
  schimpflich,  der  kaiserlichen  Hoheit  nachteilig  und  den  Kurfürsten  und
allen  Reichsständen  praejudizierlich;  daher  kann  sich  der  Kaiser  aus  den
erwähnten  Ursachen  und  weil  er  seiner  Räte,  die  teils  gefangen  gehalten,
teils  durch  Drohungen  abgeschreckt  werden,  nicht  mächtig  ist  und  Rat
and  Gutachten  der  Kurfürsten  und  der  Erzherzoge  seines  Hauses  einholen
  muss,  auf  weitere  Verhandlung  nicht  einlassen.  Der  Kaiser  will
sich  mit  nächster  Gelegenheit  nach  Regensburg  begeben  und  sich
mit  den  Kurfürsten  und  Fürsten  wegen  des  Empfangs  an  der  Grenze
vergleichen  ;  dazu  begehrt  er  Beistellung  des  nötigen  Fuhrwerks  für  seine
Sachen  und  für  die  Reichskanzlei  und  gebührliches  Geleite  bis  zur  Grenze.
Inzwischen  will  er  gehörig  respektiert  und  mit  den  Wachen  im  Schloss
nicht  weiter  belästigt  sein,  auch  soll  ihm  für  die  kurze  Zeit  seines  Aufenthaltes
  das  Schloss  allein  gelassen  werden,  damit  nicht  durch  die  zweierlei
Diener  Ungelegenheiten  entstehen.  Er  versieht  sich  auch,  dass  man  ihm
den  gewöhnlichen  Unterhalt  verschaffen  und  die  Jurisdiktion  über  seinen
ganzen  Hofstaat  lassen  werde  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.103c,no.  171;  Kopie).  —
Am  28.  Mai  teilt  Matthias  dies  Schriftetück  gleichzeitig  mit  dem  Kaiser.
lichen  Dekret  an  die  schlesischen  und  lausitziechen  Stände  (vgl.  nächste  Anmerkung)
  den  Landoffizieren  mit  und  bemerkt,  man  sehe  daraus,  dass
        <pb n="508" />
        Mai
22.  bis  28.

486  1611  200.

ich  sollte  darüber  mit  den  Sachsen  konferieren,  was  wir  aber  unterliessen.
  Bei  dieser  Gelegenheit  teilte  ich  dem  Herzog  auch  unser

-  Vorhaben  wegen  der  Reichskanzlei  mit,  das  er  sich  gefallen  liess.  Wir

hören,  dass  es  den  Böhmen  und  den  Königlichen  schon  allerlei  Nachdenken
  macht,  da  sie  sich  dessen  nicht  versahen.  Um  8  Uhr  gieng
ich  hinauf  und  bat  Barvitius,  unsere  Entlassung  zu  befördern,  was
er  versprach.  —  Nachmittags  schickte  der  Kaiser  seinen  Kammerdiener
Ericius  zu  uns  und  liess  uns  sagen  :  die  schlesischen  Stände  hielten  um  Eidesentlassung
  an,er  wolle  darüber  seine  Entscheidung  auf  morgen  verschieben:
da  Leuchtenberg  besorge,  dass  sie  gleich  den  Böhmen  ungestüm  darum  anhalten
  würden,  möchteer,  Kaiser,  zuvor  unser  Gutachten,bören.  Wirerklärter:
Die  Schlesier  dürften  sich  dem  kaiserlichen  Wunsch  eines  Aufschubs  wol  be
quemen,  da  ja  kein  Akt  auf  die  Entlassung  folge  und  daher  so  grosse  Eile
nicht  nötig  sei;  man  solle  sie  aber  vor  der  Resolution  fragen,  ob  ste
wegen  dieses  Begehrens  von  ihren  Prinzipalen  Spezialbefehl  hätten,
denn  wir  hätten  gehört,  es  sei  vor  wenigen  Tagen  noch  kein  solcher
da  gewesen.!  —  Ich  hörte  auch,  dass  Khlesl  einen  ehrlichen  Manı
angesprochen  und  gefragt  hätte,  wie  ihm  dieser  Handel  anstünd.
worauf  mein  Gewährsmann  antwortete:  er  liesse  sich  seltsam  an,  es
wäre  zu  wünschen,  dass  es  besser  wäre.  Khlesl:  Es  werde  alles  noch
gut  werden,  doch  müsse  die  Handlung  anders  als  bisher  angestellt
werden;  Zuniga  meine  es  gut,  habe  aber  zu  solchen  Handlungen  keine
Qualitäten  und  sage  dem  Kaiser  und  dem  König,  was  jeder  gem
hört;  ebenso  stünde  es  mit  den  kurfürstlichen  Gesandten  ;  selbst  wenn
auch  noch  die  andern  kämen,  so  wäre  es  doch  dasselbe;  sie  wärden
dem  Kaiser  auch  nur  sagen,  was  er  gern  hört.  Der  Kaiser  habe  vor  der
der  Kaiser  noch  nicht  ruhe  sondern  auf  Antrieb  böser  Leute  neue  Wirren
verursachen  möchte,  wodurch  den  Königreichen  und  Ländern  abermals  Schaden
zustehen  könnte;  der  König  begehrt  darüber  ein  Gutachten  (Wi,  TA1.
Ka.  29%;  Kpt.  von  Grapler).

'  Das  kaiserliche  Dekret  an  die  Schlesier  und  Lausitzer  ist  vom
27  Mai  datiert:  Der  Kaiser  hat  sich  nicht  versehen,  dass  die  Gesandien
wegen  der  Eidesentlassung  in  ihn  dringen  werden,  und  zweifelt,  ob  s#
dazu  instruiert  sind;  denn  das  Schreiben  des  Herzogs  von  Miinsterberg
(vgl.  no.  148,  S.  365,  Anm.  1)  enthält  fast  das  Widerspiel.  Da  aber  die
Eidesentlassung  von  den  Gesandten  bei  ihm  nicht  nur  inständig  gesucht
wird  „sondern  man  sich  auch  gegen  I.  M.t  allerhand  betrohung,  dass,  wo
sie  solche  erlassung  nit  vollzieheu  wurden,  dass  man  dieselbigetmit  insolens
uberlaufen  und  einen  greulichern  despect  als  noch  jezt:  beschehen,  beweisen
wolte,  wie  sie  dessen  durch  dero  herrn  bruedern  kgl.  W.  abgeordneteiver
treulich  avisiert  worden,  so  haben,  weilen  sie,  die  gesandte,  auf  solebem
unvermuetenden  suchen  beharren,  I.  M.t  (mit  der  protestation,  dass  es  der
selben  wider  ihren  willen  abgetrungen  und  dergleichen  sich  zue  ihnen  nit
versehen  oder  vermueten  können)  die  begerte  erlassung  j  mit  der/subscription
volziehen  und  ihnen  solche  hiemit  neben  diser  schrift  überschicken  und  diser
dabei  zu  ihrem  wissen  und  nachrichtung  nit  verhalten  wöllen“  (Wi,  I  Al.
Ka.  2990,  aus  B.  Mägerles  Tagebuch  der  böhmischen  Reise  des  Matthiss,
f.  56;  Kopie).  Die  Gesandten  antworteten  am  29.  Mai  mit  einer  Verwahrung
und  mit  der  Bitte,  die  Protestation  aufzuheben  und  es  bei  der  einfachen.
bedingungslosen  Loszählung  vom  Eid  zu  lassen  (ebenda,  f.  57;  Kopie).
        <pb n="509" />
        200.  1611  487

Krönung  ihn,  Khlesl,  durch  Ericius  anreden  lassen:  ob  er  bei  ihm
Audienz  begehren  wolle,  allein  er  habe  geantwortet,  dass  er  beim
Kaiser  nichts  anzubringen  habe.  Da  nun  die  Krönung  vorüber  sei
und  des  Hauses  Oesterreich,  ja  des  ganzen  Wesens  Wolfahrt  auf
der  Einigkeit  zwischen  den  Brüdern  beruhe,  wolle  er  sich  nun  beim
Kaiser  einstellen,  wenn  dieser  ihn  ruft;  und  wenn  der  Kaiser  verspricht,
die  Kurfürsten  dahin  zu  vermögen,  dass  sie  Matthias  zum  römischen
König  wählen,  so  wolle  er  beim  König  solche  Bedingungen  zuwege
  bringen,  dass  der  Kaiser  damit  wol  zufrieden  sein  werde;  der
König  solle  darauf  dem  Kaiser  in  allem  gehorsam  sein,  auch  den
Unterhalt  und  alles  erhöhen;  „mit  der  vergewissigung,  dass  mit  dem
könig  absonderlich  zue  handlen  vergebliche  arbeit  seie,  sondern  da
man  etwas  fruchtbarlichess  zu  handlen  vermeinet,  so  müste  man  mit
ime,  Cleselio,  handelen.!  Also  gar  scheinet  es,  dass  der  hochmuet
diesen  man  besessen  und  gleichsam  verblendet,  dass  er  ihme  selbsten
gefehrliche  ding  ohne  scheu  redet,  da  es  ihme  doch  sonsten  ane
verstand  und  schleuigkeit  nicht  mangelt.“

Mai  28.

Morgens  besuchte  ich  Zuuiga  und  fragte,  ob  ich  seinetwegen  bei  meinem
Herrn  etwas  zu  verrichten  hätte;  dasselbe  tat  ich  beim  Nuntius,
erhielt  aber  noch  keinen  Bescheid.  Ich  werde  über  das  Gespräch
mündlich  berichten.  Vormittags  suchten  ich  und  die  Sachsen  beim  Kaiser
wieder  um  unsere  Entlassung  und  um  Resolution  auf  die  übergebenen
Punkte?  nach,  wir  erhielten  aber  keine  Antwort.  Ich  liess  mich  auch
beim  König  anmelden  und  wurde  auf  5  Uhr  zur  Audienz  bestimmt.’

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  1030,  no.  167;  Or.

!  Der  Kammerdiener  Arbaissel,  den  Erzherzog  Maximilian  mit  Schreiben  an
König  Matthias  nach  Prag  schickte,  berichtet  am  23.Mai:  Khles!,  an  den  er  gewiesen
  war,  nehme  sich  der  Geschäfte  so  eifrig  an,  dass  kein  Bescheid  von  ihm  zu
bekommen  sei  (lb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Mai  1611,  no.  39;  Or.  eigh.).

°  Vgl.  8.  481,  Aom.  1.

*  Mit  dem  Protokoll  schickt  Brömser  am  28.  Mai  noch  ein  Schreiben  an
den  Kurfürsten:  Er  und  die  andern  haben  gehofft,  Dienstag  oder  Mittwoch  von
hier  abreisen  zu  können,  da  doch  nichts  besonderes  verhandelt  wird  und  man
sich  auch  anstellt  ale  sei  hier  nichts  mehr  zu  verhandeln.  Kursachsen  hat
seine  (Gesandten  abberufen,  die  am  nächsten  Montag  auch  ohne  Erlaubnis
des  Kaisers  abziehen  werden;  er,  Brömser,  will  mitziehen  und  hat  dies  bereits
den  kaiserlichen  Räten  mit  der  Bitte  angezeigt,  seine  Entlassung  zu  befördern
(Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  166;  Or.  eigh.).  —  Die  Sachsen  berichten  am  gleichen
Tag:  „Obwol  die  noth,  spott  und  schimpf  eo  gross,  dass  es  nicht  ärger
san  könte,  so  ist  doch  Beute  abermals  niemandes  ad  audientiam  oder
eonsultationem  admittirt.*“  Zugleich  nimmt  die  Seuche  zu.  Brömser  hat
die  Verpackung  der  Reichsakten  angeordnet;  „das  kömbt  den  königischen
und  Bömen  fast  frembde  für;  denn  sie  sich  bedünken  lassen,  sie  haben  am
nechsten  montag  nicht  alleine  einen  bömischen  sondern  auch  in  effectu
einen  römischen  könig  gekrönet“  (Dra.,  a.a.0.,  f.  721;  Or.‘.  —  Am  20./30.
und  21.’31.  Mai  berichten  die  Sachsen  noch  über  den  Versuch,  zu  einer  Abschiedsaudienz
  beim  Kaiser  zu  gelangen  und  zugleich  die  Bestätigung  des
jüterbogker  Vertrags  zu  erwirken,  aber  die  geheimen  Räte  dürfen  nicht
unaufgefordert  vor  den  Kaiser  kommen;  endlich  liess  der  Kaiser  sagen,  er

Mai

22.  bis  28.
        <pb n="510" />
        Mai  22.

488  1611  201.

201.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht

Nachdem  ich  am  16.  Mai  zu  Mariemont  von  E.  D.‘  entlassen  worden
war,!  bin  ich  am  18.  nach  Lüttich  gekommen,  wo  ich  am  19.  durch  den
Dompropst  Arnold  von  Bucholz  Audienz  beim  Kurfürsten  von  Köln  ebielt.?2
  Derselbe  hat  auf  meine  Werbung  erwidert:  der  Kurfürstentag
sei  erst  auf  den  17.  Juli  angesetzt,  weil  Kurmainz  seinem  Drängen
gegenüber  erklärt  habe,  dass  man  Sachsens  und  Brandenburgs  halber
keinen  früheren  Tag  wählen  könne  und  in  Mühlhausen  zusammenkommen
  müsse.  Den  Streit  zwischen  dem  Kaiser  und  Matthias
bedauerte  der  Kurfürst  aufs  höchste  und  versprach,  beim  Kurfürstentag
und  sonst  sein  bestes  für  den  Frieden  zu  tun.  „Den  successionspunkt
  im  reich  belangend  wolten  sie  gern  I.  kgl.  W.  in  Hungern  fur
andern  sowol  der  von  E.  fl.  D.‘  mir  aufgetragener  ursachen  und
betrachtungen  halber  als  auch  sonst  zu  solcher  dignitet  befurdert
sehn;  es  haischet  aber  die  högste  notturft,  dass  der  könig  Matthias
einen  anderen  modum  procedendi  mit  dem  kaiser,  I.  M.'  räten  und
dienern  als  bisher  geschehn,  furneme,  wofern  I.  kgl.  W.  der  churund
  fursten  im  reich  gemueter  teils  behalten  und  teils,  deren  sie
noch  nit  gewiss,  gewinnen  und  an  sich  bringen  wöllen,  dan,  wie
die  brief  von  Prag  melden,  fahren  sie  noch  immer  fort,  den  kaiser  und  seine
leut  }e  lenger  je  mehr  zuzesetzen  und  beengstigen,  wöllen  den  kaiser
zu  Prag  nit  sonder  allein  zu  Pilsen  wissen  und  gleichwol  nit  aussm
königreich  Behem  ziehen  lassen,  die  gefangne  gehaime  und  reichswünsche,

  dass  die  Gesandten  bis  1.  Juni  warten  mögen,  er  wolle  noch  wegen
einiger  Sachen  mit  ihnen  reden  (Drs.,'a  a.  O.,  f.  724  und  722;  Or.)  —  Die
Rückbeglaubigung  der  Gesandten  erfolgte  am  1.  Juni  (ebenda,  f.  746;  Or.
und  Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  173;  Or...  Brömser  und
Gerstenberg  erhielten  vom  Kaiser  zunı  Dank  für  die  geleistete  Hilfe  eine
Anweisung  auf  je  12500  Taler,  die  ihnen  der  Herzog  von  Braunschweig
auf  Abschlag  der  zu  Prag  im  Jahr  1610  bewilligten  vierzig  Römermonate
auszahlen  solle  (Drs.,  1.  9934,  Rudolphi  II.  Schenkung;  Kopie".

ı  Ueber  Vischeres  Mission  schreibt  Erzherzog  Albrecht  am  20.  Mai
an  die  Erzherzoge  Maximilian  und  Ferdinand:  er  babe  V.  zu  den  geist
lichen  Kurfürsten  abgesandt,  damit  diese  sich  bei  bevorstehender  Zusammenkunft
  das  Haus  Oesterreich  befohlen  sein  lassen  und  auf  die  Wahl  eines
römischen  Königs  bedacht  seien,  „darbei  wir  JJ.  LL.  auch  die  ursachen,
warımb  es  den  sachen  ersprieselich  sein  möchte,  dass  sie,  wann  es  z
gedachtem  puncto  electionis  kombt,  des  königs  L.  in  sonderheit  in
achtung  nemen,  zu  gemüet  füeren  lassen“  (Wi,  TA1,  Ka.  2990;  Kopie).
Vgl.  wegen  der  Schickung  des  Erzherzoge  Albrecht  auch  no.  188,  S.  4.
Anm.

?!  Ueber  Vischeres  Audienz  schreibt  Kurfärst  Ernst  am  20V.  Mai  aus
Lüttich  an  Herzog  Maximilian  von  Baiern:  Erzherzog  Albrecht  hat  ums
durch  Vischere,  der  als  ständiger  Resident  nach  Prag  abgefertigt  ist,  ersuchen
  lassen,  bei  unsern  Mitkurfürsten  während  des  Kurfürstentags  gute
Dienste  zu  tun,  um  die  Mishelligkeiten  zwischen  den  Brüdern  beizulegen
und  das  Haus  Oesterreich  bei  Würden  zu  erhalten;  endlich  hat  Vischere
auch  noch  Matthias  „zur  römischen  cron  ganz  treueiferig  und  bruederlich
recommendirt*  (Ma.,  39/22,  f.  93;  Or.).
        <pb n="511" />
        201.  1611  489

hofräte,  auch  ainige  catholische  böhmische  heren  als  Schlawata  und
Mizanski,  so  von  den  behmischen  stenden  auf  des  Tengnagels  widerruf
ledig  gesprochen,  haben  I.  kgl.  W.  als  ihre  gefangne  von  neuem
in  die  gefengnus  arrestiren  und  anhalten  lassen,  weil  sie  nit  wider
die  stend  sonder  ihrer  person  gesündigt.  Dises  alles  verursache  eine
grosse  alienation  der  gemueter  wider  I.  kgl.  W.;  dan  sie,  die  churfursten,
  kunnen  aids  und  pflichts  halber  nicht  nachsehen,  das  man
ihren  kaiser  gleichsam  gefangen  halten,  wider  ihre  person  inquisitiones,
ja  peinliche  frage  anstellen,  auch  die  kaiserliche  räte,  so  nit  ihnen,
den  Behmen,  sonder  dem  kaiser  und  reich  verpflichtet,  also  tractiren
solle.‘“  Das  habe  er  auch  einem  jüngst  bei  im  gewesenen  Gesandten
des  Königs  Matthias  rückhaltlos  gesagt.!  ,„Wofern  hierin  von  I.  kgl.
W.  kein  wandel  geschaffet,  muegen  sie  versichert  sein,  das  kein  churfurst
  ihr  die  stim  zue  der  succession  geben  werde,  aber  aus  dem
hause  Oesterreich  werden  die  drei  geistliche  und  Saxen  gewiss  nit
schreiten  ...  und  mochte  [die  cron]  wol  sobald  auf  E.  fi.  D.'  als  jemanden
anders  fallen,  welches  sie  mir  in  vertrauen  sageten.  Der  herzog  von
Braunschweig  hab  auch  uber  den  könig  geklagt,  das  I.  kgl.  W.  das
schreiben,  so  1.  fl.  Gn.  ihr  im  vertrauen  geschriben,  alsbald  den
behmischen  stenden  zugeschickt,  daher  dem  fursten  bald  ungelegenheit
zugestanden  sei“.  Mit  der  letzten  Post  habe  er,  Kurköln,  Nachricht  aus
Prag  erhalten,  dass  auch  die  Kurfürsten  von  Sachsen  und  Brandenburg
sich  durch  ihre  Gesandten  des  Kaisers  stark  annehmen,  nachdem  der
Kaiser  dem  letzteren  wegen  Jülich  verziehen  und  den  jüterbogker  Vertrag
bestätigt  habe;  Schlesien  und  die  Lausitzen  hätten  durch  den  Herzog  von
Liegnitz  den  Böhmen  ihren  Bund  gekündigt  und  erklärt,  auf  des  Kaisers
Seite  ausharren  zu  wollen;  die  Moldauer  und  Wallachen  rufen  den
König  um  Hilfe  gegen  einen  drohenden  Ueberfall  Bathorys  an  und
heisse  es,  Matthias  wolle  die  gemeinen  Soldaten  des  passauer  Volkes
nach  Abdankung  der  Befehlshaber  dorthin  schicken;  —  „dass  also  die
sachen  sich  noch  (wie  der  churfurst  saget)  sehr  misslich  auf  des
königs  seiten  anlassen.“  —  Der  Kurfürst  behielt  mich  neben  dem
neuburger  Kanzler  Zeschlin  zu  Tisch.  Am  kurfürstlichen  Hofe  höre
ich,  dass  Neuburg  den  jüterbogker  Vergleich  aufzuheben  trachte,
worüber  man  in  den  jülicher  Landen  sehr  unzufrieden  sei.  Als  ich
‚am  20.  Mai  Abschied  nahm,  wiederholte  der  Kurfürst  seine  Erklärung  in
Bezug  auf  Matthias,  weshalb  es  gut  wäre,  den  König  zu  ermahnen,  im
eignen  und  des  Hauses  Interresse  einen  linderen  Weg  gegen  den
Kaiser  einzuschlagen;  ‚I.  chfl.  D.'  geben  dises  scharfen  procedirens
den  meisten  schuld  dem  bischof  Gleseln.“  Neuville  den  22.  mai
am  pfingstage  1611.
Brs.,  Secr6t  d’Allem.,  no.  96,  f.  62;  Or.  eigh.

'  Wegen  des  kurkölnischen  Bescheides  an  Teufel  und  Wacker  vgl.
no.  144,  S.  351,  Anm.  4  Die  Gesandten  hatten  den  Kurfürsten  auf  dessen
Reise  nach  Lättich  zu  Brühl  angetroffen  (Kurfürst  Ernst  an  Herzog  Maximilian
  von  Baiern  am  13.  Mai,  Ma.,  399,  f.  43;  Or.).

Mai  22,
        <pb n="512" />
        Mai  22.

4%  1611  202.

202.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  von  Sachsen

Hinweis  auf  das  Schreiben  vom  21.  Mai.!  ,„Vnd  will  ich  gleichwl
erhaischender  sachen  notturfft  und  wichtigkeit  noch  nitt  vnderlassen,
demselben  werck  nitt  allein  fur  mich  selbsten  weiter  reifflich  nachzusinnen
  sonder  auch  zu  ebenmössigem  ende  mitt  Triers  vnd  Collns  LL
vertrewlich  dorauss  communiciren.”?  Hab  aber  darneben  in  ebenmässiger.
freundtbruderlichen  vertrawen  E.  L.  nitt  pergen  mogen,  das  gestarigs
tags  einer  meiner  adellichen  beampten  vnd  rähtt  mir  bestendig  referirt.
welcher  gestalt,  als  er  kurtz  verwichnener  tagen  bey  einem  furnemen
churpfaltzischen  beampten,  rahtt  vnd  obristen  angelegener  priustgeschefften
  halber  gewesen  vnd  vnder  anderm  das  izig  beschwerlich
praagisch  ohnwesen  vff  die  bahn  ins  gespräch  kommen,  ermelte:
pfaltzischer  rahtt  frey  rund  vnd  onuerholen  heraussgestossen,  man
möchte  machen,  was  man  wolte,  so  wurden  dessen  alles  ohngeachtt
die  protestirende  vnirten  reichsstende  könig  Matthiae  in  Vngern  die
romische  crohn  vffisetzen  vnd  I.  kgl.  W.  darbey  handhaben.

Wan  nuhn  vber  solches  ytzo  auch  ein  praagischer  burger  vad
handelsman  mitt  einem  patent  (welches  die  bömische  vff  dem  praager
schloss  versamblete  stendt  sub  dato  3.  hujus  vnder  36  ringpittschaffter
vod  souill  handtsubscriptionibus  ausgefertigt  haben  ?)  alhier  zur  stell
begriffen  vnd  umb  verfolgung  einer  grosser  anzahl  in  den  Niderlanden
besteltter  kriegsrüstungen  vnd  wehren,  so  tails  alberaid  zu  Colln  tail;
zu  Coblentz  angelangtt  sein  soll,  anhaltten  thut  vnd  zwahr  in  solchem
patent  obuermeltte  bohmische  stende,  wie  E.  L.  hiebey  copeylich  zu
entpfaben,  weder  I.  ksl.  M.®  noch  der  hern  churfursten  ehrntitul
vnd  praeminentz  etwas  [in]  respect  haltten,  so  kommen  mir  diese  ding
ye  lenger  ye  mehr  argwönig  vnd  verdachtig  fur,  beuorab  auch
dorumb,  weil  denen  bey  iungster  praagerischer  post  einkommenen
auisen  nach  ermeltte  bohmnische  stende  sich  fast  eyfferich  bemühen
vnd  bearbeitten  sollen  (ohnerachtt  sie  vff  die  acht  bey  I.  ksl.  N.
embsich  getrungen),  das  bassawisch,  noch  zur  zeitt  zu  Boutweiss  vnd
zu  Crommawe  liegent  kriegsvolk  von  ihren  haupttern  vnd  obristen
zu  disiungiren,  furders  in  ire  deuotion  vnd  bestallung  zu  pringen.
Seintemahl  dan  ohnschweher  zu  erachtten,  vff  den  fall  die  bömische
stende  solches  bassawisch  vnd  andere  mehr  kriegsvolck  zu  irem  willen
vermögen  vnd  zusammenbringen,  also  sich  fast  vor  niemandts  mehr
zu  besorgen  vnd  zu  befahren  haben  soltten,  was  hoher  despect  vad
vngemach  nitt  allein  I.  ksl.  M.'  sonder  auch  allen  negst  angesessenen
stenden  des  reichs  dannenhero  noch  weitters  onuersehens  zuwachsen
köntte,  so  möchtte  desfalls  E.  L.  rahttsamb  guttachtten  ich  nitt  allein
gern  vernemen  sonder  stelle  auch  zu  Derselben  ebenmössigen  vernünftigen

'  No.  198.
?  Geschieht  am  gleichen  Tag  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  I®r.
no.  140;  Kpt.).
’  Dre.,  a.  a.  O.,  f.  740;  Kopie.  Der  Kaufmann  war  Gisbert  de  Boys;
vgl.  Hurter.  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  Il.,  VL,  8.  500.
        <pb n="513" />
        202  —203.  1611  491

nachdencken  (jedoch  zumahl  nitt  vorgegriffen),  im  fall  die  achtserklerung
  gegen  mehrbesagtten  bassawischen  kriegsvolck  etwa  noch
wurcklich  nitt  ergangen  vnd  auss  I.  ksl.  M.'  handen  orzwungen  worden
were,  ob  nitt  bey  I.  ksl.  M.'  durch  E.  L.,  meine  vnd  andere  zu  Praag
anwesende  churfurstliche  räbtte  vnd  insonderheitt  des  hertzogen  zu
Bf[raunschweig]  L.  glimfflichen  zu  vnderbauen  sein  möchtte,  damitt
noch  ein  zeitt  lang  ein-  vnd  also  dasselb  kriegsvolck  in  terrorem  etwas
ahn  der  hand  zu  gedulden  vndt  das  disfals  E.  L.  Dero  wolınainung
Iren  räthen  wie  auch  des  von  B[raunschweig]  L.  fürderlich  zuschreiben
thetten.  Wurdett  vff  vorhehrgehende  vertrewliche  communication  mein
vicetumb  des  Ringawes  hiebeuor  entpfangenen  befelch  vnd  instruction
gemoess  inn  demselben  vnd  allem  andern,  was  zu  erhalttung  I.  ksl.  M.:
vnd  des  heil.  reichs  reputation,  ehr  vnd  wolfahrtt  dienlich,  erspriesslich
  vnd  nohttwendig  zu  achten,  sich  gebürlich  zu  accomodiren
vnd  zu  uergleichan  wissen.  Es  befrembtt  mich  des  bassawischen
kriegsvolcks  grosse  höffligkeit  vnd  beschaidenheitt,  das  sie  die
bömische  hern,  so  zu  jenen  geschicktt,  also  tractirt,  do  inen  bewaust,
das  sie  so  embsich  vff  die  achtserklerung  vrgirt;  E,  L.  ist  bewust,
was  von  practicken  beuor  gewesen,  die  in  hoegster  warheitt  noch  nitt
gefallen.  Fidendum,  sed  cui,  videndum.  Datum  Meintz  den  22°  mai
a.°  1611.“

Drs.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  737;  Or.  eigh.!

203.  Erzherzog  Ferdinand  an  Kaiser  Rudolf  II.

Meine  Brüder  und  Vettern  erinnern  mich,”  dass  in  Kürze  ein
Kurfürstentag  abgehalten  werden  soll,  wobei  unzweifelhaft  auch  die

!  In  der  Nachschrift  eines  Antwortschreibens  an  Brömser  vom  23.  Mai
befiehlt  der  Kurfürst  von  Mainz:  Brömser  möge  auf  seiner  Rückreise  zu  Dresden
darauf  achten,  ob  der  Kurfürst  von  Sachsen  geneigt  sei,  das  passauer  Volk  „uf
ein  vorsorg“  noch  beisammen  zu  halten;  wenn  die  sächsischen  Räte  Mittel
wüssten,  dies  den  Passauern  unvermerkt  zu  wissen  zu  machen,  so  möge  es
Brömser  nicht  widerraten,  doch  dabei  gleichsam  nur  seine  persönliche
Meinung  aussprechen;  vielleicht  könnten  so  die  böhmischen  Stände  in  ihren
Absichten  etwas  zurückgehalten  werden  ıWmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,

no.  134;  Kpt.  von  Faust).  —  Der  Kurfürst  von  Sachsen  erwidert  am  —  ne
auf  die  Schreiben  vom  21.  und  22.  Mai:  er  lasse  alles  bis  zum  Kurfürstentag
dahingestellt  sein;  die  Achtserklärung  gegen  die  Passauer  sei  wie  alles
andere  dem  Kaiser  herausgepresst,  aber  noch  nicht  effektuiert  worden;  mit
dem  Kriegsvolk  sei  man  verglichen  und  wollen  die  Böhmen  2000  Musketiere
in  Sold  nehmen,  das  übrige  Volk  soll  verabschiedet  werden  (Drs.,  a.a.0O.,
f.  742;  Kpt.  von  Schönberg).

?  Erzherzog  Maximilian  hatte  am  14.  Mai  dem  Erzherzog  Ferdinand
die  von  König  Mattbias  vorgeschlageneSchickung  der  Erzherzoge  zum  Kurfürstentag
  widerraten  und  dafür  angeregt,  ein  Gesamtschreiben  derselben  nach
beigelegtem  Entwurf  zu  fertigen  und  darin  den  König  zu  künftiger  Succession
beweglich  zu  empfehlen  (Erzherzog  Ferdinand  an  Erzhersog  Maximilian  am
25.  Mai;  Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juni  1611,  no  13;  Or.).  Das
Gesamtschreiben  siehe  unter  no.  240.

Mai  22.

Mai  24.
        <pb n="514" />
        Mai  24,

Mai  24.

492  1611  203—  204.

Erwäblung  eines  römischen  Königs  beraten  werden  wird,  weshalb
  bei  diesen  Weltläufen  die  Not  erfordere,  unseres  Hauses  Interesse
und  Hoheit  nicht  ausser  Acht  zu  lassen  sondern  dessen  Verdienste
um  das  Reich  und  die  Christenheit  den  Kurfürsten  zu  Gemüt  zu
führen  und  sie  zu  erinnern,  dass  in  Ansehung  dieser  Verdienste  dk
Mitglieder  dieses  Hauses  bei  Beratung  künftiger  Wahl  nicht  überganges
werden  mögen.  Da  nun  E.  M.'  Bruder,  der  König  von  Ungarn,  nach
E.  M.'  der  älteste  des  Hauses  ist,  so  wurde  für  gut  angesehen,  ihn  den
Kurfürsten  zu  empfehlen.  Da  ich  nicht  zweifle,  dass  E.  M.'  dies
Empfehlung  nicht  entgegen  sein  wird,  so  habe  auch  ich  sie  mir
gefallen  lassen  und  in  die  Unterfertigung  eines  Gesamtschreiben  der
Erzherzoge  an  die  Kurfürsten  gewilligt.  Geben  zu  Grätz  der
24.  tag  maii  des  1611  jahrs.  —  Praes.  3.  juni  1611.
Wh,,  Reichstagsakten  in  genere,  Bd.  SAb;  —  Or.

204.  Zuniga  an  den  Kurfürsten  von  Mainz,

Auf  zwei  Schreiben  vom  8.  und  9.  Mai,!  von  denen  das  erstere
Bruneau  überbrachte,  das  zweite  Brömser  mir  überreichte,  dessen
Verstand,  Erfahrung  und  Art  des  Handelns  mir  sehr  gefällt.  Wir
haben  unsere  Meinungen  über  den  gegenwärtigen  Stand  der  Dinge
hier  ausgetauscht.  Neulich  liess  der  Kaiser  mich  zur  Audienz  berufen
und  übergab  mir  einige  Artikel,  die  mit  dem  König  zu  verhandeln
seien;?2  ich  unterzog  mich  der  Mühe,  obgleich  der  Auftrag  viel  zu
spät  kam.  Als  aber  der  Krönungstag  herannahte,  gestattete  der  Kaiser,
dass  die  Beschlussfassung  über  diese  Artikel  bis  nach  der  Krönung
verschoben  werde,  doch  unter  der  Bedingung,  „ne  circa  censum  et
proventus  quidquam  immutaretur,  donec  de  praedictis  articulis  statutum
esset.“  Der  König  stimmte  dem  gerne  zu  und  zeigte  überhaupt,  wie
sehr  er  dem  Kaiser  zu  Willen  zu  sein  wünsche,  dessen  Wolwollen  zu  erwerben
  er  bestrebt  ist.  Ich  habe  mich  sehr  bemüht,  damit  alle  diese
Verhandlungen  glimpflicher  ablaufen;  aber  da  die  Böhmen  durch  die
Passauer  so  sehr  gereizt  waren,  stand  es  dem  König  nicht  frei,  dem
Kaiser  mit  aller  der  Ehrfurcht  zu  begegnen  wie  er  wünschte.  „Rei
dominus  meus  regi  Matthiae  verbis  et  factis  authoritatem  conciliare
et  animum  addere  procurat  nec  alias  vices  in  significationem  grati
animi  reposcit“  als  Schutz  unserer  Religion  und  Ehrfurcht  gegen
den  Kaiser.  Mein  Herr  wünscht,  dass  E.  kfl,  Gn.  den  König  au
gleichem  auffordern  und  hat  mir  aufgetragen,  „ut  a  Ser.'*  V,r=  instanter
  ipsius  nomine  petam,  eiusdem  regis  Matthiae  incrementun
cordi  habere  velit  ipsumque  authoritate  Sua  et  prudentia  ad  predictum
scopum  religionis  nostrae  et  reverentia  caesaris  a  rege  catbolio
tam  desideratum  dirigere  conetur.‘“  Gestern  fand  die  Krönung  des

.—-_——  —_—  —  —

!  Beide  fehlen;  eine  Beglaubigung  Brömsers  bei  Zuniga  vom  9.  Mai
in  Wmz.,  Reichstagsakten,  id.  103c,  no.  85;  Kpt.
?  Vgl.  no.  194  und  Anm.  1  auf  S.  462.
        <pb n="515" />
        204—  205.  1611  493

Königs  statt,  zu  der  ich  mit  den  andern  hier  ständig  residierenden
Gesandten  geladen  war  und  auch  erschienen  bin,  nachdem  ich  zuvor  dem
Kaiser  davon  hatte  Mitteilung  machen  lassen,  „plane  convenire
existimans,  rebus  sic  stantibus  regias  partes  fulciendas  esse,  quandoquidem
  caesareae  partes  nequaquam  resurgere  et  stabiliri  in  hisce
provinciis  possint  et  tanti  momenti  sit,  in  iis  palam  facere,  regem
dominum  meum  arctissimo  concordie  vinculo  cum  augusta  domo  sua
Austriaca  in  omnibus  negotiis  ad  easdem  provincias  spectantibus
conjunctum  esse,  specialiter  cum  rege  Hungarie,  cui  impraesentiarum
regimen  et  administratio  earundem  incumbit.  Pragae  24.  maii  1611.“  —
Praes.  Mainz  2.  junii  a.  1611.
Wms.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,  no.  164;  Or.

205.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Kurfürsten
von  Köln.

Auf  dasSchreiben  vom  13.  Mai.!  Ich  habe  bisher  Bedenken  getragen,
bei  jetziger  Sachlage  und  da  man  mir  bisher  nichts  zugemutet  hatte,
mich  selbst  dem  Kaiser  anzubieten  oder  der  Sache  teilhaftig  zu  machen  ;
denn  ich  bin  der  nächste  an  der  Tär  und  habe  die  Feindschaft  des
einen  und  des  andern  Teiles  zu  besorgen.  [,,Vnd  weil  sonderlich  ich
ganz  vnschuldig  bei  vilen  inn  vnd  ausser  reichs  in  dem  verdacht,
alss  wan  maiste  vorgangne  practikhen  mit  meinem  vorwissen  vorgangen,
hab  ich  mich‘“]?  bisher  der  Neutralität  beflissen,?  wünsche  aber  vom
Herzen,  dass  dieser  üble  Stand  der  Dinge,  ehe  Weiterungen  daraus  entspringen,
  zu  guten  „Terminis‘  gebracht  werde,  „davon  sich  niemant  soll
ıbsondern.‘  Ich  habe  laut  beiliegender  Abschrift  durch  einen  eigenen
3esandten  nach  Passau  dem  Erzherzog  Leopold  mein  Gutachten  vorbringen
assen  wollen,  aber  der  Erzherzog  ist  wenige  Tage  vor  meines
%esandten  Ankunft  trotz  Schwendis  Abraten  von  Passau  nach  Krumau
zereist,  was  wol  wieder  allerlei  Nachdenken  machen  wird.  Datum
München  den  24.  maii  a.  1611.

Ma.  399.  f.  49;  Kptkopie  mit  eigh.  Zusatz  des  Herzogs.

I  Vgl.  no.  201,  S.  489,  Anm.  1.

?”  Eigenhändiger  Zusatz  des  Herzogs.

®  Der  Herzog  strich  die  Worte  der  Konzeptkopie;  „aus  der  ich  auch
vol  nit  ohne  gefahr  noch  zur  zeit  kan  schreiten.“

°  Instruktion  des  Herzoge  für  Theodor  Viepeckh  zur  Schickung  an
ürzherzog  Leopold  vom  14.  Mai:  Der  Erzherzog  hat  den  Herzog  um  Interosition
  beim  König  Matthias  ersuchen  lassen,  damit  dieser  die  okkupierten
yassauer  Stiftsgüter  in  Oesterreich  wieder  freigebe,;  darauf  lässt  der  Herzog
einem  Vetter,  dem  Erzherzog,  raten,  sich  seiner  Umgebung,  besonders
tamöes  und  Sulz’  und  des  ganzen  Kriegsvolks  zu  entschlagen  und  sich  zu
rzherzog  Ferdinand  nach  Graz  zu  begeben;  der  Stadt  und  des  Stiftes
’assau  will  der  Herzog  sich  als  Oberst  des  bairischen  Kreises  annehmen
Mc.,  Entstehung,  Fasz.  VI,  no.  41,  f.  17;  Kopie).  Wegen  der  Aus-Shnung
  Zoopolde  mit  Matthias  vgl.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II.,

Mai  24.

Mai  24.
        <pb n="516" />
        Mai  25.

Mai  25.

494  1611  206  -201

206.  Erzherzog  Ferdinand  an  Erzherzog  Maximilian.

Wir  vermerken  aus  den  Verhandlungen  der  böhmischen  Stände  wege
der  neuen  Krönung,  dass  sie  hauptsächlich  damit  umgehen,sich  känftz
das  Recht  der  freien  Wahleines  böhmischen  Königs  anzueignen'
Bei  Prüfung  der  uralten  Gerechtsame,  Verträge  und  Kompaktate  unsere
Hauses  befinden  wir  aber  und  ebenso  erfahren  wir  von  denen,  die  som
den  geheimen  Sachen  unseres  Hauses  Wissen  haben,  dass  die  Stände  zı
solcher  freier  Wahl  keineswegs  befugt  sind  sondern  notwendig  einen  ax
unserm  Haus  erwählen  müssen.  Wir  geben  daher  E.  L.  zu  erwägen.
ob  es  nicht  nützlich  und  ratsam  wäre,  „dass  zu  hinderung  angedeuter
besorglicher  kunftiger  fürwendung  des  anjezo  fürgehenden  praeiudici.
auch  zu  würklicher  handhabung  unser  wolhergebrachten  hochheit  und
gerochtsamb  jemand  von  unserm  gesambten  hauss  nacher  Prag  mit
solchem  gwalt  und  bevelch  abgeordnet  werde,  damit  derselbige  im
namen  unser  aller  in  fürgeheung  der  königlichen  crönung  oder  aber  aucd
hernacher  (fal  solche  zu  seiner  ankonft  schon  ..ihr  endschaft  erraicht:
in  zierlichister  weis  oder  form  protestiere,  dass  die  hievor  berüerte  von  des
ständen  fürgenomne  wahl  aines  königs  wie  nit  weniger  die  darauf  ervolgt
crönung  unserm  hauss  ohne  nachthail  und  schaden  sonder  demselbigen
und  dessen  mitglidern  alle  recht  und  gerechtsame  ungeschwecht  vorbehalten
  sein  sollen.  Hierdurch  vermainen  wir,  dass  unsers  gesambten
hauss  hocheit  und  praerogativa  zu  solchem  königreich  mehrers  erhaltea.
dieselben  auch  durch  unser  aller  stillschweigen  inskunftig  weniger  m
weitleufiges  schedliches  disputat  gebracht  werden  möchte  ;“  doch  wollen
wir  hierüber  E.  L.  Meinung  gern  vernehmen.  Geben  Grätz  den
25.  tag  maii  des  1611  jahrs.  —  Praes.  12,  junii  1611.

Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juni  1611,  no.  13;  Or.

207.  Zuniga  an  König  Philipp  IN.

„A  los  7  deste  escrivi  a  V.  M.@  el  estado  en  que  quedaran  las  cosas
de  aqui.”  Despues  aca  se  han  ydo  continuando  los  tratados  entre
el  emp.’"  y  el  rey  y  los  estados,  assi  respecto  de  los  interes®
del  emp.°"  como  de  los  que  los  estados  tienen  con  el  rey.  Y  a  lo
17  deste  me  llamo  el  emp.?"3,  cosa  que  no  avia  hecho  de  un  ano,  3
esta  parte  y  comengo  diziendome  algunas  palabras  de  la  satisfagien
que  tenia  de  la  voluntad  de  V.  M.!  en  sus  cosas  y  que  la  misms
podia  tener  V.  M.?  de  su  voluntad;  que  sus  consejeros  le  ara
dicho  los  buenos  offigios  que  yo  avia  hecho  estos  dias  en  sus  0085
con  el  rey  de  Ungria,  que  lo  avia  estimado  y  me  lo  agradecia.  que
viese  algunos  puntos  que  ellos  me  mostrarian  y  qne  me  pedia  le
tratase  con  el  rey  y  que  muy  particularmente  le  significae  1

'  Vgl.  no.  158  und  no.  200,  8.  478,  Anm.  1.
”  Vgl.  no.  182.
*  Vgl.  no.  194.
        <pb n="517" />
        207.  1611  495

obligagion  que  tenia  de  respetarle  como  a  hermano  mayor  y  el  mas
angiano  de  la  casa  de  Austria,  poniendoselo  en  congiencia  y  quan
rogia  cosa  seria  tras  avelle  hecho  perder  una  corona  hazelle  perder
otra  agora,  y  esto  repitio  dos  vezes.  Itespondile  el  gran  desseo
que  avia  tenido  desde  que  llegue  aqui,  de  poder  valer  en  algo  para
sa  servicio  cumpliendo  con  la  obligacion  que  tenia  a  esto  como
ministro  de  V.  M.d,  y  en  particular  lo  avia  procurado  en  desviar  la
lera  de  la  gente  de  Passau  que  era  la  que  tenia  a  8.  M.?  en  el
presente  estado,  que  quando  los  consejeros  de  S.  M.?  me  diesen
quenta  de  lo  que  S.  M.?  mandava,  haria  todos  los  buenos  offigios
possibles  por  servirle,  advirtiendo  que  mientras  yo  tratase,  tubiese
por  bien  S.  M.!  que  no  andubiesen  otras  platicas..  Reparo  en  esto  y
dijjo  que  los  embaxadores  de  Maguncia  y  Saxonia  estavan  aqui  y  que
se  empleavan  con  buena  voluntad  en  este  negocio  y  que  assi  no
podria  dejar  de  continuarlo..  A  esto  le  respondi  que  no  ablava  de
estos  embaxadores,  porque  ellos  acudian  muy  bien  al  servicio  de
S.  M.!  ces.,  y  sus  amos  se  avian  mostrado  siempre  muy  aficionados
a  la  casa  de  Austria  y  yo  se  lo  avia  agradecido  de  parte  de  V.
M.!,  que  lo  que  avia  apuntado  era  por  otras  platicas  de  personas
menores  y  que  estas  devia  huir  mucho  S.  M.?  y  tratar  con  toda
singeridad  y  amistad  con  su  hermano,  procurando  asentar  estos  negogios
lo  menos  mal  que  se  pudiese  segun  el  estado  presente  de  las  cosas
y  quedar  de  manera  con  su  hermano  que  &amp;amp;l  le  tubiese  como  padre
yel  al  rey  como  a  hijo  procurandole  como  a  tal  todo  acrecentamiento.
Respondio  a  esto  que  dandole  el  rey  entera  satisfacion,  que  no  dejaria
de  hazer  de  su  parte  todo  quanto  fuese  razon,  mas  que  era  rezia
cosa  quitarle  una  corona  tras  otra,  a  que  le  replique  que  suplicava
a  8.  M.?  advirtiesse  que  las  cosas  estavan  muy  adelante  despues  de  la  proposicion
  que  havia  hechoeen  la  dieta;  aquereplico  queleaviaı  enganado  yque
me  pedia  que  yo  hiziese  todo  lo  possible  por  el,  queme  lo  agradegeria  mucho,
a  que  bolvi  a  hazer  otro  offrezimiento  general  con  que  me  despedi.

Dieronme  los  consejeros  los  puntos  que  avia  de  tratar  con  le
rey  entre  los  quales  los  principales  eran:!  «que  no  solo  le  quedase
al  emp.°”  el  titulo  de  rey  de  Bohemia  juntamente  con  su  hermano,
pero  que  el  huviese  de  governar  en  su  nombre  y  con  poder  suio;
que  la  suma  de  ochenta  mil  escudos  que  se  avia  senalado  para
alimentos  del  emp.”,  se  aumentase  en  muy  considerable  cantidad;
que  el  emp.”  pudiese  abitar  donde  quiera  que  quisiese  en  esta  giudad
o  fuera  della  en  el  reyno  y  yr  al  imperio  y  bolver  del,  quando  por
bien  tubiese,  Fui  al  rey  y  representele  las  muchas  razones  que  avia  de  dar
satisfacion  al  emp.°".  A  que  respondio  con  palabrss  generales  y  quiso  que  de
nuevo  le  propusiese  el  negocio  en  presengia  de  los  del  su  consejo,  y  otro
Jia  me  dieron  respuesta,  escusandose  ?  el  rey  en  el  primer  punto  con

'  Vgl.  n0.  14.  8.  462,  Anm.  1,  no.  200  und  Gindely,  Rudolf  IJ.

and  seine  Zeit,  II.,  8.  289,  Anm.
?  Vgl.  no.  184  8.  466,  Ann.  1.

Mai  25.
        <pb n="518" />
        Mai  25.

496  1611  207.

dezir  que  avia  desseado  en  estremo  complazer  al  emp.°”,  pero  que  a
los  Bohemios  les  parecia  cosa  muy  perjudicial  aquella  forma  de
governacion  5  que  en  ninguna  manera  passarian  por  ella,  sino  que
solamente  le  quedase  al  emp.”  el  titulo..  Quanto  al  segundo  punto
se  alargaroın  de  los  ochenta  mil  escudos  que  avian  offrezido  hasta
ciento  y  veinte  mil.  En  el  tercero  dijo  el  rey  que  su  intento  en
de  servir  y  respetar  al  emp.”  y  que  8,  M.?  pudiese  abitar  en  el
palacio  en  que  agora  esta,  conque  se  le  diese  a  el  parte  del  para
su  abitacion  propia  y  que  $S.  M.@  por  lo  que  a  el  tocava  podria  vr
y  venir  quando  mandase  a  qualquier  parte  del  reyno  o  fuera  del.
pero  que  los  estados  de  Bohemia  desseavan  que  les  asigurase  S.
M.@  ces,  que  no  maquinaria  contra  ellos  y  que  esto  pedian
allandose  tan  gastados  y  escarmentados  de  la  gente  de  Passau.  —  Acndi
al  emp."  a  darle  esta  respuesta,  la  qual  les  parecio  muy  enjuta  a
los.  consejeros.  S.  M.?  me  hizo  entrar,  paregiome  que  estava  mar
diferente  que  la  primera  vez  que  le  avia  hablado  .y  como  fuera  de
si  y  aunque  le  propuse  los  puntos  de  la  respuesta  del  rey,  no  atendia
a  ello,  sino  a  decirme  que  se  dilatase  la  coronacion,  y  replicandole  yo
que  estava  senalada  precisamente  para  dos  dias  despues  y  que  no  era
possible  dilatarla,  tornaba  a  dezir  que  probase  a  pedirlo  al  rey  que
qu&amp;amp;  se  perdia  en  provar  y  con  ser  la  materia  tal,  dezia  esias
palabras  con  una  cierta  manera  de  risa  y  porfio  en  esto  quatıo  v
ginco  vezes  de  manera,  que  fue  menester  bolver  al  rey,  que  no  quiso
venir  en  ninguna  manera  en  esta  dilagion,  pero  tubo  por  bien  que  yo
diese  sus  escusas  con  todos  aquellos  cumplimientos  y  sumisiones  que
a  mirme  parecieron  convenientes.  En  fin  se  hizo  tanto  con  el  emp.”
que  se  contento  de  que  yo  dijese  al  rey  de  su  parte  que  tenia  por
bien  de  absolver  del  juramento  a  los  Bohemios,  en  que  se  mostrava
muy  duro,  v  que  el  rey  se  coronase  a  los  23  como  estara  senalado,
conque  la  negociacion  de  los  puntos  que  yo  avia  tratado  de  su  parte.
quedase  pendiente  para  tratarse  despues  de  la  coronacion  y  que  en  el
entre  tanto  que  se  le  dava  perfecion  no  se  le  tocase  en  los  miembros
de  bazienda  de  que  se  servia  para  el  sustento  de  su  casa.  Hub
dificultad  en  este  postrer  punto,  pero  en  fin  el  rey  se  contento  y  me
dio  un  recado  muy  agradecido  para  el  emp.°,  acetando  con  aquellas  cosdiciones
  la  merged  que  le  hazia;  conque  quedo  asentado  el  dia  de  la
coronagion.  Solamente  restava  la  dificultad  en  los  puntos  que  s
tratavan  entre  el  rey  y  los  estados  y  debatiose  mucho  sobre  ellos  y
en  fin  en  todo  lo  mas  se  remitio  la  resolucion  a  la  primera  dieta
que  sera  muy  preste.  Avia  el  rey  primero  negado  del  todo  estos
puntos  y  fuera  muy  acertado  el  permanecer  en  aquella  negativa,  pen
le  inportunaron  tanto  que  huvo  de  dar  esta  salida  y  en  alge  concedelles

  lo  que  deseavan.  Praga  25  de  mayo  1611.“
Bim.,  Fasz.  2497,  f.  60;  Or.!
'  In  einem  besondern  Schreiben  vom  gleichen  Tag  berichtet  Zuniga
über  das  Ergebnis  der  Rundreise  seines  Sekretärs  Jacques  Brunean,  der  bei
        <pb n="519" />
        208.  1611  497

208.  Instruktion  des  Administrators  der  Kurpfalz
für  Hippolyt  von  Colli  zur  Schickung  nach  Dresden
und  Prag.

Colli  kennt  die  „beweglichen“  Ursachen  dieser  Schickung  und  wie
gerne  wir  zuvor  noch  Fürst  Christians  Gutachten  eingeholt  hätten.
Wir  haben  demselben  daher  von  dem  Zweck  der  Schickung  Mitteilung
mit  dem  gemacht,  dass  wir  unsern  Gesandten  vor  allem  zu  ihm
nach  Dessau  schicken  wollten,  damit  er  ihm  gute  Anweisung
erteile.!  Colli  soll  also  zunächst  nach  Weimar  oder  Dessau  ziehen
und  sich  bei  Fürst  Christian  oder,  wenn  dieser  verreist  wäre,  bei  Fürst
Hans  Georg  anmelden  und  sich  erkundigen,  ob  ersterer  nichts
Schriftliches  hinterlassen  habe,  sonst  aber  mit  Fürst  Christian  oder
Fürst  Hans  Georg  mündlich  konferieren.

Von  Dessau  hat  sich  Colli  nach  Dresden  zu  begeben  und  zu  versuchen,
  den  Herzog  Johann  Georg  noch  vor  Ablegung  seiner  Werbung
beim  Kurfürsten  zu  sprechen  und  ihm  zu  erkennen  zu  geben,  dass
wir  auf  S.L.  bei  Fürst  Christian  getanen  Vorschlag  ?  Colli  nach  Prag
schicken  wollten,  dass  wir  aber  ihn,  Colli,  zunächst  zum  Kurfürsten
abgeordnet  hätten;  der  Herzog  ist  um  Beförderung  guter  Expedition  zu
bitten.  Wäre  zu  dieser  „Vorwerbung“  keine  bequeme  Gelegenheit,  so
soll  Colli  gleichwol  beim  Kurfürsten  um  Audienz  anhalten  und  ihm
vortragen:  Wir  hätten  erst  vor  wenigen  Wochen  unsern  Gesandten  am
kaiserlichen  Hof  gehabt,  der  uns  bei  seiner  Rückkehr  von  dem  gefährlichem
  Zustand  daselbst  und  in  Böhmen  berichtet  habe,  weshalb
wir  besorgten,  es  möchte  dies  Uebel  weiter  greifen  und  auch  dem
Reich  zu  Nachteil  gereichen.  Da  wir  uns  als  Administrator  der
Kurpfalz  unseres  Amts  erinnerten  und  erfuhren,  dass  die  Kurfürsten
ihre  Gesandten  nach  Prag  abgefertigt  hätten,  sicherlich  um  verhüten
zu  helfen,  dass  dort  dem  Reiche  Verfängliches  verhandelt  werde  und  um

——
——  m

Baiern,  Hessen-Darmstadt,  Würzburg,  Speier,  „que  es  gran  privado  del  elector
de  Treveris*,  und  bei  Mainz  keine  üble  Neigung  für  die  Kandidatur  des
Matthias  gefunden  habe,  „como  de  su  parte  se  procurase  la  gracia  del  emp.
con  medios  suabes  y  decentes  a  la  autoritad  ces.,  en  que  todos  los  principes
del  imperio  hablan  como  en  cosa  divina,  aunque  en  las  obras  no  todas  vezes
corresponden  a  esta  veneracion.”  Ich  habe  Matthias  gedrängt,  „que  prooure
ajustarse  con  este  desseo,  que  se  conoce  en  los  principes  del  imperio,  que
aungue  solo  los  electores  son  los  que  efectiramente  tienen  voto“  (Sim.,
a.  a.  O.,  f.  58;  Or.).  —  In  einem  dritten  Schreiben  berichtet  Zuniga,  er
babe  sich  an  den  Bischof  von  Speier  gewendet,  „que  es  pensionario  de
V.  M.d  y  se  preria  de  muy  aficionado  a  Su  servicio*,  um  sein  Vorhaben,
den  Kurfürstentag  von  Mühlhausen  zu  besuchen,  der  geistlichen  Kurfürsten
mundgerecht  zu  machen;  der  Bischof  sei  besonders  mit  Mainz  und  Trier
sehr  vertraut  (Sim.,  a.  a.  O.,  f.  67;  Or.).

ı  No.  1%.

?  Vgl.  no.  152,  8.  375,  Anm.  1.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  32

Mai  286.
        <pb n="520" />
        Mai  25.

498  1161  208:

Frieden  und  Ruhe  zu  erhalten,  so  hätten  wir  zu  gleichem  Zweck
auch  unsern  Gesandten  geschickt,  jedoch  für  ratsam  erachtet,  dass
er  zunächst  mit  Kursachsen  kommuniziere  und  zu  Prag  mit  dessen
Gesandten  korrespoudiere.

Da  unsere  Schickung  au  Kursachsen  vornehmlich  dahin  angesehen  ist,  zu
erfahren,  ob  der  Kurfürst  Bedenken  trägt,  wegen  des  Administrations-Streits
  unsern  Gesandten  zu  den  gemeinsamen  Consiliis  der  andern
kurfürstlichen  Gesandten  zu  Prag  zuzulassen,  so  hat  Colli  wu
zu  achten,  welchen  Bescheid  er  auf  obiges  Anbringen  erhält
Derselbe  wird  entweder  lauten:  der  iiurfürst  halte  diese  Schickung  für
gut  und  ratsam  oder  er  wird  wegen  des  Administrations-Streits  se
widerraten  oder  endlich  uns  anheimgeben,  was  wir  tun  oder  lassen
wollen.  Im  erstern  Fall  darf  sich  Colli  von  kursächsischer  Seite  der
Zulassung  zu  den  Beratungen  versehen  und  wird  es  dann  bei  den  andern  kurfürstlichen
  Gesandten  desto  weniger  Bedeuken  haben  ;  inden  beiden  letzterı
Fällen  soll  Colli  Anlass  nehmen,  den  Kurfürsten,  Herzog  Johann  Georg  und
die  kurfürstlichen  Räte  wegen  der  Administration  eines  bessern  dahin  zı
belehren,  nämlich  dass  wir  diese  Administration  nur  auf  inständiges  Anhalten
  des  verstorbenen  Kurfürsten  von  der  Pfalz  übernommen  hätten.
derselbe  darüber  ein  ordentliches  Testament  verfasst  habe,  wir  darauf  ohne
Widerspruch  die  Huldigung  eingenommen,  bisher  die  Possessiou  behauptet
und  als  Administrator  von  vielen  Potentaten  und  Ständen  anerkannt
worden  seien;  auch  seien  wir  gänzlich  überzeugt,  dass  der  selige  Kurfürst
  zu  solcheı  Anordnung  Macht  gehabt  habe  und  dass  diese  ihm  weder
durch  die  goldene  Bulle  noch  sonstwie  verwehrt  werden  kounte;  dena
nichts  wäre  den  weltlichen  Kurfürsten  abträglicher  als  dass  sie  sich  um
ihre  Kinder  und  Untertanen  nicht  über  das  Leben  hinaus  bekümmer
dürften  und  dass  Bürger  und  Bauern  hierin  besserer  Kondition  wären  al;
sie.  Dazu  hat  Colli  die  betreffenden  Deduktionen  unter  die  kurfürstlichen
Räte  auszuteilen.  —  Colli  soll  dem  Kurfürsten  auch  mitteilen,  wessen  sich
der  Kaiser  bei  Lebzeiten  des  Kurfürsten  von  der  Pfalz  wegen  der  Administration
  erklärt  hat,  dass  er  nämlich  den  im  Testament  ernannten  Adminr
strator  wider  Recht  nicht  beschweren  lassen  und  gegen  Gewalt  handhaben
werde,  so  lange  dieser  sich  zu  ordentlichem  Austrag  erbiete,  wie  wi
wiederholt  getan  haben.  Wir  hofften  daher  von  Kursachsen  um
von  den  andern  Kurfürsten,  dass  sie  uns  in  unserer  rechtmässigen
Possession  nicht  durch  Ausschliessung  von  den  Sachen,  die  vor  den  Kurfürsten
  zu  traktieren  sind,  praejudizieren  werden.  —  Nun  hätten  wu
gehört,  dass  Kurmainz  kürzlich  einen  Kurfürstentag  nach  Bamberg  auf
den  7.,17.  Juli  ausgeschrieben  habe,  dabei  aber  wahrgenoinmen,  dass  ir
bei  der  Beschreibung  umgangen  werden  sollen.  Das  sei  uns  höchst
beschwerlich,  wäre  gegen  das  Herkommen  im  Kollegium  und  könnten
die  wichtigen  Punkte  des  Ausschreibens  bei  unergänztem  Kolleg
überhaupt  nicht  verhandelt  werden;  endlich  würde  die  Ausschliessung
nicht  nur  uns  sondern  auch  den  Kurerben  treffen.  Die  Konsequenser
könnte  Kursachsen  sich  leicht  vorstellen,  —  was  heute  dem  einet.
        <pb n="521" />
        208.  1611  499

könnte  morgen  dem  andern  begegnen.  Der  Kurfürst  möge  daher
solchen  schädlichen  Eingang  verhüten  helfen  und  bei  Mainz  Erinnerung
tun,  damit  wir  beschrieben  werden.  —  Da  wir  deshalb  Gesandte
an  Kurmainz  abordnen,!  so  soll  Colli  alsbald  von  dessen  Antwort
informiert  werden,  damit  er  sich  bei  Sachsen  darmach  richte,
eventuell  das  Anbringen  unterlasse,  falls  Mainz  seine  Meinung
ändere.

Dies  alles  hat  Colli  wenn  möglich  zunächst  dem  Herzog  Johann
Georg  und  den  Räten  vorzustellen,  um  durch  deren  Vermittlung  vom
Kurfürsten  willfährige  Resolution  zu  erlangen;  erfolgt  solche,  so  hat
sich  Colli  zu  guter  Korrespondenz  mit  den  sächsischen  Gesandten  zu
erbieten.  Aber  auch  bei  zweifelhafter  oder  abschlägiger  Antwort  hat
Colli  seine  Reise  nach  Prag  fortzusetzen,  da  jemand  von  uns  dort  sein
muss,  um  zu  verhindern,  dass  Neuburg  einen  Vorteil  erlange  oder  die
andern  kurfürstlichen  Gesandten  sich  gegen  uns  einnehmen  lassen.

Die  Werbung  beim  Kaiser  soll  sein:  Dank  für  die  Versicherung
der  kaiserlichen  Affektion  gelegentlich  der  letzten  Sendung  Collis.?
Derselbe  habe  uns  bei  seiner  Rückkehr  auch  berichtet,  in  welchen  Widerwärtigkeiten
  sich  der  Kaiser  wegen  des  Einfalls  der  Passauer  befinde.
In  Erinnerung  unseres  Amtes  als  Administrator  der  Kurpfalz  hätten
wir  für  nötig  befunden,  Colli  nochmals  zum  Kaiser  abzuordnen,
um  zur  Wiederbringung  friedlichen  Wesens  miteinzuraten.  Ferner
habe  der  Kaiser  bei  der  Nachsuchung  der  Lehen  sich  dahin  erklärt,
er  wolle  darüber  die  Gutachten  der  Kurfürsten  einholen;  wir  hofften,
dass  dieselben  bereits  eingelaufen  seien.  Bitte  um  Belehnung  des
jungen  Kurfürsten.

Wenn  nun  dem  Kaiser  unser  Schicken  und  Erbieten  im  ersten  Punkt
angenehm  ist  und  Colli  von  den  in  Prag  anwesenden  kurfürstlichen
Gesandtenp  zu  den  Beratungen  zugelassen  wird,  so  wird  er,  da
wir  ihn  hierin  nicht  instruieren  können,  zumeist  nach  seiner  Diskretion
bandeln  müssen;  er  hat  aber  darauf  zu  achten,  dass  zwar  die  kaiserliche
Antorität  gewahrt,  aber  dem  König  von  Ungarn  und  den  böhmischen
und  österreichischen  Ständen,  gegen  die  wir  uns  wegen  der  Passauer
zu  allem  guten  erboten  haben,  durch  unsere  Schickung  keine  Ursache
zur  Oflension  und  zu  widrigen  Gedanken  gegeben  werde;  es  ist
auch  zu  beachten,  dass  man  nicht  nur  dem  Kaiser  die  Hand
biete  sondern  bei  dieser  Gelegenheit  auch  die  Abschaffung  der
1609  geklagten  Gravamina  erlange,  überhaupt  des  Beiches
Wolstand  fördere  und  das  Vertrauen  unter  den  Ständen  wiederbringe;
  darauf  ist  ja  auch  die  evangelische  Union  gegründet.
Wollen  die  andern  Gesandten  auf  Nebenwegen  gehen,  so  hat
Colli  mit  Hilfe  des  kurbrandenburgischen  sich  vorzusehen,  besonders
aber  sich  ‘zu  bemühen,  dass  die  verhafteten  kaiserlichen  Räte  nicht
wieder  in  ihre  Aemter  eingesetzt  werden;  denn  sonst  würde

ı  Vgl.  no.  199.
?  Vgl.  no.  137.

32*

Mai  25.
        <pb n="522" />
        500  1611  208.

Mai  25.  die  Sache  nicht  verbessert  werden  sondern  es  zu  den  vorigen  Beschwerlichkeiten
  kommen.  Wenn  die  andern  Gesandten  den  streitenden
Brüdern  Vertragsmittel  vorschlagen,  so  soll  Colli  mithelfen;  würde  man  aber
auf  tätliche  Mittel  gegen  den  König  und  die  böhmischen  Stände  gehen,
so  soll  Colli  das  durchaus  widerraten,  da  der  Kaiser  sich  in  Öffentlicher
Proposition  beim  gegenwärtigen  böhmischen  Landtag  dahin  erklärt
und  von  den  Ständen  begehrt  habe,  Matthias  wirklich  zum  König  zu
krönen,  weshalb  man  nur  äusserst  schwer  und  bei  Gefahr  des  Ruins
von  Böhmen  dawider  handeln  könnte.

Sollte  aber  Colli  wegen  des  Administrations-Streits  von  den  Beratungen
derandern  Gesandten  ausgeschlossen  werden  und  er  das  zeitlich  wahrnehmen,
8o  soll  er  es  geschehen  und  nicht  merken  lassen,  dass  er  von  uns  zu  etwas
anderm  als  zur  Mutung  der  Lehen  abgeordnet  worden  sei  ;  die  Uebergehung
in  Prag  schafft  uns  kein  grosses  Praejudiz,  da  es  sich  um  keine  Kollegialversammlung
  kurfürstlicher  Räte  handelt  und  jeder  für  sich  und  unbe
schrieben  gekommen  ist.  Nur  hat  Colli  sich  stets  zu  bemühen,  die  Consilia
der  andern  zu  erfahren  und,  wenn  sie  den  „Holzweg‘  gehen,  den  Kurbrandenburger
  zu  erinnern,  dass  er  schädliche  Absichten  hintertreibe.
Würde  durch  Collis  Ausschliessung  der  neuburgische  Gesandte  einen
Vorteil  erlangen  wollen,  so  hat  Colli  dies  nach  Möglichkeit  zu  hindern.
Er  hat  darum  fleissig  die  Belehnung  zu  sollizitieren  und  allenthalben,
auch  bei  den  kurfürstlichen  Räten  gute  Information  zu  geben,  da
der  Kaiser  sie  um  ihr  Gutachten  fragen  könnte.

Damit  Matthias  und  die  Stände  unsere  Schickung  nicht  ungleich
aufnehmen,  hat  Colli  sich  auch  beim  König  anzumelden,!  ihm  zu
berichten,  dass  wir  wieder  die  Belehnung  nachsuchten,  und  ihn  unserer
Affektion  zu  versichern  ;  auch  soll  Colli  sich  zugleich  erbieten,  da  er  etwas
einraton  könnte,  was  dem  König  und  dem  Königreich  zum  besten  wäre,
dass  er  es  an  sich  nicht  fehlen  lassen  wolle  Ist  der  König  bereits
gekrönt,  so  hat  Colli  zu  gratulieren,  da  die  Krönung  voraussichtlich
mit  Zustimmung  des  Kaisers  geschehen  sein  wird.  Würden  aber  der
Kaiser  und  die  Gesandten  die  Krönung  zu  hindern  trachten,  der
König  und  die  Böhmen  damit  gleichwol  verfahren  und  die  Gesandten
derselben  daher  nicht  anwohnen  wollen,  so  hat  Colli  pro  discretione  zu
handeln.  —  Colli  hat  bei  seiner  letzten  Anwesenheit  zu  Prag  seine
Werbung  bei  Braunschweig  nicht  ablegen  können,  er  soll  es  gemäss
der  damals  erteilten  Instruktion,  soweit  sie  noch  passt,  diesmal  tun  und
dem  Herzog  die  Administrations-Sache  empfehlen.  Da  wir  den
Unierten  von  dieser  Sendung  berichten  müssen,”  so  möge  Colli  auf
der  Reise  nach  Dresden  Landgraf  Moriz  anzutreffen  suchen.  Datum
Heidelberg,  den  15.  mai  1611.

Mb.,  101j4;  —  Kpt.  von  Hausmann.

'  Beglaubigung  Collis  beim  König  vom  16./25.  Mai  in  Mb.,  1014;  -
Kpt.  Daselbst  auch  Beglaubigungen  für  Colli  bei  den  böhmischen  Ständen,
bei  Budowec,  Zierotin,  Donep,  Hoditzky.

?  Am  15.25.  Mai  macht  der  Administrator  dem  Kurfürsten  von
Brandenburg  von  der  Schieckung  Mitteilung  /vgl.  no.  199,  8.  477,  Anm.  ]).
        <pb n="523" />
        209.  1611  501

209.  Erzherzog  Leopold  an  den  Herzog  von
Braunschweig.

Hinweis  des  Erzherzogs  auf  die  dem  Kaiser  bisher  geleisteten
treuen  Dienste,  die  er  auch  ferner  zu  tun  nicht  unterlassen  wolle  ..  .!

am  16.26.  den  Unierten  insgesamt,  beidemale  mit  der  Versicherung,  Jer
Gesandte  habe  in  allem  darauf  zu  sehen,  dass  nichts  beschlossen  werde,  was
dem  Erbieten  der  Union  gegen  den  König  und  die  böhmischen  und  dsterreichischen
  Stände  entgegen  wäre,  vielmehr  habe  er  sich  dahin  zu  bemühen,
dass  mit  Hilfe  der  konföderierten  Stände  den  Gravramina  im  Reich,  wie  sie
insbesonders  1609  geklagt  wurden,  abgeholfen  und  nichts  dem  Reich  verfängliches
  vorgenommen  werde;  keinesfalls  dürfe  sich  Colli  zu  Tätlichkeiten
gegen  den  König  und  die  Stände  verstehen  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  X,  f.  62;
Or.).  —  Landgraf  Moriz  von  Hessen  urteilt  über  die  Schickung  in  einem
Schreiben  an  Colli,  der  ihm  von  derselben  Mitteilung  gemacht  hatte:  .  .  „Je
suis  tres-marry  que  telles  ambassades  ne  se  font  avec  meilleure  reputation  tant
pour  l’empire  en  general  qu'en  particulier  pour  l’union  des  Kvangeliques,
a  cause  qu’on  n'a  pas  premis  le  tres-necessaire  convent  electoral,  auquel
par  main  conjointe  on  auroit  peu  resoudre  solidement  ce  que  seroit  de
besoing,  a  fin  que  par  tres-necessaires  prejudices  de  touts  nos  confederez
tussent  ostes  toutes  soubsons  et  suspicionse,  qu’un  autre  mal  informe  pourroit
avoir  conceu  de  cesto  Vostre  procedure;  mais  en  vain  est  il  de  dire  ce  que
devrmit  estre  apres  le  fait,  priant  neantmoins  le  tout-puissant,  qu’il  veuille
prendre  soing  de  Vos  negociations.*  Colli  fügt  seufzend  hinzu:  „adeo  difficile
est  omnibus  placere“  (Colli  an  den  Administrator  der  Kurpfalz  aus  Dessau
am  2./12.  Juni;  Mb.,  101/4;  —  Or.  eigh.).

!  Der  Erzherzog  war  am  12.  Mai  in  Krumau  erschienen,  offenbar
herbeigezogen  durch  die  Nachricht  von  den  Verhandlungen,  die  zwischen  den
königlichen  Kommissarien  und  dem  passauer  Kriegsvolk,  insbesondere
zwischen  Oberstleutnant  Lucan  und  dem  Grafen  Althan  geführt  wurden
und  dem  Abschluss  nahe  waren.  Der  Vorwand  für  Leopold  war,  der  Abdankung
  des  Kriegsvolks  persönlich  beizuwohnen  (Leopold  an  Althan  am
12.Mai;  Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofionzepte  von  1611,  f.  161;
Kptkopie),  die  eigentliche  Absicht,  die  Abdankung  zu  hindern,  bis  ihm  eine
Versicherung  wegen  der  passauer  Stiftsgüter  und  eine  Entschädigung  durch
Abtretung  von  Krumau  zu  teil  geworden  sei  (Leopold  au  Rudolf  II.  vom
26.  Mai;  Ib.,  a.  a.  O.,  f.  220;  Kpt.).,.  Am  15.  Mai  ist  der  Erzherzog  in
Budweis,  wo  es  ihm  angeblich  gelingt,  das  sulzische  und  trautmannsdorfische
Regiment  von  den  bisherigen.  Verhandlungen  mit  den  Königlichen  abzubringen
  und  dazu  zu  vermögen,  bei  ihm  weiter  auszuhalten  (Leopold  an
Sulz  am  15.  Mai;  Ib.,  a.  a.  O.,  f.  171;  Kpt.);  aber  in  einem  vertraulichen
  Schreiben  an  seinen  Beichtvater  P.  Henricus  vom  20.  Mai  bekennt
  der  Erzherzog,  dass  er  um  einen  Tag  zu  spät  gekommen  sei  und  dass
Althan,  dem  er  zu  viel  getraut,  sich  mit  den  königlichen  Kommissarien
ohne  Rücksicht  auf  ihn,  den  Erzherzog,  eingelassen,  eine  grosse  Zahl  von
Soldaten  an  nich  gezogen  und  dem  ganzen  Volk  die  Drohung  mit  der  Acht  so  vorgehalten
  habe,  dass  es  hintangesetzt  seiner,  Leopolds,  Person  nur  abgedankt
sein  wolle  und  sich  heute  schon  ein  Teil  nach  Wittingau  zu  den  Königlichen
begeben  habe  (Ib.,  a.  a.  O.,  f.  198;  Kpt.).  Tatsächlich  wurde  schon  am
21.  Mai  zwischen  den  Kommissarien  und  Althan  der  Akkord  geschlossen,
wonach  das  ganze  Volk  mit  Ausnahme  einiger  weniger  vom  König  pardonniert
wird  and  173000  fl.  zur  Bezahlung  und  Abdankung  empfängt;  2000  Knechte
nimmt  der  König  in  seine  Bestallung  (Ma.,  111/11;  —  Kopie).  —  Der  Erzherzog
  hatte,  wie  obiger  Brief  an  den  Herzog  von  Braunschweig  erkennen
lässt,  nicht  die  Absicht,  diesen  Akkord  anzuerkennen  und  schrieb,  den
Befehl  des  Kaisers  vom  26.  Mai  (no.  194,  S.  463,  Anm.  2)  ignorierend,

Mai  26.
        <pb n="524" />
        Mai  26.

502  1611  209.

Nun  wird  mir  vom  Kaiser  selbst  wie  von  andern  vornehmen  Orten
berichtet,  dass  die  Fürsten  des  Reiches  diesem  seinem  Zustand  nicht
länger  zusehen  wollen  sondern  zur  Erhaltung  kaiserlicher  Dignität  dies
Kriegsvolk  in  ihre  Bestallung  zu  nehmen  und  zu  gebrauchen
entschlossen  wären,  wenn  sie  daran  nicht  durch  dessen  Oberste  und

m—  mn  nn

am  3.  Juni  an  Althan,  der  sich  trotz  einer  Aufforderung  vom  21.  Mai  (Ib,
a.  a.  O.,  f.  205;  Kpt.)  bei  Leopold  nicht  eingestellt  hatte,  er  könne  nicht
glauben,  dass  sich  der  Ausschuss  des  Volkes  auf  so  unbillige  Bedingungen
eingelassen  habe;  als  General  der  Arınada,  ohne  dessen  Vorwissen  nichts
gehandelt  werden  solle,  befehle  er,  dass  Althan  den  Ausschus  seines  Regiments
über  den  Hergang  vernehme  und  darüber  berichte  (Ib.,  a.  a.  O.,  f.  235;
Kpt.).  —  In  den  Akten  liegen  drei  Erklärungen  der  Ausschüsse  der  Regimenter
von  Sulz,  Ramöe  und  Trautmannsdorf,  dass  sie  in  den  Akkord  nicht  gewilligt
hätten,  davon  nichts  wüssten  und  den  Erzherzog  bäten,  ihn  aufzuheben
Ib,  a.  a.  O.,  f.  238,  f.  240,  f.  241,  die  beiden  letitern  sind  in  der  erherzoglichen
  Kanzlei  von  Seraphin  Hennot  entworfen  worden).  Der  Erzherzog
liess  sodann  am  5.  Juni  den  Entwurf  eines  neuen  Akkords  ausarbeiten,  der  die
Abdankungssumme  auf  183000  fl.  erhöht  und  den  Befehlshabern  (also  auch
dem  Erzherzog)  ihre  Ansprüche  an  den  Kaiser  vorbehält  (Ib,  a.a0.,
f.  249;  Kpt.).  Auf  Grund  dieses  Akkords  fand  am  9.  wirklich  die  Abdankung
  statt  (Ib.,  a.  a.  O.,  f.  259;  Kptkopie).  —  In  Prag  aber  erzählte
man,  der  Erzherzog  habe  in  freiem  Feld  ein  Banquet  gehalten,  alle  Befehlshaber
  der  Passauer  dazu  geladen  und  geäussert:  „Der  teufel  ziehe  den
pfaffenrock  mehr  an;  ich  will  mich  mıt  krieg  nehren  und  wenn  ich  für
mich  selbsten  nicht  krieg  füeren  kan,  will  ich  einem  obristen  ein  musqueten
nachtragen“;  nach  der  Abdankung  habe  sich  der  Erzberzog  mit  seinem
Anhang  nach  Krumau  begeben,  wo  er  mit  Ramee  neue  Praktiken  anspinne
‘Pistorius  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  3./13.  Juni  aus  Prag;  Ma.,  520.16,
f.  26;  Or.  eigh...  Auch  Zuniga  äussert  die  Befürchtung,  dass  der  Erzherzog
seine  Praktiken  mit  «den  Kaiserlichen  noch  immer  nicht  aufgeben  wolle
(Zuniga  an  Philipp  Ill.  am  18.  Juni;  Sim.,  Fasz.  2497,  f.  160;  Or.)
Vgl.  unten  no.  238  und  die  Beratschlagung  der  königlichen  Räte
vom  16.  Juni,  gedruckt  bei  Hammer-Purgstall,  Khlesis  Leben,  II,
Urkunden-Sammlung,  no.  319.

Althan  galt  aber  in  den  Kreisen  Leopolds  fortab  als  der  Verräter,  dem
Ramee  am  28.  Juli  aus  Passau  folgende  Herausforderung  zusandte:  „Die
bereit  offenbare  verräterei,  so  Du  gethan  hast,  nicht  allein  wider  die  röm.
ksl.  M.t,  Deinen  obersten  herrn  und  guetthäter,  und  den  erzherzog,  meinen
und  Deinen  general,  sondern  auch  wider  Deine  guste  freund,  denen  Du
aufrichtigkeit  geschworn  hattest,  und  wider  das  ganze  kaiserliche  kriegehör
ist  so  gross  und  schandlich,  welche,  weil  sie  die  einzige  ursach  dieses  gezenwärtigen
  der  röm.  ksl.  \i.'  verlusts  gewest,  mich  gedeicht,  ich  wurde  meiner
schuldigen  pflicht  alzu  sehr  manyeln,  so  ich  dieselbe  nit  allenthalben  kund
und  offenbar  ınachete  und  Dir  sagete,  dass  Du  yehandlet  hast  wie  ein
widerwertiger  und  weibischer  cavalliere.e  Und  diss  will  ich  Dier  manteniern,
man  fur  man  mit  ritterlichen  wehren,  es  sei  zu  fuss  oder  zu  ross  an  den
grenzen  zwischen  Germania  und  Italia,  zwischen  Monfalcone  und  Gradisca,
innerhalb  zwauzig  tagen  von  heint  dato  an  zu  erscheinen  mit  einem  einzigen
beistand  und  trommetern  zur  stunde,  wan  Du  selber  wilst  und  mich  dessen
avisirn  wurst.  Und  Dir  allen  verdacht  und  aussflucht  zu  benemen,  will  ich
Dir  zwene  cavallier  zu  geiseln  und  versicherung  geben.“  —  Althan  erwiderte:
Der  Verräterei  sei  er  nicht  geständig;  im  Welschland  werde  er  sich  mit
Ramee  nicht  raufen,  in  Deutschland  stehe  er  ihm  zur  Verfügung;  die  Geisel
seien  ihm  nicht  annehmlich,  sie  möchten  eben  solche  Schelme  sein  wie
Ramee  selber  (De.,  A  9a,  Ia.,  no.  79;  Kopie).
        <pb n="525" />
        209  —211.  1611  503

Befehlshaber  verhindert  würden.  Da  ich  nicht  zweifle,  dass  zumal
E.  L.  Ihr  äusserstes  dabei  tun  und  Ihren  Kaiser  nicht  unterdrücken
  lassen  werden,  so  habe  ich  mich  wegen  dieses  rechtmässigen
Vorhabens  der  deutschen  Fürsten  bei  E.  L.  erkundigen  und  Derselben
andeuten  wollen,  dass  Sie  versichert  sein  können,  es  werde  bei  den
hohen  Befehlshabern  kein  Hindernis  sein  sondern  den  Fürsten  |freistehen,
  zunächst  mich  und  dann  die  übrigen  hohen  Befehlshaber
samt  und  sonders  zur  Erhaltung  der  kaiserlichen  Autorität  zu
gebrauchen  oder  auszuschliessen.  Doch  bitte  ich  E.  L.,  mir  der  ganzen
Sache  Beschaffenheit  anzuvertrauen.  Datum  Budtweis  den  26.  maii
a.  1611.

Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofkonzepte  von  1611,  f.  232;  Kpt.

210.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Melchior
|  Khlesl.

Colli  hat  uns  nach  seiner  Rückkehr  von  Prag  berichtet,  dass  er  an
Euch  vermerkt  und  Ihr  Euch  dahin  erklärt  habet,  „dass  Ihr  nunmehr  in
religionssachen  andere  gedanken  gefast  und  ad  moderatiora  consilia
geneigt  seiet,  mit  dem  anhang,  dass  man  sich  hinfurter  dessen  und
keines  andern  zu  versehen  haben  solte.“  Das  haben  wir  umso  lieber
vernommen,  „weiln  bissanhero  das  widerige  fast  alleuthalben  davor
gehalten  werden  wollen.“  Da  die  Erfahrung  lehrt,  dass  die  Gewissen
mit  äusserer  Gewalt  nimmer  bezwungen  werden  können  und  daraus
nur  Ungelegenheit  und  Landverderben  folgt,  so  hoffen  wir,  Ihr  werdet
künftig  auf  dem  Weg,  den  Ihr  nunmehr  gehen  zu  wollen  erklärt,
beständig  verharren;  denn  dadurch  allein  wird  Frieden  und  Ruhe
und  das  Aufnehmen  der  Länder  erreicht.  --—  Beglaubigung  für  Colli.
Datum  Heidelberg  den  16.  maii  a.  1611.

ib.  101/4;  —  Kpt.  von  Hausmann.!

21l.  Bescheid  des  Kurfürsten  von  Mainz  auf  die
Werbung  der  kurpfälzischen  Gesandten.?

Der  Kurfürst  weiss  sich  seiner  Erklärung  wegen  der  Administration
  wol  zu  erinnern  und  hat  für  seine  Person  auch  jetzt  noch  keine
andere  Meinung  als  den  Administrator,  den  er  nach  seiner  Rückkehr  aus
Prag  im  Besitz  der  Administration  gefunden  hatte,  auch  von  andern  Kurfürsten
  und  Fürsten  anerkannt  sah,  als  solchen  anzuerkennen,  wie  er  ja
auch  wegen  der  rheinischen  Angelegenheiten  stets  mit  ihm  kommuniziert
hat,  Die  Gesandten  werden  aber  wissen,  dass  er,  Kurfürst,  wegen  des
starken  Widerspruchs  des  Neuburgers,  der  scharf  und  bedrohlich  an  ihn
geschrieben  hat,  und  wegen  der  Interessen  der  andern  Kurhäuser  immer
zu  Mitteln  geraten  hat,  diesen  Misverstand  beim  Kaiser  und  wegen

ı  Vgl.  dazu  no.  106.
?  Vgl.  no.  199.

Mai  26.

Mai  26.
        <pb n="526" />
        Mai  26.

504  1611  211.

des  Kurvereins  bei  Kursachsen  richtig  zu  machen.  Der  Kurfürst
wird  dessen  eingedenk  bleiben,  was  er  wegen  der  Administration
versprochen  hat,  hofft  aber  entschuldigt  zu  sein,  wenn  er  andem
Kurfürsten  hierin  nicht  Mass  gibt.  Der  bevorstehende  Kurfürstentag
ist  vom  Kurfürsten  nicht  ordinarie  und  motu  proprio  sondern  auf
vorhergehendes  Ersuchen  und  nach  Vergleichung  unter  Mainz.
Köln,  Trier  und  Sachsen  ausgeschrieben  worden,  hauptsächlich
wegen  der  Uebelständ  in  Prag;  weil  drei  der  Kurfürsten
durch  den  vorigen  prager  Vergleich  daran  interessiert  sand
und  der  Kaiser  übel  behandelt  und  übereilt  wird,  hat  sich
Kurmainz  mit  den  andern  wegen  einer  Zusammenkunft  verständigt.
Dabei  hat  Kurmainz  selbst  den  andern  Kurfürsten  angedeutet,
dass  das  Kolleg  unergänzt  und  daher  vor  allem  der  Punkt  der
Ergänzung  zu  erledigen  sei,  damit  man  in  den  andern  Punkten,  die
ein  ergänztes  Kolleg  fordern,  fortkommen  könne.  Man  hat  zuerst  weder
an  die  Beschreibung  Kurbrandenburgs  noch  an  die  des  Administrator
gedacht,  überhaupt  nicht  an  einen  eigentlichen  Kurfürstentag;  dann
aber  hat  man  erwogen,  dass  Kurbrandenburg  nach  dem  Vergleich  mit
Kursachsen  und  da  er  sich  dem  Kaiser  wegen  der  Aussöhnung  akkomodiert
habe,  als  wirklicher  Kurfürst  zu  dieser  „Kommunikation“  beschrieben
werden  könnte.  Da  der  Beschreibung  von  Kurpfalz  Neuburg
Widerspruch  entgegenstand,  so  hat  man  es  dahin  gestellt,  beide
Häuser  von  der  verglichenen  Zusammenkunft  zu  verständigen  und
von  derselben  aus  beiden  mitzuteilen,  was  man  dort  vereinbaren
  werde;  das  war  des  Kurfürsten  Absicht.  Der  Administrator
braucht  nicht  zu  besorgen,  dass  von  den  Punkten  des  Ausschreibens,
von  denen  einige  schon  bei  der  jüngsten  kurfürstlichen  Beratung  zu
Prag  vorgenommen  worden  waren,  auch  nur  ein  einziger,  wenn  er  vor  das
ganze  Kollegium  gehört,  von  dem  unergänzten  beschlossen  werden  würde.
Der  Kurfürst  wünscht  nichts  mehr  als  dass  den  Schwierigkeiten  zwischen
den  beiden  interessierten  Häusern  alsbald  abgeholfen  werden  könnte
und  dass  Kurpfalz  zur  Ruhe  käme,  wozu  er  gerne  helfen  würde
Signatum  zu  St.  Martinspurg  in  Maintz  den  26.  maii  a.  1611.
Ma.,  547/14,  f.  73;  Or.!

!  Obiger  Bescheid  konnte  den  Administrator  natürlich  nicht  befriedigen,
noch  weniger  dass  der  Kurfürst  anı  13.  Juni  ihm  zwar  mitteilte,  dar  Kaiser  werde
den  Kurfürstentag  besuchen  lassen,  zugleich  aber  ihm,  Administrator,  zu  erwägen
gab,  ob  der  von  ihm  beabsichtigte  persönliche  Besuch  oder  auch  nur  die  Schickung
nach  Mühlhausen  ratsam  sei;  Kurmainz  könne  in  diesen  Fällen,  die  mehr  die
weltlichen  Kurfürsten  angiengen,  nicht  vorsichtig  genug  sein  (Ma.,  547,14,
t.  88;  Or.).  —  Trotzdem  entschloss  sich  der  Administrator,  sich  in  Person
zu  Mühlhausen  einzufinden  und  schickte  wegen  der  Quartierung  einen  Rurier
voraus;  aber  die  Beamten  des  Reichsmarschalls  erklärten,  weder  Kurpfals
(resp.  Zweibrücken)  noch  Neuburg  vor  erfolgter  Vergleichung  einquartieren  zu
dürfen  (Furier  Michael  Jung  an  den  Grosshofmeister  Solms  am  18.28.  Juni;
Ma.  547/14,  f.  95;  Or.  eigh.).  Daraufhin  fertigte  der  Administrator  am
24.  Juni

hl  nochmals  Dr.  Camerarius  an  Kurmainz  ab,  liess  erklären,  unter  solchen
        <pb n="527" />
        212.  1611  505
212.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich.  Mai  28.

Bericht  über  die  Verhandlungen  zwischen  dem  Kaiser,  dem
Kö  nig  und  den  Ständen  und  über  die  Krönung  des  Matthias.  „Quand
jay  est&amp;amp;  vers  luy  [Matthias],  pour  me  coniouyr  au  nom  du  roy  et
de  V.  M.'  de  ceste  sienne  nouvelle  dignit6  (comme  ont  fait  tous  les
autres  ambassadeurs  et  ministres  des  princes  oestrangers  au  nom  de
leurs  maistres),  il  a  monstr6  d’en  recevoir  beaucoup  de  plaisir,  me
disant  qu’il  goustera  tousiours  davantage  ses  prosperitez,  lorsqu’il
saura  que  Voz  Ma.'®  en  recevront  de  la  consolation,  et  m’enchargeant
de  continuer  a  Les  asseurer  qu'il  ne  desire  rien  plus  que  de  se  conserver
  en  Leur  amitiö  et  bonne  correspondance.  Je  prens  garde
soigneusement  en  m’acquittant  des  ces  complimens  de  ne  point  donner
subject  a  l’empereur  de  s’en  oflencer,  ce  qui  m’est  fort  houreusement
reussy,  ainsy  que  V.  M.'  verra  par  un  billet  en  Italien  qu’il  m’a
escript,  le  quel  je  veux  inserer  icy  de  mot  a  mot,  afin  que  V.  M.“,
estant  bien  informsde  de  son  intention,  me  puisse  commander  ce  que
jauray  a  faire  pour  son  service:  »Bingratiamo  grandemente  li  Vostri
patroni,  nostri  carissimi  cugini,  della  dimostratione  singolare  d’affetto
che  li  compiacciono  di  fare  verso  di  noi,  di  che  ne  facciamo  quella
stima  et  capitale  che  si  conviene  come  di  nostri  amicissimi,  essendo
stato  sempre  il  nostro  desiderio  che  fra  noi  passasse  stretta  amicitia
et  corrispondenza;  la  onde  ne  sara  caro,  che  facciate  per  noi  un
viaggio  in  Francia  per  negotii  importanti  alla  nostra  conservatione
tanto  loro  cara,  quali  habiamo  gusto  particolare  di  confidare  nella
Vostra  persona  piu  tosto  che  a  lettere  per  molti  rispetti.  Con  questo
salutarete  quelle  christianissime  corone  augurando  loro  per  nome  nostro
ogni  felicita.  Del  nostro  castello  di  Praga  al  vinti  sette  di  maggio.«&amp;lt;
Signd  »Rodolpho«  et  cachette  de  son  cachet  secret  avec  ceste  superscription:
  »Al  residente  di  F'rancia  nostro  amico.«  Ce  qui  l’a  meu
de  m’escrire  ce  billet  est,  que  ın’ayant  envoye  demander  par  un  sien
confident,  en  quelle  facon  estoient  prises  en  France  les  choses  qui
passoient  de  deca,  je  luy  respondy  que  V.  M.'‘  monstroit  d’en  estre
fort  marrie  pour  l’affection,  qu'Elle  luy  a  tousiours  portee  et  qu’Elle
continue  encores;  que  ce  n'est  pas  la  coustume  en  France  de  tourner
legerement  le  doz  a  un  afilige  et  principalement  a  un  prince  de  la
qualite  de  l’empereur;  que  les  dernieres  depesches  que  j’ay  recues,
ne  confirment  en  ceste  creance  et  que,  s’il  le  vouloit  faire  scavoir

Umständen  allerdings  von  dem  persönlichen  Besuch  oder  der  Beschickung  absehen
zu  müssen,  und  beschwerte  sich,  dass  Neuburg  also  ein  Vorteil  eingeräumt
werde  (Memorial  für  Camerarius,  Ma.,  547/14,  f.  120;  Kpt.).  —  Die  Aufregung
  war  ganz  überflüssig;  denn  am  =  a  !  berichtete  der  kurpfälzische
Purier  an  den  Grosshofmeister,  er  habe  Quartiere  zugewiesen  erhalten  und
darauf  des  Administrators  ganzen  Titel  ale  Vormund  und  Administrator  der
Kurpfalz  schreiben  lassen  (Ma.,  547/14,  f.  131;  Or.  eigh.).
        <pb n="528" />
        506  1611  212.

Mai  28  audict  s.”  empereur,  je  m’en  remettois  a  sa  commodit6  et  discretion.
L’ayant  faict  il  retourna  vers  moy  et  me  demanda,  si  je  voudrois
entreprendre  un  voyage  pour  le  service  dudict  s."  empereur  vers  \.
M.“,  de  quoy  m’estant  excuse  sans  en  avoir  expres  commandement  et
conge,  il  m’envoya  ce  billet  pour  l’obtenir  de  V.  M.'*,  m’enseignant
d’user  de  diligence  et  de  tenir  la  chose  secrete,  autant  que  faire  *
pourra,  afin  qu’estant  penetree  par  les  Espagnolz,  ilz  ne  la  travorsent.
comme  ilz  sont  coustumiers  de  faire  pour  parvenir  a  leurs  desseings.
lesquelz  tendent  a  l’entiere  ruine  des  autres  aussy  bien  qu’a  la  sienne;
il  espere  que  V.  M.'  et  mess.’  de  Son  conseil  s’employeront  tant
plus  volontiers  pour  empescher  qu’ilz  ne  reussissent.  Je  represente
laffaire  nuement  et  simplement,  madame,  et  attens  la-dessuz  Vos
commandemens,  que  j'executeray  avec  la  promptitude  et  fidelit6  que
je  doy.  —  Le  jour  precedent  le  couronnement  dudict  3.”  roy  retournerent
en  ceste  ville  ses  commissaires  avec  la  conclusion  de  l’accord  are
ceux  de  Passaw  moyennant  cent  cinguante  mille  tallere  qu’on  leur
doit  fournir  dans  huit  jours  pour  tout  ce  qui  leur  est  deu,  n'estant
compriz  dans  iceluy  de  tous  leurs  principaux  chefz  que  le  comte
d’Althaim,!  et  les  nonces  et  l’ambassadeur  d’Espagne  traitent  separdement
  la  reconciliation  de  l’archiduc  Leopold,  qui  a  envoy&amp;amp;  icy  le  s.'
Mirabaldo  Napolitain,  gentilhomme  de  sa  chambre,  pour  la  faciliter.”
L’on  tient  que  ledict  8.”  roy  prendra  a  son  service  deux  mille  hommes
de  pied  desdictz  soldatz  de  Passaw,  sans  que  l’on  sache  encores  a  quell®
fin  il  veult  augmenter  ses  forces,  si  ce  n’est  pour  aiouster  la  couronne
imperiale  a  ses  autres  couronnes.  De  Prague  le  28.°  de  may  1611."  —
Pıaes.  10.  juin.

Pa.,  Harlay,  no.  238,  vol.  XII,  f.  183;  Or.  eigh.?

ı  Vgl.  no.  209.

?”  Beglaubigung  Mirabaldos  beim  Kaiser,  beim  König,  bei  Zuniga  und  bei
den  Nuntien  vom  20.  Mai  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofkonsepte
von  1611,  f.  184  ff.;  Kptkopie).

®  Gleichzeitig  schreibt  Baugy  an  Puysieulx:  „Je  prie  m.”  de  Preaax
de  faire  courir  ceste  despesche  en  diligenre,  parce  que  l’empereur  le  desire
ainsy,  afin  que  j’en  rocoive  responce  promptement,  m’ayant  faict  dire  ontre
le  contenu  dans  la  lettre  que  j’escry  a  la  royne,  que  pour  accelerer  mon
voyage  et  en  couvrir  le  subject  aux  Espagnolz,  il  auroit  a  plaisir  que  l’oa
me  «depeschast  un  courrier  expres,  comme  si  jestois  rapelle  pour  quelque
autre  occasion  ou  quil  m’aportast  conge  Je  faire  vistement  un  toor  en
France  pour  mes  affaires  particuliers,  au  quel  cas  il  seroit  a  propoz,  quil
fust  charge  do  lettres  de  Leurs  Ma.t**  audict  s."  empereur  pour  le  prier  de
m’en  donner  permission,  en  me  faisant  scavoir  en  chifre  separement,  ce  que
’on  voudra  que  j’entende  et  que  je  face  devant  mon  partement.  Je  laisse
a  Ja  prudence  de  Sa  Mat‘  et  de  mess.”  du  conseil  de  considerer  l’honnesteto
  et  l’utilit&amp;amp;  des  propositions  que  pourra  faire  ledict  8.”  empereur;  celä
diray  je  seulement  que  lesdietz  Espagnolz,  nonobstant  qu'il  semble  reduict  a
ure  extreme  misere,  taschent  encores  aujourd’huy  de  le  gagner  pour
parvenir  plus  facilement  a  leurs  desseings  et  que  leur  estant  contraire
comme  il  est  I’on  se  pourroit  ayder  de  son  nom,  pour  les  traverser  et
aßseurer  par  ce  moyen  nostre  repos  en  France,  en  leur  taillant  de  la  besongne
ailleurs,  comme  l’on  fera  sans  faute,  si  on  les  empesche  de  faire  tomber  la
        <pb n="529" />
        213.  1611  507

213.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  die  Unierten
insgesamt.
(Ausschreiben  zum  rotenburger  Unionstag.)

Hinweis  auf  den  schweinfurter  Abschied.  „Ob  wir  nun  wohl
ın  unserm  ort  germ  gesehen,  dass  damals  ein  völliger  schluss  aller
rorkommenen  hochnötigen  puncten  hette  können  gefasset  werden,  auch
noch  liebers  nichts  wünschen  möchten  als  dass  die  vorgewesene  gefahr  sich
geendert  und  die  sachen  also  angelassen  hetten,  damit  man  allerseits
n  frieden  und  ruwigeren  zustand  ohne  fernere  und  so  costbare
zusammenkunft  verbleiben  könte;  —  dieweil  jedoch  im  heil.  reich  und
fast  an  dem  höchsten  ort  die  sachen  sich  je  lenger  je  schwiriger
und  weitläufiger  erzeigen;  auch  das  passawische  kriegsvolk,  wie  man
bishero  vermeint,  nicht  abgedankt  sondern  allen  einkommenen  berichten
nach  sich  täglich  sterken  und  desswegen  neue  werbungen  vorgehen
sollen,  derowegen  umb  soviel  mehr,  was  dabei  zu  thun,  ehe  das  feuer
sich  nähert  und  weiter  umb  sich  greifet,  zu  beratschlagen  die  notturft
erfordern  will;  zu  dem  mehrern  theils  ın  vorigem  aussschreiben
begriffene  puncten,  wie  auch  das  rechnungswerk,  daran  gleichwohl
nicht  wenig  gelegen,  nicht  haubtsächlichen  verhandelt  sondern  zu
einer  anderweitlichen  völligern  versamblung  ausgesetzet  worden  und
wir  dan  von  denen  in  Sachsen  beisamen  gewesenen  unirten  churund
  fürsten  wie  auch  anderen  benachbarten  fürsten,  welche  ihre
sesandten  zu  Schweinfurt  gehabt,  von  neuem  aus  obangedeuten
ursachen  instendig  ersuchet  und  ratione  directorii  erinnert  worden,
den  scopum  diser  wolgemeinten  union,  welcher  vornemblich  dahin
gehet,  dass  dero  zugethanen  und  alle  evangelische,  auch  andere
friedliebende  stände  bei  ruhe,  friede  und  hergebrachter  freiheit  erhalten
werden,  in  ufacht  zu  nehmen:  ---  als  haben  wir  aus  oberzehlten  ursachen
und  damit  je  dermaleinsten,  wie  der  religion-  und  prophanfrieden  in
mehrere  sicherheit  gebracht,  den  so  lang  geclagten  gravaminibus
abgeholfen  und  also  im  heil.  reich  unserm  geliebten  vaterland  das
alte  vertrauen  zu  gemeiner  aller  dessen  stände  wolfahrt  und  ufnehmen
wiederumb  gepflanzet  werden  möchte,  einen  abermaligen  persönlichen
convent  aller  unirten  chur-  fürsten  und  ständen  auszuschreiben  hochnötig
  und  unumbgenglich  befunden.  Thun  solchem  nach  E.  L.
den  16.  künftigen  monats  junii  in  des  heil.  reichs  statt  Rottenburg
an  der  Tauber  gegen  abends  in  der  person  einzukommen  oder  aber,

dignite  de  roy  des  Romainse  en  la  personne  de  oe  luy  qu’ilz  y  veullent  porter“
(Pa,  a.  a.  O.,  f.  181;  Or.  eigh.).  Vgl.  über  die  Verbindung  Rudolfs  mit
Frankreich  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II,  S.  314  und  oben
no.  33.  —  Gleichzeitig  sandte  der  Kaiser  seinen  Diener  Simon  Wehr  „in
unsern  besonders  angelegenen“  Geschäften  nach  England  (Auftrag  vom
%.  Mai  an  Grafen  Simon  zur  Lippe,  Wehr  auf  Abschlag  der  rlickständigen
Reichssteuern  500  Taler  vorzustrecken;  Wk.,  Hoffinanzakten,  Mai  1611;
Kptkopie).

No.  113.

Mai  28.
        <pb n="530" />
        Mai  28.

Mai  30.

508  1611  213—  214.

da  Sie  ie  aus  erheblichen  ehehaften  ursachen  zu  erscheinen  nicht
vermöchten,  als  dan  Ihro  verpflichte  rähte  mit  völligem  gewalt,
schlissliche  handlung  zu  pflegen,  abzuordnen  freundlich  ankünden  und
benennen,  daselbsten  alle  in  vorigem  ausschreiben  !  specificirte  haubtund
  nebenpuncten,  wie  auch  dasjenige,  so  in  obgemeltem  schweirfurtischen
  abschied  ausgesetzet  und  dann  vornemblichen,  was  bei
vorstehender  sich  erzeigender  grossen  verenderung  den  unirten
sowohl  auch  allen  evangelischen  ständen  zu  thun  und  bei  solcher
occasion  ihnen  zu  bestem  gesucht  oder  begert  werden  möchte,  mit
einander  zu  unterreden  und  zu  berathschlagen.  Datum  Heydelberg
den  18.  maii  anno  1611.“

Nachschrift:  „Auch  erinnern  wir  uns  zwar  des  zuSchweinfurt  wegen
überschickung  und  communication  allerseits  rechnungen  gemachten
schlusses.  Dieweil  aber  dieselbe  noch  nicht  alle  einkommen,  als
der  für  gut  angesehene  rechnungstag  nicht  wol  zuvor  angesstzet
werden  kan,  wir  auch  nicht  sehen,  wie  ohne  beiwesen  der  principaler.
ob  einer  oder  anderer  in  die  rechnung  gebrachte  punct  passirlich
oder  nicht  seie,  von  den  deputirten  allein  könne  decidirt  werden,  ak
haben  wir  darfür  gehalten,  es  werde  solche  verhör,  inmassen  zu
Schweinfurt  geschehen  sollen,  am  füglichsten  bei  diesem  tag  par
passu  et  in  separato  consessu  durch  sonderbare  deputirte  gescheben
können,  da  man  sich  dan  jederzeit  in  pleno  über  eine  oder  ander
vorfallende  difficultet  bescheids  zu  erholen.  Zu  welchem  ende  wir
E.  L.  fürderlichst  gedachte  rechnungen,  so  viel  deren  sechsfach
einkommen,  hernacher  schicken  wollen.  Signatum  ut  in  literis  den
18.  maii  a.  1611.“

Stg.,  Unionsacta,  tom.  X,,  f.  65;  Or.

14.  Kaiser  RudolfIlI.  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen

„Hochgeborner  lieber  ohbeinn  und  churfürst.  Weil  ıch  au
gewissen  ursachen,  so  ich  E.  L.  und  Derselben  mitchurfürsten  auf
dem  bevorstehenden  collegialtag  zueMühlhausen  durch  meine  ansehentliche
  abgesanten  berichten  lassen  will,  bedacht,  mich  fürderligist  in
das  reich  zu  begeben  und  ein  zeit  lang  in  meiner  und  des  heil.  reich:
stadt  Regenspurg  meine  kaiserliche  residenz  und  hof  zu  halten,®  s

ı  No.  40.

®  In  der  Nachschrift  eines  Schreibens  vom  16.:26.  Mai  an  Kurbrandeburg
  entschuldigt  der  Administrator  den  frühen  Termin  des  Unionstages
mit  dem  Hinweis  auf  den  Kurfürstentag;  die  Resolution  der  Unierten  werde
zu  den  verschiedenen  Punkten  des  Ausschreibens  zum  Kurfürstentag  „ziemliche
Nachricht*  geben  (Mb.,  119/1,  f.220;  Kpt.).  Vgl.  wegen  der  Vorbereitungen
zum  Unionstag  no.  153  mit  Anm.  3  auf  8.  376  und  no.  176  mit  Anm.  |
auf  S.  438.

?  Der  Rat,  nach  Regensburg  zu  gehen,  war  dem  Kaiser  vom  Herzog
von  Braunschweig  eingegeben  worden  (vgl.  Hammer-Purgstall,  Khleak
Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,  no.  316  und  818).  —  Am  4.  Juni  weis
Bodenius  den  Herzog  von  Baiern  aus  Prag  zu  berichten,  dass  der  kaiserliche
        <pb n="531" />
        214—215.  1611  509

ist  an  E.  L.  als  mein  und  des  heil.  römischen  reichs  erzmarschalken  Mai  28.
mein  gnedigst  begeren,  Sie  wolten  sich  dahin  richten  und  gefast
machen,  das  Sie  mich  auf  verrer  zuschreiben  an  ort  und  enden,  so  ich
Derselben  zuekonftig  namhaftig  machen  werde,  auf  der  gräniz  anstatt

und  in  namen  des  heil.  reichs  geleitlichen  annehmen  und  nach  Regenspurg
begleiten  mögen.  Daran  thuen  E.  L.  ete.  Datum  Prag  den  20.’30.  mai

a.  1611.“

E.  L.  guetwilliger  freund  Rudolf.“
Drs.,  L  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags,  f.  120;  Or.

215.  Instruktion  Kaiser  Budolfs  II.  zum  mühlhauser  _  [Zu
Kurfürstentag  für  den  Bischof  von  Speier,  den  Land.  Mai  30.]
grafen  Moriz  von  Hessen,  Ehrnfried  von  Minckwitz

und  Johann  Eustach  von  Westernach.

Die  Kommissarien  !  haben  in  unserm  Namen  vorzubringen  °
Die  Kurfürsten  werden  aus  den  „gemeinen  Avisen“  und  aus  den
Berichten  des  mainzischen  und  der  sächsischen  Gesandten  den  hiesigen

Baumeister  [Johann  Maria  de  Philippis]  am  5.  Juni  nach  Regensburg  und
München  reisen  soll;  eben  sollen  die  kaiserlichen  Schreiben  an  den  Horzog
von  Baiern,  den  Bischof  von  Regensburg  und  den  Abt  von  St.  Emmeram  ausgefertigt
  werden,  damit  der  Baumeister  den  regensburger  Bischofuhof,  das  Kloster
St.  Emmeram  daselbst  und  die  Städte  Ingolstadt,  Landshut  und  Friedberg
besichtigen  und  davon  Aufrisse  machen  könne.  Man  messe  dem  Herzog
von  Braunschweig  zu,  dass  er  den  Kaiser  zur  Abreise  bewegen  wolle,  —
sehr  zum  Misfallen  des  Königs  und  der  geheimen  Räte,  die  auch  verstimmt
seien,  weil  sich  Braunschweig  das  Obersthofmeisteramt  am  kaiserlichen  Hof
fast  anmassen  wolle  (Ma.,  378/87,  f.  18;  Or.  eigh.).

2  Die  Aufforderung  an  die  oben  (senannten  und  an  Christoph  Pflug,  die
Kommission  bei  den  Kurfürsten  zu  übernehmen,  sich  persönlich  in  Mühlhausen  einzufinden
  und  dort  die  Instruktion  zu  erwarten,  die  Minckwitz  mitbringen  werde,
ist  vom  30.  Mai  datiert  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.104,  no.  68;  Kopie).  —

Von  den  Aufgeforderten  erwiderte  Landgraf  Moriz  von  Hessen  am  u:
er  würde  sich  gerne  bereit  erklären,  doch  müsse  er  zuvor  wissen,  worin  die

Kommission  bestehen  solle;  er  bitte  daher,  ihm  zuvor  die  Veranlassung  des
Kurlürstentags  und  was  dort  verhandelt  werden  solle,  mitzuteilen  (Wh.,  Reichsakten
  in  genere,  Bd.  84b;  —  Or.).  Zugleich  fragte  der  Landgraf  beim
Administrator  der  Kurpfalz  und  bei  Kursachsen  an,  was  wol  der  Gegenstand  der
Verhandlungen  sein  werde  uud  ob  ihm  zur  Uebernahme  der  Kommission
zu  xaten  sei  (Ma.,  547,14,  f.  79  und  Drs.,  1.  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags
f.  49;  Or.).  Beide  rieten  zu.  Inzwischen  teilte  ihm  der  Kaiser  die  Punkte
der  Proposition  aus  dem  Avisationsschreiben  an  Kurmainz  vom  1.  Juni  mit
(Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  153;  Kopie),  —  Der  Bischof  von  Speier  bat
am  13.  Juni,  ihn  wegen  Kränklichkeit,  wegen  der  üblen  Lage  seines  Stiftes
und  wegen  der  vielen  Obligenheiten  des  Kammerrichteramtes  mit  dem  Auftrag
  zu  verschonen  (Cob.,  Kurf.  Trier,  A  a1,  no.  40,  f.63;  Kpt.).  Der  Kaiser
antwortete  aber  am  3.  Juli:  er  müsse  seinen  Auftrag  wiederholen,  da  Bamberg,
dem  die  Kommission  zugedacht  war,  ausser  Landes  sei;  künftig  solle  aber
Speier  mit  Kommissionen  verschont  werden;  die  Kosten  möge  der  Bischof

von  den  nächsten  Reiche-  oder  Kreisanlagen  abziehen  (Cob.,  a.  a.  O.,
f.  65;  Or.).
        <pb n="532" />
        510  1611  215.

[2a  Verlauf  vernommen  haben.  Für  die  Erbieten  einiger  Kurfürsten  usi
Mai  30.)  für  deren  Assistenz  durch  die  Schickungen  sagen  wir  Dank.  Da  w
durch  Kurmainz  von  dieser  Zusammenkunft  der  Kurfürsten  verständigt
  wurden,!  haben  wir  nicht  Umgang  nehmen  können,  in  unsern
betrübten  Zustand  diese  Schickung  an  sie  zu  tun  und  mit  ihnen  einig
Punkte  verhandeln  zu  lassen.  „Und  wolten  wir  uns  versehen,  ancı
allergnädigst  begehrt  haben,  dass  JJ.  LL.  sambt  und  sonders  in
dieser  hohen  betrangnuss  uns  nicht  lassen  sondern  mit  notturftigen
rat  und  assistenz  als  getreue  teutsche  churfursten  und  seulen  des
heil.  röm.  reichs  zu  erhaltung  desselben  hochheit,  dieser  weeg  JJ.
LL.  wegen  des  churfurstlichen  collegii  hoch  interessiret,  beispringe:
wolten.  Sonsten  aber  wolten  wir  nochmals  hiemit,  wie  wir  albereit
in  gegenwart  des  herzogen  zu  Braunschweigs  L.  gethan,  öÖffentliek
protestiren,  dass  wir  hierdurch,  was  uns  also  abgenötiget,  unser
kaiserlichen  hochheit  und  churfurstlichem  collegio  zu  nachteil,  praejudiz
  und  gefahr  nichts  eingereumet  haben  wolten.  Demnach  aber
die  von  uns  in  der  proposition  reservirte  puncta°  nicht  genzlich
richtig  abgehandelt,  auch  die  darauf  von  den  stenden  erfolgte  resolut  '
also  geschaffen,  dass  sie  uns  verkleinerlich  und  schimpflich  unl
unannemblich,  in  gleichen  auch  auf  die  von  uns  anderweit  verfaste
puncta,*  darauf  wir  mit  unsers  herrn  brudern  L.  durch  den  spanische
oratorem  tractiren  lassen,  eine  fast  widrige  abschlegige  und  uns  gau
schimpfliche,  auch  dem  hause  ÖOcsterreich  praejudicirliche,  auch  unse
kaiserlichen  dignitet,  des  röm.  reichs  hochheit  und  churfurstlichen
collegio  verkleinerliche  und  nachteilige  resolution  erfolget®  und  "ir
dahero  (weil  wir  doch  ohne  das  theils  unser  geheimen  und  reich:
hofräthe  durch  die  gefengliche  einziehung  nicht  mechtig  s:in  könten,
diejenigen  auch,  so  wir  sonsten  hierzuziehen  möchten,  durch  ezliche
von  deu  böhmischen  ständen  mit  allerhand  gefehrlicher  und  nachdenklicher
  bedrauung  abgeschreckt  werden  wollen)  ohne  JJ.  LL
als  des  churfuıistlichen  collegii  rat  und  gutachten  uber  vorige  befunden
ubereilung  uns  in  einige  fernere  tractation  und  genzlichen  schlas
einzulassen  bedenkens  trüegen,  als  hetten  wir  keinen  umbgaug
haben  können,  solches  mit  JJ.  LL.  in  rat  zu  stellen  und  wolten
demnach  wir  allergnädigist  begehrt  haben,  das  JJ.  LL.  samt
und  sonders  diesen  unsern  betrüebten  zustand  woimeinendlich  erwogen
und  wessen  wir  uns  hierin  allerseits  zu  verhalten,  wie  auch  i
specie  auf  folgende  puncta  ihr  rätliches  bedeuken  und  gutachte
ınittheilen  wolten:

'  No.  162,  S.  398,  Anm.  1.

:  No.  152,  S.  374,  Anm.  3.  (Dies  und  die  folgenden  Sohriftstäck
liegen  in  Abschrift  bei.)

°  No.  183,  8.  443,  Anm.  3.

*  No.  194,  S.  462,  Anm.  1.

°  No.  194,  S.  466,  Anm.  1.
        <pb n="533" />
        215.  1611  5ll

l.  Und  weil  wir  nun  aus  allen  umbstenden  spürten  “nd  vermerkten,
  dass  man  uns,  unangesehen  wir  in  dem  königlichen  schloss  alhier
zu  Prag  uber  30  jahr  residiret  und  desselben  orts  zue  unser  leibeszelegenheit
  am  besten  gewohnet,  ungeachtet  aller  gnade  und  wolthat,
so  wir  dem  kunigreich  und  der  stadt  Prag,  auch  ezlichen  partieularpersonen
  vielfältig  bewiesen,  die  residenz  nicht  lenger  vergönnen
wolte,  uns  auch  bedenklich,  dass  wir  ohne  einigen  respect  und  jurisdiction
  mit  stundlicher  gefahr  unser  eigen  person,  auch  unser  räte
und  diener  dergestalt  alhier  verbleiben  und  neben  unserm  herrn  brudern
zugleich  bittweise  auf  eine  gewisse  zeit  wohnen  solten,  sondern  uns
zu  unsern  lieben  etc.  chur-  und  fursten  und  ständen  in  das  reich
zu  .begeben  genzlich  entschlossen,  dass  demnach  JJ.  LL.,  welcher
gestalt  wir  ohne  schimpf  und  gefahr  aus  dem  kunigreich  Böheimb
ın  das  reich  neben  unsern  sachen  verrucken,  auch  umb  mehrers
respects  und  sicherheit  willen  gebüerlich  im  namen  des  heil.  reichs
an  den  grenzen  angenommen  und  also  forterst  in  das  reichs  begleitet
  werden  möchten,  ihr  rätlichs  bedenken  uns  eröfnen  möchten.!
2.  Vors  ander  dieweil  man  uns  in  betracht  solcher  cedirten  ansehenlichen
kunigreich,  erb-  und  incorporirten  lande  wegen  des  jahrlichen  underb
  alts  so  schlecht  tractiren,  auch  alle  unsere  erkaufte  eigene  herrschaften
vorenthalten  wolte  und  aber  wir  mit  so  schlechtem  unterhalt,  so  uns
angeboten,  auszukommen  nicht  vermöchten,  dass  JJ.  LL  auf  mittel
und  wege,  dahero  wir  sowol  vor  unsere  person  als  auch  unser  nothwendigen
  hofstat  gebuerliche  unterhaltung  haben  könten,  gleichfals
ihr  gutachten  eröfnen  mochten.  3.  Vors  dritte,  dass  uns  JJ.  LL.
zu  unser  residenz  einen  bequemlichen  ort,  welcher  den  chur-  und  fursten
und  stenden  des  heil.  röm.  reichs  nicht  abgelegen,  vorschlagen  möchten,
wiewol  wir  unserstheils  anfangs  auf  die  stadt  Regenspurg  gedacht
hetten.  4.  Weil  wir  auch  befunden,  dass  unser  regimentswesen
durch  die  eine  und  ander  inconvenienz  in  unordnung  und  abgang
geraten,  dass  demnach  JJ.  LL.  uns  dero  bedenken,  wie  solches  zu
reformiren,  mitteilen,  auch  ehrliche  und  qualificirte  personen,  so  wir
sowol  in  ratschlegen  als  commissionibus  gebrauchen  könten,  vorschlagen
wolten.  6.  Denınach  wir  auch  dafuer  hielten,  dass  hochnötig,  dass
der  aufgeschobene  reichstag  wieder  reassumiret  und  forderlichst  ausgeschrieben
  werden  muste,  damit  also,  was  zu  erhaltung  des  religionund
  profanfriedens,  zu  beforderung  der  heilsamen  justiz,  auch  ruhe
und  friede  im  reich  nötig  und  dienlich,  reiflich  beraten  und  erwogen
und  die  reichsobliegen  und  beschwerden  in  einen  besseren  stand
.  gerichtet  werden  könten,  dass  JJ.  LL.  dem  herkommen  nach
hierzu  ihren  consens  geben  und  sich  mit  uns  der  zeit  und  stette
vergleichen  wolten.  6.  Dieweil  wir  auch  vor  eine  hohe  notturft  zu
sein  erachten  theten,  dass  das  churfurstliche  collegium  bei  dieser
obne  das  schwierigen  zeit  herwieder  ersetzet  werden  möchte,  dass

'  Vgl.  no.  214.

[Zu
Mai  30.]
        <pb n="534" />
        [Zu
Mai  30.)

512  1611  215.

derowegen  JJ.  LL.  solches  gleichsfals  in  reife  beratschlagung  zu  zieben
und  zue  werk  zu  richten  an  sich  nichts  erwinden  lassen  wolten.  7.  Demnach
auch  herzog  Philips  Ludwig  pfalzgraf  bei  Rein  zu  Neuburg  L.  bei  uns
durch  dero  abgeordneten  wegen  der  administrationsache  contra
herzog  Johans  pfalzgraf  bei  Rein  zue  Zweibragken  L.  ansuchen  thun
lassen,  wie  solches  JJ.  LL.  mit  mehrerm  aus  beigefugtem  memorial  !
zu  vernehmen,  als  wolten  wir  begehrt  haben,  dass  dann  JJ.  LL.
wie  dieser  sache  ohne  weitleufigkeit  abgeholfen  werden  möchte,  in
reife  berathschlagung  ziehen  und  uns  deroselben  gutachten  eröfnen
wolten.  8.  Dieweil  es  auch  mit  dem  kunigreich  Böheim  zu  dieser
verenderung  geraten  und  gleichwol  unleugbar,  dass  solches  ein
ansehenlichs  pertinenz-  und  lehenstuck  des  heil.  röm.  reichs  sei,
dass  JJ.  LL.  reiflich  und  noturftiglich  beraten  wolten,  dass  gleichwol
hierunter  des  heil.  röm.  reichs  iura  und  hochheit  in  gebüerliche
aufacht  genommen  und  denselben  zum  vorfange  und  nachteil  nichts
nachgelassen,  verseumet  und  eingereumet  werden  möge.  9.  Demnach
auch  numehr  nicht  heimblich,  dass  sich  die  böhmischen  stände  mit
den  Ungern,  Oesterreichern  und  Mährern  unieren  wolten,  dieselbige
union  sich  auch  den  gemeinen  disoursen  nach  leichtlich  zu  des  röm.
reichs  und  aller  chur-  und  fursten  merklichen  und  gefährlichen  prae-Judiz
  umb  böser  consequenzen  willen,  dieweil  daraus  leichtlich  ein
allgemeiner  aufstand  und  rebellion  der  unterthanen  wider  ihre  ordentliche
obrigkeit  entstehen  könte,  [weiter]  erstrecken  mochte,  als  wolten  wir  aus
väterlicher  vorsorge,  so  wir  zu  dem  heil.  röm.  reich  und  den  sembtlichen
chur-  und  fursten  trüegen,  solches  JJ.  LL.  zu  erkennen  geben  haben
mit  gnädigem  begehren,  dass  dise  solchem  unheil  bei  zeiten  vorbauen,
solches  auch  in  reife  berathschlagung  ziehen  wolten.  10.  Demnach
auch  die  unierten,  wie  sie  sich  nenneten,  willens  sein  sollen,  stetlich
eine  armada  zu  ross  und  fuese  zu  halten,  weil  aber  dasselbige  nicht
allein  eines  weiten  aussehens  sondern  auch  dadurch  den  benachtbarten
und  dem  ganzen  heil.  röm.  reich  etwas  zu  schimpflicher  verkleinerung
und  nachteil  zuegezogen  werden  könte,  also  begehrten  wir,  dass  sie
solches  gleichsfals  in  reife  consideration,  damit  das  reich  und  JJ.  LL.
sambt  und  sonders  und  alle  gehorsame  stende  dieser  wegen  gnugsamb
gesichert  sein  möchten,  ziehen  wolten.  11.  Dieweil  man  uns  auch,
weil  wir  ins  reich  zu  ziehen  gemeinot,  eine  beschwerliche  cautionem
aufdringen  wolte,  die  wir  aber  unserstheils,  weil  es  nicht  allein  uns
sondern  auch  dem  heil.  röm.  reich  zum  despect  gereichen  thete.
einzuwilligen  nicht  gemeinet,  wie  wir  auch  bei  uns  nicht  befunden,

'  Am  21./31.  Mai  richten  die  neuburgischen  Gesandten  Hugolt  Beer  und
Silbermann  an  den  Kaiser  das  Ersuchen  :  derselbe  möge,  falls  er  Bedenken
hätte,  sich  auf  die  wiederholten  Bitten  ihres  Herrn  wegen  Anerkennung  der
rechtmässigen  Administration  desselben  zu  erklären,  sich  bei  bevorstehenden
Kurfürstentag  durch  seine  Kommissarien  aufs  beste  interponieren,  damit
Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  bei  dem  erhalten  werde,  was  die  goldene  Bulle,
deren  Deklarationen,  Erbverträge  und  Herkommen  bestimmen  (Drs.,  a.  a  0.
f.  141;  Kopie).
        <pb n="535" />
        215.  1611  513

mit  was  fuegen  sie  uns  abgefordert  werden  könte,  als  theten  wir
gleichfals  begehren,  dass  auch  sonderlich  dieses  puncts  halber  JJ.  LL.,
wessen  wir  uns  hierauf,  da  uns  solches  ferner  angemuthet  oder  auch
sonsten  noch  ferner  solche  handlung,  so  mit  unserer  kaiserlichen,
auch  des  reichs  reputation  geschehen  könte,  angeboten  wurde,  resolriren
  solten,  ihr  räthlichs  gutachten  mitteilen  wolten.  12.  Und
wolten  demnach  schliesslich  zu  JJ.  TıL.  uns  versehen,  dass  sie
ambt  und  sonders  unser  hohes  alter,  langwirige  beschwerliche  und
nueheselige  regierung,  grosse  ausgestandene  sorge,  muehe  und  last,
uch  gegenwertige  unsere  betrangnuss  cousideriren  und  uns  nicht
erlassen  noch  durch  widrige  scheininformationes  von  uns  auszusezen
ınd  JJ.  LL.  bis  daher  gespurtes  standhaftiges  gemüeth  zu  abalieniren
jich  bewegen  lassen,  sondern  bei  ihrer  bisdahero  gespurten  teutschen
wfrichtigen  treu  bestendig  zu  verbarren  und  verbleiben  und  uns  nicht
Mlf-  noch  rathlos  lassen  sondern  auch  hierunter  des  heil.  röm.  reichs
ıochheit  und  dignitet,  das  löbliche  churfurstliche  collegium,  der
hrlichen  teutschen  nation  authoritet,  auch  JJ.  LL.  und  aller
tände  des  heil.  röm.  reichs  privatinteresse,  dieweil,  wan  solche  und
lergleichen  process,  so  man  mit  uns  zu  unterschiedlichen  malen  zur
and  genommen,  auch  die  vorgewesene  uniones  und  stetige  armirung
ter  lande  und  underthanen  zu  einer  consequenz  sich  weiters  verstrecken
olten,  [sie]  gar  leichtlich  einen  allgemeinen  aufstand  im  röm.  reich
rwecken  und  dadurch  nicht  allein  gehorsamb  und  respect  der  unterhanen
  gegen  ihre  ordentliche  obrigkeit  aufheben”  und  ein  ende
nachen  und  den  statum  des  röm.  reichs  ganz  und  gar  umbkehren
ınd  genzlich  exstipiren  wurde,  reiflich  bedenken  und  wie  solchem
llem  zu  begegnen,  auf  notturftige  mitttel  verdacht  sein  wolten.“
JInsere  Gesandten  haben  uns  den  Bescheid  zu  berichten  und  zu
‚chten,  dass  alles  gebeim  bleibe.  Datum  Prag  den  .  .  juli!  a.  1611.
Dres.,  I.  7387,  3.  Buch  Kurfürstentags,  f  122;  Kopie.

'  Vom  30.  Mai  ist  ein  kaiserliches  Schreiben  an  Kursachsen  datiert
Drs.,  a.a.0.,  f.  121;  Or.),  mit  dem  obiger  Entwurf  der  Instruktion  mit  der
jitte  nach  Dresden  geschickt  wird,  ein  (Gutachten  darüber  zu  erteilen
nd  es  an  den  Herzog  von  Braunschweig  zu  schicken.  Dieser  war  der  Verasser
  des  Entwurfs,  wie  er  vertraulich  dem  kurpfälzischen  Gesandten  Colli
nitteilte  (Colli  an  den  Administrator  der  Kurpfalz  am  18./28.  Juni;  Mb,.,
01/4;  —  Or.  eigh.).  —  Die  Vordatierung  des  Entwurfs  auf  den  Juli  ist  nicht
uffallend,  wol  aber  dass  man  im  Entwurf  sich  auf  das  neuburgische
{emorial  bezieht,  das  erst  am  31.  Mai  eingereicht  wurde;  vermutlich  ist
ler  betreffende  Passus  erst  nachträglich  in  den  Entwurf  aufgenommen  worden;
las  Begleitschreiben  vom  30.  Mai  blieb  unverändert  liegen,  während  man
en  erweiterten  Entwurf  umschrieb.  Ich  glaube  bei  der  angenommenen
Jatierung  [zu  Mai  30.)  um  so  mehr  bleiben  zu  dürfen  als  schon  am  1./11.  Juni
er  Kurfürst  von  Sachsen  dem  Kaiser  antwortet,  er  finde  an  dem  Entwurf
ichts  zu  verbessern,  wie  ihm  ja  solches  auch  nicht  gebühren  würde;  er
rerde  beim  Kurlfirstentag  alles  befördern,  was  Kaiser  und  Reich  zu  Wolstand
ereiche  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  142;  Kpt.  von  Schönberg).  Am  gleichen  Tag
chreibt  der  Kurfürst  an  Braunschweig,  der  Herzog  möge  achten,  dass  die
ache  auch  am  kaiserlichen  Hof  geheim  bleibe;  die  Kopie  des  Entwurfs  habe
r  „Gefahr  halber“  behalten  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  144;  Kpt.  von  Schönberg),

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  33

[Zu
Mai  30.)
        <pb n="536" />
        Mai  31.

514  1611  216.

216.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

Am  28.  Mai  kam  ich  nach  kurzem  Aufenthalt  in  Luxembursr
nach  Trier  und  hatte  am  29.  Audienz  beim  Kurfürsten.  Dessen
Bescheid  lautete:  Es  sei  die  höchste  Notdurft,  dass  die  Einigkat
zwischen  Rudolf  und  Matthias  hergestellt  werde  und  deshalb  sowcl
als  auch  um  die  Königwahl  vorzubereiten,  solle  der  Kurfürstentag
stattfinden.  Inzwischen  habe  der  Kaiser  sämtliche  Kurfürsten  um  Hilfe
angerufen,  weshalb  auch  Kurtrier  seinen  Landhofmeister  Zant  nach  Prag
abgeordnet  habe;  doch  sei  dieser  zurückgekehrt,!  als  er  zu  Aschaffenburg
vernahm,  „das  die  säxische  und  mainzische  gesanten,  weil  man  ihnen
keinen  zutritt  zum  kaiser  [gegönnt]  sonder  fast  schimpf-  und  spottlich  ohne
ainige  verrichtung  dort  liegen  lassen,  wider  von  Prag  abgezogen“
seien.  Der  Kaiser  werde  so  genau  bewacht,  dass  keiner  seiner  Räte,
Sekretäre  und  Diener  Zutritt  zu  ihm  erhalte.  —  Ueber  des  Königs  Matthias
Vorgehen  und  Aussichten  hat  sich  der  Kurfürst  von  Trier  ganz  wie  der  von
Köln  geäussert  und  ebenfalls  gesagt,  dass  man  geneigt  sei,  E.  fl.  D.
zu  wählen.  Ich  glaube,  dass  auch  der  Kurfürst  von  Sachsen  derselben
Gesinnung  ist  und  bitte  also  um  Weisung,  wie  ich  mich  deshalb
verhalten  solle.

„I.  chfl.  Gn.  berichten  mich  auch  in  hohem  vertrauen,  das  fürs
Christian  zu  Anhalt  zwischen  den  stenden  in  Behem  und  Staden  is
Holland  practizire  und  tractire,  dass  sie  ihnen  im  nothfal  assisten:
leisten  sollen.?  _Churbrandenburg  soll  auch  wider  I.  ksL  M.'  sein.
das  also  die  sachen  sich  der  örter  noch  selzam  anlassen.  Sonst  bafind
ich  diesen  churfursten  zu  E.  fl.  D.'  und  hauss  Oesterreich  sehr  wohl
und  aufrichtig  geaffectionirt.  I,  chfl.  Gn.  beklageten  zum  högsten,  dass
sie  bei  I.  kgl.  M.'  [Spanien]  und  anderen  in  den  verdacht  geraten,  als  ob
sie  mehr  zu  Frankreich  als  das  haus  Oesterreich  inclinireten  und  das  aus
ursachen,  weil  dem  könig  von  Frankreich  sie  gratuliren  lassen,  als  sie  zum
churfürstlichen  stand  erwehlet  worden  und  sie  ihre  gesanten  zum  könig  von
Frankreich  geschickt,  als  er  zu  Metz  ankommen,  auch  weil  sie  titulum
archicancellarii  per  Galliam  führeten  und  was  der  sachen  mehr  sein:
drauf  der  churfürst  zum  höchsten  beteuret,  das  er  nie  andre  gedanken,
das  successionswerk  im  reich  belangend,  als  auf  haus  Oesterreich
gemacht;“  E.  fl.  D.‘  möchten  nichts  ungleiches  von  ihm  glauben  und
ihn  beim  König  von  Spanien  entschuldigen.  Er  hat  mir  unter
anderm  auch  gesagt,  ‚‚das  sie  in  ihrem  consilio  rathsam  befunden,
das  wol  guet  und  nötig  were,  das  der  könig  von  Spanien  und  alle
erzherzogen  durch  eine  ansehnliche  legation  den  convent  der
samptlichen  churfursten  besuchen  und  was  zu  widerbringung  de
hauses  Oesterreich  authoritet  und  restitution  ihrer  reputation  in  den
erbländern  dienlich,  mit  den  vertrautesten  berathschlagen  liessen.“
Trier  den  31.  mai  1611.

Bres.,  Secret.  d’Allem.,  no.  96,  f.  713  eigh.  Or.,  tellweise  in  Ziffern.

!  Vgl.  no.  159,  S.  393,  Anm.  1.

?  Anspielung  auf  die  Sendung  Dordts;  vgl.  oben  no.  173,  188  mit
Anm.  2  auf  S.  452  und  no.  194.
        <pb n="537" />
        217.  1611  515

3217.  Reichard  von  Starhemberg  an  König  Matthias.

E.  kgl.M.‘  werden  den  Verlauf  meiner  Verrichtung  im  Reich  aus  meinem
schriftlichen  Bericht!  entnommen  haben.  Der  mitgegebenen  Nebenmemorial
  habe  ich  ebenso  wie  der  Hauptinstruktion  nachgelebt  und  habe
wegen  Dero  Praetension  zur  römischen  Krone  bei  allen  Fürsten,
bei  denen  ich  war,  mein  Aeusserstes  mit  der  Vorstellung,  dass  des  Reiches
Notdurft  es  also  erfordere,  und  mit  Empfehlung  von  E.  M.*  Person
zetan.  Ich  kann  darauf  berichten  („ist  anderst  der  teutschen  nation
ım  hertzen,  was  sie  im  mund  haben,  wie  ihs  bei  ihr  viln  dafür
ıalte),  das  hierzu  gegen  E.  kgl.  M.*  ich  grosse  affection  verspürt,  der
ı0ffnung,  es  wurden  dardurch  vilerlei  beschwerungen  und  gravamina  im
reich  abgestellt  werden.“  Zwar  steht  diese  Sache  eigentlich  bei  den  Kurfürsten,
  aber  die  Gunst  der  anderen  Fürsten,  die  mit  den  Kurfürsten
rerwandt  sind  oder  korrespondieren,  kann  nur  förderlich  sein.  Ich
habe  daher  jeden  Fürsten  absonderlich  und  auch  einige  Räte  ersucht,
ich  hierin  ihres  guten  Willens  gegen  E,  kgl.  M.'  zu  erklären.
Darauf  habe  ich  beiliegende  Handschreiben  erhalten,  dazu  noch
weitere  mündliche  Erklärungen  und  Erbieten  von  Württemberg,  Baden,
‚om  Administrator  der  Kurpfalz  und  Landgraf  Ludwig  von  Hessen,
lien  ich  ersuchte,  auch  bei  Mainz  und  Sachsen  gute  Dienste  zu  tun.
(ch  verspreche  mir  zwar  vom  Landgrafen  weniger  als  von  jedem  anderen?,
la  er  einer  der  Fürsten  war,  die  im  vorigen  Jahre  der  prager  Traktation
yigewohnt  hatten,  diese  Handlung  auch,  wie  ich  berichtet  werde,  wegen
jeiner  Privatpraetensionen,  die  er  am  kaiserlichen  Hof  hat,  urgiert
ıaben  soll;  aber  es  ist  bisweilen  gut,  auch  gegen  also  Gesinnte
Vertrauen  zu  heucheln  und  sie  dadurch  zu  gewinnen.  —  Landgraf
Moriz  hat  sich  erboten,  wenn  E.  kgl.  M.'  ihm  eine  Kommission  an
Sachsen  auftragen,  dabei  sein  bestes  zu  tun  (wie  ich  E.  kgl.  M.*  von
Amberg  aus  am  18.  Mai  geschrieben  habe);  er  hat  mir  auch  beohlen,
  E.  kgl.  M.!  anzuzeigen,  er  wünsche  dasselbe  Glück  wie  sein
Vater  Landgraf  Wilhelm  zu  haben,  der  als  erster  E.  kgl.  M.*  Vater,
{aiser  Maximilian,  die  Botschaft  von  seiner  Wahl  zur  römischen  Krone
iberbracht  hat.  —  Markgraf  Joachim  Ernst  ist  E.  kgl.  M.'  ebenfalls  ver-Junden,
  ebenso  Christian  von  Anhalt,  der  neben  seinem  Handschreiben
fehlt]  noch  mündlich  vermeldete,  er  sei  zwar  für  seine  Person  zu  gering,
i.kgl.  M.'  in  einer  Sache,  die  die  Kurfürsten  angehe,  zu  empfehlen;  er
volleaber  immer  ein  guter  Patriot  sein  und  gern  alles  tun,  was  zu  Dero
Aufnehmen  dienen  mag.  —  Auch  mit  den  fürstlichen  Räten  habe  ich,  jedoch
sanz  geheim,  von  diesen  Sachen  geredet  und  haben  mir  von  den  Kur-‚älzern
  der  Grosshofmeister  Johann  Albrecht  von  Solms  und  der  Kanzler  von
lerGrün,  dann  der  württembergische  Landhofmeister  Eberhard  Schenk  zu

ı  Dieser  Bericht  fehlt;  er  wird  sich  auf  die  Hauptwerbung  wegen  der
Iilfeleistung  gegen  die  Passauer  bezogen  haben;  der  vorliegende  Bericht
st  die  Niederschrift  einer  mündlichen  Relation.

?  Vgl.  no.  166  mit  Anm.  3  auf  S.  406.

33*

[Mai
Ende.)
        <pb n="538" />
        Mai
de.]

516  1611  27

Limburg,  dann  Hans  Joachim  von  Grünthal  und  Oberst  Fuchs  Schreiben
an  E.  kgl.  M.'  mitgegeben.  —  Alle  Fürsten  haben  mich  um  Geheimhaltung
der  Handschreiben  ersucht.  Alle  gedachten  auch  Ihrer  Verheiratung
und  als  ich  vorbrachte,  was  deswegen  das  Nebenmemorial  enthielt,  fand
ich  dagegen  kein  Bedenken.  Mit  dem  hiesigen  Regiment  ware
Fürsten  und  Räte  sehr  unzufrieden,  besonders  richtet  sich  die  Abneigung
  gegen  Hannewald  und  Hegenmüller.  E.  kgl.  M.'  werden
daher  zu  sorgen  haben,  dass  diese  nicht  wieder  in  ihre  vorigen
Stellen  kommen,  wobei  Sie  sich  durch  Färbitten  nicht  irre
machen  lassen  dürfen;  dagegen  haben  Fürsten  und  Räte  gebilligt.
dass  E.  kgl.  M.‘  Ihre  und  Ihrer  Länder  Versicherung  suchen.  Ich
babe  ihnen  nicht  verschwiegen,  dass  E.  kgl.  M.*  die  böhmische  Krone
aufsetzen  und  auch  die  andern  Mittel  an  die  Hand  nehmen  werden.  --Nach
  der  Andeutung  des  Markgrafen  von  Ansbach  möchten  einige
Kurfürsten  und  Fürsten,  katholisch  und  evangelische,  werben.
wozu  besonders  Sachsen  treibt,  um  sich  dann  gerüstet  zwischen
den  Kaiser  und  E.  kgl.  M.‘  zu  legen,  doch  mehr  zur  Erhaltung
der  Reputation  des  Reiches  und  damit  es  nicht  aussehe,  als  hätte
man  die  römische  Krone  mit  Gewalt  erobert  denn  um  E.  kgl.  €
zuwider  sein;  die  Fürsten  wollen  dabei  den  Kaiser  auch  bewogen,
dass  er  E.  kgl.  M.'  zur  römischen  Krone  benenne.  Wenn  aber  wider
Verhoffen  Sachsen  oder  die  Katholischen  die  Rüstungen  gegen  E.  kl.
M.'  kehren  wollten,  so  würden  die  unierten  Fürsten  nicht  darein
willigen.  Gegen  den  Herzog  von  Braunschweig  habe  ich  fast  alle  diese
Fürsten  ausser  Landgraf  Ludwig  (der  bisher  mit  ihm  stark  korrespondierte)
wenig  geneigt  gefunden,  noch  weniger  billigen  sie  sein  Verfahren  im
vorigen  und  diesen  Jahr.  —  Wegen  der  Titulierung  Pfalz-Neuburgs
habe  ich  E.  kgl.  M.‘  mein  Gutachten  von  Nürnberg  und  Heidelberz
aus  zugeschrieben  und  habe  auch  noch  Württemberg  und  Ansbach  als
interponierende  Fürsten  deswegen  zu  Rate  gezogen,  die  es  sehr  billigten.
dass  der  Titel  des  Administrators  nur  dem  possedierenden  Administrator  ge
geben  werde.  Weil  ich  aber  deswegen  mit  schlechter  Satisfaktion  nach  und
von  Neuburg  gekommen  wäre,  auch  E.  kgl.  M.'  mehr  an  dem  einen  als  den
andern  Ort  gelegen  ist  und  die  Unierten  zu  Herzog  Johann  neigen,  so  habe
ich  die  mir  aufgetragene  Mitteilung  durch  den  Markgrafen  von  Ansbach  an
Neuburg  richten  lassen.  E.  kgl.  M.'  werden  darauf  bedacht  sein,  dass  bis  zum
Austrag  des  Administrationsstreits  dieser  „stilus‘  beibehalten  werde,
denn  man  kann  einmal  ohne  Offension  des  vornehmeren  Teils  hierin  niebt
Neutralität  halten.  —  E.  kgl.  M.'  werden  wol  tun,  durch  vertrauliche  Mit
teilungen  die  Korrespondenz  mit  Ansbach,  Hessen,  Anhalt  u.a.  zu  ehalten
  und  zu  berichten,  wie  der  Akkord  mit  den  Passauern  geschloswn
wurde  und  ob  die  Führer  pardonniert  worden  sind.  Ks  hätten
E.  kgl.  M!  auch  wol  daran  getan,  des  Ausbachers  Erbieten  wegen
seiner  Reiterkompagnie  anzunehmen,  wenn  schon  nicht  wegen  der
Grösse  der  Hilfe,  so  doch,  um  dem  Markgrafen  und  dessen  Hav:
den  Argwohn  zu  benehmen  als  traue  man  ihm  nicht.  Solche
        <pb n="539" />
        217—218.  1611  517

Mistrauen  sollen  E.  kgl.  M.*  bei  den  deutschen  Kurfürsten  und
Fürsten  als  schädlich  möglichst  verhäten,  wie  überhaupt  ein
deutscher  Kaiser  oder  König  zur  Erreichung  seiner  Absichten  in
allen  Fällen  bei  der  deutschen  Nation  nichts  besseres  tun  kann  als
Vertrauen  zu  zeigen.  Wenn  es  E.  kgl.  M.'  möglich  wäre,  den
Markgrafen  auf  einen  Postritt  hieher  zu  berufen,  —  was  er  m.E.  nicht
abschlagen  würde,  —  und  sich  mit  ihm  vertraulich  zu  unterreden,  wie
E.  kgl.M.'  bei  künftiger  Tagung  der  Unierten  Ihre  „Notdurft‘“  bei  ihnen
anbringen  könnten,  so  würde  dies  Dero  Vorhaben  sehr  fördern.!  Der
Markgraf  ist  bei  den  unierten  Fürsten  und  auch  bei  Sachsen  sehr
angesehen,  hat  hohe  Verwandtschaft,  ist  ein  guter  Soldat,  verständig
und  begünstigt  öffentlich  Dero  Praetensionen.  O.  D.?
wi,  L  A.  1.  Ka.  2990;  Or.  eigh.

218.  Aussage  des  kaiserlichen,  Alchimisten
Dr.  Christoph  Hauser.’

„Ich  hab  mich  zu  erinnern,  dass  ich  neben  andern  dergleichen
büchern  in  I.  ksl.  M.'  buch  einem,  dessen  namen  Picatrix,  darinnen
von  allerlei  künsten  zum  bösen  und  gutem  collectanea,  gefunden  und
unter  anderm  gelesen  einen  modum  und  weg,  wie  man  einem  menschen
schaden  zufügen,  ja  auch  gar  umb  das  leben  bringen  möge;  welches
von  I.  M.  eigenen  handen  ich  selbst  empfangen  und  auch  selbst  in
ihre  band  wiederumb  zugestellet.  Erst  über  eine  zeit  hernach  fordern
L  M.  mich,  wie  man  möchte  etwas  bekommen,  dass  der  Matthias
angetragen  (also  sind  ohngefehrlich  die  verba  formalia  ergangen),
welches  mir  gleichsam  unmüglich  fürkommen  und  gesagt:  ich  weiss
nicht.  Ist  wieder  etlich  zeit  verloffen,  hernacher  fordern  sie  mich
wiederumb  und  reden  davon,  ob  ich  irgend  ein  mensch  könte  bekommen,
das  bei  der  leibwäscherin  dienet  und,  wan  sie  etwas  hette,  davon
gieng,  mit  vermelden,  dann  da  ich  soll  selbst  reisen  und  solte  offenbar

'  Am  en  nn  zeigt  der  Markgraf  dem  König  die  Ausschreibung  des

Unions  nach  Rotenburg  a.  T.  an  (Be.,  Rep.  88,  Unionsacta,  tom.  XXII.,
f.  7;  t.).
P  os  Mai  .  .  .  .

?  Am  A  Ja  berichten  die  neuburgischen  Gesandten  ihrem  Herm:
Losenstein  habe  ihnen  mitgeteilt,  dass  vorgestern  Starhembergs  Bericht  eingelaufen
  sei;  daraus  ergebe  sich,  dass  die  ausgesprengten  Zeitungen  von
einer  Hilfeleistung  der  Kurpfalz  und  Kurbrandenburgs  zu  gunsten  des  Kaisers
und  von  deren  Unzufriedenheit  mit  dem  König  grundlos  seien  (Me.,  Neuburger
  Archiv,  Jülich-Berg,  Fasz.  24,6;  Kpt.  von  Silbermann).

®  Wegen  der  Persönlichkeit  Hausers  vgl.  no.  131,  8.  316,  Anm.  2  und
Gindely,  Rudolf  UI.  und  seine  Zeit,  IL,  8.  256.  —  Am  19.  April  berichtet
  Pfretzschner  an  Schönberg:  „Dr.  Hauser,  kaiserlicher  medicus
titulotenus,  ist  auch  albereit  zu  zweien  malen  gefoltert  worden,  sed  vetat
maiestas  et  religio,  quicquam  de  confessione  ipsius  perscribere“  (Dra.,  1.  9167,
II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  138;  Or.  eigh.).

[Mai
Ende.)

[Mai
Ende.]
        <pb n="540" />
        [Mai
Ende.]

518  1611  218.

werden,  könten  sie  mich  nicht  schützen.  Auf  welches  ich  noch  mehr
bedenken  geschöpfet  und  gesprochen:  ich  will  mich  bedenken;  ha
mich  hin  und  wieder  bedacht  und  da  ich  jemals  gewilliget  oder  hett
wollen  zu  diesem  facto  helfen,  wolte  ich  wol  leute  gefunden  haber.
die  umb  das  gelt  (des  ich  nit  hette  sparen  durfen)  solches  gethas:
dann  an  dergleichen  bösen  leuten  würde  es  nit  gemangelt  haben,  di
ich  mein  gemüt  dazu  hette  setzen  wollen,  welches  ich  auch  umt
das  gewissen  und  meiner  seelen  seeligkeit  willen  nit  gethan.  Tm
ist  wieder  die  sach  verschoben  worden.

Weil  aber  ich  sein  gemüt,  begierd  und  willen  gewust,  danebes
seinen  zorn  und  ungnade  gefürcht,  bin  ich  doch  von  der  zeit  an  ır
denen  gedanken  umbgangen,  wie  und  auf  was  mittel  und  wege  xt
möge  den  kaiser  zufrieden  halten,  dass  gleichwol  kein  schade  erfolge
Ist  auch  niemals  mein  gemüt,  will  und  sinn  gewesen,  solches  halfeı
zu  effectuiren  dem  könig  zu  schaden  und  nachteil;  darauf  will  ic
leben  und  sterben  und  bei  meiner  seeligkeit  bezeugen.

Ist  also  verblieben,  bis  I.  M.‘  mich  selbst  zu  verschicka
entschlossen,  wie  ich  dann  gestern  schriftlich  referirt,  dabei  ick
beruhen  lasse.  Allein  dieses  noch  zu  melden,  dass  ich  umb  met
gelt  ein  niederlendische  leinwath  gekauft,  das  allein  in  der  meinum
und  intention,  wann  je  der  kaiser  von  mir  nit  wolte  nachlassen  (wit
dann  nach  meiner  wiederkunft  vielmals  geschehen  und  gefragt  worden,
ob  ich  noch  nichts  bekommen),  ich  davon  ein  facilet  machen  lassen  (wie
mein  weib  weiss),  ich  ihms  geben  könt  in  bedenken,  I.  M.!  fanger
damit  an,  was  sie  wollen,  mag  es  doch  dem  könige  nit  schaden  unl
[hab]  dieses  böse  factum  durch  den  weg  verhüten  wollen  und  bei  mir
vermeint,  auch  geschlossen:  es  sei  besser,  ein  solchen  weg  zu
gebrauchen  als  dass  dem  könig  was  böses  wider  Gottes  gebot  uni
christliche  liebe  widerfahre;  dann  ich  oftmals  genugsam  aus  allerlei
circumstantiis  conjecturirt  und  abgenommen,  dass  I.  ksl.  M.!  gemät
und  affection  alzeit  wider  den  könig;  dann  mir  nit  wissend,  das
einmal  I.  M.'  den  könig  einen  brudern  oder  könig  gegen  mir  genenne
hette,  will  auch  forthin  nit  gern  glauben,  dass  des  kaisers  gemüt
oder  herz  nisi  singulariı  et  divino  miraculo  sein  lebenlang  möcht
zum  könig  sezon  oder  von  herzen  vereinigen  sondern  mittel.  sucher.
verfolgung  anzurichten.

Wie  mir  dieser  dienst  alhie  verdriesslich,  schwer  und  schmerzlich
furkommen  sei,  weiss  niemand  besser  als  Gott  in  himmel,  dem  ichs
klage.  Es  werden  auch  die  zeugen,  so  mit  mir  zum  theil  kuntschaft
gehabt  haben,  wie  gern  ich  mich  zu  meiner  facultet  wiederunt
begeben  hette,  die  ich  alhie  also  spöttlich  durch  den  kaiserliche:
dienst  auf  ein  seit  setzen  müssen.  Und  da  mir  auch  Gott  der  all
mechtige  und  die  königliche  M.'  aus  dieser  höchsten  betrübniss,  kummer
und  schmerzen  helfen  werden,  ich  in  das  kaiserliche  schloss  niemal:
mehr  begehr,  so  lang  I.  ksl.  M.*  darin  regieren,  sondern  mit  we
und  kind  mich  in  eine  reichsstadt  oder  ander  ehrlich  ort  begeben  [will
        <pb n="541" />
        218  —219.  1611  619

da  ich  meine  nahrung,  als  zuvor  in  Regenspurg  geschehen  (wie  mein
kuntschaft  zeuget),  haben  und  erwerben  kann.  Dann  ich  wol  weiss,
wie  I.  ksl.  M.'  mich  verfolgen  werden  und  habe  jeziger  zeit  kein
andern  trost,  schutz  oder  schirm  zu  suchen  nechst  Gott  als  zu  der
in  Hungern  kgl.  M.‘,  deren  ich  mich  allerunterthenigst,  demütigst
und  treugehorsamst  befehlen  thu.!  Neben  hochflehenlicher  bitt,  I,  kgl.
M:  wollen  mich  zu  dero  königlichen  gnad,  schutz  und  schirm  auf
und  annehmen  und  meine  verstrickung  allergnedigst  ringern.

Christoph  Hauser,  armer  hochbetrübter  gefangner.‘‘
Drs.,  1.  7387;  IL  Buch  Kurfürstentags,  f.  275;  Kopie!

219.  Kaiser  Rudolf  I.  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Ich  habe  für  nötig  befunden,  dass  bei  diesen  gefährlichen  und
mir  so  beschwerlichen  Läufen  ehestens  ein  Kurfürstentag
abgehalten  werde.  Ich  wollte  E.  L.  eben  daran  erinnern,  „als  ich
vernahm,  dass  ein  solcher  bereits  auf  den  17.  Juli  ausgeschrieben
worden  sei.®  Dies  ist  mir  sehr  lieb  und  bitte  ich  E.  L.,,  daran  zu
sein,  dass  der  Tag  gewiss  seinen  Fortgang  nimmt  und  die  Kurfürsten
persönlich  erscheinen.  Ich  werde  dazu  eine  Gesandtschaft  abordnen
und  proponieren  lassen:  1.  wie  das  kurfärstliche  Kolleg  wieder
ergänzt  und  vereinigt,  2.  wie  mein  Regiment  tauglich  wieder  ersetzt
und  verbessert,  3.  wie  der  jüngste  Reichstag  reassumiert  oder  ein
neuer  ausgeschrieben  werden  könnte,  „‚‚auch  schliesslich  andere
mehrere  sachen,  so  meine  gesandte  auzudeuten  in  bevelch  werden
haben.“  Datum  Prag  den  1.  junii  a.  1611.  —  Praes.  Aschaflenburg
13.  junii  1611?

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  408;  Or.5

ı  Wirklich  berichtet  ein  kursächeischer  Agent  im  September  1611
aus  Prag:  Hauser  und  der  wegen  des  Verdachts  der  Magie  verhaftete
Pfaffe  [Praetorius]  sind  freigelassen  worden;  ersterer  muss  binnen  24  Stunden
Prag  und  binnen  acht  Tagen  Böhmen  verlassen,  der  Kaiser  stellte  ihm
wegen  der  falschen  Beschuldigungen  nach  und  wollte  ihn  nochmals  foltern
lassen,  doch  Hauser  entwich  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  257;  Or.).  Ebenso  berichten
die  neuburgischen  Gesandten  am  7./17.  September  an  ihren  Herrn:  Hauser
sei  dieser  Tage  entlassen  und  aus  Böhmen  verwiesen  worden;  er  begebe
sich  nach  Regensburg,  um  das  gegen  ihn  gebrauchte  Verfahren  zu  publizieren
(Me.,  no.  86/5;  Kopie).

?  Der  königliche  Hofmarschall  Wolf  Sigmund  von  Losenstein  empfiehlt
am  7.  Juni  den  kaiserlichen  Kammerdiener  Christoph  Kühbach  (vgl.  no.  131,
8.  316,  Anm.  2)  an  Erzherzog  Maximilian  mit  dem,  dass  Kühbach  von
Christoph  Hausers  gütlichen  und  peinlichen  Aussagen  Mitteilung  machen
könne.  Auf  Begehren  wolle  er,  Losenstein,  dem  Erzberzog  auch  Hausers
schriftliches  Bekenntnis  in  höchstem  Geheimnis  mitteilen,  das  sonst  aus
erheblichen  Gründen  niemandem  gezeigt  werde  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven
vom  Juli  1611,  no.  5;  Or.  eigh.).
f  ®  Die  kurmainzische  Anzeige  war  vom  12.  Mai;  vgl.  no.  162,  S.  398,
om.  1.
.   *  Obiges  Schreiben  wird  noch  am  13.  Juni  den  andern  Kurfürsten
mitgeteilt.  Gleichzeitig  lief  ein  zweites  kaiserliche  Schreiben  unter  dem  grossen
Siegel  ein,  worin  nur  das  Erscheinen  einer  kaiserlichen  Gesandtschaft  beim
Kurfürstentag  mitgateilt  wird  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  58;  Or.).

®  Der  Kurfürst  antwortete  am  17.  Juni:  es  werde  von  des  Kaisers
Abordnung  zum  Kurfürstentag  von  einigen  Personen  bereits  allerlei

[Mai
de.)

Juni  1.
        <pb n="542" />
        Juni  3.

520  1611  220

3220.  Kanzler  Faust  an  den  Kurfürsten  von  Mainı.

Mir  sind  heute  zwei  würzburgische  Schreiben  zur  Begutachtung
zugestellt  worden,  das  eine  wegen  der  Partikulardefension,'  das  ander
wegen  Ausschreibung  eines  fränkischen  Kreistags  durch  Marken!
Christian  von  Brandenburg.

Wegen  der  Partikulardefension  weiss  ich  wol,  was  deswegen  vor
Würzburg  und  Bamberg  im  vorigen  Jahr  nach  Prag  geschrieben,  auch  wa:
jüngst  zu  Würzburg  bestimmt  und  an  Kurtrier,  Bamberg  und  Würzburg
mitgeteilt  worden  ist.  Ich  habe  aber  dagegen  einige  Bedenken,  von  denen
das  erste  auch  der  Bischof  von  Würzburg  selbst  anzieht,  dass  nämlich
1.  schon  die  „gemeine‘‘  Union  ein  Stattliches  erfordert,  Kurfürsten  und
Fürsten  sich  allenthalben  beschwert  finden,  jeder  über  die  Schwierigkei:
klagt,  die  Mittel  herbeizuschaffen,  und  niemand  sich  gern  noch  mehr
beladen  wird.  2.  Der  würzburger  Abschied  bat  ferner  auf  mick
den  Eindruck  gemacht,  als  ob  die  Oberländer  solche  Partikulardefension
nicht  ganz  ohne  ihren  Vorteil  bedacht  bätten;  denn  ich  habe  wiederhelt
von  Donnersberg  gehört,  dass  es  Baiern  fast  unmöglich  fallen  würde,
den  rheinischen  Ständen  mit  oben  geworbenem  Volk  beizusteben.,
da  man  es  nicht  durch  die  dazwischen  liegenden  Landschaften
bringen  könne.  Das  hat  sich  wol  auch  bisher  gezeigt,  indem  keirz
Pfennig  aus  der  obern  Kasse  den  Rheinischen  zu  guten  gekommen  is
und  diese  die  Last  allein  haben  tragen  müssen;  Gott  gebe,  dass  mar
die  Notdurft  unter  den  rheinischen  Ständen  aufbringt;  aber,  wie  ich
höre,  bequemt  man  sich  dazu  noch  wenig,  „den  vorigen  last  abzudruckei
und  den  angestandenen  rest  richtig  zu  machen.“  Der  vorgeschlagene
Privatverein  würde  auch  nur  aus  geistlichen  Ständen  bestehen  umi
dabei  sind  einige  Domkapitel  mit  ihren  Herrn  noch  wegen  der  voriger
Hilfe  uneins,  so  dass  ni.ht  zu  sehen  ist,  wie  zu  fernerer  Kontribution
die  Mittel  beschaffen  werden  sollen.  83.  Würzburg  erwähnt  in  dieses
Schreiben  mit  keiner  Silbe,  was  er  und  Bamberg  vordem  wegen  solcher
Partikularvereinigung  von  E.  kfi.  Gn.  begehrt  haben,  vielleicht  weil  «
jetzt  der  damaligen  Beschwerungen  ledig  ist,  „und  wie  sie  [  Würzburgs
fl.  Gn.]  ohn  zweifel  damals  in  irem  intent,  wie  nemblich  solche
hülf  zu  dirigirn,  genugsaın  resolvirt  gewesen,  so  stellen  sie  doch  itz.
diese  deliberation  uf  E.  chfl.  Gn.  und  der  andern,  an  die  es  gelangt.
sonderbaren  erwegung  und  bedenken,‘  weil  er  (wie  das  andere  Schreiber
zeigt)  jetzt  die  Gefabr  nicht  so  gross  findet.  4.  Die  Erklärung
Triers  und  Bamberg  ist  zweifelbaft,  da  beide  klagen,  dass  sie  durrt

diskuriert;  daher  wolle  er  dem  Kaiser  unmassgeblich  andeuten,  dass  unter
den  Abgesandten  wenigstens  eine  im  Reich  bekannte  und  beliebte  katholische
Person  sein  möge,  mit  der  er  und  seine  geistlichen  Mitkurfürsten  sich
vertraulich  unterreden  könnten;  daneben  könnte  "auch  Landgraf  Ludwx
von  Hessen  als  ein  friedfertiger  und  bei  allen  Ständen  angesehener  Fürst
zugezcgen  werden,  was  des  Kaisers  Absichten  nur  fördern  würde  (Wh,
Reichstagsakten  in  genere,  Fasz.  84b;  —  Or.).
!  Vgl.  no.  187  mit  Anm.  1  auf  S.  450.
        <pb n="543" />
        220—221.  1611  521

die  gemeine  Union  beschwert  seien.  5.  Ein  solcher  Privatverein  kann  auch
nicht  auf  eine  so  erkleckliche  Hilfe  gestellt  werden,  dass  dessen  drei  oder
vier  Stände  einer  besonderen  Not  gewachsen  wären,  zumıl  wenn  der
gemeine  Bund  mit  der  Hilfe  aus  gemeinem  Vorrat  so  lange  zurückhalten
  wollte,  bis  diese  wenigen  Stände  nicht  nur  ihre  verglichene
Hilfe  für  sich  allein  zu  Werk  gerichtet  sondern  auch  den  dazu
gehörigen  „Verlag“  richtig  gemacht  hätten.  6.  Es  ist  auch  zu
bedenken,  ob  diese  wenigen  Stände,  die  sich  so  schnell  zum
Widerstand  anlassen,  nicht  solche  Offension  auf  sich  laden  würden,
dass  sie  dessen  entgelten  müssten,  besonders  wenn  der  gemeine
Bund  nicht  mehr  als  bisher  gestärkt  würde  und  diese  wenigen  Stände
dann  auch  nicht  durch  ihn  gerettet  werden  könnten.

Dies  alles  macht  mich,  so  lange  nicht  Triers  und  Bambergs  Erklärungen
vorliegen,  zweifelbaft,  welchen  Nutzen  eine  solche  engere  Verfassung  gewähren
  könnte.  Wenn  aber  die  andern  Stände,  die  darum  ersucht  wurden,
sich  ohne  Bedenken  dazu  verstehen  und  Mainz  und  Trier  den  nötigen
Beistand  davon  erwarten  dürfen,  so  stelle  ich  es  dahin,  sich  einer  gewissen
Hilfe  mit  Volk  zu  entschliessen,  die  ein  jeder  der  Vereinigten  im
Notfall  dem  Bedrängten  zusenden  könnte  oder  aber  das  Geld  dazu  zu
versichern;  solcher  Sukkurs  wäre  auf  die  in  der  gemeinen  Union
bezeichneten  Fälle  zu  richten,  damit  man  auch  deren  Hilfe  um  so
sicherer  wäre.  Diesmal  wäre  Würzburg  nur  eine  Vorantwort  zu
erteilen,  bis  die  andern  Erklärungen  einlangen;  dann  könnte  eine
Zusammenkunft,  etwa  zu  Aschaffenburg  angestellt  werden,  um  sich
dieses  Privatvereins  zu  vergleichen.  Für  das  ratsamste  halte  ich
aber,  den  Ausgang  des  Kurfürstentags  abzuwarten,  um  den  „Humor“  der
Herren  kennen  zu  lernen,  zu  achten,  wo  das  Wetter  hinausschlagen  will
und  sich  inzwischen  mit  diesem  Partikularverein  nicht  besonders  zu  beeilen.

Das  zweite  Schreiben  beruht  auf  sich,  denn  es  ist  inzwischen
ein  Ausschreiben  zum  Kreistag  im  Namen  beider  ausschreibenden

Fürsten  eingelaufen.  Den  3.  junii  a.  1611.
Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  13,  no.  152;  Or.  eigh.

321.  König  Matthias  an  die  Teilnehmer  des  prager
Konvents  und  an  andere  Fürsten,  jedem  besonders.

Der  Kaiser  wollte  sich  noch  vor  meiner  Krönung  einiger  Artikel
mit  mir  vergleichen,!  verschob  aber  dann  die  Handlung  bis  nach  der
Zeremonie,  obwol  ich  meine  Bereitwilligkeit  zu  verhandeln  erklärt  hatte;  ?
ich  habe  dann  aber  auch  in  die  Verschiebung  gewilligt.  Während  ich
nun  erwartete,  der  Kaiser  werde  nach  der  Krünung  die  Verhandlungen
fortsetzen,  ist  er  von  friedhässigen  Lenten*  überredet  worden,  von  mir
den  Abzug  für  seine  Person  und  sein  Hoflager  mit
rt  Vgl.  no.  194,  S.  462,  Anın.  1.

?  Vgl.  no.  194,  S.  466,  Anm.  1.

®  Damit  ist  natürlich  vor  allem  der  Herzog  von  Braunschweig  gemeint;

vgl.  Hammer-Purgstall,  Khlesis  Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,  no.  360,
317  und  318.

Juni  1.

Juni  4.
        <pb n="544" />
        Juni  4.

522  1611  221.

dem  Vorgeben  zu  begehren,  dass  er  wegen  der  unabgebandelten  Artikel  zu
Regensburg  mit  den  Kurfürsten,  Fürsten  ınd  Befreundeten  weiter  handeln
wolle.!  DiesVorhaben  hat  aber  ein  weites  Aussehen,  zieht  allerlei  Ungelegenheiten
  nach  sich  und  gibt  zum  Argwohn  Anlass  als  hätte  ich  den  Kaiser
in  diesem  Königreich  nicht  leiden  mögen,  mich  mit  ihm  nicht  vertragen
können,  ihn  nicht  gebührlich  respektieren  und  ihn  allerlei  Ungelegenheiten
zufügen  wollen,  so  dass  er  notgedrungen  zu  dieser  Resolution  habe
greifen  müssen.  Ich  habe  dies  E.  L.  mitteilen  und  dabei  meine
Meinung  deutsch  und  aufrecht  dahin  eröffnen  wollen,  dass  ıch  nie
daran  gedacht  habe,  den  Kaiser  als  den  Aeltosten  dos  Hauses,  der
mir  alle  diese  Königreiche  und  Länder  abgetreten  hat,  übel  zu  halten,
weniger  noch  ihn  aus  diesem  Königreich  zu  vertreiben;  ich  bin  vielmehr
jederzeit  geneigt,  mit  ihm  brüderlich  zu  handeln,  wenn  nur  nicht
friedhässige  Leute  bei  der  Hand  wären,  die  dem  Kaiser  fremde
Gedanken  machen  und  ihn  so  verwirren,  dass  er  zu  keinem  festen
„terminus‘“  kommen  kann.  Als  wirklicher  und  regierender  König  vn
Böhmen  muss  ich  allerdings  tun,  was  mir  von  Amtswegen  bei  jetziger
Beschaffenheit  zu  tun  gebührt,  aber  das  soll  meinerseits  die  Vertraulichkeit
  und  brüderliche  Liebe  nicht  aufhalten.  Wenn  E.  L.  von
diesen  Sachen  ungleicher  Bericht  vorkommt,  so  bitte  ich  Sie,  solchen
Informationen  keinen  Glauben  zu  schenken  sondern  dergleichen  an
mich  gelangen  zu  lassen,  damit  ich  wahrhaften  Gegenbericht  tun
kann.  Ich  versichere  E.  L.,  wenn  der  Kaiser  hier  zu  erhalten  ist,
dass  ich  es  an  mir  nicht  fehlen  lassen  werde;  wenn  aber  bis.
friedhässige  Leute  den  Ausschlag  erteilen,  so  will  ich  wenigstens  dazu
keine  Ursache  gegeben  haben;  vor  allem  aber  will  ich  mich  und
meine  Königreiche  und  Länder  vor  künftigem  Uebel,  das  diese
bösen  Leute  leicht  verursachen  könnten,  gebührlich  versichera,
das  übrige  aber  dem  Kaiser  anheimstellen.  Geben  Prag  den  4.  junii
anno  1611.!

Nachschrift:  Die  verhafteten  kaiserlichen  Räte  sind  nicht  von  mir
sondern  von  den  böhmischen  Ständen  eingezogen  worden.  Ich  bin
eben  daran,  mich  über  die  Beschaffenheit  der  Sache  zu  erkundigen
und  die  Gebühr  geschehen  zu  lassen.?

Wi,  IA  ı,  Ka.  2990;  Kpt.  mit  Verbesserungen  Khiesis.®

!  Ygl.  no.  200,  S.  485,  Anın.  2.

?  Am6.Juni  überschickt  der  König  den  Herrn  Wolf  Sigmund  von  Losenstait.
Hans  Georg  Freiberrn  von  Teufel  und  Ulrich  von  Gersdorf  die  Interrogatorieo
auf  Hannewald  und  dessen  Aussagen;  wegen  verschiedener  Widersprüche  in
diesen  und  weil  Hannewald  da  und  dort  mit  blossem  Vermeinen  antworte  oder
Unwissenheit  vorgebe,  sollen  sie  Hannewald  nochmals  befragen  und  ihn  ermahnen.
rund  auszusagen  und  sich  nicht  durch  andere  Aussagen  und  Indizien  überführen
  zu  lassen;  wenn  er  offen  die  Wahrheit  sage,  wolle  ihn  der  König
der  Haft  entledigen,  „im  widrigen  fall  aber  [sei  der  König]  durch  anders
ernstliche  mittl  auf  den  grund  zu  kommen  entschlossen“.  Darnach  haben
die  Kommissarien  ebenso  das  Verhör  mit  Hegenmüller  gütlich,  „doch  mit
ernstlicher  betroung*  auf  grund  besonderer  Interrogatorien  vorzunehmes
(wi.,  I  Ai,  Ka.  2990;  Kpt.).

®  Von  den  Originalen  dieses  Schreibens  liegen  mir  ausser  denen
an  die  Teilnehmer  des  Konvents  noch  die  an  Württemberg  und  Anhalt
        <pb n="545" />
        222.  1611  523

322,  Melchior  Khlesl  an  den  Kurfürsten  von  Mainz,

ich  habe  von  dem  niederösterreichischen  Regimentsrat  Hans  Georg  Teufel
verstanden,!  dass  E.  kfl.  Gn.  berichtet  seien,  als  wäre  ich  der  „Autor  und
Fautor“  des  Misverstandes  zwischen  dem  Kaiser  und  dem
Könige.  Das  schmerzt  mich  unso  mehr  als  ich  mich  im  vorigen  Jahre
bei  der  wiener  Traktation  doch  ganz  anders  gezeigt  und  E.  kfl.  Gn.
dies  auch  dankend  anerkannt  haben.  Ich  bin  zwar  aus  „ungleicher
Opinion‘  schon  damals  bei  vielen  in  solchem  Verdacht  gewesen,  habe
aber  bewiesen,  dass  mir  Unrecht  geschieht.  Ich  weiss  mich  meines
Berufes  wol  zu  erinnern  und  was  es  für  eine  Sünde  ist,  zwischen
Brüdern,  zumal  so  hohen  Geblütes,  an  deren  Einigkeit  der  Christenheit
und  der  Religion  so  viel  gelegen  ist,  Uneinigkeit  und  Misverstand  zu
nähren.  Es  wäre  mir  daher  umso  unverantwortlicher,  wenn  ich  als
ein  katholischer  Bischof  mich  dieser  Sünde  schuldig  machte  und,
während  ich  andere  deswegen  auf  der  Kanzel  strafte,  mit  so  bösem
Exempel  das  Widerspiel  praktizierte.  Ich  habe  mir  aber  vielmehr  die
Vereinigung  der  Brüder  wie  mein  eigenes  Leben  angelegen  sein
lassen,  arbeite  Tag  und  Nacht  daran  und  suche  alle  Mittel,  zu  ihr  zu
gelangen;  davon  werden  mir  die  Gesandten  hier  und  alle  ehrlichen
Leute  Zeugnis  geben,  ja  Hannewald  selbst,  gegen  dessen  Verhaftung,

vor.  —  Württemberg  erwidert  am  8./18.  Juni  mit  der  Versicherung,  er
werde  die  oben  ausgedrückte  Gesinnung  des  Königs  beim  Unionstag  zu
rübmen  wissen,  worauf  der  König  von  seiten  der  Unierten  gewiss  billige
Satisfaktion  erfahren  werde  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  XIL,  f.  114;  Kpt.).  —
Erzherzog  Ferdinand  weicht  in  seiner  Antwort  vom  21.  Juni  einer  bestimniten
Erklärung  aus,  da  ihm  der  Inhalt  der  unerledigten  Artikel  unbekannt  sei
und  er  von  des  Kaisers  Vorhaben  nur  durch  die  Zeitungen  wisse  ;  er  stelle
daher  alles  an  seinen  Ort  und  bitte  Gott,  den  Widerwärtigkeiten  im  Hause
Oesterreich  ein  Ende  zu  machen,  wozu  ihm  gegenwärtige  Erklärung  des
Königs  das  Beste  hoffen  lasse  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juni  1611,
zu  no.  15;  Kopie).

!  Teufel  schreibt  am  10.  Juni  an  Kurmainz:  er  danke  dem  Kurfürsten
für  die  empfangenen  Gnaden  (vgl.  no.  144),  unter  denen  nicht  die  geringste  sei,
dass  derselbe  ihm  mitgeteilt  habe,  wie  er,  Kurfürst,  berichtet  sei,  dass  Khleal  bei
den  Vergleichsverhandlungen  zwischen  den  Brüdern  sich  sehr  hitzig  erzeige,
ja  den  Verhandlungen  ganz  zuwider  sein  solle.  Er,  Teufel,  habe  Khlesl  (dessen
wolmeinende  Intention  er  kannte)  zunächst  entschuldigt  und  ihn,  Kurfürsten,
gebeten,  solchen  Nachrichten  keinen  Glauben  zuzumessen,  sei  aber  bei  seiner
Rückkehr  der  Sache  noch  weiter  nachgegangen  und  finde  in  Wahrheit
niemanden  am  ganzen  königlichen  Hof,  der  sich  mehr  um  die  Einigung
bemübe  als  Khlesl,  so  dass  dieser  eben  deshalb  bei  den  Ständen  hier  in  Gefahr
sei.  Khlesl  nehme  sich  Hannewalds  und  Hegenmüllers  öffentlich  an,  besuche
sie  und  tue  solche  Dienste,  dass  auch  der  Kaiser  mit  ihm  zufrieden  sein
könne.  Es  sei  schwer  genug,  ihn,  Khlesl,  zum  Bleiben  bei  Hof  zu  bewegen;
die  Katholischen  würden  an  ihm  viel  verlieren,  was  auch  der  Kurfürst  nach
dessen  Abzug  wol  spüren  würde  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,
no.  179;  Or.  eigh.).  —  Ueber  seine  Beliebtheit  im  Reich  täuschte  sich
Khlesl  selbst  keineswegs;  vgl.  den  Vortrag  der  königlichen  Räte  an  König
Matthias  wegen  des  Kurfürstentags  bei  Hammer-Purgstall,  Khleslis  Leben,
II.,  Urkunden-Sammlung,  no.  325.

Juni  4.
        <pb n="546" />
        Juni  4.

Juni  4.

524  1611  222  —  223.

die  ohne  Wissen  und  Willen  des  Königs  erfolgt  ist,  ich  mich  schriftlich
und  mündlich  setzte  und  den  ich  erst  heute  besucht  habe.  „Das  ich  aber
alles,  was  andern  gefallet,  reden,  approbieren  und  recht  haissen  kann,
manglet  am  andern  nichts  dann  das  ich  die  sachen  anderst  nicht
verstehe  als  wie  ichs  rede  und  tractiere,  malitiose  und  pertinaciter
aber  nichts  defondiere  sonder  von  herzen  gern  besser  informiert  zu
werden  begehre.  Und  wolte  Gott,  die  gsandten  alhie  hetten  sich
eiferig  und  unaussetzlich  umb  dieses  werk  importune  et  opportune
angenommen,  herrn  und  knecht  sufficienter  informiert,  so  wolten  wir
weit  einen  bessern  finem  villeicht  erraicht  haben.  Weil  ich  aber  dieselbe
wenig  oder  gar  nicht  gesehen,  bin  ich  von  niemants  bösser  informiert
worden.‘‘  Vermutungen,  Argwohn  und  Diskursen  hat  auch  Christus
nicht  entgehen  können;  aber  das  will  ich  E.  kfl.  Gn.  versichern,  dass
ich  die  Seligkeit,  Beförderung  der  katholischen  Religion,  Aufnehmen
der  Christenheit  und  Erhaltung  des  Hauses  Oesterreich  von  Herzen
begehre.  Gott  hat  jeden  Augenblick  mein  Leben  und  sein  Urteil
in  der  Hand;  der  weiss,  dass  ich  ein  Mensch  bin  und  irren  kans,
aber  vorsätzlich  und  mutwillig  nimmermehr  meinen  Gott,  seine  Religion
und  das  gemeine  Wesen  offendieren  werde.  —  E.  kfl.  Gn.  mögen  aus
dieser  Entschuldigung  spüren,  wie  hoch  ich  Dero  Gnade  schätze.  Ich
gebe  Derselben  anheim,  ob  Sie  damit  zufrieden  sein  wollen;  denn  ich
möchte  mich  in  Dero  Gnade  erhalten  und  zu  Mistrauen  oder  Derselben
Unwillen  gegen  mich  keine  Ursache  geben.  Datum  Prag  den  4.  junü
a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  9.  junii  1611.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  40%;  Or.!

223.  Zuniga  an  König  Philipp  III.

„A  los  27  de  mayo  escrivi  a  V.  M.  como  el  duque  de  Branculyue
  me  havia  venido  a  hablar  sobre  los  negocios  del  emp."  con
el  rey  y  particularmente  sobre  su  yda  al  imperio  y  que  lo  avia
propuesto  al  rey.  EI  qual  ha  reparado  mucho  en  que  aviendo
quedado  conmigo  el  emp.”,  de  que  la  negociacion  comencada  entre
los  dos  por  mi  medio  se  prosiguiese  despues  de  la  coronagion,  agora

!  Als  Antwort  auf  obiges  Schreiben  Khlesls  findet  sich  (in  Wmz.,  Beichstagsakten,
  Bd.  104,  no.  64)  ein  undatiertes  und  nicht  ausgefertigtes  kurmainzisches
  Konzept,  worin  ausgeführt  wird:  Den  Kurfürsten  haben  die
Nachrichten  von  dem  Zustand  in  Böhmen,  der  teils  von  ungleicher  Information
teils  von  nicht  zuträglichen  Consiliis  herrühren  soll,  schmerzlich  bewegt;  ds
er  Khlesl  in  besonderem  Respekt  beim  König  wusste,  hat  er  ihn  durch
Teufel  erinnern  lassen  wollen,  diesen  so  beschwerlichen  Dingen  besser  nachzudenken,
  doch  nicht  in  der  Meinung  als  ob  Khlesl  es  an  sich  fehlen  lasse
sondern  weil  er  ihm  stets  zutraute,  dass  derselbe  als  hoher  geistlicher  Würden
träger  alles  tun  wird,  was  zur  Erhaltung  brüderlichen  Einverständnisses
unter  so  hohen  Potentaten  und  in  so  hohem  Hause  förderlich  ist.  Der
Entschuldigung  hätte  es  nicht  bedurft;  Khlesl  wird  sich  aber  auch  nicht
des  Kurfürsten  Sorgfalt  für  das  Haus  Oesterreich  misfallen  lassen,  von  dem
er  alle  Ungelegenheiten  abwehren  möchte.
        <pb n="547" />
        223.  1611  525

la  dexe  el  emp.”  y  quiera  yrse  sin  acabarla  y  dexar  los  negocios
assentados,  y  assi  ha  respondido  pidiendo  que  se  buelva  a  cobrar  el
hilo  de  aquella  negogiacion  primera;  y  yo  he  significado  al  duque  que
me  parece  cosa  razonable  lo  que  el  rey  dize  en  esto.  Hasta  agora
no  me  ha  buelto  a  responder  y  es  un  medio  el  del  duque  tan  sospechoso
  para  el  rey  por  el  fervor  que  ha  mostrado  con  medios  poco
acertados  en  el  servicio  del  emp.°”,  que  estoy  en  no  bolver  al  negocio,
sino  68  que  corra  por  via  del  consejo  secreto  que  fue  de  la  que  uso
el  emp.”  quando  me  comenco  a  meter  en  el.!  Esta  en  lo  publico
muy  resuelta  la  yda  del  emp."  a  Retisbona,  pero  todavia  dudan
della  los  que  mas  noticia  tienen  de  su  humor;  mas  los  electores  se
han  declarado  en  que  quieren  que  salga  de  Bohemia  o  dexe  el
govierno  del  imperio,  pareciendoles  que  no  puede  atender  a  el  con
decencia  en  tierra  agena  y  entre  los  Bohemios.  Yo  he  juzgado  siempre
que  convenia  mucho  que  el  emp.”  quedase  aqui  entablandose  su
estancia  con  alguna  decencia,  pero  este  torgedor  que  intentan  los
electores  de  que  salga  o  renungie  el  imperio  viene  a  ser  muy
considerable,  mientras  que  no  estamos  seguros  de  la  futura  election.

—

'!  Am  7.  Juni  schreibt  Zuniga  an  den  Herzog  von  Braunschweig:
„Quia  vereor,  ser.mum  Hungariae  regem  eo  ipso,  quod  hoc  soriptum  [wol  die
kaiserliche  Resolution  vom  5.  Juni  mit  der  Ankündigung  der  Abreise  nach
Regensburg]  per  manus  Exc.2°  V.rae  mitteretur,  non  lubenter  id  accepturum,  exestimo
  non  expedire  servitio  ipsius  caes.  M.üs,  ut  per  me  ipsi  tradatur.
Quare  Exc.em  YV,rem  rogo,  ut  quemadmodum  negotium  hoc  per  consilium
secretum  caes.  M.tise  mecum  tractari  inceptum  est,  ita  per  eandem  viam
quaecumque  scripta  tradantur.  Quia  licet  aliquod  scriptum  e  manu  Exc.#®
V,rae  acceperim,  meminisse  poterit  iam  tum  Eandem  dubitasse,  regem  non
libenter  accepturum,  quidquid  per  manus  Illius  dirigeretur;  itaque  venit
Exc.*  V.re  per  hortum  meque  admonuit,  cauerem  dicere  scriptum  illud  per
manus  Ipsius  mihi  fuisse  traditum  atque  ita  accepi  quidem;  tuno  postea  vero
scit  Exc.*  V.re,  quantum  creverit  regis  ab  Ipsa  alienatio..  Quare  Eandem
rogo,  ne  egre  ferat,  quod  a  prima  via  recedere  recusem  et  sic  dictum  scriptum
  sigillatum  et  non  lectum  remitto..  Quod  cum  non  viderim,  de  re  ac
substantia  illius  nihil  dicere  possum,  solum  insisto  in  modum  tractationis“
(Landeshauptarchiv  zu  Wolfenbüttel,  Differenz  zwischen  Rudolf  und  Matthias,
1,  5;  Or...  —  Am  11.  Juni  schreibt  Zuniga  über  dieselbe  Sache  an  Kurmainz:
Der  Kaiser  hat  mir  neulich  befohlen,  bei  den  Verhandlungen  zwischen  ihm
und  seinem  Bruder  neben  Leuchtenberg,  Mollart  und  Barvitius  zu  intervenieren.
Nach  Eröffnung  der  Verhandlungen  wünschte  aber  der  Herzog  von  Braunschweig
  („qui  ferventi  suo  zelo  erga  caes.  M.tem  voluit  solus  omnium  negotioraum
  pondus  in  se  suscipere  non  sine  magna  indignatione  consilii  secreti
et  parva  satisfactione  ablegatorum  Ser.!!«  V.rae  et  domini  electoris  Saxonici
necnon  magna  cum  regis  Hungariae  querimonia  et  offensione“)  darüber  nur
mit  mir  allein  unter  Ausschluss  der  geheimen  Räte  zu  verhandeln  „et  cum
ministerio  et  interventu  hominum  abiectaa  conditionis*.  Ich  aber  drang
darauf,  dass,  wenn  ich  mich  der  Sache  annehmen  sollte,  auch  die  kaiserlichen
  geheimen  Räte  beigezogen  werden.  So  sehr  ich  den  Herzog  hoch
halte,  so  scheint  es  mir  doch  unpassend,  dem  Ausschluss  der  alten  katholischen
kaiserlichen  Räte  beizustimmen,  „quo  fonte  non  latet  Ser.tem  YV,.ram

quanta  incommoda  (derivari  possint*  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  103c,
no.  174;  Or.).

Joni  4.
        <pb n="548" />
        Juni  4,

526  1611  223.

El  rey  y  los  suyos  sienten  esta  platica  de  la  salida  que  el  emp.®
trata  por  dudar,  que  viendose  fuera  no  rebuelva  las  cosas  destas
provingias;  en  lo  qual  pienso  cierto  que  no  ay  mucho  que  temer.
estando  ellas  tan  interesadas  y  declaradas  en  el  servicio  del  rev  y
conviniendo  a  V.  M.?  y  a  los  demas  de  la  casa  el  apoyarle  y  mantenerle
  en  ellas  y  que  no  buelva  a  aver  divission  en  el  govierno  de
la  casa;  pero  quanto  a  las  cosas  del  imperio  no  ay  duda  sino  que  perdera
mucha  tierra  el  rey  y  no  veo,  si  el  emp.  insiste  como  pueda
resistirsele,  sino  es  rogandole  y  ofreciendole  comodidades,  a  lo  qual  se
dan  muy  poca  mana  los  del  rey  porque  todo  es  rigor  y  aspereza,  Yv
si  quississen  con  ella  forzarle  a  quedar,  podria  ser  que  el  imperio  3*
moviese  de  manera  que  el  rey  se  viese  muy  apretado,  particularmente
siendo  caso  que  V.  M.”!  no  podria  aprovarle  ni  autorizarle,  antes  los
electores  pretenderian  con  gran  instancia  que  V.  M.?  los  assistiese  y
assi  voy  con  lectura  de  que  si  fuere  posible  encaminarse  con
suavidad  y  sin  riesgo  de  perder  el  imperio  el  quedarse  el  emp.°
aqui,  procurallo  y  sino  procurar  que  el  rey  no  le  haga  estorbo  ni
impedimento  ninguno  que  huela  a  violencia.  —

La  gente  de  Pasau  se  ha  congertado  de  ligengiarla  ya  partido
  ya  el  dinero  para  pagarla.  Es  negogio  que  se  ha  tratado  con  el
coronel  Altam,  el  qual  fue  de  los  que  metieron  en  este  bayle  al
s."  archiduque  Leopoldo,  pero  agora  han  negogiado  sin  darle  a  S.  A.
la  parte  que  quisiera  del  tratado.!  Yo  ando  en  avenirle  con  el  rey
y  no  dexa  de  tener  su  dificultad,  porque  de  parte  del  rey  quieren
grandes  sumissiones  y  al  3.”  archiduque  le  parece  que  no  es  nade  lo
que  ha  hecho  contra  el;  tienenle  tomado  los  vienes  de  su  obispado
de  Pasau  que  tiene  en  las  provincias  de  Austria,  que  es  lo  mas  de
aquel  estado,  tratase  de  la  restitucion  y  sobre  estos  negocios  embie
anteayer  &amp;amp;  Antonio  Miravalo  gentil  hombre  de  la  camara  del  s.”  archiduque,
  para  que  le  diese  quenta  del  estado  en  que  quedavan  y  yre
continuando  los  buenos  officios  y  procurando  la  conclusion  deste
negocio  que  importa  harto  para  las  cosas  universales  destas  provingias
yal  s.”  archiduque  muchissimo  el  aquietarse  y  estar  bien  con  el  rey.  —

El  s."  archiduque  Ferdinando  ha  escrito  al  emp.”’?,  dandole
quenta  como  el  y  los  demas  de  la  casa  estan  resueltos  a  embiar  al
convento  electoral  que  se  ha  de  gelebrar  en  Milhausen  ciudad  de  la
provingia  de  Turingia  a  los  17  de  julio,  a  encomendarles  la  casa
de  Austria  y  en  particular  el  mas  anciano  della  que  es  el  rey  de
Ungria.  No  ha  querido  responder  el  emp.°"  a  esta  carta,  solameata
ha  mandado  dar  gertificacion  del  recibo.  Esta  muy  disgustado  con
el  archiduque  sobre  el  caso,  sera  siempre  muy  dificultoso  reduzir
al  emp.”  a  que  guste  de  la  election  del  rey,  y  por  su  parte  se  ha
atendido  tan  poco  hasta  aqui  a  dar  satisfacion  a  los  tres  eclesiasticos

'  Vgl.  n0.,209,  8.501,  Anm.  1.
?  No.  203.
        <pb n="549" />
        223.  1611  527

y  &amp;amp;  Saxonia  que  andan  muy  unidos  y  estan  disgustadissimos  de  lo  Juni  4.

que  se  haze  con  el  emp.?,  que  dudo  mucho  mas  que  hasta  aqui  del
buen  gucgesso  de  su  negocio,  pero  siempre  tengo  por  muy  conveniente
para  V.  M.!  y  para  toda  la  casa  el  insistir  en  procurarle  muy  en
primer  lugar  y  assi  se  haze  de  parte  del  Papa  con  mucha  instancia,
respecto  de  estar  ya  el  rey  introduzido  en  estos  dos  reynos  y  en  las
provincias  de  Austria.  Praga  4  de  junio  1611.“

Sim.,  Fasz.  2497;  f.  54;  Kopie,

224.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

Am  2.  Juni  kam  ich  zu  Mainz  an  und  erhielt  am  3.  Audienz.i
Der  Kurfürst  hat  den  dem  Hause  Oesterreich  und  der  katholischen
Religion  so  überaus  nachteiligen  Bruderstreit  sehr  beklagt.  ‚I.  chfl.  Gn.
ist  treulich  laid,  dass  ainer  noch  der  ander  nicht  folgen  wollen  und
eben  zu  der  zeit,  als  die  geistliche  churfursten  sampt  Saxen  etwas  zu
werk  richten  wöllen,  so  dem  ganzen  wesen  ainen  ausschlag  hette
geben  kunnen,  wan  ihnen  mit  disen  schwirigen  geschwinden  händeln
nit  vorkommen  wäre.  Nun  es  aber  geschehen,  sei  ja  nötig,  wofern
man  nit  wil,  das  die  catholische  religion  wie  der  örter  also  volgends
anderswo  gar  verloren  gehe  und  die  weltliche  chburfürsten  mit  der
wahleines  römischen  königs  ausser  dem  hauss  Oesterreich  schreiten,
dass  auf  mittel  und  wege  gedacht  werde,  wie  alles  geremediirt  und
wider  in  besseren  stand  gebracht  werde  möge.  Zue  solchem  ende
sei  von  churfurst  zu  Mainz  auch  principaliter  die  zusamenkunft  der
samentlichen  churfursten  unterbauet  und  erhandlet  worden,  wiewol
villeicht  etlicher  weltlichen  churfursten  intent  vil  anders  sein  werde.
Bei  solcher  zusammenkunft  wöll  er  gern  das  beste  einwenden  und
raten  helfen  (wie  vor  diesem  alle  zeit),  was  zu  erhaltung  der  catholischen
  religion  und  des  hauses  Oesterreich,  auch  widerbringung  ruhigen
wesens  gedeien  kan.  Den  andren  puncten,  die  succession  im  reich
und  den  kunig  in  Hungern  betreffend,  werde  man  zwar  bei  dieser
zusammenkunft  die  succession  tractiren  und  wie  es  je  die  högste  not
erfordert,  beratschlagen;  ob  es  aber  auf  den  könig  in  Hungern  fallen
werde,  zweiflen  I.  chflL  Gn.  sehr,  weil  sie  wegen  des  zu  rigurosen
scharfen  procedirens  wider  I.  ksl.  M.*  der  geistlichen  churfursten,

!  Beglaubigung  Vischeres  bei  Kurmainz  vom  5.  Mai,  überreicht  am
3.  Jani.  Auf  der  Beglaubigung  hat  der  Kurfürst  Werbung  und  Bescheid
eigenhändig  kurz  vermerkt:  „1.°  Salutationes;  2.do.  commendauit  fratrem
Mattbiam  ad  successionem  regis  Rom.;  3.°  bitt  in  gleichem  allen  fleis  anzuwenden,
  domitt  I.  kal.  M.t  vnd  Matthias  verglichen;  4.°  erbeut  sich,  meine
sachen  zu  befurdern,  domit  in  kurtzem  vorgeschlagener  maassen  mir  gratifieirt.
  —  Ego:  generalia;  wollte  der  sach  vff  begebenten  fall  eingedenck
sein,  interea  tamen  ausfürlich  erzehlett,  was  I.  kel.  M.t  vnd  dem  reich  begegnett.
  —  Die:  kontte  es  nit  loben.  In  discessu  tantum  intellexi,  quod
commendato  sui  fratris  rogatus  facta  sit“  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Rd.  103,
no.  169;  .).

Juni  5.
        <pb n="550" />
        Juni  5.

628  1611  224.

auch  Saxens  gemuetter  sehr  vom  selben  alienirt  befinden,  also  das  se
schwerlich  ohne  vorgehender  merklicher  reparatiin  und  gegebener
zimblicher  satisfaction  wider  dahin  zu  bringen  und  zu  gewinnen  sein
werden,  dan  ihre  aide  und  pflichten  sie  sonst  auch  davon  abhalten
wurden.  Sonst  versichere  er  E.fl.  D.',  das  [weder]  er,  churfurst  von  Mainz,
noch  die  geistliche  churfursten  ausser  dem  haus  Oesterreich  nimmer
wehlen  werden.  Da  könig  Matthias  doch  ainige  demonstration
gethan  und  I.  ksl.  M.‘  in  etwas  entgegengangen  und  contentirt,
hette  man  hoffen  mögen,  die  succession  im  reich  auf  könig  Matthias
zue  deriviren;  aber  glaub  er,  das  des  könig  Matthias  intent,  indem  se
vermainen,  weiln  sie  I.  ksl.  M.‘  Hungern  und  Behem  also  abgezwungen,
das  es  ihr  mit  der  kaiserlichen  cron  gleichfals  gelingen  werde,
schwerlich  den  verhofften  effect  auch  der  consequenz  halber  erreichen
werde  (et  haec  dicebantur  cum  quadam  commotione),  dan  es  lasse
sich  ainem  romischen  kaiser  die  cron  nit  also  vom  kopf  reissen  ;  es
seien  unter  den  erzherzogen  mehr,  die  auch  land  und  lent  under  sich
haben  und  wvileicht  mit  mehbrem  nachtruck  (ich  kunte  erachten,  auf
wen  sie  deuteten,  offentlicher  zu  reden  wolte  ihr  nicht  gebueren)  als
künig  Matthias,  der  ain  gebundener  künig  ist  und  also  wenig  ohne
seiner  stende  willen  und  zulassen  dem  reich  helfen  kunne.  Die
erzherzogen  hetten  ihres  erachtens  wolgethan,  dass  sie  sich  samentlich
disfals  der  freien  wahl  der  churfursten  unterworfen  hetten;  so  wolten
sie  wol  gewust  haben,  was  sie  thuen  wolten,  dan  sie  nie  willens
gewesen  und  noch,  nit  ainigen  zue  nemen,  der  nit  mit  land  und  leut
genugsam  versehn  seie.“‘  —  Das  hat  der  Kurfürst  mehrmals  in
Gesprächen  wiederholt.  Auch  er  ist  also  für  E.  fl.  D.'  und  erwarte
ich  mithin  Dero  Befehle.  —  ‚Dass  die  Staden  in  Hollant  durch  fürst
Christian  zu  Anhalt,  auch  churfurstlich  brandenbargische  gesante
allerhand  mit  den  stenden  in  Böheim  practiziren,  sie  in  gnauen
verbund  zu  bringen  und  insonderheit  wider  das  haus  Oesterreich
ainander  zue  assistiren,  affırmiret  der  churfurst  zu  Mainz  andren
gleich.  Der  churfursten  zu  Mainz  und  Saxen  gesante  sein  aus  des
kunigs  Matthias  und  der  stenden  in  Böhem  rat  idesmahl  geschlossen,
aber  der  brandenburgische  gesante  zugezogen  worden,  dahero  ihre  oberen
auch  verursacht,  sie  vor  der  crönung  abzufoderen.  Die  practiken
wegen  des  königs  in  Frankreich  gehn  im  reich  noch  immerda  im  swang,
wie  dan  dessen  agent  Bongarsius  kurzverruckter  tage  von  Strassburg
alher  kommen  und  gester  bei  dem  grafen  von  Hanau  und  heut  wider
hieher  gelangt  ist  und  hat  das  hin  und  widerlaufen  im  reich  kein
end,  derhalben  wol  zue  wachen  und  dergleichen  warnungen,  wie  (leider)
bisweilen  geschiht,  nit  auss  der  acht  zu  lassen  sein.“  Der  Karfürstentag
  habe  wegen  Sachsen  nicht  eher  angesetzt  werden  können
und  nach  Mühlhausen  verlegt  werden  müssen;  ob  es  bei  dieser  Bestimmung
bleibe,  sei  nicht  gewiss,  weil  die  Luft  in  Mühlhausen  etwas  infizirt

I  Vgl.  no.  216,  8.  514,  Anm.  2.
        <pb n="551" />
        224—222.  1611  529

sein  soll;  Mainz  habe  deshalb  einen  Kurier  nach  Dresden  geschickt.!  Juni  5
„in  den  andren  zween  puncten  numehr  etwas  zu  tractieren  sei  e8  zue
spat,  weil  I.  ksl.  M.'  beraits  alles,  was  zu  begeren,  volens  nolens  gewilliget,
  ehe  und  bevor  man  ihr  auf  ainen  ainzigen  articul,  so  sie  auch
ihres  teils  proponirt,  sich  habe  wöllen  erklären.  König  Matthias  mit  rat
oder  hilf  zu  assistiren,  es  sei  zu  errettung  der  catholischen  religion
oder  verhüetung  ibrer  und  des  hauses  Oesterreich  verreren  nachtails
in  den  erbländern,  seie  ihnen  der  weg  und  mittel  solches  zu  thuen
bereits  benommen,  weil  könig  Matthias  schon  alles,  was  zerhalten
were,  vergeben;  es  seien  auch  iziger  Zeit  die  gemueter  gar  nit  dazu
disponirt.“  Das  habe  er  auch  den  königlichen  Gesandten,  die  mit  ihm  von
Aschaffenburg  zu  Schiff  nach  Frankfurt  fuhren,  ausführlich  erklärt?  —
ie  kurmainzische  Antwort  soll  der  des  Kurfürsten  von  Köln  gleich  sein;
Kurmainz  erwähnte  auch,  die  Gesandten  hätten  neben  der  Rechtfertigung
des  Königs  nur  Hilfe  an  Volk  und  Geld  gesucht,  die  zu  bewilligen  nicht
möglich  sei.  —  Wegen  seiner  „Privatpraetension‘‘  bemerkte  der
Kurfürst,  Zuniga  habe  ihm  vor  einigen  Wochen  7000  Reichsgulden
zu  Nürnberg  angewiesen,  ohne  zu  erwähnen,  ob  das  für  einmal  gelten  oder
fortgehen  soll.  Der  Kurfürst  versicherte  wiederholt  seine  Dankbarkeit
und  Dienstwilligkeit  gegen  den  König  von  Spanien  und  gegen  E.  fl.
D.*  und  riet,  Sie  beide  sollten  jede  Gelegenheit  wahrnehmen,  um
Sachsen  zu  gewinnen.  —  Am  4.  ist  der  Kurfürst  nach  Aschaffenburg,
ich  nach  Frankfurt  gefahren.  Alle  drei  Kurfüsten  haben  sich  also
fast  gleichlautend  erklärt  und  mir  mehr  Ehre  erwiesen  als  ich  je
zuvor  bei  einer  Gesandschaft  erfabren  habe.  Frankfort  den  5.  junii

a.  1611,
Brs.,  Secröt.  d’Allem.,  no.  96,  73;  Or.  eigb.  mit  Ziffern.

225.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Kur-  Juni  6.
fürsten  von  Brandenburg.

Hinweis  auf  das  Schreiben  vom  15./25.  Mai?  und  Mitteilung  des
mainzischen  Bescheides  [vom  26.  Mai].  Daraus  ergibt  sich,  dass
Kurmainz  darauf  beharrt,  uns  nicht  zum  Kurfürstentag  zu  beschreiben.
  Wir  geben  daher  E.  I,  nochmals  zu  bedenken,  was  aus
solcher  beharrlichen  Weigerung  der  Kurpfalz  für  Ungelegenheiten  er-  -
wachsen  könnten:  sie  würde  die  grössten  Konsequenzen  im  Reiche  mit
sich  bringen  und  würde  es  ein  weites  „Aussehen“  haben,  wenn  es
wegen  eines  Privatstreites  zum  Mittel  unserer  Ausschliessung  von
Kollegium  käme;  hat  sich  Kurmainz  ja  auch  verlauten  lassen,  dass  auch

-—-—.

ı  Geschah  am  29.  Mai;  Kurmainz  gibt  Kursachsen  zu  bedenken,  ob
nieht  wegen  der  Seuchengefahr  der  Kurfürstentag  nach  Nürnberg  oder  nach
einem  anderen  für  Sachsen  bequemen  Ort  verlegt  werden  solle  (Drs.,  1.  7387,
L  Buch  Kurfürstentags,  f.  45;  Or.).

?  Vgl.  no.  144.

®  Vgl  no.  199,  8.  477,  Anm.  1.

*  Vgl.  no.  211.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  34
        <pb n="552" />
        Juni  6,

530  1611  226.

E.  L.  nicht  beschrieben  worden  wären,  wenn  Sie  sich  nicht  dem  Kaiser
bequemt  hätten;  die  Geistlichen  würden  also  Gelegenheit  erlangen,
das  durchzusetzen,  was  ihnen  sonst  zu  erreichen  schwer  oder  unmöglich
wäre.  Wir  geben  daher  E.L.  zu  bedenken,  ob  es  nicht  besser  und  dem
gemeinen  Wesen  zuträglicher  wäre,  diese  Zusammenkunft  der  Kurfürsten
ganz  zu  hindern  oder  wenigstens  hinauszuschieben,!  ehe  man  durch
die  Umgehung  benachteiligt  .würde,  oder,  wenn  dies  nicht  zu  erreichen
ist,  ob  Sie  nicht  bei  Kursachsen  vorbauen  wollten,?  damit  durch  Zostimmung
  aller  Kurfürsten  unsere  Beschreibung  erreicht  werde  ;  denn  wir
hören,  dass,  wenn  Kursachsen  darein  willigt,  auch  die  geistlichen  Kurfürsten
kein  Bedenken  dagegen  haben  werden.  Vielleicht  könnten  E.  L.  in  ein  solches
Schreiben  an  Sachsen  auch  einfliessen  lassen,  dass  es  sonst  auch  Ihnen
beschwerlich  fallen  würde,  an  einem  solchen  Kurfürstentag  teilzunehmen;
vielleicht  wäre  das  auch  noch  Kurmainz  anzudeuten.  Kann  aber  der
Tag  nicht  gehindert  oder  unsere  Beschreibung  nicht  durchgesetzt  werden,
so  werden  wir  ihn  gleichwol  beschicken  und  unsere  Notdurft  vorbringen
lassen,  denn  wir  hören,  dass  auch  Neuburg  diesen  Tag  besuchen  oder  durch
einen  seiner  Söhne  beschicken  lassen  will;  unsere  Gesandten  haben  zudem
von  Kurmainz  vernommen,  dass  ihm  eine  Beschickung  des  Tages  durch
uns  nicht  zuwider  wäre.  Für  diesen  Fall  einer  blossen  Beschickung  bitten
wir  E.  L.,  dass  weder  Sie  in  Person  noch  Dero  Räte  die  Beratungen
besuchen,  bevor  nicht  auch  die  unsrigen  zugelassen  werden,  besonders
aber,  dass  Sie  verhindern  helfen,  dass  Neuburg  im  Administrationsstreit
  einen  Vorteil  erlange,  der  unserm  Kurhaus  verfänglich  wäre.
Ueberhaupt  halten  wir  dafür,  dass  dieser  Tag  besser  durch  die  Räte  als
durch  die  Herrn  besucht  werde.  Datum  Heidelberg  den  27.  maii  1611.

i  Der  bairische  Geheimsekretär  Leuker,  der  den  Faszikel,  der  aus  der
Kriegebeute  des  weisssen  Bergs  stammt,  für  eine  Veröffentlichung  bearbeitete,
macht  dazu  die  Bemerkung:  „Allenthalben  hindert  Pfalz  das  gemeine  anligen
des  reiche,  damit  man  Jie  pfälzischen  privatdisegni  durchtruken  mög.“

%2  Kurbrandenburg  hatte  schon  am  8./18.  Mai  wegen  des  pfälzischen
Administrationsstreite  sowol  an  Kurmainz  wie  an  ursachsen
geschrieben  und  zu  erwägen  gegeben,  dass  dieser  Streit  nur  vor  den  Kur
fürsten  selbst,  nicht  vor  dereu  Räten  erörtert  werden  könnte;  daher  könnten
diese,  deren  Vorausschickung  beantragt  war,  allein  doch  nichts  Erspriessliches
leisten,  da  vor  Einnahme  des  Pfalzgrafen  Johann  in  das  Kolleg  dasselbe
unergänzt  wäre  und  gemeine  Sachen  nicht  vornehmen  dürfte.  Bitte  um
Gutachten  (Wmz.,  Reıchstagsakten,  Bd.  104,  no.  89;  Or.  und  Dr,
1.  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags,  f.  34;  Or.).  Kuraachsen  erwiderte  aber

darauf  am  a  dass  er  zur  Abhilfe  des  Streits  kein  besseres  Mittel  als
.  u

eben  die  Tagung  der  Kurfürsten  sehe,  vor  die  allein  und  nicht  wie  bisher
vor  die  Unionstage)  die  Sache  gehöre,  die  ja  die  Hoheit  der  weltlichen
Kurfursten  betreffe;  trotzdem  werde  er  seine  Räte  vorausschicken,  um  wegea
dieses  und  wegen  anderer  Punkte  Vorbereitungen  treffen  zu  lassen,  damit  man
dann  desto  leichter  zum  Schluss  käme;  durch  ein  Privatgutachten  wolle  er
nicht  dem  einen  oder  audern  Teil  praejudizieren  (Dre.,  a.a.O.,  f.  35;  Kpt.).  —
Ebenso  spröde  lautete  Kursachsens  Bescheid  auf  Collis  Anbringen  wegen
des  Audminıstrationsstreites  (vgl.  no.  208):  der  Punkt  müsse  zu  Mühlhausen
gemeinsam  vorgenommen  werden  (Colli  an  den  Administrator  der  Kurpfals
am  11./21.  Juni,  Mb.,  101/4;  —  Or.  eigh.).
        <pb n="553" />
        225—226.  1611  531

Nachschrift:  Da  Joachim  I.  von  Brandenburg  noch  nicht  16  Jahre  Juni  6.

alt  im  Jahre  1500  zu  Augsburg  von  Maximilian  I,  belehnt  worden  ist,
so  bitten  wir  um  eine  Abschrift  oder  einen  Auszug  des  Lehnsbriefes.
Datum  ut  in  literis  den  27.  maii  a.  1611.

Ma.,  547/14,  f.  76;  Kpt.!

226.  7Auniga  au  Herzog  Maximilian  von  Baiern.

Auf  zwei  Schreiben  vom  24.  Mai  nebst  Beilagen.”  Wegen  des
Spanien  betreffenden  Artikels  des  würzburger  Abschieds  will  ich  gern  gute
Dienste  leisten.  —  Auf  die  Entschuldigung  Sachsens  wegen  des  Eintritts
in  den  katholischen  Bund  kann  jetzt  nicht  viel  entgegnet  werden;
meinem  König  wird  es  aber  sehr  angenehm  sein,  „ut  inter  unionem
catholicam  et  domum  Saxonicam  quamoptime  seniper  conveniat  bonaque
intelligentia  conservetur.‘‘  —  Die  dem  Erzherzog  Leopold  durch
Viehpeckh  erteilten  Ratschlägen  sind  sehr  heilsam.  „Et  ego  cum
Ser.‘  V.’*  scntiens  eadem  inculcare  non  desino  atque  omni  studio
adnitor,  ut  positis  hisce  curis  animum  sedet  et  cum  rege  conveniat,
Quod  autem  attinet  ad  articulum  illum,  qui  agit  de  arctiori  civitatis
et  arcis  Pataviensis  protectione,  existimarem  eandem  nimis  suspectam
fore  et  quantum  ego  percipere  possum,  non  video,  quod  illi  eivitati
periculum  ullum  impendeat.  Quod  vero  consultissimum  judico  est,  ut
reconciliationi  ser.”!  Leopoldi  cum  rege,  pro  qua  laboro,  Ser.!**  V.’*  etiam
diligenter  favere,  ut  hactenus  fecit,  dignetur.  Dominus  dux  Brunsvicensis
  valde  assiduus  est  apud  imperatorem,  rex  auterm  et  Bohemi
sunt  ıilli  vehementer  infensi  ;  caes.  M.“*  consiliarii  secreti  omnino  ab
illo  alieni  ;  ablegati  quoque  dominorum  electorum  Moguntini  et  Saxonici,

!  Kurbrandenburg  antwortete  am  20./30.  Juni:  Auch  ihn  befremde  das
Verfahren  von  Kurmainz;  es  wäre  ihm  daher  nichts  lieber  als  dass  der
Kurfürstentag  ganz  zurückgienge  oder  vertagt  würde,  wozu  er  schon  eine  „Anstellung“
  gemacht  habe;  keinesfalls  werde  er  den  Tag  persönlich  besuchen,
obgleich  Kursachsen  ihn  dazu  stark  ermahnt  habe,  sondern  ihn  nur  beschicken
(Ma.,  547/14,  f.  99;  Or.).  —  Die  „Consilia*  müssen  in  Berlin  rasch  gewechselt
  haben;  denn  noch  am  18./28.  Juni  quittierte  Kursachsen  ein  kurbrandenburgisches
  Schreiben,  worin  Johann  Sigismund  von  der  Anstellung
seiner  Reise  nach  Mühlhausen  Mitteilung  machte  \Drs.,  1.  7387,  Reise  zum
Kurfürstentag,  f.  30;  Kpt.).  Aus  einem  leider  nndatierten  Auszug  eines
Schreibens  der  Kurfürstin  Anna  von  Brandenburg  an  Pfalzgraf  Wolfgang
Wilbelm  von  Neuburg  erfahren  wir,  dass  lem  Gomahl  der  kurfürstin  widerraten
  worden  war,  sich  in  Person  zu  Mühlhausen  einzustellen,  weil  voraussichtlich
  Landgraf  Moriz  die  kaiserliche  Ratıfikation  des  jüterbogker  Vertrags
mitbringen  werde,  gegen  den  die  Kurfürstin  mit  heimlicher  Zustimmung
ihree  Gemahls,  —  wie  man  bei  dieser  Gelegenheit  erfährt,  —  protestiert
hatte;  Kursachsen  babe  aber  den  Kurfürsten  wegen  des  Erscheinens  dann
wieder  umgestimmt,  „dan  ihr  herr  sich  auss  iromkheit  oft  zue  seinem
schaden  bewegen  lasse*  (Me,  Neuburger  Archiv,  Jülich-Berg,  Fasz.  5a,  f.  10;
Auszug  von  der  Hand  des  Pfalzgrafen  Philipp  Ludwig).

®  Es  waren  dies  der  würzburger  Abschied,  die  Entschuldigung  Sachsens
(no.  124  und  134,  vgl.  no.  156)  und  die  Instruktion  für  Viehpeckh  (vgl.
no.  205,  8.  493,  Anm.  b).

34%

Juni  6.
        <pb n="554" />
        Juni  6.

Juni  7.

532  1611  226227.

qui  hine  nuper  discesserunt,  maxime  ab  ipso  dissentiebant.  TItaque
cum  tam  multis  nequaquam  gratum  animadverterem,  recusavri  cum
Exc.*  Sua  tractare  negotia  illa,  quae  iam  vertuntur  inter  caesarem
et  regem,  et  optavi,  ut  per  consilium  secretum,  viam  nimirum  solitam

et  consuetam,  illa  tractarentur.!  Pragae  6.  junii  1611.“
Mo.,  Entstehung,  Fass.  VI.  no.  44,  f.  44;  Or.

227.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  Dr.  Marx
Gerstenboerg.

„Ich  befinde  aus  allen  vmbstenden  vnd  discursen  so  viel,  das  es
dem  konige  vnd  seinen  leutten,  wie  auch  den  Bohemen,  der  spannischen
bottschafit,  nuntio,  auch  den  geheimen  rethen  durchaus  zuwider  ist,  das
derkaysser  vonhinnen  solle  verruken?;  denvon  gemeinen  vrsachen,
als  das  I.  M.*  der  orts  gewonett,  das  der  vfizugk  viel  difficultet  geb,
die  verenderung  I.  M.'  schwerlich  vorkommen  vnd  was  dergleichen
ist,  dessen  wil  ich  zwar  nicht  melden,  aber  das  fornembste,  so  sie
druckett,  ist  dieses:  dieweyl  sich  der  keisser  verlautten  lasse,  e8  sev
ihm  die  kronung  vnd  alles  abgetrungen  vnd  soltte  darüber  wegk
zihen,  so  mechte  ehr  sich  rechnen  vnd  kurzlich  dafon  zu  reden:
conscientia  est  mille  testis  et  sibi  timent  de  suo  coreo,  vnd  wan  der
koysser  solt  wegkzihen,  muste  er  zufodderst  einen  reuers  geben  etc.

Nhun  seint  sie  hartt  ahn  mir  gewesen,  ich  mochte  doch  zwischen
I.  M*  und  dem  konig  tractiren,  das  sich  die  bruder  vergleichen
mochten  ete.;  ich  habe  aber  zur  antwort  geben,  das  mir  nihmher
ohne  der  andern  chur-  und  fursten  ihm  reich  vorwissen  bierin
etwas  zu  thun  nicht  geburen  wolle.

Nhu  bleibe  ich  nochmals  bey  voriger  meinung,  das  es  I.  M.'  nicht
zu  rathen,  auch  nicht  pro  reputatione  imperii,  weyl  man  bisher  I.  M.'  so
schimplich  zu  tractiren  sich  vndernommen,  das  sie  in  loco  absque
ulla  iurisdictione  verpleiben  sollte;  hierneben  aber  habe  ich  nicht

ı  Vgl.  no.  223  mit  Anm  1  auf  8.  526.

?  Am  5.  Junı  hatte  der  Kaiser  des  Königs  Resolution  vom  31.  Mai
[der  König  bleibt  bei  seinem  Bescheid  auf  die  von  Zuniga  vor  der
Krönung  vorgelegten  Punkte  und  erwartet  darauf  des  Kaisers  endliche
Erklärung]  für  abschlägig,  vorigen  Zusagen  entgegen  und  der  kaiserlichen
Autorität  verkleinerlich  befunden,  weshalb  er  nicht  annehmen  könne,  dass
fernerhin  etwas  Erspriessliches  gehandelt  werden  möchte.  Alles  beruhe  nan
darauf,  dass  der  Kaiser  sich  sobald  als  möglıch  ins  Reich  begebe  —  wie  er
schon  d«n  Ktırtürsten  von  Sachsen  als  Reichserzmarschall  angewiesen  habe,
ihn  nach  Regensburg  zu  begleiten  —  und  sich  mit  den  Kurfürsten  zu
Mühlhausen  weren  einer  ständisen  Residenz  und  wegen  des  Unterhalts
vergleiche.  Demnach  begehre  er  als  römischer  Kaiser,  dass  man  ihn  -  wegen
dieser  Würde  un.  wegen  des  Reichs  gebührlich  respektiere,  nicht  mit  solcher
„Importunität“  in  ihn  dringe,  ihn  auch  in  seinem  Vorhaben  nicht  hindere
sondern  ihm  mit  Fuhrwerk  und  anderom  Jdie  Hand  biete,  ibm  auch  bis  zur
Abreise  das  Schloss  allein  gönne,  Unterhalt  gewähre,  seinen  Räte,
Dienern  und  ganzem  Hofstaat  Sicherheit  verschaffe  und  die  Wachen  abführe
(Wollenbüttel,  Differenz  zwischen  Rudolf  und  Matthias,  V.,2.;  Kpt.,  teilweise
von  Braunschweigs  Hand).  Vgl.  no.  200,  8.  485,  Anm.  2,
        <pb n="555" />
        227.  1611  633

underlassen,  vor  mich  den  sachen  nachzudenken,  ob  es  nicht  ein
wegk,  das  die  churfursten  vor  sich  vorschlege  gethan  vnd  zu  solchem
behuff  ihre  rethe  geschickt  vod  ihnen  neben  mir  ihn  disen  sachen
zu  tractiren  commission  auffgetragen  hetten  ;  den  so  keme  die  tractatio
von  den  churfursten  vnd  nicht  vom  keyser  vnd  mussten  also  hirdurch
dise  alhie  die  weiche  seitten  geben  vnd  mitt  sich  tractiren  lassen,
auch  musten  den  discessum  cam  omnibus  mobilibus  verstatten  vnd
ich  halte  dafur,  ehe  sie  den  keysser  mitt  willen  hinwegk  lassen,  sie
dorfften  ein  vbriges  tbun.  Doch  wil  ich  bimitt  den  andern  churfursten
  nicht  vorgreiffen;  Eurem  hern  konnet  Ihrs  ibm  vertrauen
berichten,  das  mans  zu  Mulhausse  proponirte,  vnd  hab  ich  also
vngefehrlich  auf  gewisse  puncta  meinen  gedancken,  so  Ihr  hiebei  [findet],  !
zu  papier  bracht.  Ich  habe  dessen  keine  copiam  behalten  und  konnet
Ihr  vor  Euch  den  sachen  auch  ferner  nachdenken.  Vnd  bleibe  Euch
mit  gnaden  gewogen.  Datum  Prag  den  7.  junii  a.  1611.

Euer  gnediger  herr  Heinrich  Julius.

——  [m

ı  Vorschläge  des  Herzogs  von  Braunschweig,  unter  welchen  Bedingungen
der  Kaiser  in  Böhmen  bleiben  könnte:  1.  Dem  Kaiser  bleibt  das  ganze
Schloss  und  dart  ohne  sein  Vorwissen  «daselbst  niemand  einlogiert  werden.
Da  zwei  Hofbaltungen  neben  einander  sich  nicht  schicken  würden,  soll  der
König  seinem  älteren  Bruder  und  Lehensherrn  weichen  und  seine  Residenz
in  Wien  anstellen,  das  in  der  Mitte  zwischen  Böhmen  und  Unga.n  liegt.  Würde
der  König  wegen  der  Landtage  oder  aus  anderm  Anlass  sich  in  Prag  aufhalten
  müssen,  so  sollen  die  kaiserlichen  Räte  und  Diener  vor  den  königlichen  den
Vorrang  haben.  2.  Dem  Kaiser  soll  nicht  nur  im  Schloss  sondern  auch
auf  dem  Hradschin  und  in  allen  drei  prager  Städten  „respectu  des  kaiserlicben
  Hoflapere*  die  völlıge  Jurisdiktion  bleiben;  den  Mandaten,  die  der
Kaiser  zur  Sicherheit  seiner  Diener  und  seines  Hoflagers  publizieren  würde,
soll  jeder  gehorchen;  gegen  die  Verbrecher  [wider  diese  Mandate]  soll  dem
Kaiser  Bestrafung  und  Exekution  verbleben..  3.  An  den  dem  Kaiser
zustehenden  Häusern  und  Wohnungen  im  Schloss,  auf  dem  Hradschin  und
auf  der  Kleinseite  darf  sich  niemand  vergreifen  noch  dieselben  okkupieren.
4.  Dem  kaiserlichen  Quartiermeister  darf  in  seinem  Amt  kein  Eintrag  geschehen,
  die  kaiserlichen  Hofdiener  dürfen  aus  ihren  Quartieren  nicht  verdrängt
  werden.  5.  Die  angeschlagenen  kaiserlichen  Salvaguardien,  Mundate
und  Edikte  dürfen  nicht  abgerissen  werden.  6.  Nieniand  Jarf  in  der  Nähe
der  kaiserlichen  Residenz  sich  Schiessens,  Trommelns,  Blasens  und  I,ärmene
unterstehen;  vordächtige  Personen  und  Banditen,  die  sich  in  der  Nähe
herumtreiben,  sallen  auf  Anordnunsr  des  Kaiseıs  bestraft  werden.  7.  Dem
Kaiser  verbleibt  auch  die  Jurisdiktion  in  seinem  Lust-,  Tier-  und  Fasanengarten;
  niemand  darf  darin  etwas  verordnen  oder  verändern.  8.  An  des
Kaisers  Räten  und  Dienern  dürfen  sich  weder  der  König  noch  die  Stände
vergreifen  oder  rich  geyen  sie  Arrestierung  und  Strafen  anmassen  ;  alle  Klagen
gegen  sie  sind  auf  dem  ordentlichen  Kechtsweg  an  den  Kaiser  oder  dessen
Hofmarschall  oder  an  den  Kaiserrichter  u.  s.  w.  zu  bringen.  Die  jetzt  Verhaftsteten
  sind  sogleich  zu  entlassen.  9.  Alle  Gesanıdten  beim  Kaiser
stehen  unter  dessen  Schutz  und  darf  sich  niemand  an  ihnen  vergreifen.

10.  Die  Wachen  im  Schloss,  auf  dem  Hradschin,  beim  Löwenhaus,  im
Gaıten  und  auf  der  Kleinseite  sind  abzuscnaffen.  11.  Die  Regierung  soll
ıwar  dem  König  bleiben,  aber  in  des  Kaisers  Namen  geführt  werden,  also
dass  es  heisst:  Wir  Rudolf  etc.  und  wir  Matthias  im  Namen  obgedachten

Juni  7.
        <pb n="556" />
        Juni  7.

534  1611  227.

Damitt  es  nicht  auskomme,  das  ich  autor  horum  articalorum
sey,  konnet  Ihrs  lassen  abschreiben  vnd  meine  handtt  verbrennen.

Es  ist  nicht  zu  zweiffeln,  das  so  wol  der  konig  als  die  stende
auff  dem  churfurstentage  ihre  sachen  schon  weys  brenen  vnd  den
keysser  gar  schwarz  machen  werden;  dagegen  ich  gleichwol  dafur
haltt,  das  ihnen  herwider  hoch  auffzuruken  :

1.  der  processus  violentus,  das  man  gleich  S,  M.'  alles  mit  gewallt  abgenottigett,
  wie  solchs  notorium  vnd  offenbar;  2.  mitt  der  cronung  so  inordinate
  absque  vlla  reputatione  verfaren;  3.  das  man  allen  perdon  geben
vod  mitt  jedem  mittleyden  gehabtt  allein  excepto  caesare;  4.  das
man  die  rethe  vnd  diener  eingezogen  vnd  auff  solch  vilfelttigs  anhalten
nicht  relaxiren  wollen  vnd  dieselbige  auff  I.  M.*  geheime  vnd  reichssachen
  hart  examiniert;  5.  das  man  inquisition  angestelt  contra
imperatorem,  papam,  regem  Hispaniae  et  principes  imperii  (N.B.  die
aussage  ınit  dem  monche);!  6.  das  sie  kleger  sowoll  vnd  richter  sein
wellen;  7.  das  rom.  reich  verkleinertt  vnd  schimplich  von  churvnd
  fursten  geredett  vnd  allerhandtt  betrolicher  wortt  sich  verlautten
lassen;  8.  durchaus  keine  media  admittiren,  auch  rationes  gelten
lassen  wollen;  9.  dass  man  den  keyser  so  schimplich  vnd  starck
bewachett;  10.  vnangesehen  der  konig  geschriben,  zugesagtt  vnd
offentlich  drucken  lassen,  das  ehr  als  ein  freindtt  vnd  bruder  komme
vnd  caesarem  defendiren  vnd  Passauische  verfolgen  wolle,  sey  doch
nichts  erfolgtt  vnd  were  kein  einiger  ernst  wider  sie  gebraucht;  die
acht  hette  man  zwar  von  I.  M.'  extorquirt,  aber  nicht  exequiret
sondern  noch  geltt  darzu  geben,  da  sich  doch  vorhin  kein  geltt  finden

unseres  Bruders.  12.  Werden  für  das  Königreich  und  die  inkorporierten
Länder  Majestätsbriefe  erteilt,  so  sind  sie  in  des  Kaisers  Namen  auszufertigen,
doch  soll  der  König  sie  zugleich  konfirmieren;  würden  die  Länder  Jatär  ein
Donativ  geben,  so  gebührt  «iv  Hälfte  davon  dem  Kaiser.  13.  Dem  Kaiser  bleiboe
seine  Herrschaften  auf  Lebenszeit  ungeschmälert  und  darf  ihm  in  diesen,  in  Jdea
Tiergärten  und  Wildfuhren  kein  Eintrag  geschahen;  die  Diener  dortselbst  sind  dem
Kaiser  und  dem  König  zu  vereidigen,  doch  soll  dem  Kaıser  kein  ungenehmer
Diener  aufgedrungen  werden;  der  Kaiser  kann  nach  Gefallen  nach  diesen
Herrschaften  verreisen,  beliebig  lange  dort  verweilen  und  sich  mit  der
Jagd  ergötzen.  14.  Dem  Kaiser  steht  frei,  zu  Reichstagen  und  sonst
ins  Reich  zu  verreisen,  auch  seine  Mobilien  dahin  bringen  zu  lassen,  wozu  die
notwendigen  Fuhren  zu  leisten  sind,  doch  soll  dies  dem  Königreich  zu  keiner
Gefahr  gereichen.  15.  Dem  Kaiser  sinı  aus  allen  au  den  König  abgetretenen
Ländern  zu  seinem  Unterhalt  jährlich  600000  Taler  und  4000  Eimer  Wein
zu  reichen.  16.  Der  König  und  die  Stände  sollen  wegen  Böhmen  den
Kaiser  als  Lohensherrn  respektieren,  die  Lehen  empfangen  und  gegen  die
kaiserliche  Würde  und  des  Reiches  Hoheit  und  Freiheit  nichts  Feiudseliges
vornehmen,  darum  sich  auch  in  keine  gefährlichen  und  nachteiligen  Unionea
begeben  uud  überhaupt  dem  Reiche  nichts  entzieben,  wozu  das  Königreich
vermöge  der  Reichsmatrikel  verpflichtet  ist.  17.  „Das  der  kouig  I,  ksl.  M.!
wegen  des  verpleibens,  auch  do  etwan  I.  M.!  offendiret,  vmb  reconciliation
brüderlich  ersuche,  die  stende  aber  solches  ebenmessig  vnd  umb  vnderthenige
verzeihung,  da  I.  M.:  ihn  dem  einen  oder  andern  offendirt,  bitten  sollen“
(Dre.,  a.  a.  OÖ.  f.  149;  Or.  von  Braunschweigs  Hand).
!  Vgl.  no.  73,  S.  165,  Anm.  2.
        <pb n="557" />
        227  —228.  1611  535

wollen,  wie  es  L  M.!  begertt  hetten;  11.  das  man  sich  auff  I.  M.!
reseruirte  puncta  so  schimplich  erklert,  vnangeseben  sich  der  konig  erbotten,
  es  sollen  I.  M.'  kayser,  konig  und  herr  verpleiben;  12.  das
man  noch  anitzo  I.  ksl.  M.'  so  stark  bewachte  vnd  mitt  trommilen
trommetten  vnad  schussen  viel  volust  machte;  13.  das  man  des
hbertzogen  zue  Braunschweig  L.  als  einen  vornemen  fursten  des  reichs
mit  vnzeittigen  beschikungen  belestigett  vnd  dieselbigen  darumb,  das
sie  der  ksl.  M.*  treulich  des  ganzen  rom.  reichs  hochheit  zu  erbaltten
beygestanden,  angefeindett  vnd  fast  vnnhettiger  betroung  sich  verlautten
lassen;  14  das  man  diejenige  rethe,  welche  I.  M.'  adhibiren
wollen,  mit  allerhandt  trauwortten  abzuschreken  sich  vnderstanden;
15.  vnd  in  summa  nichts  vnderlassen  mitt  wortten,  geberden  vnd
wercken,  was  I.  ksl.  M.'  zu  verdrus,  verkleinerung  vnd  schimpf
gereichen  mogen.‘
Drs  ,  1.  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags,  f.  145;  Or.  eigh.

228.  Der  kursächsische  Agent  Peter  Fuchs  an  den
Kurfürsten  von  Sachsen.

...  Graf  Eitelfritz  von  Hohenzollern  ist  dieser  Tage  als  kurkölnischer
  Gesandter  beim  Erzherzog  [Albrecht]  zu  Mariemont
gewesen.  Seine  Werbung  wird  sehr  geheim  gehalten,  doch  vermute
ich  aus  allerlei  Umständen,  dass  es  sich  um  die  Wahl  eines  neuen
römischen  Königs  handelt.  Fleckhamers?  Sekretär  Pisport  sagte  mir
freilich,  es  sei  wegen  der  strittigen  lüttichischen  Grenzen;  aber
die  dem  Gesandten  beigegebenen  Leute  des  Erzherzogs  lassen  sich
verlauten,  Hohenzollern  sei  von  deu  drei  geistlichen  Kurfüsten  abgefertigt,
  um  dem  Erzherzog  deren  Stimmen  anzubieten.  Der  Graf  hat  mir
übrigens  in  Brüssel  bei  meinem  Besuch  aus  freien  Stücken  gestanden,  er
sei  von  seinem  Herrn  befehligt,  mit  dem  Erzherzog  wegen  der  Wahl
eines  römischen  Königs  zu  reden;  „I.  fl.  D.'  wolten  sich  gern  des  königs
Matthiae  proces  halber  entschuldigen;  es  liesse  sich  aber  nit  wol
thuen;  es  were  die  wahl  eines  newen  königs  eine  schwere  sache  und
könte  under  allen  keinen  befinden,  bei  dessen  election  nit  viel  grosse
bedenken  vorliefen;  doch  mueste  es  endlich  gewaget  sein.“  Als  ich
erwiderte,  dass  man  hier  sage,  das  Loos  werde  auf  den  hiesigen
Erzherzog  fallen,  antwortete  er:  ‚‚Das  weren  spanische  discurs;  I.  fl.  D.!
hetten  lust  zu  rue  und  frieden,  das  bei  solcher  gelegenheit  nit  zue
gewarten  ;  er  were  weit  abgelegen  und  musten  derogestalt  die  resolutiones
aus  Spania  ersten  geholet  werden,  das  der  teutschen  nation  sehr  beschwerlich
  fallen  wolte.  Er  [Hohenzollern]  were  ein  Teutscher;  so  wolte
er  auch,  dass  es  bei  den  Teutschen  bliebe.“  Dies  sagte  er  so  offen,

ı  Vgl.  no.  221,  8.  521,  Aum.  3  und  no.  223.

?  Hans  Jakob  Fleckhamer  war  deutscher  Geheimsekretär  des  Erzberzogs
Albrecht;  er  starb  vor  dem  20.  August  1611  (Brs.,  Secr.  d'Allemagne,  no.  96,
f.  138,  Or.  eigh.).

Juni  7

Juni  8.
        <pb n="558" />
        Juni  8.

Juni  9.

536  1611  228—229.

dass  ich  nicht  weiss,  ob  es  zum  Schein  oder  Ernst  gemeint  war.
Einige  glauben,  es  sei  auf  des  Herzogs  von  Baiern  Person  angesehen.'
Ich  versuchte  Pisport  auszuholen,  der  mir  endlich  sagte:  „I.  fl  D.
wolten  gern,  weiln  die  sachen  zu  Prag  leider  so  weit  kommen,  dass
alles  wol  alda  accomodiret  werden  mögte;  solte  aber  [auf]  I.  [fl.  D.'J  das
loess  kommen,  wiewol  sie  es  itzo  nit  appetierten,  wurden  sie  es  doch
hoffentlich  nit  ausschlagen.“  Gewiss  ist,  dass  deshalb  ein  besonderer
Kurier  von  Mariemont  uach  Spanien  abgegangen  ist.  Datum  Brusssell

den  8.  junii  1611.
Drs.,  I.  8808,  24.  Buch  jül.  Sachen,  f.  137;  Or.

229.  Beratung  des  spanischen  Staatsrats.

Eingelaufen  sind  die  Schreiben  Zutigas  vom  22.,  23.,  25.  April  und
7.  Mai.  ,‚Don  Balthasar?  apunta  las  grandes  pretensiones  que
los  Bohemios  tienen  de  que  les  prometa  el  rey  agora  y  se  las  conceda
despues  de  coronado;  que  todos  son  tan  contra  la  religion  catolica  y
su  autoridad  que  se  resolvio  don  Balthasar  a  hablar  al  rey,  significandole
  con  mucho  encarecimiento,  quan  gran  ruina,  vituperio  y
afrenta  suya  seria  con  decender  con  tales  demandas;  que  si  le  quisiesen
forcar  a  ellas,  V.M.d  le  asistiria  y  ayudaria  y  el  desde  luego  comengaria
  a  hazerlo  en  nombre  de  V.  M.“;  que  el  rey  y  sus  consejeros
le  ban  prometido  de  estar  firmes  en  Ja  negativa  y  don  Balthasar
propone,  que  esta  ayuda  podria  ser  en  caso  de  necessidad  de  lo  que
V.  M.“  da  para  la  liga,  pues  lo  puede  hacer  en  virtud  de  lo  tratade,
pero  seria  menester  mayor  suma  de  dinero  que  la  que  esta  ofrecida
a  la  liga,  y  espera  que  solo  este  ofrecimiento  ha  de  hazer  mucho  frato.
Significa  don  Balthasar  el  gran  sentimiento  que  han  hecho  los
embaxadores  de  Saxonia  en  favor  del  emp."  y  lo  que  dessean  y
procuran  componer  bien  el  negotio,  pero  cree  que  no  tendra  remedio;
que  el  archiduquo  Leopoldo  se  halla  en  Passau  y  todavia  la  gente
de  guerra  depende  de  $.  A.;  que  don  Balthasar  le  ha  echado  en  la
oreja,  quanto  les  importa  acudir  a  V.  M.@  y  venir  0  embiar  por  aca,
que  tiene  cabe  si  algunos  tan  ruines,  que  le  hablan  en  cosas  de
Francia.“

Der  Comendador  von  Leon:  Zuniga  ist  durchweg  mit  grosser
Klugheit  vorgegangen.  „En  lo  demas  no  se  puede  tomar  resolucion
fixa,  siondo  tantos  los  acidentes  de  alli,  que  no  se  pueden  prevenir  Y
assi  se  debe  remitir  todo  a  don  Balthasar;  pero  templandole  en  lo  del
quererse  valer  del  socorro  de  la  liga  catolica  que  dize,  porque  siendo
cabeza  della  el  duque  de  Baviera,  de  quien  se  tienen  las  sospechas  que
se  sabe,  quiza  se  pondrian  aquellas  cosas  en  peor  estado  por  este

i  Wegen  der  bairischen  Kandidatur  vgl  no.  85  und  no.  238.
?  Es  folgen  hier  die  Auszüge  aus  den  nicht  mehr  vorhandenen  Briefen
vom  23.  April  und  7,  Mai.
        <pb n="559" />
        229.  1611  537

camino,  y  seria  mas  acertado  que  don  Balthasar  se  valiese  de  la
negociacion  con  su  buena  maia,  que  no  de  las  armas  por  este  inconvenionte
  y  assi  le  parece  que  se  le  embien  las  cartas  que  pide  con
las  datas  en  blanco,  paraque  use  dellas  confoıme  a  Ja  ocasion,
dexandole  correr  solo  en  aquellas  cosas;  pues  tan  alcabo  esta  dellas
suspendiendo  la  ida  del  conde  de  Onate  y  no  embiando  otra  persona,
pues  no  es  menester.  Y  quanto  a  la  del  emp."  no  ay  si  no  esperar,
pue3  quiza  alla  se  accomodara  mejor  esto,  que  con  lo  quede  aca  se
podia  advertir  y  ya  se  vee  que  les  estuviera  mejor  al  rey  de  Ungria
y  a  los  Bohemios  detenerle  alli,  que  no  dexalle  suelto  por  las  asistencias
  y  socorro  que  podria  hallar  y  las  novedades,  que  esto  causaria.
Quanto  al  archiduque  Leopoldo  se  podria  advertir  a  don  Balthasar  que
le  aprueve  el  ponerse  en  manos  de  V.  M.*,  pues  tanto  le  conviene
esto,  pero  que  en  todo  caso  escusse  su  venida  por  aca  y  le  reduzga
a  que  se  contento  con  embiar  alguna  persona;  pues  desta  manera
podra  tratar  con  menos  trabajo  y  descomodidad  suya  lo  que  se  le
ofreciere  que  comunicar  con  V.  M.d.  Que  lo  que  conviene  sobre  todo,
es  embiar  a  don  Balthasar  el  dinero,  pues  esto  le  dara  reputacion
en  todo  lo  que  tıatase,  paraque  vaya  acudiendo  a  lo  mas  preciso.
Que  le  haze  mucha  lastima  que  el  duque  de  Saxonia  no  soa  catholico,
teniendo  tantas  partes  de  buen  principe  y  mostrando  tanto  valor  y
buena  ley  de  amistad,  como  se  vee  por  sus  cartas  y  se  debe  desear,
que  dios  le  alumbre  paraqne  tenga  lo  que  le  falta.“  Der  Marques  de
Velada  schliesst  sich  dem  Vorbergehenden  an,  ebenso  im  allgemeinen
der  Erzbischof  von  Toledo.  Dieser  bemerkt  noch:  ‚Que  es  muy  para
consideracion  que  un  rey  de  Espana,  que  por  tantas  causas  y  razones
ha  de  ser  exemplo  de  todos  los  demas  del  mundo  (en  estos  tiempos
y  en  los  venideros  en  sus  reynos  y  fuera  dellos)  se  diga,  que  acude
al  hermano  segundo,  siendo  la  primera  obligacion  al  mayor  que  se
balla  en  tan  miserable  estado,  que  le  persiguen  y  desamparan  todos  y
se  debe  ir  por  esto  con  mucho  tiento  en  ayudar  al  rey  Matias  contra
el  emp.”,  pero  lo  remite  al  muy  prudente  aviso  de  V.  M.“.  En  lo
que  toca  al  dinero,  que  se  trata  de  proveer  a  don  Balthasar,  debe
hablar  como  teologo  y  da  se  a  entender  que  muchas  necessidades
passadas  del  imperio  proceden  de  aver  aprehendido  por  obligaciones
propias  las  que  no  lo  eran,  porque  aunque  por  rey  tan  gran  catolico,
como  lo  es  V.  M.“,  debe  procurar  la  honra  de  Dios  y  de  su  iglesia,
no  por  acudir  a  esto  en  partes  tan  distantes  y  agenas,  se  ha  de
llegar  a  terminos,  que  lo  padezcan  sus  propios  reynos,  los  quales
estan  tan  acabados,  como  se  vee,  y  si  V.  M.@  se  hallara  tan  rico  como
lo  pide  su  grandeza,  viniera  de  buena  gana,  en  que  Se  proveyeran
gruesas  cantidades  para  empleallas  tambien,  pero  padeciendose  tanta
necessidad  a  vista  de  tantos  embaxadores  y  hombres  publicös,  se  debe
ir  con  mucha  consideracion  en  osto  y  no  obligarse  V.  M.@  a  lo  que
no  puede  hazer;  pues  tiene  por  Cosa  muy  escrupulosa  que  no  586
acuda  en  primer  lugar  al  amparo  de  sus  mesmos  reynos,  mayormente

Juni  9.
        <pb n="560" />
        Juni  9.

Juni  10.

538  1611  229  —  2%.

que  las  heregias  de  Alemania  ostan  tan  estendidas  y  arraygadas  que
consiste  mas  su  remedio  en  suplicarlo  a  Dios  que  en  proveer  dinero  ;
porque  se  persuade  que  si  todo  lo  que  viniere  de  las  Indias,  me
aplica  a  esto,  no  bastara  para  escusar  la  eregia  en  aquellas  partes
segun  el  mal  estado,  en  que  alli  se  ha  puesto  lo  de  la  religion;
y  si  siendo  cierto  que  el  embiar  mucho  no  ha  de  bastar,  bueno  consejo
parece  que  lo  que  se  avra  de  embiar,  se  convierta  en  reparo  a  las
urgentes  necesidades  de  las  fuerzas  y  presidios  que  V.  M.?  tiene  en
sus  reynos.  Y  &amp;amp;  este  proposito  le  ha  parecido  decir  que  muchos
tuvieron  por  acertado  que  S.  M.@  que  aya  gloria  no  se  diese  a  entender,
que  tenia  obligacion  de  ser  inquisidor  general  con  las  naciones  agenas,
pues  sin  reparar  su  dano  se  onflaquecieron  tanto  estos  reynos,  y  ai
el  guardallos  y  conservallos  tiene  por  la  primera  obligacion  de  V.  M.!
que  le  ha  puesto  la  divina  por  amparo  dellos,  porque  no  succeda  lo
que  dixo  el  espiritu  santo  en  sus  cantıres:  »vineam  meam  non  custodibie
  y  lo  de  aca  esta  en  aprieto  y  desconsuelo,  aunque  por  la  misericordia
  de  Dios  puede  dar  fee  como  inquisition  general,  que  corre
todo  bien  quanto  a  la  religion  catolica  y  espera  en  su  misericordia  que
ha  de  ir  muy  adelante.  Que  tras  aver  dicho  osto  le  parece  que  88
provea  luego  a  don  Balthasar  el  dinero,  que  le  esta  ofrecido,  paraque
se  acuda  al  aprieto  presente  y  al  cumplimiento  de  la  real  palabra
de  V.  M.Ü  y  no  mas  acena,  pero  que  para  el  gasto  de  adelante  se
considere  lo  que  queda  dicho.“  Der  Herzog  del  Infantado  und
Spinola  wie  der  Herzog  de  Albuquerque  schliessen  sich  dem  Comendador
von  Leon  an,  besonders  wegen  der  baldigen  Nachsendung  des  Geldes;
„pero  en  lo  de  adelante  se  conforma  como  el  duque  del  Infandato
con  el  cardenal  de  Toledo;  pues  el  aprieto  de  la  real  hazienda  de

V.  M.@  obliga  a  mirar  mucho  en  ello.“
Sim.,  Fasz.  709,  f.  182.1

230.  Landgraf  Moriz  von  Hessen  an  den  Administrator
  der  Kurpfalz.

Auf  das  Ansschreiben  zum  Unionstag.  An  unserer  persönlichen
Teilnabme  sind  wir  durch  andere  notwendige  Obliegenheiten  verhindert,

ı  Gleichzeitig  gab  der  Staatssekretär  Juan  de  Luna  dem  König  ein
(utachten,  das  dieser  am  10.  Juni  Zuniga  überschickte:  „Hallandose  las  cosas
de  Alemana  en  el  estado  que  se  vee,  particularmente  las  del  emp.°"  que  vire
por  mano  agena  y  con  el  recato  que  muestra  de  la  vida,  ay  quien,  piense  que
podria  conservalla  con  mas  seguridad,  si  desde  luego  sediese  el  imperio  Y
todo  lo  demas  en  el  rey  Mathias  su  bermano  con  liberalidal  y  sin  reparar
en  ningun  genero  de  administragion  ni  derecho  en  e!  govierno,  porque  con
esto  sacara  el  emp.°"  mejores  condigiones  para  su  descanso  y  estara  mas
quieto,  quanto  le  bieren  mas  desnudo  de  negogios  y  del  govierno,  y  que
aviendo  dado  todo  lo  que  tiene,  no  tiene  mas  que  dar  ni  ay  qus  esperar  del
por  su  falta,  y  ei  esto  no  se  haze  se  considera  que  nunca  le  dexaran  hasta
quitarle  todo  lo  que  possee  con  gran  peligro  de  su  vida  por  assegurarse  del.
Y  si  se  hiziese  esta  gesion  del  imperio  en  el  rey  3lathias  como  que  da
dicho,  al  mismo  tiempo  se  podria  encaminar  lo  (de  rey  de  Romanos
el  Inianta  don  Carlos  y  seria  su  propia  sazon“  (Bim.,  Fasz.  2452,  f.  377;

opie).
        <pb n="561" />
        230.  1611  539

unsere  geheimen  zur  Union  qualifizierten  Räte  aber  haben  wir  in  Juni  10.
anderen  Sachen  ausgeschickt,  so  dass  wir  fast  keinen  zur  Hand  haben,
der  für  diese  Schickung  zu  gebrauchen  wäre.  Wir  geben  dabei  auch
E.  L.  zu  bedenken,  ob  es  nicht  besser  wäre,  sich  fürderlichst  des
„eonsilii  generalis‘“!  mit  einander  zu  vergleichen  und  durch  dieses  mit
geringerer  Ungelegenheit  alle  Vorfälle  beraten  zu  lassen  „als  dass  es  mit
deniselben  consilio  in  ferner  stecken  geriete‘‘  und  jedesmal  kostspielige
Versammlungen  angestellt  werden  müssten,  die  von  manchen  Ständen,
wie  es  sich  beim  nähern  schweinfurter  Tage  gezeigt  hat,  selten  besucht
oder  beschickt  werden.  Wir  besorgen,  dass  es  auch  diesmal  so  gehen
und  der  eine  und  andere  sich  entschuldigen  oder  ausbleiben  wird
und  bitten  daher  unser  Fernbleiben  zu  entschuldigen.  Sobald  E.  L.
gewisse  Nachricht  haben,  wer  von  den  Fürsten  erscheint,  und  Sie  uns  dies
eiligst  mitteilen,  wollen  wir  sehen,  ob  wir  noch  jemanden  zur
Schickung  aufbringen  können.  Datum  Cassell  am  31.  maii  a,  1611.  —
Praes.  Heidelberg  11.  junii  a.  1611.
Mb.,  119/1,  f.  324;  Or?

!  (remeint  ist  das  zu  Schweinfurt  vorgeschlagene  consilium  politicum  ;
vgl.  no.  100,  S.  221  f.  und  no.  113,  9.  278.

30.  Mai

’  Tage  zuvor,  am  9.  Juni  hatte  der  Markgraf  von  Badon  dem  Administrator

  geschrieben:  Er  halte  eine  persönliche  Zusammenkunft  der  Unierten  zwar
tür  sebr  nötig,  zweifle  aber,  ob  bei  der  Kürze  der  Zeit  alle  Bundesstände,  besonders
Kurbrandenburg  zur  Stelle  sein  und  ob  die  Städte  vor  Abhörung  der  Rechnungen
sich  zu  einem  Unionstag  verstehen  werden;  würden  uber  die  Prinzipale  nicht
selbst  erscheinen  und  die  Sache  wieder  nur  an  die  Räte  kommen,  so  würde
dder  neue  Unionstag  mit  noch  geringerem  Nutzen  abgehen;  wenn  möglich  werde
daher  er,  Markgraf,  persönlich  erscheinen  (Mb.,  119,1,  f.  273;  Or.).  —  Am
8./18.  Juni  zeigte  der  Herzog  von  Württemberg  dem  Maıkgrafen  von  Baden
an,  dass  Ansbach,  Culmbach  und  Anhalt  ihr  persönliches  Erscheinen
zugesagt  hätten;  daber  wolle  auch  er  kommen  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,
f.  90;  Kpt.)..  —  Am  9./19.  Juni  riet  der  Herzog  von  Württemberg  dem
Administrator,  man  möge  den  Uuionstag  auch  ohne  Kurbrandenburg  abbalten;
  vier  Tage  später  mahnte  der  Herzog  nochmals:  er  sehe  nicht  ein,
warum  man  auf  den  Kurfürsten  Rücksicht  nehme;  man  möge  den  Unionstag
fortgeben  lassen  und  dadurch  das  Nistrauen  unter  den  Ständen  beheben
(Mb.,  119/1,  f.  333;  Or.).  —  Fürst  Christian  von  Anhalt  hatte  sein  persönliches
  Erscheinen  von  dem  Erscheinen  der  anderen  Fürsten  abhängig  gemacht
und  gebeten,  falle  der  Administrator  nicht  selbst  an  (dem  Unionstag  teilnebmen
  würde,  ihn  mit  der  Stellvertretung  zu  verschonen,  da  ihnı  alles
„odiose*  ausgelegt  werde  (Anhalt  an  den  Administrator  am  7.:17.  Juni;
Mb.,  119/j1,  f.  305;  Or.).  —  Der  Administrator  selbst  war  am  2./12.  Juni
noch  zweifelhaft,  ob  er  beim  Unionstag  persönlich  erscheinen  solle  und  trieb
Fürst  Christian  von  Anhalt  an,  sich  alsbald  in  Heidelberg  einzustellen,  um
wegen  des  persönlichen  Besuchs  «es  Unionstags  zu  beraten,  da  zu  besorgen
sei,  dass  sich  auch  Neuburg  dabei  einstellen  werde  (Bbg.,  A  9a,  no.  123,  f.  129;
Or.).  Als  die  Nachricht  sich  verbreitete,  dass  auch  Fürst  Christian  von
Rotenburg  wegbleiben  werde,  nabmen  sowol  Württemberg  wie  Baden  ihre
Zussgen  persönlichen  Erscheinens  zurück,  da  bein  Wegbleiben  des  Fürsten
Christian  doch  nichts  nützliches  ausgerichtet  werden  könnte  und  es  ihnen
„unreputierlich“  erscheine,  sich  persönlich  einzustellen,  wenn  nicht  eine
fürstliche  Person  das  Direktorium  führe  (Buwinckhausen  an  den  Markgrafen
von  Ansbach  am  11./21.  Juni;  Be.,  Rep.  83,  Unionsacta,  tom.  XXIL.,  f.  67;
Or.  eigh.  und  Baden  an  den  Administrator  am  12./22.  Juni;  Mb.,  119/1,
        <pb n="562" />
        Juni  11.

540  1611  231.

231.  Zuniga  an  König  Philipp  II.

Jacques  Bruneau  fand  auf  seiner  Reise  bei  den  verschiedenen
Fürsten  !  „poca  inclinacion  a  las  cosas  del  rey  Matias,  con  que%
su  parte  se  procurase  la  gracia  del  emp  °"  con  medios  suabes  y  decsatzs
a  la  autoridad  ces.“,  y  havia  dado  desto  al  rey  y  procurado  de  k
persuadir,  que  so  ajustase  con  esta  voluntad,  que  se  conoce  en  |
principes  del  imperio  representandole  las  razones,  que  para  ello  arı
de  su  propia  combeniencia  y  estobo  y.  siempre  continuando  ;  per  &amp;amp;*
parte  del  rey  se  dan  tan  poca  manera  a  encaminar  esta  negociadea
que  el  embaxador  de  Maguncia  me  dijo  que  lus  tres  eleetores  ecclesiasticos
  y  Sajonia  estavan  muy  inclinados  a  la  persona  del  archidugur
Alberto,?  y  el  dicho  embaxador  y  el  de  Sajonia,  estando  borrachos  eı
un  banquete  he  savido,  que  dijeron  lo  mismo  con  harta  publicitad  s  him
me  pregunta  el  de  Maguncia  sobre,  si  en  caso  que  no  se  pudiese  aalir
con  Matias,  si  resciviria  disgusto  V.  M.4,  de  que  se  hiziesse  Alberto?
Yo  le  dije,  quanto  entranablemente  amava  V.  M.?  al  archidugue  valı
8.0”  infanta  como  a  tales  hermanos,  pero  que  juzgava  V.M.‘  queal:
religion  y  al  imperio  y  a  toda  la  casa  y  al  mismo  8.°  archiduque  Albert:
le  combenia  mas  la  elecion  del  rey  de  Ungria  y  que  asiv
insistiria  en  ello  muy  en  primer  lugar.  Siempre  el  archiduque  m
escrive  mostrando  que  su  fin  es  que  la  election  cayga  en  la  person
del  rey;  pero  todavia  dudo,  si  entre  el  y  Maguncia  pasa  algun
correspondencia  y  si  es,  figuro  que  sera  con  modestia  para  en  cax
que  no  pudiese  salir  Matias.  Esta  platica  de  que  podria  tener  graı
negocio  Alberto,  a  comencado  a  berterse  por  esta  corte  y  a  recelars
della  los  del  rey  y  a  fomentarla  los  del  imperio  y  a  lo  que  entiend:
con  orden  suya,  que  siempre  ha  hecho  profesion  S.  M.*  ces.“  de  meter
cicana  entre  los  de  su  casa.  Han  huelto  esta  coyuntura  dos  embarzdores3
  que  el  rey  embio  los  dias  pasados  a  los  electores  y  el  que  fae
a  los  ecclesiasticoo;  he  savido  que  ha  dicho  a  los  del  rey,  qu
V.  M.?  tiene  mucha  mas  parte  con  los  del  imperio  de  lo  que  pensara,
v  que  de  su  parte  se  hazen  platicas  por  el  archiduque  Alberto:
yaunque  esto  es  tan  falso,  me  da  cuidado,  porque  si  viniesse  a  salır
S.  A.  por  rey  de  Romanos,  no  habria  desengaunar  al  rey  de  Ungris  }

f.  326;  Or.)..  —  Erst  am  4.  Juli  traf  die  sehnsüchtig  erwartete  Antwort  Kur
brandenburgs  vom  12.'22.  Juni  auf  das  Ausschreiben  in  Heidelber;r  ein:  der  Kur
fürst  erklärte,  wegen  dos  Kurfürstentags  und  wegen  des  bevorstehenden  warschaser
Reichstags  weder  selbst  kommon  noch  Gesandto  schicken  zu  können  (Mb.
119/1,  f  346;  Or.);  doch  hatte  der  Administrator  schon  am  11./21.  Juni  den
Rotenburgern  mitgeteilt,  dass  der  Unionstag  verschoben  werden  müsse  (\lb.
119/1,  1.322;  Kptkopie).  Christian  von  Anhalt  misbilligte  in  einem  Schreibee
vom  12.:22.  Juni  an  den  Markgrafen  von  Ansbach  scharf  diese  Verschiebung:  &amp;amp;
sei  tiber  die  Suspension  («des  Unionstages  ebenso  erstaunt,  wie  er  es  früh
wegen  dessen  Ueberstürzung  gewesen  sei  (Be.,  Rep.  88,  Unions.kten,  tom.  LI,
f.  135:  Or.  eigh.).

I  Vgl.  no.  207,  8.  496,  Anm.  1.

’  Vgl.  no.  201,  no.  216,  no.  224  und  no.  228.

°  Vgl.  no.  144  und  no.  222  mit  Anm.  1  auf  S.  523.
        <pb n="563" />
        31  —232.  1611  541

.  108  suyos,  de  que  a  sido  esto  mediante  el  favor  de  V.  M.?,  pero  en  Juni  11.

asos  semejantes  no  veo  otro  remedio  que  proceder  con  verdad  y
‚ontinuacion  en  la  observancia  de  lo  que  se  promete  sin  curarse
nucho  de  las  calunias  que  se  oponen.“  Ich  habe  geglaubt,  diese
vichtigen  Neuigkeiten  E.  M.'  so  ausführlich  mitteilen  zu  müssen,
venn  ich  auch  eine  bisher  noch  völlig  genügende  Instruktion  habe.!
&amp;gt;raga  11.  junio  1611.

Sim,,  Fasz.  2497,  f.  63;  Or.®

232.  Die  neuburgischen  Räte  Hugolt  Beer  und  Dr.  Silbermann
  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Neuburg.

Der  König  Matthias  hat  durch  Dekret  dem  spanischen  Botschafter  die
Reassumtion  der  Handlung  mit  dem  Kaiser  aufgetragen,  dieser  aber
bat  sich  zu  fornerer  Handlung  nicht  verstehen  wollen.?  Dem  Herzog  von

c

a  von  Losenstein  und  Hofkirchen
6.  Jwni

namens  des  Königs  an  die  Hand  gegeben  worden,  er  könne  sich

Braunschweig  ist  dagegen  am

ı  Gleichzeitig  schreibt  Zuniga  an  Erzherzog  Maximilian:  Wegen  der
Wichtigkeit  des  mühlhauser  Tages  wäre  es  gut,  wenn  der  Erzherzog  (das
„benachbarte*  Mergentheim  aufsuchen  würde  „y  de  alli  llegarse  a  Milhausen,
a  verse  con  aquellos  principes  para  hazer  grandes  officios  con  ellos,  a  flu
que  tengan  muy  en  Bu  gracia  y  amistad  al  rey  de  Hunyria  y  que  por  Su
medio  le  introduzgan  en  la  del  emperador,  de  lo  qual  depende  el  bien
universal  de  todo  el  imperio  y  de  la  Christiaudad.  En  esta  occasion  y  por
ver  de  la  calidad  que  es  el  negocio,  me  atrevo  a  representarle  a  V.  A.  muy
seguro  de  que  el  rey,  mi  8.0,  recivira  dello  particular  contentamiento  y  lo
estimara  Pie  estremo  grado“  (lb.,  Ambraser  Akton,  Missiven  vom  Juni  1611,
no.  26:  Or.).

’  Am  17.  Juni  berichtet  Zuniga  weiter,  dass  er  seitdem  eine  Depesche
des  Erzherzogs  Albrecht  erbalten  babe,  worin  ihm  die  Unterredung  Vischeres
mit  Kurköln  zu  Lüttich  wegen  der  Wahl  des  Matthias  (no.  201)  mitgeteilt
worden  sei.  Der  Erzheızog  lege  zwar  auf  diese  Aeusserungen  des  Kurfürsten
keinen  Wert,  habe  aber  Zuniga  zu  erwägen  gegeben,  ob  man  davon  dem  König
Matthias  Mitteilung  machen  solle.  Er  habe  dar:ıuf  dem  Erzherzog  erwidert:
„Lo  estoy  de  muy  diferente  opinion  en  esta  parte  y  entiendo  que  quando  dixo
el  elector  aquellas  razones  las  entendia  assı  el  elector;  pero  el  Jar  quenta
dellas  al  rey  no  se,  si  Beria  acertado  especialmente  que  en  el  capitulo  del
sumario  que  embio  Fijer,  que  trata  deste  punto  dize  con  partieularidad  que
se  le  declara  el  elector  en  miucho  coıuflanca.  Yo  tengo  por  muy  gierto  que
8.  A.  procede  con  gran  singeridad  con  el  rey  de  Ungria  5  que  tiene  por
sertissimo  que  a  la  religion  y  a  !a  casa  y  a  su  mesma  serenissima  persoua
le  esta  mejor  que  la  Jignıdad  de  rey  de  Romanos  cayga  en  el  rey  Mathias,
respecto  del  senorio  que  possee  destos  reynos  y  provingias  de  aca,  y  que  asei
yra  captando  Ja  venebolencia  a  los  electores  pringipes  del  imperio,  con  quien
S.  A.  taene  correspondencia  y  hecho  todas  las  diligengiaa  que  pudiere  para
la  promogion  del  rey  de  Ungria,  de  que  sera  agertado  darle  quenta  y  este
modo  de  progeder  y  esta  modestia,  aun  en  caso  que  tuviera  designo  para
su  mesma  persona,  le  metiera  quiza  en  el  puerto  de  su  pretension*  (Bim.,
aa.  0.,  f.2;  Kopie).

°  Vgl.  uo,  mit  Anm,  1  auf  8.  526.

Juni  11.
        <pb n="564" />
        542  1611  232.

Juni  11.  um  Kaiser  und  König  verdient  machen,  wenn  er  den  Vergleich
zwischen  ihnen  unternehme;  aber  der  Herzog  lehate  dies  mit  Hinweis
auf  die  kaiserliche  Resolution  und  die  Abreise  der  mainzischen  und
sächsischen  Gesandten  ab!.  Der  kurkölnische  Gesandte,  der  vorgestern
hier  ankam,?  ist  ebenso  wie  der  mainzische  und  sächsische  instruiert,
beim  König  und  bei  den  böhmischen  Ständen  sich  zu  interponieren,
damit  des  Kaisers  Hoheit  nicht  verletzt  werde;  da  er  aber  befand,  dass
es  zu  allem  zu  spät  sei,  beschränkte  er  sich  darauf,  dem  Kaiser  seine:
Herrn  Dienste  zu  vermelden.  —  Der  Kaiser  lässt  noch  immer  einpacken
  und  beharrt  bei  seinem  Entschluss,  sich  von  hier  wegzubezeben,
sobald  der  Kurfürsten  Gutachten  eingelaufen  sind.  Dar  König
wohnt  noch  bei  Popel  und  ist  noch  nicht  zu  Rosenberg  gezogen.
Zur  Oktave  von  Fronleichnam  hat  ‘er  an  der  Prozession  auf  der
Burg  teilgenommen  und  kommuniziert.  Heute  oder  Montag  sollen
die  böhmischen  Landesämter  wieder  besetzt,  sodann  die  Räte  der
prager  Städte  erneuert  werden.?

Der  Sekretär  der  böhmischen  Landeskanzlei  Hans  Müllem,  berichtet,
  dass  die  böhmischen  Stände  drei  Konfoederationen  machen
wollen:  die  erste,  die  Hauskonfoederation,  soll  zwischen  Böhmen,
Mähren,  Schlesien  und  den  Lausitzen  aufgerichtet  werden,  so  dass
diese  Länder  zur  Defension  stets  15000  Mann  geworbenes  Volk
beisammen  hätten;  die  zweite  soll  zwischen  diesen  Ländern  und
Ungarn  und  Oesterreich  aufgerichtet  werden,  wobei  jeder  Teil,  falls
Erzherzog  Teopold  etwas  tentierte,  2500  Mana  au  der  Grenze  unterhalten
  soll;  die  dritte  soll  mit  den  mit  der  Krone  Böhmen  erbvereinigten
kurfürstlichen  und  fürstlichen  Häusern  gemacht  werden;  diese  sollen
eingeladen  werden,  zur  Vergleichung  der  Bestimmungen  ihre  Gesandten
zum  nächsten  Landtag  zu  schicken.  Von  den  Kurfürsten  und  Fürsten
hat  noch  niemand  dem  König  gratuliert,  ausser  was  Brömser  privatim
getan  hat.  Datum  Prag  den  1.  junii  1611.

ı  Vgl.  no.  227.

?2  Jobst  von  Landsberg;  vgl.  no.  159,  S.  393,  Anm.  1.  Der  Age:
Eberhard  Rahme  berichtet  am  2./12.  Juni  aus  Prag  an  den  Markgrafen  voa
Culmbach,  dass  der  Kaiser  zum  kurkölnischen  Gesandten,  der  an  diesem
Tag  Audienz  hatte,  geäussert  habe:  „Dass  ich  alhie  ale  ein  schatten  an
der  wand  sein  solte,  das  will  mir  als  einem  römischen  kaiser  nit  gebüren‘
(De.,  A  9a,  Ic,  no.  8;  Kopie).

°  Wegen  der  Besetzung  der  obersten  Landesämter  vgl.  das  (rutachten
der  königlichen  geleimen  Räte  vom  4.  Juni,  gedruckt  {mit  irrigem  Datam:
4.  Juli)  bei  Hammer-Purgstall,  Kblesls  Leben,  II,  Urkunden-Sammlung,
no.  324).  Wilhelm  Bodenius  berichtet  darüber  am  11.  Juni  an  Herzog
Maximilian  von  Baiern:  Die  Stände  dringen  stark  auf  Besetzung  der  Aemter,  vor
allem  aber  darauf,  dass  Slawata  und  Smeczansky  ihrer  Aemter  entsetst  werden;
da  «ler  Oberstburggraf  Sternberg  selbat  seine  Entlassung  begehrt,  so  wird  ausser
dem  obersten  Landrichter  Waullenstein  fast  kein  Katholischer  unter  den
obersten  Landoffizirren  sein,  was  den  König  sehr  perplex  macht  (Mec.,  Eat
stehung,  Fasz.  lil.,  no.  26,  f.  98;  Or.  oigh.).
        <pb n="565" />
        232.  1611  643

Erste  Nachschrift:  Favonius!  hat  uns  gestern  berichtet,  dass  Juni  11.
der  Kaiser  vorgestern  dem  Landgrafen  von  Leuchtenberg  habe  sagen
lassen,  er  verzichte  auf  dessen  Dienste.  Zu.iga  soll  dies  hart
empfunden  haben  nnd  besorgen,  dass  es  Mollart,  „der  auch  ihres
fermenti‘,  gleichmässig  ergehen  werde;  Leuchtenberg  wird  bald  abreisen.
Inzwischen  dirigiert  Braunschweig  die  Consilia?,  befiehlt
Hertel  und  andern  zu  expedieren  und  soll  beabsichtigen,  eine
Reformation  unter  den  kaiserlichen  Dienern  vorzunehmen  und  die
überflüssigen  ganz  abzuschaffen.  Der  Kaiser  vertraut  sich  dem
Herzog  ganz  an.  —  Khlesil  war  dieser  Tage  bei  dem  verhafteten
Hannewald  und  hat  ihn  abermals  examiniert,  sich  auch  erboten,
weil  er  noch  mehr  befragt  werden  müsse,  die  Verhörs-Artikel  selber
zu  machen  3;  Hannewald  wird  diese  Affektion  schwerlich  sehr  rühmen.
Datum  ut  in  literis.

Zweite  Nachschrift:  Der  Herzog  von  Braunschweig  hat  uns  am

u  mitgeteilt:  es  habe  der  König  vom  Kaiser  begehrt,  alle

Lehensleute  des  Königreichs  ihrer  Pflicht  zu  erlassen,  damit  sie  vom
König  in  dessen  Pflicht  genommen  werden  könnten;  der  Kaiser  habe
sich  aber  darauf  nicht  erklärt.  Der  Herzog  begehrte  von  uns,  dass
wir  E.  fl  Gn.  schreiben,  auf  eine  Aufforderung  des  Königs  zur
Lehensempfängnis  nicht  zu  „komparieren‘“,  wie  auch  von  Kursachsen
geschehen  werde.  E.  fl.  Gn.  können  sich  u.  E,  wol  entschuldigen.
Datum  ut  in  literis.

Dritte  Nachschrift:  Wegen  der  Achtsexekution  gegen  die  Stadt
Braunschweig*  hätten  wir  gern  bei  den  braunschweigischen  Räten
Erinnerung  getan;  der  Herzog  hat  aber  keine  Räte  bei  sich  und
macht  alles  selber;  er  wird  sich  auch  von  der  Exekution  nicht  abhalten
  lassen,  es  würde  denn  auf  dem  Kurfürstentag  ein  anderes

gehandelt  werden.  Datum  ut  in  literis.
Me.,  Neuburger  Archiv,  Jülich-Berg,  Fasz.  34,6m;  —  Kpt.  von  Beer.

i  Unter  diesem  Decknamen  birgt  sich  der  von  Neuburg  bestochene
kaiserliche  Kammerdiener  Martin  Hastal.

?  Schon  am  30.  Mai  berichtet  Bodenius  über  Differenzen  zwischen
Braunschweig  und  Leuchtenberg:  ersterer  liess  dem  kaiserlichen  Kontrolor
ein  Verzeichnis  des  kaiserlichen  Hofstaats  abverlungen,  das  der  Kontrolor
ohne  Vorwissen  Leuchtenbergs,  des  Obersthofmeisters,  zu  geben  sich  weigerte;
dieser  aber  zeigte  sich  über  die  Sache  sehr  empfindlich  (Mc.,  a.  a.  O.,  f.  96;
Or.  eigh...  Am  4.  Juni  schreibt  derselbe  Bodenius,  der  Herzog  masse  sich
fast  das  Oberstbofmeisteramt  an  (Ma.,  378,87,  f.  18;  Or  eigh.),  und  am  11.
(vgl.  oben  Anm.  3  auf  8.  542),  dass  die  Eifersucht  zwischen  Braunschweig
und  Leuchtenberg  immer  mehr  wachse;  auch  ein  Ungenanuter  berichtet  am
6.  Juni  aus  Prag:  der  Kaiser  wolle  dem  Herzog  das  lirektorium  des  ganzen
Hofes  übergeben  und  habe  von  ibm  schon  ein  Gutachten  zu  dessen
Reformation  begehrt  (Ma.,  111/11;  —  Kopie;  vgl  auch  no.  223,  8.  525,  Anm.  1).

®  Vgl.  no.  222,  S.  523,  Anm.  1).

*  Vgl.  desbalb  Häberlin-Senckenberg,  Neuere  teutsche  Reichsgeschichte,
  XXII.,  429  f.,  XXIII,  416  £.
        <pb n="566" />
        Juni  12,

544  1611  233.

233.  König  Matthias  an  Erzherzog  Maximilian.

Ich  hatte  gehofft,  der  Kaiser  werde  nach  der  Krönung  die
Verhandlungen  wieder  aufnehmen,  wie  er  durch  Zuniga  mich  hatte
erinnern  lassen;  aber  bisher  ist  nichts  erfolgt  als  beiliegender  Bescheid.t
  Obwol  ich  diesen  Bescheid,  dessen  Autor  der  Herzog  von
Braunschweig  ist,  nicht  annehmen  sondern  die  angefangene  Verhandlung
  fortsetzen  wollte,  so  hat  doch  der  Kaiser  auf  seiner  letzten
Resolution  desto  mehr  zu  beharren  Gelegenheit  gesucht  und  mich  erst
heute  wieder  bescheiden  lassen,  dıss  ich  ihm  Bedingungeu  vorschlagen
solle,  wie  ich  ihm  genug  zu  tun  vermeine,  zweifelsohne,  weil  er  weiss,
„dass  ich  bei  würklicher  possession  des  konigreichs  Böhaimbs
verworfner  condition  nicht  sein,  also  was  bisher  gehandlet,  ungewiss
und  verdächtig  machen,  bei  allen  chnr-  und  fürsten  im  reich,  wie
auch  meinen  konigreichen  und  landen  die  authoritet  verlieren  sondern
vilmehr  auf  das  sehen  wurde,  was  I.  M.‘  im  böhmischen  landtag
proponiert,  sie  darüber  mit  mir  handlen  und  ich  dieselb  beantworten
lassen.  Do  nun  IL  M.'  solches  nicht  gefellig,  [sollen  sie]  mir  andere
conditiones,  allermassen  sie  zuvor  gethan,  fürschlagen.  Weils  aber
nicht  geschiecht  noch  geschehen  will,  mues  ich  mich  cathegorice
dise  tag  gegen  I.  M.'  erclären  und  auf  ein  richtige  strassen  begeben,
damit  ich  und  meine  königreich  künftig  zu  geniegen  versichert  sein
mechten.“

Der  Herzog  von  Braunschweig  hat  den  Kaiser  auch  dazu
vermocht,  dass  er  die  Calvinisten  an  sich  zieht  und  Landgraf  Moriz
von  Hessen  und  den  Administrator  von  Magdeburg  als  Kommissarien
zum  Kurfürstentag  bestimmen  will.?2  „Nun  ist  mir  berürter  landgraf
von  Hessen  wie  auch  Haidiberg,  Brandenburg,  Württenberg,  Baaden,
Christian  von  Anhalt  und  andere  protestierende  fürsten,  welche  mir
auch  von  aigner  hand  geschriben  und  vil  guetes,  auch  würklicher
assistenz  aus  denselben  gegen  meinen  commissarien  vertröstet  und
anerboten  haben,?  vertreulich  bekannt,  daher  ich  mir.  aus  inen  ain
oder  mehr  zu  erhalten  wol  getrauet,  do  ich  nicht  hohe  und  sonderbare
bedenken,  in  denen  ich  nicht  volgen  wolte,  was  andere  unrechts
thuen.“  Ich  bitte  daher  um  E.  L.  brüderlichen  Rat  und  Hilfe  —
Meine  Räte  gehen  einhellig  auf  E.  L.  Person,  wenn  ich  Sie  zu
persönlichem  Besuch  des  Kurfürstentags  aus  vielen  erheblichen
Ursachen  und  dass  ebenso  Karl  V.  und  Ferdinand  einander  beigestanden,
  bewegen  könnte;  E.  L.  sind  der  nächste  an  mich,  haben
grosses  Ansehen  im  Reich  und  könnte  ich  E.  L.  gute,  völlig  unterrichtete
  Leute  zuordnen.  Doch  bevor  ich  nicht  Dero  Inklination
kenne,  will  ich  Derselben  nichts  zumuten,  aber  mich  wenigstens

ı  Vgl  no.  227,  S.  532,  Anm.  2
2  Vgl.  no.  215,  S.  509,  Anm.  1.
®  Vgl.  no.  166  mit  Anm.  3  auf  S.  406  und  no.  217.
        <pb n="567" />
        233  —234.  1611  645

Dero  Rates  bedienen.  Erbieten  E.  L.  sich  zu  mehr,  so  bin  ich  Juni  12.
Derselben  desto  mehr  verbunden.  Praag  den  12.  junii  a.  1611.
Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juli  1611,  no.  34;  Or.!

234.  Melchior  Khlesl  an  don  Kurfürsten  von  Mainz.  Juni  12.

Vorzeiger  dieses,  E.  kfl.  Gn.  treuer  Diener,?  wird  von  König  Matthias
zu  Derselben  abgesandt,  um  Sie  seines,  des  Königs,  aufrechten  deutschen
Gemütes  zu  versichern.  Bei  dieser  Gelegenheit  will  ich  die  Verantwortung
  nachholen,  die  ich  in  meinem  letzten  Schreiben?  vergessen
habe,  da  E.  kfl.  Gn.  gegen  Teufel  gerügt  hatten,  als  hätte  ich  Dero
Gesandten  Brömser  allhier  keine  Ehre  erzeigt.  Ich  nehme  Gott  zum
Zeugen,  dass  ich  ihn  mit  keinem  Auge  gesehen  habe,  bevor  er  sich
vom  König  verabschiedete,  wobei  ich  ihn  alsogleich  ansprach  und
empfieng;  „dann  wie  ich  mich  seiner  person  von  E.  chfl.  Gn.  wegen
zu  Wıen  erfreuet,  ine  nach  müglichkeit  tractier,  auch  mein  herz
ohne  allen  vorbehalt  ihme  eröffnet,  also  hette  ich  alhie  zu  thuen  nicht
unterlassen,  unangesehen  seines  spargierten  schriftlichen  discurs  [fehlt],
in  welchem  meiner  alseines  catholischen  bischovens  ungleich  gedacht  wird‘“.
Das  hätte  mich  aber  wegen  des  schuldigen  Respekts  gegen  E.  kfl.  Gn.
gar  nicht  abgehalten,  Brömser  zu  ehren  ;  denn  ich  weiss  wol,  dass  wir
alle  Menschen  und  Leidenschaften  mehr  als  gebührlich  unterworfen  sind.
Mich  hindern  solche  Unvollkommenheiten  nicht,  wenn  ich  der  Religion
und  gemeinem  Wesen  nützen  kann,  denn  dies  sind  Publica,  jenes
Privata,  Ich  will  darauf  sterben,  dass  man  zwischen  dem  Kaiser  und
dem  König  wol  alles  hätte  beilegen  können,  wenn  man  sich  s0  eifrig  wie
E.  L.  darum  angenommen  hätte;  künftig  wird  es  nur  mit  Schaden  unserer
Religion  und  mit  neuen  und  beschwerlichen  Verbindungen  der  Königreiche
und  Länder  zu  höchstem  Praejudiz  und  Nachteil  des  Hauses  Oesterreich
  wegen  des  Aufschubs  und  der  täglichen  Verbitterung  geschehen
können.  Obwol  nun  der  König,  der  bisher  in  Religionssachen
nichts  vergeben,  die  Geistlichen  und  Katholischen  geschützt  und  sie,  wo
sie  geängstigt  werden,  „liberirt‘‘  hat,  sehr  ungern  zu  den  „desperatis
terminis“  gelangen  wird  und  sich  als  jüngerer  Bruder  gern  dem  Kaiser
akkomodiert  hätte,  so  will  doch  allda  nichts  verfangen,  „wo  man
ad  partem  sich  bösen  consiliis  incliniert“,  wie  E.  kfl.  Gn.  zuvor

—

!  Der  Erzherzog  antwortete  am  20.  Juni  mit  einem  abschlägigen  Bescheid

  und  mit  dem  Versprechen  eines  Wesamtschreibens  an  die  Kurtürsten
zu  Gunsten  des  Königs;  zugleich  machte  der  Erzherzog  den  König  auf  die
gegen  ihn  gerichteten  Umtriebe  im  Reich  aufınerksam.  Der  Konjg  liess  es
bei  dieser  Autwort  bewenden  und  erwog  fernerlin,  den  Bischof  von  Speier
zur  Beschwichtigung  von  Kurınainz  zu  gewinnen  (Matthias  an  Maximilian  am
29.  Juni;  lb.,  a.  a.  O.,  no.  26;  Or.).
?  Dr.  Johann  Martin  Rebmann.  Dessen  Instruktion  und  Beglaubigung
ist  vom  7.  Juni  datiert  (Wi.,  I  A1,  Ka.  2990;  Kpt.);  wegen  seiner  Werbung
gl  unten  no.  241.

’  No.  222.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  35
        <pb n="568" />
        Juni  12

Juni  13.

546  1611  234-235.

schon  gesehen  haben.  Ich  besorge,  dass  schliesslich  die  Gedald
reissen  und  daraus  nichts  Gutes  entstehen  wird.  Mit  meinem  Rat
soll  es  aber  nicht  geschehen  und  lieber  will  ich  sterben  als  meine
Stand  und  Gewissen  diesen  Spott  antun.  Ich  bin  aber  hier  allein
geistlich,  mir  stehen  gegenüber  die  Ausschüsse  und  Stände  aller  Ertkönigreiche
  und  Länder,  die  ich,  zumal  ich  ihnen  ohnehin  schon  wege
der  Religion  verdächtig  bin,  nicht  werde  zurückhalten  können.  —  Ih
stelle  dies  alles  E.  kfl.  &amp;amp;n.  deutsch  und  ehrlich  vor  Augen  und  bitte
Sie  um  Gottes  willen,  mit  Eifer  dazu  zu  tun,  dass  es  zu  keinen
Weitläufigkeiten  kommt.  Datum  Praag  den  12.  jwii  a.  1611.  —
Praes.  Aschaffenburg  18.  junii  1611.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd  103c,  no.  178;  Or.!

235.  Instruktion  des  Markgrafen  von  Ansbach  für

dessen  Obersten  und  geheimen  Rat  Philipp  Fucbs

von  Bimbach  zur  Schickung  an  den  Markgrafen  von
Baden.

Der  Markgraf  wird  die  beim  letzten  Unionstag  von  den  „kortspondierenden‘‘
  Städten  eingebrachten  Gravamina?  erhalten  und  darau:
ersehen  haben,  ‚‚mit  was  ungleichen,  mistreulichen  und  unbeschuldte
clagen  und  zumassungen‘“  wir  und  unsere  mitunierten  Kurfürsten  uni
Fürsten  einzeln  und  insgemein  von  den  Städten  angesprochen  werdes.
Diese  Beschwerden  kommen  uns  umso  verdächtiger  vor  und  sehe
einem  „gesuchten  Zunötigen“  umso  mebr  ähnlich  als  man  weder  it
Werken  noch  in  Worten  die  gebührende  Moderation  finden  nill.
so  dass  wir  völlig  dafür  halten,  es  sei  alles  zu  einem  andern  Intent  anf
die  Bahn  gebracht  worden.  Da  wir  aber  diese  schweren  Anschuldigungen
nicht  unbeantwortet  lassen  können  und  zu  vermuten  ist,  dass  bei  beverstehender
  Tagung  die  Städte  sich  ebenso  wenig  wie  in  Schweinfurt  zw
Haupthandlung  verstehen  werden,  bevor  ihre  Gravamina  abgelehnt  oder
remediert  sind,  wir  auch  vermeinen,  dass  die  sechs  ersten  Punkte  &amp;amp;:
Beschwerdeschrift  hauptsächlich  auf  uns  und  den  Markgrafen  geben,  $
halten  wir  für  nötig,  uns  mitS.  I.  deshalb  zu  verständigen,  wie  wir  die®
unbilligen  Auflagen  abtun  und  den  Städten  zu  verstehen  geben  könnten.
dass  ihr  Verdacht  ganz  ungleich  sei.  Am  besten  scheint  uns,  jedem  Punkt  ei;

—--  ——  .-  -—_

'  Kurmainz  antwortete  darauf  am  19.  Juni:  Khlesl  werden  seire
Bemühungen  um  die  Versöhnung  der  Brüder  bei  mäuniglicb  Ruhm  ud
Ehre  eintragen;  was  bei  Teufels  Anwesenheit  vorgegangen  sei,  „das
anderer  gestalt  nit  ale  zeitungsweiss,  wie  uns  derozeit  aus  andern  ort@
eingelangt,  beschehen  und  haben  Dieselbe  sich  zu  uns  einiger  ongleiche
affection  durchauss  nit  zu  vorsehen“;  er,  Kurfürst,  zweifle  nicht,  das
Kblesl  bei  diesem  weitaussehenden  Werk  gute  Dienste  leisten  und  Weiterunge
zwischen  so  hohen  Häuptern  der  Christenheit  werde  verhüten  helfen  (Wma.a.
  OÖ,  no.  189:  Kpt.).

?  No.  107.
        <pb n="569" />
        235.  1611  547

beiderseits  verglichene  Defension  entgegenzusetzen,  deren  Entwurf  Juni  13.
hier  folgt:  |

1.  Manbeschuldigtuns  beide,  ohne  Vorwissen  der  Mitunierten,  besonders
ohne  Verwilligung  Strassburgs  ins  Elsass  eingefallen  zu  sein,  —
Wir  haben  aber  hierin  mit  Gutachten  des  Kurfürsten  von  der  Pfalz,  der  deswegen
  den  Grafen  Johann  von  Nassan  zu  uns  abgefertigt  hatte,  gehandelt
und  haben  nicht  gezweifelt,  der  Kurfürst  werde  den  andern  Ständen
davon  Mitteilung  gemacht  haben.  Uebrigens  ist  es  weder  herkömmlich
noch  ratsam,  so  wichtige  Unternehmungen,  deren  Erfolg  auf  Verschwiegenheit
  und  rascher  Exekution  beruht,  vorher  kundbar  zu  machen,
besonders  wenn  bis  zur  Ausführung  noch  geraume  Zeit  vergehen  und
ein  weiter  Weg  zurückgelegt  werden  muss;  zudem  haben  wir  den
Strassburgern  eine  gute  Zeit,  bevor  wir  deren  Territorium  berührten,
unsern  Anzug  angezeigt.  Die  Belagerung  einiger  Orte  des  Feindes
musste  geschehen,  um  das  Gesindel  von  dort  zu  entfernen;  hatten  doch
vorher  die  Strassburger  selbst  sich  beschwert,  dass  der  erste  Einfall
ins  Elsass  zu  nichts  mehr  geholfen  habe  als  dass  die  Zaberner  sich  etwas
zurückzogen,  hernach  aber  die  vorigen  Plätze  wieder  einnahmen  und
ärger  hausten  denn  je  Dass  auch  der  zweite  Anschlag  nicht  den
erwünschten  Erfolg  hatte,  ist  dem  zuzuschreiben,  dass  die  Städte  sich  wegen
des  Zugs  nicht  endgiltig  resolvieren  wollien  und  dass  es  an  Proviant  fehlte,
dessenwegen  wir  mehr  abschlägige  Antworten  als  Zusagen  erhielten  ;  auch
Munition,  Geschütz  und  sonstiges  Zubeliör  war  zur  Fortsetzung  des  Anschlags
  nicht  genügend  vorhanden  und  lIıaben  ausser  Pfalz  und  Baden  die
andern  Stände  mit  der  Lieferung  sich  säuınig  erwiesen.  Dass  der  Stadt
Strassburg  beidieser  Expedition  grosses  Ungemach  zugefügt  worden  wäre,
davon  wissen  wir  nichts,  glauben  vielmehr,  dass  ihre  Bürger  davon  ansehnlichen
  Nutzen  hatten,  da  sie  das  meiste  Geld  in  ihre  Stadt  bekamen.  Ihre
Leute  uud  Untertanen  sind  nach  Möglichkeit  verschont  worden  und,  wenn
man  schon  bei  ihnen  Quartier  nehmen  musste,  so  warnte  man  sie  doch  zuvor,
ihr  Bestes  zu  flüchten.  So  lang  der  Proviant  reichte,  wurde  die  Last  des
Kriegs  wenig  empfunden  ;  dann  aber  schlug  man  uns  alle  Viktualien  mit
bedrohlichen,  für  hohe  Standespersonen  ungewöhnlichen  Schreiben  ab,  verbreitete
  sogar  diese  abschlägigen  Antworten  und  schuf  dem  Feind  dadurch
Vorteil.  Was  man  aber  an  Proviant  erhielt,  war  ungenügend  und  nicht  zu
rechter  Zeit  geliefert,  so  dass  wir  unsern  Leuten  oft  durch  die  Finger  sehen
mussten.  Wenn  man  sich  dann  einmal  aus  Not  den  Proviant  anderwärts
holen  musste,  so  geschah  es  doch  aus  den  Dörfern  der  Feinde,  die  Flur  der
Strassburger  wurde  durch  Salvaguardien  uud  stetige  Streifen  geschützt  ;
Personen,  die  sich  dagegen  vergiengen,  wurden  zum  abschreckenden
Exempel  justifiziert.  Der  gelieferte  Proviant  wurde  zuweilen  auch  nicht
in  die  rechten  Quartiere  geschafft,  blieb  liegen,  verdarb  oder  wurde
zurückgebrachtt.  —  Wegen  der  Abdankungsplätze  und  Einlagerungen
  haben  wir  beide  Markgrafen  uns  am  meisten  zu  beschweren,
da  man  uns  solche  im  fremden  Gebiete  nie  gestattete,  so  dass  wir  unsere
Truppen  zur  Erhaltung  der  Reputation  der  Union  anf  unsere  eigenen

35”
        <pb n="570" />
        548  1611  23.

Juni  18.  Untertanen  legen  mussten,  wie  wir  denn  auch  hoffen,  man  werd
uns  die  dadurch  unnötig  verursachten  Unkosten  ersetzen.  Eine  ungereimte
Zunötigung  ist  auch  der  Vorwurf,  wir  hätten  schwere  Seuchen  iss
Land  gebracht,  da  doch  solche  in  Gottes  Hand  liegen  und  wir
solchen  Heimsuchungen  ebenso  wie  andere  Menschen  unterworfen  sind.
Endlich  sagt  man  gar  noch,  dass  dieser  Kriegszug  ins  Elsass  den  Uniertea
Gefahren  und  Nachteile  gebracht  habe,  während  wir  doch  dies  alles
zum  Schutz  des  Vaterlandes,  besonders  aber  zur  Sicherung  der  Stadt
Strassburg  mit  Darsetzung  unseres  eigenen  Leibes  getan  haben,  %
dass  wir  wol  mehr  Dank  erwarten  durften.  Wir  geben  auch  zı
bedenken,  ob  die  Stadt  Strassburg  sich  gegen  einen  Angriff  des  elsässer
Volkes  in  so  kurzer  Zeit  hätte  gefasst  machen  können  und  was  für
Konsequenzen  zur  DBeschwer  des  ganzen  Reiches  daraus  gefolgt
wären,  wenn  Strassburg  überwältigt  worden  wäre,  Die  Nachwelt
wird  über  unsere  Absichten  hoffentlich  ein  anderes  Urteil  fällen.
2.  Uns  wird  ferner  vorgeworfen,  die  Disziplin  sei  so  lax  gewesen,
dass  kein  unierter  Stand  im  Notfall  sich  unserer  Hilfe  zu  getrösten  gehabt
hätte.  Wo  der  nötige  Proviant  geliefert  wurde,  gab  es  keine  Klagen;  bei
Mangel  an  Geld  und  anderm  hat  man  aber  den  armen  Soldaten  zuweilen
etwas  zulassen  müssen;  der  Krieg  kann  nicht  ohne  Disziplin  geführt,
diese  aber  nicht  ohne  Geld  und  Vorräte  erhalten  werden;  ein  hungriger
Bauch  hat  ‚sehr  dicke  und  übelhörende  Ohren.“  3.  Zur  Vermeidung
von  Meuterei  musste  man  zum  Geld  der  Union  greifen.  Auch  uns
war  unlieb,  dass  die  Musterung  keinen  Fortgang  nabm;  wir  haben  sie  nie
verhindert,  wenn  nur  Musterkommissarien  abgeordnet  worden  wären.  Wir
haben  auch,  obwol  es  nicht  unseres  Amtes  war,  den  Proviant  vom  Sold
abziehen  lassen,  wie  die  Rechnungen  zeigen.  Den  Tross  konnte  man
nicht  abschaffen,  weil  bis  zuletzt  ungewiss  war,  ob  das  Lager  de
Kriegsvolks  kontinuiert  oder  das  Volk  abgedankt  werden  solle.  Dass  aus
der  Einlagerung  eine  Teurung  in  den  Landen  der  Unierten  entstanden
sein  soll,  befremdet  uns  zu  hören,  da  das  Volk  doch  nicht  so  zahlreich
war;  übrigens  wäre  die  Abhilfe  leicht  gewesen,  wenn  man  die  Einlagerung
in  katholische  Dörfer  zugelassen  hätte.  4.  Wir  sollen  auch  neue
Werbungen  ohne  Vorwissen  der  Städte  angestellt  haben.  Dies
Werbungen  hatten  aber  ihre  besondern  Ursachen,  um  dem  Feind  Abbruch
zu  tun  und  uns  zu  stärken,  die  Intentionen  des  Gegners  kennen  zu  lernen
und  die  nächstgesessenen  Unierten  desto  besser  zu  sichern.  Der
schnelle  Entschluss  konnte  nach  Lage  der  Sache  nicht  sogleich  allen
Ständen  mitgeteilt  werden,  sonst  hätten  der  Graf  [Mansfeld]  und  sein
Kriegsvolk  in  grosse  Gefahr  kommen  können.  Diese  Sache  ist  eine
Partikularsache,  die  dem  General  vorbehalten  bleiben  muss,  wie  die
Hauptsache  wieder  vom  ganzen  Corpus  zu  beraten  und  zu  beschliessen
ist.  Die  Städte  zahlen  dazu  auch  nicht  mehr  als  ihre  Quote.  5.  Die
Antizipationen  sind  nur  in  Ansehung  der  grossen  Gefahr  begehrt
worden,  um  Meuterei  des  unbezahlten  Volks  oder  bei  den  notwendigen
Einlagerungen  allerlei  Unheil  zu  vermeiden.  6.  Die  Städte  haben  wenig
        <pb n="571" />
        235—  236.  1611  549

Grund  sich  zu  beschweren,  dass  sie  gezwungen  worden  seien,  über  Juni  13.

ihre  Quote  Geld  herzugeben;  denn  sie  haben  dafür  die  im  heidelberger
  Abschied  bedungene  Assekuration  von  uns  richtig  empfangen  u  nd
sind  auch  wegen  der  Verzinsung  versichert  worden.  Wenn  ein  StAnd
dabei  säumig  ist,  haben  nicht  wir  es  zu  verantworten.  Wir  haben
eben  nur  zwei  Mittel  zur  Kontentierung  des  Kriegsvolks  gehabt:  Bezahlung
  und  Abdankung  oder  Einlagerung.

Wessen  sich  der  Markgraf  über  die  vorstehenden  Punkte  resolvieren
wird,  das  soll  Fuchs  zu  Papier  bringen,  damit  man  es  zu  Rotenburg  den

Städten  übergeben  kann.  Geben  zu  Anspach  den  3.  junii  a.  1611
Be.,  Rep.  88,  Unionsacta  tom.  XXII.,  f.  49;  Or.!

236.  Protokoll  einer  Beratung  im  pfalz-neuburgischen
  Rat  wegen  der  Herstellung  des  Vertrauens
im  Reich.

5.  junii  1611.

Es  wird  verlesen,  was  man  bisher  mit  Baiern  und  Württemberg  wegen
Wiederherstellung  des  Vertrauens  im  Reich  verhandelt  hat.?
Die  Sache  beruht  auf  der  von  Württemberg  vorgeschlagenen  mündlichen
Kommunikation  ®  zwischen  dem  Herzog  und  dem  Pfalzgrafen  oder  zwischen
den  beiderseitigen  Räten;  die  Erklärung  Württembergs  ist  abzuwarten.  —-Vier
  Hauptpunkte  sind  vorläufig  zu  erwägen:  1.  Ob  es  bei  den  gegenwärtigen
  Alterationen  im  Reich  ratsamer  ist,  diese  Bemühungen  fortzusetzen
oder  sie  „ersitzen‘  zu  lassen?  2.  Wenn  man  sie  aber  fortsetzen  will,
unter  welchen  Personen  beiderseits  die  Verhandlung  anzustellen  und
wie  solches  Vorhaben  anzubringen  ist?  3.  Welche  Punkte  man  in
die  Verhandlung  bringen  soll?  4.  Wie  die  Sache  auszuführen  ist?

ı  Der  Inhalt  obiger  Instruktion  wurde  dann  der  Rechttertigungsschrift
untergelegt,  die  die  beiden  Markgrafen  mit  dem  Watum  1./11.  August  den
versammelten  Unierten  zu  Rotenburg  vorlegten  (Mb.,  119/2,  f.  143;  Kopie).

?  Vgl.  no.  179  mit  Anm.  3  auf  S.  437.  Zu  Baiern  hatte  Pfalzgraf
Philipp  Ludwig  inzwischen  seinen  zweiten  Sohn  Pfalzgraf  August  geschickt,  um
die  von  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  eingeleiteten  Kompositionsverhandlungen
(vgl.  no.  92)  fortzusetzen  und  zu  erkunden,  was  der  Herzog  inzwischen  bei
seinen  katholischen  Mitständen  ausgerichtet  habe  und  wie  viel  Hoffnung
auf  die  Wiederbringung  des  alten  Vertrauens  man  schöpfen  dürfe  (Instruktion
für  Pfalzgraf  August  vom  9./19.  Mai  io  Mb.,  338/23,  f.1;  Kpt.;  Beglaubigung
vom  10./20.  Mai  in  Mb.,  338/15,  f.  2;  Kptkopie).

3  Der  Herzog  von  Württemberg  hatte  mit  Rücksicht  auf  die  prager  Vorgänge,
  nach  denen  die  Consilia  zu  richten  seien,  dem  Pfalzgrafen  Philip  Ludwig
am  18./28.  Mai  eine  persönliche  Zusammenkunft  vorgeschlagen  (Mb.,  Basy13  a,
f.  67;  Or.),  zu  der  der  Pfalzgraf  sich  am  3./13.  Juni  bereit  erklärte.  Für
eine  persönliche  Zusammenkunft  nahm  derselbe  Kloster  Mödingen  und  den  16./26.
oder  17./27.  Juni  in  Aussicht,  für  eine  Zusammenkunft  der  Räte  Giengen;
jedenfalls  solle  dies  Werk  noch  vor  dem  Kurfürstentag  befördert  werden,
dagegen  sei  die  Zuziehung  anderer  Fürsten  noch  verfrüht  (Neuburg  an
Württemberg  am  3./13.  Juni;  Stg.,  Unionsacta,  tom.  X,  f.  82;  Or.).
Württemberg  lehnte  aber  schliesslich  die  Zusammenkunft  mit  Rücksicht  auf
die  Nähe  des  Unionstages  ab,  zu  dem  auch  Neuburg  erscheinen  möge  (  Württemberg
  an  Neuburg  am  8./18.  Juni;  Mb.,  343/13a,  —  Or.).

Juni  15.
        <pb n="572" />
        Juni  15.

550  1611  336.

1.  EinGrund  der  ersten  Alternative  ist,  dass  ein  Kurfürstentag
mit  ähnlichen  Absichten  bevorstoht,  der  von  Verbesserung  des  kaiserlichen
Regiments  und  der  Räte  und  von  anderer  Notdurft  des  Reichs  hamdela
soll,  weshalb  unnötig  erscheint,  sich  noch  besonders  um  dieselbe  Sache
zu  bemühen,  die  zu  Mühlhausen  doch  insgesamt  verhandelt  werden  wird,
ja  es  könnte  dies  von  den  Kurfürsten  als  ein  Vorgreifen  aufgenommen
werden;  überhaupt  ist  bedenklich,  dieSache  ohne  vorausgehendeKommoantkation
  mit  den  Kurfürsten  vorzunehmen.  —  Es  kann  aber  andererseits
keinem  Reichsstand  verdacht  werden,  wenn  er  um  den  allgemeinen
Frieden  besorgt  ist;  auch  die  Unierten  können  keinem  Unionsstand  übel
nehmen,  wenn  er  —  noch  dazu  nur  praeparatorie  —  sich  um  Aufhebung
derGravamina  bemüht;  hat  man  doch  auch  nicht  mit  der  Zu  Heidelberg
beschlossenen  Gesandschaft  nach  München  gefehlt,  die  auch  nicht  mit
Vorwissen  aller  Unierten  erfolgt  ist.  —  Es  soll  also  in  dem  Vorbaben
der  Verhandlung  fortgefahren  werden.  2.  Württemberg  will  deswegen
mit  einigen  benachbarten  unierten  Fürsten  kommunizieren
und  sie  zu  dem  Werk  ziehen,  was  man  hier  (besonders  wenn
man  die  zum  Frieden  wenig  geneigten  und  den  Katholischen  sehr
verhassten  Calvinisten  beizieht)  für  unrateam  hält.  Man  soll  daber
Württemberg  diesen  Gedanken  benehmen  und  anfänglich  nur  zwischen
dem  Herzog  und  dem  Pfalzgrafen  die  Handlung  anstellen.  Württemberg
wird  auch  auf  Erzherzog  Maximilian  sehen,  mit  dem  er  bereits
zu  korrespondieren  begonnen  hat.  Man  glaubt  aber  hier,  dass
der  Erzherzog  am  kaiserlichen  Hof  und  bei  den  Kurfürsten  umd
Fürsten  nicht  in  so  grossem  Ansehen  ist  als  Baiern,  auch  dass  wegen
der  Eifersucht  zwischen  Baiern  und  Oesterreich  der  Herzog  vos
Baiern,  wenn  der  Erzherzog  in  diese  Sache  gezogen  würde,  von  ihr
ganz  abspringen  und  sehr  offendiert  werden  könnte.  Man  soll  daher  bei
Jägers!  Meinung  bleiben  und  zunächst  nur  mit  Mainz  und  Baiern  als
den  Häuptern  der  Liga  verhandeln.  Wenn  man  darüber  mit
Württemberg  einig  ist,  wird  weiter  zu  bedenken  sein,  wie  man  die
Sache  an  jene  beiden  bringen  kann  ;  denn  man  muss  die  Reputation
in  Acht  nehmen  und  darf  nicht  den  Anschein  erwecken  als  krieche
man  jetzt  zu  Kreuz  und  bekenne  begangenes  Unrecht.  Man  soll  sich
daher  bei  der  Gosamtberatung  eines  Konzepts  vergleichen,  wie  das  Anbringen
  zu  tun  sei.  Erhält  man  von  den  beiden  Ligahäuptern  eine  willfährige
  Erklärung,  dass  sie  das  Werk  auch  bei  ihren  Bundesverwandten
befördern  wollten,  so  kann  man  dann,  aber  nicht  eber,  den  andern
Unierten  davon  Mitteilung  machen.  —  Das  Anbringen  bei  Mainz  und
Baiern  wird  am  reputierlichsten  durch  eine  gemeinsame  Gesandtschaft
geschehen.  Da  dies  aber  vor  dem  Kurfürstentag  nicht  mehr  sein
kann  und  Baiern  nicht  meinen  soll,  man  wolle  das  Werk  gans
ersitzen  lassen,  so  soll  man  den  Verzug  bei  ihm  durch  Schreiben  oder
Schickung  entschuldigen;  auch  die  etwaige  Zustimmung  Württembergs

'  Der  im  April  1611  verstorbene  württembergische  Kansler.
        <pb n="573" />
        236—237.  1611  551

zu  solchen  Verhandlungen  mit  Mainz  und  Baiern  soll  letztereın  mitgeteilt  Juni  15.
werden.  3.  Gegenstand  der  Verhandlung  sind  die  bei  den  Reichstagen
wiederholt  geklagten  und  dem  Kaiser  von  den  Unierten  übergebenen
Gravamina,  die  kurz  zusammenzufassen  sind,  darunter  besonders  die,
die  zu  den  Werbungen  im  vorigen  Jahr  Anlass  gaben  ;  doch  dürfen  die
Werbungen  nicht  „odiose  axaggeriert‘‘  werden  sondern  sind  die  beiderseitigen
  Beschwerden  gleichsam  in  einen  Busch  zu  werfen  und  zu
%kassieren  und  ist  vor  allem  auf  Aufrichtung  des  gefallenen  Vertrauens  zu
seben.  4.  Wie  das  Werk  dann  zur  Vollendung  zu  bringen  ist,  ob,  wo
und  wann  die  vier  unterhandelnden  Kurfürsten  und  Fürsten  persönlich
zusammenkommen  und  sich  eines  grössern  Konvents  mit  Zuziehung  mehrerer
Stände  vergleichen  sollen,  wie  die  Sache  an  diese  zu  bringen,  wie  sie
dem  Kaiser  vorzutragen  ist,  ob  die  endliche  Vergleichung  vor  einem
Reichstag  oder  vor  einem  Ausschuss  der  Stände  zu  treffen,  ob  unter
den  Beschwerden  eine  Unterscheidung  solcher,  die  beim  Kaiser  stehen
und  solcher,  die  allein  die  Stände  betreffen,  anzustellen  ist,  das  alles
ıst  nicht  mehr  in  den  Händen  der  Unterhändler  hier.  Man  kann
deswegen  auch  nichts  beschliessen  sondern  muss  nun  alles  den  vier
unterhandelnden  Kurfürsten  und  Fürsten  überlassen.  Zunächst  ist  aber
die  württembergische  Resolution  zu  erwarten  und  darnach  eine  Instruktion
zu  verfassen,

Mb.,  343/13a;  —  Kopie.

237.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  Kurfürsten  Juni  15.
von  Mainz.

Die  unierten  Stände  haben  sich  einer  Zusammenkunft  zu
Rotenburg  verglichen,  die  in  wenigen  Tagen  vor  sich  gehen  soll,  um
einige  noch  rückständige  Punkte  ganz  in  Richtigkeit  zu  bringen.
Da  die  Versammlung  niemandem  zu  Nachteil  angesehen  ist,  so  werden
E.  L.  und  Dero  Mitverwandte  daraus  auch  keinen  Argwohn  schöpfen.!  —
Wenn,  wie  wir  hören,  der  Kurfürstentag  von  Mühlhausen  weg  nach
einem  andern  Ort  verlegt  werden  sollte,  so  werden  E.  L.  uns  davon
benachrichtigen.”  Datum  Meysenheim  den  5.  junii  a.  1611.  —
Praes.  Aschaffenburg  19.  junii  1611.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bi.  104,  no.  65;  Or.?

’  Gleichzeitig  wird  auch  Reichard  von  Starhemberg  von  der  Abhaltung
des  Unionstages  am  16./26.  Juni  verständigt,  schon  in  der  Nachschrift  aber
die  Mitteilung  gemacht,  dass  der  'Tag  wegen  Kurbrandenburg  verschoben  sei
und  dass  die  amberger  Regierung  über  den  Fortgang  des  Tages  an  Starhemberg
  berichten  werde  (Mb.,  119/1,  f.  292  und  294;  Kpt.).

?  Der  Kurfürst  antwortete  noch  am  19.,  es  bleibe  vorläufig  bei  Mühlhausen
  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  56;  Kpt.).

3  Obiges  Schreiben  wie  das  an  Starhemberg  gieng  aus  der  Initiative
der  zu  Heidelberg  hinterlassenen  Statthalter  und  Räte  hervor,  wie  aus  Mb,.,
119/1,  f.  293  ersichtlich  wird.
        <pb n="574" />
        Juni  18.

552  1611  238.

238.  Zuüiga  an  König  Philipp  I.

Der  Herzog  von  Braunschweig  ‚ha  querido  ingerirse  en  este
negocio  y  esoluir  a  todo  el  mando  del!;  pero  yo  no  he  querido  tratar
de  passar  adelante  en  el,  sino  eg  por  via  del  consejo  secreto,  porque  el
duque  es  hombre  de  estranos  caprichos  y  estos  dias  no  solo  se  ha
hecho  odioso  al  rey  y  malquisto  de  los  ministros  del  emp.°”,  pero
tambien  estavan  notablamente  descontentos  de  su  trato  los  embaxadores
de  Maguncia  y  Sajonia  que  partieron  de  aqui  el  otro  dia,  y  assi
embiandome  una  escritura  de  parte  del  emp.”  se  la  bolri,  diziendole
que  aunque  yo  havia  tomado  de  su  mano  otra  escritura,  despues  aca
se  havian  encona  do  tanto  las  cosas  entre  el  rey  y  el,  que  yo  savia
que  no  era  servicio  del  emp.”  el  dar  al  rey  escritura  venido  por  su
mano,  insistiiendo  en  que  se  bolviesse  a  tratar  por  la  via,  que  k
havia  comencado  que  era  1a  del  consejo  secreto.”  Es  perjudicialisima
persona  el  duque  y  trata  de  descomponer  al  landgraviv  de  Levrtenberg’
y  tiene  lo  muy  adelante  y  de  hazerse  director  del  consejo  y  dicen
que  de  esta  blecerle  como  la  camara  medio  partida  de  Francia,  que
sea  la  mitad  de  catolicos  y  la  mitad  de  herejes;  procede  su  ambicion
en  esta  parte  ultraque  el  ser  gran  papelista  del  interes,  que  tiene
en  los  pleites  pendientes  en  esta  corte,  el  uno  con  la  ciudad  de
Braunsvig  y  el  otro  con  el  duque  de  Lunenburg.  Finalmente  el
emp.°  a  tenido  por  bien  de  bolver  a  tratar  con  migo  por  via  de
consejo  secreto*  y  ensiste  en  que  haviendo  sido  muy  corta
respuesta  que  el  rey  le  dio  antes  de  la  coronacion  se  alargue  en
hazer  por  S.  M.@  ces.*  lo  que  es  justo,  haviendo  hecho  por  el  tanto
en  tener  por  bien  de  absolver  del  juramento  a  los  Bohemios,  paraque
el  se  coronase.  De  parte  del  rey  insisten  en  que  el  emp.?"  ponga
nombre  al  negocio  para  poder  acertar  mejor  a  darle  gusto.  EI  emp.”
porfia  todavia  en  lo  primero  y  en  esto  estamos  y  yo  con  poca
esperanca  de  buena  conclusion.“  Der  Kaiser  hat  als  seine  Gesandten
nach  Mühlhausen  den  Landgrafen  Moriz  von  Hessen,  den  Bischof

ı  Vgl.  no.  223.

?  Vgl.  no.  223,  S.  525,  Ann.  1.

®  Vgl.  no.  232  und  Anm.  2  auf  S.  543.

*  Der  Kaiser  liess  am  15.  Juni  Zu  niga  zur  Uebermittlung  an  den  König
folgende  Resolution  erteilen:  Er  wünsche  sich  mit  dem  König  in  allem  brüderlich
zu  vergleichen,  wo  es  ohne  Minderung  der  kaiserlichen  Autorität  geschehen
könne.  Das  Anerbieten  des  Königs  genüge  ibm  zwar  nicht;  er  wolle
aber  deswegen  die  Verhandlungen  nicht  abbrechen,  nur  könne  er  sich
in  Weiteres  nicht  einlassen,  bevor  er  nicht  die  Meinung  der  Kurfürsten,  die
sich  alsbald  in  Mühlhausen  versammel  n  werden,  vernommen  habe.  „Interim
imperatorem  desiderare,  ut  reg.  M.t@s  nilıil  immutet,  sicut  prius  postularerat,
quoad  liberam  residentiam  suam  in  arce  Pragensi  et  sustentationem  atque
immunitatem  eius  officialium,  ministrorum  totiusque  aulae  et  etiam,  ut
militares  excubiae  omnino  tollantur“  (Wi.,  TA1,  Ka.  2989,  Or).  —  Khlesl
schrieb  auf  das  Schriftstück:  „Spänische  podtschafft  den  18.  janü  selbst
I.  M.!  vberaichte  antwort  von  I.  ksl.  M.!  a.  1611.“  —  Vgl.  dazu  Hammer-Purgstall,
  Khlesls  Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,  no.  320.
        <pb n="575" />
        238—  240.  1611  553

von  Speier,  den  Ritter  von  Westernach,  Minckwitz  vom  Hofrat  und  Juni  18.

einen  gewissen  Pflug!,  „hombre  acepto  a  $.  M.!  por  via  de  sus
astrologos‘‘,  bestimmt.  Die  Wahl  aller  „va  por  orden  de  Brancvig
que  es  conforme  a  la  dotrina  de  tantos  herejes  y  tantos  catolicos  y
porque  vaya  bien  partido  a  este  quinto  no  le  tienen  ni  por  catolico
ni  por  hereje‘“  Den  Böhmen  habe  ich  zur  Bezahlung  des  passauer
Volkes  in  zwei  taten  35  000  fl.  geliehen,  was  alle  Welt  sehr  befriedigt
hat,  weil  man  darin  einen  Beweis  der  Friedensliebe  E.  M.'  erblickte,
Für  die  Förderung  der  Eintracht  zwischen  Mattbias  und  Leopold  bin
ich  unausgesetzt  tätig;  doch  fürchte  ich,  dass  Leopold  seine  Praktiken
mit  dem  Kaiser  noch  immer  nicht  aufgibt?  und  habe  deshalb
ein  scharfes  Auge  auf  seine  Verhandlung  mit  Savoyen,?  von  denen  mir

E.  M.‘  Nachricht  gegeben  haben.  Praga  di  18  junio  1611.
im,  Fasz.  2497,  f.  160;  Or.

239.  Aussagen  des  kaiserlichen  geheimen  Rats
Andreas  Hannewald  von  Eckersdorf  und  des  Reichshofrates
  Hans  Ruprecht  Hegenmüller.

Gedruckt  bei  J.  Hammer-Purgstall,  Ueber  die  Verhandlungen
mit  Herrn  von  Rosenberg  während  des  Einfalls  des  Passauschen
Kriegsvolkes  in  Böhmen  i.  J.  1611.  (Abhandlungen  der  königlich
böhmischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  V.  Folge,  3.  Band,
Prag  1845;  S.  795  f£.

Mi  wı,  IA  ı;  Ka.  2990;  Orr.  von  der  Hand  des  Geheimschreibers  Khlesis
geschrieben  *

Juni  18.

240.  Gesamtschreiben  der  Erzherzoge  Maximilian,  Juni  18.

Albrecht,  Ferdinand  und  Maximilian  Ernst  an  die  zu
Mühlhausen  versammelten  Kurfürsten.

Wir  erfuhren  vor  einigen  Tagen,  dass  EE.  LI...  aus  Sorge  für
des  Vaterlandes  Ruhe  eine  Versammlung  zu  Mühlhausen  halten  wollen.
Dabei  hätten  wir  und  unser  ganzes  Haus  gern  gewünscht,  Dero  Beschlüsse
und  Intentionen  nach  unserer  Möglichkeit  zu  befördern  und  ausführen  zu
helfen.  EE.LL.  werden  auch  gewiss  bei  Dero  Affektion  gegen  unser  Haus

!  Pflug  wurde  am  1.  Juli  wegen  anderweitiger  Verwendung  vom  Kaiser  von
der  Kommission  enthoben  (Wh.,  Reichstagsakten  in  genere,  Fasz.84b;  —  Kpt.).

?  Vgl.  no.  209,  S.  501,  Anm.  1.

°  Vgl.  no.  145,  S.  354,  Anm.  2  und  no.  170,  S.  413,  Anm.  1.

*  Am  gleichen  Tag  wurden  Hannewald  und  Hegenmüller  aus  der  Haft
entlassen  (Bodenius  an  Herzog  Maximilian  am  18.  Juni;  Mc.,  Entstehung,
Fasz.  III,  no.  26,  f.  104;  Or.  eigh.)..  Je  ein  Urfehdebrief  Hannewalds,
Hegenmiüllers  und  Georg  Heidels  von  Rassenstein  gegen  König  Matthias  und  die
böhmischen  Stände  vom  19.  Juni  liegt  im  Original  in  Wi.,  I  Al,  Ka.  2990.
Der  neuburgische  Agent  Pistorius  weiss  am  10.20.  Juni  dem  Pfalzgrafen
Philipp  Ludwig  zu  berichten:  Hannewald  und  Hegenmüller  seien  gegen
Revers  freigelassen  worden,  1.  dass  sie  den  Kaiser  zum  Bleiben  in  Prag
bewegen,  2.  dass  sie  auf  den  Vergleich  zwischen  den  Brüdern  hinwirken  ;  Hegenmüller
  sei  darauf  zu  Hof  gekommen,  Hannewald  habe  s:ch  aber  noch  nicht
schen  lassen  (Ma.,  520,16,  f.  33;  Or.  eigh.).  —  Vgl.  unten  no,  251.
        <pb n="576" />
        Jani  18.

554  1611  240.

mit  demselben  wegen  der  langwierigen  gefährlichen  Türkenkriege  und
wegen  der  Mishelligkeiten  inden  Königreichen  und  Erblanden  Mitleid  tragen
und  bei  dieser  Zusammenkunft  erwägen,  wie  diesem  wichtigen  Glied  des
Reiches  geholfen,  die  gewöhnliche  Vormauer  des  Reiches  wieder  hergestellt
  und  Ruhe  und  Frieden  im  ganzen  Vaterlande  gepflanzt  werden
köunte.  Wir  haben  daher  nicht  umhin  gekonnt,  EE.  LL.  unser
Haus  nnd  dessen  beträbten  Zustani  zu  empfehlen  und  hoffen,
Sie  werden  nicht  ungeneigt  sein,  dasselbe,  das  seit  unvordenklichen
Zeiten  für  das  Reich  Gut  und  Blut  der  Erblande  geopfert  hat,  m
seinen  Würden  und  Ansehen  wie  bisher  zu  erhalten.  Und  falls
EE.  LL.  bei  Ihrer  Zusammenkunft  zur  Verhütung  aller  Weitläufigkeiten
und  Gefabren  auch  auf  die  Succession  im  Beich  denken  würden  und
wie  demselben  ein  taugliches  Haupt  und  dem  Kaiser  ein  Throngehilfe
gegoben  werden  möchte,  der  diesen  bei  dessen  zunehmendem  Alter
unterstützen  könnte,  so  versehen  wir  uns,  dass  EE.  LL.  sich  auch  dabei
unseres  Hauses  Verdienste  bestens  empfohlen  sein  lassen  werden.  —
Es  ist  nun  durch  die  göttliche  Vorsehung  dahin  gerichtet  worden,  dass
der  Kaiser  aus  brüderlicher  Liebe  und  nach  dem  Beispiel  der  Vorfahren
  dem  König  Matthias  diejenigen  Königreiche  und  Erblande
abgetreten  hat,  die  cben  das  Reich  gegen  die  Türken  beschützen;
derselbe  König  Matthias  hat  in  den  letzten  Kriegen  seine  Kriegserfahrenheit,
  Tapferkeit  und  glückliches  Kommando,  auch  seinen  Eifer  für  das
Vaterland  mit  Darsetzung  von  Leib  und  Blut,  auch  auf  Reichstagen
und  sonst  genügend  erwiesen,  endlich  durch  alle  seine  Handlungen
bisher  gezeigt,  dass  ihm  die  gemeine  Wolfahrt,  Beschützung  von  Land
und  Leuten,  Erhaltung  des  Religions-  und  Profanfriedens  und  beständiger
  Ruhe  und  Sicherheit  aufs  höchste  angelegen,  dass  in  Kriegszeiten
  ihm  keine  Mühe  und  Gefahr  zu  viel  ist,  im  Frieden  aber  ihm  allein
dessen  Erhaltung  am  Herzen  liegt,  weshalb  ihm  nicht  nur  Land  und
Leute  sondern  auch  alle  Potentaten  der  Christenheit  mit  Freundschaft
zugetan  sind.  Daher  haben  wir  nicht  unterlassen  wollen,  EE.  LL.  diesen
unsern  Bruder  zu  empfehlen  in  der  Hoffnung,  dass,  wie  dies  von  uns  nicht
anders  als  dem  Kaiser,  EE.  LL.  und  dem  ganzen  Reich  unvorgreiflich
geschieht,  auch  EE.  LL.  sich  hierin  unser  Haus  und  dabei  besonders
des  Königs  Person  werden  befohlen  sein  lassen;  denn  wir  zweifeln  nicht,
es  werde  dem  Reich  und  ganzer  Christenheit  zu  Nutzen  sein  und  wird
sich  der  König  wie  alle  andern  unseres  Hauses  des  Reiches  Beschützung
und  friedliche  Erhaltung  um  so  mehr  augelegen  sein  lassen.  Dabei  wollen
wir  ihn  unterstützen  und  alles  befördern  helfen,  was  zu  des  Beiche
Aufnehmen  gereichen  mag,  auch  E&amp;amp;.  LL.  stete  Freundschaft  gegen
unser  Haus  mit  Dank  anerkennen  und  vergelten.  Geben  zu  Ynnsprugg
  den  18.  junii,  zu  Grätz  den...  .'  diss  und  zu  Brüssel  den
4.  julii  anno  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  10.  julii  1611.
Wınz  ,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  99?;  Or.?

!  Lücke.

2  Zur  Entstehungsgeschichte  dieses  Schreibens  vgl.  no.  208,  5.  491,
Annı.  2.  Die  Erzherzoge  einigten  sich,  von  der  zuerst  geplanten  und  ron
        <pb n="577" />
        241.
241.

1611  555
Dr.  Rebmanns  Werbungen  im  Namen  des  Königs  Juni  18.
Mattbias  beim  Kurfürsten  von  Mainz.

Dr.  Rebmann  brachte  in  der  ersten  Audienz  vor:  Seinem  König
sei  vorgekommen,  als  werde  von  dessen  Person  ungleich  geredet;
darum  habe  er  dem  Kurfürsten  die  nötigen  Informationen  zukommen
lassen  wollen.  Damit  übergab  der  Gesandte  einen  kurzen  Auszug
seiner  Instruktion  !  und  bat  um  Bescheid,  den  Dr.  Gereon  im  Namen  des
Kurfürsten  verhiess.  Darauf  sagte  Rebmarn  :  Er  habe  dem  Kurfürsten
noch  einige  „Particularia“  mitzuteilen,  wozu  der  Kurfürst  ihm  eine
geheime  Audienz  ansetzen  möge.  Der  Kurfürst  hörte  ihn  darauf
Vor-  und  Nachmittag  an.  Rebmann  übergab  sodann  die  Punkte  seines
geheimen  Anbringens  schriftlich.?

a)  Rebmanns  Öffentliche  Werbung  (links  die  eigenhändigen
Randbemerkungen  des  Kurfürsten.)

Kurfürst.

„Der  Bömischen  entschuldigung
  anzusehen;  haben  gelaignett,
durch  sie  gefangen.  Quid  mali
fecerunt?  Sein  ihrem  herrn
getrew  gewesen,  haben  getan,  was
ihnen  ahnbefohlen,  ergo  rei  mortis

1.

Das  Vorgeben,  dass  der  König
Hannewald  und  Hegenmüller
eingezogen  oderderen  Einziehung
sich  habe  gefallen  lassen,  ist  grundlos;
  vielmehr  hat  er  befohlen,
Hegenmüller  besser  zu  quartieren

im  werek  nit  zu  befinden.“  und  ist  er,  nun  regierender  Herr,

entschlossen,  nach  Beschaffenheit
der  Inquisitionsartikel  und  der  erfolgten
  Aussagen  beide  gänzlich
frei  zu  lassen.

Matthias  gewünschten  Schickung  zum  Kurfürstentag  (vgl.  no.  233  mit  Anm.  1  auf
S.  545)  abzusehen,  weil  —  wie  Erzherzog  Maximilian  am  2.  Juni  an  Kurköln
schrieb  —  eine  solche  Schickung  als  ein  Eindringen  in  die  kurfürstlichen
Ratschläge  hatte  ausgelegt  werden  können  (Wi.,  I  Al,  Ka.  29%;  Kopie).
Obiger  Entwurf  des  (sesamtschreibens  rührt  von  krzherzog  Maximilian  her;
Erzherzog  Albrecht  hatte  gleichfalls  einen  anfertigen  lassen,  der  aber  unbenützt
  blieb  (vgl.  Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juni  1611,  no.  29).  —
Dem  Gesamtschreiben  legte  Erzherzog  Maximilian  noch  ein  besonderes
Schreiben  an  Kurmainz  vom  3.  Juli  bei,  worin  er  den  Kurfürsten  bittet,
bei  den  Mitkurfürsten  daran  zu  sein,  dass  dem  Unheil  im  Hause  Oesterreich
  Rat  geschafft  und  die  verderblichen  Weitläufigkeiten  verhütet  werden
(Wmz.,  a.a.  O.,  no.  99°;  Or.).  —  Der  Kurfürst  erwiderte  am  11.  Juli:  wegen
des  Ablebens  von  Kursachsen  könne  der  Kurfürstentag  vorerst  nicht  fortgehen,
  weshalb  er  das  Gesamtschreiben  zunächst  allen  Mitkurfürsten  mitteilen
  wolle;  bei  der  nächsten  Zusammenkunft  werdon  aber  die  Kurfürsten
die  Notdurft  bedenken  und  sich  des  um  das  Reich  so  wolverdienten  Hauses
gern  annehmen  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  991;  Kpt.  von  Faust).  --  Das  Gesamtschreiben
  wurde  im  Oktober  1611  wiederholt  (Wmz.,  Reichstagsakten,
Bd.  105  no.  119;  Or.)

’  Vgl.  oo.  234,  8.  545,  Anm.  2.

?  Aufzeichnung  Fabere  über  Rebmanns  Werbung  (Wmz.,  Reichstagsakten,
  Bd.  103c,  no.  176.

®  Vgl.  no.  175  mit  Anm.  1  auf  8.  425  und  no.  194,  3.  466,  Anın.  1,
no.  221,  8.  522,  Anm.  2  und  no.  239,  S.  563,  Anm.  4.

„Quare  non  fit?‘
        <pb n="578" />
        Juni  18.

556

„Videatur  I.  ksl.  M.®  resolution,
  dorin  zu  befinden,  dass  alles
abgetrungen  vnd  hatt  gehaissen,
crucifige,  cerucifige,  nolumus  hunc
regnare.e  Ist  das  bruderliche
liebe  erzaigt.“

„In  ersehung  königlicher
schreiben  kan  ich  solche  resolution
  nitt  befinden  sondern  ist
villmehr  contrarium  zu  spuren;
ist  in  hoc  tenore  anzunemen.‘“

„Aequum.“

„Man  hatt  sie  niemals  erstlich
zur  handlung  kommen  [lassen];  wie
sie  entpfangen  sowol  von  könig  vnd
den  stenden,  hatt  Saxen  offentlich
gesagtt  vnd  kein  ander  erklerung
gewesen  dan:  sic  volumus,  kan
anderst  nitt  sein.“

„Kan  den  effectum  nitt  spuren,
sein  als  gefangener  zu  haltten,
des  seinigen  nitt  mächtig,  sein
als  feinde  von  iro  vasallen  vnd
vnderthanen  vberfallen  worden.
Ist  das  bruderliche  liebe?“

1611

241.

2

Der  Vorwurf,  dass  der  König
mit  seinem  Bruder  nicht  gern  im
brüderlichen  Verstand  wäre,
ist  ungerecht;  er  hat  vielmehr
dem  Kaiser  zu  Ehren  in  die  Verschiebung
  des  vom  Kaiser  selbst  bezeichneten

  Krönungstages  gewilligt.

3.

Dem  König  ist  nie  in  Sinn
gekommen,  die  Reichsakten  zu
nehmen  oder  der  Reichskanzlei  einigen
  Spott  anzutun;  er  will  es  sogar
noch  andern  wehren.  Er  hat  bisber
  nur  begehrt,  ihm  von  Akten
auszufulgen,  was  ihm  und  seinen
Königreichen  und  Länder  gebührt.

4.

Der  König  hat  nie  daran  gedacht,
  ,‚per  forza‘“‘  oder  durch
illegitime  Mittel  zur  römischen
Krone  zu  gelangen,  hält  es  auch
für  unbillig  und  unchristlich.

5.

Mitden  in  Praganwesenden  k  u  rfürstlichen
  Gesandten  hätte
er  gerne  verhandelt;  sie  haben  sich
aber  nur  beim  Abzug  sehen  lassen
und  bei  seinen  Räten  haben  sich
nur  die  Sachsen  angemeldet.!

6

Der  König  begehrt  noch  immer,dem
Kaiser  seine  brüderliche  Liebe
zuerzeigen  und  hätte  sich  auch  gerne
für  ihn  noch  weiter  angegriffen,  wenn
er  nicht  die  Königreiche  und  Länder
mit  so  unerschwinglicher  Sch  uldenlast
  beschwert  gefunden  hätte  und
wenn  nicht  die  für  die  ungarischen

'  Vgl.  no.  165  und  no.  176,  S.  424,  Anm.  2.
        <pb n="579" />
        241.

„Latet  anguis  in  herba.“

„Videatur  wer  erstlich  gebrochen
  vnd  contra  fidelitatem
gehandlett.  Man  hatt  I.  ksl.  M.'
die  cron  vor  zwei  jahrn  entziehen
wöllen.  Qnaeritur  ob  nitt  vreach,
zur  defension  sich  zu  stellen.
Kintzki  gestehtt,  das  [er]  der
author  lengst  gewesen.“

„Vvel  quasi.“

1611

657

Grenzen  bestimmten  Kontributionen  Juni  18.

zu  anderen  Zwecken  verwendet
worden  wären.  Um  aber  die  Grenzen
gegen  den  Erbfeind  behaupten  zu
können,  müssen  nun  andere  Kontributionen
  mit  Beschweruug  der
Königreiche  erhandelt  werden.

7.

Dem  König  ist  der  Abzug  des
Kaisers  nichtzuwider,erkannihn
auch  dem  Kaiser  nicht  verweigern;
doch  darf  dem  König  nicht  übel  genommen
  werden,  wenn  er  zur  Verhütung
  neuer  Unruhen  in  den  ihm
abgetretenen  Königreicheun  und
Ländern,  zumal  daraus  auch  dem
Hause  Oesterreich,  dem  Reiche  und
der  ganzenChristenheitleicht  grosser
Schaden  entstehen  könnte,  erst  genügend
  gesichert  sein  will;  sind
doch  andere  vom  Kaiser,  von  Kurfürsten,
  Erzherzogen  und  Fürsten
versicherte  und  verbürgte  Verträge
nicht  gehalten  sondern  ist  durch
böse  Leute  ihnen  zuwider  gehandelt
worden.

8.

Die  Wachen  werden  nicht
wegen  des  Kaisers  gehalten  ;  sobald
  derselbe  sich  deswegen  beschwert
  hat,  hat  der  König  sie  abschaffen
  lassen.  So  lange  aber  das
passauerVolk  noch  nicht  auseinander
gegangen  ist,  die  Kleinodien  und
Privilegien  des  Königreiches  noch
nicht  an  ihrem  gewöhnlichen  Orte
sind  sondern  in  der  Schlosskirche
aufbewahrt  werden,  kann  dem
König  niemand  verdenken,  dass  er
zu  Sicherung  seiner  Person  und
der  Kleinodien  des  Königreiches
wie  auch  aus  andern  erheblichen
Bedenken  die  Wachen  halten  lässt.

b)  Ueber  Rebmanns  geheime  Werbung  besitzen  wir  eine  eigenhändige
  Aufzeichnung  des  Kurfürsten  von  Mainz,  die  zugleich  auch
den  erteilten  Bescheid  vermerkt,  überschrieben:
        <pb n="580" />
        Juni  18

558  1611  241.

„Capita  propositionis  D.  Rebmanns  den  18.  junii  1611.

Diese  vertrewligkeitt  in  guttem  zu  uermercken,  auch  I.  kgl.  W.  mein
bedencken  zu  endecken:  1.  Ob  sie  zu  itzigem  vorstehenden  churfurstlichen
  tag  wegen  irer  konigreich  vnd  länder  schicken  soltten,  was  auch
von  den  irigen  zu  proponieren  vnd  anzubefehlgen.  2.  Wegen  der  [churfürstlicheu]
  bräderlichen  verein  copiam  zu  ertaillen,  jiuramentum
zu  ersehen,  was  zu  thun  oder  zu  juriren  et  per  quem  modum,  ob  bei
gantzem  collegio  solches  zu  suchen  oder  ob  genug  bei  Meinta.
3.  Weillange  zeitt  kein  lehen  vom  reich  entpfangen,  wie  es  hiebeuor
gebalten,  mitt  bit,  so  was  bey  diesser  archiue,  vertrewlich  zu
communiciren  et  copias  mitzuerteilen.

In  finem  commendat  personam  regis,  dero  zum  besten
eingedenck  zu  sein,  in  simili  bitte  vmb  etwas  wilfäriger  antwort;  er
were  derhalber  zu  mir  abgeferttigt,  weil  er,  mein  agent,  dero  hoffnung,
ime  desto  bass  zu  uertrawen;  raeltte  dobey,  das  Haniwaldt  disses
vorgeschlagen.  Red,  man  were  nitt  gesindt,  do  lenger  zu  dienen
sonder  andere  dienst  zu  suchen,  woltt  mich  demäütigst  ersuchtt,  in
commendatione  inen  zu  haben.

Ego  respondi,  das  diese  puncten  solcher  wichtigkeitt,  meine
notturft  ettwas  nachzudencken;  befünde  souill,  das  ich  abgesondert
der  andern  churfursten  mich  schwerlich  eines  gewisses  erkleren
könte.  Ich  hette  heut  morgen  souill  angezaigt,  das  diesse  zusammenkunfft
  nitt  als  churfurstentag,  dorauff  etwas  geschlossen  köntte  werden,
benendt.  Ich  woltt  diessen  sachen  etwas  nachdencken  vnd  mich  gegen
ime  dem  gesandten  resoluirn  zu  erster  gelegenheitt.  Acta  vt  supra.

Nota:  In  archivo  vffzusuchen,  was  vorhanden  vnd  was  nötig
mittzunemen.“

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd,  103c,  no.  182;  Or.  (Rebmanns  öffentliche
Werbung);  no.  183  (eigenhändiges  Protokoll  des  Kurfürsten  über  die  geheime  Werbung)!

!  Des  Kurfürsten  Bescheid  vom  19.  Juni  auf  die  ößentliche  Werbung
lautete:  Er  habe  von  den  Mishelligkeiten  zwischen  den  Brüdern  ungem
gehört  und  sich  sehr  um  Stiftung  von  Frieden  und  Vertrauen  bemüht;  davon
werde  er  auch  künftig  nicht  absetzen.  Was  der  König  an  ihn  habe  gelangen
lassen,  wolle  er  den  andern  Kurfürsten  mitteilen  in  der  Zuversicht,  der
König  werde  den  Kaiser  als  ältesten  Bruder  gehörig  respektieren  und  sich
gegen  denselben  wie  gegen  dessen  verhaftete  Diener  und  Räte  so  verhalten,  dass
er,  König,  davon  bei  allen  Reichsständen  immerwährenden  Ruhm  habe
(Wmz.,  a  a.  O,  no.  185;  Ent)  —  Auf  Rebmanns  vertrauliche  Werbung
antwortete  der  Kurfürst  am  20.  Juni:  Der  mühlhauser  Tag  solle  nur  einer
privaten  Verständigung  zwischen  einigen  Kurfürsten  dienen,  damit  bei  diesen
gefährlichen  schwierigen  Läufen  sowol  unter  den  Kurfürsten  als  im  Reich
gutes  Vertranen  gepflanzt,  das  gesteckte  Justizwesen  in  Gang  gebracht
und  andern  Reichsangelegenheiten  Rat  geschafft  werde.  Wenn  der  König
dazu  seine  Abgeordneten  senden  wolle,  um  vielleicht  wegen  der  Beilegung
der  Mishelligkeiten  zwischen  ihn  und  dem  Kaiser  etwas  vorbringen  zu
lassen,  so  wolle  der  Kurfürst  inm  hierin  kein  Mass  geben.  In  dem  Kurrerein
befänden  sich  ausser  Mainz  stets  nur  Trier,  Köln,  Sachsen,  Pfals  und
Brandenburg;  von  diesen  allein  sei  er  aufgerichtet  und  beschworen  worden,  von
diesen  allein  werden  die  Kurfürstentage  besucht,  Wegen  der  Reichsbelehnung
Böhmens  finde  sich  in  den  hiesigen  Archiven  nichts,  doch  solle  noch  weiter
        <pb n="581" />
        242.  1611  559

242.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.  Juni  18.

Am  6.  Juni  reiste  ich  von  Frankfurt  ab,  kam  am  9.  zu  Nürnberg
und  am  15.  um  Mittag  zu  Prag  an.  Gleich  nach  dem  Essen  erstattete
  ich  Zuniga  Bericht  über  meine  Verhandlung  mit  den  geistlichen
  Kurfürsten.  „Deu  churfurst  von  Cöln  belangend  ist  er
mit  mir  ainer  mainung,  das  alles  treulich  und  aufrichtig  gemaint  ....
bitte  derhalben,  E.  fl.  D.*  geruhen  gnedigst,  ihm  and  mir  hierin  zu
glauben  und  gegen  den  churfursten  von  Cöln  bei  furfallenden  gelegenheiten,
  so  viln  sich  thun  lässt,  zu  accommodiren  und  bequemen.  Der
Don  Balthasar  halt  gar  vile  vom  Bucholz;!  saget,  das  er  unter  allen
churfurstlichen  ministros  kainen  geschicktern  noch  bequemeren  als  disen
gefunden  und  halt  dafur  (wie  auch  ich),  das  er  es  mit  dem  hauss
Oesterreich  treulich  meine.  Der  sagete  mir  zue  Luttig,  das  man
numehr  wol  versichert  mochte  sein,  das  haus  Baiern  nichtes  die
succession  im  reich  betreffend  in  praejudicium  des  hauses  Oesterreich
hegeren  noch  suchen  wurde.  Interim  tamen  vigilandum.“?  Zuniga
wird  dem  Kurfürsten  von  Trier  brieflich  für  seine  gute  Erklärung
danken  und  ihn  um  Beständigkeit  bitten,  was  jenem  sehr  angenehm
sein  wird.  Dem  Kurfürsten  vom  Mainz  sind  die  7000  Gulden  nur
„provisionsweise“  ausgezahlt  worden,®  bis  der  König  von  Spanien  sich
endgiltig  wegen  dessen  „Praetension‘‘  entschieden  haben  wird.

nachgesucht  und  das  Ergebnis  dem  König  mitgeteilt  werden  (Wmz.,  a.  a.  O.,
no.  186;  Kpt.).  Werbung  und  Bescheid  (auch  der  zweite)  werden  gleichzeitig
  den  Kurfürsten  von  Trier,  Köln  und  Sachsen  mitgeteilt  (Wmz.,  a.a.O,,
no.  191;  Kpt.),  —  Am  28.  Juni  erstattete  Rebmann  zu  Prag  seinen  Bericht:
Er  habe  über  die  Werbung  mit  dem  Kurfürsten  vier  Tage  lang  verhandelt  und
dabei  keinen  Mangel  guter  Affektion  gegen  des  Königs  Person  verspüren
können;  der  Kurfürst  habe  wiederholt  versichert,  dass  er  die  Differenz
mit  dem  Kaiser  gern  ehestens  verglichen  sehen  möchte;  wenn  der  König
seinem  Erbieten  nach  den  Kaiser  respektieren  werde,  möchte  vielleicht
künftig  das  Werk  zu  erkennen  geben,  dass  der  Kurfürst  es  mit  dem  König
wol  meine  (1b.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juli  1611,  zu  no.  26;  Kopie.  —
Der  König  dankte  am  8%.  Juni  dem  Kurfürsten  für  die  Erbieten  und  bat,
dass  derselbe  seine  wolmeinende  Zuneigung  fortsetzen  und  bei  (selegenheit  im
Werk  erweisen  möge;  er  dagegen  wolle  sich  bemühen,  mıt  dem  Kaiser  zu  einer
Verständigung  za  kommen;  der  Kurtürst  möge  un;,leichen  Intormationen
über  ibn,  den  König,  nicht  Glauben  schenken  und  ihn  immer  vorher  darüber
vernehmen  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  93;  Or.).

ı  Vgl.  über  ihn  no.  75,  8.  168,  Anm.  1.

?  Vgl.  no.  228  und  Anm.  1  auf  S.  536.  Von  solchen  Plänen  Baierns
wusste  im  Juli  1611  auch  Zacharias  Geizkofler  dem  neuburgischen  Kanzler  Georg
Ludwig  Fröhlich  zu  erzählen:  Baiern  gehe  mit  seltsamen  Gedanken  um
und  werde  gewiss  mit  Vorschub  des  Kaisers  etwas  zu  Nachteil  des  Königs
tentieren,  „ob  er  zu  der  romischen  cron  kommen  möchte;  under  deme  es
aber  besorglich  viler  respect  und  ursachen  halben  ein  sehr  beschwerlich
regiment  geben  wurde,  dann  diser  herr,  wie  man  wisse,  sich  in  horas  zu
mutirn  pflege*  (Fröhlich  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  6./16.  Juli  1611;
Mb.,  33  de,  f.  27,  Or.).

®  Vgl.  no.  224.
        <pb n="582" />
        Juni  18.

560  1611  242-Mit

  Berufung  auf  meine  Instruktion,  alles  mit  Rat  Zunigas
zu  tun,  fragte  ich  dann  diesen,  wie  ich  mit  meiner  Werbung
beim  Kaiser  verfahren  solle.  Er  riet  mir,  ich  solle  sogleich  durch
den  Oberstkämmerer  Proskofsky  Audienz  nachsuchen  und  mich
täglich  in  der  Antecamera  sehen  lassen,  mittlerweile  mich  aber  auch
bei  Khlesl  anmelden  (was  ich  seither  viermal  vergeblich  getan  habe)
und  ihm  mitteilen,  was  ich  unterwegs  verrichtet  hätte  und  „insonderheit,
das  die  geistliche  churfursten  gerne  wolten,  das  I.  kgl.  M.'  sich
etwas  besser  gegen  I.  ksl.  M.'  erzaigeten,  vertreulich  und  offentlich
communiciren,  ihnen  dadurch  den  argwohn  zu  benemen,  den  sie  beraits
gefast  und  vor  15  tagen  offenbar  uberal  bei  hofe  spargirt  worden,  das
E.  fl.  D!  nach  der  römischen  cron  selbst  trachte“  E.  fl.  D.
haben  nach  Zunigas  Meinung  sehr  recht  getan  zu  befehlen,  dass  man
sich  in  dieser  Hinsicht  mit  niemandem  einlassen  solle;  man  möge  es
auch  ferner  nicht  tun  und  ich  solle  in  diesem  Sinn  auf  derartige
Andeutungen  der  kaiserlichen  Minister  antworten:  Erzherzog  Albrecht
wünsche  nichts  als  dass  Matthias  mit  Zustimmung  des  Kaisers  erwählt
werde.  Zuniga  will  selbst  zum  Kurfürstentag  reisen.

„Den  16.  hab  ich  den  Barvitio  besuecht,  der  mir  unter  ander
geklagt,  das  es  mit  I.  ksl.  M.*  und  das  regiment  betreffend  noch
fast  in  eodem  statu  bleibe,  ja  ehe  erger  werde.  Klaget  sehr  uber  deu
herzog  von  Braunschweig,  wie  auch  der  nuntius  apostolicus  alhie,
don  Baltazar  und  die  fürnemiste  gehaime  und  kriegsrät,  das  der  die
bruderliche  gemueter  sehr  gegen  einander  exacerbiret  und  verbittert.!
Berichtet  mich  auch,  das  I.  ksl.  M.'  den  bischof  zu  Speier,  landgraf
Morizen  von  Hessen  (quod  motu  properio  et  citra  consilium
ministrorum  factum),  Eustachium  von  Westernach  und  den  von
Minkwiz,  so  ein  lutberischer,  zum  churfurstenconvent  verordnet  haben,
welches  mit  meniglichs  verwundern  geschicht.

Den  17.  bin  ich  glaubwürdig  berichtet  worden,  das  I.  ksl.  M.'
den  landgrafen  [von  Leuchtenberg]  inwendig  drei  oder  vier  tagen  von
hofe  dimittiren  und  den  herzog  von  Braunschweig  auf  sechs  monat  die
direction  des  ganzen  hofwesens  und  der  räten  angenommen  habe?
und  durch  dessen  befurderung  der  von  Minkwiz  in  gehaimen  rat  gezogen
worden,  quod  hactenus  inauditum.  —  Hannewald  und  Hegenmüäilller
sizen  noch  in  haft,  sollen  aber  täglich  auf  ein  revers,  welchen  sie  zu
unterschreiben  angenommen,  ledig  gelassen  werden.  Dem  Tengnagel
ist  das  leben  von  I.  kgl.  M.'  geschunken,  in  bessere  gefengnus  gesezt  und
mehrere  freiheit  gelassen  worden“  Das  passauer  Kriegsvolk
ist  mit  170000  fl.  abgedankt  und  hier  seine  Begnadigung  verkündigt
worden.  Es  soll  nach  der  AbJankung  dem  Grafen  Sulz  einen
grossen  Schimpf  angetan  haben,  indem  es  sein  Quartier  gänzlich
plünderte.  Der  Kaiser  hat  zwar  seinen  Baumeister  nach  Regensburg

ı  Vgl.  no.  223  mit  Anm.  1  auf  8.  525.
®  Vgl.  no.  232,  S,  548,  Anm.  2.
        <pb n="583" />
        242  —243.  1611  561

geschickt,!  um  den  Bischofshof  für  ihn  herzurichten,  ‚‚darob  sich  Juni  18.
vile  chur-  und  fursten  im  reich  und  insonderheit  auch  Chursaxen
erfreuen‘;  man  meint  aber,  er  werde  nicht  vor  Ende  des  Kurfürstentags
aufbrechen.  Prag  den  18.  junii  1611.

Brs.,  Secröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  80;  Or.  eigh.

243.  Ratschläge  der  nürnberger  Bechtsgelehrten  Juni  20.

wegen  einer  Instruktion  zum  rotenburger  Unionstag,  Pe

Actum  10.  juni  a.  1611.

Der  Unionstag  ist  für  den  16./26.  Juni  ausgeschrieben  ;  das
Ausschreiben  und  der  schweinfurter  Abschied  werden  verlesen.

1.  Direktorium  im  Städterat:  Nur  im  äussersten  Fall
sollen  die  nürnberger  Gesandten  es  annehmen,  zunächst  aber
es  auf  Rotenburg  schieben.  2.  In  den  Administrations-Streit
  darf  man  sich  nicht  einlassen  und  bleibt  es  deshalb  bei
vorigem  Abschied.  3.  Mit  den  andern  Städten,  besonders  mit  Ulm  ist
gute  Korrespondenz  zu  pflegen,  was  zumal  beim  Rechnungspankt
  nötig  sein  wird.

I.  Hauptpunkt  des  Ausschreibens:  Was  ist  wegen  des  passauer
Volks  zutun?  —  Die  Dinge  haben  sich  inzwischen  geändert  und  ist
das  Volk  abgedankt  worden;  aber  der  Zustand  in  Böhmen  und  im  ganzen
Reich  ist  noch  immer  gefährlich  und  stecken  wir  noch  im  Labyrinth
und  Gefahr;  denn  wir  wissen  nicht,  ob  wir  einen  Herrn  und  Haupt
haben  und  „versieren  gleichsam  in  Interregno“.  Darum  durfte
das  Direktorium  der  Union  bei  diesem  Punkt  wol  andere  Spezialfragen
  proponieren.  Man  kann  aber  darüber  keine  Instruktion  geben
und  soll  nur  darauf  sehen,  dass  die  Städte  nicht  in  Gefahr  kommen;
man  wird  auch  beim  Unionstag  schwerlich  Endgiltiges  beschliessen
können,  bevor  man  weiss,  was  auf  dem  Kurfürstentag  abgehaudelt
worden  ist.  Voraussichtlich  wird  dort  auch  die  Frage  der  Verlegung
des  kaiserlichen  Hoflagers  ins  Reich  erdıtert  werden  und  wie
des  Kaisers  Autorität  gegen  dessen  Bruder  zu  erhalten  ist.  Darüber
haben  die  Herren  Aelteren  sich  zu  entschliessen;  aber  „es  ist  nicht
gut,  solem  orientem  zu  früe  anzubeten  und  solem  occidentem  gar
zu  verlassen  und  weiss  man  wol,  dass  noch  under  etlichen
erangelischen  fursten  furiosa  consilia  gehen,  dardurch  .leichtlich  ein
neues  feur  aufgehen  möchte.“

1I.  Hauptpunkt:  Beassumtion  der  unerörterten  Punkte  des
vorigen  Ausschreibens.  —  Diese  sind:  1.  Erhaltung  der  Union,
Liquidation  der  Rechnungen,  Einbringung  der  Restanten,  Versicherung

en

ı  Vgl.  no.  214,  8.  508,  Anm,  3.
Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  36
        <pb n="584" />
        Juni  20.
und
Juli  19.

562  1611  243.

der  Anlehen,  Verbesserung  der  Mängel  in  der  Union  und  Abhilk  de
Beschwerden,  die  die  Städte  den  fürstlichen  Gesandten  übergeben  haben:
2.  Vermehrung  der  Union;  3.  Erreichung  ihres  Zieles.  —  In  der  Haupt
sache  bleibt  es  bei  voriger  Instruktion;  bei  unverhoffter  Gefahr  soll  ma
die  Exekutions-  und  Kreisordnungen  in  Acht  nehmen.  Wenn  ra
Abhilfe  der  gemeinen  Reichsgravamina  der  evangelischen  Stände  dr
Rede  ist,  soll  auch  der  vom  Bischof  von  Bamberg  unternemmee
gewalttätigen  Aufdrängung  eines  papistischen  Pfarrers,  die  dem  tm
Guttenberg  begegnet  ist,  gedacht  werden.

IIL  Hauptpunkt:  Rechnungswerk.  —  Vom  Direktorium  and
neun  verschiedene  Rechnungen  nebst  Beilagen  eingesandt  worden,  die
revidiert  und  deren  Mängel  notiert  worden  sind.  Diese  Mängel
betreffen:  1.  unnotwendige  und  übermässige  Ausgaben,  auch
dass  man  den  Soldaten  Proviant,  Waffen  und  anderes  nicht  abgerechnet
  hat;  2.  es  mangeln  viele  Beilagen,  ja  von  Kurbrandeburg,
  Baden  und  Hessen  stehen  überhaupt  die  Rechnungen  aus;
3.  der  grösste  Mangel  aber  ist,  dass  diese  gewaltigen  Ausgaben
auf  das  jülicher  Wesen  und  den  elsässer  Zug  giengen,
womit  die  Städte  nie  etwas  zu  tun  haben  wollten.  —  Es  handelt
sich  also  um  die  schwere  Frage:  soll  man  auf  den  vorigen
Beschlüssen  beharıen  oder  nicht?  Man  hat  bisher  jeglichen  Anteil
an  diesen  Unternehmen  abgelehnt  und  sich  auch  so  gegen  dea
Kaiser,  gegen  Kurfürsten  und  Fürsten  erklärt;  die  schweinforter
Instruktion  trägt  ausdrücklich  auf,  dass  nur  das,  was  vor  dem
Einzug  des  Volkes  der  Union  ins  Elsass  und  nach  dessen  Abzug  daraus
aufgewendet  worden  ist,  passiert  (doch  ausserhalb  der  mansfeldischen.
hessischen  und  obentrautischen  Reiter,  mit  denen  die  Städte  überhaupt
nichts  zu  tun  hatten),  alles  übrige  aber  den  Fürsten  zu  bezahlen
überlassen  werden  solle,  die  ohnehin  ihre  besonderen  Hilfen  zur
jülichschen  Sache  bewilligt  und  sie  per  indirectum  durch  diesen
Einfall,  Aufschlagung  und  Zertrennung  der  Lager  im  Elsass  ge
leistet  haben  ;  wollten  aber  die  höheren  Stände  ein  anderes  durchsetzen,
  so  hätten  die  Gesandten  beim  Votieren  und  Unterschreibe
zu  protestieren,  um  zu  besserer  Entschuldigung  vor  dem  Kaiser.
den  Kurfürsten  und  Fürsten  den  Dissens  unserer  Herm  su.
demonstrieren.  —  Die  Abgesandten  zu  Schweinfurt  hatten  and
steif  darauf  bebaırtt  und  19  Motive  schriftlich  [fehlen]  übergebe.
warum  man  sich  des  elsässer  Zugs  nicht  teilhaftig  machen  kön.
Sie  haben  aber  nur  zu  sehr  erfahren,  wie  übel  dies  die  höhere
Stände  aufnabmen,  die  auf  ihrer  Meinung  bebarrten  und  starke
Unwillen  gegen  die  Städte  fassten.  Die  Abgeordneten  waren  dem
nach  der  Meinung,  man  werde  in  diesem  Punkt  etwas  nachgeben
müssen,  um  „Extremitäten“  zu  vermeiden.

Wollewr  unsere  Herrn  ‘trotzdem  auf  voriger  Meinung  beharm,
so  ist  das  Mittel  leicht  gefunden,  aus  der  Sache  zu  komme,
indem  man  sagt,  man  tue  und  gebe  nichts,  und  wenn  man  weite
        <pb n="585" />
        248.  1611  563

in  die  Gesandten  dringt,  so  sollen  dieses  nicht  mehr  zu  Bat  Juni  20.
gehen.  Aber  die  Fürsten  können  nicht  allein  bezahlen  und  so  „und
wird  es  heissen:  mitbezahlen  oder  aus  der  Union  treten.  Juli  19.
Beide  Extreme  sind  gefährlich  und  bedenklich,  bei  letzterem  sind
aber  grössere  Ungelegenheiten  zu  befürchten.  Zudem  ist  zu  erwägen,
  dass  man  sich  der  jälicher  Sache  mit  Rücksicht  auf  den
Kaiser  und  auf  Sachsen  nicht  teilbaftig  hat  machen  wollen,  dass
diese  Rücksichten  aber  jetzt  wegfallen;  denn  mit  dem  Kaiser  steht
es  leider  so,  dass  seine  Ungnade  nicht  zu  fürchten  und  auf  seinen
Schutz  nicht  zu  rechnen  ist;  Kursachsen  aber,  das  ehedem  das  grösste
Auge  auf  den  Kaiser  und  dessen  Hofräte  hatte,  hat  sich  jetzt  mit
den  Possidierenden,  die  man  zuvor  in  die  Acht  hat  tun  wollen,  ganz
verglichen,  so  dass  von  daher  nichts  zu  befahren  ist.  Dazu  haben
die  Strassburger  schon  erklärt,  das  sie  den  Fürsten  gern  gratifizieren
wollen  und  ihnen  werden  die  andern  rheinischen  Städte  folgen.  —  Wollen
aber  unsere  Herrn  dennoch  das  letztere  Extrem  wählen,  so  ist  zu  bedeuken  :
1.  Vom  Kaiser  und  vom  kaiserlichen  Hof  hat  man  nichts  zu  erwarten
weil  dort  das  ganze  Regiment  darniederliegt  uad  wir  doch  schon  in  der
Union  sind.  2.  Der  Favor  für  uns  bei  Kurmainz  und  Sachsen  wird
stets  talis  qualis  soin  und,  wenn  uns  etwas  begegnet,  werden  sie  eher,
durch  die  Finger  sehen  als  sich  unserer  annehmen.  3.  Würden
diese  für  uns  auch  etwas  tun,  so  müsste  Nürnberg  dafür  ebenso  zahlen
wie  bei  der  Union.  4.  Zu  andern  katholischen  Fürsten  würden
wir  keine  Zuflucht  haben  ;  denn  die  sind  uns  eben  so  wenig  geneigt
als  andern  evangelischen  Ständen.  5.  Wenn  wir  uns  aus  der
Union  begeben,  wird  der  Markgraf  von  Ansbach  ein  noch  böserer
Nachbar  sein  und  noch  mehr  der  Stadt  zusetzen.  6.  Kurbrandenburg
  und  Kurpfalz  würden  ihm  beistehen  oder  ihm  wenigstens
nicht  Unrecht  geben;  dazu  würden  diese  beiden  durch  unsere  Absonderung
  aufs  höchste  beleidigt  werden,  besonders  Kurpfalz,  das
bei  der  Union  viel  zugesetzt  und  bei  den  Rechnungen  das  meiste
zu  fordern  hate.  7.  Man  könnte  allerdings  sagen,  man  nehme  das
Geld,  das  man  bisher  der  Union  gezahlt  hat,  und  erwehre  sich
damit  allein  der  Nachbarn;  aber  jeder  Verständige  weiss,  ob  dies
einem  einzigen  Stand  erschwinglich  ist  und  was  dazu  gehört,
auch  nur  einer  geringen  einbrechenden  Gewalt  zu  widerstehen.
8.  Man  darf  sich  durch  das  Beispiel  der  Frankfurter  und
Regensburger  nicht  irren  lassen,  denen  seither  solche  Sachen  begegnet
  sind,  dass  sie  wol  gewünscht  hätten,  in  der  Union  zu  sein  und
dabei  nicht  wissen  können,  was  ihnen  noch  ferner  droht.  9.  Wäre
diese  Union  nicht  gewesen,  so  würden  wir  bei  diesen  gefähilichen
Läufen  doch  einen  andern  Rückhalt  gesucht  haben,  was  unter
allen  Umständen  mit  Beschwerden  und  Kosten  verbunden  gewesen
wäre.  —  Dagegen  hat  man  den  Vorteil  der  Union  doch  in
folgenden  Dingen  verspürt:  1.  Die  beschwerlichen  Hofprozesse  sind
seitdem  eingestelli.  2.  Die  Liga  hat  auf  ihre  Praktiken  verzichten

36*
        <pb n="586" />
        564  1611  243.

Juni  20.  müssen.  3.  Man  hat  verhindert,  dass  das  passauer  Volk  ins  Reich

un
Juli  19.

kam.  4.  An  den  jälicher  Landen  ist  gemeinem  evangelischen
Wesen  doch  viel  gelegen,  wenigstens  nach  Ansicht  der  Gegner;
diese  Lande  sind  nun  durch  Vermittlung  der  Union  an  evangelische
Fürsten  statt  an  Teopold  und  an  die  Spanier  gekommen,  wodarch
den  Evangelischen  unerträglicho  Bedrängnis  erspart  wurde,  wie  aus
Tengnagels  Aussagen  zu  sehen  ist.  5.  Man  hört,  dass  das  Has
Sachsen  beim  jüterbogker  Vergleich  nicht  wenig  Rücksicht  auf  die
Union  genommen  habe,  weil  es  sah,  dass  diese  von  den  Pos#
dierenden  nicht  absetzen  wolle.  6.  Wären  wir  nicht  in  der
Union,  hätte  man  seitdem  den  Kaiser  gewiss  in  unserer  Stadt
gehabt  oder  wären  wir  mit  schweren  Forderungen  geplagt  wordes,
die  uns  saurer  angekommen  wären  als  die  der  Union.  7.  Was
für  Schaden  wäre  der  Stadt  erwachsen,  wenn  des  Markgrafen  Volk
sich  auf  deren  Untertanen  gelegt  hätte,  was  gewiss  geschehen
wäre,  wenn  wir  nicht  in  der  Union  gewesen  wären;  der  Schaden  der
Würzburger  soll  sich  auf  200000  fl.  belaufen.  —  Diese  Grände
muss  man  jetzt  noch  mehr  erwägen  als  bevor  man  in  die  Union  trat;
damals  hatte  man  noch  alle  Katholischen  zu  Freunden,  die  begehrten,
dass  unsere  Herrn  zu  ihnen  treten.  Jetzt  sind  sie  uns  entfremdet:
dazu  tragen  wir  auch  den  Unwillen  der  mitunierten  Kurfürsten
und  Fürsten,  weil  wir  uns  des  jülicher  und  elsässer  Zugs  nicht
annehmen  wollten  und  den  Neuburgs  noch  besonders,  weil  wir
ihm  im  Administrations-Streit  nicht  beipflichteten  und  wird  der  Unwille
noch  zunehmen,  wenn  wir,  nachdem  es  mit  dem  Kaiser  und  Sachsen
in  anderen  Stand  gekommen  ist  und  Strassburg  neben  den  rheinischen
Städten  sich  willig  finden  lässt,  uns  widrig  erzeigen  und  noch
andere  Städte  abwendig  machen.  —  Darum  möge  man  sich  wehren,  so
lang  man  kann;  wenn  es  aber  nichts  hilf,  so  muss  ınan  anf
Mittel  denken,  sich  soviel  als  möglich  bei  voriger  Erklärung  zu
erhalten  und  dabei  doch  den  Kurfürsten  und  Fürsten  nicht  vor  den
Kopf  zu  stossen.  —  Dazu  wären  aber  folgende  von  Dr.  Oelbafen  und
Dr.  Burkhard  vorgeschlagene  Mittel  gut,  die  man  der  Instruktiva
einrerleiben  könnte:  1.  Man  will  mit  den  hessischen,  obeatrautischen
  und  den  Lehenreitern  nichts  zu  tun  haben,  aber  das
fuchsische  und  helmstättische  Regiment  ron  der  Musterung  bis  zum
Anzug  bezahlen  helfen.  2.  Der  e)sässische  Zug  ist  ganz  bei  Seite
zu  setzen  und  nur  zu  passieren,  was  vor  dem  elsässischen  Einfall
und  nach  dem  Abzug  aufgegangen  ist.  3.  Da  nicht  in  Abrede
gestellt  werden  kann,  dass  durch  den  Einfall  ins  Elsass  auch
der  Union  insgesamt  Nutzen  geschaffen  worden  ist,  so  soll  alles
Volk  die  monatliche  Besoldung  von  gemeiner  Union  erhalten,  aber
die  Aufwendungen  für  die  hohen  Befehle,  Munition,  Artillerie  etc.
separiert  werden.

Die  andern  Rechtsgelehrten  fanden  das  dritte  Mittel  voriger
Erklärung  zuwider,  dass  man  sich  des  jülicher  und  elsässer
        <pb n="587" />
        243.  1611  565

Wesens  nicht  teilbaftig  machen  wolle;  deswegen  schlug  Oelhafen  Juni  20.

4.  vor,  die  Städte  sollen  nur  die  Kosten  tragen,  die  auf  die
Abdankung  des  Volkes  giengen,  was  mit  der  Erhaltung  von  Buhe
und  Frieden  im  Reich  zu  verantworten  wäre  oder  5.,  die  Städte
verwenden  das,  was  sie  noch  in  den  Rechnungen  passieren  lassen
wollen,  auf-  Abzablung  des  Volks  in  der  Oberpfalz,  das  nur  zur
Defension  wider  die  Passauer  gebraucht  worden  war;  die  Kurpfalz,
die  viel  aufgewendet  hat,  soll  der  Städte  Bewilligung  dafür  annehmen,
  des  elsässer  Zugs  wegen  aber  mit  den  Fürsten  machen,
was  sie  will;  doch  sollen  die  Städte  nur  so  viel  bewilligen,  als
dies  Volk  die  Monate  über  (ohne  die  hohe  Befehle,  Artillerie,
Werbung  etc.)  gleichsam  in  der  Garnison  zu  erhalten  gehabt  hätte
und  zwar  gegen  Abzug  der  Kommiss.

Wegen  des  Vorrats:  Aus  den  Rechnungen  ist  zü  ersehen,
dass  in  der  Kassa  der  Union  nichts  ist  als  die  zu  Terinitatis
verfalenen  fünfzehn  Monate,  von  denen  die  unierten  Städte
acht  schon  erlegt  haben;  es  wird  also  vermutlich  von  Antiıipation
  der  Termine  oder  anderweitiger  Stärkung  des  Vorrats
proponiert  werden.  Fis  haben  aber  die  Städte  die  Ungleichheit  und
Unordnung  erfahren,  die  davon  herrührt,  dass  jeder  Stand  seine
Quote  in  Händen  behilt,  so  dass  man  nie  weiss,  was  einer  erlegt
oder  was  er  im  Rest  hat;  daher  ist  die  ganze  Last  auf  die  Städte
gekommen,  selbst  die  an  sich  kostspieligen  Visitationen  der  Vorräte  sind
unterblieben.  Man  wird  der  Unordnung  durch  Schaffung  von  ein  oder
zwei  Legstätten  am  besten  abhelfen;  doch  soll  sich  Nürnberg  nicht
um  eine  solche  „reissen‘;  denn  sobald  es  den  Fürsten  fehlt,  würde
die  Stadt  antizipieren,  aber  auf  die  Wiederzahlung  warten  müssen.  —

Konfutation  der  donauwörthischen  Relation:  Den  Vorwurf,
  dass  nur  die  evangelischen  Stände  wider  den  Religionsfrieden
gehandelt  hätten,  wird  man  schärfer  ablehnen  müssen.

Wegen  der  Gutachten  zur  Hebung  der  Disziplin,  die  ans  Direktorium
einzusenden  sind,  wegen  Anstellung  je  eines  Magazines  am  Rhein  und  an
der  Donau  und  wegen  Verordnung  einer  kriegsverständigen  Person
zum  Unionstag  wird  auf  das  Gutachten  der  Kriegsstube  verwiesen.

Nach  Vertagung  des  Unionstages  auf  den  21./31.  Juli

29.  Juni
und  da  in  das  neue  Ausschreiben  vom  I  (vgl.  unten  no.  274)

neue  Punkte  gekommen  waren,  traten  die  Rechtsgelehrten  am  9.19.  Juli
zu  einem  zweiten  Ratschlag  zusammen,  um  den  ersten  zu  ergänzen.

Zum  I.  Hauptpunkt.  Den  Aufbruch  des  Kaisers  ins  Reich  wird
man  nicht  mehr  zu  befürchten  haben,  da  der  Kaiser  bei  seinem  Alter  nur
mit  grossen  Beschwerden  reisen  könnte  und  der  päpstliche  Nuntius  und
der  spanische  Orator  die  Reise  nicht  zulassen  werden  aus  Furcht,
dass  der  Kaiser,  einmal  im  Reich,  den  Evangelischen  zu  viel  nachgeben

und
Juli  19.
        <pb n="588" />
        Juni  20.
und
Juli  19.

566  1611  243.

könnte.  Es  ist  auch  nicht  zu  vermuten,  dass  der  Kaiser  nach  Nänberg
  strebt,  da  er  nicht  gern  nach  einem  ketzerischen  Ort  kommen  wird;
zudem  sind  wir  bei  ihm  wegen  der  Union  in  Ungnaden.  Die  Nachban
um  die  Stadt,  Brandenburg  und  Kurpfalz,  werden  ein  kaiserliches  Hdlager
  hier  noch  viel  weniger  gern  sehen  als  wir,  da  ihnen  mit  Jagdea.
Zöllen  u.  a.  grosser  Abbruch  geschehen  würde.  Jedenfalls  ist  aber
insgesamt  dahin  zu  trachten,  dass  des  Kaisers  Vorbaben  verhindert
werde,  sonst  wird  es  zumeist  an  den  evangelischen  Ständen  ausgebes
und  wieder  die  grösste  Last  auf  die  Städte  kommen.  Wird  vom
Unterhalt  des  Kaisers  geredet,  so  ist  darauf  zu  sehon,  dass  diesen
die  Union  nicht  allein  auf  sich  nimmt  sondern  dass  darüber  auf  einem
Reichstag  beraten  und  alle  Stände  dazu  herangezogen  werden.

Zum  1I.  Hauptpunkt  wird  die  Hoffnung  ausgesprochen,  dass  der
neue  Kurfürst  von  Sachsen!  der  Union  gewogener  sein  werde.  Wege
der  allgemeinen  Gravamina  bleibt  es  bei  dem  Grundsatz:  vor
deren  Abhilfe  keine  Steuerbewilligung.

III.  Beim  Rechnungspunkt  ist  zu  besorgen,  dass  Nürnberg
überstimmt  wird.  Die  Sachlage  hat  sich  allerdings  sehr  verändert:
der  Kurfürst  von  Sachsen  ist  tot,  der  von  Kurbrandenburg  ist  mit
dem  Kaiser  ausgesöhnt;  dazu  weiss  man,  mit  welchen  Anschlägen  der
Herzog  von  Braunschweig  gegen  seine  Stadt  umgeht,  welche  Sack
per  indirectum  auch  die  andern  Städte  betrifft;  die  Städte  müssen
daher  einen  Rückhalt  haben.  Den  wird  man  aber  nicht  erlangen,
wenn  man  sich  wegen  der  jülicher  und  elsässer  Sache  den  höheren
Ständen  zu  sehr  widersetzt.  Man  wird  also  dabei  etwas  tun  müssen.
auch  in  Erwägung,  dass  Nürnberg,  als  Neuburg  es  um  ea
Darlehen  angieng,  sich  erboten  hat,  zur  Abdankung  etwas  geben
zu  wollen.  Dieses  Mittel  ist  auch  am  besten  zu  verantworten.

Die  von  Kurbrandenburg  gesuchte  Assistenz  zur  preussischen
Sache  ist  zuvor  nur  bei  den  höheren  Ständen  begehrt  worden  ?:;  die  Städte
haben  sich  daher  der  angesonnenen  Adjunktion  nach  Möglichkeit  zu  «-wehren,
  von  einem  unverfänglichen  Interzessionsschreiben  aber  nicht  abzısondern.
  Das  Motiv,  dass  es  sich  bei  Preussen  um  eite  res  acquirend
handle,  sollzuVerhütung  Unwillens  bei  Brandenburg  nicht  angezogen  werden.
wol  aber,  dass  Preussen  nichts  zur  Union  beitrage  und  auch  nicht  zum
Reich  geböre,  Beschliesst  die  Mehrheit  eine  Schickung  nach  Warschau  un!
nimmt  sich  auch  Sachsen  der  Sache  an,  so  sollen  die  Gesandten  alles  nar  sı
Bericht  nehmen.  —  Wegen  des  genfer  Sukkurses  wird  es,  da  Savoyea
sein  Volk  abgedankt  hat,  weiterer  Beratung  nicht  bedürfen.  —  Di
übrigen  Punkte  der  Nachschrift  wegen  Reassumtion  des  Reichstag:
und  Erörterung  des  Justizwesens  gehören  nicht  vor  die  Union  sondern
vor  die  Kurfürsten  und  die  gesamten  Stände.  Weil  der  Unionstag  nun  den
Kurfürstentag  vorausgehen  wird,  so  scheint  fast,  dass  man  die  Gesinnuxg

ı  Christian  II.  von  Sachsen  war  am  3.  Juli  gestorben.
”  Wegen  dieser  preussischen  Assistenz  vgl.  A.  Chroust,  Abrahss
von  Dobna,  8.  66  f.
        <pb n="589" />
        243.  1611  567

der  Unierten  vorher  erforschen  will.  Darum  soll  man  sich  auf  nichts  ein-  Juni  20.
lassen,  bevor  nicht  die  Kurfürsten  einen  Beschluss  gefasst  haben;  müsste  and
man  aber  davon  schon  zuvor  handeln,  so  sollen  die  Gesandten  bei  den
evangelischen  Gravamina  verharren  und  vor  deren  Abhilfe  weder  in
einen  Reichstag  noch  in  eine  Kontribution  willigen.  Je  schlimmer  es
dem  Kaiser  geht,  desto  mehr  möge  man  darauf  bestehen;  denn  hat
er  als  König  [von  Böhmen]  tun  müssen,  was  seine  eigenen  Leute
wollten,  warum  soll  er  als  Kaiser  gegen  die  Reichsstände  sich  nicht
ebenso  erweisen.  —  Beschickt  König  Matthias  den  Unionstag,  so  ist
die  Proposition  seiner  Gesandten  abzuwarten  und  Bericht  darüber  zu
erstatten.  Auf  jeden  Fall  ist  aber  dahin  zu  sehen,  dass  man  nicht  zu
weit  gehe  sondern  bedenke,  dass  wir  noch  einen  Kaiser  haben,  dem
wir  verpflichtet  sind.  Die  beste  Eutschuldigung  ist,  man  sei  nicht
instruiert  oder  die  Sache  gehöre  auf  einen  Reichstag  oder  vor  die
Kurfürsten.

Die  beantragte  Anstellung  eines  consilium  politicum  ist  wol
nützlich,  hat  aber  auch  grosse  Beschwerlichkeiten  ;  eswird  sich  niemand  gern
dazu  gebrauchen  lassen,  da  or  stets  an  einom  gewissen  Ort  sein  und  viel
Hass  und  Neid  auf  sich  nehmen  müsste;  das  consilium  könnte  auch
seine  Macht  zu  sehr  ausdehnen,  würde  viel  kosten  und  die  Gegner  würden
seine  Geheimnisse  durch  Auffangung  der  Briefe  u.  s.  w.  zu  erforschen
suchen.  Auch  ist  die  Gefahr  nicht  mehr  so  gross,  dass  man  eines
solchen  bedürfte.  —  Die  Kaution  der  30  000  fl.  ist  zu  betreiben,  aber
im  Notfall  soll  man  von  einem  und  andern  annehmen,  was  man  haben
kann  und  die  Obligation  nicht  ansehen;  je  länger  man  wartet,  desto
weniger  wird  daraus.

Nbg.,  Unlonsakten,  tom.  46,  f.  91  und  f.  185;  Orr.!

ı  Am  14./24.  Juli  giengen  die  beiden  Aeltern  des  Rate  und  die  zwei
Advokaten  nochmals  Jdie  von  Dr.  Burckhard  verfasste  Instruktion  und  die
Ratschläge  durch.  Bedenken  machte  nur  Jer  vornehniste  Hauptpunkt,  wie
weit  den  höheren  Ständen  die  Anrechnung  der  Kosten  des  elsässer  Zugs
zu  gestatten  sei;  denn  darauf  beruhe  das  ganze  Rechnungswerk,  das
Fundament  der  Union  und  die  Reputation  der  Herrn  des  Rats,  damit  sie  nicht
der  Veränderlichkeit  bezichtigt  werden.  lan  kam  dahin  überein,  dass,
wenn  dio  übrigen,  besonders  die  rheinischen  Städte  den  höheren  Ständen
zu  Gefallen  von  den  vorigen  Beschlüssen  abweichen  und  sieh  zu  weit  vertiefen
  würden,  man  im  Städtorat  einen  Mittelweg  vorschlagen,  sich  desselben
vergleichen  und  im  Plenum  darauf  handeln  solle;  denn  zu  Schweinfurt  und
bei  den  vorausgebenden  Städtetagen  habe  man  ja  bereits  beschlossen,  den  Aufbrouch
  nach  dem  Elsass  und  den  Abzug  des  fuchsischen  und  helmstwättischen
Regiments  und  der  markgräflichen  Reiterei  daraus  in  den  terminis  a  quo
und  ad  quem  passieren  zu  lassen.  Von  den  vorgeschlagenen  Mitteln  [im
Ratschlag  vom  20.  Juni]  würde  das  erste  nur  übel  aufgenommen  werden,
denn  es  enthalte  nichts  Neues;  die  vorzuschlagenden  Mittel  müssten  vielmehr
  auf  folgender  Steigerung  beruhen:  1.  des  Volks,  2.  der  Zeit,  aber
nicht  des  Volks,  3.  der  Zeit  und  des  Volks;  in  jedem  Fall  aber  solle  in
den  Rechnungen  alles  abgesondert  werden,  was  auf  die  hoben  Befehle,
Artillerie,  Munition  u.  8.  w.  gewendet  wurde.  Das  erste  Mittel  wäre  demnach,
die  elsässische  Expedition  ganz  beiseite  zu  setzen,  aber  passieren  zu  lassen,
        <pb n="590" />
        568  1611  244.

zum  204  244.  Kanzler  Fausts  „ohngefehrlichos  bedenken,  was
“bei  dem  uf  den  17.  julii....  bestimpten  und  verglichenen
  churfurstentag,  sofern  derselbig  seinen
vortgang  erreichen  wurdet,  zu  consideriren  sein  möchte.

Beim  Kurfürstentag  sind  laut  Ausschreiben  folgende  Hauptpunkte
  vorzubringen:  1.  Der  prager  Uebalstand,  2.  die  Suecession,
3.  die  Ergänzung  des  Kollegiums,  4.  die  Erneuerung  des  Kurvereins,
5.  die  Restitution  des  Justizwesens  im  Reich,  6.  die  Verbesserung  der

was  vor  und  nachher  nicht  nur  auf  obige  Regimenter  und  Reiter  sondern  auch
noch  auf  die  hessischen,  mansfeldischen,  obentrautischen  und  die  Lebensreiter
aufgegangen  ist;  der  Schaden  würde  dabei  nicht  so  gross  sein,  weil
diese  Reiterei  nicht  vor  dem  Einfall  gedient  bat  und  es  sich  nur  um  die
kurze  Zeit  des  Abzugs  handelt.  2.  Das  andere  Mittel  wäre:  dem  fuchsischen
und  helmstättischen  Regiment  und  den  markgräflichen  Reitern  wäre  der
ganze  Sold  auch  für  die  Zeit  des  elsässer  Zuges  zu  passieren,  doch  mit
Separation  dessen,  was  auf  die  wirkliche  Belagerung  und  Expedition  und
auf  die  übrige  Reiterei  aufgegangen  ist,  und  anders  nicht  als  wenn  obiges
Volk  in  dieser  Zeit  nur  in  terminis  defensivis  und  in  blosser  Garnison  ge
legen  hätte.  Daesellie  hätte  man  gewiss  auch  wegen  des  passauischen  Volks
leisten  müssen,  auch  wenn  die  Fürsten  nicht  den  elsässischen  Zug  vorgenommen
bätten  oder  die  Unierten  sich  auch  nur  mit  Volk  zur  Defension  hätten
gefasst  halton  müssen.  3.  Das  äusserste  Mittel  wäre  endlich:  das  gesamte
Volk  ohne  Unterschied  der  Werbung  und  Zeit  zu  bezahlen  und  nur  die
hohen  Befehle  ete.  auszusetzen.  Damit  es  aber  dann  nicht  das  Ansehen
hat,  als  wolle  man  sich  voriger  Erklärung  zuwider  in  das  elsässer  Wesen
verwickeln,  wird  man  der  Sache  einen  andern  Schein  geben  müssen,  „dass,
so  vil  der  stätt  portion  und  rata  sonsten  diese  ganze  zeit  uber,  alldieweil
gemeltes  volk  im  Elsas  gelegen,  und  also  ausser  dessen,  80  vor  dem  anibruch
  und  nach  dem  abzug  aufgewondet,  daza  man  sich  hierorn  bereit
erboten,  austrägt,  zusammengeschlagen  und  bei  der  endlichen  abdankung
von  den  stätten  dargeschossen  und  ihnen  vor  andern  contributionibus  als
ein  voraus  zugeschrieben,  den  chur-  und  fursten  aber  die  vollige  underhaltung
des  volke,  so  lang  es  in  dem  Elisas  gelegen,  in  rechnungen  einig  und  allein
zugeaignet,  auch  die  verantwortung  denselben  nochmals  überlassen  wurde.“
Da  die  ordentlichen  Kontributionen  in  der  Union  so  ei:  gerichtet  sind,  dass
auf  die  höheren  Stände  zwei,  auf  die  Städte  ein  Drittel  fällt,  so  würde,
wenn  die  Unkosten  des  Volke  im  Elsass  (ausser  den  hohen  Befehlen  u.  a.  w.)
während  der  ganzen  Zeit  z.  B.  100000  fl.  betrügen,  sich  der  Städte  Antel
daran  auf  33000  fl.  belaufen,  die  sie  dann  zur  Abdankung  als  einen
„Voraus*  kontrıbuieren  und  im  übrigen  nach  obigem  Anschlag  den  höheren
Ständen  die  last  tragen  helfen  müssten.  Auf  diesem  Weg  erreichen
zwar  die  höheren  Stände  ibr  Intent,  die  Städte  aber  können  bei  der  Er
klärung  bleiben,  dass  sie  sich  des  elsässer  Zugs  weder  mit  Volks-  noch  mit
Geldhilfe  teilbaftig  gemacht  haben;  dabei  hätten  die  Herrn  des  Rats  noch  den
Vorteil,  dass,  was  sie  an  den  dargeliehenen  80  000  fl.  über  ilıre  Quote  hinausgegeben
  haben,  aus  den  Kontributionen  der  andern  Städte  wieder  einnehmes
und  sich  so  bezahlt  machen  könnten.  —  Ein  ähnliches  Mittel  hatte  man  schos
den  Gesandten  in  der  Instruktion  nach  Ulm  vom  4./14.  Oktober  1610  an
die  Hand  gegeben,  dass  man  so  viel  passieren  lassen  wolle  als  aufgegangen
        <pb n="591" />
        244.  1611  569

Justiz  am  kaiserlichen  Hof,  7.  die  Reformation  des  kaiserlichen  _  Juni
Regiments.  Vermutlich  werden  aber  auch  noch  andere  Punkte  auf  [?um  20.]
die  Bahn  kommen,  da  der  Kaiser  und  die  Stände  ihre  Auliegen  den
Kurfürsten  vorbringen  werden.

1.  Prager  Unwesen.  Dieses  ist  die  Hauptursache  der
Zusammenberufung,  die  ohne  merkliche  Schwächung  der  Autorität  im
Reich  nicht  unterbleiben  konnte,  da  das  Reichsoberhaupt  so  sehr  geängstigt
  wird,  man  den  Kaiser  mit  so  starker  Macht  fast  wie  in  einem
Gefängnis  hält  und  sich  beinahe  an  seiner  Person,  wenigstens  aber  an
dem  kaiserlichen  Hofstaat  vergreift,  indem  man  seine  Räte  verhaftet.
Daber  müssen  das  Reich  und  besonders  die  Kurfürsten,  denen  an
der  Erhaltung  der  kaiserlichen  Autorität  mehr  als  andern  gelegen
ist,  sich  der  Sache  annehmen  und  zeitlich  beratschlagen,  was  zur
Rettung  und  Tröstung  des  Kaisers  dienen  möchte.  —  Da  aber  bei  den
Verhandlungen  allerlei  Affekte  mitunterlaufen  könnten,  wäre  es  gut,
gleich  anfangs  bei  Herrn  und  Räten,  besonders  aber  bei  den  sächsischen
anzuklopfen,  um  zu  erfahren,  wie  deren  Gesinnung  sei  und  ob  sich
diese  nach  erfolgter  Vergleichung  mit  Kurbrandenburg  nicht  etwa
gegenüber  der  in  Prag  erwiesenen  geändert  hat,  damit  man  die
etwaigen  Neigungen  des  einen  und  andern  Kurfürsten  zu  König
Matthias  kennen  lernt  und  auch  sieht,  was  man  bei  Beratung  des
Successionspunktes  von  dem  einen  und  andern  zu  erwarten  hat.  —

wäre,  wenn  das  Volk  in  Garnison  gelegen  hätte  und  dass  man  die  Ver
antwortung  des  elsässer  Zugs  und  der  Exzesse  den  Fürsten  überlasse.  Auch
die  Ulmer  haben  schliesslich  kein  anderes  Mittel  gewusst  als  dass  man,  weil
man  den  Unterhalt  des  Volks  bewilligt  habe,  ihn  passieren  lasse,  sich  aber
sonst  verwahre,  indem  die  zur  eigentlichen  Expedition  gehörigen  Unkosten  ausgesetzt
  und  den  Fürsten  allein  heimgestellt  werden.  Es  handelt  sich  nur  um
ein  geringes  Geld  und  man  erspart  sich  Inkonvenientien  ;  man  könnte  sich  auch
noch  im  Abschied  verwahren,  Jass  diese  Bewilligung  nicht  in  Konsequenz
gezogen  werden  dürfe  ıNbg.,  a.  a.  O.,  f.  139;  Kopie).

Auf  Grund  der  beiden  revidierten  Ratschläge  wird  die  Instruktion
vom  18./28.  Juli  abgefasst.  Wegen  Jder  Kosten  des  elsässer  Zuges  wird
noch  bestimmt,  dass  das  dritte  der  oben  angeführten  Mittel  nur  auf  Ratifikation
  angenommen  werden  dürfe.  —  Zur  Vermehrung  der  Union  wird  die
Erhandiung  des  Hauses  Sachsen  empfohlen,  damit  ein  zweites  Corpus  in
den  sächsischen  Landen  aufgerichtet  und  aus  der  Union  ein  gemeines  Werk
aller  Evangelischen  gemacht  werden  könne.  —  Die  Anlage  von  Magazinen
am  Rbein  und  an  der  Donau  ist  wegen  der  Kosten  und  wegen  (der  verringerten
  Gefahr  abzulehnen.  —  Wegen  Donauwörth  sind  die  kurfürstlichen
Gesandten  zu  ersuchen,  sich  der  Stadt  beiım  Kurfürstentag  anzunehmen  und
den  Kaiser  seines  Dekrets  zu  erinnern,  damit  er  noch  vor  Bewilligung  oder
Anstellung  eines  Reichstags  die  Restitution  verfüge.  —  Die  Kurfürsten  sind
zu  ermahnen,  der  allgemeinen  Gravamina  eingedenk  zu  bleiben  und  keinen
Reichstag  zu  bewilligen,  bevor  den  Beschwerden  abgeholfen  oder  wenigstens
gewisse  Vertröstung  der  Abhilfe  gegeben  wird;  beim  Reichstag  ist  vor
allem  von  dieser  Abhilfe  zu  handeln,  vorher  zu  keiner  andern  Beratung  zu
schreiten  und  vor  der  Abhilfe  der  Gravamina  und  vor  der  Verbesserung
des  Justizwesens  auch  keine  Kontribution  zu  bewilligen  (Nbg.,  a.  a.  O.,
f.  149;  Kptkopie).
        <pb n="592" />
        570  1611  244.

Juni  Hat  man  sich  wegen  des  modus  procedendi  dahin  geeinigt,  nach
[sum  20.)  ger  Ordnung  des  Ausschreibens  zu  verfahren,  so  ist  zunächst  zu  bedenken,
wie  man  es  zwischen  den  Brüdern  dahin  bringen  könnte,  dass  sie  die
Waffen  niederlegen  oder,  wenn  dazu  keine  Hoffnung,  wie  sonst  die  Ruhe
zu  erhalten  wäre.  Die  Dinge  in  Prag  gehen  allerdings  so,  dass
wenig  Hoffnung  dazu  ist,  man  werde  Matthias  zur  Niederlegung  der
Waffen  bewegen  können;  denn  er  befindet  sich  jetzt  im  Vorteil,
kann  auch  den  Vertrag  vom  vorigen  Jahre  vorwenden,  wezen  den  er  sich
beschwert  glaubt,  und  wird  er  sagen,  er  habe  eher  der  Kurfürsten
Beistand  als  solche  Zumutung  erwartet.  Die  Kurfürsten  können  aber
gleichwol  zu  des  Königs  Vornehmen  nicht  stillschweigea  und  zusehen,  wie
man  dem  Kaiser  die  böhmische  Krone  de  facto  vom  Haupte  nimmt  und
ibn  der  Regierang  Böhmeus  entsetzt,  während  es  doch  vielleicht  noch
andere  Mittel  gegeben  hätte,  den  König,  falls  er  sich  wider  jenen
Vertrag  durch  den  Kaiser  beschwert  fühlt,  zu  entschädigen.  Jedenfalls
  ist  mit  der  beschwerlichen,  feindlichen  „Umringung‘“  des  Kaisers,
der  Bewachung  in  seiner  Residenz  und  Verhaftung  seiner  Räte  und
Diener  zur  Schmälerung  der  Reputation  des  Reiches  allzusehr  geeilt
worden.  Was  man  jetzt  noch  dagegen  tun  kann,  dazu  wird  der  Bericht
der  in  Prag  gewesenen  kurfürstlichen  Räte  Mittel  an  die  Hand  geben.
Kann  man  den  König  durch  wolmeinende  Erinnerung  von  seinem
tätlichen  Vornehmen  abhalten  (denn  eine  „thatliche  resistenz‘“  dürfte
keineswegs  unternommen  werden,  Jdie  den  Kurfürsten  zur  vorigen
Assekuration  der  alten  Verträge  nur  eine  neue  Last  auflüde),  so
wäre  dies  auf  jeden  Fall  zu  versuchen,  sei  es  durch  die  noch  in
Prag  anwesenden  kurfürstlichen  Räte  oder,  wenn  diese  schon  weggezogen
  sind,  durch  andere.  Ist  beim  König  die  Niederlegung  der
Waffen  oder  die  Versöhnung  der  Brüder  nicht  zu  erreichen,  so  kann  man
trotzdem  den  Kaiser  in  solcher  Beängstigung  nicht  stecken  lassen,  kann
ihm  aber  auch  nicht  raten,  von  seinem  Wohnort  zu  weichen  (was
nur  Schwer  geschehen  könnte  und  wobei  auch  der  Kaisor  sein  bedeutendes
Vermögen  zurücklassen  müsste  und  also  mittellos  gemacht  würde)  oder
ganz  unbillige  Bedingungen  auf  sich  zu  nelımen;  die  Kurfürsten  können
aber  auch  nicht  gegen  den  König  noch  weitere  Verpflichtungen  eingehen,  —
daher  wäre  es  besser,  die  Sache  auf  einem  Reichstag  zu  beraten
und  den  Kaiser  wenigstens  so  weit  frei  zu  machen,  dass  er  dessen
Ausschreibung  vornehmen  kann,  was  der  König  im  Hinblick  auf  das
Völkerrecht  ohnehin  nicht  hindern  würd.  Würden  die  Kurfürsten
die  Ausschreibung  des  Reichstags  selbst  auf  sich  nehnen,  was  weder  die
goldene  Bulle  noch  die  Reichsgesetze  ihnen  zugestehen,  so  wäre  bei  den
ungleichen  Intentionen  der  Reichsstände  der  Erfolg  doch  sehr  zweifelhaft
und  könnten  die  andern  Stände  sich  auch  in  die  Beratung  anderer  Sachen
einmischen  wollen,  was  der  kurfürstlichen  Praeeminenz  nachteilig  wäre.!
Kommt  es  zur  Ausschreibung  des  Reichstags  durch  den  Kaiser,

so  wäre  der  Kaiser  bei  Erteilung  des  kurfürstlichen  Konsenses  zu

ı  Vgl.  oben  no.  171.
        <pb n="593" />
        244.  1611  671

ermahnen,  „wie  sie  [ksl.  M.,]  etwan  bei  solchen  beschwerlichen  zustenden
und  irem  ufsteigendon  alte:  sich  zu  cinem  meheren  ruhigen  wesen,
micht  umb  dessen  iro  vor-  und  zustehenden  gewalts  willen  (als  welchem
durch  embsig  und  treueiferiges  nachdenken  der  churfursten  und  anderer
reichsstende  obne  I.  M.'  reputation  verringerung  sonsten  otwan  bessere
mass  zu  finden  sein  wurde)  sonder  iro  selbst  zu  erleichterung  und  gemeinem
  des  heil.  reichs  wolstand  zum  besten  accomodirn  und  dissfalls
der  churfursten  und  anderer  vornehmer  getreuer  reichsstenden-  einratben
  volgen  möchten  mit  deren  erklerung,  dass  villeicht  sonsten  doch
dasjenig,  was  bei  solcher  mit  müehe  und  grossem  uncosten  angestelten
reichsversamblung  beschlossen,  müesto  effeetuirt  werden.“

Es  ist  aber  zu  besorgen,  dass,  wenn  -der  Kaiser  der  böhmischen
Krone  und  Regierung  sowie  der  Residenz  im  Schloss  beraubt  würde,
er  auch  bei  Ausschreibung  eines  Reichstags  nicht  so  frei  wäre,  dass  er
sich  nicht  etwa  zuvor  zu  einigen  schweren  Bedingungen  verpflichten
müsste  und  dass,  wenn  auch  der  Reichstag  über  solche  Reverse
durch  seine  Beschlüsse  hinweggienge,  der  Kaiser  doch,  so  lange  er  in
Böhmen  wäre,  nach  der  Böhmen  Willen  übel  gehalten  werden  und
alle  Beschlüsse  des  Reichstags  (besonders  bei  den  ungleichen  Intentionen
  der  Reichsstände)  ungewiss  bleiben  könnten.  Daran  würde  auch
nichts  ändern,  wenn  der  Kaiser  den  Kurfürsten  eine  Vollmacht  zur
Ausschreibung  des  Reichstags  erteilte,  da  die  Böhmen  ihm  so  zusetzen
  könnten,  dass  er  die  Vollmacht  widerrufen  müsste.

Darum  muss  vor  allem  daran  gedacht  werden,  den  Kaiser
aus  Böhmen  zu  bringen,  um  gewiss  zu  einem  Reichstag  zu
kommen;  im  äussersten  Falle  müssten  freilich  die  Kurfürsten  selber
die  vornehmsten  Reichsstände  zu  einer  Zusammenkunft  veranlassen,
wobei  alles  Nötige  bedacht  und  die  geringeren  Stände  hernach
desto  leichter  dazu  verpflichtet  werden  könnten.

Dem  Kaiser  einen  bestimmten  Ort  [zur  künftigen  Residenz]  anzuraten,
  ist  misslic.  Am  besten  wäre,  weun  er  sich  selbst  für  einen
entschiede;  denn  wenn  er  auch  allenthalben  im  Reich  seiner  Freiheit
und  seines  Respekts  gewiss  ist,  so  haben  doch  die  Reichsstädte
so  viele  Privilegien,  dass  sie  dem  Kaiser  nirgends  viel  Jurisdiktion
einräumen  werden,  wie‘  man  dies  schon  auf  den  Reichstagen,  wo
doch  die  Städte  zu  mehrerem  verbunden  sind,  spüren  kann.  Wenn
der  Kaiser  sich  wegen  seiner  Gesinnung  gegen  seine  Brüder  nicht
entschliessen  kann,  gleich  nach  Tirol  zu  gehen,  so  dürften  sich
Regensburg  oder  Augsburg  noch  am  besten  zur  Residenz  eignen,  beide
wegen  der  Nachbarschaft  Baierns,  von  dem  er  Assistenz  haben  kann;
Augsburg  ist  auch  nahe  an  Tirol.

Ein  gewisseres@utachten  bei  dem  ersten  Punkt,  zu  verfassen  ist  darum
fast  unmöglich,  da  alle  bisher  in  Prag  durch  den  Herzog  von  Braunschweig
und  die  kurfürstlichen  Räte  geführten  Verhandlungen  so  zweifelhaft  abgegangen
  sind  und  man  noch  nicht  sicher  weiss,  ob  der  Kaiser  in  Böhmen
bloihen  kann  oder  nicht.  Man  wird  daher  die  Entschlüsse  beim  Kurfürstentag

Juni

[zum  20.}
        <pb n="594" />
        Juni

[zum  20.)

512  1611  244.

nach  den  aus  Prag  einlaufenden  Berichten  fassen  und  vor  allem
erwägen  mässen,  wie  der  Kaiser  aus  der  Böhmen  Gewalt  zu  bringen  ist,
ob,  wenn  man  es  anders  nicht  erreichen  kann,  es  in  der  Kurfürsten
oder  auch  aller  Reichsstände  Macht  liegt,  mit  „thätlichen  und  be
wehrten  Mitteln“  dazu  zu  kommen  und  die  dem  Kaiser  und  dem
Reich  zugefügte  Unbill  an  den  Böhmen  „und  wer  sich  ihrer  annimbt“,
allein  zu  rächen  oder  ob,  wenn  dies  dem  Reich  allein  zu  schwer  fiele,
ansehnliche  Gesandtschaften  die  auswärtigen  Potentaten  um  Hilfe  angeben
sollen.  Jedenfalls  würde  es  dem  Reich  bei  allen  Völkern  übel  ausgelegt
werden,  wenn  die  böhmischen  Stände  so  ungescheut  gegen  den  Kaiser
verfahren  und  sich  auch  ‘an  der  Reichskanzlei  vergreifen  dürften,  ohne
dass  etwas  dagegen  unternemmen  würde.

Würde  man  aber  auf  dem  Kurfürstentag  diesen  ersten  Punkt  für
so  schwer  und  wichtig  befinden,  dass  man  ihn  bis  zum  Reichstag  aussetzen
  müsste,  so  wären  zuvor  die  Gemüter  einiger  Stände,  auch
aus  der  Ritterschaft  zu  disponieren,  „welche  |Disposition]  gleichwol
entweder  bei  vielen  (in  betrachtung  wie  ungleich  man  sich  hiebevor
in  andern  sachen  demonstrirt  un!  nicht  allein  wenig  willfart
sonder  uber  das  man  auch  solche  sachen  vertreulich  zu  halten
an  sie  begert,  doch  gegen  den  protestirenden  unirten  von  etlichen
jactirt,  denselbigen  solche  zumuten  eroffnet  haben,  die  es  dann  in
ihren  schreiben,  deren  theils  zu  Pıag  einkommen,  ihnen  wol  zu
nutz  zu  machen  und  dass  man  dabei  fehlgeschlagen,  sich  zu
rühmen  gewüst,  andere  reden  zu  geschweigen,  denen  man  sich
bei  etlichen  aus  der  ritterschaft  umb  deren  geringen  Zzumutung
willen,  so  ihnen  bei  vorgestandenen  und  villeicht  noch  nicht  ersitzenden
nothfall  beschehen,  gegen  den  geistlichen  herrschaften  vernehmen
lest)  einen  ungewissen  effeetum  würken  oder  doch  darumb  hart  vorfallen
  möchte,“  weil  vieler  Stände  Intentionen  und  Bestrebungen
ungleich  sind  „und  mancher  sein  eigen  gravamen,  so  er  wegen
manglung  der  iustizien  im  reich  befindet,  harter  zugemutet  als  das
publicum  und  ihme  derenthalbon  mehr  wurde  angelegen  sein  lassen,
demselbigen  zuvor  oder  je  mit  und  neben  den  gemeinen  gravaminibus
abzuhelfen.“  Doch  darf  man  nichts  unterlassen,  um  zu  besserem
Verständnis  im  Reich  zu  kommen.

2.  Succession.  Hier  nützen  lange  Gutachten  nichts;  die  Sache
ist  ausschliesslich  den  Kurfürsten  vorbehalten,  die  sich  bisher  allein
ihrer  angenommen  haben.  Zweifelhaft  ist,  ob  sich  alle  Kurfürsten,
sei  es  vorbereitend,  sei  es  hauptsächlich,  auf  diesen  Punkt  einlassen
werden,  so  lange  wegen  des  Administrationsstreits  das  Kolleg  unergänzt  ist.
Es  wird  daher  vor  allem  von  der  Ergänzung  zu  reden  und  darüber
zu  beschliessen  sein;  davon  hängt  dann  die  Bewilligung  des  Reichstags
und  der  übrigen  Punkte  des  Ausschreibens  ab.  Dazu  kommt  als
weitere  Schwierigkeit,  wie  die  Zustimmung  des  Kaisers  zur  Wahl  zu
erlangen  sein  wird,  die  bisher  niemals  zu  haben  war;  entschlösse  man
sich  aber,  auch  „renitente  imperatore‘‘  hierin  zu  verfahren,  so  dürfte
        <pb n="595" />
        244.  1611  573

umso  weniger  eine  kurfürstliche  Stimme  im  Kollag  abgehen.  Man  hat  Juni
unlängst  aus  der  hier  abgelegten  kurpfälzischen  Werbung  sehen  können,!  [zum  20.]
wie  man  sich  dort  dazu  anstellt,  die  im  Ausschreiben  bezeichneten
Punkte  etwa  bei  unergänztem  Kolleg  vorzunehmen.  Das  Beste,  was  man
deswegen  auf  dem  Kurfürstentag  tun  kann,  wird  daher  sein  zu  erwägen,
wie  man  des  Kaisers  Einwilligung  zu  einer  Wahl  ausbringen
kann;  denn  bei  unergänztem  Kolleg  wird  keiner  der  weltlichen
Kurfürsten  sich  gerne  entschliessen,  auch  gegen  des  Kaisers  Willen
zur  Wahl  zu  schreiten.  Den  Konsens  dos  Kaisers  kann  dann  auch  ein
einziger  Kurfürst  nachsuchen.  Diesen  Konsens  auszubringen  wäre
ungemein  nützlich,  da  dem  ganzen  Reich  an  einem  geeigneten  Oberhaupte,
  das  unparteiisches  Recht  spricht,  viel  gelegen  ist,  besonders
aber  den  geistlichen  Ständen,  um  sie  bei  ihren  Stiftern  und  ihrer
Religion  zu  erbalten.  —  Man  muss  auch  in  Privatgesprächen  die
Gemüter  erforschen,  auf  welches  Subjekt  die  Gedanken  gehen,  damit
man  dann  bei  der  Wahl  desto  besser  fortkommt;  denn  es  wäre  sehr
fraglich,  wie  man  sich  bei  einer  unvorbereiteten  Wahl  befände.
Es  weiss  aber  jedermann,  wie  ungleich  der  Kurfürsten  Intentionen
hierin  sind;  daher  muss  man  trachten,  Kursachsen  zur  Intention  der
geistlichen  Kurfürsten  zu  bringen,  wenn  diese,  was  unumgänglich  nötig
ist,  sich  unter  sich  geeinigt  haben.  Gelingt  dies  mit  Sachsen  nicht,  so
können  die  geistlichen  Stände  ihre  Hoffnung  allein  auf  Gott  setzen;
denn  schon  bei  Vergleichung  der  Kapitulation  würden  sie  in  dem,  was
zur  Sicherung  ihrer  Stifter  dient,  wenig  Beifall  haben  und  sich  mit
dem  blossen  Namen  eines  Religions-  und  Profanfriedens  zufrieden
geben  müssen  und  wer  weiss,  wie  derselbe  interpretiert  werden
würde!  —  Diese  Erforschung  der  Gemüter  muss  aber  sebr  behutsam
angestellt  werden;  denn  wenn  es  auch  nicht  ganz  an  Vertrauen  fehlt,  so
bedient  man  |Sachsen]  sich  doch  auch  des  Einıatens  anderer  Personen;
käme  es  aber  dadurch  zu  einem  Widerspruch,  so  würde  dies  bei
unergänztem  Kolleg  nicht  viel  Gutes  bringen.  Die  mählhauser  Akten
von  1574  zeigen  zwar,  was  für  vertrauliche  Kommunikation  es  damals
zwischen  Erzbischof  Daniel  von  Mainz  und  Herzog  August  von  Sachsen
wegen  der  Wahl  des  jetzigen  Kaisers  gegeben  hat;?  der  ganze  Handel
war  aber  damals  weniger  mühevoll,  da  man  der  Zustimmung  des
Kaisers  Maximilian  II.  nicht  nur  gewiss  war  sondern  dieser  selber
inständig  zu  solcher  Kommunikation  geraten  hatte;  daran  felllt  es  heute.
Man  möge  aber  jene  Akten  wieder  durchsehen,  daraus  die  kursächsischen
  Räte  und  vielleicht  den  Herrn  selbst  informieren,  wie
vertraulich  damals  die  Sache  zwischen  beiden  Kurfürsten  verhandelt
worden  sei,  und  möge  dadurch  die  Räte  bestimmen,  auch  diesmal  den
Kurfürsten  von  so  vertraulicher  Konversation  nicht  abzuhalten.

EGEEEEEE

ı  Vgl.  no.  199  und  no.  211.
?  Vgl.  H.  Moritz,  die  Wahl  Rudolfs  IL,  Marburg  1895,  8.  63  f.
        <pb n="596" />
        674  1611  244

Juni  3.  Administrationsstreit.  Die  Schwierigkeit  wegen  Ergänzung
[sum  20.)  des  Koltegs  liegt  bei  Kurpfalz;  Kurbrandenbarg  ist  Successor  und  ia  der
Possession.  Man  hat  zwar  gegen  Kurbrandenburgs  Binuahme  in  den  Kurverein
  wegen  der  Offension,  „darin  8.  chfl.Gn.  bei  I.  M.!  begriffen‘,  kaaher
etwas  Bedenken  gehabt;  aber  diese  Offension  ist  durch  den  Vergleich  met
Sachsen  gefallen  und  sollten  wegen  der  Aussöhnung  noch  Schwierigkeiten
bestehen  !,  so  kann  doch  die  Einnahme  (obgleich  im  Verein  nirgends  zu
finden  ist,  dass  die  kaiserliche  Ungnade  aus  dem  Verein  ausschliesst)  mit
der  Salvationsklausel:  »vorbehaltlich  der  Aussöhnung  mit  dem  Kaisr«
erfolgen.  —  Schwieriger  ist  die  Sache  bei  Kurpfalz  wegen  Neuburgs
Widerspruch,  ja  sie  kann  noch  schwieriger  werden,  wenn  die  boides
andern  Kurhäuser  strikte  auf  die  goldene  Bulle  gehen  wollen  und
sich  den  Vorgang  zu  Praejudiz  anziehen.  Es  ist  daher  am  besten,
da  gewiss  von  beiden  Seiten  Abordnungen  erscheinen  werden,  auf
dem  Kurfürstentag  zuerst  diesen  Punkt  vorzunehmen,  um  nicht  alle
folgenden  Handlungen  ungewiss  zu  machen.  Da  nun  Pfalzgraf  Johaun
der  besitzende  Administrator  ist  und  Kurbrandenburgs  Zustimmung
bat,  auch  den  geistlichen  Kurfürsten  unratsam  wäre,  von  ihm,  den
sie  bisher  als  gesetzmässigen  Administrator  anerkannt  haben,  abzufallen
und  bei  so  naher  starker  Nachbarschaft  unnötige  Offension  auf  sich  zu
laden,  da  sie  ferner  auch  Rücksicht  auf  die  kaiserlicher  Autorität  wegen
der  erfolgten  Bestätigung  des  kurfürstlichen  Testaments  nehmen  müssen  ?
und  sie  den  Administrator  fast  noch  zu  Lebzeiten  des  Kurfürsten  in  die
völlige  Possession  der  kurfürstlichen  Lande  haben  kommen  lassen,
so  wird  gewiss  auch  Kursachsen,  der  sich  bisher  nicht  bat  vernehmca
lassen,  nicht  Anstoss  nehmen  und  auf  wolmeinende  Unterbauung
eines  der  Kurfürsten,  die  gleich  anfangs  geschehen  müsste,  der
Mehrheit  beifallen,  jedoch  mit  Vorbehalt  der  Bestimmungen  der
goldenen  Bulle  für  die  Zukunft  und  dass  entweder  dem  Kaiser  durch
alle  Kurfürsten  geschrieben  oder  einem  neuen  römischen  König
in  die  Kapitulation  gerückt  werde,  künftigen  abgesonderten  Erklärungen
gegen  den  Wortlaut  der  goldenen  Bulle  nicht  nachzugeben.  Sollte
dann  noch  auf  „ein  würkliches  mittel  wegen  einraumung  eines  zimlichen
  ampts  gedacht  werden,  welches  Neuburg  biss  zue  antretung
des  churerben  selbstregierung  inhaben  möchte‘‘,  so  wird  es  hoffentlich
Pfalzgraf  Johann  sämtlichen  Kurfürsten  zu  Ehren  und  zur  Erhaltung
des  Friedens  im  kurpfälzischen  Hause  daran  nicht  fehlen  lassen.  —
Vielleicht  wäre  gut,  wenn  Pfalzgraf  Jobann  zunächst  seine  Räte  zur  Vorbereitung
  hieberschickte,  dann  aber,  wenn  der  Vergleich  zu  Stande  kommt,
sich  zur  persönlichen  Hieherkunft  bereit  hielte.  Seine  wie  Kurbrandenburgs
  Einnabme  könnte  dann  hier  erfolgen,  es  müssten  die  Kurfürsten
nur  auch  die  grossen  Siegel  mitnehmen.  Kann  aber  die  Ergänzung  des
Kollegs  nicht  gleich  zu  Anfang  vorgenommen  werden,  so  wird  alles  stecken

Vgl.  no.  186  mit  Anm.  1  auf  S.  449.
’  Vgl.  Briefe  und  Akten,  V.,  8.  896  f.  und  I.,  8.  597.
        <pb n="597" />
        244.  1611  575

bleiben,  Pfalzgraf  Johann  wird  sich  nicht  gutwillig  aus  der  Possession  Juni
verdrängen  lassen,  Kurbrandenburg  wird  ihm  beifallen  und  werden  [zum  20]
die  geistlichen  Kurfürsten  als  Nachbarn  am  meisten  gefährdet  sein,
abgesehen  davon,  dass  weder  auf  dem  Kurfürstentag  noch  hernach  ein
frruchtbarer  Beschluss  wird  gefasst  werden  können.  Die  kurpfälzischen

Räte  haben  bei  ihrer  jüngsten  Anwesenheit  hier  ohnehin  schon  bemerkt,

ihr  Herr  könne  wegen  der  Kurpfalz  nicht  nachgeben.  Wie  aber

bei  solchem  Zustande  dem  Kaiser  oder  dem  gemeinen  Wesen  geholfen

werden  könnte,  würde  sich  bald  zeigen.

4.  Wegen  Erneuerung  und  Bestätigung  des  Kurveroins  gibt  das
Ausschreiben  genügende  Anweisung.  Sie  beruht  zunächst  auf  Ergänzung
des  Kollcgs,  dann  auf  Herstellung  des  alten  Vertrauens  und  des  guten  Einverständnisses
  unter  den  Kurfürsten.  Den  Weg  dazu  geben  die  gegenwärtigen
Verhältnisse  an  die  Hand;  denn  alle  Wirren  im  Reich  fliessen  aus  der
ungleichen  Auslegung  des  Relıgions-  und  Profanfriedens  und  fast  aller
andern  Reichssatzungen  her.  Die  Kurfürsten  missen  sich  also  gegenseitig
bemühen,  solche  partikulare  Auslegungen  zu  beseitigen  und  nur  die
buchstäbliche  Disposition  der  Satzungen  gelten  zu  lassen;  doch  soll  man
sich  bei  diesen  Streitigkeiten  nicht  aufhalten  sondern  die  ganze  Sache,  die
ja  obnehin  mit  dem  Justizwesen  zusammenhängt,  den  Räten  zur  Vorberatung
  überweisen  und  erst,  wenn  diese  sich  nicht  einigen  können,
sollen  die  Kurfürsten,  soweit  dies  durch  freundliche  Unterredung  zu
bewirken  ist,  das  ihrige  dazu  tun;  denn  der  Kurverein  ist  nur  auf
den  Religions-  und  Profanfrieden  und  auf  die  Beichsgesetze  zur
Erhaltung  kaiserlicher  Autorität  gegründet.  Werden  diese  Gesetze
aufrichtig  und  unparteiisch  gehalten,  so  kann  es  an  Vertrauen  und
Einverständnis  unter  den  Kurfürsten  nicht  fehlen.

56.  An  der  Hebung  des  verfallenen  Justizwesens  im  Beich  ist
so  viel  gelegen,  dass,  wenn  schon  dem  Kaiser  jetzt  geholfen,  dessen  Konsens
zur  Ordnung  der  Succession  erlangt,  das  Kolleg  ergänzt  und  der  Kurverein
erneuert  werden  könnte,  doch  mit  dem  allen  für  die  Wolfahrt  von  Land
und  Leuten  weniger  als  nichts  geleistet  wäre,  wenn  dazu  nicht  auch  die
wirkliche  Administration  unparteiischen  Rechtes  kommt;  daher  ist  dieser
Punkt  vor  allen  andern  zu  beachten.  Dr.  Fleischbein,  der  auf  den  Reichstagen
  die  Direktion  dieses  Punktes  gehabt  hat,  wird  gewiss  alles  erwägen,
was  zu  geschehen  hat,  um  die  Revisionen  und  Visitationen
wieder  in  Gang  zu  bringen,  und  wird  alles  seinem  Gutachten  einverleiben.
  Zwar  glauben  manche,  und  auch  die  Kurpfälzer  liessen
sich  dahin  verlauten,  es  könne  dieser  Sache  nur  mit  Zutun  aller
Reichsstände  abgeholfen  werden;  aber  es  würde  für  den  künftigen
Reichstag  einen  grossen  Vorsprung  gewähren,  wenn  man  zuvor  hierüber
der  Kurfürsten  einhelliger  Meinung  versichert  wäre;  daher  darf  hierin  nicht
unversucht  gelassen  werden.  Hoffentlich  ist  auch  Kursachsens  Meinung
noch  unverändert,  wie  sie  zu  Prag  besonders  wegen  der  Revisionen
geäussert  worden  ist:  der  Kurfürst  sei  einverstanden,  dass  gemäss  dem
Abschied  von  1598  alle  Revisionen  indifferenter  vorgenommen  werden
        <pb n="598" />
        Juni
[zum  20.)

576  1611  24.

sollen.  Wäre  auch  bei  den  zwei  andern  weltlichen  Kurfürsten  das  Zuge»-ständnis
  zu  erreichen,  dass  in  den  Revisionssachen  kein  Unterschied  gemacht
werden  solle,  so  hätte  man  schon  den  Vorteil,  dass  dem  gemeinen  Prozess
sein  richtiger  Lauf  gelassen  würde.  Sonst  handelt  es  sich  bei  diesem  Punkt
hauptsächlich  darum,  dass  die  weltlichen  Inhaber  von  Erzstiftern  und
Stiftern  zu  Visitationen  des  Kammergerichts  nicht  geeignet  sind  und
dass  die  Protestanten  nicht  zugeben  wollen,dass  mandata  sine  clausnla
gegen  sie  wegen  Eingriffe  in  Güter  innerhalb  ihrer  Fürstentämer
(worin  sie  die  Güter  nicht  nur  der  freien  Ritterschaft  sondern  auch  der
gefreiten  ritterlichen  Orden,  der  Erzstifter  und  Stifter  und  anderer  geistlicher
  Orden  einbeziehen)  erkannt  werden.  —  Auf  das  Dubium  de  usaris
in  contractu  mutui  ist  kein  grosser  Wert  zu  legen,  dagegen  beruht
auf  den  beiden  ersten  Punkten  der  Geistlichen  höchste  Gefahr.  Es
kann  daher  den  geistlichen  Kurfürsten,  so  lange  ein  Reichsoberhaupt
sie  bei  ihrer  Religion  und  bei  ihren  Stiften  handhabt,  nie  geraten  werden,
sich  dazu  zu  verstehen,  weltliche  Fürsten,  die  geistliche  Stifter  okkupierten,
  für  habil  zu  Revisionen  anzuerkennen.  Würde  aber  einmal  eia
Haupt  ins  Reich  kommen,  das  mehr  der  andern  Religion  zugetan
wäre  oder  nicht  Lust  oder  Macht  hätte,  die  Katholischen  zu  schützen,
so  würden  diese  sich  hierin  nicht  weiter  vergeblich  bemühen  dürfen
sondern  würden  die  Protestanten  den  Ausschlag  zu  ihrem  Vorteil  wol  zu
finden  wissen,  die  Katholischen  aber  ihre  Hilfe  allein  bei  Gott  zu  suchen
haben.  —  In  den  beiden  obigen  Punkten  gibt  es  kein  unbedenklicheres
Mittel  als  dass  die  Visitationen  ordentlich  unter  den  Ständen
kontinuiert  werden  ;  kommt  man  dann  in  der  Reihe  zu  den  zum  geistlichen
  Stande  unqualifizierten  Ständen,  so  sollen  der  Kaiser  oder  dessen
Kommissarien  mit  Zuziehung  der  betreffenden  Domkapitel  diesen
Stand  bei  der  Visitation  vertreten,  bis  dieses  Dubium  durch  die
Reichsstände  anderweitig  behoben  wird.  —  Wegen  der  mandata
sine  clansula  können  die  geistlichen  Stände  ohne  ihre  höchste  Gefahr
nicht  das  Geringste  nachgeben,  wollen  sie  nicht  alle  ihre  unter
weltlicher  Herrschaft  stehenden  Güter  verlieren;  es  müssen  daher  die
Bestimmungen  über  Pfändung  und  Arrest  unlimitiert  bleiben  und
muss  es  mit  Erkennung  solcher  Prozesse  wie  bisher  gehalten  werden.

Eine  weitere  Schwierigkeit,  die  sich  von  1582  herschreibt  und  sich  besonders
  bei  den  zwei  letzten  Reichstagen  so  sehr  geltend  gemacht  hat,  ist,
dass  man  nicht  nur  ‚„‚paria  discrepantia  vota“  sondern  auch  Partikularvoten
  einiger  weniger  Stände  referieren  will.  Es  käme  dadurch  nie  zu
einem  gemeinen  Schluss,  auf  den  man  sich  allseitig  verlassen  könnte  ;  jeder
würde  vielmehr  glauben,  nicht  durch  die  Meinung  der  Mehrheit  sondern
nur  durch  seine  eigene  verbunden  zu  sein.  Dieser  Punkt  gehört  gerade
nicht  genau  zum  Justizwesen,  spielt  aber  stark  hinein  und  ist  man
um  seinetwillen  in  einigen  Sachen  nicht  fortgekommen.  Wird  dies
Absurdum  nicht  beseitigt,  so  hat  man  nur  Konfusion  im  Reiche  zu
erwarten,  —  abgesehen  davon,  dass  niemals  und  nirgends  zu  Satzungen
und  Urteilen  zu  gelangen  sein  wird,  wenn  dieselben  nicht  nach  dem
        <pb n="599" />
        244.  1611  577

Gutachten  aller  oder  der  Mehrheit  gerichtet  sind;  alle  geschriebenen
Rechte  und  Reichssatzungen  können  nur  durch  dies  Mittel  zur  Anerkennung
  kommen.  Die  Kurfürsten  mögen  sich  deswegen  auf  dem
Tag  einer  einhelligen  Meinung  vergleichen,  der  die  friedfertigen
Stände  dann  gerne  beifallen  werden.

6.  Von  Verbesserung  der  Direktion  im  Reichshofrat  und  in
andern  Räten  und  7.von  der  Reformierung  des  ganzen  kaiserlichen
Regiments  zu  reden,  bringt  bei  der  jetzigen  Lage  des  Kaisers  schwerlich
viel  Frucht,  zumal  man  nicht  weiss,  ob  der  Kaiser  noch  länger  in  Böhmen
bleiben  oder  ins  Reich  kommen  wird  und  ob  er  nicht  aufdas  Kaisertum  verzichten,
  sich  zur  Ruhe  begeben  und  den  Kurfürsten  anheimstellen  wird,
einen  römischen  König  zu  wählen.  Bleibt  der  Kaiser  in  Böhmen  bei
seinem  jetzigen  Regiment,  aller  Jurisdiktion  und  genügendem  Unterhalt,
so  ist  für  diesen  Fall  ohnehin  schon  im  vorigen  Jahr  zu  Prag  wegen  der
Beforiwierung  der  Räte  und  des  Regiments  einiges  bedacht  und  zu
Papier  gebracht,  auch  dem  Kaiser  und  einigen  seiner  geheimen  Räte
hinterlassen  worden.  Man  kann  dies  Gutachten  auf  den  Kurfürstentag
  mitnehmen,  „allein  mag  es  eines  subjects  halben  seithero  etwas
enderung  gewonnen  haben,  durch  welches  man  verhofft  gehabt,!  den
vornembsten  mengeln  abzuhelfen  oder  vorzubawen,  desswegen  vieleicht
die  sachen  ietzmals  ein  ander  und  mehr  nachdenkons  erfordern
möchten.“  —  Begibt  sich  aber  der  Kaiser  ins  Reich,  ohne  dem
Kaisertum  zu  entsagen,  so  wird  sich  wol  das  Reich  zu  dessen
Unterhalt  etwas  angreifen  müssen  und  werden  dafür  die  Stände  nicht
nur  Abhilfe  ihrer  vorgebrachten  Beschwerden  begehren  sondern  auch
zu  besserer  Anstellung  des  Regiments  Mass  und  Ordnung  geben
wollen;  es  dürfte  dalrer  darüber  weitläufige  Verbandlungen  geben,  bevor
die  Stände  sich  zur  Bewilligun  g  des  Unterhaltes  bewegen  lassen  werden.
Leichter  wäre  es,  wenn  der  Kaiser  sich  zur  Ruhe  beyuemte  und  den
Kurfürsten  einräumte,  auf  einen  Nachfolger  zu  denken,  wobei  dann
durch  die  gewöhnlichen  Kapitulationen  so  viel  Mass  und  Ordnung  gegeben
  werden  könnte,  dass  man  sich  hernach  besonderer  Ungleichheit
nicht  zu  befahren  hätte  und  doch  weitläufige  Deliberationen  hierüber
abgeschnitten  würden.  O.  D.?

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  60;  Kopie  3

°  Anspielung  auf  Erzherzog  Leopoll.
?  Jatiert  nach  dem  Begleitschreiben  Fausts  an  den  Kurfürsten  von
Mainz  vom  21.  Juni  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  61:  Or.  eigh.).
®  Ausser  diesem  zur  persönlichen  Information  des  Kurfürsten  bestimmten
  Gutachten  setzte  Faust  noch  eine  Instruktion  für  die  kurmainzischen
Räte  Kaspar  von  Eitz,  Gerhard  von  Waldburg  und  Liz.  Kaspar  Fleischbein
auf,  die  gemäss  dein  Ausschreiben  vor  dem  Eintreffen  der  Kurfürsten  die
„Praepar  atoria®  erledigen,  vor  allem  aber  den  Justizpunkt  vorberaten  sollten.
Um  dabei  von  Kurpfalz  nicht  mit  dem  Einwurf  aufgehalten  zu  werden,
dass  das  kurfürstliche  Kolleg  unergänzt  sei,  sollen  die  mainzischen  den
fälzischen  Räten  vorstellen,  sie  möchten  sich  den  Verzug  eines  halben
age  gefallen  lassen;  inzwischen  soll  mit  den  trieriechen,  kölnischen  und
sächsischen  Räten  wegen  der  Zulassung  von  Kurpfalz  vertraulich  geredet

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  37

Juni
[zum  20  ]
        <pb n="600" />
        Juni  22.

578  1611  245.

245.  Ulmische  Instruktion  zum  Unionstag  vor
Rotenburg.

Die  Punkte  des  Ausschreibens  sind  so  allgemein,  dass  eine
Spezialinstruktion  darauf  nicht  nötig  erscheint.  Erwägt  man  aber
die  Konsequenzen  aus  diesen  Punkten,  so  hat  man  Ursache  gengg,
die  Augen  aufzumachen,  damit  man  nicht  unversehens  in  gross
Beschwerden  und  Weitläufigkeiten  kommt.

I.  Passauer  Volk  und  neue  Werbungen.  —  Es  ist  wahr,
dass  man  nicht  allzu  sicher  sondern  wachsam  sein  soll,  darum  hat  man
vor  alters  in  die  Szepter  ein  Auge  gesetzt;  man  soll  auch  keinen  Feind
verachten  ;  endlich  gibt  die  langwierige  Handlung  zwischen  Kaiser  und
König  genug  Ursache  zum  Nachdenken,  besonders  weil  dabei  herauskommt,
was  für  Anschläge  gegen  die  evangelischen  Stände  geplant  waren.  Gegen
verfaßsung  und  neue  Werbungen  für  die  Union  scheinen  uns  aber  gleichwol
zur  Zeit  nicht  ratsam,  da  nicht  anzunehmen  ist,  es  werde  jenes  Volk,
das  sich  in  Budweis  verschanzt  hat,  einen  unierten  Stand  angreife.
Man  hat  auch  im  vorigen  und  diesem  Jahr  erfahren,  wie  kostbar  und
„geldfrässig‘  Kriegswerbungen  sind  und  werden  die  Rechnungen  es  b+-zeugen;
  der  Vorrat  der  Union  ist  eıschöpft.  Stellt  man  sich  dennoch  in
Gegenverfassung,  so  gibt  man  den  Ligisten  zu  gleicher  Anstellung  und
also  zu  mehrerem  Mistrauen  Anlass,  zu  geschweigen  dass  mit  jenen

und,  wenn  sich  bei  ihnen  Neigung  zur  Zulassung  zeigt,  diese  proponiert  usd
beschlossen  werden.  Würden  die  Sachsen  Schwierigkeiten  machen,  so  sind  &amp;amp;®
an  das  vom  Kaiser  bestätigte  kurfürstliche  Testament  und  an  die  Possession
des  Administrators  zu  erinnern  und  ist  ihnen  mitzuteilen,  dass  wegen
dessen  Aufnahme  in  den  rheinischen  Verein  keine  Bedenken  erhoben
werden  würden.  Bleiben  die  sächsischen  Räte  dabei,  diese  Sache  ihres
Herrn  vorzubehalten,  so  muss  man  sich  bei  den  Pfälzern  deshalb  bestens
entschuldigen.  —  Würden  die  brandenburgischen  Gesandten  spät  oder
gar  nicht  kommen  oder  wegen  des  unergänzten  Kollegs  an  den  Beratungen
nicht  teilnehmen  wollen,  so  soll  man  vorläufig  mit  den  andern  Räten  in  der
Beratung  des  Justizpunktes  fortfahren,  mit  den  Brandenburgern  sich  aber
rivatim  besprechen,  damit  unter  den  fünf  Kurfürsten  die  ve  }

ommunikation  vor  sich  gehe.  —  Von  neuburgischen  Gesandten  darf  keine
Vollmacht,  wol  aber  ein  schriftlicher  Protest  angenommen  werden.  —  Die
Proposition  ist  durch  Jie  Mainzer  gemäss  dem  Ausschreiben  zu  tun;  be
der  Beratung  über  den  Justizpunkt  hat  man  sich  der  ausführlichen  Belatiea
Fleischbeins  zu  bedienen,  aber  mit  den  darin  angedeuteten  Mittels
zurückzuhalten,  sich  stets  zuvor  mit  denen  von  Trier,  Köln  und  Sachses
zu  unterreden  und  alles  auf  der  Herrn  Ratifikation  zu  stellen.  Die  Mainser
haben  ihr  Handeln  und  Votieren  stets  Jdahin  zu  richten,  dass,  da  beim
Justizpunkt  seit  24  Jahren  auf  allen  Konventen  so  viel  Verbitterung  ver
merkt  worden  ist,  diesmal  alle  Offension  vermieden,  der  Glimpf  —  doch  ohne
Verletzung  des  Rechts  —  den  katholischen  Ständen  gewahrt  und  mehr  sa
Stiftung  guten  Vertrauens  als  auf  weitläufigen  Disput  gesehen  werde
(Instruktion  vom  29.  Juni;  Wmz.,  a.  a.  OÖ,  no.  69,  Kpt.).  —  Der  Kurfünt
hatte  obendrein  noch  ein  besonderes  Nebenmemorial  am  29.  Juni  eigenhändig
aufgesetzt,  das  die  Räte  anweist,  mit  den  Sachsen  vertrauliche  Kommun*
kation,  besonders  wegen  der  Zulassung  von  Kurpfalz,  zu  pflegen  und  ihmea
Bebmanns  Werbung  (vgl.  no.  241)  mitzuteilen  (Wınz.,  a.  a.  O.,  no.  72;  Or.  eigh,.
        <pb n="601" />
        245.  1611  579

Volk  bereits  akkordiert  ist  und  die  Abdankung  bereits  vorgenommen  Juni  22.
sein  soll.  Es  sollen  daher  unsere  Gesandten  vorerst  die  Gefahr,  die
von  diesem  Volk  drohen  soll,  gründlich  prüfen  und  den  Stand,  der
um  Hilfe  ansuchen  würde,  zunächst  auf  die  eigene  Gegenverfassung
und  auf  das  Mittel  der  Kreishilfe  weisen.

II.  Wegen  der  Rechnungen  gibt  die  Nebeninstruktion!  Mass.  Die
Gesandten  sollen  dabei  die  grossen  Anleihen  Brandenburgs  und  Württembergs
  nicht  ausser  Acht  lassen  und  deren  Tilgung  nachdrücklich  urgieren.

11.I1V.  Erbaltung  des  Friedens  und  derLibertät  und  Abhelfung
der  Gravamina.  Ein  Mittel  dazu  wäre  allerdings,  die  gewehrte  Hand
zu  gebrauchen,  wozu,  wie  man  vor  einem  Jahr  erfahren,  einige  der  höheren
Stände  nicht  übel  Lust  hätten;  wenn  man  aber  den  misslichen  Ausgang
  damals,  die  Kosten,  den  Schaden  und  die  Verantwortung  vor  Gott  und
Welt  erwägt,  so  will  sich  dies  Mittel  nicht  wieder  praktizieren  lassen.  Es
gibt  aber  andere  Mittel,  die  in  der  Union  begriffen  sind:  die  gütliche  Vergleichung
  zwischen  den  streitenden  Parteien  und  die  Aufrichtung  des  alten
Vertrauens,  ein  Mittel,  das  man  früher  und  auch  noch  zu  unsern  Zeiten  oft
angewendet  hat.  Nun  wissen  wir  aber  nicht,  ob  sich  bei  diesen  unglücklichen
Zeiten  jemand  zu  solcher  Handlung  bereit  finden  lassen  wird  und  ob  zur
Wiederbringung  des  Vertrauens  Hoffnung  ist,  ebenso  wie  1552  und
1555  zum  Frieden  zu  kommen;  man  soll  aber  doch  bei  dieser  Zusammenkunft
  auf  dies  Mittel  hinweisen.  —  Zur  Abhelfung  der  Beschwerden
  hat  man  vordem  als  Mittel  vorgeschlagen,  durch  die
Kurfürsten  die  Reichstage  zu  verweigern  und  mit  der  Kontribution  einzuhalten
  ;  dabei  könnte  man  es  noch  lassen.  —

Ein  Artikel  am  Schluss  des  Ausschreibens  geht  endlich  dahin,  was  die
Unierten  bei  den  sich  erzeigendon  grossen  Veränderungen  tun  und  was  bei
dieser  Gelegenheit  allen  Evangelischen  zum  Besten  gesucht  und  begehrt
werden  solle,  womit  wolaufden  bevorstehenden  Kurfürstentag  gedeutet
wird.  —  Die  Städte  sollen  insgemein  suchen,  wie  sie  ruhig  beim  Religionsfrieden
  bleiben,  mit  Hofkommissionen  verschont,  bei  den  ordentlichen  Austrägen

  gelassen,  Justiz-  und  Münzwesen  gebessert  und  die  Gewalttaten
abgeschafft  werden  könnten  ;  im  besondern  haben  unsere  Gesandten  die
Angelegenheit  wegen  des  uns  seit  1569  zugemuteten  österreichischen
Lehenseides  vorsichtig  zu  urgieren,  damit  Oesterreich  uns  Evangelischen
den  Eid  zu  allen  Heiligen  erlasse;  denn  es  wurde  nie  für  ratsam
erachtet,  aus  dieser  Sache  gegen  Oesterreich  eine  allgemeine  Klage  zu
machen.  —  Die  höhern  Stände  werden  die  Freistellung  in  den  Stiftern
stark  betreiben,  aber  schwerlich  etwas  ausrichten;  die  Städte  haben  damit
in  pıoprio  nicht  viel  zu  tun.

Endlich  spricht  das  Ausschreiben  von  der  Reassumtion  der  letztlıin
unerledigt  gebliebenen  Punkte,  deren  vornehmlich  drei  sind:  1.  Errichtung
  eines  consilium  politicum.  „Diese  Invention  hat  ein  scheinbares
  Ansehen,“  rührt  von  Kurpfalz  und  Hessen  her  und  wird  von

 ERREEEEER

!  T.,  Unionsacta,  tom.  XXIII.,  no.  2249.
37°
        <pb n="602" />
        580  1611  245.

Juni  22.  den  Staaten  praktisch  geübt;  es  hatte  auch  schon  der  schwäbische
Bund  seine  besondern  Kriegsräte,  um  Unkosten  zu  vermeiden  und
die  Geschäfte  zu  beschleunigen.  Eine  solche  Einrichtung  wär
sehr  beachtenswert,  wenn  man  das  nötige  Vertrauen  zu  einander
hätte;  „parva  enim  sunt  foris  arma,  nisi  sit  consilium  domi-Da
  es  aber  jetzt  im  Reich  also  beschaffen  ist,  dass  der
Calvinismus  immer  mehr  einreisst  und  durch  derlei  Ratsanstellusg
viel  ausgekundschaftet  werden  könnte,  was  sonst  geheim  bliebe,  da
man  überhaupt  immer  vorsichtiger  werden  muss,  so  scheint  uns  dieser
Vorschlag  schlecht  zu  praktizieren,  ausser  man  könnte  sich  über  die
Vota  und  über  die  Vollmachten,  die  solche  politische  Räte  haben  müssten,
vorher  einigen.  Wie  man  es  aber  auch  anstellen  mag,  „so  werden  die
Calvinisten  den  fahnen  füeren  und  irer  gewonheit  nach,  wie  sie  selbst
wöllen,  immer  fortgeen.“  Da  aber  ohnehin  bei  Kriegszeiten  in  der
Union  Kriegsräte  verordnet  werden  und  im  Frieden  keine  Gefahr  im  Verzug
ist,  so  kann  diese  „Invention‘“  wol  unterbleiben,  zumal  wir  bei  letzter
Tagsatzung  bemerkten,  dass  auch  Württemberg  und  Baden  dazu  kane
Lust  hatten  und  uns  rieten,  auf  diese  Dinge  Acht  zu  geben.  —  2.  Dr
nachbarliche  Defensivhilfe.  Ihretwegen  sind  im  wormser  Abschied
vom  “Januar!  allerlei  Mittel  zu  finden  als  vom  Glockenstreich,
Aushängen  von  Fahnen  und  Pechpfannen,  von  Schickung  Volkes  nach
eines  jeden  Quote,  von  Besichtigung  und  Verwahrung  der  Pässe,  von
Kriegsmunition,  von  Unterhalt  des  Kriegsvolks  und  stetiger  Uebung
des  Landvolks..  Diese  Dinge  und  was  wegen  der  Kriegskommissare,
Proviant-  und  Pfennigmeister  noch  vorgeschlagen  werden  wird,  wollen
wir  durch  Sachverständige  erwägen  lassen  und  deren  Gutachten  unseren  Gesandten
  nachschicken,  vorläufig  aber  deshalb  Jen  Generalbefehl  erteilen,
dass  man  hierin  auf  die  Vorstimmenden  achten,  jedenfalls  aber  nach
Gleichheit  trachten  solle,  damit  die  geringeren  nicht  vor  den  höheren
Ständen  beschwert  werden  und  unnötige  Kosten  erspart  bleiben.  —
3.  Gewiss  wird  auch  die  polnische  Legation  zu  Gunstea
Kurbrandenburgs  urgirt  werden;  63  bleibt  aber  bei  dem,  was  deshalb
zwischen  Nürnberg  und  Ulm  vereinbart  worden  ist,  ausser  man  würde  aus
neuen  Nachrichten  mehr  Beweggründe  zu  solcher  Legation  erfahren  und
dann  nicht  umhin  können,  ein  für  alle  mal  auf  etwas  zu  schliessen,  obsd
bei  der  Einnahme  Kurbrandenburgs  in  die  Union  das  Herzogtum  Preusse
ausdrücklich  ausgeschlossen  geblieben  ist.  —  4.  Sicherlich  wird  mas
auch  mit  der  Hilfe  für  König  Matthias  aufgezogen  kommen.  Da  ikn
aber  keine  Hilfeleistung  versprochen  worden  ist,  der  Kaiser  von  dea
Reichsständen  noch  immer  für  einen  römischen  Kaiser  anerkannt  wird,
die‘  Union  allein  auf  Defension  der  Unierten  und  nicht  auch  andere
gerichtet  ist,  so  kann  man  hierin  nicht  willfahren  und  dürfen  die
Gesandten  dafür  weder  Volks-  noch  Geldhilfe  bewilligen.  —  5,  Auch
die  elsässer  Expedition  wird  wieder  vorkommen.  Nürnberg  und

!  Vgl.  no.  56.
        <pb n="603" />
        245.  1611  681

andere  wollen  mit  ibr  uud  den  darauf  gewendeten  Unkosten  nichts  zu  tun  Juni  22.
haben,  wogegen  der  höheren  Stände  Gesandte  nur  die  Verantwortung,  nicht
aber  auch  dieganzen  Unkosten  auf  sich  nehmen  wollen.  Das  Mittel,  wie  es
zwischen  uns  und  Nürnberg  bereits  abgeredet  ist,  wird  sein,  dass  man
diesen  Unkosten  einen  andern  Namen  gibt,  wenn  anders  man  will,  dass  die
Städte  daran  mittragen;  denn  sonst  würde  man  ihnen  nachsagen,  sie
hätten  jüngst  ein  anderes  geschrieben  und  ein  anderes  gehandelt!  Die
Gesandten  sollen  darüber  noch  weiter  mit  den  Nürnbergern  reden  und  nach
Möglichkeit  entgegenkommen,  damit  man  mit  den  höheren  Ständen  nicht
ın  Widerwärtigkeit  gerät.  —  Kommen  weitere  Punkte  vor,  so  sollen  sich
unsere  Gesandten  darüber  mit  denen  der  andern  Städte  vergleichen.  —
Endlich  wird  man  den  Gesandten  zweierlei  Befehle  unter  dem  Stadtsiegel
geben  müssen  :  der  erste  soll  kurz  sein  und  allein  den  Schluss  über  obige
Punkte  enthalten,  damit  man  ihn  den  höheren  Ständen  vorweisen  kana,  wenn
sie  zu  hart  in  die  Gesandten  dringen;  der  andere  Befehl,  der  geheim  zu
halten  ist,  mag  auf  diese  Instruktion  gehen.  Actum  12.  junii  a.  1611.
Diese  Instruktion  wird  noch  durch  folgende  Zusätze  ergänzt:  1.  Was
ist  zu  tun,  wenn  der  Kaiser  seine  Residenz  ins  Reich  verlegen  will
und  wegen  seines  Unterhalts  allerlei  bevor  wäre?  —  Man  wird  ibm  die
Residenz  im  Reich  nicht  abschlagen  können.  Wegen  des  Unterhalts
ist  aber  wol  wahr,  dass  kein  Potentat  von  seinem  Reich  so  wenig  Einkommen
  hat  als  ein  römischen  Kaiser.  Schon  15392  hatte  er  um  eine
Kontribution  zur  Erhaltung  seines  Hofstaats  angesucht;  es  erzählt  auch
Sleidan  im  17.  Buch,  dass  Karl  V.  im  Jahr  1546  sich  durch  Granvella
habe  gegen  den  Landgrafen  Philipp  vernehmen  lassen,  dass  er  vom
römischen  Reich  nicht  einer  Bohne  gross  Nutzen  habe.  Aber  1682
haben  dio  Stände  eingewendot,  dass  solche  Kontribution  nicht  Herkommens
sei  und  die  Städte  besonders  erinuerten,  dass  sie  in  der  Matrikel  hoch
angeschlagen  seien  und  meist  noch  daneben  eine  Reichssteuer  zu  entrichten
hätten;  bei  solcher  Entschuldigung  soll  man  es  auch  diesmal]  belassen.  —
2.  Die  Reassumierung  des  zerschlagenen  oder  die  Anstellung  eines  neuen
Reichstags  gebührt  allein  den  Kurfürsten;  aber  man  hat  schon:
mehrmals  gewarnt,  vor  Abstellung  der  Gravamina  einen  neuen
Reichstag  zu  bewilligen.  Würde  man  aber  der  Abstellung  vor
jeder  andern  Handlung  durch  das  Reichstags-Ausschreiben  versichert
werden,  so  sollte  man  uvı  des  Vaterlands  willen  den  Reichstag  nicht
so  sehr  diffikultieren.  —  3.  Ob  den  Kurfürsten  obliegt,  den
Justizpunkt  zu  traktieren,  wissen  wir  nicht,  halten  aber  nicht  für
ratsam,  hierin  Mass  und  Ordnung  zu  geben.  —  4.  5.  Wegen  der
Hilfe  für  Matthias  und  wegen  des  consilium  politicum  bleibt  es  bei
der  Hauptinstruktion.  —  6.  Wegen  des  Reichstags  und  wegen  des
Justizpunktes  soll  man  bei  vorigen  Resolutionen  verharren  (man
käme  denn  auf  anderm  Weg  zum  selben  Ziel),  wenn  man  die  Grayamina
nicht  noch  länger  stecken  lassen  will.  O.  D.
U.,  Unionsacta,  tom.  XX1JI,  no.  2248  und  2250;  Orr.

vV——————

ı  Vgl  no.  248,  8.  564  und  8.  567,  Anm.  1.
        <pb n="604" />
        Juni  28.

Juni  23.

582  1611  246—  247.

246.  Kaiser  Rudolf  II.  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Ich  babe  den  Landgrafen  von  Leuchtenberg  auf  sein  Begehren
meines  Dienstes  entlassen.“  Da  ich  nun  niemanden  als  den  Herzog
von  Braunschweig  hier  habe,  der  mir  in  diesen  gefährlichen  Zeiten  treu
beigestanden  bat  und  dem  ich  die  Direktion  des  geheimen  Bates
anvertrauen  kann,  so  erbitte  ich,  da  er  evangelischer  Religion  ist,
E.  L.  Rat,  ob  ich  mich  seiner  bis  zu  anderweitiger  Besetzung  dieser
Stelle  interimistisch  ohne  Nachteil  der  katholischen  Religion  und
ohne  bösen  Verdacht  bedienen  kann.  Auch  wollen  E.  L.  auf  Personen
bedacht  sein,  mit  denen  der  Reichshofrat  besser  zu  besetzen  wäre.
Datum  Prag  den  23.  juni  a.  1611.1  —  Praes.  Aschaffenburg

2.  julü  a,  1611.
Wmz,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  80;  Or.®

347.  Beichard  Brömser  an  den  Kurfürsten  von  Mainz:

Was  ich  E.  kfl.  Gn.  wegen  der  bevorstehenden  kaiserlichen
Abordnung  zum  Kurfürstentag  berichtet  habe,  verbält  sich  wirklich
so  und  wird  es  deshalb  guter  Vorsorge  und  Rates  wol  bedürfen.  Ich  habe
zwar  gehofft,  dass  auf  Dero  Erinnerung  etwas  Aenderung  erfolgen,  werde;
aus  einem  Schreiben  des  Oberamtmanns  von  Rheinfels  muss  ich  aber
schliessen,  dass  Landgraf  Moriz  bereits  ersucht  worden  ist,®  „woruber  ich,  weil
mir  seine  humores  bekant,  etwas  besturzt  worden“;  doch  ist  mir
wegen  dieses  Fürsten  der  Mut  nicht  ganz  entfallen.  Ich  denke,  er
wird  sich  durch  diese  Handlung  mit  dem  Kaiser  „wegen  voriger
verstossung‘‘  etwas  aussöhnen  wollen;*  auch  höre  ich,  dass  er  sich
bei  der  letzten  Handlung  Sachsen  wol  akkomodiert  habe,  „auch  als,

!  Vgl.  no.  232  und  no.  242.

?  Kurmainz  antwortete  am  3.  Juli:  er  wolle  beim  Kurfürstentag,  der
in  wenigen  Tagen  anhebe,  über  diesen  wichtigen  Punkt  mit  Kurtrier  und
Kurköln  reden  und  sich  mit  ihnen  eines  (Wesamtgutachtens  vergleichen
(Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  81;  Kptkopie).  Gleichzeitig  schickte  der  Kurfürst  dies
Vorantwort  in  Abschrift  an  Barvitius  mit  der  Bitte,  das  Original  dem  Kaiser
einzuhändigen;  dabei  versicherte  der  Kurfürst,  dass  er  und  seine  geistliches
Mitkurfürsten  des  Kaisers  Hoheit  mehr  denn  je  im  Auge  hätten  und  ner
darauf  bedacht  seien,  dass  nicht  der  Papst  oder  der  König  von  Spanies
oder  andere  katholische  Stände  verletzt  würden  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  &amp;amp;';
Kptkopie).  —  Am  11.  Juli  teilte  Kurmainz  des  Kaisers  Schreiben  samt  der
Vorantwort  Trier  und  Köln  mit:  der  Aufforderung  mit,  sich  darüber  zu  äussern,
wie  dem  Kaiser  darauf  beı  nächstem  Kurfürstentag  oder,  wenn  er  dränge
früher  zu  antworten  sei  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  84;  Kpt.).  —  Köln  schlug  darauf
am  22.  Julivor,  die  Räte  der  geistlichen  Kurfürsten  deshalb  zu  Coblenz  zusammen
treten  und  ein  Gesamtgutachten  an  den  Kaiser  verfassen  zu  lassen  (Di.
Kurkölnische  Reichssachen,  no.  187,  f.  40;  Kpt.).  Die  übrigen  Kurfürstes
stimmten  zu,  worauf  am  22.  August  dieZusammenkunft,  aber  zu  Mainz,  stattfand
(vgl.  unten  no.  327).

s  Vgl.  no.  215,  8.  509,  Anm.  1.

“  Vgl.  Christoph  von  Rommel,  Geschichte  von  Hessen,  VIL
Cassel  1839,  8.  214  f.
        <pb n="605" />
        247  —248.  1611  583

dass  er  vorigen  seinen  verrichtungen  schnurstraks  zuegegen  erschienen.‘  Juni  23.
Man  wird  abeı  auf  ein  „qualifiziertes  Gegengewicht“  trachten  müssen,
das  die  Sachen  mit  Diskretion  und  „nötiger  Gegenhaltung‘  wahrzunehmen
  weiss;  dazu  wäre  der  Bischof  von  Speier  erwünscht  und  sollen,
falls  er  die  Annahme  der  Kommission  diffikultiert,  E.  kfl.  Gn.  bei
ihm  unaufhörlich  sollizitieren,  „dan  ja  itzo  es  an  die  grundhefen
gehet.“  —  Erfurter  Angelegenheiten.  Besetzung  des  dortigen  Suffraganeats
  und  Klagen  über  die  ungeistliche  Geistlichkett.  Datum
Rudesheim  den  13./23.  junii  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg
28.  junii  a.  1611.
Wms,,  Korrespondenz,  Bd.  1.;  Or.  eigb.

948.  Heinrich  von  Güänterode  an  den  Kurfürsten  von  Juni  24.
Sachsen.

Hannewald  und  Hegenmüller  sind  am  20.  Juni!  freigelassen
worden;  beide  sind  E.  kfl.  Gn.  für  Dero  erfolgreiche  Interzession  sehr
verpflichtet?  Den  Böhmen  sivd  ihre  Freiheiten  noch  immer  nicht
bestätigt  worden,  worüber  die  vornehmsten  sehr  unwillig  sind.  Von  seiten
des  Kaisers  verhandelt  man  sehr  eifrig  wegen  des  Vergleichs  mit
Matthias;  viele  verdriesst  es,  dass  Braunschweig  stets  der  „billigen“
Meinung  ist,  der  Kaiser  könne  sich  ohne  Beirat  und  Gutachten  der
Kurfürsten  und  Fürsten  in  nichts  einlassen.  ‚Man  hat  sich
offendlich  dürfen  verlauten  lassen,  man  wolle  I.  ksl.  M.‘  die  underhaldung
  abschneiden,  darkegen  der  herzog  von  Braunschweigk  offendlich
rett:  ob  er  schon  der  vornehmbsten  chur-  und  fürsten  im  reich
keiner  sei,  so  wolle  er  doch  vor  seine  berschon  I.  M.'  so  lange
erhalden  und  man  werde  noch  erfaren,  dass  die  churfursten,  fursten  und
stende  des  romischen  reichs  ihren  kaiser  in  billigen  sachen  nicht

!  Vgl.  dagegen  no.  239,  8.  553,  Anm.  4.

?  Ein  Dankschreiben  Hegenmüllers  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen
vom  23.  Juni  in  Drs,,  I.  7387,  II.  Buch  Kurfürstentags,  f.  130:  Or.

®  (Temeint  sind  Zunigas  Verhandlungen  (vgl.  no.  238,  S.  552,  Anm.  4).
Der  König  liess  am  21.  Juni  um  nähere  Erläuterung  der  einschränkenden
Klausel  „ohne  Minderung  der  kaiserlichen  Autorität“  ersuchen  ;  ferner  möge
sich  der  Kaiser  erklären,  worin  ihm  des  Königs  Erbieten  nicht  genligen  und
welche  die  Punkte  seien,  in  denen  die  Kurfürsten  nicht  ohne  Verletzung  der
goldenen  Bulle  und  der  besonderen  österreichischen  Hausprivilegien  verfahren
könnten.  Durch  so  allgemein  gehaltene  Wendungen  würden  Jdie  Verhandlungen
nur  in  die  Länge  gezogen;  er,  der  König,  könne  sich  auch  nicht  in  seinem  Recht,
abändernde  Verfügungen  zu  treffen,  hindern  lassen,  dagegen  w.lle  er  sich
mit  der  einen  Hälfte  des  Schlosses  begnügen.  Um  der  Unsicherheit  ein
Ende  zu  machen,  möge  Zuniga  über  diese  Bedenken  ehestens  des  Kaisers
Resolution  einbolen  (Wi.,  I  Al,  Ka.  29%;  Kpt.  mit  Zusätzen  Krenbergs
und  dem  Datum  20.  Juni,  die  Kopien  baben  sämtlich  21.  Juni).  Am  25.  Juui
schlug  Matthias  dem  spanischen  (iesandten  vor,  dass  beiderseits  Kommissarien
verordnet  warden  mögen,  um  die  noch  ausstehenden  Punkte  auf  Katitikation
zu  erledigen;  Zuniga  möge  diesen  Vorschlag  an  den  Kaiser  bringen  (Wi.,
a.  a.  0.;  Kpt.).
        <pb n="606" />
        584  1611  248-249.

Juni  24,  verlassen  werden.“  Das  wird  von  allen  ehrliebenden  Leuten  dem
löblichen  Herm  hoch  angerechnet.  Leuchtenberg  wird  abgedankt
und  soll  Braunschweig,  wie  die  gewisse  Rede  geht,  Direktor  des
ganzen  kaiserlichen  Hofstaats  werden;!  der  Herzog  hat  es  gegea
mich  „nicht  hart  gelaugnet.“  Der  König  hat  Wallenstein  zum
Landhofmeister  gemacht,  wogegen  Salm  des  Kaisers  Stallmeister  wird.
Die  Böbmen  sind  sehr  unzufrieden,  dass  Matthias  nicht  nur  all
alten  Landoffiziere  beibehalten  sondern  auch  einige,  über  die  as
meisten  geklagt  worden  war,  zu  höheren  Aemtern  befördert  hat,  „und  das
sol  alstan  heissen,  das  regiment  gebessert“.2  Der  Kaiser  will  mich
noch  immer  nicht  entlassen;  es  wäre  mir  aber  eine  grosse  Gnade,  wenn
E.  kfl.  Gn.  mich  von  hier  abforderten.®  Der  König  will  von  hier
nach  Schlesien  und  in  die  Lausitzen  zur  Huldigung  ziehen  und  dam
E.  kfl.  Gn.  in  Dresden  aufsuchen.  Datum  Brage  den  14./24.  janü
a.  1611.

Nachschrift:  Soeben  hat  der  Kaiser  mich  rufen  lassen  und
mich  dringend  gebeten,  für  ihu  einen  Postritt  zum  Kurfürstentag
zu  machen;  er  liess  mir  dabei  zwei  Handschreiben  an  den  Markgrafes
von  Ansbach  und  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  übergeben.t

Drs.,  1.  9167,  II.  Buch  passauer  Kriegsvolks,  f.  754;  Or.  eigh.

Juni  25.  249.  Hippolyt  von  Colli  an  den  Administrator  der
Kurpfalz.

Gestern  kam  ich  hier  an  und  wurde  gleich  von  Leeuchtenberg
auf  morgen  zu  Gast  gebeten.  Ich  hoffe  von  ihm  manches  Nützliche
zu  erfahren;  denn  obwol  er  keine  Stimme  mehr  im  Kapitel  hat  und
angeblich  bald  verreisen  wird,  so  weiss  er  doch  viele  Heimlichkeiten.
Heute  liess  mir  der  Herzog  von  Braunschweig  durch  eines
Adeligen  sagen,  er  habe  meine  Ankunft  gern  vernommen;  wenn  ich
etwas  beim  Kaiser  zu  verrichten  hätte,  wolle  er  mir  förderlich
Audienz  verschaffen  und  persönliche  Kundschaft  mit  mir  machea;

ı  Vgl.  no.  242  und  no.  246.

®  Wegen  der  Aemterbesetzung  vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  sem
Zeit,  II.,  8.  304  f.  Wilhelm  von  Slawata  war  vom  Amt  des  Burggrafe
von  Karlstein  auf  das  des  Obersthoflehnrichters  befördert  worden.

®  Heinrich  von  Günterode  befand  sich  nur  vorübergehend  in  ker
sächsischer  Bestallung  als  Kriegsoberst.  Am  10./2).  April  1611  fertigte  ibe
der  Kurfürst  mit  der  Mitteilung  vom  Abschluss  der  jüterbogker  Handlung
an  den  König  von  England  ab,  da  Günterode  ohnehin  im  Begriff  sei,  „ad
consueta  reg.  M.tis  V.rae  servitia*  zurückzukehren,  nachdem  er  dem  Kaiser
seine  Unschuld  so  dargetan  habe,  dass  er  von  Prag  mit  besonderer  Gnade
und  Ehre  scheiden  durfte  \Dre..  1.8808,23.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  52  ;  Kptkopis)
Ob  Günterode  diesen  Auftrag  nach  England  ausgeführt  hat,  ist  mit  Rücksicht
auf  die  ihm  zur  Verfügung  stehende  Zeit  sehr  zweifelhaft;  denn  im  Juni  1611
ist  er  wieder  in  Wien  (vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seino  Zeit,  II.,  8.313).

*  Vgl,  unten  no.  256.
        <pb n="607" />
        249.  1611  585

Montag  vormittags  werde  er  mich  erwarten.  —  Der  Kaiser  will  sich  Juni  25.
mit  seinem  Bruder  in  keine  Handlung  mehr  einlassen  und  verweist
auf  den  Kurfürstentag.  Dem  König  misfällt  dies  sehr;  er  lässt  nichts
unversucht,  den  Bruder  zu  versöbnen  und  bietet  300000  fl,  jährlich
und  einige  Herrschaften,  aber  vergeblich,  Alles  das  soll  von
Braunschweig  berrübren  —  „summa:  oculi  omnium  in  conventum
electorum  conversi;  aiunt  Hispanicnm  quoque  legatum  eo  profecturum.“!
Landgraf  Moriz  soll  gebeten  werden,  dort  als  kaiserlicher  Kommissar
zu  fungieren  und  zu  proponieren:  1.  Wo  im  Reich  der  Kaiser  residieren
soll?  2.  ob  man  die  Handlung  der  böhmischen  Stände  gutheissen
oder  was  man  wider  sie  vornehmen  wolle?  3.  die  Wahl  eines
römischen  Königs;  4.  die  Gravamina  und  den  Unterhalt  des  Kaisers.?
—  Ich  habe  in  Dresden  bemerkt,  dass  Kursachsen  meint,  man
werde  zu  Mühlhausen  viel  verrichten,  andere  zweifeln  daran:  der  Kaiser
hat  viele  Schulden,  die  Gläubiger  werden  ihn  ohne  ihre  Befriedigung  nicht
ziehen  lassen,  die  böhmischen  Stände  und  die  Oesterreicher  möchten  eigentlich
wissen,  ob  in  den  kaiserlichen  Archiven  nicht  etwas  sei,  was  ihnen  zustehe;
und  woher  wird  man  den  Unterhalt  für  den  Kaiser  nehmen?  —  Braunschweig
  ist  designierter  Obersthofmeister  und  oberster  Praesident;
dem  Landgrafen  von  Leuchtenberg  lässt  der  Kaiser  100  000  fl.  Gnadengeld
anweisen,  dazu  jährlich  3000  fl.  reichen.  Hannowald  ist  wieder  ledig;  man
sagt  aber  bei  dieser  Gelegenheit:  es  sei  nicht  gut,  einem  Herrn  zu  dienen,
der  seine  Diener  nicht  „handhaben“  könne.  —  Auf  Seiten  der  Böhmen
steht  es  auch  nicht  gut.  Sie  klagen,  dass  der  König  alle  jene  Landoffiziere,
  denen  sie  zuvor  die  Ursache  ihres  Unglückes  zuschrieben,  wieder
bestätige;  der  König  wendet  ihnen  dagegen  ein,  es  sei  alles  mit  Wissen
und  Willen,  ja  mit  dem  Rat  ihrer  Verordneten  geschehen.  —  Das
Kriegsvolk  wird  nicht  bezahlt  und  fängt  an  zu  betteln  und  zu  rauben;
Dampierre  dominiert  um  Leitmeritz,  wie  ehedem  Ramde  zu  Budweis.  —
Der  Herzog  von  Braunschweig  hat  wider  seine  Stadt  die  Acht
erlangt;  sie  soll  beim  niedersächsischen  Kreistag  insinuiert  werden.
—  lch  halte  für  nötig,  wenn  der  Kurfürstentag  fortgeht,  dass
E.  fl  Gn.  und  Anbalt  sich  dahin  begeben,  zumal  auch  Neuburg
sich  dahin  verfügen  soll.  Der  König  will  Polheim  zu  E.  fl.  Gn.  und
zu  andern  unierten  Fürsten  abfertigen,  um  über  die  Vorgänge  seit  der
Krönung  und  über  die  vorhandenen  schädlichen  Praktiken  berichten
und  Vorschläge  zu  deren  Abwendung  machen  zu  lassen.  —  Ich  habe  hier
weder  die  versprochenen  Wechselbriefe  noch  das  Geschenk  für  Henckel?
vorgefunden.  Auf  diese  Weise  werde  ich  aber  schlechte  Reputation
erlangen  und  E.  fl.  Gn.  auch;  aber  vielleicht  kommt  beides  noch
an.  „Je  suis  comme  les  anguilles  de  Melun  qui  crient  devant  qu’on  les

RER

ı  Vgl.  no.  242,  8.  560.

?  Vgl.  no.  215.

®  Lazarus  Henckel  von  Donnersmark  auf  Gföhl  und  Vösendorf  war
kaiserlicher  Hofhandelsmann  und  einer  der  bedeutendsten  Gläubiger  des  Kaisers.
        <pb n="608" />
        Juni  25,

Juni  25.

586  1611  249—  200.

escorche.“  Datum  Prag  den  15.  junii  1611.  —  Praes.  Heidelberg

23.  janii  1611.
Mb.  101/4;  —  Or.  eigh.!

250.  Baugy  an  Puysieulx,

„Par  le  soin  et  la  peine  que  prennent  les  Espa  gnolz  a  acommoder
ces  freres,  l’on  juge  aissement,  combien  cel&amp;amp;  importe  a  l’advancement
de  leurs  affaires  et  au  contraire,  combien  ilz  seroyent  retardez  par  la
continuation  et  accroissement  de  leur  discorde  et  mauvaise  intelligence.
A  ceste  occasion  il  semble  que  l’on  ne  peut  faillir  a  entendre  les
ouvertures,  que  l’empereur  veult  faire  a  leurs  Ma.'*,  tendantes  a  m
conservation,?  a  quoy  il  a  l’esprit  si  bande  et  aux  moyens,  par  les
quel  il  y  peult  parvenir,  qu’il  ne  se  passe  gueres  jour  qu'il  ne  me
face  demander,  si  je  n’ay  point  de  responce  sur  le  billet  par  lequel
il  me  fist  scavoir  le  plaisir,  qu’il  auroit,  que  leurs  Ma.‘  me  permisent
  de  faire  un  voyage  en  France  pour  leur  deposer  de  sa  part,
ce  qu’il  estime  concerner  sadicte  conservation  et  leur  commune  utilite.
Je  ne  say  ce  que  luy  apporte  de  nouveau  le  8.”  de  Colli,  que  Ile
duc  des  Deux-Pontz  a  renvoy6  de  n’agueres  en  ceste  ville,  aprez  avoir
este  vers  l’electeur  de  Saxe;?  mais  lesdictes  Espagnolz  presuposent,
que  ce  n'est  rien  de  bon  pour  eux  et  que  ledict  8."  duc  ne  manquera
pour  faire  autoriser  son  administration  de  luy  faire  des  offres,  qui  ne
pourront  estre  que  preiudiciables  aux  pretensions  dudict  s.”  roy,  touchant
la  dignit6  de  roy  des  Romains,  a  laquelle  ilz  le  veulent  porter  a
quelque  prix  que  ce  soit.  Ilz  n'ont  pas  tant  de  certitude  d’en
venir  a  bout  qu’ilz  ne  taschent  tirer  en  avant,  autant  qu'ilz  peuvent,
leurs  autres  desseins  comme  celuy  du  marquisat  de  Final,  pour
l'investiture  duquel  ilz  traictent  de  donnera  S.  M.'*  imperiale  une  notable
somme  d’argent.  De  Prague  le  25  de  juin  1611.“  —  Praes.  21.  juillet.

Pa.,  Harlay  no.  238,  vol.  XII,  f.  203;  Or.  eigh.

!  Am  gleichen  Tag  schreibt  Colli  an  Christian  von  Anhalt:  Man  hat
dem  Kaiser  glauben  gemacht,  der  mühlhauser  Tax  „restablira  ses  aflaires,
en  somme  maria  et  montes  aureos*.  Daher  wünscht  der  Kaiser  die  Be
schleunigung  des  Tages;  „frustra  laborabit  qui  hoc  in  loco  contra  niti
conabitur,  immo  pro  suspecto  habebitur,  tamquam  publica  impedieas
commoda®“.  Ich  halte  daber  für  sehr  nötig,  dass  E.  fl.  Gn.  sich  beim
Kurfürstentag  einfinden;  „ce  sera  un  coup  de  partie“.  Ich  glaube,  dass
man  mich  von  bier  bald  fortschicken  wird,  aber  ohne  dass  ich  für  den  Kurfürsten
die  Belehnung  erlangt  habe;  denn  sie  sagen,  der  Kaiser  werde  sie  nicht
geschehen  lassen,  so  lange  ee  Widerspruch  dagegen  gibt.  Es  wird  nicht
an  meinem  Fleisse  fehlen  ;  aber  ich  sehe,  dass  alle  wichtigen  Sachen  auf
den  Kurfürstentag  verschoben  werden.  ---  Besetzung  der  böhmischen  Landesämter.
  —  Der  König  hat  unter  seine  Diener  noch  nicht  viele  Belohnungen
ausgeteilt,  nur  Wenzel  Kinsky  hat  den  lebenslänglichen  Fruchtgenuss  von
zwei  Herrschaften,  wovon  eine  Kolin  mit  15000  Talern  jährlicher  Einkünfte
ist,  erlangt.  Ich  werde  mit  dem  König  erst  nach  der  Audienz  beim  Kaiser
eprechen  ;  dann  will  ich  tun,  was  E.  Exz.  mir  befahlen  (Bbg.,  A  9a,  no.  107,
f.  63;  Or.  eigh.).

?  Vgl.  no.  212.

®  Vgl.  oo.  208  und  no.  249.
        <pb n="609" />
        251.  1611  587

251.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht,  Jani  26.

Alsich  am  19.  Juni  beim  Landgrafen  von  Leuchtenberg  speiste,  vernahm
  ich,  dass  der  Kaiser  gegen  „den  Rat  und  Willen“  der  geistlichen
Kurfürsten  dem  Herzog  von  Braunschweig  zu  Gefallen  die  Acht
gegen  die  Stadt  Braunschweig  verhängt  habe.!  —  Matthias  hat  dem
Wenzel  Kinsky  die  Herıschaften  Kolin  und  Chlumez  geschenkt,  die  auf
drei  bis  vierhunderttausend  Gulden  geschätzt:  werden  und  es  heisst  obendrein,
  dass  Kinsky  Überstjägermeister  werden  solle.  —  Am  20.  meldete  ich
mich  zum  sechsten  Male  bei  Kblesl.  Alsich  wieder  nicht  vorgelassen  wurde,
schickte  ich  ihm  E.  fl.  D.*  Schreiben  und  drohte  mit  einer  Beschwerde
bei  Derselben  und  beim  König;  denn  mir  lag  daran,  das  Gerede  wegen
der  Nachfolge  zu  beseitigen.  Darauf  empfieng  mich  Khlesl  am  21.
und  erwiderte  auf  meinen  Bericht  über  die  Verhandlungen  mit  den
geistlichen  Kurfürsten:  ‚Die  aussönung  mit  dem  kaiser  und  vergleichung
  zwischen  baiden  brudern  sei  ohne  restitution  der  länder
unmöglich;  die  aber  sei  keineswegs  zue  raten,  auch  sei  I.  ksl.  M.'
gemuet  also  beschaffen,  das  der  bruder  keiner  mit  derselben  friden
haben  noch  halten  kunnen,  wan  sie  gleich  thuen,  was  mueglich,  wie
man  gesehn  hat  und  erfabren  an  der  frau  muetter  und  erzherzog
Erpsten  (der  zu  sagen  ein  engel  gewesen).  Das  also  wider  I.  ksl.  M.!
verfabren  wird,  sei  nicht  der  könig  sonder  der  kaiser  selbst  [schuld],
der,  nachdem  der  könig  den  aufgerichten  vertrag  zufolge  sein  volk
abgedankt,  durch  die  unterschidliche  einfälle  dem  versprechen,  hand
und  sigel  zuwider  die  underthanen  der  erbländer  dormassen  verbittert
und  wider  sie  alterirt,  das,  wan  der  könig  nit  kommen,  sie  nit  allein,
was  geschehen,  wider  I.  ksl.  M.*  furgenommen  sonder  die  länder  gar
vom  hause  Oesterreich  entfremdet  und  andren  untergeben  hetten.  In
den  punkten,  so  von  L  ksl.  M.'  vor  der  krönung  furgeschlagen,
haben  I.  kgl.  M.‘  damals  nit,  aber  itz  nach  der  krönung  als  könig
in  Böhem  besser  willigen  kunnen  ...  Die  kaiserliche  rät  belangend
hab  er,  bischof,  aus  befehlich  des  königs  das  leben  gefristet  und
das  ibnen  kein  mehrer  spott  widerfahren,  verhuetet.?2  Er  verwundert
sich  nit  wenig,  das  vermuege  des  von  den  churfursten  und  samptlichen
hern  des  hauses  Oesterreich  so  solenniter  aufgerichten  vertrages
contra  infringentem  dem  könig,  den  ainzigen  erzherzog  Maximilian
ausgenommen,  kaine  mehrera  hilf  geleistet  wird.  Drauf  ich  ihm
berichtet,  was  E.  fl.  D.'  mir  gnedigst  befohlen,  dem  cburfursten  von
Mainz  anzudeuten,  welchs  ihm  lieb  war  zu  vernemen.*“  —  Am  18.
bat  Khblesl  den  Hannewald  und  Hegenmüller  selbst  aus  dem  Gefängnis
geholt.  —  Am  22,  speiste  ich  auf  vieles  Einladen  abends  bei  Wenzel
Kinsky,  der  mir  den  ganzen  Verlauf  erzäblte  und  —  was  von
anderen  bestätigt  wird  —  versicherte,  „wan  er  mit  seinen  freunden

8  90  has  Londorpius  suppletus  sive  Acta  publica,  I.,  Frankfurt  1739,
8.  .
?  Vgl.  no.  222  mit  Anm.  1  auf  8.  523.
        <pb n="610" />
        Juni  25.

588  1611  251.

und  adhaerenten  sich  nit  so  emsich  des  königs  Matthiae  angenommen
und  I.  kgl.  M.*  zu  wurklicher  possession  der  krone  befurdert  und
geholfen  hette!  so  hetten  der  stend  in  Böhmen  vile  den  von
Brandenburg  hereinberuefen.  —  Denselben  bin  ich  glaubwürdig
berichtet  worden,  das  I.  ksl.  M.'  drei  auss  den  appellationsräten  dem
grafen  von  Hohenlo  und  Minkwitz  zugeordnet,  welche  die  achtserklärung
  der  statt  Braunschweig,  dofern  sie  sich  in  der  guete  nicht
einlassen  wolte,  insinuiren  solten,  denen  der  könig  vortzuziehen
verboten.“  —-  Den  23.  des  morgens  hat  der  obrister  camerer  Proskofsks
im  gehaimen  rat  angezeigt,  das  I.  ksl.  M.‘  die  nacht  wegen  aines
catbarri  suflfocativi,  so  derselben  heufig  auf  der  brust  gesunken,  in
lebensgefahr  gewesen‘‘  Am  selben  Tage  kam  ein  Schreiben,  worin
der  Bischof  von  Speier  die  Kommission  zum  Kurfürstentag  wegen
Kränklichkeit  ablehnte;  Landgraf  Moriz  hat  sie  dankend  angenommen.?  —
„Den  tag  und  vorigen  auch  sein  der  Hannewald  und  Hegenmüller
in  gehaimen  rat  beruefen  worden,  dahin  der  Wacker  und  Minkwitz
auch  gefodert  und  hat  der  herzog  von  Brauuschweig  dasdirectorium
gehabt  und  die  vota  colligir.  Der  von  Stralendorf  wird  noch  nit
in  gehaimen  rat  zuegelassen.  Wie  ich  von  Ernst  von  Molart  und
Hannewald  berichtet,  ist  I.  kgl.  M.'  letste  antwort,3  auch  ob  I,  kel
M.*  sich  vor  endigung  des  churfurstlichen  convents  von  hie  ins  reich
begeben  sollen  oder  nit,  beratschlagt  worden  ;  auf  das  erste  beschlossen
omnium  votis,  das  notwendig  I.  ksl.  M.‘  sich  rund  gegen  den  könig
erklären  und  drauf  eine  vergleichung  zwischen  beiden  herrn  brüdern
getroffen  werden  müesse;  auf  den  zwehten  punct  ist  noch  keine
resolution  genommen,  wöllen  zuvor  erwarten,  wie  die  tractation  zwischen
I.  ksl.  und  kgl.  M.!  succediren  werde.  Weil  die  gewisse  sage  geht,
das  der  landgraf  von  Leuchtenberg  licentiiret  und  der  herzog  von
Braunschweig  in  allen  hoben  ämptern  an  seine  stell  gesezt  werden
soll,  hat  don  Baltasar  gester  und  heute  von  mir  begert,  solches
durch  hern  von  Molart  und  andere  zu  verhindern  helfen  ;*  ob  aber
solches  nunmehr  wird  thuenlich  sein,  zweifl  ich  sehr.‘  —  Der  Kaiser
hat  Mollart  ein  Lehensgut  in  Savoyen  geschenkt,  das  über  100  000  Gulden
wert  sein  soll.  —  Trotz  steten  Anmahnens  bei  Proskofsky,  Barvitius
und  den  Kammerdienern  babe  ich  noch  keine  Audienz  beim  Kaiser
erhalten  können,  wäbrend  der  kurkölnische  Gesandte,  von  Landsberg,
sie  schon  am  zweiten  Tage  nach  seiner  Ankunft  erhielt.5  Prag  den

25.  junii  1611.
Brs.,  Secret.  d’Allem.,  no.  96,  f.  87,  eigh.  Or.

!  Vgl.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinands  II,  VI,  S.  446  £;
natürlich  ist  in  der  dort  zitierten  Aeusserang  Kinskys  nicht  Leopold  sondern
Matthias  gemeint  (vgl  dagegen  Hurter,  a.a.O.,  Anm.  no.  81  und  auch  8.  450).

?  Die  endgiltige  Annahme  der  Kommission  durch  den  Landgrafes
erfolgte  erst  durch  Schreiben  vom  15./25.  Juni  (Ma.,  647/14,  f.  103;  Kopie).
Wegen  Speior  vgl.  no.  215,  S.  509,  Anm.  1.

®  Wol  die  vom  21.  Juni;  vgl.  no.  248,  8.  683,  Anm.  3.

“  Vgl.  no.  223  und  no.  226.

s  Vgl.  no.  232  mit  Anm.  2  auf  S.  542.
        <pb n="611" />
        252.  1611  589

252.  Die  oberösterreichische  Regierung  und  Kammer  Juni  25.
an  Erzherzog  Maximilian.

E.  fl.  D.*  baben  unser  Gutachten  wegen  des  Eintritts  der  vorderund
  oberösterreichischen  Lande  in  den  Schirmverein,  den  einige
katholische  Fürsten,  Grafen  und  Herrn  neben  einigen  Städten  und  Ständen
des  schwäbischen  Bezirkes  aufrichten  wollen,  begehrt.  Dieser  Verein
soll  zum  Schutze  der  in  und  um  Schwaben  gesessenen  Stände  und  der
katholischen  Religion  angesehen  sein  und  scheint  es  namentlich  nach
den  Erfahrungen  des  vorigen  Jahres,  da  die  Protestanten  mangels  an
Zusammenhalt  der  Kreisstände  das  ganze  Land  verheerten,  gut  und
notwendig,  sich  schon  in  Friedenszeiten  zu  vereinigen.

Bei  der  Verwirklichung  der  Absicht  stösst  man  aber  auf  allerlei  Bedenken.
  —  Zunächst  ist  zaerwägen,  obE.  fl.D.'  sich  in  diese  Union  einlassen
sollen?  Aus  dem  Anbringen  der  Stände  erscheint  zwar,  dass  sie  zu  F.  fl.  D.*
eine  besondere  Neigung  haben  und  Derselben  das  Direktorium  auftragen
wollen;  aber  E.  fl.  D.*  wissen  selbst,  wie  die  schwäbischen  Grafen  und  Herrn
gegen  das  Haus  Oesterreich  gesinnt  sind,  wie  sie  sich  stets  bemühen,  „aus
der  Halfter  zu  schleifen“  und  wie  sie  es  leicht  erpraktizieren  könnten,
dass  das  Direktorium  dann  doch  einem  andern  anvertraut  wärde,  was  E.  fl.
D.!  verkleinerlicher  wäre  als  wenn  Sie  das  Direktorium  selbst  anstrebten,
aber  nicht  erlangten.  Nun  liegen  allerdings  im  schwäbischen  Bezirk
einige  Klöster,  Städte  und  Stände,  die  unter  E.  fl.  D.!  Schutz  sind  und
die  man  am  besten  durch  diese  Union  schützen  könnte;  trotzdem  bleibt
immer  noch  zu  erwägen,  wenn  E.fl.  D.‘  das  Direktorium  und  die  Ausschreibung
  anvertraut  würde,  mit  welchen  Landen  und  Herrschaften  Sie  sich
in  diesen  Schirmverein  einlassen  könnten.  1488  hat  sich  Erzherzog  Sigmund
  bei  dendamaligen  Kriegsläufen  mitallen  seinen  Landen  —  auch  mit  der
GrafschaftTirul  und  denarlbergischen  Herrschaften  —  mit  denschwäbischen
Fürsten  und  Ständen  eingelassen.  Dies  Bündnis  hat  Kaiser  Maximilian
auf  drei  Jahre  erneuert.  Als  aber  der  Kaiser  im  Venezianerkrieg
den  Bund  aufmahnte,  wurde  erst  in  Disputat  gezogen,  wie  weit  derselbe
schuldig  sei,  mit  seinem  Volk  zuzuziehen  und  wollte  man  nicht  weiter
gehen  als  bis  zum  Fernpass  und  Arlberg.  Der  Eintritt  Tirols  in  den
Schirmverein  ist  daher  nicht  ratsam.  —  Ebenso  steht  es  mit  den  Herrschaften
  vor  dem  Arlberg;  sie  sind  eine  Vormauer  Tirols  und  der  Grafschaft
  Tirol  gewissermassen  inkorporiert,  weshalb  wir  auch  nicht  sehen,
wie  dieselben  in  diese  Union  gebracht  werden  könnten.  —  Die  vorderösterreichischen
  Lande  haben  einen  besonderen  Schirmverein,  zu  dessen
Unkosten  die  Stände  ?/,,  die  Kammer  !,,  beitragen;  trotzdem  kann
letztere  mit  ihrem  Beitrag  nicht  gefolgen  sondern  ist  bereits  stark  im
Rückstand,  zu  geschweigen  dass  sie  sich  noch  in  eine  andere  Union  einlassen
  könnte.  —  Die  Markgrafschaft  Burgau,  die  Landgrafschaft
Nellenburg  und  die  Grafschaft  Hohenberg  waren  im  vorigen  ‚Bund
und  könnten  auch  in  diesen  Schirmverein  wol  eintreten,  wenn  es  dem
Markgrafen  von  Burgau  beliebt.

N  U
        <pb n="612" />
        Juni  29.

590  1611  252.

Es  bleiben  also  noch  übrig  die  Landvogtei,  das  Fürstentum  Ober-  und
Niederschwaben,  Stadt  und  Herrschaft  Ehingen,  Schelklingen  und  Perg.
Wenn  E.fl.D.‘  sich  niit  diesen  Gebieten,  in  die  Union  einlassen  wollen,  80  ist
wieder  die  erste  Frage:  woher  dazu  das  Geld  nehmen?  Auf  die  oberösterreichische
  Kammer  ist  nicht  zu  rechnen,  die  tiroler  Landschaft  und  die
Herrschaften  vor  dem  Arlberg  haben  sich  zuvor  fast  über  Vermögen  angegriffen,
  die  Vorlande  stecken  wegen  der  vorigjährigen  Einlagerung  ia
grossen  Schulden,  die  Gefälle  der  Landvogtei  Schwaben  sind  mit  Zinsen
und  Ausgaben  so  überlastet,  dass  sie  passiv  sind,  die  Herrschaften  Ehingen,
Schelklingen  und  Perg  sind  der  Stadt  Ehingen  verpfäudet,  welche  die
Gefälle  einziebt,  —  und  selbst  wenn  man  die  Landvogtei  Schwaben  nur  mit
geringer  Kontribution  belegte,  so  wäre  es  doch  schimpflich,  wenn  mau
auch  damit  nicht  aufkommen  könnte,  weshalb  es  besser  ist,  gleich
ausserhalb  der  Union  zu  bleiben  als  sich  ihrer  später  entschlagen  zu  müssen.

Bedenklich  ist  uns  auch  bei  dieser  Union,  dass  dadurch  die
österreichischen  Herrschaften  gleichsam  einem  Reichskreis  unterworfen
  und  also  Oesterreich  aus  der  mühsam  erhaltenen  Possession
gebracht  würde.  WennE.  fl.  D.'  in  diese  Union  treten,  so  würde  dies
auch  bei  den  andern  katholischen  Kurfürsten  und  Fürsten,  in  deren
Liga  Sie  sich  aus  den  am  1.  März  angezeigten  Ursachen  nicht
begeben  haben,!  ein  seltsames  Ansehen  gewinnen.  Und  was  würden  erst  die
angrenzenden  unkatholischen  Fürsten  und  Stände  sagen,  die  ohnehin
alle  Mittel  suchen,  um  den  Katholischen,  besonders  aber  dem  Haus
Oesterreich  Abbruch  zu  tun  und  ihre  Sekte  auszubreiten?  Wena
E.  fl.  D.'  in  diesem  Verein  wären  und  er  würde  von  den  Unkatkolischen
  angegriffen,  ro  käme  man  in  Öffentliche  Feindschaft  mit  ihnen
und  hätte  sich  alsdann  bei  diesen  Läufen  besonders  wegen  der  Grafschaft
Tirol,  die  als  Schlüssel  Italiens  den  protestantischen  Fürsten  sehr
in  die  Augen  sticht,  wegen  der  Vorlande  und  wegen  der  arlbergischen
Herrschaften,  auch  wenn  sie  nicht  in  dem  Verein  wären,  wol  vorzusehen.
Lieber  lege  man  das  Geld,  das  jährlich  zur  Union  zu  kontribuieres
wäre,  zusammen;  so  dürfte  man  damit  stark  genug  sein,  sich  selbst
zu  schützen.  —  Zudem  sind  die  meisten  der  in  und  um  Schwaben
gesessenen  Grafen,  Herrn  und  Stände  Dero  Lehensleute  und  als
auch  ohne  die  Union  E.  fl.  D.'  zum  Zuzug  verpflichtet.  Endlich  sind  die
armen,  mitSteuern  überlasteten  Untertanen  zu  bedenken  ;  müssten  sie  auch
noch  zur  Union  kontribuieren,  wärden  sie  kleinmätig  und  schwierig  worden.

Daher  raten  wir  E.  fl.  D.‘,  wegen  des  Eintritts  in  diese  Union
zu  temporisierrrne.  Damit  aber  die  Fürsten  und  Stände  nicht
meinen,  E.  fl.  D.'  wollten  zum  Schutz  der  Lande  gar  nichts  tus,
so  könnten  E.  fl.  D.'  an  den  Bischof  von  Konstanz  einen  Brief  des
Inhalts  schreiben:  Sie  müssten  die  Sache  erst  an  den  Kaiser  und
die  Erzherzoge  gelangen  lassen;  inzwischen  möge  der  Bischof  E.  fl.  D!
mitteilen,  wann  diese  Union  fortgehen,  wer  der  ausschreibende  Fürst

ı  Vgl.  no.  76,
        <pb n="613" />
        252  —253.  1611  691

sein  und  wer  das  Direktorium  haben  solle.  Je  nach  der  Antwort  Juni  26.
hätten  E.  fl.D.!  sich  dann  zu  entschliessen.  Inzwischen  mögenE.  fl.  D.*  die
Sache  wirklich  an  den  Kaiser,  die  interessierten  Erzherzoge  und  die
tiroler  Landschaft  bringen.  Datum  den  25.  junii  a.  1611.
Id.,  An  I.  fl.  Dt.,  von  1611—13,  lib.  42,  f.  211’;  Kptkopie.

253.  Die  Räte  der  kaiserlichen  Hofkammer  Zach,  Juni  27.
Zeller  und  Schmitt  an  Kaiser  Rudolf  II.

Auf  E.  M.!  Befehl  haben  uns  vorgestern  Dero  geheimen  Räte
vorgehalten,  wie  E.M.'  es  in  Ungnaden  empfänden,  dass  wir  wegen  der
Verhaftung  Zachs!  unseres  Dienstes  nicht  mehr  abwarten  wollten,  da  diese
Arrestierung  von  E.  M.!  nicht  zu  Ungnaden  vermeint  gewesen  sei;  wir
sollten  uns  daher  wieder  unserer  vorigen  Verrichtung  annehmen  und
nach  Geld  trachten,  an  den  Hofkammerpräsidenten  *  ein  schärferes
Erforderungsschreiben  verfassen  und  zu  E.  M.‘  Unterschrift  richten
und  dem  kaiserlichen  Kämmerer  Kolowrat  500  fl.  und  Dero  Beichtvater
Pape  etwas  von  seiner  Besoldung  ausfolgen.  —  Nun  wissen  wir  uns
unserer  schuldigen  Dienstpflichtt  wol  zu  erinnern  und  wären  wir
nicht  durch  den  der  Hofkammer  zugefügten  Schimpf  gezwungen
worden,  um  unsere  Entlassung  zu  bitten,  so  würden  E.  M.*  erfahren
haben,  dass  wir  alles  mögliche  zur  Ausführung  Ihrer  Befehle  getan
haben.  E.M.:  und  die  geheimen  Räte  konnten  aus  unsern  zahlreichen,
seit  Jahren  überreichten  Denkschriften  entnehmen,  wie  wir  die  Ausserste
Erschöpfung  der  Kammergefälle  beklagten,  die  Unmöglichkeit,

ı  Am  7.  und  8.  Juni  war  an  die  Hofkammer  eine  scharfe  Erinnerung
gekommen,  dem  kaiserlichen  Baumeister  300  fl.  ‚und  zu  Handen  des  Oberstkämmerers
  500  fl.  auszuzahlenp,  ferner  für  des  Kaisers  Mundtrank  und  Hofkeller
  Wein  zu  erhandeln.  Die  Hofkammer  stellte  in  zwei  Denkschriften  an
den  Kaiser  und  die  geheimen  Räte  die  Unmöglichkeit  vor,  diesen  Anforderungen
  zu  genügen.  Darauf  wurde  der  älteste  Hofkammerrat  Sebastian  Zach,
den  der  Reihe  nach  die  Direktion  der  Hofkammer  traf,  am  11.  Juni  verhaftet.  Seine
beiden  Kollegen  Michael  Zeller  und  Stephan  Schmitt,  letzterer  zugleich  Reichspfennigmeıster,
  begehrten  darauf  wegen  dieses  Verfahrens  gegen  Zach,  der  sich
unı  des  Kaisers  willen  in  Schulden  gestürzt  habe  und  weil  durch  dieVerhaftung  der
Kredit  der  erschöpften  Hofkammer  vollends  vernichtet  werde,  um  Enthebung
von  ibren  Aemtern  bei  der  Hofkammer  und  um  Erledigung  von  ihren  für  den
Kaiser  geleisteten  Bürgschaften  und  gefertigten  Verschreibungen.  Zach
hatte  sich  für  den  Kaiser  um  mehr  als  40  000  fl.  verpflichtet,  Zeller  und
dessen  Vater  schuldete  der  Kaiser  mehr  als  100000  fl.  und  Schmitt  waren
über  700000  fl.  zu  erstatten,  darunter  ein  Schuldbrief  auf  400000  Al.
lautend,  150000  fl.  Antizipationen  wegen  des  Reichspfennigmeisteramts  und
200000  fl.  wegen  des  passauer  Kriegsvolkes  (Wk.,  Hoffinanzakten,  Juni  1611;  Kpt.).

?  Paul  Freiherr  von  Krauseneck  war  durch  Tengnagels  Aussagen
kompromittiert  worden,  hatte  das  Weite  gesucht  (Bodenius  an  Herzog
Maximilian  am  7.  April  1611;  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  Ill.,  no.  26,  f.  63;
Or.  eigh.)  und  von  Schlesien  aus  um  seine  Enthebung  gebeten;  die
Aufzählung  seiner  Verpflichtungen  gegen  verschiedene  Parteien,  von  denen  er
erledigt  werden  wollte,  ergibt  die  Summe  von  1043832  fl.  20  krz.  (Wk.,
a.  a.  O.,  November  1611;  Kpt...
        <pb n="614" />
        Juni  27.

592  1611  253.

so  weiter  zu  hausen  und  den  endlichen  Zusammenbruch  des  ganzen  Kammerwesens
  dartaten,  da  die  Schulden  sich  stets  häufen,  die  Einnahmen
aber  so  zurückgehen  (was  auch  durch  die  vorgegangenen  Veränderungen
mit  den  Ländern  verursacht  worden  ist),  dass  man  für  E.  M.'  und  Dero
Hofgesinde  Brot,  Wein  und  Licht  und  für  die  Pferde  Heu  und  Hafer
nicht  erkaufen,  ja  in  den  Kanzleien  nicht  einmal  Papier  und  Tinte
haben  kann.  Was  wir  mit  Mühe  und  Sorgen  und  mit  unserem
Kredit  und  Vermögen  leisten  konnten,  haben  wir  getan,  wie  wir
letzthin  darstellten;  dabei  haben  wir  unsern  Personalkredit  ruiniert,  so  dass
uns  niemand  mehr  trauen  will  und  wir  nicht  wissen,  wie  wir  noch  etwas

aufnehmen  können.  Wenn  nicht  aus  den  böhmischen  oder  schlesischen

Kammergefällen  etwas  hergegeben  wird,  bleiben  E.  M.'  nur
die  beiden  RBeichspfennigmeisterämter,  bei  welchen  man  aber  zur
Zeit  nur  die  Restanten  voriger  Beichs-  oder  Kreishilfen  einfordern
könnte;  aber  auch  diese  sind  schon  so  hoch  überwiesen,  dass  an  Geizkofler,
  Welser  und  Schmitt  deren  darauf  liegende  Hypotheken  nur  langsam,
den  andern  Parteien  ihre  Forderungen  aber  gar  nicht  abgezahlt  werden
können.  Und  wenn  man  auch  auf  neue  Reichs-  und  Kreishilfen
hofft  und  wenn  bei  zukünftigen  Reichstagen  selbst  80  Monate  bewilligt
werden  sollten,  so  sind  auch  diese  künftigen  Bewilligungen  mit  Anweisungen
schon  so  hoch  beschwert,  dass  höchstens  ein  geringer  Ueberschuss  zu
boffen  ist;  da  er  aber  ganz  ungewiss  ist,  lässt  sich  darauf  nichts  antizipieren.
Unter  solehen  Umständen  können  wir  nicht  sehen,  wie  wir  mit  Ehre
und  Autorität  bei  unsern  Diensten  verharren  können,  wie  gerne  wir
es  auch  täten,  wenn  wir  nur  Mittel  zur  Abhilfe  wüssten.

Wollen  E.  M.'  diesen  unsern  Vorstellungen  keinen  Glauben  scheuken,

:80  mögen  Sie  die  Inquisition  und  Visitation  der  Hofkamıner  anordnen;  dabei

wird  sich  sonnenklar  die  Unmöglichkeit,  etwas  herzugeben,  erweisen.  Auch
wenn  man  sich  auf  die  böhmischen  und  schlesischen  Landtagskontributionen,
  auf  die  Haus-  und  Grenzsteuern  oder  auf  die  Biergeldrestanten
(als  wenu  sie  noch  E.  M.'  gehörten)  Rechnung  machen  würde,  so  sind
vermutlich  darauf  doch  viel  mehr  Anweisungen  erfolgt  als  jene  Steuern
betragen;  es  wird  aber  der  König,  wenn  er  die  von  E.  M.!  gemachten
Schulden  auf  sich  nehmen  soll,  jene  Bestanten  gewiss  einbehalten
wollen;  dazu  könnte  auch  noch  praetendiert  werden,  dass  die  erwähnten
Kontributionen,  Haus-  und  Grenzsteuern  sammt  deren  Restanten  zur
ungarischen  Grenze  gehören  und  nicht  auf  anderes  verwendet  werden
dürfen;  mit  Sicherheit  darf  man  also  auch  darauf  nicht  rechnen.  —

‚Ebenso  steht  es  mit  den  italienischen  Mitteln  und  Lehensfällen:

mau  hat  deren  Erörterung  und  die  rechtliche  Erkenntnis  darüber  durch  viele
Jahre  ganz  vergeblich  betrieben,  so  wegen  Sassella,  Piombino,  Finale,
Correggio  ;  schon  seit  Jahren  erwartet  man  ein  Ende  des  Prozesses.  —  Das
Mistrauen  bei  den  Handelsleuten  wurde  aber  dadurch  verursacht,

‘dass  man  die  aufgerichteten  und  gefertigten  Verschreibungen  nicht  ia

Kraft  gelassen  hat  sondern  die  Mittel,  mit  denen  man  sie  einlösen  sollte,
angriff  und  andern  zuwies,  wie  es  Joanelli  mit  Sassella  ergieng,  mir,
        <pb n="615" />
        253  —  254.  1611  593

Schmitt  mit  Piombino  ;  dasselbe  erfahren  Baiern  und  Würzburg.  Juni  27.
Wir  alle  können  nicht  sehen,  wie  wir  E.  M.'  an  dieser  Stelle  noch
weiter  mit  Nutzen  dienen  oder  bei  dem  erlittenen  Schimpf  und
Leib-  und  Lebensgefahr,  bei  dem  ungestümen  Anhalten  der  unbezahlten
  Parteien  und  bei  so  gefährlichen  Prozessen  sicher  sein
können.  Dazu  ist  E.  M.*  mit  einem  Geringen  gar  nicht  gedient
und  bedürfen  Sie  zu  Ihrer  Abreise  und  Dero  Hofgesinde  zur
Abzahlung  seiner  Schulden  einer  grossen  Summe,  für  die  wir  die
Mittel  nicht  wissen,  ausser  wenn  E.  M.,  wie  Ihre  geheimen  Räte
andeuteten,  mit  den  erwähnten  „italienischen  Mitteln‘  schleuniger  verfahren
  wollten  und  es  so  weit  käme,  dass  man  mit  den  darauf  verwiesenen
  Parteien  auf  eine  vorläufige  Teilzahlung  traktieren  könnte.
In  diesem  Fall  könnte  man  noch  über  einen  grösseren  Rest  zu  E.  M.!
Ausgaben  verfügen,  besonders  wenn  man  die  Parteien  wegen  ihrer
Restanten  anderweitig  versichert.  Dadurch  würde  auch  der  Kredit  wieder
etwas  gehoben  und  jedermann  zu  neuen  Darlehen  um  so  williger
gemacht  werden.  —  Das  begehrte  Erinnerungsschreiben  an  den  Hofkammer-Praesidenten
  ist  verfasst  und  kann  nach  E.  M.'  Unterfertigung
fortgeschickt  werden.  Doch  da  er  schon  zum  zweiten  mal  wegen  der
obigen  Verhältnisse  seinen  Dienst  resigniert  hat,  so  wird  auf  ihn  wenig
Rechnung  zu  machen  sein  sondern  wird  man  auf  Besetzung  seiner
Stelle  mit  einer  andern  Person  denken  müssen.  Kolowrat  und  Pape
mit  der  Zahlung  zu  helfen  ist  gewiss  billig,  aber  es  muss,  wie  oben
angezeigt  wurde,  mangels  der  Mittel  unterbleiben.  —  Da  durch  den
Schimpf  mit  der  „Verschaffung‘‘  [Zachs]  zum  Profosen  der  Kredit  der
Hofkammer  noch  mehr  geschmälert  worden,  die  Unmöglichkeit,  Geld  aufzubringen,
  handgreiflich  ist  und  die  Visitation  von  all  dem  Zeugnis
geben  kann,  so  bitten  wir  E.  M.‘,  uns  auf  unser  Anbringen  wegen
unserer  Pflichterlassung  ehestens  zu  bescheiden;  denn  wenn  wir  auch
bei  der  angebotenen  kaiserlichen  Gnade  den  erlittenen  Spott  bei  Seite
setzen  wollen,  so  finden  wir  doch  bei  der  Zertrennung  der  Königreiche
  und  Länder,  um  derenwillen  alle  Gefälle  ausser  aus  den  Reichspfennigmeisterämtern
  abgeschnitten  sind,  keine  Mittel,  so  lange  wir
nicht  unserer  Schulden  enthoben  sind,  E.  M.!  an  dieser  Stelle  mit

Nutzen  dienen  zu  können.  Prag  den  27.  junii  a.  1611.
Wk.,  Hoffinanzakten,  Juni  1611;  —  Kpt.  !

254.  Hippolyt  von  Colli  an  Fürst  Christian  von  Juni  28.
Anhalt.

Ich  weiss  aus  guter  Quelle,  dass  zunächst  Landgraf  Ludwig  von
Hessen  dem  Kaiser  als  Kommissar  zum  Kurfürstentag  vorgeschlagen
war;  „elle  [M.'°  imp.]  a  ray6  le  nom  de  Louys  et  y  a  mis  Maurice.“  2

—

.  "Die  drei  Räte  wurden  aufgefordert,  sich  bei  ihrem  Dienst  wieder
einzustellen  (Wh.,  a.  a.  O.,  August  1611;  Kpt.).
’  Vgl.  dagegen  unten  no.  260  und  no.  268.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Rd.  38
        <pb n="616" />
        Juni  28.

594  1611  254.

Polheim  versichert,  dass  der  König  damit  sehr  zufrieden  wäre,  da  dieser  der
Affektion  des  Landgrafen  gegen  ihn  und  das  gemeine  Wesen  gewiss
sei.  Die  Ursachen,  die  den  Kaiser  zur  Abänderung  bewogen,  sind:
1.  einen  solchen  Fürsten  auf  seine  Seite  zu  ziehen  und  2.  de
Landgrafen  Autorität  unter  denen  seiner  Religion  und  in  der  Union.
Der  Bischof  von  Speier  hat  sich  entschuldigt,  wie  Leuchtenberg  mir
mitteilt,  „le  quel  continue  tousiours  a  boire&amp;amp;  la  sant6  de  V.  Exc.;  sa  rime  est
maintenant:  undanck  in  fine  laborum.“‘  Der  Herzog  von  Braunschweig
hat  mich  ausserordentlich  freundlich  aufgenommen  und  erzählt  mir
von  seinen  Privatsachen  u.  a.,  dass  er  sich  schliesslich  vom  Kaiser  habe
überreden  lassen,  die  Würde  des  Direktors  des  geheimen  Rats
auf  ein  Jahr  anzunehmen;  allerdings  wisse  er  nicht,  ob  es  den  Kurfürsten
  und  Fürsten  angenehm  sei.1  Er  vertraute  mir  auch  an,  das
er  die  Instruktion  für  den  Kurfürstentag  verfasst  habe,?  worin  u.a  ein
Gutachten  begehrt  werde,  wie  der  Administrationsstreit  zu  schlichten
sei  und,  wenn  es  mit  einem  Schiedspruch  Schwierigkeiten  hätte,  oh
die  Kurfürsten  nicht  für  angebracht  fänden,  den  Kurerben  grossjährig
zu  erklären  und  ihm  die  Wahl  eines  Administrators  zu  überlassen,
für  welchen  Ausweg  die  meisten  geheimen  Räte  seien.  Ich  bleibe
bei  meiner  Instruktion  und  dabei,  dass  der  Kaiser  dem  verstorbenen
Kurfürsten  versprochen  hat,  das  Testament  und  den  darin  verordneten
Administrator  zu  „handhaben“,  so  lange  derselbe  sich  zu  völligem
Austrag  Rechtens  erbietet.  Ich  erachte  noch  immer  Dero  Anwesenheit
beim  Kurfürstentag  für  nötig;  man  wird  dort  sehr  verschiedene  Meinungen
treffen.  Matthias  verlässt  sich  auf  das,  was  Polheim  ihm  sagte,  dass
Sachsen  dem  Kaiser  rate,  ihn,  Matthias,  den  Kurfürsten  zum
römischen  König  vorzuschlagen.  Vielleicht  ist  dies  vor  der
böhmischen  Krönung  geschehen,  jetzt  ist  die  Stimmung  eine  ganı
andere,  —  Hohenlohe  geht  morgen  nach  dem  niedersächsischen  Kreis
wegen  der  Acht  gegen  die  Stadt  Braunschweig  ;  ich  weiss  nicht,  ob
dies  dio  Angelegenheiten  des  Kaisers  fördern  wird.”  De  Prague  ce
18.  de  jung.  —  Praes.  Heidelberg  25.  junü  1611.
Bbg,,  A  9a,  no.  107,  f.  69;  Or.  eigh.®

ı  Vgl.  no.  246.  Bodenius  berichtet  am  27.  Juni  an  seinen  Ham:
es  heisse,  dass  Braunschweig  sich  sogar  in  das  Obersthofmeisteramt  eirdrängen
  wolle.  Der  Heizer  (dessen  sich  der  Herzog  zum  Verkehr  mit  dem
Kaiser  bediente)  masse  sich  zwar  viele  Dinge  an;  doch  könne  er,  Bodenius,
nicht  finden,  „dass  solches  pro  dignitate  principis  geschicht,  er  auch  dis
werk  nicht  verstehet,  viel  weiniger  er  sich  in  solcher  confusion  befinden  al*
(Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III,  no.  26,  f.  113;  Or.  eigh.).  —  Wegen  des  Ofen
heizers  vgl.  no.  131,  S.  316,  Anm.  1.

?  Vgl.  no.  215,  S.  513,  Anm.  1.

®  Vgl.  no.  251.

*  Am  gleichen  Tag  berichtet  Colli  ungefähr  gleichen  Inhalts  an  des
Administrator  der  Kurpfalz  (Mb.,  101/4;  —  Or.  eigh.).
        <pb n="617" />
        255.  1611.  595

255.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  Papst  Paul  V.  Juni  29.

Der  gegenwärtige  Zustand  des  Reiches,  von  dem  E.  H."  ja
durch  Ihre  Nuntien  Kenntnis  haben,  scheint  mir  nun  so  gefährlich,
dass  er  mich  veranlasst,  bei  Derselben  deswegen  mein  Herz  auszuschütten.
  Zu  den  Wirren  der  verflossenen  Monate  kommt,  dass
der  Kaiser  gezwungen  wurde,  die  böhmische  Krone  niederzulegen  und
gleichwol  ist  er  noch  rings  von  Gefahren  umgeben.  Unter  denen,
die  auch  jetzt  noch  zu  ihm  halten,  sind  vor  allem  der  Herzog  von
Braunschweig  und  dann  der  Kurfürst  von  Sachsen  zu  nennen.
Ersterer  besonders  hat  versucht,  die  Krönung  des  Matthias  zu  hindern
und  steht  auch  jetzt  dem  Kaiser  fortwährend  zur  Seite  „illaque  forte
simulata  rarae  fidelitatis  specie  ita  caesaris  aniımum  et  benevolentiam
captet,  ut  ipsi  eius  intuitu  a  plerisque  imperii  principibus  ac
ordinibus  sed  etiam  a  S.'*  V.’®  et  a  rege  Hispaniae  atque  adeo  plane
a  catholicis  deseri  et  negligi  videatur  ‘eaque  propter  dominum
Brunsvicensem  ita  apud  ipsum  imperatorem  gratia  pollere  liqueat,
ut  ille  eius  consilia  omnia  ad  proprium  libitum  regere  valeat.“
Das  aber  birgt  grosse  Gefahr  in  sich;  denn  der  Braunschweiger,
unter  seinen  Standesgenossen  ein  hervorragender  Fürst,  ist  mit  den
andern  ketzerischen  Fürsten  durch  Verwandtschaft  verbunden.  „Qui
revera  ut  Saxoniae  elector  et  selectissimo  eodemque  numeroso  milite
(ad  quem  finem  ignoratur)  iam  instructus  Daniae  rex  atque  alii,  si
in  praeiudicium  catholicorum,  ut  vix  aliud  animo  pervolvunt,  coniurarent
et  postmodum  eius  ducis  opera  caesar  ad  deliberationes  et  decreta
catholicis  obnoxia  induceretur,  prout  id  certo  certius  futurum  timeo,
multum  negotii  nobis  facessere  et  adversariis  nostris  ea  ipsa,  quae
sudoribus,  impensa  et  armata  manu  hactenus  nequaquam  obtinuerunt,
nunc  gratuito  et  nullo  prorsus  labore  obtingere  possent;  ex  quibus
deinde  totale  nostri  ac  religionis  catholicae  in  Germania,  quin  et  in
vicinis  regionibus  ac  Italia  praesertim  exterminium,  imo  et  successivo
sedis  apostolicae  detrimentum  (sed  Deus  meliora)  procul  dubio  consequeretur.“
  Da  Erinnerungen  und  Mahnungen  E.  H.  sowol  an  die
geistlichen  Kurfürsten,  die  sich  nächstens  zu  Mühlhausen  i./Th.
versammeln  werden,  als  auch  an  Ihre  Nuntien  in  Deutschland  sehr
nützlich  sein  werden,  so  bitte  ich  in  obigem  Sinn  ernst  und  wiederholt
an  die  Kurfürsten  zu  schreiben,  zumal  der  Kaiser  zum  Kurfürstentag
  den  Landgrafen  Moriz  von  Hessen,  „praecipuum  propugnatorem
  Calvinae  religionis‘‘  als  Abgesandten  bestimmt  hat.  Datum
ex  civitate  mea  Monachio  die  29.  mensis  iunii  a.  1611.

Ma.,  437/10,  f.  27;  Kpt.  (mit  der  Datierung;  Juni  22),  —  f.40;  Kptkopie.!

ı  Der  Papst  dankt  in  einem  Breve  vom  23.  Juli  und  teilt  mit,  dass
die  Nuntien  entsprechende  Aufträge  erhalten  haben  und  dass  an  die  geistlichen
  Kurfürsten  geschrieben  worden  sei;  er  werde  weiteren  Anregungen
gern  genügen,  daher  möge  der  Herzog  ihm  häufig  schreiben;  „nam  prudentiae
ot  pietati  Tuaco  plurimum  tribuimus  et  iudicum  Tuum  nıaxime  facimus*
(Ma.,  427/10,  f.  2.  Or.).

—_.

38”
        <pb n="618" />
        596  1611  256.

[Zwischen  256.  Protokoll  über  einen  mündlichen  Bericht  des

Juni  30

Juli  5.]

*  Fürsten  Christian  von  Anhalt  an  den  Herzog  von

Württemberg  wegen  Günterodes  Werbung  bei  ihm.

Der  wichtige  Bericht  über  Günterodes  Werbung  bei  Anhalt  ist  im
Auszug  mitgeteilt  von  Moriz  Ritter,  Politik  und  Geschichte  der  Union  zur
Zeit  des  Ausgangs  Rudolfs  IL  und  der  Anfänge  des  Kaisers  Matthias
(Abhandlungen  der  k.  bayer.  Akademie  der  Wiss.,  III.  Cl.,  Bd.  XV.,
S.  147  f.)  —  Ich  gebe  hier  einige  Zusätze  und  Berichtigungen:

8.147,  2.14:  ist  nach  „gefolgt  hetten“  aus  Günterodes  Vortrag
noch  zuzufügen  :  der  Kaiser  habe  von  der  Anstellung  eines  Unionstages
erfahren  und  müsse  seinen  „beschwerlichen  und  unverschuldten“
Zustand  den  evangelischen  Ständen  berichten;  er  habe  ein  gutes  Vertrauen
  zu  Ansbach  und  Anhalt  und  ersuche  sie  zu  befördern  u.  s.  w.
wie  2  15.  —  Z.  1%  ist  statt  ‚‚unterlassen  werde‘‘  „verlassen
werden“  zu  lesen.  —  Z.  20:  nach  „wesen  stehen“  ist  einzuschalten:
„Solhe  Werbung  hetten  I.  M.‘  durch  den  von  Minquitz  repetieren
lassen  und  das  solches  in  geheim  geschehen  sei.“  —  Z.  21:  „kein“
statt  „‚keiner“.  Die  ganze  Stelle  wurde  misverstanden  ;  nicht  Günterode
sondern  Anhalt  spricht;  „sie“  auf  2.21  ist  I.  fl.  Gn.  d.h.  Anhalt,
der  Gfüinterode  den  obersten  Platz  an  der  Tafel  gewährt.  —  8,  148,
2.1:  ist  „person“  zu  tilgen.  —  Z.  2:  statt  „uber  schweren  listen  und
ducken“  ist  zu  lesen  „daruber  schwarzkunstler  und  bueben  [verhört].“  —
Die  folgende  Stelle  von  Z.  6  ab  lautet  in  ihrem  belangreichen  Wortlaut:
  „Derselbe  hab  mehr  einschlag  von  dem  spanischen  und
papistischen  oratorn  bekommen  und  dis  werk  komme  von  dem  hunt  [!]
dem  papst  her;  seien  spanische  practic  und  wollen  sclavanerei  [BRitter:
„gravamina“]  wie  zu  Graitz  im  reich  anfahen,  woltens  gern  uber
einen  haufen  im  reich  werfen.  Die  bohemischen  stent  weren  schwirig
mit  verlauten,  wan  es  nicht  anders  werden  wolte,  konten  sie  beim
konig  nicht  bleiben,  sonderlich  graf  von  Thurn.  Hab  konig  die  papistische
raet  behalten  als  burkgrafen  und  canzler;  Sclawaten  stell  ist  dem
von  Thurn  geben  und  er  noch  hoher  promoviert  worden,  werden  auch
sonsten  die  evangelische  nicht  promoviert.“  —  Auf  Z.  15  it
nach  „sachen“  einzuschalten:  „Hetten  I.  fl.  Gn.  dem  gesanten  gesagt:
hab  konig  allerhant  im  druck  publiciert,  welhes  ein  notturft  abzuleinen,
  alsdann  desto  [besser]  in  der  sachen  zu  raten.“

Nach  diesen  Mitteilungen  geht  aber  das  Protokoll  noch  weiter:
„Neben  diesem  haben  I.  fi.  Gn.  [Anbalt]  gemelt:  in  der  gulchischen
hantlung  mit  Sachsen  steht  die  hantlung  noch  im  weiten  wesen  ex
parte  Brandenburg  und  Neuburg,  die  ibr  aug  auf  die  churfurstin  haben.
Sachsen  bekomme  andere  gedanken;  sei  ihm  eingebildet,  andere  wolten
sie  [Anhalt],  Anspach  und  Culmbach  umb  ihr  intention  bringen.
welches  doch  nit  ist  und  konnte  unser  gn.  fürst  und  herr
[Württemberg]  wol  etwas  bei  Brandenburg  thun.  Hetten  I.  fl.  Gn.
ein  schreiben  von  Engelland  an  W.  [Württemberg  ?]  uberschickt,  darin
        <pb n="619" />
        256  —  257.  1611  597

gemelt,  wie  der  administration  zu  helfen;  hab  Anglus  befunden,  dass  [Zwischen
unioni  per  administrationsstreit  ain  stoss  geben  wurt  und  konte  Juni  30.
anders  nicht  sein  als  dass  dieser  und  gulchischen  sach  geholfen  Juli  6.]
werde  und  vorgeschlagen,  man  sol  zwischen  beiden  hantlen,  konte
die  regierung  ganz  in  geist-  und  weltlichen  Zweibrücken  gelassen
werden,  externa  als  wahl-  und  reichssachen  solten  Neuburg  bleiben
mit  erstattung  eines  recompens  in  gelte.  Welches  aber  hernacher
durch  prinz  Moritz,  churfurst  Brandenburg  [?]  verworfen,  weil  Frankreich,
  geistliche  churfursten  und  andere  Zweibrücken  intituliert,  welches
hernacher  auch  Engellant  gut  befanden.  Hab  solches  wollen  I.  fl.  Gn.
[Württemberg]  referieren,  dann  I.  fl.  Gn.  auch  in  verdacht  kommen.
Sonsten  sein  I.  fl.  Gn.  [Anhalt]  mit  Sachsen  in  gutes  vernemen  kommen
schrift-  und  mundlichen  ;  hette  Sachsen  Hans  Jorg  die  union  angezogen
und  vorgeschlagen,  dass  jemants  wegen  Churpfalz  an  kaiserlichen  hof
geschickt  wurde.  Darauf  ]l.  fl.  Gn.  den  ubelen  zustant  des  kaiserlichen
hofs,  wie  darin  von  den  räthen  gehantlet  werde  und  dass  Got  solchem
nicht  hab  lenger  zusehen  konnen,  [gemelt].  Darauf  I.  fl.  Gn.  erlangt,

dass  Hippolytus  dahin  geortnet“.
Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  118;  Protokoll  von  Fabers  Hand.!

257.  Gutachten  der  bairischen  geheimen  Räte  an  [Jwi.]
Herzog  Maximilian  wegen  einer  Korrespondenz  mit
den  Unkatholischen.

Wegen  einer  Korrespondenz  mit  den  Protestierenden
wäre  wol  zu  wünschen,  dass  unsere  Sachen  in  Deutschland  so  stünden,
dass  man  mit  jenen  gar  nichts  zu  tun  hätte.  Da  wir  aber  an  sie
wegen  des  täglichen  Handels  und  Wandels,  wegen  der  Reichs-,  Kreis-,

ı  Beglaubigung  des  Kaisers  für  Günterode  an  Kursachsen,  Ansbach,
Anhalt  und  Württemberg  vom  26.  Juni  in  Wh.,  Reichstagsakten  in  genere,
Bd.  84b;  —  Kopt.  (vgl.  no.  248).  —  Der  Bescheid  Anhalts  und  Ansbachs  für
Günterode  vom  20.;30  Juni  aus  Ansbach  steht  im  Auszug  bei  Ritter,  a.a.O.,
S.  148,  Z.  22  f;  gleichlautend  ist  Ansbachs  Schreiben  vom  gleichen  Tag
an  den  Kaiser  (Be.,  Rep.  88,  Unionsacta,  tom.  XXII.,  f.  75;  Kopie);  vgl.
auch  die  bei  Ritter  mitgoteilte  weitere  Korrespondenz.  Am  9.  Juli
schreibt  Günterode  aus  Prag  an  den  Markgrafen  von  Ausbach:  Er  hat  den
„guden  alden  herrn*  durch  die  vom  Markgrafen  und  Fürst  Christian  erteilte
Autwort  zum  höchsten  erfreut;  der  Markgraf  wird  gewiss  bei  jeder  Gelegenheit
  des  Kaisers  dankbares  Gemüt  zu  verspüren  haben;  ein  Dankschreiben
wäre  bereits  erfolgt,  wenn  nicht  der  leidige  Fall  mit  dem  Kurfürsten  von
Sachsen  dazwischen  gekommen  wäre,  weshalb  er,  Günterode,  soeben  nach
Dresden  abgefertigt  wird.  Spätestens  nach  seiner  Rückkehr  soll  der  Markgraf
vom  Kaiser  Nachricht  haben.  Alle  Sachen  lassen  sich  gemäss  dem  Diskurs  wol
an  und  wird,  wenn  der  Markgraf  nach  Prag  kommt,  alles  nach  dessen  Gefallen
geschehen  (Be.,  Rep.  88,  Unionsacta  ad  tom.  XII.,  f.  15;  Or.  eigh.).  —  Am
28.  Juli  dankt  der  Kaiser  dem  Markgrafen  noch  durch  ein  Handschreiben
für  dessen  Erklärung  an  Günterode  und  ersucht  ihn,  seine,  des  Markgrafen,
Affektion  beim  Unionstag  zu  erweisen  und  nichts  zu  unterlassen,  „was  zu
Conservation  mein  und  des  ganzen  heil.  reiche  wolstand,  hocheit  und  reputation
Immer  dienstlich“  (Be.,  a.  a.  O.,  f.  19;  Or.).
        <pb n="620" />
        [Juni.)

598  1611  257

Doputations-,  Münzprobations-  und  Kommüunikationstage  gebunden
sind  ‚und  ein  solche  connexitet  verhanden,  dass  dieselb  nit  dissolviert,
wie  auch  zu  reden,  [wir]  ohn  sie  nit  wol  leben  können‘,  zwischen  E.  D.'
und  ihnen  aber  so  gar  keine  Korrespondenz  besteht  und  Entfremdung
und  Mistrauen  sich  mehren,  als  wenn  die  Protestanten  Fremde,
Unbekannte  und  gleichsam  die  grössten  Feinde  wären,  von  denen
man  nur  Feindschaft  zu  erwarten  hätte,  so  vermeinen  wir,  dass
aus  der  Not  eine  Tugeud  gemacht  und  das,  „was  ex  se  nit  füeglich
sein  kan,  doch  ex  circumstantiis  zugelassen,  auch  dissfalss  zu  practicim,“
  nämlich:  mit  den  nächstbenachbarten  Protestanten  gute
Korrespondenz,  Frieden  und  Nachbarschaft  so  weit  einzugehen,  dass  keiner
vom  andern  feindlichen  Einfall  oder  Beschwerung  zu  besorgen  hat
und  entstehender  Misverstand  gütlich  oder  auf  dem  Rechtsweg  bei
gelegt  werden  kann,  jeder  den  andern  vor  Schaden  bewahrt  und  sich
vom  andern  guter  Nachbarschaft  versehen  darf,  ohne  dass  dabei  der
katholischen  Religion  ‚oder  den  wehrenden  controversiis‘“  ein  Nachteil
erwächst,  vielmehr  wären  diese  Dinge  an  ihren  Ort  zu  stellen.  Dadurch
würden  die  Fürsten  unter  einander  selbst  besseres  Veıtrauen  schöpfen,
die  wahre  Lage  des  Reiches  und  die  schwebenden  Schwierigkeiten
  erkennen,  „einer  den  andern  informirn,  vor  weiterung  und
gefahr  dehortirn,  auch  ratione  religionis  unzweifenlich  guete  progress
machen  können,“  was  jetzt,  da  keiner  dem  andern  traut,  gehindert  wird,
gleichwol  aber,  wenn  es  sein  könnte,  der  katholischen  Religion  mehr
Nutzen  als  Schaden  bringen  würde;  hat  doch  auch  Herzog  Albrechts
Freundschaft  mitdem  Hause  Sachsen  der  katholischen  Religion  sehr  genützt.

Auch  gehen  die  vornehmsten  Theologen  dahin,  dass,  wenn  man
die  Ketzer  nur  mit  grosser  Gefahr  ausrotten  kann,  man  es  lieber
unterlassen  und  mit  ihnen  Frieden  machen  soll,  wie  man  es  in
Frankreich  mit  den  Hugenotten  und  in  Deutschland  beim  Religionsfrieden
  gehalten  hat;  es  haben  ja  auch  die  Spanier  mit  den
Staaten,  Frankreich,  Venedig,  Spanien,  der  Kaiser  mit  den
Türken,  Persern  und  andern  Ungläubigen  Frieden  gemacht,  ohne
dass  Papst  und  Kirche  es  verdammt  hätten.  Wir  meinen  daber,
wenn  ein  solcher  Frieden,  der  niemandem  andern,  geschweige  der
katholischen  Kirche  oder  einem  katholischen  Stand  schadet  und  nur
allgemeine  Ruhe  bedeutet,  geschlossen  und  dem  Papst  vorgelegt  werden
würde,  dass  dieser  ihn  nicht  misbilligen  ‚und  villeicht  ehe  zulassen
wurde  als  dass  sie  [päpstl.  H.'‘]  selbsten  mit  dem  ja  nit  geringen  und
propter  consequentiam  wol  so  gefahrlichen  casu  frid  gemacht  und  das
eingangen,  weliches  villeicht  etliche  catholische  bei  den  uncatholischen
nit  zuelassen  und  verdammen.“

Man  wird  vielleicht  einwenden,  in  obigen  Fällen  sei  aus
Not  gehandelt  worden,  diese  sei  aber  bei  E.  fl.  D.!  nicht  vorhanden.
  Aber  wir  bedenken  dagegen,  „dass  zwar  E.  D.'  eusserlich
aut  de  facto  noch  nit  also  genottrengt,  dass  aber  dannoch  bei
den  consiliis  de  extirpandis,  oceidendis  et  mactandis  haereticis
        <pb n="621" />
        257.  1611  599

et  fide  eis  non  servanda  (wie  etliche  catholici  und  sonderlich  Schoppius
durch  ein  bedenkliches  buech,  so  er  mit  nechstem  zu  Inglstat  trucken
lassen  will,!  stark  behaubten  und  die  andern  dahin  zu  moviern  sich
befleissen)  die  uncatholische  sambtlich,  als  denen  soliche  consilia  nit
unbekant  und  dahero  aus  forcht  oder  vortl  den  vorstraich  nemen  und
die  catholische  uberfallen  können,  nit  mehr  inflamirt  und  zu  sorglichen
resolutionen,  sonderlich  wider  E.  D.‘,  Dern  sie  alles  dergleichen  zurechnen,
  bewegt  werden,  und  also,  dass  E.  D.'  in  securo  dergleichen
nicht  zu  achten,  nit  in  gefahr  stehen  oder  unvergreifliche  fridstand
und  nachbarschaft  ausschlagen  und  auf  alle  fäl  den  widerwertigen
widerstand  zue  tlıuen  bastant  seien,  können  wir  nit  glauben  oder
uns  persuadirn  lassen,  es  were  dann  dass  jemant  nit  allein  mit
discursen  in  genere  sonder  nach  beschaffenheit  der  umbstend  mit
wol  erwognen  und  wo  nit  gewissen,  doch  der  vernunft  und  gemainer
catholischer  censur  gemessnen  mediis  ein  anders  darthuen,  auch,  da
was  widerwertigs  entstehe,  notwendige  remedia  zu  abwendung  der
gefahr  subministrirn,  auch  so  wol  die  heubter  als  die  membra  dergestalt
  disponirn  kont,  dass  wür  uns  [nit]  allein  auf  miracula  und
dass  Gott  für  uns  streiten  wurde,  zu  verlassen.  So  das  geschicht,
als  dann  wür  unser  mainung  in  allweg  ändern  und  inen  beifallen,
sonsten  wür  noch  zur  zeit  auss  schuldiger  pflicht  E.  D.'  kein  anders
raten  können.“

Es  ist  auch  nicht  E.  D.:  Amt,  die  Ketzer  im  Reich  auszurotten;
  viel  weniger  vermöchten  Sie  den  Kaiser,  die  Erzherzoge,
den  Kurfürsten  von  Mainz  und  andere  Katholische  dazu  zu  überreden.
Ist  dies  also  bei  denen,  denen  es  obliegt,  nicht  zu  erreichen,  so  sehen
wir  nicht,  wie  ein  einzelner  Stand  den  Schwall  aufhalten  und  allen
Unwillen  und  Gefahr  auf  sich  laden  solle  „in  sonderbarer  erwegung,
wann  denselben  durch  ein  zeitliche  fridliche  guete  nachbarschaft  alle
die  unverantwortliche  thetligkeit  ausszuschliesssen  und  den  weg  zu
mehrerm  gueten  zu  pauen  citra  cuiuscumque  praeiudicium  et  in
nullius  damnum  in  etwas  remedirt  werden  kan  und  machen  wür  —
secundum  proportionem  tamen  —  zwischen  der  gefahr,  die  E.  D.'  von
den  uncatholischen  wegen  der  diffidenz  und  täglich  mehr  entstehenden
consiliis  de  extirpandis  haereticis  angetroet,  und  weliche  dem  konig
in  Hispania  zur  zeit  dess  nechst  geschlossnen  fridens  auf  dem  hals
gelegen,  geringe  differenz  in  erwegung,  dass  des  konigs  in  Spania
macht  damals  nit  so  schlecht  gewest  [und]  wann  er  dieselb  völlig  wider
die  Staaden  anwenden  wöllen,  er  vermuetlich  denselben  bösser  als

I  Vgl.  über  Scioppius  (Kaspar  Schopp)  A.  R.  Raess,  Die  Convertiten
seit  der  Reformation,  IT,  8.395  f.,  H.  Kowallek,  Ueber  Gaspar  Scioppius
in  den  Forschungen  zur  deutschen  Geschichte,  XL,  8.  403  f.,  Briefe  und
Akten,  V.,  8.  914,  Anm.  7  und  Allgemeine  Deutsche  Biograpbie,
3.Bd.,  8.479  f.  Das  Buch,  dessen  die  Räte  gedenken,  wird  wol  der  1611
gedruckte  „Ecclesiasticus*  gegen  König  Jakob  1.  von  England  sein;  als
Druckort  ist  aber  nicht  Ingolstadt  sondern  „Hartbergae“  angegeben,  welchen
Namen  schon  das  pariser  Parlament  als  fingiert  erkannt  hat.

[Juni.]
        <pb n="622" />
        600  1611  257.

(Juni)  E.  D.‘  den  uncatholischen,  weliche  obangeregter  massen  E.  D.!  quocunque
  modo  begegnen  können‘;  aber  auch  Spanien  hat  nicht  für
ratsam  befunden,  seine  ganze  Macht  aufs  Spiel  zu  setzen  und  heber
einen  Teil  gerettet  und  mit  Verlust  zeitlicher  und  weltlicher  Güter
Frieden  gemacht.  Da  aber  solche  erneute  Korrespondenz  mit  den
Protestanten  beim  Haus  Oesterreich  und  beim  Kaiser,  wenn  sie  daren
erfahren  und  wol  von  den  Protestanten  selbst  in  Kenntnis  gesetzt
werden,  „inmassen  nechst  wider  das  passauische  volk  geschechen,”
neuen  Verdacht  erregen  würde,  als  entspringe  sio  nur  dem  Hass  geger.
das  Haus  Oesterreich  wegen  der  Praezedenzsache!  und  um  ihm
Abbruch  zu  tun,  so  wäre  die  „unvorgreifliche“  Korrespondenz  mit
etlichen  Unkatholischen  nicht  eher  anzustellen  als  bis  die  Praezeden:-sache
  mit  Oesterreich  verglichen  und  dies  Haus  von  E.  D.:  Vorhaben
etwas  benachrichtigt  ist,  damit  es  nicht  widrige  Gedanken  schöpft.
Geschieht  es  dann  dennoch,  so  hat  man  sich  daran  nicht  zu  kehren,  „da
dergestalt  wol  alle  E.  D.'  actiones  inen  suspect  sein  und  E.  D.*  gar
nit  Irer  gelegenheit  nach  handlen  mechten.“

„Vor  allen  dingen  wöllen  wür  unser  underthenigste  erclerung
(dass  wür  E.  D.'  hierin  nit  mass  oder  ordnung  geben,  etwas  der
catholischen  religion  zu  nachtl  raten,  beharren  oder  [als]  diejenig:
angesehen  sein  wöllen,  die  dem  gewissen  zuwider  allein  das  zeitlich
und  politisch  in  acht  nemen)  widerholen“;  und  da  es  sich  um  eine
Gewissenssache  handelt,  die  künftig  vielleicht  anders  ausgelegt  werdea
könnte,  so  halten  wir  für  nötig,  dass  E.  D.‘  über  beide  Fragen
Dero  Theologen  hören  und  die  Korrespondenzsache  "auch  beim  Papst,
von  dem  die  Gewissens-  und  Religionssachen  abhängen,  anbringen  und
dessen  Bescheid  erwarten.  Zunächst  muss  aber  die  Vorfrage  gelöst
werden  nämlich,  ‚‚obwol,  wie  E.  L.'  wissen,  fast  alle  catholische  stend
bekennen,  dass  der  religionfriden,  wegen  dass  er  einmal  also  g#
schlossen,  festiglich  zu  halten  und  gleichsam  ein  regula  im  röm.  reich
sein  soll,  entgegen  aber  etliche  catholische  der  mainung  sein,  besagter
religionfriden  könne  gewissens  halber  nit  confirmirt  werden,  aucı
die  catholische  denselben  lenger  zu  halten  nit  schuldig,  bis  sie  aa
gelegenheit  haben,  denselben  mit  fortl  zu  brechen,?  diss  auch  de
uncatholischen  gar  wol  bewust  ist,  so  kann  es  nit  wol  anderst  sein.
wann  man  mit  ein  oder  mehr  uncatholischen  correspondenz  mache
will,  es  werde  soliche  correspondenz  auf  den  religionfriden,  das
man  denselben  halten  wölle,  beruen  und  vast  in  principio  dis
erclerung  ut  fundamentum  beiderseits  geschechen  müessen.  Wovem
aber  die  herrn  theologi  ein  anders  schliessen  und  man  sich  geges
den  uncatholischen  nit  also  erklern  sonder  etwan  subtilisirn,  aegu-1

  Es  handelte  sich  bei  diesem  Streit  um  den  Vorrang  der  Erzherzog
von  Oesterreich  vor  den  regierenden  Herrn  von  Baiern  und  um  die  Zr
erkennung  des  Titels  „fürstliche  Durchlaucht*  von  seiten  des  Kaisers  =
den  Herzog  von  Bayern.

’  Vgl.  Briefe  und  Akten,  IV.,  147  und  V.,  Register  unter
„Beligionsfriede,  Giltigkeit*“.
        <pb n="623" />
        257  —259.  1611  601

vocirn  oder  mit  der  sprach  nit  recht  herauss  soll  oder  wöll,  so  were
es  vil  ratsamer  und  besser,  mit  inen  alles  zu  underlassen  als  durch
ein  soliohes  tentamen  die  suspiciones  zu  confirmirn,  die  difidenz  zu

mehrn  und  sie  weiters  zu  irritirn.“  O.  D.!
Mo.,  Entstehung,  Fasz.  I.,  no.  10,  f.  227;  Kopie.

258.  Rudolf  II.  an  den  Landgrafen  Moriz  von  Hessen.

Von  E.L.  Erklärung  wegen  der  anbefohlenen  Kommission  [beim
Kurfürstentag]  unterrichtet?,  teilen  wir  E.  L.  mit,  dass  wir  ausser
den  drei  spezifizierten  Punkten  noch  folgende  zur  Beratung  der  Kurfürsten
stellen  werden:  1.  wie,  da  wir  hier  nicht  länger  bleiben  wollen,  unser  Abzug,
Residenz  und  Unterhalt  im  Reich  anzustellen  sei?  2.  wie  dem  kurpfälzischen
Administrationsstreit  abgeholfen  werden  könnte?  3.  wie  bei  der  Belohnung
unseres  Bruders  die  Hoheit  des  Reiches  in  Acht  genommen  und  den
eingerissenen  Unruhen  und  den  daraus  entstandenen  Ungelegenheiten
vorgebaut  werden  könnte?  4.  wollen  wir  auch  noch  das  Gutachten
der  Kurfürsten  wegen  der  jüngsten  gütlichen  Verhandlungen  zwischen

uns  und  unserm  Bruder®  hören.  Prag  den  1.  julii  1611.
Ma.,  39,22,  1.148;  Kopie.

259.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich.

„Jay  receu  lundy  27°  de  juin  avec  les  lettres  du  roy  et  de
V.  M.%  pour  l’empereur  et  le  roy  de  Hongrie  celles  qu’il  Luy  a  pleu

ı  Das  Gutachten  hängt  offenbar  mit  don  von  Pfalz-Neuburg  und
Württemberg  betriebenen  Verhandlungen  zur  Herstellung  des  Vertrauens
im  Reich  zusammen  (vgl.  no.  119,  no.  179  und  no.  236);  wegen  der  Erwähnung
  des  passauer  Kriegsvolks  wird  es  in  die  erste  Hälfte  des  Jahres  1611
zu  setzen  sein;  vielleicht  steht  das  Gutachten  in  Beziehung  zu  der  geplanten
und  dann  unterbliebenen  Schickung  des  Pfalzgrafen  August  von  Neuburg
nach  München.

*  Der  Landgraf  hatte  die  Uebernahme  der  Kommission  an  die  Bedingung
  geknüpft,  dass  ihm  die  Punkte  der  künftigen  Proposition  mitgeteilt
würden  (vgl.  no.  215,  8.  509,  Anm.  1),  worauf  ihm  der  Kaiser  die  Abschrift
seines  Schreibens  an  Kurmainz  (no.  219)  zusandte.e  Am  15./25.  Juni  erklärte
  sicb  der  Landgraf  zur  Uebernahme  der  Kommission  endgiltig  bereit,
da  die  Hauptpunkte  der  Proposition  für  Kaiser,  Kurfürsten  uud  Reich  gleich
wichtig  seien;  aber  in  dem  Schreiben  an  Kurmainz  sei  noch  die  Generalklausel
  „auch  schliesslich  von  andern  mehrern  Sachen“  enthalten;  derenwegen
bitte  er  um  genaueren  Bericht  (3Mta.,  547/14,  f.  103;  Kopie).

®  Wegen  dieser  neuerlichen  Verhandlungen  vgl.  die  bei  Hammer-Purgstall,
  Khlesls  Leben,  II.,  Urkundensammlung  unter  no.321,  313  und  314
abgedruckten  Aktenstücke,  die  die  letzte  Phase  der  Verhandlungen  zwischen
den  Brüdern  einleiten.  Ihretwegen  sollte  auch  noch  der  Reichshofrat  Gottfried
Hertel  an  die  Kommissarien  zum  Kurfürstentag  abgeordnet  werden,  um  sie
von  dem  veränderten  Stand  der  Dinge  zu  unterrichten  (Rudolf  II.  an  seine
Kommissarien  am  6.  Juli;  Wh.,  Reichstagsakten  in  genere,  Bd.  84b;  —  Kpt.);
wegen  der  Verschiebung  des  Kurfürstentags  unterblieb  diese  Schickung.

*  Obiges  Schreiben  teilt  der  Landgraf  am  4./14.  Juli  an  Kurmainz
nit  (Wmz.,  BReichstagsakten,  Bd.  104,  no.  101;  Or.),  der  am  18.  davon
die  andern  Kurfürsten  verständigt  (Ma.,  39/22,  f.  146;  Kopie  des  Schreibens
an  Kurköln).

[Juni.]

Juli  1.

Juli  2.
        <pb n="624" />
        Juli  2.

602  1611  259.

me  faire  escerire  l’onziesme  et  le  douziesme  du  mesme  mois,  par
lesquelles  Elle  me  commande  de  faire  un  voyage  en  France,  suivant
le  desir  qu’en  a  monstre  ledict  s.”  empereur.  Je  le  luy  feis  scavoir
incontinent  par  celuy  qui  m’avoit  apport6  son  billet,  et  que  pour
tenir  la  chose  couverte,  je  demanderois  audience  par  la  voye  ordinaire
pour  les  luy  presenter,  si  tant  est  qu'il  perseverast  en  sa  premiere
volonte  de  m’envoyer  vers  V.  M.',  d’autant  que  s’il  l’avoit  changes,
il  ne  seroit  besoing  de  luy  presenter  lesdictes  lettres  ny  de  le  molester
d’audiencee.  L’on  me  rapporta,  que  ceste  nouvelle  luy  avoit  est&amp;amp;  fort
agreable,  desirant  plus  que  jamais,  que  je  face  ce  voyage,  que  je
demandasse  hardiement  audience  et  que  jy  serois  tost  admiz.  Ce
neantmoins  je  suis  encores  l’attendant  et  ne  scay,  quelle  peut  estre
la  cause  de  ce  retardement,  si  ce  n’est  qu’il  veult  voir  premierement.
quel  train  prendra  le  trait6  d’accord  d’entre  luy  et  ledict  s.”  roy  de
Hongrie  qui  feust  hier  recommance.!  V.  M.t  se  resouviendra  bien  de
ce  que  je  luy  escrivuis  par  mes  precedentes  du  25°  dudict  mois  de  jain,
que  l’ambassadeur  d’Espagne,  reconnoissant  combien  la  conclusion
d’iceluy  importe  a  l’avancement  des  desseins  de  son  maistre,  travailloit
tant  qu'il  luy  estoit  possible,  poar  le  renouer.  Il  en  est  en  fin
venu  a  bout  avec  soupcon  d’avoir  par  dons  et  promesses  corrompa
un  qui  a  l’oreille  de  l’empereur  pour  y  faire  condescendre  S.  M.'‘  imp.,
a  laquelle  on  auroit  represente,  que  cola  ne  prejudiciera  aucunement
a  la  part  et  communication  qu'elle  veult,  que  les  electeurs  ayent  de
cet  affaire,  puisque  ce  qui  se  fait  n'est  que  pour  les  soulager  de
peine  et  qu'on  leurs  reserve  l’accommodement  des  pointz  qui  seront
les  plus  difficiles,  si  aucuns  y  en  a,  avec  l’entiere  approbation  et  confirmation
  de  ce  qui  se  traite  maintenant.  Les  deputez  pour  ledict
8."  empereur  sont  ledict  ambassadeur,  les  barons  Ernst  de  Molard  et
Abraham  de  Dona  et  le  s.”  Wacker  et  pour  ledict  s.”  roy  l’evesque
Glezel,  les  barons  de  Meckaw  et  de  Kain  et  le  s.”  de  Kremberg  qui
tous  s’assemblent  en  la  maison  dudict  s."  ambassadeur.  J’enten  que
la  premiere  proposition  de  la  part  de  l’empereur  a  est6,  que  devant
toute  autre  chose  l’on  oste  les  gardes  qui  sont  dedans  et  dehors  le
chasteau,  afın  qu'il  ne  semble  estre  captif,  a  quoy  auroit  este
respondu,  qu’elles  ne  sont  pour  le  reserrer  ou  avoir  l'oeil  sur  s&amp;amp;
personne,  ains  pour.  la  seuretö  dudict  8."  roy,  lequel  ne  peut  faire  de
moins  en  un  payz,  ou  il  est  nouvellement  estably  et  n’agueres  tout
remply  d’armes,  et  que  cet  article  estant  vuyd6  l’on  reprendra  cent
qui  avoient  este  miz  en  avant  devant  le  couronnement  dudict  3."  roy.
Je  ne  saurais  encores  bien  aflermer,  s’ilz  traitent  a  bon  escient  on
si  lediet  ambassadeur  tachant  de  terminer  ces  affaires  a  l’advantaze
dudict  s.”  roy  et  de  son  maistre,  l’empereur  y  a  consenty  seulement
pour  gagner  temps,  pendant  qu’il  dresse  ses  pratiques;  mais  quoy
qu'il  en  soit,  je  ne  partiray  point  legerment  d’iey,  s’il  ne  m'en  fait

ı  Vgl.  no.  258,  8.  601,  Anm.  3.
        <pb n="625" />
        259  —260.  1611  603

instance  et  si  je  n'ay  une  bonne  instruction  en  main  pour  informer
suffisamment  et  esclaircir  V.  M.'  de  son  dessein.  De  Prague  le
2  juillet  1611.“

Nachschrift:  „Ainsy  que  j’escrivois  mon  autre  lettre,  l’empereur
m’a  fait  appeller  a  l’audience.  En  icelle  je  luy  ay  represents,  que
non  obstant  que  le  roy  et  V.  M.'  eussent  bien  desire  que  je  feusse
demeur6  par  deca  pour  donner  continuellement  adviz  a  Voz  M.'”
de  son  estat  et  bon  portement  en  ces  occurrences,  toutesfoys  preferant
son  service  et  contantement  au  Leur  propre,  Elles  m’auroyent  permiz,
pour  luy  complaire,  de  faire  un  voyage  en  France;  a  cet  effet
qu’Elles  m’avoyent  envoy6  des  lettres  en  la  forme  qu’il  verroit,  pour
couvrir  le  vray  subject  de  mondict  voyage,  et  qu’Elles  m’avoyent
commande,  en  les  luy  presentant,  de  l’asseurer  qu’Elles  entendront
tousiours  fort  volontiers  ce  qui  pourra  servir  a  sa  grandeur  et  conservation,
  pour  plusieurs  respectz  et  particulierement  pour  la  confiance
qu’il  monstra  d’avoir  en  Elles,  m’enchargeant  sur  tout  de  m’en  aller  bien
instruict  de  son  intention,  afin  que  en  estans  bien  informeez,  Elles
se  puissent  plus  facilement  resouldre  sur  ce  qui  Leur  sera  propos6
de  sa  part.  Il  m’a  respondu  avec  une  chere  et  contenance  plus
gaye  que  je  ne  luy  ay  jamaits  veu,  qu'il  recevoit  une  grande  consolation
  de  la  bonne  volonte  que  Voz  M.'*“  Iuy  tesmoignent,  qu’il
Leur  en  est  infiniment  obligö  et  que  de  son  coste  il  y  correspondra
avec  autant  d’affection  et  de  sincerit6  qu’Elles  en  demeureront  satisfaictez,
  qu’il  penseroit  et  se  resoudroit  au  plustost  sur  ce  qu’il  Leur
faire  scavoir  par  moy,  afin  que  je  sois  bientost  de  retour  et  que  je
Les  saluasse  cependant  de  sa  part,  se  reservant  pour  le  surplus  a  ce
qu'il  me  dira  ou  fera  dire  devant  mon  partement,  duquel  j'advertiray
V.  M.'‘  autant  que  je  jugeray  que  mes  lettres  pourront  arriver
devant  moy.  De  Prague  ce  2.°  de  juillet  1611.“

Pa.,  Coll.  Harlay,  no.  238,  vol.  XIl.,  f.  211;  Or.  eigh.!

260.  Bongars  an  den  Staatssekretär  Villeroy.

„Mr.  le  landgrave  m’a  depuis  fait  scavoir  ce  que  je  n’avois
lors  que  d’un  advis  particulier,  que  l’empereur  par  lettre  de  sa  main
luy  deferoit  la  principale  commission  pour  assister  de  sa  part  &amp;amp;
l’assembl6e  electorale,  pour  laquelle  il  recevroit  l’instruction  sur  le
lien  des  mains  des  8,”  Minckwitz,  Westernach  et  Pflug,  ses  conseillers  ;
qu’a  la  reception  de  ceste  depesche  il  auroit  creu,  qu’on  se  seroit
abuss  &amp;amp;  la  suscription,  le  prenant  pour  son  cousin  de  Dermstat,
jJusques  a  la  recharge  apportee  par  un  sien  secretaire  qui  auroit  est6

1  Der  erste,  wie  ee  scheint,  der  Verdacht  wegen  der  Beziehungen  Rudolfs
zu  Baugy  schöpfte,  war  Vischere,  der  am  9.  Juli  seinem  Herrn  von  dieser
Audienz  und  der  bevorstehenden  Abreise  Baugys  mit  der  Bemerkung  schreibt:
„ob  er  geschickt  wird  oder  abgefordert  ist,  habe  ich  noch  nit  erfahren
können*  (Bre.,  Secröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  103;  Or.  eigh.).

Juli  2.

Juli  2,
        <pb n="626" />
        604  1611  260.

Juli  2.  a  Prague  pour  ses  affaires,  laquelle  l’auroit  ost6  de  doute.!  TI  die
differer  d’en  avertir  leurs  M.'”,  pour  ne  leur  pouvoir  rien  escrire  de
certain  ny  du  suject  de  l’assembl6e  ny  de  sa  resolution  en  ceste
commission,  avoir  fait  responce  a  l’empereur,  que  les  points  sur
lesquelz  se  fait  ceste  assemblde  luy  estants  communiquez,  s'il  =
cognoist  capable  de  les  traiter,  il  tiendra  ceste  charge  &amp;amp;  honneur  et  y
servira  l’eımpereur  et  l’empire;  dict  aussy  avoir  recogneu  des  depesches
de  leurs  M.“*  quelles  desirent  la  conservation  de  l’empereur,
qui  le  fait  pancher  du  costö  de  ceste  commission,  croyant  y  pouvoir
faire  chose  agreable  a  leurs  M.'“  L’empereur  luy  a  ajouit  l’eresque  de
Spire,  homme  d’esprit  et,  comme  on  dict,  modere.  Il  est  nouvean  et
ne  sgay,  si  on  l’a  encores  bien  rerogneu.  Le  roy  Mathias  y  envoye
le  baron  Erasme  de  Starremberg.”  Vous  scavez,  Monsieur,  que  ledict
roy  ne  satisfait  pas  a  l’esperance  de  ses  Bohömes  en  l’establissement
des  haults  officiers  de  sa  couronne.  Le  duc  de  Brunswic  a  pris
pour  un  an  la  charge  de  grand  maistre  de  la  cour  imperiale  au  lies
du  landgrave  de  Leuchtenberg  qui  a  son  conge  et  une  recompense
de  deux  cents  mille  tbalers.  Monsieur  l’administrateur  par  le  conseil
de  Mayence  se  resoult  d’aller  en  personne  &amp;amp;  ladite  journse  electorale,
estant  celle  de  l’union  du  tout  retardde  par  la  longueur  de  Brandenbourg.

Les  princes,  Monsieur,  que  Vous  dites  croire  leurs  affaires  asseurses
par  la  division  de  la  maison  d’Austriche,  n’ont  pas  mesnag6  leur
avantage  et  sont  a  mon  advis  plus  empeschez  qu’asseurez.  J’ay  pris
la  hardiesse  d’escrire  au  landgrave  Maurice  de  Hessen  et  a  quelqgues
autres,  qu’ilz  devroient  regarder  a  meliorer  leur  condition  laquelle  me
sermbloit  empir&amp;amp;e  par  l’advancement  du  roy  de  Hongrie  de  la  facon
qu'il  c’est  pass6,  et  chercher  le  moyen  de  couper  au  roy  d’Espagne
de  l’esperance  de  ceste  succession  laquelle  chargeroit  l’Allemagne
d’un  joug  estranger  inevitable  mesmes  avec  quelque  apparence  de  raison.

Je  ne  puis  assez  m’estonner  du  roy  d’Angleterre  qui  dort  si
fort  ou  se  divertist  si  bien,  qu'il  ne  void  et  ne  sent  ce  qui  &amp;amp;
remue  a  l’entour  de  luy.

Je  rechargeray  l’advis  port6  par  celle  qu'il  Vous  a  pleu  m’escrire
le  XVI  du  passe.  J’ay  assez  de  tesmoings  et  nommement  wonsisur
de  Buwinckhausen,  que  depuis  le  mois  de  septembre  j'ay  presche,
qu’on  negligeoit  trop  l’empereur  lequel,  combien  qu’il  enst  trop
neglig6  l’empire,  devoit  toutes  fois  estre  conserv6,  si  Don  pour  un
bien  au  moins  contre  un  mal.  Ilz  ont  laiss6  passer  le  roy  de  Hongrie
et  les  Bohemiens  bien  avant  pour  pouvoir  rentrer  de  bonue  grace
en  ce  jeu.  Ceulx  cy  sont  a  ceste  heure  les  eslectenrs  de  l’ompire  qui
leur  donnent  un  roy  des  Romains,  qu'ils  ne  peuvent  refuser  sans
tomber  en  trop  d’autres  faultes.  Ce  silence  envers  leurs  M.'“  lear

ı  Vgl.  no.  254.
’  Vgl.  no.  266.  Bei  dem  unrichtigen  Vornamen  Starbembergs  hat
Bongars  offenbar  der  des  Tschernembl  vor  Augen  geschwebt.
        <pb n="627" />
        260  —  261.  1611  605

est  un  mal  ordinaire,  une  finesse  grossiere  laquelle  leur  fera  du  mal.
M.'  le  landgrave  m’avoit  fait  une  depesche  apres  l’accord  de  Guterboch
laquelle  a  este  perdue,  qui  n'est  pas  chose  nouvelle.e  Je  Pense
toutesfois,  Monsieur,  Vous  avoir  dict  ce  qui  est  de  ce  traict6  la,  qni
est  en  efiect  peu  de  chose  et  de  peu  d’asseurance,

Le  cercle  de  la  basse  Saxe  s’assemble  a  Halberstat,  ville  episcopale
  du  duc  de  Brunswic,  le  V  de  ce  mois;  le  comte  de  Hohenzollern!
  et  Minckwitz  y  doivent  assister  de  la  part  de  l’empereur
pour  traiter  entre  ledict  duc  et  la  ville  de  Brunswic  et  selon  qu’il
leur  reussira  proceder  au  ban.

Le  roy  de  Dennemarc,  regardant  l’assiette  de  Calmar  entre  deux
capitaines,  a  estö  tir6  de  la  place;  le  coup  a  porte  sur  un  des
capitaines  et  l’a  emport£.

Je  vous  supplie  tres  humblement,  Monsieur,  de  vouloir  excuser
mes  tres  mal  digerdes;  les  incommoditez  du  corps  reverberent  sur
l’esprit.  De  Strasbourg  le  2  de  juillet  1611.“

Pa.,  Ooll.  Harlay,  no.  18  880;  Or.

261.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

Zuniga  hat  mir  mitgeteilt,”  „dass  er  E.  fl.  D.'  noch  den
25.  [Juni]  I.  kgl.  M.*  schriftliche  submission  zu  der  guetlichen
handlung,  welche  zwischen  beiderseits  des  kaisers  und  königs  räte
furgenommen  werden  soll,  zugeschickt  habe  und  sein  darauf  von

I.  ksl.  M.'  der  Don  Balthazar  de  Zuniga  selbst,  der  Ernst  von  Molart,

Abraham  von  Donau  und  der  Dr.  Wacker  verordnet  worden,“  von  seiten
des  Matthias  Khlesl,  der  Oberstkämmerer  Meckau,  Khuen  und  Krenberg.
  —  Am  27.  liess  ich  auf  Rat  Zunigas  und  Mollarts  dem  Kaiser
durch  Pıoskofsky  anzeigen,  da  er  mir  immer  noch  keine  Audienz  gebe,
müsste  ich  solche  vorher  bei  Matthias  suchen.  —  Am  29.  ass  ich
mit  dem  kurpfälzischen  Gesandten  Hippolyt  a  Collibus  bei  Ernst
von  Mollart.  Soviel  ich  vernahm,  soll  Colli  hauptsächlich  die  Anerkennung
  des  Pfalzgrafen  von  Zweibrücken  als  Administrator  betreiben.
„Er  saget  auch,  das  er  befehligt  sei,  im  namen  der  ganzen  heidelbergischen
  regirung  I.  ksL  M.!  zue  raten,  das  sie  sich  aus  diser
kron  ins  reich  begeben,  mit  der  vertröstung,  das  I.  ksl.  M.'  ein
ansehnliches  deputat  verordnet  werden  soll.  Wie  rat-  und  heilsam
solches  aber  dem  haus  Oesterreich  sein  wurde,  werden  E.  fl.  D.!  hochvernunftig
  wol  nachdenken  kunnen.‘‘  —  Am  30.  haben  die  Verhandlungen
zwischen  den  kaiserlichen  und  königlichen  Verordneten  begonnen.
Am  selben  Tage  ist  dem  Landgrafen  von  Leuchtenberg  ein  „decretum
dimissionis“  durch  Mollart  zugestellt  worden.  Der  Kaiser  bietet  dem
Landgrafen  ausser  einem  auf  20  000  Taler  geschätzten  Haus  mit  Hof,
das  er  ihm  früher  geschenkt  hatte,  60  000  fl.  als  Verehrung  und

ı  Verwechslung  mit  Hohenlohe.

Juli  2°

Juli  2.
        <pb n="628" />
        Juli  2.

Juli  3.

606  1611  261  —262.

2000  fl.  jährlich  als  Pension;  Leuchtenberg  verlangt  jedoch  100  000
und  5000  fü.  —  Am  28.  ist  Graf  Hohenlohe,  am  30.  Minckwits
nach  Braunschweig  abgereist.

Am  1.  Juli  hatte  ich  morgens  um  acht  Uhr  Audienz  bein
Kaiser  und  zeigte  diesem  an,  ich  sei  entsendet,  weil  bei  den  Irrungen
zwischen  dem  Kaiser  und  Matthias  Sachen  vorkämen,  „darunter
E.  fi.  D.*  villeicht  für  Ihre  person  auch  eins  und  anders  dem  wesea
zu  gueten  sowol  zu  Ihrer  eignen  notturft  einzuwenden  haben  möchten.“
Sehr  zurückbaltend  habe  ich  dem  Kaiser  auch  E.  fl.  D.'  Beileid
angedeutet,  weil  ich  gehört  hatte,  er  sei  unwillig,  dass  keiner
seiner  Brüder  und  Verwandten  ihm  kondoliert  habe.  Der  Kaiser  antwortete
  sehr  freundlich,  freute  sich,  dass  ich  eine  Zeit  lang  in  Prag
bleiben  wolle  und  versprach,  mich  jeder  Zeit  zu  hören.  Nach  mir
hatte  der  kurpfälzische  Gesandte  Audienz,  dem  der  Kaiser  durch
Wacker  antworten  liess.

Am  2.  batte  ich  Audienz  bei  Matthias,  bei  welchem  ich  das  gleiche
Anbriogen  wie  beim  Kaiser  tat  und  daran  anknüpfend  über  meine
Verrichtung  bei  den  geistlichen  Kurfürsten  Mitteilung  machte.  Matthias
bedankte  sich  sehr  und  versprach,  auf  die  Beschwerden  der  Kurfürsten
über  sein  Verfahren  antworten  zu  wollen.  Prag  den  2.  juliı  1611.

Bre,,  Seoröt.  d’Allem.,  no.  95,  f.  92;  Or.  eigh.
262.  Zuüiga  an  König  Philipp  I.

Schickung  Collis  nach  Prag.  ,„Y  pienso  que  lo  alcancara  tode,
porque  corre  hera  en  el  emp.”  que  muestra  fiar  mucho  en  los

“  principes  protestantes,  como  se  ha  visto  en  aver  nombrado  a  lantzgravio

  Maurigio  de  Assia  por  su  diputado  para  tratar  con  los  electores
y  en  tratar  de  echar  de  aqui  a  lantzgravio  de  Leytemburg  que  &amp;amp;
catolicco  su  mayordomo  mayor  y  director  del  consejo  secreto  y  de
encaxar  en  estos  puestos  al  duque  de  Brancuig;  es  negogio  este  que
le  tiene  con  sumo  cuidado,  y  aunque  se  ha  hecho  lo  posible  por
desviallo,  no  ha  sido  posible  hasta  agora.  Tiene  un  ayuda  de
camara  italiano  y  grande  astrologo  1  que  es  todo  el  gouernalle.  En
este  punto  me  dan  grandes  esperancas  de  que  no  tendra  effecto  la
provission  de  Brancuig,  aunque  se  vaya  el  lantzgravio  que  entra
a  Ernesto  de  Mollart  que  es  buen  catolico  y  muy  criado  de  V.  M%;
pero  cada  ay  novedades.

i  Vielleicht  meint  Zuniga  den  kaiserlichen  Kammerdiener  Johan
Ericius,  der  Tengnagels  Diener  gewesen  war  und  wie  Vischere  zu  erzählen
weiss,  „propter  professionem  mathematicam  vil  bei  I.  M.!  gilt“  (Vischere  aa
Erzherzog  Albrecht  am  4.  Juli;  Bre.,  Secret.  d’Allem.,  no.  95;  f.  92;  Ur.
eigh..,.  Am  13.  August  berichtet  Vischere  von  Ericius’  Tod,  worüber  Brans

weig  sehr  bestürzt  sei,  „dan  er  durch  ihn  fast  alles  beim  kaiser  nogoeirt
hat®  (Brs.,  a.  a.  O.,  f.  130;  Or.  eigh.)..  Nach  Bodenius’  Bericht  soll  «
auch  Ericius  gewesen  sein,  der  den  Kaiser  abhielt,  sich  dem  neuen  Vergkei
mit  Matthias  zu  bequemen,  und  der  zur  Abreise  riet  (Bodenius  an  Hersog
Maximilian  am  9.  Juli  aus  Prag;  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  IIL,  no.  26,  f.  119;
Or.  eigh.).  —  Ericius  war  aber  ein  geborener  Hamburger  und  calvinisch.
        <pb n="629" />
        262.  1611  607

El  otro  dia  embio  el  rey  dos  de  su  consejo  secreto  a  Tepräsentarme
  una  duda  que  se  le  ofresia,  pidiendome  pareger  sobre  ella,
y  era  que  aviendo  el  emp.”  nombrado  por  cabeca  de  sus  diputados,
que  han  de  yr  al  convento,  a  lantzgravio  Mauricio  de  Assia,  que  le
paregia  cosa  muy  considerable,  si  le  convendria  0  no,  embiar  al
marques  de  Bada,  principe  protestante  y  de  aquella  mesma  liga,  por
cabeca  de  sus  diputados  al  mesmo  convento.  Yo  les  dixe  que  se
entendia,  que  la  election  que  avia  hecho  el  emp.”,  seria  muy  odiosa
a  los  electores  eclesiasticos  y  pareceria  muy  mal  generalmente  a  todos
los  principes  catolicos  y  que  no  era  bien  imitar  lo  que  no  era  bueno
y  que  tenia  por  de  menos  inconveniente  embiar  personajes  de  menos
autoridad  que  no  meter  el  rey  en  negocios  tan  importantes  a  principes,
que  yo  esperava  que  podria  yr  alla  y  que  mi  intento  principal  no
era  otro,  sino  persuadir  a  los  electores  a  quo  fuesen  buenos  medianeros
entre  el  rey  y  el  emp.”,  para  que  el  rey  le  tuviese  como  a  padre  y
S.  M.d  cesarea  le  favoreciesse  como  a  hijo,  y  adelantase  sus  cosas.
Con  esto  se  quietaron  deste  pensamiento  de  embiar  al  marques  de
Bada  y  mostraron  gran  contentamiento  de  que  yo  tratase  de  yr.!

Tengo  escrito  aV.M.“  el  cuydado  con  que  estava  de  concordar
al  senor  archiduque  Leopoldo  con  el  rey  y  el  desseo  que  tenia  de
que  $.  A.  efectuase  el  viage  de  Espana  y  como  en  conformidad  de
lo  que  V.  M.@  me  avia  mandado,  le  avia  aprobado  su  pensamiento
de  ponerle  por  obra.  Ha  muchos  dias  que  escrivi  a  8.  A.  con  Antonio
Miravalo,  su  gentilhombre  de  la  camara,  el  qual  tarda  demasiado
en  bolver,  y  por  diferentes  vias  tengo  avisos  de  que  el  senor  archiduque
  no  se  sosiga,  que  cierto  me  da  mucha  pena  por  su  parte,  que
por  lo  demas  despues,  que  se  despidio  la  gente  esta  en  estado  que
aunque  parece  pueda  hazer  poco  bien  ni  mal,  pero  todavia  desseo
sumamente  se  aquiete.  Es  el  senor  archiduque  canonigo  de  Salzburg
y  haze  bablado  muchas  vezes  de  que  en  caso  de  vacante  podia  tener
accion  a  aquella  gran  dignidad,  y  ha  se  ofrecido  agora  —  segun  me
escriven  de  Monaco  —  un  gran  embaraco  entre  el  arcobispo  y  S.  A.
sobre  un  hombre,  que  ha  ydo  a  dezir  al  arcobispo  que  el  archiduque
tratava  de  hazerle  matar,  que  so  tiene  por  una  gran  vellaqueria  y
vanidad  del  acussador,  pero  todavia  me  dizen  que  tenia  congoxado  al
archiduque  este  negocio  y  que  avia  dado  parte  del  al  duque  Maximiliano
de  Baviera,  el  qual  con  su  prudencia  sera  parte,  para  que  no  passe
adelante  la  enemistad  entre  aquellos  dos  principes  sus  vezinos.?

!  Vgl.  no.  260,  8.  604,  Anm.  2.

?  Am  7.  Juli  schreibt  der  Erzbischof  von  Salzburg  an  Erzherzog
Maximilian:  Erzherzog  Leopold  habe  dieser  Tage  bei  ihm  Cesandte  gehabt,
durch  die  sich  derselbe  bei  ihm  wegen  des  Gerüchts  rechtfertigen  liess,
dass  er,  Leopold,  gegen  ihn  Leute  gedungen  hätte.  Der  wahre  Sachverhalt
  lasse  sich  schwer  beurteilen,  da  der  Erzherzog  unter  allerlei
Vorwänden  seine  Befehlshaber  bei  sich  behalte  und  zu  Prag  uud  sonst
noch  heimliche  Korrespondenzen  haben  möchte  (Ib.,,  Ambraser  Akten,
Missiven  vom  Juli  1611,  no.  3;  Or...  —  Dem  Erzherzog  Leopold  selber

Juli  3.
        <pb n="630" />
        Juli  3.

Juli  3.

608  1611  262  —  263.

Praga  a  3  de  julio  1611.“
BSim.,  Fasz.  2497,  f.4;  Kopie!

263.  Hippolyt  von  Colli  an  Fürst  Christian  von
Anhalt.

Alles  hat  sein  Augenmerk  auf  den  mühlhauser  Tag.  Gestem
hatte  ich  Audienz  beim  Kaiser,  der  sich  dem  Administrator  und  dem
jungen  Kurfürsten  sehr  geneigt  zeigte.  Er  sieht  ein,  dass  es  Zeit
ist,  sich  Freunde  im  Reich  zu  gewinnen;  „haec  si  olim  cogitasset  et
consiliis  Tuae  Cels."'*  credidisset,  melius  se  iam  res  ipsius  haberent.“
Wegen  der  Belehnung  hat  er  mir  Hoffnung  gemacht,  ebenso  Mollart
und  Wacker;  „mais  je  cognoit  la  court“.  Ich  glaube,  dass  Wacker
Vizekanzler  wird,  obgleich  Hannewald  auf  alle  Weise  darnach  strebt;
aber  es  gibt  Leute,  die  dem  Herzog  von  Braunschweig  sagen  werden,
was  er  vielleicht  noch  nicht  weiss.  Morgen  soll  der  Herzog  den  Eid
als  Obersthofmeister  und  Direktor  ablegen.  Der  Kaiser  hat
sich  gestern  um  die  Höhe  der  pfälzischen  Restanten  erkundigt;  ich
glaube,  er  will  nach  dem  „facio  ut  des“  handeln.

Von  den  Verhandlungen  mit  dem  König  sagte  mir  Wacker:
der  Anfang  lasse  sich  sehr  fein  an.  Am  meisten  erzümt  den  Kaiser
die  starke  Wache  im  Schloss  und  selbst  im  Garten;  darum  wird
zuerst  über  deren  Abschaffung  verhandelt;  der  König  stimmt  ihr  zu,
wenn  die  andern  Punkte  erledigt  sind.?  Zuhigas  Autorität  ist  ausserordentlich
  gross;  „c’est  lui  qui  par  divers  moyens  a  aid6  a  soubstenir
les  officiers  de  la  couronne  de  Boheme“.?  Ich  besorge  daher,  dass
die  Stände  bei  diesem  Wechsel  nicht  gewinnen  werden.  Baugy  sagte
mir,  Zuhiga  habe  dieser  Tage  150000  Taler  empfangen;  „aun

schrieb  der  Erzbischof  am  5.  Juli:  er  habe  sich  diese  Sachen  nie  so  „stark
imprimieren*  lassen,  dass  es  einer  besondern  Rechtfertigung  bedürfte  (Wa,
Salzburg,  Bd.  10,  Fasz.  3;  Kpt.).

ı  Am  gleichen  Tag  berichtet  Zuniga  seinem  Herrn  ausführlich  über  die
neuen  Verhandlungen  zwischen  den  Kommissarien  des  Kaisers,  deren  erster  er
selber  war,  und  denen  des  Königs;  Zusammenkünfte  fanden  seit  1.  Juli  m
seinem  Hause  statt  (vgl.  no.  258,  S.  601,  Anm.  3).  Da  diese  Verband
lungen  sich  schliesslich  nur  noch  um  materielle  Fragen  drehten  und  die
wichtigsten  Aktenstücke  davon  von  Hammer-Purgstall  veröffentlicht  worden
sind,  kann  ich  sie  hier  ebenso  wie  den  Bericht  Zunigas  übergehen.  Zum
Schluss  berichtet  Zuniga:  „Y  hace  [Matthias]  instancis,  paraque  8.  M.d
acete  este  concierto  y  juntamente  le  responda  a  sus  pretensiones,  que  entre  otras,
quando  menos  es  una  recomendacion  al  convento  electoral,  para  que
le  elijan  rey  de  Romanos.  Referirase  todo  al  emperador  y,  si  no  se  oonteutare,
temo  que  el  rey  podra  hazer  poco  mas  que  este.  Liesdeluego  pareos  &amp;amp;
todos  que  resulta  en  particular  reputacion  de  la  grandeza  y  autoridad
de  V.  M.d,  que  este  negocio  se  trate  principalmente  por  mi  mano  y  en  mi
casa“  (Bim.,  a.  a.  O,f.  14;  Or.).

®  Vgl  Hammer-Purgstall,  Khlesis  Leben,  II.,  Urkundensammlang,
no.  314,  S.  301  und  no.  328,  8.  323.

®  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  S.  306.
        <pb n="631" />
        263  —  264.  1611  609

\oquente  conticescunt  omnia.  Je  trouve,  que  Clesel  qui  est  le

actotum  aupres  du  roy,  est  personnage  pernicieux  tellement  que  je

m”espere  rien  de  bon  de  ce  cost&amp;amp;-1a  si  longtemps,  qu’il  sera  en  credit

»ar  apres  le  roy;  [le  roy]  est  bien  plus  bigot  que  l’empereur,  Prague

:e  23.de  juing  1611.“  —  Praes.  Heidelberg  den  3.  junii  [!)  a.  1611.
Bbg.,  A  9a,  no.  107,  f.  73;  Or.  eigh.!

264.  König  Philipp  III.  an  Zuniga.

„He  visto  Vuestras  dos  cartas  de  25.  mayo  en  la  materia  de
zubcesion  de  Bohemia  y  sobre  el  negocio  del  infante  don  Carlos  ?
y  holgare,  que  venga  con  brevedad  la  relacion  que  se  quedava  haziendo.
A.cceorca  de  lo  primero  y  en  lo  demas  no  se  ofrece  por  agora  que  deciros
31no  aprovaros  el  cuidado  con  que  procedeis  en  ello  y  encargaros
como  lo  hago.  Vais  ganando  voluntades  y  enderecando  el  negocio  con
1a  deetreza  que  sabreis  conforme  al  intento  que  se  tiene,  avisandome
de  lo  que  ocurriere  que  se  ofreciere.  Y  quanto  a  la  pension  de  seis
mil  escudos  que  proponeis  para  el  duque  Juan  Jorge  hermano  y
subcesor  del  eletor  de  Saxonia,  vereis,  si  seria  bien  ofrecerle  esta
merced,  para  quando  hiziese  algun  servicio  relevante  en  beneficio  del
infante  don  Carlos,  diziendoselo  Vos  en  el  estilo  que  conviniese,  0  si
seria  mejor  darle  desde  luego  la  pension  para  tenerle  obligado  para
todo  lo  que  se  ofreciere  de  mi  servicio  y  gusto,  y  destos  dos  medios  elegireis
lo  que  tuvieredes  por  mas  conveniente,  que  yo  Os  lo  remito  y  fio  de
Vuestra  prudencia  y  esperencia  que  hareis  lo  que  fuere  mas  acertado.
Y  al  duque  de  Baviera  procurareis  tambien  conservarle  siempre,®  pues
sabreis  lo  que  este  importa,  valiendo  Os  de  los  medios  que  Os  pareciere
  y  particularmente  del  elector  de  Colonia  y  su  coadjutor,  pues
se  hallaran  obligados  con  lo  que  se  ha  hecho  por  ellos.  En  S,  Lorenzo
a  5.  de  julio  1611.“

Bim.,  Fass.  2462,  f.  382;  Or.

ı  Gleichzeitig  und  gleichen  Inhalts  schreibt  Colli  auch  an  den  Administrator
  der  Kurpfalz.  Ausserdem  berichtet  er  noch:  Dr.  Wacker  ist
zu  ihm  gekommen  und  hat  ihm  versichert,  dass  er  bei  der  Administrationssache
  das  seine  getan  habe  und  noch  ferner  tuıi  wolle,  —  „intelligenti  pauca“;
auch  Braunschweig  zeigt  sich  sehr  geneigt  gegen  Kurpfalz.  Beim  König
hat  er  sich  noch  nicht  angemeldet,  um  nicht  eine  Handlung  durch  die
andere  zu  stören  (Mb.,  101/4;  —  Or.  eigh.).

?  Mir  liegt  nur  das  erstere  Schreiben  (no.  207)  vor.

®  Hiezu  empfiehlt  Zuniga  am  6.  August  dem  König  aufs  allerdringlichste,
  eine  baldige  Entschliessung  wegen  der  ÖOrdenspfründe  zu  treffen,
die  der  Herzog  von  Baiern  für  seinen  Oberhofmeister  Grafen  von  Rechberg,
„su  gran  privado“,  begehrt,  „porque  el  duque  es  estranamente  efficaz  en
sus  cosas“  (Sim.,  Fasz.  2497,  f.  40;  Or.);  und  in  einem  zweiten  Schreiben
vum  gleichen  Tag  wiederholt  er  die  Bitte  mit  der  Begründung:  „Esto  es
sin  dada  importantissimo  por  la  gran  calidad  y  grandeza  de  aquel  estado
y  por  las  senaladas  virtudes  que  resplandecen  en  su  persona.  Siempre  ay
quien  me  ponga  zelos  de  que  el  duque  tenga  la  mira  en  pretender  para  se
el  imperio  y  assi  vivo  siempre  con  cuidado  sin  descubrirle*  (Sim.,  a.  a.  O.,
f.  39;  Or.).

Briefe  u,  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  39

Juli  8.

Juli  5.
        <pb n="632" />
        Juli  6.

Zu
Juli  6.]

610  1611  265—266.

265.  Fürst  Christian  von  Anhalt  an  den  Markgrafen
von  Ansbach.

Ich  komme  erst  jetzt  dazu,  E.  L.  zu  berichten,  wie  zu  Stuttgart  und  hier

die  bei  uns  abgelegte  kaiserliche  Werbung  aufgenommen  worden  it.!

Württemberg  ist  auf  Anstiften  Geizkoflers  ganz  „passionato“  auf  de
Matthias  Seite.?2  Auch  hat  man  es  bei  Württemberg  damit  verfehlt,  dass  man
[d.  b.  der  Kaiser]  ihn  nicht  ebenso  wie  uns  ersucht  hat;  der  Herzog  ist
auch  gegen  Kurbrandenburg  unwillig,  weil  er  nicht  zum  jüterbogker
Vertrag  gezogen  worden  ist  und  mag  das  die  Hauptursache  Bein,  weshalb
er  ungern  sieht,  dass  E.  L.  sich  nach  Prag  begeben  wollen.  Ic
bleibe  aber  dabei,  dass,  wenn  der  Kaiser  E.  L.  begehrt,  Sie  jedenfalls
dahin  gehen  sollen.  —  Morgen  reise  ich  zu  Kurmainz,  will  aber  in
vier  Tagen  wieder  hier  sein®;  dann  wird  man  sich  des  Termins  sem
Unionstag  vergleichen  müssen,  der  vermutlich  auf  Jakobi  fallen  wird.
Wenn  ich  den  Unionstag  anders  wohin  als  nach  Rotenburg,  wo  es  zu  ang
ist,  verlegen  kann,  will  ich  es  an  mir  nicht  fehlen  lassen.  EL
sollen  Günterode  bald  schreiben,  dass,  wofern  der  Kaiser  E.  L.  noc
vor  dem  Unionstag  sehen  will,  es  bald  geschehen  muss.  Ic
schlage  E.  L.  vor,  zu  einer  Unterredung  hierüber  mit  mir  sa
Neustadt  a.  Kocher  zusammenzukommen.  Datum  Heidelberg  des

25.  junii  a.  1611.  —  Praes.  Windsbach  30.  jun.  1611.
Be.,  Rep.  88,  Unionsacta,  ad.  tom.  ZIL,  f.  4;  Or.

266.  Instruktion  des  Königs  Matthias  für  Meggas,
Colonna  von  Fels,  Reichard  von  Starhoemberg,  Polheim
und  Dr.  Wacker  zum  mäühlhauser  Kurfürstentag.

1.  Da  der  Tag  auf  den  17.  Juli  ausgeschrieben  ist,  so  habt  Ihr
bei  Zeiten  in  Mühlhausen  anzukommen,  Euch  zu  erkundigen,  was
etwa  schon  verhandelt  worden  und  was  der  kaiserlichen  Abgesandten

1  Vgl.  no.  256.

’  Am  gleichen  Tag  schreibt  Geizkofler  aus  Bebenhausen  an  Erzherag
Maximilian:  Er  überschicke,  was  eine  vornehme  Person  ihm  aus  Stuttgart
über  Günterodes  Verrichtung  bei  Anhalt  und  Ansbach  mitgeteilt  habe  [Iaider
fehlt  der  Bericht],  woraus  zu  ersehen  sei,  „wie  weit  man  sich  ex  eupiditste
vindictae  ohne  reifes  nachgedenken  an  den  laden  lägt  und  was  fir  weiterumg
Jorauss  entspringen  kunde  und  werde*;  ihm,  Geizkofler,  sei  es  bedenklich,
deswegen  an  üen  König  zu  schreiben;  er  gebe  dem  Erzherzog  anheim,  seine
ungenannt  Matthias  davon  zu  verständigen  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Miasires
vom  Juli  1611,  no.  26;  Or.  eigh.).

°  Der  Administrator  hatte  am  5.  Juli  dem  Kurfürsten  von  Mains  die
Ankunft  oges  Fürsten  und  des  Ir.  Camerarius  angezeigt  (Mb.,  547/14,
.  159;  Or.).

*  Welche  Stellung  Anhalt  fortab  im  Hausstreit  inzunehmen  gedacı
verrät  der  Schluss  seines  Schreibens  an  Colli  vom  4./14.  Juli:  Die  ischen
Dinge  nehmen  einen  Lauf,  dass  dem  Kaiser  zu  raten  ist,  sich  nach  Me
lichkeit  zu  „resentieren®;  wie  man  sich  dieserseits  [d.  h.  von  seiten  de
Union]  darein  zu  schicken  hat,  wird  künftige  Gelegenheit  geben;  „oha
        <pb n="633" />
        266.  1611  611

Intention  und  Werbung  ist,  um  darnach  Eure  Werbung  desto  besser
einzurichten;  zu  diesem  Behuf  findet  Ihr  die  Kapitel  der  „Proposition‘‘
[d.  h.  des  Ausschreibens]  des  Kurfürstentages  hiebei.  Bei  der  Audienz
ist  vorzubringen:

1.  Hauptzweck  unserer  Gesandtschaft  ist,  dass  wir  als  ordentlich
gesalbter  und  gekrönter  König  von  Böhmen  nicht  unterlassen  wollten,
kraft  der  goldenen  Bulle  uns  bei  dieser  Zusammenkunft  als  kurfürstliches
  Mitglied  anzumelden,  uns  zu  insinuieren  und  uns  zu  allem
zu  erbieten,  was  einem  Kurfürsten  gebührt.

2.  Uns  ist  nicht  wenig  daran  gelegen,  dass  überall  im
Reich  Ruhe  und  Frieden,  Vertrauen  und  Korrespondenz  aufgerichtet
und  des  Erbfeindes  böses  Vornehmen  gedämpft  werde:  wir  haben
uns  daher  auch  als  König  von  Ungarn  anmelden  und  unsere  Not
vorbringen  wollen,  damit  das  Reich  auf  diese  Vormauer  denkt  und
die  Grenzen  erhalten  hilft.

8.  Wir  sind  auch  zum  König  von  Böhmen  durch  die  Stände
ordentlicher  Weise  berufen  worden,  der  Kaiser  hat  uns  in  seiner  Landtagsproposition
  zum  König  vorgeschlagen  und  empfohlen  und  wir  sind
darauf  ordentlich  gekrönt  worden;  es  haben  daher  unsere  Gesandten  den
Vergleich  zwischen  den  Ständen,  uns  und  dem  Kaiser,
die  Zession  des  Königreichs  Böhmen  und  der  inkorporierten  Lande
neben  beiliegendem  Diskurs,  „so  auf  eines  churfursten  schreiben
und  seines  gesandten  relation  gemacht“!  besonders  aber  die  letzte
Erklärung  des  Kaisers  gegen  uns  zu  empfangen  ?  und  daraus  zu  vernehmen,
  wie  eifrig  wir  des  Kaisers  brüderliche  Zuneigung  gesucht
haben,  wie  begierig  wir  gewesen  sind,  ihm  genug  zu  tun  und  wie
wir  uns  ihm  bequemt  haben.  [Da  wir  aber  aus  dem  Aufzug
seiner  Resolution  ersehen,  dass  er  die  Sache  auf  ein  Unmögliches
richten  will,  und  besorgen,  dass  friedhässige  Leute  oder  des  Kaisers
eigene  „Kondition  und  Offension“  cs  zu  einem  Riss  bringen  und
er  sich  mehr  auf  anderer  Leute  Kriegshilfe  als  auf  freundliche
Komposition  verlassen  möchte,  so  wollen  wir  uns  gegen  die  Kurfürsten
  dahin  erklärt  haben,  dass  wir  zwar  zum  Frieden  geneigt
sind  (was  unsere  Gesandten  aus  erwähntem  Diskurs  ersehen),  dass  wir
aber,  wenn  wir  feindlich  angegriffen  würden,  nicht  umhin  könnten,  unsere

Königreiche  und  Länder  nach  Möglichkeit  zu  schützen,  und  dass
wir  bei  ihnen  leben  und  sterben  wollen.  Bisher  aber  haben  wir
alle  unsere  Gedanken  nur  auf  das  gerichtet,  was  dem  Reich  zu  alter
Vertraulichkeit  gereichen  mag  und  haben  alle  Gelegenheit  gesucht,

allein,  da  dem  konigreich  Behaim  und  andern  evangelischen  stenden  zu
helfen  stehet,  so  ist  es  allein  in  deme,  dass  sie  der  underschiedlichen  konigreich
  und  lender  uniones  förderlichst  ohne  allen  ufzug  und  mit  bestand  in
werk  richten  und  sich  hieran  nichts  irren  noch  aufhalten  lassen  (Bbg.,
A  9a,  no.  107,  f.  56;  Kpt.).

!  Fehlt.

?  Gemeint  ist  wol  das  kaiserliche  Schreiben  vom  5.  Juni;  vgl.  no.  227,
8.  532,  Anm.  2.

89°

[Zu
Juli  6.]
        <pb n="634" />
        [Zu
Juli  6.)

612  1611  266.

dies  in  der  Tat  zu  erweisen,  wie  wir  uns  deswegen  schriftlich  und
auch  im  Druck  erklärt  haben.  So  wollen  wir  es  noch  immer  halten  und
sollen  unsere  Gesandten  die  Kurfürsten  dessen  versichern  und  dass  wir
gewünscht  hätten,  dass  der  Kaiser  vor  vielen  Jahren  zu  einer  Heirat  und
zur  Festsetzung  der  Succession  in  den  Königreichen  und  Ländern
zu  bewegen  gewesen  wäre,  wozu  das  ganze  Haus,  alle  verwandten
Kurfürsten  und  Fürsten  es  an  Mahnungen  nicht  haben  fehlen  lassen.  Da
aber  seine  Natur  leider  so  beschaffen  ist,  dass  weder  Vernunftgrände
noch  die  Gefahr,  es  könnte  bei  solcher  Unentschlossenheit  unser  Haus
um  die  Königreiche  und  Länder  kommen,  ihn  bewegen  konnten,
so  waren  wir  als  nächst  ältester  Bruder  auf  starkes  Drängen  der
Länder  und  bei  der  augenscheinlichen  Gefahr  schuldig,  uns  ihrer
anzunehmen,  die  Succession  [in  den  Erbländern]  zu  betreiben  und
der  „Naturschwachheit‘“  des  Kaisers,  in  der  er  sich  nicht  anders
entschliessen  konnte  noch  wollte,  zu  Hilfe  zu  kommen.  Wir  haben
dies  so  angestellt,  dass  dabei  weder  dem  Kaiser  noch  sonst  jemandem
von  uns  oder  den  unsrigen  ein  Härlein  gekrümmt  worden  ist.  Daher
haben  unsere  Gesandten  zu  achten,  „dass  sie  sich  kaineswegs  in  einen
tractat,  iudicium  oder  solche  maniers  excusation  vor  denen  churfursten
einlassen  wolten,  welche  ein  ansehen  einer  accusation  oder  auf  der
kaiserlichen  commissarien  anbringen  verantwortung  gleich  sähe,  damit
man  sich  nicht  in  ainigen  process,  so  ainiges  iudicii  oder  consens  bedürftig,
einlasse;“  die  Gesandten  haben  vielmehr  bei  dem  zu  bleiben,  dass
mit  dem  Kaiser  nicht  als  mit  einem  römischen  Kaiser  sondern  als  mit
dem  König  von  Ungarn  und  Böhmen  und  regierenden  Erzherzog  zu
Oesterreich  mit  einhelliger  Bewilligung  aller  Königreiche  und  Lande  ge
handelt  worden  ist  und  man  sich  endlich,  nachdem  man  durch  dreissig  Jahre
aufgezogen  worden  war,  der  Succession  auf  die  Weise,  wie  geschehen
ist,  hat  versichern  wollen,  indem  der  Kaiser  die  Länder  ordentlich  ihrer
Pflicht  entlassen  hat,  was  durch  „publica  instrumenta“  geschehen  ist,
wie  die  Gesandten  aus  dem  Diskurs  entnehmen  können.  —  Was  des
Kaisers  Regiment  anlangt,  so  haben  die  Königreiche  und  Länder  &amp;amp;
männiglich  im  Druck  vorstellen  wollen,  damit  man  sehe,  dass  sie
genug  Ursache  hatten,  so  inständig  um  Aenderung  des  Begiments
anzuhalten  und  dass  es  nicht  aus  Vorwitz,  Leichtfertigkeit  „und
suechung  neuer  freihaiten,  welche  ihnen  von  I.  ksl.  M.'  selbst  angetragen
  worden  und  sie  toppelt  mehr,  da  si  nur  lenger  unter  disem
regiment  verharren  können,  erlangen  mögen,  ...  .  .  hergeflossen.“
Wir  haben  aber,  um  den  Kaiser  und  unser  Haus  zu  schonen,
solche  Veröffentlichung  zur  Zeit  noch  eingestellt,  auch  von  uns
selbst  aus,  wie  wir  seit  langen  Jahren  vom  Kaiser  Öffentlich  und
heimlich,  schriftlich  und  mündlich,  selbst  von  dessen  geringsten
Dienern  traktiert  worden  sind,  nichts  melden  sondern  alles  bis
dahin  verschieben  wollen,  da  der  Kaiser  uns  selbst  dazu  Ursache
geben  würde  und  wir  uns  Ehren  halber  verteidigen  müssten.
Wir  hoffen  aber,  dass,  weil  es  der  Kaiser  so  gut  wie  wir  weiss,
        <pb n="635" />
        266.  1611  613

er  es  dazu  nicht  kommen  lassen  wird.  Wenn  aber  unsere  Gesandten
  den  Kurfürsten  oder  deren  Räten  dergleichen  mit  Nutzen
insinuieren  können,  so  sollen  sie  es  nicht  unterlassen.)  !

4.  Wegen  der  Succession  im  Reich  sollen  die  Gesandten
vorsichtig  gehen  und  den  Anschein  vermeiden  als  wollten  wir  etwas
erzwingen  oder  der  freien  Wahl  der  Kurfürsten  praejudizieren;  nur
wenn  diese  finden,  dass  es  dem  Reich  zuträglicher  wäre,  noch  bei
Lebzeiten  des  Kaisers  einem  Interregnum  vorzubauen,  Weiterungen
zu  verhüten  und  den  Kaiser  zu  entlasten,  haben  wir  nach  dem
Beispiel  unserer  Vorfahren  aus  guten,  erheblichen  Gründen  Ursache,
unsere  Person  anzubieten  und  zu  empfehlen.  Dabei  werden  die
Gesandten,  besonders  Starhemberg  und  Polheim,  die  ihnen  in  dieser
Sache  vormals  anbefohlenen  Instruktionspunkte  ?  je  nach  Umständen
anzuwenden  wissen.  [Würde  sich  die  Sache  aber  etwa  daran  stossen,
dass  der  Kaiser  nicht  geneigt  wäre  oder  mistrauen  würde,  so  erbieten  wir
uns,  nach  der  Kurfürsten  eigenem  Rat  und  Willen  einen  Revers  zu
fertigen  und  dadurch  Kaiser  und  Reich  genügend  zu  versichern,  doch
darf  er  unsere  Ehre  und  Gewissen  nicht  praejudizieren.]?_  Wenn
die  Successionssachoe  nicht  verhandelt  wird,  so  sollen  die  Gesandten
dennoch  allenthalben,  wo  es  Not  tut,  sollizitieren,  damit  bei  diesem
Stand  der  Türkengefahr  und  bei  dieser  Lage  des  Reiches  die  Succession
mit  allen  Mitteln  befördert  wird:  denn  dadurch  werde  die  Justiz
ım  Reich  reformiert,  das  Mistrauen  aufgehoben  und  gutes  Regiment  und
Erledigung  aller  Sachen  beschleunigt.  ‚Ob  nun  wür  wol  mit  unserer
person  diser  anregung  und  insinuation  verdächtig  sein  möchten,‘  so
gebührt  uns  doch  als  einem  diesem  kurfürstlichen  Kolleg  inkorporierten
Mitglied  für  das  Reich,  von  dem  wir  mehr  Lehen  als  andere  haben,
der  wir  auch  dem  Türken  mit  unsern  Königreichen  und  Ländern
am  nächsten  liegen,  zu  sorgen  und  unsere  Meinung  aufrecht  vorbringen
zu  lassen.  Wir  wollen  aber  damit  nicht  den  Kaiser  degradieren  oder
ihm  an  seiner  Hoheit  irgend  praejudizieren  sondern  vielmehr  diese
erhalten  und,  was  er  vermöge  seines  Alters  und  seiner  Kränklichkeit

!  Die  eingeklammerte  Stelle  wurde  in  der  neuen  Redaktion  vom  1.  Oktober
(Wh.,  Wahl-  und  Krönungsakten,  Bd.7,  no.5;  Kptkopie)  ausgelassen,  daftir  aber
folgende  eingesetzt:  Die  Kurfürsten  können  dies  aus  dem  geschlossenen  Vergleich
[vom  11.  August]  und  dem  kaiserlichen  Genvraltestimonium  [vom  gleichen
Tag;  vgl.  unten  no.  313  und  no.  314]  ersehen.  Dabei  wollen  wir  die  Kurfürsten
versichern,  dasgs  wir  uns  nicht  nur  diesem  Vergleich  gemäss  verhalten  sondern
anch  dem  Kaiser  alle  Ehrfurcht  und  Liebe  bei  jeder  Gelegenheit  erzeigen
und  seine  Ehre  wie  unsere  eigene  verteidigen  wollen.  Wiewol  wir  uns  der
brüderlichen  Affektion  des  Kaisers  getrösten,  so  besorgen  wir  doch,  dass
friedhässige  Leute  allerlei  Zwist  und  Mistrauen  erregen  möchten,  woran
sie  ibr  meistes  Interesse  haben;  wenn  solche  Leute  die  Kurfürsten  —  wie
vordem  —  von  uns  ungleich  informieren  sollten,  so  mögen  diese  sich  durch  unsere
Erklärung  der  Wahrheit  versichert  halten  und  uns  verständigen,  falle
dergleichen  vorkommt.

?  Vgl.  Hammer-Purgstall,  Khlesls  Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,
no.  204,  besonders  8.  280  f.

®  Was  in  Klammern  steht,  ist  in  der  zweiten  Fassung  ausgelassen,

[Zu
Juli  6.]
        <pb n="636" />
        [Zu
Juli  6.)

614  1611  266.

vielleicht  nicht  mehr  vermag,  „dasselb  auf  andere  gebührliche  und
diss  orts  gebreuchige,  auch  zu  erhaltung  des  heil.  römischen  reichs
interesse,  früd,  rue  und  ainigkait  notwendige  mittel  vollziehen.“  Und
obwohl  zu  vermuten  ist,  dass  einige  diese  Sache  auf  einen  Reichstag
verschieben  und  also  aufziehen  möchten,  un  den  kaiserlichen
Kommissarien  einen  Gefallen  zu  tun,  so  fordert  doch  die  höchste
Notdurft,  dieser  Sache  eifrig  nachzusetzen  und  es  wenigstens  dahin
zu  bringen,  „damit  man  solches  auf  gewisse  weeg  richte,  dabei  wür
unsers  interesse  halben  versichert  wurden.“  —  Da  wir  wol  wissen,  das
die  unierten  Kurfürsten  und  Fürsten,  darunter  Moriz  von
Hessen  uns  wol  geneigt,  wir  der  Freundschaft  und  des  Vertrauens  des
Landgrafen  mehr  als  versichert  sind!  und  in  seine  Worte  und
Vertröstungen  kein  Mistrauen  setzen,  so  sollen  unsere  Gesandten  „mit
solicher,  sonderlich  aber  mit  des  churfursten  von  Brandenburgs  L.
guete  correspondenz  halten“  und  sich  mit  beiden  beraten,  was  sie
für  nützlich  und  notwendig  erachten,  damit  man  durch  gute  Korrespondenz
  zu  glücklichem  Ende  kommt.  Obwol  Landgraf  Moriz  sich
vom  Kaiser  gebrauchen  lässt,  so  halten  wir  ihn  doch  für  so  vernünftig.
dem  Reiche  gewogen  und  aufrichtig,  dass  auch  wir  uns  sicherlich  auf  ihn
verlassen  können.  Ihr  habt  den  Landgrafen  in  seiner  guten  Affektion  gegen
uns  zu  erhalten,  „damit  allda  gemainer  christenhait  wolstand  allem
andern  fürgesetzt  und  nichts  anders  als  die  wolfart  teutscher  nation
bedacht  werde.“  [Wir  wünschen  aber  nicht,  dass  der  Landgraf  seinen
Mitkommissarien  erklärt,  wie  er  gegen  uns  gesinnt  sei,  vielmehr  soll
er  sie  nur  mit  verständigen  Mitteln  für  unsere  Intention  zu  gewinnen
suchen.  Da  auch  Minckwitz  sich  uns  zu  guten  Diensten  beim  Karfürstentag
  erboten  hat,  so  sondert  Euch  von  den  kaiserlichen
Kommissarien  nicht  ab  sondern  zeigt  ihnen  nach  Möglichkeit  öffentlich
Vertrauen,  damit  auch  die  Meinung  schwindet,  als  wären  wir  mit  dem
Kaiser  uneins  und  erschienen  auf  diesem  Tag  nur  wie  eine  Partei,
was  uns  sehr  nachteilig  wäre;  wenn  Ihr  Euch  aber  zu  des
kaiserlichen  Kommissarien  schlagt,  wenigstens  äusserlich  mit  ihnen
für  einen  Mann  steht  und  Euch  dabei  des  Minckwitz  bedient,  so  ist
der  Sache  viel  geholfen].?,

5.  Gute  Korrespondenz  mit  Zuniga  wird  sehr  nötig  sein.

6.  Bei  den  geistlichen  Kurfürstön  werdet  Ihr,  je  nachdem  Ihr
sie  gesinnt  findet,  ebenfalls  „das  werk  also  tractieren  und  praeoceıpieren.‘“


7.  Da  das  meiste  an  den  Räten  und  ansehnlichen  Diener
der  Kurfürsten  gelegen  ist,  werdet  Ihr  allen  Fleiss  anwenden,  dieselben,
besonders  die  sächsischen  zu  gewinnen;  dazu  habt  Ihr  einige  Ketten,
Ehrenpfennige  und  Silbergeschirr  zu  empfangen,  die  Ihr  passenden
Orts  und  wo  es  uns  zum  Nutzen  gereicht,  niit  gemeinem  Rat  unsertwegen
  spendieren  sollet.

!  Vgl.  uo.  166,  S.  406,  Anm.  3.
?  In  der  zweiten  Fassung  weggelassen.
        <pb n="637" />
        266.  1611  615

8.  Da,  wie  wir  hoffen,  Erzherzog  Maximilian  auf  unser  Ersuchen
auch  einen  Gesandten  schicken  wird,!  so  werdet  Ihr  mit  ihm  gleichfalls
kommunizieren  und  beraten.

9.  Weil  es  den  deutschen  Fürsten  sehr  ärgerlich  gewesen  ist,
dass  der  Kaiser  sich  nicht  verheiratet  hat  und  daraus  allerlei  „Absurda‘
  erfolgt  sind,  so  werden  unsere  Gesandten  zu  betonen  haben,  dass
e8  bei  unserer  Heirat  nur  mehr  an  der  Trauung  fehlt,  die  wir
wegen  allerlei  Ungelegenheiten  und  Geschäften  der  gemeinen
Christenheit  bisher  gegen  unsern  Willen  haben  aufschieben  müssen  ;  sie
soll  aber  in  einigen  Wochen  erfolgen  und  hoffen  wir,  uns  so  zu
verheiraten,  dass  das  Reich  daraus  ersehen  wird,  „dass  unser  intention
zu  der  teutschen  nation,  auch  gemainer  christenhait  früd  und  ainigkait
zu  erhalten  genaigt  seie.‘“?

10.  Unsere  Gesandten  sind  genügend  unterrichtet,  was  mit
Bathory?  und  dessen  Haiduken,  die  er  gegen  unsere  Befehle  an
sich  gezogen  hat,  vorgegangen  ist,  wie  übel  sie  in  Oberungarn  gehaust
und  wie  sie  die  Wallachei  dazu  eingenommen  haben,  die  Bathory
neben  der  Moldau  aus  dem  alten  Verband  mit  Ungarn  loslösen  uud
sich  unterwerfen  will;  Bathory  ist  auch  wider  die  alten  Verträge
zwischen  Ungarn  und  Polen  in  dieses  Königreich  eingefallen  und
hat  daselbst  und  in  Ungarn  neue  Unruhen  angefangen,  um  dann
weitergreifen  und  andere  christliche  Länder  ebenso  bekriegen  zu  können;
zu  diesem  Zweck  praktiziert  er  auch  unaufhörlich  an  der  Pforte.
Die  Moldau  und  die  Wallachei  sind  aber  uns  und  unserm  Königreich
Ungarn  durch  alte  und  neue  Verträge  verbunden  und  Bathory  hatte
sich  vordem  eidlich  verpflichtet,  gegen  unser  Königreich  Ungarn
nichts  vorzunehmen,  die  Haiduken  wegen  ihres  Mutwillens  zu  bestrafen,
  ja  er  erbietet  sich  eben  wieder  durch  neue  Verträge  und

Gesandtschaften  dazu.  Er  hat  aber  nichts  gehalten,  die  Haiduken
haben  trotzdem  in  Oberungarn  so  gehaust,  dass  die  Landesbewohner
dagegen  „generalem  et  personalem  insurrectionem“  zu  beschliessen
gezwungen  wurden  und  können  wir  nichts  anderes  tun  als  unsere
Untertanen  und  Verbündeten  nach  Kräften  schützen.  Wir  haben
vorher  noch  durch  den  Palatin  und  die  ungarischen  Stände  Bathory
ersuchen  lassen,  gegen  die  Haiduken  gemäss  dem  geschlossenen
Vertrag  Hilfe  zu  leisten.  Was  aber  auch  darauf  erfolgt,  so  sind  wir
entschlossen,  diesem  Uebelstand  bei  Zeiten  zuvorzukommen.  —  Unsere
Gesandten  haben  dies  beim  Begehren  der  Grenzhilfe  den  Kurfürsten
vorzustellen,  damit  diese  die  den  ungarischen  Grenzen  durch  die
Türken  und  Bathory  drohende  Gefahr  desto  mehr  in  Acht  nehmen
und  desto  williger  sind,  die  uns  vordem  durch  Kurfürsten  und  Fürsten
versprochene  Grenzhilfe  zu  befördern.

i  Vgl.  no.  233,

?  Die  Vermählung  des  Königs  Matthias  mit  der  Erzherzogin  Anna,  Tochter
des  Erzherzogs  Ferdinand  von  Tirol,  fand  erst  im  Dezember  1611  statt.

s  Vgl.  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreichs,  V.,  S.  60  f.

[Zu
Juli  6.]
        <pb n="638" />
        [Zu
Juli  6.]

Juli  7.

616  1611  266  —267.

11.  Berichtet  uns  fleissig  von  dem  Verlauf  in  beiliegenden
Ziffern,  wenn  nötig,  durch  eigene  Kuriere;  der  Kaiser  wird  gewis
Aehnliches  angeordnet  haben,  wonach  auch  Ihr  Euch  zu  richten  habt.
[Wegen  der  Geldmittel  werden  die  Gesandten  auf  Meggau  verwiesen,
bei  dem  die  Instruktion  verbleibt]!  Geben  in  unser  königlichen  statt

Prag  den  ...  julii  a.  1611.
Wh.,  Wahl  und  Krönungsakten,  Bd.7,  no.  4;  Kopie.?

267.  Die  kurmainzischen  Abgesandten  zum  Kurfürstentag
an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Gestern  ist  der  kursächsische  geheime  Rat  Kaspar  von  Schönberg
und  heute  am  Vormittag  sind  Brandenstein  und  Gerstenberg  angelangt.
Sie  haben  sich  bei  uns  noch  nicht  angemeldet  sondern  in  unserm
Quartier  nur  nachfragen  lassen,  welche  Mainzer  da  seien.  Beim
Mittagessen  hat  uns  aber  der  kursächsische  Sekretär  beiliegendes
Schreiben  ®  übergeben,  worin  uns  die  (Gesandten  das  plötzliche
Ableben  ihres  Herrn  mit  ihrem  Entschluss  anzeigen,  nach  Hanse  zu
reisen.  Wir  werden  uns  mit  den  trierischen  BRäten,  die  heute  ankommen
  sollen,  und  den  kölnischen,  die  gleichzeitig  mit  uns  eintrafen.
unterreden,  im  Namen  aller  den  Sachsen  das  Leid  klagen  und  dann
auch  abreisen.  Wir  beeilen  uns,  dies  E.  kfl.  Gn.  mitzuteilen,  damit
Sie  sich  nicht  vergeblich  auf  den  Weg  machen.  Datum  Mulhausen
7.jalii  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  10.  julii  1611.

1.  Nachschrift:  Soeben  erhalten  wir  Nachricht,  dass  der  Bote  unser
voriges  Schreiben  an  E,  kfl.  Gn.  verloren  hat.  Der  Inhalt  unseres
Schreibens  war,  dass  ausser  den  Kölnern  noch  niemand  hier  sei,  die
Brandenburger  noch  nicht  einmal  einen  Furier  hier  hätten  und  die

ı  Die  eingeklammerte  Stelle  ist  in  der  zweiten  Fassung  umgearbeitet
und  bezeichnet  Khlesl  als  Prinzipalgesandten.  —  Die  zweite  Fassun  gathilt
noch  eine  Nachschrift  wegen  der  Bitte  des  Pfalzgrafen  Philipp  Ladwig
Interzession  im  Administrationsstreit.  Die  Gesandten  mögen  sich,  wenn  an
die  andern  Kurfürsten  zu  einer  Handlung  hierüber  geneigt  finden,  im  Names
des  Königs,  doch  keinem  Teil  praejudizierlich,  in  die  Sache  schlagen  und
Ruhe  und  Frieden  im  Reich  befördern  helfen.

®  Verfasser  der  Instruktion  war  Khlesl,  wie  er  am  29.  August  dem
Erzherzog  Maximilian  schreibt;  vgl.  unten  no.  3829.  —  Was  bei  Hammer-Purgstall,
  a.  a.  O.,  no.  826  als  Proposition  für  den  Kurfürstentag  von
Nürnberg  bezeichnet  ist,  ist  das  Anbringen  der  königlichen  Gesandten  beim
rotenburger  Unionstag.

8  Vom  m,  Die  kursächsischen  Gesandten  erhalten  soeben  die

Nachricht,  dass  Kurfürst  Christian  II.  am  Sonntag  den  3.  Juli  um  10',,  Ubr
abends  nach  kurzem  Unwolsein  verschieden  ist.  Damit  ist  das  Mandat  der
Gesandten  erloschen  und  wollen  sie  sich  wieder  auf  den  Heimweg  machen
(Wimz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  89;  Or.  —  das  Abberufungsschreiben  vom

2.  Jun  in  Drs.,  1.  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags,  f.  98;  Or).
        <pb n="639" />
        267  —268.  1611  617

Luft  gut  sei.  Der  zweibrückensche  und  der  neuburgische  Furier
sind  der  Quartiere  wegen  ziemlich  hart  aneinander  geraten  ;  was  der
eine  ans  Tor  schrieb,  löschte  der  andere  aus;  endlich  vermittelte  der  Rat
der  Stadt  und  wurde  jedem  sein  Quartier  bostimmt.  Ut  in  literis.

2.  Nachschrift:  Dr.  Gerstenberg  hat  mich,  Schenkern,am  Nachmittag
zu  sich  berufen  und  von  dem  Tod  seines  Kurfürsten  erzählt,  dass
derselbe  am  letzten  Sonntag  beim  Ringelrennen  noch  acht  Carrieren
getan,  sich  dann  bei  seinem  neuen  Marschall  [von  Berbisdorf]  zu
Gast  geladen  und  dort  ein  Spitzgläslein  gefordert  hatte,  das  ihm  aus
der  Hand  fiel,  was  aber  nicht  beachtet  wurde.  Als  er  sich  das  zweite
Gläslein  geben  liess,  zitterte  er  ungewöhnlich  mit  der  Hand;  beim
dritten  fieng  er  an,  sehr  zu  klagen,  so  dass  man  ihn  nach  Hofe  führen
musste,  wo  er  im  Beisein  seiner  Gemahlin  um  10  Uhr  abends  verschied.
Die  sächsischen  Gesandten  hatten  schon  zu  Naumburg  davon  Nachricht
erhalten,  haben  sich  aber  dennoch  zur  Bezeigung  ihres  Eifers  bieher
verfügt.  Heute  hat  der  neue  Kurfürst,  der  niemanden  bei  sich  hat,
der  des  Herkommens  berichtet  ist,  sie  zurückrufen  lassen,  weshalb
Gerstenberg  heute,  die  andern  morgen  abreisen  werden.  —  Gerstenberg
versicherte  mich,  dass  sich  nur  die  Personen,  nicht  aber  die  Consilia
damit  ändern  ;  der  neue  Kurfürst  werde  den  alten  Spuren  folgen  und  nur
schneller  handeln,  „dieweil  dieser  ein  nuechterner  herr“  sei,  der  die
Mängel  der  vorigen  Regierung  beachtet  habe  und  seine  Diener  kenne,
Wenn  auch  die  Zusammenkunft  der  Kurfürsten  sich  verschiebe,  werde
der  Kurfürst  doch  sobald  als  möglich  seinen  Willen  erklären,  da
jene  wegen  des  Kaisers,  in  dessen  Devotiyn  er  verharre,  keinen
Verzug  leide.  E.  kfl.  Gn.  möchten  versichert  sein,  dass  der  neue
Kurfürst  sich  nichts  würde  mehr  angelegen  sein  lassen  als  die  alte
Vertraulichkeit  und  Korrespondenz  zwischen  beiden  Kuren  fortzusetzen,
was  Gerstenberg  wiederholt  bemerkte.  Datum  ut  in  literis.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  7679;  Or.

268.  BReichard  Brömser  an  den  Kurfürsten  von
Mainz.

Der  Oberamtmann  von  Rheinfels  berichtet  mir,  dass  Landgraf  Moriz
die  Kommission  nach  Mühlhausen  nicht  gar  wol  aufgenommen
hat  „sonder  fast  dahin  geachtet  werden  will,  dass  solches  durch
I.  fl.  Gn.  misgonstige  deroselben  zue  nachthail  oder  gefahr  erprasticiret
worden,“  wobei  man  an  den  Herzog  von  Braunschweig  denkt.!  Der
Landgraf  hält  die  Instruktion  nicht  für  so  beschaffen,  dass  er  diese
Verrichtung  auf  sich  nehmen  oder  sie  nach  der  Intention  des  einen  und
anderen  Teils  ausführen  kann  und  fürchtet,  dass  er  entweder  den  Kaiser
oder  den  König,  vielleicht  aber  beide  und  das  Reich  dazu  oder  doch

!  Vgl  no.  233,  wo  König  Matthias  dieselbe  Vermutung  äussert;
Vischere  weiss  es  anders,  wie  aus  no.  242  hervorgeht.

Juli  7.

Juli  7.
        <pb n="640" />
        Juli  7.

618  1611  268.

viele  Stände  offendieren  müsste.  Er  will  sich  daher  nicht  entschliessen,
  bevor  er  die  Instruktion  gesehen  hat;  wenn  se
nicht  nach  seinem  Geschmack  ist,  wird  er  nicht  nach  Mühlhausen
zieben.!  Woher  diese  Kommission  erpraktiziert  worden  ist,  habe  ich
E.  kfl.  Gn.  schon  geschrieben.?  Der  Oberamtmann  hat  mich  auch  an
kaiserliches  Handschreiben  an  den  Landgrafen  lesen  lassen,  worin  der
Kaiser  einen  Grund  angibt,  weshalb  er  dam  Landgrafen  diese  Kommission
auftrug,  nämlich  weil  er  glaubbaft  berichtet  sei,  dass  der  Landgraf
die  Handlungen  des  Königs  und  der  Böhmen  nicht  gutheisse
sondern  sich  Öffentlich  habe  verlauten  lassen,  dass  in  diesem  Fall
das  Reich  den  Kaiser  keineswegs  verlassen  könne.  Ob  dies  wahr
ist,  davon  wusste  der  Oberamtmann  nichts  Gewisses,  doch  deutete  er
an,  dass  der  Landgraf  und  dessen  „complices“  an  dem  Gebahren  des
Königs  einen  Verdruss  zu  haben  anfangen  ®.  „Mich  aber  will  bedunken,  dass
es  nicht  wegen  des  kaisers  sonder  vielmehr  dessenhalben  beschee,
dieweil  sie  spuren  oder  je  argwohnen,  als  wolte  es  der  religion  und
anderes  halben  bei  dem  konig  nicht  also  schleunig  naher  gehen,  wie
sie  ihnen  vor  diesem  wol  eingebildet  gehabt.“  Gestern  noch  sah  ich
ein  Schreiben,  worin  man  gich  beschwert,  dass  bei  Besetzung  der
Aemter  in  Böhmen  die  Katholischen  nicht  ganz  praeteriert  würden  und
worin  angedeutet  wird,  als  wäre  es  der  Abrede  ungemäss.  Jedenfalls
ist  daraus  zu  schliessen,  ‚‚das  von  seiten  des  kaisers  und  des  konigs
nicht  viel  guets  zue  gewarten  sonder  notwendig  ein  ender-  und  verbesserung
  anderwertlich  gesucht  werden  musse  und  were  zu  wunschen,
dass  der  herzog  von  Brauuschweigh  zue  Wolffenbuttel  were.‘

Aus  Prag  wurde  geschrieben,  dass  nach  unserer  Abreise  die
Publizierung  der  Acht  gegen  die  Stadt  Braunschweig  erlangt
und  dazu  der  25.  Juni  bestimmt  worden  sei;  es  soll  auch  schon  der
Herold  fortgezogen  sein.  Gewiss  hat  der  Herzog  die  Achtsache  deshalb
so  beeilt,  damit  nicht  das  Kurkolleg  einen  „Einstand“  macht.  Da  aber
an  dieser  Sache  dem  ganzen  Reich  viel  gelegen  ist,  mit  ihr  aber  sehr
unordentlich  umgegangen  worden  sein  soll,  so  wäre  zu  wünschen,  dass
man  es  mit  Fug  verhindern  könnte  Wenn  E.  kfl.  Gun.  etwas  tun
können,  damit  dies  grosse  Feuer  unaugezündet  bleibt,  so  könnte  dem
Reich  und  de:n  Fürstenstand  nichts  Heilsameres  widerfahren.

Gestern  wurden  mir  zwei  Schreiben  des  heidelberger  Rats  Karl  Paul
mitgeteilt,  aus  denen  ich  einen  Auszug  machte  [fehlt];  ich  will  nicht
hoffen,  dass  an  dem,  was  den  Herzog  von  Braunschweig  betrifft,
etwas  ist.  An  dem  Abzug  des  Leuchtenbergers  allerdings  wäre  allein
zu  bedauern,  dass  er  nicht  schon  längst  erfolgt  ist;  denn  seine

ı  Vgl.  no.  216,  S.  509,  Aum.  1.
?  Das  Schreiben  fehlt  leider.

’  Vgl.  no.  256.

*  Vgl.  no.  261.
        <pb n="641" />
        268.  1611  619

„consilia“  scheinen  mir  nicht  weislich,  aufrecht  und  treulich,  ‚indeme
  vornehmblich  das  privatum  gesucht  worden  und  vielleicht  auss
not  gesucht  werden  mussen,  darauf  dan  die  schedliche  corruptiones
ihre  würkungen  erlanget.“  Man  hatte  mir  schon  zu  Prag  berichtet,
dass  sowol  der  Braunschweiger  als  Mollart  wegen  der  Markgrafschaft
  Finale  für  Leuchtenberg  sollizitierten,  wogegen  dieser  dem
Herzog  die  Acht,  Mollart  aber  ein  Lehen  in  Italien  im  Wert  von
100  000  Kronen  erlangen  half,  was  alles  durchgngangen  sein  soll,
ohne  dass  die  Umstände  gehörig  erwogen  wurden  und  die  nötigen
Untersuchungen  vorhergiengen;  an  Finale  soll  aber  viel  gelegen  sein  und
Spanien  dafür  ein  Darlehen  von  5—600  000  Kronen  geboten  haben;  —
kurz,  wenn  dem  Unwesen  und  Regiment  zu  Prag  der  Lauf  nicht
bald  gehemmt  wird,  ist  zu  besorgen,  dass  die  Ieute  in  der  Umgebung
des  Kaisers  den  Karren  ganz  verfahren  werden.

Wenn  man  gleich  anfangs  zu  Mühlhausen  einen  Weg  finden
könnte,  ‚dass  die  kaiserliche  verrichtung  in  diesem  fall  etwas  suspendiret,
darbei  aber  nicht  zu  weit  gangen,  I.  M.*  nicht  offendiret  und  vor
allem  dem  vicariatwesen  die  thure  nicht  geofinet  wurde,“  so  würde
Kaiser  und  Reich  dadurch  sehr  genützt  werden.  Ob  das  nicht  durch
Beförderung  des  Abzugs  des  Kaisers  aus  Prag,  Abforderung  der
Reichskanzlei  und  Einstellung  des  Reichshofrats  geschehen  könnte,
wäre  zu  bedenken;  vielleicht  wäre  am  besten,  gleich  nach  Ergänzung  des
Kollegs  über  den  Abzug  des  Kaisers  „und  wie  der  ohnordentliche  lauf
der  itzigen  kaiserlichen  regirung  etwas  sistirt  und  gehemmet  werden
konne,‘  zu  beraten;  denn  03  ist  grösste  Gefahr  im  Verzug  und  sollte
es  noch  ein  Vierteljahr  anstehen,  so  könnte  ich  mir  aus  dem  Verlauf,
den  ich  selbst  ansah,  nichts  anderes  einbilden  als  unwiederbringlichen
Nachteil  des  katholischen  Wesens,  Trennung  aller  Bande  unter  den
Ständen,  Vermehrung  des  Mistrauens,  Zerstreuung  und  Verschwendung
der  kaiserlichen  Güter  und  Rechte,  Begebung  aller  Vorteile,  Entfremdung
  der  ausländischen  Potentaten,  schmähliche  Verachtung  und
Verhöhnung  des  Reiches  an  Haupt  und  Gliedern,  Erhöhung  der  Bösen,
derer  man  nicht  mehr  ledig  werden  könnte,  kurz  gänzliche  Verwirrung
des  geistlichen  und  politischen  Wesens  und  also  Ruin  des  ganzen
Hauses  Oesterreich  nnd  des  Reiches.  Ich  bin  auch  nicht  der  Ansicht,
dass  man,  selbst  wenn  der  Administrationsstreit  nicht  beigelegt  werden
kann  und  das  Kollegium  unergänzt  bleibt,  deshalb  diesen  Beratungen
und  Beschlüssen  Einhalt  tun  und  wegen  des  Privatum  einiger  das
Publicum  zurückstehen  und  in  Gefahr  lassen  sollte;  nur  müsste  man  in
diesem  Fall  mit  dem  Kaiser  behutsamer  umgehen,  damit  nicht  dessen
Offension  erregt  werde,  „welche  [ksl.  M.']  alsdan  ihrem  bekanten  humor
nach  einen  und  anderen  malcontenten  an  sich  zihen  und  deme  oder
denselben  zue  I.  M.'  selbst  aigenen  gefahr,  schimpf,  schaden  und
nachtheil,  ja  verderb  und  ruinirung  ihres  aigenen  hauses,  des
heil.  reichs,  der  religion  und  der  ganzen  christenhait  in  allem  wilfaren
wurd,  inmassen  dieser  I.  M.'  humor  neben  vielen  vorgangenen

Juli  7,
        <pb n="642" />
        Juli  7.

Juli  8.

620  1611  268—269.

handlungen  sonderlich  mit  verordnung  dieser  Commission  und  ganzem
itzigem  regiment  offenbar  erscheinet.“!  Es  wird  aber  bedenklich  sein,
hievon  etwas  öffentlich  beim  Kurfürstentag  zu  proponieren;  E.  kfi.  Gn.
werden  hierüber  mit  Dero  geistlichen  Mitkurfürsten  vertraulich  reden
müssen.  Von  Sachsen  hoffe  ich,  dass  es  sich  aufrichtig  erzeigen  wird;
Gerstenberg  hat  mir  neulich  geschrieben,  er  hoffe  es  gewiss  dahin
richten  zu  können,  dass  Herzog  Johann  Georg  während  des  grössten
Teils  der  Verhandlungen  sich  zu  Salza  aufhalten  werde,  was  er  aus
sehr  erheblichen  Gründen  für  nützlich  hält.  Derselbe  Herzog  soll
sich  auch  zum  „spanischen  entertenement  nicht  ubel  verstehen,
allein  die  conditiones,  obligationes  und  exceptiones  zue  wissen  begeret.‘‘?
Ich  habe  desbalb  hiebei  an  Zuniga  geschrieben  und  bitte  um  Bestellung
dieses  Briefes  nach  Prag;  denn  Gerstenberg  sieht  für  gut  an,  dass
diese  Traktation  womöglich  zu  Anfang  des  mühlhauser  Tags  zu  begehrtem
Ende  gebracht  werde.  „Vor  derselben  zeit  und  endung  oder  schluss
wolt  vielermelter  herzog  ohngern,  dass  diese  tractation  weiters  auskommen
  solte;  nach  dem  schluss  aber  wird  er  es  kein  scheu  tragen.
Welches  dan,  da  es  zu  erlangen,  vielen  seltzame  gedanken  machen
und  zue  anderen  gueten  sachen  ohne  zweifel  wohl  dienen  wird.“
Datum  Schwalbach  den  7.  julii  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg
11.  julii  1611.
Wmz.,  Korrespondenz,  Bd.  1;  —  Or.  eigh.

269.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  den  Kurfürsten
Johann  Georg  von  Sachsen.

Ueber  den  plötzlichen  Tod  Deines  Bruders  bin  ich  vom  Grund
meines  Herzens  und  sonderlich  bei  jetziger  Gelegenheit  erschrocken.
Den  ansehnlichen  Gesandten,  die  der  Kaiser  zur  Kondolenz  abordnen  will,
soll  Günterode  vorausgeschickt  werden.®  „Vnd  weyl  nhul.kel.  M.!  zu
Dir  ein  sonderbars  gnediges  vertrawen  tragen,  das  Du  gleich  wie
Dein  bruder  sel.  Dich  gegen  I.  M.'  alle  bestendige  gutte  vnd  getreue
affection  bezeigen  wirdest,  darzu  ich  Dich  auch  ganz  treulich  ermanen
thue,  als  wil  ih  zu  Dir  disfals  keinen  zweiffel  setzen.  Der  Kinski
vnd  andere  redlingsfurer,  so  dieses  lumpen[?]spiel  angerichtet,  haben
vber  Deines  brudern  tottlichen  abgangk  ein  sonderbares  frolocken  vnd

|  m  on.

i  Vgl.  no.  262  und  no.  263.

?  Vgl.  no.  264.  Bei  den  Verhandlungen  wegen  einer  spanischen
Pension  für  Herzog  Johann  Georg  hat  Kurmainz  ebenso  die  Hand  im  Spiel
gehabt  wie  bei  den  entsprechenden  Verhandlungen  mit  Landgraf  Ludwig
von  Hessen-Darınstadt;  vgl.  unten  no.  280  und  Chroust,  Abraham  von  Dobna,
8.  204,  Anm.  2.

?  Vgl.  no.270.  Günterode  reiste  am  9.  Juli  der  Kondolenzgesandtschaft
voraus,  um  zu  vernehmen,  ob  die  Privatnachrichten  über  den  Todesfall  sich
bestätigten  (Vischere  an  Erzherzog  Albrecht  am  9.  Juli;  Brs.,  Secret.  d’Allem.,
no.  96,  f.  103;  Or.  eigh.).  Der  Kaiser  soll  nach  Vischeres  Bericht  über  die
Nachricht  „sich  zum  höchsten  entseat*  haben.
        <pb n="643" />
        269—270.  1611  621

dem  konige,  das  seiner  ergsten  feind  einer  gestorben,  gluk  gewinscht
vnd  das  es  andern,  so  gut  kaisserisch  sein,  auch  so  erghen  moge,
optirt.!  Vnd  weyl  der  konig  auch  schiken  wirdett,  als  wirst  Du
Dich  vorigen  Deines  gelibtten  brudern  resolutionibus  gemes  zu  erkleren
wissen;  dan  es  schewen  die  konische  den  churfurstentagk  wie  der
teuffll  das  kreutz.  Nhu  haltt  ich  aber  vor  ein  grosse  notturfit
I.  ksl.  M.!  vnd  des  reichs  zu  sein,  das  diese  sach  dahin  verschoben
werde.“  Glückwunsch  zur  angehenden  Regierung.  Datum  Prag  den
8.  julii  a.  1611.
Drs.,  1.  8683,  Schreiben  an  Kurfürsten  Joh.  Georg,  f.  12;  Or.  eigh.

970.  Kaiserliche  Instruktion  für  Adam  von  Trautmannsdorf,
  Hannewald  und  Günterode  zur  Schickung
nach  Dresden.

Auf  die  Nachricht  vom  Ableben  des  Kurfürsten  Christian  II.
haben  wir  zunächst  Günterode  nach  Dresden  geschickt,  haben  aber,  da
inzwischeu  die  Trauernachricht  bestätigt  wurde,  gleich  darauf  diese  Gesandtschaft
  zur  Kondolenz  und  zur  Gratulation  beim  neuen  Kurfürsten
abgefertigt.  —  Da  derselbe  gewiss  völlig  in  die  Fusstapfen  seines  Bruders
treten  wird,  so  bitten  wir  ibn,  dass  er,  da  der  fostgesetzte  Termin  des
Kurfürstentags  herannaht  und  die  weiter  entsessenen  Kurfürsten
wol  schon  auf  der  Reise  oder  gar  zu  Mühlhausen  sind,  sich  alle  Mühe
gebe,  damit  der  Tag,  an  dem  uns  und  dem  Reiche  so  viel  gelegen  ist,
nicht  verschoben  oder  gar  zerschlagen  werde  und  dass  er,  Kurfürst,
sich  dahin  begebe;  dadurch  würde  er  der  ganzen  Welt  zu  erkennen
geben,  dass  er  trotz  der  eingetretenen  Veränderung  und  des  bekümmerten
Zustandes  für  die  Erhaltung  unserer  kaiserlichen  Hoheit  und  der  gemeinen
Wolfahrt  sorgen  wolle.  Damit  der  Kurfürst  sein  Amt  aber  desto
füglicher  vertreten  kann,  übersenden  wir  ihm  einen  Lehensindult  auf
sechs  Monate.  Geben  auf  unserm  schloss  zu  Prag  den  9.  julii  a.  1611.

Nach  Ablegung  der  ersten  Werbung  sollen  die  Gesandten  vom
Kurfürsten  noch  geheime  Audienz  begehren  und  dabei  anbringen:  Der
Kurfürst  wird  gehört  haben,  dass  wir  mit  unserm  Bruder  in  Verhandlung
  stehen;  wir  wollen  ihm  daher  über  den  Stand  derselben
berichten  und  ihn  um  sein  Gutachten  ersuchen.  —  Da  wir  beim  letzten
böhmischen  Landtag  sowol  mit  dem  Ausschreiben  als  mit  der  Proposition
und  anderem  beschwert  uud  übereilt  worden  sind  und  man  sich  auf  unsere
reservierten  Punkte  schlecht  und  fast  schimpflich  erklärt  hat,  so  haben
wir  Bedenken  getragen,  uns  ohne  Rat  und  Zutun  der  Kurfürsten  in
feraere  Verhandlungen  einzulassen,  wie  dies  aus  unsern  verschiedenen

1  Bodenius  berichtet  am  9.  Juli  seinem  Herrn:  die  Kaiserlichen  seien
nagen  des  Todesfalles  sehr  betrübt,  bei  den  Königlichen  spüre  man  davon
te  (Mo,,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  26,  f.  119;  Or.  eigh.).

Juli  8.

Juli  9.
        <pb n="644" />
        622  1611  270

Juli  9.  Erklärungen!  hervorgeht.  Wir  wären  auch  dabei  geblieben,  wenn
nicht  wider  Erwarten  durch  Zunigas  Vermittlung  ein  neuer  schriftlicher
Vortrag?  angebracht  worden  wäre,  welcher  ad  partem  die  Warnung
enthielt,  dass,  wenn  wir  bei  voriger  Meinung  verbleiben  und  in  keine
weiteren  Verhandlungen  willigen  wollten,  die  Schlussklausel  der  letztes
Schrift  dahin  angesehen  sei,  uns  die  geringen  für  unsern  Unterhalt
bestimmten  Gefälle  zu  sperren,  die  Wachen  zu  verstärken,  noch  andere
gegen  uns  vorzunehmen  und  allenthalben  zu  verbreiten,  dass  wir  uns  zur
Vergleichung  nicht  hätten  bequemen  wollen,  während  der  andere  Teil
sich  nach  Möglichkeit  angegriffen  hätte.  Um  nun  solchen  Unglimpf.
die  gänzliche  Entfremdung  des  Reiches  und  der  Länder  und  gross
Bedrängnis  zu  verhüten,  haben  wir  nach  reiflicher  Beratung  auf
Begehren  unseres  Bruders?  Kommissarien  abgeordnet,  die  gemäss  unserem
Dekret*  mit  denen  unseres  Bruders  über  die  bezeichneten  Punkte’
reden,  aber  nichts  Endgiltiges  schliessen  sollen.  Wie  der  Bericht
ergibt,  ist  man  damit  noch  nicht  weiter  gekommen;  unsere  Abgeordneten
haben  zwar  einen  Ratschlag’  verfasst,  trotzdem  möchten  wir  aber  hierin
am  liebsten  mit  Beirat  Kursachsens  und  seiner  Mitkurfürsten  verfahren.
Wir  bitten  daher  S.L.,  uns  nicht  zu  verlassen,  uns  sein  Gutachten  zu  eröffnen
und,  wenn  auch  er  für  das  Beste  ansieht,  dass  wir  (nach  der  Meinung
unserer  Abgeordneten)  die  begonnenen  Verhandlungen  zwar  fortsetzen,
den  endlichen  Schluss  aber  bis  zum  Kurfürstentag  aufschieben  sollen
(worauf  wir  bereits  die  Instruktion  unserer  Kommissarien  zu  diesem
Tag  gerichtet  haben),  unsern  Bruder  mündlich  oder,  falls  dieser
durch  Schreiben  oder  Schickung  bei  ihm,  Kurfürsten,  etwas  anbrächte,

-  durch  schriftlichen  Bescheid  dahin  zu  vermögen,®  dass  er  sich  gleichfalls

!  Kaiserliche  Erklärung  wegen  der  Eidesentlassung  vom  21.  Alai;  vgl.
no.  194,  8.  469,  Anm.  1.  Kaiserliche  Resolution  vom  27.  Mai;
no.  200,  8  486,  Anm.  1.  —  Kaiserliche  Resolution  vem  5.  Juni  auf  Zunigs:
Anbringen;  vgl.  no.  227,  8.  632,  Anm.  2.  —  Kaiserliche  Erklärung  vom
‘  165.  Juni,  durch  Zuniga  dem  König  vermittelt;  vgl.  no.  238,  8.  552,  Anm.  4

3  Resolution  des  Königs  vom  21.  Juni;  vgl.  no.  248,  S.  683,  Anm.  35.

°  Ein  Anhang  zu  vorigem  Stück  vom  gleichen  Tag:  Der  König  sieht
aus  den  Schriften,  dass  alles  nur  hinausgezogen  werden  soll;  da  er  abe
längerenVerzug  nichtertragen  kann,  muss  er  sich  zu  baldiger  Abhilfe  entschliessn;
die  Verhandlungen  würden  gefördert  werder,  wenn  der  Kaiser  aus  seinen  Rätes
einige  zu  Konımissarien  verorduete,  der  König  würde  dann  dasselbe  tun;  diese
Kommissarien  hätten  die  Punkte  zu  erörtern,  die  nach  der  Krönung  noch  übrig
blieben  und  darüber  nach  Möglichkeit,  jedoch  auf  Ratifikation,  schlüssig
zu  werden  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  22;  Kopie).

*  Kaiserliches  Dekret  vom  29.  Juni;  Hammer-  -Purgstall,  Koblees
Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,  no.  321.

°  Hammer-Purgstall,  a.  a.  O.,  no.  313.

®  Bericht  der  kaiserlichen  Kommissarien  vom  6.  Juli;  Hammer-Purgstall,
  a.  a.  O.,  no.  323.

!  Gutachten  der  kaiserlichen  Kommissarien  vom  7.  J  uli,  worin  sie  mit
Rücksicht  auf  das  Entgegenkommen  der  königlichen  Kommissarien  Fortsetzung
der  Verhandlungen  ompfe  hlen  (Wi,  I  Al,  Ka.  2989;  Or.)

°  Vgl.  unten  no.  279.
        <pb n="645" />
        270—211.  1611  623

gedulde  und  wegen  eines  endlichen  Schlusses  nicht  stärker  in  uns
dringe  sondern  uns  gebührlich  respektiere.  —  Endlich  hat  uns  unser
Bruder  durch  einige  böhmische  Landoffiziere  mündlich  und  schriftlich  1
um  die  Belehnung  ersucht,  worauf  wir  vorläufig  antworteten,  wir  wollten
der  Sache  nachdenken.  Nun  hören  wir,  dass  man  deswegen  zum
dritten  mal  in  uns  dringen  und  im  Fall  der  Weigerung  „documenta
trinae  requisitionis“  begehren  und  protestieren  werde.  Wir  wollen  daher,
damit  unserm  kaiserlichen  Recht,  der  Hoheit  des  Reiches  und  dem
kurfürstlichen  Interesse  nichts  vergeben  wird  und  damit  man  auch
inzwischen  sieht,  wie  die  gütliche  Handlung  zwischen  uns  Brüdern
abläuft,  auch  diesen  Punkt  auf  dem  Kurfürstentag  beraten  lassen.
Da  bei  der  Belehnung  grösste  Vorsicht  nötig  ist,  so  bitten  wir  E.  L,,
beiliegenden  Lehensbrief?  Karls  V.  zu  prüfen  und  darüber  unsern
Gesandten  Dero  Gutachten  zu  eröffnen.”  Geben  auf  unserm  königlichen
schloss  zu  Prag  den  9.  juli  a.  1611.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd,  106,  no.  29  und  80;  Kopien.‘

271.  Hippolyt  von  Colli  an  Fürst  Christian  von  Anhalth.

Günterode  hat  mir  E.  Exz.  Schreiben  überliefert.  Er  zeigt  sic.
sehr  eifrig,  aber  ich  fürchte,  „qu’il  aye  les  reins  trop  foibles.“
Gestern  sagte  er  mir,  dass  auf  seinen  Bericht  hin  der  Kaiser

x  !  König  Matthias  an  den  Kaiser  am  9.  Juli  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  27;
ie).
);  Lehensbrief  Kaiser‘  Karls  V.  für  König  Ferdinand  wegen  Böhmen
vom  13.  Juli  1541  (Wmz,,  a.  a.  O.,  no.  28;  Kopie).
®  Khlesl  hatte  also  nicht  Unrecht,  wenn  er  am  4.  Juli,  nachdem  er  dem
Erzherzog  Maximilian  von  den  bisherigen  günstigen  Ergebnissen  der  Verhandlungen
  berichtet  hatte,  schliesslich  bemerkt:  „Wessen  sich  nun  I.  M.t  der  kaiser

resoluiren,  dessen  muess  man  erwarten.  Wie  ich  I.  ksl.  M.t  natur,  condition:

vnd  dispositio  khenne,  halte  ich  wenig  dauon,  dan  sie  wollen  das  kunigreich
vnd  alle  andere  länder  wirkhlich  haben.  Man  vertrag  sich  vnd  maclı
conditiones,  wie  man  wölle,  so  bleibt  der  humor,  wie  schon  zum  andermaln
geschehen.  Dabey  wullen  E.  D.t  meiner  prophezeihung  gedenkhen*  (Ib.,
Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juli  1611,  no.  23;  Or.  eigh.).

*  Kurfürst  Johann  Georg  antwortete  am  4./14.  Juli  mit  einem  Hinweis  auf  eine
mündliche  Erklärung  an  Günterode  (vgl.  no.  277):  Was  er  dabei  versprochen  hat,
will  er  sein  Leben  lang  halten,  damit  jeder  sieht,  dass  die  Treue  des  verstorbenen
  Kurfürsten  gegen  den  Kaiser  nicht  mit  ihm  gestorben  ist.  Die
kurfürstlichen  Räte  mussten  von  Mühlhausen  abberufen  werden,  weil  ihre
Vollmachten  erloschen  waren;  er  selbst  kann  vor  dem  Begräbnis  und  vor
Anstellung  seiner  Regierung  nicht  das  Land  verlassen;  sobald  ‘aber  ein
neuer  Kurfürstentag  ausgeschrieben  ist,  will  er  sich  persönlich  einstellen.
Die  Akten  der  brüderlichen  Vergleichung  hat  er  geprüft,  will  aber  den
andern  Kurfürsten  mit  seinem  (Gutachten  nicht  vorgreifen,  er  persönlich
rät  zur  Fortsetzung  der  Verhandlungen,  doch  dass  der  Kaiser  sich  wegen
des  endgiltigen  Schlusses  das  Gutachten  der  Kurfürsten  vorbehält  (Winz.,
Beichstagsakten,  Bd.  105,  no.  31  und  841;  Kopie).

Juli  9.

Juli  9.
        <pb n="646" />
        624  1611  211.

Juli  9.  entschlossen  sei,  den  Markgrafen  vonAnsbach  hieher  zu  berufen;!
aber  ich  weiss  nicht,  ob  es  dem  Markgrafen  zu  raten  ist,  hieher  zu
kommen,  bevor  er  sicher  ist,  weshalb.  Es  gibt  hier  mehr  Intriguen
als  man  glaubt.  Zufiga  soll  auf  jede  Weise  versuchen,  die  Absichten
Braunschweigs  zu  durchkreuzen.?  Der  Herzog  will  seinen  Eid  [als
Obersthofmeister]  nicht  eher  ablegen,  bevor  er  weiss,  was  der  Kaiser
ihm  aussetzen  will;  manche  finden  dies  von  einem  so  mächtigen
Fürsten  etwas  sonderbar.  E.  Exz.  spotten  meiner  mit  Ihrer  Anspielung
wegen  des  geheimen  Rats;  aber  ich  würde  Sie  eher  um  eine  Schulmeisterstelle
  in  einem  kleinen  Dorf  bei  Bernburg  bitten,  ehe  ich  eine
solche  Stelle  hier  annähme.

Der  Tod  des  Kurfürsten  von  Sachsen  ist  gewiss;  „comme  on
la  tient  icy  pour  telle,  la  prophetie  de  V.  Exc.  est  verifi6e;  mais  ie  ne
pensois  pas  d’escrire  qu’il  fut  impossible  de  [!]  et  scachant  qu’il  a  moyens
d’autre  coste,  mais  de  costs  icy  ie  nen  uoyois  pas  un.  Lempereur
y  estoit  totalement  port#“;  er  hat  Matthias  noch  nicht  als  Kurfürsten
anerkannt  und  gibt  vor,  er  behalte  diese  Würde  sich  selbst  vor;  auch
ist  der  König  nicht  belehnt  und  wird  von  den  Kurfürsten  nicht
als  Kollege  anerkannt.

Eben  kommt  Hans  von  Aachen,®  der  mir  tausend  schöne  Sachen
von  des  Kaisers  grosser  Zuneigung  zur  Kurpfalz  und  von  dessen
Freude  an  der  Antwort  erzählt,  die  ihm  Günterode  von  E.  Eız.
überbracht  hat  „et  de  l’estime  que  msr.  le  duc  du  Braunswig  fait  de
madamoiselle  ma  personne.‘“  Der  Kaiser  will  Trautmannsdorf  und
Hannewald  nach  Dresden  schicken,  um  Herzog  Johann  Georg  zu
bitten,  trotz  des  Todesfalls  mit  dem  Kurfürstentag  fortzufahren,
obwol  er  noch  nicht  belehnt  ist;  denn  die  Verschiebung  des  Kaurfürstentags
  wäre  den  Angelegenheiten  des  Kaisers  sehr  schädlich.
Hans  von  Aachen  sagte  mir  auch,  dass  weder  der  Kaiser  noch
Braunschweig  daran  dächten,  Hannewald  zum  Vizekanzler  zu  machen.‘
Baugy  ist  nach  Frankreich  zurückberufen  worden  und  hat  sich  schon
vom  Kaiser  verabschiedet.  De  Prague  co  29.”®  de  juing  1611.  —
Praes.  Heidelberg  5.  julii  1611.

Bbg,,  A  9a,  no.  107,  f.  75;  Or.  eigh.5

ı  Vgl.  no.  266,  8.  697,  Anm.  1.

?  Vgl.  no.  223,  8.  525,  Anm.  1,  no.  226,  no.  238.

®  Kammerdiener  und  Hofmaler  Rudolfs  II.;  vgl.  über  ihn  unten
no.  281  nnd  G.K.  Nagler,  Neues  allgemeines  Künstlerlexikon,  I.,  München,
1885,  8.  10.  Colli  war  bei  seiner  ersten  Gesandtschaft  im  Januar  1611
durch  Rosenberg  an  ihn  empfohlen  worden  (Colli  an  den  Administrator  der
Kurpfalz  am  31.  Januar,  Mb.,  101/4,;  —  Or.  eigh.).

*  Vgl.  no.  263.

°  Gleichzeitig  schreibt  Colli  an  den  Administrator  der  Kurpfalz  au
führlich  über  die  Verhandlungen  wegen  des  brüderlichen  Vergleichs  (Mb.
101/4;  —  Or.  eigh.).
        <pb n="647" />
        272.  1611  625

272.  P.  Mander  von  Neuhausen  an  Erzherzog
Maximilian.

Die  Kurfürsten  erzeigen  sich  unter  dem  Schild  ihrer  Pflicht  ‚‚wegen
kaiserlicher  protection“  in  Betreff  der  Wahl  zum  römischen  König
zur  Zeit  noch  einhellig  wider  den  König  gesinunt;  doch  hat  sich  Kurköln
gegen  die  königlichen  Gesandten  dahin  vermerken  lassen,  dass,  wenn
der  modus  agendi  et  petendi  etwas  gemildert  würde,  die  Kurfürsten
sich  dann  dem  König  nicht  zuwider  erweisen  würden.!  „Dieweil  aber
die  gewisse  nachrichtung,  dass  Maintz  von  der  ersten  des  Hanibals
relation?  et  sinistris  officiis  schwärligen  abzuewenden,  auch  sie,  die
churfursten,  etwas  grössere  demonstrationes  von  I.  kgl.  M.'  erwarten
dan  vielleicht  ervolgen  möchten,  inmittels  die  uncatholischen  ihren
fürschueb  und  der  catholischen  entliche  underdruckung  suechen,  zue
solchem  auch  ganz  thienlich  zue  sein  erkennen,  wan  J.  ksl.  M.!  in
irem  bruederlichen  widerwillen  biss  zum  todt  verbleiben,‘  so  wird  der
Papst  auf  meine  Erinnerung  mit  nächster  Post  ein  ernstliches  Breve
an  die  drei  geistlichen  Kurfürsten  insgesamt  und  ein  besonderes
an  Kurkölin  abgehen  lassen,  damit  sie  Gott,  der  Religion,  gemeinem
Wesen  und  dem  Hause  Oesterreich  zu  gutem  „in  etlichen  weltweisen
praetensionibus‘  etwas  nachgeben  und  wegen  des  Intents  der
Unkatbolischen  die  Augen  aufmachen,  was  um  so  'fruchtbarer  sein
wird  als  Erzherzog  Albrecht  (wie  mir  Graf  Zollern,  der  von  Kurköln
an  Erzherzog  Albrecht  dieser  Tage  eben  deshalb  geschickt  worden,
schrieb)  wahrscheinlich  auf  spanische  Weisung  bei  Kurköln  stark
anhält,  dass  König  Matthias  ohne  Verzug  zur  römischen  Krone
komme.®  Da  ich  gewiss  hoffe,  dass  die  Wahl  schliesslich  zu  Gunsten
des  Königs  ausschlagen  wird,  aber  viel  daran  liegt,  dass  er  nicht
in  weitaussehende  Zwistigkeiten  gebracht  wird,  so  wäre  gut,  wenn
E.  hfl.  D.  dies  dem  König  vertraulich  zu  wissen  täten,  damit
er  zur  Beförderung  alles  Wolstands  und  zur  Ausschliessung  gedachten
Unheils  bei  den  geistlichen  Kurfürsten  nichts  unterlässt  und  des
Papstes  Wolmeinung  und  Beförderung  dankbar  erkennt  und  sich  erhält.
Rom  den  9,  julii  1611.  —  Praes.  17.  juli  1611.

Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juli  1611,  no.  81;  Or,  eigh.

*  Davon  enthält  der  kurkölnische  Besch«id  an  die  königlichen  Gesandten
  vom  7.Mai  (vgl.  no.  144,  8.851,  Anm.  4)  nichts;  wol  aber  sagt  der
Kurfürst  u.a.:  „...  darbei  auch  dar  zu  erweger.,  da  es  dahin  kommen  solt,  dass
villeicht  1.  kgl.  W.  durch  diese  der  Bohemen  fürgenommene  starke  impresa
bei  den  loblichen  churfursten  zu  unverschuldtem  verdacht  kommen,  die
gemüter  alieniren  und  andere  ungelegenhait  uber  sich  ziehen  möchten,
welches  8  chfl.  D.t  weiss  Gott  ungern  sehen  und  I.  kgl.  W.  nit  gunnea
wolten®  (Ma.,  39/9,  f.  45;  Kopie).

?  Gemeint  ist  wol  die  Werbung,  die  Hannewald  im  September  1608

im  Namen  des  Kaisers  bei  Kurmainz  abgelegt  hatte;  vgl.  Briefe  und’

Akten,  VI.,  no.  262  und  224.
®  Vgl.  no.  228.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd  4

Juli  9.
        <pb n="648" />
        Juli  9.

‘626  1611  273.

273.  Eigenhändige  Aufzeichnungen  des  Fürsten
Christian  von  Anhalt  über  seine  Unterredung  mit
dem  Kurfürsten  von  Mainz.

L  Anbringen  des  Fürsten:  Hinweis  auf  ein  Schreiben  des  Administrators
  der  Kurpfalz  vom  11,  Februar  1611  wegen  der  Successios
und  auf  die  darauf  erfolgte  Antwort.!  —  „Es  hette  aber  seid  dem  und  noch
in  neuligkeyt  Hferr]  A[dministrator]  P[falz]“  geheimste  versiegelte  Sachen,
darunter  das  Successionswerk,  die  Originalreverse  und  die  Berichte  über
das  zu  Neuschloss,?  Ladenburg,?  Heidelberg‘  und  mit  M[ainz]  selbst
Verhandelte  erlangt.  Der  Administrator  hat  sodann  den  gefährlichen
Zustand  des  Reiches  mit  Zuziehung  besonders  verpflichteter  Räte  erwoges
und  befunden,  dass  die  vorigen  Consilia  fleissig  fortgesetzt  werden
sollen;  denn  dieselben  Erwägungen  wie  damals  gelten  auch  jetzt  und
bedarf  die  gegenwärtige  Lage  der  Abhilfe  noch  viel  mehr.  —  Er  hat
daher  durch  mich  dem  Kurfürsten  von  Mainz  in  besonderem  Vertranes
eröffnen  lassen  wollen,  dass  er  die  vorigen  Consilia  völlig  billigt  und
bei  ihnen  verharren  will,  zumal  er  befunden  hat,  dass  die
vier  rheinischen  Kurfürten  einander  zugesagt  haben:  1.  „der  denominirten
person  in  casu  caducitatis  das  votum  zu  geben,  inmittelst  aber  «&amp;amp;
in  hochstem  silentio  zu  behalten  ;  2.  auch  woferne  doch  nicht  alle,
doch  der  mehrer  consens  im  collegio  erlangt,  derselben  person  nicht
zu  .endern,  bestendig  darbei  zu  beharren  und  zur  erledigter  posgession
kommen  zu  lassen;  3.  auch  do  vivente  nostro  imperatore  die  benante
person  abgienge,  wie  es  von  neuem  zu  halten.“  Aus  dem  Bericht
was  zu  Ladenburg  zwischen  Pfalz  und  Mainz  verhandelt  worden  ist,5  geht
die.Einigkeit  der  vier  Kurfürsten  hervor.  Damals  ist  Hauptzweck  der
Handlung  gewesen,  dem  gefährlichen  Zustand  und  dem  Mistrauen  im  Reich
abzuhelfen,  da  sonst  die  dignitas  imperii  Romani  an  Auswärtige  zu
kommen  und  das  Reich  getrennt  zu  werden  drohte.  Den  Zwcek  orreichte
  man,  indem  man  sich  zeitlich  eines  gewissen  Suocessors
verglich,  damit  eg  begebenden  Falls  nicht  langen  Disputierens  wegen
der  Person  bedürfte.  Derselbe  Gesichtspunkt  gilt  auch  jetzt.

Darüber  wollte  der  Administrator  sich  durch  mich  Kurmainz  eröffnen
und  ihm  versichern  lassen,  dass,  wie  der  verstorbene  Kurfürst  von  der
Pfalz  bei  diesem  Zustand  des  Reiches  nicht  auf  das  zu  sehen  begehrte,
was  ihm  durch  die  goldene  Bulle  und  das  Herkommen  im  Fall  de
Vakanz  gebührte,  so  auch  er,  der  Administrator,  die  getroffenen  Bit
schliessungen  behaupten  helfen  wolle;  dagegen  möge  der  Kurfürst  voa
Mainz  mitteilen,  was  er  zu  tun  gedenke  und  was  die  andern  Kurfürsten
vorhätten.  —  Der  verstorbene  Kurfürst  von  der  Pfalz  war  nieht
daran  schuld,  dass  mit  Sachsen  und  Brandenburg  nicht  verhandelt

!  Vgl.  no.  64  und  no.  70.

2  Vgl.  Briefe  und  Akten,  I.,  no.  457  und  no.  458,  V.,  8.  891.

®  Vgl.  Briefe  und  Akten,  I.,  no.  467.

“  Vgl.  Briefe  und  Akten,  V.,  S  896,  VI,  no..198.
°  Yon  1607  }'ai  19  /29.;  der  Bericht  scheint  ungedruckt  zu  sein.
        <pb n="649" />
        273.  1611  627

worden  ist.  Nach  der  ladenburger  Relation  war  es  C[öln]  bedenklich,
sich  mit  S[achsen]  zu  übereilen;  auch  mit  Brandenburg  sollte  es  auf  eine
persönliche  Zusammenkunft  gestellt  werden  („dieweyl  ohne  das  die
maiora  gemacht);  indessen  aber  die  sachen,  ut  notum,  nit  so  sein
wollen  vnd  obwol  otzliche  vermeynten,  es  wehre  die  emulatio  wegen
M[aximilian?]  der  beschaffenheyt,  dass  bierdurch  alle  diese  consilia  verhindert,
  so  hielten  doch  H[err]  A[dministrator]  darfür,  es  liesen  sich  solche
consilia  andergestalt  nicht  vmbstossen,  ja  eben  dass  noch  durch  diese
mutation  denselben  consiliis  neher  zu  komınen.  Hferr]  A[dministrator]
wehre  durchauss  der  meynung,  63  wehre  in  keynem  wege  zu  gestatten,
dass  M[atthias]  zuzulassen,  sich  mit  gewalt  eynzudringen  ;  durch  ordentliche
wahl  konne  es  nit  seyu  1.  ratione  obligationis,  2.  imperatoris,  3.  dass
sich  Matthias]  allen  teilen  verhast  gemacht.  —  Ist  so,  bleybt
es  billich  bei  dem  M[a]x[imiliano]‘.  Auch  abgesehen  von  diesen
Hindernissen  findet  der  Administrator,  dass  es  wegen  Matthias  viele
Bedenken  haben  würde;  „auch  weyl  man  imperatori  aliquo  modo  eyne
satisfaction  wurde  thun  müessen,  wurde  es  vnter  anderm  in  deme
geschehen  miussen,  dass  man  derselben  zu  verstehen  gebe,  man  wolte
in  zur  succession  nicht  kommen  lassen;  dan  ob  ihne  wol  imperator
vorschlage,  so  seye  es  nuhr  eyn  gezwungene  devotio  vnd  scheynet
also,  dass  sich  der  punctus  mit  dem  patrimonio  nuhmer  [besser]
also  zuvor  geben  wurde.“  Das  ist,  was  der  Administrator  Kurmainz
im  Vertrauen  eröffnen  lassen  wollte.

II.  Erwiderung  des  Kurfürsten:  Der  Kurfürst  erinnerte
darauf  gleichfalls  an  das  Schreiben,  das  der  Administrator  im  Februar
an  ihn  hatte  abgehen  lassen  und  äusserte,  dass  die  Not  und  die
Ursachen,  zu  vorigem  „Remedium‘  zu  greifen,  jetzt  ebenso  dringlich
seien  wie  damals,  Auf  das  Schreiben  des  Administrators  hin  hat
er  vertraulich  an  Köln  und  Trier  geschrieben;  aber  beide
antworteten,  es  liessen  sich  diese  Buccessionsdinge  nicht  von
den  andern  absondern  und  wären  am  besten  bei  einer  Zusammenkunft
  zu  verhandeln.  Die  grossen  Hindernisse  liegen  beim  Hause
Oesterreich  selbst.  „Sonst  regt  alles  an  fur  Mattiam,  bepstliche  H.!,
Spanien,!  erzherzog  Albertus,  bruder,  vettern,  rethe  und  jedermann  dringen
drauff.“  Vor  drei  Tagen  ist  ein  Substitutus  des  kölner  Nuntius  hier
gewesen,  der  ein  Breve  des  Inhalts  brachte:  weil  Matthias  nunmehr  auch
in  Böhmen  gekrönt  sei,  so  solle  Mainz  sich  ihn  beim  Kurfürstentag
zur  Succession  empfohlen  sein  lassen.  Der  Kurfürst  antwortete,  er
wisse  von  keinem  Wahltag;  käme  aber  dergleichen  vor,  so  werde  er
sich  seines  Eids  erinnern  und  werde  ınit  keinerlei  Praejudizien
sondern  mit  freier  Hand  auf  dem  Kurfürstentag  erscheinen;  ?

!  Vgl.  no.  207,  8  496,  Anm.  1.

?  Das  Breve  feblt  in  Wmz.,  wol  aber  ist  die  Antwort  vom  4.  Juli
vorhanden:  In  Mühlhausen  werde  von  Stillung  der  prager  Unruhen  und  von
Wiederherstellung  des  Kaisers  und  des  Friedens,  von  der  Ergänzung  des  Kurkollegs
  und  Erneuerung  des  Vereins,  vom  Justizwesen  und  von  der  Reformation

40*

Juli  9,
        <pb n="650" />
        Juli  9.

628  1611  773.

auch  Albrecht  hat  durch  Gesandte  bei  ihm,  Kurmainz,  für  Mattkis
interzedirt,  doch  mit  dem  Beifügen,  er  täte  es  auf  Ersuchen  des

"Matthias,  dem  es  nicht  abgeschlagen  werden  konnte.!  „Die  Consilia  mt

Maximiliano  wehren  gut,  aber  Maximilianus  wolt  nit  dazu  verstehen,
hette  de  nouo  sich  gegen  Mattiam  verobligirt,  ihme  nicht  entgegen  ru
sein.  Coln  hette  angezaigt,  zu  Prag  Maximilianus  hette  sich  erpresst
erklert:  sie  konden  imperatoris  sachen  vnd  procedere  nicht  defendires
noch  loben  vnd  mussten  ex  partibus  Matthiae  bleiben.“  —  Wege
Matthias  ist  Kurmainz  der  Meinung,  dass  Khlesl  alles  regiert,  „ob
ihn  konte  Mattias  nicht‘?  Auch  versicherte  der  Kurfürst,  das
Kursachsen  sich  durchaus  nicht  zu  Matthias  verstehen  wolle;  darı®
hätte  man  sich  zu  verlassen;  die  grossen  Versprechungen  de
Gesandten  des  Matthias  seien  nur  Fiktionen.  Zu  Prag  hätten  dr
Kurfürsten  dem  Kaiser  ein  Schreiben  übergeben  lassen,  dass  er  sd
zur  Succession  verstehen  möge,?  aber  sie  hätten  darauf  keine  Anter.
erlangt.  Man  müsse  zu  Mühlhausen  von  dieser  Materie  weiter  reden.  —
Der  Kurfürst  besorgt,  dass  es  wegen  Maximilian  schwer  fallen  wert:
cr  sei  dem  Kaiser  verhasst,  komme  wegen  der  Heirat  mit  seine
Bruder  Albrecht  in  Händel  und  sei  „sehr  colerisch  und  singularh‘.
Kurmainz  „hett  ezlich  mahl  dess  Alberti  gedacht  vnd  dass  er  nis
so  spanisch  als  man  ihn  macht.  Coln  were  wegen  Beyern  impentt
verdechtig  sed  iunocenter.‘‘  —  Die  Punkte  des  mühlhbauser  Taf
sollen  sein:  Ersänzung  des  Kollegs,  Ersetzung  und  Besserung  &amp;amp;

Regiments,  Reassumtion  des  Reichstag.  Der  Kurfürst  meint,

Kurfürstentag  werde  einen  Wahltag  verursachen,  und  rät,  dass  #
Adninistrator  schleunig  seine  Räte  vorausschicke  und  selbst  ba}
nachfolge;  unterdessen  könnte  er  in  den  Kurverein  aufgenommen  werde:
daher  solle  er  das  grosse  Siegel  mitbringen;  der  Kaiser  müs
dahin  gewiesen  werden,  nur  Ruhe  zu  begehren  und  einen  Wahl
zuzulassen;  „‚‚Albertus  musse  spanisch  sein  coacte;  dess  brot  ir
esse,  dess  lied  ich  singe“.  Vischere  sei  neulich  da  gewesen.

„N.  Cöln  hette  Leopoldo  grosse  promissiones  gethan,  seine  fauterd
zu  sein;  daruber  hette  der  junge  herr  zu  sehr  getrauet.

Als  ich  Baiern  gedacht,  dass  er  imperatori  vil  authoritet
nnmmen  durch  die  pacification  mit  der  union  inscio  caesare,  wolt®&amp;amp;®
vermenteln;  als  ich  aber  fortfur,  dass  Baiern  hette  neben  dem  unit®
dess  kaisers  volk  zu  Passau  den  kopf  entzwei  schlagen  [wollen],  sf%
er  »ei,  ei,  ei«,  et  tacebat.  —  Wurde  ihme  [?]  auch  Frankni
desseing  benommen.“  —  Die  Kurfürsten  hätten  sich  wegen  des  4*

des  kaiserlichen  Hofes  die  Rede  sein,  hauptsächlich  aber,  ob  man  die  we
eines  römischen  Königs  daselbst  vorbereiten  könne;  der  Au  Insee  52
nicht  vorhersagen,  doch  werde  der  Kurfürst  sich  alle  mögliche  Mühe  gei@
(Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  81°;  lateinisches  Kpt.).  —  Die  Ni
teilung  an  Anhalt  lautete  anders.

’  Vgl.  no.  224  und  no.  272.

®  Vgl.  no,  200,  8.  487.

°  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  IL,  S.  188  und  8.  18
        <pb n="651" />
        273.  1611  629

ministrators  eines  Votums  verglichen,  —  „Kaiser  habe  sieh  vernehmen
lassen,  dass  ihme  keyne  consilia  jehmals  besser  angestanden  als  die
neynige,  derentwegen  er  mich  zweymahl  beschreiben  wollen“.  -—  Kurmainz
iusserte  schliesslich  auch  Unzufriedenheit  mit  Braunschweig.  29.  junii

1611.  Aschaffenburgk.
Bbg.,  A  9a,  no.  1553,  f.  17  und  f.  24;  eigenhäudige  Aufzeichnungen.!

ı  Am  T  en  schreibt  Anhalt  aus  Heidelberg  an  den  Markgrafen  von

Ansbach:  Ich  komme  von  Kurmainz,  „l’ayant  laisse  derechef  si  bien  edifie
le  moy,  que  ie  [!]  senlement  peur,  qu’il  me  vouldra  donner  vne  foys  sa
'oyx.  11  tient  a  bon  esciant  le  party  de  nostre  administrateur  de  sorte,
jue  ie  n’ay  pas  mal  negoti6.  Le  deoes  du  feu  eleoteur  de  Saxe  o00asionera
Ies  difficultez,  si  non  au  Vostre  voyage,  aux  moyns  aux  desseings  plus
werticuliers“  (Be.,  Rep.  88,  Unionsacta  ad  tom.  XII,,  f.  7;  Or.  eigh.).

Das  Protokoll  der  Sitzung  des  kurpfälzischen  geheimen  Rats  vom
„11.  Juli  liefert  zu  obigen  Aufzeichnungen  mancherlei  Ergänzungen:  Darnach
rarde  in  Aschaffenburg  zunächst  wegen  der  Einnahnıe  des  Administrators  in
en  Kurverein  geredet,  wobei  Kurmainz  im  Vertrauen  mitteilte,  dass  die
sistlichen  Kurfürsten  sich  geeinigt  hätten,  dem  Administrator  im  Besitz  zu
ıssen;  er  empfahl  daher  das  Erscheinen  des  Administrators  in  Mühlhausen
Kurmainz  erfahr  erst  am  10.  Juli  in  Aschaffenburg  vom  Ableben  Christians  II.  ;
iurmainz  an  Anhalt  am  11.  Juli;  Bbg.,  a.  a.  O.,  f.  26;  Or.  eigh.];
ugleich  deutete  er  an,  dass  er  von  Pfalz-Neuburg,  besonders  von  Pfalzgraf
Volfgang  Wilhelm  beleidigt  sei,  und  versicherte,  dass  Trier  sich  nicht
beondern  werde.  —  Darauf  berichtete  Anhalt,  dass  man  in  Heidelberg  die
uccessionssache  beraten  und  dabei  gefunden  habe,  dass  die  alten
ründe  jetzt  fast  noch  stärker  ins  Gewicht  fielen  als  vordem;  daher
olle  der  Administrator  bei  den  frühern  Verhandlungen  bleiben.  Dieser
abe  auch  von  der  Einstimmigkeit  der  geistlichen  Kurfürsten  gern  gehört,
amit  die  Königswürde  nicht  an  Ausländer  komme,  und  hoffe,  dass  Mainz
ich  nicht  zu  einem  andern  bereden  lassen  werde.  Er,  Anhalt,  habe  auch  den
‚uftrag,  den  Verzug  zu  entschuldigen,  dass  die  Handlung  [von  Neuschloss  ?]
echsen  nicht  wäre  mitgeteilt  worden;  „(öln  hett  avisirt  innzuhalten.
Ibwol  etliche  hielten,  dass  dieser  schluss  propter  mutationem  in  Bohemia
mbgestossen,  so  liesse  es  Joch  administrator  bei  obigem  vortrefflichen
echiuss  der  mehrer  theil  ohurfursten  bewenden.  Saxen  möcht  Matthiae  auch
&amp;gt;  leicht  nit  zufallen,  item’  caesar  darzu  nit  verstehen  und  möchte  gegenbeit
  an  handen  geben,  patrimonii  wegen  auch  etwas  zu  finden“.  —  Kurainz
  freute  sich,  dass  der  Administrator  die  alte  Vertraulichkeit  fortsetzen
olle;  man  möge  nur  etwas  Geduld  haben,  bis  er  mit  den  andern  geistlichen
‚urfürsten  konferiert  habe.  „Erinnert  sich  alles  verlaufs  und  wie  schwer  es
agangen  mit  Trier,  80  sehr  uf  Albertum  inclinirt;  hilte,  dass  beim  collegialtag
avon  werde  müssen  tractiert  werden.“  Mit  Maximilian  habe  er,  Kurfürst
on  Mainz,  nicht  reden  können;  es  scheine,  dass  sich  mit  ihm  schwer  werde
raktizieren  lassen;  Maximilian  weise  die  Wahl  weit  von  sich  und  soll  dazu
Iattbias  eine  neue  Obligation  gegeben  haben,  ihm  kein  Hindernis  zu  sein.
ier  päpstliche  und  der  spanische  Gesandte  und  die  Räte  giongen  auf  Matthias;
uniga  habe  zwar  bei  Kurmainz  nichts  dergleichen  gesucht,  doch  soll  er
ch  haben  vernehmen  lassen,  dans  Spanien  des  Matthias  Wahl  nicht
ngern  sehen  würde.  Spinola  soll  auf  dem  Weg  zum  Kurfürstentag  sein.
er  Kurfürst  meint,  man  möge  sich  wegen  Matthias  nicht  zu  sehr  übereilen,
er  mit  den  Evangelischen  und  den  Geistlichen  zugleich  verhandle;  er  habe
iemanden  um  sich  als  Khlesl,  „welcher  ein  seltzamer  man*.  Die  Gesandten
ea  Matthias  liessen  sich  stark  verlauten,  sie  hätten  fast  bei  allen  Evangalischen
uten  Favor  gefunden;  vermutlich  sage  man  den  Evangelischen  dasselbe  von

Juli  9.
        <pb n="652" />
        Juli  9.

630  1611  274.

274.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  die  Unierten,
jedem  besonders.

Am  7./17.  Juni  haben  wir  E.  L.  geschrieben,  weshalb  wir  den
Unionstag  verschieben  mussten!  Da  aber  derselbe  nicht  länger

den  Geistlichen.  Zum  Schluss  äusserte  der  Kurfürst:  Marinlian  and
Ferdinand  würden  schwerlich  in  Betracht  kommen;  „Leopoldo  hette  er  (misk
es  bekennen)  guts  gegont  und  da  er  gefolgt,  wie  gerathen,  würde  sein  aachen
besser  sein,  aber  puncti  suocessionis  wegen  hett  er  kein  gedanken  uf  ikn
gehabt.  Albertus  sei  verhast  im  reich,  ob  er  gehe,  wie  man  sagt,  desse
brod  ich  esse,  dessen  lied  ich  singe;  man  sehe  gleichwol,  dass  er  vorm  jr
und  itst  bei  so  beschaffenen  sachen  nichts  movirt;  da  er  etwan  auch  anden
gelegenheit  sehe  oder  hette,  möchte  er  sich  auch  eines  andern  besinne.
ja  uf  den  fall  wohl  die  ganze  Niderlanden  wider  zum  reich  bringen.  Erindera
sich  Meintz  endlich,  dass  Pfalz  selig  sich  einmal  vernemen  lassen,  eber  «
Albertum  als  Mathiam  zu  gehen.  Zwei  ding  wern  zu  raten,  1.  dass  ksl.  X!
sich  zur  ruhe  erklerten,  3.  dass  sie  leiden  möchten,  dass  de  suocessice
geredt  würde.  Haec  Meintz.*  —  Anhalt  bemerkte  auch,  dass  Mainz  die  a
Hessen-Cassel  gerichtete  Kommission  nicht  gern  sehe,  ebensowenig  das  braer
schweigische  Direktorium  zu  Prag  ;  auch  mit  der  Verhängung  der  Acht  gegen  dx
Stadt  Braunschweig  war  der  Kurfürst  unzufrieden  und  sarte,  der  Herzog  hak
sie  selbst  verfasst.  Darauf  wurde  vom  vorigjährigen  französischen  Zug  ned:
Deutschland  geredet.  Kurmainz  fragte,  ob  man  den  König  nach  Deutschlar!
habe  führen  wollen  ?  Anhalt  antwortete:  es  habe  sich,  da  man  in  Jülich  das
Recht  auf  seiner  Seite  hatte,  nur  um  einen  Sukkurs  gehandelt;  „bei  diser  &amp;amp;
legenheit  hett  sich  der  könig  vielleicht  auch  an  den  rechen  wollen,  die  Condan
underschleif  geben  und  ufgehalten,  dardurch  der  krieg  vielleicht  wider  in  Nideland
  kommen  mögen,  wie  auch  theilse  Italiam*  (vgl.  M.  Ritter,  Deuteche  Ge
schichte  im  Zeitalter  der  Gegenreformation,  II.,  8.  317  ;  das  Protokoll  in  Mb,
647/14,  f.  137;  von  der  Hand  v.  d.  Grüns).  —  Während  Fürst  Christian
persönlich  die  Successionssache  zur  Sprache  brachte,  verhandelte  Camerarias
wegen  der  Administrationssache  und  wegen  der  Zulassung  von  Kurpfals
beim  Kurfürstentagg.  Er  empfieng  Jie  tröstliche  Versicherung,  Kurmaio:
werde  es  bei  den  andern  Kurfürsten  dahin  richten,  dass  der  Administrator
bis  zum  ordentlichen  Austrag  der  Sache  im  Besitz  der  Administration  gelassen
werden  sulle  und  dass  die  kurmainzischen  Räte  in  diesem  Sinn  instruiert
worden  seien  (Bericht  von  Camerarius  vom  29.  'Juni/9.  Juli;  Ma.,  54714,
f.  162;  von  Camerarins’  Hand).  —  In  der  Tat  legte  Kurmainz  in  einem  Schreibes
vom  11.  Juli  dem  Kurfürsten  von  Sachsen  nahe,  dass  man  den  Administrator,
wenn  schon  nicht  förmlich  zum  Kurfürstentag  beschreiben,  so  doch  aufforden
möge,  sich  in  der  Nähe  der  Malstatt  aufzuhalten,  seine  Räte  aber  dahin  abır
ordnen  und  zu  erwarten,  was  wegen  seiner  Zulassung  beschlossen  werden  würde:
man  solle  nicht  den  Kurfürstentag  an  dieser  Sache  scheitern  lassen  und  nicht
das  Reich  in  noch  grössere  Gefahr  setzen  (Dre.,  I.  7387,  1I.  Buch  Kurfürstestags,
  f.  63;  Or.).  —  Am  18.  Juli  betonte  Kurmainz  die  Notwendigkeit  der
Beschreibung  des  Administrators,  die  den  geistlichen  Kurfürsten  unbedenklich
sei,  noch  nachdrückliaher;  da  aber  die  weltlichen  Kurhäuser  deshalb  mehr
interessiert  seien,  erwarte  er  Kursachsens  und  Kurbrandenburgs  Erklärung
hierüber  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  76;  Or.).

!  Mitteilung,  dass  sich  Kurbrandenburg  noch  immer  nicht  auf  das
Ausschreiben  erklärt  hat  und  dass  der  Kurfürst  den  Unionstag  wahrscheinlich
weder  besuchen  noch  beschicken  wird;  da  man  aber  ohne  Kurbrandenburg
»eraussichtlich  nichts  Schliesslichee  wird  handeln  können,  so  mögen  die
Unierten  mit  dem  Erscheinen  oder  der  Beschiokung  noch  zurückhalten,  bis
weitere  Nachrichten  eingelaufen  sind  (Mb.,  119/1,  f.  295;  Kpt.).
        <pb n="653" />
        274—275.  1611  631

unterbleiben  darf,  so  bestimmen  wir  hiefür  Sonntag  den  21./31.  Juli,  Juli  9.
an  welchem  E.  L.  oder  Dero  Räte  zu  Rotenburg  eintreffen  mögen,
um  am  Montag  mit  den  Beratungen  zu  beginnen.  Datum  Heydelberg
den  29.  junii  a.  1611.

1.  Nachschrift:  Ausser  den  im  vorigen  Ausschreiben  spezifizierten
Punkten  will  auch  der  seitherige  Verlauf  beachtet  sein.  E.  L.  werden
wissen,  dass  seit  einiger  Zeit  die  Rede  davon  ist,  der  Kaiser  wolle
sich  aus  Böhmen  ins  Reich  begeben  und  daselbst  seine  Residenz  nehmen;
auch  soll  wegen  seines  Unterhalts  allerlei  bevor  sein.  Ebenso  hören
wir,  dass  man  den  zerschlagenen  Reichstag  reassumieren  oder  neuerdings
ausschreiben  will,  endlich  soll  bei  bevorstehendem  Kurfürstentag  auch
der  Justizpunkt  verhandelt  werden.  Da  E.  L.  auch  wissen,  was  König
Matthias  vordem  bei  den  Unierten  gesucht  hat  und  er  vermutlich
auch  diesen  Unionstag  beschicken  wird,  so  ersuchen  wir  E  L.,  auch
diesen  Punkten  so  wie  dem  Vorschlag  eines  consilium  politicum  nachzudenken,
  besonders  aber  darüber,  ob  die  Unierten  wegen  des  Reichstags
und  wegen  des  Justizpunktes  bei  ihren  vorigen  Beschlüssen  verharren
sollen.  Signatum  ut  in  literis  den  2.  julii  a.  1611.1

2.  Nachschrift:  Mitteilung  der  kurbrandenburgischen  Antwort
vom  12./22.  Juni.?

Mb.,  119/3,  f.  23,  24,  27;  Or.

375.  Instruktion  des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern  Juli  10.
für  Lorenz  von  Wensin  zum  mühlhauser  Kurfürstentag.

Wensin  hat  sich  zunächst  beim  Kurfürsten  von  Köln  anzumelden
und  ihm  anzuzeigen:  1.  Wir  haben  zwar  für  uns  selbst  beim  Kurfürstentag
  nichts  anzubringen  oder  zu  verhandeln  und  wollen  auch  den
Kurfürsten  nicht  vorgreifen,  da  wir  sicher  sind,  dass  sie  den  betrübten
Zustand  des  Reiches  und  seines  Hauptes  selbst  in  Acht  nehmen  werden;
denn  der  Untergang  des  Reiches  ist  umso  mehr  zu  besorgen  als  der
hochbetagte  Kaiser,  durch  den  Bruderstreit  fast  aller  seiner  Erbländer
  und  seines  Unterhalts  entsetzt,  keine  Mittel  hat,  seinen  kaiserlichen
Stand  und  Hoheit  zu  erhalten,  daher  umso  leichter  von  andern
gelenkt  werden  kann,  gleichs  am  deren  Willen  leben  muss  und  nichts
befeblen  oder  judizieren  darf  als  was  jene  wollen.  Man  kennt  die

ı  Die  erste  Nachschrift  fehlt  in  dem  Schreiben  an  Kurbrandenburg.

?  Vgl.  no.  230,  8.  539,  Anm.  2.  —  Der  Administrator  erwiderte  auf
das  kurbrandenburgische  Schreiben  am  3./13.  Juli  mit  der  Mitteilung  des
nun  festgesetzten  Termins  und  mit  der  Bitte,  einem  der  unierten  Fürsten
Vollmacht  für  gewisse  Punkte  aufzutragen,  die  nur  unter  den  Fürsten
persönlich  verhandelt  werden  können  (Mb.,  547,14,  f.  155;  Kpt.).

®  Ein  Protest  des  Pfalzgrafen  Philipp  Ludwig  von  Neuburg  vom
8.18.  Juli  gegen  das  nichtige  Ausschreiben  mit  dem  Ersuchen  an  jeden
der  unierten  Stände,  dem  Unionstag  fern  zu  bleiben  und  dem  neuburgischen
Recht  auf  das  Direktorium  der  Union  nicht  zu  praejudizieren,  —  in  Mb,.,
343/25;  —  Kpt.
        <pb n="654" />
        Juli  10.

632  1611  275.

seit  langem  deshalb  gesponnenen  Praktiken,  die  zwar  bisher  vereitelt  wurdes,
nun  aber  bei  dieser  Gelegenheit  fast  ihr  Ziel  erreichen  werden;  die  „Autores
lassen  davon  nicht  ab,  wenn  man  auch  äusserlich  nach  Vertranss,
Frieden,  Erhaltung  der  Reichsgesetze  u.  s.  w.  schreit,  wodurch  sich
viele  Stände  seit  sechzig  Jahren  haben  überreden  lassen  und  jetz
erst  merken,  wie  sehr  sie  zu  Schaden  gekommen  sind  und  was
sie  noch  zu  gewärtigen  haben.  Der  Kaiser  ist  seiner  selbst  nicht
mehr  mächtig  und  wird,  weil  er  sich  an  seinen  Brüdern  rächen  will,
alles  andere  bei  Seite  setzen,  um  dies  Ziel  zu  erreichen.  Davon  ist  für
das  Reich  nur  Verwirrung,  Uneinigkeit,  Krieg  und  Gewalt  zu  erwarten
und  jeder  wird  im  Trüben  fischen  wollen.  Man  hat  daher  darauf  zu
achten,  wie  der  Kaiser  künftig  Regiment,  Amt  und  Hof  bestellen  wird,
dasg  er  gleiches  Recht  erteilt,  dass  er  sich  nicht  mehr  auf  die  andere
Seite  wendet  und  nicht  wieder  Ursache  gibt,  dass,  wie  in  Oesterreich,
Ungarn  und  Böhmen,  er  auch  im  Beich  seine  Autorität  verliert  oder
sich  andere  derselben  unterfangen  ;  denn  Pfalz  und  Sachsen  werden
mit  ihren  Ansprüchen  auf  das  Vikariat  nicht  feiern.  Was  aber  daraus,
zumal  wenn  Ausländer  und  Fremde  unter  dem  Vorwande  übel  bestellten
Regiments  die  hohen  Kleinode  des  Reichs  zu  ewiger  Schmach  der  Deutschen
okkupieren  sollten,  erfolgen  wird,  ist  aus  den  prager  Vorfällen  leicht  zu  erschliessen.
  —  2.  Mit  König  Matthias  ist  es  so  weit  gekommen,  dass  das
Reich  sich  schwerlich  der  böhmischen,  Österreichischen  und  ungarischen
Privathändel  unterfangen,  die  erfolgte  Krönung,  Schluss,  Zession  und
Uebergabe  widerrufen  und  den  Kaiser  restituieren  wird;  denn  das
Reich  wird  dadurch  nicht  unmittelbar  betroffen,  hat  mit  sich  selbst
zu  tun  und  würde  sich  nur  in  Gefahr  setzen.  Viele  werden  zum
brüderlichen  Vergleich  raten,  der  nicht  auszuschlagen  ist,  wenn
er  dem  Reich  nicht  praejudiziert  und  das  Reich  des  Unterhalts  .  für
den  kaiserlichen  Hofstaat  geübrigt  bleibt.  —  3.  Wenn  der  Kaiser
Böhmen  verlässt,  so  ist  an  einen  Ort  zu  seiner  Residenz  zu  denken,
zu  dem  man  sicher  kommen  und  wo  er  seines  Amtes  frei  walten  kann.  —
4.  Man  weiss,  wenn  man  nicht  der  Succession  versichert  ist,  was
aus  dem  Interregnum  für  Unheil  entspringen  kann,  zumal  der
Kaiser  alt  und  entkräftet  ist  und  desto  eher  sterben  möchte.  Die
Kurfürsten  werden  vor  allem  darauf  sehen  müssen,  dass  ihr  freies
Wahlrecht  ungeschmälert  bleibt,  nichts  Neues  eingeführt,  die  deutsche
Freiheit  nicht  gemindert  und  die  hohen  Würden  nicht  auf  Fremde
übertragen  werden.!

ı  Vielleicht  eine  ET;  auf  die  Beziehungen  des  Kaisers  zu
Frankreich  (vgl.  no.  249,  603,  Anm.  1).  Auch  Bodenius  schreibt  au
9,  Juli  seinem  Herrn:  Baugy  hat  vor  einigen  Tagen  Audienz  beim  Kaiser
gebabt  und  wird  in  zehn  bis  zwölf  Tagen  nach  Paris  gehen;  man  spricht
in  Prag  fast  öffentlich  davon,  der  Kaiser  wolle  die  Succession  lieber  einem
Fremden  als  einem  seines  (seschlechts  gönnen  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  II,
no.  26,  f.  119;  Or.  eigh.).
        <pb n="655" />
        2715.  1611  633

Wir  erinnern  an  dies  alles,  nicht  um  den  Kurfürsten  Mass  zu
geben  sondern  aus  Affektion  gegen  das  Reich.  Kurköln  kann  aber  auch
erachten,  wie  schwer  es  uns,  8.  L.  selbst  und  unserm  ganzen  Hause
fallen  würde,  wenn  der  Kaiser  seinen  Hof  nach  Regensburg
vorlegen  sollte,  welche  Stadt  von  unsern  Landen  ganz  umgeben  ist
und  für  sich  einen  Kaiser  nicht  zu  erhalten  vermag:  es  müsste  unser
Land  jedem,  der  zum  Hof  reist,  offen  sein;  es  würden  uns  wegen  der
durchreisenden  Fürsten  grosse  Kosten  erwachsen,  wir  und  unsere
Untertanen  müssten  auf  jeden  kaiserlichen  Befehl  mit  Viktualien,
Geld  und  Geldeswert  gefasst  sein.  Ferner  wird  der  Kaiser,  wie  auch
der  brüderliche  Vergleich  ausgeben  mag,  bei  jeder  Gelegenheit  nach
Mitteln  trachten,  sich  an  seinem  Bruder,  an  den  Böhmen  und  an  den
Erbländern  zu  rächen,  und  fehlt  es  nicht  an  Ratgebern,  welche
gerade  Regensburg  dazu  für  gut  finden,  weil  es  unfern  von  Böhmen
und  Oesterreich  gelegen  geeignet  ıst,  ihre  Anschläge,  Rendez-vous,  Laufund
  Musterplätze,  ja  den  Feldzug  selbst  von  da  aus  auszuführen.  Wir
würden  dann  in  unserm  eigenen  Lande  männiglich  zum  Feind  haben
und  uuser  Land  würde,  wie  einst  im  schmalkaldischen  Krieg,  das
Schicksal  von  Böhmen,  Oesterreich,  Elsass,  Jülich,  Würzburg,  Schwaben
u.  s.  w.  erfahren;  ja  der  Vorschlag,  der  Kaiser  solle  in  Regensburg
wohnen,  mag  vielleicht  gar  dahin  angesehen  sein,  dass  wir,  die
wir  unter  den  Katholischen  in  „ziemlichem  Wesen“  und  den  Protestanten
fast  allein  im  Wege  sind,  durch  unsere  eigenen  Glaubensgenossen  und
durch  unser  Oberhaupt  ohne  Zutun  der  Protestanten  zu  Grunde  gerichtet
werden.  Daher  ersuchen  wir  Kurköln,  beim  Kurfürstentag,  wohin
der  Kaiser  alles  verschiebt,  die  Sache  dahin  zu  richten,  dass  die
kaiserliche  Residenz  nach  einem  andern  Orte  verlegt  und  wir  der
zu  besorgenden  Ungelegenheiten  geübrigt  werden  oder  dass  wenigstens,
wenn  es  bei  Regensburg  bliebe,  mit  Matthias  und  den  Böhmen  ein
endgiltiges  Abkommen  getroffen  wird,  damit  wir,  wenn  in  der  kaiserlichen
  Hofhaltung  etwas  fehlt  und  wir  nicht  jeder  Zumutung  entspcechen
  können,  deshalb  nicht  Ungemach,  Widerwillen  und  Ungnade
zu  befahren  haben.

Uns  geht  ferner  za  Gemüt,  dass,  wenn  auch  jenen  Schwierigzeiten
  ganz  oder  teilweise  abgeholfen  wird,  unser  Glaube,  die  geistlichen
Kurfürsten-  und  Fürstentümer,  Praelaturen,  Orden  und  alle  Katholischen
in  grösster  Gefahr  sind:  denn  der  Kaiser,  der  ganz  „perplex‘‘  ist,  wird
von  Kursachsen,  Braunschweig  und  andern  Protestanten  seit  einiger
Zeit  mit  guten  Worten  sehr  eingenommen,!  während  er  den  katholischen
Ständen,  da  sie  den  vielleicht  erhofften  Beistand  nicht  geleistet
haben,  entfremdet  ist,  „zum  thail  auch  bei  dem  beheimischen  process
in  mangel  irer  aignen  gehaimben  rät  gleichsamb  gezwungen  [worden],
dass  sie  nit  allein  unlängst  wider  der  catholischen  union  sich  in  der

t  Vgl.  no.  255  und  no,  262,  no.  263,  no.  268.

Juli  10.
        <pb n="656" />
        Juli  10.

634  1611  275.

protestierenden  wöllen  schlagen,!  dieselb,  da  nit  was  darzwischen  kommen,
underschriben  sonder  auch  an  irem  hof  in  gehaimben  und  ander
räten  das  ganze  directorinm  des  herzogen  von  Braunschweig  L.
so  sich  gar  um  das  hofmaisterampt  annimbt,  mit  desto  grösserer  gefahr
überlassen,  dass  S.  L.  iren  calvinischen  glauben  und  gegen  demselben
guete  affection  in  einer  absonderlichen  bundsnotul?  entdeckt,  mit  den
andern  protestierenden  correspondirt“,  so  dass  die  Protestanten  durch  den
Herzog  all  ihr  Vorhaben  am  Hof,  beim  Kurfürstentag  und  künftigen  Reichstag
  mit  Ausdehnung  des  Religionsfriedens  —  demselben  und  anderen  Reichssatzungen
  zu  Verfang  —  durchsetzen  können.  Eben  deshalb  hat  der  Kaiser
Kursacbsen  die  Instruktion  für  den  Kurfürstentag  mitgeteilt?  und  hat
bei  der  Schickung  zu  dem  Tag  das  wichtigste  Amt  einem  Calviner
übertragen,  der  im  Reich  sehr  angesehen  ist  und  den  Katholischen
schon  mehr  Schaden  zugefügt  hat,  der  am  kaiserlichen  Hof  und  bei  den
Protestanten  alles  auf  seinen  Schlag  richten  und  bei  Stimmengleichheit
im  kurfürstlichen  Kolleg  „sub  autoritate  imperatorii  responsi‘‘  in  allem
Maiora  machen  wird.  Wenn  die  katholischen  Stände  zur  Erhaltung  und  Versicherung
  ihrer  Roligion  dem  Kaiser  etwas  vorbringen  oder  zur  Beratung
werden  stellen  wollen,  werden  die  protestantischen  Direktoren  des  Hofes  es
hindern,  ihren  Glaubensgenossen  davon  Mitteilung  machen,  Widriges  praktizieren
  und  allenihalben  im  Reich  dadurch  die  Oberhand  gewinnen.  Das
es  so  kommen  wird,  zeigt  der  Augenschein  in  Oesterreich,  Ungarn  und
Böhmen,  wo  die  Protestanten  unter  dem  Vorwand  gemeiner  Wolfahrt  sich
zuerst  mit  den  Katholischen  vereinigten,  dann  aber  letztere  fast  aller  Macht,
Würden  und  Aemter  beraubten,  sich  selbst  in  die  geheimen  Räte  und
Regierungen  drängten,  jetzt  ein  Begehren  nach  dem  andsrn  durchsetzen
und  die  Katholischen  schwächen  und  unterdrücken,  wogegen  diese  keinen
Rat  wissen.  Wenn  dies  schon  in  den  österreichischen  Erblanden
gegen  deren  eigenen  Herrn  geschieht,  so  ist  nichts  gewisser,  als  dass
man  derlei  und  noch  mehr  bei  dieser  Gelegenheit  im  Reich,  dessen
Kaiser  nur  eine  begrenzte  Macht  hat,  praktizieren  wird.

Wir  zweifeln  daher  nicht,  dass  die  katholischen  Kurfürsten  auf
Mittel  gedacht  haben  werden:  1.  damit  die  Direktion  am  kaiserlichen
  Hof  in  die  Hände  eines  katholischen  Standes  kommt,  2.  damit
der  Kaiser  in  den  geheimen  Rat  keinen  Unkatholischen,  in  den
Reichshofrat  aber  höchstens  drei  bis  vier  Räte  des  augsbarger
Bekenntnisses  nimmt,  sonst  wäre  es  binnen  kurzem  um  die  katholischen
  Stifter  geschehen;  3.  ebenso  ist  an  einen  künftigen,
unzweifelhaft  katholischen  Nachfolger  zu  denken  (denn  ein  Urkatholischer
  ist  nicht  zu  dulden)  und  sollen  die  Kurfürsten,  beror
sie  versichert  sind,  dass  der  Successor  nichts  Praejudizierliches
mit  der  Freistellung,  Ausdehnung  des  Religionsfriedens  u.  a

!  Vgl.  no.  137,  S.  333,  Anm.  1  und  no.  268;  siehe  auch  Gindely,
Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  S.  312.

*  Ist  damit  etwa  das  braunschweigische  Schreiben  an  Kursachsen  rom
15./25.  Dezember  (vgl.  no.  7,  S.18,  Anın.  3  und  no.  22,  S.  54,  Anm.  2)  gemeint?

®  Vgl.  no.  215,  8.  513,  Anm.  1.
        <pb n="657" />
        275.  1611  635

einführen  oder  sich  gar  auf  die  andere  Seite  wenden  wird,  die  Wahl
nicht  vornebmen  und  eher  das  Aeusserste  ausstehen  —  da  doch  nichts
Aergeres  zu  befahren  ist,  —  bis  Gott  Hilfe  schicken  wird.  Die  Gefahr
dabei  ist  um  so  grösser  als  „ein  römischer  kaiser  wegen  der  cron
fast  aller  underbalt  entblöst,!  seinen  hofstat,  der  nun  aufs  höchst
gestigen  und  nit  ringer  würd,  schwerlich  füern,  guete  getreue  catholische
leut  nit  besolden,  die  notwendige  spesa  zu  den  expeditionen  nit  haben
kan,  also  aus  not  und  in  mangl  des  gelts  personen,  so  mit  leichtem
sold  oder  gar  umbsonst  dienen,  brauchen  und,  da  er  anderer  orten
bei  den  protestierenden  (weil  es  die  catholischen  allein  nit  vormögen
oder  thuen  können)  hilf  und  gelt  suecht,  denselben  iren  willen  machen,
vil  sachen  gleichsamb  gezwungen  eingehen,  gestatten,  zuelassen,  also
seiner  selbst  nit  mechtig  sonder  zu  der  protestierenden  discretion
(weil  sie  gewislich  das  eusserist  deswegen  thuen  werden)  stehen,
regiern  und  sich  erzaigen  musst.‘

Der  Kurfürst  von  Kölu  möge  Wensin  mitteilen,  ob  wir  dies  oder  Aehnliches
  auch  bei  den  andern  katholischen  Kurfürsten  aubringen  lassen
sollen;  wenn  ja,  so  wollen  wir  Wensin  noch  einen  ordentlichen  Gesandten
zuordnen.  Wird  Kurköln  über  den  einen  oder  andern  der  erwähnten
Punkte  unser  Gutachten  begehren,  so  soll  ihm  desbalb  Wensin  anzeigen:

1.  Was  das  künftige  Regiment  betrifft,  soll  (mit  obiger  Vorsicht)
ohestens  die  Wahl  eines  römischen  Königs  vorgenommen  und  der  Kaiser,  da
er  von  seinen:  gewohnten  Verfahren  vermutlich  nicht  abzubringen  und  in
seiner  Hofhaltung  nicht  Besserung  zu  hoffen  ist,  beredet  werden,  dass  er
sich  bei  seinem  hohen  Alter  des  Regiments  ganz  entschlage,  68  unter
seinem  Namen  einem  römischen  König  überlasse  und  sich  etwa  in  Tirol
zur  Ruhe  setze.”  Wäre  dies  gar  nicht  oder  nicht  sobald  zu  erreichen,
so  sollen  die  geistlichen  Kurfürsten  alle  oder  wenigstens  einer  von  ihnen
mit  dem  Bischof  von  Speier  nach  Prag  reisen,  dem  Kaiser  die  Notdurft
  wegen  Bestellung  des  Regiments  eindringlich  vorbalten  und
nicht  früher  weichen,  bis  das  Regiment  entsprechend  besetzt  ist;  denn

’  Geizkofler,  der  ehemalige  Reichspfennigmeister,  schätzte  das  jährliche  Einkommen
  des  Kaisers  aus  dem  Reich  auf  5500  f.,  wobei  die  Steuern  der  Reichsstädte,
auch  die400  fl.  der  Augsburger  schon  eingerechnetseien  ;auch  von  diesem  Geld  habe
der  Kaiser  nichts;  denn  es  werde  schon  antizipando  von  andern  Leuten  ausgebeten

(Bericht  des  neuburgischen  Kanzlere  Georg  Ludwig  Fröhlich  vom  22.  Juni

2.  Juli
an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  über  eine  Unterredung  mit  Geizkofler;  Mb.,
337/15,  f.  17;  Or.).  Vgl.  die  Schlussrelation  des  venezianischen  Gesandten
am  Kaiserhof  Girolamo  Soranzo  vom  11.  September  1614  in  den  „Relationen
der  Botschafter  Venedigs  über  Deutschland  und  Oesterreich“,  herausgegeben
von  Joseph  Fiedler,  Fontes  rerum  Austriacarum,  Diplomataria,  Wien  1866,
XxVl.  Ba,  8.  3  und  die  Bemerkungen  Abrahams  von  Dohna  in  seinem
satirischen  Gedicht  auf  den  Reichstag  von  1613,  V.  1618  ff.  und  2547  f.
in  der  Ausgabe  von  A.  Chroust,  Abraham  von  Dohna  ete.,  München  1896.

’  Das  wer  u.  8.  auch  Geizkoflers  Meinung,  der  Freiburg  i.  B.  oder
Ensisbeim  als  Residenz  vorschlug  (Kanzler  Fröblich  an  Pfalzgraf  Philipp
22  Juni  a.  0.)

Ladwig  von  Neuburg  am

Juli  10.
        <pb n="658" />
        Juli  10.

636  1611  275.

durch  Gesandte  oder  schriftlich  lässt  sich  derlei  nicht  traktieren  und
durch  viele  Mittelspersonen  würde  auch  das  Geheimnis  gefährdet.

2.  Bei  den  verschiedenen  Klagen  gegen  den  kaiserlichen  Hof
und  die  Räte  wegen  der  Prozesse  und  Exekutionen,  auch  wegen  des
passauer  Einfalls  wird  sich  das  Reich  schwerlich  des  Kaisers  so  weit
annehmen,  dass  man  die  Verträge  umstossen,  Matthias  entsetzen
und  die  Königreiche  und  Erblande  bekriegen  wird,  welche  mit  den
Protestanten  heimlich  verbunden  im  Notfall  das  Aeusserste  versuchen
und  wie  unter  Ferdinand  eher  den  Türken  rufen  und  sich  ihm  ergeben
werden.  Es  wird  niemand  leugnen,  dass  diese  Länder  besser  bei  der
Christenheit  und  des  Reiches  Vormauerna  und  Nachbarn  bleiben  als
dass  dieses  seine  Grenzen  auf  eigenem  Boden  haben  soll  Auch
sehen  wir  nicht,  dass  bei  der  gegenwärtigen  Beschaffenheit  das  Reich
die  Mittel  bätte,  Krieg  für  eine  Sache  zu  führen,  an  der  &amp;amp;8  wenig
interessiert  ist,  und  so  ansehnliche  und  unter  einander  verbundene
Länder  zu  vergewaltigen.  Darum  ist  das  kleinere  Uebel  zu  wählen
und  darauf  zu  sehen,  dass  ein  beständiger  Frieden  geschlossen,  der
König,  die  Länder  und  der  Kaiser  versöhnt  und  mit  ihnen  eine
Korrespondenz  wider  die  Türken,  besonders  wenn  dies  mit  besserer  Versicherung
  der  katholischen  Religion  dort  geschehen  kann,  erzielt  wird.

3.  Wegen  der  Residenz  wäre  am  besten,  dass  der  Kaiser  in  Prag
bliebe;  wenn  dies  aber  nicht  zu  erlangen  ist,  möge  er  sonst  irgendwo
in  Böhmen  „cum  absoluto  ibidem  imperio‘“  und  ansehnlichem  Unterhalt
seinen  Hofhalt  aufschlagen.  Würden  aber  die  Böhmen  dies  nicht
zugeben  und  müsste  der  Kaiser  in  Böhmen  ohne  Ansehen  und  Gewalt
gleich  einem  Privatmann  zu  des  Beiches  Schimpf  leben,  so  wäre
darauf  nicht  einzugehen  sondern  eine  Residenz  im  Reich  zu  wählen,
am  besten  in  den  tirolischen  oder  vorderösterreichischen  Landen,  zu
Innsbruck,  Ensisheim,  Rottenburg,  Costnitz,  Breisach,  Freiburg.  Dort,
wo  der  Kaiser  selbst  Landesfürst  ist,  wird  er  mit  mehr  Ansahen
und  Vorteil  leben  können  als  unter  einem  Fürsten  oder  in  einer
Reichsstadt,  wo  es  allerlei  Beschwerungen  geben  kann.

4.  Was  die  Succession  im  Reich  anlangt,  so  ist  zweifelhaft,  ob
der  Kaiser  von  seiner  starren  Meinung  wegen  eines  römischen  Königs
abkommen  wird.  Da  aber  nun  alles  in  anderem  Stand  ist,  so  muss
der  Kaiser  mit  guten,  zuletzt  mit  ernstlichen  Erinnerungen  dazu
angetrieben  werden.  „Bei  dem  [punct]  stracks  der  unterhalt  und  des
deputats  halber  sich  difficulteten  erregen  [werden],  die  nit  wol  jemants,
der  nit  ohne  das  ansehliche  land  und  leut  hat,  kan  erschwingen
oder  mit  und  neben  dem  römischen  kaiser  einige  hoffnung  auf  die
reichshilfen  machen,  durch  welches  die  unvermöglichen  fürsten  alberait

-  ausgeschlossen“.  —  An  dem  Subjekt  liegt  uns  wenig,  wenn  es  nur

ein  eifriger  katbolischer  Fürst  ist,  der  zu  dem  schweren  Amt  in
so  gefährlichen  Zeiten  tauglich  ist,  Verstand  hat  und  von  den  ge
hörigen  Mitteln  nicht  entblösst  ist.  Katholische  Bewerber  dürften
Matthias,  Erzherzog  Albrecht  und  Erzherzog  Ferdinand  sein  ,  vo
        <pb n="659" />
        275.  1611  637

protestantischen  wird  nur  der  König  von  Dänemark  (da  Sachsen,  Bran-  Juli  10.
denburg,  Hessen  u.  a.  nicht  daran  denken)  in  Betracht  kommen!,  Da
der  Papst  und  Spanien  sich  anstrengen  werden,  damit  die  Krone  beim  Hause
Oesterreich  bleibt,  so  ist  vor  allem  auf  deren  Absichten  zu  sehen,  sowol
wegen  der  von  ihnen  zu  erhoffenden  Hilfe  als  auch  um  Trennung  unter
den  Katholischen  zu  vermeiden,  bei  welcher  Gelegenheit  ein  Unkatholischer
durchschlüpfen  könnte.  —  Wegen  Matthias  hat  es  allerlei  Bedenken:
er  wird  von  seinen  Untertanen  regiert,  hat  in  Wirklichkeit  keine
Gewalt  oder  Macht,  hat  sich  in  den  Niederlanden  gegen  Spanien  und
jüngst  gegen  den  Kaiser  aufgelehnt,  hat  seinen  Landständen  fast  alles,
besonders  durch  Approbation,  Verheissung  von  Hilfe  und  Defension  und
Freistellung  aller  Bekenntnisse  zu  aller  Fürsten  Praejudiz  zugelassen  ;
da  die  Protestanten  bei  ihm  jetzt  schon  fast  die  Oberhand  haben,  so
wird  er  besorglich  solches  oder  noch  mehr  auch  im  Reiche  zulassen.  Dabei
ist  er  an  Kräften  und  Verstand  für  solche  gefährliche  Zeiten  „etwas
unvermöglich,‘  in  seinen  Expeditionen  nicht  sehr  glücklich  und  obendrein
ziemlichen  Altere,  so  dass  man  auch  bei  ihm  sich  zeitigen  Tods  und
baldigen  Interregnums  zu  befahren  hätte.?  —  Spanien  und  der  Papst
werden  vermutlich  Albrecht  befördern  wollen.  Dieser  ist  regierender
Fürst,  hat  viele  Lande  und  Leute,  guten  Verstand,  Eifer  für  die
Religion  und  eine  „rechtmässige“  Regierung;  aber  er  ist  an  Spanien
gebunden,  muss  ganz  von  dort  abhangen,®  ist  dem  „oberländischen
Reich“  ganz  entlegen,  würde  auch  das  Reich  in  die  Feindschaft  mit
den  Niederlanden  ziehen  und  den  Reichsbeschwerden  daher  um  so
weniger  abhelfen  können.

So  dürfte  vielleicht  Erzherzog  Ferdinand  in  Erwägung  kommen,
„der  zwar  ein  güetiger  bekanter  fürst,  zweiflschne,  da  8.  L.  durch
die  in  irem  land  volfüerte  reformation  den  protestirenden  iren  magen
nit  verderbt,  den  andern  in  der  succession  fürgangen  were.‘  Nun
ist  aber  zu  bedenken,  dass  die  Protestanten  sich  von  ihm  gleichen  Verfahrens
  im  Reich  und  des  Abbruchs  ihrer  Religion  versehen  und  sich
seiner  Wahl  widersetzen  werden.  ‚‚Im  fal  aber  der  grossen  bekanten
landsbeschwerden  halber,  die  S.  L.  auf  dem  bals  ligen,  kein  bedenken,
auch  das  haus  Oesterreich  innerlich  nit  zertrennt  und  wann  konig
Matthias,  erzherzog  Albrecht  oder  ein  anderer  merkt,  dass  er  Jahin
nit  kan  gelangen,  also  einem  andern  aus  irem  haus  will  fürschub
thuen,  ist  den  sachen  alsbald  geholfen,  und  wann  die  churfursten
gleich  paria  machen,  durch  jetzigen  konigs  aus  Beheim  ausschlag  ist
erzhersog  Ferdinand  (oder  in  eventum  Albertus)  romischer  konig,  der
wegen  von  kaiser  Maximiliani  nun  mehr  vast  deficierender  liui  auf
Oesterreich,  Tirol,  Hungern  und  Beheim  die  negste  expectanz,  keines

ı  Vgl,  wegen  der  bairischen  Absichten  no.  85,  no.  228  und  no.  242
mit  Anm.  2  auf  8.  559.

?  Ueber  das  Verhältnis  des  Herzogs  Maximilian  zu  König  Matthias
vgl.  F.  Stievo,  Wittelsbacher  Briefe,  Abteilung  VIL,  München  1893  (Abhandlung

  I  der  k.  Jer.  Akademie  der  Wissenhaften,  XX.),  8.  677  fi.
        <pb n="660" />
        Juli  10.

638  1611  275.

hochen  alters,  mit  leibserbon  begabt  und  dem  haus  Bayrn  in  vil
weg  annemlicher,  erspriesslicher,  mehr  zuegethan  als  alle  andere
erzherzogen..  Were  also  das  werk  auf  solichen  schlag  zu  richten,
die  päpstliche  H.",  Spania,  konig  Mattias,  erzherzog  Albrecht  mit
notwendiger  erinnerung  dabin  und  zu  wirklicher  getreuer  assistens
zu  disponirn  und  zwar  konig  Matthias  desto  mehr,  weil  erzherzog
Ferdinand  ebenso  wol  als  er  des  Tärken  negster  nachbar,  also  sich
der  reichshilfen  ebenso  wol  zu  getrösten,  viel  mehr  als  wann  erzherzog
Albrecht  oder  ein  anderer  im:  reich  succedirt,  weliche  inen  mehr  ir
aign  sach  als  frembder  angelegen  sein  lassen  und  die  reichshilfen
mehr  dahin  wenden.“  —  Auf  Erzherzoz  Leopold  darf  man  nicht  rechnen;
er  hat  fast  jedermann  beleidigt,  ist  nicht  die  geringste  Ursache  an
dem  jetzigen  Uebelstand  im  Reich,  hat  [,‚den  khayser  gleich  gar  vmb
den  rest  seiner  lender  bringen  heiffen,  ingenio  satis  inquieto,  welher
auch  in  seinen  actionibus  schlechten  verstand  erzaigt  vnd  darzue
khein  glükh  noch  stern  gehabt“  ]!.  Er  hat  auch  nicht  die  Mittel,  einen
fürstlichen  Stand  zu  führen  und  hat  vom  Reich  keinen  Unterhalt  und
Gehorsam  sondern  nur  Despekt  und  Verhinderung  zu  erwarten,  wie
das  Reich  selbst  sich  von  ihm  nur  mehrerer  Ungelegenheiten  zu  versehen
  hätte.  „Mechte  also  erzherzog  Ferdinand  vorzuziehen,  do  aber
mehr  andere  difficulteten,  so  diss  verhindern,  einfallen,  alsdann  erzherzog
  Albrecht  zu  erwöhlen  sein.“

Kurbrandenburg  ist  zwar  noch  nicht  in  den  Kurverein  aufgenommen,
  auch  noch  nicht  belehnt  und  sind  wider  ihn  scharfe
Prozesse  ausgegangen,  „seine  andere  catholische  mitchurfärsten,
sonderlich  Mainz,  etlicher  gegen  Sachsen  ausgegossener  reden  halber
sehr  offendirt“?;  auch  wird  wegen  der  kurpfälzischen  Administration
sich  allerlei  erregen.  Aber  wir  glauben,  da  Kursachsen  mit  Brandenburg
wieder  ausgesöhnt  ist  und  sogar  für  ihn  beim  Kaiser  interzediert  hat,
auch  bei  Kurmainz  viel  vermag,  so  wird  es  wegen  Kurbrandenburgs
Einnahme  bei  beiden  Kurfürsten  nicht  viel  Schwierigkeiten  haben,
zumal  das  kurfürstliche  Kollegium  unergänzt  ist  und  die  übrigen
bei  diesen  Zeiten  die  Sache  nicht  allein  auf  sich  werden  nehmen
wollen.  —-  Mehr  Schwierigkeiten  hat  es  wegen  der  kurpfälzischen
Administration:  Pfalzgraf  Johann  hat  zwar  die  Kuratel  und  Administration
  in  der  Hand,  aber  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  hat  starke  Behelfe
für  sich,  dass  vermöge  der  goldenen  Bulle  die  Administration  ihm
gebührt.  An  der  Sache  sind  die  Kurfürsten  insgesamt  (damit  nicht
künftig  jeder  beliebige  In-  und  Ausländer  niedrigen  Standes,  wenn
er  durch  Testament  zum  Kurator  verordnet  wurde,  ins  Kollegium
aufgenommen  werden  muss),  besonders  aber  die  weltlichen  interessiert,
damit  ihre  Praeeminenz  nicht  geschmälert  und  ihren  eigenen  Nachkommen
  nicht  derlei  Tutel  oder  auch  die  Erbfolge  entzogen  wird.
Vielleicht  wäre  gut,  da  der  junge  Kurerbe  ja  doch  bald  sein  Alter  erreicht,

.  t  Eigenhändiger  Zusatz  des  Herzogs.
’  Vgl.  no.  68,  8.  157  und  no.  155,  8.  388.
        <pb n="661" />
        275.  1611  639

die  Entscheidung  der  Frage  unter  einem  Vorwand  hinauszuziehen,  Juli  10.
zumal  ohnehin  auf  allen  Kreis-,  Reichs-  und  andern  Tagen  eben
Kurpfalz  das  Haupt  aller  Widerwärtigkeiten  ist,  die  andern  Stände
an  sich  zieht,  unter  den  Protestanten  das  Direktorium  führt  und,  wenn
man  schon  einmal  einig  ist,  gleich  Uneinigkeit  und  Verwirrung  im
lteich  zu  seinem  Vorteil  pflanzt,  erweitert  und  fortsetzt.

Der  Justizpunkt  wird  auf  einem  Kurfürstentag  ohne  Zutun
des  ganzen  Reiches  weder  erörtert  noch  deshalb  etwas  Endgiltiges
geschlossen  werden  können,  nur  Vorbereitungen  zu  dessen  Beförderung
beim  nächsten  Reichstag  können  getroffen  werden;  anderes  würden
die  übrigen  Stände  nicht  zulassen.

Wenn  auch  alle  Kurfürsten  und  der  Kaiser  einen  nächstens  anzustellenden
  Reichstag  beschliessen,  so  hat  man  davon  doch  nicht
mehr  Vorteil  als  vom  letzten  zu  erwarten,  „wegen  der  fortlhaftigen
extension,  confirmation  des  religionfridens,  approbation  desjenigen,
was  wider  denselben  bishero  die  catholische  verlorn,  dann  auch  dass
man  in  religionsachen  keinen  andern  richter  als  das  romische  reich
und  die  sambtliche  stende  zu  richter  haben,  dardurch  in  re  ipsa  ganz
rechtlos  sein  soll,  darein  kein  catholischer  stand  in  ewigkeit  verstehn
kan  oder  soll;  doch  muess  man  einmal  daraus  kommen  und  eines
reichstag  ausgang  erwarten.“

Sollten  „wegen  des  von  Salzburg  salzspörr  begehrter  doppelter
maut“!  oder  sonst  Privatbeschwerden  gegen  uns  vorkommen,  50
zweifeln  wir  nicht,  dass  sie,  da  wir  nicht  erfordert  sind,  abgewiesen
oder  wenigstens  nichts  Praejudizierliches  gegen  uns  vorgenommen  werden
wird,  bevor  wir  gehört  worden  sind.  Wensin  darf  sich  deshalb  nicht
auf  das  Geringste  einlassen  sondern  hat  Kurköln  in  unserm  Namen
zu  ersuchen,  nichts  derartiges  vorgehen  zu  lassen.  Doch  soll  Wensin
ihm  berichten,  dass  Salzburg  (wider  alle  Billigkeit,  unser  Erbieten
und  Ermalınen,  der  wir  nur  bei  den  Verträgen  und  unsern  alten
Rechten  bleiben  uud  uns  derselben  bedienen  wollten)  die  Verträge
„aufgestossen“  und  die  Salzausfuhr  bis  heute  gesperrt  hat,  obwol  wir  ihm
Schiffe  und  Geschirr  bis  Hallein  geschickt  haben,  dass  der  Erzbischof
ferner,  als  wir  das  „ordenlich  berchtesgadisch  fronreuter  salz“  unlängst
wie  sonst  immer  gemäss  den  Verträgen  wegführen  lassen  wollten,  dies
unser  eigenes  Gut  auf  freier  Landstrasse  von  einigen  hundert  Soldaten
hat  aufhalten  lassen,  dass  er  sich  täglich  verstärkt,  Blockhäuser  und
Laufgräben  anlegt,  um  den  Salzausgang  aus  Berchtesgaden  zu  hindern,
und  fast  800  Mann  dahin  gelegt  hat,  um  uns  nach  seinem  Gefallen
za  seinem  Vorteil  und  unserm  Schaden  zu  zwingen.  Das  steht
einem  katholischen  Fürsten  übel  an  und  kann  leicht  Weiterungen
verursachen  ;  denn  wir  werden  uns  wider  unser  Recht  nicht  zwingen
oder  von  der  doppelten  Maut,  die  wir  vermöge  erlangten  Indults

ı  Veber  den  Salzstreit  vgl.  K.  Mayr-Deisinger,  Wolf  Dietrich
von  Raittenau,  Erzbischof  von  Salzburg,  München  1886,  8.  181  f.
        <pb n="662" />
        Juli  10.

Juli  12.

640  1611  275276.

bescheiden  gebrauchen,  uns  abdrängen  lassen.  Sollte  deswegen  vom
Erzbischof  oder  von  sonst  jemandem  widriger  Bericht  einlangen,  se
mögen  die  Kurfürsten  sich  zu  nichts  Ungleichem  bewegen  lassen
oder  unser  ungehört  jemandem  Glauben  beimessen.  O.  D.!

Ma.,  427,10,  f.  24;  Kpt.  von  Joeber,  —  £.  2;  Kpikopie  mit  eigenhändigen
Zusätzen  des  Herzogs  und  Jochers.?

976.  Fürst  Christian  von  Anhalt  an  den  Kurfürsten
von  Mainz.

Auf  ein  Schreiben  vom  11.  Juli.  Was  die  Frage  betrifft,  ob
E.  L.  sich  auf  des  Administrators  Erklärung  in  der  Successionssache
  verlassen  können,  „so  erklert  herr  administrator  sich
dabey,  das  E.  L.  sich  druff  verlassen,  das  sie  die  vorigen  bewusten
  und  verglichenen  consilia  in  allewegen  zu  approbiren  vnd
continuiren  vnd  bey  denselben,  so  lange  sie  nuhr  immer  erheltlich,
  zu  stehen  und  also,  was  die  reuers  dessen  iımmer  vermogen,
ihresteyls  zu  accomplieren  bedacht.*  Soviel  aber  Mattias  belangt,

"halten  sie  nochmals  darfur,  dass  man  im  reych  keynswegs  zu

gestatten,  wan  [man]  sehe,  dieselbe  mit  gewalt  eyndringen  wolten.

!  Auf  der  Rückseite  findet  sich  die  Datierung:  10.  julii.

?  Diese  Instruktion  wurde  nach  der  Vortagung  des  Kurfürstentages  dem
Kurfürsten  von  Köln  als  „Diskurs“  zugeschickt.  Der  Kurfürst  versprach  in
seiner  Antwort  vom  29.  Juli,  den  Herzog  zufrieden  zu  stellen  und  Wensin
beim  künftigen  Tag  von  den  Vorkommnissen  fleissig  zu  unterrichten;  wegen
der  Kommission  des  Landgrafen  Moriz  und  wegen  der  Stellung  Braunschweigs
am  kaiserlichen  Hofe  habe  er  auf  Befragen  von  Kurmainz  eine  Zusammenkunft
der  geheimen  Räte  der  geistlichen  Kurfürsten  zu  Coblenz  vorgeschlages,
um  zu  beraten,  wie  man  diese  Kommission  des  Landgrafen  „invertieren*
und  auf  eine  katholische  Person  richten  könnte  (Ma.,  39/22,  f.  145;  Or);
vgl.  Anm.  2  auf  8.  682.

®  Der  Kurfürst  teilte  mit,  dass  ihm  gestern  das  Schreiben  der  österreichischen
  Erzherzoge  (no.  240,  an  die  Kurfürsten  -übergeben  worden  sei,
worin  um  Beförderung  des  Successionswesens  gebeten  und  besonders  de
Königs  Matthias  gedacht  werde,  so  dass  dies  Schreiben  die  Mitteilungen  des
Kurfürsten  vom  9.  Juli  (vgl.  no.  273)  bestätige  „Do  nochmals  bey  E,L
erklerung  zu  bestehen,  muste  ich  dessen  versichertt  sein;  vff  solchen  fall  mich
confirmiren  wöllet  und  nach  mögligkeitt  befurdern“*  (Bbg.,  A  9a,  no.  158’,
f.  26;  Or.  eigh..,.  —  Am  14.  Juli  versichert  Kurmainz  dem  Anhalter  nochmals:
„Meine  gedancken  sein,  wiss  der  liebe  Gott,  wie  friedt,  ruhe  vnd  gut
vertrawen  gepflantztt,  dohin  ich  nachmale  meiue  actiones  dirigiren  ,  auch
aller  vertrewligkeitt  vff  gutt  teutsch  mich  befleissen  will®  (Bbg.,  a.  a.  0.
f.  28;  Or.  eigh.).

%  Schreiben  des  Administrators  an  Kurmsinz  vom  2./12.  August:  Dank
für  das  Erbieten  an  Anhalt.  An  ihm,  dem  Administrator,  soll  es  nicht
fehlen,  zumal  er  spürt,  dass  Kurmainz’  Gedanken  nur  auf  Erhaltung  des
Friedens  im  Reich  geben.  Zur  Unterbauung  an  dem  von  Kurmainz  ar
gedeuteten  Ort  [Kursachsen]  ist  er  bereit  und  hofft  dafür,  dass  Kurmainz  ihn
bei  nächstem  Ausschreiben  in  guter  Acht  halten  wird  (Mb.,  547/14,  f.  140;
Kpt.  von  v.  d.  Grün).
        <pb n="663" />
        276.  1611  641

vnd  sehen  auch  sonsten  vnd  nochmals  viel  grosserer  vnd  beschwer-  Juli  12.
licher  difficulteten  alss  bey  vorbedachtem  vnd  denominirtem  subjecto,  auf
welches  nochmals  8.  L.,  das  man  zu  gehen,  ersuche  vnd  ferner  versuche
  thuen  solte,  treulich  riethe.  Heydelberg  den  2.  julii  1611.“

Bbg.,  A  9a,  no.  1589,  f.  37;  Kpt.  eigh.!

Am  15.  Juli  schreibt  Kurmainz  an  Kurköln  über  die  Unterredung
mit  dem  Anhalter  und  über  sein  obiges  Schreiben:  Bei  der  Unterredung
hat  der  Fürst  „auch  in  speoie  etlicher  maassen  dess  subiecti  halben  anregung
  getban,  dorauss  ich  zwahr  souill  vernemmen  können,  das  (wofern  es
rechtt  gemaindt)  die  gedancken  des  orts  dohin,  dorauff  diss  communicirt
schreiben  deutet,  nichtt  gerichtet  seyen*.  Ich  habe  mich  darauf  nicht
resolviert  sondern  die  Sache  an  ihren  Ort  verwisen.  „8.  Anhaltse  L.
wollen  von  keiner  vertröstung,  so  Matthiae  beschen  sein  soll,  wissen.  Ich
zweyffele  nitt,  weil  der  collegialtag  in  etwas  suspendirtt,  man  werde  nachmals
  nitt  nachlassen.*  Ich  möchte  gern  E.  L.  Gutachten  haben;  Eingehenderes
lässt  sich  der  Feder  nicht  anvertrauen.  [„Priora  consilia  approbirt  man,
auch  vorige  reuers,  wo  immer  erhalttlich,  zu  accomplirn  vrbietig;  ohne  ist
es  nitt,  dass  Aflberti]  im  besten  gedachtt;  ob  ernst,  daran  ist  wol  zu
zweyflelln“.]  Das  Eingeklammerte  wurde  wieder  getilgt.  —  Nachschrift:
Soeben  läuft  obiges  Handschreiben  des  Anhalters  ein,  aus  dessen  Abschrift
E.  L.  ersehen  können,  „ob  man  wol  des  andern  subiecti  keine  sonderliche
gedancken  hatt,  das  man  doch  eines  andern  halben  die  vorige  consilia,
welche,  wie  E.  L.  bewust,  hiebeuor  an  andern  orten  vorgangen,  nichtt
improbirt  sonder,  wo  sie  immer  erhelttlich,  vilmehr  approbirtt“.  Bei  der
Unterredung  mit  dem  Anhalter  ist  Albrechts  im  besten  gedacht  worden;
„ob  es  ernst,  mag  Gott  wissen“.  Ich  lasse  es  dahin  gestellt,  bis  man
„cum  fructu  et  effectu*  davon  reden  kann  und  bis  die  geistlichen  Kurfürsten
besser  ihre  Meinungen  austauschen  können.  Damit  E.  L.  wegen  des  Worts
„oonformiren*“  nicht  ungleich  denken,  als  hätte  ich  mich  erboten,  mich
in  einem  und  andern  dem  Administrator  zu  konformieren,  so  erläutere  ich
dies  Wort  dahin,  dass  „ich  mich  eines  andern  subiecti  halben  nichts  gegen
8.  L  erklerdt  sonder  es  pure  vff  gehörige  ort  verwiesen  und  mögen  8.
Anhalds  L,  villeicht  ire  andeutung  mitt  solchem  wort  dohin  gerichtt  haben,
das  ich  mich  vff  nachgesetzte  erklerung  des  administrators  L.  desto  besser
confil'jrmiren  möge*.  Ich  habe  mich  auch  mündlich  dahin  erklärt,  dass  vor
des  Administrators  Einnahme  nichts  schliesslich  gehandelt  werden  kann
und  ich  wollte  nur  hören,  wobin  die  Neigung  geht,  um  mich  darnach  zu
richten  (Wmz.,  Wahl-  und  Krönungsakten,  Rd.  6,  no.  121;  eigh.  Kpt.  des
Kurfürsten  mit  einigen  Verbesserungen  Fausts).  —  Kurköln  erwidert  darauf
am  22.  Juli:  Ich  habe  aus  E.  L.  Schreiben  mit  Freuden  vernommen,
„das  Pfalz  L.  intention  in  Jisem  hochwichtigen  werckh  dermassen  geschaffen,
das  verhoffentlih  künfftiger  zeitt  die  sach  zu  gewinschtem  endt  ablauffen
möchten,  vnd  wiewol  sich  status  causae  et  personarum  seithero  in  vil  weg
verendert,  so  bin  ih  doch  der  tröstlihen  hoffnung  zu  Gott,  man  werde  sich
einer  reassumirung  des  vorigen  oder  aber  anderwerts  küufftiger  zeitt  wol
vergleichen  kinden,  wie  ih  dann  von  E.  L.  mainung,  wie  bishero  geschehen,
mich  nitt  begher  abzusündern“.  Ich  wünschte  sehr,  nur  kurze  Zeit  persönlich
bei  E.  L  sein  zu  können,  da  aber  der  so  notwendige  Kurlürstentag
doch  nächstens  wieder  fortgehen  wird,  so  muss  ich  bis  dahin  meine  Gedanken
suröckhalten;  denn  die  Sache  ist  der  Feder  nicht  zu  vertrauen  (Wmz.,
a.  a.  Ö.,  no.  123;  Or.  [eines  der  seltenen  eigenhändigen)).

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjäbrigen  Krieges,  1X.  Bd.  41
        <pb n="664" />
        Juli  13.

Juli
[zu  13.]

642  1611  277-278.

27%.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  Kaiser  Rudolf
Ich  habe  E.  M.!  Obersten  und  Abgesandten  Heinrich  von  Gür-‚terode

  angehört!  und  danke  für  die  Kondolenz  wie  für  die  Gratulata

Der  plötzliche  Tod  meines  Bruders  war  mir  sehr  betrüblich,  besonders
da  er  zu  einer  Zeit  erfolgte,  wo  mein  Vorgänger  E.  M.'  hätte  nützlich
sein  können.  Ich  wünsche  mir,  dass  von  Anfang  meiner  Regierung
nichts  vorgenommen  werde,  was  nicht  zu  Gottes  Lob,  Erhaltunr
E.  M.  Hoheit  und  des  Reiches  Wolstand  gereicht  und  besorge  nur.
es  könnte  E.  M.'  eingebildet  werden,  dass  ich  Derselben  nicht  mit
solcher  Zuneigung  wie  mein  Bruder  zugetan  sei.  E.  M.!  werde:
aber  solchen  Reden  gewiss  nicht  glauben  in  Erwägung,  dass  all
die  guten  Consilia  meines  Bruders  in  Hinsicht  auf  E.  M.'  Perse.
Hoheit  und  des  Reiches  Wolstand  von  mir  jedesmal  approbiert  um
von  mir  und  andern  ibm  eingeraten  worden  sind.  Damit  aber  E.  MM!
aller  Verdacht  gegen  meine  Person  genommen  un1  bösen  Leuten  „das  Mar!
gestopft‘“  werde,  erkläre  ich  E.M.'  ausdrücklich,  dass  ich  Dieselbe  eben“
wie  mein  Bruder  hochhalten,  Derselben  dienen  und  mit  den  andern.
Kurfürsten  alles  befördern  will,  was  zu  Erhaltung  E.  M.!  Hobet
und  zum  Wolstand  des  Reiches  dienen  mag,  und  zwar  in  Worte
und  Werken;  bei  dieser  Meinung  will  ich  leben  und  sterber
Ich  bitte  E.  M.t,  sich  mich  wie  meinen  Bruder  befohlen  sein  zn  lassen
bei  Beginn  meiner  Regierung  mir,  wenn  nötig,  mit  Rat  und  Hilf
beizuspringen  und  mich  mit  meinen  Landen  und  Leuten  in  Dero  Schatı
zu  nehmem.  Datum  Dressden  den  3.  julii  a.  1611.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.,  104,  no.  110;  Kopie.?

278.  Gutachten  an  König  Philipp  III.  wegen  der
Succession  im  Reich.

„Cosa  cierta  es  que  para  la  quietud  de  Alemana  seria  meor
espediente  elegir  al  rey  Matias  por  emp.°"  yel  infante  Don  Carlos
por  rey  de  Romanos*  que  no  el  dexar  el  emp."  presente  y  elegir  rer
de  Romanos.  Pues  el  emp."  presente  nunca  sabra  quietarse  de  toi
punto  en  aver  perdido  lo  que  ha  perdido,  y  con  la  autoridad  qw

!  Vgl.  no.  269  und  no.  270.

°  Dies  Schreiben  wurde  sehr  rasch  verbreitet;  Braunschweig  erhielt  roa
Kursachsen  selbst  eine  Abschrift  (Drs.,  1.  8552,  Schreiben  an  Kurfürst
Johann  Georg,  f.  11:  Kptkopie).  Der  Herzog  von  Baiern  schreibt  am  24.  Jal
an  seinen  säumigen  Asrenten  Bodenius  in  Prag,  er  habe  von  zwei  verschiedene
Seiten  Abschrift  des  kursächsischen  Schreibens  erlangt,  „also  ess  khein  ®
geheime  sach,  dazue  souil  zeit  gehorig,  solhe  zu  bekhommen“  (Mc.,  Ext
stehung,  Fasz.  III,  no.  26,  f.  129;  Kptkopie  mit  obigem  eigenhändiges
Zusatz  des  Herzogs).  Auch  im  anhaltischen  Archiv  unter  den  „Arises*
findet  sich  eine  Abschrift  (De.,  A  9a,  Ic.,  no.  10),  ebenso  unter  den  nünberger
  Unionsakten  (Nhg.,  Unionsakten,  Bd.  55b,  f.  118;  Kopie).

®  Vgl.  oben  no.  54  und  Anm.  1  anf  B.  117.
        <pb n="665" />
        278—279.  1611  643

le  quedara  como  emp.?”,  cada  dia  rebolvera  las  cosas  para  procurar  _  Juli
que  se  le  buelba,.y  desto  se  puede  ver  exerplo  de  lo  que  sucedio  [?4  19.]
poco  ha,  que  los  ahos  pasados  despues  de  congertado  con  el  rey
Mathias  y  consentidole  los  estados  que  le  consentio.  quiso  rebolverlo

todo  y  levanto  la  gente  de  Passau  que  fue  para  este  fin,  y  haviendose
ultimamente  juntado  en  Praga  parte  de  los  eletores  y  archiduques

y  concertado  de  nuebo  las  diferencias  que  tenian  al  punto  que  avia
acavado  el  concierto,  lo  quiso  otra  vez  rebolver  que  con  este  intento
fueron  las  reboluciones  del  archiduque  Leopoldo..  Y  assi  como  lo  quiso
hazer  estas  dos  vezes,  se  puede  tener  por  tan  cierto  que  lo  hara
cada  dia,  que  no  es  menester  hbazer  largo  discurso  sobrello,  Y  pasando

  adelante  se  advierte  que  por  el  otro  camino  que  se  ha  propuesto,

de  renunciar  el  emp.°"  presente  y  elegir  al  rey  Matias  y  el  infante

Don  Carlos,  se  puede  esperar  mas  quietud  pues,  aunque  el  emp.”
tendra  despues  de  renunciado  la  misma  intengion  de  reboluerlo,  no
tendra  la  autoridad  de  poderlo  hazer  y  mucho  menos,  si  le  detubiesen

en  Bohemia  como  esta  aora,  y  presupuesto  que  esto  sea  assi,  aunque

se  ofrezcan  muchbas  dificultades  a  encaminarlo,  no  se  ha  de  desesperar

de  poderlo  hazer.

Por  lo  que  toca  a  los  principes  eletores,  sierto  es  que  estan
disgustados  y  alienados  del  rey  Matias,  y  si  la  mala  inclinacion
progediese  de  propios  intereses,  con  mas  dificultad  se  podria  componer;
pero  no  biniendo  mas  que  por  disgustos  de  la  ofensa  que  ha  hecho
al  emp.°"  que  al  fin  no  es  propia  de  ninguno  dellos,  se  puede  creer,
que  teniendo  como  no  ay  duda  que  tienen  los  electores  catolicos  y
duque  de  Saxonia  desseo  de  la  quietud  de  Alemana,  viniendo  a
conoger  ser  este  el  mejor  camino  para  ella  que  el  otro,  al  fin  vengan
en  ello..  Por  lo  que  toca  a  lo  del  emp.”,  venido  una  vez  los  electores
en  conoger  que  conviene  que  el  renuncie,  entre  ellos  y  el  rey  Matias
que  le  tiene  en  su  mano,  parece  que  como  el  dicho  rey  Matias  le
ha  obligado  a  todo  lo  demas,  le  podra  aun  obligar  a  esto,  dexando
aparte  lo  que  se  pudiese  hazer,  aun  sin  su  consentimiento.  Y  caso
yue  no  se  pudiesse  hazer  la  elecion  de  emp.°"  en  la  persona  del
rey  Matias  y  de  rey  de  Romanos  en  Ja  del  infante  Don  Carlos,  se
debe  procurar  la  elecion  de  rey  de  Romanos  en  el  rey  Matias  y  si
no  se  pudiese  pasar  adelante  en  lo  uno  ni  en  lo  otro,  venir  en  lo
del  arcbiduque  Alberto.“  O.  D.!

Sim,  Fasz.  2463.,  f.  379;  Kopie.

279.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  König  Matthias.  Juli  14.

Wir  haben  Dero  Abgesandten  Losenstein  Audienz  erteilt?  und
danken  für  die  Kondolenz  wie  für  die  Gratulation  und  für  Dero  Zuneigung

»  Am  13.  Juli  schiekt  der  König  dies  Schriftstück  Zuniga  zur  Kenntaisnahme
  („que  hagais  en  estas  cosas  lo  que  tubieredes  por  mas  conbeniente“),
ohne  Angabe,  von  wem  das  Gutachten  stammt.

?  Vgl.  no.  269.

41*
        <pb n="666" />
        644  1611  279.

Juli  14.  zu  uns  und  unserem  Hause,  die  wir  vergelten  wollen.  Der  Tod
unseres  Bruders  ist  uns  besonders  schmerzlich,  weil  er  zu  einer  Zeit
erfolgte,  da  der  Verstorbene  dem  Kaiser,  dem  Reich,  E.  kgl.  W.  und
unserm  ganzen  Hause  nützlich  hätte  sein  können.  Wir  können  zur
wünschen,  dass  von  Beginn  unserer  Regierung  nichts  anderes
vorgenommen  werde  als  was  zur  Ehre  Gottes,  Erhaltung  der
kaiserlichen  Hoheit,  des  Reiches  und  unserer  Lande  dienen  mag.
Die  angeregte  alte  Korrespondenz  und  Freundschaft  zwischen  des
Häusern  Oesterreich  und  Sachsen  wollen  wir  gern  fortsetzen  und
auf  die  Nachwelt  bringen;  denn  aus  ersterem  Hause  sind  ja  E
kgl.  W.  und  der  Kaiser  als  Aeltester  dieses  Hauses  entsprungen
Wir  erkennen  uns  schuldig,  den  Kaiser  zu  ehren,  damit  jeder  sieht.
dass  die  gute  Affektion  unseres  Bruders  gegen  den  Kaiser
sich  auf  uns  vererbt  bat;  E.  kgl.  W.  werden  dazu  gewiss  ebenw
wie  wir  geneigt  sein,  da  Sie  dem  Kaiser  und  Reich  ebenso  hoch  als  wir
verbunden  sind.  —  Was  aber  die  erste  an  uns  gestellte  Bitte  betrifit,
dass  wir  in  allen  E.  kgl.  W.  betreffenden  Sachen  Dieselbe  zuerst  hören
sollen,  um  nicht  zu  ungleichen  Gedanken  gegen  E.  kgl.  W.  bewegt
zu  werden,  so  ist  uns  das  gar  nicht  entgegen;  denn  wir  haben  iz
allen  unsern  Vorhaben  uns  bisher  gut  informieren  lassen,  bevor  wir
unsere  Gedanken  eröffneten.  Wir  wollen  aber  auch  gleich  an  E.  kgl.W.
die  Bitte  richten,  dass,  wenn  wir  Dieselbe  wolmeinend  an  etwas
erinnern  werden,  was  zum  Aufnehmen  des  Hauses  Oesterreich  nützlich
sein  könnte,  E.kgl.  W.  es  in  Gutem  verstehen  und  annehmen  mögen
E.  kgl.  W.  tun  rähmlich,  dass  Sie  sich  dem  Kaiser  gebührlich  akkomsdiren
  wollen,  wie  wir  auch  nicht  abgeneigt  wären,  jemanden  der
unsrigen  abzuordnen,  um  die  übrigen  Differenzen  beilegen  zu
helfen.  Aber  es  hat  uns  der  Kaiser  deswegen  nicht  ersucht  und
will  uns  nicht  gebühren,  unsern  Mitkurfürsten  vorzugreifen  ;  auch
sind  wir  zu  Anfang  unserer  Regierung  mit  so  vielen  Geschäften
überhäuft,  dass  E.  kgl.  W.  uns  für  diesmal  entschuldigt  halten  wollen.
Wenn  wir  aber  künftig  gebührlich  ersucht  werden,  so  wollen  wir
alles  befördern,  was  zu  des  Hauses  Oesterreich  Wolfahrt  gereichen
mag.  Datum  Dressden  den  4.  julii  a.  1611.

Nachschrift:  Der  Kaiser  hat  uns  mitgeteilt,  was  bisher  zwischen
ihm  und  E.  kgl.  W.  verhandelt  worden  ist.  Da  dabei  vor  allem  des
Reiches  Hoheit  zu  betrachten  ist,  so  zweifeln  wir  nicht,  E,  kgl.  W.
werden  beflissen  sein,  diese  gebührlich  in  Acht  zu  nehmen.  Wir
bitten  daher  E.  kgl.  W.,  in  den  Kaiser  nicht  weiter  zu  dringen,  bis  mau
sich  auf  dem  Kurfürstentag  eines  gesamten  Ratschlusses  und  Gutachtens
  verglichen  hat.  Das  wird  auch  E.  kgl.  W.  selbst  zu  mehrem
Glimpf  gereichen.  Ut  in  literis.

Wimz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104.,  no.  11l;  Kopie.  —  Die  Nachschrift  #
Drs.,  1.7387,  UI.  Buch  Kurfürstentags,  1.46;  Kptkop.  ist  gedruckt  bei  Haımmer-Purgstsll,
Khlesls  Leben,  Il.,  Urkunden-Sammlung,  uno.  311.2

ı  Vgl.  no.  277.
”  Nicht  nur  die  Bescheidung,  auch  der  Empfang  Losensteins  war  sehr
kühl,  Der  Kurfürst  gieng  dem  Gesandten  nur  bis  in  die  Mitte  der  Stab
        <pb n="667" />
        2830.  1611  645

280.  Zuüiga  an  König  PhilippIIL

„He  recibido  la  carta  de  V.  M.!  de  17  de  junio  en  que  me
nznda,  que  este  con  cuydado  en  lo  que  toca  a  las  pretensiones  del
Iuque  de  Baviera  al  imperio.!  Lo  qual  es  muy  conveniente,  si
»ien  no  he  descubierto  hasta  agora  que  el  duqne  trayga  platicas  sobre
»sto,  y  la  puntualidad  y  zelo  riguroso  con  que  procede  en  materia  de
-eligion,  no  es  de  persona  muy  gebada  en  pretensiones  las  quales  no
3e  pueden  alcansar  sino  es  concurriendo  en  su  favor  los  hereges;  pero
:3  tan  prudente  y  cauto  que  podria  ser  que  traxese  su  juego  tan
:mcubierto  que  yo  no  alcancase.  A  este  proposito  me  manda  V,.  M.‘
jJue  proceda  con  tiento  en  lo  que  es  quererme  valer  del  socorro  de
a  liga  cattolica;  por  que  siendo  cabeca  della  el  duqne  de  Baviera  de
quien  se  tienen  las  sospechas,  quiza  se  pondrian  estas  cosas  en  poor
estado  por  este  camino  y  no  entiendo  que  aya  despues  en  ninguna
carta  mia  que  seria  bien  valernos  aqui  de  la  liga  cattolica,  sino  que
pues  V.M.?  ayıdava  a  la  liga  cattolica  con  tanta  suma,  que  tendria
por  bien  de  convertir  aquella  suma  en  ayudas  para  el  rey  de  Ungria,
en  caso  que  lo  tuviese  menester,  como  esta  tratado  y  deslindado  cou
los  mesmos  de  la  liga  que  lo  pueda  V.M.“  hazer,  y  en  este  caso  no
tenia  que  entremeterse  el  duque  de  Baviera.  Praga  a  15  de  julio  1611.“

Vom  gleichen  Tag  liegt  noch  ein  zweites  Schreiben  Zunigas  an
den  König  vor:

„Aungque  aqui  son  muy  ordinarios  los  excesos  en  banquetes  y  en
el  bever,  el  elector  de  Saxonia  era  tan  desordenado  en  esta  parte  que,
quando  estuvo  aqui  al  conbento,  cada  dia  temia  mas  que  acavase  y
assı  ha  muerto  agora  subitamente,  hariendo  sido  conbidado  de  su
marichal.‘“  —  Am  25.  Mai  habe  ich  E.  M.!  berichtet?  ‚de  las  platicas
que  traya  con  el  duque  Juanjorje  su  hermano  y  subcesor  sobre

entgegen,  setzte  auch  den  Hut  gleich  wieder  auf  und  lehnte  sich  während
der  Werbung  an  den  Tisch.  Als  Losenstein  dies  den  kursächsischen  Räten
klagte,  antworteten  sie,  ihr  Herr  habe  es  den  kurfürstlichen  Gesandten
auch  nicht  anders  gemacht.  Den  kaiserlichen  Gesandten  dagegen  besuchte
der  Kurfürst  in  dessen  Quartier  und  gab  ihm  dort  Audienz  (Adam  Freiherr
zu  Wolkenstein  an  Erzherzog  Maximilian  am  30.  Juli  aus  Prag;  Ib.,  Ambraser
Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  13;  Or.  eigh...  —  Ausserdem
einigten  sich  die  beiden  Kurfürsten  von  Sachsen  und  Brandenburg,  zusammen
an  den  König  zu  schreiben,  damit  dem  Kaiser  nicht  durch  ungestümes  Anhalten
  bei  den  Verhandlungen  ein  endlicher  Schluss  abgedrungen  werde,  Jder
dem  Reich  nachteilig  wäre  (Kursachsen  an  Kurbrandenburg  am  9./19.  Juli;
Dras.,  a.  a.  O.,  f.  48;  Kpt.).  Ob  das  vorliegende  Konzept  des  Gesamtschreibens
vom  gleichen  Datum  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  47;  Kpt.)  ausgefertigt  wurde,  ist
zweifelhaft;  es  enthält  ausser  obiger  Ermahnung  noch  das  Begehren,  die
Wachen  abzuschaffen,  und  die  Versicherung,  dass  der  König  bei  den  Kurfürsten
  durch  nichts  grösseren  Favor  erlangen  könne  als  indem  er  dem  Kaiser
schuldige  Satisfaktion  erweist.

I  Vgl.  no.  85  mit  Anm.  5  auf  S.  188  und  no.  242  mit  Anm.  2  auf  8.  569.

®  Vgl.  no.  264.

Juli  15.
        <pb n="668" />
        646  1611  280.

Juli  15.  prendalle  para  el  servicio  de  V.  M.@  dandole  una  pension;  despues
-  pareciendome  que  la  necessidad  de  ganarle  hera  urgente  y  offreciendose
occasion  de  un  embaxador  a  Maguncia  amigo  mio!  que  se  bolvia  a
Maguncia  y  hazia  su  camino  por  la  corte  de  Sajonia,  le  di  comision,
paraque  diesse  otro  tiento  al  duque  Juanjorje  y  si  saliesse  a  el,  k
diese  muy  buenas  esperangas  de  buena  conclusion.  El  hizo  el  ofa,
y  subcedio  muy  bien  segun  me  ha  avisado,  aunque  en  las  particalaridades
  se  remite  a  escrivirmelas  con  otro  ordinario.  Este  officio  gae
hizo  el  embaxador,  devio  de  ser  cosa  de  veinte  dias  antes  de  la  muerte
de  su  hermano,  que  lo  he  tenido  a  muy  buena  suerte.  Es  de  crer
que  aviendo  sucedido  agora  en  aquella  gran  Cosa,  no  querra  rescivir  pension
de  V.  M.?,  pero  todavia  tengo  por  muy  forgoso  el  procurar  gratificarie
por  otra  via.“  Es  ist  von  der  allergrössien  Wichtigkeit  zu  sorgen.
que  este  nuebo  elector  siga  las  pisadas  de  su  hermano  en  la  aficacn
a  la  casa  de  Austria  y  buena  correspondencia  con  los  catolicos,  sobre
lo  qual  ay  diversas  opiniones,  pero  no  estoy  desconfiado  de  que  asa
de  salir  bien.“  Er  hat  wol  an  den  Kaiser  „con  gran  sumision“
geschrieben,  an  Matthias  aber  überbaupt  nicht.”  Beide  haben  zı
ibm  Gesandte  geschickt.  ,‚Si  quiere  rescivir  la  pension  el  propns,
sera  gran  negocio  y  por  estar  comencado  antes  que  heredase,  pareceria
mas  decente  y  quando  no  se  podria  dar  al  duque  Agusto,  su  hormam
y  hasta  agora  subcesor  suyo,  porque  no  tiene  hijos  barones,  y  V.M'
se  servio  el  ano  pasado  de  dar  6000  talleres  de  pension  al  landgrari?
Ludovico  de  Hassia®  lo  qual  propuse  en  consideracion  de  la  amistad
que  tenia  con  Maguncia  y  Sajonia,  bien  se  vee,  quanto  mayor  necessidad
  ay  de  cumplir  con  ellos  mismos.  Al  de  Maguncia  he  ent
tenido  como  he  escrito  con  un  presente  que  le  hize  de  6000  talleras  ';
en  el  trance  presente  no  se  puede  dejar  de  dalle  satisfacion  que
como  director  del  conbento  electoral  tiene  suma  autoridad  y  es  ya
viejo  y  assi  de  razon  no  puede  durar  muchos  anos  la  pension  que
se  le  diere.e.  Bien  veo  que  mi  oficio  en  esta  coyuntura  no  es  siao
de  importunar  a  V.  M.‘,  pero  atrevome  mas  a  ello  biendo  que  las
cosas  de  Alemania  son  oy  en  dia  las  que  en  la  christianidad  tienen
mas  necessidades  del  favor  de  V.  M.?  y  que  mas  le  tocan,  assi  por
Su  casa  como  por  nuestra  santa  religion,  que  dura  y  se  mantiene  en  esta:
partes  mediante  la  confianza  que  los  catolicos  tienen  en  la  grandesa
de  V.  M.d,  la  qual  esperimentan  con  Sus  favores  que  son  caus
principal,  para  que  los  herejes  no  les  acaben  de  perder  el  respeh.
De  Pıraga  a  15  de  junio  [!J  1611“.
Sim.,  Fasz.  2497,  f.  195  und  f.  196;  Orr.

i  Hans  Reichard  Brömser;;  vgl.  no.  268.

?  Vgl.  no.  277  und  no.  279.

°  Wegen  der  spanischen  Pension  für  Landgraf  Ludwig  von  Hessen  vgl
no.  268,  S.  620,  Anm.  2.

*  Vel  no.  224  und  no.  242.
        <pb n="669" />
        81.  1611  647

&amp;gt;81.  Hans  Reichard  Brömser  an  den  Kurfürsten  von
Mainz.

Ich  bedaure  den  Tod  des  Kurfürsten  von  Sachsen,  dem  ich
‚wenige  auch  under  den  catholischen  selbsten  vergleichen,  will  gecha
  weigen  vorzihen  konnen“.  Beim  Nachfolger  habe  ich  wenig  Ursache,
ım  gleicher  Intention  zu  zweifeln;  aber  mir  sind  alle  Aenderuugen
‚erdächtig  und  werden  die  Gegner  und  deren  unruhiger  Anhang
sich  gewiss  befleissen,  das  Gemüt  des  Nachfolgers  auf  andere  Wege
zu  bringen  und  ihm  unbegründete  Sachen  vorzutragen.  Ich  halte
laher  für  sehr  nötig,  wie  auch  E.  kfl.  Gn.  am  Ende  Ihres  Schreibens
fehlt]  selbst  andeuten,  so  schnell  als  möglich  eine  geeignete  Person
nach  Dresden  abzuordnen,  sich  zu  voriger  Vertraulichkeit  zu  erbieten
und  glimpfliche  Erinnerung  wegen  der  verlaufenen  und  noch  bevorstehenden
  Sachen  zu  tun.  Di.  Gereon  und  Schenkern  sind  beide
geeignet;  doch  dünkt  mich,  dass  dort  nicht  immer  genehm  ist,  wenn
derlei  Sendungen  durch  Gelehrte  verrichtet  werden;  weder  beim  verstorbenen
  noch  beim  jetzigen  Kurfürsten  weiss  ich  ausser  Gerstenberg
einen  Gelehrten,  dessen  man  sich  (abgesehen  von  den  Beratungen
des  geheimen  Rats)  in  dieser  Art  publice  bedient  hätte.  Ich  würde  daher
eine  Adelsperson  und  zwarSchenkern  vorschlagen,  dessen  Vater  beim  jetzigen
Kurfürsten  in  gutem  Anseben  war.  Wenn  E.  kfl.  Gn.  ihn  vor  der  Abfertigung
  hieher  schicken,  so  will  ich  ihm  noch  allerlei  Anweisungen  geben.  —

Wegen  der  kaiserlichen  Kommission  bin  ich  stets  in  dem
Gedanken  gewesen,  dass  sie  vom  Herzog  von  Braunschweig  und  von
anderen  durch  die  unkatholischen,  ja  atheistischon  Kammerliener,
die  jetzt  um  des  Kaisers  Person  sind  „und  des  Langen  vices  suppliren“,!
zu  dem  Ende  erpraktiziert  worden  ist,  damit  die  Katholischen  nicht  nur
vom  Direktorium  sondern  vom  ganzen  Wesen  und  Ratschlag  „removiert“
werden;  anfangs  war  kein  einziger  Katholischer  zu  dieser  Kommission
verordnet  „und  solches  allein  durch  meine  wenige  person  nicht  ohne
sonderbare  gefahr  so  viel  als  es  itzunder  ist,  geendert  und  auf  diese
weg,  dass  noch  ein  catholischer  fürst  darzue  benambt,  dirigirt
worden.“  —  Sachsen  hat  sich  auf  mein  Ansuchen  ganz  wol  und
aufrichtig  gehalten  und  hätte  ich  ohne  ihn  nicht  fortkommen  können;
daher  hat  man  um  so  mehr  zu  wachen  und  sich  zu  bemühen,  dass
die  Kollegialhandlung  nicht  in  die  Länge  gezogen  und  den  unruhigen
  Praktikanten  Zeit  gegönnt  werde,  den  angesetzten  Keil  weiter
zu  treiben  und  sich  der  Zaghaftigkeit  und  Unentschlossenheit  des

Kaisers,  dem  ohnehin  alles  verdächtig  ist,  frei  zu  bedienen.  —  Was
mir  wegen  der  Kommission  geschrieben  worden  ist  und  ich  hiemit
überschicke,  hat  mich  bestürzt,  besonders  da  E.  kfl.  Gn.  es  bestätigen.

ı  Vgl.  no.  262  und  no.  268,  wegen  Lang  F.  Hurter,  Philipp  Lang,
Kammerdiener  Kaiser  Rudolfs  II.,  Schaffhausen  1851  und  Briefe  unu
Akten,  V.,  727  1.

Juli  16.
        <pb n="670" />
        Juli  15.

648  1611  281

„Braunschweig,  Wacker,  Minckwitz,  Rüdiger  seint  ein  ding,  der
Otto  Melander!  ist  mir  ohnbekant,  der  von  Molart  ist  von  kemem
nachdruck,  Hanniwalt,  Hegenmüller  dorfen  nicht  mehr,  Stralendorf
gilt  nichts,  der  ainzige  guete  Barvitius  ist  uberstimpt  und  verdruckt,
gedenkt  nur  dahin,  wie  er  seine  person  aus  diesem  labyrint  und
gefahr  bringen  moge,  also  das  nuhmehr  das  ganze  regiment  und
directorium  bei  den  erst  benenten  vieren  entweder  ax  professo  okscatholischen
  oder  doch  kalten  heuchlern  bestehet  und  (das  noch  erger
ist)  gleichwol  diese  4  nicht  eben  des  vertrauens  oder  achtung  seint
bei  I.  ksl.  M.',  das  sie  recta  oder  durch  aigene  person  ihr  vorhaben
bei  deroselben  dirigiren  oder  vortbringen  sondern  mussen  sich  zweier
oder  3  camerdiner,  nemblich  des  Hans  von  Achen,?  des  Eritii?  und
des  leibmedici*  gebrauchen,  darunder  der  erst  ein  Lutheraner  um
zwar  nicht  so  gar  ohntractabel,  die  anderen  baide  aber  extreme
Calvinisten,  in  wichtigen  reichs-  oder  regierungsachen  ohnerfahres,
nichts  desto  weniger  sonsten  practicirerische  und  verschlagene  geselle
seint,  vornehmblich  der  Eritius,  welcher,  wie  mir  wissent,  den  ver
schlag  bei  I.  M.'  gethan  sowol  des  herzogen  als  auch  des  von
Minckwitz  halben.“  Ich  weiss  dies  daher,  dass  bei  meinem  letzten
Aufenthalt  in  Prag  Ericius  den  Sächsischen  „per  sceodulam‘‘  vorschlag,
sio  sollten  beim  Kaiser  befördern  helfen,  dass  Minckwitz  in  de
geheimen  Rat  komme,  er,  Ericius,  habe  den  Kaiser  schon  dazu  disponiert:
es  zu  erlangen  sei  eben  die  beste  Zeit,  man  könne  jetzt  erreichen,  was
zuvor  vom  ganzen  Reich,  besonders  von  den  „Augustanern“  mit  grossem
Eifer  vergeblich  gesucht  worden  sei.  —  Daraus  ist  die  Intention  leicht
zu  merken.  —  Die  Sachsen  haben  es  aber  misbilligt  und  beim  Kaiser
nichts  angeregt  und  zwar  auch  deshalb,  weil  sie,  obgleich  sie  Parität  im
geheimen  Rat  und  Reichshofrat  gern  sähen,  doch  besorgten,  es  würden
sich  damit  die  Calvinisten,  bei  denen  kein  Friede  zu  hoffen  ist,  einnisten
und  endlich  die  Katholischen  und  die  der  a.  C.  „ausmustern“;  sie
wollten  sich  lieber  mit  den  Katholischen  bei  diesen  Aemtern  vertragen
  als  die  Calvinisten  hervorziehen  ;  bei  jenen  hätten  sie  bisher
Offension  und  ungebührliche  Zunötigung  nicht  gefunden.  —  Wenn  aber
das  Regiment  noch  lange  bei  diesen  Leuten  bleiben  soll,  so  könne

"E.  kfl.  Gn.  ermessen,  was  daraus  werden  wird:  die  calvinische  Meinung

gestattet,  ja  fordert,  dass  man  auch  mit  Unwahrheiten  den  Gegner

ı  Rüdiger  und  Melander  waren  böhmische  Appellationsräte  und  Pr»
testanten  ;  vgl.  no.  284.

?  Wegen  Hans  von  Aachen  vgl.  no.  271  und  Anm.  3  auf  8.  624.

®  Vgl.  no.  262,  8.  606,  Anm.  1.

*  Leibärzte  des  Kaisers  waren  Dr.  Octavian  Boboreto  (oder  Rorersto),
Hektor  Moscaylia,  Simon  Perger,  Anshelm  ısostius  und  Johann  Altenstedt
(Wiener  Hofbibliotbek,  Hofzahlamtsrechnungen  von  1610  —-1612).  Boboreto
empfieng  das  höchste  Gehalt  (1000  fl.),  ausserdem  hatte  ihm  der  Kaiser
noch  ein  Haus  beim  Schloss  geschenkt  (vgl.  Hammer-Purgstall,  Ueber
die  Verhandlungen  mit  Herrn  von  Rosenberg  ete.,  Abhandlungen  der
böhmischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften,  V.  Folge,  8.  Bd.,  8.  811).
        <pb n="671" />
        231.  1611  649

verhasst  und  verdächtig  macht,  wie  das  Schreiben  der  böhmischen  Stände  Juli  16.
wegen  der  Aussage  des  Mönchs  zeigt.!—  Dem  Kaiser  ist  alles  verdächtig
  und  glaubt  er  alles,  was  man  ihm  einbildet,  wenn  eg  nur
einen  Schein  hat,  dass  ihm  Gefahr  droht,  besonders  von  den  Personen,  auf
die  er  obnehin  ein  Auge  hat.  Da  er  ganz  verzagt  ist,  glaubt  er  sich  von
jedermann  verlassen  ;  „mussen  demnach  hulf  suchen  und  nehmen,  wo  sie
konnen.  Und  uber  das  ligt  deroselben  hart  im  sinn  (inmassen  ich
selbsten  und  coram  von  dero  vernomen),  das  sie  sich  besorgen,
wan  sie  herausskommen,  so  werden  die  churfursten  mit  ibro  spielen
wie  die  Bohemen  und  Ostereicher  gethan;  ein  verbrant  kind  sorgt
das  feuer.“  Daher  haben  die  Praktikanten  gute  Gelegenheit,  einem
so  zaghaften  und  verwirrten  Gemüt  allerlei  iirem  bösen  Intent
Dienliches  einzubilden  und  sich  zu  nützen,  „bevorab  da  man  auch
Gottes  und  der  religion  ohne  das,  als  es  laider  scheinet,  nicht  viel  oder
hoch  achtet“.?  Ich  bin  daher  immer  noch  der  Meinung,  ee  sei  bei
solcher  Regierung  jeder  Augenblick  gefährlich  oder  verderblich,  nicht
nur  wegen  der  Religion  sondern  auch  wegen  „distrahir-  und  dilapidirung
  der  kaiserlichen  und  des  reichs  gueter  und  beropfung  des
adlers  federen,  darin  sich  die  bekante  mercenarii  itzunder  waidlich
brauchen  und  einer  dem  anderen  an  stegraif  greifen  werden.“  Würde
sich  nun  der  Kurfürstentag  doch  verziehen,  so  sollten  E.  kfl.  Gn.
mit  Dero  geistlichen  Mitkurfürsten  vertraulich  beraten,  wie  man  diesem
Unwesen  etwas  vorbanen  könnte,  damit  die  Katholischen  nicht  ganz
neben  die  Bank  gesetzt  werden.  Ich  kann  nicht  glauben,  dass  dies
Gebahren  Spanien  oder  einem  aus  dem  Hause  Oesterreich
gefällt.  ‚Rex  Hungariae  anutem  eodem  laborat  morbo;  quid  sentiant
pontifex  et  reliqui  principes  catholici,  facile  potest  iudicari.“

Dass  der  Kaiser  sich  mit  seinem  Bruder  in  eine  neue  Traktation
eingelassen  hat,  ist  dem  vorigen  Abschied  und  den  verschiedenen
schriftlichen  Erklärungen  ganz  ungemäss  und  ein  Zeichen  des  Wankelmuts.
  Die  Sache  kommt  mir  um  so  verdächtiger  vor,  als  der
Herzog  von  Braunsehweig  sich  dabei  gebrauchen  lässt,  „welcher  zuevor
deme  gar  zuewider  gewesen  und  alles  bis  auf  der  churfursten  und  des
reichs  erklerung  und  guetachten  verschieben  wollen.“  Ich  sorge,  dass
es  nur  darauf  angesehen  ist,  damit  das  Regiment  länger  zu  erhalten.  Dass
man  dabei  nach  Rebmanns  Andeuten  den  Punkt  der  Residenz  bereits
richtig  haben  soll,  hat  nicht  viel  auf  sich;  der  zweite  Punkt  de
modo  regnandi  et  iurisdictionem  habendi  hat  ein  viel  weiteres  Aussehen
und  fürchte  ich,  dass  dabei  Dinge  auf  die  Bahn  kommen  werden,
wobei  sich  die  Katholischen  in  Böhmen  übel  befinden  und  woraus
für  das  Reich  ein  böses  Exempol  und  Eingang  gezogen  werden  könnte,
besonders  da  der  König  wegen  der  Religion  und  deren  Uebung  bereits
viel  zu  weit  gegangen  ist,  unwiederbringlichen  Nachteil  eingeführt
hat  und  keine  Hoffnung  ist,  dass  man  zurückhandeln  könnte.  Wegen

ı  Vgl.  no.  73,  8.  165,  Anm.  2.

’  Vgl.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  812,  oben  no.  266
und  unten  no.  299.
        <pb n="672" />
        Juli  15.

Juli  15.

650  1611  281—  2%.

der  Jurisdiktion  stehe  ich  auch  in  Sorgen,  „nachdeme  sich  der  konig
und  die  Bohemen  vor  diesem  erzaiget  und  offentlich  vernehmen
lassen,  es  werde  damit  so  viel  nicht  orlanget  oder  in  solche  schranken
gebracht  werden,  wie  es  die  kaiserliche  und  des  heil.  reichs  ehr,
reputation  und  notturft  erfordert.“  Vielleicht  könnten  E.  kfl.  Ga
über  diesen  Punkt  sich  bei  Zeiten  etwas  genaueren  Bericht  verschaffen;
denn  es  handelt  sich  um  Sachen,  die  des  Reiches  und  der  Kurfürsten
Hoheit  und  KNotdurft  betreffen.  E.  kfl.  Gn.  könnten  den  Kaiser
etwa  durch  ein  Handschreiben  deshalb  erinnern.

Dass  es  mit  Pfalz  in  solchen  terminis  steht,  höre  ich  gern.!
Ich  habe  früher  allerdings  mehr  zu  Neuburg  geneigt;  aber  da  ich
dessen  Hartnäckigkeit  und  Ungehorsam  sehe,  muss  ich  nun  glauben,  dass
man  mit  der  Administration  Zweibrückens  besser  fortkommt,  besonders
wenn  ‘es  mit  dem  Successionswesen,  wie  E.  kfl.  Gn.  von  Anhalt
vernahmen,  Ernst  sein  soll;  doch  hat  man  wegen  des  gewohnten
Gebahrens  dieser  Leute  Ursache  zu  zweifeln;  die  „versutiae‘“  Anhalts
sind  bekannt.  Ich  glaube  aber,  er  hätte  sich  so  weit  nicht  bloss
gegeben,  wenn  er  nicht  ein  Fundament  hätte  „oder  aber  habe  maa
an  deme  ort  etwas  gewindet,  wohien  es  one  das  per  maiora  aus
schlagen  mogte,  dahero  man  sich  darzue  itzo,  als  wan  es  auch  ihr
gueter  will,  bequemet.  Quicquid  sit,  so  wird  es  doch  den  weg  gehen
mussen,  wofern  anderst  den  catholischen  stenden  und  der  ganzen
kirchen  geholfen  sein  [soll].“  Aus  Gesprächen  mit  einigen  Pfälzern
und  Hessen  entnahm  ich,  „dass  communis  vox  dahin  ausschlagen  will,
welches  dan  meines  bedunkens  kein  böse  anzaigung  ist‘‘  Das
Schreiben  an  Zuhiga  ist  in  Verstoss  geraten;  wenn  es  sich  noch
findet,  möge  es,  obwol  sich  die  Sache  etwas  geändert  hat,  abgesandt
werden.  Datum  Schwalbach  den  15.  juli  a.  1611.  —  Prae.
Aschaffenburg  17.  julii  1611.

Wmz.,  Korrespondenz,  Bd.  1.  —  Or,  eigh.?

282.  Die  zum  Kurfürstentag  abgeordneten  kurmainzischen
  Räte  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.

Wir  kamen  am  5.  Juli  gleichzeitig  mit  den  Kölnern  in  Mählhausen
  an,  am  7.  kanı  Schönberg,  am  8.  Brandenstein  und  Gerstenberg,
die  uns  während  des  Essens  schriftlich  das  Ableben  ihres  Herm
anzeigten.?  Da  die  Trierer  noch  immer  nicht  eingetroffen  waren,  wollten
wir  und  die  Kölner  bei  den  Sachsen  kondolieren  ;  allein  diese  weigerten
sich,  da  ihre  Gewalt  erloschen  sei,  etwas  anderes  als  ein  schriftliches

!  Vgl.  no.  273.

?  Einer  der  Gewährsmänner  Brömsers  über  die  Vorgänge  am  kaiserlichen
  Hof  war  der  auf  Antrieb  Leuchtenberge  im  April  1611  entlaasene
Reichshofrat  Dr.  Hans  Ulrich  Hämmerle;  vgl.  unten  no.  291,  S.  673,  Anm  1.

®  No.  267,  S.  616,  Anm.  3.
        <pb n="673" />
        282.  1611  651

Memorial  anzunehmen;  der  sächsische  Sekretär  nahm  es  dann  in
unserer  Wohnung  entgegen.

Auf  Wunsch  der  Kölner  hatten  wir  mit  diesen  am  8.  eine
Unterredung,!  wobei  sie  anregten:  1.  wie  man  zur  Reassumtion
des  Kurfürstentags  kommen  könnte?  2.  was  man  deshalb  von  Sachsen
erfahren  habe  ?  3.  ob  bei  nächstem  Kurfürstentag  noch  neue  Puukte
proponiert  werden  sollen?  —  Bei  1.  hielt  man  dafür,  der  Kaiser  werde
die  Reassumtion  bei  diesen  Läufen  gerne  befördert  sehen;  wegen  Zeit  und
Oıt  stand  man  aber  an,  da  nun  keines  der  weltlichen  Kurhäuser  im
Verein  und  daher  vor  allem  nötig  sei,  Sachsen  die  Aufnahme  in  den  Kurverein
  anzumuten  oder  abzuwarten,  ob  es  von  selbst  eintreten  werde.
Wegen  des  Administrationsstreits  wurde  erwogen,  ob  man  den
Administrator  bei  der  Beschreibung  übergehen  solle  oder  nicht;  in
dem  einen  Fall  würde  Pfalzgraf  Johann,  im  andern  Pfalzgraf  Philipp
Ludwig  verletzt  werden  und  könnten  E.  kfl.  Gn.  sich  hohen  Verweis
zuziehen:  denn  der  Administrator  befinde  sich  in  kundlicher  Possession
und  habe  die  kaiserliche  Bestätigung  des  kurfürstlichen  Testaments
und  die  Admission  in  das  rheinische  Kurkolleg  für  sich,  der  Neuburger
  könne  sich  aber  auf  das  erste  Ausschreiben  und  das  kaiserliche
  Handschreiben  berufen,  wonach  bei  dieser  Zusammenkuuft  der
Streit  vorgenommen  werden  solle.  Da  auch  wegen  der  Erteilung  des
jülichschen  Titels  an  Kurbrandenburg  triftige  Gründe  für  und  wider
bestehen,  so  hat  man  diese  Punkte  wegen  Triers  Abwesenheit  ausgesetzt
  und  beschlossen,  die  beiderseitigen  Gutachten  den  Kurfürsten
von  Trier  und  Köln  zu  referieren.

Beim  2.  Punkt  baben  wir  den  Kölnern  berichtet,  was  wir  von
den  Sachsen  vornahmen,  dass  die  Consilia  sich  beim  neuen  Kurfürsten
nicht  ändern  würden;  auch  haben  wir  ihnen  Abschrift  des  kaiserlichen
Handschreibens  erteilt,

Beim  3.  Punkt,  den  die  Kölner  auf  die  prager  Handlung  und
auf  die  Reformation  des  Reichshofrats  verstanden,  haben  wir  zu
Bericht  genommen,  ob  dieser  Punkt  ins  künftige  Ausschreiben  zum
neuen  Kurfürstentag  zu  rücken  sei.

Am  8.  Juli  abends  kamen  die  Trierer,  nämlich  der  Kanzler  und
Dr.  Pütz;  ihretwegen  blieben  die  Kölner  und  hörten  am  9.  deren
Meinung  über  die  drei  Punkte  bei  uns  an.  Wegen  der  Beschreibung
des  Administrators  schlugen  die  Trierer  vor,  um  unsere  Herrn  alles
Verweises  zu  eutheben,  dem  Kaiser  anheim  zu  geben,  dass  er  seinen
verordneten  Kommissarien  befehle,  einige  Tage  vor  dem  Kurfürstentag
anzukommen  und  zwischen  beiden  Teilen  zu  verhandeln.  Man  hat
dies  aber  für  zeitraubend  und  bei  des  Kaisers  jetzigem  Zustand  für
ungewiss  erachtet  und  schliesslich  bedacht,  dass  E.  kfl.  Gn.  mit
Sachsen  und  Brandenburg,  die  an  dem  Kuratelstreit  am  meisten
interessiert  sind,  deswegen  kommunizieren  und  von  ihnen  vernehmen

’  Das  Protokoll  der  Verhandlungen  am  8.  und  9.  Juli  in  Wınz.,  Reichsetagsakten,
  Bd.  104,  no.  98;  Or.  von  Hensele  Hand.

Juli  15
        <pb n="674" />
        652  |  1611  282—283.

Juli  15.,  sollten,  ob  sie  die  Beschreibung  oder  die  Uebergehung  des  Administrators
für  rätlicher  ansehen  ;  doch  könnte  man  auch  den  Kaiser  erinnern.
seinen  Kommissarien  wegen  Ergänzung  des  Kollege  Befehl  zu  erteilen.
  Die  Trierer  wollen  alles  nur  referieren,  aber  die  Sache
bei  ihrem  Herrn  beschleunigen,  damit  er  sich  ehestens  gegen  BE.
kfl.  Gn.  erkläre,  ob  man  sich  wegen  des  Administrators  an  Sachsen
und  Brandenburg  wenden  solle;  wegen  der  andern  Punkte  könnte
sich  ihr  Herr  ungehört  der  beiden  weltlichen  Kurfürsten  schwerlich
erklären.!  —  Am  10.  kam  noch  ein  Sekretär  des  Landgrafen  Moriz
nach  Mühlhausen,  um  zu  vernehmen,  wer  da  sei  und  ob  keine
Befehle  oder  Schreiben  aus  Prag  angelangt  seien;  wir  berichteten
ihm  den  Verlauf.  Datum  Aschaffenburg  den  15.  julii  a.  1611.  —
Praes.  Aschaffenburg  16.  julii  1611.

Wmez.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  991;  Or.

(Juli,erste  283.  Kursächsische  Denkschrift  wegen  der  Be-Halfte.]
  stätigung  des  jüterbogker  Vergleichs  durch  den  Kaiser.
Bei  Neuburg  haben  weder  die  fürstlichen  Unterhändler  noch

Landgraf  Moriz  etwas  ausgerichtet;?  der  junge  Pfalzgraf  fährt  täglich
mit  beschwerlichen  Attentaten  fort,  der  alte  hat  dieser  Tage  zu  Prag

!  Nach  dem  Protokoll  wurde  auch  über  die  Behandlung  des  Justizunktes
  beim  Kurfürstentag  geredet.  Die  Kölner  hatten  erst  Bedenken,  ob  ohne
jadiz  für  die  Katholischen  die  Güte  bei  Entscheidung  der  schwebenden
Streitfälle,  besonders  der  Klostersachen  vorgeschlagen  werden  könnte;  die
Mainzer  meinten,  dass  man  sie  als  äusserstes  und  dann  unpraejudizierliches
Mittel  gelten  lassen  könnte;  die  Trierer  wollten  nochmals  auf  den  Abschied
von  1598  dringen  und  dass  „pares  numero*  zu  den  Klostersachen  deputiert
werden;  —  mit  der  Güte  sei  dem  Hauptstreit  nicht  geholfen;  „solte  dan
solches  auch  nit  verfangen,  muste  man  den  sachen  in  andere  weg  nachdenken
und  entweder  die  clostersachen  ausstellen  oder  die  parteien  zur  guete  ermahnen“.
  Schliesslich  liessen  sich  auch  die  Kölner  die  Güte,  doch  ohne
Prasjudis  für  andere  beim  Kammergericht  schwebende  Sachen  und  auf  Ansuchen
der  Parteien  gefallen.

’  Landgraf  Moris  hatte  dem  Pfalzgrafen  Wolfgang  Wilhelm  von
Neuburg  eine  Zusammenkunft  vorgeschlagen,  um  ihn  zu  der  noch  ausstehenden
Ratifikation  des  jüterbogker  Vertrags  durch  Neuburg  zu  bewegen.  Nach
verschiedenen  Ausflüchten  des  Pfalzgrafen,  dass  er  eret  den  Rat  seiner
Leute,  der  Unierten  und  der  assistierenden  Mächte  einholen  müsste  (Dra,,
1.  8808,  23.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  301;  Kopie),  fand  am  15./25.  Mai  die
Unterredung  zu  Büren  in  Westfalen  statt,  die  ergebnislos  verlief,  da  der
Pfalzgraf  einen  Aufschub  von  drei  Monaten  begehrte,  um  jene  Gutachten
einzuholen  (Landgraf  Moriz  an  das  Geeamthaus  Sachsen  am  21./31.  Mai;  Drs.,
a.  a.  O.,  f.  475;  Or...  Am  21./31.  Mai  schrieb  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilbelm
aber  an  die  Kurfürstin  von  Brandenburg:  er  wolle  Sachsens  Einnahme  in  den
jülicher  Besitz  um  jeden  Preis  verhindern  und  Eltern,  Landstände,  Untertanen
  und  Assistenten  zu  gleicher  Resolution  bewegen;  er  halte  aber  eine
Vergleichung  zwischen  Neuburg  und  Kurbrandenburg  wegen  gemeinsamer
Behauptung  der  Possession  in  Jülich  für  nätig  und  werde  deshalb  die  Reise
nach  der  Mark  antreten  (Me.,  Neuburger  Archiv,  Jülich-Berg,  Fasz.  5a,  f.  7:
Auszug).  Der  Aufbruch  Wolfgang  Wilhelms  dahin  erfolgte  am  23.  Jani
        <pb n="675" />
        283.  1611  658

eine  starke  Kontradiktionsschrift  eingegeben!  Da  zu  besorgen  ist,  [Jali,  erste
dass  Sachsen  auf  diese  Weise  nur  schwer  und  langsam  zu  seiner  Intention  Halfte.)
kommen  wird,  so  muss  man  auf  andere  Wege  dazu  denken;
diese  sind:  1.  die  kaiserlicbe  Bestätigung  des  Vergleichs;  2.  die
Benützung  des  kurpfälzischen  Administrationsstreits.

I.  Am  kaiserlichen  Hof  wird  wegen  der  Angelegenheiten  des  Kaisers
Jetzt  besonderer  Fleiss  angewendet,  den  Kurfürstentag  za  befördern,  dagegen
bleiben  die  jülicher  Sachen  und  die  Bestätigung  des  jüterbogker  Vertrags
stecken.  Das  verursacht  entweder  die  grosse  Bestärzung,  in  die  der
Kaiser  und  seine  Räte  geraten  sind,  oder  es  ist  eine  Absicht
dabei.  Hat  ersteres  statt,  so  muss  man  fleissig  erinnern  und
sollizitirrn.  Nun  begehren  die  kaiserlichen  Räte,  dass  vermöge  des
jüterbogker  Vertrags  Brandenburg  und  Neuburg  zugleich  mit  Sachsen
um  Bestätigung  anhalten  sollen.  Es  kann  aber  Brandenburg  dies

(Wolfgang  Wilhelm  an  Kurbrandenburg  am  16  Juni  aus  Cleve;  Mc.,  Jülicher
Sucosssion,  Fasz.  54,  no.  100,  II.,  f.  6;  Kpt.).  Inzwischen  hatte  Landgraf
Moriz  noch  einen  zweiten  Versuch  bei  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilheln  gemacht
  und  ihm  ein  Schreiben  der  Königin-Regentin  von  Frankreich  vom
14.  Mai  mitgeteilt,  worin  diese  die  Ratifikation  des  jüterbogker  Vertrags
für  notwendig  erklärte  (Königin  an  Landgraf  Moriz;  Bbg.,  A  9a,  no.  85,
f.  11;  Auszug);  aber  auch  das  verfieng  nicht.  Des  Landgrafen  letzte
Hoffnung  blieb,  durch  seinen  Sohn  Otto,  der  eine  Reise  nach  England
machte,  dem  Pfalzgrafen  bei  den  Generalstaaten  und  bei  Jakob  I.  den  Weg  zu
verlegen  (Landgraf  Moriz  an  Kursachsen  am  10./20.  Juni;  Dres.,  1.  8808,
24.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  112;  Or.).

ı  Am  20.  Juni  war  ein  kaiserliches  Dekret  ergangen,  das  den  alten
Pfalzgrafen  verhielt,  binnen  sechs  Wochen  seine  Erklärung  wegen  Bestätigung
des  jüterbogker  Vertrags  abzugeben,  sonst  werde  der  Kaiser  auch  ohne  diese
Erklärung  einen  Bescheid  wegen  des  jüterbogker  Vertrags  herausgeben;
zugleich  möge  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  seinen  Sohn  Wolfgang  Wilhelm  zu
mehrerm  Respekt  und  Gehorsam  gegen  den  Kaiser  anhalten  (Ma.,  519,13,
f.57;  Kopie).  Neuburgs  Suchen  um  Belehnung  mit  den  jülicher  Landen  war

ignoriert  worden.  —  Darauf  schrieb  am  om  der  Pfalzgraf  Philipp

Ludwig  an  den  Kaiser:  Er  habe  bisher  weder  den  jüterbogker  Rezess  noch
einige  wichtige  Beilagen  dazu  in  authentischer  Form  erhalten  und  habe
sich  deshalb  bisher  nicht  erklären  können;  es  wäre  befremdlich,  dass  er
etwas  ratifizieren  solle,  was  er  nicht  genau  kenne;  der  Kaiser  möge  ihn  daher
nicht  durch  einen  so  kurzen  Termin  tibereilen,  zumal  die  Kurfürsten  und
Fürsten  die  kaiserliche  Bestätigung  schwerlich  so  stark  betreiben  werden  ;
die  Interessenten  müssten  sich  zuerst  unter  einander  vergleichen  und
könnten  sich  dann  erst  insgesamt  um  die  Bestätigung  anmelden;  Pfalzgraf
Wolfgang  Wilhelm  sei  stets  zu  allem  Gehorsam  gegen  den  Kaiser  geneigt;
der  Kaiser  möge  sich  auch  wegen  der  nachgesuchten  Belehnung  erklären
(Me.,  Neuburger  Archiv,  Jülich-Berg,  Fasz.  24,6’;  Kopie).  —  Tatsächlich  war
aber  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  sehr  kleinlaut  geworden  und  ebenso  wie
sein  Kanzler  Fröhlich  im  äussersten  Notfall  zur  Admission  Sachsens  dem
Kaiser  zu  Ehren  bereit,  damit  Neuburg  nicht  allein  den  Unglimpf  zu  tragen

habe  (Philipp  Ludwig  an  Wolfgang  Wilhelm  am  nn  Me.,  a.  a.  O.).
        <pb n="676" />
        654  1611  283.

[Juli,erate  nicht  tun:  1.  wegen  des  dortmunder  Abschieds!  und  2.  wegen  des

Hälfte.)

jüterbogker  Vertrags  selbst,  worin  vorgesehen  ist,  dass  zuerst  die  Batifikation
  Neuburgs  erhandelt  und  dann  von  allen  Interessenten  insgesamt
um  die  Bestätigung  angehalten  werden  soll.  —  Da  Neuburg  &amp;amp;
nicht  tun  will,  muss  Sachsen  das  Beste  tun  und  dem  Kaiser  vorhalten:
  1.  seine  bisherigen  Verdienste  um  ihn;  2.  die  bisher
mit  Rücksicht  auf  ihn  erwiesene  Geduld;  3.  dass  nun  das  ganze
Werk  auf  dessen  Resolution  beruht;  4.  warum  Brandenburg  die  Be
stätigung  nicht  nachsuchen  kann,  obgleicb  der  Kurfürst  mit  dem
Vertrag  zufrieden  ist;  5.  dass  Neuburg  keine  Ursache  zur  Verweigerung
  der  Ratifikation  hat,  da  des  Pfalzgrafen  Interesse  genügend
gewahrt  ist.  Es  ist  nicht  zu  zweifeln,  dass  der  Kaiser  daraufhin
die  Bestätigung  erteilen  wird.  —  Unterbleibt  diese  aber  dennoch,
zaudert  man  am  kaiserlichen  Hof  vorsätzlich  und  muss  dies  Sachsen

‘wol  beachten:  denn  wenn  die  Bestätigung  nicht  jetzt  erfolgt,  da

der  Kaiser  in  Nöten  ist  und  Sachsens  Hilfe  bedarf,  so  wird  sie  um
so  weniger  geschehen,  wenn  seine  Sachen  wieder  in  gutem  Stand
sind.  Es  sollte  zwar  dem  Kaiser  selbst  und  dessen  Räten  solches  nicht
zuzutiauen  Sein;  aber  man  weiss  nun  1.  aus  Tengnagels  Aussagen,  was
für  Anschläge  mit  Jülich  man  vorgehabt  und  dass  man  diese  Länder
Sıchsen  eben  so  wenig  als  den  Possidierenden  gegönnt  hat,  und  2.  dass
die  Katholischen  vom  jüterbogker  Vertrag  ungern  hören,  wenn  ihre
Schreiben  darüber  auch  anders  lauten.  Daraus  ist  abzunehmen,
dass,  wenn  durch  Neuburgs  Weigerung  sich  neuer  Misverstand  unter
den  vornehmsten  evangelischen  Häusern  erheben  sollte,  es  an  bösen
Leuten  nicht  mangeln  würde,  die  dadurch  zu  ihrer  Intention  zu
kommen  hoffen.  Man  muss  also  dem  jetzt  vorbauen,  da  der  Kaiser
Sachsens  nicht  entraten  kann.  —  Es  ist  daher  zu  erwägen,  ob  nicht
der  Kurfürst  mit  dem  Kurfürstentag  an  sich  halten  und  ihn  nicht
eher  fortgehen  lassen  soll,  bis  er  wegen  der  Bestätigung  eine  annehmbare
  Resolution  erlangt  hat.  Da  der  Kaiser  auf  diesen  Tag  all  sine
Wolfahrt  und  die  Rettung  seiner  Reputation  und  Hoheit  setzt,  ‚so  wird  er,
ebe  er  ihn  lange  aufziehen  lässt,  lieber  Sachsen  willfahren,  es  werden
auch  die  geistlichen  Kurfürsten  fleissig  dazu  raten  und  wird  als
Sachsen  in  vierzehn  Tagen  mehr  erreichen  als  vordem  die  ganze  Zeit
her.  Man  mag  einwenden,  der  Kurfürstentag  sei  ein  gemeine
Werk,  woran  dem  ganzen  Reich  gelegen,  die  jülicher  Sache  sei  eine
private  und  betreffe  nur  einige  Fürsten,  dürfe  also  die  gemeine  Sache  nicht
hindern,  —  aber  die  jülicher  Sache  ist  auch  eine  gemeine  in  Ansehung
der  grossen  Gefahr  für  das  Reich,  wenn  es  nicht  beim  jüterbogker
Vertrag  bleibt,  und  dem  Kaiser  ist  daran  eben  so  viel  wie  an  dem
Kurfürstentag  gelegen,  da  ihm  beim  Fehlschlagen  der  Güte  die

ı  Vgl.  J.  du  Mont,  Corps  universel  diplomatique,  V.,  V.,  yä  S.  108  und
Moernuer,  Kurbrandenburgs  Staateverträge,  Berlin  1867,
        <pb n="677" />
        283.  1611  655

vornebmsten  Mittel  entzogen  würden,  durch  die  ihm  in  seiner  jetzigen  Juli,  erate
Bedrängnis  geholfen  werden  könnte.  Hälfte.
II.  Mittel.  Wenn  Neuburg  die  karpfälzische  Administration
verliert,  so  sind  ihm  alle  Mittel  benommen,  wodurch  es  ermutigt  werden
möchte,  dem  jüterbogker  Vertrag  zu  widersprechen  ;  nıan  muss  daher  verhüten,
  dass  Neuburg  zur  Administration  kommt.  Man  könnte  dem  zwar
entgegen  halten,  dass  gerade  durch  die  Einräumung  der  Administration
Neuburg  zur  Ratifikation  bewogen  werden  dürfte.  Darauf  ist  aber  zu
erwidern,  dass  dies  vielleicht  beim  alten,  nicht  aber  beim  jungen  Pfalzgrafen
  zutreffen  mag,  der  bei  Lebzeiten  des  Vaters  doch  nicht  zur
Adıninistration  käme,  dagegen  auf  die  jülicher  Lande  so  erpicht
ıst,  dass  er  darüber  wol  anderes  hintansetzt.  Und  selbst  wenn
unter  dieser  Bedingung  beide  Pfalzgrafen  gewonnen  werden  könnten,
so  ist  doch  zu  bedenken,  dass  dadurch  nur  neue  Zerrüttung  im
Reich  entstehen  wärde:  1.  wegen  des  kurfürstlich  pfälzischen  Testaments,
2.  wegen  der  kaiserlichen  Bestätigung  desselben,  3.  wegen  der  schon
geleisteten  Huldigung,  4.  wegen  der  erfolsten  Anerkennung  des  Administrators
  durch  das  Kammergericht  und  die  geistlichen  Kurfürsten,
5.  da  der  Administrator  im  Besitz  ist  und  6.  der  junge  Kurfürst
von  keinem  andern  Administrator  wissen  will.  Auch  die  Unierten
werden  den  jetzigen  Administrator  nicht  lassen  können,  der  überdies
Sachsen  in  der  jülicher  Sache  nie  zuwider  gewesen  ist  sondern  zu
dessen  Einnabme  mit  Hintansetzung  seiner  eigenen  Interessen  geraten
hat.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  wird  ihm  aber  1.  grosse  Freundschaft
erweisen,  wenn  er  ihn  bei  der  Administration  erhält  und  befördert,  dass
er  zum  Kurfürstentag  beschrieben  wird;  2.  er  wird  sich  dadurch
den  jungen  Kurfürsten  verpflichten  und  gute  Korrespondenz  zwischen
den  beiden  Kurhäusern  stiften,  3.  Gefahr  und  Unruhe  vom  Reich
abwenden  und  4.  dem  Kaiser  einen  ansehnlichen  Dienst  erweisen,
dem  aufs  höchste  daran  liegt,  dass  der  Kurfürstentag  fruchtbar  abgeht.
las  geschieht  aber  am  besten,  wenn  das  ganze  kurfürstliche  Kolleg  beisammen
  ist;  denn  der  Administrator  soll  nicht  gewillt  sein,  den  Kurfürstentag
  zu  besuchen  oder  zu  beschicken,  wenn  er  nicht  ebenso  wie
Kurbrandenburg,  der  noch  gar  nicht  ausgesöhnt  ist,  beschrieben  wird.!  —
Man  könnte  dagegen  einwenden,  dass  nun  die  Zeit  zur  Beschreibung
des  Administrators  zu  kurz  sei;  —  aber  es  ist  schon  angedeutet
worden,  dass  Sachsen  auch  wegen  der  jülicher  Sache  Ursache  hat,
mit  dem  Kurfürstentag  etwas  an  sich  zu  halten.  Da  auch  des
Kaisers  Interesse  dazu  kommt,  so  ist  der  Verzug  von  etwa  drei
Wochen  umso  weniger  in  Anschlag  zu  bringen  als  1.  dem  Kaiser
durch  Ergänzung  des  Kollegs  sehr  gedient,  2.  Sachsen  durch
die  kaiserlicbe  Bestätigung  in  der  jülicher  Sache  gesichert  und
3.  Neuburg  gewiss  dazu  gebracht  werden  wird,  sich  zur  Ratifikation

!  Die  Aussöhnung  war  inzwischen  am  24.  Juni  erfolgt;  vgl.  no.  186,
8.  449,  Anm.  1.
        <pb n="678" />
        656  1611  283-4.

(Juli,  erste  gelbst  zu  erbieten;  4.  der  Kurfürst  von  Sachsen  wird  im  Beich  grosse

Halfte.)

Juli  16,

Autorität  erlangen,  dass  durch  seine  Interposition  so  grosse  Sachen
zu  wege  gebracht  werden  und  auch  in  Jülich  solche  Beputatioa
gewinnen,  dass  der  Einnahme  Sachsens  niemand  opponieren  wird.!

Nota:  Man  könnte  auch  an  Frankreich,  England  und  de
Staaten  schreiben  und  sie  neben  Danksagung  für  die  geleisteten
Dienste  ersuchen,  Neuburg  von  seinem  Vorhaben  abzumahnen.  Da
auch  in  Jülich  viele  zweifeln,  dass  zu  Jüterbogk  ein  richtiger  Vertrag
gemacht  und  von  Kurbrandenburg  vollzogen  worden  sei,  so  könnte
Sachsen  jemanden  mit  dem  vollzogenen  Original  dahin  abfertigen,  um
es  den  Vornahmsten  zu  zeigen  und  dadurch  des  Pfalzgrafen  Vorgebea
abzulehnen;  diese  Information  würde  mehr  wirken  als  wenn  Sachsen
ebenfalls  Patente  publizieren  liesse.  O0.  D.

Drs,,  1.  8808,  3&amp;amp;  Buch  jül.  Bacben,  f.  162;  Kopie.?

284.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht

Am  10.  ist  mit  dem  von  E.  fl.  D.'  geschickten  Kurier  ein
Schreiben  vom  Markgrafen  Castiglione®  aus  Spanien  gekommen,  worin

ı  Tatsächlich  vollzieht  sich  zu  Anfang  des  Juli  eine  kleine  Aonderung  in  der
Haltung  Sachsens  wegen  des  Administrationsstreits.  Noch  Colli  war  in  Dresden
beschieden  worden,  der  Kurfürst  könne  sich  in  dieser  Sache  nicht  abgesondert
von  den  andern  erklären  und  müsse  alles  auf  die  mühlhaaser  Tagung  verschieben
(vgl.  no.  225,  S.  630,  Anm.  2;;  in  der  Instruktion  für  die  zum  Kurfürsten

tag  vorausgeschickten  Räte  (vom  ee,  erklärt  der  Kurfürst  es  freilich

noch  für  wünschenswert,  dass  Pfalzgraf  Johann  dem  Pfalzgrafen  Philipp
Ludwig  die  Mitadministration  lasse  oder  die  Administration  wenigstens  in
dessen  Name  führe,  die  Tagungen  zugleich  mit  ihm  beschicke  und  ihm  die  obere
Stelle  gebe;  wäre  aber  davon  nichts  zu  erhalten,  so  müsste  man  sich,  da  die
andern  Kurfürsten  Pfalzgraf  Johann  als  Administrator  anerkennen,  der  Mehrheit
bequemen  und  gleichfalls  den  Zweibrücker  als  Administrator.  anerkennen  (Dre,
1.  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags,  f.  56;  Kpt.).  —  Am  9.  Juli  äussert  der
Kurfürst  von  Mainz  zu  Dr.  Camerarius,  der  wegen  des  Administrationsstreits
und  wegen  der  verweigerten  Anweisung  eines  Quartiers  zu  Mühlhausen
für  den  Administrator  nach  Aschaffenburg  geschickt  worden  war  [vgl.
no.  278,  8.  629,  Anm.  1],  Kursachsen  sei  durch  Neuburg  beleidigt,  wel
dieser  die  Ratifikation  des  jüterbogker  Vertrags  versiehe  (Ma.,  547/14,  f.  162;
Aufzeichnungen  von  Camerarius’  Hand).  —  Am  -  ur  56  schreibt  die  Korfürstin
  von  Brandenburg  an  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm:  „Der  itzige  kurfarst
zu  Sachsen  hat  aussdrucklich  gesagt,  das  er  vrsach  wehr,  das  E.  L.  ber
vatter  nicht  die  administration  bekem;  denn  der  fogel  in  Gülich  möcht
darnach  im  grösser  possen  machen  als  er  ist  thun  kan  (Me.,  Faaz.  126;  —

.  eigh.).

3  Datiert  mit  Rücksicht  auf  das  neuburgische  Schreiben  in  Asm.  1
auf  8.  658;  da  in  der  Denkschrift  des  Ablebens  Christians  II  nicht  gedacht
ist,  so  wird  sie  wol  nicht;am  kurfürstlichen  Hoflager  entstanden  sein.

?  Frans  Gonzaga  Marchese  von  Castiglione,  ein  Bruder  des  heil.  Aloisius,
war  seit  1604  kaiserlicher  Botschafter  in  Rom  und  vertrat  seit  1608  den
Kaiser  in  Madrid;  vgl.  über  ihn  Briefe  und  Akten,  V.,  S,  720,  Anm.  1
und  8.  827,  VI.,  no.  232  und  no.  261.
        <pb n="679" />
        284.  1611  657

dieser  den  Ehevertrag  zwischen  Spanien  und  Frankreich  meldet?  und  Juli  16.
berichtet,  „das  I.  kgl.  M.*  und  der  ganzer  hof  sehr  hoch  empfinden
und  ihr  misfalle,  das  I.  ksl.  M.*  und  dero  rät  so  ubel  und  streng
tractiret  und  nit  mehr  gerespectiret  werden.“?  An  Barvitius  schreibt
Castiglione,  er  werde  seinen  Abschied  verlangen,  weil  er  seit  langer
Zeit  weder  vom  Kaiser  noch  von  den  Ministern  einen  Brief  erhalten
habe.  „Jtz  aber  schreiben  I.  M.*  S.  fl.  Gn.  wegen  der  markgrafschaft
  Final  und  remittiren  das  ganze  different  an  I.  kgl.  M.!  von
Hispanien  und  den  marchesen,  das  sie  darin  disponiren,  wie  sie  08
billich  befinden.  “

Am  11.  ist  Proskofsky  zum  Oberstkämmerer  (welches  Amt  er
bis  dahin  nur  verwaltete),  Graf  Maximilian  von  Salm  zum  Oberststallmeister
  und  der  von  Mollart  zum  Hofmarschall  durch  den  Landgrafen
von  Leuchtenberg  installiert  worden.  —  „Denselben  hat  Hannewald
mich  berichtet,  das  er  vorigen  tages  gar  gnedigste  audienz  bei  I.
ksl.  M.'  wie  auch  den  tag  zwemal  gehabt  und  20000  gulden  gnadengeld
proprio  caesaris  motu  erlangt  habe.“  Nachmittags  ist  er  mit  dem
Obersten  von  Trautmannsdorf  3  nach  Dresden  gereist,  wo  er  auf  weiteren
Befehl  des  Kaisers  warten  soll.  —  Barvitius  und  nachber  der  Kammerdiener
  Ericius  sagten  mir,  der  Kaiser  habe  es  etwas  empfunden,  dass
ich  in  meinem  Anbringen  ihm  „nicht  weiter  als  geschehn“  kondoliert  *
und  ihm  keine  Hilfe  versprochen  hätte,  wie  der  Kaiser  sich  denn  überhaupt
  höchlichst  verwundere,  dass  ee  von  keinem  Mitgliede  des  Hauses
geschehen  sei.  Ich  habe  das  mit  Redensarten  entschuldigt  und  ihnen
gesagt:  E.  fl.  D.'  hätten  mich  zu  den  geistlichen  Kurfürsten  geschickt,
um  diese  zu  ermahnen,  auf  dem  Kurfürstentag  Mittel  zu  suchen,  „wie
die  von  neuen  eingefallenen  mishellikeiten  wider  zu  remediren  und  alles
mit  reservierung  IL  ksl.  M.*  authoritet  und  respect  wider  zu  ruhigem
fridigen  stand  und  guten  bruderlichen  vernemen  zue  bringen,  wie
sie  dan  auch  solches  zu  thuen  sich  erboten.‘“  Beide  haben  sich  über
diese  Mitteilung  gefreut  und  versichert,  der  Kaiser  sei  mit  niemandem  seines
Hauses  besser  zufrieden  ala  mit  E.  fl.  D,'.  —  Ericius  bat  auch  erzählt,  dass
Kurfürst  Hans  Georg  von  Sachsen  seines  Bruders  Tod  dem  Kaiser,  nicht
aber  dem  König  Matthias  durch  ein  Handschreiben  angezeigt  habe;  der
Kaiser  habe  darauf  durch  Günterode  sogleich  einen  Indult  zum  Antritt
der  kurfürstlichen  Regierung  überschickt.  Der  Kaiser  hat  nach  demselben
Gewährsmann  sich  ein  „Signet‘‘  machen  lassen,  soll  aber  noch  Bedenken

————.

ı  Der  erste  Praeliminarvertrag  vom  30.  April  1611  ist  gedruckt  bei
J.  du  Mont,  Corps  universel  diplomatique,  V.,  2.,  8.  165.

®  Am2O  Juli  weiss  auch  Geizkofler  dem  Erzherzog  Maximilian  zu  berichten,
dass  der  Unwillen  gegen  den  König  aller  Orten  zunehme  und  dass  ein  ausführlicher
  „Diskurs“  über  das  prager  Wesen  von  Villeroy  verfasst  worden
sei,  der  sich  ganz  gegen  den  König  richte  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven
vom  Juli  1611,  no.  86;  Or.).

®  Vgl.  no.  270.

*  Vgl.  no.  261.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  42
        <pb n="680" />
        658  1611  284.

Juli  16.  tragen,  es  zu  gebrauchen,  da  er  noch  an  jenem  Tage  tiber  siebzig
Schriftstücko  selbst  unterzeichnet  hat.

Am  12.  hat  der  königliche  Oberstk  ämmerer  Meggau  mir  gesagt,  der
König  finde  sich  E.  fl.  D.!  wegen  Dero  Bemühungen  bei  den  geistlichen
Kurfürsten  sehr  verpflichtet.  Zugleich  hat  er  sehr  über  des  Kaisers
Zögern  bei  der  Verhandlung  geklagt,  weshalb  man  das  Kriegsvolk  mit
so  vielen  Ungelegenheiten  und  Kosten  noch  unterhalten  müsse.

„Den  13.  hat  der  bischof  Glösel  mich  in  des  königs  anticamen
berichtet,  das  der  erzherzog  [Maximilian]  durch  ainen  aignen  curir  ihn
und  nit  I.  kgl.  M.!  avisirt  habe,  das  I.  fl.  D.*  in  vertrauen  bericht
zukommen,  das  dise  erbländer  sich  unter  einander  ohne  des  kaisers
und  königs  vorwissen  von  neuem  uniren  und  eine  confoederation  n
erhaltung  ihrer  praetendirtem  libertet  und  freiheit  aufrichten  wöllea;
bitten  umb  seinen  [Khlesis]  rat,  wie  solches  zue  verhueten  sei.!  Solches
hab  er,  bischof,  gern  thuen  wöllen,  aber  durch  schreiben  und  nomik
suo  kunn  es  allerhand  ursachen  und  bedenken  halber  nit  geschehn
Habe  derbalben....  mit  der  kgl.  M.!  vorwissen  I.  fl.  D.‘  discurswei
in  tertia  persona  seine  meinung  wissen  lassen,  als  ob  ihme  der  diseur
von  ainem  andren  zukommen  sei  und  er  denselben  durchaus  approbin.
Habe  I.  fl.  D.  gleichwol  daneben  geschrieben,  es  komme  itz  dar,
was  er  vor  disem  zu  Wien,  als  man  der  catholischen  religion  so  vile
in  gegenwart  des  kunigs  und  I.  fl.  D.‘  vergeben,  geprognostizirt  uni
und  bei  seiner  protestation  eingewendet  habe  und  sei  numehr  zu  spät,
der  religion  mit  tractiren  und  handlen  zu  helfen  sonder  muesse  mau
iziger  zeit  nur  dabin  sehen  und  trachten,  wie  das  haus  Oesterreich  erhaltes
und  durch  das  politisch  regiment  die  catholische  religion  restituint
werden  möge.  Davon  zu  tractiren  und  beratschlagen  sei  hochnötig,
das  das  hauss  Oesterreich  zuesammenkomme;  solches  aber
muesse  unter  solchem  praetext  geschehn,  der  den  erbländern  kainen
verdacht  verursache  und  kunn  er  kainen  besseren  finden  als  wan
der  könig  in  Hungern  werde  hochzeit  halten;  das  E.  fl.  D.'  in  der
person  bei  allen  erzherzogen  und  kgl.M.'  in  Hispanien  durch  gesantes’
auf  derselben  erscheine,  weil  die  sache  der  wichtikait,  das  des  hass
Oesterreich  und  der  catholischen  religion  genzlicher  undergang  oder
aufnemen  daran  gelegen;  dan  dise  union  allein  zu  erhaltung  ihrer
vermainten  libertet  gemaint  ist  und  zu  des  haus  Oesterreich  verderben,  alx
das  der  erbländer  union  und  kaisers  Ferdinandi  disposition  und  andere  ds
haus  Oesterreich  pactata  e  diametro  gegen  einander  streiten.  Derhalben  si
hochnötig  zu  deliberiren,  wie  man  die  union  der  erbländer  trenne  und  de
compactata  des  haus  Oesterreich  in  ihrem  esse  erhalten  und  dadurch  dit
catholische  religion  wider  restituiren  möge.  Er  saget  mir,  das  zwar

—,—

!  Das  Schreiben  Khlesls  an  Erzherzog  Maximilian  vom  12.  Juli  bat
sich  nicht  erhalten,  wol  aber  die  Antwort  vom  24.  Juli;  vgl.  unten  no.  30%,
S.  626,  Anm.  1.  Wegen  der  Gefahr  einer  Union  der  österreichischen  Erblande
  vgl.  auch  no.  232,  no.  234  und  no.  2656,  S.  610,  Anm.  4.

?  Die  chiffrierte  Stelle  scheint  unrichtig  aufgelöst  worden  zu  sein.
        <pb n="681" />
        284—285.  1611  659

die  erbländer  solche  union  zu  werk  zu  richten  neulich  vorgehabt  und  Juli  16.

die  stende  in  Behem  an  Hungern  dessetwegen,  Hungern  an  Oesterreich
geschickt  und  geschriben,  aber  in  Oesterreich  ob  der  Ens  sei  es
durch  ihn  und  im  land  under  der  Ens  durch  bern  Kain  verhindert
und  bis  zue  des  künigs  widerkunft  ihre  erklärung  ausgestellt  worden.
Jdem  fecit  Mähren.“  E.fl.  D.*  sollten  Khlesl  ob  seines  Eifers  loben
und  zum  Beharren  ermahnen.  —  Gestern  hat  der  Landgraf  von  Leuchtenberg
  mir  berichtet,  „das  der  churfurst  von  Mainz  dem  kaiser  und
Barvitio  geschriben,  man  wol  acht  haben  wolte,  das  sie  mit  removirung
aines  catholischen  fürsten  von  den  hochen  ämbtern  und  ersetzung
mit  deme,  so  in  vilen  particular-  und  privatsachen  interessirt,  nit
die  catholische  chur-  und  fursten  im  reich,  auch  papst  und  Spanien
neben  haus  Oestereich  gar  von  ihr  alienirten;  raten  derowegen  treulich,
sie  wöllen  den  landgrafen  von  Leuchtenberg  bei  denen  diensten
continuiren.  Hierauf  hat  der  kaiser  dem  landgrafen  noch  bis  auf
weiterer  verordnung  die  hohe  ämter  zu  bedienen  ansagen  lassen.“!  —
Landgraf  Moriz  von  Hessen  soll  dem  Kaiser  wegen  der  braunschweigischen
  Acht  ziemlich  stark  geschrieben  und  gedroht  haben,  der
Stadt  gegen  die  Exekution  mit  aller  Macht  beizustehen.  Dasselbe
hat  der  Gesandte  von  Lüneburg-Celle  in  seiner  vorgestrigen  Audienz
erklärt.  —  Gestern  ist  ein  Glückwunschschreiben  des  Landgrafen  Moriz
an  Matthias  zur  böhmischen  Krone  eingetroffen  ;  derselbe  Landgraf  soll  dem
Kaiser  auch  bedeutet  haben,  dass  er  keine  Kommission  gegen  Matthias
übernehmen  werde.  —  Der  spanische  Botschafter  hat  mir  heute
gesagt,  „er  besorget  sich,  I.  ksl.  M.!  suechen  nur  die  tractation
aufzuziehen,  bis  die  churfursten  zusamenkomen.“  Heute  hat  Matthias
fünf  Fähnlein  böhmischer  Reiter  und  zwölf  Fähnlein  Fussvolks  in
seine  Pflicht  nehmen  lassen.  Prag  den  16.  julii  1611.
Brs.,  Secröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  106;  Or.  eigh.

285.  Koadjutor  Ferdinand  von  Köln  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern.

Jagdangelegenheiten.  ‚„E.  I.  bab  ih  sonst  vor  8  dagen  berichtett,
dass  vnser  churfurst  den  mitwoh  zuuor  nach  Westfahlen  vnd  von

ı  Colli  schreibt  am  7./17.  Juli  an  Christian  von  Anhalt:  Das  Verbleiben
Leuchtenbergs  in  seiner  Stellung  ist  nicht  unabsichtlich:  Spanien  will  immer
noch  den  Rat  des  Kaisers  lenken,  Braunschweig  wird  darauf  wol  Acht  haben
müssen  (Bbg.,  A  Ya,  no.  107,  f.  79,  Or.  eigh.);  vgl.  dagegen  no.  291.  —  Am
23.  Juli  berichtet  Vischere:  „Den  17.  hat  mir  Barvitio  gesagt,  das  der
protestirenden  chur-  und  fursten  etliche  hart  und  stark  beim  kaiser  angehalten,
damit  der  herzog  von  Braunschweig  zum  directorn  im  geheiien  und  inspectorn
im  reichshofrut  publieirt  und  installirt  werden  möge.  Der  hat  im  posthause
verboten,  ainige  briefe,  die  ad  manus  proprias  caesaris  kommen,  jemandem
anders  als  ihm  zue  überlifern,  insonderheit  was  vom  churfarsten  zu  Mainz
kuımbt.  Am  18.  haben  I.  kgl.  Mt  durch  den  hern  Ernst  von  Molart  dem
herzogen  von  Braunschweig  anzaigen  lassen,  das  I.  fl.  Gn.  die  direction  im
geheimen  und  inspection  im  reichshofrat  annehmen  wöllen*  (Brs.,  a.  a.  O,
f.  111;  eigb.  Or.).

49*

Juli  17.
        <pb n="682" />
        Juli  17.

660  1611  285.

dannen  nah  Milhausen  sich  begeben  wollen  ;  dieweil  aber  interim
der  fabl  mit  dem  churfursten  zue  Saxen  sich  begeben,  hats  der
selbich  dag  biss  zue  des  churfursten  von  Maintz  weittern  ausschreiben
ein  anstandt.  Der  allmehtich  verleihe,  dass  der  jetzig  churfurst  von
Saxon  seins  bruedern  intention  volge,  so  möht  noh  etwas  guets  auf
dem  forstehenden  dag  zu  uerhoffen  sein.  Sonsten  lassen  sich  aller
ortten  der  catholischen  sachen  seltzam  vnd  geferlich  genueg  ansehen,
wie  dan  zue  Achen!  den  andern  dag  darnach,  alss  vnser  churfurst
von  dannen  gezogen  vnd  vermaint  ghabt,  alle  sachen  in  ein  guekie
richtikheitt  gebrabt  zu  haben,  die  khetzer  ein  tumult  angefangen,
dem  raht  die  schlissel  genomen,  in  das  collegium  gefallen,  solbes
gantz  geblindertt,  die  khirchenaltaria  zerschlagen  vnd  violiert,  die  guette
patres  mit  sich  cum  magna  furia  gefenkhlich  darauss  gholt,  2  verwunt,
auch  nach  eim  geschossen  vnd  vil  mutwillen  getriben,  sie  die  patres
auff  das  rahthauss  gefirt,  von  dannen  sie  gleihwol  cum  magna
difficultate  in  des  thechandt  hauss  gebraht  vnd  von  ihm  alda  vnterhalten
  worden,  biss  dass  die  erste  furia  des  pöfels  etwas  vorüber
gowest,  welhe  sonsten  noh  nit  sopyert,  ita  quod  res  catholicorum  ibi
malo,  imo  pessimo  sint  loco..  Ih  hab  es  meintheils  dem  ertzhertzog
Albrecht  geschriben  vnd  ihn  ersuecht,  dass  er  alss  schutzherr  die
sachen  dabey  nit  lassen  wolte,  wie  E.  L.  auss  der  beigelegten  copia
zu  sehen,?  darauss  E.  L.  das  ganze  factum  desto  besser  erfahren

ı  Ueber  die  aachner  Begebenheiten  im  Jahre  1611  vgl.  E.  von  Meteren
Niederländischer  Historien  anderer  Theil,  Amsterdam  1627,  8.  252  f.  und
K.  F.  Meyer,  Aachensche  Geschichten,  I.,  Aachen  1781,  8.  649  f;  weiter
Literatur  bei  Häberlin-Senckenberg,  Neuere  teutsche  Reichsgeschichte,
XXIII.  Bad.,  8.  419  und  L.  Keller,  die  Gegenreformation  in  W
und  am  Niederrhein,  III.  (Publikationen  aus  den  preussischen  Staatsarchiven,
62.  Bd.),  8.  49  £.

®  Vom  gleichen  Tag:  Darstellung  der  Ursachen  und  des  Verlaufs  des
aachner  Tumults.  Wenn  dem  Magistrat  und  den  bedrängten  Katholischen
nicht  Beistand  wird,  so  werden  diese  aus  Kleinmut  in  die  unleidlichen  Bedi
der  Gegner  (freie  Predigt,  Zulassung  der  Unkatholischen  zu  den  Ratsstelles,
Vertreibung  der  Jesuiten  und  Annahme  von  Kriegsvolk)  willigen  müssen,  der
Magistrat  wird  wieder  mit  Unkatholischen  besetzt  werden,  alle  bisher  aufgewandtes
Bemühungen  und  Unkosten  werden  vergeblich  sein  und  gleich  jetzt  oder  bakd
werden  die  Katholischen,  wie  vordem  geschehen,  unterdrückt  und  ins  Elend  verstossen,
  Kirchen  und  Klöster  profaniert,  die  hochheiligen  Reliquien  geplündert
und  die  katholische  Religion  ausgerottet  werden.  Bleibt  dies  hier  unge
ahndet  und  geht  es  so  gemächlich  weiter,  so  werden  auch  andere  Reichsstädts
diesem  Beispiele  folgen.  E.  L.  werden  gewiss  für  sich  selbst  mit  des
Katholischen  in  Aachen  Mitleid  haben  und  auf  Mittel  denken,  diessm  um
leidlichen  Uobermut  zu  steuern  und  den  dortigen  Katholischen  zu  beilfee
Wir  haben  uns  auf  Ansuchen  einiger  Katholischer,  der  verhafteten  Jesuiten
und  anderer  an  E.  L.  mit  der  Bitte  wenden  wollen,  —  da  E.  L.  gleichfalls
daran  interessiert  sind,  dass  Aachen  iın  alten  Stande  bleibt,  und  da  Sie  ver
möge  uralter  Verträge  und  Rechte  auch  befugt  sind,  dem  dortigen  Magistrat
Hilfe  und  Beistand  zu  erzeigen  und  es  auch  gewiss  gern  tun  werden,  —
dass  E.  L.  sich  dieser  Sache  annehmen  und  durch  Ihre  In  ition
dahin  bringen,  dass  der  katholische  Magistrat  völlig  reestituiert,  die  Jesuiten
enthaftet,  ihnen  der  zugefügte  Schaden  ersetzt,  die  Katholischen  in  ihrer
        <pb n="683" />
        285—286.  1611  661

mögen.  Vnd  schreib  das  E.  L.  zue  dem  endt,  damit  Sie  auch  wissen,
wie  es  diser  ortt  zugehett  et  quod  omnibus  principibus  catholicis
iam  magis  quam  unquam  dictum  videatur:  vigilate  etc.  So  werden  sich  ohn
zweifl  die  protestierenden  firsten  der  coniunctur  mit  dem  kayser  auch
gebrauchen,  indem  der  landtgraff  Moritz  von  Hessen  kayserliher
commissarius  zueMilhausen  soll  sein,der  von  Praunschweig  IrM.®
obrister  hoffmaister  werden  soll,  welhes  warlich  ein  seltzams  ansehen,
das  Ihr  M.'  solhe  firsten  zue  solhen  hohwichtigen  commissionibus  et
officiis  gebrauchen.  E.L.,  bitt  ih,  wollen  doh  Irsthailss  disen  sachen
zue  remediern  pro  Suo  zelo  sich  gefallen  lassen,  quia  inimicus  homo
non  dormit.  Es  läge  halt  vil  daran,  dass  man  guette  haimliche
corespondenz  haben  möht,  was  sie  doh  aller  ortten  moliern  vnd  wie
aigentlich  der  jetzig  churfurst  von  Saxen  gestimtt  sey,  welhes  E.  L.  leihtlih
werden  erfahrn  khinden,  da  Sie  bedaht  sein,  jemants  in  Saxen  zue
schikhen  vnd  das  laidt  zu  klagen.  Aliqui  dubitare  volunt,  ob  er
so  wol  affectioniert  sey  contra  caesarem  et  catholicos  wie  sein  herr
brueder.  E.  L.  verzeichen  mir  mein  freiheitt,  dass  ih  Sie  mit  meim

Juli  17.

schreiben  so  lang  auffhalte,  E.  L.  gottsehlicher  eiffer  wirtt  ohn  .

mein  erinnern  wol  die  sachen  in  obaht  nemen.  Datum  Bon  den
17.  jwWii  1611“.
Ma.,  39/22,  f.  139;  Or.  eigh.!

286.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  den  von  Mainz.

Auf  das  Schreiben  vom  10.  Juli?  Dank  für  die  Kondolenz  und  die
Gratulation.  E.  L.  mögen  versichert  sein,  dass  wir  die  alte  vertrauliche
Korrespondenz  zwischen  uns  beiden  auch  nach  dem  Ableben  unseres  Bruders
beständig  fortsetzen  und  dazu  auch  unsere  Nachkommen  ermahnen
wollen.  Es  wäre  wegen  der  gefährlichen  Läufe  im  Reiche  wol  zu
wünschen  gewesen,  dass  der  Kurfürstentag  nicht  bätte  wendig
gemacht  werden  müssen  und  seinen  Fortgang  hätte  nehmen  können.
Wir  mussten  aber  unsere  Gesandten  von  Mühlhausen  zurückrufen,  da
deren  Instruktion  erloschhn  war,  wollen  aber  eine  neue  solche
Zusammenkunft  möglichst  befördern.  Nur  köhnen  wir  wegen  des
Leichenbegängnisses,  der  Landeshuldigung,  der  Wiederbestellung  unserer
29.  September

Regierungen,  Kanzleien  und  Aemter  nicht  vor  dem  9.  Oktober

Religionsübung  ungestört  gelassen  und  den  Widerwärtigen  wirklich  gezeigt
werde,  dass  E.  L.  den  Magistrat  und  die  Katholischen  jetzt  und  künftig
ernstlich  schützen  wollen  (Ma.,  39/22,  f.  137;  Kopie).

1  InMa.,  39/22,  f.  122  liegt  noch  eine  Nachschrift  zu  obigem  Schreiben
vor,  die  ausschliesslich  von  den  berchtesgadischen  Angelegenheiten  handelt.

*  Kondolenz,  Bitte  um  Fortsetzung  der  Korrespondenz  und  um  Mitteilung,
  wann  der  neue  Kurfürstentag  vor  sich  gehen  könne  und  ob  ee  bei
Mühlhausen  als  Malstatt  bleiben  solle,  da  wegen  dessen  örtlicher  Beschränktheit
Bamberg  vorzuziehen  wäro  (Wmz.,  Beichstagsakten,  Bd.  104,  no.  94;  Kpt.
mit  eigenhändigen  Zusätzen  des  Erzlischofe),

Juli  18.
        <pb n="684" />
        Juli  18.

Juli  20.

662  1611  286  —287.

dazu  gelangen  noch  uns  zuvor  dazu  „habilitiert“  machen.!  Wir  bitten
daher  E.  L.  neben  Dero  Mitkurfürsten,  sich  diesen  Tag  zur  „Einkunft“
gefallen  zu  lassen  und  wünschen  auch,  dass  es  bei  Mühlhausen  als
Malstatt  bleibt,  da  der  von  E.  L.  vorgeschlagene  Ort  Bamberg  im
Kurverein  nicht  genannt  ist,?  die  Kurfürsten  in  Mühlhausen  bereits
Quartiere  haben,  manche  auch  Vorräte  dahin  schaffen  liessen  und  wir
selbst  uns  nicht  gerne  zu  weit  von  unsern  Landen  entfernen  möchten;
sonst  sind  wir  alles  dem  gemeinen  Wesen  Dienliche  zu  fördern  bereit
Gleichzeitig  teilen  wir  E.L.  mit,  was  wir  dem  Kaiser  und  dem  König
auf  deren  dieser  Tage  erfolgtes  Anbringen  haben  antworten  lassen.’
Datum  Dressden  am  8.  juli  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg
27.  juli  1611.

Drs.,  1.7887,  II.  Buch  Kurfürstentags,  f.  55;  Kpt.  —  Wmez.,  Beichstagsakter
Bd.104,  00.109;  Or.

287.  Dr.  Marx  Gorstenberg  an  den  Kurfürsten  von
Mainz.

Aus  E.  kfl.  Gn.  Schreiben  entnahm  ich,  wie  sehr  Derselben  der
Tod  des  Kurfürsten  Christian  IL  zu  Gemüte  gegangen  ist.  In
solcher  unserer  Betrübnis  ist  nächst  Gott  der  beste  Trost,  dass  der
Verstorbene  einen  wolgeeigneten  Nachfolger  hinterlassen  hat;*  „denn
S.  chfl.  Gu.  schiken  sich  in  allem  zu  einem  loblichen  regiment,  haben
den  geheimen  raht,  hofraht  und  canzlei  ohn  verenderung  meiner  person
(raro  exemplo)  widder  bestelt  und  gutem  raht  zu  folgen  erboten,  das
nun  alle  in  der  genzlichen  zuversicht  stehen,  1.  chfl.  Gn.  wurde  die
alte  reputation  des  hauses  Sachsen  bald  redintegriren.  So  bleiben
I.  chfl.  Gn.  allerdings  in  den  alten  consiliiss,  wir  E.  chfl.  Gn.  aus
den  beilagen  an  die  ksl.  M.'  und  kgl.  W.3  ferner  zu  vernemen,  wie
denn  ich  und  meine  collegen  (so  E.  chfl.  Gn.  allesampt  ihre  underth.“”

!  Unter  dem  8./18.  Juli  sucht  Kursachsen  bei  Kurmainz  um  Aufnahme
in  den  Kurverein  an  (Drs.,  1.  7384,  II.  Buch  kurfürstlicher  Verbrüderung,
f.  266;  Kpt.).

?  Im  Kopzept  wurde  getilgt:  [Wir  auch  besorgen],  „es  mechten  eins
theils  unser  mitchurfur.ten,  so  ohne  das  zu  diesem  wolgemeinten  werke
nicht  sondern  lust  haben,  ursach  nehmen,  denselben  abzukundigen  und
anderweit  wendig  zu  machen.“  —  Dieselben  Bedenken  gegen  Bamberg
machte  tibrigens  auch  Kurköln  in  einem  Schreiben  an  Kurmainz  vom  22.  Juli
geltend  (Dü.,  Kurkölnische  Reichssachen,  no.  187,  f.  40;  Kpt.),  —  Kur
brandenburg  teilte  am  13./23.  Juli  aus  Beeskau  Kurmainz  mit,  dass  sich  seine
Abwesenheit  im  Herzogtum  Preussen  voraussichtlich  bis  Martini  verzögen
werde,  wesbalb  man  den  Termin  für  den  Kurfürstentag  nicht  zu  eng  ansetzen
möge;  als  Malstatt  schlug  er  mit  Rücksicht  auf  den  Kaiser  Regensburg  vor
(Wmz.,  a.8.O.,  no.134;  Or.).  —  Kurtrier  dagegen  wollte  den  Kurfürstentag
am  liebsten  in  Gelnhausen  oder  Frankfurt  haben,  um  sich  bei  seiner  Kränklichkeit
  („ratione  calculi*)  die  weite  Reise  zu  ersparen,  allenfalls  in  Bamberg
(Kurtrier  an  Kurmainz  am  24.  Juli;  Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  124;  Or.).

®  Vgl.  no.  277  und  no.  279.  .

*  Vgl.  dazu  das  Urteil  Brömsers  in  no.  281.
        <pb n="685" />
        287  —288.  1611  663

dienst  zuentbieten  lassen)  anders  nicht  resolvirt,  dann  beneben  Juli  20.
I.  chf.  Gn.  uns  bei  dem  religionfrieden  iederzeit  standhaftig  finden

zu  lassen.“  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  hat  unsern  Kurfürsten
persönlich  besucht  und  sich  ebenso  erboten.  Ich  hoffe  also,  dass  der
mühlhauser  Konvent  „welchen  sich  Brandenburg  eigentlich  zu  besuchen
erclert‘‘,  auch  dazu  helfen  wird,  gutes  Vertrauen  zwischen  den  Angehörigen

beider  Religionen  wieder  zu  stiften.  Können  wir  dazu  helfen,  so  soll

es  an  uns  nicht  fehlen.  Datum  Dresden  10.  julii  1611.  —  Praes.
Aschaffenburg  27.  julii  1611.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  112;  Or.  eigh.

288.  Memorial  und  Verzeichnis  der  Punkte,  die  von  Juli  %.
Kurpfalz  beim  rotenburger  Unionstag  zu  beachten  sind.

1.  Esist  zu  besorgen,  dass  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  ode!
dessen  Sohn  Herzog  August  in  Rotenburg  persönlich  erscheinen  werden»
was  nicht  nur  Hinderungen  verursachen  sondern  auch  Württemberg  und
Baden  veranlassen  könnte,  die  zu  Schweinfurt  vorgeschlagenen  Mittel  !
wieder  auf  die  Bahn  zu  bringen  oder  gar  auf  schleunigen  Austrag  und
Komposition  in  der  Administrationssache  zu  dringen.  —  In  diesem
Fall  sind  die  vorigen  ablehnenden  Gründe  zu  wiederholen  und  ist  zu
erklären,  dass  man  dem  Testament,  der  Possession,  dem  ergangenen
kaiserlichen  Reskript,?  den  andern  Kurhäusern  und  dem  jungen  Kurerben
  nicht  praejudizieren  lassen  werde.  Man  möge  Württemberg  und
Baden  deshalb  gehörig  informieren,  zur  Verhütung  etwaiger  Tätlichkeiten
Ansbach  und  die  Rotenburger  um  "Vorkehrungen  ersuchen  und  den
Kurerben  an  die  uniertoen  Fürsten  schreiben  lassen.

2.  Im  Ausschreiben®  wird  zwar  die  Ordnung  des  schweinfurter
Abschieds  *  eingebalten  und  mit  den  Rechnungen,  auf  welche  die
Städte  so  sehr  gehen,  der  Anfang  gemacht,  Da  aber  auf  die  Proposition
  viel  ankommt  und  die  Rechnungen,  namentlich  wenn  die
Gemüter  nicht  zuvor  durch  andere  Praeparatoria  gewonnen  sind,
leicht  Anstoss  und  Aufenthalt  geben  könnten,  so  soll  ihrer  zwar
in  der  Proposition  gedacht  werden,  aber  nicht  gleich  anfangs  sondern,
nachdem  Kurbrandenburgs  Entschuldigung  wegen  des  Nichterscheinens
und  dessen  Erklärung,  die  Mehrheitsbeschlüsse  zu  genehmigen,  vorgebracht
worden  ist.°  Damit  aber  den  Städten  die  noch  vor  Augen  schwebende
Gefahr  gehörig  vorgeführt  wird  und  sie  veranlasst  werden,  auf  ihr  eigenes
Heil  zu  denken  und  einzusehen,  dass  man  bei  dieser  Zusammensetzung
verharren  müsse,  soll  man  vom  jetzigen  schwierigen  Zustand

*  Vgl.  no.  100,  Sitzung  vom  13.  März.

?  Vom  12.  März  1611;  vgl.  no.  137,  S.  333,  Anm.  3.
®  No.  213.

“  No.  113.

5  Vom  12./22.  Juni;  vgl.  no.  230,  S.  539,  Anm.  2.
        <pb n="686" />
        Juli  20.

664  1611  288.

im  Reich  anheben  und  ihnen  vorstellen,  welche  Asnderungen  sich  zugetragen
haben  und  was  dabei  gesucht  werden  will  und  dass  das  um  so  mehr  zu
beachten  ist  als  die  Prozesse  gegen  Donauwörth  auch  gegen  die  andem
Städte  aufgesetzt  waren  und  die  Räte,  die  dazu  geraten  haben,  noch
immer  fast  die  nächsten  am  Brett  sind.  Würde  in  der  Union  einige
Trennung  verspürt  werden,  so  wäre  das  den  Katholischen  die  lange  erwünschte
  Gelegenheit,  ihr  längst  praktiziertes  und  nur  durch  diese  Union
aufgebaltenes  Vorhaben  durchzusetzen.  Man  muss  den  Städten  auch
vorhalten,  dass  es  sich  um  Dinge  handelt,  aus  denen  allen  evangelischen
Ständen,  vor  allem  aber  den  unierten,  Gefahr,  ja  gänzliche  Unterdrückung
  erwachsen  kann,  wie  dies  der  bisherige  Verlauf  gezeigt  hat,
indem  man  nicht  nur  die  vor  einem  Jahr  und  seither  wider  Unionsverwandte
  ergangenen  scharfen  Mandate  exequieren  sondern  auch
(wenn  man  sich  nicht  in  Gegenverfassung  gesetzt  hätte)  „die
Ungehorsamen  und  Rebellischen  im  Reich‘,  wie  die  Unierten  in  Instruktionen,
  kaiserlichen  Mandaten  und  in  anderen  Akten  genannt  werden,
durch  das  elsässische  Kriegsvolk  am  Rhein  und  das  passauische
beroben  Lands  zum  Gehorsam  zwingen  wollte,  wie  aus  den  Aussagen
Tengnagels  und  der  andern  verhafteten  Räte  und  aus  sonstigen
Zeugnissen  hervorgeht.  —  Da  allein  die  Union  diesem  grimmen
Vorsatz  vorgebaut  hat,  so  hat  man  jetzt,  da  diese  Anschläge  keineswegs
erloschen  sind  sondern  nur  auf  andere  Weise  ausgeführt  werden  sollen,
um  so  mehr  Anlass,  bei  der  Union  zu  verbleiben,  sie  durch  ge
bührende  Mittel  zu  stärken  und  etwaige  Mängel  an  ihr  zu  verbessern.

3.  Da  ferner  Sachen  vorfielen,  an  denen  dem  ganzen  Reich,
vor  allem  aber  den  evangelischen  Unierten  viel  gelegen  ist  und  die
auf  dem  nun  verschobenen  Kurfürstentag  verhandelt  werden  sollen,
als  die  Uebertragung  der  kaiserlichen  Residenz  ins  Beich,  der  Unterhalt
  des  Kaisers,  Reassumtion  oder  Konsens  zu  einem  neuen  Beichstag
  u.  a.,  so  hat  der  Administrator  nicht  unterlassen  wollen,  darüber
der  Unierten  Gutachten  zu  hören,  um  seine  Absichten  auf  dem  Kurfürstentag
  darnach  zu  richten  und  damit  man  insgemein  bedenke,  was  bei  dieser
Gelegenheit  der  Union  zu  Gutem  in  Acht  genommen  und  wie  den  alten
Gravamina  und  den  neuen  Beschwerungen,  die  aus  der  Uebersiedlung
des  Kaisers  und  aus  anderm  erwachsen  könnten,  abgeholfen  werden  möchte.
Letzteres  haben  die  Städte  um  so  mehr  zu  beachten  als  sie  zur  Residenz
ausersehen  werden  würden,  wie  ja  einige  bereits  benannt  worden  sind;  se
können  sich  aber  leicht  denken,  welche  Ungelegenheiten  das  mit  sich  bringen
dürfte,  zumal  man  wegen  des  Unterhalts  vor  allen  ihnen  zusetzen  würde  —
Da  vermutlich  der  Unionstag  sowol  vom  Kaiser  als  von  König  Matthias  beschickt
  werden  wird  und  dabei  die  obigen  Sachen,  die  Tärkensteuer,  Gren:-verwahrung
  u.  a.  auf  die  Bahn  kommen  werden,  so  hat  man  sich  auch
zu  unterreden,  was  man  deshalb  in  einem  und  andern  tun  will.

Vor  allem  muss  bei  der  Proposition  Mass  gehalten  und  darf
nicht  zu  viel  vorgebracht  werden.  Damit  sie  mit  desto  grösserem
Nutzen  geschieht,  hat  man  darüber  das  Gutachten  der  unierten
        <pb n="687" />
        238.  1611  665

Fürsten  zu  vernehmen.  —  Sollte  einer  von  den  Fürsten  wegen  der  Juli  20.
Succession  Anregung  tun,  so  hat  man  zu  hören,  wohin  er  neigt,

doch  mit  dem  Vorbehalt,  dass  alles  geheim  bleibt.  Man  könnte

aber  von  den  Fürsten  Gutachten  annehmen,  wie  man  den  Praktiken

der  Spanier,  die  stark  auf  den  Erzherzog  Albrecht  gehen  und  also

die  Monarchie  auf  Spanien  bringen  wollen,  begegnen  möchte.

Wegen  der  vorerwähnten  Punkteist  es  gut,  gleich  auf  eine  gewisse
Besolution  bedacht  zu  sein:  1.  Die  Verlegung  der  kaiserlichen  Residenz
ins  Reichrist  nicht  zu  raten,  weil  allen  Nachrichten  zufolge  der  Kaiser
„cum  cupiditate  vindictae  wegen  vorgangenen  despecten  vornemblich
in  das  reich  begehret‘“  und  dazu  alle  möglichen  Mittel  praktizieren
lässt;  dadurch  würden  aber  der  Hauptkrieg  und  fremde  Nationen  ins
Vaterland  gezogen,  auch  würde  man  evangelischen  Teils  entweder  den
Ungarn,  Böhmen,  Schlesiern,  Oesterreichern  u.  a.,  mit  denen  man  bisher,
da  sie  meist  evangelisch  sind,  in  guter  Korrespondenz  gewesen  ist,
Hilfe  leisten  oder  einer  innerlichen  Trennung  und  eines  Kriegs
gewärtig  sein  müssen,  von  der  Last  des  Unterhalts  für  den  Kaiser  ganz
zu  Schweigen.  Man  soll  daher  dem  Kaiser  raten,  sich  wie  bisher  in
Böhmen  aufzuhalten.  Gründe  dafür  sind:  Mühe  der  Uebersiedlung,
hohes  Alter,  Gesundheit,  Folgen  der  Luftveränderung,  Gegenanstalten
des  Königs  Matthias  für  den  Fall  der  Abreise.  Auch  bei  Kursachsen
möge  man  deswegen  Erinnerung  tun  und  ihm  die  zu  besorgenden  Ungelegenheiten
  vorstellen,  damit  er  sich  von  den  Gegnern  nicht  einnehmen
lässt.  —  2.  Ob  der  Kaiser  die  Residenz  verändert  oder  nicht,  so  ist
doch  für  seinen  Unterhalt  zu  sorgen;  auch  die  Kontributionen
für  den  Türkenkrieg,  die  Grenzsteuern  und  die  Beiträge  zum  Unterhalt
der  Räte  werden  nicht  ausbleiben.  Solcher  Unterhalt  ist  aber  leichter  zu
tragen,  wann  die  böhmischen  Stände  mitsteuern.  —  Da  die  geistlichen
  Kurfürsten  beim  Kurfürstentag  sehr  auf  die  Verlegung  der
Besidenz  dringen  werden,  dies  auch  von  Kursachsen  und  Braunschweig
geraten  wird,  so  sind  die  Vorstimmenden  [beim  Unionstag]  zu  hören,
was  man  deshalb  tun  soll  und  ist  dann  ein  Schluss  zu  machen,
dessen  man  sich  beim  Kurfürstentag  bedienen  kann.  —  3.  Einen  Beschluss
auf  Reassumtion  des  Reichstags  würde  Kurpfalz  nicht  hindern
können;  doch  wäre  mit  den  Unionsfürsten  ad  partem  zu  besprechen
und  deren  Gutachten  anzuhören,  ob  man  es  bei  der  Fortsetzung  lassen
oder  lieber  auf  einen  neuen  Reichstag  dringen  soll.  —  4.  Wenn  das  eine
oder  andere  bewilligt  wird,  ist  zu  erwägen,  ob  man  nicht  bei  dieser
Gelegenheit  auf  Abschaffung  der  schwersten  Gravamina  ernstlich
bestehen  soll.  Dabei  ist  ratsam,  sich  etwas  zu  nähern  und  hauptsächlich
  diejenigen  Beschwerden  zu  betreiben,  deren  Abhilfe  beim  Kaiser
allein  steht,  wie  dies  die  Böhmen  in  ihrem  Königreich  auch  getan
haben.  Solche  Gravamina  sind:  Aufhebung  und  Kassierung  der  scharfen
Mandate,  die  im  vorigen  Jahre  gegen  die  Unierten  ausgegangen  sind,
Abstellung  der  Hofprozesse,  Abschaffung  der  widrigen  Räte,  Verordnung
unparteiischer  Richter,  damit  allerseits  Unparteilichkeit  gehalten  und
        <pb n="688" />
        Juli  20.

666  1611  288.

die  Justiz  administriert  werde,  endlich  die  versprochene  Restitution
von  Donauwörth.  Es  wären  dann  auf  dem  Kurfürstentage  die
Kurfürsten  zu  verständigen,  dass  ohne  vorhergehende  Abhelfung  dieser
Mängel  und  ohne  Verbesserung  des  Justizwesens  von  dem  Reichstag  doch
keine  Frucht  zu  erwarten  und  keine  Kontribution  zu  erlangen  sein
werde;  auf  seiten  der  Uniorten  aber  müsste  man  auf  dem  einmal  gefassten
Beschluss  als  dem  einzigen  Mittel,  zur  Erleichterung  der  Gravamina
zu  kommen,  festhalten.  Diese  Beschlüsse  wären  auch  Kurbrandenburg
ehestens  mitzuteilen,  damit  er  sich  auf  dem  Kurfürstentag  gleichfalls
darnach  richten  kann.  Und  da  die  erwähnten  Beschwerden  nur  durch
der  Jesuiten  Praktiken  und  gefährliche  Anschläge  im  Reich  „fomentiert“
und  bekanntlich  alle  blutdürstigen  Attentate  von  dorther  angestiftet
werden,  auch  beweislich  ist,  dass  sie  einige  Königreiche  ruiniert  haben
und,  wenn  ihrem  Vorhaben  nicht  gesteuert  wird,  sie  auch  das  Reich
zerrütten  werden,  um  alles  desto  besser  zu  ihrer  geplanten  Monarchie
zu  richten,  so  wäre  zu  bedenken,  ob  und  wie  bei  dieser  Gelegenheit
  solchen  Gefahren  zu  begegnen  wäre.  —  Da  vermutlich  der
Kaiser  zu  diesem  Unionstag  eine  Abordnung  schicken  wird,
so  ist  zu  erwägen,  ob  man  bei  den  Gesandten  müändlich  oder  beim
Kaiser  schriftlich  wegen  Abschaffung  der  Gravamina  bewegliche
Erinnerung  tun  soll;  auch  ein  Erinnerungschreiben  an  sämtliche  Kurfürsten
  wäre  dienlich,  wenn  dabei  der  gebührende  Respekt  gewahrt  und  nicht
solche  Sachen  gesetzt  oder  geahndet  werden,  deren  Abhandlung  allein
vor  die  Kurfürsten  gehört.  —  Auch  König  Matthias  wird  wahrscheinlich
den  Tag  beschicken,  daher  sind  dio  Akten  der  früheren  Verhandlungen  mit
ihm  mitzunehmen.  —  Jedenfalls  muss  man  zur  aber  Erhaltung  der
Reputation  der  Union  sich  aller  Parteilichkeit  [im  Bruderstreit]  enthalten
  und  sich  nicht  zu  sehr  auf  die  eine  oder  andere  Seite  lehnen.

Der  Rechnungssache  ist  in  der  Proposition  Erwähnung  zu  tun,
weil  man  e8  den  Städten  versprochen  hat;  die  Abhörung  der  Rechnungen
ist  besondern  Deputierten  aufzutragen.  Kurpfalz  soll  sich  gefasst
halten,  um  Posten,  die  bemängelt  werden,  mit  guten  Gründen  zu
behaupten.  Besonders  hat  man  sich  zu  vergleichen,  welche  Posten
man  zur  Erleichterung  der  Sache  fallen  lassen  kann,  damit  man
nicht  gleich  anfangs  ansiösst  und  das  Richtige  um  des  Zweifelhaften
  willen  zurücksetzt.  Es  sind  aber  nicht  nur  die  Unionsrechnungen
  sondern  auch  die  über  die  Rechnungen  hinaus  den
Possidierenden  getanen  Vorschüsse  zu  liquidieren;  dabei  wird  man  die
Bestimmungen  des  Nebenabschiedes  von  Schwäbisch-Halll  über  die
Rückzahlung  dieser  Darleihen  zu  beachten  haben,  weil  Neuburg  die  gefertigten
  und  von  Kurbrandenburg  unterschriebenen  Obligationen  nicht
angenommen  hat.  Deswegen  haben  sich  auch  einige  assistierende
Fürsten  verglichen,  zu  bedenken,  ob  man  sich  nicht  für  dieses

ı  Vgl.  Briefe  und  Akten,  IH.,  no.  21.
        <pb n="689" />
        288.  1611  667

Darlehen  an  den  400  000  fi.  erholen  soll,  die  Sachsen  dem  jüterbogker  Juli  20.
Vertrag  gemäss  den  Possidierenden  zu  erlegen  schuldig  ist.  Was  Kurpfalz
zum  Unterhalt  des  Agenten  in  Venedig  Joh.  Bapt.  Lenk  vorgeschossen  hat,
ist  den  unierten  Kurfürsten  und  Fürsten  aufzurechnen.  Da  der  Stadt
Nürnberg  wiederbolt  versprochen  worden  ist,  dass  man  die  Assekuration
der  von  ihr  vorgeschossenen  40000  fl.  befördern  und  zu  Rotenburg
richtig  machen  helfen  will,  so  sind  deswegen  die  übrigen  Interessenten
anzumahnen  und  hat  man  dahin  zu  sehen,  dass  es  ein  Gesamtwerk
wird,  denn  dies  Geld  ist  zur  Bezahlung  gemeinen  Kriegsvolks  verwendet
worden;  unter  den  Ständen  soll  aber  Gleichheit  gehalten  und  keiner  mehr
als  der  andere  belastet  werden.  Bei  Schwierigkeiten  hat  sich  Pfalz
ad  ratum  zu  erbieten.  —  Vor  allem  ist  darauf  zu  sehen,  dass  die
Auslagen  der  Kurpfalz  zur  Erhaltung  des  Kriegsvolks  in  der  obern
Pfalz,  soweit  sie  die  Quote  überschreiten,  wieder  erstattet  und  mit
diesem  Geld  die  verschiodenen  aufgenommenen  Darlehen  abgezahlt
werden.

Da  die  Städte  die  Erledigung  der  zu  Schweinfurt  übergebenen
Gravamina!  fordern  werden,  auch  die  elsässische  Expedition
mit  den  vorgegangenen  Anordnungen  und  erfolgten  Bedrohungen
wieder  vorgebracht  werden  dürfte,  so  hat  man  dem  mit  den  zu  Heilbronn
  und  Schweinfurt  verwendeten  Argumenten  zu  begegnen  und  den
Städten  vorzustellen,  wie  seither  der  Ausgang,  auch  die  Aussagen  und
vorgefundenen  Memorialien  der  kaiserlichen  Räte  genügend  hätten  erkennen
lassen,  was  mit  der  Ansammlung  des  Kriegsvolks  im  Elsass  gemeint
gewesen  und  dass  es,  wenn  man  nicht  die  Vereinigung  beider  „Ligae“
gehindert  hätte,  nicht  nur  den  rheinischen  Ständen  sondern  allen
Unierten  schwer  geworden  wäre,  wie  das  prager  Exempel  zeigt,  dem
zusammengerotteten  Schwarm  Widerstand  zu  leisten.  Im  übrigen
hat  man  sich  zu  entschuldigen  und  von  den  „Vorsitzenden“  wie  von
den  Städten  selbst  Vorschläge  wegen  der  „Beisprungsmittel“,  wegen  der
Kriegsverfassung  und  wegen  Besetzung  der  Aomter  zu  hören  und  sich
deswegen  zu  vergleichen.  —  Auch  sind  die  Städte  wegen  ihrer  vorgebrachten
  nachbarlichen  Irrungen  zu  vernehmen  und  soll  man
einen  Vergleich  durch  gütliche  Mittel  herbeiführen.  —  Wegen  des  zu
Schweinfurt  angeregten  consilium  politicum  bat  man  die  vorigen
Akten  anzusehen,  die  Gründe  der  Gegenredner  anzuhören  und  sich
mit  der  Mehrheit  zu  vereinbaren.  —  Beim  ersten  Punkt  des  Ausschreibens
  wird  endlich  zu  bedenken  nötig  sein,  wie  man  den  „nervus“
wieder  in  Richtigkeit  bringt,  damit  die  Restanten  und  die  künftigen
Ziele  eingebracht  und  durch  einen  ständigen  Pfennigmeister  die
täglichen  Ausgaben  besorgt  werden,  was  bisher  allein  dem  Direktorium
obgelegen  hat.  Da  zur  „Unterhaltung  und  Continuation‘  des  „nervus“
die  Visitationsmittel  zu  schwach  sind,  hat  man  über  andere  Mittel
dazu  zu  reden.

ı  No.  107.
        <pb n="690" />
        Juli  20.

668  1611  288.

Der  zweite  Punkt  des  Ausschreibens  wegen  Vermehrung  und
Stärkung  der  Union  beruht  auf  den  Berichten  derer,  denen  Verbandlungen
  mit  den  übrigen  Ständen  aufgetragen  worden  sind.  Wegen  der
Aufnahme  der  „im  Reich  gesessenen  Stände‘  und  wegen  der  Erhaltung
guter  Korrespondenz  mit  den  benachbarten  und  ausländischen  Potentaten
bleibt  es  bei  voriger  Instruktion.  Da  aber  gemäss  dem  schweinfurter
Abschied  auch  von  den  Städten  für  gut  angesehen  worden  ist,  ia
Venedig  einen  Agenten  zu  unterhalten  und  man  auf  Italien  ein
wachsames  Auge  haben  muss,  so  hat  man  sowol  wegen  der  Person
als  wegen  der  nötigen  Mittel  die  Vorstimmenden  zu  hören  und
besonders  darauf  zu  achten,  dass  nicht  ein  Ubiquitist  vorgeschlagen
wird,  worauf  man  vordem  ausgegangen  ist.  Man  hat  sich  deswegen
mit  Kurbrandenburg,  Culmbach,  Ansbach  und  Hessen  zn  vergleichen.

Der  dritte  Hauptpunkt  des  Ausschreibens  betrifft  die  Frage,  wie
man  bei  jetziger  Zeit  die  Union  nützlich  verwenden  kann.  Man
hat  darüber  der  übrigen  Meinung  zu  hören,  besonders  wie  man  wieder  zu
beständigem  Frieden  kommen  und  das  alte  Vertrauen  wieder  aufrichten
könnte.  Da  der  zu  Willstätt  mit  den  Kapitnlaren  des  Stifts  Zabern
geschlossene  Frieden!  nicht,  wie  versprochen  worden,  ratifiziert  worden
ist  und  man  also  Dagstein  und  Molsheim  zurückzufordern  befugt  ist,
so  sind  die  betreffenden  Akten  mitzunehmen  und  gemeinsam  weitere
Schritte  zu  beraten.  Auch  des  Hilfsbegehrens  der  Stadt  Genf?  und
anderer  wäre  zu  gedenken  und  deren  Werbung  mitzunehmen.

ı  Briefe  und  Akten,  III.,  no.  239.

?  Schon  am  3./13  April  batten  Syndici  und  Rat  von  Genf  den  Altsyndikus
  Jean  Sarrazin  zu  den  Unierten  abgefertigt,  um  eine  Geldhilfe  für
ihre  Stadt  zu  erlangen,  die  durch  die  drei  Monate  währende  Bedrängung
von  seiten  des  mit  Spanien  und  dem  Papst  verbündeten  Herzogs  von  Savoyen
völlig  erschöpft  war  (Nbg.,  Unionsakten,  Bd.46,  f.21;  Or).  Am  1./11.  Juni
schreibt  die  Stadt,  die  sich  eine  freie  Reichsstadt  nennt  und  darauf  beruft,
dass  sie  von  den  alten  römisehen  Kaisern  ale  „nobile  membram  imperi*
bezeichnet  worden  sei,  an  die  Unierten  insgesamt  und  bittet  sie  uın  eine
Unterstützung  gegen  die  unaufhörlichen  savoyischen  Anschläge,  von  denen
die  letzten  aus  einer  neuen  Liga  des  Papstes,  Spaniens,  Savoyens  und  anderer
entsprängen;  der  Nuntius  zu  Paris  habe  sich  heftig  bemüht,  die  vom  König
von  Frankreich  den  Genfern  bewilligte  Hilfe  zu  hindern;  auch  habe  des
Herzogs  Gesandter  bei  den  katholischen  Orten  der  Schweiz  vor  allem  den
Vorteil  für  die  katholische  Religion  betont,  wenn  Genf,  die  Ursache  alles
Uebels  in  der  Christenheit,  überwältigt  werde;  daraus  sei  zu  erkennen,  dass
es  sich  um  eine  Konspiration  wider  alle  Protestanten  handle.  Von  Genf  aus
sei  es  leicht,  Deutschland  mit  Heeresmacht  zu  überziehen,  mit  dem  Verlust
Genfs  sei  es  um  den  grössten  Teil  des  Schweizerlandes  geschehen  und  würde
Spanien  der  Mannschaften  daselbst  mächtig  werden.  Diese  Türe  bleibe  aber  ver
schlossen,  wenn  dem  Rat  geholfen  werde,  eine  beständige  starke  Basatzung
zu  unterhalten;  die  Ffirsten  würden  daran  das  Hundertfache  ersparen.  Der
Savoyer  habe  jetzt  zwar  sein  meistes  Kriegsvolk  abgedankt,  aber  die  Stadt
habe  übermässig  grosse  Auslagen  gehabt  und  2000  Mann  über  die  gewöhnliche
  Besatzung  erhalten  müssen,  habe  Befestigungen  aufgeführt  und  Proviant
angesammelt,  Dazu  bedürfe  sie  einer  Geldhilfe,  die  in  Deutschland  sa
deponieren  wäre  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  391;  Kopie).
        <pb n="691" />
        288—289.  1611  669

Neuburg  hat  den  zu  Schweinfurt  schriftlich  gegebenen  Zusagen  Juli  20.
wegen  der  kurpfälzischen  Lehen  in  Jülich  trotz  alles  Anhaltens  nicht
genügt,  ja  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  hat  auch  die  Kurbrandenburger
von  der  Einhaltung  abgemahnt;  man  hat  sich  daher  bei  den  Unierten
deswegen  zu  beschweren  und  sie  zu  bitten,  Neuburg  an  die  Gebühr
zu  erinnern,  damit  man  nicht  ernstere  Mittel  vornehmen  müsste,

Da  vermöge  des  ahausner  Nebenabschieds  das  Direktorium  im
Krieg  ausserhalb  der  Lande  der  Unierten  nunmehr  seit  dem  vergangenen
Mai  [1611]  Neuburg  zugefallen  ist  und  einige  dieses  Direktorium
auf  alle  Unionssachen  beziehen  wollen,  Kurbrandenburg  aber,  das
orst  später  beigetreten  ist,  hiedurch  umgangen  und  verkürzt  zu
sein  vermeint.  so  soll  man  zunächst  berichten,  wie  weit  sich  diese
Direktion  erstreckt,  und  soll  wegen  der  brandenburgischen  Einwendungen
  die  übrigen  hören.  Signatum  den  10.  julii  1611.

Mb.,  119/2,  f.  9;  Kpt.

289.  Zuniga  an  den  Kurfürsten  von  Mainz.  Juli  23.

Ich  bedaure  die  Verschiebung  des  Kurfürstentags  sehr,  besonders
‘wegen  ihres  Anlasses,  des  Todes  Christians  II.,  der  mit  E.  kfl.  Gn.  und
den  andern  geistlichen  Fürsten  so  gut  harmoniert  hatte,  will  aber  alles
aufwenden,  damit  der  Nachfolger  in  die  Fusstapfen  des  Vorgängers
tritt.!  Der  Kaiser  hat,  so  sehr  ich  dagegen  ankämpfte,?  den  Herzog
von  Braunschweig  zum  Direktor  des  geheimen  Rats  ernannt;  der
Herzog  besitzt  zwar  Anseben  und  Fleiss,  aber  es  war  bisher  unerhört,
dass  ein  unkatholischer  Fürst  oder  Herr  diese  Stelle  einnimmt,  abgesehen
  davon,  dass  sie  dem  Herzog  nur  wegen  seiner  beiden  Streitigkeiten
  mit  der  Stadt  Braunschweig  und  dem  Hause  Lüneburg  wichtig
ist.  Ich  schreibe  dies  E.  kfl.  Gn.,  damit  Sie  sehen,  dass  ich  meinen
Pflichten  gegen  die  Religion  genügt  habe;  E,  kfl.  Gn.  werden  gewiss
nichts  unterlassen,  diesem  gefährlichen  Unheil  zuvorzukommen.  Aber
das  Schlimmste  ist,  dass  ein  Kammerdiener,  „hominem  infimae  sortis,
hereticum  et  perviciosum,  omnium  negotiorum  pondus  in  88  suscepisse.‘®
Das  beängstigt  mich  wegen  des  Nachteils,  der  dem  Kaiser  daraus
erwachsen  kann,  dem  ich  nach  Geheiss  meines  Königs  bei  jeder  Gelegenheit
  gerne  diene,  besonders  in  der  Sache  mit  seinem  Bruder,
wobei  ich  mich  bemübe,  mit  den  für  ihn  ehrenvollsten  Bedingungen
die  Einigkeit  wieder  herzustellen;  ich  bitte  E.  kfl.Gn.,  auch  dazu  zu  raten.
„Etiam  dignetur  [Ser.‘“*  V.’*]  regisque  Hungariae  negotia  benigne
amplecti,  praesertim  quoad  stabilimentum  electoralis  dignitatis  in  sua
regia  persona  et  introductionem  ad  successionem  imperii,  quandoquidem
  ex  supradictis  videat  Ser.‘  V.’®,  quanto  in  discrimine  res

t  Vgl.  no.  280  (zweiter  Brief).

?  Vgl.  no.  242  und  no.  251.

®  Ericius;  vgl.  Brömsers  Urteil  in  no.  281  und  das  Zunigas  in  no.  262
mit  Anm.  1  auf  8.  606.
        <pb n="692" />
        Juli  23,

Juli  23.

670  1611  289—  2X.

religionis  posita  sit  quantique  sit  momenti,  regis  negotiis  farere
ipsique  suggerere  et  assidue  inculcare  reverentiam  et  cultum  sacrae
caes.  M.!  debitum,  qua  in  re  maxime  ipsi  potest  bene  fieri.  Pragas
23.  julii  1611“.  —  Praes.  Aschaffenburg  5.  augusti  1611.

Wms.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  143;  Or.

290.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich.

„L’empereur  m’entretient  encores  en  ceste  ville  et  m’a  fait  dire
souvent  que  jaye  patience  et  qu’il  mexpediera  en  bref;  je  ne  Il'en
presse  point  pour  me  gouverner  selon  l’intention  et  les  commandementz
  de  V.  M.!‘,  bien  que  ce  me  soit  une  grande  incommodits  &amp;amp;
despence  de  demeurer  en  cesteincertitude.  Le  trait6  d’accommodement
d’entre  luy  et  le  roy  de  Hongrie  son  frere  s’est  continu6  ceste  semaine
et  leurs  deputez  en  sont  venuz  si  avant,  quiil  n'y  a  que  deux  points
principaux  a  vuyder.!  Le  premier  est  touchant  le  gouvernement  ds  ce
royaume  que  l’empereur  veult  en  toutes  facons  estre  administre  en
son  nom,  en  quoy  ledict  s."  roy  persiste  a  dire,  que  cela  n’est  pas  en
son  pouvoir,  mais  qu'il  fera  bien  tout  son  possible  pour  y  faire  consentir
  les  estatz  de  Bohesme  en  la  premiere  diete;  le  second  est
touchant  la  totale  conclusion  de  ce  trait6  que  l’empereur  tasche  de
differer  jusques  a  l’approbation  et  confirmation  des  electeurs,  pour  ne
les  offencer  et  ne  point  monstrer,  ce  dit  il,  de  les  mespriser,  apres
s’en  estre  rapport6  a  leur  advis.  Mais  ledict  8.”  roy  desire,  que  l'on
y  mette  des  a  present  une  fin,  craignant  que  ce  ne  soit  tousjours  a
recommencer  et  que  l’ompereur  par  ce  trait6  vise  seulement  a  tirer
les  choses  en  longueur,  pour  avoir  plus  de  loysir  de  dresser  sa  partie
et  de  luy  tailler  de  la  besongne  avec  l’assistence  de  ceulx  qu’il  espere
luy  devoir  estre  favorables  tant  dedans  qae  dehors  l’Allemagne.  las
Espagnolz  mesmes,  a  qui  toutes  lea  procedures  dudict  3.”  empereur  sont
odieuses  et  suspectes,  le  sollicitent  tant  qu'ilz  peuvent,  de  terminer
une  fois  cest  affaire  et  ont  conseillö  (a  ce  que  jeentens)  audict  s.’  roy
et  a  ses  ministres  d’user  de  menaces  envers  ceulx  qu’ilz  croyant
conforter  ledict  Ss.”  empereur  en  son  opinion.?  Ainsy  ilz  veullent
parachever  a  quelque  pris  que  ce  soit  ce  quilz  ont  commancs  pour

ı  Vgl.  Hammer-Purgstall,  Khlesis  Leben,  IL,  Urkundensammlung,
no.  329  bis  832.

?  Bodenius  berichtet  am  6.  August  seinem  Herrn:  Die  Verzögerung
des  Vergleichsabschlusses  misst  man  dem  Herzog  von  Braunschweig  und
Ericius  'zu.  Diesem  liess  Khlesl  vor  einigen  Tagen  sagen,  wenn  er  sich
dieser  Handlung  nicht  entschlage,  wolle  ihn  der  König  von  des  Kaisers  Seite
nehmen  und  aus  dem  Fenster  hängen  lassen.  Ericius  erschrak  darüber  s#
sehr,  dass  er  seitdem  bettlägerig  ist,  die  neue  gefährliche  Krankheit  auf
dem  Halse  hat  und  zu  Grunde  gehen  dürfte  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  DI,
no.  26,  f.  136;  Or.  eigh.).  Ericius  starb  am  9.  August  (Vischere  an  Er
herzog  Albrecht  am  13.  August;  Brs.,  Secröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  180;
Or.  eigh...  Wegen  der  Drohungen  vgl.  auch  Gindely,  Badolf  II.  un
seine  Zeit,  II.,  S.  302  f.
        <pb n="693" />
        290—291.  1611  671

fonder  et  establir  sur  la  ruyne  et  depression  de  l’empereur  l’agran-  Juli  28.

dissement  dudict  s."  roy,  lequel  ilz  se  promettent  devoir  estre  entiere--
  ment  a  leur  devotion.  L’une  des  causes,  pourquoy  l’empereur  recule
et  ne  veult  conclure  tout  a  fait  cet  accord,  est  l’esperance  qu'il  a
conceue  du  moderne  electeur  de  Saxe,  lequel  en  la  responce  qu’il  a
faite  aux  lettres,  que  luy  ont  portees  les  amhassadeurs  de  S.  M.'®  imp,,
tesmoigne  beaucoup  de  soubmission,  de  reverence  et  d’affection  a  son
service  jusques  &amp;amp;  luy  offrir  sa  vie  et  ses  moyens  pour  la  manutention
de  sa  personne  et  de  sa  dignits,  le  priant  de  n’adjouster  foy  a  qui
que  ce  soit,  qui  voudroit  luy  persuader  le  contraire.1  L’importance
sera  que  les  effectz  respondent  aux  paroles  et  qu’il  se  trouve  des
autres  princes  on  l'’empire  qui  ayent  la  mesme  volont6,  comme  le  jugement
d’un  chascun  est,  que  le  mal  entendu  et  la  discorde  de  ces  freres
leur  fournit  une  belle  ocassion  de  s’asseurer  pour  long  temps  des
entreprises  et  usurpations  de  la  maison  d’Austriche,  s’ilz  avoient
autant  de  courage  qu’ont  eu  quelques  uns  de  leurs  predecesseurs.
Lesdicts  Espagnolz  font  mine  de  n’estre  gueres  satisfaitz  de  ce  que  le
landgraf  de  Leichtenberg  a  este  deposed&amp;amp;  de  sa  charge  de  president
du  conseil  secret  de  S,  M.'®  imp.  et  qu’elle  la  veult  confier  au  duo
de  Brunsvick  avec  qualite  de  directeur  de  tous  ses  affaires.?  Mais
silz  avoient  gagn6  le  premier,  ilz  ne  s’espargneront  pas  de  faire  le
mesme  avec  le  second  par  les  voyes  qui  leur  sont  familieres.  C'est
tont  ce  que  j’ay  a  dire  pour  le  present  a  V.M.'‘,  sinon  que  !’on  tient
que  l’assembl6e  electorale  de  Millhausen  est  remise  a  quatre  somaines
et  quelle  le  pourroit  estre  encores  a  plus  long  terme..  De  Prague
le  23°  de  juillet  1611.“
Pa.,  Coll,  Harlay,  no.  388,  vol.  XII.,  f.  230;  Or.  eigh.

291.  Dr.  Hans  Ulrich  Hämmerle  an  Hans  Reichard
Brömser.

Auf  das  Schreiben  vom  30.  Juni.  Ich  besorge,  dass  mein  letztes
Schreiben  vom  12.  Juni  nicht  in  die  richtigen  Hände  gekommen  ist,
Neues  hören  wir  täglich  genug,  aber  wenig  oder  nichts,  was  unserm
Regiment  zur  Besserung  gereichte.  Ich  überschicke  das  Verzeichnis  der
neuen  verglichenen  Punkte,  das  ich  eben  erhalten  habe.?  Man  sagt,  dass  die

ı  Vgl.  no.  277.

?  Am  27.  Juli  zeigt  der  Herzog  von  Braunschweig  dem  Kurfürsten
von  Sachsen  eigenhändig  an:  „Vnd  ist  nicht  obn,  das  die  rom.  ksl.  M.t  mein
allerg.ter  her  mir  die  direction  ihm  geheimen  rahtt  vnd  also  consequenter
des  gantzen  hoffstatts  aufigetragen,  das  ich  den  mitt  hindansetzung  viler
ansenlicher  motiuen,  so  mich  dafor  abhaltten  mogen,  I.  ksl.  Mt  zu
ehren  nd  dem  romischen  reich  zum  besten  auff  mich  genommen.  Vnd  weyl
ich  den  verstehe,  das  die  romisch  ksl.  M.t  mir  den  titel  oberster  director
dero  ksl.  M.t  geheimen  rabtts  geben  lassen  werden,  als  hab  ichs  Derselben
also  zur  nachrichtung  auisiren  wollen*  (Drs.,  1.  8808,  25.  Buch  jülicher
Sachen,  f.  130;  Or.  eigh.).

®  Vgl.  Anm.  1  auf  der  vorhergehenden  Seite.

Juli  28.
        <pb n="694" />
        Juli  23.

672  1611  291.

Kommissarien,  besonders  Zuniga,  emsig  den  Kaiser  zur  Ratäfikation
antreiben.  An  Dr.  Wackers!  Praktiken  fehlt  es  nicht,  ich  glaube,
dass  er  zur  deutschen  Luft  nicht  viel  Lust  hate.  Fast  keiner
von  denen,  die  des  Kaisers  Ohr  haben,  rät  zum  Zug  ins  Reich;
die  Hauptursache,  warum  niemand  es  tun  mag,  ist,  „das  reddere
rationem  villicationis;  andere  mainen,  sie  haben  im  behmischen  luft
und  wetter  ihre  intentiones,  darumb  sie  da  sein,  bessere  gelegenheit
hinausszubringen.“  Einige  jagen  dem  Kaiser  auch  Furcht  ein,  als
ob  die  Kurfürsten  mit  ihm  viel  gröblicher  verfahren  würden,  wenn
er  ins  Reich  käme  „denn  sie  [ksl.  M.']  vermainen  ;  stellen  auch  die
widrige  tractation  und  andere  viel  sachen,  die  sich  in  re  nit  befinden,
zum  praetext  fur,  wie  es  I.  ksl.  M.!  gueten  trewen  dienern  selbs
klagt  haben,  sonderlich  dass  sie  in  diesen  so  schweren  sachen  kein
einigen  rath  haben  (aufs  wenigist,  der  I,  ksl.  M.  ohr  bisshero
gehabt),  den  sie  sicherlich  in  dieser  sach  zu  rath  ziehen  mögen.“
Es  wäre  sehr  nötig  gewesen,  mein  Herr  [Brömser]  wäre  noch  etwas  hier  geblieben,
  da  der  Kurfürstentag  sich  doch  so  lange  verzieht  und  inzwischen
die  Praktikanten  die  beste  Gelegenheit  haben,  allerlei  zum  Praejudiz
des  Reiches  und  der  katholischen  Religion  vorzunehmen.  —  Leeuchtenberg
ist  seines  Hofmeisteramts  enthoben  und  aus  dem  geheimen  Rat  auf
wiederholten  Befehl  des  Kaisers  entlassen  worden;  an  seine  Stelle
wurde  der  Herzog  von  Braunschweig  gesetzt,  der  vorhaben  sell,
die  drei  Appellationsräte  Dr.  Rüdiger,  Dr.  Eisen  und  Melander  zu
Reichshofräten  zu  machen;?  fast  alle  sollen  calvinisch  sein.  Man  soll
ihnen  die  Beförderung  bereits  versprochen  haben,  damit  sie  zur
Veröffentlichung  der  Acht  gegen  die  Stadt  Braunschweig  desto  williger
wären;  zur  Ernennung  wird  Wacker,  der  jetzt  das  Vizekanzleramt
vertritt®  (denn  im  Trüben  ist  gut  fischen),  treulich  helfen.  Wenn  der
Kurfürst  wüsste,  auf  welche  Weise  sogar  mit  Drohungen  in  den  Kaiser
gesetzt  wird,  den  neuen  Vergleich  zu  ratifizieren,‘  er  würde  gewis
dio  Unkosten  nicht  sparen  und  einen  Gesandten  hierher  schicken,  der
durch  seine  Gegenwart  viel  Uebles  verhüten  könnte,  da  auch  der  andere
Teil  auf  die  Kurfürsten  Rücksicht  nehmen  muss;  einige  nicht  geringe
königliche  Diener  lassen  sich  eigens  verlauten,  der  Kaiser  werde
nicht  ins  Reich  kommen  oder,  wenn  er  auch  wollte,  nicht  dahin
gelassen  werden.  —  Einige  verhandeln  hier  stark,  die  vornehmsten
fälligen  Lehen,  darunter  das  Fürstentum  Finale,  das  auf  drei  Millionen
geschätzt  wird,  zu  „verpartieren“.5  Es  wäre  gut,  wenn  der  Kaiser
erinnert  würde,  vor  dem  Kurfürstentag  mit  Reichslehen  und  andem
wichtigen  Sachen  keine  Aenderung  vorzunehmen;  denn  hier  heisst  «8,
„vada  il  resto“;  man  will  nicht,  dass  die,  die  hernach  kommen,  auch
noch  etwas  finden.  Diesen  Brief  verbrennet.  Ich  höre,  dass  man

*  Reichshofrat  und  Dr.  Hämmerlo  besonders  verfeindet.

?  Vgl.  über  diese  no.  281.

°  An  Stelle  Stralendorfs  d.  Ace,  der  aus  dem  geheimen  Bat  ausgeschlossen
  worden  war;  vgl.  no.  251.

“  Vgl.  Baugys  Bericht  in  no.  2%.

®  Vgl.  no.  268,  8.  619.
        <pb n="695" />
        291  —  292.  1611  673

Zuniga  eine  Vollmacht  zugeschickt  hat,  Finale  für  Spanien  zu  erhandeln;
  der  Kaiser  hat  zwar  auf  die  Warnung  treuer  Diener  hin  die
Verhandlung  hierüber  eingestellt,  aber  die  Instruktion  könnte  dem  Kaiser
leicht  mit  anderem  zur  Unterschrift  untergeschoben  werden;  er  soll
aber  auch  deswegen  gewarnt  werden.  Die  Erinnerung  der  Kurfürsten
wäre  gut,  um  die  Räte  abzuschrecken.  Prag  den  23.  julü
a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  5.  augusti  1611.
Wmz.,  Wahl-  und  Krönungsakten,  Bd.  6;  —  Or.i

292.  Gutachten  der  württembergischen  Räte  für  den
rotenburger  Unionstag.

Ohne  7weifel  werden  sowol  der  Kaiser  als  der  König  Gesandte  zum
Unionstag  abordnen,  ihre  Differenzen  daselbst  vorbringen  und  die  Hilfe
der  Union  anrufen,  sowie  auch  um  Beförderung  eines  Reichstags  und  um
Bewilligung  einer  Kontribution  zum  Unterhalt  des  Kaisers  und  zur
Verwahrung  der  ungarischen  Grenzen  anhalten  lassen.  Die  Unierten
müssen  sich  dagegen  vorsehen  und  bedenken,  wie  nach  jetziger  Beschaffenheit
  das  Reichsregiment  anzustellen  sei,  damit  die  meisten
Stände  ruhig  bleiben,  die  Gravamina  erledigt,  das  Justizwesen  in
Gang  gebracht  und  das  alte  Vertrauen  wieder  aufgerichtet  werde.

1.  Wegen  der  Irrungen  zwischen  Kaiser  und  König  wäre
zu  wünschen,  dass  das  Einvernehmen  hergestellt  und  mit  allseitigem  Zutun
den  „Beichsobliegen“  Rat  geschafft  werden  könnte.  Dieser  Misverstand  berührt
  aber  zunächst  die  Königreiche  und  Erblande  des  Hauses  Oesterreich  ;

ı  Wegen  Hämmerle  vgl.  no.  281,  S.  650,  Anm.  2.  Aus  seiner  Beschwerdeschrift
  an  die  Kurfürsten  geht  hervor,  dass  er  im  Jahre  1608  aus  der  Hofkammer,
  wo  er  fast  siebzehn  Jahre  lang  das  Sekretariat  in  der  Reichsexpedition
  versehen  hatte,  in  den  Reichshofrat  berufen  wurde,  bis  ihm  im  April
1611  der  Landgraf  von  Leuchtenberg  durch  Dekret  den  Besuch  des  Reichshofrate
untersagte  und  ihm  die  Akten  abforderte,  angeblich  ohne  dass  der  Kaiser  von
dieser  Suspension  wusste  (Beschwerde  vom  Oktober  1611;  Wmz.,  Reichstagsakten,
  Bd.  106;  —  Or...  Nach  anderen  Berichten  hatten  der  Herzog  von
Braunschweig  und  Dr.  Wacker  Hämmerles  Entfernung  durchgesetzt.  —  Das
Bild  von  dem  Getriebe  am  kaiserlichen  Hof  wird  durch  einen  Bericht  Jdea
Agenten  Drach  vom  24.  Juli  aus  Prag  an  den  Kurfürsten  von  \ainz  ergänzt:
ich  höre  von  vertrauter  Seite,  dass  E.  kfl.  Gn.  jüiogstes  Handschreiben
an  den  Kaiser  [vielleicht  das  vom  3.  Juli;  vgl.  no.  246,  S.  582,  Anm.  2]
von  dessen  Tisch  verschwunden  und  dem  Herzog  von  Branschweig  mitgeteilt
worden  sei,  um  „das  freundliche  gemüeth  dardurch  zu  corrumpiren.*  Von
einer  vornehmen  Kammerperson  vernehme  ich,  der  Kaiser  habe  dieser  Tage  bei
sich  selbst  mit  den  Worten  geklagt:  „sie  hetten  doch  keinen  einigen  mann
bei  sich,  deme  sie  recht  vertrawen  oder  ihr  herz  uf  ihne  setzen  dürften
und  vermerkten  auss  allen  relationibus  wohl,  dass  Dr.  Wackber  und  andere
räth  dem  konig  mehr  beifielen  und  I.  M.!  vast  genötiget  würden,  wieder
iren  willen  gegen  den  könig  sich  zu  resolviren*,  und  „der  Dr.  Wackher  sei
nit  stabilis  sonder  vergliche  sich  salva  reverentia  eineın  sawschwanz“  (Wimz.,
Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  145;  Or.  eigh.).

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bu.  43

Juli  23.

Juli  26.
        <pb n="696" />
        Juli  26.

674  1611  292

wegen  eines  Vertrags  wird  eben  verhandelt  und  wärde  eine  Binmischung
  von  keiner  Seite  Dank  erlangen,  dem  König  könnten  auch
seine  Länder  nicht  ohne  Krieg  entzogen  werden  und  würde  also  dem
Kaiser  hierin  doch  kein  Genügen  geschehen  können;  daher  wird  die
Union  sich  dieses  Streits  nicht  annehmen  sonderu  sich  zu  bemühen
haben,  neutral  zu  bleiben.  Nun  steben  die  Unierten  mit  dem  König
ohnehin  in  gutem  Vertrauen  und  sollen  sich  darin  erhalten,  dagegen
ist  der  Kaiser  Alters  und  anderer  Beschaffenheit  halber  zum  Regiment  nicht
„belustigt‘‘,  auch  würde  sein  Regiment,  wenn  or  wieder  zu  seinen  Landen
käme,  nicht  besser  werden  und  wäre  nur  noues  feindseliges  Praktiziere:
wie  mit  dem  passauer  Volke  zu  besorgen,  wodurch  das  Reich  immer  wieder
in  Sorgen  käme:  man  sull  daher  den  Kaiser  erinnern,  den  König  gegen
ein  jährliches  Deputat  bei  deu  Landen  und  Verträgen  zu  lassen,  und  sich
erbieten,  dass,  wenn  die  Unierten  neben  den  andern  Ständen,  die  sich
bisher  der  Sache  usterfiengen,  dabei  etwas  Gutes  tun  könnten,  sie  ee  an
sich  nicht  fehlen  lassen  wollten.  Da  aber  der  Kaiser  schwerlich  (einerlei
ob  er  die  Lande  erhält  oder  nicht)  das  Mistrauen  gegen  den  König
fallen  zu  lassen  oder  seine  gewohnte  Lebensart  zu  ändern  und  fleissig
dem  Regiment  abzuwarten  zu  bewegen  sein  wird,  dagegen  den  Beichsständen
  merklich  daran  gelegen  ist,  dass  bei  diesen  gefährlichen
Läufen,  besonders  bei  dem  Misverstande  im  Hause  Oesterreich,  das
gemeine  Wesen  in  Frieden  und  Ruhe  erhalten  werde,  so  muss  man
den  Kaiser  auch  ermahnen,  dass  er  mit  den  Ständen  auf  einen
römischen  König  bedacht  sei,  der  sich  neben  dem  Kaiser  der
Stände  und  des  Reichs  annimmt  und  zur  Erledigung  der  Gravamina
dermaleinst  schreitet,  „zumal  aber  durch  fernere  unnötige  verweilung
zue  einiger  weiterung,  so  etwo  hiernächst  daraus  entstehen  könte,
nicht  anlass  geben  werde.“  !

Es  dürfte  vielleicht  auch  ein  Reichstag  urgiert  uud  dabei  auf  eine
Kontribution,  besonders  zu  des  Kaisers  Unterhalt  gegangen  werden.
Aus  den  Rechnungen  der  Union  wird  sich  aber  ergeben,  dass  der
Vorrat,  den  jeder  Stand  bei  Handeu  haben  soll,  bereits  ausgegeben
ist,  dass  mancher  dem  'andern  nicht  wenig  schuldet  und  dab&amp;gt;i  doch
jährlich  die  Same,  welche  die  Union  zum  Vorrat  fordert,  erlegen
mus.  Es  würde  daher  den  Ständen  unerträglich  fallen,  sich
darüber  hinaus  noch  anzugreifen  und  dadurch  vielleicht  nur  Anlass  zu
geben,  dass  mit  ihrer  Hilfe  die  Brüder  noch  mehr  an  einander  geraten,
während  die  Stände  selbst  sich  entblössen  und  sich  in  weitere  Gefahr
setzen.  Es  ist  auch  im  Reich  nicht  Herkommens,  dem  Kaiser  den

-—_  -—--  -—

ı  Nicht  alle  Unierten  waren  darüber  derselben  Meinung:  Colli  schreibt
am  14./24.  Juli  aus  Prag  an  Fürst  Christian  von  Anhalt,  dass  der  Ausgleich
zwischen  den  Brüdern  fast  perfekt  soi,  daher  im  der  Kurfürsteutasg  überflüssig
erscheine;,  wegen  der  Wahl  eines  röınischen  Königs  habe  man  aber  nicht
Ursache,  sich  zu  übereilen,  man  warte  ab,  bis  ınan  gesucht  werde  und
denke  nuch,  was  man  dem  proponieren  soll,  der  das  schöne  Stück  haben
will  (Bbg.,  A  9a,  no.  107,  f.  82;  Or.  eigh.).
        <pb n="697" />
        292.  1611  675

Hofstaat  zu  erhalten  und  wäre  es  unratsam,  damit  einen  Eingang  zu  machen,
bei  dem  es  sicherlich  dauernd  bleiben  würde  wie  beim  Unterhalt  des
Kammergerichts,  das  früher  die  Kaiser  selbst  besoldeten.  Das  Reich  hat
daher  stets  nach  einem  Kaiser  getrachtet,  der  sich  und  3eine  Lande  selbst
erhalten  kann  und  das  Reich  nicht  mit  solchen  Steuern  beschweren  muss.
Dabei  ist  es,  wenn  für  den  Kaiser  ein  Unterhalt  begehrt  würde,  zu
lassen  und  die  Resolution  auf  den  Reichstag  zu  verweisen.

Da  aber  das  Mistrauen  zwischen  den  Ständen,  die  gegenseitigen
Gravamina,  die  Restitution  Donauwörths  und  das  Justizwesen  ohne
einen  „persönlichen“  Reichstag  nicht  hingelegt  werden  können,  so
soll  man  auf  des  Kaisers  Begehren  endlich  einen  Reichstag  bewilligen,
  doch  dass  zuvorderst  Donauwörth  restituiert  und  darauf
der  Justizpunkt  mit  allen  Anhängen  und  mit  der  Sache  der  Freistellung
  in  den  Stiftern  vor  aller  andern  Handlung  vorgenommen
und  erörtert  werde.!  Nun  wäre  es  allerdings  sehr  nötig,  dass
man  auch  wie  1576  auf  diesem  Reichstag  die  Wahl  eines  Königs
richtig  mache,”  damit  derselbe  wie  1552  König  Ferdinand  bei
‘rhandlung  des  Religionsfriedens  sich  desto  eifriger  wegen  der  Reichsgravamina
  interponiere;  denn  die  lange  Kıfahrung  lehrt,  dass  sich
die  Stände  unter  sich  nur  schwer  verständigen  können;  überdies  hat
sich  König  Matthias  dazu  bereits  erboten  und  kann  es  wol  leisten.
Andrerseits  ist  zu  erwägen,  ob  nicht  der,  der  die  königliche  Würde
anstrebt,  nach  der  Wahl  sich  bei  den  Gravamıina  minder  eifrig  und
parteiischer  erweisen  werde  als  zu  einer  Zeit,  da  seine  Wahl  noch
zweifelhaft  ist;  doch  werden  die  Kurfürsten  das  zu  bedenken  wissen.
Da  der  Kaiser  den  Reichstag  vermutlich  weder  persönlich  besuchen  noch
gestatten  wird,  dass  Matthias  demselben  als  kaiserlicher  Kommissar
beiwobne,  so  könnten  die  Kurfürsten  vom  Kaiser  auch  begehren,

ı  Dass  bei  der  günstigen  Konjunktur  auch  die  „Freistellung“  wieder  auf
die  Bahn  gebracht  und  darın  vom  Kaiser  etwas  nachgegeben  werden  möchte,  war
die  Sorge  der  Katholiken.  Der  speirer  Domdechant  Adolf  Wolf  von  Gracht,
genannt  Metternich,  allerdings  ein  Zelot,  klagt  in  einem  Schreiben  vom
19.  Juli  dem  Herzog  Maximilian  von  Baiern:  man  spreche  vom  künftigen
Kurfürstentag  allerlei  „und  dass  woel  hoechst  zu  beklagen,  auch  von
catholischen  leuten,  als  wan  nhunmehr  die  sachen  dahin  geraetten,  dass
ınan  rhuw  und  fridt  im  reich  zu  erhalten  etwas  nachgeben  muisse  und  Jer
freistellangb  halben,  nemlich  dass  auch  anderer  religions  verwanten  zu  den
noch  uberigen  stifften  mit  sicheren  condition  zuzulaessen,  etwas  muiss  nachzugebenn.
  Es  geschebe  nhun  dessen  wenich  ader  vil,  wirt  man  ihn  kurtzem
woel  sehenn,  wass  solche  teuffelische  politica  consilia  nutzen  und  fruchten*;
der  Herzog  als  einzige  Zuflucht  der  katholischen  Relıgion  zur  Zeit  möge
diesem  Unheil  vorbauen  helfen  (Ma.,  112/1,  f.  92;  Or.  eigh.).  Der  Herzog
erwiderte  am  25.  Juli,  eingedenk  der  Saumseligkeit  der  geistlichen  Liga-Juli

  26.

stände:  Jie  Geistlichen,  denen  die  Gefahr  zunächst  drohe,  möchten  nur  das  |

ihrige  tun  und  nicht  durch  Konnivenz  und  Nachgiebigkeit  den  Mut  der
Gegner  stärken  Ma.,  112,1,  f.  94;  Kptkopie).

°  Hier  irren  die  Räte;  denn  die  Wahl  Rudolfs  1I.  zu  Regensburg
1575  Oktober  27)  war  dem  Reichstag,  der  am  25.  Juni  1576  eröffnet
wurde,  vorausgegangen;  vgl.  Moritz,  die  Wahl  Rudolfs  II.,  8.  173.

43*
        <pb n="698" />
        676  1611  292.

Juli  26.  „dass  I.  M.‘,  wa  nicht  den  kouig  dannoch  niemands  anders  als  erzherzog
Maximilian  [verordne],  als  welcher  alberait  den  ständen  und  reichssachen
bekant  und  ein  sonders  vertrauen  hat,!  da  dann  zu  hoffen,  I.  D.‘  wurde
sich  der  underhandlung  in  puncto  gravaminum  mit  eifer  underfangen
und  zue  gutem  end  bringen  helfen.“  Da  aber  sowol  der  Justizpunkt,
bei  dem  der  Religionsfrieden  mitbereinspielt,  als  auch  die  Bestitution
Donauwörths  sich  nicht  so  schnell  erledigen  lassen  werden  und  die
Stände  beim  Reichstag  zu  lange  aufgehalten  würden,  so  wäre  gut,  die
Sache  schon  beim  Kurfürstentag  dahin  zu  richten,  ‚‚dass  die  unirte
und  ligirte  sich  mit  einander  einer  engern  deputation  und  persönlichen
  zusamenkunft  (dannn  allein  durch  die  rät  in  solchen  weit
aussehenden  sachen  nichts  zu  richten)  verainiget  hetten,  von  solchen
und  mehr  andern  reichsobligen  praeparatorie  zu  deliberieren  und  so
vil  mäglich  uf  solche  mittel  zu  gedenken,  dardurch  man  zue  einhelligem
verstand  gelangen  und  hernacher  Lei  folgendem  reichstag  desto  eher
und  leichter  zur  decision  kommen  könne,  uf  welche  deputation  sich
die  sambtliche  unirte  gewisser  ständ  und  instruotion,  wie  weit  in  einem
und  andern  puncten  zu  gehen  sein  möchte,  vergleichen  und  in  allem
vor  einen  mann,  wie  bei  jüngstem  reichstag  auch  geschehen,  stehen
müsten.“

Die  Wahl  eines  Königs  steht  zwar  allein  den  Kurfürsten  zu,  aber
es  war  immer  Brauch,  dass  diese  Rat  und  Gutachten  der  andern  Fürsten
und  Stände  einholten.  Dabei  hat  man  wegen  der  Person  zu  bedenken.
„dieweil  kein  frembder,  so  nicht  teutsches  geblüts,  zue  solcher  dignitet
gelangen  kan  und  villeicht  dem  reich  nicht  undienlich  were,  dass
dermalen  eins  auch  andere,  die  nicht  auss  dem  hauss  Oesterreich
erborn,  zum  kaiserthum  beruefen  wurden,  dardurch  die  gar  zu  gros
eingeführte  und  dem  reich  zue  nachtheil  noch  immer  gebrauchte
exemptiones  und  privilegia,  dagegen  sich  die  ständ  jederzeit  beschwert.
etwas  mehrers  restringirt  und  der  ständ  libertet  erhalten,  zumal  auch
eine  demonstration  gethan  wurd,  dass  des  heil.  römischen  reichs
haupt  nicht  gar  und  allein  auf  dem  hauss  Oesterreich  sonder  welchen
das  churfurstliche  collegium  vor  taugenlich  darzue  erkennen  wärt.
bestehe.“  Den  evangelischen  Ständen  wäre  zwar  zu  gönnen,  dass  das

!  Wegen  des  Vertrauens  der  evangelischen  Stände  zu  Erzherzog  Maximiliss
vgl.  A.  Chroust,  Abraham  von  Dohna,  8.  93,  8.  299  mit  Anm.  1  und  2,  8.310
mit  Anm.  2  und  3  und  Briefe  und  Akten,  IX.,  no.  92,  8.  207,  Anm.  |.
no.  119  mit  Anm.  4  auf  S.  293  und  Anm.  1  auf  8.  246.  —  Als  im  Juni  l6ll
in  Stuttgart  sich  das  (Gerücht  verbreitete,  König  Matthias  sei  vergiftet
worden,  liess  der  Herzog  von  Württemberg  sogleich  Zacharias  (eizkofler
kommen  und  fragte  ihn,  ob  der  Erzherzog  in  solchem  Fall  sich  der  Erblande
annehmen  würde  „und  was  I.  fl.  Gn.  fur  sich  selbsten  und  durch  ander
‚darbei  thuen  kinten“*;  der  Herzog  erbot  sich,  den  Erzherzog  mit  Volk  und
Geld  und  durch  seine  Autorität  bei  den  Unierten  zu  unterstützen,  ja  &amp;amp;
wollte  deshalb  sogar  einen  eilenden  Konvent  der  Unierten  zusammenbring®
(Geizkofler  an  Erzherzog  Maximilinn  am  17./27.  Juni  aus  Stuttgart;  Ib,
Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juli  1611,  no.  20;  Or.  eigh.).
        <pb n="699" />
        292.  1611  677

Reichsregiment  auch  einmal  von  einem  evangelischen  Fürsten  geführt
werde;  doch  möge  man  gedenken,  mit  wie  starken  Eiden  nicht  nur
alle  geistlichen  Kurfürsten,  Fürsten  und  Praelaten  dem  römischen
Papst  verbunden  sind  sondern  dass  auch  die  weltlichen  papistischen
Stände  die  Exkommunikation  ebenso  hoch  wo  nicht  höher  als  die
Reichsacht  zu  halten  pflegen.  Von  jenen  ist  aber  sicher,  dass  sich  keiner
einem  evangelischen  Kaiser  unterwerfen  sondern  dass  sie  eher  von  ihm
abfallen  als  ihre  Stifter  und  Pfründen  verlieren  wollten,  wie  die
Beispiele  alter  Kaiser,  die  im  Banne  starben  und  verdarben,  zu  erkennen
geben.  Das  könnte  jetzt  ebenso  geschehen,  denn  die  Jesuiten  werden
ihr  Aeusserstes  daran  setzen  und  männiglich  dawider  hetzen.  „Welchem
allem  dann  anderst  nicht  als  mit  grosser  macht  und  merklicher
coniunction  aller  potentaten,  ja  mit  gänzlicher  verenderung  sowol
des  heil.  römischen  reich  als  des  bäbstischen  regiment  in  und
ausser  Teutschland,  menschlicher  weiss  darvon  zu  schreiben,  begegnet
werden  könte;  darzue  aber  noch  der  zeit  wenig  apparents  vorhanden.“
  ‚

Da  diese  hohe  Würde  auch  bedeutenden  „Verlag“  erfördert,  den
man  nicht  vom  Reich  sondern  von  jedes  Kaisers  Erblanden  und
besonderm  Einkommen  zu  nehmen  pflegt,  so  wird  sich  nicht  leicht
ein  Reichsstand  bewegen  lassen,  von  seinem  Vermögen  für  das
Reich  so  viel  hunderttausend  Gulden  jährlich  zu  spendieren  und  mit
seinem  Schaden  eine  solche  Isast  auf  sich  zu  nehmen.  Und  fände  sich
einer,  so  ist  zu  besorgen,  dass  er  den  „Nachdruck“  nicht  haben  wird,
wie  das  Haus  Oesterreich  mit  seinen  Königreichen  und  Erblanden
ihn  bisher  zeigte.  Dadurch  würde  aber  das  Reich  mit  geringerer
Reputation  regiert  und  zu  mehrerer  Kontribution  bemüssigt  werden.
Nun  ist  zwar  der  König  von  Dänemark  wegen  Holstein  Reichsstand
und  aus  deutschem  Geblüt;  aber  er  muss  wegen  der  Religion  ausgeschlossen
  werden  und  dürfte  doch  zu  schwach  sein,  diese  schwere
kostspielige  Last  zu  tragen;  auch  würde  es  andern  Ständen  und
Potentaten  kaum  gefällig  sein,  da  er  im  Reich  keine  Residenz  hat,
nach  Dänemark  zu  reisen,  worin  er  selbst  nicht  „absolute“  regieren
kann  „sonder  ad  voluntatem  statuum  leben  muess“.

Das  Haus  Oesterreich  ist  unter  den  Reichsständen  das  mächtigste;
es  werden  daraus  Erzherzog  Maximilian,  weil  er  nicht  genügende  Lande
besitzt,  oder  Erzherzog  Albrecht  als  jüngster  mit  König  Matthias
kaum  kompetieren,  mit  Albrecht  ‘hat  es  auch  wegen  Spanien  hohe
Bedenken  ;  dagegen  ist  Matthias  nun  im  Besitz  aller  Lande,  die  der
Kaiser  zuvor  hatte,  ist  dazu  im  Reich  wolbekannt,  von  Natur  gütig
und  mit  den  Unierten  in  gutem  Einvernehmen,  er  hat  sich  auch  zur
Erledigung  der  Reichsobliegen  wiederholt  erboten  und  wird,  weil  er
seine  Erbuntertanen  beim  Religionsfrieden  belässt  und  zum  Frieden
geneigt  ist,  es  voraussichtlich  auch  im  Reiche  tun  und  die  Unierten
sich  beffhlen  sein  lassen;  —  daher  wird  man  vor  allen
andern  ihn  zu  solcher  Würde  zu  befördern  haben.  Zwar  dürften  des

Juli  26.
        <pb n="700" />
        Juli  26.

678  1611  29.

Königs  Handlungen  mit  dem  Kaiser  und  dass  er  seinen  Landständen
Religionsfreiheit  gestattet  hat,  nicht  jedem,  besonders  nicht  den  geistlichen
Kurfürsten  gefallen  ;  da  aber  sonst  kaum  ein  Kandidat  mit  solchen  Eigenschaften
  und  Umständen  zu  finden  sein  wird,  so  wird  besonders  Kurpfalı
und  Kurbrandenburg  an  die  Hand  zu  geben  sein,  diese  Vorzüge  bei
künftigem  Kurfürstentag  in  Acht  zu  nehmen,  sich  durch  die  Verwirklichung
der  Absicht  um  die  Unierten  verdient  zu  machen  und  dadurch  dem  König
umso  mehr  Anlass  zu  geben,  sich  gleich  König  Ferdinand  wegen  der
Gravamina  eifrig  zu  interponieren  und  sich  die  Union  befohlen  sein
zu  lassen.  4u  besserer  Sicherung  wird  ıman  aber  auf  eine  solche
Kapitulation  denken  ınüssen,  die  den  evangelischen  Ständen  von  Nutzen
ist.  Auch  wird  es  den  König  gewiss  nicht  beschweren,  den  Kaiser
mit  einem  Zuschuss  zum  Hofstaat  zu  kontentieren,  um  das  Reich  desto
weniger  zu  belasten.

Beim  Justizpunkt  hat  man  sich  zu  erinnern,  dass  die  Sperrung
der  Justiz  von  den  Klostersachen  herkommt.!  —  Da  den  evangelischen
Ständen,  die  nach  dem  Religionsfrieden  geistliche  Güter  reformierten  oder
noch  zu  reformieren  haben,  an  deren  Behauptung  viel  gelegen  ist,  so  ist
bei  den  Verhandlungen  über  diesen  Punkt  darauf  zu  drivgen,  dass  die
Evangelischen  bei  ihren  eingezogenen  geistlichen  Gütern,  es  sei  die
Sache  rechtshängig  oder  nicht,  ruhig  verbleiben  können  und  auch  künftig
freie  Hand  behalten  sollen,  die  in  ihrer  Obrigkeit  gelegenen  geistlichen
Güter  zu  reformieren.  Ist  dies  bei  den  päpstischen  Ständen  nicht  zu
erhalten,  so  wäre  es  wenigstens  dahin  zu  richten,  dass  jeder  Stand  die
bisher  eingezogenan  Güter  ruhig  behalten,  „aber  hinfüro  dergleichen
weiter  zue  tlıun  bei  poen  des  religionsfridens  benommen  und  darauf  am
cammergericht  im  begebenden  fall  zu  sprechen  befohlen  sein  solle“,
damit  nicht  wegen  dieses  Streits  das  ganze  Justizwesen  länger  erliegt.
Findet  sich  aber  ein  Mittel,  wodurch  die  Evangelischen  an  künftiger
Reformation  nicht  gehindert  und  das  Justizwesen  doch  in  Gang  ge
bracht  werden  würde,  so  hätte  man  vor  allem  dieses  zu  beachten.  Darnach
wären  die  übrigen  Revisionssachen  am  Kaınmergericht  zu  expedieren.
Da  aber  die  papistischen  Stände  die  Inhaber  des  Erzstifts  Magdeburg
und  anderer  reformierter  Stifter  nicht  für  geistliche  Fürsten  halten.
nicht  zu  den  Revisoren  rechnen  und  nicht  zu  den  jährlichen  Revisionen
und  Visitationen  des  Kammergerichts  kommen  lassen  wollen,  so  it
gerade  deshalb  auf  Beschreibung  jener  zu  dringen,”  namentlich  aber
darauf,  dass  bei  den  jährlichen  Revisionen  und  Visitationen  Panität
gehalten  und  man  vor  Ueberstimmung  gesichert  wird.

Was  die  Unionsangelegenheiten  betrifft,  so  wird  im  Ausschreiben
I.  eines  consilium  politicum  für  Fälle  gedacht,  da  man  wegen  der
Gefahr  im  Verzug  nicht  die  Entscheidung  sämtlicher  Stände  abwarten  kant;

ı  Vgl.  Briefe  und  Akten,  V.,  S.  518  £.

?  Vgl.  Briefe  und  Akten,  IV.  8.201  f.  und  das  Register  des  IV.,  V.
und  VI.  Bandes  unter  Magdeburg;  an  den  angegebenen  Stellen  findet  sich
auch  die  Spezialliteratur  über  den  magdeburger  Sessionsstreit  verzeichnet.
        <pb n="701" />
        292.  1611  679

dadurch  sollen  auch  die  Unionstage  verringert  werden.  Dergleichen  istauch  Juli  26.
bci  den  Kreisen  Herkommen,  wo  der  Kreisoberste  zuweilen  nur  die  Nachgeordneten
  beschreibt,  um  auch  die  Sachen  besser  geheim  balten  zu  können.
Da  aber  kein  Kurfürst  oder  Fürst  aus  solchen  consiliun  wird  bleiben  mögen
und  dieSachen,  von  denen  er  selbst  Nachricht  haben  soll,  nicht  durch  andere
wird  expedieren  lassen  wollen,  wie  sich  dies  bei  der  Bestellung  des  Kriegsrats
  zu  Heilbronn  schon  gezeigt  hat,  da  auch  die  Städte  ihre  Stelle
nicht  bloss  durch  einige  aus  ihrer  Mitte  werden  besetzen  lassen  sondern
alle  selbst  werden  dabei  sein  wollen,  wie  sie  sich  ja  zu  Schweinfurt  sehr
beklagt  haben,  dass  man  nach  Heidelberg,  Speier  und  Worms  nicht  alle
Städte  beschrieben  habe,  so  wird  es  schwer  fallen,  bei  der  Union
‚u  solch  einem  engeren  Ausschuss  zu  gelangen,  ja  man  wird  vielleicht
dadurch  nur  noch  ınehr  Mistrauen  erregen  ;  doch  soll  sich  der  Herzog
bei  Baden  und  andern  desbalb  genauer  unterrichten.

11.  Vom  schweinfurter  Tag  sind  verschiedene  Punkte  auf  den  bevorstehenden
  Tag  verschoben  worden!  und  zwar  1.  das  Rechnungswesen.
Der  Heızog  hat  seine  Rechnungen  längst  eingeschickt  und  sollen  Reichau
und  Gomer  der  Rechnungsabbörung  beiwohnen.  —  2.  DieGravamina  der
Städte:°  In  Schweinfurt  wurde  beschlossen,  keinen  Ob.rsten  anzunehmen,
bevor  er  nicht  wegen  allfälliger  Schäden  Kaution  geleistet  hat;  auch  auf
eine  engere  Kriegsverfassung  nach  dem  Muster  der  Staaten  wollte  man
bedacht  sein.  —  Wenn  die  Städte  ihre  Beschwerden  gegen  die  beiden
Markgrafen  wieder  vorbringen,  so  wird  man  den  Beschwerdeführern
zusprechen  und  sie  auf  künftige  Verbesserung  vertrösten  müssen.  Sollten
Baden  und  Ansbach  dabei  ihre  Befehle  resignieren,  so  wäre  das  ganze
Werk  Fürst  Christian  aufzntragen  oder  er  wenigstens  zu  ersuchen,
die  Oberst[!]leutnantsstelle  nochmals  anzunehmen.  —  Wegen  des  Kriegsrats
  ist  das  zu  Heilbronn  Beschlossene  in  Schweinfurt  approbiert
worden,  dass  nämlich  im  Felde  Ansbach,  Baden  und  Anhalt  als  Generale
den  Rat  führen,  ihuen  aber  von  Pfalz  und  Brandenburg  je  einer,  von
Württennberg,  Hessen  und  Oettingen  zusammen  zwei  und  zwei
Kriegsiäte  von  den  Städten  zugeordnet  werden  sollen,  was  also  neun
Vota  ergibt.  —  Das  Proviant-  und  Pfennigmeisteramt  ist  den  Städten
anvertraut;  da  sie  bisher  keinen  Mann  dazu  nambaft  gemacht  haben,
so  hat  man  jetzt  ihren  Vorschlag  zu  vernehmen.  Die  Stände  insgesamt
baben  auch  einen  Komn!issar  vorzuschlagen  ;  Württemberg  wird  sich  deshalb
nıit  den  andern  Ständen  vergleichen.  —  Der  Bericht  Brandenburgs  und
Hessens  wegen  Behandlung  der  Stände  im  sächsischen  Kreis  ist  zu
erwarten,  ebenso  der  Anhalts  wegen  Frankreich,  England,  Dänemark
und  wegen  der  Staaten  und  das  Gutachten  der  Stände  wegen  der
gräflichen  Voten.

III.  Wie  hat  man  sich  der  Union  zu  bedienen?  Der  Beschluss
des  schweinfurter  Unionstags  ist,  soweit  er  Württemberg  betrifft,  dem

!  Vgl.  no.  118.
?  Vgl.  no.  107  und  no.  235.
        <pb n="702" />
        Juli  26.

Juli  27.

680  1611  292  —293.

kleinen  Ausschuss  der  Landschaft  vorgehalten  worden;  doch  war
bei  demselben  wegen  der  1000  geworbenen  Knechte  nichts  zu  erhalten,
so  dass  es  bei  den  bewilligten  2000  Mann  Untertanen  und  180  Pferden
bleiben  muss.  Die  aufgetragene  nachbarliche  Vergleichung  unter
den  Ständen  an  der  Donau  hat  man  abzuwarten  und  dann  das
corpus  defensivum  an  beiden  Strömen  anzustellen.  Dabei  ist  zu
bedenken,  ob  man  nicht  den  ober-  und  niederelsässischen  Verein
beiziehen  soll,  wie  unser  Herr  schon  bei  Zweibrücken  und  Baden  un
Anregung  gebracht  hat.  Wegen  des  vom  Herzog  zu  Schweinfurt
vorgeschlagenen  Magazins  wird  man  beim  Unionstag  die  weiter
Erklärung  abwarten  müssen.  Wegen  des  willstätter  Akkords  ist
jetzt  dahin  zu  sehen,  dass  Erzherzog  Leopold  ihn  ratifiziert  oder  den
Unierten  Dagstein  restituiert.  Zu  der  von  Kurbrandenburg  b+*
gehrten  Assistenz  zum  polnischen  Reichstag!  wird  man  sich  gewisser
Personen  „ufs  ingezogenst‘“  zu  vergleichen  haben.

Wie  das  Ansuchen  des  genfer  Gesandten  um  Hilfe  oder  Geld
vorschuss  zu  beantworten  ist,2  ist  sehr  zweifelhaft,  namentlich  im
Hinblick  auf  die  grossen  Auslagen  der  Union  und  auf  die  Schwierigkeit,
zu  einem  Vorrat  zu  gelangen.  Obwol  dem  Herzog  wegen  Mömpelgard
mebr  als  andern  daran  gelegen  ist  und  man  die  Stadt  wegen  de
Passes  nicht  ausser  Acht  lassen  darf,  so  wird  man  doch  ausweichend
antworten  müssen,  dass  die  Union  jetzt  mit  grossen  Ausgaben  beladen
sei;  sollte  es  aber  zu  einer  Belagerung  kommen  und  würden  die
Unierten  davon  zeitlich  verständigt,  so  werde  man  sich  zur  Zufrieden
heit  erweisen.  1611,  16.  julii.

Stg.,  Unionsaota,  tom.  X.,  f.  218;  Kpt.  von  Faber,  —  $.  234;  Or.®

293.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  RudolflII.

Ich  erfahre,  dass  E.  M.'  meinen  lieben  Getreuen  Heinrich  von  Güntende
zu  Kurbrandenburg  abfertigen  und  durch  ihn  den  Kurfürsten  zu
Standhaftigkeit  und  Affektion  gegen  E.  M.'  ermahnen  lassen  wollen.
Ich  halte  dies  für  gut  und  nützlich  und  möchte  dabei  meine  Dienst
erweisen.  Nun  hat  der  Kurfürst  mir  unlängst  mitteilen  lassen,‘  das
er  sich  in  einigen  Wochen  nach  Preussen  begeben  werde.  Ich  babe
es  ihm  widerraten;  denn  ich  besorge,  dass,  wenn  er  dahin  reist,  er

!  Vgl.  no.  245.

3  Vgl.  no.  288,  S.  668,  Anm.  2.

3  Das  Gutachten,  das  zur  Information  des  Herzogs  dienen  sollte,  ist
vom  Grafen  Eberstein,  Engelshofen,  Buwinckhausen  und  Faber  unterzeichnet.
M.  Ritter,  Politik  und  Geschichte  der  Union,  führt  sie  a.  a.  O.,  S.  106  sa

‘Am  en  schreibt  Kurbrandenburg  an  Kursachsen,  dass  er  wege:

der  Ausschreibung  dos  polnischen  Reichstags  den  Kurfürstentag  nicht  persönlich
besuchen  und  auch  seine  Räte  nicht  von  sich  lassen  werde  können;  daber
wäre  eine  Vertagung  des  Kurfürstentags  das  Beste  (Drs.,  I.  7387,  II.  Bad
Kurfürstentags,  f.  1;  Or.).
        <pb n="703" />
        293  —  294.  1611  681

sobald  nichtzurüäckkommen  und  auch  den  Kurfürstentag  nicht  besuchen
wird,  wodurch  wieder  Verzögerung  verursacht  würde.  Um  dies  zu  verhüten,
erinnere  ich  E.  Mt,  den  Kurfürsten  durch  Günterode  ersuchen  zu
lassen,  die  geplante  Reise  einzustellen  und  den  Kurfürstentag  (den
Kurwainz  alsbald  wieder  ausschreiben  wird)!  persönlich  zu  besuchen.  —
Da  ich  ferner  bemerke,  dass  vom  König  von  Ungarn  auf  die  zwischen  E.  M.'
und  ihm  „der  brüderlichen  reconciliation  halben  vorhergegangene
tractation  des  endlichen  schlusses  wegen  in  E.  M.'  gedrungen
werden  will,“  so  gebe  ich  E.  M.'  unmassgeblich  zu  bedenken,  ob  Sie
bei  derselben  Schickung  nicht  auch  davon  Mitteilung  machen  und  von
Kurbrandenburg  begehren  sollten,  mit  mir  den  König  schriftlich  zu
erinnern,  dass  er,  weil  bei  dieser  Verhandlung  Punkte  vorkämen,  die
nicht  zunächst  E.  M.!  sondern  das  kurfürstliche  Kollegium’  angiengen,
weshalb  E.  M.*  hierin  nichts  schliessen  könnten,  wegen  des  Schlusses
nicht  in  E.  M.'  dringen  sondern  auf  den  Kurfürstentag  und  der  Kurfürsten
  Resolution  warten  möge.  Ich  hoffe,  dass  Kurbrandenburg  sich
akkomodieren  wird  und  will  ich  es  an  Erinnerungen  bei  ihm  nicht
fehlen  lassen  und  alles  befördern,  was  zu  E.  M.*  und  des  Reiches
Gedeihen  gereicht.  Datum  Dressden  am  17.  julii  anno  1611.  —
Praes.  29.  julii  1611.

Wh.,  Reichstagsakten  in  genere,  Bd.  84b;  —  Or.

204,  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  die  Kurfürsten  von
Trier,  Köln,  Sachsen  und  Brandenburg,  jedem
besonders,

Durch  das  Ableben  des  Kurfürsten  Christian  II.  von  Sachsen  ist
der  auf  den  17.  Juli  nach  Mühlhausen  ausgeschriebene  Kurfürstentag
zerschlagen  worden.  Als  Erzkanzler  und  gemäss  dem  Kurverein  haben  wir
uns  mit  dem  neuen  Kurfürsten  Johann  Georg  von  Sachsen  wegen  der  bei
jetziger  Zeit  unumgänglich  nötigen  Reassumtion  des  Tages  in  Verbindung
gesetzt.  Dessen  Antwort  finden  E.  L.  in  der  Beilage.”  Da  man  demnach
vor  dem  9.  Oktober  nicht  zur  Reassumtion  gelangen  wird,  so  bezeichnen
wir  diesen  Tag  als  neuen  Termin,  an  den  E.  L.  persönlich  zu  Mühlhausen
ankommen  mögen,  um  am  nächsten  Tage  die  Beratungen  der  im  vorigen
Ausschreiben  spezifizierten  Punkte  und  der  noch  dazu  kommenden  zu  beginnen.
  E.L.  wollen  auch  ihre  Räte  wieder  acht  bis  zehn  Tage  vorher
vorausschicken,  um  den  Justizpunkt  vorzuberaten.  Damit  diese  Vorberatung
  um  so  erspriesslicher  wird,  haben  wir  vom  Kurfürsten  von
Sachsen  laut  beiliegendem  Schreiben  vom  18.  Juli  ein  Gutachten?

—  en

!  Vgl.  no.  294.
®  No.  286.
®  Vgl.  no.  273,  S.  629,  Anm.  1.

Juli  27.

Juli  28.
        <pb n="704" />
        Juli  28.

Juli  28.

682  1611  294  -  295.

begehrt,  ob  der  Administrator  dor  Kurpfalz  zu  beschreiben  sei  ;  denn  es  ist  zu
besorgen,  dass,  falls  dies  unterbleibt,  die  kurbrandenburgischen  Räte
diesmal  ebenso  wie  letzthin  wegbleiben  möchten.!  Sobald  die  Erklärung
des  Kurfürsten  von  Sachsen  eintrifft,  wollen  wir  sie  E.  L.  mitteilen.
Datum  Aschaffenburg  28.  julii  1611.

Wnz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  114;  Kpt.3

295.  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Neuburg  an  die
unierten  Stände  (ausser  Kurpfalz  und  Zweibrücken).

Die  Bemühungen  einiger  Unierter,  den  Administrationsstreit
beizulegen,  waren  trotz  unserer  Bereitwilligkeit  vergeblich,  weil  der
Gegner  die  Sache  mit  Gewalt  durchdrücken  und  uns  an  das  langwierige
  Recht  weisen  will.  Es  hat  sich  aber  auch  Pfalzgraf  Johann  unter
dem  Vorwand  eines  Administrators  unterstanden,  als  angemasster  Direktor
der  Union  BEE.  LL.  und  Euch  zuzumuten,  unter  seiner  Direktion  zu  Schweinfurt
  zusammenzukommen,  welchem  Bessinnen  wir  aber  durch  Schreiben  und
Schickung  widersprochen  und  dabei  dargetan  haben,  warum  wir  uns  diesem
Direktorium  nicht  unterwerfen  können.  Wir  haben  daranf  gehofft,  es
werde  der  Gegner  nicht  mehr  zur  Ausschreibung  eines  Unionstags
schreiten  noch  EE.  LI.  und  Ihr  Euch  zu  einem  solchem  vermögen  lassen;
dennochsind  EE.  T,L.etc.  wieder  solcher  Ausschreibuag  gefolgt.  ZurWahrung
unserer  Rechte  ersuchen  wir  daher  EE.  I  T,.  etc.  abermals,  diesem  übel  ausgeschriebenen
  Unionstag  unter  Herzog  Johanns  Direktorium  entweder
gar  nicht  statt  zu  tun,  wieder  von  einander  zu  ziehen  und  sich  gegen
uns  als  den  rechtmässigen  Administrator  der  Gebühr  nach  zu  orweisen
oder  sich  wenigstens  für  so  lange  aller  Beratungen  zu  entschlagen,
bis  dieser  Praejudizialpunkt  erledigt  ist.  Ums  wurde  ja  berichtet,
dass  die  zu  Schweinfurt  versammelten  Unierten  sich  hätten  vernebmen
lassen:  wenn  sie  dio  Schwierigkeit  wegen  des  strittigen  Direktoriums  vorher
gekannt  hätten,  so  hätten  sie  sich  vor  Richtigmachung  dieses  Punktz3
nicht  dahin  begeben  und  wurde  unsern  Räten  zugemutet,  sich
nur  dies  eine  mal  den  vorgeschlagenen  Mitteln  zu  bequemen.*  Ohne
solche  vorausgehende  Regelung  köonen  wir  daher  nicht  finden,  wie
dieser  Unionstag  ohne  unser  höchstes  Praejudiz  zu  seinem  Ziel  gelangen
  könnte.  Dazu  werden  aber  EE.  LL.  ete.  es  nicht  kommen

!  Kurmainz  schreibt  am  28.  Juli  nochmals  an  Kursachsen  wegen  des
Administrators,  der  sich  über  die  vorgeschlagene  Art  der  Beschreibung
seiner  Person  in  die  Nähe  der  Nialstatt  beschwere,  und  gibt  zu  bedenken,
ob  man  unter  solchen  Umständen  nicht  lieber  auf  die  Vorausschickung  der
Räte  ganz  verzichten  solle  (Wınz.,  a.  a.  O.,  no.  115;  Kpt.).

?  Gleichzeitig  zeigt  der  Kurfürst  von  Mainz  dem  Kaiser  die  Reassumtion
an  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  117;  Kpt.).

®  Vgl.  no.  40,  S.  92,  Aum.  2.

*  Vgl.  das  Protokoll  der  schweinfurter  Verhandlungen  in  no.  100.
        <pb n="705" />
        295.  1611  683

lassen,  die  Sie  vermöge  der  Union  verbunden  sind,  uns  bei  unserm  Recht  Juli  28.
zu  handhaben  und  uns  nicht  von  dem  andern  Teil  beschweren  zu  lassen.
EE.  LL.  etc.  haben  zwar  bisher  Bedenken  getragen,  die  Hauptsache
selbst  anzuregen,  doch  sehen  wir  nicht,  wie  Sie  beim  Unionstag  ihr  ausweichen
  wollen,  wenn  Herzog  Johann  von  EE.  LL.  etc.  das  Direktorium
begehrt  und  Sie  cs  ihm  gestatten;  denn  das  Direktorium  der  Union  ist
von  der  kurpfälzischen  Administration  unzertrennlich,  man  erbiete  sich
auch  gleich  zu  einer  solchen  Trennung.  Der  unverbindliche  schweinfurter
Abschied  zeigt  auch  im  Wortlaut,  dass  darin  allenthalben  zur  Schädigung
der  Hauptsache  und  wider  die  goldene  Bulle  Herzog  Johann  als  kurfürstlicher
  Administrator  gesetzt  und  ihm  die  Expedition  so  hoher  Sachen
anvertraut  wird,  wie  niemals  unter  dem  verstorbenen  Kurfürsten  geschehen
  ist.  -—  EE.LL.  etc.  haben  desto  mehr  Ursache,  sich  diesem
unbefugten  Direktorium  zu  entziehen,  da  Sie  uns  stets  Dero  Neutralität
zugesichert  haben,  die  aber  nicht  bestehen  kann,  wenn  Herzog  Jobann
die  Direktion  gegeben  und  wir  allein  auf  eine  schlechte  Protestation
wie  im  schweinfurter  Abschied  verwiesen  werden,  während  doch  Kaiser
und  Kurfürsten  so  behutsam  in  der  Sache  gehen  und  Herzog  Johann  trotz
aller  Anstrengungen  nicht  zum  Kurfürstentag  beschrieben  wird.!  Dem  sollen
EE.  LL.  etc.  in  Unionssachen,  was  das  Direktorium  betrifft,  nachfolgen.  —
Wir  versehen  uns  also  von  EE.  Ll.  etc.  als  von  unsern  Mitunierten,
die  wir  einander  zur  Erhaltung  der  Reichsgesetze  und  der  eigenen
Rechte  verpflichtet  sind,  dass  Ihr  Euch  nicht  dem  Invasor  durch
Auftragung  der  vornehnsten  Befugnisse  submittiert  und  uns,  den
rechten  Administrator,  vor  die  Türe  setzt.  Wird  der  Punkt  wegen
der  Direktion  auf  billigem  Weg  zu  unserer  Zufriedenheit  richtig  gemacht,
so  erbieten  wir  uns,  gemeinem  Wesen  zu  Gutem  uns  der  Unionsvergleichung
  gemäss  zu  erzeigen,  wie  wir  denn  auch  für  Schweinfurt
mit  den  Rechnungen  und  sonst  gefasst  gewesen  waren,  und  werden  wir
es  sicherlich  an  Beförderung  des  Wolstandes  der  Union  nicht  fehlen  lassen.
Eben  darum  haben  wir  uns  so  vielfach  zu  unpraejudizierlichen  Interimsmitteln
  wegen  des  Virektoriums  erboten,  da  wir  leicht  voraussehen
konnten,  zu  welchem  Verzug  und  Trennung  in  der  Union  der  Streit  um  das
Direktorium  gereichen  könnte.  Es  ist  daher  EE.  LI.  etc.  umso  mehr
daran  gelegen,  diesen  Praejudizialpunkt  wegzuschaffen.

Würde  wider  Erwarten  der  Unionstag  unter  dem  gegnerischen
Direktorium  wirklich  fortgehen  und  wir  wieder  zurückgesetzt  werden,  so
werden  wir,  wie  wir  hiemit  ausdrücklich  erklären,  auf  eineandere  Resolution
denken  müssen;?  ausserdem  soll  uns  Dero  Submission  an  unsern
unzweifelbaften  Rechten  ohne  Schaden  sein  und  halten  wir  uns  durch

—_  0  un.

’  Vgl.  dagegen  no.  211,  no.  273,  S.  629,  Anm.  1  und  no.  294.

?  Schon  um  diese  Zeit  tauchen  und  zwar  in  Holland  die  ersten  Gerüchte
auf,  dass  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  die  Union  verlassen  und  in  die  Liga
eintreten  wolle  (Johann  Barthold  von  Wonsheim,  Statthalter  in  Cleve,  an  den
Pfalzgrafen  Philipp  Ludwig  am  18.28.  Juli;  Mb.,  343/25;  —  Or.).
        <pb n="706" />
        684  1611  295—  2%.

Juli  282,  das  unter  solchem  Direktorium  Verabschiedete  nicht  verbunden,  zumal

Juli  29.

ohnehin  nur  bei  ergänztem  Unionskolleg  und  in  aller  Gegenwart
richtige  und  verbindliche  Sachen  zu  verbindlichem  Schluss  gebracht
werden  können.  Wir  erwarten  darauf  vor  aller  sonstigen  Unions-Proposition
  und  Traktation  kategorische  Antwort.  Datum  Neuburg  an
der  Thonau  den  18.  julii  a  1611.

Ka.,  Kurpfalz,  Generalia,  no.  5303;  —  Kopie.!

296.  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  an  den  von
Sachsen.

Da  der  Kurfürstentag  nächstens  wieder  ausgeschrieben  werden
soll,  können  wir  E.  L.  nicht  verhalten,  dass  wir  für  gewiss  erfahren
haben,  dass  die  geistlichen  Kurfürsten  ganz  unverhohlen  grosse  und
wichtige  Dinge  unter  sich  verhandeln  in  der  Meinung,  dass  sie,
auch  wenn  wir  beide  zusammenhalten,  Maiora  machen  und  alle
durchsetzen  können,  da  wegen  Neuburgs  Widerspruch  im  Administrationsstreit
  der  Administrator  der  Kurpfalz  von  der  Tagung
ausgeschlossen  bleiben  soll.  Diese  Nachricht  wird  noch  durch  die
Ankunft  des  spanischen  Gesandten  beim  Kurfürstentag,°  wovon  man
seit  langem  spricht,  nicht  wenig  bestärkt.

Wir  hören  dies  sehr  ungern;  denn  wir  würden  bedauern,
wenn  zu  unseren  Zeiten  etwas  vorgehen  sollte,  was  der  so  teuer
erworbenen  deutschen  Freiheit  in  Lewissens-  und  Profansachen  entgegen
wäre.  Wir  wissen  auch  E.  L.  bei  Antritt  Ihres  kurfürstlichen
Regiments’  gleichmässig  gesinnt  und  haben  daher  Derselben  davon
vertrauliche  Mitteilung  gemacht  und  bitten  Sie  um  Gutachten,  wie  man
dem  abhelfen  könnte.  Wir  für  uns  finden  kein  anderes  Mittel  als  vor  aller
andern  Handlung  auf  Ergänzung  des  kurfürstlichen  Kollegs
und  auf  Admission  des  Administrators  zu  gehen;  dadurch  würde  der
Intent  der  Geistlichen  gebrochen,  könnten  wir  Paria  machen  und
bliebe  man  auch  beim  alten  Herkommen;  denn  nichts  ist  gemeinem
Wesen  schädlicker  und  den  Reichsgesetzen  widriger  als  bei  unergänztem
  Kolleg  auf  so  wichtige  Handlungen  einzugehen.  Dazu  hat
der  Administrator  das  kurfürstliche  Testament  für  sich  und  ist
ausser  Streit,  wenn  nicht  Testamente  von  Kurfürsten  ungiltiger  sein
sollen  als  die  des  gemeinen  Mannes,  dass  es  bei  solchem  Testament,  so
lange  es  nicht  mit  Recht  umgestossen  werden  kann,  zu  lassen  sei,  zumal
auch  der  Kaiser  seine  Bestätigung  erteilt  hat.  Es  ist  auch  der
Administrator  im  Besitz  der  Tutel  und  Adıninistration,  wird  vom
ganzen  Land  und  vielen  Potentaten  und  Fürsten  in  und  ausserhalb
des  Reiches  als  Administrator  anerkannt  und  ist  ihm  von  Land  und

!  Wegen  der  Antwort  vgl.  unten  no.  305,  8.  728,  Aum.  2.
?  Vgl.  no.  207,  S.  496,  Anm.  1.
        <pb n="707" />
        296.  1611  685

Leuten  gehuldigt  worden;  auch  haben  die  geistlichen  Kurfürsten
ihn  zu  den  Zusammenkünften  der  rheinischen  Kurfürsten  zugelassen.
  Es  wäre  daher  allem  Recht  entgegen,  wenn  man  den
Administrator  bei  diesem  Kurfürstentag  bei  Seite  liesse  und  ihn
seines  Besitzes  ohne  rechtmässige  Erkenntnis  entsetzte,  was  wir
weltliche  Kurfürsten  wegen  der  Konsequenzen  nicht  -s0o  leicht  zugeben
dürfen;  denn  wenn  blosser  Widerspruch  an  der  Ausübung  der  Possession
verhindern  kann,  so  ist  niemand  mehr  in  seiner  Succession  in
die  kurfürstliche  Würde  sicher,  da  stets  ein  Widersprecher  aufzubringen
  sein  wird,  der  ihm  mit  vergeblichem  Streit  Zeit  seines  Lebens
zu  schaffen  machen  kann.  Das  wäre  aber  eine  ganz  gefährliche  Neuerung,
zu  der  noch  das  Absurde  käme,  dass  ein  Kurfürst  nicht  Macht
haben  solle,  seine  Kinder  mit  einem  getreuen  Vormund  zu  versorgen,
sondern  stets,  auch  wider  seinen  Willen,  an  den  nächsten  Agnaten
gebunden  wäre;  da  es  oft  gerade  zwischen  den  nächsten  Vettern  tötlichen
Hass  und  Feindschaft  gibt,  so  müsste  er  seine  unmändigen  Kinder
und  was  er  auf  Erden  lieb  gehabt,  seinem  ärgsten  Feind  anvertrauen,
was  gegen  alle  natfrliche  Vernunft  und  Billigkeit  liefe  und  was  sich
die  weltlichen  Fürsten  nimmer  aufdringen  lassen  dürften.  Wir  kennen
die  goldene  Bulle  ganz  wol;  wenn  wir  aber  bedenken,  welch  grosse
Freiheiten  das  gemeine  geschriebene  Recht  den  testamentarischen
Vormundschaften  einräumt  und  dass  die  goldene  Bulle  solche  Vormundschaften
  nicht  ausdrücklich  aufbebt,  so  können  wir  nimmer  glauben,
dass  durch  die  Bulle  den  Kurfürsten  verboten  sein  soll,  testamentarische
  Vormünder  zu  setzen.  Wenn  der  jetzige  Kaiser  nicht
derselben  Meinung  wäre,  hätte  er  das  Testament  des  Kurfürsten
Friedrich  IV.  nimmer  bestätigt;  denn  es  wäre  gegen  die  kaiserlichen
Kapitulationen,  etwas  zu  bestätigen,  was  der  goldenen  Bulle  abbrüchig
ist.  Und  wie  dem  allem  auch  sein  mag,  schliesslich  muss  der  Possessor,
bis  der  betreffende  Passus  der  goldenen  Bulle  durch  den  Kaiser  und
die  Reichsstände  erläutert  ist,  in  seinem  Besitz  gelassen  werden.

Wir  wiederholen  darum  bei  E.L.  obige  Bitte  und  halten  auch  für  gut,
an  Kurmainz  ein  Gesamtschreiben  unser  beider  ergehen  zu  lassen,  worin
wir  S.  L,  dies  alles  vorstellen  und  ihn  bitten,  den  Administrator  zum
Kurfürstentag  zu  beschreiben,  falls  es  nicht  schon  geschehen  ist;
sonst  wäre  zu  besorgen,  dass  diese  Sache  uns  sehr  lange  aufhalten,
#  zur  Zerschlagung  des  Kurfürstentags  führen  könnte,  womit  Kaiser
und  Reich  bei  den  jetzigen  Läufen  wenig  gedient  wäre.  Wir  aber  dürfen
bei  der  Posterität  nicht  den  Verweis  auf  uns  laden,  dass  wir  schweigend
so  gefährliche  Neuerungen  einführen  liessen.  Wir  erbitten  hierüber
Dero  Gutachten.  Geben  auf  unserm  hause  zum  Quartzschen  am
19.  Juli  1611.

De.,  A  9a,  I  a;  no.  79,  —  Kopie.!

ı  Am  8./13.  Juli  hatte  der  Administrator  der  Kurpfalz  den  Kurfürsten
von  Brandenburg  ersucht,  beim  neuen  Kurfürsten  von  Sachsen  wegen  seiner

Juli  29.
        <pb n="708" />
        Juli  29.

686  1611  29%.

297.  Der  Markgraf  von  Ansbach  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

„Zu  des  graffen  von  Linar!  wiederkunfft,  der  itzo  alhier  ber
mihr,  hab  ich  mit  sonderem  contento  verstanden,  das  E.  I  aicht
allein  seine  bey  Deroselben  abgelegte  werbungk  wollgemeindt  auffge
nommen  sondern  sich  auch  in  puncto  der  ksl.  M.!  itzigen  bekummerlichen
  zustandt  vndt  schmelerungk  dero  vnndt  des  reichs  hocheitt
disscursweis  so  weidt  vermercken  lassen,  das  Sie  nochmals  daruor
haltenn,  das  von  dem  konig  vndt  stenden  den  sachen  in  etwas  zuuill
geschehenn,  daber  es  dem  reich  verkleinerich,  auch  an  ihm  sellst
vouerandtwort'ich,  das  I.  rom.  ksl.  M.*  von  den  stenden  des  reichs
in  diesen  beschwerlichen  zustandt  gelassen  werden.  Wie  sich  nuhn
E.  L.  versichern  mogenn,  das,  so  viell  mir  bewust,  sich  iderman
vndt  alle  stendt  hierraussenn  sich  in  dieser  meinungk  mit  E.  L.
conformiren,  also  wiell  ich  auch  meinestheils  auff  diesen  vnionsthagk,
so  vbermorgen  seinen  ahnfangk  gewinnen  würdt,  mich  dahin  beinuhen,
damit  vnser  schlus  E.  L.  vernunffitigen  gedancken  ilın  allen  gleich
sein  magk,  wie  Sie  dan  desselben  von  mihr  zeitlich  sollen  auisirt
werden.  Alleine  wurdt  es  an  dem  mercklichen  beruhen,  darrin  den
E.  L.  die  meiste  befurderungk  erweisen  können,  das  man  sich  erstlich
mit  der  wahl  des  römischen  konigs  nicht  vbereill,?  in  sonderheit
mit  nomination  der  pershon;  dan  wan  dasselbige  vorjhehen  solte,  wurden
die  stendt  ehrstlich  zu  keiner  contribution,  vill  weiniger  secours  auf
einen  notfall  zu  bringen  sein;  2.  die  autoritet  vndt  respect,  so
I.  ksl.  M.'  noch  bey  dero  getreuen  stenden,  wurde  mercklich  fallen,
dan  es  ohne  das  naturlich,  das  man  mehr  die  auffjhehende  als
niederjhehende  sonne  achtet;  3.  des  konigs  pershon  halber,  soldt  die
wahl  auff  ihn  kömmen,  wurden  vill  stendt  ihn  reich,  auch  andere,
so  neue  priuilegia  zu  gewarten,  auch  sonsten  mehr  fauor  als  recht
in  ihren  sachen  bedurffen,  gantz  vom  konig  dependiren,  dardarch
I.  ksl.  M.'  alle  mittel  benommen,  dero  autoritet  wieder  zu  recuperiren.
So  wurden  I.  ksl.  M.‘,  dar  sie  noch  weiter  angefochten  vndt  bedrange:
werden  solten,  sich  nicht  mainteniren  konnen;  dan  vill  den  kunfftigen
kaiser  nicht  werden  offendiren  wollen.  Solte  dan  die  wahl  auf
einenn  anderen  fallenn,  wurd  er,  konig  von  Ungarn,  bey  zeit  vhrsach

Beschreibung  zum  Kurfürstentag  zu  unterbauen,  wobei  Kurbrandenburg  die
wesentlichsten  der  obigen  Argumente  unter  den  Fuss  gegeben  werden  (Ma,
647/14,  £.  156;  Kpt.  von  Hausmann).

'  Vgl.  no.  28,  S.  70,  Anm.  1,  wo  abor  statt  Ilarkgraf  Christian  von
Culmbach  Markgrat  Joachim  Ernst  von  Ansbach  zu  lesen  ist.  Geizkofler  weiss
am  20.  Juli  dem  Erzherzog  Maximiliau  zu  berichten,  dass  Jder  Kaiser  mit
l,ynar,  dessen  Vater  ein  welscher  Baumeister  des  Kurfürsten  von  Brandenburg
gewesen  sei,  wegen  des  Eintritts  in  den  kaiserlichen  Dienst  vorhandeln  lasse
(Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Juli  1611,  no.  36,  Or.).

®  Vgl.  no.  292,  S.  674,  Anm.  1.
        <pb n="709" />
        297—298.  1611  687

bekommen,  auff  andere  mittel  zu  gedencken,  dartzu  ihm  dan  Spanien  Juli  23.
vodt  bast  [!]  gern  wurden  behulfflich  sein  vndt  wurde  der  respect,
so  der  konig  vndt  bomische  stende  auffs  reich,  auch  fallen;  darher
mir  deucht,  das  es  vorträglicher,  das  es  noch  in  suspenso  gelassen  werdt.
Zum  2.  leudt  die  itzo  vorjhehende  vergleichungk  des  kaisers
vndt  des  konigs  mercklich  ihn  wehge,  dan  durch  dieselbe  alle  sachen
in  einen  anderen  standt  kömmen  wurden.  Ich  kan  meines  theils
nicht  seben,  wie  die  vergleichungk  mit  reputation  des  kaisers  könne
gemacht  werden;  zudem  es  dem  reich  nicht  weinigk  verckleinerich,
das  uicht  chur-  vnd  fursten  sonder  der  spannische  gesahnte  darrunter
tractiren.  Meines  erachtens  wehre  I.  ksl.  M.'  reputierlicher,  das  sie
bierrünnen  sich  nicht  vbereiltenn;  inmittelst  wurden  sie  erfahren,
was  sie  sich  zu  dero  reichsstenden  zu  uersehen  hetten:  dan  der
churfürsten-thagk,  ingleichen  der  vnionsthagk  der  sachen  eine  erleuchternuss
  jheben  werden.  Welches  so  vor  dismalıl  meino  geringe

gedancken  .  .  .“  Datum  Ahnspach  den  19.  julüi  [1611].
Drs.,  I.  73887,  Il.  Buch  Kurfürstentags,  f.  111;  Or.  eigh.!

298.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  den  Kurfürsten  Juli  30
von  Sachsen.

Stellt  seinen  Besuch  in  Aussicht.  „Ich  hette  wol  gehofft,  das
Dein  erinnerungsschreiben  ?  soltte  so  viel  gewirckt  haben,  das  man  den
genzlichen  schlus  zwischen  I.  ksl.  M!  vnd  dem  konige  bis  auff
den  churfurstentagk  hette  verschiben  sollen.  Es  hatt  aber  alles  erinnern
vnd  contradiciren  nicht  verfangen  mogen  sondern  haben  rotunde
schlislich  sich  dahin  erklertt,  wofern  I.  M.®  nicht  schlissen  wurden,
das  alsdan  der  konig  wider  seinen  willen  wurde  gezwungen  werden,
das  zu  exequiren,  was  ihm  landtage  geschlossen,  das  sie  dan  dahin
expliciret:  1.  das  man  I.  M.'  ein  gewisses  deputat,  nemblich  wocheutlich
  zwelffhundertt  fl.  verordnen,  2.  alle  herschafften  einzihen  vnd
verkauffen,  3.  I.  ksl.  M.'!  stercker  verwachen,  4.  die  kaiserlichen
rethe  alle  ihns  schlos  verweissen  wurde.

Also  hat  man  ferner  tractiren  mussen  vnd  ist  also  die  sache
so  weit  grathen,  das  man  ahnitzo  ahn  dem  ist,  das  maus  zu  papir
bringe  vnd  ist  dahin  abgehandeltt:  1.  Das  so  lange  I.  M.'  alhie  zu

ı  Der  Kurfürst  erwidert  am  a  Er  freut  sich,  in  der  durch

Lynar  vorgebrachten  Sache  mit  dem  Markgrafen  einig  zu  sein  und  hofft,

ıdıe  Unionsstande  werden  ihre  Gedanken  auf  das  Beste  des  Kaisers  richten

und  sich  gegen  die  kaiserlichen  Kommissarien  aller  Gebühr  erweisen;  da

durch  «das  kaiserliche  Dekret  im  Administrationsstreit  (vgl.  unten  no.  302)

das  kurfürstliche  Kolleg  wieder  ergänzt  ist,  so  wird  hoffentlich  alles  in

bessern  Stand  kommen  (Be.,  Rep.  88,  Unionsacta,  tom.  XXII.,  f.  215;  Or.).
?  An  Matthias,  no.  279.
        <pb n="710" />
        Juli  30.

Juli  30.

688  1611  298—299.

pleiben  vermeinen,  sol  ihr  die  residenz  allein  verpleiben  ihm  schlos:
wan  aber  der  konig  zur  stelle,  wirdet  ehr  sich  ihn  den  ertzherzogischen
zimmern  vnd  rosenbergischen  hausse  begnugen  lassen  vnd  sol  der
schloshauptman  I.  M.'  sowol  als  dem  konig  mitt  pflicht  vod  eyden
verwantt  sein  vnd  bleibt  die  oberstelle  den  kaiserlichen  retbe  vnd
diener.  2.  Die  jurisdietion  sol  I.  M.'  verpleiben  ihn  allen  drever
stetten,  wie  I.  M.'  dieselbe  ihn  allen  reichstetten  haben  vnd  werden
sich  beyderseitts  marschalken  der  quartir  halben  vergleichen.  3.  Der
punkt,  das  die  regirung  ihn  I.  M.'  namen  soll  gefurett  werden,  ist
bis  auff  den  landttag  verschoben;  daselbst  wil  es  der  konig  proponiren.
4.  Zum  vnderhalt  ist  gewilliget  300  000  fil.,  die  herschafft  Bardewitzs,
Brandeys,  Lissa,  Bschorhoff  vnd  solhe  ohne  schulden;  auf  Benateck
wirdett  noch  gehandeltt  vnd  mogen  I.  ksl.  M.'  auff  solhe  herschafften
anticipiren  200000  fl.  vnd  mit  dieselbigen  nach  ihrem  willen
disponiren.  So  werden  auch  I.  M.'  gefolgett  die  100000  Al
schlesingische  donatiff,  auch  die  102000  fl.  beheimische  donatiff.

Ob  es  noch  wol  an  etzlichen  puncten  hafftett,  verhoffe  ich  doch,
es  soll  zu  gutem  wegk  gerichtet  werden!  Wen  es  zu  genzlichem
schlus  komptt,  wil  ich  es  dann  alsobaltt  zu  wissen  thun.  Man  mus
sich  alles  in  die  zeitt  schiken,  weyl  sie  stercker  als  wir  itzo  sein,
mehr  schimps  und  insolenz  zu  verhutten.  So  vil  Dein  schreiben  anlangett,
  ist  schon  ihm  geheimen  rahtt  vorgewesen  vnd  ihn  den  reichahoffrahtt
  remittirt  vnd  wirdet  daselbst  auff  kunfftigem  montag  verhoffentlich
expedirt  werden.  Sol  an  meinem  fleis  vnd  befurderung  nichts  ermanglen
  vnd  thue  etc.  Datum  Prage  den  20.  juli  a.  1611.“

Dras,,  1.  7387,  II.  Buch  Kurfürstentags,  f.  87;  Or.  eigh.?

299.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

Wenzel  von  Kinsky  ist  schon  seit  längerer  Zeit  auf  seinen
von  Matthias  ihm  gescbenkten  Gütern,  deshalb  habe  ich  von  dem
spanischen  Ross,  um  das  Kinsky  durch  mich  bei  E.  fl.  D.!  angehalten
hat,  nichts  weiter  gehört.  „Sonst  vermainet  don  Baltlazar,  das

ı  Vgl.  Hammer-Purgstall,  Khlesis  Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,
no.  837.  —  Gegen  Adam  Freiherrn  von  Wolkenstein  klagte  am  gleichen  Tag
der  Herzog  von  Braunschweig  über  die  grosse  Mühe,  die  beiden  Brüder
zusammenzubringen;  er  könne  nicht  jedermann  Recht  tun,  „insonderheit  dem
Clössel  und  Kuhnen;  aber  Gott  werde  solche  leut  zue  seiner  zeit  strafen*
(Wolkenstein  an  Erzherzog  Maximilian  am  30.  Juli  aus  Prag;  Ib.,  Ambraser
Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  13,  Or.  eigh.).

Juli
°  .  .
Der  Kurfürst  erwidert  am  5  Kommt  Er  erwartet  des  Herzogs  Ankunft

  mit  Begier.  Dass  sein  Schreiben  an  den  König  nicht  die  gewünschte
Wirkung  gehabt  hat  sondern  in  den  Kaiser  noch  heftiger  gedrungen  wird,
muss  er  nach  Gelegenheit  der  Sache  und  nach  dem  widrigen  „Humor*
einiger  Leute  dahin  gestellt  sein  lassen.  Man  möge  aber  den  Vertrag  so
verklausulieren,  dass  ihm  ohne  ferneres  Disputieren  nachgelebt  und  künftige
Verbitterung  vermieden  werden  kann  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  93;  Kptkopie).
        <pb n="711" />
        299.  1611  689

solches  bei  ihm  nit  ubel  angewendet  were,  den  er  ja  dem  hause  zum
besten  gethan,  was  geschehn  und  sei  auf  Don  Baltasars  rat  geschehn,!
das  er  in  der  alten  statt  Prag  hinuber  gefallen  und  dieselbe  erhalten
bis  zu  des  kunigs  ankunft,  sonst  hetten  die  Böhmen  ainen  andern
frembden  ausser  den  hause  zu  ihrem  kunig  welen  und  aufwerfen
durfen.‘“

Am  26.  habe  ich  E.  fl.D.'  Glückwunsch  an  König  Matthias  übergeben.
  Am  27.  hat  der  Herzog  von  Braunschweig  zum  ersten
Mal  im  geheimen  Rat  präsidiert.  Er  soll  den  ganzen  Hofstaat
reformieren  wollen,  „modo  se  primum  reformaret.‘“?  Leuchtenberg
ist  jetzt  als  Privatmann  hier  und  dringt  sehr  auf  Anweisung  der
80  000  fi.  Gnadengeld.

Vom  24.  bis  28.  Juli  haben  die  Verordneten  des  Kaisers
und  des  Königs  täglich  bei  Zuniga  verhandelt.  Am  28.  ist  beschlossen
  worden,  dass,  weil  nur  noch  Geringfügiges  zu  erledigen  sei,
Wacker  und  Krenberg  das  Verglichene  zu  Papier  bringen  sollten,  um
es  dann  beiden  Herrschern  vorzulegen.  „Den  abent  hat  mir  her  Ernst
von  Molart  geklagt,  das  der  von  Braunschweig  den  Wenzel  Kinski
ohne  vorwissen  der  andern  gehaimen  räte  in  1.  M.'  namen  mit  heinlicher
  commission  an  den  churfürsten  von  Sachsen  und  Hannewald  abgefertigt,
  welches  er  und  die  andere  gehaime  räte  sehr  hoch  entpfinden.
Diss  habe  allein  der  secretari  Hertel  zue  wege  gebracht.  Ist  also
zue  besorgen,  das  regiment  werde  auf  die  weise  nit  lange  bestehen.
Barvitius  .  ...  .  metnit  (quod  iam  aliquoties  mihi  dixit),  ne  Caesar
ad  apostasiam  declinet.‘“  ?

Am  29.  habe  ich  ein  Schreiben  des  Kurfürsten  von  Mainz
erhalten,  worin  dieser  mitteilt,  „das  fürst  Christian  zu  Anhalt
bei  ihm  gewesen  und  allerhand  ursachen  zue  seiner  entschuldigung
furgewendet,  worumb  er  sich  der  gülchischen  länder  so  weit  habe
angenommen  und  sonst  vile  mit  derselben  geredet,  so  sie  der  feder
nicht  vertrauen  dürfen.  Trauen  ihm  aber  nit,  brauchen  dise  worte:
»Geschichts,  man  sichts.  Jam  ante  ictus  sapit«.‘‘1

‘  Ueber  die  Beziehungen  Zunigas  zu  Wonzel  Kinsky  vgl.  no.  68  mit
Anm.  1  auf  8.  145,  no.  88  und  no.  251  mit  Anm.  1  auf  8.  588.

*  Der  Wandel  des  Braunschweigers  in  Prag  war  nicht  sehr  erbaulich  ;
schın  am  10.  Januar  1611  berichtete  Bodenius  an  seinen  Herrn:  Braunschweig
  sei  hier  schon  ziemlich  bekannt,  besonders  dem  Frauenzimmer,
namentlich  aber  der  Tochter  des  Herrn  von  Berlichingen  (Mc.,  Entstehung,
UL,  Fasz.  26,  f.  11;  Or.  eigh.).  —  Geizkofler  liess  sich  von  dem  lothringischen
Gesandten  Vateuil,  der  auf  der  Rückreise  von  Prag  in  Haunsheim  einkehrte,
über  den  ärgerlichen,  leichtfertigen  und  unfürstlichen  Wandel  des  Herzogs
von  Braunschweig  erzählen,  der  auch  Schwarzkünstler  und  Teufelsbanner
aus  Frankreich  nach  Prag  berufen  habe  (Geizkofler  an  Erzherzog  Maximilian

an  FE  Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  15;  Or.).

®  Vgl.  no.  256,  no.  281,  S.  649,  Anm.  2  und  unten  no.  302,

*  Vgl.  no.  278.

Briefe  u.  Akten  des  drelssigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  44

Juli  30.
        <pb n="712" />
        Juli  30.

Juli  30.

690  1611  299-300

„Der  secretari  Hertel  ist  heut  nach  Dresden  verraiset;  dessen
commission  ist,  dem  neuen  churfursten  wegen  seiner  so  gueten  treuen
erklerung  zu  danken  und  bei  solcher  intention  zu  beharren  adhortiren.
Der  Hannewald  ziht  von  Dresden  nach  Mainz,  den  churfurstentag  zu
befurdern.  Der  obrister  Trautmansdorf  wird  zum  churfursten  von
Brandenburg  geschickt,  denselben  zue  ersuchen,  das  er  in  der  persmn
dem  churfurstentag  beiwohnen  wölle.“!  Prag  den  30.  julii  1611.

Bre.,  Becröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  114;  eigh.  Or.

300.  Hans  Reichard  Brömser  an  den  Kuarfürsten  von
Mainz.

Ich  freue  mich,  dass  der  Kurfürst  von  Sachsen  sich  so  wol
erklärt  hat?  und  hoffe,  dass  dem  Erbieten  auch  wirklich  nachgesetzt
werden  wird,  „inmassen  ich  dan  davor  halte  und  waiss,  dass  mat.
so  viel  den  konig  in  Ungarn  betrift,  derends  so  weit  gangen  und
sich  mehr  als  E.  chfl.  Gn.  vertieft  und  abgoworfen  hat  3  und  als
nicht  wol  die  rechnung  zue  machen  oder  sich  zue  befahren,  das
man  numehr  dahien  inclinieren  werde,  da  dannen  man  weniges  farors
zue  gewarten,  es  wolle  dan  E.  chfl.  Gn.  und  andere  deren  mitchurfursten
  auss  vorfallenden  ursachen  sich  enderen,  auf  welchen  fall
man  sich  doch  auch  bei  Saxen  zuversichtig  Keiner  absonderung  oder
praejudicirlichen  vorantwort  vermoge  voriger  vertrostung  zue  besorgen.
Die  affection  ad  primam  literam  [Albert]  ist  mir  an  deme  ort  so  viel
beksnt,  dass  ich  mir  keinen  zweifel  daran  mache;?  zue  dem  anderen
buchstaben  M  [Maximilian]  hat  man  derends  gar  keinen  lust  wnl
befrembdet  mich,  was  Pf[alz]  darzue  bewoge,5  aldeweil  gewiss  ist,  dass
Rudolphus  so  wenig  dahien  als  zue  dem  anderen  mit  willen  verstehen
werde.“  Ich  hoffe  von  Gerstenberg  bald  Gewisseres  zu  erfahren;  mh
habe  ihn  am  22,  um  Mitteilung  gebeten,  was  er  bei  der  vorg*
gangenen  Veränderung  für  Neigung  zum  ersten  Buchstaben  bemerke.

Der  Kaiser  und  der  König  sollen  nach  den  Zeitungen  endlich  verglichen
  und  der  Kaiser  entschlossen  sein,  in  Prag  zu  bleiben  ;  ander
wieder  sagen,  er  habe  alles  auf  das  Gutachten  der  Kurfürsten  verschoben.
Aus  dem  Schreiben  des  Vizckanzlers  [Stralendorf  d.  A.]  sehe  ich,  dass  er
das  Bleiben  des  Kaisers  für  gewiss  hält.  Ich  gönne  es  dem  Kaiser
gern;  aber  mich  dünkt,  es  wird  ohne  Praejudiz  und  Verkleineraag

 Kaiserliche  Beglaubigung  für  Hannewald  und  Hertel  vom  29.  Jub
(Drs.,  1.  7387,  II.  Buch  Kurfürstentags,  f.  79;  Or...  ‚Wegen  des  Zwecs
der  Schickung  vgl.  unten  no.  307.  Bodenius  berichtet  am  1.  August  au
Herzog  Maximilian,  die  Schiekung  Trautmannsdorfs  vorursache  viel  Nachdenken;
man  denke  an  heimliche  Praktiken  wegen  Dänemark  und  dass  die  Protestanten
seiner  Zeit  den  Dänenkönig  als  Nachfolger  des  Kaisers  proklamieren  möchten
(Me.,  Entstehung,  Fasz.  Ill.,  no.  26,  f.  133;  Or.  eigh.);  vgl.  no.  292.

”  Vgl.  no.  286.

’  Vgl.  no.  279.

“  Vgl.  no.  264,  no.  268  mit  Anm.  2  auf  S.  620  und  no.  280.
®  Vgl.  no.  273.
        <pb n="713" />
        300  —301.  1611  691

des  Reichs  und  der  Stände,  besonders  der  katholischen,  nicht  abgehen,  Juli  30.

zunal  wenn  der  unordentliche  Lauf  des  jetzigen  Regiments  und  das
Vorhaben  der  Praktikanten  nicht  alsbald  gehemmt  wird.  Ich  höre  daher
von  derlangen  Verschiebung  des  Kurfürstentags  ungern:  „die  kinder
der  finsternus  sein  schleier  als  die  kinder  des  lichts  und  feieret  der
ohnruig  gaist  nicht.“  Ich  sah  heute  Schreiben,  worin  der  Landgraf
Moriz  sein  Befremden  ausdrückt,  dass  weder  den  Landgrafen  noch
den  andern  Herzogen  von  Sachsen  das  Ableben  des  Kurfürsten
notifiziert  worden  sei.  Dass  mit  diesem  Todesfall  das  schönbergische
Direktorium  !  ein  Ende  hat,  habe  ich  mir  längst  gedacht,  da  ich  sah,
dass  Schönberg  beim  jetzigen  Herrn  und  fast  bei  allen  vornehnen

leuten  ‚in  üblem  Willen“  ist.  Datum  Schwalbach  den  30.  julii,

a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  31.  juli  a.  1611.

Wimz.,  Korrespondenz,  Bd.  1;  —  Or,  eigh.

301.  Kaiserliches  Dekret  an  Kurpfalz  in  der  Administrationssache.


Was  der  kuspfälzische  Gesandte  Hippolyt  von  Colli  wegen  der
kurpfälzischen  Kuratel  und  Administration  vorgebracht  hat,  ist
dem  Kaiser  berichtet  worden.”  Der  Kaiser  verschiebt  zwar  den  Austrag
der  Hauptsache  bis  zum  Eintreffen  des  Gutachtens  sämtlicher  Kurfürsten,
erklärt  aber:  da  wegen  des  bevorstehenden  Kurfürsteutags  zur
Ergäuzung  des  kurfürstlichen  Kollegiums  Guwissheit  nötig  ist,  wie  68
inzwischen  bis  zu  gütlicher  oder  rechtlicher  Beilegung  des  Streites
mit  Pfalzgraf  Johann  „als  kraft  der  kaiserlichen  confirmation  befundeneu
ruigen  possessorn  der  Churpfalz  land  und  leut‘  gehalten  werden
solle,  so  hat  es  (besonders  da  die  meisten  Kurfürsten  auch  dahin
neigen)  bei  der  dem  Kurfürsten  Friedrich  IV.  im  Jahr  1607  erteilten
kaiserlichen  Bestätigung  des  Testaments  nochmals  zu  verbleiben  und
kann  kraft  derselben  Pfalzgraf  Johann  (doch  olıne  Abbruch  etwaiger
besserer  Rechte  eines  andern)  bis  zur  Entscheidung  der  Sache  dem

!  (Gemeint  ist  der  Präsident  des  kursächsischen  geheimen  Rats,  Kaspar
von  Schönberg  auf  Gürigk.

°  Colli  hatte  ausserdem  um  Belehnung  des  minderjährigen  Kurfürsten
nachgesucht,  der  Kaiser  aber  am  28.  Juli  erklärt,  darüber  erst  die  Kurfürsten
hören  zu  müssen  (Ma.,  301/17,  f.  70;  Kopie).  Colli  durfte  in  der  Antwort  darauf,
in  der  er  die  Bodenken  dcs  Kaisers  zu  zerstreuen  sucht  und  zugleich  günstige  Erledigung
  seines  Ansuchens  in  der  Administrationssache  empfiehlt,  bemerken,  dass
er  davon  Anlass  haben  wer  !.,  darüber  beim  rotenburger  Unionstag  in  einer
dem  Kaisor  besonders  erspriesslichen  Weise  zu  berichten;  würde  es  sich  aber  an
diesem  Punkt  [Anerkeunung  des  Administratorse]  stossen  unı  dadurch  die
gemeine  Wolfahrt  verhindert  werden,  so  wolle  er,  Colli,  vor  Gott  und  Welt
entschuldigt  sein  (Colli  an  Rudolf  II.,  ohne  Datum;  Mpb.,  343/24  [also  aus
dem  neuburgischen  Archiv),  f.  12;  Kopie).

44*

Juli  30.
        <pb n="714" />
        Juli  30.

692  1611  1.

kurfürstlichen  Kollegium  und  allen  kurfürstlichen  Akten  beiwohnen.
Signatum  zu  Prag  den  30.  julii  a.  1611.
Wınz.,  Reiehstagsakten,  Bd.  104,.no.  166;  Kopie.!

i  Das  Dekret  ist  in  lateinischer  Ueberarbeitung  gedruckt  bei  Johannes

Zeschlin,  De  tutela  electorali,  Lauingae  1613,  pag.  507.  Am  26.  Jdli

5.  August
gab  der  Administrator  den  Kurfürsten  von  obigem  Dakret  Kenntnis  und  re.te
bei  Kursachsen  und  bei  Kurbrandenburg  eine  persönliche  Zusammenkunft  der
weltlichen  Kurfürsten  oder  wenigstens  ihrer  Räte  an  (Administratoran  Kursachses  ;
Ma.,  547/14,  f£.181;  Ept.  —  an  Kurmainz,  ebenda,  f  178;  Kpt.,  —  Admini
strator  an  Kurmainz;  Wmz,,  a.  a.  O.,  no.174;  Or).  Kurmainz  antwortete  au
9.  August  mit  der  Beschreibun  :  des  Administrators  zum  Kurfürstentag  (Wmz,,
a  a.  0.  no.  158;  Kpt.)..  —  Gros:  war  dagegen  die  Erbitterung  bei  dee
Neuburgern,  denen  der  kaiser  obiges  Dekret  am  13.  August  mitteilen  liess
(Drs.,  1.  7387,  If.  Buch  Kurfürstentags,  f.  178;  Kopie).  Einer  der  Aubänger
des  neuburgischen  Hauses,  Dr.  Simon  Toeimaon  in  Augsburg,  schreibt  am
27.  August  an  den  neuburgischen  Kanzler  Dr.  Froelich,  dass  auch  ansehnliche
  kaiserliche  und  fürstliche  Räte,  selbst  katholische,  mit  dem  Dekre
unzufrieden  seien  und  wässten,  „durch  was  kreuter  solch  remediam  zuwege

ebracht  worden,  so  gleichwol  in  kainem  herbario  graeco  vel  latino  su

finden;  sagen  dabeneben,  wann  68  zum  fall  geraichte,  das  4  augen  in
Myrtillet  [Heidelberg]  zugiengen,  man  wurde  eadem  distillatoria  arte  eusserstes
tlieiss  anwenden,  in  possessoria  suooessione  zu  verbleiben,  quod  omen  Deus
avertat“;  käme  es  wieder  zu  einer  Vormundschaft  wie  zu  Zeiten  Casimirs,  ®
würde  den  Gegnern  das  wieder  Uurecht  sein  müssen,  was  sie  jetzt  „monlicitas®
verfechten.  „His  neınpe  mysteriis  et  Romanus  papatus  ad  tantum  fastigium
pervenit,  cuius  exemplum  imitari  et  vestigia  sequi  ad  potentiam  in  orle
adipiscendam  plurimum  contulit“  (Mb.,  387/20'/,,  f.  6;  Or.  eigh.).

Die  neuburgischen  Gesandten  überreichten  gleich  darauf  dem  Kaiser  eis
Protestationsschrift  mit  der  Bitte,  das  Dekret  zu  kassieren  und  Pfalsgraf
Johann  weder  zu  bel.hnen,  noch  ihm  Jen  Titel  eines  Administrators  zu  geben  (Ka.,
Kurpfalz,  Generulia,  00.5303;  —  Kopie).  Schon  am13  August  hatte  der  Pfalıgraf
den  Kurfürsten  von  Mainz  um  dessen  Intervention  in  der  Administrationssache
ersucht  (Ka.,  a.a.  O.;  Kopie)  und  als  dies  nichts  fruchtete,  ja  die  Beschreibung
des  Administratore  zum  Kurfürstentag  bekannt  wurde,  richtete
Philipp  Ludwig  am  2,/12.September  zunächst  an  Kurmainz,  sodann  an  die  beiden
anderen  geistlichen  Kurfürsten  die  Aufforderung,  die  Beschreibung  des  Admisistrators,
  die  auf  grund  eines  erschlichenen  Dekrets  erfolgt  sei,  rückgängig  m
machen  oder  sie  nur  ad  audiendam  senteutiam  declaratoriam  zu  verstehen.  iha
gleichfalls  zu  beschreiben  und  den  Streit  vor  jeder  andern  Handlung  beim  Kurfürstentag
  zu  erledigen.  Das  gleiche  Ansuchen  richtete  der  Pfalzgraf  durch  G*
sandte  auch  an  den  Kaiser  (Ka.,a.a.O.;  Kptkopie).  —  Diese  Gesandten,  Hugolt
Beer  und  Dr.  Silbermann,  wussten  ihrem  Herrn  zu  berichten,  dass  der  Kaiser  vos
jenem  Dekret  gar  nichts  wisse.  Ihr  Gewährsmann  „Sidonius*  [entweder  Christoph
Pflug  oder  Martin  Hastal,  der  aber  von  den  Neuburgern  sonst  Favoaius
genannt  wird)  sei  im  Gespräch  mit  dem  Kaiser  wegen  der  Abfertigung
des  französischen  Gesandien  Baugy  auch  auf  die  Beschleunigung  des  Kurfürstentags,
  die  der  Kaiser  gern  sehe,  zu  reden  gekommen  ;  Bidonins  habe
dabei  einfliessen  lassen,  Kurköln  werde  sich  dazu  nicht  verstehen,  weil  ma2
in  der  Administrationssache  so  voreilig  gehandelt  habe;  als  der  Kaiser
darauf  Bericht  begehrt  und  Sidonius  ihm  denselben  gegeben  habe,  habt
jener  erklärt,  er  wisse  von  dem  Dekret  gar  nichts  (Schreiben  Beers  und
Silbermanns  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  vom  7./17.  September;  Me.,  no.  85/5;  —
Kopie;  vgl.  dagegen  no.350,  wonach  Gün  e  in  Anspruch  nahm,  das  Deitt
erwirkt  zu  haben  und  Kurkölu  dazu  sogar  geraten  haben  soll).  Auch  der
Reichsvizekanzler  Stralendorf  sagte  am  5./15.  November  zu  Dr.  Silbermaan:
        <pb n="715" />
        302—303.  1611  693

302.  Hippolyt  von  Colli  an  Fürst  Christian  von
Anhalt.

Hinweis  auf  das  Schreiben  an  den  Administrator.!  Ich  hätte
gewünscht,  beim  Kaiser  wegen  des  Administrationsstreits
noch  mehr  zu  erreichen;  aber  man  muss  sich  nach  Gestalt  der
Sachen  damit  zufrieden  geben;  da  sie  einmal  A  gesagt  haben,
werden  sie  auch  B,  C,  D  sagen.  Viel  hat  die  Autorität  E.  Exz.
geholfen;  Günterode  kam  eben  rechtzeitig  an,  um  noch  Hand  anzulegen.
  „Il  se  plaint  que  Cloesel  a  semö  par  ceste  court,  que
luy  estant  l’autre  iour  a  Anspach,  il  a  maintenu  a  msgr.  le  marquis
et  a  V,  Exc.,  que  l’empereur  n’estoit  ny  bon  Espagnol  ny  bon
Papiste.  Il  en  est  mary  sui  et  Caesaris  causa.  quamvis  rem  non  neget.“?
E.  Exz.  werden  wol  ein  Mittel  ausdenken,  um  das  Geschehene  beim
Kaiser  zu  entschuldigen.  Der  Kaiser  zeigte  sich  E.  Exz.  ausserordentlich
  wol  gesinnt  und  wünschte  Gelegenheit  zu  haben.  „de  Luy
erweissen  ein  rechtschaffen  freundstuck.“  FE.  Exz.  sind  hier  in  Wahrheit
ausserordentlich  geehrt  und  geliebt  von  Hohen  und  Niedern.  Der  Administrator
  wird  den  kaiserlichen  Kommissarien  Geizkofler  und  Westernach
zu  Rotenburg  gewiss  so  entgegenkommen,  dass  sie  Anlass  zu  guten
Berichten  haben.  In  drei  bis  vier  Tagen  reise  ich  nach  Dresden  ab.  De
Prague  ce  21.  de  juillet  1611.  —  Praes.  Rotenburg  25.  julii  1611.

Bbg.,  A9a,  no.  107,  f.  88;  Or,  eigh.

303.  „Bedenken  rom.  ksl.  Mt  und  des  heil.  reichs
zustands  a.  1611.“

„Was  es  umb  I.  ksl.  M.‘  und  die  cron  Böheimb  itziger  zeit
vor  einen  zustand  hat,  das  ist  menniglichen  bekant  und  wissend
und  obwoln  die  ursachen  solcher  grossen  vorenderung  theils  am  tage,  die
übrigen  auch  leicht  zu  deduciren,  so  sinds  doch  nunmehr  geschehene
dinge,  die  an  sich  selbst  nit  zu  wiederbringen  stehen.  Damit  aber
aber  auch  das  ganze  reich  und  gemeines  vaterland  nit  grösser  unheil,
schaden  und  verderb  doraus  zu  gewarten  habe,  so  ist  anjezo  wol
zu  bedenken,  wie  man  sich  dabei  zu  verhalten:

Wir  haben  zwei  vornehme  subiecta  vor  uns,  dorauf  alle  publica
consilia  nunmehr  gerichtet  werden  müssen,  den  kaiser  und  den  konig
in  Boheimb  und  Ungarn;  beeden  konnen  wir  propter  diversitatem
er  wisse  von  dem  Dekret  nichts  und  habe  es  nicht  gegengezeichnet,  es
mfisse  ein  kaiserliches  Handschreiben  erpraktiziert  worden  sein  (Silbermann
an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  9.119.  November;  Me.,  no  85/2;  —  Kopie).

'ı  Vom  gleichen  Tag:  Mitteilung  über  den  Stand  der  brüderlichen
Vergleichung  und  über  die  Bemühungen,  das  kaiserliche  Dekret  vom  30.  Juli
zu  erlangen.  Braunschweig  hat  sich  dabei  wol  erzeigt  und  (rünterode  sich
sehr  bemüht,  Wacker  und  Hertel  erwarten  eine  Danksagung.  Der  König
wird  dem  Administrator  gratulieren,  „quod  more  solito,  wan  es  einem  anfengt
  wol  zu  gehen,  plares  facient“  (Mb.,  101/45;  —  Or.  eigh.).

®  Vgl.  no.  299  mit  Anm.  3  auf  S  689.

Juli  31.

(Juli.]
        <pb n="716" />
        (Juli.

694  1611  303.

zugleich  nit  assistiren  sondern  müssen  einem  allein  beistehen  oder
ein  solch  medium  finden,  damit  beede  contentiret  werden  können.
Das  eine  ist  gefehrlich,  das  ander  schwer  und  misslich;  den  gleich
wie  man  ex  parte  der  evangelischen  stende  gewisslich  noch  nit  sagen
kann,  welchem  teil  am  sichersten  zu  trauen  sei,  bevorab  wenn  aufs
königs  theil  die  anteacta  in  Österreich  und  Mehren  und  seine  vornembste
  räthe  und  officirer,  die  anietzo  das  regiment  führen,  und
andere  umbstende  mehr  betrachtet  werden,  also  ist  auch  aus  dei
vorigen  zwischen  I.  M.®  und  ihme  gepflogenen  tractationibus  geringe
hoffnung  verbanden,  dass  zwischen  ihnen  beeden  ein  annemblich
vorgleichungsmittel  getroffen  werden  könne  Es  muss  aber  endlichen
solchos  alles  aus  augen  gesezet  und  allein  des  heil.  reiche  reputation
und  wolfart  in  consideration  genommen  werden.

Die  reputation  bestehet  darinne,  das  wir  unser  haubt  und  von
Gott  furgesezte  ordentliche  obrigkeit  mit  höchstem  ihrem  und  unseren
schimpf,  spot  und  nachteil  nit  degradiren  lassen;  die  wolfart  aber
des  gemeinen  vaterlandes  erfordert,  dass  alle  bisshero  furgefallene
unertregliche  mengel  in  geistlichen  uni  prophansachen  abgeschaffen,
die  liebe  justicia  wieder  aufgerichtet  und  uberall  gut  heilsa  ıb  regiment
bestellet  und  gefuhret  werde.  —  Wenn  nun  diss  furgesezte  ziel
erreichet  und  darbei  beede,  der  kaiser  und  konig,  contentiret  werden
könten,  so  möchte  es  wohl  das  rechte  gluckselige  medium  concludend:
heissen.  Ob  nun  wol  hieran  nit  wenig  gezweifelt  wird,  so  mus
man  doch  desswegen  nit  underlassen,  einen  versuch  zu  thuen  et
patriae  debita  officia  zu  praestiren,  zuversichtiglich  es  werde  der
allerhöchste  eine  solche  gute  redliche  intention  väterlich  prosperiren
und  nit  allerdings  ler  und  ohne  frucht  abgehen  lassen.

Der  kaiser,  wie  vorgemelt,  ist  unser  höchste  obrigkeit,  die  wir  in
itzigen  nöten  und  bedrangnus  weder  mit  ehren  noch  gutem  gewissen  verlassen
  können.  Die  mengel,  so  bei  seiner  regierun;e  etliche  viel  jar  herv
vorgangen,  sind  gross,  wichtig  und  zum  theil  unertreglich  gewesen,  vielmals
  I.  M.'  fur  augen  gestelt,  aber  nie  nit  corrigiret  worden.  Nun
ist  kein  zweifel,  I.  M.'  wurden  sich  uf  eriunerung  der  interessirten
reichsstende  anitzo  zuo  allen  billichen  dingen  leichtlich  und  gem
accommodiren  und  denselben  in  ihren  gravaminibus  gute  satisfaction
erweisen,  damit  sie  nur  bei  dero  kaiserlichen  stand  und  reputation
bleiben  und  erhalten  werden  möchten.  Wenn  man  aber  an  einem  ort
gleichwol  I.  M.'  alter  und  am  andern  das  considerirt,  das  derselben
nunmehr  beede  königreich  Ungarn  und  Böheimb  entzogen  sind  und
dero  kaiserlicher  underhalt  forthin  dem  reiche  allein  obliegen  und
ausszurichten  schwer  fallen  werde,  so  will  fast  dohin  geschlossen
werden,  dass  es  am  besten  sei,  dass  I.  M.'  mit  reputation  das  keiserthumb
  resigniren  und  sich  ihres  theils  zu  ruhe  begeben.!  Tind
damit  solches  desto  mehr  mit  I.  M.!  und  des  reichs  eheren  und  guter
satisfaction  zugehe,  s0  muste  sowol  zur  resignirang  als  abhelfung

'  Vgl.  no.  275  und  Anm.  2  auf  S.  63H.
        <pb n="717" />
        303.  1611  695

der  bishero  geclagten  gravaminum  ein  allgemeiner  reichstag  ausgeschrieben
  und  gehalten,  inzwischen  aber  mit  dem  konig  und
behmischen  stenden  dahin  gehandelt  werden,  dass  sie  I.  ksl.  M.!
usque  ad  comitia  zue  Praga  nit  allein  verbleiben  sondern  auch  die
regierung  noch  bis  dahin  entweder  lediglich  oder  mit  zuordnung  des
konigs  fuhren  liessen  und  uberall  gebuerlichen  respectirten,  auch
hernacher  zun  abzug  mit  keinen  derogleichen  unbillichen  und  fast
schimpflichen  anmuthungen,  wie  alberait  geschehen,  beschwerten.  Und
obwol  solches  etwas  schwer  zugehen  möchte,  so  ist  doch  kein  zweifel,
wenn  chur-  und  fursten  im  reich  disfalls  zusammensezen  und  conlunctis
  viribus  et  consiliis  das  werk  undernehmen,  es  werde  beim
konig  multis  rationibus  leicht  zu  erhalten  und  endlichen  bei  den
stenden  mit  zuthuung  des  konigs  dohin  auch  wohl  zu  richten  sein.

Anregende  des  konigs  personen  ist  sich  bei  und  gegen  demselben
auch  gar  wol  vorzusehen:  denn  erstlich  so  ist  noch  in  frischer
gedechtnuus,  wie  er  sich  hiebevor  nach  erlangter  ungarischen  cron
gegen  den  evangelischen  stenden  in  Ungarn,  Osterreich  und  Mehren
erzeigt;  vors  ander  wird  darfur  gehalten,  dass  er  seiner  gar  nicht
mechtig  sei  sondern  totus  a  nutu  et  consilio  seiner  vornembsten
oflieirer  dependire.!  Weil  aber  dieselben  ja  so  schedliche  und  böse
leute  als  die  kaiserliche  ministri  bisshero  nimmehr  gewesen,  so  ist
gut  zu  erachten,  was  vor  besserung  zu  hoffen  ;  wie  dann  desswegen
in  Böheimb  alberait  factiones  entstehen  und  die  erfolgte  crönung  dem
grosten  theil  wieder  bereuben  soll.  Zum  dritten  soll  der  konig  auch
gar  ein  schwacher  herr  sein  und  das  ansehen  haben,  dass  der  kaiser
ihn  noch  wol  uberleben  möchte.  Und  zu  setzen,  dass  er  allerdings
jung,  gesund  und  stark  were,  so  ists  gleichwol  vors  vierte  weniger
nicht,  dass  er  gegen  seinem  herru  bruder  grosse  und  starke  excess
begangen,  dobei  es  vieleicht  so  nicht  bleiben  sondern  ihme  desswegen
noch  fort  zugesetzt  werden  möchte.  Begäbe  sich  nun  mit  ihme  ein
unvorsehener  fall,  so  wurde  es  praesertim  vivente  adhuc  Rudolpho
ohne  neue  und  grosse  verenderunge  abernals  nit  abgehen.  Berowegen
dann  bei  vielen  noch  in  zweifel  gestellet  wirdet,  ob  man  sich  nit
vielmehr  dahin  zu  bemuhen  ursach  habe,  das  der  itzige  kaiser,  jedoch
mit  vorgehender  abhelfunge  aller  beschwerden  und  guter  satisfaction
der  stende,  zeit  seines  lebens  bei  der  cron  Böheimb  und  dem  reiche
designato  novo  rege  Romano  erhalten  werde,  denn  das  vivente  ipso
der  Matthias  darzue  gelassen  werden  solte.  Woferne  es  aber  endlichen
aus  erheblichen  und  wichtigen  ursachen  je  nit  anders  sein  kann,  so

—-  ee  —_—

ı  Vgl.  no.  117,  S.  288,  Anm.  5,  no  169,  no.  200,  no.  222,  8.  524,
Anm.  1,  no.  256,  no.  263,  no.  273  und  die  Zusammenstellung  bei  A.  Chroust,
Abraham  von  Dohna,  8.  220,  Anm.  1;  vgl.  auch  Gindely,  Geschichte  dos
dreissigjährigen  Krieges,  1.,  1.,  Prag  1869,  S.  3;  A.  Huber,  (reschichte
Oesterreichs,  V.,  8.  31;  M.  Ritter,  Deutsche  Geschichte  im  Zeitalter  der
Gegenreiormation,  1I.,  8.  376  und  den  Artikel  Khleel  in  der  Allgemeinen
Deutschen  Biographie.

(Juli.]
        <pb n="718" />
        (Juli.]

August  1.

696  1611  303  —%04.

wird  dabei  alles  dasjenige,  was  oben  bei  des  kaisers  person  angedeutet,
hiehero  in  acht  zu  nehmen  und  der  konig  anders  nit  dan  ordinaria
via  durch  wahl  der  churfursten,  wie  es  im  reich  herkommen,  zus  admittiren,
  fur  allen  dingen  aber  und  so  viel  nur  immer  möglich  es  dahin
zu  richten  sein,  dass  die  resignirung  des  kaiserthumbs  cuımn  reputatione,
gutem  willen  und  vorhergehender  abhelfungeder  reichsgravaminum
zugebe  und  der  neue  angehende  kaiser  solches  alles  festiglich  zu
halten  und  erfolgen  verspreche.

Wie  hochnötig  es  nun  sei,  dass  sich  chur-  und  fursten  im  reich
des  kaisers  und  alles  dessen,  was  eine  zeit  hero  vorgangen,  anncehmea
und  Jarunder  weder  zeit  noch  gelegenheit  mehr  verabseumen,  das  ist
aus  obigem  allen  gnugsamb  abzunehmen  und  will  damit  umb  so  viel
weniger  zu  feiren  sein,  dieweil  man  die  gewisse  nachrichtung  hat,
dass  I.  M.‘  aus  Böheimb  eilen  und  sich  förderlichst  naher  Regenspurg
begeben  wollen,  welches  dann  viel  gute  cousilia  verhindern  und  umlbstossen,
  auch  den  zustand  nur  beschwerlicher  marhen  wurde.  Nun
kömpt  obangeregter  consideration  sehr  wol  zu  statten,  der  itzo  vorstehende
unions-  wie  auch  negchstvolgende  angestellte  churfurstentag,
und  gleichwie  ohn  das  bei  der  unirten  stende  vorsamblung,  dabei  sich
zweene  churfursten  des  reichs  befinden,  von  diesem  allen  zweifelsfrei
notwendige  deliberation  gehalten  werden  wird,  als  wurde  auch  zu  sehr
grosser  und  guter  correspondeuz  dienen  und  dem  gemeinem  wesen
nit  wenig  vortreglich  sein,  wenn  I.  chfl.  Gn.  zue  Sachsen  durch  eine
abordnung,  die  ohne  das  in  den  gülichischen  sachen  von  nöten,  bei
den  unirten  stenden  wegen  I.  ksl.  M.‘  und  des  reichs  itzigen  zustands
gute  erinnerung  thuen  liessen.

Der  liebe  Gott  verleihe  uberall  sana  et  salutaria  consilia,  die
einzig  dahin  gerichtet  sein,  dass  friede  und  ruhe  im  heiligen  reich
erhalten,  desselben  authoritet  und  reputation  conserviret  und  dessen
ansehnliche  vires  vielmehr  gegen  den  erbfeind  gebraucht  werden
mögen  ;  denn  dass  wir  uns  selbst  unter  einander  enerviren,  ruinirn
und  damit  endlichen  dem  erbfeinde  und  andern  das  schwert  wiedk
uns  selbsten  in  die  hende  geben  sollen.“

Dre.,  1.  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags,  f.  81;  Kopie.

304.  Melchior  Kblesl  an  Erzherzog  Maximilian,

Auf  das  Schreiben  vom  24.  Juli.!  Ich  freue  mich,  dass  E.  D!
sich  meinen  Einfall  gefallen  lassen  und  soll  es  seiner  Zeit  auch  darnach
gerichtet  werden,  wenn  wir  nur  Erzherzog  Albrecht  dazu  überreden,  wozu
E.  D.'  viel  tun  können.  Was  die  Mitteilung  der  Avisen  anlangt,

!  Khlesl  hatte  durch  ein  Schreiben  vom  12.  Juli  dem  Ersherzog  wegen
der  gefährlichen  Konfoederation  der  Erblande  [vgl  no.  284,  S.  658]  eine  per
sönlicbe  Zusammenkunft  aller  österreichischen  Erzherzoge  vorgeschlagen,
welchen  Vorschlag  der  Erzherzog  in  dem  Schreiben  vom  24.  Juli  (Ib,
Maximilinnische  Hofkonzepte  im  Juli  1611,  no.  37;  Kpt.)  annimmt.
        <pb n="719" />
        304—305.  1611  697

„sein  die  Caluinisten  soliche  leuth,  dergleiohen  die  welt  nit  hatt.“  August  1.
Anhalt  handelt  seit  einigen  Monaten  vertraulich  mit  dem  König,  aber
ebenso,  nur  anders  in  der  Materie,  mit  dem  Kaiser.  ,„Diser  leuth  aller
intention  ist  ein  interregnum  zu  machen  vnd  das  vicariat  zu  practicieren
  vnd  villeicht  dass  hauss  Oesterreich  niderzuhalten.!  Das
mitl  ergreifen  sy  mit  denen  Catholischen  vud  Lutherischen,  nämblich
die  authoritet  des  kaiseıs  zu  erhalten;  dise  hab  ein  andere,  die
Caluinisten  widerumb  ein  andere  intention,  allein  das  bäde  thail  das
miti  und  schein  von  der  authoritet  nemen.  Die  Caluinisten  werden  die
election  eines  romischen  künigs  billichen,  aber  diser  zeitt  derhalben
widerrathen,  damit  es  der  authoritet  I.  ksl.  M.*  nicht  praeiudicire
vnd  man  mit  disem  actu  electionis  I.  ksl.  M.'  nit  degradier  vnd
zuuerstehen  gebe,  das  IL.  ksl.M.'  irer  vntaugligkhait  halben  in  gegenwerdige
  confusion  gfallen.  Wan  nun  bäde  thail  die  authoritat
zu  erhalten  sich  vergleichen,  so  haben  die  Caluinisten  vil  ein  bössereu
pretest  zu  irer  intentions  erlangung  als  die  Catholischen  vnd
Lutherischen.  —  Vnd  dises  ist  mein  discurs  auf  dise  auisa;  Gott  geb,
dass  ichs  nicht  errath;  vil  wierdt  die  vergleichung  I].  ksl.  vnd  kgl.
M.'  helffen,  in  der  wier  alberait  zu  abhörung  der  vergleichsnotl  [kommen]
sein;  es  tbue  hernach  1.  ksl.  M.'  haimblich,  was  sy  wöllen.“  Am
20.  August  verreist  der  König  nach  Schlesien;  Tag  und  Nacht  betreibe
ich  meinen  Abzug  nach  Wien  und  hoffe  ihn  zu  erlangen.  Prag  den
l.  augusti  1611.  —  Praes.  9.  aug.  1611.

lb.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  14;  Or.  eigh.

305.  Protokoll  des  Unionstages  von  Rotenburg  a./T.  August  2.

Verzeichnis  der  Anwesenden:  Sept.  2.

Kurpfalz  (zugleich  für  Zweibrücken):  der  Administrator
persönlich;  die  Räte  Johann  Engelbert  von  Lautern,  Dr.  Michael
Loefenius,  Dr.  Ludwig  Camerarius,  Theophil  Richius;  die  Sekretäre
Dathenus  und  Hausmann.  Kurbrandenburg:  unvertreten.
Pfalz-Neuburg:  Kirchenratssekretär  David  Widmann.  Brandenburg-Culmbach:
  Johann  Casimir  Graf  zu  Lynar,  geheimer  und  Oberkammerrat;:
  Kanzler  Friedrich  Hulderich  von  Varel;  die  Räte:
Achaz  Georg  Wolf  von  Schaumberg,  Dr.  Arnold  Muhm;  Friedrich
Thomas  Senf,  Amtmann  zu  Pegnitz.  Brandenburg-Ansbach:
Markgraf  Joachim  Ernst  und  dessen  Bruder  Johann  Georg  persönlich;
Obermarschall  Wilhelm  Graf  zu  Mansfeld;  Räte:  Hans  Albrecht  von
Wolfstein,  Erasmus  Schenk  zu  Limburg,  Oberst  Hans  Philipp  Fuchs
zu  Bimbach,  Oberst  Valentin  von  Selbitz,  Hans  Philipp  von  Crailsheim,
Veit  Dietrich  von  Eyb,  Oberstleutnant  Wilhelm  von  Goldstein
Dr.  @ernandt,  geheimer  Rat  und  Kammermeister,  Dr.  Simon  Eysen’
geheimer  Rat  und  Vizekanzler;  Baltasar  Neu,  Geheimsekretär

—  Zee

ı  Vgl.  no.  292,  8.  674,  Anm.  1  und  no.  297.
        <pb n="720" />
        698  1611  305.

August2.  Württemberg:  Herzg  Johann  Friedrich  persöulich  ;  Johann  Jakob

bis
Sept.  2.

Graf  zu  Eberstein,  Rat  und  Hofmarschall;  Räte:  Sebastian  Wealling
von  Vehingen,  Benjamin  Buwinckhausen  von  Wallmerode,  Oberst
Melchior  von  Reichau,  Johann  Kuelmann;  Johann  Sigmund  Gomer,
Kammerrat;  Johanna  Sattler  und  Johann  luutz,  Sekretäre.  Hessen-Cassel:
  unvertreten.  Baden:  Markgraf  Georg  Friedrich  und  dessen
Sobn  Markgraf  Friedrich  persönlich;  Otto  Wild-  und  KRheingraf,
Oberst;  Heinrich  von  Starschedel,  geheimer  Rat  und  Hofmeister  ;  Johann
Peter  Breitenacker,  Kanzler;  Philipp  von  Helmstätt;  Christoph  Kessel,
Kammerrat;  Johann  Thomas  Stotz  und  Hans  Wilhelm  Abel,  Sekrotäre.
Anhalt:  Fürst  Christian  und  Fürst  Joachim  Ernst  persönlich;
Burkhard  von  Schlamnmersdorff,  Hans  Christoph  von  Adolzheim,
Adanı  von  Börstell,  Oberst  Hans  Meinhard  von  Schönburg;  Ru
Tobias  Hübner.  Oettingeu:  Kanzler  Liz.  Ludwig  Müller  und
Dr.  Friedrich  Kessler,  Rat.  Strassburg:  Claus  Jakob  Wurmser,
Städtemeister;;  PeterStarck,  Altammeister;  Franz  Rudolf  Ingelt,  Dreizehner;
Dr.  Johann  Hartlivb,  gen.  Walsporın,  Advokat.e  Nürnberg:  vom
innern  Rat  Ernst  Haller  von  Hallerstein,  Leonhard  Grundherr  und
Endres  Im  Hof;  Dr.  Johann  Christuph  Oelhafen  und  Dr.  Georg  Adelbert
Burkhard,  Advokaten.  Ulm  (zugleich  fürMemmingen,  Heilbronn
und  Kempten):  Leo  Roth  des  geheimen  Rats,  Sigmund  Schleicher
des  Rats,  Ir.  Hieronymus  Schleicher,  Advokat.e  Worms:  Johann
Stephan  des  innern  Rats,  Dr.  Paul  Rennekamp,  Advokat,  Speier
(zugleich  für  Landau):  Bürgerneisterr  Johann  Hadamar  und
Dr.  Frauz  Jugert,  Syndikus.  Nördlingen:  Kaspar  Heider  und
David  Gering,  Bürgermeister;  Dr.  Georg  Heher,  Advokat;  Johann
Konrad  Gundelfinger,  Sekretär.  Rotenburg:  Altbürgermeister
Michael  Reichshöfer  und  Johann  Offner;  die  Advokaten  Dr.  Michael
vom  Berg  und  Dr.  Michael  Bezold.  Schwäbisch-Hall:  Georg
Melchior  Clasius  und  David  Wetzeler  des  innern  Rats;  Dr.  David
Schmalkalder,  Advokat.  Windsheim:  Jakob  Hofmann,  Oberrichter:
Philipp  Herbst,  Syndikus,  Giengen:  Ratsfreund  und  Bürgermeister
Sımou  Laister;  Advokat  Dr.  Christoph  Mumprecht.  Aalen:  Bärgermeister
  Blasius  Hunger;  Georg  Friedrich  Sandtwaldt,  Syndikus.!

Juli  23.
August  2.

Camerarius  hält  die  Proposition  und  schlägt  nach  langer
Wiederholung  der  Ereignisse  seit  1608  vor,  zunächst  vom  jetzigen
Zustand  des  Reiches  zu  reden:  Die  Gefahr  ist  noch  nicht  beseitigt,
die  widerwärtigen  kaiserlichen  Räte  sind  nicht  entfernt  worden  uul
werden  sogar  erhöht,  ja  man  vernimmt  von  neuen  Praktiken.  Da  der
Kurfürstentag  vor  der  Türe  steht,  so  will  der  Administrator  die
Meinung  der  Unierten  über  die  Punkte  hören,  die  dort  vorkommen

.——

!  Zusammenstellung  der  Furierzettel  in  Ma.,  131/7,  f.  40  und  U.,  Unionsacta,
  ton.  XXIII,  no.  2256;  Kopien.
        <pb n="721" />
        305.  1611  699

dürften  als  da  sind:  Veränderung  der  kaiserlichen  Residenz  und  Unter-  August  2.
halt  des  Kaisers,  Abschaffung  der  Gravamina  und  Verbesserung  des  Se  2
Regiments,  Reassumtion  des  Reichstags  und  Beratung  des  Justizpunktes.  De
Vor  allem  aber  möge  man  sich  wegen  Beförderung  der  Re.  hnungen  entschliessen.
  Mitteilung,  dass  Kurbrandenburg.  und  Hessen-Cassel  ihr
Fernbleiben  entschuldigt  haben.  —  Nach  den  üblichen  Dankesworten  für

die  Mühewaltuug  der  Kurpfalz  wird  in  der  ersten  Umfrage  beschlossen,

es  bei  der  Ordnung  des  Ausschreibens  zu  lassen  und  mit  den  Rechnungen

  möglichst  zu  eilen.  —

In  der  zweiten  Umfrage  rühmt  Ansbach  den  bisherigen  Nutzen
der  Union,  die  die  Praktiken  der  Gegner  bisher  vereitelt  und  den
Katholischen  Furcht  eingeflösst  habe;  aber  er  warnt  vor  allzu  grosser
Sicherheit:  Zuniga  soll  für  Spanien  werben,  es  leben  noch  die  Leute,
die  im  vorigen  Jahr  gelebt  haben,  der  Vergleich  zwischen  Kaiser  und
König  will  nicht  fortgehen,  die  kaiserlichen  Räte  denken  auf  Rache,
Spanien  will  sich  um  die  Succession  nach  den  Kaiser  bewerben  und
würde  grosse  Not  entstehen,  wenn  sich  ein  widriger  Fall  zutrüge
und  die  Pässe  an  der  Donau  nicht  verwahrt  wären;  die  Residenz  des
Kaisers  in  Reich  soll  man  nach  Möglichkeit  abwenden  und  Verbesserung
des  Regiments  beim  Kurfürstentag  suchen;  mit  der  Wahl  eines
römischen  Königs  mögen  die  Kurfürsten  sich  nicht  übereilen.
Baden  (persönlich)  erinnert  an  den  beharrlichen  Intent  des  Papstes
und  der  Jesuiten,  die  in  ihren  Schriften  vorgeben,  der  Religionsfiieden
habe  aufgehört  und  brauche  man  den  Ketzern  keinen  Glauben  zu
halten;  „das  begeren  gleichwol  die  meinzischen  Jesuiter  zu  verstreichen,
  koınm  aber  doch  uf  ains  uss.“  In  Rom  hat  man  ein  besonderes
  Kollegium  de  propaganda  fide  angestellt.  Die  Mittel  der
Gegner  sind  bekannt;  die  kaiserlichen  Räte  sind  auf  deren  Seite,  die
Zahl  der  päpstischen  Beisitzer  beim  Kammergericht  wird  vermehrt
und  „also  understanden,  dasjenige,  so  am  kaiserlichen  hof  verbleibe,
durch  das  cammergericht  usszufüeren.‘‘  Beim  letzten  Reichstag  hat
man  gesehen,  dass  die  Papisten  den  Religionsfrieden  am  liebsten
ganz  aufgehoben  hätten.  Das  Jesuiterwesen  reisst  immer  mehr  ein;
wenn  die  Papisten  von  ihren  „vorhabenden  mediis‘‘  schon  etwas
absetzen,  bleibt  doch  noch  der  Intent  jener.  ,„Thue  ime  das
herz  wehe,  wenn  er  an  Donawörth  gedeuke;  lige  solche  statt  ob
irer  aller  seelen.“  Schon  hat  man  sich  vernehmen  lassen,  mit  andern
Städten  ebenso  zu  verfahren  und  war  dazu  schon  ein  Verzeichnis
gemacht.  Die  Kaiserlichen  haben  sich  neben  ihren  Werbungen  auch
einen  Rücken  ausserhalb  des  Reichs  gemacht;  ihre  Gedanken  gehen  auf
Unterdrückung  der  Religion  und  der  Freiheit.  Hinweis  auf  Tengnagels
Aussagen  und  auf  die  Gefahr,  wenn  das  passauer  und  das  elsässer
Volk  sich  vereinigt  hätten;  man  musste  darum  im  Elsass  die  Waffen
zur  Hand  nehmen.  Ein  vornehmer  (regner  hat  ihm,  Markgrafen,  eingestanden,
  dass  die  Unierten  eben  Zeit  gehabt  hätten,  im  Elsass  den
Vorstreich  zu  gewinnen,  sonst  wäre  ihnen  widerfahren,  was  sie  den
        <pb n="722" />
        700  1611  5.

August  2.  andern  zugefügt  haben.  Durch  dritte  Hand  hat  man  ihn  von  der  Union

Sept.  2.

trennen  wollen  und  ihm  dafür  Hilfe  in  seinem  Privatstreit!  versprochen.
  —  Man  kann  nur  Gott  um  längere  Erhaltung  der  Taioa
bitten.  —  Käme  der  Kaiser  ins  Reich,  so  würde  die  betreffende
Residenzstadt  gleichsam  von  ihm  eingenommen  und  würde  zu  vielen
Praktiken  Anlass  gegeben  worden.  —  Die  von  den  Papisten  gewünsehte
Reassumtion  des  Reichstags  ist  zu  verhindern,  derselbe  nach  Möglichkeit
hinauszuschieben  und  jedenfalls  ein  neuer  auszuschreiben,  wobei  vor
allem  die  Gravamina  zu  urgieren  wären.  —  Auf  Verbesserung  des
Regiments  ist  wenig  Hoffunng  ;  denn  man  befördert  Leute,  die  fast  schoa
unter  der  Leiter  gestanden  haben.?  —  Nach  Versicherung  eines  vornehmen
Papisten  hat  Spanien  so  viel  Einverständnis  im  Reich,  dass  es  fast
nicht  zu  glauben  sei;  e3  praetendiert  nach  Absterben  des  Kaisers  die
Succession  in  allen  Österreichischen  Erblandın  und  die  Kaiserwürde  selbst.
Man  möge  daher  mit  der  Wahl  nicht  zu  sehr  ellen.  Anhalt
(persönlich):  Die  Gefahr  für  Deutschland  ist  durchaus  noch  nicht
abgewendet;  denn  Spanien  und  der  Papst  haben  nunmehr  in  Deutschland
das  arbitrium  pacis  et  belli  und  zwar  durch  die  bösen  Räte.  Als
man  [die  Papisten]  zu  Regensburg  nicht  vorwärts  kam,  den  Frieden
mit  den  Türken  nicht  brechen  und  Erzherzog  Ferdinand  nicht  zum
römischen  König  wählen  konnte,  da  hat  man  sich  mit  verschiedenen  Heerea
gefasst  gemacht,  die  alle  ihren  starken  Rückhalt  hatten.  Ohne  dee
Union  hätte  es  im  vorigen  Jahr  übel  gestanden;  aber  sie  hat  sich
ein  solches  Ansehen  erworben,  dass  sie  selbst  des  Auslandes  Hilfe  ge
funden  hat,  die  man,  so  lange  man  getrennt  war,  nicht  hat  haben  können,
und  dabei  waren  90000  Mann  und  mehr  auf  den  Beinen,  woron
nicht  über  25000  Mann  wider  die  Union,  die  übrigen  in  deren
Devotion  waren?‘  Auch  Sachsen  ist  jetzt  den  Papisten  entzogen.  —
Vom  Kurfürstentag  kann  der  Union  viel  Gutes,  aber  auch  viel  Uebles
kommen.  —  Der  Kaiser  würde  im  Reich  Gelegenheit  zur  Rache  suchen.  —
Zur  Verbesserung  des  Regiments  ist  dem  Kaiser  die  Abschaffang
der  bösen  Räte  zu  raten.  Der  Reichstag  ist  zu  verschieben  ;  jedenfalls
darf  die  Reassumtion  nicht  gestattet  und  muss  die  Abschaffung  der
-  !  Im  eickenschen  Streit;  vgl.  no.  15,  8.  36,  Anm.  1  und  das  folgende.
°  Anspielung  auf  Hannewald,  der  angeblich  Reichsvizekanzler  werden
sollte  ;  ‚el.  no.  263.
on  U.  (Unionsacta,  tom.  XX111.,  no.  2254)  findet  sich  eine  Zusammenstellung
  der  Streitkräfte  im  Jahr  1610.  Darnsch  hatten  vor  Jülich  die
Unierten  2200  Fussknechte,  die  Possidierenden  5U00  z.  F.,  1600  Pferde  und
1000  ausgesetzte  Schützen,  Frankreich  8009  z.  F.  und  2000  Pf.,  England
4000  z.  F.,  die  Generalstaaten  9000  z.  F.  und  2500  Pf.  —  im  ganzen  350
Munn.  Die  Union  hatte  in  Säddentschland  10000  z.  F.  und  3000  PL.
Matthias  und  die  Erbländer  16000  z.  F.  und  4000  Pf.,  die  katholischen
24000  z.  F.  und  6200  Pf.  (Besatzang  von  Jülich  400  z.  F.  und  1300  PL,
Elsässer  Volk  4000  z.  F.  und  500  Pf.,  passauer  Volk  6000  z.  F.  und  2000  Pf.,
rietbergisches  Volk  2000  z.  F.  und  400  Pf.,  Bayern  600)  z.  F.  und  1500  Pf.,
Würzburg  und  Bamberg  2000  z.  F.  und  500  Pf.),  insgesamt  98000  Masc

ohne  Arülleriebedienung,  Schanzgräber  und  Train.  —  Die  Ansätze  für  die
Kontingeute  der  Katholischen  sind  zu  niedrig  angenommen.
        <pb n="723" />
        305.  1611  701

Beschwerden  vor  Ausschreibung  eines  neuen  Reichstags  bedungen  August  2.
werden.  Bei  der  Wahl  eines  römischen  Königs  ist  darauf  zu  achten,  dass  Sent.  2

nicht  das  Erbrecht  eingeführt  und  doch  ein  rechtes  Oberhaupt  ph  ©
erwäblt  wird,  vor  allem  abor,  dass  das  Reich  nicht  an  einen  Fremden
kommt.  Auch  der  Stadt  Braunschweig  ist  zu  gedenken,  zumal  selbst
die  geistlichen  Kurfürsten  den  Achtsprozess  misbilligen.  Culmbach
findet  die  Stabilierung  der  Union  auch  fir  nötig.  Württemberg
nimmt  in  Abwesenheit  des  Herzogs  alles  nur  zu  Bericht.  Oettingen
ist  auch  für  die  Erhaltung  der  Union.  Des  Intents  der  Papisten  ist
man  so  gewiss  wie  der  „vornehmsten  Prinzipien‘‘  in  der  Welt.  Sie
betreiben  ihre  Sache  gar  hitzig;  die  Jesuiten  sind  am  Weg,  die
kaiserlichen  Räte  halten  sich  an  den  Papst  und  an  Spanien  und
misbrauchen  des  Kaisers  Namen;  die  Ambassadoren  haben  zu  Prag
grossen  Vorteil;  alles  wird  in  ihre  Sprache  übersetzt  und  allenthalben
  verbreitet;  päpstliche  Nuntien  gibt  es  hin  und  wieder  im
Reich.!  Verträge  und  der  Religionsfrieden  gelten  nichts,  wie  das
Schicksal  des  böhmischen  Majestätsbriefs  erweist,  der  beinahe  gleich
nach  der  Geburt  ertränkt  worden  wäre.  Dieser  Tage  hat  man  auch  die
letzten  Funken  der  evangelischen  Religion  in  Donauwörth  ausgelöscht.?
Die  Gravamina  sind  „vulnera  imperii“  und  hätten  weiter  gegriffen,  wenn
die  kaiserlichen  Räte  nicht  in  andere  Ungelegenheiten  verwickelt
worden  wären.  Gcgen  all  das  hilft  nur  die  Erhaltung  der  Union
und  die  Abstellung  der  eingerisseneun  Mängel;  so  wird  ein  Schwert
das  andere  in  der  Scheide  halten.  Die  Reassumtion  des  Reichstags
gestatte  man  nicht,  bevor  ınan  sich  nicht  mit  Zuziehung  friedliebender
Stände  wegen  der  Gravamina  verglichen  hat,  vor  deren  Abhilfe  soll
man  auch  auf  dem  Reichstag  keine  Kontribution  bewilligen;  die
Böhmen  baben  dies  Mittel  mit  Erfolg  angewendet.  —  Augsburg  soll
als  Residenz  des  Kaisers  ausersehen  sein,  was  sehr  beschwerlich
wäre.  Die  Städte  bitten  wegen  dieser  Punkte  um  Bedenkzeit;
wegen  der  Rechnungen  sind  sie  mit  den  Vorstimmenden  einig,  dass
diese  in  einem  besonderen  Ausschuss  vorgenommen  werden.  —  Nachmittags
  wird  mit  den  Rechnungen  begonnen.®

ı  Zuniga  warnt  Philipp  11l.,  den  Papst  um  Absendung  eines  besondern
Nuntius  nach  Deutschland  zu  ersuchen  ;  zwei  seien  schon  da  und  ein  dritter
wörde  nur  die  Ketzer  mistrauisch  machen  (Zuniga  an  Philipp  III.  am
22.  April  1611;  Sim.,  Fasz.  2497,  f.  224;  Or.).

Vgl.  F.  Stieve,  Der  Kampf  um  Donauwörth.,  8.  458.

®  In  U.  (Unionsacta,  tom.  XXIV,  no.  2326a)  liegt  das  Protokoll  dor
Sonderberatungen  der  unierten  Städte  [St.  Pr.)  vor.  Am  1.  August  wird
unter  Nürnbergs  Vorsitz  beschlossen,  bei  den  schweinfurter  Beschifissen  zu
bleiben  und  die  Proposition  zu  erwarten.  —  Am  2.  August  wird  das  gemeinsame
  Votum  auf  die  vormittags  im  Plenum  zur  Umfrage  gestellten  Punkte
beraten.  \achdem  Worms  beklagt  hatte,  dass  man  in  der  Proposition  der
vielen  in  der  Union  eingerissenen  Mängel  nicht  gedacht  habe  und  dass
die  Kontributionen  kaum  mehr  zu  erschwingen  seien,  wird  wegen  der  in
der  Proposition  angeregten  Bereithaltung  gegen  Uebereilung  beschlossen,
68  bei  den  in  der  Bundesnotel  vorgesehenen  Mitteln  bewenden  zu  lassen
        <pb n="724" />
        August  2.
bis
Sept.  2.

102  1611  305.

Juli.  24.
August  3.

Verordnung  eines  besonderen  Rechnunysausschusses.  Darauf  robert
Strassburg  wegen  der  gestern  proponierten  Punkte:  Die  Union  ist
fortzusetzen,  doch  muss  auf  die  Unionsnotel  besser  gesehen  werden.
Die  Residenz  des  Kaisers  im  Reich  wäre  praejudizierlich;  doch  wird  der
Kaiser  nach  de:n  Anerbieten  seines  Bruders  nun  wol  in  Prag  bleiben,  auch
werden  die  Böhmen  ihn  nicht  reisen  lassen.  Wegen  Besserung  des
kaiserlichen  Regiments  ist  nicht  viel  zu  hoffen,  sowol  die  Schickung  nach
Prag  als  auch  Kurmainz  haben  die  Mängel  vergebens  geahndet.  Bei
der  Neuausschreibung  des  Reichstags  ist  darauf  zu  achten,  dass  den
Beschwerden,  deren  Abschaffung  beim  Kaiser  steht,  abgeholfen  werde.
Am  Kammergericht  nimmt  man  Jesuitenzöglinge  an,  Papisten  werde
den  Evangelischen  vorgezogen;  der  Parität  droht  Gefahr.  Nürnberg
wünscht,  dass  in  der,  Union  Gleichheit  gehalten  und  den  Beschwerden
der  Städte  abgeholfen  werde.  Mit  den  vor  die  Kurfürsten  gehörige
Punkte  beladen  sich  die  Städte  nicht  gerne,  damit  man  ihnen  nicht  wieder
vorwerfen  kann,  dass  sie  dem  Kaiser  die  Administration  benehmen.!  Bei
einem  Reichstag  darf  man  vor  Abschaffung  der  Gravamina  zu  keiner
Beratung  schreiten.  Durch  das  Justizwesen  sind  fast  alle  Stände
beschwert  und  will  man  gegen  Katholische  fast  keine  Prozesse  erkennen
Die  Kurfürsten  mögen  auch  der  Stadt  Braunschweig  gedenken.  —
Man  lasse  sich  aber  auch  nicht  durch  jede  Zeitung  in  Harnisch  bringen.
sehe  auf  die  Verfassung  der  Union,  halte  gute  Korrespondenz  uni
verschone  die  unvermöglichen  Stände  mit  Kontributionen,  da  sie  sonst
bei  der  Union  nicht  bleiben  könnten.  Worms  ebenso.  Ulm  will  sich
auch  nicht  von  der  Union  trennen,  doch  möge  man  die  Mängel  beseitigen.
Die  Verlegung  der  kaiserlichen  Residenz  ins  Reich  ist  zu  verhüten,
aber  mit  Diskretion;  denn  1610  haben  sich  die  evangelischen  Stände
beschwert,  dass  ihre  Angelegenheiten  aus  dem  Reich  nach  Böhmen
gezogen  werden.  [Wegen  des  Unterhalts  des  Kaisers  vgl.  die  ulmisch
Instruktion.]°  Wegen  des  Reichstags  hat  Anhalt  sich  verlauteo

und  auf  Erledigung  der  Gravamina  vor  allen  anderen  Punkten  zu  sebm
Die  beim  Kurfürstentag  vorkommenden  Punkte  sind  Jen  Kurfürsten  ar
zuvertrauen;  «der  Niederlassung  des  Kaisers  im  Reich  ist  vorzubauen,  der
Unterhalt  des  Kaisers  gehört  vor  alle  Stände;  der  Reichstag  ist  neu  sur
zuschreiben,  doch  der  Konsens  erst  nach  Abhilfe  der  Beschwerden  und
Erledigung  des  Justizpunktes  zu  erteilen;  Donauwörthe  ist  besonders  zu
gedenken.  Wegen  der  Rechnungen  zum  elässischen  Wesen  soll  nicht  gleich
anfangs  protestiert  werden  sondern  erst,  wenn  unpnssierliche  oder  auf  den
elsässer  Bug  bezügliche  Posten  auf  die  Bahn  kommen.  Besonders  Strasiburg
  gab  zu  bedenken,  dass  man  den  Fürsten  zur  Werbung  Ursache  guygebeu
und  dass  die  beiden  Markgrafen  die  Vereinigung  des  passauer  un.l  elsässer
Volks  verhindert  hätten.  Ulm  erinnerte  dagegen,  dass  die  Städte  in  die
Kosten  der  Offensive  nicht  willigen  könnten.

'  Vgl.  Briefe  und  Akten,  Ill.,  no.  218  und  F.  Stieve,  Kampf  un
Donauwörth,  S.  417  f.

2  No.  245,  Zusatz  auf  S.  581.
        <pb n="725" />
        905.  1611  103

lassen,  dass,  wenn  Haunnewald  dahin  käme,  keine  Kontribution  bewilligt  August  2.
werden  würde;  auch  wird  der  Kaiser  ohne  Donauwörths  Restitution  zu  A
keinem  Reichstag  kommen.  Ebenso  die  andern  Städte.  Pfalz  vergleicht  “?
sich  mit  den  vorigen  Voten  und  sagt  zu,  die  Uebersiedlung  des  Kaisers  ins
Reich  nach  Kräften  zu  verhindern,  da  dadurch  nur  Zerrüttung  entstehen
und  die  päpstlichen  Nuntien  sich  in  Reich  einnisten  würden;  käme  kein
Vergleich  zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König  zu  stande,  so  würde  auch
noch  ‚„‚sedes  belli“  ins  Reich  kommen.  Die  Reassumtion  des  Reichstags
wird  schon  wegen  des  seither  erfolgten  Ablebens  von  drei  Kurfürsten
nicht  verlangt  werden;  bei  der  Neuausschreibung  sollen  die  Anregungen
wegen  der  Gravamina,  wegen  des  Justizpunkts  und  wegen  Donauwörth
in  Acht  genommen  werden.  —  Man  möge  aber  Mittel  nennen,  wie
beim  Kurfürstentag  wegen  der  Translation  der  Residenz  und  wegen
des  Reichstags  Rat  geschafft  werden  köunte.

Nach  zwei  weiteren  Umfragen  beschliesst  man,  die  vorigen  Vota  in
einen  Abschied  zu  bringen,  ibn  Kurbrandenburg  zu  überschicken  und  den
Kurfürsten  dabei  zu  ersuchen,  deshalb  auch  mit  Kursachsen  zu  kommunizieren;
  auch  Kurmainz  soll  man  informieren.  Von  der  Translation  der
Residenz  soll  man  den  Kaiser  durch  eine  Mittelsperson  abmahnen.  Die
von  Oettingen  vorgeschlagene  Schickung  an  die  Kurfürsten  oder  ein
Schreiben  an  diese  wird  unratsam  befunden.  Im  den  erwähnten  Abschied
ist  auch  aufzunehmen,  dass  bei  einem  neuen  Reichstag  vor  Abschaffung
der  Gravamina  keine  Antizipation  oder  Kontribution  bewilligt  werden
soll.  —  Anhalt  regt  dabei  an,  vor  einem  neuen  Reichstag  einen
Unionstag  zu  halten  und  auch  Sachsen  dazu  zu  beschreiben.

Nachmittagssitzung.  Vermehrung  der  Union.  Der  Punkt
wegen  Aufnahme  fremder  Potentaten  soll  bis  zu  Württembergs  Ankunft
  verschoben  werden.  Baden  wünscht  ein  „Generalverständnis‘
der  ganzen  Christenheit,  um  des  Papstes  Praktiken  zu  hindern;  da
die  Nuntien  und  die  spanischen  Gesandten  allenthalben  praktizieren,
so  sind  Agenten  der  Union  in  Venedig  und  Frankreich  nötig  ;  ebenso
regt  Baden  eine  Korrespondenz  mit  Erzherzog  Maximilian  an.  Anhalt
erinnert  an  den  Einspruch  der  Städte.  —  Allgemein  wird  Verhandlung
mit  Kursachsen  und  denen  „drinuen  Landes“  empfohlen,  was  Kurbrandenburg
  auf  sich  nehmen  soll;  mit  den  Hansestädten  soll  nochmals
  verhandelt  werden,  ıit  den  Schweizern  soll  man  korrespondieren,
desgleichen  mit  Eızherzog  Maximilian.  Neu  eintretende  Stände  wie
Giengın  und  Aalen  sollen  je  nach  Vermögen  einen  Teil  der  bisherigen
Kontribution  nachzahlen.

-—  mn  —--._——

'  [St  Pr.)  4.  August:  Die  Deputierten  zum  Rechnungswesen  berichten
den  Städten,  «lass  alle  Rechnungen  mit  (len  Kosten  des  elsässer  Zugs  erfüllt
seien.  Man  beschliesst  darauf  im  Städteorat,  die  Rechnungen  nur  mit  der
schriftlich  zu  übergebenden  Verwahrung  anzuhören,  dass  dadurch  der  Haltung
der  Städte  gegen  diese  Posten  nicht  praejudliziert  werden  solle;  es  erscheinen  darin
Posten  für  spanisches  Wachs,  Schneidmesser,  Säcke;  alle  Soldmonate  siod  in
unveränderter  Höhe  angesetzt,  als  wäre  im  Elsass  nie  ein  Soldat  oder  Reiter
        <pb n="726" />
        704  1611  5

27.  Juli,
6.  August.

In  Gegenwart  aller  Fürsten,  auch  Württembergs,  teilt  Camerarius
mit,  dass  Württemberg  alle  bisherigen  Beschlüsse  genehm  bält,  un
proponiert,  wie  man  sich  der  Union  nützlich  zu  bedienen  babe
und  was  man  wegen  der  Gravamina  und  Donauwörth  bei  den  zuerwartenden
  kaiserlichen  Kommissarien  anbringen  solle.  —  Ansbach
verweist  auf  die  Unionsverfassung  und  mahnt,  dass  man  sich  in  &amp;amp;
Union  vor  Zwiespalt  hüten  möge.  Die  Gravamina  beim  Kaiser  &amp;amp;
urgieren  ist  jetzt  bessere  Gelegenheit,  da  er  selbst  sieht,  dass  er
seinen  Räten  verführt  worden  ist;  die  Gegner  haben  jetzt  auch  de
friedfertigen  Zweck  der  Union  kennen  gelernt  uad  werden  vielleicht
selbst  zur  Abhilfe  der  Beschwerden  beitragen;  eine  Schickung  nad
Prag  wäre  vielleicht  nicht  unratsam.  Württemberg  wie  Ansbad:
wegen  der  Gravamina  und  Donauwörth  soll  man  die  kaiserliche
Kommissarien  erwarten,  allenfalls  könnte  auch  eine  besondere  Schickus
zum  Kaiser  geschehen.  Die  Gravamina  der  Stände  gegen  einander  aul
nur  auf  einem  Reichs-  oder  Deputationstag  zu  schlichten;  zur  Inteposition
  dabei  sollen  König  Matthias  und  Erzherzog  Maximilian  ersackt
werden;  zum  Reichstag  soll  man  den  Kaiser  um  einen  anuehmlich
Kommissar  bitten.  Baden  (persönlich)  besorgt,  dass  das  dentwit
Geblüt  etwas  aus  der  Papisten  Gemüt  gekommen  sei;  man  möge  abe
nach  dem  zu  Schweinfurt  geschehenen  Vorschlag  Kurmainz  uud  Baier
durch  Kurpfalz  ersuchen  lassen!  Anhalt  (persönlich):  Zur  Abhilk
der  Gravamina  gehört  gute  Korrespondenz  uud  gewisse  Bereitschaft:
die  ın  des  Kaisers  Hand  stehenden  Beschwerden  sind  schon  zu  Pr;
urgiert  worden,  der  Erfolg  einer  neuen  Schickung  ist  ihm  zweifelhit
jedenfalls  könnte  er  sich  dazu  nicht  brauchen  lassen.  Das  Uebel  2
kaiserlichen  Hof  ist  verjährt,  die  jetzigen  Räte  haben  weder  Art  ned
Willen  noch  Vermögen,  Gutes  zu  tun.  Man  soll  den  Katholische:
vorstellen,  dass  man  durch  die  Union  nicht‘  „harmoniam  impeni
aufheben  oder  die  Geistlichen  ausrotten  will;  durch  gute  Interposit
hat  man  auch  den  jüterbogker  Vertrag  erreicht  und  Krieg  verhäßt
Culmbach:  Donauwörths  soll  man  mit  den  andern  Beschwerden  bein
Kurfürstentag  mit  der  Klausel  gedenken,  dass  ohne  deren  Abhilfe  kit
Reichstag  und  keine  Steuer  bewilligt  werden  würde.  Oettingen  urgie

gestorben,  ja  es  finden  sich  mehr  Leute  zum  Sold  verrechnet  als  in  #

deli
ersten  Musterrolle  stehen  (ebenso  berichten  die  ulmer  Gesandten  ns

in  U.,  Unionsacta,  XXIII,  no.  2271;  Or).  —  Der  Protest  der  Städte  weg"!

jan  A  datiort:  die  Städte  erklären,  das

die  Abhörung  der  Kechnungen  der  heilbronner  Protestation  (vgl.  Briel:
und  Akten,  IIL,  no.  207  und  den  schweinfurter  Beschwerden  (rgl.  no  1
nicht  praejudizieren  soll  (Mb,,  342/1,  f.  146;  Kopie).

Vgl.  no.  100,  8.  285  f.

des  Rechnungswesens  ist  vom
        <pb n="727" />
        308.  1611  706

die  Veröffentlichung  der  Refutation  der  donauwörthischen  Relation.’  Die  August  2.
Städte  sind  mit  den  vorigen  Ausführungen  einverstanden,  betonen  die  Me
Notwendigkeit  der  Gleichheit  in  der  Union  und  urgieren  die  städtischen  pr  ©
Gravamina  und  die  donauwörthische  Refutation.  Ulm  empfiehlt  die
Interposition  zwischen  den  Religionsparteien  im  Reich.  —  Camerarius
verweist  auf  den  Nutzen  der  Union  und  auf  die  Mehrung  ihrer  Reputation
durch  die  angekündigten  Gesandtschaften  des  Kaisers  und  des  Königs;
die  allgemeinen  Gravamina  soll  man  sowol  beim  Kurfürstentag  ala  auch
bei  den  kaiserlichen  Gesandten  betreiben.  In  der  Korrespondenz  mit
Kurmainz  soll  fortgefahren  werden,  dasselbe  mögen  die  Unierten  auch
bei  den  andern  katholischen  Ständen  tun;  kann  man  mit  ihnen  zusammen
beim  Reichstag  dem  Justizwesen  Rat  schaffen,  so  ist  es  umso  besser.
Die  von  Faber  verfasste  Refutation  wegen  Donauwörth  soll  gedruckt
werden.

Dann  wird  wegen  des  Zeremoniells  beim  Empfang  der  kaiserlichen
und  königlichen  Gesandten  umgefragt.?

Juli  29,
August  8.

In  Abwesenheit  der  Städte  proponiert  Camerarius,  wasdie  Fürsten
allein  angeht:  1.  Einnahme  der  Grafen  und  Herrn.  Kurpfalz  schlägt
vor,  ihnen  gleich  den  Städten  acht  Vota  zu  geben,  was  mit  der  Voraussetzung
  angeuommen  wird,  dass  die  Grafen  nicht  helfen  werden,  die  Fürsten
mit  deren  zwölf  Voten  zu  überstimmen  ;  Ansbach  und  Culmbach  bleiben  mit
ihrem  Antrag,  den  Fürsten  sechzehn  Voten  zuzuerkennen,in  der  Minderheit.
  —  2.  Einnahme  der  Hansestädte  und  der  ausländischen
Potentaten.  Ansbach  rät  zur  Behutsamkeit,  weil  die  dazu  notwendigen
grossen  Ausgaben  die  Union  nur  schwächen  würden;  nur  bei  England

i  Zur  Geschichte  der  „Beständigen  Informatio  juris  et  facti,  1611,"
vgl.  F.  Stieve,  Kampf  um  Donauwörth,  8.  423  f.  Wegen  der  Verfasserschaft
  vgl.  oben  das  Protokoll,  das  Stieves  Vermutung  bestätigt.

2  (St.  Pr.]:  Sonntag  den  7.  August  fand  eine  Zusammenkunft  der
Städte  statt,  um  zu  beraten,  wie  man  die  vorgefundenen  Mängel  in  den
Rechnungen  den  höheren  Ständen  am  besten  zu  erkennen  geben  könnte,
Man  beschloss  es  schriftlich  zu  tun.  —  Aus  einem  Verlass  der  nürnberger  Aeltern
vom  8.  August  auf  die  Berichte  ihrer  Gesandten  ersieht  man,  wie  auf  die
Städte  wegen  der  jülicher  Rechnungen  eingewirkt  wurde;  Camerarius  drolıte
mit  der  Verlegung  des  kaiserlichen  Hoflagers  nach  Nürnberg.  Darauf  wurde
beschlossen,  Camerarius  hinwider  zu  erinnern,  wie  sehr  man  den  Nürnbergern
angelegen  hatte,  dass  sie  selbst  in  die  Union  treten  und  andere  Städte  dazu
bewegen  möchten,  die  auch  meist  auf  Nürnberg  ihr  Auge  hatten,  wogegen  die
Fürsten  verbiessen,  sich  gegen  die  Städte  „fürstlich*  zu  erweisen  und  sie  nicht
zu  „gefähren“;  das  jetzige  gefährliche  Dringen  in  die  Städte  könnte  diese
vielleicht  veranlassen,  sich  dieser  parteiischen  Union  zu  entschlagen;  die
Nürnberger  hätten  sich  beim  Kaiser  und  bei  den  in  Prag  anwesenden  Kurfürsten
wegen  des  elsässer  Zugs  entschuldigt  und  dabei  müssten  sie  bleiben,  wenn
sie  nicht  das  Schicksal  von  Donauwörtb  oder  Braunschweig  befahren  wollten
(Nbg.,  Verlässe  der  Aeltern,  no.  25,  f.  97’  und  101‘).

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  45
        <pb n="728" />
        706  1611  308.

.  kann  man  auf  nähere  Verbindung  denken,  bei  den  andern  genügt  gute

Korrespondenz.  Württemberg  ebenso.  Baden:  Spanien  hat  den

“  Hansestädten  grosse  Versprechungen  gemacht;  man  muss  sie  Spanien  entziehen

  und  wenigstens  zur  Korrespondenz  bringen  ;  solche  Korrespondenz
wäre  auch  mit  den  Staaten,  mit  Oesterreich,  Böhmen  und  Mähren  dienlich.
Spanien  praetendiert  die  Succession  in  allen  Erblanden  nach  Abgang
der  maximilianischen  Linie.  Anhalt  hofft,  wenn  Kursachsen  sich
zur  Union  bewegen  lässt,  dass  auch  die  Hansestädte  sich  lieber  zu
ihr  begeben  werden.  Wegen  der  Verhandlung  mit  England  berichte
der  Fürst,  dass  der  König  anfangs  wenig  Lust  gezeigt  habe,  mit  der
Union  wegen  eines  Bündnisses  zu  verhandeln;  sowol  wegen  des  Administrationsstreits
  als  wegen  des  jülicher  Wesens  suchte  er  Ausflüchte,
dass  die  Union  nicht  perfekt,  die  Grafen  nicht  darin  seien  u.  8.  “.
Nachdem  Anbalt  aber  dem  König  dessen  Bedenken  ausgeredet  hatte,
war  dieser  zufrieden,  dass  es  bei  dem  bleibe,  was  Salisbury  und
Buwinckhausen  mit  einander  abgeredet  hatten,  und  versprach,
zur  nächsten  Tagung  der  ÜUnierten  einen  Gesandten  zu
schicken!  Man  hat  sich  also  zu  entschliessen,  wie  die  Handlung
weiter  gehen  soll.  Auch  mit  Frankreich  und  den  Generalstaaten
wären  Verhandlungen  wieder  anzubahnen;  in  Frankreich  einen
Agenten  zu  halten  ist  man  verpflichtete  Culmbach  ist  einverstanden,
  mit  England  zu  verhandeln;  man  möge  deshalb  jemanden
an  den  englischen  Gesandten  im  Haag?  abfertigen;  die  Städte  werden
sich  nicht  absondern,  wenn  sie  sehen,  dass  die  Kosten  für  die  Agenten
mässig  sind.  Oettingen  findet  bedenklich,  sich  mit  ausländischen
Potentaten  in  ein  anderes  als  in  blosse  Korrespondenz  einzulassen;  man
wirft  der  Union  ohnehin  allerlei  Neuerungen  vor;  es  könnten  andere
Stände  vom  Eintritt  abgeschreckt  werden;  so  weit  entlegene  Hilfen
sind  auch  wenig  ersprieslich.  Mit  den  Hansestädten  steht  es
schlimmer  als  zuvor,  ihr  Anschlag  ist  gering;  sie  werden  der  Union
nichts  nützen.  Pfalz  hält  auch  die  Verhandlung  mit  den  Hanse
städten  zur  Zeit  für  bedenklich.  Wegen  der  Handlung  mit  England
wird  man  die  Berichte  und  die  Artikel  des  Bündnisentwurfes  zunächst
genau  zu  prüfen  haben,  um  die  Sache  desto  besser  reassumieren  zu
können.  Mit  Frankreich,  den  Staaten,  Oesterreich,  Böhmen,  Mähren,
der  Schweiz  bleibt  es  bei  der  Korrespondenz;  von  Dänemark  ist  vorläufig
nichts  zu  hoffen.  Wegen  der  Agenten  ist  im  Beisein  der  Städte  za
handeln.  —  Weiter  wird  proponiert,  3.  wie  es  wegen  des  willstätter
Vertrags  zu  halten  ist?  4A.  das  consilium  politicum;  5.  was  an
Hessen-Cassel  wegen  seines  Fernbleibens  geschrieben  werden  sell?
6.  Titulatur  und  Session  der  Generalstaaten  ;  7.  eickische  Sache.  —
Die  Beratung  wird  auf  den  Nachmittag  verschoben.

i  Ueber  die  Verhandlungen  Buwinckhausens  in  England  vgl.  Briefe
und  Akten,  III.,  no.  120;  über  die  Anhalts  ebenda  no.  287  und  die  spärlichen
  Anspielungen  bei  Ralph  Winwood,  Memorials  of  affairs  of  state  ete,
IlI.,  London  1725,  S.  227,  230,  240,  243  f.  (vgl.  oben  no.7,  8.20,  Anm.  1

und  no.  13,  8.  29,  Anm.  2.
°  Ralph  Winwood.
        <pb n="729" />
        305.  1611  707

Nachmittagssitzung  (ohne  die  Städte).  3.  Die  Ratifikation  des  August  2.
willstätter  Akkords!  durch  Erzherzog  Teopold  wirl  nicht  genügend  Se  Lo
befanden;  da  der  Herzog  von  Lothringen  wiederholt  um  Richtig-  pi  ©
machung  der  Sache  und  um  Ausantwortung  .der  Reverse  sollizitiert  hat,
so  soll  Kurpfalz  den  Herzog  ermahnen,  von  Leopold  eine  genügende
Ratifikation  auszubringen,  sonst  könnte  man  den  Kapitulationsrevers
nicht  ausantworten  und  müsste  sich  an  Dagstein  halten.  4.  Das  von
Hessen  zu  Heilbronn  vorgeschlagene  consilinm  politicum  wärde
die  Unionsgeschäfte  mehr  hindern  als  fördern,  die  Räte  würden  keine
selbständigen  Beschlüsse  wagen,  daher  erscheint  der  Vorschlag  unpraktisch;
  es  soll  aber  darüber  noch  mit  den  ausschreibenden  Städten  geredet
  werden.  5.  Beantwortung  des  hessischen  Entschuldigungsschreibens.?
  Man  beschliesst,  das  Schreiben  den  Städten  vorzuenthalten
und  den  Landgrafen  zu  ermahnen,  die  Union  künftig  besser  in  Acht  zu
haben,  selbst  zu  erscheinen  oder  wenigstens  die  Tage  zu  beschicken  und
für  die  wichtigen  Sachen  einer  fürstlichen  Person  Vollmacht  aufzutragen.
6.  Wegen  der  Titulatur  der  Staaten  beschliesst  man,  ihnen  mit
Rücksicht  auf  ihre  Taten  das  Prädikat  „hochmogende“  zuzuerkennen;
wegen  der  begehrten  Praezedenz  und  Session  müssen  auch  die  andern
Kurfürsten  und  Fürsten  gehört  werden.  [Die  Erledigung  wurde  nicht
protokolliert.)

Juli  31.
August  10.

In  Abwesenheit  der  Städte  werden  zur  Ausführung  der  letzten  Beschlüsse
  eine  Anzahl  Konzepte  genehmigt.  Camerarius  proponiert,  dass
bei  der  Abhörung  der  Rechnungen  sich  Schwierigkeiten  ergeben  und
die  Städte  gegen  die  Kosten  des  elsässer  Zugs  protestiert  hätten;  es
wäre  gut,  wenn  einige  fürstliche  Räte  deshalb  mit  den  ausschreibenden
Städten  verhandelten.  Dies  wird  beschlossen  und  zugleich  von  Pfalz
angeregt,  sich  gewisser  Regeln  zu  vergleichen,  nach  denen  die  Abhörung
und  Liquidation  der  Rechnungen  geschehen  solle.

August  1./11.

Einführungder  kaiserlichen  KommissarienEustach  vonWesternach
und  Zacharias  Geizkofler.  [Geizkofler  Propositioa  siehe  unter  no.  315.)
Nachdem  Camerarius  gedankt,  entfeınen  sich  die  kaiserlichen  Gesandten.

Nachmittagsitzung  (im  Beisein  derStädte).  Beratung  der  iuzwischen
schriftlich  übergebenen  Proposition  der  beiden  Gesandten,  obgleich  noch  ein

!  Vgl.  Briefe  und  Akten,  III.,  no.  239  mit  Anm.  1.

?  Vom  13./23.  Juli:  Der  Landgraf  kann  den  Unionstag  weder  persönlich
besuchen  noch  wegen  Kürze  der  Zeit  einem  Fürsten  Vollmacht  auftragen,
da  er  nicht  weiss,  wer  diesen  Tag  persönlich  besuchen  wird;  wenn  er  seine
Räte  abordnet,  so  werden  sie  doch  zu  den  geheimen  Sachen  nicht  zugelassen
werden  und  also  unnütz  sein.  Sobald  er  von  den  Beschlüssen  des  Tages
verständigt  ist,  wird  er  sich  so  erklären,  wie  es  die  Wolfahrt  der  Union
fordert  und  wie  er  es  für  verantwortlich  hält  (Mb.,  119/2,  f.  33;  Or.).

4b*
        <pb n="730" />
        108  1611  306.

August  2.  dritter  Gesandter,  Günterode!,  anwesend  ist,  der  seine  Werbung  noch

is
Sept.  2.

nicht  vorgebracht  hat.  Es  wird  in  der  Umfrage  1.  aufmerksam  gemacht,
dass  die  Gesandten  das  Wort  „Union“  niemals  brauchten  und  sich
Kommissarien  nannten,  was  wol  auf  Reichs-  und  Kreistagen,  bei  derlei
fürstlichen  Zusammenkünften  aber  bisher  nicht  zugelassen  worden  ist,  damit
dem  Kaiser  nicht  eingeräumt  werde,  Fürstentage  seines  Gefallens  zu
beschicken,  der  Fürsten  Consilia  zu  erforschen  und  sich  zu  interponieren.
  2.  Es  wurde  bedacht,  wie  diese  Schickung  aufzunehmen
sei,  damit  die  Union  davon  Vorteil  habe.  Man  beschloss,  wenn
Günterode  nichts  anderes  brächte  und  die  beiden  Gesandten  sich
diskursweise  nicht  eines  mehrern  vernehmen  liessen,  ihnen  nur  schriftlich
und  per  generalia  zu  antworten  und  die  Union  zu  entschuldigen,  dass
sie  nicht  gegen  den  Kaiser  gerichtet  sondern  nur  zur  Erhaltung  des
Reichs:  und  der  Reichsgesetze  und  zur  Beförderung  des  guten  Vertrauens
  gegründet  sei;  da  nach  der  vorgebrachten  Werbung  der  Kaiser
ebenso  gesinnt  sei,  so  werde  er  sich  gewiss  dessen  erinnern,  was  Yordem
  Fürst  Christian  im  Namen  der  Union  bei  ihm  angebracht  hatte.
Wenn  der  Kaiser  dieser  Erinnerung  stattgeben,  der  Stände  Gravamiaa,
wenigstens  so  weit  sie  in  seiner  Hand  liegen,  abhelfen,  zu  den  übrigen
gewisse  Personen  mit  Zutun  des  Reichs  deputieren,  die  schädlichen
Räte  und  das  böse  Regiment  ändern,  Donauwörth,  das  keine  geringe
Ursache  zur  Union  gegeben  hat,  restituieren  und  die  Achtserklärung
gegen  Braunschweig  auf  annehmliche  Wege  bringen  werde,  so  werde  dadurch
gewiss  seine  und  des  Reichs  Autorität  befördert,  das  Vertrauen  wieder
hergestellt  und  werden  die  Unierten  umso  mehr  veranlasst  werden,  zum
Kaiser  zu  halten.  Es  sei  über  ihn,  den  Kaiser,  zwar  viel  geredet
worden,  man  habe  es  aber  dahin  gestellt  sein  lassen  und  ihm  stets
vertraut,  dass  er  sich  des  Reichs  Wolfahrt  befohlen  sein  lassen  werde;
je  nach  Befindung  werde  man  durch  eine  Legation  den  Kaiser
ferner  der  Notdurft  erinnern.  —  Man  beschloss  auch,  bei  den  Gesandten
zu  unterbauen,  damit  der  Kaiser  in  Böhmen  bleibt.  Allerseits  wird
mit  Freuden  festgestellt,  dass  des  Kaisers  Mistrauen  gegen  die  Union
gefallen  und  dass  diese  Legation  als  eine  besondere  Schickung
Gottes  zu  betrachten  sei.  Anhalt  bemerkt  noch  besonders,  dass,
seitdem  man  am  kaiserlichen  Hof  auf  „ausländische  Consilia‘“  gegangen,
das  Vertrauen  geschwunden  und  das  schädliche  Unwesen  erfolgt
sei;  wenn  die  beabsichtigte  Schickung  zum  Kaiser  annehmlich  sei,  %
solle  man  Sachsen  dazu  vermögen.  Auch  Culmbach  empfiehlt  eine
neue  Schickung  an  den  Kaiser.  Die  Städte  bitten,  besonden
Donauwörths  zu  gedenken.  —  Man  beschliesst  endlich,  morgen  di
königlichen  Gesandten  zu  hören.?

*  Günterodes  Anbrinren  beim  Administrator  der  geschah  an
2./12.  August;  vgl.  no.  315,8.  743,  Anm.  1.  Kurpfalz

?  (St.  Pr.  vom  1./11.  August):  Besprechung  der  ausschreibenden  Städt
mit  den  Deputierten  der  Fürsten  (Kurpfalz,  Baden  und  Oettingen)  wegen  de

Rechnungen  zum  elsässer  Zug.  Die  Höhern  hoffen,  dass  die  Städte  nieht
auf  den  schweinfurter  Beschlüssen  bebarren  werden.  Das  Unternehmen  va
        <pb n="731" />
        305.  1611  709

2.712.  August  nachmittags.

Polheim  bringt  seine  Werbung  vor.!  Camerarius  erbittet  sie
schriftlich  und  stellt  schriftlichen  Bescheid  in  Aussicht.  —  Darauf  wird
der  Bescheid  der  Unierten  an  die  kaiserlichen  Gesandten  im
Entwurf  verlesen.?  Anlass  zu  Erörterungen  gibt  nur  der  Gebrauch  des
Worts  „Kommissarien“  von  seiten  der  kaiserlichen  Gesandten  und
die  Einrückung  einer  Interzessiin  für  die  Stadt  Braunschweig.
Namentlich  die  Städte  treten  dafür  ein,  aber  Kurpfalz  gibt  zu  bedenken,
dass  man  dadurch  dem  Herzog  von  Braunschweig  vor  den  Kopf
stossen  und  dessen  Gnnst  verscherzen  würde;  man  möge  also  eine
andere  Gelegenheit  abwarten;  dagegen  wird  namentlich  auf  Oettingens
Betreiben  eine  Beschwerde  wegen  der  an  Sulz  und  Althan  erteilten
Vollmachten  ?  eingeschaltet.  —  Camerarius  lässt  noch  wegen  der  von
Kurbrandenburg  begehrten  Assistenz  zum  polnischen  Reichstag
umfragen.  Die  Städte  lehnen  jede  Beteiligung  ab,  die  Sache  soll
daher  nochmals  vor  die  Fürsten  allein  gebracht  werden.?

nötig,  um  die  Vereinigung  des  passauer  und  elsässer  Volks  zu  hindern;  dadurch
  wurde  das  jülichor  Wesen  erleichtert,  was  auch  den  Städten  wegen  ihrer
Kommerzien  und  ibrer  Sicberheit  zu  zute  gekommen  ist,  auch  sind  die  kaiserliehen
  Mandate  und  Prozesse  gehemnit  worden;  aber  noch  drobt  den  Städten
die  kaiserliche  Residenz  und  ohne  die  Union  hätte  der  Kaiser  die  Städte  mit
besonderen  Kontributionen  beschwert.  Die  Mängel  bei  den  Rechnungen
werden  sich  abstellen  lassen.  —  Nach  einer  Sonderberatung,  bei  der  Strassburg
  mabnt,  den  Schaden  nicht  allzu  genau  anzusehen,  erklärt  Oelhafen  namens
der  Städte  den  Deputierten:  Die  Städte  wollen  sich  nicht  von  der  Union
trennen,  aber  mit  dem  elsässischon  Wesen  können  sie  sich  nicht  beladen
lassen  und  müssen  bei  den  schweinfurter  Beschwerden  beharren.  Die
Höhern  mögen  selbst  vorschlagen,  wie  den  Mängeln  in  den  Rechnungen
abzuhelfen  wäre.  —  Die  Deputierten  erwidern,  dass  die  Höhern  die  Verantwortung
  für  das  elsässer  Wesen  auf  sich  nehmen  wollen,  dasselbe  könne
aber  in  den  Rechnungen  nicht  separiert  werden.  —  Die  ausschreibenden
Städte  antworten  mit  dem  Hinweis  auf  ihre  Instruktion,  dass  man  sich
ohne  diese  Separation  in  keine  weitere  Handlung  einlassen  könnte,  da  die
Städte  einmal  mit  dem  elsässer  Wesen  nichts  zu  tun  haben  wollen.

!  Im  Auszug  bei  M.  Ritter,  Politik  und  Geschichte  der  Union,  a.  a.  O.,
S.  149.  Zum  Eingang  bringt  Polheim  die  Glückwünsche  seines  Herrn  zur
Tagung  dar,  damit  die  angestellten  Consilia  zum  Aufnehmen  des  Reiches
und  zur  Minderung  der  Verwirrung  gedeihen.  —  Ebenso  erbietet  er  sich
am  Schluss  im  Namen  des  Königs  zu  aller  Gegenaffektion  und  Dankbarkeit;
der  König  habe  aus  den  Resolutionen  der  Unierten  an  seine  Gesandten  und
aus  deren  Berichten  gefunden,  dass  die  Unierten  ihm  besonders  gewogen
seien  und  sich  willig  zu  dem  erklärt  hätten,  was  zur  Beförderung  seiner
Ehre  und  Erhaltung  seiner  Lande  dienlich  sei.  Bei  dieser  angefangenen
guten  Korrespondenz,  die  er  hoch  und  wert  halte,  wolle  er  bleiben.  —  Die
Beglaubigung  für  Polheim  an  die  Unierten  ist  vom  3.  August  datiert  (Mb.,
119/2,  f.  132;  Or.).

°  No.  318.

®  Vgl.  oben  no.  49.

*  (St.  Pr.vom2./12.August]:Nürnberg  berichtetder  Gesamtheit  der  Städte
über  die  gestrigen  Verhandlungen,  bei  der  die  Höhern  statt  der  Vergleichsmittel
nur  Ermahnungen  gehabt  und  den  Städten  den  heilbronner  Abschied  vorgehalten
hätten,  worin  diese  die  Bezahlung  des  Volkes  beim  elsässer  Wesen  ganz  auf
sich  nahmen  und  den  Höhern  nur  die  Verantwortucrg  zuwiesen.  Strassburg

August  2.
bis
Sept.  2.
        <pb n="732" />
        August  2.
bis
Sept.  2.

7110  1611  5.

August  3./13.

Der  Bescheid  an  die  kaiserlichen  Gesandten  wird  nochmals
verlesen  und  erfährt  noch  einige  Abänderungen.  Camerarius  teilt
ferner  den  Zweck  von  Günterodes  Abordnung  hieher  mit:  er  soll
mit  den  andern  Gesandten  daran  sein,  dass  deren  Anbringen  effektuiert
werde;  auch  hat  er  gebeten,  ungleichen  Informationen  wider  den
Kaiser  nicht  Glauben  zu  schenken.!

ibt  die  Vorteile  des  elsässer  Zugs  für  die  Städte  zu  bedenken,  die  im  speirer  un
Heidelberger  Abschied  auch  das  Volk  der  Markgrafen  von  Baden  und  Ansbach  in
den  gemeinsam  zu  bestreitenden  Unterhalt  einbeziehen  liessen  ;  man  müsse  auf
Vergleichsmittel  denken  und  könnte  dem  Ding  einen  andern  Namen  geben.
Ulm  will  wenigstens  das  mansfellische  Volk  und  die  Artilleriekosten  abgezogen
wissen.  Die  andern  Städte  ausser  Worms  wünschen  den  höhern  Ständen  ent
gegenzukommen.  —  Darauferöffnet  Nürnberg  den  erschienenen  Deputierten  der
Fürsten:  Das  elsässer  Wesen  muss  bei  den  Rechnungen  ausgesetzt  bleiben,
denn  man  hat  das  fuchsische  und  helınstättische  Regiment  nur  zur  Ver
hütung  eines  Einfalls  oder  Durchzugs  bewilligt;  in  München  hat  man  aur
drücklich  erklärt,  dass  der  Zug  ins  Elsass  ohne  Zutun  der  Städte  erfolgt
sei;  zu  Heilbronn  haben  sich  die  Städte  gegen  jede  Verantwortung  für
diesen  Zug  verwahrt;  die  Werbungen  im  Elsass  sind  ohne  Vorwissen  der
Städte  geschehen,  Jdie  nur  für  die  beiden  oben  genannten  Regimenter  aufkommen
  wollen.  Kurpfalz:  Die  Absicht  beim  Zug  war  nur  auf  Defension
gerichtet;  zu  Heilbronn  wurde  beschlossen,  neben  dem  fuchsischen  und  helmstättischen
  auch  das  solmsische  Regiment  auf  gemeine  Kosten  zu  unterhalten  ;
die  Städte  brauchen  keinen  Tadel  zu  besorgen,  da  ja  die  Rechnungen  nicht
an  den  kaiserlichen  Hof  kommen;  man  wollte  die  Städte  wegen  des  elsässer
Unternehmens  zuvor  hören,  aber  die  Zeit  liess  es  nicht  zu.  Die  Städte  mögen
sich  entgegenkommend  erklären;  der  Wortlaut  des  Abschieds  soll  die  Städte
vor  Tadel  sichern.  Strassburg:  Bevor  die  Rechnungen  nicht  ganz  abgehört
  eind,  können  die  Städte  sich  nicht  endgiltig  äussern  ;  mit  den
Kosten  der  Belagerungen  und  mit  dem  mansfeldischem  Volk  kann  man  sich
nicht  beladen  lassen.  Nürnberg  bezeichnet  schliesslich  als  Vergleichsmittel:
Aussetzung  der  Posten  für  das  mansfeldische  Volk,  für  die  Artillerie,  für  die
hohen  Befehle  und  für  Ueberflüssiges.  Ulm  hält  eine  Separation  in  den
Rechnungen  gleichfalls  für  nötig  und  klagt  über  den  Markgrafen  von  Baden,
der  den  Ulmern  sein  Volk  auf  den  Hals  führte  und  noch  ein  Darlehen  ron
100000  fl.  forderte.  -—-  Kurpfalz  erklärt  eine  Separation  der  Rechnungen
für  untunlicb,  will  aber  den  Mitteln  weiter  nachdenken.

!  (St.  Pr.  vom  3./13.  August]:  Nürnberg  berichtet  den  Städten  insgesamt
über  die  gestrige  Verhandlung:  Die  angeführten  Argumente  wollten  bei  Jen
Höheren  nicht  verfangen,  die  aus  den  speirer  und  neuburger  Abschieden
allerlei  Disputationen  auf  die  Babn  brachten;  schliesslich  bewilligten  sie  so  viel,
dass  die  Stilisierung  des  Abschiedes  die  Städte  ausser  Gefabr  bringen  solle.  Eine
vertraute  Person  schlug  vor,  da  die  Kosten  für  Artillerie  und  Munition
98000  fl.,  für  die  höhern  Befehle  60000  dH.,  für  das  mansfeldische  Volk
53  000  fl.  betragen,  so  dass  es  sich  um  225000  [!]  fl.  handelt,  wovon  75  0008.
auf  die  Städte  treffen,  dass  man  von  dieser  Summe  die  noch  in  der  Kasse  rothandenen
  25000  fl.  abziehe  und  die  Städte  dann  die  5)  000  .  übernehmen;  si®
würden  dessen  in  anderer  Weise  geniessen.  Demrach  fragt  Nürnberg  um,  ob  man
bei  den  ausgesetzten  Posten  etwas  nachgeben,  ob  die  ausschreibenden  Städte  die
fernere  Handlung  führen  und  ob  man  sich  gleich  jetzt  oder  erst  nach  Abschluss
des  Rechnungswerkes  erklären  solle.  Die  Nürnberger  selbst  sind  instruiert,
sich  weder  der  Munition  und  Artillerie  noch  der  hohen  Befehle  und  der
mansfeldischen  Reiter  anzunehmen;  sie  wollen  aber  ihre  Herrn  zu  mildern
Mitteln  zu  bewegen  suchen.  —  Man  beschliesst  zunachst  den  Bericht  der
Rechnungsverständigen  zu  hören.  —  Polheims  Werbung  wird  von  den  Städten
        <pb n="733" />
        305.  1611:  71

August  5./15.

Camerarius  stellt  Polheims  Werbung  zur  Umfrage.  Sie  beruht  auf
vier  Begehren:  1.  die  Unierten  sollen  sich  den  brüderlichen  Vergleich  gefallen
lassen  ;  2.  sie  sollen  ungleichen  Informationen  über  den  König  nicht  glauben  ;
3.  sie  sollen  dieRatifikation  des  brüderlichen  Vergleichs  befördern  helfen  und
4.  im  Notfall  Hilfe  leisten  und  die  Korrespondenz  mit  Matthias  fortsetzen.
Ansbach  willdieabgelegten  Werbungen  und  erteilten  Bescheide  dem  Kaiser
und  dem  König  gegenseitig  mitteilen  und  darüber  auch  mit  Kursachsen  und
Kurbrandenburg  kommunizieren;  er  denkt  auch  an  die  Schickung  nach
Prag  zur  Urgierung  der  Gravamina  und  dass  man  sich  mit  Belieben  beider
Brüder  zur  Interposition  erbiete.e  Die  Begehren  soll  man  allgemein
beantworten,  um  sich  in  diese  Dinge  nicht  zu  verwickeln,  zur  Beschleunigung
  des  Vergleichs  mahnen  und  bei  der  Korrespondenz  beharren.
  Württemberg  warnt  auch,  sich  in  diesen  Streit  zu  mischen,
der  zunächst  das  Haus  Oesterreich  angeht  und  in  den  sich  schon
Höhere  geschlagen  haben.  Wegen  der  Approbation  und  Assistenz  bleibe
man  bei  allgemeinen  Ausdrücken;  batte  man  diese  vorher  versprochen,
so  war  sie  gegen  die  Passauer  gemeint.  Ist  die  Interposition  beiden
Teilen  annehmlich,  so  kann  man  eine  Gesandtschaft  schicken.  Die
Werbungen  soll  man  gegenseitig  mit  der  Mahnung  mitteilen,  dass  beide
Teile  desbalb  nicht  mit  einander  in  Weiterungen  geraten  mögen.  Baden
(persönlich):  Die  Differenzen  bestehen  zwischen  dem  Kaiser,  seinem
Oberhaupt,  und  dem  König,  der  ihm,  Markgrafen,  alle  „Cortesi“  und
guten  Willen  erwiesen  hat;  der  Kaiser  ist  unbeständig,  hingegen  hat
der  König  einen  „schädlichen  Mann“  bei  sich;  der  ganze  Vergleich
rührt  vom  Papst  und  von  Spanien  her.  Man  muss  sehen,  dass  der
Religionsfriede  erhalten  und  der  Union  gedient  werde.  Wegen  der
gegenseitigen  Mitteilung  der  Werbungen,  wegen  der  Approbation  des
Vergleichs  und  wegen  einer  Interposition  stimmt  er  den  vorigen  zu.
Von  seiten  des  Königs  hat  man  zwar  das  compelle  intrare  gespielt,
aber  man  hat  den  Vergleich  nicht  zu  misbilligen  und  möge  sich
mit  der  Erinnerung  begnügen,  dass  der  König  dabei  nicht  das  Reich
beschwere.  Bei  einer  Interposition  könnte  auch  der  Gravamina  gedacht
werden.  Die  Assistenz  fällt  beim  gegenwärtigen  Stand  der  Dinge
weg  ;  im  Notfall  hat  man  sich  zu  dem  zu  erbieten,  was  die  Reichsgesetze
  ausweisen  und  was  zur  Pflanzung  des  Friedens  gereicht.
Anhalt  (persönlich):  Es  ist  schwer,  den  richtigen  Weg  zu  treffen,
um  keinen  Teil  zu  verletzen,  beide  zufrieden  zu  stellen  und  dem
Kurfürstentag  nicht  vorzugreifen.  Man  bleibe  in  „terminis  generalissimis‘“
  und  deute  dem  Köuig  an,  dass  er  sich  bei  der  Mässigung  am

für  sehr  nachdenklich  befunden:  für  die  Städte  ist  es  nicht  ratsam,  sich  in  die
begehrte  Assistenz  einzulassen;  denn  der  Kaiser  ist  der  Städte  einziges
Haupt,  von  dem  sio  ihre  Regalien,  Privilegien  und  Rechte  empfangen;  man
darf  sich  also  dem  Kaiser  nicht  widrig  erweisen  und  muss  vielmehr  erinnern,
dass  die  Union  sich  nicht  gegen  den  Kaiser  richte.  Mit  dem  König  kann
man  in  dossen  Eigenschaft  als  Kurfürst  und  Erzherzog  korrespondieren,

August  2.
bie
Sept.  2.
        <pb n="734" />
        August  2.
bis
Sept.  2.

112  1611  305

besten  befinden  werde;  man  lobe,  dass  er  den  Kaiser  in  Prag  erhalte  und
warne,  dass  er  nicht  zu  sehr  in  ihn  dringe  und  ihm  Zeit  lasse,  sich  bei
den  Kurfürsten  Rats  zu  erholen.  Polheim  könnte  man  noch  andeuten,
dass  man  ‚‚violenta  consilia“  misbillige,  zumal  es  das  Ansehen  habe,
als  dirigierten  der  Papst  und  Spanien  des  Königs  Absichten.  Wegen
der  Schickung  nach  Prag  soll  man  gewahrsam  gehen  ;  da  aber  die
Räte  nicht  zum  Kaiser  kommen  können,  nur  schriftlich  referieren,
die  Sachen  ,‚‚odios“  anbringen,  ist  sie  nicht  ausser  Acht  zu
lassen,  doch  soll  man  Sachsen  vorher  informieren  und  zu  gleicher
Erinnerung  bewegen,  was  beim  Kurfürstentag  geschehen  kann;  danz
wird  man  sehen,  ob  die  Schickung  nötig  und  die  Interposition  annehmlich
ist.  Dem  Erzherzog  Maximilian  soll  man  die  Gravamina  und  die
Intention  der  Schickung  zeitig  mitteilen  und  ihn  ersuchen,  sich  ba
der  Intervention  finden  zu  lassen.  Culmbach:  Man  soll  die  ganze  Sache
„per  modum  consilii“  auf  den  Kurfürstentag  verweisen;  wegen  der
Assistenz  soll  man  sich  so  erklären,  dass  man  es  beim  Kaiser
verantworten  kann  und  dass  man  nicht  zu  weit  geht.  Oettingen:
Man  muss  auf  den  Kaiser  Rücksicht  nehmen,  bei  dem  man  die
Abschaffung  der  Beschwerden  sucht,  und  auf  den  König  wegen  der
Erbländer,  die  unserer  Religion  sind  und  bisher  viel  getan  haben,  auch
sorgfältig  sind,  dass  die  Union  erhalten  bleibt.  Gegenüber  den  Begehren
des  Königs  bleibe  man  in  generalitate  und  hüte  sich,  den  Höhern  vorzugreifen.
  Auf  Abhilfe  der  Gravamina  ist  wenig  zu  hoffen:  der
Kaiser  pflegt  deshalb  mit  den  geistlichen  Kurfürsten  zu  reden,  die
bereits  geraten  haben,  den  Evangelischen  wegen  der  Hofprosese
nicht  zu  willfahren;  auch  von  Erzherzog  Maximilian  ist  nicht  viei
zu  erwarten.  Strassburg  betont  die  Abhängigkeit  der  Städte  vom
Kaiser;  mit  der  Assistenz  wird  es  sehr  anstehen;  man  möge  beim
Kurfürstentag  sehen,  dass  Ruhe  und  Frieden  erhalten  und  von  den
Gravamina  geredet  werde;  dann  wird  die  Schickung  desto  besser
abgehen.  Nürnberg  will  auch  den  neutralen  Standpunkt  wahren.
warnt,  den  Kurfürsten  vorzugreifen  und  bezeichnet  den  Assistenzpunkt
  als  den  beschwerlichstten,  da'  er  wider  die  Pflicht
gegen  den  Kaiser  ist;  doch  wird  es  der  Hilfeleistung  nicht  mehr
bedürfen.  Auch  alle  andern  Städte  betonen  die  Notwendigkeit,  vorsichtig
  zu  gehen  und  bei  der  „Generalität‘‘  zu  bleiben.  —  Camerarius:
Der  Administrator  ist  der  Ansicht,  dass  die  Schickungen  des  Kaisers
und  des  Königs  der  Union  zu  grosser  Reputation  gereichen.!  Man
muss  in  den  Resolutionen  das  Aequilibrium  und  den  Respekt  wahren,
damit  der  Zweck  der  Wiederaufrichtung  vorigen  Vertrauens  erreicht
wird.  Die  vorigen  Resolutionen  wegen  der  Assistenz  sind  zu

!  Auch  die  ulmer  Gesandten  stellen  in  ihrem  Bericht  vom  2./12.  August
mit  Genugtuung  fest:  „Hat  also  die  union  durch  abordnung  aolcher  hohen  potentaten
  zue  den  unierten  stenden  diesmal  ein  mechtig  ansehen  und  reputation
gewonnen“  (U.,  Unionsacta,  tom.  XXIII.,  no.  2275;  Or.).
        <pb n="735" />
        305.  1611  713

erläutern,  aber  nicht  zu  sehr  zu  adstringieren;  denn  das  passauer
Volk  ist  abgeschafft.  Mainz  und  der  vorige  Kurfürst  der  Pfalz  haben
sich  zur  Interposition  zwischen  den  Brüdern  anerboten,  ebenso  Kursachsen
  und  Kurbrandenburg;  es  wurde  aber  wenig  geachtet.  Den
Kurfürsten  soll  man  nicht  vorgreifen.  Die  Interposition  ist  nicht
ausser  Acht  zu  lassen,  wenn  Kaiser  und  König  sie  sich  gefallen
lassen  und  auch  Sachsen  sich  dazu  versteht;  sie  würde  der  Union
gleichfalls  grosse  Reputation  bringen;  dabei  möchte  auch  den  andern
Gravamina  abgeholfen  werden,  besonders  wenn  man  Erzherzog
Maximilian  dazu  vermögen  könnte  —  Die  Anregung  wegen  der
Schickung  nach  Prag  und  die  Mitteilung  der  Werbungen  wird  zu
neuer  Umfrage  gestellt.  Man  beschliesst,  mit  der  Schickung,  die  die
Gravamina  und  die  Interposition  zum  Gegenstand  haben  soll,  bis  nach
dem  Kurfürstentag  zu  warten  und  die  Werbungen  auf  Verlangen  beiden
Teilen  mitzuteilen,  weil  die  Kaiserlichen  ohnebin  schon  im  Besitz  der
Werbung  Polheims  sind.  —  Die  Markgrafen  von  Ansbach  und  Baden
übergeben  ihre  Erklärungen  wegen  der  städtischen  Beschwerden
hinsichtlich  des  elsässer  Zuges.”  —  Da  man  mit  den  Rechnungen
nur  schwer  vorwärts  kommt,  schlägt  Camerarius  vor,  sich  bestimmter
Rechnungsregeln  zu  vergleichen,  nach  welchen  die  Prüfung  der
Rechnungen  vor  sich  gehen  soll;  er  teilt  mit,  dass  er  davon  bereits
einen  Entwurf  hat  anfertigen  lassen.®

Nachmittagssitzung.  Camerarius  berichtet  das  Ersuchen
Polheims,  weder  dessen  Werbung  noch  den  Bescheid  den  Kaiserlichen
mitzuteilen.  Da  Ansbach  weiss,  dass  Polheim  den  Inhalt  der
kaiserlichen  Proposition  kennt,  beschliesst  man  zu  warten,  bis  der  eine
oder  andere  Teil  die  Schriftstüäcke  begehrt.  —  Das  Ansuchen  Kurbrandenburgs
  wegen  einer  Assistenz  der  Union  beim  polnischen
Reichstag  wird  nochmals  proponiert;  die  Fürsten  stimmen  zu,  alle
Städte  lehnen  das  Begehren  ab;  die  Sache  wird  daher  vor  die  Fürsten
allein  verwiesen.  —  Auf  das  Hilfegesuch  der  Stadt  Genf?  soll
geantwortet  werden,  dass  man  sie  im  Notfall  nicht  verlassen  wolle;
Nürnberg  und  Ulm  hatten  sich  auch  dagegen  ausgesprochen,  weil  die
Stadt  nicht  im  Reich  liege  und  dieser  Punkt  unter  die  ausländischen

!  Ueber  die  Schwierigkeit,  zwischen  den  Begehren  des  Kaisers  und  des
Königs  durchzusteuern,  äussern  sich  am  4./14.  August  die  culmbachischen
Abgesandten  an  ihren  Herrn:  Die  Deliberation  über  Polheims  Werbung
wird  gar  schwer  fallen,  „sintemal  man  dem  konig  zuvorn  allerhand  gute
verströstung  gethan,  so  man  itzo  wieder  gern  im  sack  hette;  dann  vieler
intentionen  gehen  dabin,  man  solle  dem  kaiser  mehr  ale  dem  konige  beistendig
  sein.“  Günterode  bemühe  sich  sehr  darum  und  soll  auch  der  nene
Kurfürst  von  Sachsen  dem  Administrator  die  Hoffnung  ausgesprochen  haben,
man  werde  hier  nichts  handeln,  was  dem  Kaiser  zuwider  sei  (De.,  A9a,  Ib,,
no.  11;  —  Kopie).

’  Mit  dem  Datum  1./11.  August  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  X,  f.  308;
Kopie).  Vgl.  no.  235,
®  Der  erste  Entwurf  dieser  Rechnungsregeln  fehlt.
*  Vgl.  oo.  288,  S.  668,  Anm.  2.
        <pb n="736" />
        714  |  1611  308-.

  Händel  gehöre.  —  Die  hier  anwesenden  donauwörther  Exulanten

haben  eine  neue  Supplik  eingereicht,  worin  sie  mit  Erläuterung  ihrer

“  ersten  Klageschrift  ausführen,  dass  man  sich  bei  der  Hinderung

ihrer  BReligionsübung  auf  ein  altes  Dekret  berufe!;  auch  bitten
sie  um  ein  Unterkommen  in  den  Landen  der  Unierten.  Di
Fürsten  ausser  Oettingen  wissen  darauf  keinen  Rat  als  zur  Gedald
zu  mahnen;  Oettingen  beantragt,  Baiern  an  sein  Versprechen  zu
erinnern,  niemanden  in  seinem  Gewissen  zu  beschweren.  Die  Städte
erklären  sich  bereit,  die  Exulanten  bei  sich  aufzunehmen.  Das
Schreiben  an  Baiern  wird,  weil  den  Donauwörthern  gefährlich,  unterlassen;
  zugleich  beschliesst  man,  deren  Sache  den  kaiserlichen
Gesandten  zu  empfehlen.

August  6./16.

Der  Entwurf  des  Bescheids  für  Polheim?  wird  verlesen  und
genehmigt.  Camerarius  legt  dem  Plenum  den  Entwurf  der
Rechnungsregeln  vor.  Bei  der  Beratung  führt  Württemberg  aus,
dass  die  Städte  sich  zuvor  zu  den  Kosten  des  elsässer  Zugs  bereit  erklärt
hätten  und  nur  der  Verantwortung  überhoben  sein  wollten,  wie  sie  denn
auch  die  8  und  27  Monate?  erlegt  haben.  Die  Culmbacher  betonen,
dass  sie  in  ihre  Rechnungen  nicht  mehr  gesetzt  hätten  als  notwendig
auf  das  Kriegsvolk  aufgegangen  sei;  hätte  man  das  allgemein  in  Acht
genommen,  wären  viele  Unzuträglichkeiten  vermieden  geblieben.  Sie
hoffen  mit  den  Vorstimmenden,  dass  die  Städte  sich  vom  elsässer

!  Die  undatierte  Bittschrift  der  sechzehn  donauwörther  Exulanten  in
Mb.,  119,2,  f.  100;  Or.;  wegen  des  Dekrete  vgl.  F.Stieve,  Kampf  um  I)onauwörth,
  S.  457.

’  Vom  6./16.  August;  im  Auszug  bei  M.  Ritter,  Politik  und  Ge
schichte  der  Union,  a.  a.0.,  S.149.  Hier  ist  auch  der  Bescheid  des  Herzogs  von
Württemberg  vom  10./20.  August  auf  das  besondere  Anbringen  Polheims  mitgeteilt.
  Die  Werbung  war:  1.  Danksagung  für  die  angebotene  Hilfe;  2.  „soll  ihne
zu  einem  mediator  nicht  ausschlagen;  3.  zu  einem  romischen  konig  sich  nicht
lassen  zuwider  sein“  ;  4.  Verbesserung  der  bisher  ungenügenden  Korrespondenz
(Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.206;  Aufzeichaung  Fabers  nach  einer  Mitteilung
des  Herzogs).  —  Ein  ähnliches  Anbringen  hatte  Polheim  [am  2./12.  August!
auch  beim  Administrator  der  Kurpfalz  getan:  1.  Der  König  dankt  für  des
Administratore  willfährige  Erklärungen  gegen  die  vorigen  Gesandten  und
bittet,  in  dieser  Willfährigkeit  zu  verharren.  2.  Da  der  Administrator  sich  unter
dem  3.  Oktober  1610  erboten  hat,  wegen  der  Abhilfe  der  allgemeinen  Gravamina
  mit  den  andern  Ständen  zu  verhandeln  und  von  dem  Ergebnis  dem
König  Mitteilung  zu  machen,  so  wird  Polheim  zur  Entgegennahme  solcher
Mitteilungen  ermächtigt.  3.  Dem  König  möge  von  Vorgängen,  die  ihn  argehen,
  oder  von  Praktiken  wider  ihn  Mitteilung  gemacht  werden  (Mb.,  1192,
f.  141;  Or.  eigh.).  —  Der  Administrator  antwortete  am  3./18.  August  mit
der  Versicherung  seiner  fortdauernden  Affektion  gegen  den  König;  wegen
der  Gravamina  sei  das  Nötige  bei  den  anwesenden  kaiserlichen  dtea
angebracht  worden;  die  Erklärung  des  Kaisers  soll  dem  König  mitgeteilt
werden;  bisher  sei  nichts  vorgefallen,  was  den  König  angienge  (Mb.,  119.2,
.  ;  Kpt.).

®  Bewilligung  des  heilbronner  Abschiedes,  vgl.  Briefe  und  Akten,
1II.,  no.  207.
        <pb n="737" />
        308.  1611  715

Wesen  nicht  absondern  werden.  Im  wesentlichen  erklären  sich  die  August  2.
Fürsten  mit  den  aufgestellten  Regeln  einverstanden.  Strassburg  Mr
rechtfertigt  die  Werbung  seiner  drei  Fähnlein.  Die  Nürnberger  beharren  Pr  @
wegen  des  elsässer  Zugs  bei  der  Ablehnung,  doch  haben  sie  nochmals  nach

Hause  berichtet  und  erwarten  Bescheid.!  Die  Städte  haben  sich  auch  io  Heilbronn

  verwahrt  und  in  diesem  Sinn  an  den  kaiserlichen  Hof  geschrieben  ;

sie  können  also  wogen  des  elsässer  Zugs  nichts  tun,  obwol  ihre  Obern  nicht
gesinnt  sind,  sich  wegen  des  Geldes  von  der  Union  zu  sondern;  übrigens  steht

die  Sache  auf  fernere  Handlung  mit  den  Deputierten.  Die  aufgestellten

Regeln  sind  in  der  Hauptsache  zu  billigen.  Worms  ebenso.  Ulm

bittet,  wegen  des  elsässer  Zugs  die  besondere  Handlung  fortzusetzen  ;

ihr  Fähnlein  ist  dem  neuburger  Abschied  gemäss  geworben  worden.

Die  andern  Städte  ebenso.  Camerarius  betont,  dass  die  Kurpfalz

den  grössten  Nachteil  habe,  da  sie  am  meisten  Kontribution  erlege,

in  der  Oberpfalz  habe  sie  das  Kriegsvolk  Jahr  und  Tag  liegen  gehabt.

Das  Erbieten  der  Städte  zu  besonderer  Handlung  wird  angenommen.
Wegen  der  zahlreichen  Erinnerungen  zu  den  Bechnungsregeln  soll

ein  neuer  Eutwurf  angefertigt  werden.  —  Darauf  wird  die  Replik

der  kaiserlichen  Gesandten  verlesen.”  Die  begehrte  Abordnung

zu  weiterer  Unterredung  wegen  der  Gravamina  wird  trotz  einiger
Bedenken  beschlossen.  —  Die  Städte  übergeben  ein  Memorial  wegen

des  Rechnungswesens.  Man  beschliesst,  davon  bei  Gelegenheit  der

neuen  Bechnungsregeln  zu  reden.

August  7./17.
Verhandlung  des  Ausschusses  mit  den  kaiserlichen  Kommissarien
wegen  der  Gravamina?  und  mit  den  ausschreibenden  Städten  wegen
der  Rechnungsregeln.*

!  Diesem  erwarteten  Bescheid  liegt  ein  Verlass  der  Herrn  Aeltern  vom
5.,15.  August  zu  Grunde:  Sie  haben  gehofft,  dass  die  Fürsten  sie  nicht  von  der  dem
Kaiser  und  den  Kurfürsten  gegebenen  krklärung  wegen  des  elsässer  Zuges
abdrängen  und  verursachen  werden  wollen,  dass  man  den  Nürnbergera  nachsage,
  sie  hätten  gegen  Treue  und  Glauben  gehandelt;  die  andern  Städte,  die
derlei  Zusagen  nicht  machten,  können  den  Fürsten  eher  nachgeben,  wozu
Nürnberg  nicht  Mass  geben  will.  Deshalb  mögen  die  (resandten,  die  bei
der  Instruktion  zu  bleiben  haben,  im  Notfall  sich  bei  diesem  Punkt  des
Direktoriums  im  Städterat  begeben.  Damit  aber  die  Fürsten  Nürnbergs
Haltung  nicht  als  Knauserei  auslegen,  so  dürfen  die  Gesandten,  —  doch
dass  ee  nicht  das  Ansehen  habe  als  bewilligten  sie  etwas  für  den  elsässer  Zug,  —
von  den  den  Fürsten  vorgeschossenen  80  000  fl.  10  000  fi.  abschreiben  lassen,
unter  dem  Vorwand,  dass  das  Geld  zur  Abdankung  und  zur  Abwendung  von  Uefahr
  angewendet  worden  sei;  dagegen  ist  darauf  zu  dringen,  dass  die  Nürnberger
in  Abschied  wegen  des  elsasser  Zugs  entschuldigt  werden.  Zugleich  sollen
sich  die  (sesandter  über  die  unnachbarlichen  Handlungen  der  Markyrafen
beschweren  und  die  (rravamina  der  Städte  nrgieren;  auch  sollen  sie  anzeigen,
Jdase  die  Nürnberger  wegen  ihrer  Pflichten  gegen  den  Kaiser  dem  König
keine  Assistenz  leisten  könnten  (Nbg.,  Verlässe  der  Herrn  Aeltern,  no.  25,
f.  107).  —  Die  Berichte  der  nürnberger  Gesandten  sind  leider  verloren.

?  Vgl.  no.  318,  S.  749  Anm.  1.

®  Vgl.  unten  no.  322.

*  [8t.  Pr.  vom  7,17.  August]:  Verhandlung  zwischen  den  ausschreibenden
Städten  und  den  Deputierten  der  Fürsten.  Kurpfalz  erinnert  an  eine
        <pb n="738" />
        716  1611  308.

Nachmittagssitzung.  Camerarius  legt  die  neue  Redaktion  der

Rechnungsregeln  vor  und  stelltdie  Punkte  zur  Erörterung:  1.  Der  erste

Punkt  wegen  des  elsässer  Zuges  wird  noch  ausgesetzt.  —  2.  Die  Posten  für
Garnisonen  können  nicht  passiert  werden;  doch  begehren  die  Strassburger
wegen  ihrer  drei  Fähnlein  eine  Ausnahme.  Da  die  Strassburger  mit  der
in  der  ersten  Umfrage  bewilligten  Passierung  von  zwei  Fähnlein  sich  nicht
zufrieden  geben,  wird  nochmals  umgefragt  und  ihnen  auch  das  dritte
bewilligt.  —  3.  UebermAusige  Zehrungen  und  Reisekosten  sind  zu
moderieren,  Privatschickungen  nicht  zu  passieren.  Angenommen  —
4.  Botenlohn  und  Postgelder  sind  nicht  zu  passieren.  Angenommen.  —  5.Die
Kosten  für  Munition  und  Kriegsbedarf  sind  nach  der  Taxe  zu  moderieren
und  davon  abzuziehen,  was  jeder  Stand  zurückerhielt.  Angenommen.  —
6.  Geringe  Ausgaben  für  Krankenfuhren,  Stallmieten,  Scharwerk  sind
auszusetzen,  Ausgaben  für  Fourage  nach  billiger  Taxe  anzuerkennen.
Angenommen.  —  7.  Anbefohlene  Verehrungen  sind  zu  moderieren.
die  andern  auszusetzen.  Angenommen.  —  8.  Jeder  Stand  hat  sein
Quote  auf  eigne  Kosten  zur  Legstätte  zu  liefern.  Angenommen.  —
9.  Proviant-  und  Kommisslieferungen  für  ein  Tag-  oder  Nachtlager
oder  bei  Durchzügen  sind  nicht  zu  berechnen.  Dabei  regt  Baden
an,  den  Proviant,  den  man  aus  den  geistlichen  Territorien  bekommen
hat,  zu  bezablen..  Ulm  berechnet  den  Wert  seiner  Proviantlieferung
auf  27000  fi.  Der  Punkt  wird  angenommen.  —  10.  Unnötige  und
„milte“  Ausgaben  für  Entschädigungen,  Krankenkosten  etc.  sind  aus
zusetzen.  Angenommen.!  —  Camerarius  spricht  schliesslich  die
Hoffnung  aus,  man  werde,  da  in  den  neun  Punkten  den  Städten  der
Wille  geschehen  sei,  sich  nunmehr  auch  wegen  des  elsässer  Zuge
mit  den  Städten  verständigen  können,  weil  durch  Abstrich  obiger  Posten

Aeusserung  der  Städte:  man  möge  dem  elsässer  Wesen  nur  einen  andern  Namen
geben.  Sıe  sollen  nun  einen  solchen  vorschlagen.  Nürnberg  wird  sich  vernehmen
lassen,  wenn  seine  Herrn  wegen  der  dargeliehenen  80000  fl.  versichert  sind:
auch  muss  man  die  Höhe  Jer  Artillerie-  und  Munitionsrechnung  kennes.
Bevor  nicht  gemäss  den  vorgeschlagenen  neun  Punkten  der  Rechnungsregelo
[siebe  oben]  Moderation  eingetreten  ist,  können  sich  die  Städte  wegen
des  elsässer  Wesens  nicht  vernehmen  lassen.  In  der  Antwort  der  Fürstes
auf  die  Beschwerden  der  Städte  sind  diese  ziemlich  „angezepft“;  das  könnte
bei  ihnen  andere  Resolutionen  verursachen.  Strassburg  ebenso;  es  hat
einige  hunderttausend  Gulden  Schaden  gehabt  und  drei  Fähnlein  im  Warte
geld  zum  Schutz  des  Kriegsvolks  der  Union  erhalten  müssen.  —  Es  werden  dann  die
neun  Punkte  vorgenommen  und  mit  dem  zweiten  wegen  der  (Garnisones
begonnen,  wobei  Strassburg  seinen  Posten  für  die  drei  Fähnlein  verteidigt
und  droht,  dass,  wenn  man  ihn  nicht  passieren  lässt,  ihre  Herrn  nicht  länger
in  der  Union  bleiben  könnten.  Die  Verhandlung  wird  abgebrochen.

!  Die  angenommenen  Rechnungsregeln  liegen  als  „Memorial  und  ver
zaichnus  etlicher  verglichener  reguln,  nach  welchen  die  zu  den  re
nungen  deputirte  die  verhör  und  liquidation  derselben  zu  richten“  in  Stg.,
Unionsacta,  tom  X.,  f.  557;  Or.,  vor;  die  Regeln  siad  ein  Verzeichnis  solcher
Posten  in  den  Rechnungen,  die  entweder  ganz  ausgesetzt  oder  ermässigt  werde
müssen.  Nach  dem  Bericht  der  Ulmer  vom  9./19.  August  wurde  in  folge
dessen  mehr  als  eıne  Tonne  Golds  aus  den  Reahnungen  gestrichen.
        <pb n="739" />
        305.  1611  117

mehr  abgeht  als  der  Anteil  der  Städte  an  den  Kosten  des  Zuges  August  2.

beträgt.  bis
Darauf  berichtet  der  württembergische  Vizekanzler  Dr.  Faber  Sopt.  2.

über  die  Unterredung  mit  den  kaiserlichen  Gesandten.  In  der  Umfrage

wird  beschlossen,  die  Verhandlung  mit  diesen  als  beendet  anzusehen

und  den  Gesandten  Rückbeglaubigungen  auszustellen.

August  8./18.
Abfertigung  der  kaiserlichen  Gesandten.!

August  10./20.

Man  geht  vermöge  der  Rechnungsregeln  verschiedene  Posten  durch.
Wegen  der  Lehenreiter  erregen  die  Städte  eine  längere  Diskussion  und

ı  (St.  Pr.  vom  8./18.  August]:  Nürnberg:  Beim  elsässer  Wesen
handelt  es  sich  um  drei  Punkte:  1.  Aussetzung  der  Munitions-  und  Artilieriekostea
im  Elsass,  2.  der  Kosten  der  mansfeldischen  Reiter  und  3.  der  Besoldung  für  die
höheron  Befehle.  Auf  dieStädte  würden  daran  75000  fl.  treffen,  von  denen  nach
einem  Vorschlag  die  Höheren  25000  fl.  auf  sich  nehmen  sollen.  —  Bei  der
Umfrage  fallen  die  Vota  sehr  verschieden:  Ulm  will  auf  die  50000  Ai.  eingehen,
  Nördlingen,  Rotenburg  und  Hall  wollen  aich  zu  30000  Al.
herbeilassen,  Speier  will  die  Artillerie  und  Befehle  passieren  lassen,  Worms
nimmt  nur  zur  Bericht,  Nürnberg  rät  nach  den  neuen  Befehlen  [vgl.
Anm.  1  auf  8.  715)  zur  Nachgiebigkeit,  da  die  Höheren  im  Abschied  die
Verantwortung  auf  sich  nehmen  wollen  und  versprechen,  künftig  solche
Impresen  nur  mit  Zustimmung  der  Städte  zu  unternebhnien  ;  man  ınöge  zunächst
40.000  fl.  bieten.  —  Dieser  Vorschlag  wird  angenommen.  Die  ausschreibenden
Städte  haben  mit  dem  Ausschuss  der  höheren  Stande  (larüber  zu  verhandeln.

Verhandlung.  Nürnberg  will  zunächst  wissen,  ob  auch  die  Posten
für  den  ersten  Einfall  ins  Elsass,  der  meist  mit  Landvolk  geschah,  und  für
die  Lehenreiter  in  den  Rechnungen  bleiben  sollen.  Kurpfalz  [Schöuburg]
bejaht  dies  und  betont,  dass  der  Schaden  der  Kurpfalz  mehr  als  eine  Tonne
Goldes  betrage;  doch  soll  dieser  Punkt  trotzdem  nochmals  vor  das  Plenum
kommen.  Nürnberg  eröffnet  unter  Verwahrung,  dass  die  Diffvrenz  nicht
von  ihm  allein  komme,  den  Beschluss  der  Städte  wegen  der  40  WO  fl.  Schönburg
  erklärt,  die  Fürsten  würden  ein  solches  Anerbieten  gar  nicht  annehmen.
Darauf  gebt  Nürnberg  auf  50000A.;  Schönburg  verlangt  aber,  dass
die  Städte  auf  6065000  fl.  gehen,  wogegen  er  es  dahin  rıchten  wolle,  dass
der  erste  Einfall  nicht  in  Rechnung  gestellt  werde  und  die  Hölieren  5000  fl.
nachlassen;  das  Verlangen,  die  Kosten  für  die  Lehenreiter  zu  streichen,
lehnt  er  vorläufig  ab.

Die  Städte  treten  nochmals  zusammen.  Nürnberg  berichtet,  dass,
der  Anteil  der  Städte  an  dem  elsässer  Wesen  83000  fl.  betragen  würde,
weshalb  die  Fürsten  das  Anerbieten  von  40000  fl.  für  einen  Spott  ansehen;
Schönburg  hoffe,  dass  bei  einer  Bewilligung  von  60000  fl.  die  Kosten  für
das  Volk  in  der  Wanzenau  mit  20000  fl.  und  für  den  Unterhalt  der  Lehenreiter
  in  der  Oberpfalz  mit  30000  fl.  fallen  gelassen  werden.  Man  bewilligt  die
60000  fi.,  worauf  Schönburg  anzeigt,  dass  die  Höhern  die  erwähnten  Posten
wirklich  fabren  lassen  wollen.

Am  9./19.  August  wird  über  die  aachner  Angelegenheit  und  über  die
Bittschrift  der  evangelischen  Bürger  von  Köln  verhandelt  und  beschlossen,
diese  Sachen  bei  den  höheren  Ständen  anzubringen.  Ein  Städtetag  um  die
Zeit  des  Kurfürstentags  wird  angesetzt.
        <pb n="740" />
        118  1611  305.

August  2.  setzen  durch,  dass  sie  keinen  höhern  Sold  als  die  andern  Reiter  empfangen

bis
Sept.  2,

dürfen  und  auch  diesen  nur  für  die  Dauer  ihrer  Verwendung  im  Elsas.

Camerarius  teilt  ferner  mit,  dass  die  evangelischen  Aachner.
desgleichen  die  evangelische  Bürgerschaft  in  Köln  Bittschriften  be
den  Städten  eingereicht  hätten.!

Nachmittagssitzung.  Polheim  verabschiedet  sich  von  den
Unierten  mit  Dankesworten  für  die  Resolution  und  mit  Wünschen  rı
glücklichem  Schluss  dieser  Versammlung.  Dabei  lässt  er  einfliessen,  das
der  König  vom  Papst,  Spanien  und  vom  Hause  Oesterreich  zum  Eiutrit
in  die  Liga  aufgefordert  worden  sei;  aber  der  König  sehe  nur  af
Ruhe  und  Frieden  im  Reich  und  wolle  bei  der  Korrespondenz  [mit  des
evangelischen  Ständen]  beharren.  Camerarius  dankt  und  lobt  de
Königs  Entschluss,  aus  dem  ersichtlich  sei,  dass  er  in  die  Fusstapfe
seiner  Vorfahren  treten  wolle.

Camerarius  fragt  um,  wie  das  Rechnungswerk  befördert  werden
könnte?  Bei  der  Umfrage  werden  Stimmen  laut,  dass  man  wegen  der
Abwesenheit  Kurbrandenburgs,  Neuburgs  und  Hessens.  die  auch  ihre
Rechnungen  nicht  überschickt  haben,  doch  kein  Ganzes  werde  machen
können.  Die  Mehrheit,  darunter  die  Städte,  beschliesst  aber,  alle
anzuwenden,  um  das  Rechnungswerk  vorwärts  zu  bringen,  sowol  wegen
des  Kredits  als  wegen  des  Ansehens,  das  die  Union  nunmehr  geniesse,
wie  aus  Polheims  Worten  hervorgieng;  man  möge  die  erste  Rechnung,
die  kurpfälzische,  gemäss  den  Regeln  vornehmen  und  sich  bei  de
folgenden  darnach  richten;  zur  Beschleunigung  dieser  Arbeit  könnten
mehrere  Ausschüsse  eingesetzt  werden.  —  Verlesung  verschiedener
Briefentwürfe  zu  Interzessionen  sowie  zur  Antwort  an  die  Stadt  Genf!’

August  12./22.

Camerarius  proponiert:  1.Soll  nach  Beendigung  des  Kurfürstentags
der  Administrator  die  nächstgesessenen  Fürsten  und  die  ausschreibenden
Städte  beschreiben,  um  eine  Instruktion  zur  Schickung  nach  Prag  nı
beraten  ?  2.  Soll  auch  Kursachsen  dazu  bewogen  werden  und  soll  man
noch  vor  dem  Kurfürstentag  deshalb  jemanden  nach  Dresden  abordnen  ?  —
Man  beschliesst  den  Ausgang  des  Kurfürstentags  abzuwarten,  dann  wii
man  sich  zusammenfinden  und  über  die  Schickung  schlüssig  werde:
für  die  Schickung  wird  Anhalt  in  Aussicht  genommen  ;  Sachsen  sıll
schon  vor  dem  Kurfürstentag  informiert  werden,  was  Ansbach  auf
sich  nehmen  soll.  —  In  der  Umfrage  regt  Anhalt  an,  was  u
tun  sei,  wenn  nach  dem  inzwischen  erfolgten  Vergleich  zwische

ı  Vgl.  L.  Keller,  die  Gegenreformation  in  Westphalen  und  am  Nieder
rhein  (Publikationen  aus  den  preussischen  Staatsarchiven,  62.  Bd.),  S.  $  .
und  8.  118;  die  Supplik  der  Aachner  in  Stg.,  Unionsacta,  t.  X,  f.  Rl:
Kopie  Wegen  Köln  vgl.  unten  no.  353.

?  Schreiben  des  Administrators  vom  12./22.  August:  Versicherung  des  Mit
leids  und  Ausdruck  der  Hoffnung,  da  die  Dinge  nun  in  anderem  Stand  sind,  dass
Gott  die  Stadt  ferner  vor  Gewalt  schützen  werde;  würde  ihr  aber  wieder
Gefahr  drohen,  so  werde  man  sie  in  Acht  nehmen  (Mb.,  342,1,  f.  105;  Kopie)
        <pb n="741" />
        305.  1611  119

Kaiser  und  König  der  Kurfürstentag  als  überflüssig  ausfiele?  Ferner  August  2.
beantragt  er,  Kursachsen  noch  mehr  zu  gewinnen,  indem  man  Neuburg  Mi  2
von  hier  aus  zur  Bestätigung  dos  jüterbogker  Vertrags  ermahnt.  ©
Camerarius,  der  noch  erinnert,  Sachsen  von  den  hiesigen  Verbandlungen
  mit  den  kaiserlichen  Gesandten  zu  unterrichten.  stellt

Anhalts  Antrag  zur  Umfrage.  Da  aber  der  Administrator  sich  wegen

seines  eigenen  Interesses  an  der  jülicher  Sache  entschuldigt  und

die  Städte  von  ihr  nichts  wissen  wollen,  wird  die  Sache  auf  der

Fürsten  persönliche  Vergleichung  gestellt.

Dathenus  bringt  einige  Bemängelungen  der  Städte  au  den
Rechnungen  vor;  es  handelt  sich  um  Ueberschreitung  der  in  den
Bestallungen  vorgesehenen  Gehaltssummen.  Weil  das  Geld  schon  ausgegeben
  ist,  werden  von  der  Mehrheit  die  Posten  genehmigt.  —  Die
Entwürfe  für  die  Interzessionsschreiben  der  Unierten  an  den  König
und  die  Reichsstände  von  Polen  zu  gunsten  Kurbrandenburgs  werden
verlesen.  Auf  die  Anfrage,  ob  die  Städte  die  Schreiben  mitausfertigen
wollen,  schweigen  dieselben.t  —  Württemberg  übergibt  dem  Direktorium
eine  Bittschrift  um  Assistenz  bei  der  Tagsatzung  in  Brüssel  zur
Entscheidung  seines  Streites  mit  dem  Parlament  von  Döl  wegen
einiger  Herrschaften  in  Mömpelgard.?

Nachmittagssitzung.  Camerarius  proponiert  die  Bittschrift
der  evangelischen  Aachener?  und  fragt  um,  ob  maı  deshalb  an
die  possidierenden  Fürsten  in  Jülich  schreiben  und  beim  Kurfürstentag
und  beim  Kaiser  Anregung  tun  solle.  In  der  Umfrage  wird  von
Baden  hervorgehoben,  dass  die  Sache  der  Aachenar  zu  den  gemeinen
Beschwerden  gehöre,  während  Anhalt  den  Tumult  misbilligt  und
erinnert,  dass  die  Stadt  nicht  in  der  Union  sei;  man  möge  zuerst
bei  den  Possidierenden  anfragen,  ob  sie  sich  der  Sache  annehmen
wollen.  Oettingen  schlägt  vor,  deshalb  mit  Sachsen  zu  kommunizieren.
Die  Städte  treten  natärlich  nachdrücklich  für  Aachen  ein,  dessen
man  sich  bei  den  Gravamina  der  Städte  stets  erinnert  habe.
Nürnberg  verlangt,  man  möge  an  die  Possidierenden,  an  Sachsen,
an  Erzherzog  Albrecht  wegen  der  Handelssperre  und  an  den  Kaiser
schreiben.  Camerarius  schliesst,  dass  man  sich  der  Stadt  annehmen,

!  Der  Gedanke,  Hippolyt  von  Colli  auf  Kosten  der  Union  zum  polnischen
Reichstag  zu  schicken,  war  mit  Rücksicht  auf  die  Kürze  Jer  Zeit  und  wol
auch  auf  den  Wıderstand  der  Städte  fallen  gelassen  worden.  Noch  am
11./21.  August  verlassen  die  Herrn  Aeltern  von  Nürnberg,  dass  die  nürnberger
  Gesandten  dies  Begehren  entweder  ganz  ablehnen  oder,  wenn  die
Mehrheit  der  Städte  Kurbrandenburg  gratifizieren  wullte,  ihm  nur  mit  der  Bedingung
  zustimmen  sollen,  dass  es  sich  bei  der  Bewilligung  hiefür  um  ein

donum  gratuitum  handle  (Nbg.,  Verlässe  der  Herrn  Aeltern,  no.  25,  f.\.  —  Die
Interzessionsschreiben  sind  vom  19./29.  August  datiert  (Mb.,  342/1,  f.  97;
Kopie).

?  Vom  9./19.  August  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  190:  Kopie);  vgl.
Lünig,  Bibliothecae  deduetionum  P.  IV.,  8.  120  und  Ch.  F.  Sattler,
Geschichte  des  Herzogtums  Württemberg,  VL.,  8.  57.

®  Vgl.  Anm.  1  auf  S,  718.
        <pb n="742" />
        120  1611  305.

August2.  Sachsen  dafür  disponieren  und  die  Bittsteller  an  den  Kurfürstentag

8
Sept.  2.

weisen  soll;  an  die  Possidierenden  ist  zu.  schreiben,  damit  sie
Kommissarien  zur  Beilegung  des  Streits  abordnen  und  auch  sonst
die  evangelischen  Aachner  vor  Beschwerungen  von  seiten  des  kaiserlichen
  Hofes  bewahren.  —  Er  proponiert  sodann  die  Beschwerdeschrift
der  evangelischen  Bürger  Kölns!  Man  findet  kein  anderes
Mittel,  als  der  Sache  bei  den  Gravamina  zu  gedenken.  Nürnberg
hatte  angeregt,  auch  diese  Sache  den  Possidierenden  zu  empfehlen,  ob
sie  vielleicht  den  vertriebenen  Bürgern  in  Mühlheim  Unterschlupf  geben
und  der  Stadt  Köln  die  Kommerzien  sperren  möchten.  —  Braunschweigische
  Achtssache:  Man  beschliesst,  deshalb  abzuwarten,
was  die  Kurfürsten  bei  ihrer  Zusammenkunft  tun  werden;  Kursachses
und  Kurbrandenburg  sollen  gebeten  werden,  sich  zu  interponieren;
die  Städte  wollen  die  Stadt  Braunschweig  zur  Schiedlichkeit  ermahnen.
  Auf  die  Anfragen  Nürnbergs  und  Ulms,  wie  man  sich
angesichts  der  Achtserklärung  wegen  des  Handels  verhalten  solle,
urteilen  die  höheren  Stände,  man  möge  die  Schreiben  der  brausschweigischen
  Räte  wegen  der  Achtserklärung  als  privat  ignorieren,
bis  ein  kaiserlicher  Herold  käme;  ausserdem  solle  man  sich  be
den  niedersächsischen  Ständen  erkundigen,  wie  sie  es  des  Handels
wegen  halten;  jedenfalls  ist  den  Städten  Vorsicht  zu  empfehlen.’

August  13./23.

Verlesung  und  Genehmigung  des  Entwurfs  für  das  Interzessionsschreibens
  an  die  Possidierenden  zu  gunsten  der  Aachner®.  Beratung  der

!  Vgl.  L.  Ennen,  Geschichte  der  Stadt  Köln,  V.,  Köln  1880,  S.  4721.
und  unten  no.  353.

’  Der  sebr  zahme  Beschluss  in  der  braunschweigischen  Sache  erklärt
sich  aus  der  begreiflichen  Rücksichtnahme  auf  den  so  einflussreichen  Herzog  ron
Braunschweig,  der  durch  Hippolyt  von  Colli  die  Unierten  hatte  bitten  lassen,
der  stadt  weder  Interzessionen  noch  sonst  Hilfe  zu  gewähren;  die  uniertea
Fürsten  würden  ihn  dadurch  sehr  verpflichten  „et  feront  ce  qu’ilz  voudroient
qu’on  leurs  fist  en  cas  pareil..  Je  voudrois*  —  rät  Colli  dem  Fürsten
Christian  von  Anhalt  —  „qu’on  le  retint  en  amitie  et  devotion;  il  peat
maintenant  beaucoup  comme  directeur  en  choge,  qui  se  permettent  honestement

24.  Juli  j  -
3.  August  Bbg.,  A  9a,  no.  16i,
f.  93;  Or.  eigh.).  —  [St.  Pr.  vom12./22  August]:  Nürnberg  fragt  um,  ob
man  in  den  Rechnungen  noch  weiter  fortfahren  soll,  da  die  Höheren  alle
per  maiora  durchsetzen  wollen.  —  In  der  Umfrage  ergibt  eich,  dass  Strasburg,
  Worms  und  Speier  mit  den  Rechnungen  ganz  einhalten,  Ulm  ucd
Nördlingen  in  den  Rechnungen  mit  der  Verwahrung  fortfahren  wollen,  das
Maiora  in  „Säckelsachen*  nicht  zu  dulden  seien,  widrigenfalle  man  an  dem
Rechnungswerk  nicht  länger  teilnehmen  würde.  Dieser  Meinung  schliessen  sich
Nürnberg,  Roteuburg  und  Hall  an.  Man  beschliesst  eine  schriftliche  und  mündliche
  Ahndung  des  Verfahrens  der  Höheren.  —  Dr.  Burkhard  (für  Nürnberg)
zeigt  an,  dass  Dathenus  seinen  Protest  übel  aufgenommen,  Schönburg  ihm
aber  einen  Befehl  des  Administrators  mitgeteilt  habe,  mit  den  Städten  nicht
zu  skrupulieren  ;  lirber  wolle  er,  Administrator,  einen  Schaden  erleiden.
 _*  Vom  14./24.  August:  Während  des  Unionstages  ist  den  Uniertes
die  Bedrängnis  der  evangelischen  Bürgerschaft  in  Aachen  geklagt  worden,

faire  et  non  pas  autrement*  (Schreiben  vom
        <pb n="743" />
        505.  1611  721

Bittschrift  der  bambergischen  Untertanen  gegen  ihren  Bischof  und  August  2.
den  Abt  vonLangheim.t  Bei  der  Umfrage  darüber  beantragt  Strassburg,  „  P!®  0
den  katholischen  Assessoren  mit  der  Gehaltssperre  zu  drohen.  Nürnberg  Sopt.  2.
rät,  an  Sachsen  zu  schreiben,  vor  allem  an  den  Herzog  von  Coburg;  „wüss

man,  dass  Coburg  sondern  favor  zur  union  trag.“  Nördlingen  weiss,  dass

das  bamberger  Domkapitel  mit  ‚‚des  Bischofs  Faktionen“  nicht  ganz  zufrieden

  sei  und  dass  durch  des  Kapitels  Vermittlung  manchem  Uebel  vorgebaut

  werde.  Man  beschliesst,  an  den  Bischof  von  Bamberg,  an  das
Kammergericht  und  an  den  Herzog  von  Coburg  zu  schreiben.  —
Memorial  der  Stadt  Worms  wegen  des  Eindringens  der  Jesuiten.?

besonders  dass  der  Rat  der  Stadt  bei  schwerer  Strafe  verboten  habe,  evangelische
Predigten  ausserhalb  der  Stadt  zu  besuchen,  weshalb  es  unter  dam  gemeinen  Volk
zum  Aufruhr  gekommen  sei;  die  Unierten  wurden  orsucht,  sich  der  Bedrängten
anzunehmen  und  sie  den  possidierenden  Fürsten  zu  empfehlen.  Ohne  genanere
Nachricht  von  den  Umständen  zı  haben,  empfinden  die  Unierten  mit  jenen  Mitleid,
  tragen  aber  Bedenken,  zur  Zeit  beim  Kaiser  oder  gonstwo  deshalb  etwas  anzuregen,
  damit  nicht  der  kaiserliche  Hof  wie  vordem  mit  geschwinden  scharfen
Prozessen  gegen  die  Evangelischen  verfahre.  Da  aber  dem  Herzog  von  Jülich
die  Direktion  in  Kirchen-  und  Schulsachen  gebühren  soll  und  der  vorige  Rat
und  die  evangelische  Bürgerschaft  sie  allzeit  anerkannt  hat,  so  stellen  die
Unierten  beiden  Fürsten  anheim,  sich  der  Sache  weiter  anzunehmen,  durch
Kommissarien  einen  Vergleich  zwischen  Rat  und  Bürgerschatt  herbeizuführen,
den  Evangelischen  Jdie  Uebung  ihres  Bekenntnisses  zu  sichern  und  zu  verhüten,
dass  ee  zu  den  vorıgen  Hofprozessen  komme  oder  dass  ein  Dritter,  dem  der
päpstische  Rat  den  Schutz  aufgetragen  haben  soll,  sich  einmische,  Die
Unierten  werden  der  Suche  der  Aachner  bei  den  aligemeinen  Beschw  den
gedenken  (K.  F.  Meyer,  Aachensche  (teschichten,  I.,  8.  558  £.).

ı  Vgl.  no.  321.

?  Das  undatierte  Memorial  in  Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  345;  Kopie;
Schon  zu  Schwäbisch-Hall  hatten  die  Abgesandten  der  Stadt  Worms  eine
Bittechrift  um  Abschaffung  der  hochschüdlichen,  zu  Worms  eingeschlichenen  _
Jesuitensekte  eingereicht,  worauf  die  Versammelten  in  reifliche  Beratung
zugen,  wie  dies  Einschleichen  gänzlich  abgestellt  werden  könnte.  L&amp;amp;s  wurde
demnach  an  Kurfürst  Friedrich  1V.  im  Namen  der  Union  am  30.  Januar  1610
[a.  S.|  ein  bchreiben  gerichtet  uud  er  darin  gebeten,  deshalb  an  den
Bischof  von  Worms  zu  schreiben  und  auch  sonst  auf  Mittel  zur  Abwendung
dieses  Unbeils  zu  denken.  Das  Schreiben  wurde  wirklich  ausgefertigt  und  so
hoffte  der  Rat,  es  würde  darauf  die  Abschaffung  dieses  „verführerischen*“
Ordens  „als  des  babsts  zue  Rom  aidverpflichten  Janitscharn*  erfolzen;  aber
es  kam  nur  ein  Antwortschreiben,  das  mit  vielen  irrigen  und  der  „Pfaffheit“
zu  Worms  selbst  verkleinerlichen  Narraten  unterspickt  war  und  leicht  abgelehnt
  werden  konnte.  Seit  Jdes  Kurfürsten  Tod  ist  diese  „verführerische
sect  und  fridenszerstörer“  noch  weiter  eingerissen;  einer,  P.  Augustinus,  der
bisher  die  Kanzel  im  Dom  „under  schleier  weissem  schopf-  oder  chormantel
wolfmässig  beschritten“,  ist  als  Schylrektor  bestellt  und  sınd  ıhm  einige  „eiusdem
fermenti  Esauitici*  als  Kollegen  beigegeben  worden;  auch  wurde  ıhm  zum
Hirtenamt  einer  gleichen  Schrotts  und  Korns  substituiert,  so  dass  Kirche  und
Schule  mit  dieseın  „Jesuitergeschmaiss  und  ottergezücht*  allerseits  besetzt
sind.  Wenn  dem  nicht  bei  Zeiten  vorgebaut  wird,  so  werden  sıe  noch  „ıinehr
aushecken  und  vil  schöner  früchtlein,  die  man  nicht  unbillıch  creaturas
Jesuiticas  nennet,“  erzielen,  auch  die  Bürgerschaft  „mit  gleissenden  phariseischen
  geberden  und  honigsüsssen  worten  und  verleissungen*“  an  sich
ziehen  zum  Abbruch  evangelischer  Religion,  Wiedereinführung  des  anticbristischen
  Papsttums,  Vertührung  vieler  einfältiger,  jener  „Wolfsstimmen“

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX  Bd.  46
        <pb n="744" />
        122  1611  308.

August  2.  In  der  Umfrage  wird  ausgesprochen,  dass  man  den  Jesuiten  schwerlich

bis
Sept.  2.

werde  beikommen  können,  da  der  Bischof  befugt  sei,  seine  eigene
Schule  zu  halten.  Nürnberg  vertritt  die  Meinung.  dass  man  die
Jesuiten,  falls  sie  nicht  unter  die  Klerisei  fallen,  die  vermöge  der
„Rachtungen“  Bürgerrecht  habe,  ausschaffen  solle.  Worms  wende
ein,  dass  die  Jesuiten  zweifelsohne  dagegen  beim  Kammergericdt
Prozesse  ausbringen  würden;  eben  deshalb  begehren  ihre  Herm  za
wissen,  ob  sie  solchen  Prozessen  zu  pırieren  oder  was  sie  von  der  Unio:
an  Hilfe  zu  erwarten  hätten;  viele  Domherrn  äussern  vertraulich,  &amp;amp;
wundere  sie,  dass  man  die  Jesuiten  so  lange  geluldet  habe.  Mu
beschliesst,  die  Sache  in  Gegenwart  der  Fürsten  nochmals  vorznehmen.!


unkundiger  Herzen  und  Zerrüttung  der  Ruhe  und  der  Wolfahrt.  Es  möge  dake!
dies  Werk  beim  Unionstag  wieder  vorgenommen  und  dabei  bedacht  werden
wie  man,  wenn  eine  neuerliche  Verwarnung  unfruchtbar  bliebe,  dies  Jaauiter
nest,  das  in  wenigen  Jahren  zu  einen  grossen  Kollegium  erwachsen  kant.
zerstreuen,  die  Jesuiten  aus  dor  Stadt  und  dem  Land  bringen  und  dere
gefährlichem  Vorhaben  grünillich  abhelfen  könnte,  —  Die  Unierten  ersachten
darauf  am  19./29.  August  den  Bischof  von  Worms,  den  hochschädlichen,  fremde
Orden,  der  keiner  weltlichen  Obrigkeit  sondern  allein  dem  General  unter
worfen  sei,  nicht  länger  zu  untrrhalten,  zumal  er  zu  guter  Nachbarschaft
wenig  dienen  könnte  (Stg.,  a.a  O.,  348;  Kopie).

!  (St.  Pr.  vom  13./23.  August):  Verlesung  und  Genehmigung  de
Beschwerdeschrift  ıler  Städte  und  Beschluss,  sich  der  preussischen  Belehnungs
sache  nur  durch  eine  Interzession  für  Kurbrandenburg  teilhaftig  zu  machen.  —  Dr
Protestschrift  der  Städte  an  die  höheren  Stände  ist  vom  13./23.  August
datiert  und  führt  aus:  Vertrauen  ist  stets  als  die  Grundlage  der  Union  bezeichat
worden;  den  Städten  bat  man  bei  der  Erhandlung  zur  Union  verrprochen.
sie  nicht  über  die  Quote  hinaus  zu  beschweren  und  mit  den  Voten  Gleer
heit  zu  halten  Im  Hinblick  darauf  sind  die  Städte  noch  diesmal  von  ihres
vorigen  Resolutionen  wegen  des  elsässer  Zuge  abgewichen  und  haben  is
gewisse  Regeln  gewilligt,  nach  denen  alle  Rechnungen  zu  justifizieren  waru;
wo  aber  Zweifel  vorfielen,  sollte  die  Entscheidung  des  Plenume  eingeholt
werden.  Es  hat  sich  aber  bei  den  letzten  Beratungen  befunden,  dass,  wer
man  im  Plenum  dergleichen  ausyesetzte  Posten  vortrug  und  zu  gemeine
Stände  Ausschlag  stellte,  man  dabei  den  Städten  Schweres  und  [r
verantwortliches  zumutete  als  1.,  dass  sie  sich  über  Posten,  die  wegen  de
Konsequenzen  ein  merklich  Hohes  betreffen,  sofurt  erklären  sollten,  beror  ®
sich  mıt  ihren  zu  den  Rechnungen  Deputierten  unterreden  konnten;  2.  das
gewöhnlich  solche  Posten  disputierlich  gemacht  werden,  die  vermözge  de
Rechnungsregeln  ohne  alles  Zurückbringen  abgesetzt  werden  sollen  ,  3.  dis
bei  den  Lauf-  und  Anrittgeldern,  Bestallungen  etc.  die  Abschieda  und  7%
sonst  verglichen  worden  ist,  nicht  in  Acht  genommen  werden  ;  4.  dass  die  unjertet
Städte  auch  mit  dem  belastet  werden  eollen,  was  zur  anfänglichen  Werbung  ds
jülicher  Volks  verwendet  wurde,  während  dıe  Städte  zu  „gewisser“  Unterhaltast
Jieses  Volks  nur  dadurch  bewegt  wurden,  dass  man  zu  Neuburg  erklärte,  ®
handle  sich  nur  um  ein  geringes  Geld  und  sei  das  Volk  bereits  von  der  jülichisches
Assistenzhilfe  geworben;  5.  die  Maiora  werden  zuweilen  so  ausgesprochen,  das
man  daraus  nichts  anderes  entnehmen  kann,  als  dass  die  Vota  nicht  genüge!
vernommen  worden  eind;  6.  im  Rechnungsrat  wird  das  für  beschlossen  ı0
allerseits  bewilligt  referiert,  was  im  Plenum  durch  das  Mehr  zu  künftiger  billige!
Hanıllung  auszusetzen  beliebt  worden  ist,  wie  dies  eben  bei  den
        <pb n="745" />
        306.  1611  123

August  15./26.

Camerarius  stellt  zur  Umfrage:  1.  Wie  sind  die  noch  nicht
erörterten  Mängel  des  Rechnungswesens  zu  erledigen?  wie  kann
man  dem  Uebelstand  begegnen,  dass  jeder  Stand  seine  Quote  einbebält
  und  darüber  besonders  Rechnung  legt?  wie  ist  dem  Anwachsen
  der  Restanten  zu  wehren  und  künftig  bessere  Ordnung  anzustellen?
  2.  Wie  sind  die  Mängel  im  Kriegswesen  zu  verbessern,
da  einige  Stände  sich  beschweren.  dass  grosse  Unternehmungen  ohne
Vorwissen  der  andern  vorgenommen  warden;  auch  über  das  Proviantund
  Pfennigmeisteramt  wird  geklagt.  3.  Wie  soll  es  wegeu  der
Bestallungen  und  Vorteilsgelder  gehalten  werden?  Ansbach:  Man
bleibe  bei  den  Rechnungsregeln,  vergleiche  sich  gewisser  Legstätten,
zu  denen  die  Quoten  einzuliefern  sind,  revidiere  die  Bestallungen
und  beachte  die  Beschwerden  der  Städte.  Württemberg:  Man  muss
Kriegs-  und  Friedenszeiten  unterscheiden;  die  Mängel  beziehen  sich
auf  jene,  sie  werden  aber  durch  Beachtung  der  Kechnungsregeln
gemindert  werden.  Die  Rechnungen  werden  durch  zu  viele  Personen
geführt;  darum  soll  man  an  einen  Generalzahlmeister  denken,  der  alle
Quoten  einbringt  und  alle  Ausgaben  leistet;  für  den  Kriegsfall  gibt  hierin
die  Unionsnotel  Mass.  Die  Aemter  eines  Proviant-  und  Pfennigmeisters
sind  nötig,  desgleichen  ein  Kriegsrat.  Baden:  Es  sind  zweifellos
viele  Konfusionen  geschehen,  so  dass  man  sich  wundern  muss,
dass  die  Sachen  nicht  übler  ausgiengen.  Ein  Generalpfennigmeister
wäre  nötig;  aber  zu  Ahausen  sind  wichtige  Gründe  ausgeführt  worden,
weshalb  jeder  Stand  seine  Quote  einbehalten  dürfe;  durch  fleissige  Visitationen
  kann  auch  so  Rat  geschaffen  werden.  Zur  Behebung  der  Mängel
im  Kriegswesen  möge  man  Kriegsverständige  zusammenordnen  und
die  Bestallungen  revidieren;  wo  man  sich  nicht  streng  an  die  Ordnungen

und  Anrittgeldern,  Werbungen,  Bestallungen,  Additionen  und  Verehrungen  geschehen
  ist.  —  Dader  Berichtübersolchen  Verlaufbei  den  Obern  der  Gesandten  allerlei
  ungleiche  Gedanken  verursachen  möchte,  da  es  auch  nicht  der  sorgfältigen  Verfassung
  voriger  Abschiede  und  jetziger  Regeln  bedurft  hätte,  wenn  alles  auf  die
Maxime  gerichtet  werden  soll,  dass  dieser  oder  jener  Posten  doch  schon  ausgegeben
worden  sei,  und  da  solche  Justifikation  der  Rechnungen  nicht  erfolgt,  um
zu  wissen,  was  und  wie  viel,  sundern  mit  wessen  Konsens  und  wozu  das
Geld  ausgegeben  worden  ist,  damit  denen,  die  ohne  Befehl  und  Schluss  den
einen  oder  andern  Posten  ausgezahlt  haben,  das  Uebermass  zur  Schonung
des  nervus  der  Union  abgezogen  werde,  —  so  haben  die  Städte  bei  den  höheru
Ständen  deshalb  Erinnerung  tun  und  sie  bitten  wollen,  deren  zu  deu  Rechnungen
Verordneten  ernstlich  zu  befeblen,  bei  den  vorigen  Abschieden,  Erklärungen
und  jetzigen  Regeln  zu  verharren  und  abgesetzte  und  streitige  Posten
ohne  Disput  bis  zu  der  beiderseits  bewilligten  endlichen  Vergleichung  auszusetzen,
  wodurch  auch  Zeit  gewonnen  würde.  Sollte  es  aber  die  unverhoffte
  Meinung  haben,  dass  nach  und  nach  alles  passiert  werden  soll,  was
von  den  Rechnungsräten  als  dubios  ans  Plenum  verwiesen  wurde,  so  werden
die  Obern  in  diese  hohen  ungewöhnlichen  Ausgaben  nicht  willigen  noch  die
Gesandten  sich  darzu  verstehen  und  müssten  sie  den  ganzen  Verlauf  referieren,
wodurch  den  Sachen  nicht  geholfen  wäre.  Signatum  Rottenburg  uf  der
Tauber  den  18.  augusti  a.  1611  (U.,  Unionsacts,  XXIV.,  no.  2306;  Kopie).
46*

August  2.
bie
Sept.  2.
        <pb n="746" />
        124  1611  308.

August  2.  halten  kann,  möge  man  dem  General  und  dem  Kriegsrat  vertrauen,

bis
Sept.  2.

Von  Impresen  ohne  Vorwissen  der  andern  Stände  ist  Baden  nichts
bekannt;  um  die  im  Elsass  hat  der  verstorbene  Kurfürst  gewusst,  sie
den  beiden  Markgrafen  anbofohlen  und  sich  deshalb  auch  mit  Hessea
verständigt.  Anhalt  hält  auch  Verbesserungen  im  Kriegs-  um
Rechnungswesen  für  nötig.  Künftig  soll  man  eine  Hauptrechnung
halten,  von  der  alle  Nebenrechnungen  abhängen.  Wegen  der  Quoten
wäre  gut,  mit  den  Legstätten  näher  zusamme.zurücken  oder  sich  sa
vergleichen,  dass  eine  gewisse  Summe  für  dringende  Bedürfnis»  au
einem  oder  zwei  Orten  niedergelegt  werden  müsse.  Wegen  der  Restantes
könnte  man  beschliessen,  die  ausstäudige  Summe  auf  Kosten  da
Säumigen  aufzunehmen.  Bei  richtiger  Rechnung  werden  viek®
Mängel  im  Kriegswesen  fallen.  Für  das  Proviant-  und  Pfeanigmeisteramt
  wird  man  schwer  Leute  finden;  Veränderungen  der
Bestallungen  sollten  nur  mit  Vorwissen  des  Generals,  „Hauptimpreseo“
nur  mit  Vorwissen  aller  Unierten  geschehen.  Culmbach  ähnlich;
der  Gesandte  beschwert  sich  auch  über  die  Partikularkonvente,  von  dene
sein  Herr  erst  nach  deren  Schluss  unterrichtet  wurde.  Die  Städte
bitten  um  Bedacht,  worauf  die  Verhandlung  abgebrochen  wird.
Nachmittags  verhandelt  ınan  mit  den  Städten  wegen  der  Rechnungen!

August  16./26.

Strassburg  teilt  den  gestrigen  Beschluss  der  Städte  mit
Nürnberg:  Wegen  Remedierung  und  Fortsetzung  des  Defensioaswerks
  vergleichen  sie  sich  den  Vorstimmeuden,  damit  man  bei  de
Papisten  die  Reputation  erhält  und  weil  das  Rechnungswerk  nun  fat
richtig  ist;  künftig  möge  man  sich  aber  nach  den  verglichenen  Begeln
‚sichten,  um  Unordnungen  in  den  Rechnungen  und  beim  Kriegsweasen
zu  verhüten,  deren  zwei  Arten  sind:  1.  Man  braucht  bei  den
Rechnungen  zu  viel  Personen  und  hat  keine  Legstätten.  Darum  bederf
e8  eines  Generalpfennigmeisters,  der  aber  ohne  Befehl  des  General
und  der  Kıiegsräte  nichts  auslegen  soll.  Die  Quoten  sind  an  zwa
oder  drei  Legstätten  zu  entrichten,  die  Einnehmer  hhben  dem  Genen!-pfennigmeister
  zu  unterstehen.  Die  Restanten  sind  vermöge  de

!  [St.  Pr.  vom  15./25.  August]:  Beratung  über  die  Punkte,  derentwege
die  Städte  Bedenkzeit  erbeten  haben.  Die  Mehrheit  findet  Proviant-  und  Pfensie
meister  und  Kommissarien  noch  für  unnötig,  ebenso  die  Visitationen,  we
doch  kein  Vorrat  vorhanden  ist;  Jegstätten  sind  untunlich,  nur  Nürnberg
hatte  solche  gewünscht  ;  wegen  dor  Restanten  möge  man  bei  den  Höhm
Erionerung  tun.  Ohne  Direktorium  und  Kriegsräte  soll  auch  im  Notfall
keine  Hauptimpresa  vorgenommen  werden;  ein  Kriegsrat  ist  notwendig:
Haupt-  und  Rechnungsabschied  sind  zu  trennen.  Empfehlung  des  nachbarlıchee
Sukkurses.  —  Darauf  verhandeln  Jdie  Deputierten  der  Höhern  nochmals  mit
den  Städten  wegen  einzelner  ausgesetzter  Posten,  auf  die  die  Beschwerde
der  Städte  giengen;  man  vergleicht  sich,  dass  vier  Posten  mit  zusammes
34352  fl.  von  den  Fürsten  fallen  gelassen  werden,  wogegen  dıe  Städte  is
den  Unionsrechnungen  noch  30000  fl.  passieren  lassen  wollen,  woron  auf
sie  12  000  fl.  treffen.
        <pb n="747" />
        308.  1611  125

Unionsnotel  einzubringen,  wogegen  die  Darlehen  zu  erstatten  sind.  Augnst  °.
2.  Hauptimpresen  dürfen  nur  mit  Vorwissen  aller  Unierten  erfolgen;  ger  2
wer  davon  nicht  unterrichtet  wird,  braucht  auch  nicht  dazu  zu  zahlen.  Pr  @
Die  zu  Worms!  verglichene  nachbarliche  Hilfeleistung  ist  zu  empfehlen.
Wegen  der  Landrettung  halte  sich  jeder  in  Bereitschaft,  auch  die
Kreishilfen  sind  heranzuziehen.  Ein  Kriegsrat  ist  nötig,  die  andern
Aemter  kann  man  vorläufig  entbehren.  Wegen  der  Kriegsdisziplin
mag  68  bei  den  Bestimmungen  des  heilbroaner  Abschieds  bleiben,
doch  soll  man  die  Verschonung  der  Untertanen  der  Unierten  ausdräcklich
  betonen.  Kein  Stand  soll  über  seine  Quote  hinaus  beschwert,
keine  Privatsache  in  die  Union  gezogen,  auf  Erhaltung  des  Religionsund
  Profanfriedens  gesehen  und  die  nachbarlichen  Irrungen  abgetan
werden  ;  dann  wird  die  Reputation  der  Union  wachsen  und  werden  Mängel
leicht  behoben  werden.  Ihre  Herrn  werden  daran  gern  mitarbeiten.
Worms  und  die  Nachstimmenden  ebenso;  nur  dass  sie  es  vorziehen,
dass  jeder  Stand  seine  Quote  einbehalte;  allenfalls  könnte  man  einige
Monate  in  drei  Legstätten  zusammenlegen.  Cameorarius  schliesst:
Man  ist  einhellig,  sich  die  Stabilierung  der  Union  angelegen  sein
zu  lassen,  auch  das  Direktorium  wird  es  deshalb  an  sich  nicht  fehlen
lassen.  Das  Rechnungswesen  soll  in  zwei  besondere  Abschiede  gebracht
werden.  Von  den  beklagten  Mängeln  rührt  der  erste  von  der  Vielheit  der
Personen  bei  den  Rechnungen  her;  man  wird  daher  an  einen  Generalpfennigmeister
  denken  müssen;  die  Schaffung  eines  Vorrats  von
einigen  Monaten  an  bestimmter  Legstätte  soll  nochmals  erörtert  worden  ;
wegen  des  anhaltischen  Vorschlags,  auf  Kosten  der  säumigen
Zahler  Anleihen  aufzunebmen,  soll  gleichfalls  umgefragt  werden.
Hauptimpresen  sollen  künftig  nur  mit  gemeinem  Schluss  geschehen  ;
die  Erinnerung  wegen  der  Partikularkonvente  soll  in  Acht  genommen
werden.  Wegen  des  nachbarlichen  Sukkurses  möge  es  bei  dem  gegenwärtigen
  Modus  bleiben;  jeder  Stand  soll  der  Sache  weiter  nachdenken.
  Die  Besetzung  der  Aemter  lässt  man  zur  Zeit  auf  sich
beruhen.  Die  geklayten  Gravamina  sind  durch  die  Rechnungsregeln
erledigt.  Bei  den  nachbarlichen  Irrungen  soll  jeder  Stand  die  Union
vor  Augen  haben.  —  Wegen  der  Legstätten  und  Restanten  wird
nochmals  umgefragt.  Die  Vota  fallen  verschieden:  Württemberg
nnd  Culmbach,  desgleichen  Strassburg,  Worms  und  Nördlingen
  erinnern  an  die  Bestimmung  der  Bundesnotel,  dass  jeder
seine  Quote  bei  sich  behalte;  auch  der  anhaltische  Vorschlag  wegen
der  Aufnahme  von  Darlehen  stösst  auf  das  Bedenken,  dass  dabei  die
Gläubiger  sich  am  übelsten  befinden  würden;  doch  erlangt  der  erste
Vorschlag  wegen  der  Legstätten  die  Mehrheit,  der  andere  wird  abgelehnt.

Darauf  werden  die  Entwürfe  der  Interzessionsschreiben  für  die
bambergischen  Untertanen  verlesen  und  genehmigt.

ı  Vgl.  no.  56.
        <pb n="748" />
        August  2,

bie
Sept.  2.

126  1611  308.

Die  wormsische  Sache  wegen  der  Jesuiten  wird  nochmals
proponiett.  Camerarius  berichtet,  dass  die  Jesuiten  sich  in  Worms
ebenso  einnisten  wollen  wie  in  Speier;  auf  ein  Schreiben  des  verstorbenen
  Kurfürsten  von  der  Pfalz  hat  der  Bischof  von  Worms
geantwortet:  da  Predigtstuhl  und  Kirche  einige  Zeit  her  übel  bestellt
gewesen  seien,  habe  er  ein  oder  zwei  Jesuiten  angenommen;  er  &amp;amp;i
aber  nicht  gemeint,  ein  Kollegium  einzurichten.  Die  Jesuiten  gehören
nicht  zur  Klerisei  und  sind  nicht  in  die  „Rachtung‘“  mit  der  Bürgerschaft
  eingeschlossen.  Ansbach  und  Württemberg  raten  zu
Schreiben;  Baden  ist  für  gewaltsame  Ausschaffung,  doch  ohne
Beleidigungen;  wenigstens  soll  man  drohen,  dass  die  Unierten  der
Stadt  hierin  die  Hand  bieten  werden;  Anhalt  hält  von  Schreiben
nicht  vie)  ;  die  Stadt  möge  dem  Kaiser  unmittelbar  Bericht  tun;  die
Jesuiten  haben  unlängst  zu  Wien  einen  Konveat  gehalten;  der
Intent  davon  wird  bald  ausbrechen.  Strassburg:  Predigtstahl  und
Schule  wird  man  den  Jesuiten  nicht  verbieten  können;  aber  man
kann  der  Bürgerschaft  wehren,  ihre  Kinder  dahinzuschicken  ;  an  den
Kaiser  zu  schreiben  wird  nichts  helfen.  Nürnberg:  Der  Punit
wegen  der  Jesuiten  ist  wichtig;  denn  was  sie  an  einem  Ort  suchen,
werden  sie  auch  anderwärts  praktizieren.  Schreiben  helfen  nicht
viel;  doch  könnte  man  bei  der  geplanten  Schickung  dem  Kaiser
das  gefährliche  Vorhaben  dieser  Leute  zu  erkennen  geben.  Am
besten  wäre  es,  sie  auszuschaffen;  dazu  könnte  der  Administrator  der
Kurpfalz,  wenn  die  Stadt  deshalb  angefochten  würde,  sein  Schutzrecht
geltend  machen.  Worms:  Ihre  Obern  sind  privilegiert,  nicht  mehr
Ordensleute  in  die  Stadt  zu  lassen  als  daselbst  vor  hundert  Jahren
waren;  daher  können  sie  die  Jesuiten  nicht  dulden,  die  obendrein
Kostgänger  halten.  Via  facti  könnte  ohne  Gewaltanwendang  vorgenommen
  werden,  doch  wollen  sie  nicht  ohne  Vorwissen  der  Union
handeln.  Camerarius  schliesst:  Diese  Sekte  wäre  im  ganzen  Beich
oder  wenigstens  in  den  Reichsstädten  ‚„auszuschaffen“  ;  sie  gehört  mit  zu
den  Ursachen  des  schädlichen  Mistrauens  im  Reich.  Darum  soll  man
der  Sache  bei  künftiger  Legation  an  den  Kaiser  gedenken.  —  Wegen
der  vorliegenden  Spezialfrage  wird  nochmals  umgefragt  und  beschlossen,
namens  der  Union  an  den  Bischof  zu  schreiben;  hernach  wäre  die
Ausschaffung  der  Jesuiten  „obne  Getämmel“  vorzunehmen  und  ihnen
anzudeuten,  dass,  wenn  sie  wieder  kämen,  sie  eine  andere  Herberge
finden  würden;  kommt  es  zum  Prozess,  so  soll  Kurpfalz  wegen
seines  Schutzrecltes  intervenieren.  Dieser  Beschluss  ist  aufs  strengste
geheim  zu  halten.!

ı  Das  Schreiben  an  den  Bischof  hat  sich  nicht  gefunden.  Ueber

'  23.  September
dessen  Wirkung  schreibt  der  Administrator  der  Kurpfalz  am  3.  Oktober

an  die  Unierten:  Der  Bischof  hat  das  Schreiben  dem  Kaiser  und  anden
papistischen  Ständen  zugeschickt  und  erwartet  von  dort  den  Ausschlag  wegen
seines  Verhaltens,  vorgeblich  weil  der  Jesuitenorden  in  des  Kaisers  besondern
        <pb n="749" />
        308.  1611  127

August  17./27.

Verlesung  und  Beratung  des  Entwurfs  zum  Hauptabschied.!
Beim  zweiten  Hauptpunkt  verwahren  sich  die  Städte  wegen  der  Einnahme
der  Grafen  und  Herren,  derentwegen  mit  den  Städten  gar  nicht  geredet
worden  sei;  trotzdem  habe  man  den  Grafen  dieselbe  Stimmenzahl
wie  den  Städten  gegeben  und  habe  sich  obendrein  verwahrt,  dass,
wenn  die  geringeren  Stände  allzu  sehr  Maiora  machen  würden,  dies
den  Höheren  unpraejudizierlich  sein  solle.  Die  Städte  begehren  Auslassung
  dieser  Bemerkung,  die  auch  dem  Zweck  der  Union,  die  auf
gegenseitigem  Vertrauen  beruht,  widerstreite.e  Camerarius  verspricht,
diesen  Wunsch  zu  berücksichtigen  und  die  Sache  nochmals  vor  die
Höhern  zu  bringen.  Auf  Anhalts  Anregung  wird  ein  Schreiben  an
Erzberzog  Maximilian  wegen  Fortsetzung  der  Korrespondenz  beschlossen.  ?
Beiın  dritten  Punkt  schlägt  Culmbach  vor,  Pfalz-Neuburg  an  die  Ratifikation

des  jüterbogker  Vertrags  zu  erinnern.®  —  Die  Vorschläge  wegen  eines
consilium  politicum  und  die  Beschlüsse  wegen  der  wormser  Jesuiten
sollen  aus  dem  Abschied  wegbleiben.  —  Verlesung  des  Entwurfs  des

Schutz  sei  und  er,  Bischof,  sicb  ohne  deasen  Wissen  gegen  die  Unierten  nicht
endlich  erklären  könne.  Die  Wormser  haben  überdies  ihm,  dem  Administrator,  anzeigen
  lassen,  was  für  grosse  Diffikultäten  sich  soust  noch  in  der  Sache  ereiguen
  und  dass  sich  der  bewuste  Vorschlag  nicht  wol  praktizieren  Jassen  werde;
er  sei  allzu  zeitlich  ausgekommen,  weshalb  die  Jesuiten  sich  zu  Hause
halten;  auch  stehe  deren  Haus  ganz  unıl  gar  unter  der  Geistlichkeit  un.  habe  vier
Türen,  so  dass  sie  sich  gleich  in  ein  anderes  benaclıhartes  Pfuffenhaus  salvieren
könnten.  Die  Stadt  dürfe  auch  nicht  ihrer  ganzen  Bürgerschaft  trauen,  da  an
die  gechzig  Bürger  papistisch  seien  und  könnte  durch  die  Zünfte,  unter  denen
auch  Papisten,  etwas  auskommen;  würde  man  aber  die  Jesuiten  aus  der
Stadt  führen,  so  wäre  zu  berorgen,  dass  die  verbitterten  evangelischen  Bürger
Hand  an  sie  legten,  woraus  neue  Ungelegenheiten  entstehen  könnten;  auch
würde  dem  Werk  dadurch  nieht  gründlich  geholfen,  da  die  Jesuiten  mit  Hilfe
des  Bischofs  jederzeit  wieder  in  die  Stadt  kommen  könnten.  Die  Wormser
bitten  ihn,  «len  Administrator,  um  Kat,  ob  nicht  die  Sache  einzustellen  wäre,
bis  sie  beim  Reichstag  von  allen  evangelischen  Standen  bedacht  und  die
Ausschafflung  der  Jesuiten  auch  aus  andern  Reichsstädten  verglichen  Bei.
Die  Wormser  sind  also  furchtsam  und  zweifeln,  ob  sie  sich  der  „gemeinen
Vertretung“  aller  Unierten  zu  versehen  haben  werden.  Der  Administrator
riet  ihnen,  den  Jesuiten  unterdessen  anzudeuten,  sich  aus  der  Stadt  zu  machen,
da  die  Stadt  ihnen  keinen  Schutz  angedeihen  lassen  würde,  wenn  ihnen
etwas  zustiesse  (Bby.,  A  9a,  no.  133°,  f.  2,  Or.).

’  Vgl.  oo.  330.

?  Vom  19.,29.  August:  Die  Uuierten  haben  des  Erzhorzogs  gute  Affektion
gegen  sie  durch  die  Tat  und  durch  Jie  Mitteilungen  des  verstorbenen
Kurfürsten  und  des  Administratore  der  Kurpfalz  erfahren.  Sie  danken  für
diese  Korrespondenz  und  Affektion  und  versichern  den  Erzherzog,  dass  sie
ibm  gleiche  Gesiunung  entgegentragen  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom
September  1611,  zu  no.  13;  Or,  durch  Geizkofler  übermittelt).

®  Unter  dem  19.  29.  August  schreiben  Jie  unierteu  Fürsten  an  den
Pfalzgrafen  Philipp  Ludwig  wegen  der  Ratifikation,  die  ıhm  zum  Besten
gereichen  und  das  Haus  Suchsen  desto  eber  herbeibringen  werde  (Stg.,  Unionsacta,
  tom.  X.,  f.  339;  Kopie).

August  2
-  bis
Sept.  2.
        <pb n="750" />
        August  2.
bis
Sept.  2.

128  1611  05.

ersten  Nebenabschieds.  Verlesung  des  Entwurfs  für  das  Antwort
schreiben  an  Pfalz-Neuburg  wegen  der  Administration  und  wegen
des  Direktoriums.?  Baden  mahnt  zu  Glmpf,  die  Städte  erklären
ihre  Neutralität.

Nachmittagssitzung  (ohne  dieStädte):  Beschlussfassung  über  den
Artikel  des  Abschiedes  wegen  der  Einnahme  der  Grafen  und  Herrn.  Obgleich
in  der  Umfrage  wieder  die  Sorge  der  Fürsten  für  ihre  Praeeminen:
und  die  Furcht,  dass  sie  überstimmt  werden  könnten,  zum  Ausdruck
kommt,  so  beschliesst  man  doch,  den  anstössigen  Satz  aus  dem  Abschied
wegzulassen.  Camerarius  stellt  danu  die  einzelnen  Artikel  der
Verhandlung  mit  England,  wie  sie  König  Jakob  überschickt  hat,
zur  Unfrage®  Die  in  der  Uimfrage  geäusserten  Abänderungswünsche
sind  zusammengestellt  in  den  „Apostilles  et  conditions  adjoustez  aus
articles  envoy6z  de  Sa  M.'  de  la  Grande  Bıetagne,  touchant  l’estroicte
correspondance  avec  les  electeurs,  princes  et  estatz  uniz.“  +  --—  Zur  Verbandlung
  über  die  Artikel  beantragt  Anhalt,  sich  zunächst  bei  Winwood
schriftlich  zu  entschuldigen,  dass  man  ihm  den  Unionstag  nicht  be
kannt  gegeben  habe;  man  möge  eine  Zusammeukunft  zwischen  Winwood
und  einem  oder  zwei  Räten  der  Unierten  etwa  zu  Wesel  veranstalten.
Württemberg  schlägt  als  Vertreter  der  Union  Vollrad  von  Plessen
vor  und  gibt  seine  Zustimmung,  dass  an  den  König  von  England
französisch  geschrieben  werde,  obgleich  man  bisher  an  Potentaten
lateinisch  geschrieben  habe.

Die  Entwürfe  der  Schreiben  an  den  König  von  England,’  an
Winwood®  und  an  Salisbury  werden  verlesen;  desgleichen  ein  Schreiben
Polheims,’?  worin  dieser  den  getroffenen  Vergleich  zwischen  Kaiser
und  König  anzeigt.®

ı  Vgl.  no.  331.

®  Vom  17./27.  August  ale  Antwort  auf  das  Schreiben  vom  18./28.  Juli
(no.  295):  Hinweis  auf  das  ergangene  kaiserliche  Dekret  und  auf  die  Unionsverfassung,
  die  den  ordentlichen  Weg  Rechtens  vorschreibt,  wo  Güte  nicht
Platz  findet;  die  Union  kann  sich  der  Hauptsache  nicht  unterfangen.  Der
Pfalzgraf  möge  sich,  weil  es  nicht  anders  sein  kann,  zur  Ruhe  begeben,  in
seinen  Schriften  geschärfte  Worte  vermeiden,  an  denen  nur  die  Gegner  Freude
haben,  den  letzten  und  diesen  Abschied  bestätigen  und  die  künftigen  Union
tage  besuchen  (Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  35V;  Kopie).

»  Der  Entwurf  in  Ralph  Winwoods  Memoriale  of  affaire  of  state,
IL,  8.  197  £.

*  Gedruckt  bei  Winwood,  a.a.0.,  S.  199.

5  Vgl.  no.  338.

®  Vgl.  Anm.  1  zu  no.  338  auf  S.  784.

’  Vom  26.  August  (Mb.,  119/2,  f.  177;  Or.).

®  [St.  Pr.  vom  17./27.  August]:  Beschluss,  Camerarius  von  seiten  der  Städte
500  Taler  zu  verehren.  Feststellung  des  Ausschreibens  zum  Städtetag  (1.  Pappeeheimische
  Sache;  2.  aachner  Unruhen;  3.  Beschwerden  der  evangelischen  Bärgerschaft
  in  Köln;  4.  Beschwerden  der  Städte;  5.  Rechnungen  der  Städte;  6.  jülichische
  Lizenten  ;  7.  braunschweigische  Unruhen;  8,  Ergänzung  des  Städteausschusses..
        <pb n="751" />
        308.  1611  129

August  19./29.

Verlesung  verschiedener  Schreiben.  Verhandlung  über  einige
Schwierigkeiten  beim  Rechnungswerk.  Nachdem  die  Städte  abgetreten
sind,  wird  der  Entwurf  des  zweiten  Nebenabschieds  !  verlesen  und  gonehmigt,
  ebenso  der  dritte,?  ferner  die  Entwürfe  von  Schreiben  an
den  König  und  die  Königin-Regentin  von  Frankreich.’

August  22.
September  1.

Lynar,  der  wegen  Culmbach  zu  den  Rechnungen  verordnet
war,  berichtet:  Der  Schluss  der  Rechnungen  ergibt  die  Verschuldung
  der  Union;  es  ist  darum  die  Abtragung  dieser  Schulden
von  den  Verordneten  mit  Zuziehung  der  ausschreibenden  Städte
erwogen  worden.  Ein  Teil  der  Schulden  trifft  die  Fürsten  allein,
der  andere  die  ganze  Union;  da  die  Städtegesandten  sich  zu  keiner
neuen  Anlage  herbeilassen  dürfen,  so  bleiben  zur  Deckung  der
Schulden  nur  die  Restanten;  ausserdem  haben  die  Städte  von  den
acht  schweinfurter  Monaten  noch  vier  zu  bezahlen  und  sind  von  den
fünfzehn  Monaten*  noch  sieben  überhaupt  erst  zu  entrichten.  Es
werden  aber  noch  zwanzig  ausserordentliche  Monate  notwendig  sein.
Zur  Ansammlung  dieser  Einkünfte  möge  man  sich  oiner  Legstätte
vergleichen.  In  der  Umfrage  betonen  die  Fürsten  die  Notwendigkeit,
die  Restanten  einzubringen  und  leidliche  Ziele  anzusetzen;  die  Restanten
und  die  fünfzehn  Monaten  werden  zur  Schuldentilgung  genügen,  die
zwanzig  Monate  sollen  zur  Bildung  eines  neuen  Unionsvorrats
verwendet  werden.  Strassburg  gibt  seiner  Ueberraschung  über  die
Höhe  der  Verschuldung  Ausdruck  und  nimmt  die  vorgeschlagenen
Mittel  nur  zu  Bericht.  Nürnberg  ist  auch  nicht  zu  Bewilligungen
instruiert;  die  sieben  Monate  genügen  zur  Schuldentilgung  nicht;  was
an  den  acht  Monaten  erübrigt  wurde,  sollte  aber  jedem  Stand  wieder
zu  Gute  kommen;  wenn  die  Städte  die  erübrigten  vier  Monate  hergeben
sollen,  müssen  die  Fürsten  dasselbe  tun;  eine  Neuanlage  wäre  auf
zwei  oder  drei  Jahre  zu  verteilen  und  von  dem  Einkommenden
zuerst  die  Darlehen  der  Städte  abzutragen.  Ulm  ähnlich;  es  warnt
vor  einer  Mehrzahl  von  Legstätten.  Rotenburg  ebenso.  Camerarius
stimmt  den  Vorschlägen  zu;  die  Einbringung  der  Restauten  ist  zu
betreiben;  eine  Legstätte  wird  genügen;  die  Städte  sollen  die  erübrigten

ı  No.  832.

?  No.  333.

®  Vom  20./30.  August:  Wiederholung  des  Dankos  für  die  vor  Jülich  geleistete
Hilfe  und  Bitte,  die  guten  Beziehungen  zur  Union,  wie  sie  unter  Heinrich  IV.
bestanden  haben,  fortzusetzen;  Dank  für  das  neue  Erbieten  des  Königs  an  den
Administrator  der  Kurpfalz,  der  Union  im  Notfall  beizuspringen;  Mitteilung
von  dem  guten  Ausgang  des  Unionstags,  von  der  Festigung  der  Union  und
von  den  Schickungen  des  Kaisers  und  des  Königs  an  die  Union  (Bby.,  A  9a,
no.  132°,  an  den  König  f.  149,  an  die  Königin  f.  153;  Kopien‘.

*  Sieben  zu  Speier  und  acht  zu  Schweinfurt  bewilligte  Monate.

August  2.

bıs
Sept.  2.
        <pb n="752" />
        August  2.
hie
Sept.  2.

130  1611  308.

vier  Monate  zur  Schuldentilgung  verwenden,  zu  gleichem  Zweck  sind
die  noch  ausstehenden  sieben  Monate  zu  widmen.  Wegen  der  Ziele
einer  Neuanlage  soll  nochmals  umgefragt  werden;  die  zwanzig  ausserordentlichen
  Monate  soll  man  bei  der  „Unionmassa‘‘  lassen.  —  In  zweiter
Umfrage  wird  beschlossen,  zur  Einbringung  der  Restanten  drei  Mouate
Frist  zu  geben,  die  sieben  Monate  nur  zurSchuldentilgung  zu  verwenden  und
von  den  acht  Monaten  so  viel,  als  davon  noch  nicht  zum  Unionszweck  ausgegeben
  ist;  wie  viel  man  noch  darüber  hinaus  bedarf,  wird  die  Rechnung
ergeben;  die  Ziele  einer  Nenanlage  sind  auf  drei  Jahre  zu  verteilen,
die  Le;stätte  soll  in  Nürnberg  sein.  —  Die  Städte  weigern  sich.
die  erübrigten  vier  Monate  zur  Schuldeutilgung  herzugeben,  weil  die
Fürsten  ibre  acht  Monate  teils  gar  nicht,  teils  ganz  ungleichmässig
zugeschossen  hätten.  Darauf  erklären  sich  die  Fürsten  bereit,  über
ihre  acht  Monate  besondere  Rechnung  zu  legen;  was  dabei  übrig
bleibt,  soll  zur  Abtragung  der  allein  auf  den  Fürsten  lastenden
Schulden  verwendet  werden.  --  Man  berät  und  billigt  den  Entwurf
eines  Eirsuche:s  an  den  Markgrafen  von  Culmbach,  dass  er  in  seinen
Rechnungen  die  Kosten  für  die  Defension  seines  Landes  streiche.!  —
Den  evangelischen  Bürgern  zu  Amsterdam  wird  eine  Interzession  au
die  Generalstaaten  wegen  Gewährung  freier  Uebung  des  augsburger  Bekenntnisses
  bewillist.  Darauf  treten  die  Städte  ab.  —  Die  fürstlichen
Gesandten  verhandeln  über  das  Ansuchen  des  Hauses  Sachsen,  den  Pfalzgrafen
  von  Neuburg  zur  Ratifikation  des  jüterbogker  Vergleichs
zu  bewegen.”  B.i  der  Umfrage  betont  Anhalt  den  Vorteil,  der  der
Union  aus  diesem  Schreiben  erwächst;  darum  möge  sich  die  Union
die  Sache  angelegen  sein  lassen.  Man  soll  Sachsen  die  Abschrift
des  schon  ergangenen  Schreibens  an  Neuburg?  mitteilen,  allenfalls
nochmals  schreiben  und,  wenn  kein  Bescheid  erfolgt,  durch  Württemberg
und  Baden  eine  Schickung  tun  lassen.  Neuburg  wäre  auch  eindringlich
vorzustellen,  dass  ohne  das  jülicher  Wesen  die  Union  nicht  in  solche
Schwierigkeiten  gekommen  wäre  Camerarius  verweist  auf  das
eigene  Interesse  des  Administratorsan  Jülich,  weshalb  die  Fürsten  sich  ohne
Kurpfalz  über  den  Entwurf  des  Antwortschreibens  an  Kursachsen  verı

  Mb,  119;2,  f.  283,  Kpt.

?  Schreiben  vom  12./22.  August  an  die  unierten  Fürsten:  Es  enthält
besonders  Klagen  gegen  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm,  der  bei  den  Nachbar
den  Vergleich  für  verhasst  anzieht,  offune  Patente  dagegen  anschlagen  lässt,
einen  Landtag  nach  dem  andern  ausschreibt,  die  jülichischen  Untertanen
widerspänstig  macht  und  sie  mit  starken  Exaktionen  beschwert.  Weder  die
Bemühungen  des  Landgrafen  Moriz  von  Hessen  noch  Jie  Erinnerungen  von  Verwandten
  und  von  auswärtigen  Potentaten  wollen  fruchten  ;  der  Pfalzgraf  erbietet
sicb  nur  pro  forma  zu  einem  Prozess,  der  nie  beendigt  werden  soll;  die
Unierten  mögen  auf  Neuburg  als  Bundesverwandten  einwirken.  Wenn  die
Rutifikation  unterbleibt,  ao  könnte  es  leicht  zu  vorigen  Extremen  kommen,
wobei  sich  Sachsen  des  Beistands  der  Unierten  getröstet  (Drs.,  1.  8808,
2.  Buch  jälichor  Sachen,  f.  169;  Kptkopio.

’  Vgl.  oben  Anm.  3  auf  S.  727.
        <pb n="753" />
        308.  1611  731

gleichen  sollen.!  —  Die  Fürsten  unterreden  sich,  wie  die  200000  A,  Augnst  2.
welche  die  Fürsten  allein  zu  bezahlen  haben,  abzutragen  wären.  Sept.  2

Man  beschliesst,  dazu  in  drei  Zielen  zwanzig  Monate  anzuwenden.

Nachmittagssitzung.  Verlesung  des  Entwurfs  des  Rechnungsabschiedes?
  mit  den  Beilagen.  Dabei  entspinut  sich  eine  Frörterung,
da  die  Städte  zur  Erlegung  der  60000  fl.  einen  weiteren  Termin
als  drei  Monate  begehren,  wogegen  die  Fürsten  Nachsicht  des  Zinsos
von  den  Darlehen  der  Städte  begehren.  Der  Wunsch  der  Städte  wird
erfüllt,  der  der  Fürsten  wird  zu  Bericht  genommen.°®

‚August  23,
September  2.

Camerarius:  Danksagung,  dass  Gott  die  Union  bisher  also
erhalten  hat;  Hinweis  auf  die  Gefahren  und  bösen  Consilia,  denen
die  Union  ausgesetzt  war,  die  aber  überwunden  wurden  und  der  Union
zu  grosser  Reputation  verhalfen;  gerade  die  der  Union  am  meisten
feiudlich  waren,  mussten  es  dahin  richten,  dass  der  Kaiser  und  der
König  zu  ihr  schickten;  auch  Sachsen  hat  seine  Gedanken  geändert
und  wird  sich  hoffentlich  der  Union  konformieren  und  dadurch  den
andern  drinnen  Landes  zu  gleichem  Anlass  geben,  so  dass  hoffentlich
eine  Zusammensetzung  aller  evangelischen  Fürsten  stattfinden  wird.
Was  an  Geld  verloren  wurde  und  sonst  Ungleiches  vorgieng,  das
ist  zeitlich  und  vergänglich;  der  Gewinn  ist  aber  grösser  als  der
Verlust.  DieKurpfalz  wird  das  Direktorium  nach  ihrer  Schuldigkeit  weiter
führen  und  dankt,  dass  die  Fürsten  erschienen  sind  und  so  lange
ausgehalten  haben.  Mängel  im  Direktoriam  sollen  künftig  verbessert
werden.  Die  Gesandten  mögen  endlich  bei  ihren  Obern  dahin  wirken,
dass  alles  Verabschiedete  ratifiziert  werde.  Die  Städte  treten  ab.

!  Antwortschreiben  vom  7  Soptonbe  Dank  für  das  Vertrauen  und

Mitteilung  des  bereits  abgegangenen  Mahnschreibens  an  Neuburg  und  zweier

22.  August  _  .

neuer  (vom  1.  September  ’  Drs.,  1.  8808,  25.  Buch  jül.  Sachen,  f.  272  und
f.  278,  Kopie)  an  den  alten  und  jungen  Pfalzgrafen  sowie  der  geplanten
Scbickung  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  270;  Or.).

?  No.  889.
22.  August  an
3  .  .
($t.  Pr.  vom  1.  Beptem  -]:  Verbandlung  über  dieMittel  zurSchulden

tilgung.  Man  ist  einhellig  der  Ansicht,  dazu  neben  den  Restanten  zunächst
die  ordentlichen  Anlagen  und  die  60000  fl.  der  Städte  zu  verwenden,  aber
eine  aussstordentliche  Anlage  wird  nicht  zu  umgehen  sein.  —  Die  60  000  Al.
sollen,  wenn  den  Städten  die  vier  erübrigten  von  den  acht  schweinfurter
Monsten  gelassen  werden,  durch  eine  besondere  Umlage  von  sechs  Monaten

gedeckt  werden.
        <pb n="754" />
        August  2,

bis
Sept.  2.

August  2.

132  1611  305  —306,

Es  werden  noch  die  beiden  Abschiede  wegen  der  Rechnungen,
die  die  Fürsten  allein  angehen,  und  wegen  der  Rechnungen  zur
jülicher  Assistenz  genehmigt.

Stg.,  Unionsacta,  tom.  X..  f.589—819,  wiirttembergisches  Protokoll  von  Battiens

Hand;  —  U..  Unionsacta,  tom.  XXIV..  no.  23268;  ulmisches  Originalprotokoll.  —  Be,
Rep.  88,  Unionsacta,  tom.  XXIII.  f.  128,  Handırotokoll  des  Markgrafen  Joachim  Brest;
Ur.  eigb,  —  Zur  Ergänzung  sind  noch  herangezogen  die  Berichte  der  Gesandten  der

Stadt  Ulm  in  U.,  Unionsacta,  tom,  XXIII.,  no.  2268,  2369,  2371,  2273,  2275,  2276.  ZI7Ba,
tom.  XXIV.,  no.  3826b,  2327,  2329;  Orr.  und  die  Berichte  der  oulmbachischen  Gesandtea
In  De.,  A  9a,  Ib.,  no.  11.  —  Kopien.

306.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern.

E.  L.  haben  uns  am  26.  Juli  beriehtet,  dass  Graf  Frobenius
von  Helfenstein  sich  wegen  der  Schickung  nach  Frankreich  entschuldigt
und  an  seiner  Stelle  seinen  Vetter  Grafen  Rudolf  vorgeschlagen  hat?
Nun  wissen  E.  I,,  dass  wir  zwar  nichts  unterlassen  wollen,  was  dem
katholischen  Bundeswesen  zu  Gutem  gereicht,  dass  wir  aber  schon  zu
Würzburg  unser  Bundesoberstenamt,  das  wir  nur  auf  gemessene  und
jetzt  verstrichene  Zeit  übernommen  haben,  aufkünden  liessen  und  dass
unsere  Abgesandten  aufE.  L.  und  der  andern  Bundesstände  Anlangen  in  die
Weiterführung  des  Amtes  nur  unter  der  Bedingung  willigten,  dass  die
rheinischen  Bundestände  dem  Abschied  wirklich  nachkämen.  Es  wird
aber  der  würzburger  Abschied  von  einem  Teil  der  Bundesstände  disputiert
und  dahin  gedeutet,  als  ob  sie,  weil  ihren  Gesandten  der  Abschied
nicht  in  allen  Punkten  beliebte,  an  den  Mehrheitsbeschluss  nicht
gebunden  seien.  Bei  dieser  Meinung  verharren  sie  und  lassen  sich
trotz  alles  Mahnens  nicht  zur  völligen  Erstattung  ihrer  Gebühr
bewegen.“  Dies  veranlasst  uns,  unseren  rheinischen  Mitständen  das
Bundesoberstenamt  nochmals  aufzukünden.

ı  No.  340.

’  Anm.  1  zu  no.  340  auf  8.  788.

®  Vgl.  den  würzburger  Abschied  in  no.  172  mit  Anm.  1  aufS.418.  —  In
seinem  Schreiben  vom  26.  Juli  äAusserte  Herzog  Maximilian  die  Meinung,  dass  ein
Gesamtschreiben  der  beiden  Bundesobersten  den  Grafen  Frobenius  wol  zur  Uebernahme
  der  Schickung  bewegen  würde  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  VI.,  no.  44,  f.  15;
Kpt.).  Denselben  Frobenius  von  Helfenstein  eracbteten  Barvitius  und  Vischere  auch
für  geeignet,  die  Direktion  des  kaiserlichen  geheimen  Rats  zu  übernehmen,  da  der
Herzog  von  Braunschweig  vor  dem  11.  August  die  Entlassung  aus  seinem  Amt
vom  Kaiser  begehrt  hatte,  um  sich  in  sein  Land  zu  verfügen  (Vischere  an  Er
herzog  Albrecht  am  13.  August;  Bres.,  Secröt.  d’Allemugne,  no.  9%,  f.  1%;
Or.  eigh.).  Frobenius  von  Helfenstein  war  Präsident  am  Kammergericht
gewesen  und  am  Reichstag  von  1608  einer  der  Assistenzräte  des  Erzherzogs
Ferdinand  (vgl.  Briefe  und  Akten,  VI.,  S.  150).

*  Wie  aus  no.  197  hervorgeht,  war  es  die  8äum  igkeit  Speiers,  die  Kurmainz
  zu  diesem  Entschluss  veranlasste.  Speier  beharrte  darauf,  mit  der  Zahlung
von  11000  fl.  seinen  Pflichten  gegen  die  Liga  im  wesentlichen  nachgekommen
zu  sein  (vgl  no.  197,  Anm.  2  auf  8.  474),  während  Kurmainz  durch  wieder
holte  Mahnschreiben  vom  19.  Juni,  9.  und  29.  Juli  die  Erlegung  der  ganım
Quote  von  236598  fl  begehrte,  die  zur  Abdankung  des  Kriegevolks  im  kälner
Erzstift  und  des  rietbergischen  Volkes  nötig  sei;  zugleich  drohte  Karmainz,
  die  Sache  an  die  oberländischen  Stände,  besonders  an  Baiern  su
        <pb n="755" />
        306—  807.  1611  133

Da  wir  ferner  nicht  sehen  können,  was  bei  so  geringer  Zahl  der  August  2.
Bundesstände  und  bei  dieser  Trennung,  die  nicht  verborgen  bleiben
kann,  die  Schickung  nach  Frankreich  nützen  soll,  so  geben  wir  E.  L.
anbeim,  sie  einzustellen,  bis  Bericht  einläuft,  wie  die  Verhandlungen
  zur  Gewinnung  neuer  Bundesstände  ausschlagen  oder  bis  man
sieht,  wie  der  Kurfürstentag  abläuft.  Bei  dieser  Tagung  wird  man  auch
leicht  sehen  können,  wessen  ınan  sich  von  den  protestantischen  Ständen
und  deren  Union  zu  getrösten  hat;  man  wird  die  Schickung  alsdann
mit  besserem  Erfolg  vornehmen  können.  Geschieht  sie  während  des
Kurfürstentages,  so  könnte  dies  beim  Kaiser  und  bei  den  weltlichen
Kurfürsten  allerlei  ungleiche  Gedanken  verursachen.  Wir  erwarten
hierüber  Dero  weitere  Erklärung.!  Datum  Aschaffenburg  den  2.  augasti
a.  1611.

Mo.,  Entstehung,  Fasz.  VI.,  no.  44,  f.  17;  Or.

307.  Werbung  Hannewalds  und  Hertels  beim  Kur-  August3.
fürsten  von  Sachsen.

Da  der  Kaiser  erfahren  hat,  dass  vor  kurzer  Zeit  der  Kurfürst  von
Brandenburg  bei  E.  kfl.  Gn.  gewesen  ist,  so  hat  er  Günterode  und  uus
durch  ‚eilenden  Kurier  aufgetragen,  uns  bei  Kurbrandenburg  anzumelden
und  ihn  zu  ersuchen,  dem  Kurfürstentag  persönlich  beizuwohnen,
wozu  auch  E,  kfl.  Gn.  ihn  bewegen  sollten.  Der  Kurier  kam  erst  nach
des  Kurfürsten  Abreise,  aber  der  Kaiser  hatte  bereits  vernommen,  dass
E.  kfl.  Gn.  dies  Ersuchen  zuvor  schon  aus  eigenem  Antrieb  getan  hatten
und  dankt  für  Dero  Eifer  zu  seiner  und  des  Reiches  Wolfahrt  durch  uns  und
mit  einem  Handschreiben.  E.  kfl.  Gn.  haben  auch  den  Kaiser  durch
Günterode  erinnert,  dass  Kurbrandenburg  sich  nächstens  nach  Preussen
begeben  wolle  und  dass  man  dies  mit  äusserstem  Fleiss  verhüten  und
begehren  müsse,  dass  der  Kurfürst  den  Kurfürstentag  abwarte.
Daraufhin  hat  der  Kaiser  Adam  von  Trautmanasdorf  zu  Kurbringen.

  Der  Bischof  entschuldigte  sich  am  19.  Juli,  dass  er  zur  Erstattung
seiner  Quote  an  den  52  Ligamonaten  bereit  sei;  was  darüber  hinaus  gehe,  hätten
seine  Gesandten  nur  zu  Bericht  genommen  und  halte  er  sich  dazu  bei  der
Lage  seines  Stiftes  nicht  verbunden;  in  dem  Bericht  an  Baiern  möge  man
seines  Stiftes  schonen  oder  dessen  Unvermögenheit  und  (lie  Ungleichheit  der
Anlage  gleichfalls  schildern.  —  Sämtliche  Schreiben  in  Wmz.,  Raligıonssachen,
Bd.  13;  Kpte.  und  Orr.

!  Herzog  Maximilian  antwortete  am  14.  August:  Was  Jie  Kündigung
des  Bundesoberstenamtes  betrifft,  so  „haben  wir  ein  solches,  weiln  E.L.  Ir  Jas
gemeine  buntswesen  auf  dato  jederzeit  im  besten  und  rumblich  angelegen
sein  lassen,  ganz  ungern  vernummen;  dannenhero  wir  der  ungezweiflten
mainung,  E.  L.  werden  der  catholischen  religion  und  allen  Jerselben  unierten
stenden  zum  bösten  sich  noch  weiter  solcher  direction  unternemen,  seitemalen
bierbei  E.  L.  selbe  wolvernünitig  zu  ermessen,  was  dergleichen  aufkündung
bei  jezigen  selzamen  läufen  für  ungleiche  Jdıscurs  und  nachdenken  erwerken.*
Bestehen  E.  L.  aber  wider  Verhoflen  auf  Dero  Entschluss,  so  müssen  wır  ihn
allen  Bundesständen  anzeigen.  Wegen  der  Gesandtschaft  nach  Frankreich
stimmen  wir  E.  L.  völlig  bei  (Mo.,  a.  a.  O.,  f.  40;  Kpt.).
        <pb n="756" />
        134  1611  307.

August  3.  brandenburg  abgefertigt!  und  diesen  versprochen,  sich  beim  König  von  Polen
der  kurbrandenburgischen  Ansprüche  auf  Preussen  gehörig  anzunehmen.
Da  sich  auch  der  jetzige  Administrator  der  Kurpfalz  erboten  hat,  wegen
des  Kurfürstentags  erspriessliche  Dienste  zu  tun,  so  hat  der  Kaiser
den  nach  Prag  gesaudten  kurpfälzischen  Rat  Hippolyt  de  Collibus
mit  einem  Bescheid?  abgefertigt,  mit  dem  der  Administrator
sich  wol  begnügen  kann  und  der  auch,  so  vial  der  Kaiser  weiss,
E,  kfl.  Gn.  und  der  geistlichen  Kurfürsten  Meinung  gemäss  ist,  laut  der
Abschrift,  die  wir  bei  uns  haben.  Der  Kaiser  hat  auch  Johan
Eustach  von  Westernach  und  Zacharias  Geizkofler  zum  Unioastag
nach  Rotenburg  abgeordnet,  um  dort  wegen  Erhaltung  des  Friedesi
im  Reiche  zu  verhandeln,?  was  der  Administrator  treulich  zu  befördern,
„dazu  solches  Fürst  Christian  von  Anhalt  ufzugeben“,  dem  Kaise
versprochen  hat.

Da  sich  aus  all  dem  ergibt,  wie  sehr  der  Kaiser  bemüht  ist,
alles  zu  beseitigen,  was  den  Kurfürstentag  hindern  könnte,  so  bittet  e
E.  kfl.Gn.  nochmals,  nicht  nur  persönlich  dabei  zu  erscheinen  sondero
auch  alles  befördern  zu  helfen,  damit  er  ohne  Aufschub  vor  sich  gehen
kann.  Da  die  Reassumtion  oder  Neuausschreibung  des  Kurfürstentags
durch  Mainz  noch  nicht  erfolgt  ist,  so  hat  er  auch  mich,  Hananewald,  mit
einem  Aumahnungsschreiben  an  den  Kurfürsten  nach  Aschaffenburg  abge
fertigt  und  bittet,  dass  E.  kfl.Gn.  mir  ein  Promotorialschreiben  an  Kurmains
mitgebon.*  Und  damit  schliesslich  nichts  versäumt  werde,  was  zur  Beförderung
  dieses  Werkes  immer  dienen  mag,  80  ist  der  Kaiser  auch  entschlossen,
wofern  er  für  gewiss  erfährt,  dass  der  Kurfürst  von  Brandenburg  zw
Leichenfeier  wieder  hieher  kommt,  den  Direktor  seines  geheimen  Rats,
den  Herzog  von  Braunschweig,  oder  sonst  einen  ansehnlichen  Gesandtes
herüberzuschicken  und  wegen  der  sonstigen  Notdurft  mit  E.  uud  8.  kfl.  Ga.
Korrespondenz  zu  pflegen.  Geschehen  zu  Dresden  den  3.  augusti  a.  1611.

Drs.,  I.  7887,  II.  Bach  Kurfürstentage,  f.  80;  Or.

1  Wegen  T'rautmannsdorfs  Abfertigung  vgl.  no.  299,  8.  690,  Anm.  1.
Hertel  reiste  am  30.  Juli  nach  Dresden  (vyl.  Vischeres  Bericht  in  no.  299),
während  Hannewald  sich  dort  schon  längere  Zeit  aufhielt.  Am  prager  Hof
giengen  über  Hertels  Schickung  allerlei  Gerüchte:  Bodenıus  weiss  dem  Herzog
von  Baiern  am  1.  August  zu  melden,  dass  Hertel  Hannewald  warnen  sollte,
nicht  zu  früh  nach  Prag  zurückzukehren,  da  nach  des  Königs  Abreise  die
hinterlassenen  Direktoren  und  Begenten  auf  ihn  greifen  könnten  (Me.,  Eatstehung,
  Fasz.  Ill.,  no.  26,  f.  133;  Or.  eigh.);  vgl.  no.  309.

?  No.  301.
®  Vgl.  unten  no.  810  und  no.  312.

*  Geschieht  unter  dem  a  der  Kurfürst  möge  Hannewald  am

solche  Resolution  erteilen,  wie  sie  der  jetzige  Zustand  erfordert.  Gleichzeitig
war  aber  in  Dresden  das  kurmainzische  Schreiben  eingelaufen,  das  den
Termin  für  den  Kurfürstentag  anberaumte  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  92;  Kot).
Hannewald  setzte  aber  Jie  Reise  nach  Aschaffenburg  fort,  wo  er  esfahr,
dass  Kurmainz  bereits  alles  vom  Kaiser  wegen  des  Kurfürstentags  Gewünschte
veranlasst  hatte  (Bericht  Hannewalds  an  den  Kaiser  vom  29.  August;  Dre,
a.  a.  O.,  f.  236;  Kopie).

°  Dem  Kaiser  antwortete  der  Kurfürst  von  Sachsen  auf  obige  Werbung
        <pb n="757" />
        808.  1611  135

308.  Johann  Casimir  Graf  zu  Lynar  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

Fürst  Christian  von  Anhalt  berichtet  mir,  dass  auf  die  Nachricht
von  der  Erteilung  des  kaiserlichen  Dekrets!  im  kurpfälzischen  Rat
u.a.  für  gut  angesehen  worden  ist,  dass  E.  kfl.  Gn.,  Kurbrandenburg
und  der  Administrator  noch  vor  dem  Kurfürstentag  ihre  geheimen
Räte  ehestens  zusammenordnen  und  durch  sie  alle  Pankte  des
mainzischen  Ausschreibens  beraten  lassen  sollen,  damit  man  dann
umso  besser  schliessen  und  ins  Werk  richten  könnte,  was  zu  des
Kaisers  und  des  Vaterlandes,  besonders  aber  des  evangelischen  Wesens
Wolfahrt  erspriessliich  wäre  Dabei  soll  auch  E.  kfl.  Gn.  entdeckt
werden,,  was  hier  beim  Unionstag  verhandelt  wird  und  was  des
Kaisers  Abgesandte  hier  anbringen  und  zum  Bescheid  erhalten  wordon.
Ich  habe  aber  für  meine  Person  dafürsehalten,  dass  dies  hochnötige
Werk  noch  mehr  Nutzen  bringen  würde,  wenn  die  weltlichen  Kurfürsten
  mit  geringem  Gefolge  persönlich  zusammenkämen,  welchem
Gedanken  Fürst  Christian  beistimmte  und  versicherte,  weun  E.  kfl.  Gn.
sich  solche  persönliche  Zusammenkunft  »belieben  lassen  und  auch
Kurbrandenburg  dazu  bewegen  würden,  dass  es  an  dem  Administrator
nicht  fehlen  sollte.  Da  dies  nicht  nur  dem  gemeinen  Wesen  sondern
auch  E,  kfl.  Gn.  und  Dero  Haus  in  der  jülicher  Sache  wol  zu  statten
känıe  und  durch  des  Administrators  Vermittlung  zwischen  E.  kfl.  Gn.
und  Kurbrandenburg  viel  Gutes  verrichtet  werden  könnte,  so  habe  ich
diesen  Vorschlag  E.  kfl.  Gn.  vortragen  wollen.  Datum  Rotenburg.

an  der  Tauber  den  25.  julii  a.  1611.
Drs,  1.  7387,  Il.  Buch  Kurfürstentag,  f.  126;  Or.  eigh.?

en  Er  wird  gern  persönlich  beim  Kurfürstentag  erscheinen,  Jer
soeben  festgesetzt  worden  ist;  gegen  Pfalzgraf  Johann  will  er  sich  aller
Billigkeit  gensäss  erweisen,  zumal  schon  die  Räte  Christians  II.  deshalb
ganz  entsprechend  dem  kaiserlichen  Dekret  instruiert  waren;  seinethalben
  soll  das  kurfürstliche  Kolleg  nicht  unergänzt  bleiben;  sobald  sich
Kurbrandenburg  wegen  Jer  Teilnahme  an  der  Leichenfsier  erklärt  hat,  sull  der
Kaiser  oder  Braunschweig  davon  verständigt  werden  (Dre.,  a.  a.  O.,  f.  94;
Kptkopie).  Entsprechende  Erklärung,  respektive  Aufforderung  Kursichasus  au

27.  Juli  .  -
6.  August  in  Drs,  a.  a.  OÖ,  f.  19%,
f.103  und  f.  106;  Kpte.).  —  Der  Kaiser  ılankto  ar  14.  August  Kursachsen
für  die  willfäbrige  Resolution;  «en  Termin  zum  Kurfürstentag  hätte  er
gern  früher  angesetzt  gesehen,  da  dıe  Gefahr  im  Reich  nur  zunımınt;  ebenso
hatte  er  Kurbrandenburgs  persönliches  Erscheinen  gewünscht  uud  «ass  er
[Kurbrandenburg]  „des  heil.  reiches  gemaine  wohlfahrt  sonderlich  gegen  dou
offerten,  80  ich  8.  L.  durch  meinen  abgesandten  thuen  lassen,  ilıron  privatanligen
  vorxgesetzt  hette“  (Drs.,  a.  a.  O.,  f.  180;  Or.).
ı  No.  301.  Vgl.  wegen  des  folgenden  dort  die  Anm.  1  auf  8.  692,
Am  31.  Juli
10.  August
seines  Vorgängers,  wegen  der  Erbhuldigung,  Anstellung  des  Regiments  u.  8.  w.
seine  Rate  nicht  von  sich  lassen  könnte;  zudem  werde  ihm  berichtet,  dass  der

Kurmainz  und  Kurbrandenburg  vom

antwortet  der  Kurfürst,  dass  er  wegen  der  Beisetzung

August  4.
        <pb n="758" />
        August  6.

136  1611  509.

309.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

Am  1.August  klagte,  mir  Maximilian  von  Trautmannsdorf,  dass  der
Herzog  von  Braunschweig  drei  Lutberische  im  Reichshofrate  einsetzen!
und  dass  er  deshalb  seinen  Abschied  nehmen  wolle.  Man  glaubt,  der
lutherische  Minckwitz  werde  gewiss  in  den  geheimen  Rat  kommen.  AmVormittag
  des  2.  haben  die  Verordneten  des  Kaisers  und  des  Königs
sich  so  verglichen,  dass  nur  noch  die  Genehmigung  des  Kaisers  fehlt
„Die  berschaft  Benatek  halten  L  kgl.  M.:  ihr  also  bevor,  das  me
nach  getroffenen  und  beschlossenen  accordo  bei  der  ersten  persönliches
beisamenkunft  I.  ksl.  M.'  selbst  die  übergeben  wöllen.“  —  Am  2.
„bin  ich  glaubwurdig  berichtet,  das  der  secretari  Hertel  mit  andern
beimlichen  nebencommissionen  zu  den  churfursten  von  Saxen  und
Mainz  geschickt  worden,  unter  anderm  auch  den  Hannewald  zu  warnen,
das  er  nicht  wider  hereinkomen  soll,  den  ihm  gedrüöhet,  das  man  ihn
von  neuen  einzihen  wil.“?  —  Am  31.  Juli  haben  der  Oberst  Trautmannsdorf
  und  nachher  sein  Bruder  Maximilian  den  Auftrag,  ein
verschlossenes  Schreiben  dem  Kurfürsten  von  Brandenburg  zu  überbringen,
  abgelehnt,  weil  em  Kurier  dazu  genüge.?  Am  3.  August  sagte
Graf  Hobenlohe,  der  am  31.  Juli  mit  Minckwitz  von  Braunschweig
zurückgekehrt  war,  er  werde  abgeschickt  werden*,  „doch  mit  offener
instruction,  daher  zu  vermueten,  das  es  sachen  sein,  die  man
den  catholischen  nit  vertrauen  wöllen.“  —  Am  4.  „hab  ich  ein
schreiben  von  dem  Hannewald,  den  1,  diss  in  Dresden  datirt,
entpfangen,  darin  er  unter  anderm  berichtet,  das  der  kuniglicher
abgesanter,  der  von  Losenstein®,  ihn  im  namen  des  kunigs  (als
der  ein  gnedigst  gross  vertrauen  mehr  als  zue  seinen  mitgesanten
zue  ihm  trüge)  zuegesprochen,  wie  auch  heruach  der  secretari  Schröttel,
das  er  beim  churfursten  zue  Saxen  fleiss  anwenden  wolte,  damit  der
vergleich  mit  I.  ksl.  M.'  geschlossen  werde,  und  gefragt,  wie  er
sonst  den  churfursten  intentionirt  fünde.  Denen  beiden  hab  er  candıde
geantwortet:  zue  dem  vergleich,  als  welcher  in  allweg  zwischen  dem
kaiser  und  künig  notwendig,  begerte  er  treulich  zu  raten  und  m
dienen;  es  wurd  es  auch  seiner  mitcommissarien  und  seine  relatios
ad  caesarem  anders  nit  zu  erkennen  geben;  was  aber  des  hiesigen

Kurfürst  von  Brandenburg  nächstens  nach  Preussen  verreisen  wolle,  was
dessen  Teilnahme  am  Kurfürstentag  leicht  verhindern  könnte.  Da  dessen
Anwesenheit  aber  sehr  notwendig  sei,  möge  Lynar  durch  seinen  Herrn  der
halb  unterbäuen  lassen  ‚Drs.,  a.  a.  O.,  f.128;  Kpt.).  —  Gleichzeitig  lehnt
Kursachsen  in  einem  Schreiben  unmittelbar  an  den  Administrator  den  Vor
schlag  wegen  der  Zusammenkunft  mit  denselben  Gründen  wie  oben  ab  (Dr,
a.  a.  O.,  f.  124;  Kpt.).

!  Vgl.  no.  281  und  no.  291.

?  Vgl.  no.  307  mit  Anm.  1  auf  S.  784.

®  Vgl.  no.  299,  8.  690,  Anm.  1.

*  Geschieht  am  4.  August  (Bodenius  an  den  Herzog  von  Baiera  am
6.  August;  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  26,  f.  136;  Or.  eigh.).

®  Wegen  Losensteins  Schickung  nach  Prag  vgl.  no.  279.
        <pb n="759" />
        309.  1611  137

und  anderer  churfursten  intention  belange,  die  beruhe  in  seiner  August  6.
macht  und  gewalt  gar  nicht;  die  churfursten  erklären  sich  gegen
dem  kaiser  und  künig  offentlich  und  beharlich  durch  gesante  und
schreiben,  nemblich  das  sie  den  entlichen  schluss  gern  uf  vorstehenden
  churfurstentag  verschoben  sehen  und  siark  drauf  dringen
wurden,  der  kaiseı  solle  seine  residenz  ins  reich  transferiren;  das
solte  niemand,  der  dem  kaiser,  dem  künig  und  dem  hause  Oesterreich
guets  gunne,  abwehren,  dan  dadurch  erhielte  man  I.  M.!  beim
kaiserthumb  und  inmittls  kunne  der  künig  die  regirung  in  den
erlangten  kunigreichen  und  ländern  desto  besser  stabiliren,  die
gefährliche  uniones  heraussen  verhüten  oder  doch  miltern.  Hingegen
do  I.  ksl.  M.*  sich  den  churfursten  nicht  bequemeten,  möchten  andere
frembde  practiken  über  hand  nemen  oder  die  churfursten  Gott  weiss
zu  was  mittlen  wider  ihren  willen  gedrungen  werden,  welche  I.  kgl.  W.,
dero  christlichen  kunigreichen  und  ländern  sowol  dem  haus  Oesterreich
nit  zum  besten  geraichten,  wie  ihme  dan  lauter  gesagt  worden:  Si
caesar  non  ibit  in  Germaniam  ex  Bohemia,  so  werdens  die  Teatschen
machen  wie  die  Hungern,  Oesterreicher,  Mährer  und  Böhmen  und
aine  proposition  verfassen,  die  wird  haissen:  resigna!  Obs  aber  pro
domo  Austriaca  de  tempore  und  genuegsam  praeparirt  sei,  das  versteh
er  nicht.“  —  „Den  nachmittag  hab  ich  den  don  Baltazar  des
Hannewalds  schreiben  communicirt;  der  ist  gar  ainer  anderer  und
der  mainung  mit  mir,  das  durchaus  nit  ratsam,  das  I.  ksl.  M.'  im
reich  ihre  residenz  nemen,  allerhaud  erheblichen  ursachen  halber  und
in  sonderheit,  das  dadurch  von  nouem  anlass  gegeben  wurde  zue
allerhand  practiken,  so  zu  nichts  als  zue  des  hauses  Oesterreich  nachtail
dienen  kunten.“  —-  Am  Abend  des  4.  sagte  mir  Khlesi:  Wacker
babe  ihm  am  Vormittag  berichtet,  „das  der  kaiser  die  puncten,  uber
welche  die  commissarii  sich  beraits  verglichen,  nit  eingehn  wölte,
daher  er  die  ganze  handlung  fur  zerschlagen  hielte.!  Weil  ich  aber
hieran  gezweiflet,  bin  ich  noch  den  abent  zu  dem  von  Molart  gangen
(dan  mir  wol  bewusst,  das  der  bischof  seinen  passionibus  bisweilen
za  vile  nachgibt)  zu  erfahren,  ob  dem  also  sei.  Der  mir  gesagt,  das
die  ganze  differentia  principaliter  an  drei  puncten  hafte:  1)  die
belehnung,  2)  die  herschaft  Benatek  und  3)  die  reichscontribution
betreffend  ;  vermainet  aigentlich,  man  wurde  folgenden  tages  daruber
wol  ainig  werden.“  Ebenso  hat  sich  anı  5.  August  Zuniga  geäussert.
Am  Vormittag  des  5.  haben  die  kaiserlichen  und  königlichen  Verordneten
bei  Matthias  verhandelt;  Zuniga  wurde  dazu  geladen,  glaubte  aber
nicht  ohne  des  Kaisers  Vorwissen  hin  gehen  zu  dürfen.  Am  Nachmittag
gab  der  Kaiser  über  das  Beschlossene  seine  Erklärung  ab.  Morgen  soll
bei  Zuiiiga  weiter  verhandelt  werden.  Prag  den  6.  augusti  1611.
Brs.,  Beeret.  d’Allem  ,  no.  96,  f.  120;  eigh.  Or.

ı  Vgl.  Hammer-Purgstall,  Khlesis  Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung,
no.  888  und  no.  389.  '

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  47
        <pb n="760" />
        August  8.

138  1611  310

310.  Zacharias  Geizkofler  an  den  Beichshofratssekretär
Pucher.

.  ..  Ich  gebe  aber  dem  Herrn  zu  bedenken,  ob  dies  Reputatiea
ist,  wenn  man  den  evangelischen  unierten  Ständen  beim  Bann  durch
einen  „Ehrenhold“  gebietet,  von  der  Union  abzustehen  und  jetst  Gesandte
  zu  ihnen  schickt.!  Unser  Vorbringen  ist  nur  „general
und  man  wird  uns  auch  general  antworten  oder  die  Unierten  werde
als  Mittel,  dem  Reich  zu  helfen,  abermals  das  proponieren,  was  ®
zuvor  durch  Fürst  Christian  zu  Prag  haben  anbringen  lassen,  „ul
schreibt  jederman  nur  von  manutention,  autoritet,  reputation  und  hochet
und  sagt  doch  nicht,  wie  und  was  sie  thun  wöllen.“  Ich  halt
dafür,  dass  Reputation  und  Hoheit  darin  besteht,  den  Kaiser  in  di
verlorenen  Lande  wieder  einzusetzen.  „Ob  es  aber  dem  hochlöbliche
bauss  von  Oesterreich  rathsamb,  sonderlich  weil  das  offendirte  hauk
in  sebr  hohem  alter  und  der  Tärck,  auch  andere  feint  und  amıl
desselbigen  nicht  feiern  würden,  sein  eigen  land  zu  ruiniren  u
sich  selbst  zue  schwechen  und  ausszuemörgeln,  ob  es  bei  der  confoederativ
[der  königreich]  und  erbland  mit  gläcklichem  success  zue  effectuire.
auch  beharlich  und  bestendig  zue  erhalten,  auch  ob  und  was  sich  aul
die  grosse  promissiones  zu  verlassen,  kan  ich  bei  mir  nicht  finde
und  würdet  es  der  ausschlag  zu  erkennen  geben.“  Auch  hat  die
Erfahrung  beim  jüngsten  prager  Konvent  gezeigt,  wie  viel  die  Interposition
  so  vieler  ansehnlicher  Kurfürsten  und  Fürsten  genützt  hat
und  gäbe  es  solcher  Beispiele  im  Hause  Oesterreich  wol  mehr.  Id
meine  also,  „es  sei  der  beste  weg,  dass  sich  die  herrn  [von  Oesterreich]
unter  einander  selbst  vergleichen  und  trachten,  dass  ein  römischer
könig  auss  ihnen  erwöhlt  werde;  dan  solte  der  alte  frombe  löbliche
regent  ohne  statuirung  einer  succession  mit  todt  abgehen,  so  würden
wir  im  reich  ein  schönes  gerauf,  vielleicht  der  competitorum  mehr
haben  als  man  anietzo  vermeint;  es  kan  auch  die  verlengerang  der
zeit  nichts  bessern,  aber  wol  ergers  causiren“.

Nachschrift:  Die  Infektion  droht  aller  Orten,  besonders  in  Tin,
was  dort  grossen  Schaden  verursacht,  da  der  Handel  darniederliegt  und
die  Strassen  veröden.  So  sind  auch,  wie  der  Herr  schreibt,  d#®
Gefälle  der  ober-  und  unterösterreichischen  Lande  alle  versetzt  un
angewiesen,  so  dass  man  den  Zins  nicht  zahlen  kann;  das  Landvolk

1  Die  Beglaubigung  für  Eustach  von  Westernach  und  Zacharias  Ger
kofler  zur  Schickung  nach  Rotenburg  ist  vom  28.  Juli  datiert  (B1b.,  119R.
f.  128;  Or.).  —  Die  Instruktion  fehlt  leider  (vgl.  unten  no.  315).  Bodesiws
weiss  am  6.  August  dem  Herzog  von  Baiern  zu  berichten,  dass  Leuchtenberg
und  Barvitius  wegen  dieser  Schickung  so  viel  erreicht  hätten,  dass  &amp;amp;*
Instruktion  für  Westernach  und  Geizkofler,  die  der  Herzog  von  Braunschrag
eigenhändig  abgefasst  hatte,  und  eben»o  die  bereits  gefertigten  Handschreib®
und  Beglaubigungen  für  Günterode  wieder  kassiert  worden  seien  (Me.,  Bat
stebung,  Fasz.  lil.,  no.  26,  f.136;  Or.  eigh.).  Diese  Nachricht  muss  Bodesio
am  8.  August  freilich  widerrufen  (Mo.,  a.  a.  O.,  f.  139,  Or  eigh.).
        <pb n="761" />
        310-311.  1611  139

dort  wie  in  den  Vorlanden  wegen  der  passauischen  und  elsässischen  August  8.
Einlagerung  sehr  schwierig  und  wäre  zu  besorgen,  dass,  wenn  der
Kaiser  sich  dahin  begäbe,  er  dort  wenig  Freunde  und  Mittel  finden
würde!  Haunsheimb  den  29.  julii  1611.?
Mb.,  119/2,  f.  119;  unvollständiger  Aussug.

3ll.  Der  Nuntius  in  Köln  an  den  Kurfürsten  ‘von  August9.
Mainz.

Der  Papst  hat  in  Briefen  an  mich  beklagt,?  dass  es  in  Deutschland
so  weit  gekommen  ist,  dass  der  Kaiser  unter  den  katholischen
Fürsten  keinen  Mann  findet,  dem  er  die  Geschäfte  des  Reiches
anvertrauen  kann,  so  dass  er  sich  und  all  das  seine  der  lutherischen
und  calvinistischen  Treulosigkeit  übergeben  hat.  Das  sind  deutliche
Zeichen,  dass  das  Reich  wankt,  was  allen  Katholischen  gerechte  Ursache
zur  Tfauer  gibt.  Ich  gedachte  darüber  mit  E.  L.  und  Dero  geistlichen
Mitkurfürsten  auf  dem  Kurfürstentag  zu  sprechen.*  Da  dieser  sich
verzieht,  dies  Uebel  aber  keinen  Verzug  leidet,  so  glaubte  ich  zu
E.  kfl.  Gn.  als  dem  heiligen  Anker  der  katholischen  Religion  in  Deutschland
  meine  Zuflucht  nehmen  und  Derselben  auf  des  Papstes  Befehl
diese  Sache  aus  Herz  legen  zu  sollen;  denn  an  ihr  hängt  Wol  und
Wehe  der  katholischen  Religion.  Wie  könnten  der  Papst,  der  König
von  Spanien  und  die  übrigen  katholischen  Fürsten  mit  ketzerischen
Dienern  des  Kaisers  verhandeln  ?  wie  sollen  Katholiken  oder  die  deutschen
Kirchen  den  Ketzern  und  Feinden  ihre  Angelegenheiten  mitteilen  ?
würde  daraus  nicht  das  grösste  Mistrauen  zwischen  dem  Kaiser  und
den  Fürsten  und  Untertanen  entstehen?  ‚Nonne  multis  nova  moliendi,
ut  se  defendant,  iusta  providebitur  causa,  cum  valde  sit  certum
mediante  opera  ex  actibus  istorum  haereticorum  lıoc  medio  catholicos

i  Demnach  scheint  nochmals  der  Plan  am  kaiserlichen  Hof  erwogen
worden  zu  sein,  dass  der  Kaiser  seine  Residenz  nach  Inasbruck  verlege.

2  Geizkofler  datiert  bald  nach  altem,  bald  nach  neuem  Stil,  in  Schreiben
an  Katholische  meist  nach  diesem.  Da  aber  obıges  Schreiben  voraussetzt,
dass  Geizkofler  bereits  den  Befehl  nach  Rotenburg  zu  reisen  erhalten  hatte,  aus
einem  Schreiben  Weizkoflers  an  Erzherzog  \Maxımilian  aber  hervorgeht,  dass
der  kaiserliche  Befehl  erst  am  3.  August  in  Haunsheim  eınlief  (Ib.,  Ambraser
Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  15;  Or.),  so  wird  obiges  Datum  auf
den  alten  Stil  zu  beziehen  seın.

®  Vgl.  no.  255.  8.  595,  Anm.  1,

*  Der  Papst  hatte  durch  ein  Breve  vom  2.  Juli  den  Kurfürsten  verständigt,
dass  er  ihm  durch  den  Nuntius  in  Köln  einiges  mitteilen  lassen  wolle,  was
für  die  Sicherheit  des  Reiches  und  die  Erhaltung  der  katholischen  Religion
förderlich  sein  werde  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  154;  Or.);  das
Breve  wurde  erst  am  29.  Oktober  in  Nürnberg  überreicht.  —  Vorher  schon
hatte  der  Nuntius  durch  ein  Mitglied  seines  Gofolges  dem  Kurfürsten  die
Wünsche  des  Papstes  wegen  des  Kurfürstentags  ausdrücken  lassen;  auf
diese  Uuterredung  bezieht  sich  dıe  in  no.  273,  3.  627,  Anm.  2  erwähnte
Antwort  des  Kurfürsten  vom  4.  Juli.

47°
        <pb n="762" />
        August  9.

740  1611  311-312.

opprimendos  haereticosque  erigendos  esse  et  omnia  publica  imperü
officia  inposterum  a  catholicorum  partibus  ad  haereticos  esse  transferenda.“
  Welchen  Plünderungen,  Unbilden  und  Neuerungen  würde
die  katholische  Religion  in  Deutschland  ausgesetzt  sein!  Ich  beklage
aufs  Tiefste,  dass  der  Kaiser  von  seinen  Räten  so  verblendet  wird,
dass  er  den  Untergang  des  Reiches,  ja  von  ganz  Deutschland  herkeiführen
  zu  wollen  scheint;  denn  es  ist  zu  fürchten,  dass  Gott  seine
gerechten  Zorn  über  uns  ergiessen  wird.  Viele  Beispiele  zeigen,  wie  sehr
es  Gott  misfällt,  wenn  katholische  Fürsten  sich  des  Rats  und  de
Hilfe  von  Ketzern  bedienen,  z.  B.  Theodosius  d.  J.,  Justinian  ıı
Daher  bitte  ich  E.  kfl.  Gn.  nochmals,  der  Kirche  Ihre  Arme  n
leihen  und  mit  den  andern  Kurfürsten,  denen  ich  im  gleichen  Sin
schreibe,  für  des  Reiches  Notdurft  zu  sorgen.  Coloniae  VIILI.  augusto  1611.
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  170;  Kopie.l

August10.312.  Kaiser  Rudolf  Il.  an  Westernach  und  Geizkofler.

In  Eurem  Schreiben  aus  Neresheim  vom  4.  August,  worin  Ihr
Euch  zur  Uebernahme  der  Kommission  bereit  erklärt,  obgleich  Geirkofler
  unpässlich  ist,  bittet  Ihr  wegen  einiger  Zweifel  um  weiter
Information  und  Befebl.?  —  Wegen  der  Dubia  bleibt  Ihr  am  besten
„in  generalitate‘“  der  Instruktion;  wegen  des  ersten  und  dritten  Punkte
Eures  Schreibens  werdet  Ihr  aber  bereits  von  Günterode  weiter
Nachricht  empfangen  haben.  „Der  ander  aber,  als  die  würkliche
erledigung  und  abhelfung  deren  durch  fürst  Christian  von  Anhalt
im  namen  der  anjetzt  versambleten  unirten  vor  disem  bei  uns
angebrachten  gravaminum“,  ist  von  uns  bereits  vor  einem  Jahr

ı  Am  30.  August  überschickt  der  Nuntius  in  Köln  ein  neues  päpstliches  Breve
vom  13.  August  wegen  der  Bestellung  eines  Protestanten  zum  Präsidenten  des
geheimen  Rats  des  Kaisers,  das  ausführt:  Der  Papst  hat  Kenntnis  davon,  was
Kurmainz  dem  Kaiser  auf  dessen  Anfrage  wegen  Bestellung  eines  neuen  Prä«-denten
  geschrieben  hat  (vgl.  no.  246  und  Anm.  2  auf  S.  582)  und  ist  über
zeugt,  dass  der  Kurfürst  sorgen  wird,  dass  das  Ansehen  der  Gegner  nicht
zum  Nachteil  der  katholisc'"en  Religion  wachee.  Bei  dem  verwirrten  Staad  der
Dinge  ermahnt  er,  der  Papst,  den  Kurfürsten  aber  nochmals,  sich  dieser  Gefahr
entgegen  zu  stellen,  damit  nicht,  wie  ihm  von  vielen  Seiten  berichtet  win.
jenes  wichtige  Amt  trotzdem  einem  Ketzer  übertragen  werde.  Er  hat  den  Kaiser
ermahnt,  den  Ketzern,  die  dem  Hause  Oesterreich  wie  der  katholischen  Kirch
gleichmässig  feindlich  sind,  nicht  zu  trauen  und  hat  seinem  Nuntius  in  Prag
befohlen,  deshalb  mit  dem  Kaiser  zu  reden;  aber  er  vertraut  vor  allem  der
Wachsamkeit  von  Kurmainz  und  dessen  geistlichen  Mitkurfürsten,  dass  re
der  drohenden  Gefahr  in  jeder  Weise  vorbauen  und  die  Pläne  der  Wider
wärtigen  zerstören  werden  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  88;  Or.).  Ygl
auch  des  Papstes  Brere  an  Khlesl  vom  13.  August  bei  Hammer-Purgstall,
Khlesis  Leben,  II,  Urkunden-Sammlung,  no.  343.  —-  Am  9.  September
schreibt  der  Papst  nochmals  an  Kurmainz,  er  möge  trotz  der  Unsicherhait
des  Erfolges  bei  dem  ausharren,  was  er  zur  Ehre  der  Kirche  und  des  Raiches
bisher  getan  hat  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  155;  Or.).

?  Vgl.  no.  310  und  die  Werbung  der  kaiserlichen  Kommissarien  vor
den  Unierten  in  no.  315.
        <pb n="763" />
        312—314.  1611  141

mit  den  in  Prag  anwesenden  Kurfürsten,  Erzherzogen  und  Fürsten  beraten  August  10
worden  und  wollen  wir  die  Beratung,  doch  unsern  kaiserlichen  Gerechtsamen
  unpraejudizierlich,  bei  bevorstehendem  Kurfürstentag,  der
am  8.  Oktober  beginnen  wird,  reassumieren.  Sollte  also  wegen
dieses  Punktes  etwas  vorkommen,  so  habt  ihr  die  Versammelten  zu
ermahnen,  sich  bis  dahin  zu  gedulden.  Der  letzte  Punkt  Eures  Schreibens,
dass  wir  den  anwesenden  Ständen  unsern  Willen  und  Meinung  eröffnen
mögen,  wie  unsere  und  des  Reiches  Autorität  und  Hoheit  erhalten
werden  solle,  gehört  nicht  vor  diese  Versammlung  und  wollen  wir
bierin  den  Kurfürsten,  denen  darüber  zu  beraten  zusteht,  nicht
vorgreifen.  Wir  haben  nicht  die  Absicht,  uns  deswegen  mit  den
Ständen  einzulassen  sondern  unsere  Intention  ist  nur,  wie  Eure
Instruktion  ergibt,  dass  wir  uns  nicht  versehen,  es  werde  etwas  unserer
kaiserlichen  Hoheit  und  Reputation  Nachteiliges  von  den  anwesenden
unierten  Ständen  verhandelt  werden.  Im  unverhofften  Fall  aber  habt  Ihr
die  Stände  davon  abzumahnen  und  sie  an  ihre  Pflicht  zu  erinnern,
die  Erhaltung  unserer  und  des  Reiches  Hoheit  allem  andern  vorzusetzen.
  Demgemäss  habt  Ihr  Eure  Handlungen  zu  Rotenburg  anzustellen.

  Geben  auf  unserem  schloss  zue  Prag  den  10.  augusti  a.  1611.
Mc.,  Entstehung,  Fasz.  Ill.,  no.  26,  f.  143;  Kopie  (mitgeteilt  von  Bodenlus.)

313.  Vergleich  zwischen  Kaiser  Rudolf  IL.  und  König  Augustli.
|  Matthias,

Gedruckt  bei  I.  C.  Lünig,  Codex  Germaniae  diplomaticus,  I.,
Frankfurt  1732,  no.  439;  Häberlin-Senckenberg,  Neuere  teutsche
Reichsgeschichte,  XXIII,  S.  400;  Hammer-Purgstall,  Khlesls  Leben,
IL,  Urkunden-Sammlung,  no.  342.  —  Im  Auszug  bei  P.  P.  Wolf,
Geschichte  Maximilians  I.  und  seiner  Zeit,  III.,  München  1809,  S.  255.1

3l4.  Kaiser  RudolfII.  an  jeden  der  Kurfürsten.  Augustll.

EE.  LL.  werden  vernonmen  haben,  wiedie  Verhandlung  zwischen
uns  und  unserm  Bruder  abgelaufen  ist.  Da  sie  zur  Erhaltung  von
Ruhe  und  Frieden  und  zur  Abwendung  von  Gefahr  geschehen  ist,  so  haben
wir  davon  EE.  LI,  Mitteilung  machen  wollen,  nicht  zweifelnd,  EE.  LI.

—

ı  Die  Unterzeichnung  des  Vergleiche  durch  den  Kaiser  erfolgte,  wie
Vischere  am  20.  August  dem  Erzherzog  Albrecht  berichtet,  erst  am  Abend
des  15.  August,  nachdem  Hertel  aus  Dresden  zurückgekehrt  war  (Bras.,
Secret.  d’Allem.,  no.  96,  f.  140:  Or.  eigh.),  nach  Khlesls  Mitteiluag  an
Erzherzog  Maximilian  erst  am  16.  August  (vgl.  unten  no.  320);  Hannewald  schrieb
sich  daran  ein  besonderes  Verdienst  zu  (vgl.  unten  no.  355).  —  Nach  der
Unterzeichnung  weigerte  sich  aber  der  Kaiser,  zur  völligen  Fertigung  sein  Siegel
berzugeben  (Spanischer  Bericht  aus  Prag  vom  23.  August,  Sim.,  Fasz.  2497,
'.  93;  Or.)  und  die  Vergleichsurkunde  dem  König  zustellen  zu  lasssen  ;
vgl  no.  326.
        <pb n="764" />
        142  1611  314.

Augusti1.werden  sie  sich  nicht  misfallen  lassen  „sondern  sein  des  konigsL.  um
ubsertwillen  für  recommendirt  halten.“!  Geben  auf  unserm  kuniglichen
  schloss  zu  Prag  den  11.  tag  augusti  a.  1611.  —  Prae.
Nuernberg  in  consilio  electorali  27.  octobris  1611.

Wimz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  161;  Or.?

1  Auf  diese  dürftigen  Worte  beschränkt  sich  die  von  König  Matthias  stetı
geforderte  kaiserliche  „Rekommendation“  bei  den  Kurfürsten  (vgl.  oben  no.  1%,
Aunm.1  auf  8.466,  no.  203,  no.  262,  Anm.  1  auf  8.608  und  Hammer-Purgstall,
  a.  a.  O.,  no.  326,  S.  334,  no.  327,  S.337,  besonders  aber  no.  336).  Da  der
Kaiser  während  der  Verhandlungen  wegen  dieser  Empfehlung  Schwierigkeit“
machte,  so  begnügte  sich  der  König  schliesslich  mit  obiger  allgemeis
Formel  (vel.  Hammer-Purgstall,  a.  a.  O.,  no.  338  und  no.  339).  Abe
auch  dann  wurde  es  dem  Kaiser  schwer,  die  empfehlenden  Worte  für  de
verhassten  Bruder  zu  unterfertigen.  Wie  Vischere  und  Bodenias  überetstimmend
  berichten,  war,  trotzdem  die  königlichen  Räte  am  22.  August  Jams
Zuniga  deshalb  anmahnen  liessen  (Wi.,  [I  A  1,  Ka.  2989),  das  Empfehlungs
schreiben  am  3.  September  noch  immer  nicht  vollzogen  (Vischere  an  Erzherax
Albrecht  am  3.  September  ;  Brs.,  Secröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  154;  Or.  ad
und  Bodenias  an  Herzog  Maximilian  am  3.  September;  3Ma.,  520,16,  f.  10.
Or.  eigh.);  am  17.  September  kennon  die  neuburgischen  Gesandten  di:
Schreiben,  aus  dessen  Wortlaut  die  schlechte  Affektion  gegen  dena  Könt
wol  zu  merken  sei  (Beer  und  Silbermann  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  ar
7./17.  September;  Me.,  no.  85/5;  —  Kopie).  Ungefähr  gleichzeitig  berichtet
ein  kursächsischer  Agent  aus  Prag:  der  König  habe  vergeblich  begehrt,  den
Entwurf  der  Empfehlung,  von  der  der  Agent  eine  Abschrift  beischliesst,  zu
sehen;  Wacker  habe  zuerst  einen  andern  Entwurf  angefertigt,  den  der  Kai
aber  „pruopter  formam  nimis  excellentem“  verworfen  habe  (Dra.,  1.  738:
U.  Buch  Kurfürstentags,  f.  257;  Or.).

In  De.,  A  9a,  Ic,  no.  4!  liegt  eine  Kopie  dieses  Empfehlungsschreibens  11
abweichender  Fassung  vor,  worin  es  nach  Mitteilung  des  Vergleichsabs  chlus®s
heisst:  Da  diese  Abhandlung  der  gemeinen  Wolfahrt  zum  Besten  gereich:
und  besonders  zur  Verhütung  grösserer  Unruhen  im  Reich  angesehen  ist
wir  uns  auch  bei  dieser  Handlung  gegen  unsern  Bruder  „dermassen  mild  an:
bruederlich,  derentgegen  S.  L.  herwiederumb  gegen  uns  so  gehorsamb  und
willfährig  erzeiget,  dass  daraus  inskünftig  ein  guetes  vernehmen  zwischen
uns  genzlich  zu  boflen,  ala  haben  wir  solches  D.  L.  zu  wissen  anfuegen
wollen,  nicht  zweiflend,  D.  L.  darob  ein  gefallen  tragen  und  seiner
königs  L.  umb  unsertwillen  in  vorfallenden  occasionen  alles  liebes  und  gurts
erweisen  werden.“  Die  Abschrift  stammt  aus  Dresdon  ;  vb  sie  vielleicht  den
erwähnten  wackerschen  Entwurf  entspricht  ?

?  König  Matthias  zeigte  am  16.  August  den  Kurfürsten  und
schiedenen  Fürsten  des  Reichs  den  geschlossenen  Vergleich  an  und  verhies
nochmals,  den  Kaiser  zu  respektieren  und  alle  Zusagen  zu  halten  (Drs.
a.  a.  O.,  f.176;  Or.).  Worauf  es  dem  König  bei  diesem  Vergleich,  für  de
er  nahmhafte  Opfer  gebracht  hatte,  ankam  und  weshalb  er  auf  das  kaiserliche
Empfehlungsschreiben  so  viel  Wert  legte,  das  verrät  er  in  dem  Schreiben  ron
16.  August,  niit  dem  er  auch  dem  Erzherzog  Maximilian  das  Zustandekomm®
desVergleichs  anzeigt:  „Nunmelır  haben  auch  die  catholischen  oder  protestierudden
  churfursten  der  kel.  M.'  offension  halben  wider  mein  person  kein  billiche
exception,  weil  die  sachen  verglichen,  derentwegen  ich  dann  auch  in  die
tractation  etwas  übriges  gethon,  dergleichen  vermainte  exceptiones  zu  benemen
und  allen  denen,  so  es  unserm  hauss  wol  vermainen,  glegenheit  zu  machen
und  den  weeg  zu  beraiten,  damit  wier  alle  zu  gewinschtem  termino
kunten®  (Ib.,  Amıbraser  Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  35;  Or..
        <pb n="765" />
        315.  1611  143

315.  Werbung  der  kaiserlichen  Kommissarien  Westernach  August11.
und  Geizkofler  bei  den  Unierten.

Der  Kaiser  hat,  obwol  etwas  spät,  von  dieser  Versammlung  einiger
Kurfürsten,  Fürsten  und  Stände  Nachricht  erhalten.  Ohne  den  Zweck  der
Zusammenkunft  genauer  zu  kennen,  hat  er  die  Unterzeichneten  hieher  geschickt,
  die  sich  bei  den  Versammelten  als  kaiserliche  Kommissarien
anzumelden,  das  Beglaubigungsschreiben  zu  übergeben  und  dann
Folgendes  vorzubringen  haben:  Der  Kaiser  zweifelt  nicht,  es  werde  hier
vornehmlich  und  allein  verhandelt  werden,  was  ihm  und  dem  gemeinen
notleidenden  Wesen  erspriesslich  ist,  damit  das  alte  Vertrauen  wieder
aufgerichtet  und  die  Wolfahrt  des  Reiches  bedacht  werde;  dazu
versieht  sich  der  Kaiser  von  den  Versammelten,  dass  sie  ihm  vertrauen  und
ihm  von  den  Vorgängen  und  Beratungen  allhier  durch  die  Kommissarien
Mitteilung  machen  werden.  Der  Kaiser  hat  sich  in  seiner  37jährigen
Regierung  nichtge  mehr  angelegen  sein  lassen  als  Frieden  und
Vertrauen  zwischen  den  Ständen  des  Reiches  zu  erhalten,  damit  niemand
in  seinen  Freiheiten  und  Rechten  geschmälert  sondern  eines  jeden
Standes  Wolfahrt  gefördert  werde;  er  verharrt  noch  in  dieser  Fürsorge
und  will  sie  auch  in  Zukunft  erweisen.  Ueber  den  Weg  dazu
mögen  die  Kurfürsten,  Fürsten  und  Stände  sich  mit  den  Kommissarien
vertraulich  und  ausführlich  besprechen.  —  Sollte  sich  jemand  unterstehen,
  durch  ungleichen  Bericht  die  Kurfürsten  etc.  vom  Kaiser
abzuwenden  und  dessen  Eifer  herabzusetzen,  so  hofft  der  Kaiser,  dass
die  Anwesenden  dem  nicht  statt  geben  sondern  die  Erhaltung  der  kaiserlichen
  und  des  Reiches  Autorität  und  Ansehens  allem  andern  voransetzen
werden.  Dies  wird  ihnen  zu  unsterblichem  Ruhm,  dem  Kaiser  in
seinem  hohen  Alter  aber  zu  besonderem  Troste  gereichen  und  wird
er  sich  dafür  dankbar  erweisen.  Signatum  Rottenburg  an  der  Tauber
den  1./11.  augusti  a.  1611.

Mb.,  842|1,  f.  30;  Kopfie.!

!  Diese  Werbung  wird  durch  das  Anbringen  Günterodes  beim  Administrator
  der  Kurpfalz  am  2./12.  August  ergänzt.  Günterode,  der  ein  kaiserliches
Handschreiben  zu  überreichen  hat,  soll  den  Administrator  erinnern,  dass  er
in  Betrachtung  obiger  Ursachen  vom  Kaiser  nicht  absetzen,  sich  auch  durch
ungleichen  Bericht  gegen  ihn  nicht  einnehmen  lassen  sondern  es  getreulich  an
nichts  fehlen  lassen  solle,  was  zu  des  Kaisers  Würde  und  Hoheit  erspriesslich  sei.
Dem  Administrator  sei  auch  nicht  unbewust,  welchen  Nachteil  der  Kaiser
bei  den  langen  ungarischen  Kriegen,  bei  denen  er  sein  Aeusserstes  zugesetzt,
gehabt  habe,  da  er  der  bewilligten  Reichs-  und  Kreisanlagen  entbehren  und
mit  schweren  Zinsen  und  Unkosten  desbalb  (seld  zum  Unterhalt  des  Kriegsvolkes
  habe  aufnehmen  müssen.  Da  bei  Kurpfalz  noch  ein  ansehnlicher  Rest
hinterstellig  sei  und  der  Administrator  sich  dessen  erinnern  werde,  wozu
sich  der  verstorbene  Kurfürst  schriftlich  und  durch  Fürst  Christian  von
Anhalt  und  ebenso  der  Administrator  selbst  durch  Hippolyt  von  Colli  erboten
haben,  so  hofft  der  Kaiser,  er  werde  diesen  Rest  ungesäumt  entrichten  lassen  und
als  Direktor  dieser  „Union*  zugleich  bei  andern  daran  sein,  damit  auch  dort  die
Gebühr  erfolge  (Mb.,  119/2,  £.  188;  Or.).  —.Der  kurpfälzischeRest  an  der  1603
bewilligten  Reichshilfe  betrug  80432  fl.,  wozu  noch  1212.  für  die  Abtei  Selz
kamen,  an  Kreishilfen  waren  seit  1605  33336  fl.  im  Rest  geblieben.  Ueber
Günterodes  sonstige  Aufträge  vergleiche  Gindely,  Rudolf  Il.  und  seine  Zeit,
L,  8.  314  und  unten  no.  318,  Anm.  1  auf  8,  dis  und  no.  336.
        <pb n="766" />
        144  1611  316.

August11.316.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  den  Koadjutor  von
Köln.

Der  Nuntius  in  Köln  hat  uns  mitgeteilt,  dass  er  auf  Befehl
des  Papstes  sich  beim  Kurfürstentage  einfinden  wird.!  Man  kanı
daraus  des  Papstes  Sorgfalt  und  Eifer  für  das  katholische  Wesen  wol
abnehmen;  daher  möchten  wir  ihm  wegen  der  beabsichtigten
Abordnung  des  Nuntius  nicht  Mass  geben.  Doch  scheint  ®
-uns  mebr  ab-  als  zuträglich  zu  sein;  denn  diese  Zusammenkunft
ist  keine  allgemeine  Reichsversammlung  sondern  eine  partikulare
Unterredung  der  Kurfürsten,  bei  der  weder  abschliessende  Verhandlung
wegen  der  Wahl  eines  römischen  Königs  stattfinden  werden,  noch
auch  vom  Religionswesen  gehandelt  sondern  nur  von  den  im  Aw
schreiben  bezeichneten  Punkten  als  Ergänzung  des  Kollegs,  Verbesserung
der  Justiz,  Einrichtung  guter  Ordnung  und  von  andarn  politisches
Sachen  geredet  werden  soll.  Ausserdem  herrscht  in  Mühlhausen  nır
die  augsburgische  Konfession;  man  kann  auch  dort  nicht  gut  für  de
Nuntius  Quartier  bestellen  noch  deswegen  dem  Rat  zuschreibe::
es  wird  der  Nuntius,  da  die  besten  Quartiere  schon  bestellt  sind.
schwer  Unterkunft  finden  und  könnte  leicht  Ungelegenheiten  haben:
fiel  es  doch  selbst  uns  und  Trier  schwer,  unsere  Quartiere  zu  behalten.
Dazu  wissen  E,  L.,  dass  wir  geistliche  Kurfürsten  diesen  Tag  uicht
obne  Mühe  von  den  weltlichen  erreicht  haben  und  einiger  Erscheinen
sogar  noch  ungewiss  ist.  Wir  besorgen  daher,  dass,  wenn  des  Nantius
Absicht  kundbar  wird,  diese  Zusammenkunft  gehindert,  ja  einige  ganz  wegbleiben
  werden,  so  dass  also  dieses  so  nützliche  und  wichtige  Werk  zurückgehen
und  unser,  der  geistlichen  Kurfürsten,  Intent  gerade  wegen  des  Nuntins
Anwesenheit  nur  schwer  zu  erreichen  sein  wir.  Es  würde  auch
das  im  Kollegium  eingerissene  Mistrauen,  wenn  wir  geistliche  Kurfürsten
mit  dem  Nuntius  verkehren,  eher  zu-  als  abnehmen  und  daraus  leicht
eine  Trennung  erfolgen  können;  ?  enthalten  wir  uns  aber  dieses  Verkehrs.
so  würde  das  beim  Papste  ungleiche  Gedanken  machen.  Wenn  der  Papst
von  diesen  Verhältnissen  unterrichtet  wäre,  würde  er  gewiss  die
Abordnung  lieber  unterlassen  als  fortgesetzt  sehen.  Damit  aber
der  Nuntius  die  Gelegenheit  erfährt,  ersuchen  wir  E.  L.,  zur  Beförderung
gemeinen  Wesens  dem  Nuntius  dies  alles  persönlich  oder  dard
einen  Ihrer  Räte  oder  schriftlich  vorzustellen  und  ihn  zu  ersuchen,
dies  dem  Papst  umständlich  bekannt  zu  geben  und  ihn  zu  bitten,
auf  diese  Abordnung  zu  verzichten,  zugleich  aber  S.  H."  zu  vesichern,
  dass  wir  geistliche  Kurfürsten  bei  dieser  Zusammenkunft  auf
nichts  eingehen  werden,  was  unserer  Religion  zuwider  wär,
sondern  dass  wir  in  all  dem  gute  Behutsamkeit  brauchen  wollen.
Datum  Aschaffenburg  den  11.  augusti  a.  1611.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd,  104,  no.  169;  Kpt.
i  Schreiben  des  Nuntius  vom  2.  August  mit  der  Bitte,  ihm  in  Möblhausen

  ein  Quartier  zu  besorgen  (Wmz.,  a.  a,  O.,  no.  168;  Or.);  re.
no.  311.

=  Wegen  des  Argwohns  gegen  die  Nuntien  vgl.  no.  805,  Anm.  1  auf  8.  701.
        <pb n="767" />
        317.  1611  145

317.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  den  von  Brandenburg.  August12

Ich  bedaure,  dass  E.  L.  diesmal  nicht  kommen  können!,  und
wünsche  Derselben  zu  Dero  preussischen  Reise  allesGlück,  obgleich  Sie
auf  dem  Kurfürstentag,  dem  Reich  und  sich  selbst  zum  Besten,  viel
mehr  hätten  ausrichten  können;  es  würde  E.  L,  auch  in  Preussen
besseres  Glück  gegeben  haben  und  hätten  wir  alle  dazu  geholfen,
Der  Fürstentag  wird  damit  auch  verschoben  „und  ehe  so  das  glid
in  der  ketten,  die  uns  feste  halten  solln,  beides  als  kurfürsten  sowol
auch  als  fürsten,  der  erbvereinigung  nicht  ganz  ist,  so  ziret  sie  den
mann  nicht,  den  man  sie  anhenget.“  Ich  will  mich  auf  E.  L.
Begehren  Dero  Landen  und  Leuten  gern  annehmen  uud  wessen  ich
sonst  E.  L.,  gemeinem  Wesen  und  dem  Reich  zum  Besten,  erinnern
kann,  das  will  ich  nicht  unterlassen.  „Allein  bitte  ich,  E.L.  wollens  nicht
ubel  vermerken,  auch  folgen,  wann  Sie  es  guet  werden  befinden  und
nicht  alleine  uf  den  anfang  sehen  sondern  auch  ufs  mittel  und  enden.
Ich  mus  furwar  Dier  vollendes  mein  herz  eröffnen:  die  preussische
reise,  deuchtet  mich,  sei  nicht  allerdings  Dier  gar  zum  besten  angesehen,
sintenmalen  wann  ich  betrachte  Deine  selbst  eigene  schreiben,  dorinnen
Du  mier  andeutest,  wie  herzlich  gern  Du  die  reichssachen  gefördert
sehest  und  es  nun  soweit  kommen,  dass  das  churfurstlich  collegium
ergenzet  mit  pfalzgrave  Hansen  als  dem  vormunden  der  Pfaltz,  es
auch  im  reich  erschollen  und  Du  Dich  heftig  in  der  sache  bemuhet
hast.  So  ziehest  Du  nun  darvon  und  lessest  es  an  Dier  mangeln;  —
in  summa  es  seind  leute,  die  Dich  und  mich  nicht  gern  oft  beisammen
sehen;?  denn  ich  weiss,  dass  Dein  herze  sich  ganz  krenket,  dass
Du  Deiner  zusage  nach  wieder  Deinen  willen  nicht  kanst  hero
kommen.  Es  hat  auch  schier  das  ansehen  bei  mier,  als  wolte  man
die  gülichische  sache  dardurch  verziehen  und  uf  die  lange  bank
spielen;  so  wurde  auch  leichtlich  allerlei  ungelegenheit  wieder  daraus
erfolgen.  Ich  bitte  Dich  umb  Gottes  willen,  sihe  Dich  wol  fur  und
verzeihe  miern,  dass  ich  mich  so  viel  understehe,  bei  Dier  zu  erinnern.
Dass  Du  wilt  alle  Deine  und  so  grosse  wichtige  und  schwere  sachen
uf  einmal  richtig  machen  oder  zugleich  treiben,  ist  fast  unmüglich:
in  Preussen,  in  Gülich  und  kriegest,  do  Gott  nicht  andere  mittel
dreinschicket,  dass  das  braunschweigische  wesen  solte  fortgehen,
auch  wieder  kriegsvolk  uf  die  seiten  und  hast  Deine  sachen  am
kaiserlichen  hofe  noch  nicht  richtis,  sowohl  auch  die  böhmische  lehen
vom  könige  auch  noch  nicht.  Du  bist  nicht  mit  in  der  churfurstlichen
verein,  do  .Du  es  doch  gleichsamb  alles  itzo  in  händen  hast  und  were
nur  um  14ltag]  zu  thun,  dass  Du  ufn  churfurstentag  werest,  weil

!  Zu  den  Beisetzungsfeierlichkeiten:  vgl.  no.  307,  Anın.  5  auf  S.  734.

?  Vielleicht  ein  Stich  auf  die  Gemahlin  des  Kurfürsten  von  Brandenburg,
  die  schon  die  Zusammenkunft  der  beiden  Kurfürsten  zu  Jüterbo;sk  zu
hintertreiben  versucht  hatte  (vgl.  die  Korrespondenz  der  Kurfürstin  Anna
mit  dem  Grafen  Lynar  aus  dem  Februar  und  März  1611  in  Bamberg,  Jülicher
Successione-Acta,  III.,  2.;  passim;  Orr.  eighh.).
        <pb n="768" />
        146  1611  31T.

August12.das  collegium  anitzo  wie  oben  gedacht  ergenzet  ist.  Ich  vor  meins
person  will  gern  bei  Dier  thun  uf  alle  fälle,  was  sich  gebuhret;  aber
ich  alleine  werde  es  nicht  ausmachen.  Ich  wil  Dich  auch  ufm
churfurstentage  entschuldigen,  was  mier  muglichen.  Obs  aber  alles
wirdet  guet  ufgenommen  werden,  kann  ich  nicht  wissen.  Lieber
mache  eines  nach  dem  andern  richtig  und  baue  ufn  grund,  so  bestehet
das  haus.  Also  begib  Dich  in  die  verein,  komme  ufn  churfurstentag,
hilf  das  reich  in  bessern  zustand  bringen,  befördere  das  gülichische
wesen  und  hilf  die  erbverbriederung  verneuern;  alsodann  wollen  wier
in  Preussen  und  den  grossen  ber  fangen,  der  das  siegel  von  den
federn  reisset;  zum  trauren  schicken  sie  sich  nicht.  Ich  bitte  Dich
nochmals  umb  Gottes  willen:  erzeige  Dich  als  ein  churfurst  des  reichs,
der  gern  sebe,  dass  das  heil.  röm.  reich  wieder  in  ein  ufnehmen,  ruhlich
friedlich  leben  und  gedeien  [komme],  und  thue  alles  dasjenige  darbei,  was
Dein  stand  und  beruef  mit  sich  bringet.!  Ich  versichere  Dich  dargegen,
  dass  es  nicht  alleine  Dier  sondern  dem  ganzen  reich  zu
nutzen  gemeinet;  Du  wirdest  auch  sehen,  unser  herr  Gott  wirdet  Dier
desto  besser  gluck  in  Deinen  andern  sachen  geben,  wann  das  erst
vorher  richtig  ist.  Ich  sei  und  verbleibe  auch  etc.  Wollest  auch
diss  mein  schreiben  nicht  anders  vermerken  als  dass  es  getreulich
und  von  grund  meines  herzens  gegen  Dier  guet  gemeinet  sei.  Und
do  es  jo  nicht  anders  sein  soll  und  mag,  dass  wier  uf  dissmal  mussen
scheiden,  so  befehle  ich  Dich  nochmals  wie  forn  gedacht,  Gott  dem
allmechtigen,  mich  aber,  der  ich  das  meinige  bei  Dir  erinnert  habe,
in  Dein  getreues  bruderliches  ufrichtiges  herze.  Und  der  teufel  hole
alle  diejenigen,  die  Dier  zu  ubel  rathen;  Gott  wirdet  sie  doch  noch

einmal  darumb  strafen.  Vale.  Datum  Dressden  den  2.  augusti  a.  1611.“

Drs.,  1.  8552,  Schreiben  von  und  an  Kurfürst  Johann  Georg,  f.  13;  Kopie  eine?
eigenhändigen  Schreibens.2

!  Ueber  Kurbrandenburgs  Reichspolitik  vgl.  A.  Chroust,  Abraham
von  Dohna,  8.  71  f.

’  In  einem  Schreiben  vom  6./16.  August  aus  Cüstrin,  das  vielleicht
schon  die  Antwort  auf  obiges  Handschreiben  vorstellt,  führt  Kurbrandenburg
zu  seiner  Entschuldigung  aus:  Für  dasZusammenfallen  des  Kurfürstentags  mit  dem
polnischen  Reichstag  kann  er  nichts;  seine  Einwendung,  in  Mühlhausen  nur  dann
erscheinen  zu  können,  wenn  der  Kurfürstentag  „etwas  geraum“  angesetzt
würde,  wurde  ignorirt;  die  preussische  Sache  betrifft  ansehnliche  Lande  und
kann  nur  durch  seine  persönliche  Anwesenheit  zu  glücklichen  Ende  gebracht
werden;  eine  Gelegenheit  wie  diese  würde  sich  erst  in  zwei  Jahren  (denn  vorber
wird  in  Polen  kein  Reichstag  gehalten)  wieder  bieten,  aber  inzwischen  könnte
alles  in  übleren  Stand  kommen  ;  wegen  der  Sterbläufe  um  3lühlhausen  muss
mit  der  Verschiebung  des  Tages  gerechnet  werden.  Der  Kurfürst  möge
ihn  beim  Kaiser  und  bei  den  Mitkurfürsteun  daber  bestens  entschuldigen;
ausserdem  will  er  durch  seine  Räte,  die  er  zu  dem  Tag  abordnet,  mitraten
und  mitschliessen  helfen  ;  das  ist  nicht  ungebräuchlich,  da  sich  selbst  auf  Wahltagen
  Kurfürsten  zuweilen  vertreten  lassen  (Dre.,  1.  7387,  II.  Buch  Kurfürstentags,
f.  150;  Or...  —  Am  22.  August  brach  Johann  Sigismund  von  Cüstrin  nach
Preussen  auf,  wie  die  hinterlassenen  Räte  am  14./24.  August  dem  Kurfürsten
von.  Mainz  auf  dessen  nochmalige  Aufforderung  an  Kurbrandenburg,  beim  Kurfürstentag
  zu  erscheinen,  mitteilen,  indem  sie  obige  Entschuldigungagründe
zum  Teil  wiederholen  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  75;  Or.)
        <pb n="769" />
        318.  1611  147

318.  Bescheid  der  Unierten  auf  die  Werbung  derAugustlä.
kaiserlichen  Kommissarien.

Dank  für  die  Affektion  des  Kaisers  gegen  die  Unierten.  Dieser
Unionstag  ist  wie  die  vorigen  gemäss  der  Verfassung  und  dem  Zweck
der  Union  nur  dazu  angestellt  worden,  um  das  gemeine  notleidende  Wesen  in
bessern  Stand  zu  bringen,  das  Mistrauen  aufzuheben  und  ein  beständiges
friedliches  Wesen  im  Vaterland  zu  pflanzen.  Die  unierten  Stände  haben
sich  aus  diesen  Gründen  in  die  Union  begeben,  aber  auch  um  von  sich
abzuwenden,  womit  ihnen  seit  einiger  Zeit  friedhässige  Leute  durch
allerlei  Beschwerungen  wider  des  Reichs  Verfassung,  Libertät  und  Herkommen
  zugesetzt  haben.  Darüber  hat  der  Kaiser  vorlängst  guten  Bericht
empfangen  und  wird  hoffentlich  auch  schon  im  Werk  verspürt  haben,  mit
welchem  Eifer  die  Unierten  sich  die  Erbaltung  der  allgemeinen  Wolfahrt,
besonders  aber  der  kaiserlichen  Autorität  angelegen  sein  lassen.  Dass  der
Kaiser  zu  demselben  Zweck  seine  Gesandten  hierher  abgefertigt  hat  und
durch  sie  erklären  lässt,  dass  er  jetzt  sowol  wie  auch  während  seiner  ganzen
Regierung  nur  Ruhe  und  Frieden  erhalten  und  jeden  bai  seinen  Rechten
und  Fiıeiheiten  handhaben  will,  wenn  ibm  dazu  Mittel  und  Wege
eröffnet  werden,  das  hören  die  Unierten  gar  gern  und  höffen,  der
Kaiser  werde  in  Gnaden  vermerken,  was  sie  zum  Besten  des  Reiches
und  der  Stände  erinnern  wollen,  um  die  mit  den  ihrigen  übereinstimmenden
  Absichten  des  Kaisers  verwirklichen  zu  helfen.

1.  Zunächst  erinnern  sie  an  das  vor  zweiJahren  erfolgte  Anbringen  ihrer
Schickung  nach  Prag,  dass  der  Kaiser  die  unerträglichen  und  rechtswidrigen
  Hofprozesse  abstellen  und  die  Stände  bei  ihren  Freiheiten,
Rechten  und  hestimmten  Richtern  erhalten  möge.  2.  Diese  Hofprozesse
sind  auch  der  Brunnquell  des  Trübsals,  in  das  die  an  Leib  und  Seele  bedrängte
  Stadt  Donauwörth  geraten  ist;  der  Kaiser  ist  damals  flehentlich
ersucht  worden,  die  Stadt  völlig  zu  restituieren  und  bei  ihrem  Kreis
und  beim  Reich  zu  lassen;  er  hat  sich  auch  unter  seinem  Sekretsiegel
schriftlich  dahin  erklärt,  dass  die  Restitution  binnen  vier  Monaten
erfolgen  solle,  worauf  die  Unierten  bestimmt  gerechnet  haben.  3.  Da
diese  und  andere  Unzuträglichkeiten  von  des  Kaisers  Räten  und
Begiment  herrühren,  wie  durch  verschiedene  Beispiele  erwiesen  worden
ist,  so  haben  die  Unierten  um  Verbesserung  des  Regiments,  um
Veränderung  mit  einigen  den  evangelischen  Ständen  allzu  widrigen  Räten
sowie  darum  gebeten,  dass  der  Kaiser  sein  Regiment  mit  Beirat  der
Kurfürsten  und  Fürsten  neu  ordnen  und  also  dem  gründlich  abhelfen
möge,  was  bisher  die  vornehmste  Ursache  des  Mistrauens  gewesen  ist.
Dabei  ist  dem  Kaiser  angezeigt  worden,  dass  man  ohne  Abhilfe  dieser
Beschworden  nicht  zu  einem  rechten  Vertrauen  wird  kommen
können  und  dass  ihm  selbst  daraus  allerlei  Ungelegenheiten  erwachsen
werden,  wie  er  beim  letztem  Reichstag  erfahren  hat.  Die  Unierten
hätten  zwar  den  Kaiser  gern  mit  solchem  Ansuchen  verschont  und
lieber  das  gewöhnliche  Mittel  des  Reichstags  gebraucht,  wenn  nicht
der  letzte  zerschlagen  worden  und  alle  bisher  angebrachten
        <pb n="770" />
        148  1611  318.

August14.Klagen  und  Beschwerden  vergeblich  gewesen  wären,  so  dass  die
Unierten  zu  diesem  Mittel  der  Schickung  ihre  Zuflucht  nehmen  mussten.
Trotzdem  sich  nun  der  Kaiser  auf  diese  Punkte  willig  erboten  bat,  so
ist  es  doch  mit  der  Ausführung  bisher  angestanden,  ja  es  ist,  offenbar
auf  Antrieb  jener  Räte,  gegen  die  man  sich  beschwert  batte  und  die  sich
dadurch  beleidigt  fühlten,  zu  grossen  Ungelegenheiten  und  vielfachen
Veränderungen  im  Reich  gekommen,  indem  man  ohne  vorausgehende
Vergleichung  mit  den  Kurfürsten  und  Kreisobersten  Kriegswerbungen
  anstellte,  Musterplätze  und  Einlagerungen  veranstaltete,
ja  den  Obersten  Sulz  und  Althan  Generalkommission  gab,  ihr
Kriegssolk  zur  Beschützung  aller  Getreuen  und  zur  Bezwingung
aller  Widerwärtigen  zu  gebrauchen,  im  Notfall  in  des  Kaisers  Namen
weitere  Werbungen  anzustellen  u.  s.  w.,  zu  welchem  allen  ihnen
vollkommene  Gewalt  gegeben  wurde!  Daraus  und  aus  andern  bedenklichen
  Kemonstrationen,  da  vom  kaiserlichen  Hof  gegen  die  Unierten
als  ungehorsame  Stände,  wie  man  sie  zu  Unrecht  nannte,  ihrer  ungehört
ganz  beschwerliche  Mandate  ausgiengen.  ist  grosses  Mistrauen  enstanden
und  sind  die  Unierten  nit  grossen  Unkosten  zu  „notwendiser  Gegenverfassung‘‘
  gezwungen  worden.

Da  aber  aus  des  Kaisers  jetziger  Erklärung  zu  spüren  ist,  dass
seine  Intention  auf  Wiederbringung  des  Vertrauens  und  der  Einigkeit
gerichtet  ist  und  auch  der  Unierten  Gedanken  und  Handlungen  nur  dahin
geben,  dass  zwischen  Haupt  und  Gliedern  beständige  Liebe  und  Vertrauen
  heıtsche,  so  erkennen  sie  sich  schuldig,  den  Kaiser  mit  getreuem
Rat  zu  unterstützen.  Sie  wissen  aber  zur  Zeit  keinen  besseren  Weg
als  dass  er  den  obigen  Beschwerden,  deren  Erledigung  in  seiner  Hand  liegt,
wirklich  abbilft  und  zur  Abhilfe  der  anderen  Beschwerden,  die  die  Stände
unter  sich  haben,  solche  Mittel  wählt,  die  zur  Beilegung  solcher
Streitigkeiten  von  altersher  im  Reich  gebräuchlich  waren,  und
also  grössere  Ungelegenheiten  verhütet,  wie  solche  die  Handlungen
beim  letzten  Reichstag  und  die  plötzlichen  Kriegswerbungen  mit  ihren
Einlagerungen  und  Bedrohungen  darstellten.  Wenn  der  Kaiser  sich
diese  Mittel  und  Wege  belieben  lässt  und  sie  baldigst:  ins  Werk  richtet,
so  wird  die  alte  deutsche  Aufrichtigkeit,  Frieden  und  des  Reiches
Wolstand  zu  des  Kaisers  unsterblichen  Ruhm  wiedergebracht  werden,
die  Stände  werden  es  fortab  mit  einander  treulich  meinen  und  der
Kaiser  sie  zu  schuldiger  Devotion  umso  williger  machen.  Dazu  sind
die  Unierten  nach  Anweisung  ihrer  zur  Erhaltung  der  kaiserlichen
Autorität  aufgerichteten  Union  willig  und  geneigt.

Der  Kaiser  begehrt  ferner,  dass,  wenn  jemand  durch  ungleichen  Bericht
der  Unierten  Gemüter  vom  Kaiser  abwenden  und  deren  Eifer  schwächen
wollte,  man  ihm  nicht  ‚‚deferiere“.  Die  Unierten  wissen  sich
der  schuldigen  Gebühr  gegen  den  Kaiser  wol  zu  erinnern  und  wird
man  hoffentlich  bei  ihnen  bisher  nicht  ein  anderes  verspürt  haben;

’  Vgl.  no.  49  und  no.  305,  S.  709.
        <pb n="771" />
        318—319.  1611  149

sie  wollen  in  dieser  Gesinnung  auch  künftig  vorharren,  „wenn  Augnst  14.
sonderlich  darbei  auch  dasjenige,  dardurch  einzig  bei  den  ständen

die  gehorsame  affection  vermehrt  und  stabilirt  werden  kan,  in  gute

achtung  genommen  würd.“  Datum  Rottenburg  uf  der  Tauber  den

4.  augusti  a.  1611.

Mb.,  119/5,  f.  12;  Kpt.  von  Hausmann  mit  Verbesserungen  von  Camerariur,!

319.  Herzog  Maximilian  von  Baiern  an  den  Kurfürsten  August  16.
von  Köln.

Ich  höre  gern,  dass  E.  L.  meinen  Diskurs?  so  wol  aufnehmen;
ich  will  aber  E.  L.  damit  nicht  vorgreifon.  Gott  gebe,  dass  auf
dem  Kurfürstentag  alles  zur  Erhaltung  der  katholischen  Religion
und  der  Wolfahrt  des  Reiches  abgeht.  Aus  Dero  Schreiben  entnehme  ich,
dass  der  Kaiser  das  Gutachten  der  geistlichen  Kurfürsten  wegen  des
Herzogs  von  Braunschweig  gefordert  hat.®  E.  L.  werden  aber
inzwischen  vernommen  haben,  dass  der  Kaiser  unerwartet  dieses  Gutachtens
verfahren  ist  und  dass  der  Herzog  seit  einigen  Tagen  dem  geheimen
Rate  praesidiert,  ja  dieser  Stelle  schon  so  weit  Herr  ist,  dass  er  nicht
nur  dielnstruktion  zum  Unionstag  selbst  verfasst  sondern  auch  uhne  Vorwissen
  einiger  geheimen  Räte  Günterode  mit  kaiserlichen  Handschreiben
nach  Rotenburg  zu  den  Unierten  abgefertigt  hat?  E.  L  können
sich  denken,  was  unter  des  Braunschweigers  Regiment  die  katholischen

!  Auf  obigen  Bescheid  replizieren  am  5./15.  August  die  kaiserlichen
Kommissarien:  Sie  ersehen  aus  dem  Bescheid,  dass  diese  Versammlung  denselben
  Zweck  hat  wie  die  Schickung  des  Kaisers:  nämlich  das  Mistrauen
im  Beich  aufzuheben.  Auf  die  angedeuteten  Mittel  haben  sie  aber  den  Versammelten
  zn  berichten,  dass  sie  noch  nicht  befehligt  sind,  sich  wegen  der
goklagten  Gravamina  in  Handlung  einzulassen  oder  Versprechungen  zu  geben;
sie  haben  sich  nur  wit  den  Anwesenden  zu  unterreiden,  auf  welche  Weise
dem  Werke  aus  dem  Grunde  abzuhelfen  wäre  und  stellen  daher  den  Versammelten
  anheim,  jemanden  aus  deren  Mitte  zu  bestimmen,  der  sich  mit
ihnen  über  solche  Alittel  privatim  unterredet,  jedem  Teile  unverfänglich.
Bie  erbieten  sich,  auch  ihre  Gedanken  zur  Erweisung  ihrer  Eifers  für  die
Einigkeit  zu  eröffnen  und  hoffen  auf  gleiche  vertrauliche  Gemütserklärung.
Jeder  Teil  kann  das  Ergebnie  der  Unterredung  dann  seinem  Auftraggeber
berichten  und  so  bei  allen  Teilen  gute  Dienste  leisten  und  den  Weg  für
künftige  fruchtbare  Unterhandlung  ebnen  (Mb.,  119,5,  f.19;  Or.)..,  —  Auf
Günterodes  besondere  Werbung  (vgl.  no.  316,  Anm.1  auf  S.  743)  antwortete
der  Administrator  am  6./16.  August  mit  Beziehung  auf  den  Hauptbescheid
und  verhiess,  sein  Absehen  auf  Frieden,  Ruhe  und  Wiederbringung  des
Vertrauens  zu  haben,  wohin,  wie  er  sieht,  auch  des  Kaisers  Intention  geht;
wegen  der  Restanten  will  sich  der  Administrator  nach  der  Heimkehr  informieren
(Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  196;  Kopie).  Fast  gleichlautend  ist  der  Bescheid
  dcs  Herzogs  von  Württemberg  vom  8./18.  August;  er  enthält  noch
die  Versicherung,  der  Kaiser  werde  aus  dem  Bescheid  der  Unierten  spüren,
dass  sie  es  treulich  mit  ihm  meinen  und  sich  seine  Wulfahrt  aufs  Höchste
angelegen  sein  lassen  (Stg.,  a.  a.  O.,  f.  202;  Kpt.).

®  Vgl.  no.  275  mit  Anm.  2  auf  8.  640.

°  Vgl.  no.  246.

*  Vgl.  no.  310,  S.  788,  Anm.  1.
        <pb n="772" />
        750  1611  319-August16.Stände

  für  Nutzen  zu  hoffen  haben.  Man  muss  daher  auf  Mittel
und  Wege  denken,  den  Herzog  mit  Glimpf  vom  Hof  wieder  zu  entfernen.
  E.L.  werden  zwar  gewiss  mit  Dero  geistlichen  Mitkurfürsten
zunächst  darauf  bedacht  sein,  von  den  Katholischen  alles  Unheil  abzuwenden;
  aber  auch  ich  habe  der  Sache  nachgedacht  und  halte  es
für  das  Beste,  dass  sich  der  Kurfürst  von  Mainz  zum  Heil
der  katholischen  Religion  und  des  gemeinen  Wesens  bei  diesen  schweren
und  sorglichen  Läufen  nach  Prag  begebe  „und,  weil  S.  I  des
römischen  reichs  erzcanzler,  auch  alle  prucessen,  rescripta,  erkantnussen
  und  mandata  sambt  allen  dem,  was  ein  römischer  kaiser
expedirt,  under  dero  hand  und  approbation  mussen  ausgehn,  in  dem
reichshofrath  und  canzlei  die  oberhand  hat,  sich  des  erzcancellariatsambts
  hisce  ulceratissimis  temporibus  gebrauchte.“  Dadurch  würde
nicht  allein  des  Braunschweigers  Gewalt  gemindert  sondern  er  auch
um  so  eher  verursacht  werden,  von  Prag  wieder  abzureisen,  obwol  er
erst  dort  ein  Haus  gekauft  hat  und  seine  Sachen  .dahin  kommen  lässt;
gewiss  würde  ihm  aber  auf  diese  Weise  das  Direktorium,  um  das  es
ihm  und  allen  Protestanten,  wo  nicht  völlig  so  doch  guten  Teils,  zu
tun  ist,  benommen  werden.  Es  brauchte  sich  auch  der  Kurfürst  gar
nicht  für  lange  Zeit  am  Hof  aufzuhalten  sondern  er  könnte  cum  spe
revertendi  heimkehren  und  sich  durch  den  jetzigen  Bischof  von  Speier
„als  ain  wol  qualificirten  herrn“  vertreten  lassen.  Würden  aber
Mainz  und  Speier  wegen  der  Unkosten  Bedenken  tragen,  so  glaube
ich,  dass  alle  katholischen  Stände  geneigt  sein  werden,  sie  vorzuschiessen.
  Ich  will  aber  E.  L.  mit  all  dem  kein  Mass  geben.

Von  den  Vorgängen  beim  rotenburger  Tag  habe  ich  noch  keinen
Bericht.  Ich  meine,  dass  die  Protestanten  u.  a.  dort  Vorbereitungen
für  den  künftigen  Reichstag  treffen,  unzweifelhaft  um  das,  was  sie  auf
dem  letzten  zerschlagenen  Reichstag  nicht  haben  behaupten  können,
künftig  mit  Gewalt  durchzusetzen.  Dagegen  sitzen  wir  Katholische
leider  still,  nehmen  der  Sachen  nicht  mit  dem  erforderlichen  Eıfer  wahr
und  entbehren  einer  vertraulichen  „innerlichen‘‘  Korrespondenz,  wie  sie
unsere  Gegner  besitzen,  die  daher  um  so  beherzter  vorgehen  und
eines  nach  dem  andern  zum  Schaden  der  katholischen  Relizion  tun.
Ich  möchte  E.  L.  Gutachten  darüber  hören,  wie  man  diesen  Leuten
begegnen  könnte;  denn  die  katholischen  Kurfürsten  werden  sich  die
Sache  gewiss  getreulich  angelegen  sein  lassen  und  auf  Mittel  denken,
diesen  schädlichen  Anschlägen  zu  begegnen  und  die  katholischen
Stifter,  ja  die  ganze  katholische  Religion  vor  Untergang  zu  bewahren.
Datum  München  den  16.  augusti  a.  1611.

Ma.,  39,28,  f.  156;  Kpt.  von  Donnersberg  mit  Zusätzen  Jochers.!

ı  Fast  gleichzeitig,  am  17.  August,  schreibt  der  Herzog  über  dieselbe
Angelegenheit  an  den  Papst,  damit  dieser  die  geistlichen  Kurfürsten  ermahne,
ihre  Autorität  beim  Kaıser  einzusetzen  und  dem  drohenden  Unheil  abzuwebren;
  der  Nuntius  in  Prag  aber  möge  mit  den  kaiserlichen  Ministern  ver-
        <pb n="773" />
        320—321.  1611  151

320.  Melchior  Khlesl  an  Erzherzog  Maximilian.  August16.

...,„Der  accordo  ist  geschlossen.!  E.  D.!  müesten  lachen  bey
allem  verdruss.  Heut  do  I.  M.!  vndterschreiben  soll,  beruffen  dieselb
ausser  Praunschweig  ire  räth  vnd  beschwören  dieselb  wie  ein  bsessnen,
ob  sy  es  rathen?  Da  sagen  sy  alle:  ja.  Nach  disem  schickhen  sy
zu  Praunschweig  ad  partem,  der  bstettigts  auch.  Dan  schickht  man
nach  dem  Baruitio,  der  stimbt  den  andern  zu.  Weil  aber  der  von
Tona  ?2  im  pedt,  müessen  sy  alle  zu  im  ghehen  vnd  de  nouo  ein  berathschlagung
  anstellen.  Idem  dicunt  omnes.  Do  man  I.  M.!  dises
referiert,  nemen  sy  mit  ghar  grossen  seufzen  die  federn  vnd  vndterschreiben.
  Wo  es  also  zueghehet,  alda  ist  schwär  zu  halten.  Wie
khumbt  aber  das  guet  disen  hern  so  schwär  an  vnd  doch  wil  auch
das  böse  alda  entlich  khainen  fortgang  haben!  Datum  in  eil  den
16.  augusti  a.  1611.“

Nachschrift:  ,‚‚Hab  mit  diser  gueten  zeitung  den  canzleischreiber
das  pottenbrott  wöllen  gewingen  lassen.  Wo  bleibt  aber  mein  podtenbrot?
  Bey  Got  in  himel,  hoff  ich.“

Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  86;  Or.  eigh.

321.  Die  bambergischen  Untertanen  evangelischenäugustik.
Bekenntnisses  der  Aomter  Burgkundstadt,  Lichtenfels
und  Weissmain  an  die  Unionsstände  zu  Rotenburg.

Der  jetzt  regierende  Bischof  von  Bamberg?  und  dessen  Abt  zu
Langheim  wollen  uns,  die  wir  seit  mehr  als  siebzig  Jahren  die  freie
Uebung  des  evangelischen  Bekenntnisses  inne  haben,  mit  Gewalt  zum
römisch-katholischen  Glauben  zwingen.  Wir  haben  diesen  Gewissenszwang
  beim  Kammergericht  geklagt,  ohne  dass  uns  mit  den  erbetenen
Mandaten  und  Prozessen  geholfen  wird,  da  die  evangelischen  Beisitzer
von  den  katholischen  überstimmt  werden,  während  früher,  „ehe  die
jesuitische  rotte  so  sehr  in  Teutschland  eingewurzelt,‘‘  den  wegen
ihres  Bekenntnisses  bedrängten  Evangelischen  „behägliche“  Prozesse

handeln,  damit  der  Braunschweiger  behindert  und  schliesslich  ganz  beseitigt
werde.  Es  planeten  auch  die  zu  Rotenburg  versammelten  Unierten,  ihre
Religion  in  den  Stiftern  und  allenthalben  im  Reich  einzuführen  und  beim
nächsten  Reichstag  alles  nach  ihrem  Willen  zu  richten.  Die  Katholischen  achteten
aber  darauf  eo  lange  nicht,  bis  man  der  Gefahr  nicht  mehr  begegnen  könne.
Der  Papst  möge  auch  hierin  durch  seine  Autorität  Rat  schaffen,  da  bei
diesen  Zuständen  sein  Einfluss  in  Deutschland  auf  dem  Spiele  stehe  (Ma.,
427,10,  f.  45;  deutsches  Kpt.  von  Donnersberg  mit  Zusätzen  Jochere.

ı  Vgl.  no.  318,

?  Abrabam  von  Dohna,  Präsident  der  böhmischen  Hofkammer.

®  Johann  Gottfried  von  Aschhausen,  seit  1609  Bischof  von  Bamberg;
vgl.  über  ihn  Heinrich  Weber,  Johann  Gottfried  von  Aschhausen,  Würzburg
1889,  und  A.  Steinbuber,  Geschichte  des  Collegium  Germanicum,  IL,
Freiburg  1895,  8.  366  f.
        <pb n="774" />
        752  1611  821.

August16.  zuerkannt  worden  sind.  Wir  von  Greiz  und  Zeulen  neben  einigen  eingepfarrten
  Untertanen  von  Coburg  und  von  einigen  Adeligen  haben
zwar  ausser  dem  interimsweise  erlaugten  Mandat  de  concedendo  libero
accessu  et  recessu  auch  eine  Zitation  super  turbata  possessione  in
Sachen  der  Pfarrbestellung  am  4./14.  Dezember  1609  gsgen  Bamberg
und  Würzburg  erstritten,  aber  man  will  uns  die  am  6./16.  September  1610
erbetene  commissio  ad  perpetuam  rei  memoriam  trotz  vielen  Änhaltens
nicht  zuerkennen.  In  der  Zwischenzeit  sind  uns  aber  schon  vier
Zeugen  gestorben  und  laufen  wir  bei  dem  hohen  Alter  der  ander
Gefahr,  unsere  Beweismittel  zu  verlieren.  Auch  will  man  uns
wichtige  gedruckte  Beilagen,  wonach  uns  Bischof  Friedrich  von
Würzburg  die  Uebung  unseres  Bekenntnisses  erlaubte,  seit  zwei
Jahren  aus  der  Kammergerichtskanzlei  unter  dem  Vorwand  nicht
erfolgen  lassen,  dass  sie  verlegt  seien.  Ein  schon  erkanntes  mandatum
moratorium  für  einige  bambergische  Dorfschaften  des  Amts  Teuschnitz
hat  man  am  Kammergericht  aus  den  Händen  des  Prokurators,  in
denen  es  schon  war,  wieder  abgefordert  und  es  bisher  vorenthalten,
so  dass  die  bedrängten  Leute  sich  zum  Abfall  haben  bewegen  lassen.
Und  da  Bamberg  sieht,  dass  wir  arme  leute  beim  Kammergericht
wenig  Favor  haben,  so  wird  bei  solchem  Verzug  die  Bedrängnis
und  der  Gewissenszwang,  besonders  durch  den  allzu  eifrigen  Abt  von
Langheim,  mit  Ausfällen,  Abnehmung  von  Viktualien,  Türmen,
Stöcken  und  Plagen  täglich  schlimmer,  so  dass  einige  langheimische
Untertanen  durch  Schiessen,  Schlagen,  Veorwunden  und  Erschrecken
tot  geblieben  sind  und  wird  trotz  aller  Interzessionen  darin  immer
noch  fortgefahren.  Es  hat  auch  die  neuerliche  Interzession  des
Markgrafen  von  Culmbach  beim  Abt  von  Langheim  vom  Juli  nicht
mehr  gefruchtet  als  dass  dieser  untersuchen  liess,  wer  die  Interzession
erbeten  habe,  bei  hellem  Tag  Bewaffnete  in  die  verdächtigen  Dörfer
schickte,  die  Leute  im  Haus  und  auf  dem  Feld  herumjagen,  einige
verwunden,  andere  verhaften  und  dabei  drohen  liess,  diese  ungehorsamen
  Rebellen  noch  heftiger  zu  plagen,  weil  sie  um  des
Markgrafen  Fürbitte  (,‚da  sie  doch  selbsten  der  verstorbenen  leut
vorbitt  zue  ihrer  seelen  wohlfart  sich  gebrauchen‘)  gebeten  hätten.
Auch  die  Fürbitten  des  verstorbenen  Kurfürsten  von  der  Pfalz  und
des  Herzogs  von  Coburg  beim  Bischof  von  Bamberg  haben  nicht  mehr
gefruchtet  als  dass  man  kurz  darauf  300  Reisige  vier  Monate  lang
bei  uns  eingelagert  hat,  die  unsere  Vorräte  aufzehrten  und  uns  von  den
Kammergerichtsprozessen  abbringen  sollten.  Jetzt  während  der  Abwesenbeit
des  Bischofs  ist  zwar  der  Zwang  geringer,  aber  wir  werden  täglich
mit  Hinderung  unserer  rechtshängigen  Sachen  beschwert  und  wird
uns  zu  des  Bischofs  Wiederkehr  mit  dem  Zwang  zu  völligem  Abfall
gedroht.  Personen,  die  uns  beispringen  und  für  uns  nach  Speier
reisen,  werden,  obgleich  nicht  Stiftsuntertanen  sondern  Nachbarn  und
Mitinteressenten,  aufs  Aeusserste  verfolgt  und  in  ihre  Ritterlehen  schwere
Einfälle  getan;  es  wird  unter  dem  Vorwande,  „Gartbrüder“  aus  dem
        <pb n="775" />
        321.  1611  753  °

Land  zu  schaffen,  nach  ihnen  gestreift  und  würden  sie,  wenn  sieAugust16.
sich  auf  bambergischem  Gebiet  betreten  liessen,  als  Malefikanten  und
Rebellen  zweifellos  am  Leben  gestraft  werden.  Dieser  unerhörte  und
dem  Religionsfrieden  ganz  widrige  Zwang  (bei  dem  man  anfangs  keinen
der  nach  Bamberg  in  die  Haft  Geführten  aus  den  abscheulichen  Gefängnissen
  trotz  grimmiger  Winterskälte  ohne  Abfall  vom  Glauben
hat  entlassen  wollen,  auch  wenn  er  sich  zur  Auswanderung  erbot),
der  auch  von  aufrichtigen  Katholiken  nicht  gutgeheissen  wird,  wird
sich  bei  der  Rückkehr  des  Bischofs  nur  noch  steigern,  zumal  ihm
das  Kammergericht  so  gewogen  ist.

Da  wir  arme  Leute  für  unsere  ererbten  Gütchen,  wenn  wir  sie  auch
für  den  halben  Wert  losschlagen  wollten,  keine  Käufer  zu  finden  wissen,
daher  nicht  aus  dem  Lande  ziehen  können,  aber  auch  nicht  von  der  reinen
Lehre  des  heil.  Evangeliums  wider  unser  Gewissen  abstehen  wollen,  so  bitten
wir  EE.  kfl.  und  fl.  Gnn.  ete.,  uns  mit  Rat  und  Tat  beizustehen  und
uns  wenigstens  an  den  Bischof  von  Bamberg  (dem  wir  sonst  ebenso
wie  dem  Abt  von  Langheim  allen  Gehorsam  mit  Steuern  und  Zinsen
gern  leisten  wollen)  eine  Interzession  zu  erteilen,  damit  er  und  der
Abt  uns  bis  zur  Erkenntnis  des  Kammergerichts  bei  unserm  Bekenntnis
(das  wir  schon  vor  dem  passauer  Vertrag  und  dem  Religionsfrieden
geübt  haben)  und  bei  voriger  Libertät  und  Rechten  ungetrübt  lassen.
Damit  aber  der  Bischof  und  sein  Abt,  der  jetzt  am  heftigsten  tobt  und
wütet,  diese  Interzession  besser  beachten,  wären  die  benachbarten  evangelischen
  Stände  dahin  zu  vermögen,  uns  bei  fornerem  Gewissenszwang  beizuspringen,
  uns  zu  schützen  und  uns  mit  zulässigen  Mitteln  zu  helfen.
Datum  6.  augusti  a.  1611.  —  Praes.  Rotenburg  11.  aug.  1611.

Mb.,  119,5,  f.  23;  Or.

!  Unter  dem  16./26.  August  werden  darauf  drei  Interzessionsschreiben
ausgefertigt:  1.  an  den  Bischof  von  Bamberg,  dass  er  sich  nieht  durch  ungleicben
  Bericht  unruhiger  Leute  zu  dem  durch  den  Religionsfrieden  verpönten
Gewissenszwang  bewegen  lasse,  vielmehr  die  Drangsale  abschaffe  und  denen,
die  auswandern  wollen,  nach  Verkauf  ihrer  Güter  freien  Abzug  gewähre,
widrigenfalls  die  evangelischen  Stände  ein  gleiches  Verfahren  gegen  ihre
papistischen  Untertanen  üben  würden  (Mb.,  119,5,  f.  41;  Kpt.);  —  2.  an
die  Präsidenten  und  Beisitzer  des  Kammergerichte  mit  der  Aufforderung,
die  Kammergerichteverfassung  und  den  Religionsfrieden  besser  in  Acht  zu
nehmen,  fie  Kommissionen  nicht  zu  verweigern,  die  Dokumente  zurückzustellen
  und  den  bedrängten  bambergischen  Untertanen  alle  Rechtsmittel  zu
gewähren;  „dann  da  hinfüro  die  bissher  verepürte  merkliche  ungleichheiten,
indem  den  römisch-catholischen  wider  die  evangelische  ohn  einig  bedenken

roces  erkant,  disen  aber  wider  jene,  .es  seien  auch  die  sachen  an  sich
seibsten  beschaffen  wie  sie  wollen,  verwaigert,  dergestalt  continuirt  werden
solten,  würden  die  evangelische  churfürsten,  fürsten  und  ständ  nicht  unbillich
ursach  und  anlass  haben,  sich  ibrer  und  der  ihrigen  umb  etwas  mehr  in  acht
za  nemen*  (Mb.,  119,5.  f.39;  Kpt.);  —  3.  an  den  Herzog  Johann  Casimir  von
Coburg  mit  der  Mitteilung  obiger  Schreiben  und  mit  der  Bitte,  sich  der
Bedrängten  weiter  anzunehmen  und  bei  Kursachsen  zu  befördern,  dass  der
Sache  beim  Kurfürstentag  gedacht  werde  (Mb.,  119/5,  f.  43;  Kpt.).

Wegen  der  Rekatholisierung  der  bambergischen  Stiftsuntertanen  vgl.

Weber,  a.a.0.,  5.  14  f.  und  Jaeck,  Geschichte  Bamberge,  II.,  8.  160  f.,
1II  ,  8.  34  f.

Briefe  u,  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  48
        <pb n="776" />
        754  1611  322.

[Aug.  17.3322.  Bericht  der  Deputierten  der  Unionsstände  über
die  Unterredung  mit  den  kaiserlichen  Kommissarien.

Der  Ausschuss  der  Unierten  (Kurpfalz,  Württemberg,  Culmbach,
Oettingen,  Strassburg  und  Nürnberg)  findet  sich  morgens  um  sieben  Uhr
bei  den  kaiserlichen  Gesandten  in  deren  Quartier  ein.  —  Nach  dem  Dank  für
die  Abordnung  heben  die  Gesandten  aus  der  Resolution  der  Unierten  hervor,
dass  darin  dieWiederaufrichtung  des  alten  Vertrauens  auf  die  Bedingung  der
Beseitigung  der  Gravamina  gestellt  und  davon  zwei  Klassen  gemacht
werden.  Sie  müssen  aber  betonen,  dass  sie  nicht  auf  Versprechungen  oder
auf  Verteidigung  dessen,  was  wegen  der  Gravamina  geschehen  ist,  instruiert
sind,  damit  man  sie  nicht  für  Leute  hält,  die  im  Trüben  fischen
sondern  die  aus  deutschem  Gemüt  aufrichtig  und  dem  Vaterland  m
Gutem  vertraulich  von  diesen  Dingen  reden  wollen;  dem  Kaiser  selber  ist
das  gemeine  Wesen  hoch  angelegen  und  ist  er  auch  in  seinem  hohen
Alter  wol  geneigt,  sich  um  das  Vaterland  verdient  zu  machen.  —

Die  Gravamina  betreffen  die  Jurisdiktion  des  Kaisers,  was  man
Hofprozesse  nennt,  und  die  Personen  am  Regiment.  Der  Kaiser  hat
seine  Jurisdiktion  von  seinen  Vorfahren  ererbt;  sie  konkurriert  mit  der
des  Kammergerichts,  in  einigen  Fällen  hat  er  aber  besondere  und
private  Berechtigungen  ;  er  ist  in  richtiger  Possession  und  haben  die
evangelischen  Stände  diese  Jurisdiktion,  „tam  active  quam  passive“
anerkannt,!  und  zwar  nicht  nur  die  geringeren  Stände  sondern  auch
Kursachsen,  das  in  der  jülicher  Sache,  da  die  andern  opponierten,
die  kaiserliche  Jurisdiktion  verfocht.  Bei  solchen  „Contradictionen“
steht  also  dies  Gravamen  nicht  beim  Kaiser  allein  sondern  berührt
sogar  hauptsächlich  die  andern  Stände,  die  deshalb  dem  Kaiser
stark  anliegen.  Dasselbe  Gravamen  wegen  der  Jurisdiktion  und
wegen  der  Personen  am  Regiment  ist  schon  1551  Karl  V.  durch  Isbelle,
Supplikationen  und  Schickungen  viel  nachdrücklicher  als  jetzt  vorgebracht
  worden;  aber  auch  damals  blieb  alles  vergeblich,  bis  König
Ferdinand  durch  Interposition  einen  Weg  zur  Abhilfe  fand.  —
Die  donauwörther  Sache  beruht  auf  demselben  Fundament;  wel
sie  eine  Beligionssache  ist,  werden  von  den  Evangelischen  einige
Mängel  des  Verfahrens  angezogen.  Nun  hat  der  Kaiser  allerdings
die  Restitution  in  gemessener  Frist  versprochen  und  „ohne  verschonung
dero  aigenen  cammerguets“  mit  Baiern  darüber  verhandelt;  der  Horsg
hat  aber  erklärt,  „ohne  wirkliche  refusion“  der  Exekutionskosten  nicht  in
die  Restitution  willigen  zu  können.  Dazu  kommen  die  jetzigen  Be
schwerungen  des  Kaisers,  so  dass  er  noch  schwerer  Mittel  findes
kann;  Gewalt  würde  nur  Weiterungen,  sonst  aber  geringen  Nutzen
bringen.  Daher  ist  das  Beste,  mit  Baiern  weiter  zu  verhandeln  oder

!  Die  Nürnberger  erzählen  votando  in  der  Sitzung  vom  10./20.  August,
dass  die  kaiserlichen  Räte  zu  Prag  ihnen  entgegengehalten  hätten,  dass  die
Unierten  Hofprozesse,  die  ihnen  zum  Vorteil  seien,  selber  anzögen.
        <pb n="777" />
        322.  1611  155

auf  andere  Mittel  zu  denken,  wozu  beim  Kurfürstentag  Gelegenheit  [Aug.  17.]
wäre,  und  eine  Interposition  wie  zu  Zeiten  Ferdinands  I.  anzustellen,
doch  mit  Wahrung  der  kaiserliche  Reputation.  —  Der  Personen
am  Regiment  halber  wird  der  Kaiser  Rat  schaffen;  dass  es  bisher
unterblieben  ist,  erklärt  sich  aus  des  Kaisers  hohem  Alter,  „welches
sorgfoltig  und  suspicios“  ist;  dem  möge  man  etwas  zu  Gute  halten.
Nach  einer  Unterredung  unter  einander  erwidern  die  Deputierten:
Die  Unierten  haben  anfangs  etwas  Bedenken  wegen  dieser  besonderen
Handlung  gehabt,  zumal  die  „Kommissarien“  dazu  nicht  bevollmächtigt
sind.  Da  diese  aber  dazu  selbst  Anleitung  gaben,  man  dieserseits  der
Sache  keine  Scheu  trägt  und  hofft,  „dass  sie,  die  commissarii,  selbesten
uf  ihre  media  etwas  andeutung  zu  geben  wissen  wurden,‘  ist  diese
Abordnung  zu  vertraulicher  unvorgreiflicher  Unterredung  erfolgt.
Hierauf  entschuldigen  die  Deputierten  des  Kaisers  Person  wegen  der
bisherigen  Beschwerden  aufs  Beste,  rühmen  des  Kaisers  deutsches  Herz
und  wünschen,  dass  er  also  noch  lange  fortfahren  möge;  die  Schuld
schieben  sie  auf  jene  „Autores“,  die  mehr  ihren  eigenen  Nutzen  als
des  Kaisers  Reputation  suchen  und  die  zu  nennen  man  sich  schon  bei
der  prager  Legation  erboten  hatte;  sie  erklären  endlich  ausdräcklich,
dass  sie  dem  Kaiser  die  gebührende  und  hergebrachte  Jurisdiktion
durchaus  nicht  entziehen  wollen  und  dass  sie  auch  die  Hofprozesse
nicht  diffikultieren  würden,  wenn  sie  sich  in  den  Grenzen  wie  unter
Karl  V.,  Ferdinand  I.  und  Maximilian  II.  hielten,  Jetzt  aber  werden
der  Stände  „ordinari  Austräg‘“  und  Privilegien  hintangesetzt;  der
Reichshofrat  drängt  sich  in  die  Religionssachen,  „die  zuvor  ex  hoc
ipso  capite  für  das  cammergericht  per  decreta  imperatorum  gewiesen‘;
derselbe  Beichshofrat  erkennt  nur  zur  Stabilierung  seiner  Jurisdiktion
Prozesse  ohne  Räcksicht  auf  die  Reichsgesetze,  hält  keine  Formen  ein  und
geht  alles  ohne  Ordnung  her,  wie  dies  dem  Kaiser  schon  dargetan  worden
ist  und  noch  weiter  deduziert  werden  kann.  Die  Abhilfe  dieses
Gravamens  steht  allein  beim  Kaiser;  denn  er  kann  den  Imploranteon
Prozesse  abschlagen  und  sie  an  die  Austräge  oder  an  das  Kammergericht
  verweisen,  wie  ja  vordem  zur  Einschränkung  der  Hofjurisdiktion
verschiedene  kaiserliche  Dekrete  ergangen  sind.  —  Die  Abschaffung
der  schädlichen  Personen  steht  notorisch  ebenfalls  beim  Kaiser,  der
dem  Fürsten  Christian  von  Anhalt  durch  den  Landgrafen  von  Leuchtenberg
  diese  Abschaffung  binnen  vier  Tagen  versprochen  hatte!  —
Die  Zusage  wegen  der  Restitution  Donauwörths  ist  kundbar,  die
vorgelaufenen  Nullitäten  sind  genngsam  dargetan  worden  und  ist  nicht
zu  vermuten,  dass  der  Kaiser  damals,  als  er  die  Zusage  tat,  die
Mittel  nicht  besessen  hätte,  zumal  bald  darauf  die  Mittel  für  die
Werbung  des  passauer  Volks  gefunden  worden  sind.  Die  notwendige
Moderation  der  Auslagen  Baierns  ist  noch  nicht  erfolgt;  dagegen  wird
die  Stadt  und  die  evangelische  Bürgerschaft  daselbst  täglich  mehr  an

!  Vgl  dagegen  Briefe  und  Akten,  II,  no.  200,  8.  gr
%
        <pb n="778" />
        156  1611  322

[Aug.17.]  Leib  und  Seele  bedrängt;  die  Unierten  werden  sich  weder  zu  den
Exekutionskosten  noch  zu  irgend  einer  Kontribution  verstehen;  der
Kaiser  möge  die  Kosten  entweder  bei  den  Sollizitanten  der  Exekution
oder  beim  Exekutor  suchen.  —  Zur  Erledigung  der  Gravamina  unter
den  Ständen  bedarf  es  eines  besondern  Modus,  worüber  die  Deputierten
den  Vorschlag  der  Gesandten,  denen  die  Gelegenheit  am  Besten  bekannt
  ist,  gern  anhören  wollen.

Die  Kommissarien  erwidern,  dass  sie  in  einigen  Punkten  „starken“
Gegenbericht  geben  könnten  und  stellen  nochmals  in  Abrede,  dass  die
Erledigung  der  ersten  Klasse  der  Gravamina  beim  Kaiser  allein  stebe,
was  sie  damit  begründen,  dass  die  kaiserliche  Jurisdiktion  von  viele
anderen  Ständen  „sustiniert“  werde.  Sie  halten  daher  auch  hier  de
Interposition  für  den  besten  Weg,  wie  ja  selbst  Karl  V.  solche  Rledigung
  auf  sich  allein  zu  nehmen  Bedenken  gehabt  hatte,  und  erinnen.
„dass  ob  hanc  ipsam  oppositionen  künftigen  successorn  durch  de
evangelische  ständ  keine  leges  praescribirt  werden  könten;  der  unordanng
möchte  zwar  leichtlich  zu  remediren  sein,  das  totum  aber  hette  seist
jezverstandene  ansehenliche  obstacula.“

„Weil  dann  die  rürung  der  hauptsach  dergestalt  ganz  vergeblich
und  I.  M.'  in  dero  gleich  jezo  empfangenen  resolution  solche  auf
den  bevorstehenden  churfürstentag  gewisen,  da  dann  zweiflichen,  ob
sich  die  churfürsten  derselben  underaehmen  und  zum  wenigsten  die
jenigen,  dabei  periculum  in  mora,  zur  erledigung  bringen,  das  überige
aber  oder  das  ganze  werk  auf  ein  deputation  oder  interposition  stellen
wurden,  haben  sie  forderist  beiliegenden  extract  angezogenen  kaisrlichen
  schreibens!  communication  bewilligt  und  dan  uf  interpositio
einer  solchen  person,  welche  authoritet,  experienz  und  dapferkeit  halb
qualificirt  und  die  lieb  und  affection  bei  beeden  theilen  hette,  neben
erinnerung,  dass  man  zu  beeden  theilen  die  sachen  nicht  uf  die
spitzen  zu  setzen  noch  sich  mit  wortgefecht  ufzuhalten  sondern  de
gemainen  wolstand,  altes  teutsches  vertrauen  und  guete  einträchtigket
zu  bedenken  hette,  wegweisung  gegeben,  hierauf  auch  vor  sich  Main
und  Bayern  päbstischen  theils,  anderseits  aber  Churpfalz  und  Württesberg
  und  zu  einem  mittlern  erzherzog  Maximilian  zue  Oesterreih
neben  Chursachsen  per  discursum  vorgeschlagen,  vor  welchen  coniundi®
vel  divisim  in  praesentia  der  kaiserlichen  commissarien  die  handlum
angestelt  und  erstlich  in  publicis,  hernacher  in  privatis  durch  memorala
wie  beim  passauischen  vertrag  beschehen,  volnzogen  werden  mich.
Vnd  hette  man  zwar  hierzue  allerseits  desto  beweglichere  ursach®,
weil  das  pericalum  vom  algemainen  erbfeind,  dem  Türken,  herrühren!
bekant,  die  französische  intention  bei  diser  occasion  und  jungen
regenten  ungewiss,  darbei  auch  andere  benachbarten  ihrer  nicht  rergessen

  und  die  ständ  einig  machen  könten.“
Mb.,  842.1,  f.  51;  Kopie,

!  Vgl.  oben  no.  312;  mitgeteilt  wurde  das  Stüok  von:  „Der  ander  aber  —
zu  gedulden.“
        <pb n="779" />
        323—324.  1611  157

323.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  den  von  Mainz.  August19.

Der  mühlhauser  Kurfürstentag  ist  wegen  des  Ablebens  unseres

.  29.  September
/
Vorgängers  vom  7./17.  Juli  auf  den  9_  Oktober

Wir  waren  entschlossen,  den  Tag  persönlich  zu  besuchen  und  hatten  bereits
Quartier  in  Mühlhausen  bestellt,  erfahren  aber  nun  sowol  von  dem  Rate  zu
Mühlhausen  als  von  unserm  Amtsschösser  zu  Salza,!  dass  die  Pestilenz
nicht  nur  in  der  Umgebung  sondern  auch  in  der  Stadt  Mühlhausen
selbst  grassiertt  und  in  dem  für  uns  bestellten  Quartier  vier  Häuser,
wo  unsere  geheimen  Räte  und  vornehmen  Diener  einquartiert  werden
sollten,  infiziert  hat.  Wir  machen  E.  L.  davon  Mitteilung  und
schlagen  Derselben  vor,  es  aus  allerlei  nötigen  Ursachen  zwar  bei  dem
Termine  zu  lassen,  die  Malstatt  aber  nach  Nürnberg  zu  verlegen.
Dressden  den  9.  augusti  a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  26.  aug.?
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  5;  Or.

verschoben  worden.

324.  Der  Kurfürst  von  Mainz  an  Barvitius,  Augus  28.

Brömser  hatte,  als  er  vor  seiner  Abreise  von  Prag  erfuhr,  dass
der  Kaiser  zu  dem  damals  nahe  bevorstehenden  Kurfürstentag  keinen
einzigen  Katholiken  abordnen  wolle?  Euch  erinnert,”  beim  Kaiser

ı  Nach  dem  Bericht  des  Schössers  Stephan  Kisch  zu  Salza  starben  in
Mühlhausen  vom  18./28.  Mai  bis  3./13.  August  132  Personen  (Drs.,  1.  7387,
II.  Buch  Kurfürstentags,  f.  144  ;  Or.  eigh.).

®  Kurmainz  antwortet  am  26.  August,  dass  er  es  bei  diesem  neuen
Vorschlag  bewenden  lasse  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  7;  Kpt.)  und  macht  von  der
Veränderung  der  Malstatt  gleichzeitig  dem  Kaiser  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.  8;
Kpt.),  den  Mitkurfürsten  (Wmz.,  a.  a.  O.,  no.6;  Kpt.)  und  am  27.  August  der
Stadt  Nürnberg  Mitteilung  (Nbg.,  Fehde-Akten,  8.  VII,  no.  646,  f.1;  Or.).  —
Die  nürnbergischen  Abgeordnsten  beim  Unionstag  waren  schon  am  28.  August
von  der  Verlegung  des  Kurfürstentages  nach  ihrer  Stadt  verständigt  worden;
auch  hörten  sie,  dass  man  bei  dieser  Gelegenheit  den  Kaiser  aus  Böhmen  nach
einer  Reichsstadt  bringen  wolle.  Sie  rieten  daher  ihren  Obern,  bei  Kurmainz
die  Seuchengefabr  und  den  Mangel  an  Quartieren  einzuwenden  und  die  Kurfürsten
nach  Frankfurt  zu  weisen  (Bericht  der  Gesandten  vom  19./29  August;
Nbg.,  a  a.  O.  f.3;  Or...  Die  Nürnberger  schrieben  noch  am  20./30.  August
in  diesem  Sion  an  Kurmainz  und  betonten  auch  dabei  die  grosse  Teurung
in  der  Stadt  (Nbg.,  a.  a.  O.,  f.  14;  Kpt.);  unmittelbar  darauf  schickten  sie
noch  ihren  Stadtadvokaten  Dr.  Oelhafen  zum  Kurfürsten,  um  den  Kurfürstentag
von  ihrer  Stadt  abzuwenden  (Oelhafens  Werbung  am  3.  September  bei  den
kurmainzischen  Räten  in  Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  39).  Der  Kurfürst
  antwortete  noch  am  3.  September,  dass  wegen  Kürze  der  Zeit  eine  abermalige
  Verlegung  des  Tages  nur  bei  wirklichem  Ausbruch  der  Seuche  in  der
Stadt  erfolgen  könnte  (Wmz,  a.  a.  ÖO.,  no.  41;  Kpt.).

®  Vgl.  no.  215  mit  Anm.  1  auf  8.509.  Von  Katholiken  waren  damals
der  Bischof  von  Speier,  der  sich  entschuldigte,  und  Westernach  in  Aussicht
genommen.  Inzwischen  liess  der  Kaiser  auch  mit  dem  Bischof  von  Bamberg
wegen  Teilnahme  an  der  Kommission  verhandeln,  der  sich  am  22.  August
von  Wolfsberg  in  Kärnthen  aus  zur  Uebernahme  der  Kommission  beıeit
erklärte  und  zugleich  —  was  für  seine  auch  sonst  wolbekannte  Eitelkeit
bezeichnend  ist  {vgl.  A.  Chroust,  Abraham  von  Dohna,  8.  267)  —  bat,  ihm
das  Direktorium  der  Kommission  zu  gönnen,  da  sie  ihm  sonst  schwer  fallon
würde  (Wh.,  Reichsakten  ın  genere,  Bd.  34b;  —  Or.).
        <pb n="780" />
        758  1611  324—325.

August23.daran  zu  sein,  dass  or  die  Sache  weiter  bedenken  lasse  und  auch  einen
Katholiken  zur  Kommission  zuziehe,  mit  dem  die  geistlichen  Kurfürsten
ungescheut  verkehren  könnten.  Wir  zweifeln  nicht,  dass  Ihr  dies  verrichtet
  und  dass  auch  der  Kaiser  der  Sache  nachgedacht  haben  wird,
damit  die  Verhandlungen  ihm  selbst  desto  mehr  Frucht  bringen.
Vorläufig  aber  haben  wir  noch  nichts  von  der  Zuordnung  eines
Katholiken  gehört,  wissen  aber,  dass  viele  vornehme  katholische
Stände  die  vorige  Verordnung  sehr  befremdet  und  nachdenklich  macht;
wir  sind  auch  von  einigen  ersucht  worden,  beim  Kaiser  anzulangen,
damit  er  darin  Rat  schaffe.  Da  Ihr  selbst  ermessen  könnt,  was
für  Hinderung  dem  Kaiser  und  dem  gemeinen  Wesen  bei  Unterlassung
  solcher  neuer  Anordnung  erwachsen  könnte,  so  ersuchen  wir
Euch  nochmals,  daran  zu  sein,  damit  noch  vor  Beginn  des  Kurfürstentags,
  der  nun  wegen  der  Seuche  verlegt  wird,  die  Bescorgnisse
wegen  der  Kommissarien  beseitigt  werden.  Datum  Aschaffenburg
23.  augtsti  a.  1611.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  10;  Kpt.  von  Faust,

August  24.  325.  Zuüiga  an  König  Philipp  IH.

„Para  negocio  tan  grande  como  de  la  concordia  que  se  a
effectuado,  no  se  a  hecho  promesa  ninguna  de  parte  de  V.  M.d,  pen
el  rey  respeto  de  la  penuria  con  que  se  alla,  dessea  mucho,  que  V.  M.®
le  haga  gracia  de  cien  mil  florines  de  los  trescientos  que  a  de
dar  al  emp.?,  y  yo  me  he  ofrecido  de  proponerlo  y  solicitarlo  con  las
eondiciones  siguientes:  que  se  incluian  en  esta  gracia  los  ciento  y
cinquenta  mil  ducados  que  V.  M.“  tiene  mandados  pagar  al  rey  en
tres  ahos  de  manera,  que  por  estos  tres  anos  solamente  abria  de
crecer  V.  M.?  de  15000  a  20000  ducados  y  que  con  esto  se
entionda  se  ayan  de  apartar  de  todo  genero  de  peticiones,  sino  es  en
caso  que  se  rompiese  guerra  con  el  Turco  y  otro  semejante.  Pero
el  aumento  principal  que  se  haria,  seria  que  los  cinquenta  mil
ducados  los  tiene  V.  M.!  prometidos  por  tres  anos  y  agora  pretenden,
que  los  cien  mil  florines  sean  por  los  dias  del  emp.”,  aungue  crew
bien  que  hallandose  S.  M.?  en  edad  de  60  ahos  y  con  acidentes  tan
peligrosos,  como  tiene  muy  de  ordinario,  que  se  puede  computar  su
vida  por  poco  mas  de  tres  anos,  y  es  de  advertir  que,  si  S.  M.‘
ces.*  allandose  en  tal  estado  acudiese  a  pedir  ayuda  a  V.  M.d,  se  le
podria  responder  que  se  dan  100000  florines  para  su  80corro;  pero
como  arriba  digo,  no  he  prometido  ni  empenado  a  V.  M.?  en  nada
Pero  si  he  quedado  obligado  de  su  suplicarlo  a  V.  M.@  con  muchs
esperanga  y  muy  encarecidamente  como  lo  hago,  si  V.  M.@  se  sirvies
de  hazer  esta  gracia  al  rey,  diziendo  que  por  agora  8e  entienda  por  tres
anos  y  que  al  cabo  dellos  se  vera  en  que  estado  se  allan  las  neces
sidades  de  V.  M.?  y  las  suias,  pienso  que  seria  despacho  de  satis
facion.  Aunque  yo  he  sido  diputado  del  emp.”,  he  hecho  mas  presto
        <pb n="781" />
        325—326.  1611  159

oficio  de  medianero  de  Molart  y  el  marichal  el  qual  ha  sido  gran-August24.
disima  parte  para  reducir  este  negocio  a  este  termine.“  De  Praga

24.  de  agosto  1611.
Sim.,  Fasz.  2497,  f.  168;  Or.!

326.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.  August25.

„I.  ksl.  M.*  ist  zwischen  den  20.  und  21.  zue  nacht  ein  gewaltiger
  catharen  auf  die  brust  gefallen,  daran  sie  ein  zimblichen
anstoss  gelitten.?  —  Den  21.  gegen  abend  haben  I.  M.'  auf  instendig  anmahnung
  des  Barvitio  die  patenten  der  bruderlichen  tractation  vom
herzogen  von  Braunschweig  abfoderen  und  dem  spanischen  ambasciatorn
zuestellen  lassen  mit  der  restriction  aber,  das  er  sie  dem  könig  vor
weiterem  und  anderem  befehlich  zur  signatur  nicht  zuestellen  solle.  —
Den  22.  hat  der  Don  Balthasar  des  morgens  vor  acht  lange  audienz
beim  könig  gehabt  und  hernach  uber  zwo  stund  mit  dem  Glesel
wegen  etlicher  differenzen,  so  sich  noch  zwischen  dem  kaiser  und  kunig
befinden  und  nit  de  substantia  negotii  sein,  disceptirt,  davon  er  E.  fl.  D.
ohne  zweifel  particularius  berichten  wirdet,  Sein  gleichwol  endlich
einer  mainung  geworden.  —  Den  abent  hat  der  von  Molart  mich
berichtet,  das  I.  ksl.  M.'  sich  den  nachmittag  erklärt,  sie  seien  zuefriden,
  das  die  abhandlungspatenten  I.  kgl.  M.'  ad  subsceribendum  et
sigillandum  zuegestellt  werden,  es  solle  aber  der  Barvitius  sie  folgenden
tags  noch  wider  dran  erinnern;  auch  sei  I.  M.*  mit  I.  kgl.  M.!
erklärung  wegen  der  herschaft  Bennatek®  zufriden  und  wöllen  hergegen
  ihre  kunftige  kuniglicoee  gemahlin  mit  tapezereien  und
kleinoten  also  versehn  und  verehren,  das  sie  damit  zufriden  sein
sollen.  —  Sic  sunt  aliquando  intervalla  optima,  quae  postea  a  malis
instrumentis  turbantur,.  —  Sie  werden  auch  dem  kunig  auf  den  tag
ihres  verraisens  von  Prag  ain  banquet  im  schloss  halten  ;  die  personliche
beisamenkunft  und  audienz  wäre  aber  noch  ungewiss.  -—  Den  23.
hat  mich  Barvitio  eben  dasselbe  berichtet  und  verhoffet,  das  abboccament
  wurde  auch  succediren  und  wol  abgehen.“  Am  23,  hat  der
Kaiser  durch  Barvitius  dem  Zuniga  erlaubt,  die  Vergleichsurkunden
dem  König  zuzustellen,  der  sie  sogleich  besiegelt  und  unterschrieben
bat;  später  sah  ich  ein  Exemplar  bei  Zunig..  —  Am  Abend  kam
der  Oberst  Günterode  auf  der  Post  von  Rotenburg  a./T.  (wohin
ihn  der  Kaiser  zum  Unionstage  geschickt  hatte)  zurück.  —  Am  24.

ı  Am  25.  August  beantragt  Zuniga  noch  ein  Hochzeitegeschenk  für
die  künftige  Gemahlin  des  Königs  Matthias  (Sim.  a.  a.  O.,  f.  188;  Or)  —
Der  Staatsrat  beschloss,  für  das  Geschenk  20000  Dukaten  zu  widmen.

3  ME  no.  325.
®  Wegen  der  Herrschaft  Benatek  vgl.  oben  no.  309;  der  Kaiser  sollte
vorher  den  Vertragebestimmungen  genügt  haben
        <pb n="782" />
        160  1611  326—327.

August25.hat  Leuchtenberg  wie  mitgeteilt,  „das  der  Gunterrot  in  des  kaisers
anticamera  sich  beruhmet  und  verlauten  lassen,  er  habe  bei  der
protestirenden  liga  I.  ksl.  M.  zum  besten  erhandlet  130000  reichsgulden,
  wofern  sie  im  reich  ihre  residenz  nemen  wöllen.!  Welches
die  ganze  welt  weiss,  das  unmuglich  ist;  allain  werden  solche  reden
ausgesprengt,  um  dadurch  die  bruderliche  ainikait,  so  nunmehr  Gott
lob  getroffen,  zu  hindern  und  aufzuhalten,  wie  man  dan  besorgt,  wofern
solches  ain  tag  zuvorn  J.  ksl.  M.‘  zu  ohren  kommen  were,  die  sachen
dadurch  wol  hetten  mögen  zurückgehen,  weil  man  solchen  seminanis
discordiae  bisweilen  mehr  als  andren  glauben  gibt.“  Prag  de
25.  augusti  1611.

Brs.,  Secret.  d’Allem.,  no.  96,  f.  144;  eigb.  Or.

August25.327.  Bericht  über  die  gemeinsame  Beratung  der  Abgesandten
  der  drei  geistlichen  Kurfürsten  zu  Main:

Anwesend  für  Mainz:  Kaspar  von  Eltz  und  Kanzler  Dr.  Faust,
für  Trier:  Kanzler  Liz.  Schneidt,  für  Köln:  Kanzler  Biestervelt.

Die  geistlichen  Kurfürsten  haben  wegen  des  kaiserlichen  Schreibens
vom  23.  Juni  an  Kurmainz  ?  und  wegen  des  aachenschen  Tumults  für  nötig
angesehen,  ihre  geheimen  Räte  zur  Beratung  dieser  Punkte  zu  Mainz  nısammenzuordnen.
  Am  22.  August  kamen  die  Räte  zusammen  und  begannen
am  23.die  Beratung  über  das  kaiserliche  Schreiben.  Dabei  wurde  zunächst
bedacht,  da  nach  eingelaufenen  Nachrichten  der  Herzog  von  Brauıschw
  eig  bereits  zum  Direktor  desgeheimen  Rats  bestellt  und  daher
res  nicht  mehr  integra  sein  soll,  einerseits  ob  es  ratsam  sei,  sich  deswegen
noch  gegen  den  Kaiser  zu  äussern  und  ob  nicht  besser  diese  Sache  bis  zum
Kurfürstentag  auszusetzen  wäre,  —  andrerseits,  wenn  man  mit  Beantwortusg
des  kaiserlichen  Schreibens  bis  nach  Beendigung  des  Kurfürstentags
einhielte,  ob  nicht  dadurch  den  Katholischen  Praejudiz  oder  Gefahr
zustehen  würde;  besonders  war  aber  zu  erwägen,  wenn  man  schoa
schriftlich  oder  durch  vertrauliche  Abordnung  deswegen  etwas  vornehmen
würde,  ob  nicht,  da  am  kaiserlichen  Hof  Geheimnisse  bekanntlich  sehr
übel  bewahrt  werden,  dadurch  grosser  Anstoss  bei  den  protestantischen
Ständen  erregt  und  die  weltlichen  Kurfürsten  so  alteriert  werden  würden.
dass  alle  Hoffnungen,  die  man  auf  den  Kurfürstentag  setzt,  vergeblich
wären  und  nur  grösseres  Mistrauen  unter  den  Kurfürsten  entstände.

Nach  reiflicher  Erwägung  haben  die  kurfürstlichen  Gesandten
endlich  dafür  gehalten:  Da  man  ermessen  kann,  in  welche  Ungelegenheiten
die  katholischen  Stände  durch  die  vom  Kaiser  beabsichtigte  neue  Direktion  des
geheimen  Rats  kommen  könnten,  so  ist  grundsätzlich  nötig,  den  Kaiser  davon
abzumahnen  und  ihn  zu  bitten,  hierin  gleich  seinen  Vorfahren  Verordnung  za
tun  oder  wenigstens  mit  der  Sache  nicht  zueilen;  wenn  diese  Vorstellung

!  Vgl.  no.  318,  Anm.  1  auf  S  749.
?  No.  246.
        <pb n="783" />
        327.  1611  761

nicht  schriftlich  geschehen  kann,  so  muss  man  sie  durch  den  spanischen  August26.
Gesandten  oder  den  päpstlichen  Nuntius  oder  durch  eine  andere  vertraute
Person  beim  Kaiser  erheben  lassen.  Aber  bei  dem  Zweifel,ob  res  noch  integra
ist,  ist  88  bedenklich,  sich  zur  Zeit  der  Sache  beim  Kaiser  „hauptsächlich“  anzunehmen:
  denn  ist  die  Anstellung  des  Herzogs  schon  erfolgt,  so  nützt  die
Vorstellung  der  Kurfürsten  nichts  mehr,  da  der  Kaiser  seine  Anordnung  nicht
gleich  zurücknehmen  kann;  daneben  würde  man  den  Herzog  sehr  beleidigen
und  würde  sich  dieser  bei  seinen  Religionsverwandten  beklagen,  als  wolle
man  ihn  aus  allen  Würden  und  Aemtern  am  Hofe  verdrängen;  sobald
aber  die  weltlichen  Kurfürsten  vernehmen  werden,  dass  man  sich  dieser
Sache  so  eifrig  annimmt,  werden  sie  dadurch  alteriert  werden  und
wird  alles,  was  zur  Herstellung  bessern  Vertrauens  bei  den  weltlichen
Kurfürsten  geschehen  ist,  vergeblich  sein.  Es  ist  daher  den  geistlichen
Kurfürsten  nicht  zu  raten,  diose  Last,  die  alle  katholischen  Stände
mitbetrifft,  allein  auf  sich  zu  nehmen;  sie  sollen  vielmehr  zur  Beratung  über
die  Abhilfe  noch  andere  vornehme  katholische  Stände  heranziehen  und
die  Sache  vielleicht  auf  einem  Bundestag  beraten  lassen.  Beim  Kaiser
könnte  man  sich  in  einer  Vorantwort  entschuldigen,  dass  man  ohne
Verständigung  mit  den  andern  katholischen  Ständen  sich  nicht  resolvieren
könne  und  bis  dahin  um  Einstand  der  Sache  bitte!  Daneben  soll
an  den  Herzog  von  Baiern  geschrieben  und  bei  ihm  angefragt  werden,
wie  er  die  Sache  ansehe  und  ob  man  sie  nicht  nach  dem  Kurfürstentag
  in  gemeinsame  Beratung  ziehen  solle.?

Bei  diesem  Punkt  bringen  die  trierischen  und  kölnischen  Räte  auch
vor,  dass  der  Kaiser  den  Landgrafen  Moriz  zu  seinem  Kommissar
für  den  Kurfürstentag  verordnet  habe,  ohne  ihm  einen  Katholiken
beizugeben,  was  ihre  Herrn  sehr  befremde  und  weshalb  sie  den
Kaiser  erinnert  sehen  möchten,  dass  er  zu  besserer  Vertraulichkeit  auch

!  Geschieht  in  dem  Gesamtschreiben  vom  25.  August;  zugleich  bitten
die  Kurfürsten  auch  mit  der  Besetzung  der  Reichshofratsstellen  vorläufig
einzuhalten  und  zu  weiterem  Mistrauen  keine  Ursache  zu  geben  (Wmz.,  Reichstagsakten,
  Bd.  105,  no.  12;  Kopie).

?  Unter  dem  23.  August  schreiben  diegeistlichen  Kurfürsten  an  Baiern:  Sie
für  sich  haben  allein  wegen  der  Direktion  am  kaiserlichen  Hof  dem  Kaiser  bisher
kein  Ausschlag  gebendes  Gutachten  erteilen  wollen,  da  an  dieser  Sache  viele  andere
katholische  Stände  interessiert  sind;  sie  wissen  auch  nicht  bestimmt,  ob  Braunschweig
  die  Direktion  schon  übernommen  und  der  Kaiser  deshalb  schon  ein
endgiltige  Anordnung  getroffen  hat.  Daher  bitten  sie  den  Herzog  als  nähern
Nachbar  darüber  um  Mitteilung  sowie  um  Gutachten,  ob  man  dem  obne
Gefahr  katholischen  Wesens  zusehen  darf  oder  ob  nicht  deshalb  ein  gemeiner
Bundestag  anzustellen  wäre,  was  freilich  erst  nach  Beendigung  der  Kurfürstentags
  geschehen  könnte  (Winz.,  a.  a.  O.,  no.  11;  Kpt.  von  Faust.)  —  Einen
Bundestag  regte  am  19.  August  auch  der  Koadjutor  von  Köln  beim  Herzog  von
Baiern  mit  Rücksicht  auf  die  Zettelungen  der  Greeneralstaaten  bei  der  Koadjutorwahl
  in  Münster  an  (vgl.  L.  Keller,  die  Gegenreformation  in  Westphalen  und
am  Niederrbein,  III  [Publikationen  aus  den  k.  preussischen  Staatsarchiven,
62.  Bd.)  S.  276  und  no.  223  f.).  —  Der  Herzog  gab  in  seiner  Antwort  vom
11.  Oktober  dazu  prinzipiell  seine  Zustimmung  (Ma.,  61,8,  f.4;  Kpt.).
        <pb n="784" />
        762  1611  327  —328.

August25.  hierin  eine  Aonderung  treffe  oder  wenigstens  katholische  Kommissarien
zuordne.  Die  Mainzer  berichten  darauf,  was  Brömser  deswegen  mündlich
zu  Prag  erinnert  und  was  ihr  Kurfürst  an  den  Kaiser  geschrieben  hat,
worauf  die  andern  Räte  es  Kurmainz  anheimstellen,  deswegen  nochmals
an  Barvitius  zu  schreiben,  damit  dieser  den  Kaiser  wenigstens  zur
gedachten  Zuordnung  bewege.  Die  Mainzer  nehmen  dies  zu  Bericht!

Wegen  des  aachner  Tumults  erinnern  die  kurfürstlichen  Räte  an
die  Vorgänge  von  1593  und  an  das  damals  eröffnete  Urteil.  Biestervelt
berichtet  insbesonders,  wie  dieses  Urteil  von  seinem  Herrn  neben  andem
vollstreckt  und  wie  die  geächteten  aufrührerischen  Bürger  wieder  in
die  Gnade  des  Kaisers  gebracht  worden  seien  und  versprochen
hätten,  die  neue  Reformation  unveränderlich  zu  balten;  sein  Herr
habe  beim  jetzigen  Aufstand  die  Rebellen  wieder  daran  erinnern  lassen;
seine  und  Erzherzog  Albrechts  Abgeordnete  hielten  sich  noch  in
Aachen  auf,  weshalb  abzuwarten  sei,  wie  die  Verhandlungen  ablaufen
und  ob  die  Rebellen  ihnen  billige  Folge  geben  würden.  —  Man  liess
es  dabei  noch  bewenden.  —  Da  aber  den  geistlichen  Kurfürsten  und
allen  der  Stadt  benachbarten  katholischen  Ständen  viel  daran  liegt,
dass  in  Aachen  die  katholische  Religion  und  das  katholische  Regiment
erhalten  bleibt,  so  hat  man  sich  zu  Erinnerungsschreiben  an  die  Stadt
und  gemeine  Bürgerschaft  entschlossen,  damit  diese  sich  selbst  zum
Besten  in  die  Sachen  schicken,  dem  Kaiser  gehorsamen  und  die
früheren  Versprechungen  einhalten;  desgleichen  wurde  ein  Ersuchsschreiben
  an  den  Kaiser  beschlossen,  damit  er  zu  Erhaltung  seiner
eigenen  Autorität  der  Sache  wahrnehme  und  den  schon  abgegangenen
Ersuchen  Kurkölns  gemäss  sich  fürderlich  erkläre.  —  Die  Mainzer  zeigen
noch  an,  dass  der  Herzog  von  Braunschweig-Lüneburg  um  eine
Interpositionsschrift  an  den  Kaiser  zu  Gunsten  der  Stadt  Braunschweig
bei  ihrem  und  bei  andern  Kurfürsten  nachgesucht  habe.  Der
Entwurf  der  bewilligten  Interposition  wird  mitgeteilt.  Signatum
Mainz  den  25.  augusti  a.  1611.

Wmz,,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  14;  Kpt.  von  Faust,  —  no.  13;  Or?

August25.328.  Zacharias  Geizkofler  an  Erzherzog  Maximilian.

Bericht  über  den  rotenburger  Tag.  Aufzählung  der  Anwesenden.
Proposition  der  kaiserlichen  Gesandten.  Bescheid  darauf.?  —  Aus  dem  Bescheid,
  namentlich  aber  aus  der  Unterredung  mit  den  Deputierten  *  merkten

ı  Vgl.  no.  324.

®  Das  Protokoll  der  Beratung  (in  Wmz.,  a.  a.  Ö.,  no.  15)  ist  von  Hensel
verfasst,  ebenda  findet  sich  oin  kurzes  Handprotokoll  von  Faust.  In  den
Voten  werden  allgemein  die  Fähigkeiten  und  die  Treue  des  Herzogs  von  Braun
schweig  anerkannt,  aber  die  Besorguis  ausgesprochen,  dass  er  in  den  Reichs
hofrat  Protestanten  bringen  werde.

°  No.  315  und  no.  318.

“  No.  322.
        <pb n="785" />
        328.  1611  163

wir,  dass  dieStände  zu  einer  Zusammenkunft  von  beiden  Religionen  und  zu  August25.
einerInterposition,  wiesie1552  durch  König  Ferdinand  geschah,  neigen,
wozu,  jedoch  nur  „in  privato  colloquio“,  E.  hfl.  D.'  vorgeschlagen
wurden,  gegen  Die  alle  ein  besonderes  Vertrauen  zeigten.  Doch  kam
uns  eben  eine  kaiserliche  Resolution  zu,!  mit  der  der  Kaiser  diese
Handlung  auf  den  Kurfürstentag  verweist.  —  Als  die  Unierten  vernahmen,
  dass  neben  Landgraf  Moriz  auch  der  Bischof  von  Bamberg  als
kaiserlicher  Kommissar  zum  Kurfürstentag  kommen  soll,  haben
sie  sich  darüber  sehr  entsetzt  und  besorgen  davon,  es  möchte  wenig  ausgerichtet
  werden.  Alle  wünschen  dem  Haus  Oesterreich  und  dem  Reich  zu
Gutem  E.  hfl.  D.*  als  Kommissar,  die  Sie  gewiss  auch  solche  Räte  zu
sich  ziehen  würden,  die  es  treulich  meinen.  Das  deuteten  uns  nicht  nur
die  Fürsten  sondern  auch  die  Gesandten  an  und  lassen  die  Fürsten
E.  hfl.  D.:  ihre  willigen  Dienste  vermelden.?  —  Polheims  Werbung
und  Bescheidung.?  —  Die  Neigung  zum  König  ist  nicht  so  übel,  doch  hat
man  zu  seinen  Räten,  besonders  zu  Khlesl,  kein  Vertrauen.  Die  Stände
halten  darfür  „si  solten  von  personen  auss  dem  reich,  sowol  als  in
andern  ländern  durch  die  patrioten  geschicht,  gubernirt  werden  ;“
sie  haben  es  Polheim  genugsam  zu  verstehen  gegeben.  —  MitHannewald
sind  sie  sehr  unzufrieden.  Er  selbst  will  nicht  mehr  nach  Prag  gehen,  ist
gegenwärtig  zu  Mainz,  von  dort  soll  er  nach  Baiern  reisen,  vorher  will
er  sich  aber  in  Erfurt  aufhalten.  Auch  der  Kaiser  war  willens,  sich
nach  Erfurt  zu  begeben,  um  in  der  Nähe  des  Kurfürstentags  zu  sein.
Datum  Haunssheim  den  25.  augusti  a.  1611.  —  Praes,  31.  aug.  1611.

Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  31;  Or.4

'  No.  312.

?  Auch  Westernach  berichtet  am  22.  August  Jem  Kanzler  des  Erzherzogs,
  Melchior  Geuer,  dass  die  Unierten  gerne  sehen  würden,  wenn  der
Erzherzog  und  Kursachsen  sich  zwischen  Union  und  Liga  ins  Mittel  schlügen
und  Einigkeit  und  Vertrauen  wieder  herstellten  (Ib.,  a.  a.  O.,  zuno.  9;  Or.
eigh.);  ebenso  schreibt  Fürst  Christian  von  Anhalt  am  13./23.  August  dem
Erzherzog  :  er  habe  Geizkofler  mitgeteilt,  dass  es  erspriesslich  und  hochnötig
sei,  dass  er,  Erzherzog,  sich  unter  irgend  einem  Vorwand  beim  Kurfürstentag
einstelle  (Bbg.,  A  9a,  no.  155°,  f.  32;  Kpt.).

s  Vgl.  no.  305,  Annı.  1  auf  S.  709  und  Anm.  2  auf  S.  714.

*  Am  26.  August  teilt  Geizkofler  dem  Erzherzog  noch  mit,  «dass  des
Kaisers  Vertrauon  zum  Herzog  von  Braunschweig  nicht  mehr  so  gross  sei
und  dass  man  jetzt  den  Grafen  Philipp  Ludwig  von  Hanau  an  den  Hof
berufen  wolle  [dasselbe  meldet  eine  Zeitung  aus  Prag  vom  21.  August;
Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  79;  Kopie],  so  dass  also  bei  diesem
Regiment  wenig  Bestand  zu  hoffen  sei.  Fürst  Christian  gehe  fast  auf  die
Resignation  des  Kaisers,  was  das  beste  Mittel  wäre;  aber  der  König  müsse
andere  Leute  haben,  sonst  verliere  er  Willen,  Affektion  und  Kredit  bei  jedermann
  (lIb.,  a.  a.  O.,  Missiven.  vom  September  1611,  no.  8;  Or.  eigh.).  —
Die  Bemerkung  wegen  des  Herzogs  von  Braunschweig  war  übrigens  unzutreffend,
  wie  aus  des  KReichshofratssekretäre  Hertel  Schreiben  vom
11.  September  an  den  in  Dresden  befindlichen  Herzog  hervorgeht:  der
Kaiser  trage  nach  des  Herzogs  Rückkehr  grosses  Verlangen  und  frage

lich,  wann  er  zurückkommen  werde,  ja  am  Tag  zuvor  habe  er  wörtlich
zu  Hertel  gesagt:  „Ich  hoffe  nit,  dass  der  herzog  von  Braunschweig  mich
verlassen  werde;  was  meint  Ihr?*  (Dre.,  1.  8308,  25.  Buch  jülicher  Sachen,

f.  304;  Kopie).
        <pb n="786" />
        764  1611  329.

August29.  329.  Melchior  Khlesl  an  Erzherzog  Maximilian.

Eben  als  ich  mich  mit  dem  König  in  den  Wagen  setzen  wollte,
um  in  die  Lausitzen  zu  reisen,  erhalte  ich  Dero  Schreiben  [fehlt],  aus
dem  ich  mit  Freuden  ersehe,  dass  E.  hfl.  D.‘  mit  mir  zufrieden  sind.
Gestern  hat  der  Kaiser  den  König  und  dessen  ganzen  Hof  zum  Frübmal
  stattlich  traktieren  lassen,  das  „Trühel“  mit  den  Österreichischen
Freiheiten  I  aber  ‚ghar  schwär“  zugestellt;  ausserdem  liess  er  ihm
Tapezereien,  Baldachine  und  ein  Bett  verehren.  „Sobald  aber
trumel  vnd  pfeiffen  ins  schloss  khumen,  ist  angst,  wee  vnd  begherz
gewesen,  das  gedimel  abzuschaffen,“  wie  auch  geschah.  Braunschweig
ass  mit  dem  Kaiser  und  leistete  ihm  Gesellschaft.

Die  siebenbürgischen  Sachen  wollen  wegen  der  ungarische
Bedingungen  umschlagen,  die  sich  täglich  ändern.”  ‚‚Fallet  ainer  hin,
der  ander  her;  im  glückh  sein  sy  der  teufl,  in  aduersis  lauter  alte
weiber  vnd  ghar  verlorn.“  Der  Palatin  und  Forgach  sind  einander
zuwider;  keiner  aber  von  ihnen  wollte  deutsches  Volk  haben,  das  sie
Jetzt  mit  Tränen  begehren,  doch  dass  sie  das  „Dominium“  darüber
erhalten;  „quod  ymo  fiet,  sy  werden  auf  die  lezte  oder  Teuschen  haben
oder  von  Türkhen  guberniert  müessen  werden.“  —  Der  Papst  lässt  mir
mitteilen,  er  habe  die  Königin  von  Frankreich  und  deren  Anhang  auf
die  Seite  meines  Herrn  gebracht;  auf  dem  Kurfürstentag  soll  sichs
erweisen.®  Der  König  hat  zu  diesem  Tag  Meggau,  Starhemberg,
Polheim  und  Fels  bestimmt;  doch  könnte  den  ersten  die  Hochzeit
aufhalten.  Man  ist  zu  Prag  stark  auf  meine  Person  gegangen,  doch
will  mich  der  König  nicht  von  sich  lassen,  ‚„siche  auch  khain  vrsach,
warumben  ein  weltlicher  künig  ein  pfaffen  schickhen  vnd  sich  ber
denen  protestiereten  stendten  suspect  machen  soll;  die  zeitten  vnd

!  Siehe  die  Vergleichsurkunde  bei  Hammer-Purgstall,  Khleala  Leben,
I.,  Urkunden-Sammlung  no.  342.,  S.  358.  —  Die  Usbergabe  der  verschlossenen
eisernen  Truhe  geschah  am  28.  August  vormittags  an  Georg  Schröttl;  aber
erst  nachmittags  konnte  sich  der  Kaiser  von  dem  Schlüssel  trennen,  den
der  Oberstkämmerer  Proskofsky  endlich  dem  König  einhändigte  (Mägerles
Tagebuch  der  königlichen  Reise  nach  Schlesien;  Wi.,  I  A1,  Ka.2990;  Kopie:.

?®  Vgl.  das  Schreiben  des  Königs  Matthias  an  Erzherzog  Albrecht  [und
ebenso  an  die  Kurfürsten  und  Fürsten  des  Reichs]  vom  28.  August  in
den  Monumenta  Hungariae  historica;  Diplomataria  IV,  Pest  1859,
no.  412,  8.  45  und  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreichs,  V.,  S.  61  f.

$  Zuniga  berichtete  schon  am  3.  August  an  Philipp  III.,  dass  die  Königin
von  Frankreich  „se  ha  offrecido  por  medio  del  papa  al  rey  Matias  de  ayudarle
en  su  pretension  a  la  corona  del  rey  de  Romanos“  (Sim.,  Fasz.  2497,  £.  149;
Or.).  Geizkofler  schreibt  am  5./15.  September  an  Erzherzog  Maximilian:  Er
sei  zu  Heidenheim  mit  dem  Herzog  von  Württemberg  auf  der  Hirschfaiste
gewesen;  dieser  habe  ihm  ein  Schreiben  Villeroys  gezeigt,  wonach  die  Königin-Regentin
  von  Frankreich  und  ibre  Räte  sehr  billigen,  dass  die  Unierten
auf  die  Wahl  eines  römischen  Königs  dringen  und  erst  König  Matthias  „oder,
do  der  der  andern  stimmen  nicht  haben  kunt,  E.  hfl.  D.t  fürschlagen  und
werde  man  ex  parte  der  cron  Frankreich  solches  zue  bofürdern  nicht  underlassen“
  ab.  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  September  1611,  no.  30;  Or.);
vgl.  no.  .
        <pb n="787" />
        329—330.  1611  165

vmbständt  sein  anders.  Was  die  verichtung  anlangend,  do  es  bey  August29.
Catholischen  nach  Rom  oder  sonsten  in  particular  wär,  trauet  ich  mier
so  wol  in  der  gnad  Gottes  dieselb  zuuerrichten  als  ein  anderer,  aber
Gott  wais,  alda  wurde  ich  nit  nuzen.“  Ich  bitte  E.  D.‘,  es  dem
König  gleichfalls  zu  widerraten.  Jch  habe  die  Instruktion  und  alle
Notdurft  verfasst;  „wan  sy  kinder  wären  vnd  khämen  nur  diser
nach,  so  wär  es  alles  in  ordnung.“  Dem  Erzherzog  Albrecht  habe
ich  dargelegt,  warum  es  gut  wäre,  dass  er  persönlich  der  Hochzeit
beiwohne;  „dan  ghehet  dise  berathschlagung  nit  fort,?  so  wurdt  das
hauss  sehen  vnd  erfahren  höchsten  schaden  vnd  verderben.“  Prandteis
den  29.  augusti  a.  1611.  —  Praes.  11.  sept.  1611.

Ih.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Sept.  1611,  no.23  ;  Or.  eigh.

330.  Hauptabschied  des  Unionstags  zu  Rotenburg.  August  29.

Beim  schweinfurter  Unionstag,  den  eine  Anzahl  höherer  Stände
weder  besuchen  noch  beschicken  konnte,  wurde  zwar  ein  Abschied
aufgorichtet,  aber  es  konnte  gerade  in  den  wichtigsten  Punkten  kein
endgiltiger  Beschluss  zu  Stande  kommen  sondern  musste  ein  solcher
auf  eine  persönliche  Zusammenkunft  der  Unierten  verschoben  werden.
Inzwischen  liess  sich  die  Lage  im  Reich  drohend  an  und  Veränderungen
fielen  vor,  die  wenig  Hofinung  auf  Erhaltung  von  Frieden  und  Vertrauen
  unter  den  Ständen  gaben.  Deshalb  schrieb  der  Administrator
der  Kurpfalz  einen  neuen  Unionstag  nach  Rotenburg  a.  T.  zunächst
für  den  Juni  aus,  beraumte  aber,  da  die  Versammlung  verschoben
werden  musste,  endlich  den  21./31.  Juli  als  Tag  für  das  Eintreffen
der  Stände  an.  Kurbrandenburg  und  Hessen-Cassel  haben  ihr  Fernbleiben
  entschuldigt  und  jener  die  Ratifikation  der  gefassten  Besclüsse
  verheissen.?

Bevor  man  zur  Erörterung  der  Punkte  in  der  Reihenfolge  schritt,
wie  sie  der  schweinfurter  Abschied  aufwies,  hat  man  auf  Vorschlag
der  Kurpfalz  zunächst  den  gefährlichen  Zustand  des  Reichs  und  der
benachbarten  Königreiche  und  Länder  in  Betracht  gezogen  und  hat
sich  dabei  erinnert,  dass  trotz  der  vielen  Schickungen  an  den  kaiserlichen
  Hof  dort  nicht  nur  nichts  ausgerichtet  und  auf  die  Zusage  der
Restitution  Donauwörths  nichts  erfolgt  ist  sondern  dass  auch  die
Urheber  aller  Zerrüttung,  die  gleichsam  die  Exekutoren  der  päpstischen
und  anderen  Praktiken  waren  und  über  die  die  Unierten  sich  besonders

!  Vgl.  no.  266  mit  Anm.  1  auf  S.  616.

?2  Auf  Anlass  der  Hochzeit  des  Königs  Matthias  wurde  eine  Versammlung
  aller  österreichischen  Erzberzoge  zu  Wien  geplant,  um  gemeinsame
Hausangelegenheiten,  besonders  aber  Mittel  zu  beraten,  die  Wahl  des
Matthias  durchzusetzen  (vgl.  dazu  F.  Hurter,  Geschichte  Kaiser  Ferdinandes  II.,
VII,  8.2  f.;  Gindely,  Kaiser  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  S.  323  f.  unu
Briefe  und  Akten,  X.

®  Vgl.  no.  230,  8.  539,  Anm.  2  und  no.  274,  S.  631,  Anm.  2,  sowie
no.  305,  8.  707,  Anm.  2.
        <pb n="788" />
        766  1611-  330.

August29.  heschwerten,  nicht  bestraft  sondern  sogar  noch  erhöht  wurden.  Daraus  kann
man  aber  abnehmen,  wessen  man  sich  künftig  von  diesen  Leuten  zu  versehen
  baben  wird,  die  gegen  die  evangelischen,  besonders  gegen  die
unierten  Stände  jetzt  nur  noch  rachgieriger  sein  werden.  Dass  sie  bisher
in  ihrem  Vorhaben  zurückgehalten  wurden,  ist  nur  der  Zusammensetzung
  der  Unierten  zu  danken;  man  wird  die  Anschläge  jener  durch
Fortsetzung  der  Union  hoffentlich  auch  künftig  abwenden  können.

Da  es  eben  zur  Zeit  das  Ansehen  hat,  als  ob  sich  die  Gegner
aufs  Aeusserste  bemühen  wollten,  ihr  Intent  durch  Vorschub  des  Papstes
und  seines  Anhanges,  die  „das  arbitrium  pacis  et  belli“  fast  ganz  in
Händen  haben,  durchzusetzen  und  wie  im  vorigen  Jahr  dazu  Kriegs
volk  zu  werben,  so  haben  alle  Unierten  erklärt,  bei  dieser  Union
beständig  zu  bleiben  in  der  Zuversicht,  dass,  wenn  man  dem  Zweck
der  Union  nachgeht,  durch  diese  Zusammensetzung  alles  Unheil  von
ihnen  und  ihren  Untertanen  abgewendet  werden  wird.

I.  Hauptpunkt:  Erhaltung  und  Fortsetzung  der  Union.  Man
war  einhellig  der  Meinung,  dass  die  Union,  wenn  ihrer  Verfassung  und  den
bisherigen  Abschieden  nachgegangen  wird,  —  wozu  sich  alle  Unierten
geneigt  zeigten,  —  bei  männiglich  Ansehen  gewinnen  wird.  Bei  den
verschiedenen  Zügen  und  „geschwinden  Empörungen‘“  des  vorigen  Jahres
konnten  freilich  Mängel  nicht  ausbleiben,  die  teils  am  BRechnungs-,
teils  am  Kriegswesen,  endlich  an  den  zu  Schweinfurt  übergebenen
Gravamina  der  unierten  Städte!  hafteten.  Zu  künftiger  Vermeidung
solcher  Mängel  hat  man  gleich  anfangs  die  Prüfung  der  Rechnungen
einem  besonderen  Ausschuss  überwiesen;  das  Ergebnis  der  Prüfung
ist  in  dem  Rechnungsabschied?  niedergelegt,  womit  die  meisten
Mängel  beseitigt  sind.  Da  eine  Reihe  von  Unrichtigkeiten  daraus
entsprungen  sind,  dass  die  Rechnungen  von  zu  viel  Personen  geführt
wurden,  so  soll  künftig  ein  Generalpfennigmeister  verordnet
werden,  dem  das  ganze  Rechnungswesen  untersteht  und  der  aus  all
den  Nebenrechnungen  ein  Ganzes  machen  und  jene  als  Beilagen
in  die  Hauptrechnung  bringen  soll;  Zahlungen  darf  er  nur  mit
Wissen  des  Generals  und  der  Kriegsräte  leisten.  Ueber  Artillerie,
Munition,  Material-  und  Fortifikationssachen  sind  besondere  Rechnungen
zu  führen.  —  Ein  Mangel  ist  auch,  dass  einige  die  Frist  zur  Ent
richtung  ihrer  Quoten  nicht  einhalten.  Es  wurde  deshalb  vorgeschlagen,
sich  bestimmter  Legstätten  zu  vergleichen,  statt  dass  jeder  Stand
vermöge  des  ahausischen  Abschieds  seine  Quote  bei  sich  behält;  man  hat
es  aber  mit  Rücksicht  auf  die  Abwesenheit  einiger  Stände  diesmal  noch
bei  diesem  Abschied  und  bei  der  dort  vorgesehenen  Visitation  gelassen.
  —  Da  viele  Stände  mit  ihren  Quoten  ganz  im  Rückstand  bleiben,
so  ist  zur  Erhaltung  der  Gleichheit  beschlossen  worden,  die  Säumigen
durch  Entsendung  einer  eigenen  Person  zur  Gebühr  zu  ermahnen.  Aus  den
eingebrachten  Restanten  sollen  dann  zunächst  jene  Stände  befriedigt

ı  No.  107.
®  No.  339,

[4
        <pb n="789" />
        330.  1611  767

werden,  die  der  Union  Vorschüsse  getan  haben;  würden  die  Restanten  August  29.
nicht  zureichen,  so  ist  der  Abgang  aus  gemeiner  Union  Mitteln  zu
erstatten,  doch  dass  es  bei  den  im  September  1610  aufgerichteten
Obligationen  für  die  Darlehen  verbleibt.  —  Wegen  der  Mängel  im
Kriegswesen  wurde  beschlossen,  Hauptimpresen  oder  Offensivkriege
nur  mit  Zustimmung  aller  Unierten  zu  unternehmen  und  Partikularkonvente
  nach  Möglichkeit  zu  vermeiden.  —  Wegen  des  Kriegsrates
  bleibt  es  beim  heilbronner  Abschied!;  auch  wird  man  sich
geeigneter  Personen  zum  Kommissariat,  Proviant-  und  Pfennigmeisteramt
  zu  vergleichen  haben,  welche  Aemter  für  die  Union  unentbehrlich
sind.  —  Bei  den  vorigen  Kriegsbestallungen  soll  es  sein  Bewenden
  haben;  doch  sollen  sie  vom  General  und  vom  Kriegsrat
geprüft  werden.  Ohne  deren  Zustimmung  darf  auch  niemand  zu  einem
Kommando  ausserbalb  der  ordentlichen  Bestallungen  gelangen  oder
Nebenbestallungen,  Vorteilsgelder  u.  s.  w.  erteilt  oder  in  den  Rechnungen
passiert  werden.  —  Wegen  der  eilenden  Werbungen  im  Notfall
gibt  die  Union  Mass;  wer  wirbt,  muss  sich  zuvor  mit  dem  Direktorium
oder  mit  dem  General  und  den  Kriegsräten  verständigen.  Um  aber
das  Mittel  der  Werbung  nicht  immer  anwenden  zu  müssen,  soll  sich
jeder  Stand  in  seinem  Iand  gefasst  halten  und  sich  auch  der  Kreishilfen
  bedienen,  welche  Mittel  die  Union  nur  ergänzen  will.  —  Es  ist  zwar
vor  einem  Jahr  zwischen  den  Ständen  am  Rhein  ein  nachbarlicher
Sukkurs  verabredet  und  ist  hernach  zuSchweinfurt  vera  bschiedet  worden,
den  gleichen  Sukkursauch  an  der  Donau  anzustellen  ;  inzwischen  haben  sich
aber  die  Dinge  geändert  und  steht  alles  zu  fernerer  Vergleichung.  —
Wegen  der  Kriegsdisziplin  soll  man  den  Bestimmungen  des  heilbronner
  Abschieds  nachgehen  und  die  damals  verabschiedeten  „Kriegsbedenken“
  dem  Direktorium  einschicken;  der  General  und  die  Kriegsräte
werden  es  künftig  so  anzustellen  wissen,  dass  die  Soldaten  niemanden
wider  Gebühr  beschweren.  —  Die  zu  Schweinfurt  übergebenen  Gravamina
  der  unierten  Städte  sind  zumeist  in  den  verglichenen
Rechnungen  erörtert.  Wegen  der  nachbarlichen  Irrungen  bleibt  es
bei  der  Unionsnotel;  sie  sind  so  beizulegen,  dass  der  Union  kein
Schaden  oder  Nachrede  daraus  erwächst.  —  Wegen  des  wiederholt
angeregten  consilium  politicum  hat  man  auch  diesmal  nicht
gefunden,  dass  man  es  zur  Zeit  mit  Nutzen  verwenden  könnte.

II.  Hauptpunkt:  Vermehrung  der  Union.  DieStädte  Giengen  und
Aalen  sind  indie  Union  aufgenommen  worden.  —  Die  Einnahme  der  wetterauischen
  und  fränkischen  Grafen  und  Herrn  haftet  an  der  Schwierigkeit,
  die  Vota  auszuteilen.  Diesmal  haben  die  anwesenden  unierten  Fürsten
in  den  Vorschlag  gewilligt,  ihnen  gleich  den  Städten  acht  Vota  zuzubilligen,
  so  dass  sechzehn  gräflichen  und  städtischen  Voten  zwölf  der
Kurfürsten  und  Fürsten  gegenüberstehen  sollen;  doch  müssen  die  abwesenden
  Stände  Kurbrandenburg,  Neuburg  und  Hessen  zuvor  ihre

ı  Vgl.  Briefe  und  Akten,  OI.,  no.  207,  S.  351.
        <pb n="790" />
        768  1611  330.

August29.  Zustimmung  geben.  Ist  diese  erlangt,  so  soll  das  Direktorium,  allenfalls
  mit  Zuziehung  von  Württemberg  und  Baden,  mit  den  Grafen  weiter
verhandeln  und  sie  zum  Verzicht  auf  deren  Reservate  bringen.  —  Mit
den  Hansestädten  weiter  zu  verhandeln,  erschien  zunächst  bedenklich,
da  sie  sich  vielleicht  der  geächteten  Stadt  Braunschweig  annehmen
möchten.  Da  sie  aber  vielleicht  eben  desbalb  jetzt  leichter  zu  be
handeln  sind,  so  soll  die  Handlung  befördert  und  von  Kurbrandenburg
und  Hessen-Cassel  Bericht  eingefordert  werden,  wie  weit  sie  bisher  damit
gekommen  sind  und  ob  sie  vermeinen,  dass  trotz  der  braunschweige
Irrungen,  deren  sich  die  Union  nicht  teilhaftig  machen  will,  in  den  Verhandlungen
  fortzufahren  sei.  —  Zwischen  den  Häusern  Sachsen  und  Kurbrandenburg
  ist  ein  gütlicher  Vergleich  getroffen  und  besseres  Einvernehmen
erzielt  worden,  so  dass  die  Erhandlung  des  Hauses  Sachsen  für  die
Union  nicht  ganz  hoffnungslos  ist.  Es  soll  deshalb  auf  künftigem  Kurfürstentag
  durch  den  Administrator  und  durch  Kurbrandenburg  bei  Sachsen
gute  Information  und  Unterbauung  geschehen,  damit  dereinst  die  Unin
zu  diesem  ansehnlichen  Zuwachs  und  man  überhaupt  zu  einer  gemeinen
Zusammensetzung  aller  evangelischen  Stände  gelangen  kann;  dem
es  würden  der  Herzog  von  Braunschweig  und  die  „drinnen  Lands
gesessenen“  Fürsten,  die  ihr  Auge  auf  Sachsen  haben,  sich  dann
unbedenklich  zur  Union  begeben;  der  Kurfürst  von  Brandenburg
möge  darum  hierin  sein  Bestes  tun.  —  Die  Handlung  mit  Hessen-Darmstadt
  ist  dem  Markgrafen  von  Ansbach  übertragen,  die  mit  der
Stadt  Wimpfen  dem  Markgrafen  von  Baden  und  der  Stadt  Ulm;
wegen  der  Städte  Frankfurt  und  Regensburg  bleibt  es  zu  besserer
Gelegenheit  gestellt.  —  Mit  Erzherzog  Maximilian,  mit  den  evangelischen
  Schweizern  und  den  böhmischen  und  österreichischen  Ständer
bleibt  es  bei  der  angefangenen  Korrespondenz;  Württemberg  und
Baden  sind  zu  ersuchen,  ihrerseit8  neben  dem  Administrator  diese
Korrespondenz  mit  dem  Erzherzog  zu  unterhalten,  wie  dazu  auch
sämtliche  Unierte  an  ihn  geschrieben  haben.!  —  Wegen  der  ausländischen
  Potentaten,  besonders  wegen  des  Königs  von  Dänemark,
liess  man  es  schon  mit  Rücksicht  auf  den  schwedischen  Krieg  ba
voriger  Erklärung.?

11.  Hauptpunkt:  Gebrauch  derUnion  zurHerbeiführung  beständigen
Friedens.  Es  sollen,  wie  schon  zu  Schweinfurt  bestimmt  worden  ist,  dieStände
es  mit  einander  treulich  meinen,  die  „termini  defensionis‘‘  nicht  überschreiten,
  Gleichheit  halten,  in  guter  Bereitschaft  stehen,  des  Gegners
Intent  wol  auskundschaften  und  einander  mitteilen,  kurz  bei  jetzigen
gefährlichen  Läufen  die  Union  in  gutem  Stand  halten,  sie  festigen
und  ihr  Ansehen  mehren.  Zur  Herbeiführung  eines  beständigen
Friedens  bleibt  es  bei  den  Vorschlägen  des  schweinfurter  Abschieds:
wird  ihnen  nachgesetzt,  so  werden  hoffentlich  die  ungleichen  Gedanken

ı  Vgl.  no.  305,  S.  727,  Anm.  2.
’  Vgl.  den  dritten  Nebenabschied  unter  no.  333.
        <pb n="791" />
        330.  1611  769

gegen  die  Union  fallen  und  schon  dadurch  das  verlorene  deutsche  Ver-  August29.
trauen  wiedergebracht  werden.  Die  erste  eigentliche  Ursache  des  eingerissenen
  Mistrauens,  die  beseitigt  werden  muss,  ist  die  Beschwerung  der
evangelischen  Reichsstände  vom  kaiserlichen  Hof  aus  mit  gesetzwidrigen
Prozessen,  über  die  sich  die  Stände  schon  oft  durch  Schreiben  und
Schickungen,  besonders  durch  die  im  Jahre  1609,  beschwert  und  um  Abstellung
  gebeten  hatten,  die  aber  bisher  trotz  der  erteilten  mündlichen
Zusagen  nicht  erfolgt  ist;  die  andere  Ursache  sind  die  Beschwerden,  die
dieStände  beider  Bekenntnisse  gegen  einander  haben.  Durch  die  Abordnung
der  kaiserlichen  Gesandten  zu  diesem  Unionstag  sind  aber  —  sicherlich  aus
GottesSchickung  —  den  Unierten  Mittel  an  die  Hand  gegeben  worden,  die
Brunnauelle  beider  Arten  von  Beschwerden  zu  verstopfen:  denn  da  aus  dem
Vortrag  der  kaiserlichen  Gesandten  am  1./11.  August!  sich  ergeben  hat,
dass  der  Kaiser  Mittel  vernehmen  will,  um  das  gute  Vertrauen  wieder  herzustellen,
  so  haben  die  Unierten  sowol  wegen  der  Gravamina,  deren  Abstellung
  allein  beim  Kaiser  steht,  alsauch  wegen  der  Gravamina  der  Stände
gegen  einander  solche  schriftliche  und  mündliche  Erinnerung  getan,?  dass
dadurch  die  Abhilfe  der  Beschwerden  wesentlich  vorbereitet  wird  und
man  Hoffnung  auf  deren  völlige  dereinstige  Richtigmachung  haben  darf.
Die  Unierten  hätten  zwar  darüber  mit  den  kaiserlichen  Gesandten  gern  noch
eingehender  gehandelt;  aber  diese  waren  nur  befehligt,  die  Unierten
wegen  der  Gravamina  zur  Geduld  zu  weisen  und  ihnen  anzuzeigen,
dass  der  Kaiser  diesen  Punkt  mit  den  Mitgliedern  des  prager  Konvents
besprochen  habe  und  ihn  beim  Kurfürstentag  reassumieren  lassen
werde.  Daher  mussten  sich  die  Unierten  darauf  beschränken,  den
Administrator  zu  ersuchen,  diese  Sache  beim  Kurfürstentag  selbst  zu
befördern  und  bei  Kursachsen,  Kurbrandenburg  und  auch  Kurmainz,
welcher  Kurfürst  als  „Liebhaber  des  Friedens‘  berühmt  ist,  zu  unterbauen,
damit  dies  schwere  Werk  künftig  mit  gemeinem  Zutun  vollendet  und  das
Vertrauen  endlich  wiedergebracht  werde.  —  Unter  den  Mitteln  zur
Abschaffung  der  Beschwerden  wurde  auch  die  Wiederholung  der  Gesandtschaft
  nach  Prag  erwogen.  Man  hat  aber  für  gut  befunden,
zuvor  den  Ausgang  des  Kurfürstentags  abzuwarten,  und  hat  der
Diskretion  des  Administrators  anvertraut,  nach  Beendigung  des  Kurfürstentags
  eine  Zusammenkunft  der  benachbarten  unierten  Fürsten  und
der  ausschreibenden  Städte  anzustellen,  um  dort  zu  berichten,  was  beim  Kurfürstentag
  wegen  der  Gravamina  vorgegangen  sei,  und  dann  zu  beschliessen,
ob  man  dieSchickung  an  den  kaiserlichen  Hof  geschehen  lassen  wolle,  allenfalls
  auch  um  die  Instruktion  dazu  verfassen  zu  lassen.  Solche  Schickung
würde  um  so  notwendiger  sein,  wenn  beim  Kurfürstentag  nichts  Erspriessliches
  ausgerichtet  würde  oder  wenn  der  Tag  wegen  der  erfolgten

'  No.  315.

?  Bescheid  der  Unionsstände  auf  die  Werbung  der  kaiserlichen  Kommissarien
  am  4./14.  August  in  no.  318.  —  Replik  der  kaiserlichen  Kommissarien
am  5  ,15.  August,  Anm.  1  auf  8.  749.  —  Unterredung  der  Deputierten  mit
den  kaiserlichen  Kommissarien  am  7./17.  August  in  no.  822.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd  49
        <pb n="792" />
        770  1611  330.

August  29,  Vergleichung  zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König  ganz  zurückgienge.  Geht
die  Schickung  vor  sich,  so  soll  sie  auf  Bitten  sämtlicher  Stände  wieder
Fürst  Christian  von  Anhalt  übernehmen  und  wären  ihm  dieselben  Räte
beizugeben,  die  mit  ihm  in  Prag  waren.  —  Man  ist  auch  stets  der
Meinung  gewesen,  dass,  wenn  das  Haus  Sachsen  sich  der  gemeinen
Beschwerden  annehmen  würde,  man  desto  leichter  zum  Ziel  käme.
Nun  gibt  der  jüterbogker  Vertrag  Hoffnung,  dass,  wenn  Sachsen  von  der
Absicht  der  Unierten  gründlich  unterrichtet  wird,  der  Kurfürst  nicht
nur  beim  Kurfürstentag  gute  Dienste  leisten  sondern  sich  gleichfalls
  zu  einer  Schickung  nach  Prag  bestimmen  lassen  werde;  daher  ist
für  gut  befunden  worden,  dass  nach  Beendigung  des  Unionstages  einer
der  unierten  Fürsten  zu  Kursachsen  reisen,  ihm  die  Verhandlungen  mit
den  kaiserlichen  und  königlichen  Gesandten  und  die  andern  Vorgänge,
besonders  was  wegen  der  Gravamina  beschlossen  worden  ist,  berichten  und
den  Kurfürsten  bitten  soll,  sich  dies  Werk  beim  Kurfürstentag  angelegen
sein  zu  lassen  und  im  vorerwähnten  Fall  seine  Räte  der  Schickung
nach  Prag  beizuordnen.  Der  Markgraf  von  Ansbach  hat  es  auf  sich
genommen,  diese  Reise  entweder  persönlich  zu  tun  oder  eine  genehme
Persönlichkeit  zum  Kurfürsten  zu  schicken.  —  Das  Anbringen  de
Königs  von  Ungarn  und  der  Bescheid  darauf  sind  aus  den  Beilagen
ersichtlich.!

Die  evangelische  Bürgerschaft  der  Stadt  Aachen  hat
ihre  Bedrängung  durch  den  katholischen  Rat  wegen  ihres  Bekenntnisses
vorgebracht  und  gebeten,  sich  ihrer  anzunehmen.  Man  konnte  aber
der  Sache  Beschaffenheit,  besonders  wegen  des  Aufstandes,  nicht
genau  erkunden  und  hat  deshalb  nur  ein  Schreiben  an  die  Possidierenden,
  die  dabei  auch  interessiert  sind,  gerichtet.”  Da  aber  die  Prozesse
  gegen  diese  Stadt  stets  für  ein  gemeines  Gravamen  gehalten  worden
sind,  80  soll  man  auch  dieser  Sache  sowol  bei  der  geplanten  Schickung
an  den  kaiserlichen  Hof  wie  auch  beim  Kurfürstentag  gedenken,  besonders
aber  bei  der  Schickung  an  Kursachsen,  der  an  die  eifrige  Fürsorge
seiner  Vorfahren  für  Aachen  und  an  die  Rechte  der  Herzoge  von
Jülich  in  Kirchen-  und  Schulsachen  dortselbst  zu  erinnern  wäre,  damit
er  hierin  neben  Kurpfalz  und  Kurbrandenburg  "beim  Kurfürstentsg
gute  Dienste  tue.  —  Es  ist  auch  vorgekommen,  dass  die  evangelische
Bürgerschaft  von  Köln  vom  dortigen  Rat  mehr  denn  je  bedrängt
werde.  Die  bisherigen  Interzessionen  haben  aber  nichts”  gefruchtet
und  am  Kammergericht  sind  keine  Prozesse  zu  erhalten;  daher  sieht
man  kein  anderes  Mittel,  sich  der  Bedrängten  anzunehmen,  als  künftig
bei  den  Gravamina  und  bei  einer  allfälligen  Deklaration  des  Religions
friedens  ihrer  zu  gedenken,  unterdessen  aber  die  Possidierenden  zu
ersuchen,  Mittel  zur  Hilfeleistung  vorzuschlagen.  —  Da  der  Misverstand

.-—   —o  lo...

ı  Vgl.  no.  805,  Anm.  1  auf  S.  709  und  Anm.  2  auf  S.  714.
”  Vgl.  no.  305,  S.  720,  Aum.  3.
        <pb n="793" />
        330.  1611  771

zwischen  dem  Herzog  und  der  Stadt  Braunschweig  bis  zur  Achts-  August29.
erklärung  gegen  diese  gediehen  ist  und  daraus  ein  gefährliches  Feuer  im
Reich  entstehen  könnte,  so  haben  die  Unierten  auch  dieser  Sache  nachgedacht,
  aber  befunden,  dass  ihrer  am  besten  beim  Kurfürstentag
zu  gedenken  sei  und  dass  Kurmainz  und  Kurbrandenburg  zu  ersuchen
wären,  den  Herzog  nochmals  zur  Güte  bewegen,  wie  er  ja  einer
gütlichen  Interposition  nicht  abgeneigt  sein  soll;  einstweilen  könnte
man  erfahren,  was  der  niedersächsische  Kreis  deshalb  tun  will.  Es  baben
auch  inzwischen  die  braunschweigischen  Räte  die  Achtserklärung  verschiedenen
  unierten  Ständen  zugeschickt  und  begehrt,  sich  der  geächteten
Stadt  nicht  anzunehmen,  worauf  diese  Stände  bei  der  Union  angefragt  haben,
wie  sie  sich  zu  dieser  Insinuation  und  dann  zur  förmlichen  Publikation
der  Acht  durch  kaiserliche  Herolde  verhalten  sollen?  Man  bat  dafür  gehalten,
  die  Insinuation  durch  die  Räte  für  ein  blosses  Privatwerk  anzusehen,
im  andern  Fall  es  aber  wie  bei  der  Achtserklärung  gegen  Donauwörth
zu  halten;  doch  wurden  die  Städte  erinnert,  dass  ihre  Bürger  wegen
der  Kommerzien  sich  etwas  vorsehen  sollen.  —  Auch  die  evangelischen
Untertanen  im  Stift  Bamberg  haben  der  Union  ihre  Bedrängnis  goklagt!
  und  umHilfe  gebeten;  man  hat  um  ihretwillen  an  den  Bischof  von
Bamberg,  an  das  Kammergericht  und  an  den  Herzog  von  Coburg  geschrieben.
  ”—  Dem  Grafen  Jobann  Georg  von  Hohenzollern  wurden  wegen
einer  Erbforderung  an  seine  Vettern  Fürschreiben  an  den  Kaiser  und  an
den  König  von  Ungarn  und  ein  Erinnerungsschreiben  an  seine  Vettern
gewährt.”  —  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  will  beim  nächsten
polnischen  Reichstag  zu  Warschau  die  preussische  Belehnungssache
völlig  richtig  machen  und  hat  gebeten,  dass  die  Unierten  sich  dieser
Sache  durch  eine  Schickung  und  durch  Interzessionsschreiben  annehmen.
Da  die  Städte  nur  zu  einem  Interzessionsschreiben  bevollmächtigt  waren,
auch  die  Zeit  zu  einer  Schickung  zu  kurz  gewesen  wäre,  so  hat  man
sich  zweier  Interzessionsschreiben  an  den  König  und  die  Reichsstände
von  Polen  verglichen.*  —  Ein  Hilfegesuch  der  Stadt  Genf  wurde  laut
Beilage  beantwortet.5

Da  endlich  die  vordem  beschlossene  Refutation  der  „donauwörthischen
  Relation“  fertig  ist,  aber  noch  ein  Teil  der  deshalb  an
das  Direktorium  einzuschickenden  Gutachten  aussteht,  so  sollen  zur
Beförderung  des  Druckes  die  noch  mangelnden  Gutachten  dem
Direktorium  oder  der  württembergischen  Kanzlei  binnen  sechs  Wochen
eingesandt  werden.  Nach  Verlauf  dieser  Frist  ist  die  Schrift
von  Württemberg,  Oettingen  und  Ulm  nochmals  durchzusehen  und
darauf  die  Drucklegung  zu  veranlassen;  zugleich  hat  man  sich  eines

ı  Vgl.  no.  321.
?  Vgl.  no.  321,  8.  753,  Anm.  1.
®  Sämtliche  Schreiben  vom  12./22.  August  (Mb.,  119/56,  f.  35,  37,
95;  Kpte.).
Vgl.  no.  305,  S.  719,  Anm.  1.
®  Vgl.  no.  305,  8.  718,  Anm.  2.

49*
        <pb n="794" />
        112  1611  330—331.

August29.  Titels  der  Refutationsschrift  zu  vereinbaren,  ihn  dracken  und  bei
nächster  frankfurter  Herbstmesse  verbreiten  zu  lassen.  Signatum
Rotenburg  uf  der  Tauber  den  19.  augusti  im  jahr  1611.

Mb.,  119,2,  f.  218;  Kpt.  von  Hausmann  mit  Zusätzen  von  Camerariss.  —  Sig-Unionsacta,
  tom.  X.,  f.  408;  württembergisches  Original.

August29  331.  Erster  Nebenabschied  des  Unionstages  zu  Rotenburg.

Der  Administrator  der  Kurpfalz  bat  den  Unierten  nicht  nur  durch
die  Nachschrift  seines  zweiten  Ausschreibens  sondern  auch  in  der  Proposition
  des  Unionstags  berichten  lassen,  dass  bei  künftigem  K  urfürstentag
einige  Punkte  beraten  werden  sollen,  an  denen  nicht  nur  den  uniertea
sondern  allen  evangelischen  Ständen  gelegen  sein  möchte,  weshalb  er
darüber  der  Unierten  Gutachten  begehrt,  damit  er  sich  darnach  zum
Besten  der  Union  richten  kann.

Diese  Punkte  sind:  1.  Der  Kaiser  könnte  seit  den  Veränderungen
in  Böhmen  für  sich  selbst  oder  auf  Erinnerung  einiger  Beichsständ
auf  den  Gedanken  kommen,  seine  Residenz  ins  Reich  zu  verlegen;
wie  sollen  sich  die  Unierten  dazu  stellen,  zumal  in  diesem  Fall  und
wegen  der  Abtretung  der  Königreiche  und  Erbländer  an  den  König
der  Unterhalt  des  Kaisers  den  Reichsständen  zufallen  würde?  2.  Der
Kaiser  und  einige  Stände  dürften  auf  BReassumtion  des  vorigen  oder
Bewilligang  eines  neuen  Reichstags  dringen;  was  erfordert  hiebei  die
Notdurft  der  Union?  3.  Was  ist  beim  Justizpunkt  zu  bedenken?
4.  Wie  ist  den  Gravamina  abzuhelfen  ?

Die  Gedanken  der  Unierten  waren  zu  1.:  Man  darf  es  nicht  dahin
kommen  lassen,  dass  der  Kaiser  seine  Residenz  im  Reich  anstellt;
denn  der  Unterhalt  für  ihn  würde  den  Reichsständen  zuwachsen,  die  durch
die  vielfältigen  Steuern  und  durch  das  von  den  bösen  Räten  des
Kaisers  verursachte  Kriegswesen  ohnehin  ganz  ausgemattet  sind  und
unmöglich  eine  weitere  wahrscheinlich  dauernde  Belastung  auf  sich
nehmen  können.  Da  noch  andere  Inkonvenientien  sich  daraus  ergeben
möchten,  besonders  dass  die  Gesandten  des  Papstes  und  Spaniens
noch  mehr  heraus  nach  Deutschland  kommen  und  ihre  Praktiken
noch  stärker  üben  würden,  so  mögen  sämtliche  Kurfürsten  dahin  sahen,
dass  die  Verlegung  der  Residenz  verhindert  und  damit  zugleich  verhütet
werde,  dass,  wenn  der  Vergleich  zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König
nicht  zu  stande  käme  oder  nicht  gehalten  würde,  „sedes  belli“  ın
das  Reich  gezogen  werde.  —  Zu  2.:  Die  Unierten  wissen  nichts
von  einer  Prorogation  des  1608  zerschlagenen  Reichstags  und
glauben  daher  nicht,  dass  die  Kurfürsten  eine  solche  Beassumtion,
wenn  sie  von  ihnen  begehrt  würde,  zulassen  sollen;  sie  sollen
auch  wenn  möglich  den  Konsens  zu  einem  neuen  Reichstag
verweigern  oder  die  weltlichen  Kurfürsten  sollen  es  wenigstens
dabin  richten,  dass  bei  einem  künftigen  Ausschreiben  der  „punctus
iustitiae  und  gravaminum“  allen  andern  vorgezogen  und  vor  dessen

ı  Vgl.  F.  Stieve,  Kampf  um  Donauwörth,  S.  423.
        <pb n="795" />
        331—  332.  1611  173

Erörterung  zu  keiner  andern  Handlung  geschritten  werde.  Und  da  bisher  kein  August  29.
Mittel  hat  haften  wollen,  um  zur  Abhilfe  der  vielen  Beschwerden,
besonders  derer,  die  in  des  Kaisers  Hand:  liegen,  zu  kommen,  so

haben  die  Unierten  sich  nochmals  dahin  geeinigt  und  die  Bestimmung

aller  vorigen  Abschiede  einhellig  wiederholt,  sich  bei  einem  künftigen
Reichstag  weder  in  eine  Beratung  einzulassen  noch  die  geringste  Kontribution

  zu  bewilligen,  bevor  nicht  den  Beschwerden  abgeholfen  und

der  Justizpunkt  richtig  gemacht  ist.  —  Zu  38.  und  4.:  Diese  Punkte

fallen  mit  dem  vorigen  zusammen;  ausserdem  ist  deshalb  noch  auf

den  dritten  Hauptpunkt  des  Hauptabschiedes  zu  verweisen.

Der  Administrator  erbot  sich,  beim  Kurfürstentag  diese  Punkte
in  Acht  zu  nehmen.  Da  er  aber  dort  nicht  alles  allein  erheben  kann,
so  soll  dieser  Nebenabschied  auch  Kurbrandenburg  mitgeteilt  und
der  Kurfürst  gebeten  werden,  zur  Erreichung  des  Zweckes  nicht  nur
das  seine  zu  tun  sondern  deshalb  auch  bei  Kursachsen  zu  unterbauen,
damit  durch  einhellige  Consilia  erlangt  werde,  was  bisber  durch
Schreiben  und  Schickungen  nicht  hat  ausgerichtet  werden  können.  Und
weil  der  Administrator  mit  Kurmainz  in  guter  Korrespondenz  steht,
so  möge  er  vor  und  während  des  Kurfürstentages  auch  mit  diesem  Kurfürsten
  von  den  Sachen  vertraulich  reden  und  ihn  dahin  stimmen,
dass  er  mehr  auf  des  Reiches  und  der  Stände  Wolfahrt  als  auf
andere  Erwägungen  sein  Absehen  habe.  Signatum  Rotenburg  uf  der
Tauber  den  19.  augusti  a.  1611.

Mb.,  119|2,  f.233;  Kpt  von  Hausmann  mit  Zusätzen  von  Camerarius.  —  Stg.,
Unionsacta,  tom.  X.,  f.  539;  Or.

332.  Zweiter  Nebenabschied  des  Unionstages  zu  Rotenburg.  August29.

Abschied  über  die  Punkte,  die  in  Abwesenheit  der  Städte  unter  den
Höheren  verglichen  wurden:  1.  Einnahme  der  Grafen  und  Herrn.  Da
gemäss  den  im  Hauptabschied  getroffenen  Bestimmungen  sowol  das  Aufnehmen
  der  Union  als  die  Praeeminenz  der  Kurfürsten  und  Fürsten  in
Acht  zu  nehmen  ist,  so  ist  verglichen  worden,  bei  der  Einnahme  der  Grafen
darauf  zu  sehen,  dass  nicht  etwa,  wie  beiandern  Bünden  geschehen  ist,  durch
Uebereinstimnung  der  niederen  Stände  die  höheren  gefährdet  werden  und
dadurch  Ungelegenheiten  und  schliesslich  Trennungen  sich  ergeben.  Der
Administrator,  dem  die  Handlung  mit  den  Grafen  übertragen  ist,  wird  dies
zu  beachten  wissen  und  wird  sich  zur  Norm  nehmen,  was  wegen  der  Voten
mit  den  Grafen  und  Städten  zu  Schwäbisch-Hall  verhandelt  worden  ist.1
Daneben  möge  er  auch  dahin  sehen,  dass  die  Grafen  auch  die  bereits
verfallenen  Unionsmonate,  die  zur  Defension  aller  evangelischen  Stände,
also  auch  der  Grafen  aufgewendet  worden  sind,  neben  der  laufenden  Quote
in  billigen  Fristen  erlegen.  —  2.  Man  hat  das  Schreiben  des  Erzherzogs
  Leopold  an  das  strassburger  Domkapitel  wegen  des  elsässer  Zuges
nicht  als  genügende  Ratifikation  des  willstätter  Akkords  sondern

ı  Vgl.  Briefe  und  Akten,  IIL,  no.  19,  8.  38  f.
        <pb n="796" />
        774  1611  332.

August29.  nur  ala  eine  Vollmacht  zu  solcher  Vergleichung  ansehen  können,  weshalb
beschlossen  worden  ist,  den  Herzog  von  Lothringen  zu  ersuchen,  das
er  das  Domkapitel  auffordere,  eine  vollkommene  Ratifikation  beim
Erzherzog  auszubringen  und  dem  Administrator  zu  überschicken,  der
bis  dahin  die  Originalobligation  des  Domkapitels  in  Händen  behalten
soll.!  —  3.  Der  Herzog  von  Württemberg  hat  in  einem  Memorial
um  Assistenz  und  Fürschreiben  wegen  seines  vom  Hause  Burgund
und  vom  Parlament  zu  Döle  angefochtenen  Besitzes  der  freien
Herrschaften  in  der  Grafschaft  Mömpelgard  gebeten”  Nach  eingeholter
  Zustimmung  der  abwesenden  Stände?  soll  dem  Administrator
Vollmacht  aufgetragen  werden,  einen  seiner  Räte  zu  der  auf  de
6./15.  November  anberaumten  gütlichen  Handlung  abzufertigen  ;  zugleich
hat  der  Administrator  sich  erboten,  die  Sache  auch  beim  Kurfürstentag
in  Acht  zu  nehmen;  auch  werden  die  erbetenen  Schreiben  Württemberg
bewilligt.“  —  4.  Der  Markgraf  von  Baden  hat  den  unierten  Fürsten
mitgeteilt,  dass  der  Kurfärst  von  Trier  willens  sein  soll,  den  ältesten
von  den  eickenschen  Kindern  auf  den  Kurfürstentag  zu  bringen.  Der
Markgraf  besorgt  davon  für  sich  und  den  ganzen  Fürstenstand  ein  grosses
Praejudiz  und  ersucht  den  Administrator,  ein  solches  verhüten  zu  helfen.’
Der  Administrator  hat  sich  dazu  bereit  erklärt;  ausserdem  haben  die
unierten  Fürsten  deshalb  an  Kurbrandenburg  geschrieben.€  —  5.  Herzog
Friedrich  Casimir,  Statthalter  des  evangelischen  Domkapitels  zu
Strassburg,  hat  durch  Schreiben  ”  und  mündlich  die  unierten  Fürsten

ı  Vgl.  no.  305,  S.  707,  Anm.  1  und  das  Schreiben  des  Administrator
der  Kurpfalz  an  den  Herzog  von  Lothringen  vom  2./12.  August,  das  obigem
Beschluss  entspricht  (Mb.,  342/1,  f.  121;  Kopie:.

’  Vgl.  no.  305,  S.  719,  Anm.  2.

®  Diese  wird  in  der  Nachschrift  eines  Schreibens  der  unierten  Fürsten
an  Kurbrandenburg  und  an  den  Landgrafen  von  Hessen-Cassel  am  21./31.  August
eingeholt  und  zugleich  Vollmacht  für  den  Administrator  erbeten  (Mb.,  342  1,
f.  123;  Kopie.)

*  Am  21./31.  August  schreiben  die  unierten  Fürsten  au  Erzherzog
Albrecht,  die  Beschwerung  Württembergs  durch  das  Parlament  von  Ike
abzustellen,  die  Prozesse  einzustellen  und  die  brüsseler  Handlung  abzuwarten
(Mb.,  342/1,  f.  126;  Kopie).  29.  Juli

.  Ju

5  Schreiben  des  Markgrafen  an  die  Unierten  vom;  August  (Mb.,  119  2,

f.  115;  Kopie.  Wegen  der  Streiteache  vgl.  no.  15,  8.  36,  Anm.  1.

°  Am  1./1l.  August:  Empfehlung  der  Sache  des  Markgrafen,
an  der  allen  kurfürstlichen  und  fürstlichen  Häusern  pelegen  ist;  die
Unierten  baben  sich  desbalb  auch  an  Kursachsen  gewendet.  Würde
das  Suchen  der  eickenschen  Kinder  zum  Nachteil  der  Erbfolge  zugelassen
werden,  so  könnte  daraus,  —  zumal  es  sich  um  Erweiterung  des  leidigen
Papsttums  und  um  Schwächung  der  evangelischen  Fürstenhäuser  handelt,  —
künftig  der  Ruin  des  evangelischen  Fürstenstandes  erfolgen  (Mb.,  3421,
f.  127;  Kopie).

26.  Juli

Schreiben  vom  5  August’  Die  evangelischen  Kapitularen  haben  sich

seit  siebenundzwanzig  Jahren  ihrer  papistischen  Gegner  erwehrt;  es  liegt  aber
dem  gemeinen  Religionswesen  viel  daran,  dass  nicht  nach  Ablauf  der  noch
        <pb n="797" />
        332—333.  1611  175

um  Unterstützung  der  evangelischen  Kapitularen  in  Strass-August29.
burg  bitten  lassen;  wegen  Abwesenheit  einiger  Stände  hat  man  aber
diese  Sache  zu  besserer  Gelegenheit  gestellt  und  dies  dem  Statthalter  mitgeteilt.!
  —  6.  Dem  Landgrafon  Moriz  von  Hessen  hat  man  auf  dessen
Entschuldigungsschreiben  wegen  des  unterlassenen  Besuchs  des
Unionstags  die  Beschaffenheit  der  Unionsverfassung  schriftlich  vorgestellt,?
  wovon  man  bei  ihm  grösseren  Fleiss  in  der  Besuchung  oder  Beschickung
  solcher  Tagungen  erhofft.  —  7.  Es  haben  sich  die  Stände  des
untern  Elsass  einer  gemeinsamen  Streifung  gegen  die  gartenden
Kriegsknechte  verglichen;  zu  gleicher  Streifung  haben  die  bischöflich
speirischen  Amtleute  die  kurpfälzischen  ersucht.  Man  hat  wegen  dieser
Streifungen  für  gut  angesehen,  dass  sie  jeder  unierte  Stand  für  sich
in  seinem  Land  vornehme,  doch  dass  die  Landstreicher  über  die  Grenzen
in  das  Gebiet  „nicht  unierter‘‘  Stände  gewiesen  und  unverdächtige  und
ehrliche  Soldaten  nach  Möglichkeit  verschont  werden;  einer  durchgehenden
gemeinen  Streifung  hat  man  sich  zur  Zeit  nicht  vergleichen  können.

Signatum  Rotenburg  uf  der  Tauber  den  19.  augusti  a.  1611.
Mb.  11913,  f.  229;  Kpt.  von  Camerarius.  —  Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  1.508;  Or,

333.  Dritter  Nebenabschied  des  Uniontags  zu  August  29.
Rotenburg.

Beim  Punkt  der  Korrespondenz  mit  den  fremden  Potentaten
wurde  berichtet,  was  Fürst  Christian  von  Anhalt  vermöge  des  ihm
zu  Schwäbisch-Hall  erteilten  Auftrages  bei  den  Königen  von  Frankreich
und  England  und  bei  den  Generalstaaten  geworben  hat,  was  durch
den  Administrator  der  Kurpfalz  als  Pfalzgrafen  von  Zweibrücken  beim
jungen  König  und  bei  der  Königin-Regentin  von  Frankreich  und
durch  Herzog  Ludwig  Friedrich  von  Württemberg  und  dessen  zugeordneten
  Räten  wieder  bei  England  und  den  Generalstaaten  verrichtet

übrigen  acht  Jahre  des  „Anstandes*  die  Gegner  ihre  Absichten  unversehens
durchsetzen.  Das  wird  verhindert,  wenn  im  strassburger  Bruderhof  wenigstens
zwei  bis  drei  Kapitularen  unterhalten  werden,  wozu  die  Unierten  einen  jährlichen
Beitrag  für  die  Dauer  des  Anstandes  leisten  mögen  (Mb.,342/1,  f.  129;  Kopie).

!  Die  Unierten  weisen  den  Statthalter  auf  die  Verhandlungen  mit
den  kaiserlichen  Gesandten  wegen  der  allgemeinen  Beschwerden  hin,  unter
denen  die  strassburger  Stiftssache  nicht  die  geringste  ist;  durch  Interposition
der  Stände  wird  hoffentlich  dem  Hauptwerk  abgeholfen  werden.  Der  Statthalter
  möge  sein  Anbringen  bei  den  Kurfürsten  wiederholen,  nehmen  sich
diese  der  Sache  an,  so  werden  die  andern  evangelischen  Stände  gerne  folgen
(Schreiben  vom  19./29.  August  in  Mb.,  342/1,  f.  131;  Kopie).

?  Undatiertes  Schreiben  ale  Antwort  auf  das  in  no.  305,  8.  707,
Anm.  2  erwähnte;  zugleich  werden  damit  die  Abschiede  der  besonderen
Verhandlungen  unter  den  unierten  Fürsten  zur  Ratifikation  überschickt  und
dabei  erinnert,  dass,  wenn  ein  Fürst  auf  einem  Unionstag  nicht  persönlich
erscheinen  kann,  er  einem  andern  Fürsten  Vollmacht  auftragen  soll,  der
seine  Stelle  zu  vertreten  hat,  wenn  Dinge  vorkommen,  die  allein  vor  die
Fürsten  gehören  (Mb.,  342/1,  f.  133;  Kopie).
        <pb n="798" />
        776  1611  333—334.

August29.worden  ist.  Darauf  wurde  einhellig  beschlossen,  dem  König  von
Frankreich  und  dessen  Mutter  wegen  der  vor  Jülich  geleisteten
Hilfe  namens  der  unierten  Kurfürsten  und  Fürsten  nochmals  zu  danken!  —
Der  König  von  Englaud  hat  auf  wiederholtes  Ersuchen  Artikel
entwerfen  lassen,?  auf  Grund  deren  er  geneigt  ist,  sich  mit  der  Una
in  Korrespondenz  einzulassen,  und  hat  seinen  Gesandten  im  Haag
bevollmächtigt,  darüber  zu  handeln  und  zu  schliessen  und  sich  dan
bei  nächstem  Unionstag  einzufinden.  Man  hat  daher  diese  Artikel  erwogen
und  sie  mit  Anmerkungen  versehen;  ?  zugleich  hat  man  beschlossen,
sich  schriftlich  sowol  beim  König  wie  beim  Gesandten  zu  entschuldigen.
dase  man  diesen  wegen  der  Verschiebung  des  Termins  nicht  zum  Unionstag
  babe  laden  können,  und  sich  bereit  zu  erklären,  zur  Abhandlung  der
Artikel  Bevollmächtigte  an  einen  vom  englischen  Gesandten  zu  bestimmaden
  Ort  binnen  zwei  Monaten  abzuordnen.  Zur  Beförderung  der  Sache
sind  der  Administrator  und  der  Herzog  von  Württemberg  ersucht
worden,  die  Korrespondenz  mit  England  durch  geeignete  Räte  nı
reassumieren,  wozu  ihnen  von  den  Anwesenden  Vollmacht  erteilt  winl
Um  die  Vollmacht  auch  von  den  abwesenden  Ständen  zu  erlangen,
soll  der  Administrator  diesen  Nebenabschied  an  Kurbrandenburg,  Neburg
  und  Hessen  mitteilen.  Als  Ort  der  Verhandlung  ist  Wesel  oder  Clemw
ins  Auge  zu  fassen.  Da  der  König  von  England  die  Artikel  in  fraszösischer
  Sprache  hat  abfassen  lassen,  soll  die  Handlung  in  dieser  Sprache
fortgesetzt  werden.  Damit  endlich  dem,  was  mit  England  abgehandelt
wird,  auch  wirklich  nachgesetzt  und  den  Versprechungen  genügt
wird,  soll  jeder  Stand  sich  mit  der  dazu  gehörigen  Anlage  gefasst
halten  und  sie,  wenn  es  nötig  befunden  wird,  an  einem  bestimmten
Ort  deponieren;  gegen  die  Säumigen  ist  aber  mit  den  in  der  Union
vorgesehenen  Mitteln  zu  verfahren.  Signatum  Rotenburg  uf  der
Tauber  den  19.  augusti  a.  1611.

Stg.,  Unionaacta,  tom.  X,  f.  983;  Or.

August30.334.  Domdechant  Adam  Wolf  genannt  Metternich  an
Herzog  Maximilian  von  Baiern.
Die  vornehmste  Ursache  des  Bes  uches  von  Kurmainz  beim  Bischof

von  Speier  war,  wegen  des  Wahl-  und  Krönungstages  allerlei  zu
besprechen.®  ,„Vnd  befint  ich  Meinz  allerdings  resoluirt,  dass  die

!  Vgl.  no.  305,  S.  729,  Anm.
?  Vgl.  no.  305,  8.  728,  Anm.
°  Vgl.  no.  305,  S.  728,  Anm.
‘4  Vgl.  no.  338,  S.  783,  Anm.  °.
5  Der  Besuch  wurde  zwischen  17.  und  22.  August  zu  Eidenheim  unter
reichlichen  Libationen  ausgeführt,  wie  ein  anderer  Gewäbrsmann,  Johanz
Brackenhofer,  dem  Kanzler  des  Erzherzogs  Maximilian,  Melchior  Geuer,  berichtet
  (Bericht  vom  23.  August  aus  Speier;  Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiren
vom  September  1611,  zu  no.  9;  Or.  eigb.).  Als  Zweck  der  Reise  des  Karsmno
        <pb n="799" />
        334.  1611  7

wahl  eines  römischen  königs  sol  fürgehenn;  glaub  auch,  wanss  August  30.
dernselbenn  nach  irem  sin  ginge,  es  moecht  auff  erzherzogen  Leopoldum
gehenn  !;  beklagen  aber  zum  hoschstenn,  dass  man  ihrem  rhaedt  nicht
gefolgdt  vnd  dardurch  groesse  hindernuss  verursachet.“  Andere  meinen,
dass,  so  lange  der  Kaiser  lebt,  es  vergebens  sein  werde;  „dan  ob  man
woel  anlass  gebe  als  dass  man  nichsts  anders  beger,  so  habe  doch
dasselbe  solche  haekel,  dass  man  nicht  werte  fortkunnen,  vnd  dieweil
dissen  Trier  humor  zimlich  bekant,?  moecht  ihrer  meinungh  nach  der
entlicher  ausschlagh  lichtlich  fhallen  vnd  also  vil  zeit  vnd  kosten
vergebs,  wie  mermalen  geschehenn,  angewent  werdenn.‘‘  —  Ich  habe  auf
E.  fl  D.!  Schreiben  vom  25.  Juli®  noch  nicht  geantwortet,  weil  ich
unter  diesen  Umständen  noch  nicht  sehe,  wie  der  Sache  recht  zu
tun  wäre;  überall  finde  ich  etwas,  was  mich  hindert;  bei  den  meisten
schlägt  man  ins  Wasser.  Den  Weg,  dem  bevorstehenden  Unheil
vorzubauen,  werden  diejenigen  finden,  die  Macht,  Eifer  und  Verstand
vereinen.  —  Mainz  erzählt,  dass  der  Anhalter  bei  ihm  gewesen  sei
und  ihm  bekannt  habe,  „dass,  wan  ers  nicht  verhindert,  so  were  es
vber  alle  stiffter  gangen,  dann  graff  Johann  von  Nassaw  habs  gantz
vnd  gar  darauff  richten  wollen;  damit  es  aber  verhindert  wurde,  habe
er  sich  in  die  hendel  geswungen.“  Daraus  sieht  man,  worauf  alle  Consilia
giengen  und  was  das  Conclusum  war.  „Vnd  haldt  ich,  diss  sei  nhun
ein  sonderer  griff,  sich  widder  einzubringen,  damit  man  allerhandt  sachen
erlernen  vnd  zu  gelegener  zeit  mit  erspreislicher  effect  ihrerseits  durchdringen
  moege‘‘;  auf  unserer  Seite  sehe  ich  aber  wenig  Vorkehrungen.
Alles  Unheil  dürfte  aus  uns  selbst  erwachsen.  „Were  es  muglich,
dass  vnsere  oberen  durch  ein  concilium  ader  nationale  ader  prouinctiale
ein  rechte  reformation  bei  den  ertz-  vnd  andern  stifftern  anstelleten,
dass  zum  wenigesten  die  gar  grobe  mengel  aibgeschaifft  wurden,  so
moecht  man  hoffnungh  haben“;  aber  ich  finde  nicht  nur  bei  uns  in

fürsten  bezeichnet  Metternich  im  nächsten  Schreiben  an  den  Herzog  vom
6.  September  die  Absicht,  den  Bischof  zu  überreden,  mit  auf  den  Kurfürstentag
  zu  kommen,  was  dieser  aber  ablehnte  (Ma.,  112/1,  f.  102,  Or.).

2  Metternich  irrt  bierin,  wie  aus  no.  273,  8.  629,  Anm.  1  hervorgeht,
wenn  auch  die  Beziehungen  zwischen  dem  Kurfürsten  und  dem  Erzherzog
noch  fortdauerten  und  Kurmainz  von  verschiedenen  Seiten  gebeten  wurde,
sich  zu  dessen  Gunsten  bei  König  Matthias  zu  interponieren  (Herzog  Maximilian
  von  Baiern  an  Kurmainz  am  2.  August,  Kurmainz  an  König  Matthias
am  9.  August,  Erzherzog  Ferdinand  an  Kurmainz  am  14.  August,  sämtliche
Schreiben  in  Ma.,  111/11;  —  Kpt.,  resp.  Or.  und  Kopie).  —  Zu  Brackenhofer,
der  wol  im  Auftrag  des  Erzherzogs  Maximilian  Kurmainz  wegen  der  Königswahl
zu  sondieren  hatte,  äusserte  der  Kurfürst:  er  sei  von  dem  löblichen  Haus
Oesterreich  wiederholt  ersucht  worden,  es  sich  bei  dem  vorgelaufenen  Unwesen
befohlen  sein  zu  lassen;  er  sei  diesem  Haus  ohnehin  stets  zugetan  gewesen  und
wolle  es  noch  sein,  „wo  sich  allainig  (verba  formalia)  dasselbe  auch  acoomodieren
und  besser  uf  sich  sehen  werde  und  was  zur  befürderung  desselben  gereichen
mechte,  so  vil  an  in,  nichts  nit  erwinden  zu  lassen*;  vgl.  Anm.  5  auf  8.  776.

”  Wegen  der  Neigungen  Kurtriers  vgl.  no.  216  und  das  kurpfälzische
Protokoll  in  no.  273,  S.  629,  Anm.  1.

®  Vgl.  no.  292,  8.  676,  Anm.  1.
        <pb n="800" />
        778  1611  334  —  336.

August  30.  Deutschland  sondern  auch  zu  Rom  und  bei  den  Gesandten  [Nuntien]

solche  Mängel  und  Schläfrigkeit,  dass,  wenn  nicht  Gott  andere  Geister
und  Mittel  schickt,  alles  gleichsam  verloren  is.  Datum  Speir  den

30.  augusti  a.  11.
Ma,  112/1,  f.  99;  Or.  eigh.

August31.335.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  den  kur-[August


Ende.  ]

pfälzischen  Grosshofmeister  und  die  Räte.

Kurmainz  hat  uns  die  Verlegung  des  Kurfürstentages  nach
Nürnberg  angezeigt.  „Nun  ist  zwar  nit  ohn,  dass  villeicht  insgemein
besser  sein  solte,  dass  solcher  churfurstentag  für  diessmal  seinen  vortgang  gar
nicht  erreichte.“  Da  es  aber  auch  nicht  ratsam  wäre,  sich  merken  zu
lassen,  „dass  man  diessorts  dessen  hinderbleibung  gern  sehen  möchte,“
so  haben  wir  Kurmainz  erklärt,  uns  von  den  andern  Kurfürsten
nicht  absondern  zu  wollen,!  zugleich  aber  Kurbrandenburg  und  Karsachsen
  geschrieben,?  ob  sie  mit  der  neuen  Malstatt  und  vorigen
Termin  einverstanden  seien,  da  uns  dieser  fast  zu  eng  erscheine.  Es
sind  vorläufig  dieselben  Anstellungen  wie  für  Mühlhausen  zu  treffen.
Datum  Rotenburg  uf  der  Tauber  den  21.  augusti  a.  1611.  —  Praese.

Heidelberg  23.  augusti.
Ma.,  547/14,  f.  252;  Kpt.,  —  f.  350;  Or.

336.  Bericht  der  zum  Unionstag  nach  Rotenburg  abgeordneten
  kaiserlichen  Kommissarien.

Bericht  über  den  Empfang  und  die  Aufnahme.  Die  Fürsten  haben
erklärt,  „dass  die  union  IJ.  ksl.  M.'  nicht  zu  verkleinerung  sondern
vielmehr  zu  manutenirung  deroselben  autoritet  und  hoheit,
wie  auch  der  heilsamen  constitutionen  und  reichsordnungen  angesehen
gewesen  und  noch,  wie  sie  auch  dorumb  I.  ksl.  M.'  die  eingerissenen
mängel  im  regiment  und  beschwerden  (dorin  sie  aber  I.  kel,  M.!  keine
schuld  geben)  durch  die  vor  diesem  beschehene  ansehenliche  abordnung
entdeckt,  dass  sie  dodurch  ire  getreueste  affection,  liebe  und  eifer,
derselben  in  iren  nöten  und  anligen  zu  helfen  und  under  die  arme
zu  greifen,  demonstriren  wollen.  Sei  inen  aber  leid,  dass  es  damals
anderst  aufgenommen  worden  und  es  mit  I.  ksl.  M.'  zu  den  izt  beschwerlichen
  terminis  gerathen  sei,  mit  angeheftem  hohem  erbieten,
dass  sie  I.  M.'  als  ir  höchstes  einiges  haupt  respectirn,  ehren,  lieben

ı  Am  20./30.  August  (Ma.  547/14,  f.  246;  Kpt.).

?  Am  21./31.  August  (Ma.,  547/14,  f.  248;  Kpt.).  In  dem  Schreiben
an  Kursachsen  bedauert  der  Administrator,  dass  sein  Vorschlag  wegen
vorhergehender  Zusammenordnung  der  Räte  der  weltlichen  Kurfärsten
sich  nicht  habe  praktizieren  lassen,  da  sein  höchster  Wunsch  sei,  mit
Sachsen  und  Brandenburg  in  den  Dingen,  die  das  gemeine  evangelisch"
Wesen  angehen,  gute  Korrespondenz  und  einmätige  „Consilia“  zu  haben.
        <pb n="801" />
        336.  1611  779

und  nach  eusserstem  vermügen  dienen  und  an  sich  nichts  erwinden  [August
lassen  wolten,  damit  man  neher  zusammentreten  und  gutes  vertrauen  Ende.]
aufgerichtet  werden  möge,  dohin  auch  dieser  conventus  eigentlich
angesehen  gewesen,  wie  sie  sich  auch  erfreuen  theten,  dass  IL  ksl.  M.!
derselben  ebenmessige  intention  durch  diese  legation  zu  erkennen

geben.

In  specie  hat  sich  pfalzgraf  Johann  hoch  gegen  I.  M.'  und  dass
er  solches  bei  dem  churfürstlichen  collegialtag  und  sonsten  bei  allen
occasionibus  treulich  beweisen  wolle,  erboten.  —  Fürst  Christian  von
Anhalt  hette  sich  ebenmessig  hoch  erboten  mit  andeuten,  dass  er
I.  M.'  vor  diesem  treulich  vor  alle  dem,  so  izo  ervolget,  gewarnet
und  wer  im  leid,  dass  durch  anderer  böser  leute  verhinderung  sein
guter  vorsatz  keinen  effect  erreicht,  I.  M.'  auch  dodurch  in  diese  ungelegenheit
  gerathen  were.  —  Ebenmessiges  erbieten  hette  der  marggraf
  zu  Anspach  getban  und  hette  Anspach  in  specie  angedeutet,
dass  er  oft  occasion  gewünschet,  I.  ksl.  M.'  underthenigste  getreue
affection  zu  erweisen,  wie  er  dann  auch  vor  etzlichen  jaren  in  der  person
sich  gehorsamblich  praesentiren  wollen;  es  weren  ime  alle  zeit  rigel
vorgestossen  worden,  die  ime  seine  wolgemeinte  intention  zu  effectuirn
verhindert,  mit  vermeldung,  dass  der  unierten  intention  allein  dohin
gerichtet,  damit  ruhe  und  frid  im  reich  und  I.  ksl.  M.!  autoritet  und
respect  erbalien  werden  möchte;  es  müste  aber  den  gravaminibus
nach  billichen  dingen  abgeholfen  werden  und  dodurch  würden  I.  M.!
ir  eine  fridsame  regierung  und  immerwehrenden  ruhm  verschaffen
und  die  stände  umb  soviel  mehr  devinciren,  wie  sie  auch  diese  legationem,
dieweil  I.  ksl.  M.*  dohin  auch  inclinirten,  vor  eine  sonderbare  schickung
Gottes  bielten,  und  solten  I.  M.®  versichert  sein,  dass  keiner  under
den  unirten  wer,  so  nicht  begirig  sei,  bei  IL.  ksl.  M.'  das  euserste  zu
tbun.  —  Wirtemberg  hette  sich  gleichsfalls  gar  eiferig  und  hoch
erboten,  auch  mitangehengt,  dass  I.  ksl.  M.'  nach  dem  löblichen
exempel  kaisers  Ferdinandi  dohin  trachten  wolten,  wie  den  beschwerden
möchte  abgeholfen  werden  und  die  heilsame  justitia  wie  auch  andere
gute  und  nuzliche  ordnyag  wider  in  den  gang  möchten  gebracht
werden.  —  Der  marggraf  von  Baden  hette  von  dem  gefehrlichen
zustand  im  römischen  reich  weitleuftig  discurrirt  und  sich  dorneben
verlauten  lassen,  dass  er  I.  M.'  als  sein  einiges  hochgeehrtes  oberhaupt
jederzeit  von  herzen  geliebet  und  venerirt  und  noch  und  dass  er
mit  I.  M.'  wegen  itzigen  zustands  ein  grosses  getreues  mitleiden  trüge,
sich  dorneben  entschuldiget,  dass  er  niemals  wider  I.  M.'  etwas  ungepürlichs
  vorgenommen,  auch  nicht  gesinnet  sei,  etwas  zu  thun,  so
seinen  pflichten  und  schuldigkeit  oder  I.  ksl.  M.!  hochgeehrten  reputation
zuwider  sei  Cum  excusatione:  was  vorgangen,  darzu  weren  sie  wider
iron  willen  genötigt  worden  und  sei  noch  zeit,  diesem  unheil  zu
remedirn,  do  nur  I.  ksl.  M.'  gutherzigen  rath  hören  und  statt  geben
wölle  mit  erbieten,  nach  seinem  vermügen  zu  thun,  wie  die  schuldigkeit
erfordert,“
        <pb n="802" />
        [August
Ende.)

780  1611  336.

Bericht  über  Polheims  Schickung,  dessen  Aufnahme,  Werbung  und
ihm  erteilten  Bescheid;  !  über  den  Bescheid  der  Unierten  auf  die  Werbung
der  kaiserlichen  Kommissarien,?  die  Replik®  darauf  und  die  Unterredung
zwischen  einem  Ausschuss  der  Unierten  und  den  Kommissarien.*  —  „Hierneben
  vermelden  die  commissarii,  als  inmittels  I.  M.'  fernere  orklerung  ankommen,5
  dass  wegen  der  gravaminum  auf  dem  churfürstlichen  collegialtag
  etwas  vorlaufen  möchte,  hetten  die  deputati  solches  ad  referendum
angenommen,  hetten  aber  hernach  ad  partem  weitleuftig  verstanden.
dass  geschlossen,  man  solle  des  tags  erwarten,  aber  doselbst  stark  und
beweglich  entweder  durch  schickung  oder  durch  auftragen  gewalts
herzog  Johann  pfalzgrafen  anmanung  thun  oder,  do  dieser  tag  verschoben
  werden  solte,  dass  man  zu  erorterung  auf  andere  mittel,
wie  diesen  sachen  zu  rathen,  gedenken  müste,  welches  den  ohm
frucht  verbhoffentlich  nicht  abgehen  würde.

Berichten  sonsten  darneben,  dass  sie  sowol  bei  den  fürsten  als
den  städten  gar  gute  affection  gegen  I.  ksl.  M.!  gespürt,  wie  sie
auch  in  iren  votis  I.  ksl.  M.®  löblichen  regirung  rühmlich  gedacht
und,  was  etwa  also  vorgelaufen,  I.  M.'  entschuldigt  und  etzlichen
räthen  imputirt.  Sonsten  vermelden  die  commissarii,  aus  was  ursachen
dieser  conventus  vornemblich  angestelt,  nemblich  dass  sie  rechnungen
abgehört  und  examinirt,  die  unionscapitulation  revidirt  und  keine
werbung  ohne  vorwissen  der  sämptlichen  unionsverwandten  anzustellen
beschlossen  und  auf  künftigen  fall  mit  ansehenlichem  vorrath  gefast
zu  sein  verabschidet;  so  wurden  sich  auch  die  wetterauischen  und
andere  grafen  mit  inen  conjungirn.“

Beim  Abschied  wurden  die  Kommissarien  wieder  sehr  geehrt,
von  den  Fürsten  in  ihren  Quartieren  besucht,  wobei  diese  „voriges
hohes  erbieten  und  embsige  bitte  wegen  der  gravaminum  repetirt
und  darbei  das  löbliche  exemplum  kaisers  Ferdinandi  im  jar  52
hochrühmlich  allegirt  und  fast  so  viel  angedeutet,  dass  auf  solche
weise,  wie  domals  geschehen,  den  ständen  beider  religionen  ex  fundamento
geholfen  werden  könte.“  O.D.

Dre,  1.  7387,  II.  Buch  Kurfürstentags,  f.  183;  Auszug.

’  No.  318.

®  No.  318,  S.  749,  Anm.  1.

*  No.  322.

5  No.  312.

°  Am  2.  September  richtet  der  Kaiser  an  die  Unionsstände  ein  Dankschreiben
  für  die  stattliche  Aufnahme  seiner  Abgesandten  und  für  Jdie  erteilte
Erklärung  an  sie.  Diese  Erklärung  wird  ihm  umso  mehr  Anlass  geben,  aul
Wege  zu  denken,  seine  Fürsorge  für  das  Reich  und  dessen  Stände  im  Werk
zu  erweisen.  Den  Vorschlägen  zur  Aufhebung  des  Mistrauens  und  zur  Be
seitigung  der  Gravamina  will  er  weiter  nachdenken,  wie  er  sich  deshalb
schon  mit  sämtlichen  Kurfürsten  ins  Einvernehmen  gesetzt  hat;  vielleicht
ergeben  sich  noch  andere  Gelegenheiten,  um  das  Mistrauen  zu  beseitigen
und  Einigkeit  zu  erhalten  (Mb.,  119/2,  f.  252;  Or.).  —  Am  kaiserlichen  Hof
war  die  Hoffnung  auf  die  Ergebnisse  dieser  Schickung  keine  geringe:  der
Reichshofratssekretär  Pucher  schreibt  schon  am  25.  August  an  Erzherzog
        <pb n="803" />
        337.  1611  781

337.  Fürst  Christian  von  Anhalt  an  Erzherzog
Maximilian.

Auf  das  Schreiben  vom  21.  August.!  Gegenerbieten  wegen  der
vertraulichen  Korrespondenz.  „Anlangent  aber  die  intention,  alss  ist
die  vorgeweste  alte  iutention  noch  bey  denen,  mit  welchen  ich
vmbgangen,  in  optimo  flore;  die  ander  intention  aber  belangendt,

Maximilian:  „Ich  hoff,  es  seie  neulich  der  weg  zu  ainer  vollkomnen  pacification
im  reich  zu  Rotenburg  an  der  Tauber  zimblich  gespant  worden,  wan  nur
derselbige  weg  für  handen  genomen  und  bei  dem  kunftigen  churfurstlichen
collegialtag  angeneme,  wol  intentionirte  commissarii  und  räth  gepreucht
wurden,  dardurch  allen  ständen  im  reich,  insonderheit  aber  dem  hauss
Oesterreich  wiederumben  aufgeholfen  und  die  wo  nicht  verlorne,  doch  sehr
geschwechte  authoritet  und  reputation  wieder  erlangt  werden  kan“  (Ib.,
Ambraser  Akten,  Missiven  vom  September  1611,  no.  29;  Or.  eigh.)  —  Ganz
anders  lautete  natürlich  das  Urteil  der  Ligisten.  Der  kurmainzische  Grosshofmeister
  Kaspar  von  Eltz  schreibt  am  8.  September  seinem  Herrn,  nachdem
  er  die  Werbungen  der  kaiserlichen  und  königlichen  Gesandten  kennen
gelernt  hatte:  Jene  ist  so  beschaffen,  dass  sie  besser  unterblieben  wäre;
denn  sie  gab  den  Unierten  Ursache,  alles  zu  wiederholen,  was  sie  vordem  wegen  ihrer
Gravamina  beim  Kaiser  gesucht  hatten.  Sie  gaben  dabei  auch  zu  verstehen,
dass,  weil  die  Versprechungen  des  Kaisers  nicht  erfüllt  worden  seien,  man  ihnen
dadurch  Anlass  gegeben  habe,  eine  Verfassung  und  Defension  zu  bedenken
und  zu  den  Waffen  zu  greifen  und  dass  fast  zu  allen  Unruhen  und  Empörungen,
auch  Mistrauen  unter  den  Reichsständen,  der  Kaiser  Ursache  gegeben  habe.
Die  Upierten  bestehen  nochmals  darauf,  den  Kaiser  dahin  zu  bewegen,  „alles
nach  irer  meynung  vnd  fordteyl  zu  corrigiren  vnd  fermerktt  man  so  fil  aus
irer  resolution,  auff  den  wiederichen  fal  I.  M.:  wenich  gehorsams,  ohnerachtt
ingefoerter  gladtter  wort,  bei  inen  zu  gewartten  vnd  alles  durchzudringen
vermeinen,  vnd  hetten  I.  ksl.  M.!  disses  ferweis  vnd  auffropfen  boesen  regementz
  wol  beubricht  bleyben  küennden  vnd  ist  keyn  zweyfel  zu  haben,  das
sie,  die  protestirende  bundschend,  bey  dissem  conuentu  sich  besser  bestercken
vnd  ligiren  werden,  sintemal  inen  sher  wol  bewust,  wie  die  sachen  auff
seydten  der  catholischen  bundschend  leyder  beschaffen.“  Es  wird  auch  nicht
ausbleiben,  dass  die  Unierten  die  ibrigen  zum  Kurfürstentag  abordnen  und
den  Kurfürsten  ihr  Gutachten,  wie  alles  zu  reformieren  sei,  ernstlich  vortragen
  und  eine  Konfusion  erregen  werden;  Pfalz  und  Brandenburg  werden
tapfer  mitstimmen,  wenn  man  sich  wird  damit  beladen  lassen,  und  die
kaiserlichen  Komnsissarien  werden  es  auch  ihresteils  an  sich  nicht  fehlen
lassen.  Das  Anbringen  dea  Königs  Matthias  ist  nur  ein  Bericht  von  dem
Verlauf  des  Zwistes  mit  dem  Kaiser,  von  den  Verhandlungen  und  dem  Vergleich
  samt  einem  Erbieten  zur  Korrespondenz  und  der  Bitta  um  Assistenz  im
Notfall.  Der  Bescheid  ist  schlecht  genug  und  ganz  auf  Schrauben  gestellt.
Bei  diesem  Wesen  müssen  die  katholischen  Stände  wachsam  sein  (Wmz,
Reichstagsakten,  Bd.  105,  no.  58;  Or.  eigh.\.

!  Der  Erzherzog  erınnerte  in  Jdiesem  Schreiben  den  Fürsten  an  seine
alten  Intentionen.  „Weil  dan  nun  gleichsamb  die  göttliche  disposition  und
rernunft  selbsten  dahin  lendet  und  dass  solche  an  sich  selbsten  recht  seie,
erweiset,  als  ersueche  E.  L.  ich  hiemit  ganz  freundlich,  Die  geruhen  Ihr
solche  auch  Ihres  thaıle  gefallen  und  zu  custer  befürderung  befolhen  sein
zue  lassen,  allermassen  ich  wol  weiss,  dass  E.  L.  dieselbo  merklich  promovieren
künnen.*  Ich  werde  k.  L.  dafür  stets  dankbar  sein  und  geru  die  alte  vertrauliche
  Korrespondenz  fortsetzen  (Bbg.,  A  9a,  no.  155°,  f.  33;  Or.).

Sept.  1.
        <pb n="804" />
        Sept.  1.

Sept.  1.

182  1611  337  —338.

befinde  ich  allenthalben  grosse  erkeltung!  und  dass  nach  so  vielfeltigem
  sonnenscheyn  auss  den  warmen  lendern  doch  noch  zur  zeyt
nichts  auffgehen  oder  grunen  wollen.  Deretwegen  E.  D.  mihr
verzeyhen  wollen,  dass  ich  noch  ettwass  zweyfielen  muss,  ob  sich
gottliche  disposition  dahin  lende  vnd  weylen  ich  darfur  halten  muss,
quod  fata  viam  inuenient.“  Ich  rate  daher  E.  D.‘  nochmals  zum
Besuch  des  Kurfürstentags  als  einziges  Mittel  der  Versicherung  des
ganzen  gemeinen  Wesens.”  Rotenburg  den  22.  augusti  1611.
Bbg.,A  9a,  no.  1552,  f,  34;  Kpt.  eigh.?

338.  Die  unierten  Fürsten  an  den  König  von  England.

„Sire.  Par  la  resolution  que  V.”  M.  nous  a  envoide  au  mois
de  juillet  de  l’annde  passse  sur  ce  que  Lui  a  est6  propos  par  nostre
cousin  et  frere  le  prince  Louis  Frederic  de  Wirtemberg  et  se
adjoinctzt,  et  les  bons  effectz  de  Vostre  notable  assistance  au  faict  de
Cleves,  nous  avons  assez  eu  des  tesmoignages  de  Vostre  bonne  affection
au  publicg  et  &amp;amp;  ceste  nostre  union,  et  y  avons  &amp;amp;st6  confirm&amp;amp;z  d’avantage
par  plusieurs  autres  preuves  jusques  &amp;amp;  present,  mais  en  particulier
par  les  pregnantes  lettres  que  mons.  le  prince  d’Anhalt,  nostr
cousin  et  frere,  nous  a  delivr6z  de  Vostre  part®  et  le  recit  qu’il  nous
a  faict  ci-devant  &amp;amp;  chascun  en  particulier  et  maintenant  en  la
presente  nostre  assembl6e  de  ce  qui  c’est  pass6  entre  V.’°  M.“  et
lui  a  son  dernier  voyage,  de  quoi  nous  Vous  eussions  remercid  plus
promptement  et  acceptö  l’honneur,  qu'il  Vous  a  pleu  nous  fair
d’envoyer  Vostre  ambassadeur  resident  a  la  Haye  pour  accomplir  et  conclure
  entiörement  ledict  traict&amp;amp;,  si  plusieursempechementset  choses

’  Auch  Geizkofler  muss  am  28.  September  dem  Erzherzog  Maximilian
melden:  „König  Matthiae  favor  und  beifall  nimbt,  wie  ich  vermörk,  teglich
ab;  nit  waiss  ich,  was  die  ursach.  I.  kgl.  M.t  schicken  leut  in  das  reich,
so  die  herobige  glegenheit  nit  kennen  oder  wiesen“  [wol  mit  Beziehung  auf
Polheim]  (Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  Oktober  1611,  no.  4:  Or.  eigh.\

.  .  27.  August
2
Dem  Kurfürsten  von  Mainz  schreibt  der  Fürst  am  6.  Boptember
Heidelberg,  dass  die.  kaiserlichen  Kommissarien  angeregt  hätten,  den  Er
herzog  Maximilian  als  Uoterhändler  bei  den  beiderseitigen  Beschwerden  zu
gebrauchen;  darum  sei  ihm,  dem  Fürsten,  eingofallen,  dass  es  für  verschiedene
Intentionen  nützlich  wäre,  den  Erzherzog  zu  bewegen,  dass  er  sich  beim
Kurfürstentag  einfinde;  vielleicht  wäre  dazu  ein  Vorwand,  die  Interzessioe
des  Gesamthauses  Oesterreich  für  König  Matthias  persönlich  einzulegen:
der,  Kurfürst  werde  verstehen,  wie  der  Fürst  dies  meint  (Bbg.,  a.  a.  O.,
.  86;  Kpt.).
8  Der  Erzherzog  erwidert  dem  Fürsten  am  4.  September:  Die  Erherzoge
  haben  ihre  einhellige  Intention  bereits  an  die  Kurfürsten  gelangen
lassen  (vgl.  no.  249),  weshalb  er  keinen  Vorwand  sieht,  den  Kurfürstentag
zu  besuchen;  er  vertraut  aber,  der  Fürst  werde  sich  seine,  des  Erzh
ihm  wolbekannte  Intention  befohlen  sein  lassen  (Bbg.,  A  9a,  no.  18°,
.  1;  Or.).
*  Briefe  und  Akten,  III.,  no.  204.
°  Vgl.  oben  no.  7,  8.  20,  Anm.  1.
        <pb n="805" />
        338.  1611  183

journellement  survenus  depuis  n’eussent  rendue  ceste  nostre  assembl6e
tellement  incertaine,  qu'il  a  6st6  impossible  y  faire  ce  qu’&amp;amp;  la  verits
eust  est6  nostre  debvoir.  C’est  pourquoi  Vous  supplions,  Sire,  de
vouloir  en  cela  deferer  nos  excusez  lesquelles  nous  accompagnons  ä
present  des  bien-humbles  offres,  que  nous  faisons  de  tout  ce  qui  peut
dependre  de  nous  et  de  nos  amiz,  pour  Vostre  service  et  contentement,
le  bien  de  Voz  successeurs  et  la  service  et  repoz  de  Voz  couronnes.  Or
quant  aux  articles  de  nostre  alliance  que  V.’°  M.“  a  faict  mettre
par  escript,  comme  nous  les  avons  tousjours  trouvez  fort  raisonnable,
ainsi  les  ayants  &amp;amp;  present  conjoincetement  ponder&amp;amp;z  avec  les  esclairsissementz
  que  nostre  diet  cousin  le  prince  d’Anbalt  nous  a  donn6  sur
les  conferences  qu’il  a  eu  avec  Vous  et  les  principaux  de  Vostre  conseil,
nous  les  avons  trouv6z  conformes  &amp;amp;  l’intention  commune  et  telles,  que
horsmiz  aucunes  additions  et  esclaircissements!  remises  &amp;amp;  la  discretion
de  V.'°  M.'  et  des  ambassadeurs  communs,  la  substance  demeure  en  son
entire.  Nous  .n’y  avons  chang6  gueres  des  choses  de  sorte
que  ne  restant  rien  plus  que  le  solennel  accomplissement  do  la  dicte
alliance  que  nous  estimons  pouvoir  estre  fort  facilement  terminde
et  effectuee  par  les  dietes  ambassadeurs  de  l’une  et  de  l’autre  part,
nous  supplions  donc  V.’®  M.'‘  de  vouloir  commander  &amp;amp;  Son  ambassadeur
qui  est  &amp;amp;  la  Haye  et  a  desia  Vostre  pouvoir,  de  se  trouver  au  jour  et
lien  que  lui  sera  nomm6  des  messieurs  l’administrateur  du  Palatinat
electoral  et  le  duc  de  Wurtenberg  noz  cousins,  comme  ayans  pouvoir
entier  en  tout  ce  traicte,  et  nous  ne  faudrons  d’y  envoyer  pareillement
les  nostres  avec  pouvoir  et  instruction  convenable.?

Pour  le  faictdeCleveset  l’accord  desmaisonsde  Saxen,  Brandenbourg
  et  Neubourg  V.’°M.‘  aura  desia  est6  informöe  de  ce  qui  s’est
pass6  entre  les  dictz  deux  electeurs  de  Saxen  et  Brandenbourg  et  encores
que  monsieur  le  duc  de  Neubourg  nostre  cousin  aye  jusques  &amp;amp;  present  faict
quelque  difficult6  d’approuver  le  diet  accord.  Nous  esperons  toutesfois  que
moyennant  les  interventions  et  exbortations  des  electeurs  qui  se
trouveront  en  bref  assemblöz  &amp;amp;  une  journde  electorale,  il  pourra  estre
dispos6  de  s’y  conformer,  comme  de  nostre  part  y  apporterons  conformement
  &amp;amp;  l’intention  de  V.’®  M.'  tout  ce  qu’y  penserons  pouvoir
servir.  Quant  &amp;amp;la  pretention  du  dict  sieur  A  l’administration  du
Palatinat  electoral  Sa.  M.'*  imp.  ayant  de  n’agueres  confirmö  par
decret  la  possession  de  Ja  dicte  administration  ä  mer.  le  duc  de
Deuxpontz,  nous  voulons  semblabloement  esperer,  qu’il  se  gouvernera
en  cela  selon  le  voyes  ordinaires  en  tels  caz.  Or  non  obstant  les
differents  susdictz  et  plusieurs  autres  accidentz,  survenuz  des  troubles

ı  Vgl.  oben  no.  305,  8.  728,  Anm.  4.

22.  August  oo:
?
Am  i.  September  stellen  Ansbach,  Baden  und  Anhalt  in  ihrem  und

der  abwesenden  Stände  Namen  eine  Vollmacht  für  den  Administrator  der
Kurpfalz  und  den  Herzog  von  Württemberg  zur  Fortsetzung  und  zum  Abschluss
  der  Verhandlungen  mit  England  aus  (Mb.,  91/10,  f.  99,  Or.).

Sept.  1.
        <pb n="806" />
        Sept.  1.

Sept.  2.

184  1611  338  —339.

qui  ont  6t6  en  ces  quartiers  l’annse  passse  n'y  la  diversit6  des  estatz
desquelz  est  compos6se  coste  union,  elle  demeure  en  bon  estat  et  affermie
de  nouveau  par  un  mutuel  consentement,  tellement  qu’au  lien  de  la
separatiin  que  les  adversaires  ont  desire,  nous  esperons  une
augmentation  notable  de  ceste  bonne  correspondance  telle  comme  elle
est  arrivde  de  leur  ligue,  par  l’accession  de  plusieurs  princes  et  estatz
qui  jusques-A-present  ont  suspendu  leurs  declaration.  Et  sachantı
que  V.’e  M.  entendera  volontiers  le  succes  et  bonne  disposition  de
ceste  nostre  union,  nous  avons  estim6  Luy  en  devoir  donner  part;
culier  adviz.  Et  sur  ce,  en  attendant  par  ce  porteur  Sa  favorabk
responce  sur  la  continuation  du  traict6  susdict,  nous  supplions
leternel  de  La  vouloir  conserver  en  prosperit6  au  bien  de  la
chrestientö  et  advancement  de  Sa  gloiree  Donn6  en  nostre  assembi&amp;amp;
de  Rottenbourg  en  Franconie  ce  22.  d’aoust  1611.“
Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  940;  Kopie  !

339.  Vierter  Nebenabschied  des  Unionstages  za
Rotenburg  (Allgemeiner  Rechnungsabschied).

Zur  Rechnungsliquidation,  die  parı  passu  mit  der  Haupthandlung
vor  sich  gegangen  ist,  hatten  die  unierten  Stände  gewisse  Personen  verordnet,
  die  sich  eines  Modus  zur  Abhörung  der  Rechnungen  verglichen
und  zunächst  die  kurpfälzische  vornahmen.  Es  fanden  aber  dabei  die
Verordneten  der  Städte,  dass  in  dieser  und  in  des  Pfennigmeisters
Rechnung  sich  fast  die  vornehmsten  Posten  auf  den  elsässer  Zug
bezogen,  in  den  ihre  Obern  nie  gewilligt  hatten  ;  daher  besorgten  sie,  dass
solche  Posten  auch  in  den  Spezial-  und  Nebenrechnungen  vorkommen  würden,
und  trugen  Bedenken,  vor  Erörterung  dieses  Praejudizialpunktes  in  der
Abhörung  der  Rechnungen  fortzufahren,  bis  sie  endlich  darüber  beruhigt
wurden;  doch  begehrten  sie,  dass  ibr  schriftlicher  Protest?  dem  Abschied
  einverleibt  werde.  —  Erst  dann  schritt  man  in  der  Prüfung  fort.
Da  aber  ohne  Erörterung  des  elsässer  Zuges  doch  nicht  zur  Richtigkeit  zu
kommen  war,  so  hat  man  mit  den  Städten  wieder  verhandelt  und  sich
endlich  verglichen,  dass  man  sie  bei  ihrem  Vorbehalt  lassen  und  daher
die  Posten  für  die  Generale  und  hohen  Befehle,  für  die  Artillerie  und
Munition,  für  das  mansfeldische  Volk  und  für  den  ersten  Einfall  ins
Elsass  aussetzen  und  von  den  höhern  Ständen  allein  tragen  lassen  solle,
wogegen  die  Städte  den  höhern  Ständen  zur  völligen  Abdankung  des

i  Am  gleichen  Tag  schreiben  die  unierten  Fürsten  an  Ralph  Winwood  und
entschuldigen  sich,  dass  sie  ihn  nicht  zum  Unionstag  eingeladen  hatten.  Sie
haben  aber  die  Bündnisangelegenheit  beraten  und  für  nötig  befunden,
sie  gemäss  beiliegenden  Bedingungen  (vgl.  Anm.  4  auf  8.  728)  möglichst
bald  zum  Abschluss  zu  bringen.  Winwood  möge  dies  befördern,  damit  die
Unierten  ihre  Abgeordneten  zu  passender  Zeit  abfertigen  können  (Bbg,
A  9a,  no.  133°,  f.  169;  Kopie).

?  Vgl.  no.  305,  S.  703,  Anm.  1.
        <pb n="807" />
        339.  1611  185

Kriegsvolks  und  zur  Erhaltung  von  Frieden  und  Einigkeit  60  000  fi.  Sept.  2.
extraordinarie  auf  Nativitatis  1611  oder  Lichtmess  1612  entrichten

sollen;  dagegen  haben  die  höheren  Stände  die  „Vertretung  und  Schadloshaltung“
  dieses  Zuges  auf  sich  genommen.

Darauf  wurde  insgemein  beschlossen,  die  Rechnung  nur  auf  die
sechzig  Monate  zu  stellen  und  die  auf  die  acht  schweinfurter  Monate  bezüglichen
  Rechnungen  besonders  abzuhören.  Da  sich  aber  gleich  bei  der
ersten  Prüfung  allerlei  Posten  vorfanden,  deren  Passierung  bedenklich
erschien,  so  hat  man  sich,  um  den  nervus  unionis  nicht  gänzlich  zu  erschöpfen,
  im  Plenum  bestimmter  Regeln  verglichen,  nach  denen  die  Posten
passiert  oder  abgestrichen  werden  sollen.!  Trotzdem  ergaben  sich  aber
folgendeDubia:  1.  ob  dem  Obersten  von  Helmstätt  und  den  andern  Obersten
die  verrechneten  11/,  fl.  an  Laufgeld  für  jeden  Kopf  zu  passieren  sind?
2.obder  den  Arquebusier-Reitern  von  den  Generalen  gewährte  Zuschuss  über
den  Sold  von  zwölfGulden  zu  passieren  ist?  3.  ob  das  Anritt-  und  Laufgeld
und  die  Musterungskosten  für  die  Reiterei  der  Markgrafen  von  Ansbach
und  Baden,  für  das  fuchsische  Regiment  und  für  die  kurpfälzischen
Lehenreiter  insgemein  zu  tragen  sind;  4.  wie  es  mit  einigen  schon
ausbezahlten  Posten  für  Nebenbestallungen,  Vorteilsgelder  u.  s.  w.
zu  halten  ist?  Darüber  wurde  eine  besondere  Resolution  ?  verfasst
und  mit  den  Städten  vereinbart,  dass  die  Nebenbestallungen  und  Vorteilsgelder
  auf  gemeine  Kassa  verrechnet  werden  dürfen.  —  Die  ambergische
Ausgabenrechnung  für  Artillerie  und  Munition  im  Betrag  von  15  538  fl.
9°/,  kr.  wurde  als  nicht  genügend  belegt  ausgesetzt  und  einer  Nachprüfung
  durch  Ansbach  und  Nürnberg  überwiesen  ;  was  diese  passieren
lassen,  soll  der  Kurpfalz  zu  Gutem  gerechnet  werden.  —  Obwol  nach
den  verglichenen  Regeln  alle  Posten  für  Land-  und  Stadtrettungen
und  Garnisonen  zu  streichen  sind,  hat  man  doch  aus  besonderen  Ursachen
  den  Strassburgern  den  Sold  für  ibre  geworbenen  drei  Fähnlein
Knechte  auf  dreizehn  Monate  und  ebenso  den  Schweinfurtern  für  die
von  ihnen  unterhaltenen  Soldaten  passieren  lassen.

Darauf  wurden  zwei  Rechnungsauszüge  der  Schulden?  und  Gut-!

  Vgl.  in  no.  305  das  Protokoll  zum  7./17.  August  und  Anm.  1  auf
S.  716.

®  Mit  Rücksicht  auf  die  Schwierigkeit,  gute  Leute  zu  bekommen,  werden
die  Ueberschreitungen  beim  Laufgeld  und  bei  den  Reiterbestallungen  genehmigt,
ebenso  die  Musterungskosten  der  Markgrafen  und  des  Obersten  Fuchs;  die
Lebenreiter  werden  auf  gemeine  Rechnung  übernommen  und  ebenso  die
kleineren  Posten  passiert  (Stg.,  a.  a.  O.,  f.  560;  Kopie).

8  Die  Union  schuldet  a)  für  geleistete  Ausgaben  372092  fl.  4  kr.  (an
Kurpfalz  284609  fl.  55'/,  kr.,  an  Culmbach  887  fl.  44'/,  kr,  an  Ansbach
14144  fl.  5  kr,  an  Baden  847  fl.  18  kr.,  an  Hessen  13144  fl.  48  kr.,  an
Strassburg  58458  fl.  13  kr.),  b)  für  Darlehen  252576  fl.  45  kr.  (aus  der
jülichschen  Assistenzkasse  57866  fl.  8  kr.  und  1934  fl.  37  kr.,  von  Strassburg
  6000  fl.,  von  Nürnberg  80000  fl.,  von  Ulm  100000  fl.,  von  Worms
2760  fl.,  von  Speier  2516  fl.;  hieher  gehört  auch  ein  Posten  von  1500  fi.,  den
man  dem  Grafen  Otto  von  Solms  schuldet);  Summo  aller  Schulden:  624668  fl.
49  kr.  Davon  gehen  103006  fl.  42  kr.  ab,  welche  die  Fürsten  allein  zu
bezalılen  haben,  so  dass  der  Gesamtunion  zu  bezahlen  übrig  bleiben  :  521  662  fi.

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  50
        <pb n="808" />
        Sept.  2.

186  1611  339.

haben!  der  Union  verfasst  und  im  Plenum  angenommen.  Wegen  der
Tilgung  der  Schulden  wurde  bestimmt,  dass  zunächst  den  Markgrafen
vonCulmbach,  Ansbach  und  Baden  und  den  Städten  Worms  und  Speier  die  von
ihnen  für  dieUnion  verausgabten  21  155fl.  71/,  kr.  aus  den  einkommenden
Restanten  zu  entrichten  sind;  hernach  sind  der  Kurpfalz  und  den  Städten
Strassburg,  Nürnberg  und  Ulm  deren  Auslagen  und  Darlehen  proportionabiliter
  und  pro  rata  jedes  Ausstands  zu  ersetzen.  Zur  Ermöglichung
der  Rückzahlung  sind  zunächst  die  ausständigen  RBestanten  vom
Direktorium  schriftlich  oder  durch  besondere  Schickung  einzufordern  und
zwar  sind  die  Restanten  an  den  sechzig  Monaten  binnen  vier  Monaten
an  die  unten  zu  nennenden  Legstätten  abzuführen;  zum  selben  Zweck
sind  die  noch  restierenden  sieben  an  den  zu  Trinitatis  1611  verfallenen
fünfzehn  Monaten  bis  Nativitatis  zur  Legstätte  Nürnberg  zu  entrichten,
wozu  die  Stadt  einen  besondern  Einnehmer  verordnen  soll.  Der  noch  unb»-glichene
  Ueberrest  an  dem  Ausstand  ist  aber  aus  gemeiner  Union  Kassa  pıv
rataeinesjedenGläubigers  binnendrei  Jahren  durch  eine  neue  Umlage  zu
entrichten;  dazu  sind  nach  Nürnberg  zwanzig  Monate,  —  je  zu  Trinitatis
1612  neun,  1613  sieben,  1614  vier  Monate,  —  zu  erlegen.  Würden
auch  diese  zwanzig  Monate  nicht  genügen,  so  ist  der  Best  aus  dem
Unionsvorrat  abzutragen,  ein  etwaiger  Ueberschuss  soll  aber  dann  der
Union  zu  Gute  kommen.  Damit  die  Union  bei  dem  weitaussehenden
Wesen  mit  Mitteln  gefasst  bleibt,  sind  die  vermöge  des  ahausischen
Nebenmemorials  zur  Bereithaltung  verabschiedeten  zwanzig  Monate  von
jedem  Stand  im  Vorrat  zu  halten.  —  Um  die  Unionskasse  nicht  allzu  sehr
zu  erschöpfen,  haben  Kurpfalz,  Strassburg,  Nürnberg  und  Ulm  auf  die
Zinsen  ihrer  Ausstände  für  drei  Jahre  verzichtet,  wenn  ihnen  die
Ausstände  selbst  binnen  dieser  Zeit  entrichtet  werden.  Jene  unierten
Fürsten,  welche  für  solche  Darlehen  zu  Gunsten  der  Union  Assekurationen
  ausgestellt  haben,  sind  von  der  Union  schadlos  zu  halten.
Die  Abgesandten  von  Ulm  haben  den  Zinsennachlass  nur  zu  Bericht
genommen;  würden  sich  deren  Obere  widrig  erklären,  so  behält  sich
auch  die  Kurpfalz  ihre  Zinsforderungen  vor.

7  kr.  Da  das  Guthaben  der  Union  [siehe  die  nächste  Anm.)  137393  fi
45°/,  kr.  beträgt,  so  hat  sie  noch  für  884263  fl.  21'/,  kr.  aufzukommea

(Stg.,  a.  a.  Ö,  f.  567;  Or.).  28.  A
23.  August
Das  Gesamtguthaben  der  Union  besteht  am  3.  September

Barbestand  von  2704  fl.  aus  den  Restanten  von  Kurbrandenburg  mit  86  884  fl,  von
Pfalz-Zweibrücken  mit  5811  fl.,,  von  Württemberg  mit  22441  fl.  9'/,  kr.,  von
Anhalt  mit  1155.  31';,  kr.,  von  Nürnberg  mit  9527  fl.  53°/,  kr,  von  Ulm  mit
116  fl.,  von  Schweinfurt  mit  1274  fl.  11  kr.  und  von  Memmingen  mit  2480  fl.  ;
ausserdem  schuldet  der  kurpfälzische  Rat  zu  Amberg,  Theophil  Richius,  der
Union  5000  fi.,  die  er  zu  Nürnberg  erhoben  hatte;  Summa  der  Guthaben:
137393  fl.  45°/,  kr.  (Stg.,  a.  a.  O.,  f.  563;  Or.).  —  Die  restierende  Quote
für  Neuburg  [45076  fl.  —  59  Monate]  ist  gar  nicht  ia  Rechnung  gestellt.  —
Vgl.  über  die  Finanzlage  der  Union  M.  Ritter,  Politik  und  Geschichte  der
Union,  a.  a.  0,8%  £.

neben  einem
        <pb n="809" />
        339—  340.  1611  187

Die  Fürsten  sollen  ihre  Restanten  an  den  acht  schweinfurter  Sept.  2.
Monaten  binnen  vier  Monaten  an  das  Direktorium  nach  Heidelberg
  oder  Amberg  entrichten,  um  damit  jene  Ausstände  zu  begleichen,
  welche  die  Höheren  allein  treffen;  was  aber  die  Städte  an
den  acht  Monaten  erübrigt  haben,  soll  ihnen  allein  bleiben.!  Die
Städtegesandten  haben  dies  nur  zu  Bericht  genommen.  —  Die  Proviautmeisterrechnung
  konnte  mangels  wichtiger  Belege  nicht  liquidiert
werden;  mit  der  nachträglichen  Prüfung  werden  Ansbach  und  die
amberger  Regierung  betraut.  —  Die  Artillerie-,  Zeugs-  und  Munitionsrechnungen
  sind  nach  Inventierung  und  Abschätzung  des  zurückzustellenden
  Geschütz-  und  Zeugmaterials  und  nach  Abzug  des  Wertes
in  den  Rechnungen  von  Culmbach  und  Nürnberg  zu  liquidieren.  So
geschehen  zue  Rotenburg  uf  der  Tauber  den  23.  augusti  a.  1611.

Stg..  Unionsacta,  tom.  X,  f.  545;  Or.

340.  Fünfter  Nebenabschied  des  Unionstages  zu  Sept.  2.
Rotenburg  (Rechnungsabschied  der  unierten  Kurfürten
und  Fürsten).

Die  auf  Verlangen  der  Städte  ausgesetzten  vier  Posten  für  die
hohen  Befehle,  für  die  Artillerie,  für  das  mansfeldische  Volk  und  für  den
ersten  Einfall  ins  Elsass,  welche  Posten  die  Höhern  allein  auf  sich  nehmen
wollen,  betragen  laut  Rechnungsauszug  ?  276  918  fl.  ?/,kr.;  dazu  kommt
die  Summe  aller  Legationskosten,  die  von  den  Fürsten  allein  zu  tragen  sind,
mit  18238  fl.  16  kr.®?  —  Zur  Deckung  dieser  Schulden  stehen  den
Fürsten  die  Restanten  an  den  acht  schweinfurter  Monaten  laut
Rechnung*  mit  35  362  fl.  1%/,  kr.  und  die  von  den  Städten  bewilligten
60  000  fl.  zur  Verfügung.  Zur  Begleichung  des  Restes  sind  von
jedem  fürstlichen  Stand  neben  der  regelmässigen  Unionsanlage  noch
besonders  zwanzig  Monate  in  den  Legstätten  Heidelberg  oder  Amberg
zu  erlegen,  und  zwar  zu  Neujahr  1612  sieben  Monate  =  69  892  fi.
40  kr,  zu  Neujahr  1613  sieben  Monate  —=  69892  fl.  40  kr.,,  zu
Neujahr  1614  sechs  Monate  =  59908  fl.  Den  richtigen  Einlauf
der  Bestanten  und  Quoten  vorausgesetzt,  bleiben  schliesslich  noch

!  An  den  acht  schweinfurter  Monaten  waren  von  den  Städten  28448  fl.
in  Nürnberg  erlegt  worden,  wobei  Worms,  Speier  und  Heilbronn  nur
vier  Monate  entrichtet,  andere  Städte,  darunter  Strassburg,  Nördlingen,
Memmingen,  Kempten,  Landau  und  Hall  gar  nichts  bezahlt  hatten;  Jie  Ausgaben
  auf  Werbungen  beliefen  sich  auf  22068  fl.  39'/,  kr.,  so  dass  in  der
Kasse  6379  fl.  20'/,  kr.  blieben  (U.,  Unionsacta,  tom.  XX1V.,  no.  2320).

?  In  Stg.,  Unionsacta,  tom.  X.,  f.  577  und  911;  Kopien.  Die  Summe  von
2769184.  ®/,  kr.  setzt  sich  zusammen  aus  den  Forderungen  von  Kurpfalz  für
den  elsässer  Zug  mıt  158387  fi.  30°/,  kr.,  von  Ansbach  mit  535121.  24  kr.,
von  Württemberg  mit  63f.  48  kr.,  von  Baden  mit  48954  fl.  18  kr,  vom
Obersten  Fuchs  mit  13000  fl.  und  von  Rbeingrafen  Otto  mit  3000  fl.  (Stg.,
a.  a.  O,  f.  877;  Kopie).

®  Stg.,  a.  a.O.,  f.  868;  Kopie.

*  Stg.,  a.  a.  O.,  f.  905;  Kopie.

50  *
        <pb n="810" />
        Sept.  2.

Sept.  2.

188  1611  340—  341.

100  fl.  57°/,  kr.  zu  bezahlen  übrig,  die  pro  rata  auszuteilen  sind.
Von  den  einkommenden  Geldern  sind  nach  dem  ersten  Ziel  zunächst
die  „verdienten  Besoldungen“  zu  entrichten,  und  zwar  an  den  Markgrafen
von  Ansbach  36  000  fl.,  an  den  Markgrafen  von  Baden  32  000  fi,  ande
Obersten  Fuchs  13  000  fl.,an  Rheingraf  Otto  3000  fl.  und  an  die  Erben  des
Grafen  von  Solms  15000  fi.;  ferner  für  Legationskosten  an  Zweibrücken
7017  fi.  41  kr.,an  Württemberg  4829  fl.  13  kr.,  für  die  venezianischt
Legation  6391  fl.  22  kr.,  an  Kurpfalz  für  ein  Darlehen  23  000  fl,  zur
Rückerstattung  des  Darlehens  von  59  800  fl.  45  kr.,  das  die  Union  aus
der  jüljcher  Assistenzkasse  nahm,  die  erste  Rate  mit  29  800  fl.  45  kr,
endlich  an  Württemberg  ein  Best  von  63  fl.  48  kr.  Nach  Verfall  des
zweiten  Zieles  sind  zu  entrichten:  die  zweite  Rate  zur  Erstattung  des
Darlehens  aus  der  jülicher  Assistenzkassa  mit  30  000  fl.,  sodann  nach
Proportion  ein  Teil  der  Schulden  an  Kurpfalz,  Ansbach,  Baden  uni
Hessen;  der  Rest  ist  nach  Verfall  des  dritten  Zieles  zu  begleichen.
Kurpfalz  hat  daran  60  941  fl.  57°/,  kr,  Ansbach  17512  fL  24  kr,
Baden  16954  fl.  18kr.  und  Hessen  13144  fi.  48  kr.  zu  forden.

Zu  nötigen  Ausgaben  und  Schickungen  ist  beim  ersten  Ziel  noch
ein  besonderer  Monat  zu  erlegen.  So  geschehen  zu  Rotenburg  uf  der

Tauber  den  23.  augusti  a.  1611.
Stg.,  Unionsacts,  tom.  X.,  f.  570;  Or.

341.  Cardenas  an  König  Philipp  II.

„Senor.  Estos  dias  passados  se  mieti6  la  reyna  Conmigo  «&amp;amp;
platicas  sobre  las  cosas  de  Alemania,  preguntandome  lo  que  en
ellas  se  acia.  BRespondile  que  procuraban  encaminar  el  bien  de  la  religion
catholica  lo  mejor  que  se  podia  y  se  tomava  lo  menos  mal,  no  pudiend
eligir  lo  bueno  y  diestramente  abl&amp;amp;E  bien  en  la  persona  del  res
Mathias.  Respondiöme  la  reyna:  ablava  con  misterio  en  estos  negocios,

!  Ueber  die45  Monate,  die  von  den  unierten  Fürsten  den  Possidierenden  zam
Besten  bewilligt  worden  waren,  wurde  ein  besonderer  sechster  Nebenabschied
verfasst,  der  Einnahmen  und  Ausgaben  auf  zwei  Ziele,  Neujahr  1612  und
1613,  stellt.  Die  Einnahmen  zum  ersten  Ziel  sind  mit  65702  A.  45  kr.  er
mittelt  (Rückzahlung  der  ersten  Rate  des  Darlehens  zu  allgemeinen  Zwecken
mit  29800  fl.  45  kr.,  Rückzahlung  eines  Darlehens  an  den  Markgrafen  ron
Culmbach  mit  1133  il  20  kr.,  Restanten  an  den  45  Monaten,  und  zwar  von
Zweibrücken  2543  fl.  20  kr.,  von  Culmbach  23  220  fl.,  von  Baden  7625  .  23  kr,
von  Oettingen  1380  fl).  Davon  sind  zu  entrichten  ale  Rückzahlung  eines
Darlehens  an  die  Union  2700  fl,  an  Oberst  Schönburg  für  ein  Darlehen  9486  1
46  kr.  und  2000.  als  „Rekompeos“,  an  Gratifikationen  1400  fl.,  an  Kurpfali
für  Vorschüsse  24926  fl.  16'/,  kr.,  an  Württemberg  2633  fl.  20  kr.,  an  die
anhaltischen  Fürsten  5600  fl,  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  besonders
19227  fi.  16  kr.,  so  dass  2270  fl.  53'/,  kr.  ungedeckt  bleiben.  Diese  sind
aus  der  Einnahme  des  zweiten  Zieles  mit  30  000  fl.  (zweite  Rate  des  Darlehens
an  die  Union)  zu  decken.  Der  Ueberschuss  von  27729  fi.  6°',  kr.  wird  dee
assistierenden  Ständen  zu  Gutem  vorbehalten.  Der  Markgraf  von  Calmbach
hatte  an  den  45  3lonaten  nichts  erlegt,  dagegen  12080  fl.  für  Auslösung
und  Reisezehrung  in  Rechnung  gestellt;  diese  Gegenrechaung  wurde  nicht
anerkannt  und  der  Markgraf  um  Zahlung  der  45  Monate  ersucht  (Stg..
Unionsacta,  tom.  X.,  f  575;  Or.
        <pb n="811" />
        341—342.  1611  189

porque  le  ablava  en  ellos  de  Alemania  y  de  otras  partes,  y  que  se  Sept.  2.

olgava  de  lo  que  de  mi  avia  entendido,  porque  correspondia  a  las
nuevas  que  le  davan,  que  V.  M.?  asistia  y  ayudava  al  rey  Mathias,
y  si  bien  no  selo  decia  claro,  lo  juzgava  por  en  la  forma  que  le
'ablava,  que  la  reyna  por  si  misma  era  obligada  a  la  casa  de  Austria,
y  mientras  governase  a  Francis,  avia  de  procurar  que  esta  corona
no  diese  disgusto  a  nadie  d’ella,  y  que  su  marido  avia  estado  siempre
bien  con  el  rey  Mathias  y  de  presente  se  olgava  ella  mucho  de
concurrir  con  V.  M.@en  todo  lo  que  se  ofreciese.!

Estim&amp;amp;6  mucho  lo  que  me  decia  y  afirmela  que  particularmente
en  este  negocio  no  sabia  yo  la  voluntad  de  V.  M.d,  pero  que  conforme
a  lo  que  yo  avia  entendido  de  don  Baltasar  de  Cuniga,  aunque  nunca
en  esto  no  me  avia  escrito  claramente,  por  no  averse  ofrecido  ocasion,
juzgava,  era  conforme  &amp;amp;  lo  que  S.  M.?  ofrecia  y  yo  referia.  Supliqusla
ayudase  a  la  brevedad  y  a  que  no  se  enredasse  aquello.  Ofreciöme
acerlo.  He  escrito  esto  &amp;amp;  don  Baltasar  de  Cuniga  y  que  me  avise  particularmente,
  si  conviene  que  de  aqui  se  aga  alguna  diligencia,  que
espero  que  la  reyna  la  har&amp;amp;.  De  Paris  a  2  de  setiembre  de  1611.“

Auf  der  Rückseite  der  Beschluss  des  geheimen  Rats:  „Que  sele
apruove  lo  bien  que  se  ba  governado  en  estas  platicas,  y  sele  encargue,
que  la  vaya  animando,  para  que  se  incline  y  apoye  todo  lo  que  ba

de  ser  para  bien  de  la  religion  catolica.“
Pa.,  Arch.  nat,,  Mon.  Hist.,  K.  1465,  no.  33;  Or,

312.  Baugy  an  die  Königin-Begentin  von  Frankreich.

Der  König  Mattbias  hielt  sich  nach  seiner  Abreise  von  Prag  noch
einige  Tage  in  Brandeis  auf,  angeblich  um  noch  einige  Geschäfte  zu
verrichten,?  „mais  en  effet  avec  quelque  esperance  d’estre  rappellö  pour
s’abboucher  avec  S.  M.“  imp.;  laquelle  ne  se  l’estant  voulu  laisser
persuader,  il  se  meit  en  chemin  pour  continuer  son  voyage  de
Lusace  et  de  Slesiee  Un  des  siens  m’apporta  hyer  la  lettre  cy-jointe
pour  le  roy,  me  disant  que  par  icelle  il  luy  rend  conte  de  son  accord
avoc  S.  M.%  imp.  A  peine  estoit  il  bors  de  Prague  qu’elle  apella
celuy,  auquel  elle  a  donne  charge  de  dresser  mon  instruction  et  luy
commanda  de  la  mettre  au  net  pour  la  revoir  et  considerer  ceste
seınaine.  Jeudy  son  grand-cohambellan,  m’ayant  fait  avertir  qu’il
aroit  a  me  parler  de  sa  part  et  l’estant  all&amp;amp;  trouver,  aprez  plusieurs
honnestes  propoz  quil  me  voulut  tenir,  touchant  mes  comportemens
en  ceste  cour  et  le  contentement  que  Sadicte  M.  imp.  en  a  receu,  il
alousta  que  pour  en  rendre  tesmoignage,  elles  me  faisoit  present  de
quelque  vaisselle  d’argent  dor6,  dont  je  me  reserve  &amp;amp;  informer  de
bouche  plus  particulierement  V.  M.'“  et  du  remercioment  que  je  luy
en  fey,  quand  il  me  la  delivra,  ne  m'ayant  semblö  de  me  pouvoir

ı  Vgl.  no.  829  mit  Anm.  3  auf  8.  764.
®  Vgl.  darüber  Baugys  vorausgehende  Berichte.

Sept.  8.
        <pb n="812" />
        Sept.  3.

Sept.  5.

190  1611  342—  343.

honnestement  excuser  de  la  recevoir.  Depuis  Sadicte  M.'*  imp.  m'a  faict
encores  redire  qu’elle  est  bien  ayse  que  je  sois  retonrn6  a  convalecence,
  quelle  desire  plus  que  jamais  que  j’accomplisse  le  voyage
que  V.  M.'‘  m’avoit  permis  d’entreprendre  pour  luy  complaire  «
qu’elle  me  feroit  en  bref  consigner  ladiete  instruction  et  tout  ce  dent
elle  me  veult  charger,  pour  bien  esclaircir  V.  M.'  de  son  intentin.
Le  s."  de  Gunterodt  qu’elle  a  envoy6  avec  quelques  autres  a  l’assemblee
que  les,princes  protestans  confederez  ont  n  agueres  tenue  a  Rottem  bourg',
luy  a  raporte,  a  ce  que  j'enten,  qu'ilz  se  monstrent  fort  enelins  a
son  service  et  desplaisans  des  procedures,  dont  l’on  a  use  en  u
endroict,  s’estans  mesmes  offertz  de  la  tirer  hors  dece  royaume  arx
main  forte,  quand  elle  leur  fera  scavoir  d’estre  resolue  d’en  sertir,
tellement  qu’elle  a  conceu  des  grandes  esperances  de  se  pouvoir  vanger
avec  leur  assistance  et  de  recouvrir  avec  sa  reputation  les  pais  quer
luy  a  ostez,  monstrant  d’attribuer  la  cause  de  tout  ce  qui  luy  et
advenu,  aux  artifices  et  sollicitations  des  Espagnolz  et  de  s’en  vonbir
ressentir  en  toutes  les  occasions  qu’elle  pourra.  Le  duc  de  Brunsit
l’a  tant  pressee  qu’elle  a  consenty  qu'il  alle  jusques  a  Dreze  peu
voir  sa  fomme,  qui  y  est,  et  visiter  le  nouveau  electeur  avec  conditi
de  revenir  dans  huit  jours.  Cest  tout  ce  que  j’ay  a  mander  pr
cest'heure  a  V.  M.%,  si  ce  n'est  que  se  ressouvenant  de  ce  que  je
Luy  escrivois  par  mes  precedentes  des  tapisseries,  que  ledict  3.”  emperenr
devoit  donner  audict  s.”  roy,  Elle  en  veuille  savoir  la  suyte,  qui  est
qu'il  ne  luy  en  a  donns  qu’une  vieille  tente  bien  enfumse  et  rebaussk
de  soye  seulement;  mais  faire  se  pourra  que  trois  autres  tentes  ge
lediet  s.”  roy  a  emprunt6es  de  S.  M.“  imp.,  pour  s’en  servira  ses  noces
luy  demeureront.  De  Prague  le  3.  de  septembre  1611.“
Pa.,  Coll.  Harlay  238,  vol.  XII.,  f.  279;  Or.  eigh.

343.  Kaiser  RudolfII.  an  den  Markgrafen  von  Ansbach

Meine  Kommissarien  nach  Rotenburg  und  Günterode  haben
mir  berichtet,?  mit  welcher  Affektion  E.  L.  mir  zugetan  sind.  „Wel
ich  dan  ganz  gerne  mich  mit  Derselben  persönlich  ersehen,  auch  wa
sachen,  daran  nit  allain  mir  sondern  dem  ganzen  heil.  reich  merklich
und  vil  gelegen,  communicirn  wolte,  als  ersuche  ich  E.  L.,  Sy  walk
Ihr  so  viel  abbrechen  und  ehist  möglich  zu  mir  eine  raiss  guewillig

  übernehmen.“  Datum  Prag  den  5.  septembris  a.  1611.
Be.,  Rep.  88,  Un'onsacta  ad  tom.  XII.,  f.  23,  Or.®

!  Vgl.  no.  315,  S.  743,  Anm,  1  und  no.  326.

?  Vgl.  no.  326  und  no.  336.

5  Der  Markgraf  antwortet  anı  19./29.  September,  er  werde  sich  ehestens
beim  Kaiser  einstellen  (Be.,  a.  a.  O.,  f.  25;  Kpt.).  —  Am  12./22.  September
schreibt  Fürst  Christian  von  Anhalt  aus  Heidelberg  an  den  Markgrafen:
er  habe  sich  diesen  Nachmittag  mit  Günterode  unterredet  und  finde,  dass  der
Markgraf  diese  Reise  zum  Kaiser  nicht  abschlagen  könne,  wenn  er  auch  vor  dem
Kurfürstentag  schwerlich  dazu  kommen  werde;  er  wolle  den  Markgrafen  am
17./27.  besuchen  (Be.,  a.  a.  O.,  f.  26;  Or.  eigh).  —  Ueber  den  Zweck  der
        <pb n="813" />
        344.  1611  191

344.  Andreas  Hannewald  an  Dr.  Marx  Gerstenberg,

Hinweis  auf  einen  Bericht  an  den  Kurfürsten!  Dank  für  die  Bewirtung
  in  Schwerstädt  und  für  alle  erwiesenen  Aufmerksamkeiten.  Den
Kurfürsten  von  Mainz  erfreut  und  tröstet  über  die  Massen,  was  ich  ihm
von  dem  Regierungsantritt  des  neuen  Kurfürsten  von  Sachsen,
von  dessen  getreuer  Affektion  gegen  Kaiser  und  Reich,  vertraulicher
Vereinigung  mit  dem  kurfärstlichen  Kollegium  und  Fortsetzung  guter
Korrespondenz  mit  Kurmainz  gerühmt  und  was  ich  selbst  zu  Dresden
gehört  und  gesehen  habe.  Trotz  des  schriftlichen  Meinungsaustausches  hAtte
Kurmainz  doch  gewünscht,  sich  mit  dem  Kurfürsten  auch  persönlich  unterreden
  zu  können.  Da  dazu  nicht  zu  gelangen  war,  hat  Kurmainz  durch
Brömser  dem  Herrn  [Gerstenberg]  andeuten  lassen,?  ob  nicht  sie  beide
[Brömser  und  G.]  etwa  zu  Erfurt  oder  aufdes  Herrn  Landgütern  in  der  Nähe
zu  einer  Unterredung  zusammenkommen  möchten.  Da  die  Erklärung
auf  diese  Anfrage  sich  verzog,  war  der  Kurfürst  noch  vor  meiner
Ankunft  entschlossen,  Brömser  nach  Dresden  zu  schicken.  Dieser  war
aber  zuerst  durch  die  schwalbacher  Badekur  verhindert  und  muss  in
einigen  Tagen  an  der  Hochzeit  einer  nahen  Blutsverwandten  teilnehmen,
  so  dass  sich  allmälig  der  Termin  des  Kurfürstentags  nähert
und  Brömser  nicht  mehr  verschickt  werden  kann;  eine  andere  Person
aber  wäre  der  Verhandlungen  in  Prag  und  Wien  nicht  so  erfahren  und
besässe  auch  nicht  solches  Vertrauen  beim  kursächsischen  Hofe.  Der
Herr  sieht  daraus,  wie  sehr  Kurmainz  daran  gelegen  ist,  mit  Kursachsen
  immer  vertrauter  zu  werden  und  ein  gutes  beharrliches
Einvernehmen  zu  stiften,  wozu  wir  und  jeder  Patriot  Kalk  und  Steine
herbeibringen  sollen.  Der  Herr  wird  dies  gewiss  gehörigen  Ortes
anzeigen  und  (wenn  es  anders  sein  kann)  auf  Mittel  denken,  damit
noch  an  bequemer  Stelle  die  Zusammenschickung  und  Besprechung
fortgehen  kann,  allenfalls  möge  er  darüber  an  Kurmainz  schreiben.  Hertel

Erforderung  des  Markgrafen  nach  Prag  schreibt  der  Kaiser  am  10.  September
an  Hunnewald:  Er  höre  „von  weitem“,  dass  Kurbrandenburg  den  Markgrafen
zum  Kurfürstentag  bevollmächtigen  wolle;  daher  habe  er,  —  um  von  seiner
Seite  nichts  zu  unterlassen,  —  den  Markgrafen  aufgefordert,  ihn  noch  vor
dem  Kurfürstentag  zu  besuchen;  er  wolle  dann  alles  tun,  den  Markgrafen
zu  gewinnen.  Hannewald  möge  davon  Kursachsen  Mitteilung  machen  (Wh.,
Reichsakicn  in  genere,  Bd.  84b;  Kpt.).  —  Vgl.  dazu  Gindely,  Rudolf  IH.
und  seine  Zeit,  II.,  S.  314.
!  Am  5.  September  berichtet  Hannewald  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen,
dass  er  bei  Kurmainz  die  ihm  vom  Kaiser  aufgetragene  Werbung  (vgl.  no.  307,
8.  734,  Anm.  4)  abgelegt  habe;  das  sei  zu  rechter  Zeit  geschehen,  da  eben
verschiedene  Erklärungen  vom  Administrator  der  Kurpfalz,  von  Kurbrandenburg
und  von  den  Nürnbergern  einliefen,  die  wegen  des  Kurfürstentags  Schwierigkeiten
  erhoben;  dem  Kaiser  würden  diese  unvorgesehenen  Bedenken  sehr
unlieb  sein,  da  er  den  Kurfürstentag  noch  früher  angesetzt  gewünscht  hätte;
Kursachsen  werde  zur  Beförderung  dieses  gemeinnützigen  Werkes  gewiss
gora  das  seine  tun;  Kurmainz  nonne  es  keinen  geringen  Trost  und  Glück,  dass
ursacheen  sich  80  wol  erkläre  (Dre.,  1.  7387,  ll.  Buch  Kurfürstentags,
f.  234;  Or.  eigh.
?  Gerstenberg  bemerkt  am  Rand,  dass  nichts  an  ihn  gelangt  sei.

Sept.  5.
        <pb n="814" />
        Sept.  5.

Sept.  5.

192  1611  344—345.

schreibt  mir  aus  Prag  wegen  des  Verkaufs  neiner  Häuser.  Ich
verbleibe  bei  meinem  Erbieten  und  erwarte  des  Kurfürsten  Resolution.!
Die  „cribratio  aulica“  gegen  mich  zuPrag  ist  noch  nicht  erloschen  ;?
es  wird  durch  böse  Leute  beim  König  und  bei  den  böhmischen  Ständen
unter  dem  Vorwand  von  Händeln  und  Reden,  die  zu  Dresden  vorgefallen
  sein  sollen,  noch  immer  gegen  mich  geschürt.  Der  Herr  aber
und  jedermann  weiss,  dass  mir  hierin  Unrecht  geschieht;  ich  bitte
daher,  mich  bei  Gelegenheit  zu  schützen  und  zu  entschuldigen.  Der
Kurfürst  erweist  mir  alle  Gnade.  Täglich  wird  gejagt;  der  Kurfürst
will,  dass  ich  eine  Weile,  wenigstens  so  lange  als  ich  in  Dresden  war,
auch  bei  ihm  verharre.  Ich  wäre  aber  meiner  eigenen  Sachen  halber
gern  bald  in  Schwaben  und  bei  Westernach.  Datum  zue  Rotenbuch
ufm  Spessart  den  5.  septembris  a.  1611.

Nachschrift:  Die  kurmainzischen  Räte  verhandeln  mit  Oelhafen,
die  Nürnberger  wären  der  Last  gerne  ledig;®  da  aber  der  Kurfürst
bei  dieser  Malstatt  verharrt,  wird  es  dabei  bewenden,  besonders  wenn
auch  Kursachsen  etwas  nachdrückt.

Drs.,  1.  7387,  II.  Buch  Kurfüirstentags,  f.  242;  Or.  eigh.«

345.  Die  Unionstagsgesandten  der  Stadt  Nürnberg  an
die  Aeltern  und  Geheimen  des  Rats  von  Nürnbe  rg.

Bei  der  Vergleichung  zwischen  den  höbern  Ständen  und  den  Städten
wegen  des  elsässer  Zugs  ist  es  bei  dem  geblieben,  dass  diese  zum  Aufwand
für  die  Artillerie  und  Munition,  die  hohen  Aemter  und  die  mansfeldischen
Reiter  60  000  fl.  beitragen  sollen.  Ebenso  ist  nach  vieler  Mühe  ein
Schluss  mit  den  Rechnungen  gemacht  worden,  wobei  sich  befand,  dass
man  insgemein  noch  über  sechs  Tonnen  Goldes  schuldet;  daven

ı  Gerstenberg  am  Rand:  „Weil  er  auf  resolution  wartet,  muss  er  beantwortet
  werden,  do  man  das  gelt  noch  geben  will.“

®  Hannewald  war  vom  Kaiser  verschickt  worden  (vgl.  no.  270),  um  ihn  den
Nachstellungen  der  Königlichen  zu  entziehen.  Am  11.Juli  schreibt  der  Herzog
von  Braunschweig  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen:  Er  tue  ihm  auf  besonderen
Befehl  des  Kaisers  zu  wissen,  dass  Hannewald  die  Weisung  habe,  sich  aus
gewissen  Ursachen  eine  Zeit  lang  am  kursächsischen  Hof  aufzuhalten  (Drs.,
a.a.  O.,  f.  67;  Or.  eigh.).  Vgl.  no.  307,  S.  734,  Anm.  1  und  unten  no  358,

°  Vgl.  no.  323,  8.  757,  Anm.  2.

*  Offenbar  auf  Veranlassung  Hannewalds  richtete  Kurmainz  am  3.  September
ein  Schreiben  mit  eigenhändiger  Nachschrift  an  Dr.  Gerstenberg,  worin  der  Kurfürst
  dessen,  Gersten  bergs,  Eifer  für  des  Kaisers  Ehre,  der  Kurfürsten  Reputatioa
und  für  den  Frieden  des  Vaterlandes  rühmt,  Eigenhändig  setzter  zu:  „Ich  hette
wol  allerhandt  vertrewlichs  zu  schreiben,  ist  aber  der  federn  nitt  zunertrawen;
omnis  coram  latius.  Meinenn  vicetumb  im  Rinckawe  hab  ich  zu  Ewerm  bem
schicken  wöllen,  hatt  sich  aber  seiner  badtchur  halber  also  verweilett,  das
numehr  die  zeitt  wegen  vorstehenden  collegialtag  zu  kurtz;  interim  verpleibe
ich  jedoch  Ewers  herns  freundt  vnd  getrewer  vatter  per  omnia  secula
seculorum.  Die  von  Nürnberg  wöllen  impedimenta  mouiren;  weis  nitt,  ob
die  sachen  also  bewandt;  hab  inen  allerhandt  zu  gemüht  geführdt;  muss
derselben  resolution  gewertig  sein.  Astra  nobis  videntur  contraria  sed  quid!
viuit  Deus,  cui  omnia  committenda.  Hisce  vale“  (Drs,  a.a.O.,  f.  240;  Or.).
        <pb n="815" />
        345.  1611  193

sind  freilich  die  Restanten  abzuziehen,  die  sich  auf  mehr  als  100  000  fl.  Sept.  5.
belaufen,  und  eine  Tonne  Goldes,  die  die  Fürsten  allein  zu
tragen  haben,  so  dass  die  Union  insgemein  384  268  fl.  zu  zahlen
schuldig  ist;!  darunter  sind  alle  Darlehen  begriffen,  welche  die  Kurpfalz,
Nürnberg  und  andere  Städte  geleistet  haben.  Von  der  Summe  gehen
aber  alle  Posten  ab,  welche  zur  wirklichen  elsässer  Expedition  und
zu  obigen  drei  Posten  gehören,  was  um  52000  fl.  mehr  ausmacht
als  der  erste  Ueberschlag  der  höhern  Stände  berechnete  und  was
vermöge  der  verglichenen  Regeln  zu  defalzieren  war.  Die  Defalkationen
betragen  über  fünf  Tonnen  Goldes  und  wäre  es  ein  ganz  Uebermässiges
geworden,  wenn  man  sie  allenthalben  hätte  passieren  lassen.  —  Man
hat  also  mit  dem  Vergleich  nicht  übel  getan,  da  darnach  die  Fürsten
an  den  berührten  Posten  noch  ein  Grosses  allein  tragen  müssen  und  den
Städten  43  000  fl.  erspart  wurden,  auch  die  Regel  erhalten  blieb
und  nach  deren  Anleitung  über  fünf  Tonnen  Goldes  alleuthalben
abgeschnitten  wurden  ohne  das,  was  noch  bei  Kurbrandenburg  wegfallen
  mag;  der  hatte  der  Union  fast  eine  Tonne  Goldes  auf  Landrettung
  aufgerechnet  und  hätte  damit  gern  seinen  Rest  beglichen,  was  man
aber  nun  durch  die  verglichenen  Regeln  und  die  darnach  justifizierten
Rechnungen  abzuwenden  hofft.  —  Man  hat  dann  beraten,  wie  die
Schulden  abzutragen  sind.  Wir  hören,  dass  die  Fürsten  (ausser  dem,
wassie  bisher  getragen  haben  und  was  zur  jülichischen  Assistenz  aufgewendot
worden  ist,  worüber  sie  besondere  Rechnungen  haben)  35  [!]  Monate  zusammenlegen
  und  für  sich  allein  kontribuieren  sollen?  und  ausserden,  müssen
sie  noch  an  derrestierenden  Summe  von  384  268  fl.  neben  den  Städten  tragen.
Die  Städte  werden  an  der  Abtragung  dieser  Summe  schon  deshalb  teilnehmen
  müssen,  weil  darin  auch  das  nürnberger  Anleihen  von  80  000  fi.
steckt,  zu  dem  man  also  wieder  gelangt,  und  weil  man  in  die  Unterhaltung
desgeworbenen  Kriegsvolks  gewilligt  und  diedarüber  geführten  Rechnungen
justifiziert  hat.  Württemberg  hat  zur  Abstattung  der  Schulden  eine
ausserordentliche  Kontribution  vorgeschlagen,  neben  der  aber  auch  die
jährliche  Anlage  fortgehen  soll,  damit  man  zugleich  zu  einem  Vorrat
komme.  Wir  und  die  übrigen  Städte  erklärten  aber,  uns  zu  einer  neuen
Kontribution  nicht  verstehen  zu  können  und  hat  man  es  endlich  dahin
gerichtet,  dass  der  Ausstand  aus  der  ordentlichen  jährlichen  Anlage  binnen
drei  Jahren  getilgt  werden  soll.  Obwol  sich  nichts  anderes  wird  tun  lassen,
so  haben  wir  doch,  da  wir  keine  Spezialvollmacht  hiezu  hatten  und
der  Städte  Gesandte  ausser  denen  der  ausschreibenden  und  den  Rotenburgern
  schon  abgereist  waren,  diesen  Modus  nur  zu  Bericht  genommen
und  haben  nur  zugesagt,  die  endliche  Erklärung  unserer  Oberen  binnen
vier  Wochen  dem  Direktorium  einzusenden.  —  Es  wurde  auch  eine  Ordnung
gemacht,  wie  die  Schulden  proportionabiliter  abzutragen  seien,  damit
keiner  vor  dem  andern  beschwert  werde;  deshalb  kann  das  Guthaben
  der  Städte  in  diesem  Jahr  nicht  ganz  abgetragen  werden.

!  Vgl.  no.  339,  8.  785,  Anm.  3.
’  Vgl.  no.  340.
        <pb n="816" />
        Sept.  5.

194  1611  345.

Man  bat  auch  stark  in  uns  gedrungen,  die  Zinsen  des  von
Nürnberg  gegebenen  Darlehens  bis  zu  dessen  völliger  Abtragung
fallen  zu  lassen,  wie  Kurpfalz  getan  habe.  Wir  haben  uns  aber  mit
Mangel  an  Vollmacht  entschuldigt,  und  dabei  dargetan,  dass  es  ein
anderes  Bewandtnis  mit  einem  Darlehen  in  barem  Geld  und  mit  aufge
wendeten  Unkosten  habe  und  dass  auch  bei  der  Aufnahme  des  Darlehens
die  Zinsenzahlung  ausdrücklich  bedingt  und  versprochen  worden  sei.  Man
hielt  uns  entgegen,  dass  auch  die  Kurpfalz  Bargeld  aufgewendet,  ja  sogar,
um  aus  dem  Labyrinth  zu  kommen,  solches  gegen  Zins  aufgenommea
habe  und  daher  ebensowol  Zinsen  fordern  könnte,  was  sie  aber  des  gr
meinen  Wesens  halber  unterlasse.  Wir  blieben  aber  bei  vorigem  und
erboten  uns  nur  zu  Bericht.  Es  haben  daher  die  anwesenden  Fürstes
uns  deshalb  ein  Schreiben  an  E.  E.®!*?  mitgegeben.!  Nur  die  Strassburger
haben  den  Fürsten  einige  Aussicht  gemacht,  dass  sich  ihre  Herrn  zur  Zufriedenheit
  der  höhern  Stände  erklären  werden;  aber  die  Forderung  der
Strassburger  ist  nicht  gross  und  rührt  auch  nicht  von  Bargeld  her  ;  dazu  hat
man  ihnen  ihre  drei  Fähnlein,  die  sie  unterhielten,  passieren  lassen,  so  dass
sie  wol  etwas  tun  konnten.  Die  Ulmer  meinten,  wenn  E,  E.P!°®  die  Zinsen
fallen  liessen,  würden  ihre  Herrn  dasselbe  tun,  wiewol  sie  sich  billig  an
die  Obligationen  zu  halten  hätten.  —  Zur  Assekuration  der  Darlehen
  wollte  man  sich  anfangs  nicht  verstehen;  denn  man  hielt  dafür,
die  Städte  seien  genugsam  versichert,  weil  die  Schuld  der  ganzen  Union
zugeschrieben  worden  und  schon  eine  gewisse  Anzahl  Monate  und
gewisse  Termine  zur  Abtragung  bestimmt  seien;  die  Kontributionen
der  ganzen  Union  müssten  obendrein  in  Dero  Stadt  erlegt  und  durch
den  bestellten  Pfennigmeister  ausgeteilt  werden.  Auf  unsere  Vorstellung
  wurde  schliesslich  die  Assekuration  abermals  in  den  Abschied
gebracht  und  vertröstete  uns  Camerarius,  dass  der  Administrator,
sobald  er  wieder  in  Heidelberg  sein  werde,  die  Obligation  ausfertigen
und  gleiches  auch  bei  Hessen  veranlassen  werde.

Was  die  60  000  fl.  betrifft,  welche  die  Städte  den  Fürsten  zum
elsässer  Zug  unter  dem  andern  Namen  des  Abdankens  bewilligten,  »
haben  zwar  die  höhern  Stände,  nachdem  sie  gefunden,  dass  sie  die  vier
Posten  mit  225  000  fl.  zu  niedrig  berechnet  hatten  und  noch  52  000  fi.
dazu  gehörten  ?,  ad  partem  versucht,  von  den  Städten  noch  einen  Zuschuss
zu  erlangen;  es  war  aber  vergeblich.  —  Zur  Bezahlung  der  60  000  fl  ist
eine  besondere  Anlage  unter  den  Städten  nötig.  Da  sich  in  E.  E.'“
Rechnung  über  die  acht  zu  Schweinfurt  bewilligten  Monate  befunden  hat,
dass  von  den  Städten  vier  Monate  ganz  erübrigt  wurden  und  auch  an  den
andern  vier  sich  noch  ein  Ueberschuss  ergab,  so  wurde  beschlossen,  dass
die  60000  fl.  zunächst  von  diesem  Ueberschuss  und  den  übrigen  vier
Monaten  abgetragen  werden  sollen.  Die  höhern  Stände  drangen  eine
Zeit  lang  stark  auf  Einwerfung  der  vier  Monate  in  die  Masse  und
meinten,  es  solle  die  Ersparnis  der  ganzen  Union  zu  Gute  kommen.

23.  August

ı
Vom  3  Geptember
?®  Vgl.  no.  340.

(Nbg.,  a.  a.  O.,  f.  9;  Or.
        <pb n="817" />
        345.  1611  195

Es  wurde  ihnen  aber  eingewendet,  dass  daraus  eine  grosse  Ungleichheit  Sept.  5.
erfolgen  würde,  denn  es  würden  also  die  Städte  vier  Monate  mehr  als
die  Fürsten  zur  Unionsmasse  kontribuieren;  auch  sei  den  Städten  ihr
„absonderlich“  Volk  zu  unterhalten  bewilligt  worden;  da  sie  dies  mit
vier  Monaten  gekonnt  hätten,  müsste  ihnen  das  übrige  billig  zu  Gute
kommen,  zumal  von  den  Fürsten  nichts  zugeschossen  worden  sei.  Schliesslich
  gab  man  uns  nach;  wir  überliessen  dagegen  den  Fürsten,  die  ganzen
acht  Monate  unter  sich  zu  verrechnen  und,  was  davon  noch  nicht
bezahlt  ist,  für  sich  zu  bebalten.  Neben  diesen  Ueberschüssen  sind  zur  Erstattung
  der  bewilligten  60  000  fl.  noch  sechs  ganze  Monate  erforderlich,
  die  die  Städte  unter  sich  aufbringen  und  den  höhern  Ständen
bis  2.  Februar  1612  „abrichten“  müssen.  —  Für  Camerarius  wurde
eine  Verehrung  bewilligt,  weil  die  zu  Rotenburg  persönlich  anwesenden,
Fürsten  ihm  wegen  seiner  vielen  Bemühungen  in  den  Unionssachen
mit  Proponieren,  Dirigieren,  Verfassen  der  Schreiben  etc.  1000  Reichstaler
  verehrt  und  die  Städte  erinnert  hatten,  es  an  sich  auch  nicht
fehlen  zu  lassen,  worauf  diese  nicht  weniger  als  500  Reichstaler
geben  konnten,  es  ihm  auch  ankündigten  und  ihn  dabei  baten,  sich
die  Städte  empfohlen  sein  zu  lassen  und  besonders  daran  zu  sein,  wenn
auf  künftigen  Unionstagen  wichtige  Punkte  beraten  werden  sollen,  dass
auch  den  Städten  dies  zuvor  angekündigt  werde,  damit  sie  sich  darauf  besser
gefasst  machen  könnten.  Er  versprach  es  mit  dem,  dass  er  selbst  nicht
immer  wisse,  was  die  Fürsten  proponieren  lassen  wollten.  —  Damit  wegen
obiger  60  000  fl.  und  wegen  der  elsässer  Expedition  nichts  den  vorigen
Erklärungen  der  Städte  zuwiderläuft,  wurde  auf  deren  Begehren  in  den
Rechuungsabschied  ein  anderer  Praetext  der  Verwendung,  nämlich  die
Abdankung  des  Kriegsvolks,  die  Erhaltung  von  Friede  und  Einigkeit
  und  die  Schadloshaltung  aufgenommen.  —  Culmbach  hat  um
Passierung  der  von  Schirnding  geworbenen  Reiter  und  des  muffelschen  Fussvolks
  wiederholt  angehalten;  aber  weil  dies  Volk  zur  Landrettung  gehörte
und  die  Passierung  wider  die  vereinbarten  Regeln  gewesen  wäre,  hat
man  keinen  Eingang  machen  wollen,  worüber  der  culmbachische  Gesandte
  noch  vor  Fertigung  des  Abschieds  abreiste.  —

Wegen  des  Salzbandels  und  wegen  der  Beschwerden  gegen  Bamberg  wird
auf  den  Kreistag  verwiesen.  —  Wegen  der  nachbarlichen  Irrungen
zwischen  uns  und  den  Brandenburgern  hat  Fürst  Christian  von  Anhalt  ein
Schiedsgericht,  bestehend  aus  Württemberg,  Baden  und  zwei  Städten,
vorgeschlagen.  Da  wir  sahen,  dass  E.  E.*®  dazu  nicht  geneigt  sind,
haben  wir  uns  nicht  weiter  eingelassen  und  nur  bemerkt,  dass  zu  einer
fruchtbaren  Interposition  bessere  Vorbereitungen  gehörten;  man  möge
beim  Markgrafen  von  Ansbach  vorläufig  dahin  wirken,  dass  die  unnachbarlichen
  Tätlichkeiten  'eingestellt  und  die  Amtleute  zur  Einhaltung
der  Verträge  angewiesen  werden.  Es  wurde  uns  aber  erwidert,  der
Markgraf  führe  dieselbe  Klage,  und  hat  er  sich  beim  Votieren  einmal
ausdrücklich  verlauten  lassen  und  damit  auf  uns  gestochen,  dass  man
sich  zwar  mit  Worten  nachbarlich  erzeige,  die  Tat  aber  damit  nicht  über-
        <pb n="818" />
        Sept.  5.

Sept.  11.

196  1611  345—  346.

einstimme.  Doch  glauben  wir,  dass  unsere  Erinnerungen  nicht  ganz
fruchtlos  waren;  denn  der  Markgraf  zeigte  sich  beim  Abschied  sebr
gnädig  und  sagte  uns,  dass  er  wol  geneigt  sei,  mit  E.  E.?'®?  gute  Korrespondenz
  und  Nachbarschaft  zu  halten  und  dass  wir  ihn  dergestalt
rekommendieren  sollten.

Es  soll  bei  der  Anstellung  eines  Partikular-Städtetages  des  Ausschusses
  der  zwölf  deputierten  Städte  bleiben,  der  für  den  20./30.  Oktober
nach  Worms  einzuberufen  ist,  wenn  dies  den  Frankfurtern  gefällig  sein
wird;  Strassburg  wird  das  Ausschreiben  verfassen.  —  Aufzählung  der
verschiedenen  Schreiben,  die  ausgefertigt  wurden.  U.a.  haben  die
Religionsverwandten  der  augsburger  Konfession  zu  Amsterdam,
  die  man  dort  die  Martinisten  nennt,  den  Unionsrat  um  eine
Interzession  bei  den  Staaten  gebeten,  damit  ihnen  in  Städten.  Märkten
und  Flecken  das  freie  und  öffentliche  Exercitium  der  augsburger
Konfession  zugelassen  werde,  wie  sie  es  zur  Zeit  des  Grafen  von
Hobenlohe  gehabt  und  worüber  sie  zuvor  besondere  Verträge  und
Privilegien  erlangt  hatten.  Es  wurde  ihnen  willfahrt.!

Nach  der  Fertigung  der  Abschiede  und  nach  der  Danksagung  stellten
sich  die  Fürsten  in  der  Ordnung  neben  einander  auf  und  nahmen
von  den  noch  anwesenden  Städtegesandten  Abschied,  indem  sie  jedem
die  Hand  reichten,  sich  zu  guter  Nachbarschaft  und  Korrespondenz
erbotten  und  sich  rekommendierten.  Also  war,  wenn  es  bei  der
Handlung  auch  zuweilen  Anstösse  gab,  das  Ende  gut.  Alle
Fürsten  haben  die  Städtegesaudten  einmal,  manche  Fürsten  sogar
zweimal  zur  Tafel  gezogen.  Lynar  hat  im  Namen  des  Markgrafen
Christian  uns  noch  besonders  versichert,  dass  der  Markgraf  zu  aller
guten  Nachbarschaft  besonders  geneigt  sei  und’dass  man  bei  Irrungen
ihm  schreiben  solle.  Signatum  den  26.  augusti  a.  1611.

Nbg.,  Unionsakten,  tom  bb,  f.  1;  Kpt.  von  Burckhard.®

346.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  Kaiser  Rudolf  ll.

Der  Herzog  von  Braunschweig  ®  hat  mir  mitgeteilt,  dass  E.  M.!  sich  in
gesundem  Zustand  befinden,  worin  Gott  Sie  erhalten,  vor  aller  Widerwärtigkeit
  bewahren,  Derselben  glückliche  Regierung  und  Ueberwindung
aller  Feinde  verleihen  und  alles  gewähren  wolle,  was  Seele  und  Leib
erspriesslich  ist.  Ich  habe  mich  zwar  gegen  E.  M.'  wiederholt  so
erklärt  und  erwiesen,  dass  Sie  daraus  meine  treue  Affektion  verspüren
können;  ich  erkläre  aber  nochmals,  dass  ich  in  solchem  Vorsatz

!  Schreiben  der  Unierten  an  die  Generalstaaten  vom  ee

(Mb.,  119/2,  f.  199;  Kopie.)

?  Obiges  Schreiben  —  der  Schlussbericht  —  ist  der  einzige  Bericht
der  nürnberger  Gesandten  zum  Unionstag,  der  erhalten  geblieben  ist;  die
nürnberger  Unionsakten  haben  starke  Verluste  erlitten.

®  Ueber  Braunschweigs  Reise  nach  Dresden  vgl.  no.328,  Anm.  4  auf  3.  763.
        <pb n="819" />
        346—  347.  1611  797

verharren  will  und  bei:  bevorstehendem  Kurfürstentag  alles  befördern
helfen  werde,  was  zur  Erhaltung  E.  M.‘  Autorität  und  Reputation
und  zu  Dero  Gedeihen  gereichen  mag.  Datum  Dressden  am  1.  septemb.

a.  1611.
Dre.,  1.  7387,  IL  Buch  Kurfürstags,  f.  211;  Kptkopie.

347.  Domdechant  Adam  Wolf  genannt  Metternich  an
Herzog  Maximilian  von  Baiern.

Erzherzog  Leopold  ist  bei  Mainz  und  anderen,  von  denen
der  Kurfürst  sehr  abhängt,  in  guter  Rekommendation;?  „aber  wan
man  zum  zill  raumet  vand  wie  eins  voor  dass  ander  zu  bringen,
mit  ernst  durchgrundet,  so  stehet  man  starck  ann  vnd  ist  iemmer
die  groesse  klagh,  dass  man  nicht  gefolgdt,  dass  man  sich  selbs  alles,
wass  zu  richten  were  gewesenn,  vernichtiget.‘“  Einige  aber  meinen,
dass,  da  der  Kaiser  dem  Erzherzog  noch  wol  gewogen  ist,  den
Sachen  wol  zu  helfen  wäre:  „Wan  der  kaiser  sich  ins  reich
begebe,  woldt  man  ibme  einen  statlichen  stado  machen  (darzu  man
mit  mittelen  gefast)  vnd  wan  dan  erzherzog  Leopold  ein  zeit  als
manus  dextra  were,  so  wurt  sich  alles  richten  vnd  die  zeit  die
hindernussen  verzeren;  aber  dweil  dass  antecedens  wirt  swer  fhallen,
sorgh  ich  woel,  dass  consequens  dorfft  auch  stecken  pleiben.  Sunsten
spur  ich,  dass  man  noch  sehr  scheuch  ist  vnd  dass  man  nicht  trawe
mit  könig  Matthias  propter  quaedam  praeiuditia.  Vnd  so  vil  desto
mehr  solten  woel  etliche  gedancken  sein,  man  hielte  mit  der  wahl
noch  ein  zeit  ein;  dan  lichtlich  ein  schlechte  enderungh  sich  erregen
moecht,  dardurch  mann  vil  anders  zum  gewunhsten  zil  kundt;  aber
andere  meinen,  es  muiss  ein  ander  römischer  könig  sein,  sunsten  thue
es  nicht  guidt.“  Datum  Speir  den  13.  septeb.  a.  1611.

Ma.,  112|1,  f.  106;  Or.  eigh.

!  Diese  neue  Ergebenheitserklärung  des  Kurfürsten  wird  erst  völlig  ver
ständlich  durch  ein  Schreiben  des  Reichshofratssekretärs  Hertel  an  den  Herzog
von  Braunschweig  vom  11.  Septeniber,  aus  dem  hervorgeht,  dass  Kursachsen
beim  Herzog  eifrig  die  jülichar  Sache  betrieben  und  insbesonders  begehrt  hatte,
dass  den  jülicher  Landständen  alsbald  das  in  Aussicht  gestellte  kaiserliche  Patent
insinuiert  werde,  das  ihnen  von  der  erfolgten  kaiserlichen  Bestätigung  des
jüterbogker  Vertrag  Mitteilung  machen  und  sie  gegenüber  den  Bestrebungen  Kurbrandenburgs
  und  Neuburgs  zur  Neutralität  ermahnen  sollte.  Auf  Braunschweigs
Erinnerung  hin  wurde  das  vom  16.  August  datierte  Dekret  am  11.  September
ausgefertigt  und  vom  Kaiser  vollzogen  (Dre.,  l.  8808,  25.  Buch  jülicher
Sachen,  f.304;  Kopie)  und  zugleich  Konrad  .von  der  Tann  mit  der  Kommission
beauftragt,  das  Patent  den  jülicher  Landständen  zu  insinuieren  (Dres.,  1.  8808,
26.  Buch  jülicher  Sachen,  f.  109;  Kopie);  da  sich  aber  von  der  Tann  entschuldigte,
  unterblieb  schliesslich  dennoch  die  Schickung.

?  Vgl.  no.  334.

®  In  diesem  Punkt  traf  die  Meinung  der  Ligisten  mit  der  der
Unierten  zusammen;  vgl.  no.  292,  8.  674,  Anm,  1  und  u0.297  sowie  unten
no.  371,  ferner  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  U.,  S.  315  f.  und
M.  Bitter,  Politik  unı  Weschichte  der  Union,  a.  a.  O.,  8.  108.

Sept.  11.

Sept.  13.
        <pb n="820" />
        Sept.  16.

Sept.  17.

798  1611  348  —349.

348.  Kaiserliches  Dekret  an  die  pfalz-neuburgischen
Gesandten.

Beer  und  Silbermann  haben  um  Aufhebung  des  Bescheides  vom
80.  Juli  in  der  kurpfälzischen  Administrationssache?  gebeten.
Da  die  meisten  Kurfürsten  sich  seither  diesen  Bescheid  haben  gefallen
lassen,  so  kann  der  Kaiser  „noch  zur  Zeit‘  nicht  zu  dessen  Aufhebung
schreiten.  Damit  aber  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  nicht  Ursache  hat,
sich  zu  beklagen,  so  will  der  Kaiser  noch  vor  dem  Kurfärstentag
wegen  des  Ausschlags  in  der  Hauptsache  und  wegen  der  Einsendung
der  ausstehenden  Gutachten  anmahnen  ?  und,  falls  sie  nicht  rechtzeitig
einlaufen,  auch  auf  dem  Kurfürstentag  durch  seine  Gesandten  darum
inständig  anhalten  lassen.  Dagegen  wird  Pfalzgraf  Philipp  T,udwig
ernstlich  ermahnt,  bei  bevorstehendem  Kurfürstentag  das  gemeine  Wesen
nicht  zu  hindern  sondern  des  Kaisers  Ausschlag  (der  gleich  nach  Einlangen
  der  kurfürstlichen  Gutachten  erfolgen  soll)  abzuwarten.  Signatum
zu  Prag  den  16.  septembr.  1611.

Ma.,  201|17,  f  15;  Kopie.2

349.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich.

„Madame.  Les  lettres  de  l’empereur  dont  l’expedition  avoit
estö  commise  a  m."  Baruitz,  m’ont  este  deslivrdees..  11  a  aussy  reveu
et  signd  mon  instruction  et  ne  reste  plus  qu’a  depescher  les  lettres

!  Vgl.  no.  301  mit  Anm.  1  auf  8.  692,

?  Geschieht  unter  dem  1.  Oktober  1611  (Drs.,  1.  7388/6,  f.  415;  Or.).
Es  hat  übrigens  langen  Betreibens  durch  die  neuburgischen  Gesandten
bedurft,  bis  ihnen  irotz  vieler  Gegenwirkungen  dies  Schreiben  am  26.  Oktober
zur  Bestellung  übergeben  wurde  (vgl.  Me.,  no.  85/5;  —  Or.).

®  Obiges  Dekret  wurde  noch  am  17.  September  den  Neuburgern  eingehändigt,
  die  ihrem  Herrn  rieten,  sich  trotz  der  einverleibten  Inhibition
persönlich  zum  Kurfürstentag  zu  begeben,  da  durch  dies  Dekret  alles  in
vorigem  Stande  bleibe  (Me.,  no.  85/5;  —  Kopie).  —  Offiziell  zeigten  die  Neuburger
  natürlich  Misvergnügen  mit  dem  neuen  Dekret  und  baten  in  einer  un
datierten  Eingabe,  dass  aufs  wenigste  der  Admini  strationsstreit  vor  jeder  andern
Verhandlung  beim  Kurfürstentag  entschieden,  inzwischen  aber  Pfalzgraf  Jobann
nicht  zu  den  kurfürstlichen  Akten  zugelassen  werden  solle;  bleibe  der  Streit  unerörtert,
  so  würde  es  grosseVerwirrung  geben  und  würden  sich  «lie  Stände  wegen
des  unergänzten  Kurfürstenkollegs  durch  keinerlei  Abschied  verbunden  erachten;
es  sei  keine  Hinderung  gemeinen  Wesens,  auf  den  Bestimmungen  der  goldenen
Bulle  zu  bestehon  (Ala.,  301/17,  f.  100;  Kopie).  —  Die  Kurpfälzer  fühlten
sich  durch  das  neue  Dekret  sehr  beschwert,  besonders  durch  die  Klausel,
der  Kaiser  wolle  „noch  zur  Zeit“  das  Dekret  nicht  kassieren,  was  den  Argwohn
wachrief,  dass  das  erste  Dekret  nur  gelten  solle,  bis  der  Kurfürstentag
vorüber  sei  und  dass  man  den  Administrator  mit  der  Entscheidung  in  der
Hauptsache  übereilen  wolle.  Fürst  Christian  drohte,  dass  Kurpfalz  mit  den
Reichsrestanten  zurückhalten  werde  (Schreiben  an  den  Markgrafen  von
Ansbach  am  4./14.  Oktober;  Be.,  Rep.  88,  Unionsacta  ad  tom.  XI.,
f.  167;  Or.  eigh.),  der  Administrator  gar  mit  Zerschlagung  des  Kurfürstentags

  (Schreiben  an  den  Markgrafen  von  Ansbach  am  5./15.  Oktober;  Be.,
a.8.  0,  f.  153:  Or.).
        <pb n="821" />
        349.  1611  799

particulieres  dont  il  la  veult  accompagner,  ainsy  que  j’escrivois  a  V.  Sept.  17.
M.'  par  les  miennes  du  10.°  de  ce  mois.  Elles  seroient,  comme  je
croy,  entre  mes  mains  sans  une  petite  indisposition  que  le  teint  au
lit  jeudy  plus  que  de  coustume,  de  laquelle  bien  qu'il  soit  entierement
guery,  Dieu  mercy,  si  est  ce  que  l’audiance  secrete  quil  a  diet  me
vouloir  donner,  en  a  est&amp;amp;  pareillement  retardde.  Cependant  je  suis
adverty  qu’il  rumine  tousjours  les  moyens  de  se  venger  de  son  frere
et  qu’il  entretient  a  cest  effect  des  praticques  tant  en  ce  pays  qu’en
l’empire,  ou  il  a  envoy6  derechef  ces  jours  passez  le  s.”  de  Kinterodt!
pour  essaier,  ä  ce  que  l’on  dict,  de  faire  venir  icy  le  prince  Christian
d’Anhalt  et  le  marquis  d’Anspach,  a  fin  d’estreindre  avec  eux  et  les
autres  princes  et  estaiz,  leurs  confederez,  une  ligue  qui  aura  pour  but
entre  autres  choses  son  restablissement  dans  les  royaulmes  et
provinces  dont  il  a  este  depossed6.  Lielecteur  de  Mayence  luy  a  fait
savoir  que  l’assemblde  qui  avoit  est6  assignde  a  Millhausen  au  9°  du
prochain,  a  estö  transferdee  a  Nuremberg  pour  le  mesme  jour  a  cause
de  quelques  maladies  contagieuses  qui  regnoient  audict  Millhausen.?
Le  bruit  est  que  l’administrateur  de  Heidelberg,  ayant  chang6  d’aviz,
ny  interviendra  en  personne  non  plus  que  l’electeur  de  Brandebourg.
Ceux  que  Sa.  M.'%  imp.  a  destinez  pour  y  assister  de  sa  part,  sont
le  landgrave  Maurice  de  Hesse,  l’evesque  de  Bamberg,  le  comte  de
Helfenstein  et  le  8.”  Annibal.  J’ay  penetr&amp;amp;  qu’entre  ceux  offices
qu’elle  desiroit  du  roy  et  de  V.  M.'*,  l’un  des  principaux  estoit,  que
Vos.  M.!®  emploiassent  Leur  nom  et  auctorit6  envers  lesdicts  electeurs,
afin  qu’en  ladicte  assemblde  il  ne  se  face  et  ne  se  determine  rien
a  son  desavantage  ou  contre  ce  qu’elle  leur  fera  proposer  par  ses
deputez;  mais  elles  en  seront  deschargöes,  puisqu’elle  fait  tant  trainer
ma  depesche  et  que  le  tems  de  ladicte  assemblee  est  si  proche,  si  ce
n’est  qu’elle  soit  ancores  remise  a  plus  long  terme  ou  qu’elle  ne  se
dissolve  si  prontement.  Peut  estre  que  le  duc  de  Brunsvic  qui  est

—

‘  Eine  Beglaubigung  Günterodes  bei  derKurfürstin-Witwe  von  der  Pfalz  ist
vom  15.  September  datiert:  der  Kaiser  bittet  darin,  sich  gegen  den  Gesandten
so  zu  er  n,  „wie  solches  unser  und  des  algemein  betrangten  wesens
hoche  not  insonderheit  ervordert.“  Aus  den  Hofkammer-Akten  ergibt  sich,
dass  Günterode  beim  Administrator  der  Kurpfalz  nochmals  die  Einbringung
der  kurpfälzischen  Restanten  zu  betreiben,  der  Kurfürstin-Witwe  aber  „aus
seinen  ursachen*  ein  Kleinod  im  Wert  von  3500  Talern  zu  überreichen
hatte  (Wk.,  Hoffinanzakten,  September  und  Oktober  1611).  —  Im  Oktober
wusste  man  sich  am  prager  Hof  zu  erzählen,  dass  (sünterode  eine  Heirat
zwischen  dem  Kaiser  und  der  Kurfürstin-Witwe  von  der  Pfalz  zu  stande  bringen
wolle  (Bilbermann  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  5./15.  Oktober;  Me.,no.  85.5;  —
Kopie).  Freilich  wurden  auch  die  Kurfürstin-Witwe  von  Sachsen  (Zeitung  aus
Prag  vom  14.  September;  De.,  A  9a,  Ic.,  no.  4?  —),  ja  sogar  die  Königin-Regentin
  von  Frankreich  (Bodenius  an  den  Herzog  von  Baiern  am  20.  August;
Mc.,  Entstehung,  Kasz.,  lII.,  no.  26,  f.  147,  Or.  eigh.)  vom  Hofklatsch  dem
Kaiser  zugedacht;  vgl.  Windoly,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II,  S.  314.
Günteroue  verliess  Prag  am  13.  September  (Bodenius  an  den  Herzog  von
Baiern  a  1  September;  31c.,  a.  a.  O.,  f.  153;  Or.  eigh.).

0.  323,
        <pb n="822" />
        Sept.  17.

Sept.  17.

800  1611  349  -350.

icy  de  retour  depuis  peu  de  jours!,  aura  dispose  l’electeur  de  Saxe
a  se  monstrer  par  eflet  aussy  affectionnö  envers  Sadicte  M.'®  imp.,  comme
il  se  dit  estre  dans  plusieurs  medalles  et  monnoyes  qu'il  a  fait  batire
depuis  le  decez  de  son  predecesseur,  de  quoy  je  tascheray  de
m’esclaircir  pour  en  faire  relation  de  bouche  ou  par  escrit  a  V.  M“.
De  Prague  le  17.°  de  septembre  1611.“

Pa.,  Coll.  Harlay,  no.  238,  vol.  XII.,  f.295;  Or.

350.  Protokoll  einer  Unterredung  nouburgischer
Räte  mit  Geizkofler.

Geizkofler  erklärte:  der  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  habe  in  der  Administrationssache
  ein  treffliches  Recht  für  sich  und  sei  in  der  goldenen
Bulle  ‚wol  fundiert“;  was  die  Heidelberger  bisher  geschrieben,  gehe  nicht
„ad  rhombum‘‘;  zumal  in  Gothofreds  Büchern  ?  stünden  lauter  Nebensachen
  und  „Bachantereien“,  als  wenn  er  vom  Katheder  „deblaterierte“.
Geizkofler  hat  in  Rotenburg  verschiedenen  Fürsten,  besonders  Pfalzgraf
Jobaon,  offen  gesagt,  dass  dieser  zur  Vormundschaft  nicht  befugt  sei
Der  Pfalzgraf  entschuldigte  sich,  dass  er  sich  in  die  Tutel  nicht  eingedrängt
  habe  sondern  dazu  erfordert  und  mit  schweren  Pflichten  verbunden
  worden  sei;  er  bedaure,  mit  dem  Pfalzgrafen  Philipp  Ludwig,  den
er  sonst  schätze,  darüber  in  schweren  Misverstand  geraten  zu  sein;
wenn  ihm  die  Tutel  mit  Recht  aberkannt  werde,  sei  er  seiner  Pflicht
quitt.  Geizkofler  sprach  auch  mit  Lautern,  der  sich  unserm  Herm
nicht  widerwärtig  zeigte.  Lautern  wollte  zwar  behaupten,  „dass  die
dispositio  bullarum  nit  vergebens,  obschon  der  nechste  und  eltiste
agnat  vormund  sein  müste  sondern  dass  noch  audere  singularia  darinnen
zu  befinden.“  Geizkofler  bestritt  dies  zwar  den  Heidelbergern,  glaubt
aber  nicht,  dass  die  neuburgischen  Räte  in  Prag  die  Kassatioa  des
Dekrets  vom  30.  Juli  erlangen  werden;  es  sei  mit  des  Kaisers  Vorwissen
  ergangen  und  habe  sogar  Kurköln,  den  I.  fl.  Gn.  sich  sehr
geneigt  halten,  eifrig  zur  Bestätigung  der  Possession  geraten,  damit
das  Kolleg  ergänzt  sei  und  der  Kurfürstentag  fortgehen  könne’
Zwar  scheint  das  Dekret  vom  28.  Juli*  dem  vom  30.,  besonders

!  Der  Herzog  war  am  15.  September  zurückgekehrt  (Bodenius’  Bericht
vom  17.  September,  vgl.  die  vorige  Anm.).

?  Dionysius  (tothofredus  (vgl.  über  ihn  die  Allgemeine  deutsche  Bio
graphie,  9.  Bd.,  S.448r)  verfasste  zum  Administrationsstreit  die  Schrift  „De
tutelis  electoralibus  testamentariis  legitimas  excludentibus  libri  VI“  1611.

°  Vgl.  dagegen  no.  301,  S.  692.  Anm.  1;  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm,
der  mit  dem  Kurfürsten  von  Köln  eine  Unterredung  hatte,  schreibt  am
8./18.  September  seinem  Vater  aus  Cleve,  dass  der  Kurfürst  sich  über  das
kaiserliche  Dekret  selır  verwundert,  es  für  unbillig  erachtet  und  gemeint
habe,  es  würde  wol  noch  Mittel  geben,  es  zu  hintertreiben;  der  Kurfürst
wünsche,  dass  der  alte  Pfalzgraf  oder  Wolfgang  Wilhelm  deshalb  zum  Kurfürstentag
  kommen;  er  wolle  das  seine  tun  und  bei  den  geistlichee  Kurfürsten
unterbauen  (Ka.,  Kurpfalz,  Generalia,  no  5303;  Kpt.).

*  Vgl.  no.  301,  S.  691,  Anm.  2.
        <pb n="823" />
        50.  1611  801

wegen  der  mangelnden  kurfürstlichen  Gutachten,  etwas  entgegen  zu  Sept.  17.
sein;  es  muss  aber  zwischen  dem  Gutachten  super  causa  prinecipali
und  super  possessorio  unterschieden  werden.  —  Als  Geizkofler  und
Westernach  im  Namen  des  Kaisers  nach  Rotenburg  giengen,  schickten
sie  von  Neresheim  einen  Kurier  nach  Prag  und  erkundigten  sich,
wie  sie  sich  gegen  Pfalzgraf  Johann  wegen  des  Titels  verhalten  sollten,
worauf  ihnen  zu  Dinkelsbühl  das  kaiserliche  Dekret  überliefert  wurde.
Unter  den  Unierten  in  Rotenburg  war  darüber  grosser  Jubel;  Württemberg
  zwar  hätte  die  Sache  gern  anders  geordnet  gesehen,  doch
war  er  allein  der  übrigen  nicht  mächtig.  Geizkofler  hat  daselbst  gefunden,
dass  man  gar  schlechten  Favor  zu  Neuburg  habe  und  „umb  sonderbarer
  respect  willen‘  viel  mehr  zur  andern  Seite  neige,  „bevorab  weil
[sie]  von  derselben  in  vil  wege  zum  vorteil  zu  geniessen  hoffnung
hetten,“  denn  zu  Heidelberg  gehe  alles  durcheinander  und  sei  die
Einigkeit  unter  den  Räten  sehr  gering;  „die  churfürstin,  quae  mala
herba  diceretur  esse,  hette  die  regierung  in  der  hand  und  dahin
accomodiret  sich  furst  Christian,  wendet  auch  fleiss  an,  damit  die
räth  in  ihrer  uneinigkeit  erhalten  wurden,  welcher  auch  bisweilen
eine  dispatienz  von  sich  vernehmen  liess.“  Günterode,  der  nach
Rotenburg  kam  und  bei  den  Kurpfälzern  die  rückständige  Türkensteuer
  betrieb,  worauf  er  eine  Anweisung  auf  20  000  fl.  erhofft,  hat  dem
Pfalzgrafen  Johann  gesagt,  „dass  er  allein  die  ursach,  dass  zu  Prag
diss  leztere  decret  for  I.  fi.  Gn.  erhalten  worden“  ;  das  kaiserliche  Kredenzschreiben
  für  Günterode  an  den  Administrator  gab  diesem  schon  den  Titel
eines  Vormunds  und  Adniinistrators.  —  Unter  diesen  Umständen  glaubt
Geizkofler  nicht,  dass  in  Prag  die  Kassation  des  Dekrets  zu  erlangen  sein
werde;  denn  es  gehe  dort  nicht,  wie  es  gehen  soll  sondern  wie  es  gehen
mag;  Pfalzgraf  Johann,  der  den  Fürsten  Christian  von  Anhalt  nach  Nürnberg
  mitpimmt,  werde  zu  den  kurfürstlichen  Akten  zweifellos  Zutritt  erlangen.
  —  Geizkofler  weiss  nicht,  wie  I.  fl.  Gn.  zu  deren  Recht  zu  verhelfen
wäre;  er  will  aber  an  Wacker  und  Barvitius  schreiben,  damit  in  die  Instruktion
  für  die  kaiserlichen  Kommissarien  eingerückt  und  auch  den
Kurfürsten  aufgetragen  werde,  dahin  zu  trachten,  dass  der  Sache  vor  aller
anderen  Handlung  beim  Kurfürstentag  in  der  Güte  oder  durch  rechtmässigen
  Ausschlag  ein  Ende  gegeben  werde.  Ein  Schreiben  an  den
Kaiser  hält  er  für  vergeblich,  da  solche  Schreiben  unterschlagen
werden.  „Und  dieweil  er  eusserlich  bericht  empfangen,  dass  I.  M.'
[ihne]  Geizkoflern  auch  zu  dem  churfurstentag  abzuordnen  gemeint,
darwider  er  doch  praeoccupando  underbaut,  so  möcht  er  wol  wissen,
ob  I.  fl.  Gn.  pfalzgrave  Philips  Ludwigen  und  was  man  for  mittel
leiden  möchte,  denen  er  ferners  nachgedenken,  zu  dem  herzogen  von
Württemberg  —  solche  unvermerkt  naher  Heidelberg  zu  bringen  —
gen  Haidenheimb  sich  begeben  und,  da  er  auch  zu  dem  churfurstentag
kommen  solt,  bei  den  andern  kaiserlichen  commissarien  und  dem  churfurstlichen
  collegio  daran  sein  wolte,  damit  diesem  werk  in  der  güete  wo
moglich  möchte  abgeholfen  werden.‘  Geizkofler  selbst  denkt  an  folgendes

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd  bl
        <pb n="824" />
        Sept.  17.

Sept.  19.

Sept.  19.

802  1611  350-382.

Mittel:  die  Heidelberger  mögen  bekennen,  dass  die  Administration  1.  A
Gn.  [von  Neuburg]  gebührt,  worauf  dieser  mit  Rücksicht  auf  sein  Alter
u.a.ım.  sein  Recht  freiwillig  dem  Herzog  Johann,  doch  ohne  Praejudiz
für  die  Zukunft  abtritt;  das  wäre  mit  allen  Klauseln  gleichsam  in
eine  neue  Bulle  zu  bringen,  die  vom  Kaiser  und  den  Kurfürsten  zu
fertigen  und  den  kurpfälzischen  Untertanen  durch  Patente  zu  verkünden
  wäre.  Geizkofler  rät  dazu,  weil  er  stets  gehört  hat,  es  seiLfl
Gn.  nur  um  die  goldene  Bulle  und  um  Verhütung  künftiger  Fälk  m
tan.  Der  Austrag  der  Hauptsache  gehört  s.  E.  vor  Kaiser
Kurfürsten,  die  deren  Erkenntnis  nicht  gern  aus  ihren  Händen  lass
werden,  obwol  die  Heidelberger  behaupten,  sie  gehöre  vor  den  Beichstg:
auch  der  Markgraf  von  Baden  macht  eine  sehr  schwere  Sache  daras.

7.  sept.  a.  1611.
Ka.,  Kurpfalz,  Generalia,  no.  6308;  Kopie

351.  Cardenas  an  König  Philipp  III.

„senor.  Hablando  con  la  reyna  christ.@®  en  las  cosas  de
Alemana  me  dixo:  por  las  cartas  que  tenia  y  por  la  opinion  de  &amp;amp;
consejo,  que  era  muy  de  temer  que  las  cosas  de  nuestra  santa  religise
catolica  anduviesen  en  muy  mal  estado  y  se  empeorasen  muy  a  priess,
a  causa  que  el  emperador,  por  Oponerse  a  su  hermano,  se  ochava  en
las  manos  de  los  herejes  y  su  hermano,  para  sustentars
poderoso  para  con  lo  que  avia  salido  y  pretendido,  hazia  lo  mesmo,  y
venia  y  ofrecia  a  los  herejes  quanto  querian,  que  los  herejes  trayan
platicas  para  echar  la  religion  catolica  de  aquellas  provincias.  Anadi
la  reyna  que  ella  que  avia  visto  lo  que  su  marido  havia  hecho
las  diligencias  y  trabajo  que  costava  el  tratar  con  los  herejes  y  qw
no  querian  mover  sin  dano  de  nuestra  santa  religion,  podia  muy  bie
dezir,  que  era  menester  poner  cuydado  en  mirar  todas  estas  cosas,  antes
que  estuviesen  sin  remedio,  que  el  averse  comengado  la  dibision  entre
los  dos  hermanos  ha  sido  el  dano..  Hablavamos  muy  particularmente
vo  y  la  reyna  y  dixela  que  pensava  escrivir  a  V.  M.@  on  esto.  Respondiöme
  estas  palabras:  No  digais  que  yo  Os  lo  he  dicho,  pero  desid
que  lo  aveis  entendido  ac&amp;amp;  y  bien  podeys  dezir  como  de  Vuestr,
que  lo  que  una  pobre  muger  desde  su  camarin  [puede]  lo  hage,
ayudando  &amp;amp;  nuestra  santa  foe  catolica  y  lo  hard.  Bespondile  animandola
y  agradeciendola.  Tendr6  cuydado  de  escrivir  a  don  Baltasar  de
Cuniga  en  esta  conformidad.  De  Paris  a  19.  de  setiembre  de  1611.  —

Recibida  a  4  de  ottobre.
Pa,,  Arch.  nat.,  Mon.  Hist.,  K.  1465,  no.  44;  Or.

352.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Michael
Loefenius,

Befebl,  sich  am  9.  Oktober  zu  Nürnberg  einzufinden.  Da  beim
Kurfürstentag  auch  von  der  Verbesserung  des  Justizwesens  beim
        <pb n="825" />
        352—353.  1611  803

Kammergericht  geredet  werden  soll,  dieses  aber  durch  die  so  stark  an-  Sept.  19.
gewachsenen  Revisionen,  besonders  durch  die  vier  Klostersachen
„gesteckt“  wird,  so  wird  man  in  Nürnberg  auch  von  der  Beseitigung
dieser  Hindernisse  reden  müssen.  „Und  erinnern  wir  uns,  dass  etwan
von  den  mainzischen  räthen  gleichsamb  obiter  gedacht  worden,  wan
man  pabstischen  theils  versichert  werden  könte,  dass  man  diser  orts  mit
einzihung  der  geistlichen  güter  nit  wieder  zugreifen  sonder  sich
an  den  albereit  habenden  genug  zu  lassen  bedacht,  dass  villeicht  solches  aus
den  sachen  zu  kommen  ein  mittel  sein  möchte“!  Um  nun,  falls
diese  Sache  beim  Kurfürstentag  vorkommt,  mit  gewisser  Resolution
gefasst  zu  sein,  was  wir  hierin  gegen  die  andern  evangelischen  Stände
verantworten  könnten,  80  begehren  wir  hierüber  Dein  Gutachten.  Datum
Heidelberg  den  9.  septembris  1611.
Ma.,  547|14,  f.  280;  Kpt.  von  Hausmann.

853.  Die  Provisoren  und  die  evangelische  Gemeinde  Sept.
zu  Köln  an  die  Kurfürsten  insgesamt.  [zum  22.)

Hinweis  auf  die  Bestimmungen  des  Religionsfriedens  zum  Schutz
der  Bekenner  der  augsburger  Konfession.  An  diese  Satzungen  ist.  der
hiesige  Rat  wiederholt  erinnert  worden;  „es  hat  sich  doch  wolermelter
raeth  dardurch  keineswegs  erweichen  lassen  sonder  immer  vortgefahren,
die  hochbeschwerliche  und  wider  den  religionsfrieden  ufgerichte  statuta,
edicta  und  morgensprachen  mit  schmehelichen  gefengnissen,  unträglichen
geltstrafen  und  stattverweisungen  zu  exequiren,  haben  uns  auch  durch
ihre  gefährliche  anbrengere  auf  alle  wege  nachgetrachtet,  wie  sie  uns
zum  creutz  bringen  konnen.”  Da  sie  in  unserm  gottsdienst  den

1  Diese  Aeussornng  fiel  bei  der  bensheimer  Unterredung  der  kurpfälzischen
  und  kurmainzischen  Räte  am  22.  November  1607;  vgl.  Briefe
und  Akten,  I.,  no.  508,  S.604,  V.,  no.  897  und  unten  no.  361  auf  8.  827.

?  Vgl.  über  die  Bedrängnis  der  evangelischen  Bürgerschaft  zu  Köln  ausser
L.  Ennen,  Geschichte  der  Stadt  Köln,  V.,  Düsseldorf  1880,  8.  472  f.,  648  f.  die
Verhandlungen  beim  rotenburger  Unionstag  in  no.  305,  S.  720  (Protokoll  vom
12./22.  August)  und  den  rotenbarger  Hauptabschied  in  no.  330,  8.770.  —  Andie  Bedrängnis
  der  evangelischen  Kölner  knüpftauch  der  mühlheimerStreit  an.  Die
Bedrängten  suchten  Zuflucht  in  der  „Freiheit“  Mühlheim  a.  Rh.,  die  im  Gebiet  der
Possidierenden  lag.  Schon  am  15.  September  1611  berichtet  eine  Zeitung  aus  Köln,
da  Mühlbeim  den  vertriebenen  Kaufleuten  aus  Köln  für  deren  Handlung  wol  gelegen
sei,  80  hätten  vergangene  Woche  die  Pogsidierenden  ihren  Baumeister  P.  Pasquil  und
den  Amtmann  dortgehabt,  um  die  „Gelegenbeit*  zu  besichtigen  und  Anstalten  zur
Erweiterung  des  Ortes  zu  treffen;  es  sollen  tausend  und  mehr  Häuser  gebaut
werden;  man  habe  in  diesem  Sommer  schon  einen  guten  Anfang  gemacht
und  solle  im  nächsten  damit  fortgefahren  werden;  man  wolle  auch  Patente
in  allen  Sprachen  anschlagen  und  grosse  Privilegien  gewähren  (De.,  A  9a,  Ic,
no.  10;  Avisen).  —  Besonders  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  nahm  sich  der

.  24.  August
Belrängten  an  und  wandte  sich  am  3.  September  an  den  Kurfürsten  von

Sachsen  mit  der  Bitte,  die  Sache  der  Kölner  beim  Kurfürstentag  wahrzunehmen
  ‚Drm.,  1.  7388/6,  f.  560,  Or.).  ’
61*
        <pb n="826" />
        Sept.
[zum

804  1611  353.

prediger  gottlichs  worts  bekommen,  haben  sie  denselben  alspald  gefenglich
eingezogen,  aufs  scharpfste  examinirt  und  entwieder  dem  graefen  als
einen  missthäter  geliefert  oder  uf  eine  hohe  ubermessige  geltstraf«
angeschlagen  und  endlich  negst  deren  erlegung  der  statt  verwiesen.
Dem  burger,  bei  welchem  die  zerstorung  des  gottsdienst  geschehen,  ist
ein  ganz  jar  lang  sein  haus  verschlossen,  alle  burgerliche  nahrung,
handlung  und  wandlung  genzlich  abgestrickt,  pro  arbitrio  eine  grasse
merkliche  geltstrafe  von  zwei-,  drei-  oder  vier  hondert  goltgulden
abgefordert  worden;  hat  darneben  zu  thurn  gehen  und  darin  auf  gnad
und  ungnad,  ob  er  der  stat  verwiesen  werden  solle  oder  nicht,
erwarten  muessen;  wie  ebenfals  die  andere  angetroffone  mitchristen
ohne  underscheid,  es  sei  man  oder  frau,  son  oder  dochter,  kneckt
oder  magt,  jedus  haupt  vor  haupt  hondert  goltgulden  geben,  dar
auch  nach  dess  raets  gefallen  zu  thurn  gehen  und  dasalbs  ein  zeit  lang
haben  verstrickt  pleiben  mussen.  Welche  auch  nit  nach  papistischer
weiss  sich  zu  die  ehe  befelhen  und  ihre  kinder  also  taufen  lassen,
seind  wegen  jedes  puncts  in  hondert  goltgulden  gestraft  und  darfur
mit  wurklicber  pfandschaft  heimbgesuecht  worden.  Den  eingeborne
kindern,  so  nit  uf  papistisch  qualificiert  und  getauft  sein,  ist  di
grosse  burgerschaft  und  burgerliche  freiheit  im  kaufen  oder  verkaufen,
wie  andern  eingebornen  papistischen  burgerskindern,  nit  gestattet,
auch  bisweilen  verweigert,  dass  sie  an  ihre  elterliche  verlassene  erbschaft
zu  ordenlichem  schrein  nach  ublichen  stattrechten  nit  haben  geschrieben
oder  erbfast  gemacht  werden  konnen.  Wen  auch  hiebevorn  ein
ehrlicher  und  verstendiger  burger,  so  der  auspurgischer  confession
zugethan,  auf  seinem  gaffelhaus  durch  eine  freie  wahl  in  den  raeth
erkoren  oder  wen  einer  ein  zeitlang  dess  raeths  gewessen  und  darnach
sich  zur  auspurgischen  confession  begeben,  demselben  ist  der
raethsgang  verpoten  und  nit  mehr  zugelassen,  als  wen  solche  religionsverwandten
  laut  dess  gemeinen  burgerlichen  verbundbriefs  kein
ehrliche  männer  und  burger  weren.  Und  seind  mit  solchen  und
dergleichen  viel  mehr  beschwernissen  die  religionsverwandten  vor  disem
geplaget  und  underdruckt  worden.

Aber  nachdem  vor  jahrszeit  alhie  zu  Collen  bei  der  schwerer
einleggerung  so  viles  kriegsvolks  eine  gemeine  burgerschätzung  (bei
welcher  die  religionsverwandten  vor  andern  zum  hochsten  angeschlagen
und  ubermessig  geschetzt  worden)  angerichtet,  da  hat_man  erstlich
nach  vollenziehung  solcher  beschwerlicher  schätzung  je  mehr  und
mehr  vortgefahren,  die  religionsverwandten  auszutreiben.  Haben  domals
auch  alspald  die  Jesuiter  mit  ihren  giftigen  raedtschlägen  sich  darbei
gethaen  und  neben  ihrem  zustand  zu  verdruckung  der  religionsverwandten
  eine  neue  bruderschaft,  so  sich  nennen  läst  »unser  lieber  frawea
rosenkranz  bruederschaft«,  angestiftet,  darzue  sie  eine  grosse  anzaln
burger  und  burgerskinder  und  sonst  allerlei  gesindlein  ein-  und  aus
wendiger  verlocket  und  eingeschwetzet;  welche  alle,  so  mit  solcher
bruederschaft  befangeu,  under  anderm  sonderlich  darzue  mit  eidspflicht
        <pb n="827" />
        353.  1611  805

aufgenommen  und  verstrickt  werden,  alles  dasjenig,  was  sie  in  oder

ausserhalb  Collen  sehen,  horen  oder  erfaren,  das  einigermassen  gegen  [zum

die  papistische  religion  und  deren  anhang  sein  oder  verstanden
werden  und  was  hingegen  zu  ausrottung  der  religionsverwandten
dienen  muchte,  solches  den  Jesuitern  schriftlich  anzuprengen,  welche
allerseit  in-  und  anprachte  schriftliche  aettulen  durch  die  Jesuiter
und  ihre  provisores  wochentlich  ein  oder  zweimaln  visitirt  und  ausgeklaubt
  werden.  Da  findet  sich  dan,  dass  ein  nachbaur  den  andern,
ja  ein  leiblicher  brueder  den  anderen  und  das  kind  seine  eigene  eltern
in  disem  oder  jenem  falschlich  afterredet  und  angetragen.  Und  was
also  die  jesuitische  rosenkranzesbrudere  und  andere  gefährliche  anprengere
  ausgekundschaft  oder  aus  ihrer  bosheit  erdichtet,  dasselb  wird
zuletzste  einem  ersamen  raeth  durch  ihre  sonderlich  darzue  deputirte
inquisitores  angegeben;  werden  darauf  die  denunciati  oder  angeclagte
geschwind  vorgenommen,  etliche  gestracks  zu  thurn  geschleift,  andere
aber  alspald  unerhorter  sachen  mit  weib  und  kinderen  der  statt  verwiesen.
  Und  ob  gleich  jemand  mit  seinen  nachbaurn  oder  auch  papistischen
leuten  beweisen  wolte,  dass  er  falschlich  beim  raeth  angetragen,  mag
es  doch  nit  helfen  sonder  wird  den  rosenkranz-jesuitischen  bruedern
nnd  anderen  bestelten  denunciatoribus  so  starker  glaub  zugestelt,
dass  sie  allezeit  recht  haben  und,  was  nur  uf  deren  falschlich  anprengen
  einmal  durch  den  raeth  geschlossen  worden,  solches  muess
bleiben,  es  sei  gleich  der  angeclagten  unschuld  so  offenbar  und  hell  als  der
tag.  Wie  dan  ein  ersamer  raeth  under  sich  geschlossen,  68  solle  niemand
von  ihnen  der  religionsverwandten  supplicationes,  defensiones  oder
andere  schriftliche  notturft  in  raethsstatt  vorprengen  und  das  under
einer  geltstrafen,  auch  eines  ersamen  raeths  hochster  ungnaden,  ja  etliche
raetbsheren  bekennen  und  sagen  ausdrucklich,  ein  ersamer  raeth  wolle
der  religionsverwandten  verthetigung  mit  nichten  anhoren,

Es  het  wol  ein  ersamer  raeth  in  seiner  den  11.  aprilis  dises  jars  1611
publicirter  morgensprachen  denselbigen  allen  insgemein,  welche  nit
papistisch  und  sithero  des  jars  1590  zum  burgerrecht  eingeschriben
und  angenommen  worden,  alle  burgerliche  frei-  und  gerechtigkeit
aufgekündiget;  aber  nunmehr  pleib  es  nicht  allein  bei  denen  sonder
die  alte  burger  und  burgerskindere,  so  vor  zwanzig,  dreissig  und
mehr  jaren  zu  Collen  gewohnet  und  in  allem  politischem  wesen,  wie
ehrlichen  burgern  geburt,  sich  still  und  gehorsam  jederzeit  gehalten,
werden  jetzo  wieder  alle  recht  und  christliche  pilligkeit  obne  underscheid
verstossen  und  aussgejag.  Welche,  um  Gottes  wort  zu  horen,  nach
Mulheim  oder  andern  benachbarten  ortern  gehen,  werden  an  den
statpforten,  item  im  offenen  feld  und  in  der  stat  auf  den  gassen,
bissweilen  auch  in  ihren  eigenen  hausern  mit  soldaten  und  gewaltsdieneren
  angegriffen,  im  haftung  geworfen  und  muss  endlich  jede
person  hondert  goltgulden  zur  straf  geben  oder  die  stat  reumen;  wo
aber  ein  diener,  knecht,  dinstmagt  oder  sonst  ein  ander  haus-  oder
tischgenoss  das  vermugen  nit  hette,  die  hondert  goltgulden  auf-Sept.



22.]
        <pb n="828" />
        Sept.
[zum

806  1611  353.

zuprengen,  so  muess  der  herr  meister  oder  wirt  dieselbe  darschiessen.
Die  studiosi,  welche  sich  zur  wahren  auspurgischen  confession  bekennen
und  nach  Mulheim  zur  predig  gehen,  seind  auch  nit  befreiet  sonder
werden  an  allen  pforten  durch  die  soldaten  und  gewaltrichtere  angefertigt,
  offentlich  zu  thurn  geführt  und  darin  mit  allerhand  unzimblichen
  bedrewungen  so  weit  gedrungen,  dass  sie  bei  iren  aus
drucklichen  eiden  globen  muessen,  sich  der  mulheimer  predigten,  ak
lang  sie  zu  Collen  verpleiben  wollen,  genzlich  zu  enthalten.  Die  aber
wiederumb  betreten  sein  worden,  hat  ein  orsamer  raeth  in  die  schwersten
gefengnissen  werfen  lassen  und  als  meineidige  strafen  wollen;  dens
auch  aller  zugank,  menschlicher  trost  und  wart  genzlich  abgestrict
worden,  dermassen  dass  auch  deren  eigne  eltern  und  verwandten  de
behaften  nit  ansprechen  moegen,  biss  sie  nach  langweiliger  incarcerativa
endlich  zu  eines  raeths  wolgefallen  sich  abermalen  eidlich  verbinden  wml
als  obgedacht  haben  globen  muessen.  Es  werden  auch  die  leute,  so  uf
fest-  oder  feirtage  von  Mulheim  oder  uber  Rein  kommen,  durch  die  ge
waltrichtere  an  den  pforten  absonderlich  examinirt  und  bei  ihren  eiden
abgefragt,  ob  sie  auch  zu  Mulheim  in  der  predig  gewesen;  der  daa
nit  alspald  bereit  ist,  sich  daruber  eidlich,  zu  eXpurgiren,  muss  gt
schwind  zur  haftung  hinein  und  alda  seines  bescheids  abwarten.

Sobald  nun  jemand  am  fiscalischen  gericht  wegen  kindertauf
  oder  ehebefehlung  wird  angeclagt,  mussen  gestracks  die  hondert
goltgulden  erlegt  oder  die  stat  aufs  lengst  innerhalb  vierzeha
tagen  gereumbt  werden;  damit  niemand  verschonet  noch  mit  rechtmessiger
  verthetigung  angehort  wird.  Welche  aber  in  so  kurzer.
geschwinder  zeit  nit  weichen  konnen,  diesselbe  werden  mit  de
gewaltrichtern,  beigewelten  und  deren  dieneren,  auch  mit  soldater
aus  ihren  häusern  gesetzt,  ja  uber  die  elenden  und  kranken,  wre
auch  die  junge  kinder  in  der  wiegen  ist  keine  erbarmung  sonder
werden  thaetlich  vor  die  thür  gestossen  und  das  haus  verklaustert.
Alle  officianten,  item  der  burgerlicher  wachten  befelchhabere,  so  nit
guet  papistisch,  seind  ihrer  empter  und  dinsten  (unerachtet  dero  vor
langen  und  vilen  jaren  mit  guetem  rum  und  ohren,  dass  auch  die
papistische  burgere  sich  daran  recht  wol  genuegen  haben  lassen,
getragener  verwaltung)  entsetzet,  als  wen  dieselbe  treulose  leute  weren:
wie  auch  den  kauf-  und  handelsleuten  ihre  winkel-  und  kramladen
verschlossen  und  sub  poena  confiscationis  bonorum  alle  handlung  mit
kaufen  und  verkaufen  verboten  worden;  ist  auch  auf  allen  gaffekn
bei  hoher  straf  verboten  worden,  dass  keine  knechte  oder  lehrjungen
auf  den  gaffelen  eingeschrieben  oder  selbigen  ihre  jahr  gestattet  noch
zu  burgern  angenommen  werden  sollen,  sie  haben  sich  dan  zufurderst
auf  guet  papistisch  qualificirt  gemacht,  unerwogen  was  ehrlichen
herkommens,  handels  oder  wandels  die  auch  sein.  Und  ob  wol  be
vorigen  jahren  die  gulische,  clevische  und  marckische  underthanen,  so
ihrer  ehrlicher  geburt  guet  gezeugniss  vorprengen  konnen,  ohn  fernere
qualification  scind  zu  burgern  angenommen  worden,  solle  doch  mit
        <pb n="829" />
        353.  1611  807

solchem  altem  herkommen  sich  hinferner  niemand  behelfen,  freien

oder  erfreuen  moegen.  Dergestalt  werden  nicht:  alleine  die  burgere,  [

unangesehen  aller  ausgestandener  burgerlicher  lasten,  ihrer  mit  grossen
merklichen  kosten  hiebevorn  erlangter  burgerlicher  gerechtigkeiten
genzlich  beraubt  sondern  auch  die  knecht  und  lehrjungen,  so  wol
eingeborne  als  ausheimische,  umb  ire  zeit  und  lehrjaren,  auch  alle
angewendte  kosten  gepracht.

Gegen  dieses  alles  helfet  gar  nit,  dass  wir  wahrer  auspurgischer
confession  verwandten  uns  uf  den  religionfrieden  beruefen  und  uns
dessen  geniessen  zu  lassen  diemuetig  pitten,  flehen  und  anhalten,
sonder  treiben  sie  mit  solchem  unserm  begehren  ihren  spott,  verlachen
den  religionfrieden  und  dieselbe,  so  sich  zu  wahrer  auspurgischer
confession  bekennen,  schelten  uns  nur  uberall  vor  ketzer,  inmassen
auch  die  Jesuiter  und  etliche  andere  papistische  pfaffen  auf  den
predigstuelen  wider  die  auspurgische  confession  und  dero  zugethane
so  grausame  laster  und  unnutze  spotreden  erdichten  und  auswerfen
als  niemals  zuvorn  gehort  worden;  reizen  und  treiben  damit  an  nicht
allein  die  obrigkeit  zu  der  scharpfen  verfolgung  sonder  wickelen
auch  die  gemeine  burgerschaft  auf,  gestalt  also  wider  die  religionsverwandten
  ein  immerbrennender  hass,  missvertrauen  und  uneinigkeit
angezundet  und  gestiftet  und  dieselbige  daher  desto  geschwinder  mit
weib  und  kinderen  von  aller  nahrung  ausgejagt  und  verstossen  werden.

Obwoln  aber  durchs  ganze  romische  reich  teutscher  nation  und
schier  durch  die  ganze  welt  ausgeschollen,  wie  vil  fromme  christen
vast  tyrannischer  weis  mit  unordentlichem,  widerrechtlichem  gewalt
sein  uberfallen,  der  religion  und  gewissens  halber  geschendet  und
gepfendet  und  entlich  aus  aller  nahrung,  handlung  und  wandlung
vertrieben  worden,  so  wollen  dannoch  die  papisten  insgemein  mit
iren  tyrannischen  thaethandelungen  sogar  behuetsamb  sein  und
ausserhalb  Collen  nit  horen  oder  bekennen,  als  ob  sie  jemanden  der
religion  halben  vertreiben  oder  verfolgen  theten,  wollen  auch  niemandem
seines  abzugs  oder  wesshalber  er  vertrieben  worden,  einigen  den
geringsten  schein  mittheilen,  und  in  summa  numehr  insgemein  und
überall  mussen  alle  und  jede,  so  zum  burgerrecht  begeren  angenommen
zu  werden,  sie  sein  in-  oder  auswendig  Collen  geboren,  sich  erstlich
dem  kirspels-  pfaffen  zeigen,  demselbigen  ihre  ohrenbeicht  thuen,
dass  sie  romanisch-catholisch  oder  papistisch  sein,  darauf  zur  mess
gehen  und  auf  pabstliche  weise  communiciren,  werden  demnegst  mit
einem  zettulgen  under  des  beichtpfaffens  hand  zu  eines  ersamen  raeths
deputirten  qualificationmeistern  verwiesen;  vor  denselbigen  muess  die
gethbane  beicht  mit  diesem  ausdrucklichen  eidschwur  bestetigt,
bethauret  und  gleichsamb  anglobt  werden,  dass  sie  der  pabstlichen
religion  von  herzen  zugethan  und  dero  gemess  leben  und  sterben
wollen.  Uber  das  alles  hat  noch  unlengst  ein  ersamer  raeth  edictirt
und  offenlich  anschlagen  lassen,  dass  denselben,  welchen  einmaln  die
burgerliche  beiwohnung  aufgekundet,  den  abzug  selbs  erwehlet  oder
        <pb n="830" />
        Sept.
(zum

808  1611  3593.

genommen,  hinfüro  zu  Colleu  von  niemandem  einige  hausser,  kammer,
keller,  soller  oder  dergleichen  zu  ihrem  ufenthalt  keinerlei  weis
vermietet  oder  eingeraumbt,  ihre  namen  in  den  amptsbucheren  aus
gestreichen,  ihnen  keine  amptsgerechtigkeit  oder  deren  gebrauch  mehr
gestattet  oder  zugelassen,  sonder  fur  frembd  und  auswendige  gehalten,
such  anders  nirgentz,  wen  sie  sich  in  die  statt  begeben,  als  in  offenen
herbergen  ufgenommen  und  logirt  werdeu  sollen,  alles  under  peen
von  50  goltgulden,  die  ein  jeder,  so  hiergegen  gehandelt,  zum  erstea
und  zum  andern  mal  10V  derselben  verwirkt,  auch  nach  ubertretung
weiterer  und  ernstlicher  straef  an  gelt  oder  am  leib  nach  gelegenbeit
der  umbstände  zu  gewarten  haben  solle.

Sintemal  nun,  gnedigst  und  gnedige  herren,  die  christen  alhie  zu  Colla
mit  mancherlei  wunderbarlichen  und  vast  unzehligen  mehr  practiken  ange
griffen  werden,  eines  ersamen  raeths  und  anderer  papisten  gedanken,  rastkschläg
  und  thaethandlungen  auch  dahin  genzlich  gerichtet  sein,  inmassen
sie  sich  auch  offentlich  horen  und  verlauten  lassen,  es  sollen  alle  und
jede  religionsverwandten,  sie  sein  wie  sie  wollen,  allerdings  die
statt  reumen,  wo  sie  sich  zu  ihrer  pabstlichen  religion  nit  ergebes
und  gehorter  massen  qualificiren  wollen,  und  aber  obgedachte  betrangnissen
  dem  hochverpeentem  religionfrieden  nicht  allein  gestracks  zuwider
  sonder  auch,  da  diese  unchristliche  wuterei  und  mehr  als
turkische  unaufhorliche  verfolgung  und  tirannischen  betrangnissen
immer  vortbrechen  und  nit  etwo  gezuckt  werden  solten,  als  dan
zuletzet  mehr  schaedliche,  hochnachdenkliche  bose  consequentien  daraas
zu  gewarten  sein,  hierumb  negst  Gott  almechtigen  ruefen  EE.  chur-  und
fl.  Gnn.  wir  hiemit  an“  und  bitten  Dieselben,  auf  Mittel  und  Wege  sa
denken,  wie  der  Rat  von  Köln  von  dieser  Verfolgung  und  Unterdrückung
  der  Christen  abgemahnt  und  dahin  gewiesen  werden  könnte,
„das  exercitium  wahrer  auspurgischer  confession  in  Collen  offentlich
oder  je  zum  wenigsten  in  unsern  hausern  und  sonst  den  benachbarten
ortern  ausserhalb  Collen  ohne  eindrach  zu  verstatten  und  freizugeben,
die  ausgetriebene  burgere  und  burgerskindere  in  vorigen  stand
wiederumb  zu  restituiren,  anzunehmen  und  uns  hinferner  der  religion
halber  an  leib,  ehren  und  guet  unbeleidigt  bei  sich  wohnen  zu
lassen.“  O.  D.!

Unterzeichnet  sind  „die  provisores  und  semptliche  gemeine  wahrer
auspurgischer  confession  zu  Collen.“
Drs.,  1,  7388|6,  f.  564;  Kopie.?

ı  Datiert  nach  dem  Bittgesuch  der  evangelischen  Kölner  an  den  Kor
fürsten  von  Sachsen  vom  12/.22  September  (Dres.,  a.  a.  O.,  f.  563;  Or.)
wozu  obige  Denkschrift  die  Beilage  ist.

?  Der  katholische  Rat  liess  darauf  den  Kurfürsten  durch  seine  Abgesandten
zam  Kurfürstentag,  durch  den  Bürgermeister  Johann  Hardenradt  und  den
Stadteyndikus  Johann  Cronenburg,  folgende  Rechtfertigung  überreichen:  Der
Rat  der  Stadt  Köln  hat  erfahren,  dass  einige  der  „widerwärtigen  Religion“
Zugetane,  die  in  ihrer  Stadt  eingesessen  sind,  neben  einigen  nenlich  Ausgewiesenen
  allenthalben  verbreiten,  dass  der  Kat  sie  und  andere  Glaubens-
        <pb n="831" />
        354.  161]  809

354.  Baugy  an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich.  Sept.  24,

„Madame.  J’ay  en  main  l’instruction  de  l’empereur  et  les
lettres  secrettes  pour  le  roy  et  pour  V.  M.'  dont  je  mandois  par  mes

genossen  ohne  Grund  nur  der  Religion  halber  wider  den  Religionsfrieden  und
andere  Reichsgesetze  verfolge  uud  aus  der  Stadt  weise.  Zwar  ist  deswegen
noch  nichts  Beständiges  an  den  Rat  gekommen;  dieser  weiss  auch  gar
nicht,  zu  welcher  Religion  die  Klagenden  sich  bekennen,  da  deren  viele
nicht  einer  gewissen  lutherischen  oder  calvinischen  Religion  sondern  den
Libertinern,  Wiedertäufern  und  andern  unzulässigen  Sekten  zugewandt  sind
und  sich  doch  mit  der  gemeinen  evangelischen  Freiheit  schützen  wollen.  Trotzdem
will  der  Rat  einen  wabren  Gegenbericht  geben:  Vor  ungefähr  Jahresfrist  wurde
zu  Mühlheim,  einem  Flecken  gegenüber  der  Stadt,  gewiss  auf  Beförderung
der  teile  dort  teils  zu  Köln  ansässigen  Religionsverwandten  von  den  Unkatholischen
  begonnen,  unter  starkem  Zulauf  aus  der  Stadt  Köln  sowol  an  den
gebotenen  Sonn-  und  Feiertagen  wie  auch  an  Wochentagen  Öffentliche  Predigten
zu  halten.  Darauf  hat  der  Rat  zur  Vermeidung  aller  Gefahren  und  Unruhen,
die  durch  das  häufige  Ein-  und  Ausziehen  erfolgen  könnten,  männiglich
öffentlich  dies  Ein-  und  Ausziehen  zu  den  Predigten  bei  Strafe  von  50  Goldgulden
  für  das  erste,  100  für  das  zweite  mal  und  Aufkündung  „bürgerlicher
Beiwohnung“  bei  beharrlichem  Ungehorsam  verbisten  lassen.  Trotzdem  aber
sind  die  widerwärtigen  Religionsgenossen  aus  bösem  Vorsatz  und  Trotz  und
zu  besonderem  Despekt  der  Obrigkeit  in  gleicher  Zahl  wie  bisher  zu  den
unkatholischen  Predigten  und  Zeremonien  nach  Mühlheim  gezogen,  so  dass
der  Rat  zur  Handhabung  seines  Ediktes  genötigt  war,  auf  die  Verbrecher
ernstlich  Acht  zu  haben,  sie  vorzurufen  und  auf  ihr  eigenes  Bekenntnis  hin  von
ihnen  obige  Strafen  einzufordern.  Diese  Strafen  wurde  aber  denen  nachgelassen,
welche  versprachen,  dem  Edikt  künftig  zu  gehorchen  und  bei  Verwirkung  ihrer
bürgerlichen  Rechte  den  Predigten  nicht  mehr  beizuwnhnen;  denen  aber,  die  erklärten,
  dass  sie  Gewissens  halber  den  Predigten  folgen  müssten  und  dass  sie  durch
das  Verbot  der  weltlichen  Obrigkeit  sich  daran  nicht  behindern  lassen  dürften,
hat  man  gemäss  den  Reichsgesetzen  den  Abzug  auf  gewisse  Zeit  angekündigt
und  hat  ihnen,  als  sie  sich  unter  Vorwänden  länger  in  der  Stadt  aufhielten  und
dabei  frevelmütig  die  verbotenen  Predigten  besuchten,  endlich  die  Häuser
gesperrt  und  sie  wirklich  ausgesetzt.  Es  haben  sich  auch  seit  einigen
Jahren  und  besonders  während  des  niederländischen  Krieges  verschiedene
Fremde  in  der  Stadt  Köln  niedergelassen  und  unter  dem  Schein,  der  katholischen
  Religion  zugetan  zu  sein,  sich  bei  den  Gaffelhäusern  ohne  vorhergehende
  Qualifikation  entgegen  den  Edikten  des  Bates  einschreiben  lassen  ;
sie  haben  auch  die  sogenannte  grosse  Bürgerschaft  beim  Rat  erworben
und  die  besten  Häuser  und  Winkel  zum  Seiden-  und  Tuchschnitt  und  zum
Weinhandel  an  sich  gebracht.  Diese  Eingewanderten  haben  einen  ausdrläcklichen
  leiblichen  Eid  auf  die  katholische  Religion  abgelegt  und  haben  ihren
Bürgerbrief  vom  Rat  nur  gegen  diesen  Eid  und  die  Bedingung  erhalten:  so  lange
sie  bei  der  katholischen  Religion  bleilren.  Da  aber  viele  davon  von  Anfang  an  nicht
der  rechten  katholischen  Religion  zugetan  waren  oder  inzwischen  von  ihr  abgefallen
sind,  so  hat  der  Rat  deren  en  verboten  und  schliessen  lassen.  —  Der  Rat
hat  auch  vor  Jahren  schon  alle  „Ehebefehlungen®  und  Kindstaufen  ausserhalb
der  Stadt  bei  Strafe  verbieten  und  dies  Verbot  alljährlich  erneuern  und  den
bestellten  Fiskal  gegen  die  Verbrecher  verfahren  lassen.  Nun  hat  man  cine
Zeit  lang  nicht  so  scharf  darauf  gesehen,  vielen  auch,  wenn  sie  nicht  zahlen
konnten,  die  Strafe  nachgelassen  ;  als  aber  die  Uebertretungen  gar  zu  gemein
wurden,  hat  der  Rat  befohlen,  die  verwirkten  Strafen  unnachsichtig  einzuziehen
und  mangels  eines  Pfandes  gegen  die  Personen  selbst  zu  verfahren;  es
mögen  daher  viele  aus  diesem  Grunde,  als  sie  des  Rates  Ernst  spürten,  gutwillig
  den  Abzug  gewählt  haben.  Der  Rat  kann  daher  nicht  finden,  dass  er
        <pb n="832" />
        Bopt.  24.

810  1611  35.

precedentes  du  17.°  de  co  mois!,  qu'il  la  vouloit  accompagner.  Je  n’attens
plus  que  l’audience  en  laquelle  il  doibt  esclaircir  quelques  points  de
ladicte  instruction  et  me  declarer  de  bouche  particularitez  qu’il  m’a
faict  dire  n’avoir  trouv6  a  propos  d’y  toucher  par  escript.  Incontinent
  aprez  je  me  mettray  en  chemin  pour  en  aller  rendre  conte
a.  V.M.  —  Il  luy  preit  mardy  dernier  assez  soudainement  volonts  de
partir  de  ceste  ville  et  desia  il  avoit  command6  que  ses  carosses
fussent  prestz  pour  le  soir.  Les  uns  disoient  que  cestoit  seulement
pour  aller  jusques  a  Pilzen  changer  d’air,  ainsy  conseillö  de  faire  par  un
medecin  de  Styrie  nommö  Secundus  qu’il  a  priz  n’agueres  a  son
service;  les  autres  que,  s’il  s’esbranloit  une  fois  et  se  resolvoit  de
sortir  de  ce  chasteau,  ce  ne  seroit  pas  pour  s’arrester  audict  Pilzen,
ains  qu’il  passeroit  outre  et  se  retireroit  en  Allemagne.  Quoy  quiil
en  soit,  les  Bohemes  ont  belle  peur  que  cela  n’arrive,  craignans,  sl
s’en  va,  que  ce  ne  soit  en  intention  de  revenir  bien  tost  accompagn6,
pour  se  vanger  des  choses  passeos.?  Lambassadeur  d’Espagne  en  est

etwas  gegen  die  Gresetze  und  Reichsabschiede  rerbrochen,  vielmehr  hat  er  nur  das
getan,  was  jede  Obrigkeit,  der  GottesEhre  und  die  katholische  Religion  am  Herzen
liegt,  zu  tun  schuldig  ist  und  was  die  Widerwärtigen  selber  an  Orten,  wo  vor
ihren  Neuerungen  die  alte  Religion  geübt  wurde,  gegen  dieKatholischen,  wiewel
mit  grossem  Unfug,  für  recht  und  billig  halten  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.
106;  —  Kopie).  —  Daneben  hatten  die  beiden  Abgesandten  des  Rats  noch  die
Aufhebung  der  Lizenten  am  Rbein  zu  betreiben  (Wmz.,  a.  a.  O.;  —  Or.).

!  Vgl.  no.  349.

*  Eine  Zeitung  aus  Prag  vom  24.  September  berichtet  darüber  ausführlicher:
  Am  20.  wollte  der  Kaiser  von  hier  aufbrechen  und  hatte  schon
den  Kämmerern,  Hatschieren  und  Trabanten  dazu  ansagen  lassen  ;  weil  aber
Hatschiere  und  Trabanten  weder  Rosse  noch  Geld  hatten,  es  auch  an  anderer
Notdurft  fehlte,  wurde  die  Reise  bis  zum  nächsten  Tag  eingestellt.  Es  ist  nicht
zu  glauben,  was  diese  Absicht  für  einen  Schrecken  im  Volk  verursachte.  Dabei
gehen  allerlei  Diskurse,  dass  der  Türke  dem  König  den  Friedeu  aufgekändigt,
dass  Leopold  8000  Mann  in  Bestallung,  dass  auch  Baiern  und  Salsburg  viel
Volk  beisammen  hätten;  hinter  der  plötzlichen  Abreise  des  Kaisers  vermutet
man  besondere  Praktiken,  dass  Leopold,  Baiern  und  Salzburg  dber  Böhmen,  der
Türke  über  Ungarn  und  Oesterreich  herfallen  und  alles  drunter  und  drüber  geben
werde.  An  des  Kaisers  Abreise  soll  vor  allem  ein  Arzt  aus  Steiermark,  Johannes
Secundus,  schuld  sein,  der  auch  ein  Prophet  sein  will  und  vorgibt,  alle  bisherigen
  Krankheiten  des  Kaisers  kämen  von  der  Melancholie  her  und  wäre  ihm
nicht  zu  helfen,  wenn  er  nicht  Prag  verlasse;  denn  wenn  er  zum  Fenster
binaus  auf  die  Böbmen  sehe  oder  in  den  Gängen  spaziere  und  betrachte,
was  ihm  von  den  Böhmen  für  ein  Despekt  mit  Schiessen,  Wachen  u.s.  w.
widerfabren  sei,  mehre  sich  seine  Alelancholie  und  könnte  schliesslich  eine
gefährliche  Krankheit  daraus  werden  [vgl.  no.  147,  8.856,  Anm.  4].  Trotzdem
ist  aber  die  Reise  wiedor  verschoben  worden,  weil  in  Pilsen  die  Pest  herrschen
soll.  Es  soll  aber  der  Kaiser  endgiltig  entschlossen  sein,  nach  Brandes
zu  gehen;  er  fordert  Guthaben  von  der  alten  böhmischen  Kontribation
und  von  der  böhmischen  Kammer  ein  und  droht  mit  dem  Rechtsweg  (Nbg.,
Unionsakten,  tom.  55b,  f.  185;  Kopie).  Der  neuburgische  Gesandte  Hugalt
Beer  weiss  am  16./26.  September  aus  Prag  seinem  Herrn  zu  berichten:
Gestern  hat  ihm  der  kaiserliche  Kammermaler  Hans  von  Aachen  mitgeteilt,
dass  der  Kaiser  ganz  entschlossen  sei,  sich  ehestens  von  hier  wegzubegeben  ;  er
könne  ohne  grosse  Bekümmernis  die  Stadt  Prag  nicht  mehr  anschauen  und
        <pb n="833" />
        354355.  1611  s1l

aussy  tout  en  allarme,  prevoyant  qu’une  telle  resolution  renverseroit  Sept.  24.

le  demnier  acord,  pour  l’advancement  et  conclusion  duquel  il  a  tant
travaill6.  C’est  pourquoy  il  a  suborne  (a.  ce  que  jenten)  plusieurs  de
ses  officiers  grandz  et  petitz,  affin  de  le  retenir  par  une  demande
importune  de  ce  qui  leur  est  deub  de  leurs  gages,  si  l’on  veult  qu’ilz
se  mettent  en  equipage  pour  le  suyvre  et  servir  comme  il  appartient,
scachant  bien  que  la  chambre  aulique  (qu’ilz  appellent)  est  entierement
epuisee  d’argent  et  de  credit  et  que  difficillement  il  fouillera  dans
ses  Coffres  pour  en  tirer  ce  qui  Seroit  necessaire  a  ce  remuoment  de
mesnage.  Davantage  ledict  s.”  ambassadeur  faict  courir  un  bruict  a  ce
mesme  effet  pour  le  faire  parvenir  a  ses  oreilles,  que  les  Bohemes
sont  en  doubte,  s’ilz  le  doibvent  laisser  sortir  du  royaume,  et  en  tout
cas  qu'ilz  ne  permettront,  qu’il  en  transporte  sun  tresor,  qui  est  ce
qu’il  semble  le  plus  affectioner  en  ce  monde.  Voylä  l’entretien  de
ceste  cour,  en  attendant  le  tems  de  l’assemble&amp;amp;  eleotorale  qui  se  doit
tenir  a  Nuremherg,  a  laquelle  on  dit  que  le  marquiz  d’Anspach
interviendra  au  nom  de  l’electeur  de  Brandebourg,  qui  se  doit  estre
maintenant  achemins  en  Prusse,  pour  remedier  par  sa  presence  a
quelques  tumultes  qui  y  sont  survenuz  contre  ceux  qui  gouvernent,
et  pour  favoriser  de  plus  prez  ses  droitz  et  pretensions  sur  ce  duch6
en  la  diete  de  Pologne  qui  est  inthimde  a  Varsove  au  27°  de  ce
mois.  De  Prague  le  24°  de  septembre  1611“.
Pa.,  Coll  Harlay,  no.  238,  vol.  XII,  f.  807;  Or.  eigh.

355.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

Weil  mich  Sturmwind  und  Regenwetter  während  der  Fahrt  auf  der  Elbe
nötigten,  umzukehren  und  wieder  nach  Leitmeritz  zu  gehen,  bin  ich  erst  am
12.September  in  Dresden  angekommen  ;  der  Kurfürst  war  aber  verreist,  in
seiner  Begleitung  auch  der  Herzog  von  Braunschweig.  Ein  Hauptmann
des  Kurfürsten  erzählte  mir,  dass  der  Kurfürst  alle  Bestallungen  und  den
ganzen  Hofstaat  sehr  reformiere;  König  Matthias  soll  dem  Grafen  Mansfeld,
  der  ihm  in  Bautzen  aufwartete,  sein  Erstaunen  ausgedrückt  haben,
dass  der  Kurfürst  von  Sachsen  ihn  dort  nicht  besucht  habe.  —  Am  13.
abends  kam  der  Kurfürst  zurück,  am  14.  morgens  zwischen  sechs  und
sieben  Uhr  meldete  ich  mich  beim  Hofmarschall  an  und  und  wurde  nun
mit  sehr  grossen  Ehren  ins  Schloss  geleitet  und  dort  einquartiert;  während
meines  ganzen  Aufenthaltes  in  Dresden  sind  mir  Ehren  erwiesen  worden,
wie  sie  den  Gesandten  des  Königs  Matthias  und  anderer  Erzherzoge

wolle  den  für  seinen  treuen  Freund  halten,  der  ihm  von  hier  forthülfe.
Dass  Braunschweig  keine  grosse  Lust  hat,  von  hier  fortzugehen  sondern
mit  dem  Bau  seines  erkauften  Hauses  stark  fortfährt  und  allerlei  Vorrat  aus
seinem  Land  verschreibt,  will  dem  Kaiser  nicht  gefallen.  Wohin  der  Kaiser
reisen  will,  weiss  man  nicht  sicher;  es  ist  von  Pilsen,  Brandeie,  Eger  die  Rede;
viele  aber  meinen,  er  werde  sich  ins  Reich  begeben  (ie.,  no.  85/5;  —  Kopie).  —
Vgl.  über  die  Beweggründe  des  plötzlichen  Entschlusses  noch  no.

sonders  die  Nachschrift.

Sept.  24.
        <pb n="834" />
        Sept.  24.

812  1611  355

nie  wiederfahren  sind.  —  Am  15.  gab  der  Kurfürst  mir  in  Gegenwart
seiner  beiden  vornehmsten  Räte,  Schönbergs  und  des  Beichspfennigmeisters
  Loss,  Audienz..  Auf  meine  Werbung  liess  er  durch  Schönberg
antworten,  sagte  aber  selbst  kein  Wort;  doch  empfieng  er  mich  „mit
gar  mildem  und  lachendem  gesicht“  und  gab  mir  zwei  Mal  die
Hand.  —  Am  16.  erhielt  ich  zwei  Schreiben  des  Kurfürsten  als
Antworten  auf  das  Beileidsschreiben  E.  fl.  D.  und  auf  das  andere
Schreiben  wegen  des  jülicher  Lehen.  Schönberg  und  zwei  andere
Räte,  welche  die  Briefe  überreichten,  baten  dabei,  E.  fl.  D.‘  mögen,
„da  von  den  Brandenburgischen  oder  Neuburgischen  etwas  bei  E
fl.  D.!  wegen  vorgedachten  lehnstuck  und  gueter  angebracht  oder
gesuocht  werden  solte,  I.  chfi.  Gn.  unerhört  in  nichts  sich  resolviren
und  zu  dero  präjudiz  sich  erklären,  vile  weniger  etwas,  so  dem
loblichen  hause  der  örter  zum  schaden  und  nachtail  geraichen  mochte,
einraumen  noch  gestatten.“  Ich  erhielt  eine  goldene  Kette  nebst
eine  Medaille  mit  des  Kurfürsten  Bild.  Er  gab  mir  keine  Abschiedsaudienz,
  weil  er  mit  der  Huldigung  zu  sehr  beschäftigt  war.  Deshalb
„hab  ich  I.  kgl.  M.“  zu  Hungern  und  Böhem  gruess  und  erbietung  in
meliori  forma  durch  dise  ministros  dem  churfursten  gehorsamist  anbringen
lassen  und  bei  der  churfurstlichen  versamblung  I.  kgl.  M'
person  in  gueter  acht  zu  haben  untertänigst  recommandirt,  darauf
sie  mir  in  generalibus  terminis  geantwortet...  .  Sonst  kan  E.
fl.  D.*  ich  gehorsamist  versicheren,  das  ich  zeit  meines  anwesens  am
churfurstlichen  hofe  aus  aller  ihrer  rät  und  vom  adel,  so  bei  mir
gewesen,  discursen  ain  sonderen  respect  gegen  E.  fl.  D.‘  und  undertänigste
  affection  zue  Derselben  gespueret  habe.“

Am  17.  zu  Mittag  reiste  ich  von  Dresden  ab  und  kam  am  19.
in  Prag  an  ‚und  hab  alsbald  erfahren,  das  der  kaiser  ex  consilio
aines  neuen  medici,  Dr.  Secundus  genent,  so  von  Grätz  herberuefen,
der  I.  M.'  persuadirt,  es  sei  der  luft  hie  nit  guet  und  veränderung
desselben  sei  I.  M.!  gesund,  von  hin  auf  zwo  meil,  [nach]  aines  privaten
hernhauss  und  von  dan  nach  Brandeis  oder  Pilsen  sich  retiriren
und  begeben  wöllen,  welches  noch  den  20.  gewehret,  aber  hernach
beim  vorigen  gebliben  und  wider  still  geworden“.!

„Den  abent  [des  20.]  ist  der  canonicus  Henott  (so  I.  fl.  D.
erzherzogen  Leopoldum  vor  disem  in  Gulich  gefuhrt)  von  Freising  auf
der  post  alher  kommen,  vocatus  ab  oratore  Hispanico,  umb  mit  ihm  mundlich
  wegen  versön-  und  vergleichung  I].  fl.  D.  mit  der  kgl.  M.'
zu  Hungern  und  restituierung  der  passauischen  stiftsländer,  so  in
Oesterreich  ligen,  .  .  .  zue  conferiren,?  welches  alsbald  bei  hofe

i  Vgl.  no.  354.

?  Zunigas  Instruktion  für  Hartger  Hennot  (vgl.  über  ihn  no.  66,  8.151,
Anm.3  und  no.  239)  zur  Schickung  an  Erzherzog  Leopold  nach  Passau  ist
vom  22.  September;  Hennot  hatte  Leopold  die  Notwendigkeit  der  Versöhnung
mit  Matthias  vorzustellen,  die  in  der  Bestätigung  der  alten  Verträge  Oesterreichs
  mit  Passau  und  in  einer  Abbitte  bestehen  sollte  (Wöda.,  Salzburg,  Bd.  10,
Fasz.  3;  Kopie).
        <pb n="835" />
        355.  1611  813

allerhand  umbras  und  frembde  discursus  verursacht  hat,  welche  damit  Sept.  24.
gestillt  und  diluirt  worden,  das  der  don  Balthazar  dem  burkgrafen
der  cron  Behem  und  andren  statthaltern  die  ursach  des  Hennots
ankunft  notificirt  hat.“  —  Am  21.  hat  „Barvitius  mich  in  högstem
vertrauen  berichte,  das  canonicus  Henot  auch  bei  vorgedachter
occasion  ein  zimblich  dickes  pagget  durch  den  stubenheizer!  I.  ksl.
M.‘  von  erzherzogen  Leopoldo  und  herzog  Wilbelmen  in  Bairn  zukommen
  lassen,  welches  auf  allerhand  nebenpraktiken  gerichtet  ist
und  insonderheit,  das  herzog  Wilhelm  in  Bairn  gern  aine  heurat
zwischen  erzherzog  Leopoldo  und  herzog  Wilhelmen  tochter  und  so  vort
successionem  im  reich  auf  erzherzog  Leopolden  zu  richten
trachtet,?  derowegen  auch  I.  ksl.  M.'  erzherzog  Leopoldo  geraten,  in
persona  auf  dem  churfürstentag,  allein  umb  sich  bei  den  samentlichen
  churfürsten  zu  insinuiren,  zu  erscheinen.  Er  saget  mir  auch,
das  I.  ksl.  M.®  uber  vorige  commissarien,  denen  Hannewald  auch
zugeordnet,  auf  seinen  rat  und  erinnern  den  graf  von  Helfenstein
zum  churfürstentag  verordnet  habe  und  verhoffet  denselben  noch  in
gehaimen  rat  und  zum  kaiserlichen  obristen  hofmeisteramt  zue  befurderen.
Er  ist  ain  sehr  verstendiger  catholischer  her.‘  ®

Am  22.  habe  ich  die  von  E.  fl.  D.'  mir  überschickten  Schriftstücke
wegen  Aachen  nebst  dem,  was  E.  fl.  D.'  mir  aufgetragen  haben,  in
der  Antecamera  zugestellt.  Die  Räte  meinen,  der  Kaiser  werde  Bedenken
tragen,  den  Possidierenden  zu  schreiben,  weil  es  seit  deren  Widersetzlichkeit
  nicht  mehr  geschehen  sei;  es  werde  daher  besser  sein,  dies  und
anderes,  was  die  aufrührerische  Gemeinde  betrifft,  der  schon  verfassten
Kommission  einzuverleiben.  Alle  gut  Katholischen  und  Zuniga,  denen
ich  mich  anschliesse,  meinen,  E.  fl.  D.'  müssten  den  Aachenern  jetzt
gleich  deren  Handel  sperren,  wie  die  geistlichen  Kurfürsten  ihnen
schon  die  Passbriefe  zur  frankfurter  Messe  versagt  hätten?  —  Am
Nachmittag  ist  Hennot  wieder  zu  Erzherzog  Leopold  gereist;  er
soll  in  acht  Tagen  wieder  hier  sein.

„Gesten  hab  ich  ein  schreiben  von  Hannewald  bekommen,  so
den  5.  septembris  zu  Rotenbuch  ufm  Spessart,  I.  chfl.  Gn.  zu  Mainz
lustbauser  eins,  datirt,  darin  er  mir  nach  vilen  lamentationen  wegen

!  Vgl.  über  diese  Persönlichkeit  no.  181,  8.  316,  Anm.  1  und  no.  254,
8.  694,  Anm.  1.

?  Zu  Anfang  des  September  hatte  eine  Zusammenkunft  zwischen  Herzog
Wilhelm  und  den  Erzherzogen  Ferdinand  und  Leopold  za  Judenburg  in
Steiermark  stattgefunden  (Bericht  aus  Prag  zum  17.  September  1611;  Drs.,
1.  7387,  Il.  Buch  Kurfürstentags,  f.  257;  Or).  —  Zu  Herzog  Wilhelms
Bemühungen  vgl.  no.  142  mit  Anm.  1  auf  8.  348  und  no.  146  mit  Anm.  4
auf  8.  354.

®  Vgl.  no.  306,  8.  732,  Anm,  3.

*  Vgl.  no.  285,  S.  660,  Anm.  1.  Es  wurde  wegen  der  aachener  Sache
eine  kaiserliche  Kommission  auf  Kurköln  und  Erzherzog  Albrecht  erteilt;
vgl.  L.  Keller,  die  Gegenreformation  in  Westphalen  und  am  Niederrhein,
DI.,  a.  a.  O,  8  51  und  no.  128  fi.
        <pb n="836" />
        814  1611  355.

Sept.  24.  seiner  persecutionen  und  widerwertikeiten  dise  formalia  schreibet:  »So
tichtet  und  leugt  mich  je  einmal  derjenig  an,  welcher  furgibt,  das  wider
den  könig  ich  etwas  tentirt  habe.  Die  befurderung  deschurfurstenconvents
  urgire  ich,  das  ist  wahr  und  ist  mir  von  meinem  her,
dem  kaiser,  uferlegt.  Die  bruderliche  vergleichung  zwischen  dem
kaiser  und  kunig  hab  ich  nie  gehindert  sondern  mit  solchem  eifer
geraten,  das  her  Hertel  mich  selbst  berichtet,  sobald  I.  M.'  meine
consilia  aus  Dresden  angehört  hetten,  weren  sie  acquietirt  worden,
hetten  ihre  cunctation  ufgehebt  und  den  accordo  subscribirt.!  Uber
das  allen,  so  hab  ich  solche  erinnerung  gethan  des  spanischen
botschafters  andeutung  gemess,  das  ich  versichert  bin,  die  ch  urfursten
werden  dise  composition  nicht  impugniren,  aber  mit  der  approbation
wöllen  sie  sich  nit  beladen  aus  ursachen,  das  man  sie  im  negsten
pragerischen  vergleich  gebrennt,  ihre  burgschaft  in  gefahr  gestelt  und
durch  den  zaun  gestochen  habe.  Ob  I.  ksl  M.'  die  residenz  in
Prag  zu  continuiren  nuzlich,  gibt  der  churfurstentag,  vor  dessen
anfang?  ich  gern  mit  dem  hern  an  einem  bequemen  ort  heraussen
im  reich  persönlich  conversiren  wollte;  es  wurde  deme  hern  oratori
nit  misfallen  und  dem  hern  in  seinem  officio  auch  erspriesslich  sein.
Ich  bitte,  meine  unschuld  sampt  dem  hern  oratore  an  gehörigen  örtern
wider  die  boshafte  calumnias  verteidigen  zu  helfen,  mich  und  die
meinige  in  bessere  securitet  zu  setzen  und  nit  etwa  gar  in  ein
desperation  zu  sturzen.  Was  ich  rede  oder  schweige,  muess  alles  gift
seine.“  Prag  den  24.  septembris  1611.

Nachschrift:  „Gnedigster  furst  und  her.  Gleich  dise  stund  hat
mich  der  Barvitius  haimgesuecht  und  berichtet,  das  I.  ksl.  M.'  vorgester
spaet  obgedachtes  packet  entpfangen  und  erbrochen  und  dorauf  yester
gar  guets  muets  gewesen.  Erzherzog  Leopold  und  herzog  Wilhelm
in  Baiern  suuchen  mit  allem  fleiss  I.  ksl.  M.'  hinaus  ins  reich  zu  zihen,
damit  ihr  vorgedachtes  intentum  desto  besser  zu  werke  gerichtet  moege
werden.  Herzog  Wilhelm  in  Baiern  ist  erst  zu  Passau  bei  erzherzog
Leopoldo  gewesen  und  erzherzog  Leopold  hinab  zu  München  bei  herzog
Wilbelm  und  der  Tochter.  Heute  ist  L  ksl.  M.‘  wiederumb  ainer
andern  mainung  gwest  und  will  nit  hinauss;  saget,  habe  sich  auf
der  samentlichen  churfürsten  noch  fürsten  hülf  nit  zu  verlassen,  sei
auch  zu  spät  im  jar.  Barvitio  kunne  dise  handlung  gar  nit  verstehn,
das  I.  ksl.  M.'  und  don  Balthasar  baide  den  Henot  ad  diversos  fines
gebrauchen  sollen,  cum  caesari  omnia  consilia  don  Baltasari  sint
suspectissima  et  odiosissima  et  ita  quasi  duo  contraria.  Henot  hat
auch  ein  credenz  und  vorschreiben  vom  herzogen  zu  Braunschweig
gehabt,  ihm  propter  quasdam  suas  particulares  praetensiones  zu  der

!  Vgl.  no.  313,  8.  741,  Anm.  1.
?  Vischere  bemerkt  dazu  am  Rand:  „Non  videtur  oratori  neque  mihi
hoo  rerum  statu  consultum;;  respondebo  secundum  mandatum  V.rae  CelLais,*
        <pb n="837" />
        355  —356.  1611  815

audienz  beim  kaiser  befurderlich  zu  sein.  Barvitio  berichtet  mich,  der
von  Leuchtenberg  habe  ihm  geschriben,  das  der  graf  von  Hanau!
ihm  unterwegen,  umb  hieher  zu  reisen,  begegnet  und  als  Barvitio
solches  I.  ksl.  M.'  angezaigt,  hat  man  sich  drob  erfreuet  und  gesagt,
er  hab  es  schon  hergeschriben,  unde  conjicit,  quod  vocatus  veniat.
Was  der  bringen  wird,  gibt  die  Zeit;  ohne  zweifel  nichts  guetes....
Prag  ut  in  literis.“
Bre.,  Seoröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  160  und  f.  171;  Or.  eigh.

356.  Domdechant  Adam  Wolf  genannt  Metternich  an
Herzog  Maximilian  von  Baiern.

Dieser  und  anderer  Orten  jubiliert  man  wegen  des  jüngsten
protestantischen  Unionstages,  zumal  der  Kaiser  ihn  durch  seine  Abgeeandten
  hat  besuchen  lassen;  besonders  wird  Geizkofler  gelobt,  dass  er
sich  so  trefflich  gehalten  hat.  Man  soll  sich  zu  Rotenburg  stark
verbunden  und  auch  die  Städte  sollen  zugestimmt  haben,  dass  sie  ihre
Religionsverwandten  auch  im  Gebiete  anderer  Herrschaften  verteidigen
wollen,  wenn  nötig  mit  dem  Schwert  ;  das  geschah  wegen  Bamberg.  An  das
Kammergericht  haben  sie  einen  schriftlichen  Verweis  und  eine  Drohung
wegen  Partialität  gerichtet;?2  der  Brief  war  vom  Administrator  der
Kurpfalz  und  vielen  andern  unterzeichnet.  Ebenso  hat  man  dem
Bischof  von  Worms  zugeschrieben,  er  solle  die  Jesuiten  abschaffen.  3
Vor  acht  Tagen  ist  der  Graf  von  Hanau  zum  Kaiser  nach  Prag
berufen  worden,*  ebenso  der  Markgraf  von  Ansbach,°  „Scheint,  dass
der  kaiser  sich  gantzse  vnd  gar  auff  die  protestierende  lendet,  darauss
jhe  nichts  guitzs  erfolgen  kann.  Denn  stado,  wann  der  kaiser  sich
ins  reich  begebe,  wurde  man  auss  den  reichscontributionen  suichen,
inmaessen  man  darauff  starcke  rechnungh  macht  auf  denn  fhal  vnd
glaub  ich,  wan  man  allenthalben  her  gleich  heben  woldt,  es  moecht
etwas  thuin;  obs  aber  in  die  hare  moecht  weren,  waiss  ich  nicht;
were  ein  groesser  last.  Wan  die  churfursten  wolten  die  zöl  am
Rhein,  mit  welchen  Carolus  IV.  seinen  son  Wenceslao  die  wahl  gleichsam
  erlangt,  widergeben,  mocht  mere  bestendigkait  habenn.“  Datum

26.  septemb.  a.  11.
Ma.,113/1,  f.  108;  Or.  eigb.®

ı  Vgl.  no.  828,  8.  763,  Anm.  4.  Der  Graf  kam  am  25.  September
in  Prag  an  (Agent  Paul  Hahn  an  Erzhorzog  Maximilian;  1b.,  Ambraser
Akten,  Missiven  vom  Oktober  1611,  no.3;  Or.  eigh.).

®  Vgl.  no.  305,  8.  721  und  no.  321,  8.  753,  Anm.  1.

®  Vgl.no.  305,  Protokoll  zum  23.  und  26.  August  und  Anm.  1  auf  8..  726.

*  Vgl.  no.  355.

5  Vgl.  no.  843.

®  Der  Herzog  erwidert  am  3.  Oktober:  Es  ist  zu  beklagen,  dass  der  Kaiser
solche  Subjekte  an  sich  zieht  und  die  Katholischen  dessen  gleichwol  so  wenig
schten  und  nicht  bedenken,  wo  die  Anschläge  der  Widersacher  endlich  hinausgehen
  und  was  aus  (liesem  Temporisieren  folgen  wird.  Man  muss  sich  damit

Sept.  24.

Sept.  26.
        <pb n="838" />
        Sept.  26.

816  1611  357.

357.  Instruktion  Kaiser  Rudolfs  IL  für  seine  Kommissarien
  zum  Kurfürstentag.

Die  Kommissarien  sollen  rechtzeitig  zu  Nürnberg  aulangen,  sich
erst  bei  Kurmainz,  dann  bei  den  übrigen  Kurfürsten  oder  deren  Gesandten
  anmelden  und  unverzügliches  Gehör  begehren.  Vor  der
Audienz  sollen  sie  sich  aber  mit  Kurmainz  über  den  modus  prooedendi
unterr«den  und  ihm  den  der  Instruktion  einverleibten  Vortrag  überreichen,
  wobei  wir  hoffen,  dass  wie  vordem  unsere  Vorfahren  und  wir
bei  Reichs-,  Deputations-  und  andern  Tagen  mit  den  Kurfürsten  von
Mainz  als  Erzkanzlern  Korrespondenz  gehalten  und  über  unsere
Propositiinen  und  sonstigen  Verhandlungen  deren  Gutachten  vernommen
  haben,  so  auch  er  dieselbe  Vertraulichkeit  jetzt  walten
lassen  wird.  Wegen  einer  etwa  gewünschten  Abänderung  in  der  Proposition
  sollen  sich  die  Kommissarien  mit  dem  Kurfürsten  vergleichen.

DerVortrag  soll  aber  sein:  Nachdem  der  Kaiser  von  dem  Beschluss  der
Kurfürsten  erfahren  hatte,  teils  wegen  des  Kaisers  teils  wegen  des  Reiches
schweren  Anliegen  einen  Kurfürstentag  auszuschreiben,  hat  er  diese
Absicht  durchSchickungen  und  Schreiben  stark  gefördert  und  sich  auch  dem
Kollegium  zu  Ehren  zu  dieser  Abordnung  entschlossen  in  der  Hoffnung,
dass  die  Kurfürsten  in  den  Sachen,  die  ihn  und  das  Reich  betreffen,
  mit  seinen  Gesandten,  die  ihnen  sein  Gemüt  eröffnen  sollen,
kommunizieren  werden.  Der  Kaiser  begehrt  nichts  anderes  als  dass
hier  beraten  und  vollzogen  werde,  was  Gott  zu  Lob,  zur  Erhaltung
der  Christenheit,  zu  Ruhe  und  Frieden  und  zur  Wolfahrt  deutscher
Nation  dienen  möge,  wozu  der  Kaiser  die  Kurfürsten  ohnedies  bereit
weiss,

1.  Was  im  Königreich  Böhmen  und  dessen  Nebenländern  seit  einigen
Jahren  sich  begeben  und  was  den  Kaiser  bewogen  hat,  beiliegenden  Ver  -
trag  mit  König  Matthias!  unerwartet  des  Kurfürstentages  abzuschliessen,
  braucht  nicht  weiter  ausgeführt  zu  werden,  da  davon  die  nach
Prag  abgeordneten  kurfürstlichen  Räte  berichtet  haben  werden.  Der  Kaiser
übersendet  die  brüderliche  Abhandlung  mit  dem  ausdrücklichen  Bemerken,
  er  wolle  in  nichts  gewilligt  haben,  was  den  Kurfürsten  oder
dem  Reich  zu  Praejudiz  ausgelegt  werden  könnte.  Da  aus  dem
Schriftstück  auch  ersichtlich  ist,  dass  ihm  aus  den  abgetretenen

trösten,  dass  noch  einige  eifrige  Katholische  da  sind,  die  ee  treulich  meinen  und
die  ihr  Aeusserstes  tun  wollen;  denen  wird  Gott  beistehen.  Man  hat  wiederholt
erfahren,  wie  die  Praktiken  und  Anschläge  der  Protestanten  zu  nichte  geworden
sind;  das  darf  man  auch  künftig  hoffen.  Bamberg  wird  sich  um  die  Drohungen
wenig  kümmern  und  sich  in  seiner  von  Amts  wegen  und  durch  den  Religiomfrieden
  wol  befugten  Reformation  nicht  stören  lassen;  im  Fall  der  Not  werden
sich  andere  katholische  Fürsten  seiner  wol  annehmen,  so  dass  »schlieselich
  die  Protestanten  ihre  „Schanz*  gereuen  möchte.  Auf  den  Diskurs  der
Protestanten  wegen  des  Hofhalts  des  Kaisers,  wenn  er  sich  ins  Reich  begeben
würde,  it  nicht  viel  zu  geben  (Ma.,  112/1,  f.  112;  Kpt.  von  Gewold).
ı  No.  313.
        <pb n="839" />
        357.  1611  817

Königreichen  und  Ländern  an  Herrschaften  und  Geld  nicht  so  viel  Sept.  26.
versprochen  worden  ist  als  zur  Erhaltung  seiner  selbst,  des  kaiserlichen
Regiments  und  Hofstaates  und  zur  Abtragung  der  schweren,  aus  dem
langwierigen  Türkenkrieg  stammenden  Schuldenlast  ausreicht,  so  mögen
die  Kurfürsten  seine,  des  Kaisers,  lange,  mühevolle  und  gegen  die  Türken
glückliche  Regierung  bedenken  und  ihn  in  seinem  hohen  Alter  nicht  verlassen
  sondern  auf  Mittel  denken,  ihn  bei  Ehren  und  Würden  zu  erhalten,
Regiment  und  Hofstaat  zu  versorgen  und  die  Schuldenlast  zu  erleichtern.  —
2.  Der  Kaiser  weiss  zwar  nicht,  welche  Verhandlungen  es  beim  Kurfürstentag
  geben  wird,  aber  er  vermutet,  dass  man  auch  davon  reden
wird,  wie  das  Justizwesen  in  Gang  zu  bringen  und  andern  Beschwerden,
  um  deren  Abschaffung  der  Kaiser  von  den  zu  Rotenburg
versammelten  Kurfürsten,  Fürsten  und  Ständen  gebeten  worden  ist,
abzuhelfen  wäre.  Er  erinnert  dabei  die  Kurfürsten,  welche  Mühe  er
sich  schon  wegen  Verbesserung  des  Justizwesens  gegeben,  wie  er
Mittel  und  Gutachten  auf  Reichs-,  Deputations-,  Kreis-  und  andern
Tagen,  besonders  auf  dem  fuldaer  Kurfürstentag  gesucht  und  was  er
wegen  der  Gravamina  noch  in:  vorigen  Jahre  mit  den  zu  Prag  anwesenden
Kurfürsten,  Erzherzogen  und  Fürsten  besprochen  hat.  Da  aber  alle
diese  Mittel  nicht  zureichten  und  die  Erfahrung  lehrt,  wie  dies  auch
der  Abschied  von  1603  feststellt,  dass  der  Kaiser  bei  Beratung  des
Justizwesens  mit  Beirat  aller  Kurfürsten  verfahren  soll,  so  ersucht
er  nunmehr  diese,  in  dieser  Sache  unverzüglich  zu  beraten  und  zu  beschliessen.
  —  Dieübrigen  Gravamina  sind  zum  Teil  solche,  deren  Behandlung
in  des  Kaisers  eigener  Macht  liegt,  zum  Teil  ist  aber  zu  deren  Abhilfe
das  Zutun  der  Kurfürsten  und  des  Reiches  nötig.  Was  die  erste  Gruppe
betrifft,  so  erklärt  der  Kaiser,  besonders  wegen  der  Reformation  der
Mängel  des  Hofregiments,  dass  er  die  Abhilfe  ehestens  vornehmen  wird,
ja  zum  Teil  schon  darin  begriffen  ist;  wegen  der  andern  Beschwerden,  besonders
  wegen  der  gesteckten  Justiz,  wissen  die  Kommissarien,  namentlich
  Hannewald,  welche  Vorbereitungen  er  bereits  dazu  getroffen  hat.
Wäre  der  letzte  Reichstag  nicht  zerschlagen  worden,  so  wäre  diesem  Punkt
zweifellos  schon  gründlich  abgeholfene  —  3.  Wegen  der  Bestitution
  Donauwörths  hatte  der  Kaiser  im  vorigen  Jahr  gleichfalls
zu  Prag  die  Kurfürsten  von  Mainz  und  Sachsen  bewogen,  mit  Zuziehung
  der  Abgesandten  der  Stadt  Nürnberg  Mittel  und  Vorschläge  zu
beraten,  wie  man  diese  Beschwerung  beseitigen  könnte.  Es  waren  aber
wider  Erwarten  die  gemachten  Vorschläge  den  Nürnbergern  nicht  genehm.
Deshalb  und  weil  ohne  Kostenersatz  an  den  Herzog  von  Baiern  dem
Kaiser  die  völlige  Befreiung  Donauwörtbs  durchzusetzen  unmöglich
ist,  erwartet  er,  was  die  Kurfürsten  für  Mittel  andeuten,  raten
und  zu  Wege  bringen  werden.  —  4.  Viel  Sorge  macht  dem  Kaiser
auch  der  Administrationsstreit.  Was  deshalb  bei  ihm  angebracht
worden  ist,  hat  er  den  Kurfürsten  bereits,  um  schleuniges  Gutachten
zu  erlangen,  mitgeteilt.  Da  sich  aber  diese  Gutachten  bisher  verweilt
haben  und  wegen  der  gefährlichen  Läufe  auf  Ergänzung  des  Kollegiums

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  62
        <pb n="840" />
        Sept.  26.

Sept.  27.

818  1611  357—3583.

zur  Beförderung  des  Kurfürstentags  geda  cht  werden  musste,  so  hat  der
Kaiser  einen  Interimsbescheid  erlassen,!  die  Entscheidung  der  Hauptsache
aber  bis  zum  Eintreffen  der  begehrten  Gutachten  verschoben.  Da  aber
Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  dagegen  immer  heftiger  klagt  und  um
endliche  Entscheidung  der  Sache  emsig  anhält,  so  ersucht  der  Kaiser
die  Kurfürsten,  diese  Sache  mit  in  Beratung  zu  ziehen  und  ihm
ihr  Gutachten  zu  eröffnen,  wie  dieser  Streit  ehestens  gütlich  oder
rechtlich  beigelegt  werden  könnte.  Die  Kommissarien  werden  zu  bedenken
wissen,  was  sich  in  dem  einen  und  andern  tun  lässt  oder  nicht.  —  5.  Sollten
neue  Punkte  vorkommen,  die  uns  jetzt  nicht  bewusst  sind,  so  sollen  die
Kommissarien  sie  anhören  und  sich  darüber,  wenn  es  ohne  unser  Praejudiz
geschehen  kann,  mit  den  Kurfürsten  vergleichen  oder  sie  zu  Bericht
nehmen  oder,  wenn  die  Sache  so  lange  anstehen  kann,  uns  durch
eilenden  Boten  benachrichtigen  und  weiteren  Bescheid  erwarten.  Datum
Prag  den  26.  septembris  1611.  |
Wh.,  Reichsakten  In  genere,  Bd.  84b;  —  Kpikopie.?

358.  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von  Neuburg  an  die
Unionsstände  (ausser  Kurpfalz,  Zweibrücken  und
Anhalt).

Auf  das  Schreiben  vom  17./27.  August?  Wir  hätten  uns  versehen,
  dass  man  unser  Schreiben*  von  unserm  Sekretär  annehmen,
wegen  des  darin  enthaltenen  Praejudizialpunktes  gleich  darüber  beraten
  und  es  beantworten  werde,  um  dann  mit  um  so  besserem
Bestand  die  Unionssachen  verabschieden  zu  können;  aber  wir  wolka
diesen  Aufschub  an  seinen  Ort  stellen.  Zur  Sache  wissen  wir
aber  wol,  was  im  dritten  Punkt  der  ahauser  Union,  wegen  der
Irrungen  zwischen  Unionsständen  vorgesehen  ist,  das
nämlich  zunächst  die  Güte  versucht  und,  wenn  diese  fehlschlägt,
es  bei  den  herkömmlichen  Austrägen  gelassen,  aber  keine  Tätlichkeit
  gestattet  werden  sollee  Nun  waren  wir  nie  gemeint,  dieser  Bestimmung
  zuwider  EE.  LL.  etc.  etwas  zuzumuten  oder  Sie  als  Richter
mit  der  cognitio  causae  zu  beladen,  die  ihrer  Art  nach  vor  ein  anderes

ı  No.  301.

?  Abgehört  im  geheimen  Rat  in  Gegenwart  des  Herzogs  ron  Braunschweig,
  Mollarts  und  Barvitius'.  Die  uneuburgischen  Gesandten  zu  Prag
waren  der  Ansicht,  dass  Braunschweig  der  Verfasser  dieser  Instruktion  sei
(Beer  und  Silbermann  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  am  14./24.  September;

.  21.  September  ,  .  ,  .  .
Me.,  85/5;  —  Kopie);  am  1.  Oktober  berichtigt  aber  Beer,  dass  die  Instruktion
  von  Hertel  entworfen  worden  sei  (Beer  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig;
Me.,  85/5;  —  Kopie).  Vgl.  zu  obiger  Instruktion  no.  215,
°  No.  305,  S.  728,  Anm.  2.
*  No.  295.
        <pb n="841" />
        358.  1611  819

Forum  gehört.  Dass  aber  unter  diesen  Irrungen  auch  Kontroversen  über  Sept.  27.
die  Reichsordnungen,  wenn  sie  dem  Buchstaben  zuwider  durch  unruhige
Leute  in  Misverstand  gezogen  werden,  begriffen  sein  sollen,  davon  wissen
wir  nichts,  wol  aber,  dass  die  Unierten  verbunden  sind,  demjenigen,  der
wider  die  gemeinen  Reichsordnungen  beschwert  wird,  mit  Hilfe  beizuspringen
  und  ihn  bei  gleichem  Recht  erhalten  zu  helfen  ;  denn  obwol  unsere
Gegner  in  der  Administrationssache  alles  als  petitio  prineipii
und  als  falsch  ausgeben,  was  der  goldenen  Bulle  Wortlaut  deutlich
mit  sich  bringt,  so  kann  uns  doch  um  solcher  neuer  Privatdeutungen
willen  die  Unionshilfe  nicht  entzogen  werden,  ganz  abgesehen  davon
dass,  wenn  die  Reichsordnungen  disputiert  werden,  die  Grundlage
der  Union,  die  auf  Erhaltung  der  Reichsgesetze  beruht,  vernichtet
würde.  Gerade  solche  beschwerliche  und  vordem  erregte  eigenwillige
„Glossen“  über  den  Verstand  der  Reichssatzungen  haben  zu  unserm
engern  Verein  den  meisten  Anlass  gegeben,  wie  denn  auch,  als  einige  die
konkurrierende  Gerichtsbarkeit  des  Kaisers  im  Reich  und  anderes  mehr,
ja  sogar  den  donauwörther  Exekutionsprozess  als  den  Reichsgesetzen  entsprechend
  erklären  und  ihn  in  offenem  Druck  rechtfertigen  wollten  und  es
noch  tun,  die  Unierten  insgesamt  schriftlich  und  durch  Schickungen  opponiert
  und  beweglich  erinnert  haben,  dass  dies  alles  den  Reichsgesetzen  ganz
zuwider  sei,  die  Stadt  restituiert  und  die  Reichsordnungen  erhalten  werden
müssten.  Wenn  EE.  LL.  etc.  in  der  donauwörther  Sache,  bei  der
viele  andere  die  Reichssatzungen  anders  deuteten,  die  Ahndung  das
höchste  Haupt  der  Christenheit  betraf  und  es  nicht  den  Schutz  eines
Mitgliedes  der  Union  galt,  so  eifrig  zu  Werk  giengen,  warum
will  man  jetzt,  da  es  sich  um  die  goldene  Bulle  und  um  Ehre  und
Rechte  eines  Mitunierten  handelt,  nicht  denselben  Eifer  gegenüber
einer  bisher  unerhörten  Privatinterpretation  erweisen,  da  wir  doch
bisher  redlich  das  unserige  zur  Union  zugeschossen  und  den  Buchstaben
der  goldenen  Bulle  und  das  jüngste  Praejudiz  im  Hause  Kurpfalz
für  uns  haben?  Wir  wollen  nicht  glauben,  dass  EE.  LL.  etc.
sich  durch  das  am  30.  Juli  zu  Prag  eroberte  Dekret!  von  dem
Fundament  der  Union  werden  abwenden  lassen;  denn  jenes  ist  heimlich
und  in  der  Eile  ohne  Vorwissen  des  Kaisers  „per  sub-  et  obreptionem
erpraktiziert‘“  worden?  und  allen  vorigen  kaiserlichen  Erklärungen,  auch
dem  Dekret  vom  28.  Juli?  und  der  goldenen  Bulle  ganz  zuwider.
EE.  LL.  erinnern  sich  auch  aus  der  Unionsverfassung,  was  man  stets
gegen  solche  widerrechtliche  Dekrete  und  Prozesse  getan  und  dass
man  desbalb  in  die  Instruktion  nach  Prag  gebracht  hatte:  der  Kaiser
möge  es  den  Unierten  nicht  verdenken,  wenn  sie  sich  gegen  derlei
Prozesse  künftig  bei  den  Reichsordnungen  handhaben  würden.  Gewiss
werden  EE.  LL.  bei  dieser  Resolution  verharren  und  sich  durch  dies  unrechtmässige
  Dekret  nicht  zur  Gewährung  des  Titels  und  zur  Einräumung

UNE.  301.
’  Vgl.  Anm.  1  zu  no.  301  auf  8.  692.
®  Vgl.  Anm.  2  zu  no.  301  auf  8  691.
52  *
        <pb n="842" />
        Sept.  27.

Sept.  30.

820  1611  358—  369.

der  Unionsdirektion  an  Pfalzgraf  Johann  verführen  lassen.  Sollten
aber  EE.  LL.  etc.  dennoch,  wie  es  nach  Dero  Schreiben  fast  das  Ansehen
bat,  dem  Gegner  in  dessen  angeblicher  Possession  zu  deferieren  gewillt  sein,
so  könnten  wir  auch  in  diesem  Fall  (obwol  wir  fast  von  männiglich
verlassen  sind  und  von  EE.  LL.  etc.  erinnert  werden,  uns  diesmal
zur  Ruhe  zu  begeben)  zur  Verhütung  des  Praejudizes  für  die  weltlichen
Kurhäuser  von  unserm  gerechten  Vorhaben  nicht  absetzen,  müssten  aber
die  Sache  Gott  befehlen,  der  uns  zu  seiner  Zeit  wol  helfen  wird.  Wir
haben  vom  Anfang  an  gesorgt  und  gewarnt,  dass  nicht  EE.  LL.  etc.  durch
Dero  Unterwerfung  unter  die  angemasste  Direktion  des  Gegners  auch  im
Hauptwerk  und  an  andern  Orten  Ursache  zur  Nachfolge  geben  mögen;
trotzdem  sind  EE.  LL.  etc.  wirklich  auf  des  Gegners  nichtiges  Ausschreiben
zu  allgemeinen  und  Partikularkonventen  erschienen.  —  Was  EE.  LL.  ete.
wegen  unserer  Schreiben  erinnerten,  so  wissen  wir  von  keinem  scharfen
Wort  darin  sondern  wir  haben  uns  stets  dahin  beflissen,  dass  nur  das
Hauptwerk  vorgenommen  und  Nebensachen,  die  nicht  dazu  gehören,
ausgesetzt  werden,  während  unser  Gegner  das  gar  nicht  in  Acht  nahm
sondern  mit  schweren  Anzügen  und  ungegründeten  Schmähworten
gegen  unsere  fürstliche  Person  ausbrach,  was  wir  und  unsere  Söhne
uns  billig  zu  Herzen  nehmen  mussten,  zumal  der  Gegner  diese  Diffamationen
  durch  offenen  Druck  verbreitete  und  zu  Rotenburg  in
verschiedenen  Schriften  vorbrachte,  mit  welchen  Privatklagen  er  EE.  LL
etc.  die  beste  Zeit  nahm;  wenn  wir  aber  zur  Rettung  unserer  Ehre  und
unseres  Rechts  nur  ein  Mandat  publizieren,  so  müssen  wir  gleich  der  sein,
der  das  ganze  Reich  verwirrt  und  das  Wasser  trübt.  —  EE.  LL.  etc.
sind  aber  billig  zu  rühmen,  dass  Sie  auch  den  Gegner  zur  Bescheidenheit
gegen  uns  in  dessen  Schriften  erinnern  wollen;  das  fordern  die  Notdurft,
die  Reichsordnungen  und  unser  engerer  Verein.  Uns  hintansetzen  zu
lassen,  uns  der  Direktion  des  Gegners  zu  unterwerfen  und  durch
unser  eigenes  Beispiel  uns  in  Nachteil  zu  setzen,  sind  wir  aber  nicht
schuldig.  —  Um  aber  zu  einem  Ende  dieses  Streits  zu  kommen,  ersuchen
wir  EE.  LL.  ete.,  wenn  Sie  schon  Bedenken  tragen,  uns  bei  unserm  Recht
zu  handhaben,  dass  Sie  wenigstens  den  Kaiser  erinnern,  damit  er  seine
Kommissarien  zum  Kurfärstentag  dahin  instruiere  und  zugleich  das
kurfürstliche  Kollegium  dahin  ermahne,  dass  vor  allem  dieser  Rechtsstreit
erledigt  und  zuvor  nichts  anderes  vorgenommen  werde  Das  kann
weder  dem  Kaiser  noch  den  Kurfürsten  entgegen  sein,  da  wir  nur
„causae  principalis  resolutionem  et  iuris  iustitiasgue  administrationem“
begehren.  Datum  Neuburg  an  der  Thonau  den  17.  septembris  a,  1611.
Stg,,  Archiv  Pfalz,  D.  80b,  no.  74b;  Kopie,

359.  Zuhiga  an  König  Philipp  III,

„En  los  negocios  del  archiduque  Leopoldo!  he  ido  siempre
procediendo  con  grandisimo  desseo  y  muy  particular  de  cumplir  en  lo  que

’  Vgl.  no.  355  mit  Aum.  2  anf  8.  812.
        <pb n="843" />
        359.  1611  821

a  ellos  toea  con  los  que  V.  M.@  tiene  mandado,  por  serla  cosa  en  si  de  tanta  Sept.  80.
importancia  y  tanta  la  lastima,  de  que  aquel  principe  ande,  deguiziado
del  derecho  camino  y  enbaucado  de  vanidades  que  le  proponen  la
gente  suya,  que  anda  cerca  la  persona  de  S.  A.  Para  embiarle  a
ablar  sobre  el  negocio  de  su  concierto  con  el  rey  de  Ungria,  embie
por  un  clerigo  que  es  favorecido  de  S.  A.  y  muy  diligente.  Este
se  vino  primero  por  Passau,  &amp;amp;adonde  esta  el  5.  archiduque  y  trujo
un  despacho  para  mi  muy  corto  y  despues  he  savido,  que  por  via
de  un  mozo  que  calienta  las  estufas  del  emp.”,  embio  a  S,  M.‘
ces.*  una  carta  del  duque  Guillermo  de  Baviera,conquerescivio  mucho
gusto.  Es  aquel  buen  viejo  santisima  persona,  pero  muy  poco  prudente
en  las  cosas  del  mundo  y  assi  temo,  que  esta  siempre  en  aquel
embeleco  del  casamiento  de  su  hija  con  Leopoldo  y  de  hazelle  gran
principe  y  hazer  malos  oficios  al  rey  de  Ungria,  y  mientras  procede
el  s.°”  arcbiduque  con  estas  doblezes,  es  dificultoso  el  traelle  a  camino.
Hare  en  ello,  quanto  pudiere,  intentando  todas  las  trazas  posibles  el
8.°"  archiduque  Ferdinando  y  entiendo,  que  tambien  la  8.°”®  archiduquesa
vienen  con  gran  aparato  a  Viena  a  solenicar  las  bodas  del  rey.  Aquella
sera  buena  ocasion,  si  ha  de  haver  alguna,  para  acomodar  el  negocio  |
del  8.°”  archiduque  Leopoldo.  En  lo  que  digo  arriva  del  duque  Guillermo,
entiendo  que  esta  muy  libre  de  culpa  el  duque  Maximiliano  que
es  e]  que  govierna  la  casa  y  muy  abentajado  en  prudencia  a  su
padre  y  que  no  ha  gustado  desta  platica  de  casamiento  de  su  hermana
con  elarchiduque  Leopoldo.!  Pero  en  no  tratar  de  casar  al  duque
Alberto  su  hermano  no  se  como  se  puede  essimir  de  culpa,  porque
los  sucesores  son  los  palatinos  de  Neoburg  hereges  y  si  viniesse
esto  caso,  de  que  Dios  nos  guarde,  no  solo  la  casa  de  Baviera,  pero
la  de  Austria  y  todo  lo  que  es  religion  catolica  en  Alemania,  corre
ebidentisimo  riesgo.?  Con  el  elector  de  Colonia  able  aora  un  ano  muy
particularmente  sobre  esta  materia  y  aora  en  Norimberg,  para  donde
partire  dentro  de  quatro  o  seis  dias,  le  tornare  a  hazer  instancia  on
el  negocio  que  a  mi  juicio  es  mas  importante  que  el  de  la  sucesion  en
el  imperio  y  que  quantos  ay  en  Alemania.“  De  Praga  30  de
settiembre  1611.

Sim.,  Fasz.  2497,  f.  97;  Or.8

!  Vgl.  Zunigas  Urteil  über  Herzog  Maximilian  in  no.  85  und  no.  142.

’  Wegen  der  Verheiratung  des  Herzogs  Albrecht  von  Baiern  vgl.
F.  Stieve,  Wittelsbacher  Briefe,  a.  a.  O.,  VI.,  8.  367  ff.,  VII.,  S.  666,  VIIL,
3.6  ff.  und  A.  Chroust,  Abrabam  von  Dohna,  8.  247,  Anm.  1.  —  Wegen  der
Furcht,  dass  die  bairische  Linie  aussterben  möchte,  vgl.  die  Wittelsbacher
Briefe,  VL,  8.374  und  A.  Chroust,  a.  a.  O.,  S.248,  Anm.1.

®  In  einem  besonderen  Schreiben  vom  gleichen  Tag  berichtet  Zuniga
über  die  Absicht  des  Kaisers,  nach  Pilsen  zu  reisen  (vgl.  no.  354  mit
Anm.  2  auf  8.  810).  „El  conde  de  Hano,  gran  calvinistsa,  ha  venido  aqui
por  mandado  del  emp.’  y  dizen,  que  presta  a  S.  M.d  200000  florines.
Aguardase  tambien  el  marques  de  Ansbach,  llamado  para  captarle  la  benevolencia
  para  la  asistencisa  que  ha  de  hazer  en  el  convento  electoral,  como
nombrado  por  su  mayor  el  elector  de  Brandemburg,  el  qual  con  escusa  de
        <pb n="844" />
        Sept.  30,

822  1611  360.

360.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

Der  Graf  von  Hanau  ist  am  24.  spät  am  Abend  angekommen.
Hegenmüller  und  Lamberg  !  sind  zum  Erzbischof  von  Salzburg  zur
Beilegung  des  Streites  mit  Baiern  geschickt  worden.”  Hegenmüller
hat  seine  Entlassung  als  Reichshofrat  genommen;  Lamberg  ist  wieder
zum  geheimen  Rat  berufen  worden.  Am  27.  hörte  ich  vom  Agenten
des  Königs  Matthias,  Dr.  Rebmann,  „dass  der  obrister  Gunterrot  zu
wege  gebracht,  das  I.  ksl.  M.!  den  grafen  von  Hanau  und  den  markgrafen
  von  Ansbach  hergefodret  habe  und  ist  der  von  Anhalt  in  der
nähe  bei  dem  von  Rosenberg,  umb  alle  tage  hie  zu  sein,  wan  &amp;amp;
I.  M.!  gefellig.  Gunterrot  ist  wider  ins  reich  verschickt,  allerhand
heimliche  sachen  zu  tractiren.  So  vile  man  vermainen  und  merken
kan,  sein  allerhand  selzamen  practiken  furhanden;  deren  ausschlag
eröffnet  die  zeit.“  Zuniga  hat  auf  des  Barvitius  Erinnern  dem  Hennot
geschrieben,  er  solle  nicht  wiederkommen,  ‚‚weil  wegen  der  nebenschreiben,
  so  er  ohne  des  ambasciatorn  wissen  hergebracht,  allerhand
reden  bei  hofe  und  unter  den  behmischen  statthaltern  umbgehn.‘“  !
—  Am  28.  hatte  der  Graf  von  Hanau  zwischen  8  und  9  Uhr  ziem-"lich

  lange  Audienz  beim  Kaiser.  Mollart  schickte  dem  Kaiser  ohne

jemandes  Vorwissen  ein  verschlossenes  Abschiedsgesuch.  Zuniga
und  ıch  beredeten  ihn  dann,  „bei  diser  coniunctur,  dass  von  allen
örtern  sie  bei  hofe  practiken  einschleichen,“  noch  eine  Zeit  lang  Ge
duld  zu  haben  und  nicht  um  Bescheid  auf  das  Gesuch  anzuhalten.
Gestern  teilte  mir  Barvitius  mit,  „das  der  kaiser  des  herzogs  von
Braunschweig  beraits  müde?  und  wol  wolte,  sie  hetten  ihm  das
directorium  nie  vertraut,  weil  er  beraits  auch  unterschidliche  particulare
  praetensiones  furwendet  und  kaum  in  acht  tagen  ainmal  in
rat  kumbt.  Worumb  der  von  Hanau  gefodert,  waiss  er  noch  keiner
hier  bei  hofe,  auch  der  Herzog  von  Braunschweig  nit;  allein  bab  er
erfahren,  das  I.  ksl.  M.‘,  als  der  graf  bei  der  audienz  unter  ander
zu  sehr  die  treue  und  eifor  der  wetterauischen  grafen  und  anderer
seiner  religionsverwandten  gegen  I.  ksl.  M.'  exaggeriren  und  rühmen
wollen,  ihme  zur  antwort  geben,  dass  diese  offerta  nur  blösse  wort

negocios  forgosos  que  tiene  en  Prusia,  no  asistira  en  persona  la;  de  quiem
mas  se  puede  fiar  aqui.  No  haze  gran  caso  de  esta  comunicacion  de  calve
nistas;  pienso  que  no  86  mueve  a  ello  por  confianza  que  tenga  del  honbre  [?],
si  no  por  la  noticia,  que  tiene  del  miserable  estado  de  su  persona  ;  pero  yo
todavia  estoy  con  cuidado*  (Sim.,  a.  a.  O.,  f.23;  Or.).

‘  Teber  Georg  Sigmund  von  Lamberg  vgl.  F.  Chr.  Kherenbiller,
Conterfet  Kupferstich,  II.,  Leipzig  1722,  8.93,  Wissgrill.  Schauplatz  des
niederösterreichischen  Adels,  IIl.,  8.390,  Briefe  und  Akten,  V.,  8,  812,
VL,  8.531.  —  Die  Beglaubigung  für  Lamberg  und  Hogenmüller  vom  5  Oktober
lehrt,  dass  es  dem  Kaiser  um  eine  Geldhilfe  des  Erzbischofs  durch  Entrichtung
ausständiger  Kreishilfen  zu  tun  war  (Wk.,  Hoffinanzakten,  Oktober  1611;  Kpt.).

’  Vgl.  K.  Mayr-Deisinger,  Wolf  Dietrich  von  Raittenau,  8.  142.

®  Vgl.  no.  349  und  unten  no.  368.

*  Vgl.  no.  356  und  no.  359.

®  Vgl.  no.  328,  S.  763,  Anm.  4.
        <pb n="845" />
        360  —361.  1611  823

bisher  und  noch  sein,  haben  wenig  effects  und  werk  davon  gesehn  Sept.  80.
sonder  vilemehr  das  contrarium  erfahren:  dan  seine  beste  freund
in  Prag,  der  Sudoniz  und  Müler  (so  erzcalvinisten),  seien  ihre  ergsten
verräter  gewesen!  Barvitius  vermainet  nicht,  das  er  hie  bei  hofe
zu  einigen  diensten  gebraucht  werden  soll  sonder  verhoffet  es  dahin
zu  richten,  das  der  graf  von  Helfenstein  hergefodert?  und  zum
obristhofmeister  und  geheimen  rat  von  I.  M.'  gebraucht  werden  soll.“
Barvitius  zeigte  mir  ein  Schreiben  von  Leuchtenberg,  worin  dieser
begehrt,  dass,  falls  er  wieder  in  den  Dienst  treten  soll,  er  Direktor
im  geheimen  Rat  und  bestätigter  Obersthofmeister  sein,  den  Reichshofratspräsidententitel
  behalten,  sowie  das  Gehalt  von  all  diesen  Aemtern,
also  9800  fl.  beziehen  und  das  von  ihm  geforderte  Gnadengeschenk
von  100000  fi,  ausgezahlt  erhalten  solle,  ‚‚welches  wol  zuvil  ist.“
Prag  den  30.  septembris  1611.
Bre.,  Secröt,  d’Allem.,  no.  96,  f.  175;  Or.  eigh.

361.  Memorial  für  den  Administrator  der  Kurpfalz  Sept.  30.
zum  nürnberger  Kurfürstentag.

Es  wird  beim  Kurfürstentag  nicht  bei  den  Punkten  des  kurmainzischen
  Ausschreibens  allein  bleiben  sondern  es  werden  noch
andere  auf  die  Bahn  kommen,  wie  aus  zwei  kaiserlichen  Handschreiben  an
Kurmainz  und  Hessen-Kassel  3?  hervorgeht,  so  dass  insgesamt  folgende
Punkte  zu  bedenken  sein  werden:  1.  Wie  ist  der  Kaiser  aus  seiner
grossen  Unsicherheit  zu  erretten  und  das  Reich  wegen  seines  Haupts  zu
versichern?  2.  Wie  kann  man  vom  Kaiser  wegen  der  Nachfolge  gewissen
Bescheid  erlangen?  3.  Wie  ist  das  kurfürstliche  Kollegium  zu  ergänzen,  —
wobei  der  Administrationsstreit  in  Betracht  kommt,  —  der  Kurverein  zu
erneuern  und  das  Mistrauen  im  Kurkollegium  zu  beseitigen?  4.  Wie
ist  die  Justiz  am  Beichskammergericht  und  am  kaiserlichen  Hof  und
das  kaiserliche  Regiment  zu  verbessern?  5.  Wie  ist  der  letzte  Reichstag
zu  reassumieren  oder  soll  ein  neuer  ausgeschrieben  werden  ?  6.  Wie
soll  man  bei  künftiger  Belehnung  des  Königs  von  Böhmen  des  Reiches
Autorität  wahren?  7.  Welches  Gutachten  soll  man  dem  Kaiser  über
dessen  Vergleich  mit  dem  Bruder  auf  Verlangen  erteilen  ?

Ueber  manche  dieser  Punkte  lässt  sich  keine  gewisse  Resolution  geben;

i  Die  Namen  dieser  beiden  Männer  finde  ich  nur  einmal  erwähnt;
Sudoniz  erinnert  an  den  in  den  nenburgischen  Korrespondenzen  oft  erwähnten
Sidonius.

’  Vgl.  no.  3806,  S.  732,  Anm.  3.  —  KHeoelfenstein  war  vom  Kaiser
zunächst  aufgefordert  worden,  als  Kommissar  beim  Kurfürstentag  zu  fungieren
(Schreiben  vom  14.  September;  Wh.,  Reichsakten  in  genere,  Bd.  84b;  Kpt.),
hatte  sich  aber  damit  entschuldigt,  wie  Barvitius  an  Vischere  mitteilte,  dass  die
Infektion  in  seinem  Hause  sei;  „I.  kel.  M.!  sowol  auch  alle  fromme  catholische
haben  diesen  fal  gar  ungern  gehört  und  vernommen;  1.  M.t  haben  ein  sonders
verlangen  getragen,  ihn  zu  sehn“  (Vischere  an  Erzberzog  Albrecht  am
1.  Oktober;  Bra.,  a.  a.  O.,  f.181;  Or.  eigh.).

®  Vgl.  no.  219  und  no.  258.
        <pb n="846" />
        Sept.  30.

824  1611  361.

man  wird  vor  allem  hören  müssen,  welche  Befehle  die  kurbrandenburgischen
  Gesandten  haben  ;  dann  muss  man  auch  Gelegenheit  suchen,
mit  Kursachsen  darüber  zu  reden.

1.  Der  erste  Punkt  wurde  in  das  kurmainzische  Schreiben  gebracht,
als  die  Dinge  in  Böhmen  und  in  Prag  noch  in  höchster  Verwirrung
waren  und  ein  sehr  seltsames  Aussehen  hatten.  Seither  ist  aber
zwischen  den  Brüdern  ein  Akkord  getroffen  und  dadurch  die  Unsicherheit
  aufgehoben  worden,  so  dass  vielleicht  dieser  Punkt  nicht  mehr
so  sehr  urgiert  werden  dürfte  Trotzdem  könnten  aber  andere  Kurfürsten
  sich  für  verpflichtet  halten,  zuzusehen,  wie  der  Kaiser  bei
diesem  Vergleich  sich  befindet  und  ob  das  Reich  seines  Kaisers  (der  an
einem  Ort  residiert,  wo  er  nichts  zu  befehlen  hat,  was  dem  Beich
sehr  unreputierlich  ist)  genügend  versichert  ist,  wie  auch  1608  bei
ähnlicher  Veranlassung  geschehen  ist.  —  Ferner  ist  aus  des  Kaisers
Handschreiben  an  den  Landgrafen  von  Hessen-Cassel  abzunehmen,  dass
er  proponieren  lassen  will,  wie  er  seine  Abreise  aus  Prag  anstellen
solle  und  wie  es  dann  mit  Residenz  und  Unterhalt  zu  halten
wäre;  auch  andere  Kurfürsten  könnten  auf  den  Gedanken  kommen,  dass
der  Kaiser  sich  ins  Reich  begeben  solle.  Es  ist  dies  aber  der  grassen
Beschwerden  halber,  die  den  Ständen  daraus  erwachsen  könnten,
bedenklich  und  mit  guten  Erinnerungen,  dass  es  nicht  ratsam  und
dem  Kaiser  nicht  erschwinglich  sei,  zu  verhindern,  wie  schon  beim  rotenburger
  Unionstag  der  Administrator  ersucht  worden  ist,  zu  befördern,
dass  die  Verlegung  der  kaiserlichen  Residenz  ins  Reich  unterbleibe;  denn
die  Stände  sind  durch  Köntributionen  ohnehin  aufs  Aeusserste  erschöpft
und  würde  man  sie  dann  noch  mehr  in  Anspruch  nehmen  wollen;  dabei
hat  der  König  von  Ungarn  auch  schon  Andeutungen  wegen  Erhaltung
der  Grenzen  gemacht.  Die  Sache  geht  übrigens  nicht  die  Kurfürsten
allein  an  und  kann  in  Nürnberg  nichts  den  andern  Ständen  zu
Verfang  geschlossen  werden.  Es  ist  auch  dem  Kaiser  wegen  seiner
Leibesgelegenheit  nicht  zu  raten,  die  gewohnte  Luft  zu  verändern;
ferner  ist  fraglich,  ob  er  im  Reich  die  Mittel  zu  seinem  Unterhalt
und  die  gelegene  Wohnung  so  gut  wie  zu  Prag  haben  könnte,
wo  er  seinen  Schatz  hat  und  die  vom  König  bewilligten  jährlichen
  300000  fl.  behält,”  die  ihm  sonst  entgehen  möchten.
Der  Aufbruch  von  Prag  würde  auch  wegen  der  Reichskanzlei  und
Registratur  Ungelegenheiten  machen.  —  An  der  zu  besorgenden
„Disreputation“,  wenn  der  Kaiser  in  Prag  bleibt,  wäre  das  Reich
nicht  schuld,  da  der  ganze  Verlauf  ohne  dessen  Wissen  geschehen
ist;  auch  muss  nicht  notwendig  „Disreputation‘“  darauf  folgen  :  denn
laut  des  brüderlichen  Vergleiches  ist  der  Kaiser  von  den  böhmischen
Sachen  nicht  ganz  ausgeschlossen;  er  hat  seine  eigenen  Güter  und
Einkünfte  in  Böhmen  und  übt  daselbst  als  in  einem  Beichslehen
seine  kaiserliche  Autorität,  so  dass  er  darin  wol  noch  zu  gebieten
hat.  Genau  erwogen  ist  es  daher  für  den  Kaiser  weniger  reputierlich,
sich  ins  Reich  zu  begeben,  wo  er  nichts  zu  eigen  hat,  als  in  Böhmen
        <pb n="847" />
        361.  1611  825

zu  bleiben.  Das  Reich  und  die  Stände  werden,  wenn  der  Kaiser  im  Sept.  30.
Reich  residiert,  sogar  eber  in  Gefahr  gezogen,  falls  der  Kaiser  animum
vindicandi  hat  und  ihn  zu  Werk  richtet.  Es  würde  dadurch  der  Krieg

ins  Reich  kommen!  und  der  Kaiser  wäre  doch  nicht  „bastant“,  dieses

und  dessen  Stände  zu  schützen.

Dies  alles  ist  den  übrigen  Kurfürsten,  besonders  aber  den  kaiserlichen
Kommissarien,  die  diesen  Punkt  vielleicht  urgieren  werden,  vor  allem
aber  Kursachsen  vorzubalten,  wenn  dieser  etwa  andere  Gedanken  hätte,
Im  äussersten  Fall  aber,  da  es  dem  Kaiser  an  genügendem  Unterhalt
fehlen  sollte,  wäre  besser  und  ratsamer,  dass  die  Reichsstände,  wenn
sie  des  „Herauszugs‘‘  des  Kaisers  geübrigt  blieben,  zum  Unterhalt
etwas  zuschiessen,  als  im  andern  Fall  den  ganzen  Unterhalt  auf  sich
nehmen.?  Wenn  aber  die  Mehrzahl  der  Kurfürsten  den  Abzug  des
Kaisers  aus  Böhmen  für  gut  findet,  so  wird  Kurpfalz  ihn  auch  geschehen
  lassen  müssen.

2.  Wegen  der  Nachfolge  im  Reich  wird  erinnert,  wie  auf  dem
fuldaer  Kurfürstentag  von  1606  Kursachsen  deshalb  besondere  „Consilia“
gehabt  und  sehr  ungern  gesehen  und  geschehen  hat  lassen,  dass  dieser
Punkt  ins  Ausschreiben  gebracht  und  davon  geredet  wurde;  es  ist  damals
auch  zu  nichts  weiterem  gekommen,  als  dass  auf  Ratifikation  der
Kurfürsten  ein  Schreiben  an  den  Kaiser  aufgesetzt  worden  ist,  um
dessen  Meinung  über  diesen  Punkt  zu  vernehmen;  auch  dies  Schreiben
blieb  unausgefertigt.?  —  Es  ist  daher  zunächst  beim  Kurfürsten  von
Sachsen  zu  erforschen,  wie  er  jetzt  in  diesem  Punkte  geneigt  ist,  und
ist  ferner  zu  erwarten,  worauf  die  Proposition  sich  richten  mag  und
was  die  kaiserlichen  Kommissarien  deswegen  vorbringen  werden;  denn
man  hört,  dass  der  Kaiser  erklärt  haben  soll,  alle  Erzherzoge  „hierunder
in  gutem  recommando  zu  haben.“  Die  Sache  wäre  viel  leichter  zu
erheben,  wenn  die  drei  weltlichen  Kurfürsten  einer  Meinung  wären;
darum  eben  ist  an  guter  Information  bei  Kursachsen  viel  gelegen.
Es  ist  zwar  nicht  zu  hoffen,  dass  man  sich  diesmal  eines  gewissen
„Subiectums“  vergleichen  wird;  man  wird  vielmehr  „in  generalitate“
verbleiben  und  nur  des  Kaisers  Meinung  erfahren  wollen;  doch  ist  zu
achten,  „damit  nit  etwan  die  gemüeter  der  andern  churfursten  mehr
uf  einen  andern,  mit  deme  etwan  benachbarte  potentaten  nicht  allerdings
  zufriden  und  dahero  dem  reich  neue  unruben  zugezogen

!  Vgl.  den  ersten  rotenburger  Nebenabschied  in  no.  381.

?  Bei  den  Beratungen  des  kurpfälzischen  geheimen  Rats  am  9./19.  und
und  10./20.  September,  aus  denen  obiges  Memorial  hervorgieng,  schlug
Kanzler  v.  d.  Grün  die  Saekularisation  zweier  reicher  Reichspraelaten  zu
Gunsten  des  kaiserlichen  Unterhalts  vor;  der  Fürst  von  Anbalt  riet,
dem  Kaiser  die  Einkünfte  der  Jesuiten  anzuweisen;  aber  man  besorgte,
dass  alsdann  die  Katholiken  die  Restitution  der  eingezogenen  Klöster  auf
die  Bahn  bringen  möchten  (Ma.,  547/14,  f.  321,  Protokoll  von  Hausmanns
Hand).  Vgl.  zu  diesen  Vorschlägen  Abraham  von  Dohnas  satirisches  Gedicht
  auf  den  Reichstag  von  1613;  Vers  2249  ff.  in  der  Ausgabe  von  A.  Chroust,
Abraham  von  Dohna,  S.  349.

°  Vgl.  Briefe  und  Akten,  I.,  no.  422  und  V.,  S.  883  f.
        <pb n="848" />
        826  1611  361.

Sept.  30.  werden  möchten,  lonken  und  andere  hindansetzen.‘“  Dabei  sind  auch
Kursachsens  Gedanken  wegen  des  Vikariats  zu  erforschen.

3.  Nachdem  der  Administrator  durch  kaiserliches  Dekret  bestätigt  und
zu  allen  kurfürstlichen  Akten  zugelassen,  auch  von  Kurmainz  zum  Kurfürstontag
  beschrieben  worden  ist,  wird  die  Ergänzung  des  kurfürstlichen
  Kollegiums  keine  Schwierigkeiten  machen.  Allerdings
ist  Neuburg  noch  nicht  ruhig  und  hat  neuerdings  dem  Kaiser  eine  scharfe
Protestschrift!  überreicht  und  Kassierung  des  Dekrets  begehrt;  er
dürfte  auch  persönlich  oder  durch  Gesandte  zu  Nürnberg  Hinderungen
verursachen.  Man  wird  das  nicht  hintanhalten,  wol  aber  die  Kurfürsten
an  das  kaiserliche  Dekret  und  an  ihre  eigenen  Erklärungen  erinnern
können  und  dass  man  sich  von  ihnen  versieht,  dass  sie  Neuburg  zur
Ruhe  und  zu  ordentlichen  Austrag  Rechtes  weisen  werden;  dabei
sind  Kursachsen  die  Konsequenzen  vorzuhalten,  wenn  es  den  weltlichen
  Kurfürsten  verwehrt  sein  sollte,  testamentarisch  über  Vormundschaft
  und  Administration  zu  verfügen.  Wollen  aber  die  Kurfürsten
gütliche  Handlung  pflegen  oder  gar  einen  Ausschlag  geben,  ‚so  ist
man  mit  Gründen  genügend  gefasst,  warum  man  sich  diesmal  weder
auf  Güte  einlassen  kann  noch  eine  endliche  Entscheidung  erteilt  werden
darf.  Würde  Neuburg  sich  allzusehr  in  den  Weg  legen,  so  sind
den  Kurfürsten  im  äussersten  Fall  die  verfassten  ‚‚causae  suspecti“‘
vertraulich  mitzuteilen,  die  Neuburg  auch  ohne  die  testamentarische  Verfügung
  von  der  Administration  ausschliessen  würden.  —  Der  Administrator
hat  die  Erneuerung  des  Kurvereins  zur  Festigung  seiner  Administration
zu  vollziehen.  —  Das  Mistrauen  im  kurfürstlichen  Kollegium  kann
aufgehoben  werden,  wenn  die  Kurfürsten  es  miteinander  treulich
meinen,  des  Reiches  Wolfahrt  in  Acht  baben  und  alle  ihre  „Consilia“
dahin  richten.

4.  Es  ist  zur  Genüge  erörtert  worden,  woher  die  Steckung  der
Justiz  am  Kammoergericht  erfolgt  ist,  dass  nämlich  die  üÜbermässig
angewachsenen  Revisionen  zurückblieben  und  dadurch  die  Exekutionen
gehindert  wurden;  daran  sind  aber  die  vier  Klostersachen  schuld.
Weil  die  Evangelischen  diese  wegen  des  gefährlichen  Praejudizes  von
den  Revisionen  ausschliessen,  die  Päpstischen  aber  einschliessen,  so
ist  man  bisher  „in  extremis“  einander  gegenübergestanden.  Man  hat
zwar  auf  dieser  Seite  begehrt,  die  Klostersachen  vorläufig  auszusetzen  und
inzwischen  die  übrigen  Revisionen  vorzunehmen,  um  die  andern  Parteien
nicht  zu  hindern;  es  war  dies  aber  von  den  Päpstischen  nicht  zu
erreichen,  ja  beim  letzten  Reichstag,  als  man  aus  guten  Gründen  die
Bestätigung  des  Religionsfriedens  verlangte,  sind  sie  so  weit  gegangen,
zu  erklären,  sie  würden  sich  zu  einer  solchen  vor  Rückstellung  der
nach  dem  Religionsfrieden  eingezogenen  geistlichen  Güter  nicht  verstehen.?
  —  Die  Päpstischen  baben  ihrerseits  wieder  vorgeschlagen,  man  solle

ı  Vom  3./13.  August;  vgl.  no.  301,  S.  692  Anm.  1.

’  Vgl.  Briefe  und  Akten,  VL,  8.  203  ff,  M.  Ritter,  Deutsche

Geschichte  im  Zeitalter  der  Gegenreformation,  II.,  226  mit  Anm.  1  und  die
dort  angegebene  Literatur.
        <pb n="849" />
        361.  1611  827

die  vier  Klöster  in  integrum  restituieren  oder  dem  Sequester  eines  Dritten  Sept.  30.
bis  zum  Austrag  des  Streits  untergeben;  man  hat  dies  aber  auf  dieser  Seite
nicht  für  durchführbar  gehalten  und  hat  auf  die  „Temporalaussetzung“
der  vier  Sachen  gedrungen.  Zwar  haben  die  Gegner  darein  nie
willigen  wollen;  es  kann  aber  beim  Kurfürstentag  dieser  Weg  wieder
vorgeschlagen  und  die  Meinung  der  Päpstischen  angehört  werden
und  soll  man  sich  also  bemühen,  dies  Hindernis  aus  dem  Weg  zu
räumen,  wobei  der  Administrator  sich  zu  erbieten  hat,  das  seinige  zur
Beseitigung  dieses  Hindernisses  zu  tun.  Als  1607  die  kurmainzischen
und  kurpfälzischen  Räte  zu  Bensheim  wegen  dieses  Punktes  sich
vertraulich  unterredeten,  „haben  die  Meinzischen  gleichsam  obiter
und  extra  mandatum  so  viel  sich  vermerken  lassen,  wann  die  päbstischen
stend  versichert  sein  möchten,  dass  die  evangelischen  nit  weiter  greifen
sondern  sich  an  denjenigen  geistlichen  gütern,  so  sie  albereit  in
handen,  begnügen  lassen,  dass  solches  künftig  zur  vergleichung  ein
mittel  sein  möchte.“i  Würden  solche  Mittel  wieder  in  Vorschlag
kommen,  so  wäre  mit  Beirat  Kursachsens  und  Kurbrandenburgs  weiter
nachzudenken,  wie  weit  darauf  einzugehen  wäre,  da  sich  die  Sache
auf  den  geistlichen  Vorbehalt  bezieht;  in  schliessliche  Entscheidung
könnte  man  sich  wegen  der  andern  evangelischen  Stände  freilich  nicht
einlassen;  doch  hätte  man  sich  zu  erbieten,  ihnen  davon  zu  berichten
und  sein  Bestes  zu  tun.  —  Das  Kapitel  von  der  Verbesserung
der  Hofjustiz  und  des  kaiserlichen  Regiments  gehört  zur
Verhandlung  und  Gesandtschaft,  die  1609  im  Namen  aller  Unierten
an  den  kaiserlichen  Hof  gieng,  and  zu  dem,  was  jüngst  zu  Rotenburg
mit  den  kaiserlichen  Kommissarien  und  unter  den  Unierten  wegen
der  Gravamina  vorgegangen  ist.  Da  die  Kurfürsten  und  Fürsten,
die  vor  zwei  Jahren  in  Prag  waren,  die  Mängel  des  geheimen  wie
des  Reichshofrats  gleichmässig  ahndeten,  so  könnten  deren  Gedanken,
besonders  aber  die  Kursachsens  vernommen  und  dann  abgewartet
werden,  was  die  kaiserlichen  Kommissarien  deshalb  vorbringen  werden.
Das  wird  nicht  unterbleiben,  da  der  Kaiser  sich  zu  Rotenburg  durch
seine  Gesandten  hat  vernehmen  lassen,  er  wolle,  was  die  Unierten  wegen
der  Gravamina  im  Jahr  1609  bei  ihm  gesucht  hätten,  den  Kurfürsten
proponieren  lassen;  man  hat  sich  daher  deswegen  des  rotenburger  Abschiedes
  zu  bedienen.  —  Vordem  wurde  wol  vorgeschlagen,  dass  zur
Abhilfe  der  Unordnung  auch  der  geheime  und  der  Reichshofrat  paritätisch
  besetzt  werden  sollen  oder  dass  die  Kurfürsten  dem  Kaiser  einige
Räte  zuordnen  mögen.  Kommt  dieser  Vorschlag  wieder  auf  die
Bahn,  s0  hat  sich  die  Pfalz  der  Mehrheit  zu  vergleichen;  vor  allem  aber
muss  man  sich  darüber  einigen,  welche  Sachen  vor  den  Beichshofrat
gehören;  denn  eg  wäre  unratsam,  bei  der  jetzigen  Unordnung  Religionssachen
  dahin  ziehen  zu  lassen.

ı  Vgl.  no.  3562.  Es  ist  der  Vorschlag  des  „uti  possidetie.*
        <pb n="850" />
        Sept.  3%.

828  1611  361.

5.  Zu  Rotenburg  sind  bereits  die  Ursachen  aufgezeigt  worden,
weshalb  man  sich  zu  keiner  Reassumtion  des  Reichstages
verstehen  kann:  denn  er  ist  nie  vertagt  worden,  es  sind  inzwischen
  auch  die  drei  weltlichen  Kurfürsten  gestorben  und  ist  dadurch
deren  Konsens  erloschen.  Würde  die  Mehrheit  sich  zu  einem  neuen
Reichstag  entschliessen,  so  wird  man  sich  dem  nicht  entziehen  können  ;
doch  wäre  zuvor  zu  erinnern,  „zum  fall  nicht  zuvorher  den  graraminibus
  abgeholfen  und  sonsten  bessere  praeparatoria  als  vor  diesem
dazu  gemacht,  dass  die  evangelische  stend  zu  einiger  contribution
schwerlich  zu  bewegen  sein  möchten‘;  es  müsste  der  Kaiser  auch  einen
den  Ständen  annehmlichen  Kommissar  zum  Reichstag  ernennen;  auch
wäre  darauf  zu  sehen,  dass  vor  dem  Reichstag  die  Räte  der  weltlichen
  Kurfürsten  zusammentreten  und  gute  Vorbereitungen  treffen.

6.  Wegen  derWahrung  der  Autorität  des  Reichs  bei  der  künftigen  Belehnung
  des  Königs  von  Böhmen  weiss  man  nicht,  wie  der  Kaiser
dies  versteht  und  muss  daher  die  Proposition  abwarten;  im  Allgemeinen
wird  man  auf  das  Herkommen  achten  müssen,  der  König  oder  die
Stände  von  Böhmen  werden  schwerlich  deswegen  etwas  Neues  suchen.

7.  Die  brüderliche  Vergleichung  wird  als  einmal  vollzogen
  sich  nicht  „retractieren‘  lassen,

Dem  Administrator  sind  beim  Unionstag  noch  darüber  hinaus
einige  Punkte  aufgetragen  worden,  um  sie  beim  Kurfürstentag  in
Acht  zu  nehmen.  Er  soll  Kursachsen  den  Zweck  der  Union
dartun  und  dessen  Gedanken  sowol  wegen  der  Eventuallegation  an  den
kaiserlichen  Hof  als  wegen  der  gemeinen  Gravamina  vernehmen;  doch  hat
man  sich  in  diesem  Punkt  nach  dem  Erfolg  der  Gesandtschaft  des  Markgrafen
von  Ansbach  in  Dresden  zu  richten.  Den  Kurfürsten  zum  Eintritt  in
die  Union  zu  ersuchen,  ist  zu  Rotenburg  nicht  für  ratsam  erachtet  worden
sondern  man  hat  für  besser  gehalten,  damit  nicht  zu  eilen.  Da  der  Herzog
von  Sachsen-Coburg  nach  Nürnberg  kommen  soll,  so  wird  wol  sich  irgend
ein  Anlass  zu  guter  Verrichtung  ergeben.  Den  Modus  wird  man
erst  zu  Nürnberg  finden  können,  da  man  noch  nicht  weiss,  welche
Räte  Kursachsen  um  sich  haben  wird.  —  Bei  Mainz  wegen  der
Gravamina  zu  unterbauen,  wird  Gelegenheit  nicht  fehlen.  —  An  der
braunschweigischen  Sache  ist  viel  gelegen;  wenn  die  Vollstreckung
der  Acht  nicht  bei  Zeiten  gehindert  wird,  so  dürfte  wol  ein  grosses  Feuer
im  Reich  ausschlagen.  Deshalb  muss  man  schleunigst  mit  Sachsen  und
Brandenburg  reden  und  dann  mit  diesen  beiden  die  geistlichen  Kurfürsten,
die  wegen  ihrer  Territorien  zumeist  interessiert  sind,  erinnern,  damit  sie
Frieden  und  Ruhe  befördern  helfen;  hierauf  wäre  zunächst  ein  Schreiben
an  den  Kaiser  um  Einstellung  der  Exekution  auszufertigen  und  hätte
man  sich  beiden  Teilen  zu  gütlicher  Interposition  anzubieten;  dena
jene  Städte,  welche  sich  der  Stadt  Braunschweig  annehmen,  werden  solche
Interposition  gerne  sehen  und  sollen  sich  auch  erboten  haben,  die  Stadt
Braunschweig  zu  einiger  Nachgiebigkeit  zu  ermahnen.  —  Da  der  Kurfürst

*  Vgl.  no.  331.
        <pb n="851" />
        361—362.  1611  829

von  Trier  des  Vorhabens  sein  soll,  die  eickenschen  Kinder  zum  Sept.  30.
Kurfürstentag  mitzunehmen,  so  ersucht  der  Markgraf  von  Baden,  ein
etwaiges  Praejudiz  für  ihn  und  den  gesamten  weltlichen  Fürstenstand
verhüten  zu  helfen.  Man  wird  besonders  mit  Kursachsen  wegen  der
eickenschen  Ehe  zu  reden  und  ihm  die  Konsequenzen  mit  dem
Begehren  vorzustellen  haben,  dass  auch  er  verhfiten  helfe,  dass  der
Sohn  Eduard  Fortunats  als  Fürst  behandelt  werde.  —  Ebenso  ist  es
mit  den  württembergischen  Beschwerden  gegen  das  Parlament  von
Dö6le  und  gegen  die  Grafschaft  Burgund  zu  halten;  diese  sind  dem
ganzen  Kollegium  vorzutragen  und  ist  wo  möglich  ein  Erinnerungsschreiben
  an  Erzherzog  Albrecht  auszubringen.!  —  Da  die  kurpfälzischen
Untertanen  in  der  obern  Pfalz  von  Baiern  und  Neuburg  mit  erhöhten
  Zöllen  beschwert  werden  und  die  beiden  wider  die  Konzession
  der  Kurfürsten  die  schuldigen  Reverse  hinterhalten,  so  ist
dies  dem  Kollegium  anzuzeigen,  damit  die  Zollerhöhung  künftig
unterbleibt  und  die  Reverse  ausgestellt  werden.  —  Die  untere  und
obere  Rechenkammer  sollen  Gutachten  erstatten,  ob  nicht  auch  die
Kurpfalz  um  eine  Zollerhöhung  einschreiten  soll.

Die  Festung  Rheinberg  ist  seit  Jahren  in  den  Händen  der
Spanier.  Da  der  getroffene  Anstand  zu  Ende  laufen  wird  oder  aufgehoben
  werden  kann  und  dann  „sedes  belli“  mitten  ins  Reich  käme,
so  wäre  mit  Kurköln,  dem  diese  Festung  zusteht,  publice  oder  privatim
zu  reden,  wie  sie  wieder  zu  erlangen  wäre.  Allerdings  ist  wenig
Hoffnung,  dass  von  Kurköln  hierin  etwas  zu  erreichen  sein  wird.
Heidelberg  den  20.  septembris  a.  1611.

Ma.,  547/14,  f.  806;  Kople.

362.  Kurmainzischer  „Discurs  vf  zukunftigem  chur-  [Sept.]
furstentag  per  modum  instructionis,“?

Der  Kaiser  hat  durch  Schreiben  bei  Kurmainz  wegen  der  künftigen
Administration  des  Reiches  ein  Ansuchen  getan  und  hat  erlangt,
dass  ihm  eine  Zusammenkunft  der  Kurfürsten  auf  den  17.  Juli
nach  Mühlhausen  bewilligt  wurde.  Wenn  die  Zusammenkunft,  die
vertagt  werden  musste,  ihren  Fortgang  gewinnt,  so  wird  der  Kaiser
bei  der  ersten  Sitzung  nochmals  ausführen  lassen,  was  ihn  zu  solcher
„Tagshandlung‘  verursacht  hat  und  wird  damit  die  Verhandlungen
einleiten.  Im  Rat  der  Kurfürsten  wird  der  Kurfürst  von  Mainz  die
erste  Anrede  tun  müssen,  die  aus  dem  Schreiben  des  Kaisers  und
aus  dem  Ausschreiben  zum  Kurfürstentag?  zu  ziehen  sein  wird;
darauf  hat  die  Beratung  der  verschiedenen  Verhandlungsgegenstände
zu  beginnen.

1  Vgl.  wegen  der  eickenschen  und  mömpelgardischen  Sache  no.  382.

?  Der  Kurfürst  von  Mainz  bemerkt  zum  Titel  mit  eigener  Hand:  „Diss
ist  nitt  vff  das  zweite  [?]  ausschreiben  gerichtt.“

®  No.  162.
        <pb n="852" />
        [Sept.]

830  1611  362

1.  Hauptgegenstand  der  Beratungen  des  Kurfürstentages  ist  die
künftige  Administration  des  Reiches  und  die  Designation
eines  Successors.  Es  muss  daher  erstlich  bedacht  werden,  ob  es
ratsam  und  gut  ist  und  ob  es  des  Reiches  Notdurft  erfordert,  dass
man  bei  Lebzeiten  des  Kaisers  einen  römischen  König  erwählt  oder
ob  nicht  besser  der  Tod  des  Kaisers  abzuwarten  ist.  Vielleicht
wird  das  erste  für  nützlicher  angesehen  werden  in  der  Erwägung,
dass  man  auch  früher  durch  Wahlen  solcher  Art  die  Regierung  des
Reiches  gesichert  hat,  obgleich  damals  die  Zeitläufe  nicht  so  sorglich
und  gefährlich  waren  wie  jetzt  und  eine  Zeit  her,  wo  man  kein
Ende  der  entstandenen  Mishelligkeiten  sehen  kann.  Allerdings  hat
es  auch  in  der  Vergangenheit  Zwietracht  bei  der  Wahl  und  Gegenkönige
  gegeben  „und  [wurden]  beederweilen  gegen  der  päpstl.
H.*  und  durch  I.  H.!  irrungen  erwecket;“  aber  man  war  damals
in  der  Religion  einig  und  wurde  der  Papst  im  ganzen  Abendland
als  Oberhaupt  der  Christenheit  anerkannt,  wodurch  eingerissene
Widerwärtigkeiten  bald  wieder  zu  ruhigem  Stand  gebracht  werden
konnten.  Zur  Zeit  aber  hat  man  in  Deutschland  verschiedene
Religionen;  die  Weltlichen  haben  sich  zumeist  von  der  katholischen
Kirche  abgesondeıt,  haben  das  alte  Herkommen  verlassen,  wollen  mit
dem  Papste  nichts  mehr  zu  tun  haben  und  denken  daran,  die
Geistlichen  in  einen  geringeren  Stand  herabzusetzen.  Wenn  bei  dieser
gänzlichen  Veränderung  der  Gemüter  nicht  zu  Lebzeiten  des  Kaisers  wegen
der  künftigen  Administration  des  Reiches  Vorsehung  getroffen  und  ein
Nachfolger  designiert  wird,  so  ist  zu  besorgen,  dass  man  nach  des
Kaisers  Tod  trotz  der  goldenen  Bulle  nicht  so  schnell  zu  einer  Wahl
gelangen  und  alles  so  hinausgezogen  werden  wird,  bis  die  Geistlichen
unterdrückt  und  die  Sachen  ‚uf  ein  interregnum  gespilt  werden
möchten,  in  deme  auch  respectu  vicariatus  wenig  befürderung  zu
hoffen,  und  dass  andere  weltlich,  wie  nunmehr  etlich  jahr  im  reich
fürgangen,  die  weg  zu  vernichtung  der  geistlichen  in  wehrentem
interregno  suchen,  durch  welche  sie  sich  anstatt  der  geistlichen  zu
der  chur  eintringen  oder  sonst  in  diesem  enderung  eingefürt  würd.“
Viele  in  Deutschland  sind  jetzt  auch  so  gesinnt,  dass  sie  gerne
Unordnung  sehen  möchten,  um  nach  Lösung  aller  Bande  die  noch
übrigen  geistlichen  Güter  an  sich  zu  bringen,  wobei  aber  gewiss  noch
andere  mehr,  die  sich  dessen  gar  nicht  versehen,  zu  Schaden  kommen
dürften;  damit  würden  aber  Gericht  und  Recht  zum  Stillstand  gebracht
werden,  so  dass  niemand  wüsste,  wo  er  sicher  bleiben  könnte.  Darum  ist
bei  Zeiten  auf  die  Ordnung  der  Nachfolge  zu  denken  und  darf  man  wol
sagen,  dass  die  Kurfürsten  dazu  verpflichtet  sind  und  den  Todesfall
nicht  abwarten  sollen.  Bei  diesem  Fall  oder  wenn  das  Wahlgeschäft
sich  in  die  Jänge  ziehen  würde,  könnten  auch  andere  Nationen  und
mächtige  Königreiche  zu  Nachdenken  verursacht  werden,  wie  sie  die
Hoheit  des  Imperiums  für  sich  erlangen  könnten;  auch  der  Papst  möchte
daraus  Ursache  schöpfen,  bei  verhinderlichem  Aufzug  „für  sich  selbst
        <pb n="853" />
        362.  1611  831

eitra  electorum  designationem  ein  römischen  kaiser  zu  einem  haupt  der
christenheit,  advocaten  und  beschirmer  der  kirchen  ufzuwerfen,  wie
dann  I.  H."  vermög  der  rechten  in  constitutione  Venerabilem  »de
electione  et  electi  potestates  solches  zu  thun  macht  haben  möchten.“  Der
Schaden,  der  aus  solcher  Veränderung  der  deutschen  Nation  erwachsen
würde,  ist  leicht  abzunehmen.  Man  möge  darum  noch  bei  T,ebzeiten
des  Kaisers  einen  Nachfolger  designieren,  der  mit  Rat  und  Beistand
des  Kaisers  beim  Papst  die  Approbation  und  Konfirmation  für  sich
erlangen  und  sich  so  viel  als  möglich  dem  Herkommen  gemäss  gegen
den  Papst  verhalten  soll,  um  weitere  Zerrüttungen  zu  vermeiden.  —

Gegen  diesen  Vorschlag  könnte  aber  eingewendet  werden:  1.  Man
möge  bis  zum  Tod  des  Kaisers  warten,  da  es  sich  bei  Lebzeiten
des  Kaisers  wol  nicht  fügen  würde,  einen  aus  einem  andern  Geschlecht
  als  aus  dem  Haus  Oesterreich  zu  wählen  und  dem  Kaiser
beizugeben;  es  seien  aber  aus  diesem  Hause  so  viele  Kaiser  unmittelbar
  auf  einander  gefolgt,  dass  dadurch  der  deutschen  Freiheit
derogiert  und  das  Reich  dem  alten  Erbrecht  wie  vor  Zeiten  unterworfen
  würde;  das  würde  andere  fürstliche  Häuser  nachdenklich
machen  und  sie  zu  Unwillen  gegen  die  Kurfürsten  bewegen;  sie  würden
auch  einem  römischen  Kaiser  in  Notfällen  desto  weniger  beistehen  und,
wenn  sie  schon  jetzt  ihren  Unwillen  verheblten,  so  würden  sie  doch  bei
Gelegenheit  Ursache  nehmen,  die  andern  zu  beschweren.  2.  Es  kann
ferner  bezweifelt  werden,  ob  es  den  Kurfürsten  gebührt,  bei  Lebzeiten  des
Kaisers  ohne  Bewilligung  der  andern  Reichsstände  einen  römischen  König
zu  wäblen;  es  könnte  vielmehr  geltend  gemacht  werden,  solches  gebühre
den  Kurfürsten  nur  bei  Erledigung  des  Reiches.  Das  ist  wirklich  bei
der  Wahl  Ferdinands  L  von  Kursachsen  „exceptive‘‘  eingeworfen  worden,
es  haben  deshalb  auch  einige  Stände  an  die  Kurfürsten  und  die
Schmalkaldner  insgemein  an  den  Kaiser  geschrieben  und  hat  die
historia  Sleidani  e8  unter  männiglich  ausgebreitet.  Würde  trotz  einem
solchen  Widerspruch  zur  Wahl  geschritten  werden,  so  ist  zu  bedenken,
was  für  die  Kurfürsten  daraus  folgen  möchte.  3.  Es  könnte  endlich
eingeworfen  werden,  es  sei  dem  Kurverein  einverleibt,  wer  immer
nach  dem  Reiche  stünde,  dass  dem  die  Kurfürsten  vorkommen
sollen;  denn  eine  solche  Handlung  bei  Lebzeiten  des  Kaisers  könnte
dabin  angesehen  werden,  als  ob  man  auf  Nebenwegen  das  Reich
erblich  machen  wollte.

Aber  alle  diese  Einwärfe  sind  unerbeblich;  vielmehr  sollen  die
Kurfürsten  bedacht  sein,  wegen  der  Succession  bei  Zeiten  Vorsehung
zu  treffen  und  sich  durch  das  nicht  irren  lassen,  was  man  etwa
wegen  der  Erblichkeit  einwendet.  Den  Kurfürsten  ist  ja  doch  frei
gelassen,  den  zu  wählen,  den  sie  für  den  Tauglichsten  erachten,  und
sind  sie  nicht  verbunden,  künftig  aus  einem  bestimmten  Haus  zu
wählen;  daher  bleibt  es  eine  freie  Wahl.  Dass  einer  auf  Empfehlung
des  andern  vorgezogen  wird,  ist  nicht  neu  (Wahl  Heinrichs1.).  Es  ist
übrigens  die  Königswahl  seit  Einsetzung  der  Kurfürsten  nie  so  sehr  in  deren

[Sept.]
        <pb n="854" />
        [Sept.]

832  1611  362.

Macht  gestanden  als  nach  Aufrichtung  der  goldenen  Bulle,  besonders
aber  unter  der  Regierung  der  österreichischen  Herrn.  Wenn  die  Notwendigkeit
  der  Zustimmung  der  andern  Stände  besonders  nach  Tit.  1
und  A  der  goldenen  Bulle  geltend  gemacht  wird,  wo  aber  nur
von  der  Wahl  bei  Vakanz  des  Beiches  geredet  wird,  so  gibt
es  andere  Stellen  der  goldenen  Bulle,  welche  gestatten,  dass  die
Kurfürsten,  so  oft  es  nötig  ist,  zur  Wahl  eines  römischen  Königs
schreiten  (Tit.  1.  18.  19.  12.).  Dazu  bezieht  sich  die  goldene  Balle
oft  genug  auf  das  alte  Herkommen  und  findet  man  aus  der  Zeit  vor
Erlassung  der  goldenen  Bulle,  dass  auch  zu  Lebzeiten  der  Kaiser  zu
Wahlen  geschritten  worden  ist;  die  Bulle  selbst  unterscheidet  wegen
des  Zwecks  der  Zusammenkänfte  ja  auch  zwischen  casus  inevitabiles
und  rationabiles  und  erlaubt,  aus  vernünftigen  erheblichen
Ursachen  zusammenzukommen  (Tit.  12.),  um  des  Reiches  Wol  zu
beraten.  Was  betrifft  aber  das  Wol  des  Reiches  mehr  als  dessen
Regierung  und  Administration!  Es  wäre  ja  auch  ungereint,  dass  nur
beim  Todesfall  den  Kurfürsten  die  Wahl  zugelassen,  dagegen  ihnen  bei
Tebzeiten  des  Kaisers,  auch  wenn  die  Not  es  erfordert,  die  Hände
gebunden  sein  sollten,  dass  sie  des  Reiches  Notdurft  nicht  bedenken
dürften;  dadurch  würde  ihr  Amt  so  eingeengt,  dass  sie  der  Wahl  halber
ohne  die  andern  Stände  nichts  zu  handeln  vermöchten.  Das  ist  aber
der  goldenen  Bulle  und  dem  Herkommen  ganz  zuwider;  denn  gerade
wegen  der  Gefahr  eines  Zwiespaltes  unter  der  Vielheit  ist  die  Wahl  auf
sieben  Wähler  übertragen  worden.  Endlich  wird  die  goldene  Bulle  durch
das  Herkommen  erläutert  [es  folgt  eine  Darstellung  der  Erbfolge  von  Karl
den  Grossen  bis  auf  Karl  V.  bei  Unterscheidung  der  freien  Wahl  und
der  Designation].  Man  darf  also  auch  bei  Lebzeiten  eines  Kaisers  aus
vernünftigen  Ursachen  einen  römischen  König  wählen.  —  Der  zweite
Einwurf  war,  es  bedäürfe  zu  solcher  Wahl  bei  des  Kaisers  Lebzeiten  des
Vorwissens  der  gemeinen  Stände;  er  ist  mit  dem  vorigen  abgelehnt.  —
Durch  die  Wahl  eines  römischen  Königs  werden  dem  Reiche  auch
nicht  zwei  Häupter  vorgesetzt  sondern  es  bleibt  dessen  Administration
beim  Kaiser;  der  Erwählte  kann  sich  der  Regierung  nur  so  weit
unterziehen  als  der  Kaiser  sie  ihm  überträgt  und  soll  er  diesem
Gehorsam  leisten;  so  geschah  es  auch  bei  der  Wahl  Rudolfs  II.  Der
Sorge,  dass  durch  die  Wahl  die  Stände  mehr  belastet  würden,  werden
die  Kurfürsten  vorzubeugen  wissen.  —  Es  kann  auch  nichts  aus  der
Einung  der  Kurfürsten  abgeleitet  werden,  „als  ob  durch  solche  tractation
nach  dem  reich  gestanden  würd;“  die  Einung  will  vielmehr  dies  gerade
bindern  :  hier  will  man  nur  die  ordentlichen  Wege  einschlagen  und  zu  besorgende
  Unrichtigkeiten  verhüten.  Darum  ist  es  geradezu  ratsam,  von
künftiger  Administration  zu  reden  und  die  Wahl  geschehen  zu  lassen.

Wenn  bei  Beratschlagung  der  Königswabl  die  Stimmen  sich
trennen  und  einige  dafür  sein  würden,  den  Todesfall  abzuwarten,
so  könnte  zwar  per  maiora  verfahren  werden;  aber  es  ist  fraelich,
  ob  man  dies  tun  soll;  denn  wenn  zwei  oder  drei  Ker
        <pb n="855" />
        362.  1611  888

fürsten  sich  sonderten  und  sich  einen  Anhang  unter  den  weltlichen  [Sept.]
Fürsten  und  Ständen  erwürben,  so  dass  der  Erwählte  und  die  andern
Kurfürsten  sich  nur  mit  Mühe  bei  der  Wahl  behaupten  und  Empörungen
  und  Widerwärtigkeiten  daraus  enistehen  könnten,  so  wäre  in
solchem  Fall  vielleicht  besser,  die  Sache  bis  auf  künftige  Zeit  einzustellen,
  als  sich  in  Gefahr  zu  setzen  und  zu  Gewalttaten  Ursache
zu  geben.  Würde  aber  nur  ein  Kurfürst  sich  absondern,  so  hätten  die
andern  fünf  oder  sechs  sich  zu  entschliessen,  ob  wegen  eines  Mannes
aller  Stände  Wolfahrt  zurückgestellt  werden  solle;  sie  werden  auch  die
Mittel  zu  bedenken  haben,  wie  sie  sich  mit  Beistand  des  Kaisers
und  des  Erwählten  bei  ihrer  Wahl  handhaben  und  wie  Weiterungen  verhütet
  werden  möchten.  Wenn  man  sich  aber  zuerst  zur  Wahl  entschlösse
„und  ex  civilitate  quadam  fürfiel,  die  ksl.  M.'  darfür  zu  pitien  und
dass  die  churfursten  mit  I.  M.'  regierung  wol  genügig  und  mit
deren  undertheniglich  zufriden,  sie  anch  noch  wol  des  vermögens,
die  bürd  der  administration  zu  tragen,  würd  [man]  sich  dieserseits
mit  den  andern  in  dem  wol  zu  vergleichen  wissen.“  Besteht  aber  der
Kaiser,  wie  wahrscheinlich  ist,  auf  seinem  Vornehmen,  dass  die  Wahl  vor
sich  gehen  soll,  und  schlägt  er  dazu  den  N.  vor,  ihn  „für  anderen  zu
elegiren“,  woraus  ersichtlich  würde,  dass  er  in  keine  andere  Person
willigen  wollte,  und  sollte  es  davon  das  Ansehen  gewinnen,  als  ob  die
Kurfürsten  bei  der  Wahl  nicht  ganz  frei  sein  sondern  an  eine  Person
gebunden  werden  sollten,  so  hätte  sich  Mainz  mit  den  andern  zu
verglechen  und  um  freie  Wahl  anzuhalten,  wie  bei  der  Wahl
Ferdinands  L  mit  Erfolg  geschehen  ist.

Ist  man  endlich  so  weit,  die  Wahl  vornehmen  zu  können,  so  sind
noch  die  Bedingungen  zu  bedenken,  auf  welche  hin  der  Erwählte  zugelassen
  werden  soll.  Bei  der  Wahl  Ferdinands  I.  haben  der  Kaiser,  der
Erwählte  und  die  Kurfürsten  einander  zugesagt,  sich  gegenseitig  bei  der
Wahl  zu  schirmen.  Es  ist  zu  bedenken,  ob  dies  jetzt  zu  wiederholen
  ist.  —  Ferner  wird  der  Modus  der  Wahl  zu  erwägen  sein.
Die  Zeremonien  werden  durch  die  goldene  Bulle  bestimmt;  aber  die
weltlichen  Kurfürsten  werden  bei  den  katholischen  Zeremonien  nicht
zugegen  sein  und  sie  nicht  durch  ihre  Anwesenheit  billigen  wollen;  es
steht  daher  bei  den  drei  Erzbischöfen,  ob  ihnen  gebührt,  von  den
hergebrachten  Zeremonien  abzuweichen  und  sich  mit  den  andern  neuer
zu  vergleichen  oder  ob  sie  für  sich  zuvor  in  die  Kirche  ziehen,  die
herkömmlichen  Zeremonien  verrichten  und  darnach  die  andern  Kurfürsten
  zur  Eidesablegung  und  zur  Wahl  erwarten  wollen.  Es  besteht
deswegen  eine  Bestimmung  des  jüngst  aufgerichteten  Kurvereins:
„Wir  sollen  und  wollen  auch  beederseits  religionen  und  ceremonien
halber  keiner  den  andern  uf  künftigen  wahl-,  crönungstagen  oder
sonst  ausschliessen  noch  unvehig  achten  oder  einigs  unmillens  uns
gegen  einander  anmassen  sonder  uns  vielmehr  freundlichs  guten
willens  bevieissen  und  in  allweg  keiner  den  andern  gefaren.“  Darnach

möge  man  sich  wegen  der  Zeremonien  vergleichen.  O0.  D.
Wmz.,  Wahl  und  Krönungsakten,  1618,  Bd.6;  —  Kpt.

Briefe  u,  Akten  dee  dreissigjäbrigen  Krieges,  IX.  Bd.  63
        <pb n="856" />
        Oktober  1.

Oktober1.

834  1611  363  —  364.

363.  Baugy  an  die  Königin-BRegentin  von  Frankreich.

„Madame.  L’empereur  me  fist  appeller  dimanche  secretement
et  m’esclaircit  beaucoup  de  pointz  essentielz  qu'il  a  seulement  touches
dans  son  instruction,  confirmant  au  reste  tous  les  propos  et  discouns
que  m’a  tenuz  celuy  qu’il  a  employ6  a  la  coucher  par  escrit  are
les  lettres  particulieres  dont  il  la  voulust  accompagner.  Ainsy  croyant
que  je  fusse  entierement  expedie,  je  me  voulois  mettre  en  chemin,
mais  il  me  fist  dire  que  je  me  retinsse  et  qu’il  desiroit  encores  me
communicquer  quelque  autre  sienne  pensee,  ce  qu'il  n'a  fait  jusques
a  maintenant,  Le  jour  auparavant  qu’il  me  donnast  audience,  le  comte
Philippes  de  Hanaw  qu’ilavoit  mand&amp;amp;  il  y  a  desia  quelques  semaines,
arriva  en  ceste  ville  et  fuit  admiz  mercredy  a  luy  faire  la  reverenc.
S,  M.'‘  imp.  luy  fist  ses  plainctes  et  demanda  son  aviz  sur  le  traictement
qu’elle  a  receu  du  roy  de  Hongrie  et  des  autres  qui  l’ont  assists  de
conseil  et  de  moyens  depuis  quelgues  annees  en  ca  et  en  fin  luy
representa  qu’elle  auroit  fort  a  plaisir  que  les  cont6z  de  Hanar,
desquelz  il  est  directeur,  luy  fournissent  par  avance  les  contributions
qu’elle  espere  d’obtenir  en  la  diete  generale  de  l’empir,  laquelle  ne  se
pouvant  convocquer  si  promptement,  ceste  anticipation  luy  seroit  un
tesmoignage  tres  agreable  de  leur  affection  et  bonne  volonte.  Voyk
le  suget  de  la  venue  dudict  s.”  comte,  laquelle  a  miz  la  puce  a  l’oreilie
du  nonce  du  pape  et  de  l’ambassadeur  d’Espagne,  plus  pour  estre
allie  du  jeune  prince  Palatin  et  du  conte  Maurice  que  pour  estre  de
la  differente  religion,  bien  que  ce  dernier  soit  le  pretexte  qu’ilz  ont
priz  de  s’en  esmouvoir  et  mesmes  de  blasmer  sadicte  M.',  ignorans  en  quoy
elle  s’en  veult  servir,  —  Ledict  8."  ambassadeur  propose  de  s’acheminer
la  semaine  prochaine  a  Nüremberg  pour  intervenir  a  l’assembl6e  des
electeurs  qui  s’y  doit  commancer  le  9°  de  ce  mois,  et  outre  l’argent
contant  qu’il  y  trouvera  entre  les  mains  des  Terreggiais  ?,  il  fait  provision
de  force  presens  pour  y  distribuer  et  practiquer  ceulx  qu’iljugera  estre  utiles
a  l’avanc[ement]  des  dessains  de  son  maistre,  lesquelz  neantmoins  plasieurs
estiment  ne  luy  devoir  reussir  pour  ce  Coup  en  ce  qui  concerne  la
promotion  dez  a  present  dudict  s.”  roy  de  Hongrie  a  la  couronne

des  Romains,  De  Prague  le  1°  d’octobre  1611.  Praes  le  22.  dudict  moys.
Pa.,  Coll.  Harlay,  no.  238.,  vol.  XII,  f.  514;  Or.  eigh,

364.  Instruktion  des  Königs  Matthias  für  dessen  @esandte
  zum  nürnberger  Kurfürstentag.

Vgl  die  Instruktion  zum  mühlhauser  Kurfürstentag  [oben  no.  266

mit  Anm.  1  auf  8,  613).
Wh,  Wahl.  und  Krönungsakten,  Bd.  7,  no.  5b;  Kptkopie.®

!  Vgl.  no.  859,  8.  821  Anm.  8.

?  Lesart  unsicher.  Welches  Handelshaus  gemeint  ist,  vermag  ich  nicht
zu  erkennen.

®  Vom  gleichen  Tag  ist  die  Beglaubigung  für  die  königlichen  Gesandten
Melchior  Khlesl,  Abraham  zu  Dohna-Wartenberg,  Leonhard  Colonna  Freiberr
von  Fels  und  Gundaker  von  Polheim  datiert  (Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  106,
no.  157;  Or...  Wegen  der  Auswahl  der  Gesandten  vgl.  oben  no.  329  und
Hammer-Purgstall,  Khleels  Leben,  II.,  Urkunden-Sammlung  no.  847.
        <pb n="857" />
        365  —366.  1611  835

365.  Der  Nuntius  in  Prag  an  Herzog  Maximilian  von  Oktober.

Baiern.

Obgleich  das  beifolgende  Breve  den  Bundesfürsten  zeigen  wird,  wie  angenehm
  dem  Papst  deren  Schreiben  gewesen  sind  und  wie  sehr  dieser  deren
Streben  billigt  und  fördern  will,  so  will  ich  doch  S.  H.!  Befehl  gemäss
das  Schreiben  noch  weiter  erläutern.  Der  Papst  wünscht,  von  lebhaftem
Schmerz  über  die  Not  der  katholischen  Sache  in  Deutschland
erfüllt,  dass  diese  so  wirksam  als  möglich  sicher  gestellt  werde.  Daher  hat
er  schon  früher  dem  katholischen  Bunde  Hilfsgelder  gewährt
und  den  König  von  Spanien  ‚‚ad  idem  manifestissime  praestandum“  bewogen.
  „Nunc  porro  illi  primae  declarationi  suae  propensae  voluntatis,....
quod  adjiciat,  non  habet  nec  aliam  ab  illa  prima  deliberationem
suscipere  modo  potest  ..  ..  Caeterum  non  est,  cur  Ser.“  V.r
caeterique  confederati  principes  de  constanti  8.  S.4*  voluntate  ideirco
quicquam  addubitent,  certo  quippe  sibi  persuadeant,  dominus  noster
suo  auxilio  unioni  tam  sanctae,  ubi  necessitas  postulaverit,”  minime
defuturum  sed  pecuniam  (jam  deputatam)  statim  ac  in  tempore  ex
proprio  aerario,  si  aliunde  non  poterit,  deprompturum  et  transmissurum,
cuius  deinde  refusionem  ex  decimis  cleri  procurabit,  a  quo  citra  aliam
necessitatem  et  causam  novam  pensionem  exigere  nec  congruum
videtur  nec  expedire.“  Pragae  die  tertia  octobris  1611.

Me.,  Entstehung,  Fasz.  VI,  no.  44,  f.43;  Or.!

366.  [Reichsvizekanzler  von  8tralendorf]  an  einen
kurmainzischen  Rat.

1.  Nachschrift:  Esist  noch  immer  unsicher,  ob  wir  hier  bleiben  oder  gehen
werden.?  Man  hat  eine  Zeitlang  hier  alle  Kutschen,  die  von  Nürnberg  kamen,
in  Wartegeld  genommen,  aber  sie  vor  zwei  Tagen  wieder  losgegeben.  Der
Aufbruch  des  Kaisers  würde  viel  kosten  und  die  Mittel  fehlen;
seit  1608  baben  wir  aus  dem  Hofzahlamt  nichts  erhalten.  —  Man
redet  seit  langem  vom  Beformieren;  was  aber  erfolgt,  ist  klar.
Vorgestern  ist  Leuchtenberg  zurückgekehrt;?  Mollart  ist  noch  Vizeı

  Obiges  Schreiben  ist  die  Antwort  auf  die  Vorstellungen,  welche  die
beiden  Bundesobersten  am  11.  Juli  zunächst  an  den  prager  Nuntius  richteten,
damit  er  beim  Papst  die  alsbaldige  Auszahlung  der  ganzen  auf  drei  Jahre
bewilligten  Hilfe  für  den  katholischen  Bund  oder  wenigstens  einer  Jahresuote

  zur  Bildung  des  in  Würzburg  beschlossenen  neuen  Vorrats  erwirke
(Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  166;  Kopie).  Fin  entsprechendes
Bittgesuch  der  beiden  Bundesobersten  überreichte  der  bairische  Agent
G.  B.  Crivelli  dem  Papst  persönlich,  der,  wie  Crivelli  berichtet,  „ha
mostrato  agradirli  con  molto  affetto,  mostrando  molto  pronta  voluntä  di
voler  esser  sempre  favorevole  in  ogni  accasione  verso  di  easa  lega*  (Crivelli
an  den  Herzog  Maximilian  am  13.  August  aus  Rom;  Mc,  a.  a.  O.,  f.  38;
Or.).  —  Das  oben  erwähnte  leider  fehlende  Breve  ist  die  Antwort  auf  das
durch  Crivelli  überreichte  Bittgesuch.

!  Vgl.  no.  354.

®  Nach  Bodenius’  Bericht  am  1.  Oktober  (Bodenius  an  Herzog  Maximilian
  am  1.  Oktober;  Mc.,  Entstehung,  Fasz.  VI.,  no.  45,  f.  154;  Or.  eigh.).

b3*

Okt.  [3.]
        <pb n="858" />
        836  1611  366.

Okt.  [3.]  praesident  des  geheimen  Rats  und  Obersthofmarschall.  Braunschweig
hat  lange  keine  Audienz  mehr  gehabt,  lässt  aber  hier  noch  immer
bauen.  Ich  glaube,  dass,  wenn  er  seine  Absichten,  besonders  die
Zollerhöhung  erlangte,  er  auch  nicht  lange  bleiben  würde.  Mollart  hat
gleichfalls  um  seine  Entlassung  nachgesucht,  so  dass  der  geheime
Rat  stark  abnimmt.  Hegenmüller  hat  seinen  Abschied  genommen,!  ist
vor  einigen  Tagen  nach  Wien  abgereist  und  soll  nach  Graz  kommen.
Trautmannsdorf  will  auch  wegziehen,  so  dass  auch  im  Beichshofrat
  nur  Minckwitz,  mein  Sohn,  Wacker,  Engelbofer  und  Hertel
bleiben.  Meinem  Sohn  ist  es  beschwerlich,  nach  Trautınannsdorfs
Abzug  allein  auf  der  Herrn-  und  Ritterbank  übrig  zu  bleiben  und
fast  gegen  sein  Gewissen  zu  dienen,  weil  die  andern  eine  Faktion
bilden  und  nach  ihrem  Willen  „Maiora“  machen;  von  seinem  Sold  hat
er  in  fünf  Jahren  drei  Monate  bekommen.  Gute  Reformation  ist
also  wol  nötig.

Der  Graf  von  Hanau  ist  vor  fünf  Tagen  hiehor  gekommen  und
hat  vor  drei  Tagen  Audienz  beim  Kaiser  gehabt;  ich  weiss  nicht,  was
da  geredet  wurde.  Man  sagt,  die  Berufung  der  Grafen  sei  noch
auf  Rat  des  calvinischen  Kammerdieners  Johann  Ericius  von  Hamburg
erfolgt,  der  vor  einigen  Wochen  an  der  ungarischen  Krankheit  gestorben
  ist.?  Der  Graf  sagt,  er  wolle  bald  wegziehen;  einige  meinen,
er  solle  die  Präsidentenstelle  beim  Beichshofrat  übernehmen.

Der  Fürst  von  Anhalt  soll  schon  seit  etlichen  Tagen  bei  Herrn
von  Rosenberg  sein  und  wird  nun  hier  erwartet  [Späülerer  Zusatz:
ist  ausgeblieben],  auch  der  Markgraf  von  Ansbach  soll  hieher  kommen.
Was  das  für  Reformatoren  sein  werden,  gibt  die  Zeit.  Zuniga  bricht
übermorgen  nach  Nürnberg  auf,  von  dort  reist  er  zur  Hochzeit  des
Königs  Matthias.  Heute  hat  der  Oberstlandhofmeister  Wallenstein  mir
und  Mollart  erzählt,  dass  der  König  Khlesl,  den  gelähmten  Dohna  und
einen  breslauer  Canonicus  und  Halbbruder  Wackers?  nach  Nürnberg
schicken  wird.  Ut  in  literis.*

2.  Nacbschrift:  Dies  Schreiben  habe  ich  auf  Rat  meines  Sohnes
bisher  eingestellt,  da  der  Kurfürst  und  mein  Sohn  ohnehin  in  Nürnberg
zusammentreffen  werden.  Inzwischen  ist  der  Graf  von  Hanau  vor  zehn
Tagen  ®  nach  langer  Audienz  beim  Kaiser  weggezogen.  Der  Markgraf
  von  Ansbach  ist  am  Samstag  abends  angelangt,®  die  Audienz
erfolgte  Montag  und  dauerte  eine  Viertelstunde;  Samstag  oder  Montag
will  er  nach  Nürberg  aufbrechen.  Von  seiner  Verrichtung  weiss  ich
noch  nichts.  Post  datum  20.  octob.  a.  1611.

Wmz,,  Reichstagsakten,  Rd.  106,  no.  180;  Or.  elgh?

ı  Vgl.  no.  360.

’  Vgl.  no.290,  8.670,  Anm.  2.

®  Gemeint  ist  der  vom  König  Matthias  vielfach  verwendete  olmätzische
Kanzler  Dr.  Johann  Jakob  Wacker  auf  Wackernfels;,  vgl.  no.  125,  8.  306,  Anm.  4.

*  Datiert  nach  der  Angabe  von  Leuchtenbergs  Ankunft.

6  Der  Graf  reisto  am  4.  Oktober  ab;  vgl.  no.  371.

®  Vgl.  no.  369,  8.  840,  Anm.  1.

’  Stralendorfs  herbe  Kritik  an  den  Zuständen  Jos  kaiserlichen  Hofes  ist
aus  Jer  Zurücksetzung,  die  er  erfahren  hatte,  leicht  zu  erklären;  vgl.  deshalb
        <pb n="859" />
        367.  1611  837

367.  Instruktion  des  Ersherzogs  Leopold  für  den  Oktober4.
kurtrierischen  Rat  Peter  Simonius  Bitz  zu  dessen
Schickung  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen.

Glückwüusche  zum  Regierungsantritt.  Wir  hoffen,  I.  L.  werden  die
hochbeteuerte  brüderliche  Freundschaft,  auf  die  wir  beide  uns  vordem  persönlich
  zu  Dresden  verglichen  haben,  aufrecht  erhalten  wollen,  wie  wir  nie
daran  gedachthaben,  etwas  vorzunehmen,  was  dem  Kurfürsten  misfällig  sein
könnte.  Da  aber  vonder  jülichischen  und  böhmischen  Kommission  und  Expedition
  viel  Ungleiches  geredet  wird,  so  besorgen  wir  doch,  es  möchten
I.  L.  von  unkundigen  Leuten  Dinge  vorgebracht  worden  sein,  die  zu  Verbitterung
  und  zur  Abwendung  von  der  bisherigen  Freundschaft  Anlass
geben  könnten,  obwol  wir  bezeugen  können,  auch  nicht  im  Gedanken
etwas  gegen  I.  L.  und  deren  Haus  vorgenommen  zu  haben.  Wir  hatten
daher  erwartet,  der  Kurfürst  werde  uns  gleich  andern  Mitgliedern  unseres
Hauses  den  Tod  seines  Bruders  anzeigen.  Dass  er  es  unterlassen  hat,
macht  uns  Nachdenken,  ob  nicht  wegen  der  widrigen  „Opinionen“  bei
I.  L.  eine  Alteration  gegen  uns  entstanden  ist.  Deshalb  finden  wir
für  nötig,  I.  I.  summarisch  über  die  Wahrheit  zu  unterrichten.

Mit  dem  jülicher  Wesen  haben  wir  uns  nie  beladen
wollen.  Es  bat  uns  aber  der  Kaiser  inständig  ersucht,  uns  nach
Prag  zu  erheben,  wo  wir  längere  Zeit  verblieben  und  uns  um  Erhaltung
  der  kaiserlichen  Autorität  und  um  Abschaffung  der  Mängel
beim  Hofwesen  bemühten.  Darum  bildeten  einige  kaiserliche  Räte,
die  unsere  Aufsicht  ungern  duldeten,  dem  Kaiser  ein,  dass  er  uns  die
jülicher  Kommission  auftragen  solle,  da  man  durch  einen  so  ansehnlichen
Kommissar  den  kaiserlichen  Ernst  verspüren  und  die  „okkupierenden
Fürsten“  und  andere  desto  leichter  zum  Gehorsam  bringen  werde.  Denen,
die  diese  Kommission  sollizitierten,  müssen  wir  aber  zumessen,  dass  sie
den  wirklichen  Nachdruck  und  Beistand,  mit  dem  wir  die  Sache  zu
des  Kaisers  Ehren  hätten  zu  Ende  führen  können,  bei  ihm  nicht  mit
gleichem  Eifer  wie  unsere  Abreise  getrieben  haben,  weshalb  wir  die  Festung
Jülich  verlassen  und  uns  zum  Kaiser  zurückbegeben  mussten.  In  Prag
wurden  wir  von  den  Kurfürsten  von  Mainz,  Köln  und  Sachsen  ersucht,  die
Belehnung  des  Hauses  Sachsen  mit  den  jülicher  Landen  beim  Kaiser

no.  251  und  no.281.  Der  neuburgische  Rat  Hugolt  Beer  schreibt  darüber  am

u  eptande  an  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig:  Man  vermutet,  dass  Stralendorfs

  Ausschliessung  aus  dem  geheimen  Rat  teile  von  Hannewald,  teils  vom
Herzog  von  Braunschweig  herrührt.  Dieser  ist  ihm  nicht  gut,  weil  Stralendorf
gegen  die  braunschweigische  Achtsedeklaration  gewesen  ist.  Fast  aus  gleicher
Ursache  ist  Dr.  Hämmerlin,  der  hierin  Wacker  stark  opponiert  hatte,  des
Beichshofratsamts  entsetzt  worden  [vgl.  no.  291  mit  Anm.  1  auf  8.  673].
Hannewald  hat  nach  seiner  Erledigung  vorgegeben,  dass  Stralendorf  dem  König
einige  im  kaiserlichen  Bat  traktierte  Geheimnisse  entdeckt  und  damit  verursacht
  habe,  dass  man  ihn,  H.,  schärfer  als  sonst  examinierte.  Der  Kaiser
weiss  von  Stralendorfs  Ausschlieesung  (Mo.,  no.  85/5;  —  Kopie).
        <pb n="860" />
        838  1611  367  —368.

Oktober4.  zu  betreiben.  Da  wir  ihn  schon  von  Jülich  aus  deshalb  ersucht  hatten
und  von  Rechtsgelehrten  über  die  Ansprüche  des  Hauses  Sachsen
informiert  worden  waren,  haben  wir  diesen  Wunsch  um  so  lieber  erfüllt
und  den  Kaiser  mit  nicht  geringer  Mühe  zur  Belehnung  bewogen,  die
auch  alsbald  darauf  erfolgt  ist,  und  wenn  wir  künftig  noch  mehr
für  Sachsen  tun  können,  wollen  wir  davon  nichts  unterlassen.

Ashnlich  verhält  es  sich  auch  mit  der  böhmischen  Sache:
Als  der  Kaiser  spürte,  dass  einige  böhmische  Stände  wider  die
Verträge  bei  seinen  Lebzeiten  mit  Aufstellung  eines  neuen  Königs
umgiengen  und  allerlei  gefährliche  Anschläge  vorhatten,  ohne  das
man  der  Sache  auf  den  rechten  Grund  kommen  konnte,  hat  er  die
bereits  abgedankten  Regimenter  za  behalten  befohlen,  aber  zu
niemandes  Offension  sondern  nur  zu  seinem  Schutz,  bis  der  Böhmen
Anschläge  offenbar  wurden  ‚und  der  einfall  in  die  statt  Prag  lenger
nit  verweilet  werden  konnen,  welcher  volgends  gestillet,  mit  den
Bohemen  ein  fridlicher  anstand  gemacht,  von  inen  aber  mit  irem
vorhaben  so  lang  eingehalten  worden,  biss  sie  sich  gestärkt  und  die
gesambte  macht  uber  I.  ksl.  M.',  die  damaln  die  gegenwehr  und
geprauch  des  geschütz  verpoten,  zu  derselben  untertruckung  gezogen,
von  welcher  handlung  der  ganze  verlauf  schriftlich  verzeichnet.“  Es
ist  aber  weder  dem  Kaiser  noch  uns  je  in  den  Sinn  gekommen,
mit  dem  böhmischen  Wesen  irgend  einen  Reichsstand,  „eschweige
das  Haus  Sachsen  und  unserm  Haus  so  wol  geneigte  Verwandte  zu
beleidigen,  viel  weniger  jemandem  dazu  Anleitung  zu  geben.  —  Sollte
Simonius  bemerken,  dass  die  sächsischen  Herrn  anders  berichtet  wären,
8o  wollen  wir  ihnen  den  ganzen  Verlauf  mit  allen  Einzelnheiten
schriftlich  zuschicken  und  sie  überdies  durch  einen  besondern  Ge
sandten,  der  dem  Verlauf  beigewohnt  hat,  gründlich  informieren  lassen.
Signatum  in  unser  statt  Passaw  am  4.  octobris  a.  1611.

Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofkouzepte  von  1611,  f.  618;  Kpt.!

Oktober  4.  5368.  Ludwig  XII.  an  die  unierten  Fürsten.

Auf  das  Schreiben  vom  20./30.  August?  Die  darin  enthaltene
Versicherung  der  gleichen  Geneigtheit  gegen  uns  wie  gegen  unsern
Vater  hat  uns  sehr  getröstet;  wir  danken  hiefür  und  versprechen,
uns  gegen  Euch  nach  demselben  Beispiel  zu  verhalten.  Unser  Vater
hat  uns  gelehrt,  die  Wolfahrt  der  Union  in  gleicher  Obacht  wie
die  unserer  eigenen  Krone  zu  halten.  Wie  Ihr  Euch  die  Erhaltung
des  Friedens  und  der  Rechte  eines  jeden  angelegen  sein  lasset,
so  ist  auch  unser  Bestreben  dahin  gerichtet.  Wir  freuen  uns
auch  Eurer  Uebereinstimmung  wegen  der  Befestigung  der  Union,

a  Einen  entsprechenden  Auftrag  hatte  Ritz  auch  beim  Herzog  Johann
casimir  von  Coburg  zu  verrichten.
°  Vgl.  no.  305,  8.  729,  Anm.  3
        <pb n="861" />
        368—369.  1611  839

deren  vorzüglichster  Beförderer  unser  Vater  war.  „Nous  aurons  &amp;amp;  Oktober4.
plaisir  aussi  de  favoriser  l’accroissement  et  felicit6  et  comme  Voz
intentions  en  la  contraictant  ont  eu  pour  but  principal  de  conserver
la  dite  paix  publique,  le  fou  roi  et  nous  A  son  imitation  depuis  son
decäde  avions  tousjours  bien  espere  que  nostre  trös  cher  et  trös  aim6
bon  fröre  l’empereur  et  les  autres  princes  et  estatz  du  8.‘  empire
en  approuveroient  la  perfection  et  les  evenements,  comme  nous  avons
appris  par  Vos  dictes  lettres  et  le  porteur  d’icelles  que  le  dict  empereur
et  le  roi  de  Hongrie  ont  faict,  en  Vous  faisant  visiter  par  ambassadeurs,
  envoy&amp;amp;z  expres  en  V.’®  assemblde  pour  ceste  effect.“  De  Paris
le  4.  d’octobre  a.  1611.
Stg.,  Unionsacta,  X.,  f.  953;  Kopie.!

369.  Dr.  Johann  Christoph  Oelhafen  an  die  Aeltern  Oktober  4.
und  Geheimen  des  Rats  von  Nürnberg.

Vergangenen  Sonntag  [Oktober  2.]  ist  Fürst  Christian  von  Anhalt
mit  seiner  Gemahlin  und  den  jungen  Herrschaften,  70  Personen  mit
60  Pferden,  in  Lauf  angekommen.  Die  fürstlichen  Personen  neben
Christoph  zu  Dohna  und  einigen  Adeligen  liessen  sich  im  Amtshaus
quartieren.  Der  Fürst  liess  mich  rufen,  entschuldigte  die  Einquartierung
mit  der  Kränklichkeit  seiner  Gemahlin,  die  in  Heidelberg  schwer  niedergekommen
  sei,  und  zeigte  mir  an:  er  sei  deshalb  so  stark  fortpostiert,  um
den  kaiserlichen  Gesandten  Günterode  noch  anzutreffen  ?  und  ihn  wegen
der  allenthalben  spargierten  Translation  des  kaiserlichen  Hoflagers®
  ins  Reich  der  Gebühr  nach  zu  erinnern  und  abzumahnen.  Er  habe
ihn  auch  unfern  von  Lauf  angetroffen  und  von  ihm  so  viel  verstanden,
dass  der  Kaiser  allerdings  zum  Aufbruch  geneigt  sei,  aber  ibn  ohne  Rat
und  Einwilligung  der  Kurfürsten  nicht  unternehmen  werde.  Der  Fürst
will  den  Kaiser  nochmals  erinnern,  der  Kurfürsten  Rat  abzuwarten.

Günterodes  Werbung  beim  Markgrafen  Joachim  Ernst  bezweckte,
  diesen  zu  persönlichem  Erscheinen  in  Prag  zu  bewegen.  Der
Fürst  hat  dann  mit  Günterode  Rat  gehalten,  wie  man  bei  dieser
Gelegenheit  das  gemeine  evangelische  Wesen  aus  dem  gegenwärtigen  ..
gefährlichen  Stand  erheben  könnte,  besonders  durch  Abhelfung  der  Beschwerden,
  Widerratung  des  Aufbruchs  des  Kaisers  und  Aufhebung  der
Achtsprozesse  gegen  die  Stadt  Braunschweig,  da  der  Markgraf  beim  Herzog
von  Braunschweig  viel  vermöge.  Günterode  sollte  in  Prag  berichten,
dass  der  Markgraf  nächsten  Sonnabend  von  Ansbach  aufbrechen
werde.  —  Gleich  nach  Mitternacht  kam  aber  ein  reitender  Bote  in
Lauf  mit  der  Mitteilung  an,  dass  des  Markgrafen  Aufbruch  auf
Sonntag  oder  Montag  verschoben  sei,  weil  dieser  sich  vorher  mit  dem

ı  Vom  gleichen  Tag  ein  entsprechendes  Schreiben  der  Königin-Regentin
(Big.,  a  a  ©.  f.  950;  Kopie).
’  Vgl.  no.  349,  8.  99,  Anm.  1.
®  Vgl.  no.  354  mit  Anm.  2  auf  3.  810  und  no.  386.
        <pb n="862" />
        Oktober  4.

Oktober.

840  1611  369  —370.

Administrator  unterreden  möchte;  der  Markgraf  sei  auch  noch  nicht
zum  kaiserlichen  Kommissar  beim  Kurfürstentag  ersucht.!  —  Der
Kurfürstentag  wird  gewiss  seinen  Fortgang  nehmen,  aber  der  Kurfürst
von  Brandenburg  wird  nicht  dabei  erscheinen.  —  Der  Fürst  fragte,  ob
Kurpfalz  nahe  beim  Quartier  Kursachsens  untergebracht  werden  könnte
und  ob  sich  Erzherzog  Maximilian  habe  anmelden  lassen.”  —  Er
erkundigte  sich  auch  nach  E.  E.’!*"  Ratifikation  der  Unionssachen?
und  war  sehr  sorglich,  ob  Kurbrandenburg  bei  den  täglichen  hohen
Unkosten  mit  den  Restanten  werde  fortkommen  können;  er  will  nochmals
  ernstlich  auf  Mittel  denken,  damit  auch  dort  dem  Abschied
nachgesetzt  werde.  Der  Fürst  rühmte  ferner  Dero  Resolution  wegen  der
Zinsen  von  den  80000  fl.  und  erzählte,  dass  Pfalzgraf  Wolfgang
Wilbelm  das  Schreiben  der  Union  zu  Gunsten  der  Aachener,?  das  m
Abwesenheit  des  Markgrafen  Ernst  ihm  zugestellt  worden  war,  mit
einer  Protestation  zurückgeschickt  habe,  weil  des  Administrators  Wappen
darauf  gedruckt  war.  Er  bedauerte  auch  sehr,  dass  der  jüterbogker
Vertrag  strittig  gemacht  werden  wolle,  glaubt  aber,  dass  das  Haus
Sachsen  gerade  dadurch  bewogen  werden  dürfte,  zur  Union  zu  treten,
deren  Interposition  es  zu  Rotenburg  gesucht  habe;®  es  habe  sich  auch
jetst  wieder  durch  ein  Schreiben  fernerer  Zuneigung  vernehmea
lassen;  auch  seien  jene  Räte,  die  bisher  ein  Zusammengehen  mit  den
Unierten  widerraten  hatten,  nicht  mehr  in  vorigem  Ansehen.®

In  der  altdorfor  Pfändungssache  berichtete  der  Fürst,  dass  der  Administrator
  den  Markgrafen  zu  besserer  Nachbarschaft  ganz  beweglich
ermahnt  habe  und  dass  dieser  „den  ferreum  stylum,  den  auch  zu
Rotenburg  in  andern  sachen  niemand  approbiren  konnen,‘  moderiere;
er  habe  auch  Vergleichsmittel  vorgeschlagen.  Signatum  Nurmberg
den  24.  septembris  a.  1611.

Nbg.,  Unionsakten,  tom.  55,  f.33;  Kpt.  eigh.

370.  Cardenas  an  König  Philipp  III.

„Senor.  EI  estado  que  las  cosas  de  Alemaha  tienen,  y  lo  que
estos  dias  passados  ha  sucedido,  da  ocasion  &amp;amp;  hablar  en  lo  que  para
adelante  se  puede  esperar.  Tratando  d’esto  con  la  reyna  venimos
&amp;amp;  hablar  en  los  principes  que  oy  ay  de  la  casa  de  Austria.  Hablöme

!  Der  Markgraf  von  Ansbach  traf  am  14.  Oktober  in  Prag  ein  (Vischer
a  Ersherzog  Albrecht  am  15.  Oktober;  Bre.,  Secret.  d’Allem.,  no.  96,  £.194;
r.  ).
Ye.  no.  B37.  TRT.  Be  h
iose  war  am  17./27.  September  unter  der  Bedingung  erfo  dass
auch  die  andern  Stände  deu  Abschieden  nachleben  würden.  Mit  Rücköcht  auf
die  Opferwilligkeit  der  Kurpfalz  liess  auch  Nürnberg  die  Zinsen  für  das
Darlehen  fallen,  doch  dass  die  Fristen  für  die  Kontributionen  ktinftig  gebörig
eingehalten  würden  (Nürnberger  Rat  an  den  Administrator  der  Kurpfals;
Nbg.,  Unionsakten,  tom.  55,  f.25;  Kpt.).
*  Vgl.  no.  305,  8.  720,  Anm.  8
®  Vgl.  no.  305,  8.  730,  Anm.  2.

*  Wohl  eins  Anspielung  auf  Kaspar  von  Schönberg;  vgl.  no,  300.
        <pb n="863" />
        870.  1611  841

maravillosamente  en  el  8.”  archiduque  Leopoldo!  y  dixome  que  Oktober?.
era  menester  hazer  caudal  d’el,  porque  de  lo  que  havia  en  Alemalıa  de
la  casa  de  Austria  era  lo  mejor,  refiriendo  por  tres  o  quatro  vezes
que  tenia  muy  buen  corage  y  qua  era  magnanimo;  y  como  todas
estas  platicas  yban  fundadas  &amp;amp;  lo  que  va  creciendo  la  heregia  alli,
dezia  la  reyna,  que  no  se  havian  de  poder  mejorar  las  cosas  de  la
religion  catholica,  sino  era  teniendo  poder  principe  que  tubiese  coraje
y  que  fuese  docil  &amp;amp;  dexarse  govermar  de  hombres  prudentes,  y  que
todo  esto  convenia  en  el  archiduque  Leopoldo..  Aprovsle  &amp;amp;  la  reyna
esta  opinion  y  agradicisela,  estimando  mucho  con  la  claridad  que  me
habla.  y  la  buena  intencion  que  muestra,  que  88  cosa  notable  con  la
particularidad  y  llaneca  que  lo  haze.

En  quanto  al  rey  Mathias  es  de  opinion  la  reyna?  que  no  se  ha  podido
escusarlo  que  se  ha  hecho,  pero  del  rey  Mathias  tiene  muy  diferente
opinion,  porque  dize,  no  muestra  ni  ha  mostrado  coraje  nunca,  y  68
facil  a  dexarse  llebar  para  qualquier  cosa  que  sea  de  su  negocio,  asi
de  hereges  como  de  catholicos;  tienele  por  de  poco  caveca,  sin  embargo
que  confiesa,  es  el  que  mejor  se  ha  correspondido  con  esta  corona  y
que  su  marido  estaba  muy  bien  con  el  rey  Mathias.  Estos  discursos
que  paso  con  la  reyna,  tengo  yo  por  cierto,  nacen  de  lo  que  ella  oye
&amp;amp;  sus  ministroes  y  discurre  en  su  consejo  de  estado,  y  por  estas
razones  hago  d’ellos  macho  fundamento.

Nachschrift.  Despues  de  aver  escrito  la  carta  que  va  con  esta,
sobre  las  cosas  de  Alemana,  vino  a  mi  posada  Villerroy  y  me  dixo
que  la  reyna  le  mandava,  me  diese  quenta  mas  particularmente  de  lo
que  en  esto  avia,  y  todo  lo  que  me  hablö,  fu&amp;amp;  dezirme  lo  mesmo  que  el
emperador  se  echava  en  manos  de  los  herejes  y  que  todos
sus  correspondientes  le  escriven  sobre  elle.  Dize  Villerroy  que  fuera
del  servicio  de  nwestro  Seuor,  [el]  perderse  la  religion  catholica  en
Alemana  trae  grandissimo  peligro  &amp;amp;  todas  las  provincias  de  Europa
y  mas  que  todo  4  Francia  y  4  Flandes  que  es  de  V.M.?  y  Francia  de
Su  hija  mayor  de  V.  M.“,  que  es  menester  mirar  esto  con  tiempo
y  no  esperar,  hasta  que  est6  sin  remedio,  porque  agora  no  86  siente
el  dano  y  dentro  de  tres  6  quatro  ahos  estar&amp;amp;  sin  remedio..  Dize
Villeroy  que  de  pressente  procuran  de  aqui  meter  desconfianca  &amp;amp;  los
protestantes  para  fiarse  del  emperador  ni  para  darle  orejas,  y  esta
es  la  letura  que  llevan  para  entrotenerlos  y  divertirlos;  que  el  estado
de  las  cosas  y  el  ser  los  negocios  de  Francia  de  interes  de  V.  M.“,
obliga  &amp;amp;  darle  quenta  de  todo  y  assi  se  la  dan.  EI  duque
de  Lorena  por  cartas  frescas  mo  escrive,  correspondiendo  a  lo  mesmo
que  aqui  dizen,  que  el  emperador  se  echa  en  manos  de  herejes.  De
Paris  a  7.  de  octubre  de  1611.“

Pa.,  Archives  nat,,  Mon.  hist,,  K.  1466,  no.  60  und  61;  Kopie.

!  Wegen  der  Beziehungen  des  Erzherzogs  Leopold  zu  Frankreich  vgl.
no.  101  und  no.  116.

’  Vgl.  dazu  no.  284  mit  Anm.  2  auf  8,  667  und  im  Gegensatz  hiezu
no.  829  mit  Anm.  8  auf  8.  764.
        <pb n="864" />
        Oktober.

842  1611  371.

3711.  Peter  de  Vischere  an  Erzherzog  Albrecht.

„Den  2.  diess  ist  der  canonicus  Hennot!  dess  morgens  fruhe
von  Passau  wider  des  spanischen  ambasciatoren  und  anderer  rat  cum
omnium  admiratione  alher  kommen  und  ist  denselben  nachmittages
wider  verraiset,  sonder  das  ihn  der  spanischer  ambasciator,  Barvitius
oder  jemand  von  räten  hören  oder  sehn  wöllen,  dan  sie  von  etliche
catholischen  unter  den  hinterlassenen  statthaltern  gewarnet  worden,
mit  ihm  gar  keine  gemeinschaft  noch  gesprech  zu  baben,  wofern  sie
sich  nit  noben  ihm  in  gefahr  sezen  wolten,  auch  daneben  Barvitio
so  vile  andeuten  und  sagen  lassen,  er  solte  dem  canonico  sage
lassen,  das  er  sich  den  tag  bie  nit  aufhielte,  dan  die  uncatholisch
beraits  von  seiner  anherkunft  berichtet  und  ihn  in  haften  ziben
wolten,  welches  ihnen  zu  wehren  unmöglich.  —  Denselben  haben
I.  ksl.  M.'  abermal  von  hin  sich  auf  eines  hern  hauss,  so  drei  mal
von  bin  und  ein  zimliches  alt  und  verfallenes  schloss  ist,  so  nach
St.  Ivan  und  Beraun  hinauss  ligt,  rotiriren  wöllen  und  sein  deaselben
  abent  der  obrister  cammerer  Proskowsky,  baumeister  und  andere
hinaussgeschickt  worden,  solches  zue  besichtigen;  es  haben  sich  aber
I.M.!,  als  sie  des  hauses  gelegenheit  vernommen,  anders  bedacht  und
sieder  nichts  mehr  von  verraisen  geredet.‘  —  Am  3.teilte  mir  Dr.  Rebmann
  mit,  dass  König  Matthias  den  Khlesl  und  Abraham  vos
Dohna  nach  Nürnberg  schicke,  „worab  sich  vile  verwunderen,
weil  des  bischofs  person  bei  den  samptlichen  sowol  catolischen  als
uncatolischen  churfursten  zimlich  odios  ist.  Meines  erachtens  aber
wird  er  sich  wol  herdurch  arbeiten.“?  —  Am  5.  ist  Zuuiga  nach
Nürnberg  gereist  und  am  Abend  Günterode  von  Heidelberg,  Ansbach
und  anderen  Orten  im  Reich  zurückgekehrt.  „Der  bringt  zeitung,  das
der  administrator  der  Churpfalz  ihm  auf  des  kaisers  begeren  und  erinnern
  zugesagt,  wegen  der  succession  im  reich  nichts  handlen
noch  schliessen  zue  wöllen,  also  wenig  auch  der  von  Auspach  ia
namen  des  churfursten  zu  Brandenburg,  denen  ohne  zweifel  Chursaxen.
wenn  e6  I.  ksl.  M.'  begeret,  folgen  wird.  Steht  also  zu  besorgen,  &amp;amp;
werde  auf  disem  churfurstentag  vile  dispntaten  und  wenig  verrichtung
geben.  Der  Guuterot  saget,  der  von  Anspach  solle  inwendig  acht  tagen
bie  sein.‘  Der  Graf  von  Hanau  batte  lange  Audienz  beim  Kaiser  und
nahm  Abschied.  Der  Kaiser  wird  ihm  Schreiben  an  dio  wetterauer  Grafen
mitgeben,  welches  Inhaltes,  weiss  Barritius  nicht.  —  „Den  7.  kat
mich  Barvitio  berichtet,  das  I.  ksl.  M.'  an  kreften  sehr  abnemen,
habe  befohlen  auf  sein  erinnern,  das  almosen  gegeben  und  messe  gelesen
  werden  sollen.  Wollte  geru,  das  man  des  von  Braunschweig
mit  ehren  los  were,  Der  saget  offentlich  auss,  das  man  nit  gedenken
durfe,  das  wegen  der  succession  im  reich,  so  lang  der  kaiser  lebet,
etwas  geschlossen  werden  solle.‘  Prag  den  8.  octobris  1611.

Bra.,  Becröt.  d’Allem.,  no.  96,  f.  186;  Or.  eigh.

!  Vgl.  no.  354.
’  Am  15.  November  schreibt  Vischere  an  Suarez:  Khleeis  „ankusft
gen  Nurenberg  ist  zwar  anfenglich  von  keinem  sehr  guet  gefunden  worden;
        <pb n="865" />
        372.  1611  843

372.  BReichshofratssekretär  Gottfried  Hertel  an  dem  Oktober9.
Kurfürsten  von  Mainz.

Ich  schreibe  E.  kfl.Gn.  auf  Hannewalds  Aufforderung.  Der  Graf  von
Hanau  hat  vom  Kaiser  seine  Abfertigung  erlangt.  Des  Kaisers  Begehren
war  nur,  dass  der  Graf  die  korrespondierenden  Grafen  der  Wetterau  in
der  Devotion  erhalte  und  sich  wegen  Ausschreibung  eines  Grafentages
bemühe,  um  dort  eine  Antizipation  für  den  Kaiser  zu  erlangen,  da
die  Böhmen  mit  FErlegung  der  jetzt  zu  Galli  fälligen  Quote  an  den
300000  fl.  säumen  und  sich  damit  entschuldigen,  dass  die  Darreichung
der  300  000  fi.  erst  bei  den  übrigen  Ländern  erhandelt  werden  müsse.!
Der  Kaiser  ist  von  Geld  ganz  entblösst;  man  bringt  mit  Mühe  den
wöchentlichen  Unterhalt  für  die  kaiserliche  Tafel  von  den  Böhmen
auf  Abzug  heraus.  Dor  Kaiser  hat  dem  Grafen  zwei  Beglaubigungen
  an  Graf  Ludwig  von  Nassau-Saarbrücken  und  an  Graf  Johann
von  Nassau-Dillenburg  erteilt,  ebenso  auf  dessen  Begehren  Empfehlungen
  und  Beglaubigungen  an  E.  kfl.  Gn.  und  an  den  Administrator
der  Kurpfalz?  E.  kfl.  Gn.  dürfen  aber  nicht  merken  lassen,  dass
Sie  von  all  dem  bereits  unterrichtet  sind,  sonst  würde  der  Graf  darüber
beim  Kaiser  Klage  führen  und  würden  mir  Ungelegenheiten  erwachsen.  —
In  Schlesien  steht  es  sehr  übel;  die  Stände  wollen  dem  König  erst
huldigen,  wenn  folgende  Punkte  richtig  sind:  1.  Zum  Oberamt  oder
zur  Hauptmannschaft,  die  vordem  stets  ein  Bischof  verseben  hatte,  soll
niemals  mehr  ein  Bischof  zugelassen,  auch  keinem  geistlichen  Stande
künftig  mehr  Sitz  und  Stimme  auf  Fürstentagen  gestatiet  werden.
2.  Die  Stände  wollen  nicht  huldigen,  bevor  nicht  der  König  vom
Kaiser  die  wirkliche  Belehnung  mit  Böhmen  und  den  Nebenländern
oder  wenigstens  einen  Indult  erlangt  bat.  3.  Der  König  soll  die  Urheber
der  jüngsten  Rebellion  und  die  am  Abfall  Böhmens  vom  Kaiser
Ursache  waren,  strafen.  4.  Wenn  der  Kaiser  den  König  überlebt,
sollen  die  Lande  wieder  an  jenen  fallen,  der  sie  löblich  und  klaglos
regiert  hat  und  von  dem  sie  nicht  gewichen  wären,  wenn  er  sie
nicht  freiwillig  losgezählt  hätte.  5.  Sie  wollen  zuvor  den  Kurfürstentag
abwarten  und  hören,  was  die  Kurfürsten  zu  dieser  „Uebereilung“  des
Kaisers  sagen  werden.  6.  Sie  wollen  künftig  nicht  mehr  von  der
Krone  Böhmen  abhängen  sondern  wollen  ihr  Gerichtstribunal  im
Lande  haben  oder  sich  wenigstens  die  Einsetzung  eines  deutschen
Vizekanzlers  und  einiger  Appellationsräte,  die  sie  selbst  besolden,  vorbehalten.®?
  —  Auch  in  Ungarn  stehen  die  Sachen  übel;  die  Haiduken
1.  Hochw.  wissen  aber  mit  solcher  dexteritet  und  vigilanz  zue  procediren»
das  sie  meines  erachtens  viler  gemueter  wol  werden  gewunnen  haben“  (Brs.»
a.  a.  O.,  f.292;  Or.  eigh.).

!  Vgl.  no.  863.

?  Beide  vom  8.  Oktober;  Wmz.,  Reichstageakten,  Bd.  105,  no.  128;  Or.
(praes.  22.  octobris)  und  Ma.,  547/16,  f.  31;  Or.

°  Vgl.  über  den  schlesischen  Kanzleienstreit  Gindely,  Kaiser  Rudolf  II.

und  seine  Zeit,  1I.,  8.  274  f.  und  8.308  und  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreichs,
  V,  8.  36.
        <pb n="866" />
        844  1611  372.

Oktober9.  und  das  gemeine  Volk  wollen  mit  Hilfe  der  Türken  gewaltsam  die
Herren  vertilgen  ;  daher  hat  der  Palatin  den  Mährern,  diese  aber  haben
gar  beweglich  den  Böhmen  zugeschrieben.  Ich  glaube  aber,  dass  bei
dieser  Erschöpfung  der  Länder  darauf  wenig  erfolgen  wird;  inzwischen
werden  die  Türken  nicht  feiern  und  die  unter  diesen  Ländern  aufge
richteten  Unionen  strafen.  Was  ich  E.  kfl.  Gn.  jüngst  wegen  Ersetzung
oder  besserer  Bestellung  des  Vizekanzleramtes!  zugeschrieben
habe,  bat  der  Kaiser  wieder  geändert;  ich  glaube  aher,  dass  er  deswegen
und  wegen  Verstärkung  des  Reichshofrates  mit  geeigneten  Personen
jemanden  zu  E.  kfl.  Gn.  als  Reichserzkanzler  um  Gutachten  abordnen
wird.  Seit  der  Abreise  Hegenmüllers  sind  wir  im  Reichshofrate
schwach  und  kann  es  auf  die  Länge  so  nicht  geben.  —  Heute  erwartet
  man  hier  Khlesl  und  Dohna;  die  sollen  mit  Fels,  einem  Starhemberg
  und  Polbheim  nach  Nürnberg  reisen.  Vom  Landgrafen  Mors
ist  heute  ein  Schreiben  eingelaufen,?  worin  er  um  Enthebung  vos
der  Kommission  zum  Kurfürstentag  bittet,  was  für  den  Kaiser  günstiger
sein  wird  als  wenn  der  Landgraf  zu  Nürnberg  erscheint.  Hannewald
will  sich  auch  entschuldigen,  wird  aber  doch  noch  Folge  geben,  da
‘seine  Instruktion  nichts  Bedenkliches  enthält.  Datum  Prag  de
9.  octobris  a.  1611.  —  Praes.  Nürnberg  13.  octobris.

Wmz.,  Reichstagsakten,  Bd.  106,  no.  129;  Or.  eigh.

!  Vgl.  no.  366.

?  Schon  am  2./12.  September  hatte  der  Landgraf  den  Kaiser  gebeten,
da  die  Sachen  inzwischen  in  „mildern“  Stand  geraten,  der  Administratioss
streit  erledigt,  das  Kollegium  ergänzt  und  der  Streit  mit  König  Matthias
beinahe  verglichen  sei,  es  also  der  beabsichtigten  Kommission  gar  nicht
bedürfen  werde,  ihn  von  ihr  zu  entheben  (Wh.,  Reichsakten  in  gemer,
Bd.  8&amp;amp;4b;  Or).  -  Da  inzwischen  eine  Aufforderung  des  Kaisers  rom
10.  September  in  Cassel  eingelaufen  war,  sich  rechtzeitig  in  Nürnberg  einzufinden,
  ro  wiederholto  der  Landgraf  am  17./27.  September  die  vorige  Bitte,
indem  er  noch  Jie  Kürze  der  Zeit,  die  Entlegenheit  des  Ortes  und  die
Seuchengefahr  als  Gründe  anführte  (Wh  ,a.a  O.;  —  Or.).  Vgl.  Chr.  v.  Rommel,
Geschichte  von  Hessen,  VIL,  8.320  und  Häberlin-Senckenberg,  Neuere
teutsche  Reichsgeschichte,  XXIU.,  8.  432,  Anm.
        <pb n="867" />
        Register.

Aachen,  Reichsstadt.  Bürgerschaft
  660  u.A.  2,  718f.,  720  n.
A.  2,  770,  840.  Jesuiten  660
n.  A.2.  Kaiserliche  Kommission
813*.  Rat  720°,  770.  Tumult  von
1611  660  un.  A.  1.  2,  717',  719,
728°,  760,  762,  770,  813  u.  A.  4.

Aachen,  Hans  von,  Kammerdiener
Rudolfs  II.  und  Hofmaler  332°,  621
u.  A.  3,  648  u.  A.  2,  810°.

Aalen,  Reichsstadt.  Magistrat  s.
Hunger  und  Sandtwaldt.  Unionsstand
  279,  698,  03,  767;  Ge
sandte  zum  Unionstag  698.

Abel,  Hans  Wilhelm,  markgräflich
badischer  Sekretär  698.

Administrationsstreit,  urpfälzischer
15  u.  A.  2,  38,  113,  129,  157,
203,  206  u.  A.  1,  265,  471,  500,
800°,  814°.  Ausland  und  Alministrationsstreit
  38,  112  u.A.3,
113,  597.  Haltung  Baierns  203°,
243°,  437.  Haltung  Brandenburgs
  157,  177,  248°,  265,  421,
4771,  529  f  ,  530°,  531°,  574  £.,  597,
629',  G51£.,  684f.,  685';  Haltung
der  Kurfürsten  insgesamt  37',
93,  113,  139,  141,  177,  272,  273
u.  A.  1,  333  u.  A.  3,  368  u.  A.  3,
408°,  472,  476f.,  498f.,  503f.,  512
a.  A.  1,  529,  572,  574,  594,
601,  616!,  619,  628,  6291,  638,
650  f.,  681,  682  u.  A.  1,  684  f.,
691  n.A.2,  692',  734,  798  u.A.  3,
800  f.,  817f.,  823,  826.  Mainz
und  der  Administrationsstreit  273",
408",  A471  f.,  476,  477  u.A  1,  498,
503  f.,  529,  530  u.  A.2,  531!,  574,
6291,  650,  656',  685,  692".  Haltung
  des  Königs  Matthias  177,
516,  616°,  6931.  Neuburg  im
Administrationsstreit  112°,  218f.,

295,  437,  471,  476  f.,  503,  512  u
A.1,  530,  574,  616',  638,  655,  656
u,  A.  1,  682f.,  692',  798  n.  A.  3,
800  f.,  818  f.,  826.  Politik  der  Pfalz
s.  unter  Zweibrücken.  Rudolf  Il.
und  der  Administrationsstreit  82  u.
A.4,  98,  2731,  332,  333°  ®,  375",
408°,  471,  477,  498f.,  503,  512  u.
A.  1,  577°,  586,  594,  601,  608Ff.,
651,  663,  685,  887°,  691  u.A.  1.2,
6921,  693  n.  A.  1,  727°,  734  u.A.5,
135,  783,  798,  800  u.  A.  3,  801f.,
817f.,826.HaltungSachsens4ilf.,
477‘,  498f.,  503f.,  530  u.  A.2,  574,
6291,  651  f.,  655,  656  u.  A.  1,  684  f.,
6921,  734®,826.  Testament  Friedriche
  IV.  113,  273',  333*,  477,  498,
574,  577®,  594,  651,  655,  663,  684  f.,
691.  Stellung  der  Union  15°,  37  f.,
67  u.A.1.  2,  77°,  92°,  112  u.A.3,
158  u.A  3,  161,  218f.,  238,  277,
294,  448!,  516,  530°,  561,  564,  597,
655,  663,  682  f.,  706,  728  u.  A.2,
801,  840.  Vermittlungsversuche
  (Kommunikationstag  von
Schwäbisch-Hall)  29,  38  u.  A.  1,
67  wA.1,  92°,  112  u.  A.  3,  148*,
218f.,  477,  516,  574,  597,  656%,
663,  682,  8O1f.,  818,  826.  Herzog
von  Zweibrücken  als  Administrator
  177,  248°,  2731,  467  £.,  503,
516,  530°,  574,  577°,  586,  597,  604,
6291,  651f.,  655,  656",  663,  682f.,
691,  692,  800,  81If.,  826,  844.
Administrator  derKurpfalz  s.  Pfalz.
Administratoren,  weltliche,  der
Hochstifte  576,  678.
Adolzheim,  Hans  Christoph  von,
fürstlich  anhaltischer  Rat  698.
Aegidius,  Mönch  des  Klosters
St.  Maria  im  Schneefeuer  zu  Prag
165°,  182,238  u.  A.1,  452°,  534,649,
        <pb n="868" />
        846

Aerssen,  Franz,  (Gesandter  der  Generalstaaten
  in  Paris  29  u.  A.  1,
112,  124,  128f.,  161.

Ahausen  (Anhausen),  Dorf  im  Ansbachschen
  723.

Alba,  Herzog  von  249.

Albergati,  Antonio,  Bischof  von
Biseglio,  Nuntius  in  Köln  627,  739
u.  A,  4,  7401,  744  u.  A.  1.

Albrecht  V.,  Herzog  von  Baiern  e.

Baiern.

Albrecht  VI.,  Herzog  von  Baiern
e.  Baiern.

Albreeht,  Erzherzog  von  Oesterreich
und  Statthalter  der  spanischen  Niederlande
  2!,  215!,  238,  488u  A.l,
514,  527,  535°,  541°,  559,  586,  603",
605,  606°,  628,  6291,  656,  658  f.,
688,  732°,  741°,  7421,  759,  774  u.
A.  4,  811,  822,  823  u.  A.  2,  829,
842.  AachnerSache  660  u.  A.2,
719,  762,  813  u.A.4.  Gemahlin
Isabella  Clara  Eugenia  43,  540.
Hausstreit  31,  183,  208',  419,
452°,  606,  696.  Jülicher  Streit
17,  124  f.,  130,  300.  Verhältnis  zu
den  geistlichen  Kurfürsten  44,
45',  488  u.  A.  1,  489,  528  f.,
535,  540,  541°,  553,  359,  606,  625,
657f.;  zur  Liga  7,  138,  156,
1701,  337,  3391,  384,  417  f.,
450  u.A  1;  zu  Mainz  527  u.A.1l,
528,  540,  586  f.,  628,  629',  690;
zu  König  Matthias  419,  488  u.
A.1.2,  189,  527',  535,  540,  541°,
553,  554°,  660,  587,  625,  627  f.,
658,  689,  763°,  764*,  765,  812,
Geheimer  Rat  46.  Räte  und
Diener  e.  unter  Boucquoy,  Brisvela,Damandi,
  Fleckhamer,Greisster,
Mancicidor,  Montmorency,  Nivolaysso,
  Pratz,  Salinas,  Spinola,  Suarez,
Vereycken,  Vischere,  Visconti.  Verhältnis
  zu  Kaiser  Rudolf  II.  560,
657;  zu  Sachsen  17,  20,  42f.,
44'!,  45f.,  125,  130,  267,  514,  540,
690,  8ilf.;  zu  Spanien  299,  535,
640,  628,  6291,  637,  665,  677;  zur
Successionsfrage  115,  245,  313,
346,  361,  488  u.  A.1.  2,  489,  514,
628,  535  f.,  540,  560,  586,  625,
627  f.,  638,  812;  als  Kandidat  der
geistlichen  Kurfürsten  628,  629',
636  f.,  641',  643,  665,  677,  6%.
Anspruch  auf  Tirol  s.  Tirol.
Verhältnis  zu  Trier  s.  Trier.

Albuberque,  Herzog  von  48%,  538.

Altdorf  bei  Nürnberg  840.

Altenburg,  Stadt  173,

Register

Altenstedt,  Johann,  Leibarzt  Rodolfs
  II.  648°.

Althan,  Graf  Michael  Adolf,  Feld
marschall  des  passauer  Kriegsvolks
20,  57,  83  u.  A.  3,  110,  133  u.
A.  2,  150,  151°,  163,  182,  187£.,
296.  Einfall  in  Oesterreich
und  Böhmen  lu  A.1,  4uA.3,
20,  21u.A.1,231,25,58f..  109°,  1%,
121',  240,  258,  260°,  288°,  33,
379',  412,  461°,  709,  748.  Verhandlung
  und  Aussöhnung
mit  König  Matthias  256',  317
u.A.1,  346,  347  u.  A.1.  2,  463°,
501',  606,  526.

Alt-Oetting  in  Oberbaiern  21',35%.

Amberg  in  der  Oberpfalz  230,  233,
237  f.,  280,  419,  515,  787.

Amsterdam,  Bürger  der  A.  C.  dselbst
  730,  796.

Ancre,  Marquis  d’  8.  Conaini.

Anhalt,  Fürstentum.  Fürst  Chrlistian
  L  von  Anhalt-Bernbaurg,  Statthalter
  dor  Oberpfalz  29',  7Of.,  112
u.  A  3,  128  u.  A.  1,  129,  158f,
161'-?,  189°,  190  u.  A.  1,  210,
231  f.,  238,  256',  815°,  3331,  387,
400,  408°,  120',  433  u  A.  2,  41,

2»,  497,  685,  586,  598,  596,
608,  623,  6291,  650,  659,  6.4",
693,  720°,  735,  7431,  ;63*,  7,
195,  798°,  801,  818,  825°,  83OE.
Verhältnis  zu  den  Ständen  in
Böhmen  418f.,  441  u.  A.1,  451,
452°,  465,  514,  528,  610%.  Gemahlin
  839.  Haltung  im  dsterreichischen
  Hausstreit  375?’,418f.,
610%;  im  jülicher  Erbstreit
Of,  129,  161°,  176,  19%,  19,
266',  268',  418,  719.  Verhältnis
zu  Mainz  610°,  626,  627?,  629",
689,  777;  zu  König  Matthias
175  f.,  248°,  418f,  41",  515,
522°,  544,  697,  711.  Räte  und
Diener  s.  Adolzheim,  Börstell,  Bottler,
  Dohna,  Dordt,  Hübner,  Schlammersdorf,
  Schönburg.  Verhältnis  ra
Rudolf  1I.  584,  596,  597,  8,
610,  693,  697,  711,770,  779,  «99,
822,  836;  zu  Sachsen  lu.  Al,
161  £.,  597,  718;  zurSuccoessionsfrage
  160  u.A.1.  2,  515,  ®6f.,
640  u.  A  2.3,  641!,  763°,  781  u.
A.  1,  «83°.  Unionusstand  106,
158',  176,  509°,  698,  700,  OR,
«08,  "11,  718f.,  724,  726f.,  «3,
134,  782°,  783!,  7861,  788';  General
der  Union  73,  471,  679,  689;
Schickung  nach  Prag  i.  J.  1609
        <pb n="869" />
        Register.

342%,  424°,  708,  738,  740,  755,  770,
779;  Schickung  nach  England  20',
291,  72  u.A.1,  112  u.A.3,  123f.,
706  u.  A.  1,  775,  782  f.,;  Schickung
nach  Frankreich  7O  f.,  775.  Fürst
Christian  II.  von  Anhalt-Bernburg
2!,  Fürst  Joachim  Ernst  von
Anhalt-Bernburg  698.  Fürst  Johann
GeorgL.von  Anhalt-Dessau77!,123?,
128°,  266',  268',  315°,  497.  Fürst
Rudolf  von  Anhalt-Zerbst  198°.
Gesamthaus  778!

Anna,  Kurfürstin  von  Brandenburg
s.  Brandenburg.

Anna,  Erzberzogin  zu  Oesterreich,
Tochter  Ferdinands  von  Tirol  s.
Oestorreich.

Anover,  conde  de  s.  Nivolayaso.

Ansbach,  Markgrafschaft.  Markgraf
Joachim  Ernst  36,  70',  128,  189°,
3155,  461°,  6861,  693,  697,  732,  798°,
811,  821°,  810,  812.  ImAdministrationsstreit
  38',  67',  112°,
516,  663.  Im  jülicher  Streit
197,375,596.  Verhältnis  zu  König
Matthias  177,  406°,  5löf.,  517
u.  A.  1.  Räte  und  Diener
67'!;  8.  auch  unter  Crailsheim,  Eyb,
een,  Fuchs,  Gernandt,  Goldstein,

ansfeld,  Neu,  Schenk,  Selbitz,
Wolfstein.  Nachbar  Nürnbergs
101,  228,  563,  566,  715',  7Y0f.,
840.  Verhältnis  zu  Rudolf  II.
581,  596,  597',  610  u.  A.  2,  624,
686,  779,  ‘90  u.  A.  3;  Berufung
und  Reise  nach  Prag  597,  610,
629°,  790  u.  A.  3,  799,  815,  822,
836,  839,  840',  842.  Verhältnis
zu  Sachsen  517,  686  u.  A.  1,
6871,  718,  770,  828.  Mitglied
der  Union  53,  1191  ®,  158’,  224,
233,  244,  376%,  399,  433,  437°,
447',  539°,  579,  668,  697,  699,  768,
183°,  785  u.  A.3,  786,  787  u.A  2,
788,  General  der  Union  75,  105,
470,  546  f.,  549°,  679,  701®,  709%,
713,  724;  Kriegevolk  105,  158,
169,  231f.,  214,  280,  387,  516,  546,
H87!,  785  u.  A.  2,  Gesandte  zum
Unionstag  697,  U4f.,  «11,  723,
726.

Ansbach,  Stadt  597',  693,  839,  812.

Antizipationen  s.  Reichssteuern.

Antwerpen  (].

Aquensis  (Aquentiu),  P.  Heinricus,
  Beichtvater  des  Erzherzogs
Leopold,  s.  Vivarius.

Arbaissel,  Jakub,  Kammerdiener
des  Ersherzogs  Maximilian  487",

847

Arlberg  589.

Arragon,  Königreich  48.

Arrostegui,  Antonio  de,  spanischer
Staatssekretär  245?,  1131,

Artois,  Grafschuft  71.

Aschaffenburg  514,  521,  529,
6291,  6561,  734  u.  A.  4.

Aschhausen,  Johınn  Gottfried  von,
Bischof  von  Bamberg  s.  Bamberg.

Assistenten  s.  Jülich.

Augsburg,  Bistam.  Bischof  Heinrich
  V.  von  Kooeringen.  Ligastand
50  u.  A.  1,  801,  137  f.,  156,  200,
243f.,  271  u.A.1,  275,  337,  381",
382  u.  A.  1,  384  f,,  417  u  A.  ];
Gresandte  zum  Ligatag  269',  377.
Kriegsschäden  des  Hoc'stifts
137.  Räte  und  Diener  8.  unter
Roth  und  Wanner.

Augsburg,  Stadt  200,  201',  230,
242,  269,  415,  417,  425°,  531,  692!
(s.  auch  unter  Ligatag,  augsburger).
Im  landsberger  Bund  135.
Kaiserliche  Residenz  571,  701.
Reichssteuern  635!.

Augspurger,  Franz,  Altbürgermeister
  der  Stadt  Speier  217.

August,  Pfalzgraf  von  Neuburg  s.
Neuburg.

August,  Kurfürst  von  Sachsen  e.
Sachsen.

August,  Herzog  von  Sachsen  s.
Sachsen.

Auslegerschiffe1lhu.  A.  1,139f.,
157  u.A.  4,273  u  A.  1.

Austräge  (unter  den  Reichsständen)
579,  755.

Baden,  Markgrafschaft  170'.  Markgraf
  Eduard  Fortunat  829  ;  dessen
Kinder  s.  unten  eickenscher  Streit.
Markgraf  Friedrich  698.  Markgraf
  Georg  Friedrich  36,  38,  66,
231!,  294,  399  u.  A.  1,  698,  730,
829.  Im  Administrationsstreit
  38'!,  67',  92°,  112°,  158  u.
A.  3,  4481,  663,  728,  802.  Im
eickenschen  Streit  36  u.  A.
1,  771,  «00  u.  A.  1,  706,  rd  u
A.5.6,  829  u.A.1.  Verhältnis  zu
König  Matthias  343',515,544,
607,711.  Räte  und  Diener  s.  unter
Abel,  Breitenacker,  Fleckenstein,
Helmstätt,  Kessel  Starschedel,Stotz,
Wild-  und  Rheingraf.  Verhältnis  zu
Rudolfli.  779;  zur  Union  34®,
53,  92°,  119!,  158,  217,  376°,  433
u.  A.  2,  437°,  471,  539%,  547,  562,
580,  6:9  f.,  698f.,  711,  768,  783°,
        <pb n="870" />
        848

785°,  786,  187°,  788  u.  A.  1,  795;
General  der  Union  75,  224,  546,
5491,  679,  701°,  709%,  713,  724;
Kriegsvolk  158,  280,  547,  785  u.
A.  2;  Gesandte  bei  den  Unionstagen
  217,  221f.,  225,  228,  232  f,
237,  698,  703  f.,  706,  «08°,  716,
719,  723  f.,  726.
Baiern,  Herzogtum.  Land  101,  137,
264,  372,292,  571,763.  Gesamthaus
  388,  550,  6000.  A.1,638,  821
u.  A.  2.  Herzog  Albrecht  V.  50,
598.  Herzog  Albrecht  VI.  (der
Leuchtenberger)  821  u.  A.2.  Herzog
Ernst,  Kurftirst  von  Köln  e.  Kölo.
Herzog  Ferdinand,  Koadjutor  von
Köln  s.  Köln.  Herzogin  Magdalene
2!,  133.  Verheiratung  mit  Krzherzog
  Leopold  2!  151,  165°,
189,  245,  813f.,  821;  mit  König
Matthias  133,  254,  287°,  388.
Herzog  Maximilian  I.  2',  84°,
131!,  160',  2141,  265!,  3041,  307,
313,  3:5-1*,  388,  391°,  3981,  408,  410",
488°,  4891,  493*  =  4,  508°,  5428,
5534,  591?,  642°,  659,  690°,  734!,
36%,  7381,  7421,  761  u.  A.  2,
776  u.  A.  5,  7771,  797,  799',  835°;
zur  Charakteristik  dor  Person  51  f.,
147,  169  181*,  183%,  188f.,  192°,
193!,  196*,  559*?,  607,  609°,  645,  821
u.A.4.  Im  Administrationsestreit
  177,  203°,  248?,  437,  638,
Ansehen  550,  595',  633.  Verhaltnie
  zu  den  Brüdern  107,
108  u.  A.  1,  190  u.  A.  1,  191  u.
A.  1,  214,  821  u.  A.  2,  Haltung
im  donauwörther  Handel
94,  199,  205,  228,  234  f.,  238,
281,  714,  54f.,  817;  im  österreichischen
  Hausstreit  61°,  63°,
99  f.,  147,  208!,  211,  259,  263  f.,
306  f.  Stelluongzur  Komposition
im  Reich  204f.,  207!,  234  f.,
293  f.,  295',  437  w  A  3,  549  u.
A.  2,  550,  597,  704,  756.  Maximilian
  als  Landesherr  5if.,
159,  829.  Verhältniszu  Erzherzog
Leopold  98,  147,  164,  189,  204,
245,  264,  307,  3081,  313,  348,
354  f.,  493  u.  A.  5,  531,  638,
821.  Stellung  in  der  Liga
5f.,  81,  10°,  14f.,  15°,  49,  50
uA.1,  51,  78f.,  S0,  108',  134  f.,
140,  156,  167  f.,  170',  190f.,  200,
201!,  242,  245  u.  A.  1,  270  u.  A.
2,  2:1  u.  A.  1,  275,  281,  309  f.,
314,  334,  836,  839,  341,  377  £.,
379,  880',  382°,  3838  u.  A.  2.  3,

Register

384  f.,  387,  417',  418',  520,  536,
560  f.,  645,  700°,  732  u.  A.  8.  4,
331,  61?,  835  u.  A.  1;  Ge
sandte  zum  Ligatag  209',  334,
888,  376f;  Stellung  zur  Asfnahme
  Sachsens  in  die  Läga  49  f.,
511,  «Bf.  97,  13f.,  149,  3',
242f.,  269,  270°,  319,  B21f..  38,
389'.  Verhältnis  zuMainsz  6f.,8',
10°,  62,  78f.,  88,  97,  131  £.,  136,
149,  242  f,,  269f.,  315°,  319,  30°,
388;  zu  König  Matthias  3,
84,  103,  132°,  133,  164  u  A.2,
263f.,  306f.,  313,  496,  359?,  631f.,
637*,  Mistrauen  gegen  Mari
milian  62,  68  u.  A.  1,  170,  308,
304!,  341,  388,  408?,493,  536,  559  u
A.  2,  599,  645,  810°.  Verhältais
ın  Neuburg  203  a.  A.  2,  206'.
207!,  265,  293  f.,  437  a  A.  1,  549
u.A.  2,638;  sam  Haus  Oesterreich
  164.  169f.,  211,  888,  550,
559,  600  u.  A.  1,  821;  e.  auch
nben  unter  Hausstreit;  zum  pas»
auer  und  elsässer  Krieg»
volk  1!,  21  u.A.  1,  26f.,  57,61,
«4,  99,  101£.,  103,  108,  147,  212,
232  f.,  257  f..263  f.,  2941,  307,  308°,
353,  628;  zu  Pfalz  31  u.  A.|l,
234,  236,  281,  437,  704.  Ge
heimer  Rat  57',  61’,  188°,  597.
Kanzlei  201!.  Räte  und  Diener
  204;  s.  auch  unter  Bodeniss,
Crivelli,  Donnersberg,  Eisenheimer,
Gewold,  Haslang,  Herwart,  Jocher,
Lackner,  Leuker,  Pichler,  Boobberg,
  Tilly,  Viepeokh,  Wensia.
Verhältnis  zum  Reich  631,  633;
zur  katholischen  Religion  59
u.  A.  1,  599  f.,  645,  661,  675,
49,  7501,  815  u.  A.  6;  za
Rudolf  II.  26  f.,  6Of.,  63*,  88%,
100  f.,  165°,  187,  203°,  204,  359,
263  f.,  341,  388,  493,  508°,  559%,
593,  628,  631f.,  661,  813;  a
Bachsen  437  (s.  auch  oben  unter
Liga);  zu  Salzburg  21  u.  A  |,
22,  231,  83°,  264f,  607,  639,  322;
za  Spanien  245  u.  A.  1,  531,  53,
609.  Haltung  in  der  Bucce»r
sionsfrage  188  u.  A.  5,  189,
303,  304,  536  u.  A.  1,559  u
A.  2,  628,  636,  637,  745.  Ver
hältnis  zur  Union  7,  $S’,  10%,  26,
28,  34  u.  A.  1,  35,  5%,  94,  19,
204,  212  u.  A.  1,  224,  228,  2232,
236,  278,  281,  294  u.  A.  1,  295},
437,  628.

Wilhelm  V.  133,  81.  Ver
        <pb n="871" />
        Register

hältneis  zu  Erzherzog  Leopold
10°,  88f,  147,  189,  308°,  348  u.
A.  1,  354*,  355,  408,  813  u.  A.  2,
814,  821;  zu  König  Matthias
821;  zu  Rudolf  Il.  813  f.,  821.

Bamberg,  Bistum  753.  Bischof
Johann  Gottfried  von  Aschhausen
15°,  154!,  335,  721,  751  u.  A.  3,
752,  753  u  A.  1,  77,  815.
Domkapitel  721,834.  Gegenreformation
  562,  721,  79,
815°.  Kriegsleiden  i.  J.  1610
401,  169,  700%.  Ligastand
63’,  80',  88,  244°,  271  u.  A.1.2,
336,  3824,  384,  449,  450',  520f.;
Gesandte  zum  Ligatag  269!,  376,
383.  Verhältnis  zu  Rudolf  II.
165°,  183%,  184,  259,  509!;  kaiserlicher
  Kommissar  sum  Kurfürstentag
  757°,  763,  799.  Statthalter
und  Räte  450!;  s.  auch  unter
Kotzau  und  Pellheim.  Evangelisch
  a  Untertanen  721,  725,
Tölf.,  753',  771.

Bamberg,  Stadt  272,  397,  898
u.  A.  1,  435,  498,  520,  661°,  662
u.  A.  2,  753.

Barnevelt  s.  Oldenbarnevelt.

Barrault  (Baraux),  mons.  de,  französischer
  Gesandter  am  spanischen,
dann  savoyischen  Hof  130.

Barvitius,  Johann,  Sekretär  des
geheimen  Rates  Rudolfs  II.,  dano
geheimer  Rat  12,  13°,  83',  196  u.
A.  1,  214,  333,  3471,  349,  363,
3941,  419,  441°,  445°,  461,  463  f.,
467,  480,  481  u.  A.  1,  486,  526",
660,  682°,  688,  648,  667,  659
u.  A.  1,  689,  732°,  738',  761,  757,
769,  762,  798,  801,  813  f.,  8187,
822,  823  u.  A.  2,  842.

Basel,  Bistum.  Bischof  Wilhelm
Rinck  von  Baldenstein  339'.

B  a  sel  ,Ort  der  Eidgenossenschaft  230.

Bathory,  Gabriel,  Fürst  von  Siebenbärgen
  31  u.  A.  2,  354  u.  A.  3,
3%,  414,  489,  615.  —  Sigmund  412
u.  A,  1,  414.

Baugy,  Nicolas  de,  französischer
Resident  in  Prag  24,  82°,  145°,
147°,  184,  216,  285,  305,  418,
606,  506°,  686,  601  f.,  603',  608,
672°,  6921.  Reise  im  Auftra
Badolfs  II.  602f.,  632',  670,  78
u.  A.  2,  7%,  798,  809,  834.

Bautzen  811.

Beaulieu,  John,  Sekretär  des  englischen
  Gesandten  in  Paris  112°.

Bebenhausen  in  Württemberg  610°.

849

Beck  von  Leopoldsdorf,  Marx,  kal.
Oberst  und  Hofkriegsrat  152,  250°.
Beer  von  Hugoltstorf,  Hagolt,
Bialz-neuburgisoher  Rat  401°,  612",
1,  543,  692'1,  742',  798,  810°,
818°,  836”,

Beeskau  in  der  Kurmark  662°.

Belgien  s.  Niederlande,  spanische.

Bellin,  Christian  von,  kurbrandenburgiscber
  geheimer  Rat  29  u.  A.  1.

Bemelberg  d.  J.,  Konrad  von,
bairischer  Statthalter  in  Donauwörth
  234'.

Bonatek  in  Böhmen  688,  736  f.,
759  u.  A.  8.

Benno,  Prior  des  Klosters  St.  Margarethen
  bei  Prag  s.  St.  Margarethen.

Bensheim  an  der  Bergstrasse.
Zusammenkunft  daselbst  803!,  827.

Beraun  in  Böhmen  118  u.  A.  1,
213,  329,  842.

Berbisdorf  von,
Hofmarschall  617.

Berchtesgaden,  Reichspropstei.
Propst  s.  Köln,  Kurfürst  Ernst:
Land  639.  Eintritt  ia  dıe  Liga
155,  336.  Streit  mit  Salzburg
661',

Berg,  Herzogtum  298,

Berg  bei  Donauwörth  234!.

Berg,  Dr.  Michael  von,  Advokat  der
Stadt  Rotenburg  o/T.  218,  698.
Bericht,  grüudlicher,  des  Herzogs
Heinrich  Julius  von  Braunschweig
1!,  121,  47°,  94°,  152°,  153°,  290%,

372°.

Berka,  Ladislaus  Freiherr  von,
gowesener  Landeshauptmann  in  der
Markgrafschaft  Mähren  188  u.  A.  1,
242.

Berlichingen,  Burkhard  von,  kaiserlicher
  Rat  689,

Berlin  73',  107u.A.1,266u.A.1,
421‘,  433,  531’.

Bern,  Ort  der  Eidgenossenschaft
129°,  230,  2331',  354°,  413°,

Bernburg,  Stadt  419,  624.

Beschwerden  s.  Gravamina.

Beyer,  Reichart,  kurbrandenburgischer
  geheimer  Rat  128.

Bezold,  Dr.  Michael,  Advokat  Jder
Stadt  Rotenburg  0/T.  698.

Bielefeld  98.

Biestervelt,Dietrich,  kurkölnischer
Kanzler  760,  762.

Bine  bei  Mariemont  in  Belgien  42.

Biseglio,  Bistum  ;  Bischof.  s.  Albergatı.


Blamont  bei  Mömpelgard  413',

karsächsischer

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Rd.  54
        <pb n="872" />
        850

Bodenius,  Wilhelm,  bairischer  Agent
in  Prag  1!,  2!,  47°,  84°,  109°,  111°,
130',  131°,  145°,  183*,  196°,  214",
3041,  410,  4201,  441?"  4,  1781,  5088,
5428,  543*,  553*,  591°,  594",  6061,
621',  6321,  642°,  670°,  689°,  690",
7341,  736*,  738",  741,  7421,  799°,
800",  835°.

Böhmen,  Königreich  10°,  481,  116,

118,  158  f.,  172,  176,  186,  239  f.,
246,  256',  272,  307,  326f.,  330f.,
3431,  344',  347  f.,  354  f.,  356*,  364,
372,  376°,  396°,  401,  403,  420,
426%,  452°,  453,  454  u.  A.  1,  455,
457°,  463°,  482,  488,  511,  533",
542,544,  571,  610%,  623°,  632,  693,
702,  737,  810%.  Defensoren
84°,165.  Direktoren  1711,179°,
215,  241,  282°,  Erbeinungen
254,  468!,  528,  542,588.  Jesuiten
in  Böhmen  454,  455'!;  Könige
Matthias  s.  unter  Matthias,  Rudolf
  II.  s.  unter  Rudolf  II.,  Sigismund
  325,  Wenzel  815,  Wladislaw
  302.  Kreise  in  Böhmen  330.
Landesämter  4251,  542u.  A.  3,
543°,  548  u.  A.  2,  585,  586!,  596,
608,  618.  Landesfinanzen  und
Landessteuern  111,  180,  2551,
325,  390,  5331,  810°;  Landeskanzlei
  329,  5412.  Landoffiziere
  84  u.  A.  1.  2,  131?,  144,
150,  152,  213  f.,  246°,  254  u.  A.],
255,  325,  327  f.,  401,  468!,  485°,
543°,  584  f.,  604,  608,623.  Landeeordnungen
  325,  327,329.  Landrecht
  468!

Landstände  überhaupt  4  u.  A.
1,  57,  90f.,  118,  131',  144,  150,
165°,  171°,  173,  178°,  179  £.,  181!,
182‘,  188%,  193,  196,  201,  2141,
239  f.,  246f.,  251,  257f.,  282  u.
A.2.3,  283  u.A.1.2,  284f.,  290,
292  u.  A.  4,  295,  304,  318,  320°,
325f.,  344  u.  A.  1,  345  u.  A.  1,
317,  354  f.,  359,  361  f.,  366',  367",
369  f.,  372f.,  389f.,  394,  401°,
402  f.,  408°,  409  f.,  414,  418  f.,
423,  424  u.A.2,  425°,  426u.A.4,
427,  4281,  429  f.,  434!,  435,  438,
440  f.,  444  u.  A.  1,  445  u.  A.  4,
446,  450  f.,  457,  458°,  459  £.,  463,
464  u.  A.  1,  466  u.  A.  1,  467,
475°,  479  f.,  487°,  489f.,  496,  498,
500  u.  A.  1.  2,  505,  510  f.,  522  £.,
525,  528,  532,  533',  534,  537,  542
u.  A.  3,  553  u.  A.  4,  555,  583  f.,
588,  604,  608,  611,  6251,  633,  636,
619,  670,  695,  792,  81OFf.,  828,

Register

838,  843;  katholische  Stände  145’,
146,  165°,  188°,  246°,  327,  408,
411,  424°,  428'1,  4311,  489,  618,
649;  akatholische  Stände  146,  165,
202,  254,  282,  295,  327,  403,  424°,
431°,  455,  4781,  634.  Verhältnis
su  Braunschweig  282  u.A3,
292°,  329,  344  u.  A.1,  356f.,  358,
363,  365  u.  A.4,  373f.,  387,  39,
421,  459,  461?,  531,  535;  zu  des
österreichisehen  Erblanden  I0I,
180,  254,  329,  A61f.,  468!,  478°,
479,  512,  5331,  542,  610%,  659,
844;  za  den  Generalstaaten
431!,  445  u.  A.  3,  452  u.  A  ?,
461°,  465,  475,  479,  514,  58
Heer  der  Stände  47,  84  u.  A.  2,
91  u.  A.  3,  109%,  117,  120f.,  1%,
131',  144,  146,  152,  165,  171,  1,
183*,  186  f.,  195,  201,  213£.,  24,
246,  252  u.  A.  1,  2561,  271,  8,
290,  303,  306,  316,  328,  330,  344",
362,  370,  410,  419,  431!,  439,  445%,
470',  490,  491  u.  A.  1.  Verhältnis
zu  den  Kurfürsten  393  u.A.l,
397  u.  A.  3,  410,  429,  430,  431',
442,  482,556.  Verhältnis  zu  Er»
herzog  Leopold  91  w.A.1,  118,
144f.,  146,165  u.  A.2,  182,  185f.,
188,  194*,  202,  213,  216  u.  A|,
290  f.,  369,  401°,  810*,  838.  Ver
hältnis  zu  König  Matthias  (s.
auch  unter  Matthias,  Designatice
zum  König  von  Böhmen)  48!,  @,
841°,  86°,  90  u.  A.  5,  110,  17,
120  f.,  147°,  164,  1714,  172,  175f.,
180  f.,  187,  188%,  194  u.  A.  1,  201f.,
212,  214,  249,  251,  254,  256,  258,
284  u.A.5,  285f.,  288,  290,  304,
320°,  328  f.,  330  f.,  357,  359  u.A.1,
360  f.,  362,  363°,  372  ua.  A.  1,374,
387,391,  399,  402,  414,  426%,  46)’,
468  u.  A.  1,  469  u.  A.  1,  478  u
A.1,479,  485°,  496,  505,  536,  584  f.,
588,  596,  604,  608,  611,  618,  63,
695,  838;  Krönung  des  Matthias
s.  unter  Matthias.  Verhältnis  sum
Hause  Oesterreich  428°,  140,
466',  4781,  494,  637,  838.  Stände
und  der  Einfall  der  Passauer
4,  12°,  27£.,  57f.,  109°,  117  f.,  121
u.  A.  1,  130,  131%,  144,  146,  15,
165°,  180,  181',  182,  184,  186  u.
A.  3,  188,  201,  2061,  213,  239  f.,
257,  259,  289°,  291,  303,  307,  328,
330,  3441,  360,  369  f.,  372  u.A1,
492,  496,  533,  838,  s.  auch  oben
unter  Heer.  Verhältnis  sum  Reich
180,  302,  362  f.,  405,  414,  426%,
        <pb n="873" />
        Register

427,  431',  437,  444,  457  u.  A.  2,
462  u.  A.  1,  497,  512,  533'!,  534,
558  u.  A.  1,  572,  601,  611,  623,
632,  665,  687,  823f.,  828,  843;
zu  den  Reichsständen  254,
418f.,  431!,  441u.  A.  1,  452°,  4681,
472,  500,  514,  528,  588,  610%;  zu
Rudolf  II.  13°,  84  u.  A.  2,  86,
90°,  91,  99  u.  A.  5,  102f.,  1098,
117,  120f.,  152,  165  u.  A.2,  171},
178°,  180,  182,  184,  188  f.,  241  f.,
246,  250°,  289  u.  A.2,  291,  325  f.,
331,  343f.,  316,  349,  353,  357,
359,  414,  427,  436,  439,  445,  4661,
567,  571f.,  649  f.,  665,  701,  737,
843;  Eidesentlassung  der  Stände
durch  Rudolf  II.  345,  354,  443%,
4441,  451,  452°,  457,  464,  467  f.,
469  u.  A.  1,  485°,  496,  552,  623°,
s.  auch  unter  Rudolf  II.  Verhältnie
  zu  Kursachsen  20,
90*,  179  u.  A.  2,  180,  181!,  246°,
282  u.  A.  2,  319',  356,  364,  365%,
366!,  367°,  3731,  374,  396°,  414,
431’,  435,  439,  542.  Vebermut
der  Stände  292*,  3441,  359  f.,  365,
375,  387  f.,  394,  408°,  409,  430  f.,
444,  445%,  452°,  459,  461°,  463,
467,  468!,  4701,  475,  483,  53H  f.,
571.  Verhältais  zur  Union  94,
229,  399,  418f.,  445,  475,  610%,
665,  706,  768.  Wahlrecht  der
Stände  und  Beschränkung  der
königlichen  Macht  332,  345!,
349,  357,  359  f.,  363,  391  u.  A.4,
395,  428!,  466!,  468',  478  u.  A.1,
479,  481,  494,  528,  536,  689.  Verhältnis
  zu  Zuniga  145!,  180,
195u.A.3,  239!,  447,553,  688,  6891.

Landstube  44l!.  Landtafel
  326,  330.  Landtage  12°,
86°,  90  f.,  152,  201,  241,  255,  257,
259,  289  u.  A.  2,  291,  304,  318,
320%,  326  u.  A.  2,  328,  356,  358,
459%,  464',4681,478',496,5331,542,
n-44,  621,  670,  687  f.;  der  von  1611
345  u.  A.  1,  346,  317%,  349,  353,
358  f.,  363,  3741,  392,  424°,  426%,
432,  435,  441%,  444,  451,  452%,
456  f.,  459  u.  A.  1.  2,  164,  467  £,
469  u.  A.  1,  485*,  196,  510,  535,
552,  621,  623°.  Gonerallandtage
  325,  332,  365',  319,  402.
Landtagsschlüsse  327  f.,  332,
336,  468',  Landvolk  165°,  179,
291,  427*,  432.  Leben  441,  543,
745.  Majestätsbrief  165°,  175,
240,  258,  327,332,  4681,  533°,  701.

Nebenländer  180,  283,  325,  :

851

330,  364,  372,  391,  409,  426°  ®,
432,  457,  4641,  468',  486  u.  A.1,
489,  533',  611,  843.  Privilegien
165  u.  A.  2,  175,  2141,  240,  249,
254,  260°,  330,  332,  360,  4681,
577,  583.  Religion  180,  240,
250°,  254,  326  f.,  353°,  3914,  428*,
455u.A.1,468°,4781,536,  542°,  Residenz
  RudolfsIl.s.  unterRudolf  II.
Statthalter  in  Böhmen  285,
468',  813,  822,  812.  Buccession
im  Königreich  90°,  116,  117,  118,
146,  160!,  187,  202,  210°,  239  f.,
286,  292,  301f.,  318,  319,  328,
401,  428°,  466!,  494,  609,  637,
689.  Unruhen  in  Böhmen  (prager
Unwesen)  172,  179  f.,  184,  189  f.,
197,  208,  210°,  231,  238f.,  246,
2471,  248f.,  257  f.,  271,  276,  290,
307  £.,  315  f.,  325  f.,  343  f.,  350  f.,
355,  360  f.,  366,  370,  392  f.,  394  f.,
402  f.,  409,  414,  423  f.,  431°,
433°,  434f.,  437  u.  A.  3,  4411,  446,
447,  454,  456,  458,  475°,  176,
490,  497,  504  f.,  509,  524°,  536,
549°,  561,  568f.,  601,  608*,  627%,
629:,  632f.,  657°,  772,  7771,  816,
824,  838.  Verfassung  360,  363,
408!.,  Wenzelskrone  109,  118,
165°,  201,  214,  2561,  330,  359.

Böhmerwald  231.

Böhmisch-Brod  165°,  251,  284°.

Börstell,  Adam  von;  fürstlich
anhaltischer  Rat  698.

Boötius,  Anshelm,  Leibarzi  Kaiser
Rudolfs  II.  648%.

Boissise,  Jean  Thumery,  seigneur
de,  französischer  Gesandter  in
Deutschland  70,  162.

Bongars,  Jaoques,  französischer
agent  in  Strassburg  161,  528,

1
)  “

Bonn  381!.

Borghees,  Kardinal  (Scipio  Caffarelli)
  112.

Bottler,  Diener  des  Fürsten  Christian
  von  Anhalt  175.

Boucquoy,  Karl  Bonaventura,  Graf
von  46,  47!,  48.

Bouillon,  Henri  de  la  Tour,  Herr
von  Turenne,  Herzog  29!,  88,  112
u.  A.  3,  113,  123  u.  A.  2,  161.

Boys,  Gisbert  de,  Kaufmann  490°,

Brabant,  Herzogtum  71;  Lehenoi

  46.

Brakenhofer,  Johann,  Hofdiener  des
Erzherzoge  Maximilian  776°,  777°.

Brandeis  in  Böhmen  688,  789,
810°,  812.

54.*
        <pb n="874" />
        852

Brandenburg,  Kurfürstentum.  Kurfürstin
  691,  248  u.  A.2,  745°;
ihre  jülicher  olitik  69,  268!,  5311:
596;  ihre  Beziehung  zu  Pfalzgraf
Wolfgang  Wilbelm  von  Nenburg
662°,  656°.  Christian  Wilhelm,
Markgraf,  Administrator  von  Magdeburg
  s.  unter  Magdeburg.  Erbeinen
  20!,  376,  74bf.
Markgraf  von  Brandenburg,  Statthalter
  in  Cleve  840.  Finanzlage
des  Kurfürstentums  123  f.,  127,
266,  2671,  268;  Gesamthaus
268,  272,  4491.  Joachim
Kurfürst  531.  Joachim  Friedrich,
Kurfürst  420°,  477.  Johann  Georg,
Markgraf,  s.  unter  Jägerndorf.  Johann
  Sigismund,  Kurfürst  20',42',
69?,  73',  104,  106,  107',  128,  "140,
173°,  189  u.  A.  2,  248f.,  266  f.,
286,  316°,  394  f.,  400,  435,  476,
531',  610,  637,  686',  746°,  828.
Haltung  im  Administrationsstreit
  s.  unter  Administrationsstreit.
  Verhältnis  zum  Königreich,
Böhmen  254,  441,  445,  4681,
628,  588,  745;  zu  Braunschweig
  422u.A.2,  434u.A.l,
436°,  720,  s.  auch  unter  Goetze;
zu  Dänemark  123,  222.  Gemahlin
  s.  oben  unter  Anna.  Verhalten
  im  österreichischen  Hau  sstreit
  375  u.  A.  1,  396°,  412,
420  u.  A.  2.  3,  421',  434  u.A.1,
436!,  442,  451,  472,  475  u.  A  2,
489,  499,  644°,  681,  713.  Hofwesen
  265,  266  u.  A.1.  Anspruch
auf  das  1  ‚dorzogtum  Jägerndorf
248°.  Anspruch  auf  die  jülicher
Lande  1  18,  20%,  29  u.  A.  1,  68
u.  A.  2,  69,  104,  106  f.,  122  f.,
126,  139  £.,  ‚187,  158,  162,  166
174,  189°,  197,  217,  248*,  "258,
285  f.,  2681,  272,  2731,  298,  434!,
448,  669,  596,  661,  658  f.,  656,
666,  669,  746  f.,  1971,  s.  auch
unter  Jülich,  Possidierende.  Aufnahme
  ins  Kurkolleg  und
Beschreibung  zum  Kurfürstentag
  139f.,  167,  2731-?,  368,  388,
398  u.  A.  1,  421,  436°,  454,  475
u.  A  2,  488,  604,  630  u.  A.  2,
631',  6581,  874,  B773,  616,  638,
662°  668,  681,  6W,  6921,  733,
784°,  785  u.  A.  2,  145,  746°,
169  £.,  773,  778,  7308,  199,  811,
821°,  ‚824,  827,  840.  Verhältnis
zu  König  Matthias  104,  147,
172  f.,  177,  248  f.,  256,  2681,  406,

Register

415,  418,  445,  517°,  544,  614;
zu  Neuburg  107  u  A|,
123,  126,  652°,  669.  Besorgnis
wegen  der  Passauer  173.  Be
ziehung  zur  Pfalz  499,  500°,
629  Sf,  ds  hen  &amp;gt;  ,„  TE.
Ansprü  au  erzogtun
Preussen  248°,  689°,  566  u.  Al,
680,  662  u.  A.  2,  cu  4,
709,  713,  719  u.  A.  1,  7221,  733f,
736°,  745,  746  u.  A.  2,  m.
Räte  265f.,  266',  268  u.  A.  |,
436',  680%,  682,  746°,  s.  auch  unter
Bellin,  Beyer,  Distelm  eyor,  Goetze,
Pistoris,  Pruckmann,  Putlitz.  Verhältnis
  zum  Reich  441,  47,448,
746!;  zuRudolf  ID.  (Aussöhneng
mit  dem  Kaiser)  68°,  69!,  124,  126f.,

139  f.,  174,  273,  360,  "368,  34",

415,  420°  ®,  421,  52  u  A  |.

498,  484!,  436°,  441  f.,  448,  449
u.  A.  1,  454,  489,  6504,  514,  517°,
630,  566,  569,  674,  638,  655
u.  A.  1,  680,  738,  736,  75;  m
Sachsen  122f.,  139  f.,  158,  174,
217,  248,  265,  272,  273',  306,
867',  868°,  376,  388,  398,  405,
418,  420  u.A.  1.2,  421  u.  A  |,

lich,  jüterbogker  Vertrag.  Söhne
Johann  Sigismunds  125.  Stellung
zur  Succoessionsfrage  m
Reich  160°,  626  f.,,  678,  8.
Töchter  Johann  Sigiemunds  13.
Sein  Verhältais  zur  Union  33,  89,
42',  158,  189,  1%',  197,  D,
229f.,  268  u.  A.  1,  276,  279,  23,
433,  A341,  448,  508°,  539°,  551',
5627,  566  u  A.  1,  630,
631',  "668,  668  f.,  679,  697,  69,
708,  au,  718,  722%,  765,  767  £.
774  u.A.  3,  776,  787°,  70°,  791,
198,  840.  Lehen  des  Kurstaates
441,  447,  448  u.  A.  1,  745,  812.
Territorium  des  Kurstaates124,
127,  173°,  268,  652°,  Untertanen
  124  f.,  127£,

Brandenburg-Ansbach  a.  Ansbach.
Brandenburg  -  Culmbach  &amp;amp;

Culmbach.

Brandenstein  auf  Oppurg  und

Knaw,  Esaias  von,  kursächsischer
geheimer  Rat  und  Oberhofrichter
zu  Leipzig  167,  616,  650;  —  Leipold
        <pb n="875" />
        Register

von,  kursächsischer  Kammerrat  16.
Brandis,  Jakob  Andreas  Freiherr  von,
Landeshauptmann  an  der  Etsch  133.
Brandt,Dr.  Johann,  fürstlich  würzburgischer
  Rat  376.

Braunau  in  Böhmen,  Abt  von  165.

Braunschweig,  Stadt  452°,  606,
02,  720,  736.  Achtsexekution
gegen  die  Stadt  543,  552,  588,
594,  605,  618  f.,  6291,  659,  669,
672,  701,  705°,  708  f.,  720°,  7288,
«45,  762,  768,  770,  828,  836”,
839.  Kaiserliche  Kommission  594,
605.  Die  Union  und  die  Stadt  720
u.  A.  2,  768.

Braunschweig-Lüneburg,  .  Herzogtum.
  Herzog  Ernst  762.  Räte  und
Diener  s.  unter  Grote,  Hedemann,
Hoyer.  Scbickung  nach  Prag  130',
144?,  659;  Streit  mit  Wolfenbüttel
352,  669.

Braunschweig  -  Wolfenbüttel,  Herzogtum.
  Herzog  Heinrich  Julius,
zugleich  Bischof  von  Halberstadt  1',
18,  58?,  256!,  306°,  394,  419,  4208,
487°,552,  608,  642?,689?,  792°,  800°;
zur  Charakteristik  619,  810°,  814,
836”.  Dessen  „gründlicherBerich  tt“
s.  unter  Bericht.  Verhältnis  zu  den
böhmischen  Ständen  se.  unter
Böhmen,  Landstände;  zu  Brandenburg
  s.  unter  Brandenburg.
Kampf  mit  der  Stadt  Braunschweig
  552,  566,  585,  587,
618  f.,  669,  839.  Begünstigung  der
Evangelischen  516,  544,  634,
«36,  762°,  Tätigkeit  im  österreichischen
  Hausstreit  |!,
12,  47  u.  A.  2,  58°,  60,  67°,  68°,
814  w  A.  1,  85,  90,  98,  100,  104,
111°,  117,  152f.,  163,  178,  210%,
246°,  250°,  251  u.  A.  2,  287,  290
u.  A.  2.4,  315  f.,  317,  329,  341,
344!,  356,  357%  *,  358,  372,  374f,,
387,  394,  396  u.  A.  2,  409,  423,
4241,  425  u.  A.  1,  4126,  428  u.
A.  1,  429,  431,  434f.,  439,  444  fl
450  f.,  457  £.,  460!,  462,  464,  467  f.,
475,  480!,  485  f.,  490,  510,  524  £.,
532f.,541f.,544,552f.,560,571,583,
585,  618f.,  624,649,  670°,  687,688,
689,  759.  Verhalten  im  jülicher
Erbstreit  183  u.  A.  1,54  u  A
1,  157  u.  A.  3,  167  A.  1.2.3,
168,  321.  Verhältnis  zu  den  Katholiken
  634,  661,  669,  739,
740!,  «49,  750',  760,  761  u.  A.  2;
zu  Khlesl  95f£.,  153°,  358;  zu
Ersberzog  Leopold  501  u.  A.

853

1;  zur  Liga  7,  54f.,  80,  135,
167  f.,  322;  zur  lüneburger
Linie  552,  669;  zu  Kurmainz
629  u.  A.  1,  673!,  zu  König
Matthias  210%,  282  u  A.  3,
290,  292,  316',  317?,  318‘,  329,
341,  357  u.  A.  2.  3.  4,  358,  394,
459,  4801,  489,  508°,  521°,  525,
531,  511,  552,  560,  595,  764;  zum
assauer  Kriegsvolk  26,  28,
3%,  57,  120°,  178°,  3441,  357%,
365;  zur  Pfalz  500,  609!,  624,
693'.  Räte  643,  720,  771.  Verhältnis
  zu  Rudolf  II.  80,  282
u.  A.3,  291,  317,  341,  344  u.A.  1,
356,  357  u.  A.  4,  363,  365  u.  A.  4,
387,  394,  396  u.  A.  2,  4221,  423,
4341,  435,  440,  4141*,  508°,  510,
513',  525  u.  A.  1,  531,  544,  584,
595,  606',  617,  624,  633,  647,
665,  7323,  762°,  763*,  810°,  814,
822,  836,  842;  Heinrich  Julius
als  Obersthofmeister  und  Direktor
des  kaiserlichen  Hofes  508°,  6543
u.  A.  2,  552,  560,  582  u.A,  1,
584  f.,  588,  594  u.  A.  1,  604,  606,
608,  624,  6291,  633  f.,  640°,  648  f.,
659',  661!,  669,  671  u.  A.  2,  672,
6731,  689,  720°,  732°,  734  u.  A.  5,
736,  738!,  740',  749,  750  n.A.  1,
751,  760,  761  u.  A.  2,  763%,  797%,
818°,  822,  842;  Verhältnis  zu
Sachsen  167  f.,  290°,  317  f.,  319!,
322,  3441,  356  f.,  365  u.  A.  4,
3731,  374,  3751,  4221,  423',  434,
620,  687,  688°,  689,  720,  771,
7X,  796  u.A.3,  7971,  799,  811;
zur  Union  229,  279,  322,  566,
709,  720  u.A  2,768;  zu  Zuniga
6524,  525  u.  A.  1,  531,  552  f.,  560,
624,  6591,  669.

Bree,  Johann  von,  Hauptmann  in
rietbergischen  Diensten  377.

Breisach  636

Breitenacker,  Johann  Peter,  markgräflich
  badischer  Kanzler  217,  698.

Bresgensant,  jülichisches  Lehen
in  Belgien  46.

Breslau,  Bistum.  Bischof  Karl,
Erzherzog  zu  Oesterreich  248  u.
A.  1,  296.

Breslau,  Stadt  210.

Brewnow  (Bsehorhof?)  in  Böhmen
688

Brisvela,  Inigo  de,  erster  Sekretär
des  Erzberzogs  Albrecht  44.

Brömser  von  Rüdesheim,  Hans
Reichard,  Vizedom  im  Rheingau
und  kurmainzischer  geheimer  Rat
        <pb n="876" />
        8354

10,  15%,  62,  87,  143°,  154,  271°,

2731,  3158,  320°,  365%,  366  u.  A.  1,

367  u.  A.  1,  368°,  387,  392,  400,
401',  492  u.  A.  1,  582,  617,  646
u.A.1,  647,  650°,  662*,  669°,  671,
6%,  757,  791,  792*.  Verhältnis  zu
Khlesl  545.  Schiekung  nach  Prag
365*,  367,  3721,  373',  388,  393
u.  A.  1,  3941  f,  396°,  397  u.A.3,
398',  408°,  409,  412°,  414,  420°,
423  f,  425°,  428  u  A.  1.  2,
4321,  435,  438f.,  441*,  443  u.  A.1,
445  u  A.  4,  450f.,  4522,  454,
458f,  463!,  470',  475,  4178,  480,
481?,  187°,  4901,  491,  525',  528,
531,  540,  542,  545,  552,  672',  762%.
Bruchsal,  Reichsstift  52f.,  88,  376.
Bruckmann,  8.  Pruckmann.
Brühl  bei  Bonn  4891,

Brühl,  Karthause  bei  Regensburg
348',  "355,  408.

Brügge,  46.

Brüssel  42,  44,  46,  47',  71,  535,
719.

Bruneau,  Jacques,  Sekretär  Zunigas
196,  348  u.  A.  2,  456  u.  A.  1,

464,  466,  469,  192,  496!,  540.

Bruyn,  Martin  de,  Sekretär  des
Grafen  von  Rietberg  377.

Bubna,  Mitglied  des  böhmischen
Ritterstandes  181?.,

Bucholz,  Johann  Arnold  von,
Dompropst  zu  Lättich  und  Hildesheim,
  kurkölnischer  geheimer  Rat
168,  418',  488,  559.

Budowee,  Wenzel  von,  Mitglied
des  böhmischen  Ritterstandes  177
u.  A.  5,  332,  419,  500".

Budweis  in  Pöhmen  109°,  117,  120,
121',  171',  183  u  A.  4,  186,  194,
215,  212,  259,  260%,  282,  291,
306,  329,  331,  347  A.  1,  353,
390,  412,  439,  463°,  490,  5011,
578,  585.

Bären  in  Westfalen  652°,

Bulle,  goldene  15?,  160,  260°,  303,
498,  zızı,  570,  574,  H8B3,  611,
626,  638,  683,  685,  798°,  800,
802,  819,  830,  832f.

Bund,  schwäbischer  580,  589.

Burgau,  Markgrafschaft
Markgraf  Karl  2,  10°,  589.

Burghausen  am  Inn  21°.

Burgkundstadt  in  Oberfranken

Bistum.

751.

Burgos,  Bischof  Alfons
Manrique  301.

Burgund  64,  231!,  279,  354?,
413!,  829,  Fürsten  8.  Erzherzog

589;

Register

Albrecht.  Verbindung  mit  Jülich
42  u.A.3,  H.  Lehen  20,  12£,
44,  47',  130,  812.  Lehenkof  146.
Eintritt  in  die  Liga  170',  339'
Burkhard,  Dr.  Georg  Adelbert,
Stadtadrokat  von  Nürnberg  33,
75!,  217,564,  567',  698,  720°,  TA,
Buwinckhausen,  Benjamin  wen
Wallmerode,  genannt  B.,  württembergischer
  geheimer  Rat  und  Kriegs
oberst  &amp;amp;2,  128,  207,  294,  37,
539°,  604,  680°,  698,  706  u.A  |.

Caötano  s.  Gaötano.
Caffarelli,  Scipio  8.  Borghese.
Calvinismus  58&amp;amp;,  595.
Calvinisten  s.  unter  Reichsstände.
Camen  in  Westfalen  98.
Camerarius,  Dr.  Ludwig,  kur

fälzischer  geheimer  Rat  197,  217,
19f.,  225f.,  476,  504°’,  610°,  629°,
656!,  697  £..  7OLf.,  749,  TE
775,  794  f.

Candale  ‚Graf  von,  Sohn  des  Herzogs
von  Espernon  215.

Cannstatt  bei  Stuttgart  293.

Capua,  Erzbistum.  Erzbischof  Ar
tonio  Gaötano,  Nuntius  zu  Prag  &amp;amp;
unter  Gaötano.

Cardenas,  Inigo  de,  spanischer
Botschafter  in  Paris  18°  ‚88,

810.

Casal,  Peter,  Geheimsekretär  des
Erzherzoga  Ferdivand  132  u.A.  3,
164  u.  A.  1,  208',  265,  369.

Cassel  406°,  gun.

Castiglione,  Franz  Gonzaga  Mar-.
  chese  von,  kaiserlicher  Gesandter  in
Madrid  114,  299  f.,  656  u.  A.  3,  69.

Castilien  116.  Connetable  von  (astilien
  s.  unter  Mailand.

Castillon,  Manfrino,  Hauptmaas
im  pässauer  Kriegsvolk  304.

Castro,  Francesoo  de,  spanischer
Botschafter  in  Rom  48'.

Cesta,  Hieronymus,  Handelsmann
in  Mainz  473.

Cham  in  der  Oberpfalz  237.

Chlumez  in  Böhmen  597.

Christian  I.,  Fürst  von  Anhalt
Bernburg  s.  unter  Anhalt,

Christian  IL,  Fürst  von  Anhalt
Bernburg  s.  unter  Anhalt,

Christian,  Markgraf  von  Brandeeburg-Culmbach

  s.  unter  Culmbach.

Christian  IV.,  König  von  Däne
mark  s.  unter  "Dänemark.

Christian  IL,  Kurfürst  von  Sachsen
8.  unter  Sachsen.
        <pb n="877" />
        Register

Christian  Wilhelm,  Markgraf
von  Brandenburg  und  Administrator
von  Magdeburg  es.  unter  Magdeburg.

Clasius,  Georg  Melchior,  Mitglied
des  innern  Rate  von  Schwäbisch-Hall
  218,  698.

Claus  bei  Spital  am  Pyhrn  in  Oesterreich
  ob  der  Enns  21,  59,  120.
Clemente  s.  unter  San  Clemente.

Cleve,  Herzogtum  298.

Cleorve,  Stadt  776,  800°.

Coblenz  am  Rhein  490,  582°,  640°.

Coburg,  Stadt  752.

Colbivger,  Abraham,  kurpfälzischer
Rat  217.

Colli  (Collibus),  Hippolyt  de,  kurfürstlicher
  Hofrichter  und  Stuhlfauth
  zu  Heidelberg  54  u.  A.  1,
82,  90°,  91°,  158,  332  u.  A.  2.  3,
333  u.  A.  1.  2,  334,  471,  472  u.
A.  3.5.  497  £.,  500°,  503,  513%,
530°,  584,  586  u.  A.  1,  593,  5944,
597,  604,  606,  608,  609:,  610%,
623,  624°,  656!,  6591,  6741,  691
u.A.2,  693,  7191,  720°,  734,  7431,

Colloredo,  Graf  von,  Hauptmann
im  passauer  Kriegsvolk  58.

Co  2  ceini,  Concino,  Marquis  d’Ancre
162.

CGoncordienformel  77!.

Condö,  Heinrich,  Herzog  von  629!.

Cons  tanz  8.  Konstanz.

Copeyen  und  Absehriften;  Deduktion
  sschrift  des  Könige  Matthias
11,  47°,  58°,  90°,  110°,  152°,  163°,
3721-4,  4341,  596.

Corrregio,  Markgrafschaft  592.

Crailsheim,  Hans  Philipp  von,
markgräflich  ansbachscher  Rat  697.

Crivelli,  Giulio  Cesare,  Pfleger  zu
Tölz  9;  --  Giovanni  Battista,  bairischer
  Agent  in  Rom  835!.

Cronberg,Johann  Schweikhard  von,
Kurfürst  von  Mainz  s.  unter  Mainz.

Cronenberg,  Johann,  Syndikus  der
Stadt  Köln  808°.

Croy,  Wilhelm  von,  Hauptmann  im
passauer  Kriegsvolk  354°.

Culmbaeh,  Markgrafschaft.  Markgref
  Christian  189°,  315°,  542°,
686',  752.  Im  jülicherBtreit
20',  68,  106,  197,  596,  727.
Kreishauptmann  des  fränkischen
  Kreises  520.  Markgräflichee
  Kriegsvolk  14,  795.
Verbältnis  zur  Stadt  Nürnberg
771,  228,  796.  Räte  und  Diener

8.  Lynar,  Mulım,  Rahme,  Schaumberg,
  Schirnding,  Senfft,  Varel.

855

Unionsstand  106,  1581,  232f.;
376°,  433,  447!,  539°,  668,  697,
‘30,  785°;  Gesandte  beim  Unionstag
  697,  701,  7O4f,  708,  712,
713!,  714,  724,  727,  729,  732,
754,  786f.,  788',  795.

Czaslau  in  Böhmen  251.

Dänemark,  Königreich  149,  677.
Im  pfälzischon  Administr»=tionsstreit
  177,  248°.  Verhältnis
  zu  Anhalt  176,  198°;  zu
Brandenburg  123;  zu  den
Hansestädten  228  König
Christian  IV.  29',  43,  199  u.  A.
2,  605;  Kandidat  für  die  Kaiserkrone
  637,  677,  690!;  Verbältnis
zu  Rudolf  II.  198°;  Büstungen
595;  Verbältnis  zu  Schweden  230,
279,  768;  zur  Union  291,  94,
198  u.  A.  2,  222,  230,  279,  679,
706,  768.

Dagstein  (Dachstein)  im  Elsass
668,  680,  707.

Damandi,  Pierre  de,  bargundischer
Kanzler  44.

Dampierre,  Heinrich  Duval  Graf
von,  Oberst  im  Dienst  des  Königs
Matthias  213  u.  A.  3,  217,  252
u.  A.  1,  260°,  585.

Dathenus  (d’Athönes),  Petrus,  kurfälzischer
  Geheimsekretär  94,  198,
17,  219,  223,  233,  406°,  697,

719,  720°.

Daun,  Otto  Philipp  Wildgraf  zu
Daun  und  Kirchberg,  Rheingraf  zu
Stein,  Kämmerer  und  Oberst  im
Dienst  dee  Königs  Matthias  24',
216°,  285,  286  u.A.2,  316°,  320  u.
A.2,  367,  372  wA.2.3,  427°,  —
Otto,  Wild  und  Rheingraf,  Oberst
im  markgräflich  badischen  Dienst
698,  787?,  788,

Deputationstag  59,  704,
8l6f.

Deschler,  Dr.  Johann  Jakob,  bi
schöflichb  konstanzischer  Kanzler
269',  377,  3831.

Dessau,  Stadt,  268',  375,  472  u.
A.  5,  497,  500°.

Deutschbro4d  in  Böhmen  250°,
251  u.  A.  2,  287  u.  A.  4.

Deatschland  s.  Beich.

Deutschmeister  s.  unter  Erzherzog
  Maximilian.

Deutschorden  450!.

Dezimation  derkatholischen  Geistlichkeit
  138,  155,  168,  337,  383  f.,
416,  835.
        <pb n="878" />
        856

Diemantstein,  Johann  Servatius,
fürstlich  würzburgischer  Rat  376.
Dietrichstein,  Franz  von,  Erzbischof
  und  Kardinal  von  Olmütz
s.  unter  Olmütz.
Dinkelsbühl,  Reichsstadt  801.
Dirr,  Konrad,  Mitglied  des  Rats
.  von  Heilbronn  218.
Distelmeyer,  Christian,  kurbrandenburgischer
  geheimer  Rat  268'.
Doge  von  Venedig  s.  unter  Venedig.
Dohna,  Abrahum  zu,  Präsident  der
böhmischen  Kammer  121,  241,
265,  284,  602,  605,  "51  u  A.  2)
834?,  836,  842,  844;  —  Christoph
zu,  kurpfälzischer  und  anhaltischer
Rat  53°,  92!,  112°,  123?,  839.  —
‚Junger‘  Dohna  186.
Döle  am  Doubs;  Parlament  daselbst
719,  774  u.  A.  4,  829.
Domkapite),  deutsche  276  u.  A.
2,  383  u.  A.  1,  384,  4731,  576.
Donau  58,  65',  120,  230,  232  f.,
281,  565,  567!,  699.
Donauwörth,  Reichsstadt  39,  53,
76,  126,  205,  234',  461°,  701  u.
A.  3.  Haltung  Baierns  a.  Baiern,
unter  Herzog  Maximilian.  Exo
kution  288,  664,  705*,  771,
819;  Exekutionskosten  754,  756,
817.  Exulanten  2341,714u.A.1.
Donauwörthische  Sache  beim  Kurfürstentag
  567'.  Donauwörthisch
  e  Relation  und  ihre  Widerlegung
  235  f,  238,  281,  565,  705,
771.  Restitution  76,  94,  199,
234,  236,  281,  666,  675f,  699,
703  f.,  708,  747,  754  f.,  765,  817.
Statthalter  s.  Bemelberg.
Donnep,  Gabriel  von,  landgräflich
heasan-caaselscher  Stallmeister  334,

Donnersberg,  Joachim  von,  bairischer
  Oberstkanzler  und  Pfleger
zu  Marquartstein  6f.,  10  u.  A.  2,
14,  15°,  49,  51  wA.  1,  78f.,  88,
97,  134f.,  242,  243’,  244,  269%,
271,  314,  376,  520,  750  u.  A.  1.

Dordt,  Johann  von,  fürstlich  anhaltischer
  Rat  418  f.,  420  u.  A.  1,
44]  u.  A.  1,  445  u.  A.  3,  451,
452°,  465  u.  A.  1,  5142,

Dorn,  Hauptmann  eines  Freifähnleins
  im  Heere  des  Könige  Matthias
252  u.  A.|].

D  ortmund  126,
rach,  kurmainzischer  t  in
Prag  6731,  Agen

Dresden  7,  11!,  201,  241,  57,  69%,

Begister

731,  97  £,,
2703,

135,  154!,  179”,  183%,

303,  320  u.  A.  2,  354,
365",  366%,  32°,  3931,  405,  138,
4451,  4701,  172,  475,  491!,  497,
500,  5131,  529,  585,  597,  R21,
624,  647,  656!,  657,  690,  693,
718,  734"*,  736  u.  A.  5,  G4l!,
1421,  7631,  790f.,  796°,  8SILf,
814,  837.

Ducker,  Johann,  geheimer  Bat  des
Erzherzogs  Maximilian  2,

Düsseldorf  8,  98,  140f.,  Ü8',
253,  267,  276,  293  u.  A.  1,  431".

Duval  s.  Dampierre.

Dwofezkyl  von  Alwranowicz,  Pr»
kop,  Mitglied  des  böhmischen  Ritterstands
  165%.

Eberhard,  Dr.  Albrecht,  Rat  ım
Dienst  der  schwäbischen  Reichs
prälaten  269!,  377.

Eberstein,  Johann  Jakob  Graf
von,  württembergischer  Hofmar-E

  schall  680°,  698.  Bach  des
c6  esiasticuß,  u  Kaspar
Scioppius  599  u.  A.  1.

Echter,  Julius,  von  Mespelbrann,
Bischof  von  Würzburg  s.  unter  Würzburg
  ;  —  Valentin  von  M  brunn,
Amtmann  zu  Aschach  1,  376.

Eduard  Fortunat,  Markgraf  voa
Baden-Baden  s.  unter  Baden.

Efferen,  Wilhelm  von,  Bischof  von
Worms  s.  unter  Worms.

Eger,  Kreis  279f.;,  Stadt  810°.

Ehem,  Philipp,  kurpfälaischer  Aget
in  Prag  2!,  82,  292°,

Ehingen  in  Schwaben,  Herrschaft
590;  Stadt  590.

Ehrenbreitstein  156,  379,  386,

417.

Eichstädt,  Bistum.  Bischof
J  Ohann  Konrad  von  Gemmingen
170,

Eiokenscher  Streit  s.  unter  Baden.

Eisen,  Dr.,  böhmischer  Appellationsrat
  672.

Elbe  181,  811.

Ellwangen,  Reichsabtei  33?,  Abt
Jobann  Christoph  von  Westerstetten.
Ligastand  384  ;  (iesandte  sum  Lig»
tag  269,  377;  Kanzler  s.  unter
Schöllbammer.

Elsass  183*,  231,  633,  703';  Ober
elsass  661,  231’,  680;  Unterelsass
  73,  ‚680,  775.  Foldsug
der  Unierten  ım  Eisass  35  f.,
38,  40  u.  A.  1,  TäLf.,  77,  Z2f,
228  f.,  235,  261,  263,  277,  547  f.
        <pb n="879" />
        Begister  857

562,  564,  566,  567,  580,  667,
699,  701°,  703!,  705°,  708?,  709%,
714,  7150.  A.  1,  716,  7170  Al,
718,  7221,  724,  773,  784,  787,
732  ;  8.  auch  Upion,  unter  elsässer
Zug  und  Städte.  Willstätter  Vertrag
  36,  668,  680,  706  f.,  773  f

Elsässer  Kriegsvolk  11°,  38,  65,
92,  141,  170,  172,  183,  205,  220,
227,  232f.,  235,  276,  293*,  548,
667,  700°,  «39.  Abdankung  38,
52,  661,  73,  83°,  86,  231,  264,
353.  Absicht  226,  369,  664.
Durchzug  durch  Baiern  26H.
Führer  231',  232,  s.  auch  unter
Kriechingen,  La  Fontaine,  Lützelburg,
  Reuschenberg,  Salm.  Neue
Musterung  231  u.  A.  l.  Vereinigung
  mit  dem  passauer
Kriegsvolk  13  u.A.3,  20',  25,
311,  61,  66  u.  A.  1,  73£.,  101  f,
183%,  241,  258f.,  413,  667,  699,
ul?,  708°.

Elsenheimer  zu  Wolnzach,  Dr.
Christoph  Ulrich,  bairischer  Hofkammer-Praesident
  242,  269!,  376.

Eitz,  Kaspar  von,  kurmainzischer
Grosshofmeister  und  Amtmann  zu
Proselten  15-3,  1437,  154,  157%,
271°,  272f.,  313,  315  u.  A.  2,
3341?,  337°,  376,  577°,  760,  780°.

Emaus,  Kloster  bei  Prag  144.

Engelhofer,  Reichshofrat  836.

Enge!  Fr  en,  württembergischer

t  .

England,  Königreich  652°,  7061.

Einfluss  auf  den  kurpfälzischen
Administrationsstreit1l12?,
177,  248°,  596  f.,  06,  783.  Verhältnis
  zu  Dänemark  198°.
Stellung  sum  jülicher  Streit
17,  20',  29!,  43,  71,  2  u  Al,
112?,  123  f.,  266',  268',  584°,  597,
652?,  656,  700°,  706,  83.  Könige
Heinrich  VII.  149,  319.  Jakob  I.
171,  112°,  596f.,  599',  604,  706,  728,
782;  dessen  Verhältnis  zu  König
Matthias  406°;  Räte  und
Diener  s.  Beaulieu,  Lesieur,
Salisbury,  Trumbull,  Winwood;
Verbältnis  za  Rudolf  II.  506°;
zu  Sachsen  I7,  43,  123,  584°;
zur  Union  20'!,  29!,  36,  71,  9,
112  u.  A.  3,  129,  161?,  221,  228,
679,  708  f.,  728,  775  f.,  «82,  783  u.
A.2,‘’84u.A.1.  Staatsrat  ‘8.

Enikl,  Johann  Hartmann  Freiherr
von;  Landstand  in  Oesterreich  ob
der  Enns  3  u.  A.  2.

Ensisheim  170,  635°,  636,
Erbfeind  s.  Türken.
Erblande,  österreichische  (s.  auch

unter  Oesterreich)  10°,  63°,  84',  118,
163,  169,  175,  258,  301f.,  307,
320?,  392,  401,  466!,  485*,  527,
856  f.,  634,  675,  676!.  Beschwerden
  424°,  612.  Im  Hausstreit
31,  60f.,  97,  102f.,  165,  202,
364,  371?,  391%,  424°,  554,  587,
673.  Konfoederationen  der
Erblando  unter  sich  86,  163,  254  f.,
307,  326,  328,  431’,  452°,  461°,
478!,479,  500?,512,545,610*,658  u.
A.1,  696',  /37f,  844.  Materielle
Leistungen  der  Erblande  255!,
289,  307,  466',  556,  700°,  814.
Verhältnis  zu  König  Matthias
60,  &amp;amp;  u.  A.  1,  86,  97,  101f.,
1477,  152£.,  175,  202,  211,
254  f.,  289,  307,  328,  364,  391“,
426%,  428°  °,  544,  554,  557,  612,
637,  677,  712,  737,  773;  zum
Hause  Oesterreich  6l,  587,
612  s.  auch  Oesterreich,  unter  Kompaktate;
  zum  Reich  4321,  554,
558,  613,  636;  zu  den  Beichsständen
  101,  2121,  462  u.  A  1,
479;  zur  Religion  176,  254f.,256,
428°,  546,  634,  677f.,  712;  zu
Rudolf  II.  60,  110,  165°,  207,
208!,  211,  260,  296,  372,  493,
51ll,  522,  587,  612,  632,  772,
799,  816;  Abtretung  der  Erblande
an  Matthias  176,  207,  208!,  258,
260,  313,  351t,  372,  462',  4661,
511,  522,  527,  554,  556,  593,  611,
631,  633,  772,  816;  Bestitution
an  Rudolf  II.  31,  60f.,  100  f.,
165,  176,  187,  240,  253,  258,
296,  313,  328,  586',  587,  602,
636,  738,  790,  799,  843.  Verhältnis
  der  Erblande  sn  Spanien  se.
unter  Spanien;  Stände  dor  Erblande
  364,  516;  katholische  101,
254  f.,610*,  634;  unkatholische  165,
251f.,  428°,  634.  Buccession
in  den  Erblanden  202f.,  260°,
296,  301,  313,  4281,  612,  689,
700.  Türkengefahr  636.  Verbältnis
  der  Stände  sur  Union
94,  159,  200,  211,  212",  222,  229,
281,  305',  334,  472°,  479,  500°,
541°,  510%,  636,  665,  706,  712.
Untertanen  in  den  Erblanden
587.

Erbtruchsess,  Christoph  Freiberr

von  387,

|  Erfurt  201,  107!,  763,  791.
        <pb n="880" />
        858  Register

Ericius,  Johann,  kaiserlicher  Kammerdiener
  82,  83!,  332,  345  f.,  465,
469!,  486  f.,  606',  648,  657,  669
u.  A.  3,  670°,  836.

Erlachsche  Schuld  38.

Ernst,  Markgraf  von  Brandenburg  ;
s.  unter  Brandenburg.

Ernst,  Herzog  von  Braunschweig-Lüneburg;
  s.  unter  Braunschweig-Lüneburg.


Ernst,  Kurfürst  von  Köln;  s.  unter
Köln.

Ernst,  Erzherzog  zu  Oesterreich;  e.
unter  Oesterreich.

Espernon,  Herzog  von  215u.A.2,217.

Esslingen,  Reichsstadt  228.

Eyb,  Veit  Dietrich  von,  ansbachischer
Rat  697.  .

Eyssen,  Dr.  Simon  ,  ansbachischer
Vizekanzler  697.

Beziehung  zu  den  Jesuiten  444,
455';  zu  Erzherzog  Leopold  1:6,
2414f.,  369  f.,  371°,  493°,  813°,  81;
zur  Liga  51',200.  Grazer  Linie  des
Hauses  Habsburg  301  f.  Verhältnis
Ferdinande  zu  König  Matthias
147,  164,  254,348,  371',  454,455
A.1,553;  zu  den  Protestanten
116,  160°,  260°,  302,  637.  Räte
183,  s.  auch  unter  Casal,  Schurf.
Reichstagekommissar  im  Jahr
1608  296,  732°.  Religionseifer
Fordinands  253,4541f.  Verhältnis  za
Rudolf  II.  296,526;  suSpanien
114f.,244f.,348;  Buccession  ia
Böhmen  160',  494.  Succession
im  Beich  115  f.,  160',  245,  260*,
296,  302,  348,  491  u.  A.  2,  526,
553,  629',  636  f.,  700.  Mitbesitzer
von  Tirol  132.

Kaber,  kurmainzischer  Sekretär
157?,  191?,  339,  378*,  380',  387,
555°,597  ;  —  Dr.  Sebastian,  württembergischer
  Vizekanzler  68,  157°,
217,  219,  238,  293,  318,  399!,
680  u.  A.  3,  705,  714°,  717.
Faust,  Dr.  Franz  Philipp,  kurmainzischer
  Kanzler  10,  15°,  80f.,
143?,  157°,  167  u.  A.  4,  200°,  201
u.  A.  1,  273  u.  A.  1,  308,  310,
311,  313,  339,  351  u.A.1.  2,  388  f.,
392,  3931,  395,  397*,  398',  406,
408°,  4541,  458,  474,  475°,  491,
520,  554°,  568,  5777  2,  641',  758,
60,  761°,  762  u.  A.  2.
Favonius;  s.  unter  Hastal.

Fels  auf  Geschiben,  Leonhard  Colonna
  von,  kaiserlicher  Rat,  königlicher
  Kriegsoberst  und  einer  der
dreissig  Direktoren  in  Böhmen  91,
144  u.  A.  3,  171',  177,  186,  188,
214,  240,  249,  419,  464,  610,  764,
834°,  814.

Ferdinand  I].,  Kaiser  69',  169,
301f.,  363,  5.H,  623°,  636,  658,
675,  678,  TAtf.,  763,  77YE.,  831,
833;  Ferdinandeische  Linie  im
Hause  Habsburg  301  f.
Ferdinand,  Koadjutor  von  Köln;  s.
unter  Köln.

Ferdinand,  Erzherzog  zu  Oesterreich,
Regierer  von  Innerösterreich  21,  5,
122,  25,  27,  32,  66',  1117,  169,
212',  303,  318!,  4881,  7771.  Gemahlin
  Maria  Anna  821.  Stellung
im  Hausstreit  101,  103,  132°,
147,  162!,  208  u.  A.  1,  209,  2101,
211,  296,  354°,  402,  452°,  5228,

Ferdinand,  Erzherzog  von  Tirol;
8.  unter  Oesterreich.

Ferdinand,  Grosshersog  von  Toskana;
  s.  unter  Toskana.

Fernpass  in  Tirol  589.

Feyerabend,  Dr.  Jakob,  Bürgermeister
  von  Heilbronn  °5'!.

Finale,  Markgrafschaft  586,  592,
619,  657,  672.

Flandern,  Grafschaft  &amp;amp;41.

Fleckenstein,  Friedrich  von,  markgräflich
  badischer  geheimer  Bat  21:.

Fleckhamer,  Hans  Jakob,  deutscher
Sekretär  des  Erzherzogs  Albrecht
(gestorben  vor  20.  August  1611)
44,  535  u.  A.  2.

Fleischbein,  Dr.  Kaspar,  kurmainzischer
  Rat  575,  577®.

Förster,  Dr.  Elias,  sachsen-altenburgischer
  Kanzler  173?.,

Forgach,  Sigmund  von,  königlicher
Kriegsuberst  in  Ungarn  764.

Franken  37.

Frankfurt  am  Main  9,  &amp;amp;8,  9%,
134  f,  137,  154,  157°,  201,  313°,
323,  337,  529,  559,  662°,  757°,
‘96;  Eintritt  in  die  Union  229,
279,  563,  768.

Frankreich,  Königreich  71,  299,  505,
506°,  598,  624,  689°,  #41.  Ein
mischung  in  den  kurpfälzischen  A  dministrationsstreit
  38,  112,
129,  177,  248°,  597.  Beziehung
zu  Christian  von  Anhalt  176;
zu  den  Goeneralstaaten  129.
Lage  im  Innern  25,  29  u.  A.  1,
113,  128f,  161  u.  A.  2,  168,
506°,  552.  Eingreifen  in  den
jülicher  Streit  17,29  u.  A],
        <pb n="881" />
        Register

43,  70,  72,  113,  123  f.,  129,  204,
258,  2681,  275,  298,  300,  652°,
656,  776.  Könige  Franz.  319.

Heinrieh  IV.  29  u.  A.  1,  53,  7Of.,

123,  129,  298,  6291,  6681,  729%,
‘75,  «89,  802,  838  f.,  841;  dessen
Kriegszug  nach  Deutschland  629',
00°,  729®,  Ludwig  XIH.  17',
29:1,  342°,  514,  7298,  756,  77öf.,
799,  838.  Marie  von  Medicis,
Königin-Regentin  17',  25,  29  u.
A.  1,481,53,  71,  112?,  123,  128  f.
145°,  147°,  162,  216,  285,  354°,
4131,505,  506°,  601,  652°,  670,  7293,
7641  u.A.  3,  775f.,  788f.,  798,799',
802,  809,  834,  8391,  840f.;  Besiehungen
  zu  Erzherzog  Leopold
194,  216,  239  u.  A.  1,  258,  285,
348,  536,  841  u.  A.  1;  zur  Liga
9,  10°,  79,  81,  137,  155,  170",
230,  337,  386,  417,  418',  732,
733  u.  A.  1.  Ligue  in  Frankreich
  249.  Beziehungen  Frankreiche
  zu  König  Matthias  53,
101,  175,  342  uw  A.  3,  354,  505,
601,  657,  764  u.  A.  3,  788,  811;
zum  Hause  Oesterreich  34,
789;  zum  Papst  128.  Räte
128,  764°,  802,  814;  s.  auch  unter
Barrault,  Baugy,  Boisisse,  Bongars,
Coneini,  Preaux  ,  Puysieulx,  Villeroy.
Beziehung  Frankreichs  zum  Reich
298,  528,  756,  788,  799;  zu
Rudolf  II.  82  u.A.  2,  505,  506
u.  A.  3,  586,  601f.,  604,  624,
6321,  670,  789f.,  798f.,  809f.,  834;
zu  Savoyen  130,  2311,  35#,
413  u.  A.  1;  zu  Spanien  29,
48!,  128f.,  149,  162f.,  506  u.A.
3,  657,  &amp;amp;1l.  Staatsrat  506  u.
A.  3,  841.  Frankreich  und  die
Buccession  im  Reich  53,  506°,
628  f.,  764°.  Verhältnis  zu  Trier
5l4;  zur  Union  10°,  36,  53,  81,
94,  112,  128f.,  199°,  204,  279,
342°,  6:9,  703,  "706,  ‘29  u.  A.  3,
775  £.,  838  f.
Frans  1,  König  von  Frankreich  s.
unter  Frankreich.
Freiburg  im  Breisgau  125°,635?,  636.
Freising,  Bistum.  Bischof  Ernst
Kurfürst  von  Köln.  Eintritt  in  die
Liga  312,  336,  380',  474.
Freising,  Stadt  812.
Freistellung;  s.unter  Reichastifte.
Friedberg  in  Baiern  508°.
Friedrich  11.,  Kaiser  457.
Friedrich,  Markgraf  von  Raden;
s.  unter  Baden.

Fuchs  von  Bimbach,  Phili

859

Friedrich  Casimir,  Pfalzgraf
bei  Rhein  und  Herzog  von  Zweibrücken,
  Stattbalter  des  evangelischen
  Kapitels  zu  Strassburg;  8.
unter  Strassburg.

Fröhlich,  Georg  Ludwig,  pfalz-neuburgiscber

  Kanzler  559?,  635"  ?,
6531,  6921,
Fuchs,  Peter,  sachsen-altenburgischer

  Rat  12  u.  A.  2,  45!,  471,  541,

335.

,‚  anßbachischer
  geheimer  Rat  und  Kriegsoberst
  225  f.,  406°,  516,  546,  549,
564,  567!,  697,  709*,  785  u.  A.  2,
187°,  788.

Fürer,  Christoph,  nürnberger  Patrizier

  77!.
Fürstenberg,  Landgraf  Friedrich
  1V.  auf  Weitra,  königlicher

geheimer  Rat  84?,  150°,  1644,  177
u.  A.  6,  2121,  2885,  2924,  3471-2,
391*,  419.

Fürstenberg,  Friedrich  von,  kurmainzischer
  Oberamtmann  zu  Königstein
  271°,  273°,  286°.  —  Theodor,
Bischof  von  Paderborn  s.  unter
Paderborn.

Fuggoer,  Antoninische  Linie  387  ;  —
Marx  168%,  169.

Fuggor  von  Kirchberg-Weissenhorn,
Jakob,  Bischof  von  Konstanz  a.
unter  Konstanz.

Fulda,  Beichsabtei  231  u.A.  1.

Gaötano  Autonio,  Erzbischof  von
Capua  und  Nuntius  in  Prag  108
u.  A.  4,  147,  238,  300,  312.

Gaugler,  pfalz-neuburgischer  Bekretär
  203°,  293,  295!.

Gegeninformation,  artikulierte

Geizkofler  von  Haunsheim,  Zacharias,
  gewesener  Reichspfennigmeister
  154',  559°,  592,  610  u.
A.  2,  6351°?,  657°,  676',  6861,
689°,  727°,  764°,  800;  kaiserlicher
Kommissar  beim  rotenburger  Unionstag
  693,  707,  734,  738  u.  A.  1,
739°,  740,  743,  762,  763°  +,  782,
801,  815.

Gelnhausen  662°.

Gemmingen,  Johann  Konrad  von,
Bischof  von  Eichstätt  s.  unter  Eichstätt.


Generalstaaten  64,  7if.,  363,  451,
580,  683°,  730.  Im  Administr»
tionsstreit  177,  218°”.  Verhältnis
  zu  Christian  von  Anhalt
        <pb n="882" />
        860

176.  Fünfzehnjähriger  Anstand  113,
129.  Armee  226,  679.  Verhältnis
zu  den  böhmischen  Ständen
8.  Böhmen,  unter  Landstände;  zu
Frankreich  129;  Generalstatthalter
  s.  unter  Moriz  von
Oranien.  Die  Geperalstaaten  im
jülicher  Erbstreit  10°,  17,
20,  29,  72,  98,  123f.,  204,  267,
268',  275,  298,  300,  652°,  656,
‘00°.  Der  vierzigjährige  Krieg
64,  149,  379,  808°.  Verbältnis  zu
König  Matthias  452°,  463°.  Anschlag
  auf  das  Bistum  Münster
382,  761”.  Bangstreit  162,
‘06  f.  Verhältnis  zum  Reich  44,
385;  zu  Spanien  113,  238f.,  249,
258,  267,  298f.,  313,  598  f.;  zur
Union  36,  71,  94,  129,  161?,
204,  229,  679,  706,  775,  796u.  A.  1.
Genf  354?,  431  u.  A.  1,  668,  680.
Rat  668°.  Bedrängnis  durch  Savoyen

  129  u.  A.  2,  231',  566,
668°.  Syndique  8.  Sarrazin.  Verhältnie
  zur  Union  566,  668,  680,

713,  718,  771.

Gent,  Stadt  46.

Gent,  Kaspar  von,  Oberst  im  passauer
  Kriegsvolk  283.

Georg  Friedrich,  Markgraf  von
Baden  ;  s.  unter  Baden.

Gereon,  Dr.  Nikolaus,  kurmainzischer
  Vizekanzler  143°,  154,  157%,
334°,  339,  376,  555,  647.

Gering,  David,  Bürgermeister  von
Nördlingen  218,  698.

Germersheim  9%.

Gernandt,  Dr,  ansbachischer  Rat
und  Kanmmermeister  697.

Gersdorf,  Georg  von,  böhmischer
Ritter  165";  —  Ulrich  von  522°,

Gerstenberg  auf  Schwerstädt  und
Drakendorf,  Dr.  Marx,  kursächsischer
geheimer  Rat  12,  13°,  16,  18,  69°,
107”  ?,  166,  179,  2081,  3ö6f.,  373ı
388,  394,  4021,  404  f.,  424!  2  425
u.  A.  1,  431,  439,  441,  450,  456,
465,  481,  487°,  532,  616  f.,  620,
647,  650,  662,  690,  ‘91  u.  A.  2,
“928,

Geuer,  Melchior,  Kanzler  des  Erzherzogs
  Maximilian  763?,  776°.

Gewold,  Dr.  Christoph,  Geheimsekretär
  des  Herzogs  Maximilian
vn,  Baiern  80',  109  u.  A.  1,  276,

78,

Giengen,  Reichsstadt  519°;  Bürgermeister
  und  Advokaten  s.  unter
Laister,  Mumprecht.  Mitglied  der

Register

Union  279,  698,  703,  767;  Gesandte
zum  Unionstag  698.

Glatz,  Grafschaft,  281.

Gmunden  in  Oesterreich  ob  der
Enns  22.

Goedelmann,  Dr.Johann,  kursächsischer
  Rat  und  Agent  in  Prag  31.

Göllersdorf  in  Oesterreich  unter
der  Eons  297.

Götze  (Götz),  Sigmund  von,  kurbrandenburgischer
  Rat  396?,  422!,  128',
432,  434,  436°,  441,  43,  485,
448,  451,  480,  500,  528.

Goldstein,  Karl  von,  kursächsischer
  Oberstleutnant  68,  69?,  179
u.  A.  1;  —  Wilhelm  von,  Oberstleatnant
  in  ansbachischen  Dienst  ..

Goltz,  Günther  von,  Oberst  im  Dienst
des  Königs  Matthias  251,  252  u.  A.

Gomer,  Johann  Sigmund,  württembergischerKammerrat
  217,  6:9,  698.

Gonzaga,  Franz;  s.  Castiglione.

Gothofredus,  Dionysius,  kurfälzischer

  Rat  und  Professor  in
eidelberg  800  u.  A.  2.

Gradisca  501'.

Graitz  in  Oberfranken  752.

Granvella  581.

Grapler,  Gehoimsekretär  des  Königs
Matthias  485°.

Graubünden  169,  230,  279.

Gravamina  der  Reichsstände  fiberhaupt
  97,  126,  199,  206',  207),
221f.,  229,  234  f.,  236,  281,  425°,
472,  499,  500?,  507,  511,  550£,
512,  577,  579,  585,  637,  664  Ef,
673  f.,  678,  694,  697,  699,  “O0  u.
A.  3,  703f.,  Tııf,  714%,  715,
T19f.,  740,  747,  7491,  754  f.,  769f.,
772f.,  7751,  T7SL,  780  u.  A.  6,
Sir.  827f.,  839.  Beilegung
der  Gravamina;  s.  Komposition.
Besondere  Gravamina  der  Rvangelischen
  67,  94,  294,  295",
342,  399,  562;  der  Katholischen
  10°,  89,  Stellung  des
Känigg  Matthias  zu  den  Beschwerden
  399,  ‘04.  (Gravamina
derReichsstädte  28°.  Graramina
auf  den  Reichstagen  567  u.A.
1,  581,  666,  695,  700,  “Ol  u.  A.3,
02  f.,  773,  828;  Gravamina  und
Steuerbewilligang  236,  281,
566,  567  u.  A.  1,  579,  666,  «01,
03£.,773,828.  Unterscheidnng
der  Gravamina  5öl,  665,  702,  7Ot,
‘08,  711,  748,  754,  756,  769,  773,

817.
Graz  in  Steiermark  32,  51',  133,
        <pb n="883" />
        Register

176,  242,  254,  370,  452°,  4938,
596,  812,  836.

Greiffenclan  von  Vollrats,  Georg
Friedrich,  Dompropst  und  Kämmoerer
zu  Mainz  143°,  154,  334°,  376.

Greisster,  Wilhelın  de,  geheimer
Rat  des  Erzherzogs  Albrecht  146.

Grienberger,  Franz,  Kammerdiener
  des  Ersherzogs  Maximilian
30,  32°,  83,  164.

Grote,  braunschweig-lüneburgischer
Gesandter  130',  186?.

Grün,  Johann  Christoph  von  der,
kurpfälzischer  Kanzler  53f.,  34131,
376°,  477  u.A.  1,  515,  6291,  640%,
825°.

Grünthal  zu  Kremseck,  Wolf  Niklas
von,  niederösterreichischer  Begimentsrat
  63  u.  A.  2,  159  u.  A.  1,
162',  163,  307;  —  Hans  Joachim
von,  516.

Grundherr,  Leonhard,  Mitglied
des  Bats  von  Nürnberg  33,  75',
217,  698.

Günterode,  Heinrich  von,  Ritter
und  Kriegaoberst  119?,  583,  584°,
596,  597',  610  u.A.2,  620  u.A.3,
621,  623  un.  A.  4,  624,  642,  644°,
657,  680  f.,  692!,  693  u.  A.  1,  708
u.A.  1,  710,  «13!,  733,  738,  7-4,
143',  49  u.  A.  1,  «59f.,  790  u.
ad  799  u.  A.  1,  801,  822,  839,

Gundelfinger,  Johann  Konrad,
Eekretär  der  Stadt  Nördlingen  218,
698.

Guttenberg,  von,  Adeliger  562.

06,

Haag  in  Holland  112°,  124,
776,  188.

Hadamar,  Johann,  Bürgermeister
von  Speier  698.

Hämmorle,  Dr.  Hans  Ulrich,  Reichehofrat
  177  u.  A.  8,  650°,  671,  6721,
6731,  836”.

Hafnerzell  in  Oesterreich  ob  der
Enns  1!.

Hahn,  Paul,  Agent  des  Erzherzogs
Maximilian  in  Prag  352',  396!,  815.

Haiduken  615,  843.

Halberstadt,  Bistum;  s.  unter
Braunschweig.  —  Stadt  605.

Hallein  in  Salzburg  639.

Haller  von  Hallerstein,  Ernst,  Mitglied
  des  innern  Rats  von  Nürnberg
  217,  447,  698.

Haller,  P.  Richard  8.  J.,  Beichtvater
  der  Königin  Margareta  von
Spanien  5l  u.  A.  2,

861

Hamburg  83%.
Hamm  in  Westfalen  98.
Hanau,  Graf  Philipp  Ludwig  528,

763%,  815  u.  A.  1,  821°,  822,  834,
836,  2  f.
Hannewald  von  Eckersdorf  auf

Tschirnitz  und  Damsdorf,  Andreas,
kaiserlicher  geheimer  Rat  2',  13°,
133?,  1541,  177,  239,  284,  291°,
293°,  425°,  588.  Verhältnis  zu
König  Matthias  4251  2,427,  438,
460,  464,  5222,  555,  558,  734!,  792
u.  A.2,  814.  Misstrauen  gegen
Hannewald  516,  703  Verhaftung
des  Hanpnewald  und  Prozess  304,
316,  341,  3474,  355,  3941,  396°,
411f.,  425,  438,  441*,  442,  445,
459°,  466,  470'!,  523  u.  A.  1,  543,
553  u.  A.  4,  560.  Rehabilitation
und  Wiederverwendung  583,
585,  587,  608,  621,  624,  625  u.
A.  2,  648,  657,  689,  690  u.  A.  1,
00,  733,  734  u.  A.  1.4,  736  f.,
741!,  763,  790°,  791  u.  A.  1,  7922-4,
‘99,  813,  817,  8367,  843  f.

Hansestädte  93,  221,  452°,  Verbindung
  mit  Spanien  706.  Eintritt
in  ‚dio  Union  228f.,  279,  703,  705  £.,
‘  .

Hardeck,  August  Graf  von,  Rat
des  Königs  Matthias  316',  357%.
Hardenradt,  Johann,  Bürgermeister

  der  Stadt  Köln  808°.

Harmb  von  Eyers,  Hans  Jakob,  Rat
des  Erzherzogs  Leopold  265  u.  A.  1.

Hartheimsche  del  387.

Hartlieb,  genannt  Walsporn,  Dr.
Johann,  Syndikus  der  Stadt  Strassburg
  ©5!,  217,  698.

Haslang,  Alexander  von,  bairischer
Oberst  und  Generalwachtmeister
188°,  191  u  A.  1,  4171.

Hastal,Martin(Favonius),  Kammerdiener
  Rudolfs  II.  83',  543n.A  1,
6921,

Hauenstein,  Dr.  Marquart,  bischöflich
  speirischer  Kanzler  154.

Haunsheim  bei  Laningen  689°,
739°,

Hausen,  Wolfgang  von,  Bischof  von
Regensburg;  s.  unter  Regensburg.

Hauser,  Dr.  Christopb,  Kammerdiener
  Rudolfs  II.  und  Alchimist
83!,  316°,  517  u  A.  3,
5191  ?,

Hausmann  Martin,  kurpfälzischer
Sekretär  4,  190,  217,  332°,  500,
503,  685",  697,  149,  72f,  808,
825°,

NO
452°,
        <pb n="884" />
        862

Hausstreit,  österreichischer  2',  12
u.  A.  2,  63,  82,  97,  160,  184  f.,
293°,  296,  307,  606,  GIL£,  631,
673.  Einwirkung  Christians  von
Anhalt  610%;  des  Herzogs  von
Braußäschweig  s.  unter  Braunschweig;
  der  Erzherzoge  insgesamt
  208!1,210',211;  des  Ersherzogs
Ferdinand  s.  unter  Ferdinand,
des  Kurfürsten  von  Köln  s.  unter
Köln;  der  Kurfürsten  insgesamt
  272  f.,  273°,  318,  319",
350,  351°4,  365  u.  A.  4,  366f,
3674,  373,  375  u  A  1,  388,
390,  392,  393  u.  A.  1,  394  f.,
396%,  397  f,  402  f.,  405,  408
u  A.  2,  409  f.,  412  u.  A.  9,  414,
420u  A  2.  3,  421u  A.1,  423  f.,
426  f.,  428°,  130,  431",  432  u.  A.1,
4341,  436,  442f,  445  u.  A.  4,
452°,  456,  459°,  465,  468,  469",
472,  475°,  479,  4811,  482,  483",
486,  488  f.,  491,  4195,  497,  499  £.,
500,  510,  514,  516,  524,  525
u.  A.  1,  5322,  533,  5412,  552%,
5542,  556,  569,  571  f.,  583*,  602,
607,  611,  613  u.  A.  1,  621  f.,
623  u  A.  1,  625,  64,  657,  602
u.  A.  2,  670,  672,  690,  7I1f.,
736  f.,  741,  7421  ?,  772,  814,  816f,
824f,  843;  der  geistlichen
Kurfürsten  insbesondere  98,  151  f.,
367,  8751,  393  u.  A.  1,  Allf,
414,  526f,  560,  620,  649,  657.
Hausstreit  beim  K  urfürstentag
398,  481',  511  f.,  532  u.  A.  2,
538,  652%,  554  u.  A.  2,  5581,  569,
571,585,  602,  611  f.,  622,  623  u.  A.
4,  ce,  644,  657,  659,  6741,  687,
7ı1f.,  737,  741,  744.  Einwirkung
des  Kurfürsten  von  Mainz  s.  unter
Mainz.  Bedeutung  des  Hausstreits  für
das  Haus  Oesterreich  48!,  60f.,
102  f.,  207,  209  f.,  247',  253,  317,
341',  357*,  364,  372,  394,  396°,
401,  410,  428!,  444,  451,  452°,
4541,  459,  461’,  469,  485°,  487,
510,  522%,  524,  527,  529,  545,
554°,  557,  604f.,  612,  619,  625,
649,  658,  711,  737f.,  «65.  Einwirkung
  des  Papstes  47,  488,
86,  99,  164,  165°,  201  f.,  208  f.,
213,  259,  286,  308,  345,  361,
364,  371%,  419,  427,  534,  625,  711.
Prager  Konvent  der  Kurfürsten
u.  8.  w.  7,  10%,  151,  47,  55,  77%,
«9  f.,  85  f.,  89,  100,  102,  118,
134,  146,  1611,  1621,  164,  209,
211,  246  f,  257,  D7Lf,,  303,  328  f.,

Register

350,  351",  3574,  3661,  372,  378,
393,  398,  430,  504,  515,  321,
522°»,  577,  643,  705°,  738,  «41,
769,  814,  817,  827,  837.  Ham
streit  und  Reich  se.  unter  Reich.
Gefahr  des  Hausstreits  für  die
katholische  Religion  254,  327,
545,  595,  619,  624,  649,  658,  669,
672.  Einwirkaug  des  Hauses
Sachsen  13  u.  A.  3,  23,  24,
147,  178f.,  209,  210',  246  u.  A.
3,  282,  285,  2%,  354*,  364,  365
u  A.  4,  366  u  A.  1,  367  u.  A.  1,
372  f.,  3731,  387  f.,  390,  392  f.,
394  f.,  396°,  400,  402  f.,  405,  408°,
409  f.,  414,  420  a.  A.  1.2,  21
u.  A.  1,  429f.,  434°,  458,  471,
474,  475°,  489  f.,  491°,  516,  527,
622,  644?,  688°,  689,  713,  825.
Hausstreit  und  Spaniens  4‘,
48°,  82,  85f.,  118,  146f,  1%,
203,  213,  215,  250  u.  A.  2,  251,
259,  285  f.,  287,  345  f.,  348,  361,
364,  390  f.,  401  f.,  409,  427  u.A.2,
428,  444,  447,  451,  452%,  156,
478f,  482,  492,  494  f.,  524,  534,
536  f,  586,  649,  657,  669,  TU.
Stellung  der  Union  zum  Hamstreit
  399  u.  A.  1,  400°,  441,  500
u.  A.  2,  604,  610%,  619,  666,  671,
674,  687,  711£.,  713%.  Vertrag
von  1606  296,  301;  von  1608  4i,
326  u.  A.  1,  330,  350,  360,  37,
392,  400,  420°,  643;  von  1610  13,
23°,  24  u.  A.  1,  3ır,  47,  57,  59,
67°,  85,  86  u.  A.  2,  9,  100,  1,
104,  120°,  165°,  178,  202,  24
ud.  1,  328,  341,  3514,  372,  40,
402  f.,  424,  4321,  461:  ?,  462,  504,
523,  557,  570,  587,  636,  643,  694;
Unterhändler  des  Vergleichs  von
1610  351°,  357?,  397,  401,  403  f.,
421.  Vergleich  von  1611  2,  12f.,
22,  31f,  58°,  60,  63%,  82,  8,
90%,  96,  100f.,  104,  120  f.,  127,
146,  148°,  151,  153,  174,  178f,,
196,  207,  210,  246,  250  u.  A.  2,
251  u.  A  2,  2541,  257,  259,  28,
284,  290°,  292,  308,  315,  318  f.,
341,  344  u.  A.  1,  346,  349,  351
u.  A.  1,  357*,  362,  364°,  365,  370,
390  f.,  400f.,  405,  408°,  411,  419,
424°,  431',  457,  461,  462  u.  A.1,
463,  464  f.,  466  u.  A.  1,  Mr  ff,
469  u.  A.  1,  478,  486f.,  488
u.  A.  2,  492,  494f.,  505,  510f,
514,  52lf,  592  u  A  3:

u.  A.  1,  524,  525  u.  A  1,  536,
5271,  529,  532  u.  A.  2,  5331,
        <pb n="885" />
        Register

Alf,  Si4f.,  546°,  552  u.  A.  4,
H53*,  556,  5581,  560,  570,  578,
583  u.  A.  3,  585f.,  601  u.  A.  3,
602,  605,  606!,  608  u.  A.  1,  611,
613',  621,  622  u.  A.  1—7,  623
u.  A.  1.3.4,  624°,  632  f,  644
u.  A.  2,  649,  651,  658  f,  669,
670  u.  A.  2,  671  f.,  674  u  A.1,
631,  687,  688  u.  A.  1.  2,  689,
693!,  697,  699,  703,  711,  718,
28,  736f.,,  741  u.  A.  1,  742
u.A  1.2,  751,  758  f.,  760,
764  u.A.  1,  770,  772,  780%,  789,
8ıl,  814,  816f.,  823  f.,  828,  843,
44”,

Hedemann,  Dr.  Erich,  braunsch
  yeig-Iünebnrgischer  Rat  130",

Hegeunmüller,  Hans  Ruprecht,
Reichshofrat  177,  185,  240,  242,
292°,  296,  300,  333,  516,  588;
Schickung  zu  den  geistlichen
Kurfürsten  87  u.  A.  1,  98f.,  106
u.  A.1,132',  438;  Schickung  nach
Salzburg  2',83°,  871,  132u  A.1,
133°,  149  f,  182,  183%,  Verhaftung,
  Prozess  und  Freilassung
291,  304,  316,  341,  347%,  3581,
355,  396°,  A11f.,  425u.A  1,  427,
438,  441%,  442,  445,  459°,  5227,
5231,  553  u.  A.  4,  555,  560,  583
Ye  2,  587,  648,  822  u.  A.  1,

‚Ss.

Heher,  Dr.  Georg,  Advokat  der
Stadt  Nördlingen  218,  698.

Heidel  von  nstein,  Georg,
Primator  von  Prag  242  u.  A.  |,
4251-?,  553%.

Heidelberg  28,  50,  52,  53%,  63?,
66',  70,  1128,  123,  161°,  248°,  261,
4725,  515,  539%,  550,  551°,  626,
6291,  679,  6921,  782%,  787,  790,
794,  801,  839,  842.

Heidenheim  ander  Brenz  764°,8U01.

Heider,  Kaspar,  Bürgermeister  von
Nördlingen  218,  698.

Heilbronn,  Reichsstadt  36,  39,  40',
75,  197  f.,  2241,  279,  667,  679,
07.  Konvent  der  ausschreibenden
Unionsstädte  daselbst  8.  Union,  unter
Städte.  Magistrat  75';  s.  auch
unterDirr,  Feyerabend,Ortb,  Spitzer,
Weinmann,  Würth.  Unionsstand
218,  227,  698,  7871;  Gesandte
zum  Unionstag  218.

Heinrich  I.,  deutscher  König  831.

Heinrich  IV.,  deutscher  Kaiser  457.

Heinrich  VIII.,  König  von  England
s.  unter  England.

863

Heinrich  IV.,  König  von  Frankreich
  8.  unter  Frankreich.

Heinrich,  Herzog  von  Lothringen
8.  unter  Lothringen.

Heinrich  Jnlius,  Herzog  von
Braunschweig-Wolfenbüttel  s.  unter
Braunschweig.

Helfenstein,  Graf  Frobenius  von,
gewesener  Präsident  am  Reichskammergericht
  80,  187,  155,  271},
337,  882°,  387,  417,  4181,  732  u.
A.  3,  799,  813,  823  u.A.2;,  —
Graf  Rudolf  732.

Helffrich,  Paul,
Rat  17*.

Helmstätt,  Philipp  von,  markgräflich
  badischer  ‘Rat  698;  —  Pleikhard
  von,  kurpfälzischer  Vizedom  zu
Neustadt  u».  H.,  Kriegsoberst  der
Union  227,  564,  567',  709*,  786.

Henckel  von  Donnersmark  auf  Gföhl
und  Vösendorf,  Lazarus,  Hofbandelsmann
  in  Prag  240,  334,  585  u.  A.  3.

Henneberg,  Grafschaft  398',

Hennegau,  Grafschaft  71.

Hennot,  Hartger,  kurkölnischer  geheimer
  Kat  und  Kanonikus  151  u.
A.  3,  812  u.  A.  2,  813f.,  821f.,
812;  —  Seraphin,  Rat  des  Erzherzogs
  Leopold  501'.

Henricus  Aqueneis  se.  Vivarius.

Hensel,  Jakob,  kurmainzischer  Sekretär
  10,  114,  3791,  651!,  762°.

Herberstein,  Johann  Sigismund
Freiherr  von,  Feldmarschall  in  dem
Heer  des  Könige  Matthias  171',
175  u.  A.  2,  178,  188*,  194*,  213
u.  A.  2,  214°,  251,  252  uw.  A.  |,
254,  256  f.,  289  u.A.  1,  362,  402°,
403,  419,  420  u.  A.  1.

Herbst,  Philipp,  Ratsschreiber  und
Syndikus  der  Stadt  Windsheim
218,  698.

Hertel,  Gottfried,  Reichshofratssekretär
  239,  444  f.,  462°,  460',
461,  467,  543,  601°,  689,  690  u.
A.  1,  6931,  733,  734,  736,  TH,
7634,  791,  7971,814,  818°,  836,  843.

Herwart,  Dr.  Johann  Georg,  bairischer
  Landschaftskanzler  109,  188°,
270.

Hessen-Cassel,  Landgrafschaft  539,
650.  Erbverbrüderung  20',225.
Landgraf  Moriz  123°,  315°,  400,594,
604,  6341,  637,691.  DessenVerhältnis
zu  Frankreich  604.  Verhalten  im
jülicher  Streit  20!,  124,  154,
208',  5311,  05,  652  w.  A.  2,
730°.  Kriegsvolk  562,  564,  567"

kursächsischer
        <pb n="886" />
        864

Verhältnis  zu  König  Matthias
343',  406°,  515f.,  544,  594,  614,
618,  659.  Räte  se.  Monnep,  Starschedol,
  Wiedemärcker.  Verhältnis
  zu  Rudolf  ID.  509  u.  A.  1,
582,  594;  kaiserlicher  Kommissar
sum  Kurfürstentag  544,  552,  560,
582,  585,  588  u.  A.  2,  593,  595,
601  u.  A.2,  4,  603,  606  f.,  617  f.,
629,  634,  640°,  652,  659,  661,
761,  763,  799,  823£f.,  814u.A.2;
Unionsstand  106,  119'-?,  217,
222,  225,  230,  279,  433,  500  u.
A.  2,  538,  562,  579,  594,  668,
679,  698  f.,  706,  707  u.  A.2,  718,
124,  765,  767  f.,  774°,  775  u.A.2,
776,  185°,  788,  794.  Gesandte
zum  schweinfurter  Unionstag  217,
221,  223,  228,  230,  232  f.  237.
Landgraf  Otto  652°.  Landgraf
Philipp  der  Grossmütige  581.
Landgraf  Wilhelm  515.

Hessen-Darmstadt,  Landgrafschaft.
Landgraf  Ludwig  40',  54',  315°,
321.  Dessen  Verhältnis  zu
Braunschweig  516.  Vermittlung
  im  jülicher  Streit
20',  68,  106.  Verhältnis  zu  den
Katboliken  80,  519°.  Eintritt
in  die  Liga  135,  312.  Vorhältais
zu  Mainz  16.°,  306°,  323  u.  A.  1,
377!,  389,  406  u.  A.  3,  446,  515,
620°,  646;  zu  König  Matthias
343',  406  u.  A.  3,  4961,  515,  522,
Privatpraetensionen  ld.  Verbältnis
  zu  Rudolfll.  154',  185;
kaiserlicher  Kommissar  zum  Kurfürstentag
  593,  603.  Verhältnis
zu  Sachsen  406  w  A.  3,  515,
582,  646;  zu  Spanien  496',  620°,
646  u.  A.  3;  zur  Union  228,
279,  768.

Heuchelin,  Dr.  Kaspar,  pfalzneuburgischer
  Vizekanzler  217,  218
u.  A.  1,  219,  2951,  437°.

Hildesheim,  Bistum.  Bischof  Erast
Kurfürst  von  Köln.  Domkapitel
168.  Landstände  168.  Eintritt
in  die  Liga  169,  312,  336,  380',
382,  474°,

Hilpersdorf,  abgegaugener  Ort

bei  Schweinfurt  105.

Hoditzky,  Graf  Georg  von,  Oberstwachtmeister
  im  Heer  des  Königs
Matthias  177  u.  A,  2,  178,  289
u.  A.  1,  500!.

Ho&amp;amp;  von  Hohenegg,  Maximilian,  Rat
des  Königs  Mattthias  90  u.  A.  5,
152  u.  A,  4.

Register

Höchst  am  Main  323!,  389.

Höllerich,  Johann,  Mitglied  des
Rats  der  Stadt  Schweinfurt  218.

Hövelich  zu  Hülchenradt,  Johann
von  der,  kurkölnıscher  Marschall
und  Generalkommissar  der  Liga
109°,  275,  473,  474?.

Hofkammer,  kaiserliche  s.  unter
Rudolf  II.

Hofkirchen,  Georg  Andreas  Freherr
  von,  Oberst  im  Dienst  des
Königs  Matthias  175  u.  A.  5,
402!,  541.  —  Wolfgang  Freiherr
von  175°,  260.

Hofmann,  kaiserlicher  Kammerdiener
  424!.  —  Jakub,  Oberrichter
der  Stadt  Windsheim  218,  698.

Hofprozesse  s.  unter  Reichshofrat.

Hohenberg,  Grafschaft  589.

Hoheneck,  Otto  Heinrich  vos,
Dekan  des  Stiftes  Bruchsal  376.

Hohenlohe,  Graf  Georg  Friedrich,
kaiserlicher  Kriegerat  und  Kriegsoberst
  90,  165',  282,  319,  462,
588,  594,  605',  606,  736.  —  Graf
Philipp,  Oberst  im  Dienst  der
Generalstaaten  96.

Hohenzollern,  GrafEitel  Friedrich,
Chorbischof  und  Dompropst  zu  Köla
und  kurkölnischer  Grosshofmeister
154,  191  u.  A.  2,  324°,  376,
535,  25;  —  Graf  Johann  418);
—  Graf  Johann  Georg,  Präsident
des  Reichshofrates  1!,  11  u.  A.  1,
13°,  17,  24!,  25,  151,  235,  20),
291,  292°,  298,  3474,  3791,  605,
‘71;  Verwendung  im  Hausstret
(Schiekung  nach  Wien)  47  u.  A.?,
58°,  67°,  68°,  8t  u.  A.  1,  85,8,
111%,  117,  152t.,  2461,  287,  372.

Holländer  2,  unter  (feneralstaaten.

Holstein,  rzogtum  230,  279,
677;  Herzog  315°.  j

Horn  in  Oesterreich  unter  der
Enns  297,

Hoyer,  Gesandter  des  Herzogs  von
Braunschweig-Lüneburg  130%,  186'.

Hübner,  Tobias,  fürstlich  anbhaltischer
  Rat  698.

Hugoenotten  598.  B

Hunger,  Blasius,  Bürgermeister
von  Aachen  698.

Husmann  von  Namedy,  Johann
Wilbelm  von,  Chorbischof  zu  Trier
ana  kurtrierischer  geheimer  Rat
376.

Jäger,  Melchior,  württembergischer
Kanzler  (gestorben  vor  11.  April
        <pb n="887" />
        Register

1611)  154!,  293  u.  A.  2,  294  f.,
550  u.  A.  1.

Jägerndorf,  Herzogtum.  Ansprüche
Kurbrandenburge  248°,  erzog
Jehann  Georg,  Markgraf  von
Brandenburg  210,  256,  697;  dessen
(Gesandte  248.

Jägerndorf,  Stadt  211.

Jakob  I.,  König  von  England  s.
unter  Englanll.

Jauer,  Fürstentum  in  Schlesien  153.

Jesuiten  34,  77!,  90°,  231,  235  f.,
666,  677,  701,  751.  In  Aachen
660  u.  A.  2.  Beziehung  zu  Errherzog
  Ferdinand  4ö4f.,  45)".
Jesuiten  in  Köln  804  f.,  807.  Beziehungen
  zu  Erzherzog  Leopold
90°,  425°;  zum  Kurfürsten  von
Mainz  312,699.  Jesuiten  in  Prag
145!,  284,  455  u.  A.  1.  Stellung
zum  Religionsfrieden  699.
Beziehung  zu  Rudolf  II.  726t.
Jesuiten  in  Speier  ‘26;  in  Wien
425°,  726;  in  Worms  721  u.  A.2,
22,  726  u.  A.  1,  727,  8lö.  Zöglinge
  der  Jesuiten  702.

Iglau  in  Mähren  213,  249,  250  w.
A.  2.  2561  287.

Im  Hof,  Andreas,  Mitglied  des
ianern  Rats  der  Stadt  Nürnberg
:5!,  217,  698.

Indien  (spanische  Besitzungen  in
Westindien)  301,  358.

Infantado,  Herzog  von,  Mitgliel
des  spanischen  Staatsrats  18',  538.

Ingelheim  im  Rhein  X.

Ingelt,  Franz  Rudolf,  Dreizehner
der  Stadt  Strassburg  0698.

Ingolstadt  508",  599.

Innsbruck  50,  133,  215',  2161,
284,  307°,  4522,  636,  739.

Interim,  augsburger  115.

Interposition  im  Reich  s.  bei  Reich,
unter  Herstellung  des  Vertrauens.

Interregnum  iın  Reich  613,  632,
637,  697,  738,  830.

Joachim  I.,  Kurfürst  von  Brandenburg
  8.  unter  Brandenburg.

Joachim  Ernst,  Fürst  von  Anhalt-Bernburg
  s.  unter  Anbalt.

JoachimErnst,  Markgraf  von  Brandenburg-Anabach
  s.  unter  Anabaclı.

Joanelli  ‚  Hofhandelsmann  in  Prag
592,

Jocher,  Dr.  Wilhelm,  gebeimer  Bat

des  Herzogs  Maximilian  von  Baiern
und  Pfleger  zu  Dachau  29,  79,  99
u.A.  1,  137',  188°,  244,  276,  640,
«Wu.  A.  1.

Briefe  a.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Rd.

865

Johann,  Pfalzgraf  bei  Rhein  und
Herzog  von  Zweibrücken  s.  unter
Pfalz,  Administrator.

Johann  Casimir,  Pfalzgraf  bei
Rhein  und  Herzog  von  Zweibrlcken
s.  unter  Pfalz.

Johann  Casimir,  Herzog  von
Sachsen-Coburg  s.  unter  Sachson-Coburg.


Johann  Christian,  Herzog  von
Liegnitz  s.  unter  Liognitz.

Johann  Friedrich,  Herzog  von
Württemberg  s.  unter  Württeinbersr.

Johann  Goorg,  Fürst  von  Anhalt-Dessau
  8.  unter  Anhalt.

Johann  Georg,  Markgraf  von
Brandenburg,  Heızug  von  Jägerndorf
  8.  unter  Jägerndorf.

Johann  Georg,  Kurfürst  von
Sachsen  s.  unter  Sachsen.

Johannß8igismund,  Kurfärstjvon
Brandenburg  8.  unter  Brandenburg.

Jobann  Wilhelm,  Herzog  von
Jülich  s.  unter  Jülich.

Johanniterorden-Meister  170t.

Italien  138,  229,  377?,  381°,  5011,
590,  629!,  668.  Fürsten  in  Italien
170!.  Bedrohung  der  katholischen
Kirche  in  Italien  595.  Kriog»-volk
  in  Italien  176,  231',  419.
Reichslehen  in  Italien  592,  619.

Judenburg  in  Steiermark  813°.

Jitlicehsche  Lande.  Anhang  Brandenburgs
  126;  Ansprüche  Brandenburgs
  s.  unter  Brandenburg;  Bolehnung
  Brandenburgs  mit  Jülich
441,  449  u.  A.  1.  England  und
der  jülicher  Streit  s.  unter  Englanıl.
Erbstreit  126,  300,  306,  322,375,
418,434,  693f.,  745  f.;  Austrag  des
Rechtestreits  127,267  f.  Feldzux
von  1610  130,  176f.,  276,  629!,  689.
Frankreich  und  der  jälicher
Streit  s.  unter  Frankreich.  Goneralstaaten
  im  Firbstreit  8.  unter
Goneralstaaten.  Herzoge  720°,
‘0,  Herzog  Johann  Wilhelm  207,
301;  Herzog  Wilhelm  IV.  376!.  —

JütorbogkerVergleich.  Dessen
Entstehung  201,  08  f.,  69%,  721,
106  f.,  122  f.,,  158,  161,  272.
Verhalten  Brandenburgs  107  u.
A.  1,  166,  174,  180°,  265  f.,  276,
654.  Verhalten  Neuburgs  265,
‘«97!,  8.  auch  unter  RBatifikation.
Vorhalten  Sachsens  106f.,  266  f.,
6563.  Handlung  276.  Abschluss
des  Verg'eichs  217,  228,235,  265  f.,
268  u.  A.  1],  286,  295,  306  u.  A.  2,

I)
        <pb n="888" />
        866

323°,  368°,  375,  398,  405,  418,
442,  448  f.,  504,  564,  569,  584°,
596,  605,  610,  653,  656  f.,  704,
68,  770,  783.  Die  Katholiken
und  der  jüterbogker  Vertrag  654.
Ratifikation  durch  Neuburg  411,
489,  596,  652°,  6531,  654  f.,  656%,
719,  723  un.  A.  3,  730  u.  A.  2,
783,  840;  Ratifikation  durch  Rudolf
  II.  69,  107  u.  A.  1—3,  3941,
420°,  441,  487°,  489,  531',  652,
653  u.  A.  1,  6ötf.,  797!;  8.  auch
bei  Rudolf  II.,  unter  jülicher  Politik.
Union  und  jüterbogker  Vertrag
279,  399,  730.  Unterhändler  des
Vergleichs  20',  68,  69°,  73',  106  f.,
220,  652.
Kommission  in  Köln  16,  18,
20!,  29!,  42,  5öf.,  57,  65,  89,  106,
174,  268,  465.  Kurfürsten  und
Erbstreit  87".  Land  und  Leute  in
Jülich  47,  53,  64,  125,  267  f.,  276%,
298,  300f.,  328,  417,  489,  633,
656,  689.  Landstände  107",
126,  267,  295,  300,  652°,  730°,
7974.  Landtage  98,  730°.  Lehen
in  Jülich  20,  42  f.,  130,  669,  812.
Erzherzog  Leopold  in  Jülich  s.
unter  Leopold.  Lizenten  in  Jülich
28°  und  unter  Lizenten.  Liga
und  Erbstreit,  s.  unter  Liga.  König
Matthias  und  der  Erbstreit  s.unter
Matthias.  Neuburgs  jülicher
Politik  s.  unter  Neuburg.  Absichten
des  Hausee  Oesterreich  auf
Jülich  43,  53,  66,  101,  124,  241,
654.  Bestimmung  des  passauer
Kriegsvolkes  nach  Jülich  es.  unter
passauer  Kriegevolk.
Possidierendeo  Ffirsten  in
Jülich  7  f.,  8',  11,  15,  17  f.,  201,
241,  25,  291,  43,  Döf.,  57,  64,  72
u,  A.  1,  98,  101,  123,  140  f.,
157,  177,  253,  266  f.,  298,  300,
385,  417,  563  f.,  652°,  654,  666  f.,
700%,  719,  720  u.  A.  3,  770,  788,
803°,  813,  837.  Assistenten  der
Possidierenden  20',  29  u.A.1,  43,
72,  94,  123f.,  161°,  204,  267,  268
uA.1,  275,  300,  652?,  653!,  656,
666,  729°,  776,  782.  Kriegsvolk  der
Possidierenden  98,  141,  266,  385  f.,
417.  Prinzipale  der  Possidierendon
2:  Stattlialter  der  Possidierenden
Pfälzische  Interessen  in  Jülich
8.  unter  Pfalz;  Rudolf  II.  und  der
jülicher  Streit  s.  bei  RudolfII.,  unter
jülicher  Politik;  Exekution  der

Register

kaiserlichen  Mandate  11:-*,  13°,  16
u.A.1,42f.,55f.,  61,  101  f.,  121£.
126,  139,  157,  267.  Sachsen  is
jülicher  Streit  s.  bei  Sachsen,  unter
Jülich.  Absichten  Spaniens  s.  ba
Spanien,  unter  jülicher  Erbastreit.
nion  und  jülicher  Erbstret  s.

bei  Union,  unter  jülicher  Erbetreit.
Untertanen  124,  127.  Verträge
  wegen  Jülich:  Dortmunder
Vertrag  126,  654;  Haller  Vertrag
126,  204.  Ansprüche  Zweibrückens
  s.  unter  Zweibrücken
Jülich,  Stadt  und  Festung  ;,  1:,
55f.,  98,  113,  125,  167,  185,  241,
253,  257  f,  260  f.,  297,  353,
420',  700°,  7293,  776,  812,  8:  f.
Jüterbogk,  Stadt  107  u.A.  1.  ,
166,  167°,  189*,  220,  267  f.,  Ri,
Jüterbogker  Vertrag  s.  unter

Jugert,  Dr.  Franz,  Syndikus  der
Stadt  Speier  218,  698.
Ju  28,  Michael,  kurpfälzischer  Furise

Justizwesen  im  Reich  10%,  81,
177,  206!,  272,  396,  511,  581,  62°°,
631,  676,  702.  Verbesserung
67,  568,  575,  579,  613,  H6äf.,
673,  694,  744,  779,  802,  817,  83.
Hofprozesse  s.  unter  Beichs
hofrat.  Justizpunkt  beim  Karfürstentag
  272f.,  5581,  568,
576,  577°,  639,  6521,  681,  69;
aufReichatagen  566,  6:5,  01‘,
‘03,  05,  772f.  Sperrung  de
Justiz  77!,  97,  235,  572,  678,  8%

Kärnthen,  H  25,  2%.
369,  450'.  Stände  des  Landes  1:6.

Kaiser  e.  unter  Rudolf  IL

Kaiserswerth  bei  Düsseldorf  1%,
191,  274!,  3811,  385  f.,  417.

Kaiserwahl  s.  unter  Suocession.

Kaisheim  (Kaisersheim),  Abtei  bei
Donauwörth.  Streit  mit  Neuburg
36  u.  A.  2,  53,  206!.

Kalmar  in  Schweden  605.

Kammorgericht  e.  unter  Rech
kammergericht.

Kardinalskollegium  202.

Karl  der  Grosse  832.

Karl  IV.,  deutscher  Kaiser  157,  814.

Karl  V.,  deutscher  Kaiser  17,  8%,
115,  149,  301,  319,  544,  581,  63
u.  A.  2,  Tö4f.,  832.

Karl,  Bischof  von  Bresian  und  Er»
herzeg  zu  Oesterreich  s.  unter
Breslau.
        <pb n="889" />
        Register

Karl  Emanuel,  Herzog  von  Savoyen
  8.  unter  Savoyen.

Karlstein  bei  Prag  109°,  118.

Kempten,  Reichsabtei.  Abt  Heinrich
  416.  .  Ligastand  269',  377.

Kempten,  Reichsstadt;  Unionsstand
  217,  222,  2271,  698,  787t.

Kessel,  Christoph,  badischer  Rat
und  Obervogt  zu  Ettlingen  217,  698.

Kessler,  Dr.  Friedrich  Gottfried,
gräflich  döttingenscher  Rat  217,
698.

Khevenhillersche  Güter  in  Oesterreich
  ob  der  Enns  22.

Khlesl,  Melchior,  Bischof  von  Wien
und  Administrator  des  Bistums
Wiener-Neustadt  13',  84!,  94f.,
145*,  203'!,  260*,  284  u.  A.  8,  287°,
304,  316?,  316,  3521,  3531,  363°,
389  f.,  396°,  402  u.  A.1,  403,  405,
410,  424°,  4551,  4621,  4871,  522,
543,  552%,  553,  560,  616'-  °,  658,
693,  696  u.  A.  1,  737,  7411,  759,
764.  Beurteilung  Khlesis  172,
256!,  429,  481,  523  u.  A.  1,  609,
629,  711,  763,  842.  Verhältnis  zu
Brömser  545;  zu  den  Erblanden
  546,  658;  zu  den  Evangelischen
  im  Reich  253f.,  256',
288°,  334,  419,  503.  Verhalten  im
Hausstreit  349,  358,  361  £f.,
389  f.,  410,  438,  452°,  486f.,  489,
523  u.  A.1,  587,  602,  605,  658,  670%,
688',  ‘öl.  Kardinal  96,  361.
Schickung  zum  Kurfürstentag
65,  834°,  836,  812  u.  A.  2,  844.
Verhältnis  zu  Mainz  523u.A.1,
3241,  545,  5461,  628,  629!,  zu
König  Matthias  9Hf.,  153°,  172,
253  f.,  256),  288  u.  A.  5,  358,
36lf.,  487,  524,  609,  628,  629",
«il,  764;  zu  den  Nuntien  429;
zum  Papst  254,  396%,  740,
Stellung  zu  den  Religionsarteien

  503,  546,  609,  659.

erbältnis  zu  Rudolf  Il.  Yäf.,
153°,  253,  361,  410,486,  523",  587,
623°.  Rücktritt  697.  Beziehung
zu  Zuniga  WI.

Khrenberg  zu  Neuwaldeck  und
Erdberg  auf  Kreuzenstein,  Ulrich
von,  Vizekanzler  des  Königs  Natthias
  322,  583°,  602,  605,  689.

Khuen  zu  Belasy,  Freiherr  auf  Neu-Lengbach,
  Jobann  Eusebius,  geheimer
  Rat  des  Königs  Matthias
und  Oberst  zu  Komorn  250  u.  A.2,
254  u.  A.  1,  284°,  287°,  462,  481,
602,  605,  659,  688.

867

Kinsky,  von  Wchinitz  und  Tettau,
Adam  145'!;  —  Ulrich  145!,  181°;
—  Wenzel,  kaiserlicher  und  königlicher
  Rat,  später  Oberstjägermeister
im  Königreich  Böhmen  91!,  121',
14tf.,  145"  2,  181°,  183*,  186,
188*,  215,  2161,  250°,  252,  284  u.
A.  5,  3441,  346,  425°,  429  f.,  445,
4169,  478!,  557,  586!,  587,  588",  620,
689;  Wenzels  Beziehungen  zu  Erzherzog
  Leopold  188,  194°;  zu  König
Matthias  147,588,  688;  zu  Rudolf  II.
146°’;  zu  Zuniga  145',  195,  688,
689'!;  —  Wilhelm  145,  181?

Kirche,  katholische.  Lage  der
Kircbe  und  der  Katholiken  im
Reich  455,  508f.,  598,  633  #.,  636,
616,  739  u.A.4,  40  w.A.  1,  744,
«49,  750  u.  A.  1,  761°,  778,  802,
821,  835,  811.  Beformation  in  der
deutschen  Kirche  77.  Versicherung
der  katholischen  Religion  in  Deutschland
  634,  636.

Kisch,  Stephan,  kursächsischer
Schösser  zu  Salza  7ä7!.

Kitzbühel  in  Tirol,  Herrschaft  170.

Kleinsträtel,  kaiserlicher  Rat  1',
27,178  u  A.|1.

Klostersetreit  s.  bei  Reichskammergericht,
  unter  Klosterstreit.

Knoeringen,  Heinrich  von,  Bischof
von  Augsburg  s.  unter  Augsburg.

Koburg  s.  Coburg.

Koblenz  s.  Coblenz.

Köler,  Hauptmann  eines  nürnberger
Fähnleins  35.

Köln,  Kurfürstentum.  Domkapitel
276  u.  A.  2.  Kurlürst  Ernst  140,
24,  253,  2651,  271  wA.  3,
2732,  306°,  312  f.,  348',  351%,  354
u.  A.  2.  4,  387,  398',  408,  417,
421,  435,  456°,  488°,  489  u.  A.  1,
493,  554°,  5581,  582°,  601*,  631,
635,  651,  659,749,  821.  Im  aachner
  Handel  762,  813‘.  Im  pfälzischen
  Administrationsstreit
692!,  800  u.  A.  3.  Beziehungen
zu  Erzherzog  Albrecht  535,  559,
625;  zu  Baiern  (Herzog  Maximilian)
  631  f.,  639,  640°.  Haltung
im  österreichischen  Hausstreit
98,  154,  361,  367',  375,  392,  393
u.  A.  1,  412,  436,  458  u.  A.  2,
4752,  481  u.  A.  2,  488  f.,  490.
Politik  im  jülioher  Erbstreit
210,837.  Kurfürstentag  504,
577°,  616,  650  f.,  6521,  662°,  681.
Beziehung  zu  Erzherzog  Leopold
628.  Ligamitglied  B’,:,15u.

55°
        <pb n="890" />
        868

A.3,  63!,  79£.,  97,142,  154  f.,  168,
314,  323,  324  u.  A.1,  334,  376,  378,
380  u.A.1,  381  u.  A.1,  382,  384  f.,
417.  Beziehung  zu  König  Matthias
  488,  489  u.  A.  1,  514,  529,
541°,  625  v.A.  1.  Beim  prager
Konvent  7‘,  ıYf.,  97,  272,  628.
Räte  60  f.;  s.  auch  unter  Bucholz
Hennot,  Hohenzollern,  Landsberg,
Wintzler.  Verhältnis  zu  Rudolf  ll.
388,  628;  zu  Spanien  44,  4)!,
107*,  361,  609,  829.  Stifter  des
Kurfürsten  8',9,  109°,  155,  168,  312,
336,  380',  382,  386,  474”.  Haltung
in  der  Successionssache
163  f.,  349,  361,  488,  559,  627,
6291,  6411.  —  Erzstift  Köln
(Territorium)  9,  10°,  98,  107£.,
109°,  138,  156,  1Wf.,  274£.,  276,
324,381,  385,  416.  —  Koadjutor
Ferdinand,  Hersog  von  Baiern  9,
107  u.  A.  4,  108  u.  A.  1,  109°,
190  f.,  244,  Z74f.,  276  u.  A.  2,
306°,  337,  609,  659,  744.  Geldnot
  108,  156,  1  u.A.1,  191f.,
274,  275  u.  A.  1,  276,  381°  3,
Ligastand  51!,  681,  88,  107  £.,
142  u.  A.  1,  190f.,  2741,  314,
324°,  376,  377°,  474°,  761°.  Räte
und  Diener  s.  unter  Hoevelich,
Wintzler.  —  Kriegsvolk  und
Kriegswesen  im  Erzstift  127,
155  f.,  190,  191  u.  A.  2,  192,  244,
274  u.  A.  1,  275,  313,  377?,  3801,
381,  383°,  385  f.,  473,  732%.  Landstände
  276  u.  A.2.  Lizenten
380'1,  386.  Anschlag  in  der  Matrikel
  und  Moderation  derselben
155  f.,  324,  336,  381  f.,  416.
Köln,  Reichsstadt  15',  54',  89,  106,
127,  268,  297,  473  u.  A.  2,  474%,
490,  120,  803°,  804  f.,  808°.  Evangelische
  Bürger  in  Köln  717'!,  718,
20,  728°,  770,  803u.A.2,  804  f.,
808'-?,  Eintritt  der  Stadt  in  die
Liga  382.  Rat  der  Stadt  141,
803  f.,  808°;  s.  auch  unter  Cronenburg
  nnd  Hardenrath.
Kolin  in  Böhmen  251,  586  f.
Kollonitsch,  Ernst  Freiherr  von
177;  —  Ferdinand  Freiherr  von,
Obeıst  im  Heer  des  Königs  Matthias
177,  251,  252  u.  A.  1;  —  Seifried
Freiherr  von  177,  419.
Kolowrat,  Herr  von,  Kämmerer
Rudolfs  11.  591,  593.
Kommunikationstag  der  Ligastände
  zu  Frankfurt  s.  unter  Liga  ;  —
von  Schwäbisch-Hall  8.  bei  Ad-Register



ministrationsstreit,  unter  Vermitt
lung.

Komorn  in  Ungam  256.

Komposition  s.  bei  Reich,  unter
Komposition.

Konstanz,  Bistam66.  Bischof  Jakeb
Fugger  von  Kirchberg-Weissenbors
80!,  883',  384,  590.  Domkapitel
383  u.  A.  1,  384.  Iigastand  2,
271,  382;  Gesandte  zum  Ligatag
269'1,  377,  382.  Räte  s.  Deschler.

Konstanz,  Reichsstadt  636.

Konvent  der  Kurfürsten,  Ersberzoge
und  Fürsten  zu  Prag.  e.  bei  Hau»
streit,  unter  prager  Konvent.

Kopenhagen  198°.

Korrespondierende  136,  s.  sonst
unter  Unierte.

Kosaken  187,  283,  304.

Kotzau,  Hektor  von,  Domproget  rm
Bamberg  10°,  376.

Kraft,  Hans,  Mitglied  des  älter

rote  von  Um  33.  369
rain,  Herzogtum  .

Krauseneck,  Paul  Freiberr  ron,
Präsident  der  kaiserlichen  Hofkammer
  111,  352',  591  u.  A.  2,  598.

Kreise  s.  Reichskreise.

Kriechingen,  d.  Ae.,  Freiherr  vos,
Oberst  im  elsässer  Kriegsrolk  66';  —
d.  J.,  Freiherr  von  13°.

Kronweissenburg  s.  Weiszenburg
im  Nordgau.

Krumau  in  Böhmen  12*,  5:  f,  &amp;amp;
u.  A.  1,  91  u.  A.  3,  109°,  1%,
1213,  171',  178,  188°,  194,  215,
259,  285,  292,  305'1,  329,  3.1,
463°,  490,  4193,  501'.

Kühbach,  Christoph,  Kanmamerdieser
Rudolfs  II.  316*,  353',  519%.

Küelmann,  Jakob,  württembergischer
  Rat  698.

Küstrin  in  der  Kurmark  (16'.

Kufstein,  Herrschaft  in  Tirol  1:11

Kurfürsten,  insgesamt  (Kurkolleg
und  Kurverein)  «4,  126,  139,  141,
148°,  157  wA.4,  162,  239,  24",
272f.,  302,  312,  322,  355,  MS,
398,  400°,  401  u.  A.  2,  415,  21
u.  A.  1,  423,  435,  451,  4,  4,
4r1f.,  476,  484,  485°,  4,  AM,
508,  608  u.A.1,  518,  519  u.  A.  4,
529,  550,  558  u.  A.1,  566  f.,  8,
577%,  601°,  618,  628,  681,  633.
688,  642,  649,  651,  692  u.  A.  I,
666,  673  u.A.1,  681,  GEL  F.,  “Ol?
«02,  45,  «46  u.  A.  2,  748,  751°,
175!,  778,  780  u.  A.  6,  188,  741.
99,  801,  803,  308",  818,  815
        <pb n="891" />
        Register  869

Blif.,  823,  826,  820,  831  f.,  839,
812.  Im  pfälzischen  Administrationsstreit
  s.  unter  Administrationsstreit.
  Stellaug  Böhmens
im  Kurkolleg  611,  613,  624.  Kurfürsten
  und  braunschweiger
Achtssache  20,  828.  Direktorium
  des  Kurfürstenkollegs  ».
unter  Mainz.  Ergänzung  dos  Kurkollegs
  139f.,  160,  268',  273,  368°,
398,  408°,  421,  477  u.  A.  1,  498,
504,  511,  519,  568,  572  f£.,  5778
619,  627°,  628,  6291.  638.  652,
655,  684,  687',  691,  7344,  TItf.,
«98°,  8UW,  817,  823,  826,  8H?.
Erneuerung  des  Kurvereins  H68,
5:5,  627°.  Intervention  der  Kurfürsten
  im  östersvichischen  Hausstroit
  s.  bei  Hausstreit,  unter  Kurfürsten.
  Kurfürsten  und  Komposition
  im  Reich  756.  Kurveroin
  s.  oben.  Verhältnis  der
Kurfürsten  zu  König  Matthias
323  f.,  396  u.A.2,  397  u.A.8,  402,
409,  412,  428'?,  432  WA.1,  442,
454',  456,  459?,  465,  484f.,  488  f.,
511?,  569  f.,  61OF.,  625  u.  A.  1,
644°.  Mistrauen  unter  den
Kurfürsten  398,  575,  663,  «44,  «60,
823,  826.  Praveminenz  der
Kurfürsten  148,  162,  434,  570,
638,  650.  Kurfürsten  und  Reichstag
  511,570,  576,579,  581,  638;  8.
auchunter  Kurfürstentag.  Kurfürsten
und  Successionsfrage  97,  14
n.  A.  1.  2,  148,  159  u.  A.  3,  160,
161',  164,  272  f.,  302,  305,  343%,
338,  406  u.  A.  3,  440,  447,  466!,
479,  485,  487,  188°,  489,  492,  515,
653,  568  f.,  572,  5:7,  594,  604,
625  f.,  537,  640°,  6rDf.,  690,  696,
699,  7421,  744,  822,  812,  OF.
Wahlrecht  der  Kurfürsten  401°,
628,  613,  632.  Zölle  der  Kurfürsten
  8249.

Geistilehe  Kurfürsten  78,  80,
87  u.A.2,  94,  97.  106,  113!,  1321,
134  f.,  139  f.,  157  u.  A.  4,  199,  215,
272,294!,314,  431',  630;  Haltung
io  der  aachener  Sache  818;  im
Administrationsstreitil3',
177,  248°,  530,  Sr4f.,  597,  629",
655,  684  f.,  692",  734,  803°.  Verhältnis
  zu  Erzherzog  Albrecht
s.  unter  Albrecht.  Geistliche  Kurfürsten
  und  die  Ausleger  im  Rhein
157  u.  A.  4,  273'!.  Stellung  zu
den  weltlichen  Bistumsadministratoren
  5.6;  zu  Brandonburg

  638;zudenGravaminaim
Reich  243,712;  zumösterreichischen
Hausstreit  s.  bei  Hausstreit,  unter
geistliche  Kurfürsten  ;  zum  jülicher
  Erbstreit  7,  298,  377  u.
A.  2,  379  u.  A.  1,  425°.  Haltung
beim  Kurfürstentag  595,  665,
744,  ‘58.  Verhältnis  zu  Erzherzog
Leopold  379'.  Stellung  in  der
Liga  ‘,  80,  142.  Verhältnis  zu
König  Matthias  286,  514,  526  f.,
540,  560,  607,  614,  625,  643,  678;
zum  Papst  95',  625,  739,  740!,
750!;  zuRudolfII.  und  zu  dessen
Regierung  151f.,  183*,  184,  273,
302,  3879  u.  A.  1,  519°,  582°,  587,
634  f.,  654,  665,  677,  701,  749  £.,
760,  761  u.  A.1.  2,  762,  828,  zu
Sachsen  573,  55,  620;  zu
B  anien  14,45  u.  A.1,  147,  4961,

526.  Stellung  zur  Successionsfrage
  148,  159,  160f.,  302,  348,
488!,  489,  514,  527,  625,  629",
Hal,  648,  833.  Zusammenkünfte:
  in  Coblenz,  resp.  Mainz
640?,  760  f.;  in  Frankfurt  14,  15  u.
A.3,  78,  97  f.,  114,  134  f.,  154  £.;
in  Mainz  80,  139,  379  u.  A.  1.

Rheinische  Kurfürsten  15',  43,
81,  140f.,  183,  273',  368.  Rheinischer
  Kurverein  139,  148°,
157%,  503,  577°,  651,  685.  Rega
  li  en  der  rheinischen  Kurfürsten
1.40,  157,273'.  Rheinzölle  380!.
Rheinische  Kurfürsten  und  die
Succession  620.

Weltliche  Kurfürsten  160,  393
u.A.  1.  4771,  408,  504",  573,  576,
33,  «44,  760Of.,  72,  88.  Im
Administrationsstreit  530?
629',  638,  663,  685,  826.  Weltliche
  Kurhäuser  dic,  503,
651  f,  820.  Stellung  zur  Successionsfrage
  100,  527,  825,
3833.  Zusammenkunft  der  kurfürstlichen
  Räte  692',  735  u.  A.  2,
78%,  828.

Kurfürstentage:  von  1574  (in  Mühlhausen)

  5:3;  von  1606  (in  Fulda)
213,  +7,  817,  825:  von  1611  (in
Mühlhausen,  resp.  Nürnberg)  62,
7  u.  A.1.2,  u,  126,  210?,  247!,
“  273  u.  A.  3544,  355,  356

.A.  |,  368  u.  r  2,  392,  3981,
101,  406°,  408°,  409,  all,  412°,
414,  41321,  aa4ı,  435,  439,  4481,
4501,  44  u.  A.1,  458,  4701,  472,
474,  175  0A.2,  476,  477  0.  A.  1,
188  u.  A.  1.  2,  4  u.A.  1.2,
        <pb n="892" />
        870

496',  500°,  504,  510,  5121,  5131,
514,  519,  521,  526f.,  539°,  543,
3495,  550,  558,  560  f.,  566,  568,
3773,  582,  585,  588,  594,  604,  608,
615,  620,  633  f.,  647,  666,  691,
‘o1?,  717',  718,  733  f.,  «39  u.  A.  4,
744,  746,  749,  «60!,  761  u.  A.  2,
763?,  768,  Of.  777°,  779,  783,
790°,  97,  «98  u.  A.  3,  99,  803°,
808°,  81l,  81ZFf.,  826,  28f.,  840,
842.  Kurfürstentag  und  Administrationsstreit
  e.  bei  Administrationsstreit,
  unter  Kurfürsten.
Ausschreibung  de  Kur
fürstentags  368”,  3%,  397,
398  u.  A.  1,  434',  436”,  476,  498,
508°,  509  u.  A.  1,  515,  577°,  611,
62834,  641!,  651,  660,  681,  682°,
734  u.A.4,  735,  816,  823f.,  829.
Bofördorung  des  Tages  durch
den  Kaiser  653  f.,  690,  692',  733  f.,
791,816,818.  Beschickung  durch
den  Kaiser,  s.  unten  unter  Kommissarin.
  Beschreibung  zum
Tag  529f.,  573,  651,  655  (s.  auch  bei
Pfalz,  unter  Kurfürstentag  und  bei
Brandenburg,  unter  Kurkolleg).  Besuch,
  persönlicher  434',  439,  504',
531!,  604,  663,  680%,  681,  690,
‘83,  «34  u.  A.  5,  735°,  745,  746°,
‘57,799.  Donauwörther  Handel
beim  Kurfürstentag  s.  unter  Donauwörth.
  Gesandte  zum  Kurfürstentag
  614,  616,  HOF,  821°,  834.
OesterreichischerHausstreit  beim
Kurfürstentag  s.  unter  Hausstreit.
Hinderung  des  Kurfürstentags
530,  531',554°.  Instruktionen
zum  Kurfürstentag  309  f.,513',594,
610,  618,  622,  631,  634,  640°,  656',
823f.  Kommissarien,  kaiserliche,
  und  Beschickung  durch  den
Kaiser  432,  439,  458,  504,  508,
509  u.  A.  1,  510,  519  u.  A.  4.  5,
544,  552,  560,  582  u.  A.2,  5SAf.,
588,  593  f.,  601  u.  A.  2.3.4,  603,
606  £.,  610,  612,614,  617£.,  620,  622,
629!,  647,  6ö1f.,  661,  675  f.,  687!,
693,  «36,  757  m.  A.3,  758,  v6Lf.,
780  u.  A.  6,  783°,  799,  801,  813,
8l6f.,  820,  823°,  824  f.,  8410,  844
u.  A.  2;  —  königliche  Kommissarien
  610,  615,  77  u  A.  3,  834
u.  A.3,  836,  842,  814.  Kurfürstentag
  und  Komposition  6:6,  :56,
63  u.  A.  2,  769,  782  u.  A.  2,
827.  Malstatt  368  u.  A.  2.
3,  397,  398  u.  A.  1,  435,  528,
529',  661  u.  A.  2,  662  u.  A.  2,

Register

6821,  778,  829,  Verlegung  der

Malstatt  5291,  551,  «db:  u.  &amp;amp;2,
«8,  «91!,  792  u.  A.  4,  99,  8ll,
842  u.  A.  2.  König  Matthias
und  Kurfürstentag,  s.  unter  Matthias,
Mehrheitsentscheidungen
684.  Nuntien  beim  Kurfürsten
tag’44.  Proposition  W091,577°,
601?,  616°,  825,828.  Ausschreibaag
eins  Reichstags  :03,  83.
Rudolf  U.  und  Kurfürstentag  «
unter  Rudolf  II.  und  oben  unter
Kommissarien.  Kurfürstentag  und
Successionsfrage  308,  166,514,
527,  541,  553  f.,  568  f.,  572f.,  38,
-  6081,  613  f.,  627  f.,  629,  632,  634  f.,
675,  6.8,  696,  744,  764,  782  a.
A.3,  825,  8390f.  Termin  38
u.  A.  3,  387,  398,  435,  453,  325,
661°,  662  u.  A.  2,  734  ®,  116),
‘8,  791.  Kurfürstentag  ud
Union  579,  700,  763,  769,  T72f.,
«80°,  Verbandlungsgegenstände
  des  Kurfürstentags  627',
628,  630,  639,  652!,  664,  6751,  6981F.,
705,  «19  f.,  744,  c53',  735,  169,054,
“X,  802  .,829f.  Verschiebung
des  Termins  601°,  617,  &amp;amp;21,  &amp;amp;4,
640°,  641',  619,  661  u.  A.  2,  669,
6:1  f.,  680%,  691,  746*,  757  f.,  820.
Zerschlagung  des  Kurfürstentags
685,  719,  778,  198°,  Worbereitonde
Zusammenkunft  der  kurfüntlichen
  Räte,  368,  398,  435,  530  a.
A.  2,  575,  577°,  681,  6821,

B,ackner,  Dr.  Wolfgang,  bairischer
Geheimsekretär  109,  308.

Ladenburg  am  Neckar  602,  ®6  f.

La  Fontaine,  Oberst  iın  elsässischen
Kriegsvolk  2311.

Laister,  Simon,  Bürgermeister  und
Ratsfreund  von  Giengen  6%

Lambach  in  Oesterreich  ob  der
Enns  83°.

Lamberg,  Georg  Sigmund  Freiber
von,  kaiserlicher  geheimer  Rat  300,

22u.  A.  1;  —  Karl  Freiherr  voa,
Erzbischof  von  Prag,  s.  unter  Prag.

Landau  in  der  Pfalz,  Reichsstadt.
Unionsstand  35,  119!-?,  217,  6%,
8,

Landfrieden  1%.

Landsberg  von  Erwitte,  Jobst,
westfälischer  Marschall  und  kaurkölnischer
  geheimer  Rat  393',  455’,
642  u.  A.  2,  588.

Landsberger  Bund  135,  169,  1:0".

Landshut  in  Niederbaiera  508°.
        <pb n="893" />
        Register  871

Landvogtei  in  Schwaben  s.  Schwabe


n.

Lang,  Philipp,  Kammerdiener  Rudolfs
  Il.  67.

Langen-Schwalbach  im  Taunus
‘91.  -

Langheim,  Abtei  in  Oberfranken.
Abt  721,  75Lf.

Lasotto,  Erich,  kaiserlicher  Kriogsrat
  und  Abdankungskommissar  1!,

7.

Lauf  an  der  Pegitz  839.

Lausitzon,  Markgrafschaften  127,
186,  240,  254,  283,  452°,  457°,
489,  584,  164,  :89.  (Grosandte  zum
prager  Generallandtay  374,  423,
452°.  Konfooderation  mit  Böhmen
542.  Loszäblung  vom  Eid  469',
486!.  Stände  284,  365',  389,  396',
401,  426  u.  A.3,  432,  464!,  478!,
485°.

Lautern,  Johanna  Engelbert  von,
kurpfälzischer  geheimer  Rat  148  u.
A.  2,  159  u.  A.  2,  160,  197,  217,
476,  697,  8.

Leipzig  54',  217.

Leitmeritz  in  Böhmen  144°,  147°,
585,  811.

Lenk,  Johann  Baptist,  kurpfälzischer
Agent  in  Venedig  667.

Leon,  der  Commendador  mayor  von
245°,  536,  538.

Leopold,  Erzherzog  zu  Oesterreich,
Bischof  von  Passau  und  Strassburg
4,  111°,  115,  152,  154',  157,  169,
214!,  264,  304",  333  u.  A.  1,  348,
353,  403,  5881,  680,  707,  TI3L.
Beziehungen  zu  Baiern  26  u.A.1,
27,  &amp;amp;0,  61',  99f.,  189;  besonders
zu  Herzog  Maximilian  s.  bei  Baiern,
unter  Maximilian;  zu  Herzog  Wilhelm
  e.  bei  Baiern,  uuter  Wilhelm  ;
Vermählung  mit  der  Herzogin  Magdalena
  s.  bei  Baiern,  unter  Magdalena.
  Absichten  auf  Böhmen
328,  369  und  unten,  unter  Sucoession
  in  Böhmen.  Beziehung
zu  den  böhmischen  Ständen
8.  bei  Böhmen,  unter  Erzherzog
Leopold.  Zur  Charaktoristik
der  Person  6.38,  641;  Neigung  zum
geistlichen  Stand  11ö,  194,  245,
369;  zum  Soldatenstand  260°,  3717,
501'!;  Haltuug  im  Misgeschick  86,
182,  194  u.  A.  2,  196,  216;  Ehrgeiz
  91',  112,  115,  148°,  187.  Verhältnis
  zu  Erzherzog  Ferdinand
s.  unter  Ferdinand.  Beziehungen
zu  Frankreich  s.  unter  Frankreich;

  zu  den  Jesuiten  90°,  425°,
8.  auch  unter  Vivarius.  Leopold  in
Jülich  7,  17,  45,  76,  240  f.,
257  f.,  297  f.,  300,  328,  3631,  377?,
379!,  564,  812,  837.  Kanzlei
61!,  188,  216',  239,  301,  425°,
501!.  Leopold  und  der  Kurfürstentag
  813.  Leopold  und
die  Liga  26,  88,  139,  169,  205,
355,  379  u.  A.  1,  380',  381  %-®,.  Beziehungen
  zu  Mainz  26,  741,  88f.,
148°,  2471,  297£.,  577  wA.|1,
628,  629!,  Tr7  u.  A.  1,  797;  zu
König  Matthias  159,  172,  176f.,
182,  194°,  202  f.,  213,  216,  250°,
259,  283  u.  A.  1.2,  285,  304,  308°,
347,  353°,  354*,  355,  370,  371°,
383,  4y1?,  442,  493°,  501',  506
u.  A.  2,  526,  531,  553,  607,  777,
812  u.  A.  2,  821,  zu  Erzherzog
Maximilian  307  u.  A.  3,  zum
Papst  112,  244,  429.  General
des  passauerKriegsvolksl,
13°,  21  u.  A.  2,  26f.,  48,  52,  58°,
59,  65,  66',  73  u.  A.  1,  91°,  117,
121!,  131’,  144  u.  A.  2,  147°,
148°,  165,  171,  183%,  185  f.,  201,
211,  213,  238,  241,  257,  260°,
283:.?,  285,  291f.,  305,  307,
308°,  313,  346  f.,  365,  369  f.,  412,
501',  536,  837f.  Praktiken
und  politische  Anschläge  Leopolds
69°,  85,  164  f.,  187,  200,  213,  216,
247,  249,  285,  291,  305  u.  A.  1,
347°,  355,  371,  383,  390,  412,
441,  461?,  463°,  493,  501  u.  A.  1,
542,  553,  607,  810?,  812f.  Ratgeber
  Leopolds  116,177,  182,  183°,
188,  194°,  204,  240  f.,  260,  296  f.,
305,  371?,  403,  425°,  821,  8.  auch
unter  Harmb,  Hegenmüller,  Hennot,
  Miraballo,  Ramee,  Revest,  Sulz,
Tengnagel,  Vivarius.  Verhältnis  zu
Kudolf  II.  2',  481,  88  f.,  100  f.,
117  f.,  121°,  133°,  144,  145%,  146,
148°,  151,  164,  165°,  171,  184  f.,
187,  202f.,  205,  215,  239,  259,
260  u.A.5,  283  u.  A.  1.  2,  296  £.,
303,  307,  330,  369  f.,  413',  463  u.
A.2,  501  u.  A.  1,  506*,  553,  638,
643,  797,  813  f.,  821,  837  f.;  zu
Sachsen  11',  13”,  17,  24',  57,
68  u.  A.  2,  69°,  87,  106,  10%",
176,  196,  354%,  403,  837f.,  zu
Salzburg  607  u.  A.  2;  zum
Herzog  von  Saroyen  354°,  413
u.  A.  1,  553;  zu  Spanien  8,
8,  112,  115  f.,  146  159,  19,
196,  213,  216  u.  A.  2,  238  f.,  244  f.,
        <pb n="894" />
        812  Register

258,  260°,  285,  298  f.,  302,  305,
347  1.  369,  306,  536  f.,  607,  820  f.
Stiftsgüter  Leopolds  8.  unter
Passau,  Bistum.  Leopold  und  die
Suecession  in  Böhmen  und  im
Reich  2!,  90°,  116,  118,  146,  147°,
148°,  151,  164,  165°,  187,  202  f.,
239  f.,  245,  260°,  289,  296  f.,  301f.,
305,  313,  328,  369,  413'1,  425°,
577  u.  A.  ],  628,  629',  838,  777
u.  A.  1,  «97,  813,  821.  Leopold
und  Zuniga  1!,  85f.,  112,  146  f.,
194  f,  213f.,  216  u.  A.  2,  239  u.
Aa.  3,  240,  244,  250°,  245,  2490,
299,  304,  347  f.,  506  u.  A.2,  531,
536  f.,  653,  812  u.  A.2,  813,  820  f.

Leopoldschlag  in  Oesterreich  ob
der  Enns  85'.

Lerma,  Herzog  von  245°.

Lesieur,  Stephan,  Ritter,  englischer
Gesandter  in  Deutschland  und  am
Kaiserhof  82  u.  A.  3,  181°,  183.

Louchtenberg,  Landgraf  Georg
Ludwig,  Präsident  des  kaiserlichen
geheimen  Rats  und  Obersthofmeistoramts-Verwalter
  2',  47,  145
u.  A.  4,  186°,  239,  242,  290,  300,
316',  331,  333  u.  A.  2,  334,  346,
347*,  349,  363,  +19,  423,  431  f.,
439,  441*,  444,  445  u.  A.  4,  450,
452?,  458f.,  460  u.  A.  1,  461  u.
A.2,  467  f.,  469',  480,  486,  526",
587,  594,  650°,  657,  673'!,  7381,
165,700,  815,822,835.  Entlassung
441*,  543  u.  A.  2,  552,  560,  582,
584  f.,  588,  604  f.,  618  f.,  659  u.
A.  1,  671t.,  689,  836".

Leuker,  Dr.  Esaias,  bairischer
Geheimsekretär  137!,  1601  ?,  244,
271,  418,  5301.

Libertät  s.  unter  Reichsstäude.

Lieben  in  Böhmen  326',  350.

l,ichtenfels  bei  Bamberg  51.

Liechtenstein,  Karl  von,  ge
heimer  Rat  des  Königs  Matthias
175u.A.4,  177,254,  284,  419.  —
N.,  Adeliger  im  Dienst  des  Erzherzogs
  Maximilian  133.

Liegnitz,  Herzogtum.  Herzog
Johann  Christian  374,  391,  489.

Liga  (katholische  Union,  katholischer
Bund)  235,  295,  303,  323',  324,
3391,  383°,  384,  386,  4106,  450",
520f.,  80%.  Abschiode  der  Liga
474,8.  unten,  unter  Tagungen.  Verhältnis
  zu  Erzherzog  Albrecht  e.
unter  Albrecht.  Aufhebung  der
Liga  89,  193,  309,  311  f.,  314,
331,  380",  381  ,  733.  Beziehung

zum  Ausland  311,  338,  33%,
378,  416,  s.  auch  unter  Albrecht,
Frankreich  und  Spanien.  Bestäitigung
  durch  Rudolf  II.  10°,  19,
43,  169,  1701,  311f.,  314,  315,
339,  8.  auch  unten,  unter  Verkälteis
zu  Rudolfll.  Bundeenotel  s  nates,
unter  Verfassungge  Dauer  der
Liga  416.  Defensionswesen
138,156.  Dezimation  der  geistlichen
  Mitglieder  s.  unter  Der
mation.  Direktorium  der  Les
(Bundesoberste)  5  f.,  8',  10%,  15,
136,  142,  156  f.,  169,  1:0,  Xu
A  2,  243,  270,  274,  231,  310,
315  u.A.2.  3,  323  f.,  336,  337  u
A.2,  339  u.A.  1,  377  f.,  379°,  30",
385,  387,  416f.,  474,550,  644,  732°,
835!;  s.  auch  bei  Baiern,  unter  Max
milien,  und  Mainz.  Adjunkten  der
Obersten  156,  339!,  378,  32,  355,
387,417.  Erweiterung  derligs
3854,  732.  Finanzen  der  Liga
6f.,  8f.,  51,  473  u.  A.  1,  a  aucd
unter  Kıedit,  Legstätten,  (Quote,
Restanten,  Schulden,  Vorrat.  Fortsetzung
  der  Liga  384.  Verhältais
zu  Frankreich  s.  unter  Fraxkreich.
  Friedenspolitik  der
Liga  ‘9,  1701,  270.  Fureht  ver
der  Liga  563.  Hoer  der  La
und  desson  Abdankung  ,8w.A  |,
15°,  34,  62,  103,  108!,  109°,  137,
155  f.,  188°,  1901,  191  u.  A,
199  f.,  204,  244,  2741,  275  f.,  39,
312  f.,  378,  381,  382  u.  A.  1.2.4,
385,  387,  417  u.  A.  1,  434,  43
u.  A.  1,  474°,  700°,  7324  Ihe
Liga  in  jülicher  Erbetreit  6f.
10?,  15,  26,  81,  88f.,  8,  156,
139,  154,  156  f.,  172,  24:  3,
379  u.  A.  l  Liga  und  die
Komposition  im  Reich  2.
Kredit  der  Liga  41:3.  Legstätten
  339  u.A.1.  Beziehung  zu
Lothringen  se.  unter  Lothringen.
Mängel  der  Liga  10°,  88,  134  f.,
137,142,311f.,314,  334,339  u.  A.1,
378,  382)  385,  7808.  Mainz  inder
Liga  s.  unter  Mainz;  Spannung  zwischen
  Mainz  und  Baiern  s.  bei  Baiern,
unterVerhältnis  zu  Mainz.  Verhältnis
der  Liga  zu  König  Matthias  433’,
718;  zu  Erzherzog  Maximilian:.
unter  Erzherzog  Maximilian.  Mebrheitsbeschlüsse
  in  der  Liga  :  3.
Münchener  Akkord  :,8',  10°,
15’,  26,  33°,  36,  62,  74,  103,  136,
199,  212  u.  A.  1,  224,  228,  234  f.,
        <pb n="895" />
        Register  873

276,  294,  380",  386,  417,  550,

628,  09%.  Verbältnis  za  Neu-  |

burg  683°;  zum  Hause  Oestorroich
  170!,  3391,  387,  718;  zum
Papst  6f.,  9,  10°,  50,  511,  79,
107*,  108,  168,  170',  191?,244?,275,
'311,  339!,  341,  381  f.,  383°,  384  f.,
416,  417.  A.  1,  718,  835  uA.1.
Partikularvereinigungen  in
der  Liga  384  1.,  416,  449,450  u.A.1,
620f.  Liga  und  passauor  Kriegs
volk  275.  Quoten  Jer  Bundesmitglieder
  7,  108,  137,  154,  168  f.,
191°,  244,  271,  275,  311,  324,
336  t.,  339',  340,  378,  379  u.  A.  1,
384,  dl5f.,  473  u.  A.  1,  It  u.
A.  1,  732%,  Rochuungswesen
der  Liga  26',  155  f.,  200  u.  A.  2,
242f.,  277  u.  A.  1.  2,  309,  311.
Restanten  191°,  244,  271  u.
A.2,  3871,  416,  474  u.A.  1,  675%,
:32wA.4.  Bitterschaft  und
Liga  s.  unter  Beichsritterschaft.  Vorhältnis
  dor  Liga  zu  Rudolf  Il.  (Rostätigung
  der  Liga)  10°,  19,  26,  43,
139,  143,  157,  169,  170%,  311  f.,
314,  315!,  339,  633,  733;  zu
Sachsen  (und  zu  den  friedfertigen
Protestanten,  Aufnahme  in  die  Liga)
5,6uA.1.  2,  10%,  14f,  15%,
18  f.,  43,  49f.,  50",  51',  54  f.,  62,
631,  Bf,  SO  u.  A.  1,  81,  87  f,
97,  114,  126.,  134  f.,  142,  149,
154,  156,  167  f.,  200  u.  A.  2,  201
u  A.  1,  242f.,  244°,  268f.,  270°,
306,  309  f.,  319,  321  f.,  3341.,
338,  339,  377  u.  A.  1,  378,  3871,
388  f.,  415,  531  n.  A.  2,  700.
Schickungen  derLiga  9f.,  78,
137f.,  155f.,  230,  337,  377°,  381°,
386,  418  f.,  732,  733  u.  A.  1.
Schulden  der  Liva  108,  200,
2413  f.,  27lu.A.1,  275,  378,  380!,
382°,  383  f,  387°,  415,  473%,
474  u.  A.  1.  Verhältnis  der  Liga
zn  Spanion  5f.,  9,  10°,  50,  51°,
«9,  81,  107%,  108,  149,  170!,  238,
212,  244°,  275,  311  f.,  314,  323,
339',  341,  345,  381,  38H  f.,  387',
416,  417  u  A.  1,  456,  531,  536  f.,
645,  718,  835.

Ligastände  234  1.,  2741,  310,
324,  336,  340,  378,  379',  3814,
415,  417,  4181,  4731,  550  f,,
732,  733',  835;  kurfürstliche  377;
fürstliche  118',  520,  675';  Prälaten
269,  271  u.  A.  2,  275,  377;
Grafen  und  Herrn  269!,  271  u.A.
2,  275,  377,  382  n.  A.  2,  384,  116.

Einteilung  «der  Tigastände
nach  Kreisen  378,  382,  115;
bairischor  Kreis  s.  Baiern  und
unten,  unterOberländer;  fränkischer
Kreis  379,  382;  rhoinischer  Kreis
s.  unten,  unter  rheinische  Stände;
schwäbischer  Kreis  379.  Trennung
  in  oberländische  und
rhoinische  Bundesstände  243
u.A.  1,  270.  Trennung  der  beiden
Kassen  9,  108  u.  A.  1,  192,  380',
387'.  Oberländısche  Stände
9,  14,  78,  108",  136  f.,  155  f.,  201",
242  f.,  244,  269,  270  u.  A.  2,
274  f.,276u.A.2,  314,  323,  378  f.,
3801,  381,  386,  415.  417!,  620,
132‘;  oberländische  Kassa  103  u.
A.  1,  137f.,  1901,  274  u.  A.  1,
378,  380',  381,  4171,  520.  Bheinische
  Stände  9,  14,  62,  78Ff.,
97,  108!,  109  u.  A.  2,  134f.,  142,
154  f.,  191?,  2011,  242f.,  270,
2741,  275,  309,  310  u.  A.  1,  315,
324,  335  f.,  337°,  378*,  380  u.  A.  1,
381  f.,  385,  415,  417',  450,  473,
520,  732;  rheinische  Kassa  108!,
155  f.,  191°,  244,  270,  274!,  378,
380,  381,  417',  4731,  474  WA.1.
Liga  und  Succession  im
Reich  «97*,
Ligatagungen  3832  f.,  +16.
Tagung  der  geistlichen  Kurfürsten
zu  Mainz  (1609  Ausust)  80,  139,
142,311,314,336,378,3°9'.  Erster
lägatag  zu  Würzburg  (1610
Februar)  15°,  416;  dessen  Abschied
80,  155,  381°,  416.  Ligatag  in
München  (1610  September)  8‘,
155,  336,  378.  Versammlung  der
Oberländer  zu  Augsburg  (1610
Dezember)  8',  10,  26,  50,  134  f.,
137  f.,  200,  230,  275  f.,  309,  378,
415,417  ;  deren  Abschied  137,  155  £.,
337,  383  f.,  336.  Kommunikationstag
  der  rheinischen  Stände  zu
Frankfurt  (1611  Februar)  14,
15  u.  A.  3,  501,  62,  631,  9,  88,
97  f.,  114,  134  f,  143°,  158  f.,
157"  &amp;gt;,  201',  309,  310  u.  A.  1,
315°,  323,  334°,  336',  337  u.  A.  1,
338'.  Zweiter  Partikulartag  der
Oberländer  za  Augsburg  (1611
März)  201',  242  f.,  269  f.  Zweiter
Ligstag  zu  Würzburg  (1611
April)  6f.,  10%,  14,  15°,  26,  63',
78  f.,  97,  142  u.  A.  1,  156£.,  191
u.  A,  1.2,  192  f.,  274,  276  u.
A.2,  389,  449.  Abschied  385  f.,
387  on.  A.  1,  415,  417  m  A.  |,
        <pb n="896" />
        S3l  u.  A.  2,  732  u.  A.3,

Ausschreiben  26!,  49,
50  u.  A.  1,  «9,  134,  136,  200  u.
A.  2,  2011,  270%,  334,  337.  Beschiekung
  319,  324  u.  A.  3,
334°,  40,  355.  Direktion  334.
Instruktionen  309  f.,  334f.,
338  u.A.1,  3391.  Proposition
334.  Protokoll  376f.  Bechnungswesen
  beim  Ligatsg  50  u.  A.
1,  138,  156,  200,  243,  271,  334  f.,
3ccu.A.  1,  378f.,  473.  Aufnahme
Sachsens  in  die  Liga  134f.,
154  f.,  200,  243,  269,  270  u.  A.2,
306,  321,378,  415.  Ausschreibung
eines  neuen  Tages  ‘6l  u.  A.  2.

Ungleichheitin  derLiga3ill.

Verhältnis  der  Liga  zur  Union  74,
148°,157°,172,199,212u.A.1,234f..,
281,  551,  563,  676,  704,  733,  784  ;
zu  Venedig  9,  170',  418.  Verfassung
  der  Liga  (Bundesnotel)
5  u.  A.  3,  8,  15°,  62,  79f.,  143,
156,  169,  170!,  243,  270,  274  u.
A.  1,  312,  314,  323,  339',  386,
387',  4ldf.;  mainzer  Notel  416;
münchner  Notel  416.  Verstärkung
  der  Liga  8,  10°,  15u.  A.  3,
291,  631,  137,  142f.,  155,  168  f.,
170!,  200,  309,  311,  313.,  324,
334,  337  f.,  3391,  377',  378,  389,
116,  733,  784.  Vorrat  der  Liga
138,  309,  336,  338  f.,  378,  382  f.,
415  f.,  521,  835'.  Zweck  der
Liga  8,  19,  88,  142f.,  154,  156,
167  u.  A.  3,  169,  1701,  190  f.,
‚335,  337  f.,  382  f.,  BSH  f.

Ligue,  heilige,  in  Frankreich  s.  bei
‚Frankreich,  unter  Ligue.

Lindau,  Reichsstadt.  Unionsstand  53.

Lingelsheim,  Michael,  kurpfälzischer
  Rat  52  f.,  54.

Linz  an  der  Donau  58  f.

Lippe,  Simon  Graf  zu  506°.

Lippe,  Stadt  in  Westfalen  08.

Lipschitz  (Libfitz)  in  Böhmen  177.

Lissa  in  Böhmen  688.

Lizenten  15!,  88,  126,  368  u.  A.  2,
380',  477,  728”,  808%.

Lobkowitz,  Albert  Zdenko  Popel
von,  böhmischer  Oberstkanzler  91
u.  A.  2,  144  u.  A.  3,  284°,  329,
349,  410,  596.  —  Polyxena,  Gemahlin
  Alberts  316.  —  Wilhelm,
einor  der  Führer  der  böhmischen
Stände  91,  171',  177,  186,  188,  240,
289,  419,  469',  &amp;gt;42.

Loofenius  auf  Hainhof  und  Ebermannsdorf,
  Dr.  Michael,  kurpfälz-Register



ischer  geheimer  Rat  37,  94!,  197,
217,  332,  447,  4H8  u.  A.  1,  697,
802

Loeffelholz,  Wolf,  nürnberger
Patrizior  36  u.  A.  3.

London  20!.

Losenstoin,  Wolf  Sigmund  von,
Hofmarschall  des  Königs  Matthias
251  u.  A.  1,2,  252,  251,  316‘,
3574,  4021,  405,  419,  451,  464,
479,  480°,  517°,  519°,  522°,  4,
643,  644°,  736  u.  A.  5.

Lose,  Christoph  von,  kursächsischer
geheimor  Rat,  gewesener  Reichsfennigmeister

  179',  366,  812.  —
N.  lausitzischer  Edelmann  126.

Lothringen,  Herzogtum  I4u.
Herzog  Heinrieh  230,  248°,  «07,
‘4  u  A.  1,  841.  Beziehung  zar
Liga  230,  337,  384,  417,  4".

Louise  Juliane,  Kurfürstin-Witwe
von  der  Pfalz  s.  unter  Pfalz.

T,ucan  ,  Heinrich  von,  Oberstleutnant
im  Dienst  dos  Königs  Matthias  und
Kursachsens  347!,  419  u  A  1,429,
5ol!.

Ludwig  XIlI.,  König  von  Fraakreich
  s.  unter  Frankreich.

Ludwig,  Landgraf  von  Hessen-Darmstadt
  s.  unter  Hessen-Darmstadt.

Lüttich,  Bistum  109°,  535.  Bischof
Kurfürst  Ernst  von  Köln.  Eintritt
in  die  Liga  312,  336,  390',  332,
a74?,

Lüttich,  Stadt  409,  488  u.  A.  2,
489,  541°,  559.

Lüttichau,  Wolf  von,  kursächsischer
geheimer  Rat  3:  3',  394,  402°,  24,
425",  439,  445,  460,  456.

Lützelburg,  Oberst  im  elsässer
Kriegsvolk  66".

Lu  kanes  (Lukawez?)  in  Böhmen
165!.

Luna,  Juan  de,  spanischer  Staats
sekretär  5381,

Lutheraner  s.  unter  Reiehsstäade.

Lutz,  Johann  Christoph,  württembergischer
  Sekretär  217,  698.

Luxemburg,  Stadt  514.

Lynar,  Graf  Johann  Kasimir,  markgräflichb
  culmbachischer  gebeimer
Rat  und  oberster  Kammerrat  «O.u.
A.1,  731,  268',  686  u.  A.  1,  687%,
697,  «29,  «35  u.  A.  2,  745°,  796.

Madrid  349°,  656".

Madruzzo,  Gaudentius  von,  Oberst
eines  spanischen  Begiments  in
Mailand  se.  unter  Mailänder  Volk
        <pb n="897" />
        Register  875

Mägerle,  Kanalist  in  dor  Kanzlei
des  Königs  Matthias  202',  250°,
281°,  4781,  4861,

Mähren,  Markgrafschaft  103,  116,
144,  151,  240,  252',  292,  328,
36-4,  452°,  459°.  Bauern  169°.
Union  mit  den  Erblanden  254f.,
612,  542,  659.  Finanzen  255
u.  A.  1.  Landeshauptleute
se.  unter  Berka  und  Zierotin.  Lan  dstände
  94,  1881,  325  f.,  358,
424°,  428”,  443,  459,  4641,  844;
evangelische  695.  Verhältnis  zu
Matthias  und  Rudolf  11.  101,
175,  289,  326,  694,  737.  Einfall
der  Passauer  28.  Städte  256!.
Verhältnis  zur  Union  94,  229,
06.  Werbungen  wegen  der
Passauer  13,  152  f.,  171'!,  193,
213,  214  u.  A.2,  252!,  271,  291,
316',  361,  410.

Magdalena,  Herzogin  von  Baiern
s.  unter  Baiern.

Magdeburg,  Erzbistum.  Alministratoren,
  weltliche  6:8
u.  A.1.  Administrator  Christian
Wilhelm,  Markgraf  von  Brandenburg
  268',  315°,  B44,  678.

Majestätsbrief,  böhmischer  s.
unter  Böhmen.

Mailand,  Herzogtum  29,  116,  129.
Spanischer  Vizeköonig  s.  unter
Mendoza.

Mailänder  (Madruzzischee  oder
Spanisches)  Kriegsrolk  52  f.,  66
u.  A.1.  2,  v4,  92,  103,  159,  176,
204.

Mainz,  Erzbistum.  Gebiet  9,  142,
315,  337,  386,  474,  476;  Oberstift
  336.  Kriegsschäden  336,
38‘.  Kurfürsten  Daniel  von
Heusenstamm  135,  5:3.  Johann
Schweikhard  von  Cronberg  6,  14,
8,  80,  113,  139  f.,  1411,  148  u.
A,  2,  154,  1621,  163,  167%,  273%,
314,  322,  3243,  337%,  405",
407,  409,  432,  454,  479,  487°,
504",  5251,  677°,  616  f.,  638,  602°,
669,  6731,  689,  TIL,  777,  70",
‘92  u.  A.  4,  813,  817,  829°,  843.
Haltang  im  pfälzischen  Administrationsstreit
  s.unter  Administrationsstreit.
  Verhältnis  zu  Erzherzog
  Albrecht  s.  unter  Albrecht;
zu  Fürst  Christian  von  Anbalt  se.
unter  Anhalt;  zu  Maximilian  von
Baiern  s.  unter  Baiern  ;  zum  Herzog
von  Braunschweig  und  zu  dessen
Direktorium  am  kaiserlichen  Hof

659  u.  A.  1,  739  u.  A.  4,  7408,
‘60;  8.  auch  unter  Braunschweig
und  bei  Rudolf  II.,  unter  Direktion
des  kaiserlichen  Hofes.  Mainz
als  Erzkanzler  475  u.  A.  2,
483  u.  A.  1,  484,  750,  8.
Friedensliebe  167°,  206,  599,
‘69.  Haltung  im  österreichischen
Hausstreit  98°,  153,  162',  163,
210°,  246,  2471,  27L£.,  350,  351
u.  A.  1.2,  4,  366,  367  u.  A.  1,
368,  375,  392,  393,  395,  397,
400,  408°,  409,  412  u.  A.  1,  420°,
426,  429  f.,  432°,  438,  446,  453,
458  u.  A.  3,  483  u.  A.  1,  487,
490,  491:,  495,  509,  514,  523  u.
A.  1,  524',  327,  545,  554°,  555  f.,
649,  713;  se.  auch  unter  Brömser
und  beim  Hausstreit,  unter  Kurfürsten.
  Verhältnis  zum  Landgrafen
von  Hessen-  Darmstadt  s.
unter  Hoessen-Darmstadt.  Kurmainzische
  Kanzlei  90,  140,  417".
Verhältnis  zu  Khlesl  s.  unter
Koblesl.  Mainz  und  dio  Konosition
  im  Reich  7b,  203,  294,
951,  437°,  D50  f.,  7O4  f.,  756,  769,
82°,  803  u.A.1l.  Kriegsvolk
von  Mainz  309,  311  f.,  336,  380",
381?,  386,  473.  Mainz  und  der
Kurfürstontag  8:*,  35-41,  366
uA.1,  368°,  397,  108°,  409,  434',
435,  474f.,  477,  488,  498,  503  f.,
519  u.  A.  3.  5,  527,529  w  Al,
Hl  u  A.2,  358',  5778,  601°  %,  616,
646  f.,  650,  652'1,  776°,  836.  Mainz
als  Direktor  des  Kurkollegs
355,  398,  414,  420°,  434°,  ALL,
509!,  510,  646,  662,  681,  682%,
734  u.  A.  4,  744,  746°,  757  u.
A.  2,  78,  791,  792%,  799,  816,
823,  826,  829.  Verhältnis  zu  Erzhorzog
  Leopold  s.  unter  Leopold,
Stellung  in  dor  Liga  5,  6f.,  9,
10°,  78  f.,  88  £.,  1081,  109°,  134  f.,
154  f.,  166  £,  191  u.  A.  2,  200,
212  f,  308  f.,  311f.,  323  u.  A.  2,
334,  3391,  340,  3411,  377  wA.1,
380",  381  u.  A.  2,  382,  383  f.,  3871,
4171,  4181,  449,  4501,473u.  A.  1.2.
3,  474%,  520  f.,  732,  733'.  Bundesoberst
  der  Liga  142,  157,  170',  200?,
310  u.  A.  1,  311,  315  u.  A.  2,
323  f.,  337  w  A.2,  387,  4714,  550  f.,
32,  733",  Gesandte  zum  Ligatag
  334’,  340,  376,  378f.,  380,
381f.  Austritt  aus  der  Liga  310,
314,  339!.  —  Verbältuis  zu  König
Matthias  306,  349  f,  351  u.  A.
        <pb n="898" />
        876

3.  4.5,  406  u.  A.  3,  419,  4321,
446,  456,  481  £.,  4961,  515,  527  u.
A.  1,  528£f,,  540,  545  u  Al,
555  f.,  558  u  A.  1,  25  u  A.  2,
628,  629;  zu  Neuburg  8.
unter  Neuburg.  Mainzische  N  eutralitätspolitik
  315*.  Verhältnis
  zum  Hause  Oesterreich
4321,  5241,  527  f.,  777,  zur
Pfalz  63',  741,  76,  148  u.  A.  2,
159,  232,  235  f.,  273',  281,  408°,
ATLf.,  476,  477  u.  A.  1,  498  f.,
503  1.,  629  £.,  551,  573,  604,  610
n.  A.  3,  626f.,  629',  640  f.,  650,
692!,  74,  773,  828.  Mainz  beim
prager  Konvent  7,  8,  97,
134  f,,  142,  153,  2471,  2731,  350,
351  u.A.4,  392,  4121,  504,  702,837.
Verhältnis  zuden  Protestanten
57°,  «62.  Räte  und  Diener
143°,  310!,  338',  339",  340,  3831,
477,  577°,  6291,  757°,  760,  762,  792,
803u.A.1,  827,  835;  8.  auch  unter
Brömser,  Urach,  Eltz,  Faber,  Faust,
Fleischbein,  Fürstenberg,  Gereon,
Greiffenclau,  Hensel,  Rebmann,  Reiffonberg,
  Schenckern.  Mainz  und  die
AusschreibungdesReichstags
475.  Verbältnis  zu  Rudolf  IL
87,  2471,  271f.,  350f.,  351°,  397,
441%,  519,  582  u.  A.2,  736,  740',
‘50,  843;  zu  Sachsen  (Verhandlung
  wegen  des  Eintritts  in  die
Liga)  6  u.  A.  1,  10%,  14f.,  15°,
49,  51!,  62,  63  u.  A.  1,  ı8f.,
97  f,  107%,  1348,  1428.,  149,
166  f.,  200,  201',  2421,  270  u.
A.  2,  271,  306  u.  A.  2.  3,  309,
319  u.  A.  1,  321  f.,  3231,  334  f.,
366  u.  A.  1,  367',  3771,  378,  388,
389',  409,  422  f.,  577°,  620°,  647,
661  f.,  690,  734°,  791;  zu  Spanion
329,  559,  646.  Stellung  zur  Succossionsfrage
  148u.A.2,159f.,
161'!,  349,  406  u.  A.  3,  447,  492,
527,  540,  558,  626  f.,  629,  640
uA.2.3.4  641',  690,  Tr6f.,
833.  Mainz  und  die  Union  33°,
38,  341,  232,  234,  236,  563,  703.
Verhältnis  zu  Würzburg  387.
Mainz,  Stadt  9,  80,  139,  142,  149,
242,  311f.,  336,  379',  387,  393',
457,  4731,  477,  527,  646,  6%,
160,  763.
Maiora  s.  unter  Reichstag.
Mancicidor,  Julio  de,  spanischer
Kriegsrat  und  Sekretär  des  Erzherzogs
  Albrecht  2',  46.
Man«or  von  Neuhansen,  P.,  625.

Register

Mansfeld,  Graf  Bruno,  kaiserlicher
Kriegsrat  296.  —  Graf  Ernst,  Oberst
im  Dienst  der  Union  227,  518,
662,  567,  7101,  717,  784,  792.  —
Graf  Philipp  Ernst,  Oberst  in  kursächsischem
  Dienst  und  Amtmaan
su  Leipzig  und  Eulenburg  811.  —
Graf  Wilhelm,  markgräflich  ansbachischer
  Obermarschall  69\.

Mantun.,  Herzog  Vinzenz  von  (Gon-Markort

  (Markhart),  Hans,  Kammerdiener
  und  Ofonheizer  Rudolfs  IL
316',  53941,  813,  821.

Maria,  Erzherzogin  von  Oosterreich
s.  unter  Oesterreich.

Margareta,  Königin  von  Spanien
s.  unter  Spanien.

Marin  von  Medicis,  Königin-Regentin
von  Frankreich  s.  unter  Frankreich.

Maria  im  Schneefener,  Kloster  in
Prag  144,  165?,  194,

Mariomont  (Mari»nberg)  in  Belgien
42,  488,  535  f.

Marra,  Placidus  de,  Bischof  von
Moll  und  Nuntius  in  Prag  AMD,
346',  506  u.  A.  2.

Marradas,  Don  Baitlıasar,  Oberst
im  Dienst  dor  Liga  417!.

Marx  Sittich  vou  Hohenems,  Erzbischof
  von  Salzburg  s.  uater
Salzburg.

Matthias,  König  von  Ungarn  und
Böhmen  132°,  165°,  181°,  214,
239,  288,  2924,  352  u.  A.  1,  389,
395,  420u.A.1,  475°,  4781,  553°,
5861,  588',  617!.  Zur  Charakteristik
der  Persönlichkeit  554,  637,647,695,
841.  Haltung  im  pfälzischen  Administrationsstreit
  s.  unter
A.dministrationsstreit.  Verbältnis  zu
Ersherzog  Albrecht  s.  uater
Albreoht;  zu  Fürst  Christian  von
Anhalt  s.  unter  Anhalt  Anschläge
  auf  das  Leben  des
Königs  (Vergiftungsrersuche)  2,
320°,  349,  352f.,  391,  408f.,
419,  425°,  517,  676!.  Matthias
und  das  Ausland  4166!.  Verhältnis
  zum  Markgrafen  von  Baden
s.  unter  Baden;  zu  Baiern  s.  bei
Baiern,  unter  Maximilian.

Matthias  und  Böhmen.  Belehnung
  mit  Böhmen  533’,  601,  623  f.,
737,828,843.  Designation  zum
König  von  Böhmen  101,  118,  146,
150°,  165?,  186%,  187,  194,  201  f.,
203,  210°,  241,  258,  260,  268!
285  f.,  289  u.  A.  2,  291f.,  305,
        <pb n="899" />
        Register  877

316,  318°,  319!,  326,  328,  330,
332,  344,  349,  353°,  359  u.  A.1,
372,  391,  399,  402,  Krönung
in  Böhmen  210°,  289,  291  f.,  304,
316,  318  u.  A.1,  332  f..  345,  349,
353  u.  A.2,  361,  363,  374!,  389  f..
394,  397,  401  f.,  405,  407,  408  u
A.2,410,  4221,  426°  4,  427°,  4281.  ?,
431u.A.1,  432,  435,  438  f.,  441°,
443*-*,  4440.  A.1.2,  445  u.A.  4,
446,  451,  452°,  453,  456  f.,  459!,
460  u.  A.  1,  461  u.  A.2,  462  u.
A.  1,  463  u.  A.  1.  2,  466  f.,  468
u.  A.1,  469  u.  A.  1,  470  u.  A.  1,
475°,  478u.A.1,  479,480  u.  A  1,
481°,  483,  485°,  487  u.  A.3,  492,
494,  496,  500,  505  f.,  516,  521,
524,  528,  532u.A.2,  534,  5-4,  552,
556,  585,  587,  594  f.,  602,  611,  627,
632,695.  Matthias  als  Kurfürst
von  Böhmen  611,  613,  624.  Verhältnis
  zu  den  Landständen  s.
bei  Böhmen,  unter  Landstände.  Regierung
  in  Böhmen  452°,  462  u.
A.l,  463°,  528,  533°,  Wahl  zum
König  von  Böhmen  s.  bei  Böhmen,
unter  Wahlrecht  der  Stände.  Zug
des  Matthias  nach  Böhmen  im
Jahr  1608  326,  360;  im  Jahr  1611
13°,  23,  &amp;amp;2,  &amp;amp;t1  u.  A.  1,  86,  119,
131!,  145  u.  A.  2,  146,  147°,  150,
152,  163  f.,  165",  171!,  175f.,  178,
182,  1831,  187,  193f.,  196,  201,
202  u.  A.  1,  210f.,  214  u.  A.  |,
215,  246,  248,  251,  252  u.  A.  1,
263,  255,  260",  271,  283  f.,  287  f.,
2%,  306,  326,  330,  333,  343',
354,  364,  370,  388,  403,  407,
all,  419,  431',  4701,  686,  658,

Verhältnis  zu  Brandenburg
s.  unter  Brandenburg;  zum  Herzog
von  Braunschweig  s.  unter
Braunschweig.  Einkünfte  desMatthbias255
  u.  A.  1.  Verhältnis  dee  Matthias
  zu  England  400’;  zu  den
Erblanden  e.  unter  Erblande;  zu
Frankreich  s.  unter  Frankreich.
Friedensliebe  des  Matthias  405.
Verhältnis  zu  den  Generalstaaten
  s.  unter  Generalstaaten.
Gosundbeitszustand  des
Königs  349,  391,  424°,  427°,
412,  452°,  637,  695.  Verhältnis
zu  Hannewald  s.  unter  Hannewald.
  Heirat  133,  254,  287”,
388,  452°,  516,  615  u  A.  2,  658,
758  wA.  1,  «64,  ‘bö  u.  A.  2,
821,  836.  Verhältnis  zum  Landgrafen

  von  Hessen-Cassel  s.
unter  Hessen-Cassel.  Hofhaltung
des  Matthias  523!.  Verhalten  im
jülicherErbatreit104,405.  Mattbias
  und  Khleal  s.  unter  Khlesl.
Matthias  und  die  Komposition
im  Reich  207!,  234,  236,  399,  437°,
675,  677,  679,  704,  714°.  Verhältnis
  zu  den  Kurfürsten  (Intorvention
  der  Kurfürsten  im  Hausstreit)
  s.  unter  Kurfürsten.  Alatthiaa
und  der  Kurfürstentag  5314,
514,  558  u.  A.  1,  567,  607,  610,
615,  621,  757  u.  A.  3,  764  f.,  7SO
n,A.  6,  834  u.A.  3,  836,  812,  St1.
Verhältnis  zu  Erzherzog  Loopolu
e.  unter  Leopold;  zur  Liga  s.  unter
Tiga;  zu  Mainz  s.  unter  Mainz;  zu
Erzherzog  Maximilian  83  u.  A.  4,
101,  132,  160,  162  u.  A.  1,  163,
176,  211,  236,  255',  354*,  4871,
4912,  541!,  544,  5451,  553  f.,  587,
610°,  615,  628,  658,  78l!;  zum
Gesamthaus  Oesterreich  466!,
479,  718;  zum  Papst  und  zur
Kurie  164,  2Q01f.,  208,  212!,  286,
361,  364,  428°,  4551,  625,  627,
087,  712,  718,  764  u.  A.3.-  Matthias
  und  das  passauor  Kriegsvolk
  21,  12f.,  23,  24,  31u.A.1,
321,  47f.,  59,  67%,  119£.,  121%,
162!,  163,  171!,  201f.,  240f.,  246  f.,
256',  258  f.,  307,  3171,  329  f.,  346
347"  ?,  353,  372,  400,  411,  4231.,
442,  484,  489,  501',  506,  515,
516,  534.  Verhältnis  zur  Pfalz
147,  177,  333,  3431,  406°,  47,
4172  u.  A.3,  49,  515,  517°,
54,585,  626  f.,  693",  714,  Mattbias
  und  dio  Bürgen  dos  pragor
Vertrags  von  1610  98,  102,  164,
178,  246,  350,  351"  *  +,  357%,  372
u.  A.  1,  393,  397,  403  6,  406",
436,  529,  570,  587.  Alatthias  unıd
die  Protestanten  (im  Reich  unıl
in  don  Erblanden)  101,  115,  147,
159,  160!,  173,  175  f.,  211,  212",
263,  256,  286,  290  u.  A.  1,  294
A.1,  333,  341  u.  A.2,  406  u.  A.3,
407f8.,  472  u  A.  3,  515f.,  544,
594,  614,  6291,  636,  659,  694  1,
«18,  &amp;amp;2.  Räte  dos  Matthias
3ıf.,  60,  96f.,  152,  175,  177  £,
183,  249,  254  u.  A.  1,  256',  284°,
286,  288,  305",  346,  348  f.,  357°,
363°,  102,  405,  410  f.,  419,  431',
442,  145,  452°,  4551,  481,  486
u.  A.  1,  487°,  5011,  508%,  523',
326,  532,  533’,  636,  541,  5428,
        <pb n="900" />
        878

656,  596,  607,  670,  688°,  694  f.,
7421,  763  u.  A.4,  792°;  8.  auch  unter
Dampierre,  Daun  j  Dorn,  Fürstenberg,
  Goltz,  Grapler,  Grünthal,
Hardeck,  Herberstein,  Hoditaky,
Hos,  Hofkirchen,  Khlesl,  Khreoberg,
  Kinsky,  Kollonitsch,  Losenstein,
  Lucan,  Mägerle,  \ioggau,
Polheim,  Puchbeim,  Rebmann,
Schröttl,  Starhemberg,  Teufel,
Tiefenbach,  Trauteon,  Wacker.
Mattbias  und  das  Reich  63'!,  65,
152,  248,  263,  320°,  338,  343',
3%,  399,  400  u.A.1,  406  u.  A.8,
407,  408°,  410,  414,  482',  1462  u.
A.  1,  466!,  479,  4811,  4881,  184.
489,  "Slöf,  528  f.,  5331,  540,  544,
5451,  611,  613,  615,  626  u.  A.  1,
6291,  632,  677,  687,  711,  sl,  823.
Matthias  auf  den  Reichstagen
425°,  675f.  Matthias  und  die
Religion  172f.,  176,  202,  249  f.,
250,  253f.,  256',  288,  343',  358*,
455  u.  A.  1,  478!,  542,  546,  618,
649,  658,  677£.,  695,  841.  Residenz
  des  Matthias  533!.  Verhältnis
  zu  Rudolf  II.  2,  12£,
31f,,  32',  68°,  82,  90°,  96,  100f.,
117,  120f.,  148°,  152f.,  178,  194,
196,  207,  246,  250  u.  A.  2,  251
u.  A.  2,  256',  259,  282,  287  f.,
292,  320°,  349,  351,  368,  874°,
390,  391  u.A.1,  394!,  408°,  451,
459  f.,  461,  462  u.  A.  1,  463  f.,
466  u.  A.  1,  467f.,  469  u.  A.  1,
492,  494  f.,  496!,  508,  510  f.,  521f.,
623!,  524,  525  u.  A.  1,  526,  529,
532°,  5331,  540£f.,  5i4f,  552  u
A.  4,  556,  558!,  560,  578,  583  u.
A.  3,  585,  687  f,  601  u.  A,  3,
602,  6081,  611  f,  621,  622  u.
A.  1—7,  623  u.  A.1.3.  4,  644  u.
.2,  650,  670,  687,  688u.A.1.2,
689  f.,  699,  703,  718,  728,  736  f.,
4l,  742  u.  A.  1.  2,  769,  780°,
789  f.,  816  f.;  es.  auch  unter  Hausstreit
  und  Rudolf  Il.  Verhältnis  zu
Sachsen  12,  23,  24  u.  A.  1,
173?,  175f.,  177f.,  246  u.  A.  3,
286  u.  A.  2,  290°,  816°,  320  u.
A.  2,  364,  3651,  366',  367  u.A.1,
372  f.,  388,  390,  392,  396  u.  A.  2,
402  f.,  404  f.,  106  u.  A.  3,  410f.,
418  f.,  4321,  451,  515  f.,  527,
540,  556,  594,  614,  621  u.  A.  1,
628)  6291,  643,  644  u.  A.  2,  646,
657,  662,  687,  688°,  690,  698,
8ll;  zu  Salzburg.  al!,  63£.,
83  u.  A.2.  3,  84,  162  f.,  419,

672,  94,  1048,

Register

zu  Saroyen  354.  Schulden
des  Matthias  255,  466'.  Verhältnis
zu  Spanien  47,  &amp;amp;,  115,  118,
146  f.,  164,  172  u  A.1,  175,  203,
213,  245,  286  f.,  2901,  299,  35,
346,  348,  361,  364,  390  f.,  +13,
428,  442,  447,  4551,  156,  463”,
478,  481  f.,  484,  492%,  496',  536  f.,
540,  5411  ?,  627,  629',  637,  642.
669  f.,  671,  687,  712,  718,  738,
ı59',  789,  834.  Stimmung  für
Matthias  489,  496',  326f.,  3,
5451,  555,  5581,  618,  627  f.,  629,
637,  643,  644°,  646,  657,  677,
694  f,,  763  u.A.4,  72  u  A.  |,
797.  Matthias  und  die  Suecossion
  im  Reich  53,  115,  118,
160',  163£.,  203,  211,  245,  253,
286,  305,  341,  342  u.  A.  2,  343%,
346,  348,  353°,  361,  Ol  u.  A.  2,
405,  406  u.  A.  3,  410,  4321,  42,
479,  483!,  485,  487  u.  A.  3,  18
u.A.1.2,  489f.,  496',  506,  5141,
526,  527  u.  A.  1,  528,  538',  540,
5411,  554,  556,  558,  586,  594,
613  f.,  625,  627  f.,  89,  6  LE,
640,  641!,  677,  686,  690,  695,
714%,  742%,  764  u.  A.  3,  797,  834.
Empfehlung  des  Matthias  bei  den
Kurfürsten  428!  ?,  440,  442,  4166!,
487,  4881-2,  191°,  492  f.,  516,  526,
527  u.  A.  1,  5454,  553,  554  u
A.  2,  558,  560,  608',  627  f.,  640°,
642  f.,  669,  72  u.  A.  1,  ‘64  u
A.3,  782°,  812.  Kandidat  für  die
Kaiserwürde  642;  Kandidat  für  die
römische  Krone  642  f.,  677,  6%,
695,  697,  714?,  742°,  765%,  9%.
Matthias  im  Türkenkrieg  326,
341,  406,  554,  824.  Matthiss  und
Ungarn  101,  175£f.,  354,  372,
393,  414,  459°,  611,  615.  Ver
hälinie  zur  Union  53,  63°,  65  £.,
159,  164,  172£,
175  f.,  200,  211,  212  u.  A.  1,  22,
228  f.,  234,  236,  248  u.  A.2,  250",
258,  281,  341  u.  A.  2,  32  u.  A.
2.  3,  3431,  399  u.  A.  1,  400  u.
A.1,  406°,  418,  441°-?,  472%,  14M,
500°,  B15f,  517',  522°,  567,  58,
585,  594,  604,  607,  614,  618,  631,
659,  664,  666,  673  f.,  677  f.,  686,
704,  709  u.  A.  1.4,  7101,  TILf,
713',  714%,  719,  729%,  731,  764,
770,  780  u.  A.  6,  782.  (Gesandte
des  Matthias  beim  rotenburger
Unionstag  616°,  631,  664,  666,
673,  705,  09  u.  A.  1,  7Iv!,  vll,
‘12u.A.  1,  714°,  729°,  731,  «38  u.
        <pb n="901" />
        Register.

A.1,  78&amp;amp;0u.4.6,  839;  8.  auch  unter
Polheim.  Vergiftungsversuche
an  Matthias  s.  oben,  unter  Anschläge.
  Verhaftungen  in  Prag
316  u.  A.  2,  320°,  319  u.  A.  2,
351°,  353!,  356,  362,  367!,  373,
374°,  389,  395,  406°,  412  u.  A.  1,
414,  4251,  426,  4128,  438,  440,
441‘,  442,  443°,  414°,  459°,  460,
4621,  464  u.  A.  1,  466,  482,  484,
489,  499,  510,  522  u.  A.  2,  523,
5331,  534,  558,  5581,  569  f.,  687,
836’.  Verhältnis  des  Matthias  zu
Württemberg  65f.,  104°,  2941,
341,  401"  ®,  515,  522°,  610,  677,
714°.

Maximilian  I.,  deutscher  Kaiser
631,  689.

Maximilian  II,  deutscher  Kaiser
185,  260%,  363,  401,  515,  573,
755;  dessen  Linie  301,  637,  706.

Maximilian,  Erzherzog  zu  Oesterreich,
  Hoch-  und  Deutschmeister,
Regent  in  Tirol  183,  212,  245,
265!,  286°,  288°,  305',  318',  3471  %,
352  u.  A.  1,  3531-?,  389,  391%,
396!,  442°,  4781,  4881,  494,  519°,
610°,  616°,  623°,  625,  644°,  657°,
686!,  6881,  689°,  696  u.  A.  1,  739*,
74111,  742%,  751,  762,  763”  *,  7648,
780°,  7821-®,  815'.  Zur  Charakteristik
  169,  281.  Haltung  im
pfälzischon  Administrationsetreit
  177,248°.  AlsDeutschmoister
  335.  Im  österreichischen
Hausstreit  208',  209,  210',  402.
Verhältnis  zu  Khlesl  658u.A.1,
«64.  Besuch  des  Kurfürstentags
  763°,  840.  Maximilian  und
die  Komposition  im  Reich  207',

3,  293u.  A.4,  294  u.  A.1,  295',
550,  704,  712,  56f.,  763  u.  A.  2,
782  u.  A.  2.  Verhältnis  zu  Errherzog
  Leopold  8.  unter  Leopold.
  Eintritt  in  die  Liga  168Ff.,
170!,  200,  387,  416,  690.  Verhältnis
  zu  Matthias  s.  unter  Matthias.
  Räte  und  Diener  s.  unter
Arbaissel,  Brackenhofer,  Brandis,
Ducker,  Geuer,  Grienberger,  Hahn,
Pötting,  Saurgrein,  Wolkenstein.
Verhältnis  zu  Rudolf  Il.  32%,
101,  160!,  293°,  550,  628,  690;
zu  Salzburg  83°,  84,  132  f.,
151%,  163,  2071,  211,  607.
Verhältnis  zum  schwäbischen
Schirmverein589f.  Als  Stattbaltor
  in  Böhmen  285,  in  Oesterreich
  658.  Maximilian  und  die

8:9

Succession  im  Reich  115,  160,
163,  346,  354*,  361,  491?,  558,  554
u.A.2,  627  f.,  629",  677,690,  764°,
77a,  78l  u  A.  1,  782°.  Sorge
um  Tirol  2!,5,  12%,  231,  27,  31f.,
66',  83°,  84,  103,  133,  151%,  211,
284  f.,  352',  589.  Verhältnis  zur
Union  37  f.,  52f.,  66',  94,  229  f.,
279,  281,  293  u.  A.  4,  294  u.A.  1,
399  u.  A.  1,  676  u.  A.  1,  677,
uaf,  712f,  727  u.  A.2,  768.
Vertrauen  der  Reichsstände  zu
Maximilian  229,  541',  544,  550,
676  u.  A.  1,  712£.,  727°,  763  u.
A.  2,  782  u.  A.  2.

Maximilian  Ernst,  Erzherzog
zu  Oesterreich  8.  unter  Oesterreich.

Maximilian,  Herzog  von  Baiern,
s.  unter  Baiern.

Mayrle,  Wenzel,  Bürger  von  Sob&amp;amp;slau
  165.

Meckbach,  Dr.  Bernhard  Wilhelm,
Hofkammerrat  181°,183,216u.A.3.

MeuJicis,  Juliano  de,  Gesandter  des
(srossherzogs  von  Toskana  196.

Meggau,  Leonhard  Helfrioh  von,
Freiherr  auf  Kreuzen,  Hauptmann
von  Eisenstadt  und  Forchtenstein,
königlicher  Oberstkämmerer  und
Obersthofmeisteramtsverwalter  218,
252,  254  u.  A.  1,  256,  284°,  288,
291  u.A.1,  396°,  402',  482,  483",
602,  605,  610,  616,  658,  764.

Meissen,  Markgrafschaft  127.

Melander,  Otto,  böbmischer  Appellationsrat
  648  u.  A.  1,  672.

äMlelfi,  Bistum;  Bischof  Placidus
de  Marra,  Nuntius  in  Wien  s.
unter  Marra.

Memmingen,  Reichsstadt.  Armut
232.  Unionsstand  36°’,  222,  227",
232,  698,  86!,  787.

Memmo,  Marc  Antonio,  Doge  von
Venedig  s.  unter  Venedig.

Mendoza,  Juan,  Statthalter  von
3lailand  und  Connetable  von  Castilien
  66°,  129,  204.

Mergenthoim  an  der  Tauber  511'.

Mertz,  Dr.  Simprecht,  bischöflich
regeneburgischer  Kanzler  269!,

Metternich,  Adam  Wolf  von  Gracht
genannt  Metternich,  Domdechant
zu  Speier  675',  776  u.  A.  5,  777%,
197,  815.

Metternich,  Lothar  von,  Kurfürst
von  Trier,  s.  unter  Trier.

Metz,  Stadt  514.

Mincokwitz,  Ehrnfried  Freiherr  von,
Reichshofrat  151',  154'!,  178°,  183
        <pb n="902" />
        880

u.  A.  2.4,  187,  246°,  8941,  395,
422',  423,  428',  429,  4651,  452°,
461,  463  u.  A.  2,  464  f.,  467,  509
u.  A.  1,  553,  560,  588,  596,  632,
605  f.,  614,  648,  736,  836.

))  raball  0  (Mirabaldo),  Graf  Antonio,

ämmerer  (es  Erzherzogs  Leopolıl
147!,  182,  194  u.  A.  2,  290,  Bas,
306  u.  A.  2,  526,  607.

Mödlingen  «Alädingen)  bei  Lauingen,
  Kloster  549°.

Mömpelgaru,  Grafschaft  680,  719,
774,  829  u.  A.  1.

Mlörsberg,  Freiherr  von,  Oberst  im
Kriegsvolk  der  Liga  188°,  417".

Moldau,  Fluss  in  Böhmen  171'.

Moldau,  Fürstentum  615.  Gesandte
des  Hospodaren  der  Moldau  354,
364,  390,  489.

Moll,  Friedrich,  bischöflich  passauischer
  Rat  377.

Jlollart,  Ernst  Froiherr  von,  kaiserlicher
  gebeimer  Rat  und  Hofmarschall
  145  u.  A.  4,  186*,  288  u.
A.2,291,  346,  347*,  349,  363,  423,
428°,  431,  439,  A41*,  444,  445%,
451,  452°,  461,  464,  467,  480,
251,  543,  5885,  602,  605  f.,  608,
619,  648,  657,  6591,  689,  787,
«59,  818°,  822,  835  f.

Molsheim  im  Elsass  668.

Mondesce,  Marktäecken  in  Osesterreich
  ob  der  Enns  22.

Mondorf  am  Rhein  (s.  auch  Blonheim)
  15!,  140,

Monfalcone  in  Istrien  501'.

Monheim  am  Rhein,  s.  Mondorf.

Muntalto,  Kardinal,  s.  unter  Poreito.

Montanana,  Pedro  de,  Sckrotär
von  Zuniga  213  f.

Montepulciano,  Erzbistum.  Erzbischof
  Robert  Ubaldini  s.  unter
Übaldini,

Montmoreney,  Nicolas  de,  Chef
der  burgundischen  Finanzen  44.
Moriz,  Landgraf  von  Hesson-Cassel,

8.  unter  Hessen-Uassel.

Moriz,  Prinz  von  Oranien,  Erbstatthalter
  der  Niederlande,  s.  unter
Oranien.

Moscaglia,  Hektor,  Leibarzt  Rudolfs
  11.  648°.

Mosel,  Fluss  98.

Mühlhausen  in  Thüringen,  Reichsstadt
  368  u.  A.  3,  387,  397,  398",
435,  439,  488,  6041,  608,  509',
526,  528,  530°,  581',  532°,  533,
541',  550,  551  u.A.2,  552  u.A.  4,
553,  585,  595,  610,  617  f.,  621,

Register

623°,  627°,  628,  6291,  650,  652,
656,  660,  661  u.  A.  2,  662,  681,
744!,  746°,  757,  778,  829.  Pest
in  Mühlhansen  538,  529',  616,  44,
146°,  758,  799.  Rat  der  :talt
435,617,  74,  737.
Mühlheim  am  Rhein  20,  308°,
805  e.,  BOB".  NL
Mühlhoimiscoher  Streit  8308".
Müllem,  Haas,  Sekretär  der  böhmischen
  Landeskanzlei  542.
Müller,  Ludwig,  Liz.,  gräflich
öttingenscher  Kanzler  217,  68.  —
N.,  kaiserlicher  Hofdiener  823.
München  8,  63*,  9,  108,  132%,
147,  149,  155,  164,  183,  2°,
207!,  236,  268,  265  u.  A.  3,  297,
307®,  836,  352',  379,  437  u.A.1,
456',  508°,  550  601',  607,  81.
Münster,  Bistum  Bischof  Kur
fürst  Ernst  von  Köln.  —  Gefährdung
durch  die  Geseralstaaten  s.  unter
(seneralstaaten.  Eintritt  in  die
Liga  8',  109°,  312,  336,  380',  382,
474°.  Btäftagebiet  98.
Münsterbeorg,  Hersog  Karl  von
131',  153',  365  a.  A.  1,  4186!.
Münzwesen  4,  &amp;gt;79.  Mönz
probationstage  698.
Muffel,  Hauptmann  in  nürnbergischen
  Diensten  ı9..
Muhm,  Dr.  Arnold,  markgräflich
culmbachischer  Rat  697.
Mumprecht,  Dr.  Christopb,  Advokat
  der  Stadt  Giengen.

Nassau-Dillonburg,  Graf  Je
kann  von,  Oberst  im  Dienst  der
Pfalz  und  der  Union  3tf.,  36  u.
A.  3,  547,  777,  843.

Nassau-Saarbrücken,  Graf  Ludwig
  von  843.

Nationalkonszil,  deutsches  7.:.

Naumburg  617.

Nollenburg,  Landgrafschaft  689.

Noreaheim  in  Württemberg  740,
80l.

Neu,  Balthasar,  markgräfiich  ans
bachischer  Geheimsekretär  697.
Neuburg,  Herzogtum.  Pfalzgral
August  437  u.  A.  1,  549°,  $yl',
663.  Pfalsgraf  Philipp  Ludwig
11',  15  u.  A.  2,  20',  29',  36,  48",
63°,  65',  67?,  131,  84°,  92%,  98,
109%,  110°”  ®,  121',  161,  165",  208
u.  A.  2,  231',  293,  2395',  332°,
3332,  394',  399',  401°,  436,  437°,
468',  471,  501°,  512  u.  A.  1,  531',
54l,  549%,  553%  559,  616",
        <pb n="903" />
        Register

6351.  ?,  638,  651,  653',  655,  6561,
663,  683°,  692!,  7421,  798,  799",
800  u.A.1,  8OLf.,  818u.  A.  2,  836°.
Im  Administrationsstreit
s.  unter  Administrationsstreit.  Verhältnis
  zu  Baiern  s.  bei  Baiern,
unter  Maximilian;  zu  Brandenburg
  s.unter  Brandenburg.  Erbrecht
  der  neuburgischen  Linie  821.
Finanzen  Neuburgs  126,  566.
Im  österreichischen  Hausstreit
4251,  426,  428,  437,  442.  Im
jülicher  Erbstreit  20',  291,
38,  70,  107  f.,  112°,  123,  126,  129,
1410,  148°,  203°,  206',  298,  652  u.
A.2,  653',  656,  669,812;  s.  auch  bei
Jülich,  unter  Jüterbogker  Vergleich
und  Possidierendo  Fürsten.  Kaisheimscher
  Streit  s.  unter  Kaisheim.
  Bemühungen  um  die  Komposition
  im  Reich  203  f.,  206',
293  f,,  436  f.,  489,  549  u.  A.  2.3,
550,  601',  652un.A.2,  653  u.A.1,
730  u.A.2,  731!.  Philipp  Ludwig
nnd  der  Kurflirstentag  408°,
476,  477,  501  u.  A.  1,  530,  574,
517°.585,  617,  682f.,  684,  6921,  826.
Verhältnis  zur  Liga  s.  unter  Liga;
zu  Mainz  477!,  503,  629',  690,
692!;  zu  König  Matthias  516;
zur  Pfalz  s.  unter  Administrationsstreit.
  Neuburgischer  Rat  400°,
437°,  549,  800;  Räte  und  Diener
s.  unter  Beer,  Fröhlich,  Gaugler,
  Heuchelio,  Pistorius,  Silbermann,
  Sperberseck,  Widmann,  Wonsheim,
  Zeschlin.  Verhältnis  zu
RudolflIlI.  375!,  422',  442,  499,
512',  543'.  Gesandte  in  Prag  394",
425',  428,  431",  451,  468",  480,
483',  500,  5121,  5172,  5191,  541,
6921,  1742!,  798  u.A.2.  3,800,  818”.
Verhältnis  zuSachsen  126,  437,
656';  zur  Union  37,  158  u.A.3,
217  f.,  232  f.,  2852!,  437,  539°,  564,
631°,  652°,  663,  666,  082,  683  u.
A.  1,  697,  718,  727  u.  A.  3,  728
u.  A.  1.  730,  731  u.  A.  I,  767,
776,  786';  Gesandte  zum  Unionstass
  217,  218  u.  A.  1,  219°,  220  u.
A.  4,  471,  697;  Ausschreibung
des  nördlinger  Partikularkonvents
92°,  158,2181.,  Zollsachen  829.
Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  «0,
141,  203  u.  A.  2,  206!,  293!,  436,
43:',  655,  800°.  Dessen  Verhältnis
zu  Maximilian  von  Baiern  203  u.
A.  2,  207',  265,  276,  293  f.,  137°,
&amp;gt;49";  zuBrandenburg  »31',052°,

881

656',  669.  Verhalten  im  jülicher
Erbstreit  652u.A.2,  653',  655,
803”;  Wolfgang  Wilhelm  als  possidierender
  Fürst  203?,266'!,  730°,  840.
Wolfgaug  Wilhelm  und  dieKomposition
  im  Reich  293,  436,  4373,
549°,  Verhältnis  zu  Mainz  629!,
Räte  652°.  Verheiratung  126.

Neuburg  an  der  Donau,  Stadt  88,
63°,  203°,  2071,  266,  2931,  4373,
516,  7221,

Neu-ÖOetting  in  Oberbaiern  21!.

Neuschloss  (bei  Lampertsheim  in
Hessen)  148,  160',  626.

Neustadt  am  Kocher  610.

Neutralisten  322,  323',  382.

Nevers,  Herzog  von  17!.

Niederburgund  42°,  43f.,  45!.

Niederlande,  freie  s.  unter  Holland;
  —  spanische  238f.,  219,  253,
298,  301,  313,  490,  629’,  637.

Niederösterreich  (als  Ländergruppe)
  103,  738.

Niedersachsen  181°.

Niederschwaben  590.

Niederungarn  176,  364.

Nivolaysso,  Don  Rodrigo,  conde
de  Anover,  spanischer  Kriegerat
und  oberster  Kammerherr  des  Erzherzogs
  Albrecht  44  f.

Nördlingen,  Reichsstadt  33,  225.

Be  pre  «hung  der  ausschreibenden

  Unionsstädte  in  Nördlingen  33,
391.  Mitglieder  des  Rats  und
Advokaten  der  Stadt  s.  unter
Gering,  Gundelfinger,  Heher,  Heider.
Unionsstand  33,  218,  2271,698,
7871;  Gesandto  zu  den  Unionstagen
218,  698,  717,  7202,  721,  725.
Unionstag  in  Nördlingen  92°,
158,  218'.

Nürnberg,  Reichsstadt  225,  232,  280,
282!,2497,  332,  447',  516,  529,  559,
730,  739,  786  u.  A.1,  787!,  801f.,
8il6f.,  821,  824,  826,  828,  Bötf.,
844  u.  A.  2.  Bürgerschaft
222.  Nachbarliche  Irrungen
771,  228,  564,  566,  715!.  Verleguug
  dee  Kurfürstentags
nach  Nürnberg  629!,  551,  757  u,
A.  2,  778,  791!,  792  u.  A.4,  799.
8ll,  842  u.  A.  2.  Nürnberg  im
Landsberger  BunJ  135.  Rat
der  Stadt  33°,  39,  401,  421,  75!,
222,  237,  447,  561,  565,  567',
‘05°,  715"  *,  719",  757°,  792,  839,
840";  Mitglieder  des  Rats,  Advokaten
  und  Diener  der  Stadt  8.  unter
Burkhard,  Fürer,  Grundberr,  Haller,

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  56
        <pb n="904" />
        882

Im  Hof,  Löffelholz,  Muffel,  Oelhafen,
Schwarz,  Volekhamer.  Nürnberg
und  Rudolf  II.  566,  715°;  Residenz
  Rudolfs  II.  in  Nürnberg  564,
566,  705°;  Schickung  der  Nürnberger
  nach  Prag  im  Jahr  1609  38  u.
A.1,  771,226.  Rüstungen  der
Stadt  232,  237,230.  Nürnberg  in
der  Union  33  u.  A.  2,  34f.,  39,
77,  217,  563  f.,  566,  580,  698,
785,  786  u.  A.  1,  787,  840°.
Ausschreibende  Stadt  in  der
Union  33,  75!.  Darlehen  an  die
Union  35f.,  198,  227,  667,  715%,
785°,  786,  793  f.,,  840°.   Direktorium
  im  SBtädterat  715.  Verhältnis
  zu  den  höheren  Ständen  564,
157°,  792,  796°.  Kontributionen
für  die  Union  227',  232f.  Legstätte
der  Union  233,  564.  (sesandte  zu
den  Unionstagen  217,  222f.,  224",
226  f.,  230,  232  f.,  236,  237  u.
A.  1,  238,  561,  567',  698,  701°,
702,  709*,  710',  712  f.,  715  u.A.1.
4,  717',  719  u.  A.  1,  72V  u.A.2,
721f,  724  u.  A.1,  726,  729,  754
u.  A.1,  757°,  792,  «96°.  Unionstag
  in  Nürnberg  189°,
Nuntien,  päpstliche  7,  25,  48',  50,
79f.,  86,  108,  112,  115,  118,  134,
183,  240,  286,  361,  506  u.  A.  2,
595  u.  A.1,  627,  668,  01  w.A.1,
703,  744u.A.2,  772,  78.  Nuntius
in  Köln  s.  Albergati;  in  Parie  e.
Ubaldini;  in  Prag  s.  Gaötano  und
Salvaggo;  in  Wien  8.  Marra.

Obentraut,  Raimund  von,  Ritt
meister  im  Dienst  der  Kurpfalz
231  f.,  280,  562,  564,  567.

Oberelsass  s.  unter  Elsass.

Oberhaus  ob  Passau  308°,  354#,
855,  531.

Oberösterreich  (als  Ländergruppe)
32!,  168f.,  589;  s.  auch  unter  Tirol.
Finanzen  «38.  Eintritt  in  die
Lixa  168  u.  A.1.  Regierung
168  u.  A.1,  589f.  Eintritt  in  den
schwäbischen  Schirmvorein
589  f.

Oberpfalz  177,  189f.,  199,  211,
4411  u.  A.1,  829.  Kriegsvolk
in  der  Oberpfalz  34  u.  A.  1,  36°,
92°,  411?,  565,  667,  715,  71T".
Gefährdung  durch  das  passauer
Kriegsvolk  230  u.  A.  2,  231f.,
279.  Regierung  (in  Ambere)
230u.A.2,  237  f.,  441°,  551’,  787.

Oberschwaben  591.

Register

Oberungarn  354,  364,  615.

OÖchsenhausen  bei  Biberac,
Reichsabtei  271?.
Odenheim  (Udenheim),  Reichs

propstei  52,  376,  387,  776*.

Oelhafen,  Dr.  Johann  Chriuwph,
Stadtadvokat  von  Nürnberg  33,£,
751,  771,  217,  564f,  698,  8,
757°,  792,  839.

Oesterreich.  Gesamthaus  67°,  %,
100f.,  103,  118,  132?,  146,  147
u.  A.  2,  150%,  164,  168,  173E£,
195,  202,  213,  253,  256°,  IM
302,  307  f.,  317,  344!,  351  w.AL
352!,  354,  3657  u.  A.  4,  364,  312,
394,  396°,  401  f.,  404,  410,  462!,
463°,  488°,  489,  559,  5:9,  9,
637,  763,  780°,  812°.  Ansehen
des  Hauses  677,  780°.  Verhältais
zu  Baiern  s.  bei  Baiern,  unter
Maximilian.  Bündnisse  gege
das  Haus  528,  697.  -  Errzherzoge
  des  Hauses  insgesamt
79,  137,  169,  401,  44,  451,
4541,  462!,  468,  455°,  492,  514,
528,  54151,  554%,  59,  59  f.,
640°,  657  f.,  82°,  25,  MO.
Albrecht  s.  unter  Albrecht.  Auma.
Tochter  des  Erzherzogs  Ferdinaed
von  Tirol,  später  Gemahlin  des
Königs  Matthias  287?,  4522,  615”.
759'.  Ernst  587.  Ferdinand  die.
von  Tirol  287°,  452°,  615°.  fer
dinand  d.  J.  von  Innerösterreich
8.  unter  Ferdinand.  Karl,  Bischof
von  Breslau,  s.  unter  Breslau.
Leopold  s.  unter  Leopold.  Maria,
Gemahlin  des  Erzherzogs  Karl  vou
Innerösterreich  244,  3639.  Matthias,
  König  von  Ungara  wnl
Böhmen,  s.  unter  Matthias.  Maximilian,
  Hoch-  und  Deutschmeister,
a.  unter  Maximilian.  Maximilsa
Ernst,  553.  Rudolf  II.  es.  unter
Rudolf  II.  —  Zusammenkunft
der  Erzherzuge  163  f.,  208',  210',
296,  370,  658,  696'!,  765°.  Haus
Oesterreich  und  Frankreich  a.
unter  Frankreich.  Hausgesetze
203,  211,  302,  371?,  583°.  Hansstreit
  s.  unter  Hausstreit.  Kompaktate
  mit  den  Erblanden
460',  494,  658,  ‘64.  Verhältais
des  Gesanthauses  zu  Erzhersag
Leopold  369f.;  zur  Liga  s
unter  Liga.  Deutsche  Linie  das
Hauses  116.  Verhältnis  des  Ge
samthauses  zu  Mainz  s.  unter
Mainz;  zu  Matthias  s.  wntr
        <pb n="905" />
        Register

Matthiss.  Stellung  des  Gesamthauses
  zum  Einfall  der  Passauer
369.  Verhältnis  za  den  Protestanten
  5%,  7401.  Haus
Oesterreich  und  das  Reich  298,
492,  554  u.  A.  2,  671.  Verbältnis
zu  Rudolf  I.  540,  612,  619,
659;  zu  Sachsen  42°,  43f.,  48,
162,  301,  396°,  402,  405,  489,
644,  646;  zu  Salzburg  163,  207,
208°;  zu  Spanien  493,  646,
658.  Haus  Oesterreich  und
.die  Succession  in  den  Erblanden
  s.  bei  Erblande,  unter
Succession;  Succession  des
Hauses  im  Reich  116,  202,
211,  245,  296,  301f.,  305,  353°,
370,  424°,  4881,  489,  491?,  492,
514,  526  f.,  540,  511°,  515!,  553,
559,  625,  627,  637,  640°,  676  f.,
738,  165°,  777,  782  u  A.  2.3,
825,  831.  Verhältnis  zu  Trier
514.

Oesterreich  (Erzherzogtümer,  Niederösterreich)
  301,  326,  328,  364,  372,
401,  404,  452?,  457°,  459°,  481,
526,  633f.,  637,  810%,  812.  Konföderation
  mit  Böhmen  und
Ungarn  101,  159,  211,  212',  334.
Landstände  insgesamt  101,255',
292,  297,  326,  404,  411,  4247,
4281  ?,  438,  412,  459,  585;  evangelische
  212'!,  254,695;  katholische
53,  523';  Prälaten  255'.  Verhältnis
  zu  König  Matthias  255,  289,
351?,694,737.  Verbindung  derStände
mit  der  Pfalz  49).  Religionsprivilegien
  der  Erzherzogtümer
253.  Verhältnis  der  Lande  zu
Rudolf  II.  211,  213,  297,  632,
649.  Truppen  der  Lande  361,
410,  440.  Verbindung  mit  der
Union  211,  212'!,  222,  228,  500°,
665,  706,  768;  mit  den  Unkatholischen
  im  Reich  101,
1569,  211,  212',  334.

Oesterreich  ob  der  Enns  30,  255,
292.  Bauern  165°.  Finanzen
2551.  Haltung  im  Hausstreit
255.  Konföderation  mit  den
andern  Erblanden  659.  Landeshauptmann
  s.  unter  Volkersdorf.
Landstände  überhaupt58u.A.2,
83u.A.2,  9,98,  152f.,  306;  evangelische
  Landstände  175  u.  A.  3;
Verordnete  der  Landstände  58°,
84,  305'.  Einfall  des  passauer
Kriegsvolke  s.  unter  Passauer
Kriegevolk.  Bündnis  mit  Salz-883



burg  83u.A.2,163.  Truppenwerbungen
  13,  152f.,  178,  252!,
Beziehungen  zur  Union  200,  305'.

Oesterreich  unter  der  Enns.
Bauern  165°.  Finanzen  255!.
Im  Hausstreit  256.  Konföderation
  mit  den  andern  Erblanden
  659.  Landstände  90.
94.  Beziehung  zu  König  Matthias254f.
  Truppenwerbungen
13,  171!,  2521,  Verbindung  mit
der  Union  94.

Oettingen,  Gottfried  Graf  von.  Räte
s.  unter  Kessler,  Müller.  Unionsstand
  37,  217,  679,  698;  Ge
sandte  zu  den  Unionstagen  217,
221,  223,225,  227,  229,  231,  233  f.,
698,  701,  7O3f.,  706,  708°,  709,
‘12,  714,  719,  754,  771,  788;
Teilnehmer  am  nördlinger  Ta;  des
Pfalzgrafen  von  Neuburg  218'.

Offner,  Johann,  Bürgermeister  von
Rotenburg  o.  T.  698.

Oldenbarnevelt,  Jan  van,  Advokat
  der  Staaten  von  Holland  721,
112,  124.

Olmütz,  Erzbistum.  Erzbischof
Franz  von  Dietrichstein,  Kardinal
281  u.  A.  7,  4521,  480.

Olmütz  in  Mähren,  Stadt  311.

Onate,  Graf  von,  Mitglied  des
spanischen  Staatsrates  357.

Onolzbach  se.  Ansbach.

Oppenheim,  kurpfälzieches  Amt  90.

Oppenheimer,  Dr.  Johann  Jakob,
Syndikus  der  schwäbischen  Grafen
und  Herrn  209!,  377.

Oranien,  Moriz  Prinz  von,  Erbstattbalter
  der  Niederlande  721,
1122,  267,  507,  834.

Orden,  geistliche  576,  633.

Orth,  Philipp,  Mitglied  des  Rats
von  Heilbronn  75!.

Osnabrück,  Bistum.  Eintritt  in
die  Liga  8',  312,

Ostfriesland  s.  unter  Rietberg.

Otto,  Landgraf  von  Hessen-Cassel,
s.  unter  Hessen-Cassel.

Padavino,  Mare  Antonio,  venezianischer
  Orator  in  Prag  97,  121!,
130',  144%,

Paderborn,  Bistum  98,  386  Eintritt
in  die  Liga  8',  312,  314.

Pape,  Beichtvater  Rudolfs  U.  591,
393.

Papisten  s.  unter  Reichsstände,
katholische.

56*
        <pb n="906" />
        884  Register

Papst  s.  unter  Paul  V.

Pappenheim,  Maximilian  Freiherr
von,  Reichserbmarschall  435,  504.
Dessen  Streit  mit  den  Reichsstädten
7288,

Pardubitz  in  Böhmen  688.

Paracelsus,  Theophrastus  452°.

Paris  53,  112°,  298,  632';  Parlament,
  pariser  599.

Pasquilini,  Johann,  Baumeister
im  Dienst  der  possidierenden  Fürsten
zu  Jülich  803°.

Passau,  Bistum  48°,  215,  29,
347  f.,370,371?,4632,493*.  Bischof
Erzherzog  Leopold,  s.  unter  Leopold.
  Ligastand  335,  382;  Gesandte
  zum  Ligatag  376.  Moderation
des  Anschlags  382f.  Mustorplatz
  für  das  passauer  Kriegsvolk
11,  21,  4,  12?,  26,  28,  257,  328.
Verhältnis  des  Stifte  zu  Oesterreich
  812?,  Räte  s.  unter  Moll
und  Planck.  Stiftsgüter  283  u.
A.1,  285,  292,  308°,  355,  370,  371
u.  A.  2,  493*,  501°,  526,  812.

Passau,  Stadt  39,  57,  119,  178',
185,  187,  297,  305  u.  A.  1,  307°,
308°,  328,  347,  3541,  355,  412,
493  u.  A.  4,  531,  536,  812°,  814,
821,  812.  Schloss  ob  Passau  s.
unter  Oberhaus.

Passauer  Kriegsvolk  (kaiserliches
Kriegsvolk)  210,  260°,  276,  308°,
313,  333,  3441,  3721,  374°,  419,
425°,  431!,  462,  492,  493°,  495  f.,
499,  587,  600,  601:,  628,  636,
00°,  739.  Abdankung  1!,  2!,
5,  12  u.  A.  1.  2,  26  f.,  33°,  52f.,
Di  f.,  73,741,  85  f.,  91°,  98u.A.2,
102,  109°,  119  £.,  121',  150,  171.
A.  1,  174,  179,  182  f.,  183",  194,
210?,  213,  239,  2411,  247!,  257,
265,  283  u.  A.  1.  2,  285,  290,
292,  307,  308u.  A.  2,  328f.,  3341,
351°4,  355,  371,401?”  Absicht
des  Volkes  69,  91',  100f.,  109  f.,
121,  130f.,  146,  147  u.  A.  1,
148°,  159,  165  u.  A.2,  173,  184  f,
187,  2U1f.,  240f.,  257  f.,  303,  328,
309,  643  f.,  709,  838.  Abzug
des  Volkes  aus  Prag  und  Böhmen
121!,  171',  182,  183  u.  A.  4,  189,
194,  213f.,  216  u.  A.  1,  246,  260°,
265,  283u.A.1.2,  285,  291f.,  361,
401?  Aechtung  des  Volkes  283  u.
A.2,  329,  331,  345,  347,  400,  423,
424  u.A.1,  443°,  444,  445!,  452°,
458°,  459,  461°,  470",  491  u.A.1,
501',  534.  Passauer  und  Baiern

s.  unter  Baiern.  Befehlshaber
des  Volkes  120  u.  A.  1,  121
A.1,  171u.A.1,  183%,  201,  232
239,  241f.,  246,  260°,  292,  34.°,
412,  463°,  489  £.,  501',  503,  8;
s.  auch  unter  Althan,  Castilloa,
Colloredo,  Croy,  Gent,  Leopold,
Bamee,  Rottental,  Schwendi,  Buls,
Trautmannsdorf,  Ubezko.  Passauer
und  die  Stände  in  Böhmes
8.  unter  Böhmen.  Passauer  und
der  Herzog  von  Braunschweig
8.  unter  Braunschweig.  Einfall
  der  Passauer  in  Oesterreich
  und  Böhmen  1!,  21,  +f,
12  u.  A.  3,  23%,  21  u  Al,
23,  241,  26f.,  34,  4,  48  u.  Al,
57,  58  u.  A.  2,  63°,  64,  65°,  66  u
A.1,  67,  83?,  8tf.,  91,  99,  IB£,
104  u.  A.  8,  109°,  117  £.,  119,
120  u.  A.  2,  121!,  1301,  183£,
145  u.A.4,  150,  152,  162f.,  178L£,
201,  215,  226,  230  u.  A.  2,  22.
240,  246,  248,  258  f.,  260°,  263,
289°,  304,  307,  329f.,  344,  3W,
360,  365,  369  f.,  372,  03  f.,  418,
427,  429  f.,  439  f.,  466',  199,  338.
Vereinigung  des  passauer  mit  dem
elsässer  Volk  s.  unter  Elsässer
Volk.  Verwendung  in  Jülich
8.  unter  Jülich.  Quartierung  is
Krumau  109°”.  Stellung  des
Erzherzogge  Leopold  zum  \Vdk
s.  unter  Leopold.  Passauer  und
König  Matthias  (Verhandlungen
und  Gewinnung  für  diesen)  131},
153,  171',  179,  187,  256,  38,
290  f.,  3171,  346,  347  2,  353,  IR),
411,  4191,  420,  439,  442,  45%,
458°,  4637,  484  f.,  489  f.,  UN,
501',  506,  516,  526,  534,  552,  55:,
560  £.,  579,  591!;  8.  auch  unter
Matthias.  Meuterei  28,  58,  187,
206‘.  Einwirkung  auf  die  Nachbarschaft
  21  u.  A.  1,  26  £.,  34,
62,  66  u.  A.  1,  73f.,  9°,  158
172,  190  u.  A.  1,  197,  19  u.A.?,
205,  206!,  207,  218,  220,  PH,
229  f.,  232,  248  f.,  289,  342.  EB
wirkung  auf  das  Reich  26  f.,  4.
91°,  176,  264,  268,  275f.,  279L,
307,  420,  4341,  484,  507,  D6t£,
5611,58,  11,  «13.  Passauer  und
Rudolf  II.  48,  57f.,  60f.,  64,
‘4,  85,  %,  91  u.  A.  3,  98,  IWE,
1CYy  u.  A.  3,  117,  120,  121  a
A.  1,  130,  131  u.A.  1,  145  u.A.4,
150f.,  165  u.  A.  2,  71m.  A.|.
178,  182,  183*,  184  f.,  201f.,  213,
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strators  zu  Mainz  s.  unter  Mainz;
zu  König  Matthias  s.  unter
Matthias;  zu  Erzherzog  Maximilian
  280,  6%,  768;  zu  Rudolf
  II.  54,  233,  333  u.  A  1,
497  £.,  499,  517°,  597,  608,  624,
7481,  779,  843,  8.  auch  unter
Rudolf  II.;  zu  Sachsen  47lf.,
498  f.,  530?,  586,  640%,  655,  696',
1345,  735,  68,  773,  828;  zur
Union  34°,  52,  158,  189,  197,
217,  222,  279,  547,  563,  565,  579,
663,  666  f.,  6:9  £.,  697,  699,  7171,
720°,  770,  772,  783  u.  A  2,  785
u.  A.  3,  786,  787°,  88  u.  A.  1,
793  f£,  815,  810°;  Gesandte  zum
Unionstag  217  f.,  448,  4:1,  697  £.,
708°,  754.  Pfalzgraf  Johann  Casimir
  692.!

Ansehen  der  Pfalz  38.  Beziebung
  zu  Baiern  e.  unter
Baiern;  zu  Böhmen  468;  zu
Brandenburg  s.  unter  Brandenburg.
  Gesamthaus  248°,  476,
477!,  530,  566,  574,  609!.  Haltung
im  Österreichischen  Hausstreit
147,  1541,  163,  375  u  A.  1,  4341,
471f.,  497  f.,  713.  Nachbarliche
Irrungen  227  Interessen  in
Jülich  376,  669.  Pfälzische
Kanzlei  38.  Pfalz  und  die
Komposition  im  Reich  756,
«69.  Kriegsvolk  der  Pfalz  34!,
280,  441?,  667,  715.  Lehenreiter
564,  5,  717  uA.1,  785  u.A.2.

Kurfürsten:  Friedrich  IV.
15°,  113,  148,  160  u  A.  2,  222,
229  f.,  322,  334,  Of,  I6fF.,
498,  547,  574,  594,  626,  6291,
683,  685,  691,  713,  721%,
724,  726,  «27°,  7431,  752:  Ge
mahlin  Louise  Juliane  und  Tochter
Louise  Juliane  s.  unten;  Sohn
Friedrich  V.,  Kurerbe  15°,  53,
112°,  142,  221,  333  f.,  477!,  498,
608,  655,  663,  834;  dessen  Vormünder
  113,  477;  dessen  Belehnung
  54,  82*,  332?,  499  f.,  586,
608,  691?;  Grossjähriprkeitserklärung
des  Kurerben  594,  638.  Kurfürstin-Witwe
  Louise  Juliane  53,  113,
159,  476,  799!,  801.  Pfalzgräfin
Louise  Juliane  (später  Gemahlin  des
Administrators  Johann)  158  u.  A.  4.

Kurlande  10°,  38,  74,  328,
477.  Lehen  der  "Kurpfalz  89  f.;
8.  auch  bei  Jülich,  unter  Lehen,
Stellung  zur  Liga  8.  bei  Liga,
unter  Münchner  Akkord.  Verhält-Register



nis  zu  Neuburg  s.  unter  Ad.
ministrationsstreit.  Pfalz  und  der
Einfall  des  passauer  Kriegsvolks
  27,  34,  73f,  2  u.A?
148°,  189,  199;  s.  auch  unter  Oberpfalz.
  Pfalz  als  Führer  der  Protestanten
  639.  Bäte  66,  18,
293*,  332,  551,  Dr4f.,  577°,  ©,
628,  6291,  650,  735,  775,  ::3,
800  f.,  8031,  825°,  827,  8.  auch
unter  Camerarius,  Colbinger,  Coll,
Dathenus,  Ehem,  Gothofredus,  Grüs,
Hausmann,  Hoeimstätt,  Jung,  La»-tern,
  Lenk,  Lingelsheim,  Loefeniss,
Nassau,  Obentraut,  Paul,  Plesses,
Richius,  Saugenfinger,  Schönburg.
Solms.  Verhältnis  der  Pfalz  zum
Reich530!.  Zahlung  derBeichssteuern
  608,  743!,  7491,  798°,
1991,801.  Vorhältnis  zu  RudolflIL
54,  1541,  185,  332,  333  u.  A|,
334,  498£.,  517°,  608,  624,  183°,
7991,  813;  zum  Bistum  Speier?,
88,  90,  387  Pfalz  und  die  Suecession
  im  Reich  148,  159  f.,
3431,  626  f,  640  u.  A.  4,  si!
650,  678,  690,  812.  Pfals  und
die  Union  8.  oben,  unter  Admunistrator
  Untertanen  der  Pfak
27,  189,  802,  829.  Vikariat
der  Pfalz  s.  unter  Reichsrikarist
Streit  mit  der  Stadt  Worms  2%
Zollsachen  829.

Pflug,  Christoph  von,  gräflich  oldesburgischer
  Rat  343,  347*,  360,  365
u.  A.1,  366  u.  A.3,  368u  11,
388°,  393,  395,  5091,  553  WA  1,
603,  6921.

Pfretzschner,  Dr.  Ambrosius,
kursächeischer  Rat  und  Agent  in
Prag  (gestorben  am  26.  Mai  1611)
16,  84°,  90  u.A.3,  1447,  11%,
188%,  214,  217  u.  A.  1,  240*®
254!,  260°,  282  u.  A.  2.3,  2338",
284°,  2914,  2924,  3161-°,  4855",
517°,

Philipp  der  Grossmütige,  Landgraf
von  Hessen-Cassel  8.  unter  Hessea-Cassel.


Philipp  IL,  König  von  Spanien,
und  Philipp  IIL,  König  von  Spanien,
8.  unter  Spanien.

Philipp  Ludwig,  Pfalspraf  von
Neuburg  s.  unter  Neuburg.

Fhilippis,  Johann  Maria,  kaiserlicher
  umeister  508°,  560,  591’,

Pic  arden  in  Böhmen  364.
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        Register  887

Picatrix,  nigromantischee  Buch
(des  Pico  von  Mirandula:  de  arte
cabbalistica?)  517.

Pichler,  Konrad,  bairischer  Kanzlist
  52.

Piosport,  Dietrich,  Sekretär  Fleckhamers
  535  f.

Pilsen  in  Böhmen  258,  297,  325,
3%,  443°,  453,  454!,  464',  488,
810  u.  A.  2,  812,  821°,

Piombino,  Markgrafschaft  592  £.

Pistoris  von  Seuselitz,  Dr.  Simon
Ulrich,  kurbrandenburgischer  geheimer
  Rat  128.

P  istorius,  Jeremias,  pfalz-neuburgischer
  Agent  in  Prag  501',  553%.

Pistorius,  Johann,  Beichtvater
Rudolfs  II.  361  u.  A.  2,  425%,

Placidus  deMarra,  Bischof  von  Melfi,
Nuntius  in  Wien,  s.  unter  Marra.

Planck,  Dr.  Stephan,  bischöflich
pasrauischer  Kanzler  376.

Platteis  von  Plattenstein,  Johann,
Sekretär  der  Reichskanzlei  431'.

Pless,  Herrschaft  in  Schlesien  283,
304°,

Plessen,  Vollrad  von,  kurpfälzischer
geheimer  Rat  160°,  728.

Pötting,  Ortlieb  von,  Kämmerer
und  Oberststallmeister  des  Erzherzoge
  Maximilian  2!,  86,  307°.

Polen,  Königreich  183*,  187,  210,
260°,  426%,  5850,  615.  König
Sigismund  Ill.  «19,734.  Reichsstände
  719.  Reichstag  in
Wurschau  539°,  680  u.  A.  4,  709,
713,  719,  746°,  771,  811.

Polheim  auf  Lichteneck,  Gundaker
von,  königlicher  Rat  und  niederösterreichischer
  Regimentsrat  1',
53°,  63°,  65,  173  u.  A.  2,  320°,
311°,  372u.A.1,  388,  404,  421u.
A.1,  425,  431°,  585,591,  610,  613.
Abgesundter  des  Königs  Matthias
zum  rotenburger  Unionstag  ‘(N  u.
A.  1,  «101,  711,  713  u  A|,
‘lt  u.  A.  2,  718,  728,  763,  780
u.A.6,  782';  zum  Kurfürstentag
761,  834°,  814

Popel,  s.  unter  Lobkowitz.

Portugal,  Königreich  48.

Possidierende  Fürsten  in  Jülich
s.  unter  Jülich.

Prada,  Andrea  de,  spanischer  Staatssekretär
  A13!.

Praetorius,  Hofkaplan  Rudolfs  II.
316°,  353',  452°,  5191,

Prag,  Erzbistum;  Erzbischof  Karl
Freiherr  von  Lamberg  152°.

Prag,  Stadt  7,  10?,  15°,  16,  21,

31,  321,  38,  481,  54  u  A.1,  56£,,
68°,  69  u.  A.  1,  771,  79,  83,
85,  88°,  90%,  97,  99,  108,  109°,
116,  118,  131',  132,  141f.,  145%,
1575,  158,  161',  162!,  164,  165  u.
A.  1.2,  167  u.  A.  3,  171!,  18,
186,  188‘,  189,  202,  207,  246,  251
u.  A.  2,  252,  254,  256  u.  A.  1,
265,  268,  271f.,  273',  285,  287,
288  u.  A.  5,  297  f.,  303,  307,  312,
315!,  321,  330,  332  u.  A.  3,  333,
335,  342  u.A.1,  349°  *,  350,  355,
356*,  360,  362,  363  u.  A.  3,  365
u.A.4,  366  u.A.1,  367  u.  A.|.
368,  370,  372,  3731,  3751,  3791,
388,  393!,  394,  397,  398  u.  A.  1.
399,  403,  405,  408°,  414,  416,
4201-3,  421  f.,  434  u.  A.  1,  435,
436  u.  A.3,  437,  440,  442  u.  A.  4,
443,  444°,  445°,  454°,  455,  458  fl,
463°,  4681,  471  f.,  474,  475  0.4.2,
478,  4851,  487,  488  u  A.  2,
489,  491,  494,  497  f.,  501!,  503,
508%,  511,  514,  519',  520,  5331,
542°,  543?,  553°,  559,  569,  571f.,
575,  577,  5843,  597%,  604,  606,
6071,  610,  GLS  F.,  628,  632",  635  £.,
612?,  652,  6731,  67H,  688  u.  A.1,
6892,  690,  TOLf.,  704,  712,  718,
734  u.  A.  1,  738,  7421,  750,  757,
759,  762  f.,  770,  789,  790°,  791,
792,  799',  801,  810°,  812,  813!,
815  u.  A.  1,  8l6f,,  823f.,  837,
839,  840%.  Alt-  und  Neustadt
131',  144,  160,  165,  180,  193,  214,
240,  330.  Altstadt  145°,  175,
183*,  194,  196  f.,  212,  260°,  253,
291,  330,  350,  410,  412,  680,
Hradschin  144,  146,  176,  213,
252,  283,  3161,  396,  410,  442,
480,  5331.  Kleinseite  131',
143,  146  f,,  150,  176,  180,  182,
183°,  156,  201,  240,  242,  259,
258,  330,  440,  5331.  Neustadt
165°,  260°.  Sachsenbaus  1X.
Schloss  109°,  118,  158,  169°,
1711,  201,  213,  214  u.  A.  2,
361,  271,  288  f.,  291,  316,  325,
329,  361,  367',  402,  410,  424,
440,  459°,  466,  468'!,  485°,  DLl,
H18,  532%,  533,  52,  5524,  557,
571,  583°,  602,  687  £.,  759.  Einfall
  der  Passauer  YI  u.  A.  1,
117,  1211,  1301,  1413  f,  145  u.
A.4,  150u.A.3,  152,  1652,  172f,,
179°,  180,  181f.,  193,  201,  210',
230),  258  f.,  260°,  271,  304,  403,
410f,  466‘.  Rat  der  prager
        <pb n="910" />
        888

Städte  84°,  542.

Pratz,  Philipp,  niederländischer  Sekretär
  des  Firzherzogs  Albrecht  46.

Preaux,  mons.  de  506°.

Pregarten  in  Oesterreich  ob  der
Enus  85!.

Preussen,  Herzogtum  662°,  680,
733,  735°,  745  f,  811,  8218
Ansprücho  Kurbrandenburgse  auf
Preussen  s.  unter  Brandenburg.

Promnitz,  Weikhard  von,  Mitglied
des  schlesischen  Herrnstandes  426.

Propaganda  (Kongregation  de  fide
pro  da)  699.

Proskofsky,  Ulrich  Desiderius  von,
kaiserlicher  Oberstkämmereramts-Verwalter
  87,  441*,  468',  480,  560,
688,  591!,  605,  657,  7641,  789,  812,

Pruckmann,  Dr.  Friedrich,  kurbrandenburgischer
  Vizekanzler  128
u.  A.  2,  2681.

Prückner,  Dr.  Paul,  Advokat  der
Stadt  Schweinfurt  218.

Prüm,  Reichsabtei  380!.

Pucher  J.R.,  Reichshofratssekretär
739,  780°.

Puchheim,  Georg  Ehrenreich  von
260,  297.  —  Hans  Christoph  von,
Oberst  im  Heer  des  Königs  Mattbias
  213  u.A.3,  251,  252  u.A.1,
2541,  2601,

Pühler,  Gabriel,  Kontrolor  des
kaiserlichen  Hofzahlamts  352'.

Pütz,  Bernhard  zum,  kurtrierischer
Rat  651.

Putlitz,  Adam  Gans  von,  kurbrandenburgischer
  geheimer  Rat
und  Statthalter  ia  der  Mark  128.  —
Wedigo  Reimar  von,  kurbrandenburgischer
  geheimer  Rat  128.

Puysieulx,  Pierre  Bruslart  de,
französischer  Staatssekretär  24,  82°,
147?,  184,  216,  285,  305,  413,
506°,  586.

Raab  in  Ungarn  256.

Raabs  an  der  Thaya  in  Oesterreich
unter  der  Enns  347°.

Radul  Weida,  Wojwode  der  Wallachei
  4114.

Rahme,  Eberhard,  markgräflich
culmbachischer  Agent  in  Prag  542°,

Raitenau,  Wolf  Dietrich  von,  Erzbischof

  von  Salzburg  e.  unter  Salz-  _

burg.

Raitenau  in  Schwaben,  Johanniterordens-Comthurei
  170!.

Ramö6e,  Lorenz  von,  Generaloberstwachtmeister
  des  passauer  Kriegs-Register



volks  39,  110,  185,  210,  257,  26t,
2831,  304,  3051,  307  u.  A.  3,  38
u.  A.2,  313,  3417',  352",  353,  34°,
355,  412f.,  493°,  501',  595.  Dessen
Einfall  in  Oesterreich  und  Böhmen  |',
4  u.A.3,  13°,  21',  25,  55  WA?
59,  85  u.  A.  1,  91°,  109°,  119.
1211,  143  f.,  145%,  165°,  181u.A.?,
185  f.,  222,  240,  260°,  303.  Büetzug
  aus  Böhmen  213,  217,  232,
285.  Neue  Werbungen  110',  187,
210,  260°,  347.

Rattenberg  in  Tirol,  Herrschaft  1:\.

Rauschenboerg  8.  unter  Reuschenberg.


Ravenstein,  Grafschaft  130.

Rebmann,  Dr.  Johann  Martin,  Bat
des  Kurfürsten  von  Mainz  und  de
Königs  Matthias  12,  372  u.  A.  2,
4051,  412,  432,  464,  545°,  555  u
A.2,  557,  558  u.  A.  1,  577°,  699,
822,  812.

Rechberg  zu  Hohenrechberg  und
Rotenlöwen,  Wolf  Konrad,  Reichs
freiherr,  Obersthofmeister  des  Herzogs
  Maximilian  von  Baiern  6l',

ı

Rechenberg,  Kaspar  von,  Freiberr
auf  Klitschdorf  und  Pruckenas,
Oberamtmann  in  Schlesien  153,  156.

Regensburg,  Bistum.  Bischof
Wolfgang  von  Hausen  508°.  Kanzler
s.  unter  Mertz.  Ligastand  ?69',
ER  377.  Gesandte  zum  Ligatag

698.

Regensburg,  Reichsstadt  110%,
296,  348  u.  A.  1,  355,  5l9u.A1,
662°,  675°,  700.  Verhältais  zu
Baiern  228.  Rat  der  Stadt  110".
Residenz  für  Rudolf  II.  459,
454,  481?,  485°,  508  u.  A.  3,  5m,
511,  522,  525  u.  A,  1,  532°,  ho,
571,  633,  696.  Eintritt  in  die
Union  228f.,  279,  563,  768.

Reich  (Deutschland)  66°,  71,  1:6,
178,  232,  292,  369,  413',  159°,
481%,  508f.,  51l.  Gefahr  eines
Aufstandes  der  Untertanen  im
Reich  247  u.  A.  I,  292,  31,
364,  513.  Verhältnis  Böhmens
zum  Reich  s.  unter  Böhmen.  Bündnisse
  im  Reich  s.  unter  Laadsberger
  Bund,  Liga,  Union.  Frankreich
  und  das  Reich  298,  328.
Fremde  im  Beich  und  ihr  Eiofluss
  632,  701,  830;  besonders  des
Papstes  und  Spaniens  456,  700  f.,
772,829.  Gegenreformation  im
Reich  596.  Das  Reich  und  der  öster
        <pb n="911" />
        Register

reichische  Hausstreit  347,  355,
364,  371°,  373,  392,  395,  397,
399,  408,  410,  412,  415,  426%,
427°,  428°,  4311,  4321,  436,  440,
444,  445%,  452°,  454,  458°,  459,
461°,  465,  470,  478,  482,  490,
497,  499,  507,  532,533!,  534,  569  f.,
572,  619,  633,  644°,  672,  686  f.,
691,  772,  824f.  Kotzerei  im
Reich  538  u.  A.  1.  Katholische
Kirche  im  Reich  s.  unter  Kirche.
Klerus  in  Deutschland  138,  777.
Komposition  (Herstellung  des
Vertrauens)  im  Reich  10°,  33?,  49,
65,  67  u.  A.  2,  76,  94,  173,  178,
199,  203  f.,  207!,  234  f.,  250',  281,
293  u.  A.4,  294  u.  A.  1,  436f.,
437°,  499,  507,  5419  u.  A.  2,  551,
D58!,  5773,  579,  601!,  611,  613,
640°,  663,  668,  673,  67äf.,  705,
08,  711£,  743,  747  f.,  749,
754,  756,  761,  762°,  769,  7751,
780  u.  A.  6,  803;  8.  auch  bei
Kurfürstentag,  Matthias  und  Erzherzog
  Maximilian.  Lage  des
Beiches  368°,  4162,  482,  561,
595,  597  £.,  626,  629",  631,  636,
646,  661,  693,  696,  698,  739,  746,
765,  779,  84Wf.  Libertät  im
Reich  8.  unter  Reichsstände.  Reich
und  König  Matthias  s.  unter
Matthias.  Mistrauen  im  Reich
8.  unter  Reichsstände.  Reich  und
Haus  Oesterreich  s.  unter  Oesterreich
  Praktiken  im  Reich  528.
Reich  und  Rudolf  II.  10°,  88,
100,  107,  209°,  404,  430,  454,  465,
466!,  468  f.,  482,  485',  D1Lf.,  524,
5251,  532?,  5331,  561,  563,  581,
585,  605,  618f.,  631,  636,  664,
672,  686  f.,  694,  700,  OL  u.  A.  3,
02  f.,  737,  747,  755,  772,  810  u.
A.  2,  815,  &amp;amp;3f.,  829;  8.  auch
unter  Rudolf  II.  Sorge  für  die
Ruhe  Deutschlands  610%,  643,  O0.
Reich  und  Savoyen  354°,  409,
413.  Reich  und  Succession  s.
unter  Succession.e  Unruhen  im
Beich  329,  549,  575  f.,  633,  638  f,
655,  665  f.,  703,  7345,  740,  7421,
768,  828.  Drohender  Untergang
des  Reiches  174,  604.  Vormauer
des  Reiches  s.  unter  Ungarn.

Reichsabschiede  2060!,  808°;
Abschied  von  1603  817.

Reichsacht  und  deren  Exekution
8,  11"  °?,  16u.A.1,  17,  41,  42u.
A.3,  43,  81,  89£.,  124,  126,  207,
283  u.  A.  2,  677.

889

Reichsarchiv  459,  487°,  556,  585.

Reichserbämter  s.  unter  Pappenheim.


Beichserzämter.  Erzkanzler  514,
750,  810,  814;  8.  auch  unter  Main;
und  Trier.  Erzmarschall  509,  532°.

Reichsfürsten  264,  363,  404,
502,  534,  774  u.  A.  6.  Friedliebende
  206!,  2951,  Geistliche
  208,  2941,  669,  677f.
Weiltliche  576,  829;  katholische
607,  649,  661,  677,  739,  815°;
protestantische  212°,  253,  292°,
341?,  544,  590,  661,  731,  774°.

Beichsgesetze  17,  19,  40,  56,
741,  80f.,  206!,  207:,  243,  257,
262,  270,  322,  570,  575,  577,  632,
634,  708,  711,  755,  778,  808°,
glg  f.

Reichsgrafen  und  Herrn.  Eintritt
  in  die  Liga  382  u.  A.  2,  384.  —
Fränkische  93;  deren  Eintritt

-in  die  Union  93,  198,  229,  279.  —
Bchwäbische  589;  Mitglieder
der  Liga  269!,  271  u.  A.  2,  377,
416.  —  Wetterauische9,  198,
822,  834,  842  f.;  deren  Eintritt
in  die  Union  198,  222,  228f.,  279;
deren  Grafentag  222;  543.

Reichsgravamina  s.  unter  Gravamina.


Beichsgut  649.

Reichshofrat  6731,  688,  699,
750,836.  Besetzung  582,  634,
“61,  «62°,  84.  Einstellung
der  Tätigkeit  619.  Inspektion
659!.  Kanzlei  412,483'.  Parität
  648,  736,  827.  Präsident
823,  836;  8.  auch  unter  Hohenzollern.
  Prozesse  (Hofprozesse)
10°,  14,  771,  89,  205,  234,  281,
398,  563,  579,  636,  665,  708°,
‘12,  vu.  Ad,  HH,  74m  A],
755,  769,  819,  823,  827.  Räte
17,  98,  367',  373,  395,  400°,  411,
419°,  425  u.  A.  2,  426,  4132",  140,
441%,  459  u.  A.  2,  482,  488,  510,
672,  736,  755;  8.  auch  unter  Eisen,
Engelhofer,  Hämmerle,  Hegenmüller,
Melander,  Minckwitz,  Rüdiger,  Stralendorf.
  Referendar  s.  unter
Wacker.  Sekretäre  s.  unter
Hertel,  Pucher.  Verbesserung
des  Reichshofrates  400°,  568,  577,
651,  827.

Reichshofregistratur  459,  415°,
824.

Reichskammergericht  416,  457,
6521,  655,  675,  678,  698,  T2LE.,
        <pb n="912" />
        890

TaLf.,  753  u.  A.  1,  754f,  770O£.,
803,  815,  823.  Assessoren  17,
699,  721,  751,  753.  Kammerrichter
  15°,  62,  340,  509!;  ®.

-  auch  unter  Speier,  Bischof.  Kanzlei
  752,  losterstreit  (Vier
Klosterstreit)  652°,  678,  803,  826  f.
Konkurrenz  mit  dem  Reichshofrat
  754,  8319  Mandate  des
Kammergerichts  262.  Parität
678,  702.  Präsidenten  732%,
153!;  8.  auch  unter  Helfenstein.
Revisionen  575f.,  678,  803,
826f.  Sperrung  der  Justiz  826.
Visitationen  575,  577,  678.

Reichskanzlei  459  u.A  2,  475°,
483,  485°,  486,  556,  572,  619,
750,  824.

Reichskreise  679.  Bairischer
651,  206°,  493°,  Kreistag  206.
Fränkischer  280,  379;  Kreistag
  520f.,  795.  Kurrheinischer
43,  323f.,  3801.  Niederrächsischer
  181?,  222,  229,  679,  771;
Kreisstände  720;  Kreistag  585,
594,  605.  Oberrheinischer
280.  Schwäbischer  35,  379,
589;  Kreisstäind  589.  Westfälischer
  43.  —  Kreisanlagen
5091.  Kreishilfen  40!,  41,  63°,
111,  222,  231f,  237,  264,  280,
592,  «25,  7431,  8221.  Kreisoberste
  65',  679,  748;  deren
Adjunkten  679.  Kreisordpungen
  562.  Kreistage  476,
597,  639,  708,  817.  Kreisverfassung
  590.

Reichslehen  89f.,  592,  619,  672.

Roichsmatrikel  8,  10°,  81,  324,
3391,  3T8f.,  382,  416,  457°,  5331,
581.  Deren  Moderation  155  f.,
324,  340,  379,  416;  s.  auch  unter
Köln,  Speier,  Trier.

Reichspfennigmeisteramt592f.;
s.  auch  unter  Geizkofler,  Loss,
Schmitt,  Welser.  ,

Reichsprälaten  269',  271u.A.2
377,  633,  677.

Reichsritterschaft  93,  572.
Fränkische  279;  rheinische  279;
schwäbische  170!.  Deren  Eintritt
in  die  Liga  155,  170';  in  die
Union  93,  198  u.  A.  2,  279.

Reichsstädte  81,  322,  566,  581,
636,  660°,  726  u.  A.  1.  Konflikt
mit  dem  Erbmarschall  728.
Gravamina  728.  Reichsvogtei
  über  die  Städte  40!.  Verbältnis
  zu  Rudolf  II.  571,  688,

Register

708°,  710,  712,  715.  Städtesteuern
  635',  708°.  Städtetage
  H67!,  7171,  728°,  796.
Reichsstände  (überhaupt)  60,  1M),
103,  110,  172*,  174,  177,179,  181,
1824,  329,  342,  3431,  3512,  360,
362  f.,  389,  393,  414,  426°,  431,
4341,  437°,  451,  453  f.,  468,  469%,
475,  482,  484,  485°,  513,  550  F.,
5581,  564,  Huf,  of,  Höfe,
632,  639,  648,  674,  676,  685  f.,  691,
754,  772,  824  f.,  828,  831  f.,  838.
Calviner  10°,  81,  160',  167,295,
437  u.A.  3,  544,  550,  634,  648,  697,
739,821°.  Evangelische  (überhaupt)
  19,  53,  70,  79,  101,  126,
135,  142,  172,  192,  204,  212  u.
A.  1,  220.  235,  247,  249,  250  u.
A.  1,  253,  256,  268,  295',  311  f.,
342,  346,  382,  385  f.,  3857*,  4,
413!,  437,  507  £.,  561,  563,  565  f.,
576,  578  f.,  589,  596,  598  f.,  629,
633  f.,  639,  648,  664,  668°,  676,
678,  690!,  703,  712,  7261,  740!,
150,  753',  754,  760,  764,  766,
769,  772,  7751,  803,  815%,  6.
Friedfertige  80,  134,  142,  308,
312,  382,  414,  484,  507,  01.
Gehorsame  8,  26,  89,  101f.,
174,  257,  270,  393°.  Geistliche
199,  2941,  573,  576,  675,  7Ot,
830.  Katholische  (Papisten)
19,  33°,  39,  541,  7Of.,  79,  sl,
88  f.,  135,  142,  167,  170%,  172,
192,  198°,  200,  205,  212,  221,
225,  228,  231f.,  235,  2501,  281,
294°,  295  u.A.  1,  296,  309£.,  314,
321f.,  335,  388f.,  412,  437  u.A.3,
516,  550,  563,  576,  577°,  58,
595,  599  £.,  633  f.,  637,  639,  646  f.,
6521,  654,  660  u.  A.  2,  664,  675),
677  f.,  691,  697,  699  f.,  TO4f,
724,  736,  739f.,  749,  750  u.  A.1,
7531,  757°,  758,  760,  61  u.  A.2,
765,  780%,  808°,  813,  815°,  825°,
826f.  Lutheraner  (Augustaner)
10°,  115,  648,  697,  739.  Ungehorsame
  89,  748.  Weltliche
  830,  833.  —  Korrespondenz
  zwischen  den  kathelischen
  und  evangelischen  Ständen
  597  £.,  600,  705.  Libertät
der  Stände  70,  172,  632,  616,
684,  699,  747,831.  Mistrauen
unter  den  Ständen  10°,  53,  88f.,
135,  148°,  154,  167,  1701,  199,
201,  204  f.,  206',  207'!,  228,  216,
414,  4341,  578,  619,  626,  615,
01,  726,  747.  Verhalten  der
        <pb n="913" />
        Register

Reichsstäunde  gegen  Rudolf  II.
496',  580,  595.
Reichssteuorn  40!,  111,  181°,
231,  281,  324,  379,  466‘,  506°,
5091,  581,  592,  638,  673f.,  686,
737,  7431,  772,  815,  824.  Antizipationen
  181?,  298,  592,  703,
834,  43.  Gravamina  und
Steuerbewilligung  8.  unter  Gravamina.
  BRestanten  608,  7988,
7991,  Türkensteuern  664  f.
Reichsstifte  677.  Bedrängung
durch  die  Evangelischen  19,  52  f.,
205,  576,  633.  Freistellung
168,  579,  634,  675u.A.1.  Säkularisation
  156,  634,  6751,  750
u.  A.  1,  77T.  Sicherun:  der
Stifte  für  die  Katholiken  573.
Reichstage  überhaupt  10°,  19,  56,
81,  126,  174,  221,  234,  236  f.,
2681,  281,  322,  466!,  474,  5331,
551,  575,  592,  597,  634,  639,  675,
«08,  7261,  750  u.  A.  1,  773,  802,
816f.,  834.  Reichstag  von  1576
675°;  von  1582  581;  von  1603
817;  von  1608  111?,  205,  296,
425?,  699  f.,  732°,  747  f.,  750,  772,
817,  826.  Abhaltung  eines
neuen  Reichstags  87,  631,  673,  700
f.;  8.  auch  unten  bei  Reassumtion.
Ausschreibung  eines  neuen
Reichstags  414f.,  454,  475,  519,
D7Of.,  581,  701°,  703,  823,  828,
Direktion  beim  Reichstag  414.
Gravamina  beim  Reichstag  s.
unter  Gravamina..  Hausstreit

und  Reichstag  572.  Kaiserliche
Kommissare  beim  Reichstag
554,  704,  328.  Komposition

auf  dem  Reichstag  207’,  294,  676.
Konsens  derKurfürsten  zu  einem
Reichstag  475,  511,  570,  572,  579,
664  f.,  701°,  703f.,  772.  Mehrheitsbescohlüsse
  auf  Reichstagen
  10°,  5:6.  Proposition
für  den  neuen  Reichstag  414.
Reassumtion  des  Reichstags
von  1608  87',  511,  519,  566  f.,
581,  628,  631,  66t  f.,  699  f.,  703,
7172,  823,  828.  Successionsfrage
  beim  Reichstag  614,  675.
Verhandlungsgegenstände
674,  705.  Verschiebung  7W.

Reichsunmittelbarkeit  36°.

Reichsvikariat  619,  697,  826,
830;  pfälzisches  215,  626,  632;
sächsisches  632,

Reichsvogtei  e.
städte.

unter  Reichs-891



Reichau,  Melchior  von,  Obervogt
zu  Blaubeuren,  württembergischer
Rat  und  Kriegsoberst  217,  679,  698.

Reichshöfer,  Michael,  Altbürgerneiator
  von  Rotenburg  o.  T.  218,

8

Reiffenberg,  Johann  Dietrich  von,
kurmainzischer  Kriegsoberst  312  f.,
336,  381°,  383°.

Relation,  donauwörthische  s.  unter
Donauwörth.

Relation,  wahrhafte,
kölnischen  Handlung  56".

Relation,  zollernsche  235.

Religionsfrieden  8,  10°,  15%,
16,  19,  40f.,  43,  49,  55,  79,
142  f.,  147,  156,  174,  200,  205,
206!,  207!,  2121,  243,  249,  256,
263,  270,  312,  322,  335,  338,  351,
361,  3871,  397,  424°,  437,  507,
511,  550,  554,  565,  573,  579,  598,
663,  65  f.,  678,  711,  725,  753  u.
A.  1,  803,  807,  808  u.  A.  2,  815%,
Ausdehnung  634,639.  Auslegung
  575,  770.  Beseitigung
172,  699,  701.  Bestätigung
314,  600,  639,  826.  Freistellung
8.  unter  Reichsstifte.  Gewissenszwang
  753'.  Schicksal  der  geistlichen
  Güter:  Einziehung  678,
803,  830;  Restitution  826f.  Papst
und  Religionsfrieden  s.  unter  Paul  V.
vo  rbehalt,  geistlicher  335,  3871,
827.

Rennekamp,  Dr.  Paul,  Advokat
der  Stadt  Worns  217,  698.

Reuschenberg  (Rauschenberg),
Johann  von,  Amtmann  zu  Jülich
und  kaiserlicher  Kriegsoberst  66°,
231.

Reutlingen,  Reichsstadt  228.

Revest,  mons.  de,  Kämmerer  im
Dienst  des  Erzherzog  lseopold  216.

Rhein  139,  141,  170,  199,  230,
232  f.,  273  u.A.1,  281,  311,  339",
385,  565,  567!,  664,  806.

Rheinberg  829.

Rheinfels,  Oberamtmann  von  532,
617  £.

Rheingau  87.

Rheingraf  zu  Stein  s.  unter  Daun.

Rheinlande  138.

Rheinzölle  380!,  386,  477,  815;
8.  auch  unter  Lizenten.

Richius,  Theophil,  kurpfälzischer
Rat  bei  der  amberger  Regierung
aa,  292%,  697,  7861.

Rietberg,  Johann  Graf  zu  Ostfriesland,
  General  der  Artillerie  der

von  dor
        <pb n="914" />
        892  Register

Liga.  Sein  Kriegsvolk  und  dessen
Abdankung  8  u.  A.  1,  108!,  109%,
127,  155,  273°,  275,  313,  3851,
386  f.,  472  u.  A.  1,  474°,  700°,
132%,  Eintritt  in  die  Liga  382;
Gesandte  zum  Ligatag  377,  385,
415.  Räte  und  Diener  s.  unter
Bröe  und  Bruyn.

Rinck  von  Baldenstein,  Jakob,  bischöflich
  speirischer  Bat  341',  376,
472  u.  A.  1.  —  Wilhelm,  Bischof
von  Basel  s.  unter  Basel.

Ritterorden,  geistliche  576.

Ritz,  Peter  Simonius,  kurtrierischer
Rat  837,  838  u.  A.  1.

Robereto  (Rovereto),  Dr.  Octavian,
Leibarzt  Rudolfs  II.  648°.

Rodenkirchen  am  Rhein  15!.

Rom  108!,  147,  203,  244,  656°,  699,
765,  778.

Rosenberg,  Peter  Wok  von,  Herr
auf  Krumau  85  u.A  1,  178,  2121,
317!,  347!,  419!,  542,  624°,  822,
836;  seine  Teiche  260°,

Rotenbuch  im  Spessart  813.

Rotenburg  ob  der  Tauber,  Reichsstadt
  448.  Bürgermeister  und
Advokaten  s.  unter  Berg,  Bezold,
Offnor,  Reichshöfer.  Unionsstand
35',  36°,  40!,  218,  227',698.  Abhaltung
  des  Unionstages  daselbst
507,  539?,  549  u.  A.  1,  561,  610,
631,663,  667,  693,  734,  738',  739°,
741,  749,  750,  750,  780°,  790,
1795,  SUOf.,  815,  820,  827  f.,  840.
Vertreter  der  Stadt  bei  den  Unionstagen
  218,  698,  717!,  720°,  729,
793.

Roth,  Dr.  Johann  Leonhard,  kaiserlicher
  und  bischöflich  augsburgischer
Rat  377.  —  Leo,  Mitglied  des  geheimen
  Rats  von  Ulm  75!,  217,
6985.  —  Dr.  Veit,  Syndikus  von
Weissenburg  im  Nordgau  218.

Rottenburg  in  Württemberg  636.

Rottenthal,  Freiherr  von,  Hauptmann
  im  passauer  Kriegevolk  8.

Rudolf  I.  von  Habsburg,  deutscher
König  457.

Rudolf  1I.,deutscherKaiser.  Sein  Aberglaube
  4S!,  316°,  352f.,  517f.,
RudolfundderAdministrationsstreit
  s.  unter  Administrationsstreit.
  Beziehung  zum  Markgrafen
von  Ansbach  se.  unter  Ansbach.
Anschläge  auf  das  Leben  des
Königs  Matthias  s.  bei  Matthias,
unter  Anschläge.  Architekt
Rudolfs  II.  s.  unter  Philippis.

Argwohn  Rudolfs  649.  Absetzung
  Rudolfe  353.  Baudolf
und  die  Astrologie  418  u.  A.|.
Audienzen  11,  13°,  48,  54,  10,
103,  214,  299,  325,  327,  329,  332  f.,
346,  3731,  394,  396!,  403,  4,
412,  4221,  421%,  4281,  429,  431,
487  u.A.3,  49%,  542°,  586°,  558,
602  f.,  605,  608,  6321,  697,  799,
810.  Verhältnis  zu  Baiern  &amp;amp;
unter  Baiern.  Beichtväter  Rudolfs
  II.  8.  unter  Pape  und  Pistorius.
Bewachung  Rudolfs  im  prager
Schloss  214  u.  A.  2,  241,  256,
260°,  271  u.  A.  4,  289,  291,  316
u.  A.  1,  343,  355,  356  u.  A.  4,
357-4,  362  f.,  366,  367',  368°,
373  u.  A.  1,  395,  402,  404,  410
u.  A.  1,  412  u.  A.  2,  +14,  439,
442,  445%,  470',  474,  485°,  489,
5l4,  532°,  531f.,  552%,  556  f.,
569  £.,  602,  608,  622,  687.
Rudolf  als  König  von  Böhmen:
Abzug  aus  Böhmen  und  Prag  18i,
260°,  272,  431  f.,  439  f.,  443°,  445,
453,  454u.A.1,  559u.A.2,  18,
474,  475  0.  A.2,  4811  °,  482,  19
u.A.1,  508  u.A.3,  509,  511,  521,
522  u.  A.3,  524,  525  u.  A.  1,  526,
5412,  557,  560f.,  564  f.,  Drlf.,  577,
593,  601,  619,  632  f.,  696,  737,  739°;
8.  auch  unter  Residenz  im  Beich.
Rudolis  Regierung  in  Böhmen  210*,
246,  289°,  291  f.,  316,  318  u.  A.  1,
34,  357,  361,  364,  394,  399,  y1,
403,  4221,  439f,  43°,  4448,
451,  453,  4661,  483,  5331,  632,
670,  824.  Residenz  in  Böhmen
und  Prag  318  u.  A.  1,  319',  374°,
390  £.,  4017,  4221,  444,  153,  54",
459°,  462  u.  A.  1,  464,  466,
482,  483  u.  A.  1,  488,  495  f.,  511,
552  u.  A.4,  5531,  571,  636,  643,
665,  688,  69%,  695  f.,  702,  7us,
712,  757°,  810f.,  814,  24f.  Badolf
  DI.  und  die  böhmischen  ‚Stände
131',  150,  152,  186,  193  £.,  202  £.,
210,  214u.A.  1,  316,  318u.A  1,
349,  359;  s.  auch  bei  Bölımen,
unter  Landstände.  Führung  des
Titels  eines  böhmischen  Königs  31  4°,
401,  426%,  443°,  459!,  460!,  4R!,

Böhmen  (resp.  deren
120,  165°,  186%,  210°,  2416,  250°,
256!,  286,  289  u.A.2,  292£.,  326,
332,  34,  345  u.  A.  1,  349,  359,
364,  390,  394,  407,  424°,  435,
        <pb n="915" />
        Register.  893

439  f.,  441*,  443°,  444°,  451,  452°,
454  u.A.1,  457,  459°,  4621,  4641,
466!,  483  u.  A.1,  528,  570£.,  595,
611,  632,  694.

Verhältnis  Rudolfs  zu  Brandenburg
  se.  unter  Brandenburg;
zu  Braunschweig  8.  unter
Braunschweig;  zu  den  Brüdern
21,  321,  83°,  86,  1601,  293%,  296,
540,  560,  628,  690.  Charakterzüge
  60,  67,  &amp;amp;2,  118,  150,
185,  208',  253,  395,  409,  424°,
431f.,  439  f,  467,  483°,  496,
542°,  587,  603,  611,  619,  623%,
649,  711,  75  5,  814;  Umschwaung  i  im
Charakter  352  u.  A.2.  Verhältnis
Rudolfs  zu  Dänemark  198°;  zu
England  s.  unter  England.  Kudolf
  und  die  österreichischen  Erblande
  s.  unter  Krblande.  Verbältnis
  zu  den  Evangelischen
im  Reich  595  f.,  5971,  606,  608,
610  u.  A.  4,  633  f.,  689,  693,  739,
7401,  790  u.  A.  3,  802,  815,  822,
841.  Finanzen  Rudolfs  12?,  102,
1ll  u.A.2,  181?,  182,  241,  aH51,
506°,  581,  591  u.  A.  1,  ‚635  u.  Al,
7431,  810%,  811,  8221,  824,  834,
836,  813;  s.  auch  unter  Hofkammer.
Verhältnis  zu  Frankreich  se.
unter  Frankreich.  Friedensliebe
Rudolfes  107.  Gesundheitsznetand
  Rudolfs  349,  359  u  A.4,
405  u.  A.  1,  4101,  4221,  424°,  4277,
412  uA.  1,  585,  612,  TIBF.,
796,  799,  824,  842.  Gnadengeschenke
  1443°,  444°,  459°,
462!,  464,  466'.  Rudolf  und  die
Gravamina  234,  342,  511,  öl,
665,  702,  704,  708,  740,  TH  ER.,
Da,  7,  ea,  817.  Güter
Rudolfs  in  Böhmen  374”,  390,  443°,
4442,  454",  4592,  4601,  4621,  464,
466!,  511,  5334,  585,  687  f.,  824.

Rudolf  und  der  Graf  von  Hanau,

e.  unter  Hanau.  Rudolf  im
Hausstreit  s.  unter  Hausstreit
und  bei  Matthias,  unter  Verhältnis
za  Rudolf  II.  Hoeiratspläne
Rudolfs  612,  615,  799%  —  Hof  Rudolfs
  23-4,  236,  2851,  295,  3991,  400°,
404,  4168,  469  u.  A.  1,  483  n.  A.l,
485°,  5131,  55324,  53,  392  f.,  397,
636,  650%,  654,  67  3,  615,  004,
TOB,  709  734,  7391,  750,  760,
763%,  780°,  799,  801,  812,  822  £.,
836’,  837.  Hofämter  111”.  Hofkaplan
  s.  nnter  Prastorius,  Hofmaler
  s.  unter  Aachen,  ans  von.

Hofstaat  und  dessen  Reformation
459,  511,  5321,  542  u.A.2,  543°,
569,  581,  584,  632  f,  671?,  678,
689,  815%,  817.   Kammerdiener
831,  316°,  325,  332,  403,  588,
647  f.,  699,  s.  auch  unter  Aachen,
Ericius,  Hastal,  Hauser,  Hofmann,
Kühbach,  Lang.  Korruption  am
Hof  619.  Obersthofmeister  508°,
543  u.  A.2,  560,  585,  594  u.  A.  1,
604,  606,  608,  624,  634,  640°,
661,  869,  671  u.  A.  2,  672,  750,
760,  761°,  813,  822f.;,  s.  auch
unter  Braunschweig.  Praktiken  am
Hof  31,  324,  67%,  82,  91°,  104,
117,  165  u.  A.  2,  239,  342;  8.  auch
unter  Nebenräte.  Stubenheizer  316',
594,  813,  821;  s.  auch  unter
Marckert.—Hofkammeril1,457.
Anforderungen  an  sie  5691  u.  A.  1.
Geldnot  Ill  u.  A.2,  591  u.  A.1,
592,  811.  Kredit  593.  Präsident
111,  591,  593;  s.  auch  unter
Krauseneck.  Räte  111,  591,  673';
8.  auch  unter  Meckbach,  Schmitt,
Zach,  Zeller.  Visitation  der  Hofkammer
  ill,  592f  —  Hof-Brozeeeo
  s.  unter  Reichshofrat.
ofzahlamt  835.  —  Rudolf  und
die  Jesuiten  26!.  Rudolf  und
der  jülichber  Erbestreit  7,11!,
16  f.,  29!,  42  u.  A.3,  451,  48,  53,
af,  61,  871,  101  f.,  104,  106  £.,
124,  139,  157,  174,  240f.,  268,
297  f.,  329,  3751,3791,  3941,  414  f.,
420°,  4341,  436°,  448,  449  u.  A.  1,
489,  531!,  563,  652,  653  u.  A.  1,
654,  75,  7,  87  Jurisdiktion
  Rudolfs  688,  695,  754f.
Kaiserwürde  Rudolfs  440.
Verhältnis  Rudolfs  zu  Khlesl
es.  unter  Khlesl.  Rudolf  und
die  Kurfürsten  388,  393  f.,
397  u.  A.3,  409,  411,  415,  435,
442,  458f.,  496,  510,  635;  wegen
der  "geistlichen  8.  auch  unter  Kurfürsten,
  geistliche.  Rudolf  und
der  Kurfürstentag  8’  u.A.l,
2737,  504',  569,  577,  HS+f.,  580%,
388,  594,  624,  733,  734  u.  A.
eu.  A.3,  163,  Ol;  m  auch
bei  Kurfürstentag,  unter  Komissarien.
  Lage  Rudolfs  Il.  seit  dem
Einzug  des  Matthias  282,  289,
313,  343  £.,  360  f,  366  £.,  373,
388,  396°,  410,  414,  427,  41,
432°,  434,  453,  450,  504,  556,
a6,  577,  693,  696,  821°,  823.
Leibärste  Rudolfs  II.  s.  unter
        <pb n="916" />
        894

Altenstedt,  Boötius,  Moscaglia,  Perger,
  Roboreto,Secundus.—  Rudolf  II.
und  Erzherzog  Leopold  s.  unter
Leopold.  —  Verhältnis  zur  Liga
s.  unter  Liga;  zu  Mainz  s.  unter
Mainz.  Verbältnis  zu  König  Matthias
  13°,  25,  60  f.,  100£f.,  118,
131',  1472,  151,  165  u  A.  2,
18+f.,  202,  240  f.,  253,  258f.,  291,
296  f.,  343,  349,  352  f.,  390  f.,
394,  402,  409  f.,  419,  517  f.,  526,
612,  625,  674,  74218,  799,  834.
Rudolf  und  die  Krönung  des  Mattbias
  in  Böhmen  318!,  358  u.A.1,
363  u.  A.  3,  40Lf.,  428  u.  A.  1.2,
431u.A.1,  435,  439£.,  444%,  445%,
4522,  453,  454',  456f.,  462  u.  A.  1,
463.  467  f.,  480,  483,  485°,  500,
532,  534,  556,  611.  Empfehlung
des  Matthias  zur  römischen  Krone
428-2,  440,  442,  1661,  487,  491,
5l6,  526,  594,  608',  627,  742  u.
A.1l.  —  Mutter  Rudolfs  II.  587.
Nebenräte  („böse*  Räte,  Winkelräte,
  Praktikanten),  2!1,  12,  25,  48,
61!,  74,  91,  96,  133°,  150,  165°,
180,  181,  209,  210°,  2141,  256,
260,  290?,  291,  317,  320°,  326  f.,
331,  342,  365',  370,  400!,  401,
403,  448,  4661,  485°,  495,  521  f.,
52H5!,  611,  6131,  619,  647  f.,  672,
691,  700,  708,  740,  748,755,  709  f.,
165,  772,  779.  Verhältnis  zum
Papst  e.  unter  Paul  V.  Radolf
und  das  paasauer  Kriegsvolk
s.  unter  Passauer  Kriegsvolk.  Rudolf
  und  die  Pfalz  e.  unter
Pfalz.  Rachegelüste  Rudolfs
349,  352f.,  392,  413,  532,  610°  *,
632  f.,  642,  665,  700,  790,  799,
810,  825.  Bäte  Rudolfs  überhaupt
  16,  47,  54,  121',  176,  246°,
268',  284,  287,  327,  332,  3441,
351°,  368°,  406°,  428,  4145,  451,
4522,  459  u.  A.  2,  4601,  461°,
4621,  4854,  485°,  487°,  489,  494  f,
499,  532%,  5331,  534,  552  u.  A.  4,
5581,  560,  563,  587,  597,  633,
636,  653  f.,  657,  HO+  f.,  667,  687  f.,
695,  6985,  701,  704,  712,  7501,
sl,  7,  813,  837,  842.  Ge
heime  Räte  1,  12,  13°,  69?,  124,
185  f.,  214,  258,  300,  349,  359,
362,  363°,  367',  373,  395,  400°,
410!,  411,  413,  424  u.  A.  1,  440,
4410.  A.4,  443  f.,  460  f.,  464,
466,  469,  482,  485°,  488,  499,
10  f.,  525  u.  A.  1,  5ILf.,  577,
D88,  591  wA.l,  593  f.,  634,  648,

Begister

6728,  688  f.,  732°,  736,  749,  To,
818?,  822,  827,  837  u.A.7.  Diretion
  des  geheimen  Rats  s.  unter
Braunschweig.  Zuordnung  von
Räten  aus  dem  Reich  412*,  635,
750,  827.  Hofkammerräte  s.  obea
unter  Hofkammer.  Reichshofräte
8.  unter  Beichshofrat.  Vgl  auch
unter  Barvitius,  Braunschweig,
Castiglione,  Eisen,  Engelhofer,
Günterode,  Hämmerle,  Hannewald,
Hegenmüller,  Hertel,  Hohenlohe,
Hohenzollern,  Lamberg,  Lasotto,
Leuchtenberg,  Kleinsträtel,  Krauseneck,
  Mansfeld,  Melander,  Minckwitz,
  Mollart,  Pflug,  Platteis,  Pros
kofsky,  Pucher,  Pühler,  Rüdiger,
Salm,  Schmitt,  Stralendorf,  Trautmannsdorf,
  Wacker,  Weallenstein,
Wehr,  Zach,  Zeller.  —  Begiment
am  kaiserlichen  Hof  und  dessen
Verbesserung  77',82,97,163,  210,
222,  229,  235,  2541,  256,  2  272,
291,  293,  317,  318  u.  A.  1,  319,
320?,  325  f.,  398,  399,  400%,  sl,
430,  451,  466',  511,  516,  519,
550,  560,  663,  569,  577,  612,  vlg  Et,
627°,  628,  632,  634f,  618,  6:1,
673  f.,  691,  694,  699  f.,  702,  4,
54,  763,  778,  70%,  817,  533,
827,  829,  835  f.  —  Rudolf  und  das
Reich  s.  unter  Reich  und  unten
unter  Residenz.  Autorität  Rudolf:
im  Reich  81,  88,  109,  156,  16),
2081,  296,  303,  3441,  373,  58,
582°,  743,  747.  Regiment  Rudolis
im  Reich  397,  403f.,  430,  45H,
465,  466!,  482  f.,  4851,  619,  694,
747,  755.  Besidenz  Rudolfs  im
Reich  215  u.  A.  1,  281  u.  A.  9,
454  u.A.1,  495,  508  u.  A.  1,  59,
5ll,  532  u.A.1,  533  u.  A.  1,  566,
571,  585,  588,  605,  606°,  @1,
635  f.,  664  f.,  672,  699,  700,  Ol
u.  A.  3,  702.  705°,  708,  139",
1D73,  7,  772,  «WW,  797,  8lV  u
A.2,  814,  815  n.A.6,  821°,  SE.
835,  839,  842.  —  Rudolf  und  die
Reichsfürsten  165°,  360,364  f.,
367!.  Rudolf  und  die  Reichsstädte
  38f.,  76,  226,  5683.  566f,
571,  688,  708°,  810°,  712,  715,
Rudolf  und  der  Reichstag  414,
454,  519,  570,  &amp;amp;28.  Rudolf  und
die  Religion  165,  582,  619,
649,  693.  Verhältnis  Rudolfs  ra
Sachsen  5,  11  u.  A.  1.2,  16f,
23f.,  241,  42f.,  48,  56f.,  61,  68L,
871,0,  102,  106  f.,  127,  150,  154',
        <pb n="917" />
        Register  895

162,  176  f.,  178  £.,,  202,  246  f.,
268,  286°,  290°,  3191,  345,  347  u
A.  4,  354*,  356,  361,  364  f.,  365°,
366  u.  A.  1,  367  u.  A.  1,  3731,
374,  387,  394  f.,  396°,  400°,  402,
404,  422!,  423,  441*,  A53f.,  454',
508,  5131,  536,  563,  594f.,  620
u.  A.1,  621  u.  A.  1,  623%,  633  £.,
612  f.,  646,  654,  656  f.,  662,  665,
669,  671,  680  f.,  686,687  u.  A.1,
689  f.,  708,  7121,  733,  734°,  736,
754,  7TWf.,  796  u  A.  1,  797,
800.  Verhältnis  zu  Salzburg
2!  211,  63,  83  u.  A.3,  89,  132  f.,
149  f.,  163  f.,  165°,  182f.,  207  f.,
259f.,  8221.  Schätze  des  Kaisers
165°,  184,  187,  213,  217,  260°,
364,  390,  401°,  440,  4541,  570,
811,824.  Rudolf  und  Schlesien
389,  391,  396",  409,  423,  426  u.
A.4,  485°,  486  u.  A.  1,  489,  843.
Schulden  Rudolfs  374°,  390,
413°,  459%,  462!,  464!,  466!,
4681,  585,  591  u.  A.  1,  592,  817.
Sistierung  der  kaiserlichen  Gewalt
  619.  Verhältnis  Rudolfe  zu
Spanien  82,  86,  165°,  196,  213f.,
238  f.,  2605,  287  f.,  299,  305,  341,
345  f.,  361,  364,  388,  390,  413,
447,  451,  4156,  482,  492,  494  f.,
506  u.  A.  3,  510,  595  f,  657,  659
u.  A.  1,  6691,  693,  739,  758,
7%,  814.  Rudolf  und  die  Succession
  jimReich  87',  151,  1601,
161!,  164,  165?,  202  f,  272,  296  f.,
302,  305,  341,  361,  401  u.  A.  2,
406  u.  A.  3,  4131,  4281-2,  447,
4%,  526,  572  f.,  575,  577,  W8!,
627  f.,  6291,  6321,  636,  674,  777,
813,  823,  833,  842  Rudolf  und
Tirol  2',  22,  323  u.  A.1,  6°,
83°,  132  f,  150,  211,  215  wA.|,
281  u.  A  9,  3521,  369  f.,  4621,
466',  571,  635,  739".  Rudolf  und
Ungarn  326,  393,  404,  441%,
444°,  459°,  461°,  528,  694,  743",
817.  Rudolf  und  die  Union  19,
33%,  36,  38f.,  40',  54,  66,  82,  837,
94,  106,  231,  234,  3118,  314,
342,  3991,  400,  512,  563,  565,
567,  596,  5971,  604,  618,  634,
664,  666,  673,  686,  687  u.  A.  1,
6912,  696  f.,  OA,  7US,  710,  712,
«13  wA.1,  714°,  715,  726,  729°,
31.  734,  728,  740,  747,  749,
dt,  778,  780  u.  A.6,  70,  799,
817.  Verhältnis  zu  den  unierten
Städten  38  n.  A.  1,  40',  76,  77°,
105,  226,  2301,  563  f.,  566  f.,  705”,

708°,  7101,  7151.  Budolf  und  der
Unionstag  zu  Rotenburg  596,  597",
664,  666,  673,  TO4F.,  710,  712  u.
A.  1,  717,  7298,  734  f.,  738,  740
u.  A.  2,  743  u.  A.  1,  747,  749  u.
A.  1,  754f.,  759,  762,  769,  7758,
cöf.,  780  u.  A.6,  790,  801,  815,
827,  839;  8.  auch  unter  Geizkofler
und  Woesternach.,  Unterhalt
des  Kaisers  389,  414?,  454!,  459°,
4621,  4641,  466!,  474,  485°,  487,
495  f,  511,  532°,  5331,  552*,  566,
577,  581,  583,  585,  601,  605,  622,
631f.,  636,  Hörf.,  G73f,  678,
687  f.,  694,  699,  701°,  760,  772,
817,  824,  825u.A.2.  Verzicht
Kudolfs  auf  die  Kaiserkrone  341,
346,  368°,  406  u.  A.3,  447,  482  f.,
485',  525,  5381,  571,  577,  622,
6291,  635,  642  f.,  694,  696,  737,
63.  Wahl  Rudolfs  Il.  573,  675°,
832.  Winkelräte  s.  oben  unter
Nebenräte..  Zauberer  im  Dienst
Rudolfs  II.  48,  316°,  349,  352,  353
u.A.1,  355,  362,  373,  391u.  A.1,
403  f.,  419,  517f.  596.  Zugeständnisse,
  erzwungene,  Rudolfs
  II.  468',  510,  532,  556  f.

Rudolf,  Fürst  von  Anbhalt-Zerbst
s.  unter  Zerbst.

Rüdiger,  Dr.,  böhmischer  Appellationsrat
  618  u.  A.  1,  612,

Ruppa,  Wenzel  Wılhelm  von  177
u.  A.  4,  214!,

Sachsen,  Kurfürstentum.  Im  Administrationsstreit
  s.  unter
Administrationsstreit.  —  Sachsen
und  Erzherzog  Albrecht  s.  unter
Albrecht.  Beziehung  zu  Ansbach
s.  unter  Ansbach,  Anseben
Sachsens  im  Reich  4.  Verhältnis
zu  Baiern  4737,  598;  s.  auch  bei
Baiern,  unter  Aufnahme  Sachsens.
Verhältnis  zu  Böhmen  s.  unter
Böhmen;  zu  Brandenburg  e.
unter  Brandenburg;  zu  Braunschweig
  s.  unter  Braunschweig;
zu  England  se.  unter  England.
Erbeinungen  20',  181  u.  A.  1,
255,369,  376;  se.  auch  bei  Böhmen,
unter  Erbeinungen.  Erzmarsechallam
  t509,532?.Verhältnis  zu
Frankreich  I:!.  Geldmangel
20u.A.1.  Sächsisches  Gesamthaus
  641,  692?,  662,  837  f;  Zusammenkunft
  des  Gesamthanses  11’,
20',  57,  106,  315  u.  A.  5,  319".
Sachsen  und  die  Gravamina
        <pb n="918" />
        896

der  Evangelischen  770.  Sachsen
im  österreichischen  Hausstreit
8.  unter  Hausstreit.  Sachsen  und
Landgraf  Ludwig  von  Hessen  8.
unter  Hessen.  Sächsischer  Hof
656°.  —  Sacheen  im  jülicher
Erbstreit  6f.,  10°,  11'-?,  16f.,
20!,  42f.,  5+f.,  61,  68f.,  81,  106f.,
120  f.,  123  f.,  158  231,  258,  267,
300  f.,  306  u.  A.2,  449,  568,  596,
652  f.,  696,  719Ef.,  730  u.  A.2,  735,
7971,  838.  Sachsens  Admission  in
den  Besitz  von  Jülich  20'!,  29',  441,
0,  72  u.A.  1,  731,  113,  122,  123
u.A.1,  129,  161£.,  166,  174,  253,
266  f,  268  u.  A.  1,  301,  3067,
652%,  6531,  656,  667,  735,  74,
«97!,  8838.  Belehnung  mit  Jülich
102,  42f.,  53,  449,  837  f.  Sachsen
bei  der  Kommission  in  Köln  29!,
42f.,  55,  106  Sachsen  und  die
jülichschen  Lehen  in  Burgund  20,
42f.,  41f.,  46,  471,  812.  SBachsen
bei  der  jüterbogker  Handlung
197,  266,  563,  652  f.  —  Verhält
nis  Sachsens  zu  den  Katholiken
80f.  Sachsen  und  die  Komposition
  imReich  205  u.  A.1,  437°,
756,  763°,  769,  827.  Sachsen  und
die  geistlichen  Kurfürsten
8.  unter  Kurfürsten,  geistliche.
—  Sächsisch  a  Kurfürsten  und
Herzoge:  Kurfürst  August  573.
Herzog  August  315°,  646.  Kurfürst
  Christian  II.  1'!,  2!,  Hf.,  38,
68f.,  79,  YU*,  106,  140,  167,  179,
27lu  A.  3.4,  273%,  286,  308,
315°,  323',  335,  366  u.  A.  1,  367
u.  A.1,  368  u.  A.  2.3,  388,  3941,
400,  414,  437,  439,  450,  456,  457,
458=  3,  472,  487%,  497  f.,  500",
5291,  535,  537,  540,  561,  573,
583?,  586,  5971.  Sein  Ableben
5542,  566  u.  A.  1,  597',  616  u.  A.2,
617,  620  u.  A.  3,  621,  624,  629!,
612,  64  f.,  650,  656°,  657,  660,
662,  669,  681,  601,  757,  800,  837.
Gemahlin  °99!.  Kurfürst  Johann
Friedrich  831.  Kurfürst  Johann
Georg  1.:  ale  Herzog  11?,  13°,  68
u.  A.  2,  69%,  3155,  366  f.,  375!,
441,  471  £,  497  £,  597,  620,  651;
als  Kurfürst  (seit  4.  Juli  1611)
566,  620,  623%,  642°,  6561,  600  F.,
671°,  680  un.  A.  4,  681,  0821,  735
u.  A.  2,  7531,  774%,  790°,  791  u.
A  1,  792  u.  A.  2,  803%,  808",
8ilf.,  837,  840;  Charakterzüge
617,  647.  Aufnahme  in  den  Kurburg

  s.  unter  Neuburg

Register

verein  651,  662",  791.  Spani
Pensionär  609,  620  u.  A.  2,  615£-Sachsen
  und  der  Korfü  retentir
387,397  f.,  435,  439,453,  488,»
530%,  531!,  577°,  585,  23%,  &amp;amp;
651,  682,  Hr,  770,  778  u  AL
792,  797.  Gesandte  zum  kr
fürstentag  614,  616  u.  A.  3,  &amp;amp;“
661.  Sachsen  und  der  Kurrereia
558!1;  8.  auch  oben,  unter  Joh
Georg.  Land  368%,  5307,  &amp;amp;.
Landstände  20".  Leber,
böhmische  543;  burgundische  2.
42f.,  44f.,  46,  47!,  812.  Verkält-Dis
  zu  Erzherzog  Leo  pold  es.  unter
Leopold.  Sachsen  und  die  Liga
(Eintritt  in  die  Liga)  s.  bei  Lisa.
unter  Sachsen.  Verhältnis  zu
Mainz  s.  unter  Mainz;  zu  Matthias
  s.  unter  Matthias;  zu  Neu-.
  Sachseni
Neutralitätspolitik  312,  321f.,
3231.  Orden  47'!.  Sachsen  und
das  Haus  Oesterreich  a.  unter
Oesterreich.  Sachsen  und  das
passauer  Kriegsvolk  e.  unter
Passauer  Kriegsvolk.  Verhältnis
zur  Pfalz  471f.,  493  f.,  655,  BJ,
6921,  7345,  735  u.  A.  2,  TS.
Privilegien  Sachsens  301.  Bäte
und  Diener  97f.,  143,  173°,  272,
320°,  341,  366  u,  1,  36:  L,3:3",
388,  330,  437,  491',  495f.,  3,
577°,  6442,  662,  691,  37  5
828,  8410;  8.  auch  unter  Berbisdorf
Brandenstein,  Gerstenberg,  Goedelmann,
  Goldstein,  Helffrich,  Kisch,
Loss,  Lucan,  Lüttichau,  Mansfeld,
Pfretzschner,  Schönberg.  Sächsisches
Reichsvikariat632,326  Sachsen
und  der  Religionsfrieden  33.
Sachsen  und  Rudolf  Il.  se.  be
Rudolf  II.,  unter  Sachsen.  Rüstungen
  Sachsens  wegen  Jülich
201,  43,  45  uw  A.  1,  46,  8,
Bir,  61,  9%,  102f.,  123,  12%.
Sohiokungen  an  den  prager
Hof  12,  13°,  16,  201,  5,  6s£
69°,  178  u.A.  3,  179,  '365t,  Rn,
3674,  373’,  374,  388,  390,  af.
396°.  400  f.,  402  f.,  408*,  wtf,
412  u.  A.  2,  414,  420".  42%
A.  1,  423,  424°,  425  u.  A.  1.  2,
426,  427  u.  A.  2,  429,  431!,  232),
435,  436  u.  A.  3,  4139  £.,  41",
444,  45  u.A  3.  4,  4188,  4,
4522,  456,  457°,  4591,  460  u.  a],
461  u.  A.  2,  162,  463  u.  A.  |.
464,  465  wA.1,  36:  f.,  Lv",  Fer
        <pb n="919" />
        Register

478,  480  u.A.1,  481°,  483u.A.2,
484,  485  u.  A.  1,  486,  487  u.  A.  3,
489,  495,  499,  509,  514,  5251,  628,
631,  536,  542,  552,  556,  569,  648.
Säkularisationen  Sachsens  156.
Verhältnis  Sachsens  zu  Savoyen
231;  zu  Spanien  20,  44,  451,  47f,
162,  402,  537,  609,  620u.  A.2,  645  f.,
Sachsen  und  die  Succession  im
Reich  160°,  405,  406  u.A.3,  514.
540,  573,  594,  626  f.,  629',  637,
643,  690,  812,  825,  842.  Sachsen
und  die  Union  (Gewinnung  für
die  Union)  40!,  81,  88,  114,  127,
136,  154,  229,  235,  243,  279,  376,
389,  4242,  564,  566,  567!,  597,
686,  6871,  696,  703,  706,  708,
712,  718f.,  7273,  730u.A,2,  731,
163°,  768,  770,  773,  828,  840.

Bachsen-Coburg,  Herzogtum  126.
Herzog  Johann  Casimir  6',  11',
42°,  80,  321,  378,  721,  752,  7534,
‘71,  828;  dessen  Neigung  zu  den
Unierten  721,  753",  8381,

Sachsen-Eisenach,  Herzog  Wilhelm
  von  11’.

Salinas,  Vizepräsident  des  geheimen

-  Rats  in  Brüssel  44,  46.

Salisbury,  Robert  Cecil  Graf  von,
Minister  Jakobs  I.  706,  728.

Salm,  Graf  Maximilian,  kaiserlicher
Oberststallmeister  581,  657.

Salm-Reifferscheid,  Graf  Wilhelm
  Salentin,  Oberst  in:  elsässer
Kriegsvolk  66',  2311.

Salvaggo,  Giovanni  Battista,  Bischof
von  Luni-Sarzana,  Nuntius  in  Prag
7,25,  50,  79f.,  86,  112,  118,  134,
137,  146,  147  u.  A.  1,  180,  195°,
196,  254,  256",  341,  346',  416,
480,  487,  560,  565,  596,  7401,
TNO!,  761,  834,  835  u.  A.  1.  Verhasst
  bei  den  Böhmen  429.  Vermittlung
  im  Hausstreit  145  u.  A.  1,
215,  250  u.  A.  2,  251  u.  A.2,  287,
396°,  419,  428  u.  A.  1.  2,  429,
451,  458f.,  532.  Verhältnis  zu
Erzherzog  Leopold  429,  506  u.  A.  2.
Nuntius  und  Succession  im  Beich
6291.

Salza  bei  Nordhausen  620,  757.

Salzburg,  Erzbistum.  Erzbischöfe
Marx  Sittieh  von  Hobenems  2';
Wolf  Dietrich  von  Raitenau  1',  21,
5,  31',  640.  Dessen  Verhältnis  zu
Baiern  se.  bei  Baiern,  unter  Maximilian;
  zu  Erzherzog  Ferdinand
208'.  Einmischung  in  den  österreichischen
  Hausstreit  22f.,

897

63  f.,  83  u.  A.  3,  88,  132  n.  A.  2,
162  f.,  182f.,  207f£.,  211.  Kreisoberst
  65',  2061.  Verhältnis  zu
Erzherzog  Leopold  8.  unter  Leopold;
  zur  Liga  89,  170,  zu  König
Matthias  s.  unter  Matthias;  zu
Erzherzog  Maximilian  s.  unter
Maximilian.  Neutralitätspolitik
  234.  Verhandlung  mit  den
Ständen  Oesterreichs  ob  der
Enns  83  u.  A.2,  162.  Wolf  Diet
rich  und  das  passauer  Kriegsvolk
  21  u.  A.  1,  27,  65!,  258,
353.  Verhältnis  zu  den  Protestanten
  89  u.  A.  1,  234.
Räte  und  Diener  s.  unter  Porger.
Beziehung  zu  Rudolf  II.  s.  unter
Rudolf  U.  Verbindung  mit  den
Ständen  Tirols  133.

Salzburg,  Stadt  21',  83,
151*,  208',  307°,  352,

San  Clemente,  Guillen,  spanischer
Orator  in  Prag  115  u.  A.  1,  116,
117!,

Sandtwaldt,  Georg  Friedrich,  Syndikus
  der  Stadt  Aalen  698.  -

Sarrazin,  Jean,  Altsyndigae  von
Genf  668°.

Sassella,  Grafschaft  592.

Sattler,  Jobann,  württembergischer
Sekretär  217,  238,  698,  732.

Saugenfinger,  Gottfried,
pfälzischer  Rat  217.

Saurgrein,  Sekretär  des  Erzherzogs
Maximilian  168%.

Savoyen,  Herzogtum  588.  Herzog
Karl  Emanuel  17',  115,  231',
413u.A.1.  Verhältnis  zu  Frankreich
  8.  unter  Frankreich.  Anschlag
  auf  Genf  s.  unter  Genf.
Verbältnis  zu  Erzherzog  Leopold
s.  unter  Leopold.  Kriegsvolk
4,  230f.,  354  u.A.2,  409,  413  u.
A.1.  Anschlag  aufs  Reich  354°,
409,  413  u.  A.1.  Büstungen
Savoyens  227,  413  u.  A.  1.  Verhältnis
  zu  Sachsen  331;  zu
Spanien  66°,  129°,  231',  409,
413!,  668°.

Schaffhausen  als  Ort  der  Eidgenossenschaft
  230.

Schaumberg,  Achaz  Georg  Wolf
von,  markgräfich  oulmbachischer
Rat  69.

Schelklingen  bei  Ulm  5%.

Schenk  zu  Limburg,  Eberhard,
württembergischer  Landhofmeister
515.  —  Erasmus,  markgräflich  ansbachischer
  Rat  697.

1323,

kur-Briefe

  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bd.  57
        <pb n="920" />
        898  Register

Schenckern  s.  unter  Waldenburg.

Schifer,  Dietmar  Freiberr  von,
Oberstleutnant  im  Dienst  der  Landatinde
  von  Oesterreich  ob  der  Enns
120.

Schirmverein  s.  unter  Schwaben
und  Vorderösterreich.

Schirnding,  Rittmeister  in  markgräflich
  culmbachischen  Diensten
795.

Schlammersdorf,  Burkhard  von,
anhaltischer  Rat  698.

Schleicher,  Dr.  Hieronymus,  Advokat
  der  Stadt  Ulm  33,  75!,  771,
217,  238,  698.  —  Sigmund,  Mitglied
  des  Rats  von  Ulm  217,  698.

Sohlesien,  Herzogtum  86,  116,
183‘,  240,  304,  426%,  452°,  459°,
584,  591°,  699,789.  Bauern  165°.
Verhältnis  za  Böhmen  391,  409,
426*,  464'1,468',  542;  8.  auch  unten,
unter  Kompaktate.  Finanzlage
2551.  Fürsten  und  Stände
Schlesiens  94,  153,  1824,  210,  358,
365  u.  A.  1.  4,  396',  401,  426  u.
A.3,  452°,  4781,  813.  Fürstentag
  210,  8413.  Beschickung  des
Generallandtages  in  Prag
365',  374,  389,  391,  409,  423,
426u.A.4.  Schlesisch  a  Kammer
11l.  Kanzleienstreit  843°.
Kompaktate  mit  Böhmen  478',
489.  Konföderationen  mit
den  Erblanden  254.  Oberamt
in  Schlesien  131!,  153,  210,  843;
Oberamtmann  8.  unter  Rechenberg.
Schlesien  und  das  passauer
Kriegsvolk  131!,  151,  210,
283  f.  Schlesien  und  das  Reich
426°.  Verbältnis  za  Rudolf  II.
396!,  426  u.A.4,  431',  432,  485°,
486  u.A.1,  489,  843;  Loszählung
Schleiens  vom  Eid  468‘,  486.
Rüstungen  Schlesiens  210.
Steuern  111,  592,  688.  Beziebungen
  zur  Union  94,  665.

Schlick,  Graf  Joachim  Andreas,
Mitglied  des  böhmischen  Direktoriums
  283  u.  A.  2,  425°,  427,
464,  481.

Schlobitten  in  Ostpreussen  268!,

Schmalkalder,  Dr.  David,  Advokat
  der  Stadt  Schwäbisch-Hall
218,  698.

Schmalkaldischer  Bund  831.

Schmalkaldischer  Krieg  633.

Schinidt,  Michael,  Mitglied  des
Bade  von  Weissenburg  im  Nordgau

Schmitt,  Stephan,  Reichspfeaigmeister

  und  Hofkammerrat  51  u.
A.  1,  592£.

Schneidt,  Peter,  Liz.  iur.,  kar

nerischer  Kanzler  154,  376,  6L
7

Schöllbammer,  Dr.  Gebhard,  Kası-Ion

  ae  Abts  von  Ellwangen  269',
377.

Schönberg  auf  Gürigk,  Kaspar  von,

Präsident  des  kursächsischen  ge
heimen  Ratos  841°,  90,  144°,  179  u
A.  1,  181,  214,  246°  ®  254,
260°,  282  u.  A.3,  316°,  320",  323,
366  f.,  406°,  420°,  421',  454,  491',
513!,  517°,  616,  650,  690  u.  A.1,
812,  840°.

Schönburg,  Hans  Meinhard  vos,

Ritter,  kurpfälzischer  gehe  imer  Rat
und  Kriegsoberst  721,  172  f.,  175  f.,
210,  248  u.  A.  2,  2501,  3521,
256',  260°,  284°,  286',  288°,  316”,
418,  698,  717,  7207,  7881.

Schopp,  Kaspar  s.  unter  Seioppius.
Schrick,

Georg,  Bürger  roa  Lukanes
in  Böhmen  165!.

Schröttl  von  Schrotteastein,  Georg,

Rat  des  Königs  Matthias  83  u.  A.4,
84,  163  u.  A.  2,  164  u.  A.  2,  211,
263,  265°,  736,  764!.

Schurf,  Karl  Ritter  von,  Rat  des

Erzherzogs  Ferdinand  von  Inser
österreich  132.

Schwaben  633,  791.  Ossterreichiscco

  Herrschaften  ia
Schwaben  169,  170  u.  A.1,  589  f.
Kriegsereignisse  in  Schwaben
im  Jahr  1610  169,  589  f.  LandvogteiinSchwaben
  5%.  Schirmverein
  in  Schwaben  589.

Schwäbisch-Hall,  Reichsstadt  67',

70,  92?,  126,  148°,  204,  303,  731°,
173,775.  Bürgermeister  und
Stadtadvokaten  s.  unter  Schmalkalder
  und  Wetzeler.  Unionsstand
36,  218,  698,  787!;  Gesandte  zum
Unionstag  218,  698,  717',  720%,

Schwarz,  Paul,  Sekretär  der  Sts#

Nürnberg  217.  —  N.,  Sekretär  der
Stadt  Ulm  33.

Schweden,  Königreich  2%,  29.

Krieg  mit  Dänemark  s.  unter  Dänemark.


Schweidnitz  in  Schlesien,  Fürsten

tum  153.

Sohweinfurt,  Reichsstadt  94,  104°,

197,  200,  230°,  293,  448‘,  471.
Besatzung  785.  Nachbarliche
Beschwerden,  105.  Rat  de
        <pb n="921" />
        Register

Stadt  105;  s.  auch  unter  Höllerich,
Prückner,  Spon.  Uninnsstand
36°,  105,  218,  227'!,  786.  Abhaltung
des  Unionstages  in  Schweinfurt
105f,  190  u  A.  1,  276,  507  f.,
5391,  546,  5671,  663,  667,  669,
679f.,  683,  704,  767f.  Vertreter
der  Stadt  beim  Unionstag  218.

Schweiz279,  668°.  Evangelische
Orte  229f.,  279,  452°;  katholische
  1701,668°.  Beziehungen  zur
Union  229f.,  279,  703,  706,  768.
Verfassung  369.

Schwendi,  Lazarus  von,  Oberstleutnant
  im  passauer  Kriegsvolk
347°,  493.

Schwerstädt  bei  Weimar  791.

Scioppius  (Schopp)  Kaspar,  polemischor
  Schriftsteller  599.

Secundus,  Johannes,  Leibarzt  Rudolfs
  II.  810  u.  A.  2,  812.

Seoland,  Provinz  der  Generalstaaten
8.  unter  (teneralstaaten.

Selbitz,  Valentin  von,  ınarkgräflich
ansbachischer  Kriegsoberst  697
Selz  am  Rhein,  Reichsabtei  743.
Senfft,  Thomas,  markgräflich  culmbachischer
  Rat  und  Amtmann  zu

Pegnitz  697.

Sidonius,  Deckname  für  einen

sa  serlichen  Diener  (Sudoniz  ?)  692',
31,

Siebenbürgen,  Fürstentum  364,
412,764.  Fürsten  s.  unter  Bathory.

Sigismund,  deutscher  Kaiser  und
König  von  Ungarn  und  Böhmen  325.

Sigismund  Ill,  König  von  Polen
s.  unter  Polen.

Sigismund,  Erzherzog  von  Oesterreich,
  Herr  in  Tirol  589.

Silbermann,  Dr.  Gregor,  pfalzneuburgischer
  Rat  11!,  481,  84°,
109°,  121!,  165',  333  u.A.2,  401°,
512",  517°,  541,  6921,  798,  799!,
818°,

Bitten,  Bistum.  Bischof  Adrian  II
von  Riodmatten  129,

Siawata,  Wilhelm  von,  Burggraf
von  Karlstein,  später  ÜObershoflehnrichter
  in  Böhmen  188  u.  A.  2,
241,  341,  349,  411,  425  u.  A.  1,
442,  489,  512°”,  584°,  596,

Slcidan,  Johannes,  Geschichtschreiber
  581;  dessen  Geschichtswerk  831.

Smeczaneky,  Mitglied  des  böhmischen
  Herrenstandes  188  u.  A.  3,
He  341,  425  w  A.  1,  442,  489,

3

Soböslau  in  Böhmen  165!.

899

Soetern,  Philipp  Christoph  von,
Bischof  von  Speier  s.  unter  Speier.

Solms,  Graf  Otto,  Oberst  im  Heer
der  Union  709%,  785°,  788.

Solms-Braunfels,  Johann  Albrecht
  Graf  von,  (irosshofmeister
der  Kurpfalz  53,  66',  158  u.  A.  1,
161!,  190!,  231',  333',  504',  515,
778.

Soranzo,  Girolamo,  venezianischer
Orator  am  Kaiserhof  635'.

Spanien,  Königreich  45,  64,  149,
258,  299,  302,  536,  656.  Verbhältnis
  zu  Erzherzog  Albrecht  a.
unter  Albrecht;  zu  Baiern  e.  bei
Baiero,  unter  Maximilian.  Spaniens
Absichten  auf  Böhmen  und  die
Erblande  116,  118,  145'!,  239,
260°,  313,  479,  553,  609,  700,  706.
Verhältnis  zu  Erzherzog  Ferdinand
  s.  unter  Ferdinand.  Finanzlage
  Spaniens  51  u.  A.  1,  286,  537.
Verhältnis  zu  Frankreich  s.
unter  Frankreich  ;  zu  den  deutschen
Fürsten  47,  71,  162.  Furcht
vor  Spanien  40,  70f.,  77',  113,
147°,  159,  260°,  369,  665,  699;
es.  auch  unter  Weltmonarchie.
Spanien  und  die  Generalsetaaten
8.  unter  Generalstaaten.  Gesandte
Spaniens  in  Deutschland  772;  8.
auch  unter  San  Clemente  und  Zunign.
Spanien  und  die  Hansestädte
706.  Haltung  im  österreichischen
Hausstreit  s.  unter  Haustreit..
  Hof,  spanischer  657.
Infanten:  deren  Erziehung  116.
Infant  Don  Carlos  (zugleich  Kandidat
  für  die  römische  Krone)  115,
316,  538',  609,  642  f.  Inquisition
  346.  Spaniens  Politik  in
Italien  619,  673.  Spanien  und
der  jülicher  Erbstreit  70,
81,  113,  125f.,  130,  238,  240,
267  f,,  298  f,,  564.  Könige
Philipp  OD.  149,  238.  Philipp  IIL
1,  2,  5,  9,  29",  84,  86°,  112,  117,
143,  1721,  188,  193,  212,  215,
238  f.,  244,  286,  298  f.,  300,  304,
313,  316°,  319,  347,  363°,  369,
390,  427,  442,  444,  447,  478,  482,
492,  494,  501',  514,  524,  5381,
540,  552  f,  606,  649,  6412,  643',
645,  701,  758,  764°,  802,  820,
810;  dessen  (Gemahlin,  Königin
Margarete  51?,  112,  238,  299  f.
Kinder  8.  oben  unter  Infanten.
Kriegsvolk  Spaniens  s.  unter
Mailänder  Volk.  Spanien  und  die

D7*
        <pb n="922" />
        900

geistlichen  Kurfürsten  s.  unter
geistliche  Kurfürsten.  Spanien  und
der  Kurfürstentag  514.  Spanien
und  Erzberzog  Leopold  es.  unter
Leopold.  Spaniens  Verhältnis  zur
Liga  s.  unter  Liga;  zu  König  Matthias
  s.  unter  Matthias;  zum  Hause
Oesterreich  s.  unter  Oesterreich,
Haus.  Pensionäre  Spaniens
4961,  529,  559,  609,  620.u.  4.2,
6415,  646  u.  A.  3,  758.  Spaniens
Einfluss  in  Prag  25,  77',  196,
299,  346,  361,  553,  596,  602,  701.
Räte  und  Diener  s.  unter  Albuberque,
  Arrostegui,  Brunoau,  Cardenas,
  Castro,  Commendador  de
Leon,  Iufantado,  Lerma,  Iuna,
Mendoza,  Montanana,  Onate,  Prada,
San  Clemente,  Tolodo,  Velada,
Zuniga.  Spanien  und  das  Reich
700,  703,  829.  Spanien  und  die
Religion  115,  537,  646.  Verhältnis
  zu  Rudolf  Il.  s.  unter
Rudolf  IL;  zu  Sachsen  s.  unter
Sachsen,  zu  Savoyen  8.  unter
Savoyen.  Spanischer  Staatsrat
48!,  245*,  290',  302,  536,  7591,
789.  Spanien  und  die  Succession
im  Reich  114f.,  117'!,  118,  203,
2311,  239,  245,  286  f.,  301  f.,  304,
305,  341,  346,  348,  361,  364,  369,
409,  492,  496',  506°,  514,  538',
540,  541'?,  586,  604,  609,  627,
629’,  637,  642f.,  665,  669,  687,
699  f.,  834;  8.  auch  oben  uuter
Don  Carlos.  Beziehung  zu  Trier
44,  45',  5l4,  559.  Spanische
Weltmonarchie  29,  70,  147%,
231,  305,  361,  665.
Sparrenberg  in  Westfalen  98.
Speier,  Bistum  33°,  336.  Bischöfe
Eberhard  310'.  Philipp  Christoph
von  Soetern  9,  14,  15’,  52,  62,  79,
88,  298,  339°,  340  u.  A.  1,  381°,
425°,  496',750,776u.A.D.  Bruchsalischer
  Streit  s.  bei  Pfalz,
unter  Speier.  Domkapitel  62,
340,  473  u  A.  |].  ammerrichteramt
  15”,  62,  340,  509.
Kriegsschäden  des  Hochstifts
335,  381°.  Bischof  als  kaiserlicher
  Kommissar  zum  Kurfürstentag
  509  u.  A.  1,  553,  560,
583,  588  u.  A.  2,  594,  604,  757°,
«6°.  Ligastand  134,  137,139,
154  f.,  191°,  309,  336,  340,  380!,
381  u.  A.  1.3,  384  f.,  417,  473  u.
A.  1,  4742,  732°.  Gesandte  zum

Ligatag  334,376,  473.  Beziehungen  .

Register

zu  Mainz  496',  5151;  zu  Rıdolf
  II.  und  dessen  Hof  5%%9  a.
A.1,  635,  750.  Räte  62,  77;
8.  auch  unter  Hauenstein,  Hoheneck,
  Rinck.  Beziehung  zu  Spanien
496.

Speier,  Reichsstadt  33',  34°,  39,
53,  62,  199°,  2241,  280,  679.
Jesuiten  in  Speier  «26.  Rat
35';  s.  auch  unter  Augäperger,
Jugert,  Hadamar.  Reichskammergericht
  52.  Unionsstand
  119!,  217,  2271,  698,  7S5®,
786,  787!.  Gesandte  zu  den  Unionstagen
  217,  221,  224',  227,  220,
232,  235,  471,  698,  717!,  720°.

Sperbersock,  Johann  von,  pfalzneuburgischer
  Hofweister  217.

Spinola,  Ambrosius  Markgraf  von
44f,,  471,  538,  6291.

Spitzer,  Dr.  Georg,  Stadtadrokat
von  Heilbronn  75.

Spon,  Georg,  Mitglied  des  Rats  von
Schweinfart  218.

St.  Emmeram  in  Regensburg,
Reichsabtei.  Abt  Hieronymus  IL
508*,

St.  Ivan  bei  Prag  842.

St.  Margarethen,  Kloster  bei
Prag  121‘;  dessen  Prior  Benno  165.

St.  Nikola  bei  Passau  27.

Stablo,  Reichsabtei  109?,  330',  474%.

Starck,  Peter,  Altammeister  von
Strassburg  7b!,  217,  6%.

Starhemberg,  Reichard  von,  Rat
des  Königs  Matthias  und  Landstand
in  Oesterreich  ob  der  Eans  63°,
177  u  A.3,  248,  341  u.A.2,  322°,
3431,  3721,  376,  400  u.  A.  1,  406
u.  A.  3,  407,  419,  41°,  S15  f.,
551-3,  604  u.  A.  2,  610,  613,
167,  844.

Starschedel,  Heinrich  von,  markgräflich
  badischer  geheimer  Rat
und  Hofmeister  698.  —  Otto  von,
Präsident  des  hessen-casselschen
geheimen  Rats  217.

Steiermark,  Herzogtum  301.  Last
schaft  27,  176.  Bedrohung  darch
die  Passauer  5,  211,25,  27,  31,18.

Steig,  goldener  (Pass  von  Kuschwarda)
  im  Böhmerwald  305'.

Stephan,  Johann,  Mitglied  des
innern  Rats  von  Worms  698

Sternberg,  Graf  Adam,  Oberst
burggraf  in  Böhmen  144  u.  A.  2,
188°,  431'1,  479,  542°,  6596,  813.

Steyer,  Stadt  in  Oesterreich  ob  der
Enns  255%,
        <pb n="923" />
        Register

Stotz,  Johann  Thomas,  markgräflich
badischer  Sekretär  217,  698.

Strahow,  Abtei  bei  Prag  176.

Stralendorf  d.  Ae.,  Leopold  von,
Reichsvizekanzler  284  u.  A.  3,  347*,
394!,  115',  475°,  480,  483  u.  A.  1,
481,  583,  648,  672°,  690,  692',
835,  837°.  —  d.  J.,  Peter  Heinrich
von,  Reichshofrat  284°,  836.

Strassburg,  Bistum  33°,  67,  75.
Bischof  Erzherzog  Leopold  s.  unter
Leopold.  Kapitelstreit  774’,
7751.  Evangelisches  Kapitel  im
Bruderhof  774  u.  A.7,  775;  Statthalter
  desselben  Pfalzgraf  Friedrich
Casimir  von  Zweibrücken  774,775!.
Katholisches  Kapitel  in  Zabern
668,  773f.  —  Kriegsschäden
von  1610  169,  205,  335,  382.  Ligastand
  88,  382  f.

Strassburg,  Reichsstadt  528.  Bruderhof
  in  Strassburg  774’.  Dreizehner
  in  Strassburg  3:',  661,
‘5;  Mitglieder  des  Rats  und  Stadtadvokaten:
  s.  unter  Clussrath,  Hartlieb,
  Ingelt,  Starck,  Wendt,  Wurmser.
Krieg  von  1610  75!,  216,  547  £.,
‘15%.  Truppen  der  Stadt  232  f.,
237,  715  u  A.  4,  716,  785,  794.
Unionsstand  34°,  35°,  38,  53,
‘5u.A.1l,  77‘,  1191  ?,  217,  2271,
698,  787!.  Ausschreibende  Stadt
in  der  Union  796.  Darloben  für
die  Union  785°,  786.  Verhältnis
zu  den  höheren  Ständen  5693  f.,
794.  Gresandte  zu  den  Unionstagen
217,  2202,  221  f.,  2241,  226  f.,
231  £.,  237u.A.1,  471,  698,  7013,
702,  708°-4,  712,  715  u.  A.  4,.720°,
21,  724f.,  729,  754.

Straubing  an  der  Donau  296.

Stroza,  Pietro,  päpstlicher  Brevensokretär
  99,  209.

Stuttgart  92”,  293  u.  A.  4,  610

u.  A.  2,  676%.
Suares,  Antonio,  Sekretär  des
Erzherzoggs  Albrecht  42,  44,

812°,

Sueeession  im  Reich  2',  10°,  81,
203,  313,  364,  410,  5-40,  821.  Erzherzog
  Albrecht  und  die  Succession
  s.  unter  Albrecht.  Ausländische
  Kandidaturen  626,
6291,  632  u.  A.  1,  677,  Ol,  830.
Baierns  Haltung  ®.  unter  Baiern.
Böhmen  und  die  Bucoession  im
Reich  368°,  127?,  4311.  Designation
  eines  römischen  Königs
695,  830.  Erbrecht  an  der

901

Krone  676,  701,  831.  Erzherzog
Ferdinands  Haltung  s.  unter
Ferdinand.  Haltung  der  Kurfürsten
  insgesamt  s.  unter  Kurfürsten;,
  der  geistlichen  insbesonder  s
a.  unter  geistliche  Kurfürsten.  Kurfürstentag
  und  Successionsfrage
8.  unter  Kurfürstentag.  Kandidatur
des  Erzherzogs  Leopold  s.  unter
Leopold.  Kandidatur  des  Königs
Matthias  s.  bei  Matthias,  unter
Succession.  Erzherzog  Maximilian
  und  die  Succession  8.  unter
Maximilian.  Haus  Oesterreich
und  die  Succession  s.  unter  Oesterreich.
  Papst  und  Succession  8.
unter  Paul  V.  Pfalz  und  Succession
  s.  unter  Pfalz.  Reichstag
und  Succession  s.  unter  Reichstag.
Rudolf  IH.  und  die  Succession
s.  unter  Rudolf  II.  Sachsons
Haltung  8.  unter  Sachsen.  Savoyen
  und  die  Succession  231‘.
Spaniens  Absichten  8.  unter
Spanien.  Politik  der  Union  342°,
3413!,  406°,  4331,  490,  S16f.,  665,
674  u.  A.  1,  Gr6f.,  686  f,  696,
699  f.,  64°,  797°,  825.  Wahl
eines  römischen  Königs  401°,  406
u.  A.  3,  147,  485,  487,  488!,  190,
492,  625,  527,  535,  585,  604,  625,
627,  635,  6rtf.,  696  f.,  699,  TOL,
776,  777  u  A.  1,  830f.  Approbation
  der  Wahl  831.  Erzwingung
der  Wahl  durch  die  Böhmen  516,
528,  556,  640.  Freiheit  der  Wahl
830  f.  Kandidat  (Subjekt)  573,
626  f.,  636,  641  u.  A.  1,  676,  686,
‘8lu.A.1,  825,  833,  evangelische
Bewerber  677  ;  Vermöglichkeit  der
Bewerber  636.  —  Kostepieligkeit
der  Wahl  677.  Verzögerung  der
Wahl  686,  697,  700,  797  u.  A.  3.
Wahlkapitulationen  8.  unter  diesem
Schlagwort.  Wahltag  157°,  627  f.,
746°,  833.

Sudoniz  (Sidonius?),  kaiserlichor
Hofdiener  823  u.  A.  1.

Sulz,  Graf  Karl  Ludwig,  Generalleutnant
  im  passauer  Kriegsvolk
11,  21,  12,  139,  91,  19  u.  A.  3,
110',  1112,  120%,  121',  133?,  161,
188,  211,  239  £.,  258,  260°,  254,
296  f.,  300,  305!,  355,  412,  493%,
601',  560,  709,  7.48.

Tabor  in  Böhmen  109°,  117,  120,
121°,  171!,  178°,  191,  215,  210,
259,  283',  329.
        <pb n="924" />
        902

Tann,  Konrad  von  der,  fürstlich
fuldaischer  Rat  797!.

Tartaren  202.

Tengnagel,  Franz  Gansneb  zum
Khomp[Kamp?],genanntT.,geheimer
Rat.des  Erzherzogs  Leopold  91?,145)1,
154!,  239,  297,  304,  341,  606".
Schickung  nach  Spanien  und  Frankreich
  238  u.  A.  1,  239,  258,  298f.,
Schickung  ins  Reich  100  u.  A.  1,
15Lu.A.1,  152f.,  239,  241,  259.
Gefangennahme  und  Prozess  181  u.
A.  2,  183  u.  A.  4,  1841  f.,  188*,
196,  216,  283  u.  A.  1,  242,  347,
352  u.A.1,  362  u.  A.  3,  363,  388,
394!,  411,  440,  452°,  560.  Aus
sagen  184,  217,  238,  246  u.  A.  2,
247'1,  257  f.,  260°,  285,  295  f.,  304!,
328  u.  A.1,  331,  349  u.  A.  4,  353,
389,  408,  489,  564,  591°,  654,
664,  667,  699.

Teschen,  Herzogtum  in  Schlesien.
Herzog  Adam  Wenzel  187,  240,
283  f.,  304.

Teufel,  Hans  Georg,  Freiherr  zu
Gunderscdorf  auf  Eckartsau,  kaiserlicher
  und  königlicher  Rat  und
niederösterreichischer  Regimentsrat
63?,  306*,  3501,  4891,  522°,  523
u.  A.  1,  5241,  5461.

Teuschnitz  in  Oberfranken  752,

Thüngen,  Konrad  Friedrich  von,
Domdechant  zu  Würzburg  376.

Thurn,  Graf  Heinrich  Matthias,
Burggraf  von  Karlstein  84°,  91,
121!,  143f.,  171',  177,  185,  187,
194°,  213,  214  u.  A.  1.  2,  216,
240,  259,  352',  420,  439,  596;
dessen  Beziehungen  zu  Fürst
Christian  von  Anhalt  177,419,  420!,

Thurzö,  Graf  Georg,  Palatin  von
Ungarn  177  u.A.1,  178,  419,  615,
764,  844.

Tiefenbach,  Rudolf  von,  Kriegsoberst
  im  Dienst  des  Königs  Matthias
  252  u.  A.  1.

Tilly,  Johann  Tzerclaes  Freiherr  von,
Generaloberstleutnant  im  Dienste
Maximilians  von  Baiern  183  u.  A.1,
191  u.  A.  1,  387.

Tirol,  gefürstete  Grafschaft  86,
279,  301,  369,  589  f.,  636  f.,  738.
Ansprüche  des  Erzherzog  Albrecht
  462!,  4661.  Gemeinbesitz
  des  Hauses  Oesterreich
21,27,  32,  132f.,  369,  462',  591.
Landesfürsten  s.  unter  Ferdinand
  d.  Ae.,  Maximilian,  Sigismund.
Landeshauptmann  an  der

Register

Etsch  8.  unter  Brandis.  Landschaft
  2!,  27,  32,  132  u.  A.  2,
150,  169  f.,  255',  590.  Landtag
132f.,  151%,  163,  170.  Erzherzog
Leopolds  Absickten  auf  Tirol
2!.  Eintritt  Tirole  in  die  Lg
169  f.  Durchzug  des  mailänder
Kriegsvolkes  66.  Bedrohung
durch  das  passauer  Kriegsvolk
  s.  unter  Passauer  Kriegs
volk.  Residenz  Rudolfs  II.  in
Tirol  215,  284  u.  A.  9,  571,  635.
Absichten  Rudolfs  II.  auf  Tirol
8.  bei  Rudolf  II.,  unter  Tirol.

Toelmann,  Dr.  Simon  692:,

Toledo,  Erzbistum.  Erzbischof
Bernard  Sandoval  y  Roxas  537  f.

Torgau  217,  2821,  315  u.  A.  5,
319!,  343,  347*,  366°,  375  f.,  395,
422,  433,  447!,  451.

Toskana,  Grossherzogtum.  Grossherzog
  Ferdinand  17!,299.  Toskanisches
  Haus  254.  Gesandter
8.  unter  Medicis.

Traun,  Fiuss  in  Oesterreich  ob  der
Enns  21!.

Trautmannsdorf,  Adam  Freiherr
von,  kaiserlicher  Kriegsoberst,  später
Guardihauptmann  25,  27  f.,  58,.
91°,  109°,  110,  120,  121:,  183%,
501',  621,  624,  657,  690  u.  A1,
733,  7341,  736.  —  Maximilian,
dessen  Bruder  736.

Trautson,  Graf  Paul  Sixt,  Präsident
  des  geheimen  Rates  des  Königs
Matthias  321,

Trier,Kurfürstentum.  Kurfürst  Lothar
von  Metternich  50!,  62,  6,  9,
113,  140,  247',  271  u.  A.  3,  272,
273u.A.2,  297f.,  306°,  337  0.4.2,
340  u.  A.  1,  351%,  3671,  392£.,
3981,  417,  421,  435,  456,  582°,
651,  774,  828.  Im  Administrationsstreit
  652.  Verhältnis  za
Erzherzog  Albrocht  514,  629,
77  uA.2.  Domkapitel  473.
Erzkanzleramt  514.  Beiek
ung  zu  Frankreich  514.  Tre
iin  österreichischen  Hausstreit
375,  393,  412,  436,  458  u.  A  ?,
481?,  490,  514.  Trier  und  der
jülicher  Erbstreit  10°,  156,
377.  Trierim  Klosterstreit  65°%.
Vierzigjähriger  Krieg  155,  379.
Kriegsvolk  Triere  380'!,  386.
Trier  und  der  Kurfürstentag
504,  616,  660  f.,  662°,  681,  744.
Im  Kurverein  558.  Landstände
  155,379,  384,416.  Liga-
        <pb n="925" />
        Register

politik  7,  631,  88,  135,  I54f.,
191,  315  u.A  1,  377  u.  4.2,  379,
380',  382,  381  f.,  450u.  A.  1,  473
u.  A.  3,  474®,  520f.  Moderation
der  Ligaquute  378  f.,  381  u.  A.1,
382  f.,  416.  Gesandte  zum  Ligatag
334  f.,  376,  417.  Beziehung  zu
König  Matthias  496',514;  zum
Hause  Oesterreichö5l4.  Räto
577°,  760f.;  8.  auch  unter  Husmann,
  Pütz,  Ritz,  Schneidt,  Zant.
Verhältnis  zu  Rudolf  II.  154,
zu  Spanien  s.  unter  Spanien.
Trier  und  die  Succession  im
Reich  514,  627,  6291.

Trier,  Stadt  62,  393!,  514.

Trumbull,  William,  englischer  (reschäftsträger
  in  Brüssel  112°.

Tschernembl  auf  Windeck  und
Schwertberg,  Erasmus,  österreichischer
  Landstand  175  u.  A.  3,  177,
2924,  419,  604?

Türken  67?,  86,  169,  178,  202,
256,  296,  307  f.,  320°,  326,
401,  4321,  557,  611,  613,  686,
638,  696,  738,  756,  764,  8144.
Türkenfrieden  39%,  598.  Türkengefahr
  für  die  Erblande  636.  Türkenkriege
  255  u.  A.  1,  325,  404,  406,
419,  4681,  554,  664,  700,  758,
810°,  817.

Turin  413!,  414.

Tycho  de  Brahe,  Hofmatlıematiker
Rudolfs  II.  154'.

Ubaldini,  Robert,  Erzbischof  von
Montepulciano,  Nuntiusin  Paris668’.

Ubezko,  Henning,  oberster  Proviantıneister
  im  passauer  Kriegsvolk  12°,
b7f.,  611,  99f.,  120,  145*,  185,
187  f.,  240,  303.

Ubiquitismus  668.

Udenheim  s.  unter  Odenheim.

Ulm,  Hans  Ludwig  von,  kaiserlicher
Rat,  später  Reichsvizekanzler  80,
137,  155,  337.

Ulm,  Reichsstadt  39,  4101,  75,  225,
567!.  Verhältnis  zu  Oosterreich
579.  Rat  der  Stadt  75',  223°,
224',1447,448!;  e.  auch  unter  Kraft,
Roth,  Schleicher,  Schwarz,  Wick.
Erlittene  Schäden  37,  716.
Truppen  der  Stadt  715.  Unionsstand
  33f.,  77',  200,  227!,  561,
567!,580,  68,771.  Ausschroibende
Stadt  38f.,  77‘,  217,  698.  Darleben
  für  die  Union  198,  223f.,
226,  227  u.  A.  1,  785°,  786,  794.
Gesandte  zu  den  Unionstagen  217,

903

2191,  220%,  222,  223°,  224,
226  f.,  229,  232  f.,  235,  236',  579,
698,  701°,  702,  7031,  705,  709%,
712!,  713,  715  u.  A.  4,  716',  720
u.  A.  2,  729,  732.

Umstadt  im  Odenwald  123°.

Ungarn  103,  118,  15l,  253,
256,  258,  292,  320°,  326,  328,
401,  452°,  459°,  4621,  533',  615,
634,  637.  Bauernstand  169°.
Finanzen  255u.A.1l.  Grenzverteidigung
  und  Kriegswesen
255  u.  A.  1,  256,  307,  326,  341,
372,  390,  556,  592,  611,  615,
664  f.,  673,  743!,  764,  810°,  824.
Konfoederation  mit  Böhmen
und  den  Erbländern  4168',  512,  542,
659.  Verhältnis  zu  König  Matthias
  s.  unter  Matthias.  Palatin
  es.  unter  Thurzö.  Verhältnis
Ungarns  zum  Reich  (Vormauer
des  Reiches)  554.  Ungarn  und
Kudolf  II.  632,  737.  Stände
in  Ungarn  326,  424°,  615.  Succession
  in  Ungarn  202,  301  f.
Truppen  215,  252!.  Beziehungen
Ungarns  zur  Union  94,  228£.,
665.  Unruhen  in  Ungarn  813.
Werbungen  1B2f.

Union,  evangelische,  überhaupt  105,
124,  189  u.  A.2,  198,  223  f.,  227  f.,
257,  277f.,  281,  303,  322,  434',
447,  508  u.  A.2,  549',  550,  56Lf.,
565,  567,  630,  666,  698,  720°,
21?,  22,  7261,  729,  751,  772,
774°.  ®,  775',  796!,  8I8f.  Union
und  aachener  Sache  84.

Abschiede  der  Union:  225  f.,
261  f.,  277,  281,  7221,  766,  7CH®,
810°.  Ahauser  Hauptabschied
470,  766,  818;  Nebenabschied  470,
669,  786.  Heidelberger  Abschied
  6,  198,  261  f.,  549,  709%,
767.  Heilbronner  Abschied  36,
76,  2001,  223,  2241,  225f.,  228,
261,  278,  031,  709%,  Tl,  72.
Neuburger  Abschied  261,  71V!,
715,  7221,  Erster  rotenburger
Abschied  470  ;  zweiter  rotenburger
Abschied  s.  unter  Unionstag  von
Rotenburg.  Schweinfurter  Abschied
  s.  unter  Unionstag  von
Schweinfurt.  Schwäbisch-Haller
Nobenabschied  606.  Speierer
Partikularabschied  331,  34,  661,
922,  119,  224,  2301,  233,  261,
280,  «09°,  7101,  729°.  Wormser
Partikularabschied  119,  199,  224',
233,  280,  580,  72).
        <pb n="926" />
        904  Register

Union  und  Administrationsstreit
  s.  unter  Administrationsstreit.
  Aemter  der  Union  93,
198,  225f.,  228,  237,  263,  278,
580,  667,  679,  723,  724  u.  A.  1,
725,  766f.  Anlass  zur  Union
819.  Ansehen  der  Union  712u.
A.1,718,725.  Assistenz,  nachbarliche,
  unter  den  Unierten  119,
199  u.  A.  1,  232,  236,  280  f.  580,
680,  7241,  725,  767.  Aufhebung
der  Union  106,  226,  250,  309,
311,  314,  664,  702,  704,  738.
Ausland  und  Union  19,  29',  40,
93f.,  112  u.  A.  3,  128f.,  148°,
221,  228f.,  250,  279,  668,  199,
700,  703,  7OSf.,  713,  728,  729
u.  A.  3,  768,  775;  8.  ferner
unter  Dänemark,  England,  Frankreich,
  (seneralstaaten,  Schweiz,  Venedig,
  Verhältnis  zu  Baiern  se.
unter  Baiern.  Union  und  die  Bekenntnisse
  250'.  Union  und  die
Wirren  in  Böhmen  433°.  Union
und  Brandenburg  s.  unter
Brandenburg.  VerhältniszuBraunschweig
  s.  unter  Braunschweig.
Consiliuam  politicum  in  der  Union
  221f.,  228,  278,  539  u.  A.  1,  567,
579,  631,  667,  678f.,  O6  f.,  767.
Beziehung  zu  Dänemark  s.  unter
Dänemark.  Defensionswesen
in  der  Union  119,  230  f.,  236,  237',
263,  279  f.,  680,  701°,  724f.,  767  f.
Direktorium  der  Union  37f.,
m,  218f.,  294,  322,  631°,  667,
669,  7241,  725,  728,  767TFf.,  771,
187,  793;  8.  auch  bei  Pfalz,  unter
Administrator.  Donauwörther
HandelTö6f.  Union  und  elsässer
Kriegsvolk  53,  66  u.  A.  1,  92,
220,  224f,,  227,  232,  261,  276,
664,  784.  Elsässer  Zug  35,
37,  40,  66  u.A.  1,  ı6,  77',  222£.,
261,  263,  277,  546  f.,  563  f.,  667,
699,  706,  «09*,  714,  715  u  A.l,
‘24,  792;  8.  auch  unter  Städte.
Beziehungen  zu  England  s.  unter
England;  zu  den  österreichischen
Erblanden  8.  unter  Erblande.
Ergänzung  der  Union  684.
Erhaltung  und  Fortsetzung  der
Union  93,  197,  221f.,  261,  277,
561,  663,  7OOf.,  725,  729°,  766,
773,  (84,815,  839.  Erschöpfung
der  Union  231,  262.

Finanzen  der  Union:  Anlagen
  (Quoten)  31  u.A.2,  35,  40
n  A.1,  1901,  199  u.A.2,  223,  224

u.  A.  1,  27  u.  A.  1,  233,  262,
278,  280,  549,  565,  367,  78,
715,  722°,  723f.,  729  f.,  7318,  76
773,  776,  780,  787,  T93f.,  SUR.
Ausgaben  der  Union  680.  Belastung
  35  u.  A.  1,  vöf.,  7
224  f.,  701°,  702,  729.  Darlehensempfang
  und  Vorschüsse
35  f.,  40u.Ä.1,  76,  771,  93,  198,
222,  221f.,  2271,  228,  262  f.,  278,
280,  548,  562,  bbäf.,  667,  TuS“,
725,  766,  786,  793f.  Guthaben
der  Union  785  u.  A.  3,  7EeN.
Kasse  der  Union  225,  262  f.,  280,
565,  667,  786,  794f.  Legstätten
565,  723,  724  u.  A.  1,  ı25,  729f.,
766,  85.  Matrikel  der  Union
237,278.  Neubewilligungen
38,  232  f.,  236  f.,  280,  441°,  729  f.,
786f  ,  793f.—  Bechnungswenen
35,  37,  |)  u.  A.  1,  41,  75,  93,
158,  189,  1901,  197  f.,  219,  221  f.,
224  wA.  1,  225f.,  2301,  232,  236
u.  A.  1,  237,  262f.,  277,  280,
2821,  447  f.,  507f.,  539°,  56Lf.,
565  f.,  567',  578,  663,  666,  674,
679,  683,  699,  Ol  u.  A.  3,  08t,
705’,  707,  7082,  709°,  7101,  7I3f.,
715  u.A.4,  7I8f.,  720%  722r,
723,  724  u.  A.  1,  725,  729,  732,
766  f.,  7T81f.,  792f.  Beehnungsabschiede
  724!,  731,  766,  784,  787,
794  f.  Rechnungrat  beim  Unionstag
702,  722!,  Rechnungaregeln  707,
713u.A.3,  714,  715u.  A.4,  T16f.,
1221,  723  f.,  785,  793  f.  Rechnungs
tage  76,  223,  2241,  277,  282!,  508.
—  Restanten  35,  40  u.  A.1,  41,
771,93,  1%!,  198,  199?,  221,  223f,
226,  262  £.,  277  f.,  561,  667,  723,
24  u  A.  1,  729£.,  731°,  766  f.,
786  f.,  793,  840.  Schulden  der
Union  674,  729f.,  731u.A.3,  785
u.A.3,  786,  792f.  Volkshilfe
statt  Geldhilfe  236  f.,  237',  238,
280.  Vorrat  der  Union  an  Geld
40u.A.1,  41,  76,  771,  222,  262  f.,
565,  578,  667,  674,  680,  724!,  725,
129  f.,  780,  786,  793.

Union  und  Frankreich  -.
unter  Frankreich.  Verhältnis  der
Union  zu  den  Generalstaaten
s.  unter  Gencoralstaaten;  zu  Genf
8.  unter  Genf.  Unioa  und  Gravamina
  35,  40  u.  A.  1,  77:,  93,
218!,  221f.,  2941,  295!,  39  u.
A.  1,  507,  551,  562,  566,  567
u.  A.  1,  579,  666,  6Tdf.,  O2  Ef,
704  f.,,  712f,  719,  740,  TAf.,
        <pb n="927" />
        Register  905

769,  780  u.  A.  6,  817,  82.
Grundlage  der  Union  819.
Union  und  Österreichischer  Hausstreit
  ee  unter  Hausstreit.
Hilfe,  eilende,  unter  den  Unierten
236,  281,  767.  Irrungen
unter  den  Unionsständen  s.  unten,
unter  Unionsestände.  Union  und
jüälicher  Erbstreit  20!,  35,
37,  40  u.  A.  1,  71,  76,  771,  94,
124,  129  f.,  161,  197,  199°,  204  f.,
225  f.,  263,  268',  300,  562  f.,  564  f.,
629!,  666,  669,  700  u.  A.  3,  708%,
719,  7221,  725,  727  u.  A.  3,  7298,
730,  732,  785°,  788  u.  A.  1,  793.
Union  und  Komposition  207!,
437°,  676,  704,  713,  756,  763  u.
A.2,  767,  769,  780°,  82°.  Krieg
von  1610  19,  33?,  401,  71,  T5f.,
105,  198,  204,  222,  25f.,  261,
546  f.,  579,  6291,  700,  784.

Kriegswesen  der  Union  40',76,
221f.,  221f.,  261,  263,  278,  548,
565,578,  667,679,  715:,  723f.,  766£.
Bestallungen  in  der  Union  76,
236,278,  723f.,  167,785.  Generale
228,  470  f.,  679.  Kriegsrat  679,
‘23,  724u.A.1,  725,  767.  Kriegsvolk
  105,  137,  158,  204  f.,  225f.,
278,  294!,  512,  547  f.,  700°,  766;
Abdankung  des  Kriegsvolkes  7,  33°,
831  u.  A.  2,  35,  54,  67,  74,  76,
92°,  158,  197,  225,  261,  564,  566,
667,  15!,  784,  7941f.  Neuaunahme
von  Kriegevolk  199  u.  A.  2,  222,
230  u.  A.  2,  281f.,  262,  279  f.,
"180,  7871,  793.

Union  und  Kurfürstentag  ».
unter  Kurfürstentag.  Verhältnis
zur  Liga  s.  bei  Liga,  unter  Müochner
  Akkord  und  Union.  Magazine
der  Union  232,  281,  565,  567!,
680.  Verhältnis  zu  König  Matthias
  s.  unter  Matthias;  zu  Erzherzog
  Maximilian  s.  unter  Maximilian.
  Mehrheitsbeschlüsse
in  der  Union  36,  40  u.  A.  1,  720%,
1221,  727f.,  773.  Stellung  Neuburgs
  in  der  Union  e.  unter  Neuburg.
  Organisation  der  Union
228.  Union  und  passauer  Kriegsvolk
  24:1,  34,  52,  74,  92°,  189,
190  a.  A.  1,  197,  199,  212,  218%,
220,  227,  230  f.,  276,  279  f.,  342,
420,  561,  564,578  f.,  664.  Stellung
der  Pfalz  in  der  Union  s.  bei
Pfalz,  unter  Direktorium.  Union
und  preussische  Sache  966
u.  A.  2,  580,  709,  713,  719  u.

A.1,  7221.  Union  und  Reichstag
  ’O0f.  Union  und  Reichsritterschaft
  s.  unten,  unter
Stände  in  der  Union.  Union  und
Rudolf  ID.  s.  unter  Rudolf  II.
Verhältnis  zuSachsen  (Gewinnung
für  die  Union)  8.  unter  Sachsen;
zu  Sachsen-Coburg  8.  unter
Sachsen-Coburg.  Schickungen
der  Union  704,  708,  TILf,  718,
726,  769  f.,  787  f.,  828.  Schickung
nach  Prag  im  Jahr  1609  36,  38  u.
A.  1,  702,  708,  738,  740,  747  f.,
755,  765,  769,  778,  819,  827.
Schwäche  der  Union  211,  222,
311,  562,  701°,  702,  766.  Beziehung
  zur  Schweiz  229f.,  279,
703,  706.

Stände  der  Union:  Oberländische
  767.  Rheinische
280,  667,  767.  —  Fürstliche
(Höhere  Stände)  35,  94,  190',  218!,
222,  221f.,  230',  232,  237  f.,  261,
277,  279£.,  2821,  448,  539,  562  f.,
565  f.,  567!,  579,  581,  663,  665,
71052,  708?,  709,  7101,  713£.,  715  u.
A.1,  7171,  719,  720u.A.2,  722.
A.1,  724:,  727°,  729,  730  u.  A.2,
7318.,  767,  773,  774u.  A.3.4,  776,
778,  «80,  782,  784  u.  A.  1,  78
u.A.3,  86f.,  “91,  794  f.,  796.
Fürsten  in  der  Union  und  elsässer
Zug  566,  567!;  Gesandte  der
Fürsten237.  Nachbarliche  Irrungen
75,  771,  221,  224,  226,  228,  262,
278,  667,  725,  767,  795f.  Praeeminenz
  in  der  Union  728.  Schulden
731,  787,  7881,793.  Verhalten  gegen
die  Städte  36  u.  A.  3,  75,  94,  222,
2241,  236f.,  250',  792.  Schlechte
Zahler  35,  401,  75f.,  190!,  262,
565.  —  Grafen  und  Herra
(Eintritt  ia  die  Union)  401,  93,
198,  222,  229,  279,  705  f.,  727  6,
767  f.,  773,  780.  Voten  der  Grafon
679,  705,  767,  773.  —  Reichsritterschaft
  93,  198  u.  A.  3,
228f,  279,  572.  —  Städte,  insgesamt
  33°,  39  f.,  106',  158,  189,
190!,  197  £,,  218!,  224  f.,  236,  238,
261,  278,  433,  4418!,  471,  539°,
546,  561,  579,  663  f.,  666  f.,  679,
702,  703  u.  A.  1,  706,  08  u.  A.  2,
709  u.  A.  4,  710!,  712,  714,  715
u.A.1.4,  716£.,  719  u.  A.  1,  720
u.  A.  2,  722:,  724  uw  A.  1,  727,
128°,  729  £.,  731  u.  A.  3,  767,
773,780,  784  f.,787,792,794£.,815.
—  Fränkische  Städte  7  7'!,  2271,22);
        <pb n="928" />
        906

rheinische  37,  40',  227!,  563,  565,
567";  schwäbische  227'.  —  Ausschreibendo
  33  u.  A.  1,  37,  39,  401,
5  u.  A.  1,  76,  77',  200',  218!,
225,  227,  376°,  433,  707,  708°,
710,  715  u.  A.4,  717!,  729,  793;
Konvent  der  ausschreibenden  Städte
zu  Heilbronn  33  u.  A.  1,  39,  75  u.
A.  1,  218!,  261.  Städte  und  Administrationsstreit
  38,  218!,  219",
220°,  561,  564,  728.  Städte  und
Auslanıl  36,  40,  229,  279,  706.
Darleben  der  Städte  36,  75f,  222,
224,  228,  262  f.,  548,  566  f.,  667.
Städte  und  elsässer  Zug  36f.,  40!,
Täf.,  77,  223f.,  227  f.,  230',  277,
548  f.,  562,  564  f.,  6671,  580,  667,
01°,  703'!,  707,  708°,  709%,  714,
715  u.  A.1.4,  717  wA.1,  7221,
784.  Erschöpfung  der  Städte  durch
Kontributionen  77!,  223,  227".
Gewinnung  der  Städte  für  die
Union  722'!.  Gravamina  der  Städte
34,  35  u.  A.  1,  37f,  40  u.  A.]1,
Tdf.,  771,  93,  2181,  2201,  222  f.,
224  u.  A.  1,  225,  227,  230',  238,
261f.,  277,  447f.,  546  f.,  562,
667,  679,  702,  7031,  705,  708?,
713,  715"  *,  719,.7221,  723,  7241,
125,  766f.  Städte  und  jülicher
Sache  38,  40  u.  A.  1,  76f.,  94,
226,  263,  562,  564,  705°,  719.
Leistungen  der  Städte  für  die
Union  227  u.  A.1.  Mistrauen  der
Städte  gegen  die  höheren  Stände
33°,  35  u.A.1,  36f,  39,  40  u.  A.1,
41,  7äf,  189,  1901,  223,  224  u.
A.1,  226,  236  f.,  250',  277,  2821,
322,  447  u.  A.1,  539°,  562  f.,  702  f.,
105?,715%,727.  Verhältnis  derStädte
zu  Rudolf  II.  38  u.  A.1,  401,  76,
77‘,  105,  226,  230',  563  f.,  567,
710!,  715!.   SBtädtegesandte  bei
den  Unpionstagen  263,  277,  280,
561  f.,  7221,  729,  784,  793,  796.
Städterat  auf  Unionstagen  218',
220°,  224,  230',  237°,  561,  567*,
701°,  7031,  705°,  715!.  Trennung
der  Städte  von  der  Union  36,  39,
41,  77°,  197  f.,  237,  563,  702,
705°,  708°,  715  u.  A.  4.  Untertanen
  der  Städteobrigkeiten  40!,
7171,  222.  Volkshilfe  der  Städte
236  f.,  280.  Zurückhaltung  der
Kontributionen  77!,  218!,  2241,
Union  und  die  Sucocession  im
Reich  8.  unter  Succession.
Unionstage,  allgemeine  :28°,
195,820.  Beschränkung  derTagungen

Register
:  539,  679.  Hinderung  durch  den  Administrationsstreit

  37,  92*.  Unioas
tage  als  Verdachtsursache  bei  den
Gegnern  168,  448'!.  —-  Partikulartage
  34u.A.  2,  35f,  4  u.A.|],
75,  221f.,  224  f.,  228,  262  £.,  275,
433u.A.2,  447!,  724f.,  767,  82.
—  Hoeidolberger  Tag  0,  19.
Heilbronner  Tag  36  f.,  40%,
197  £.,  667.  Nördlinger  Tag
92?,  158,  2181.  Rotenburger
Tag  189  f.,  197,  225,  227,  230  u.
A.  1,  236,  278  f.,  281,  2821,  376,
399,  433?,  447  u.  A.1,  448  u.  A.1,
470  f,  508°,  517!,  522?,  546,  549°,
651,565  f.,663,  679  f.,  686,  7:6.  Abechied
  desselben  709*,  717!,  724,
727,728°,729,732,765,772  £.,«  cöf.,
784,  787,  94,  803°,  8251,  827  f.,
810.  Ausschreiben  376°,  418,  433,
507,  538,  539°,  561,  578,  63",
631?,  663,  667  f.,  682,  699,  765.  Persönlicher
  Besuch  538,  539°,  630",
707%,  775  u.  A.2.  Ergänzung  des
Unionskollegs  684.  Instruktionen
561,  567!,  578,  673.  Matthias  und
der  rotenburger  Unionstag  s.  unter
Matthias.  Präsenzliste  des  Unionstages
  697f.  Proposition  433,  663  f.,
667,  684,  698,  O1?,  772.  Protokolle
697  f.,  732,  7851,  803°.  Rudolf  IL
und  der  Unionstag  s.  unter  Rudolf  II.
Schickungen  zum  rotenburger
Unionstag  604,  706,  712  u.  A|,
728.  Termin  508°,  610,  631°.
Verlauf  720°,  729°,  735,  747,  «MW,
762,  770,  70  u.  A.6,  783,  TER.
803*,  815,  824.  Verschiebung  539°,
55l!,  565,  604,  630,  765,  776
Schwäbisch-Haller  Tag  70,
204f.,721?!.  Schweinfurter  Tag
35f,  38f,  41,  63°,  75f.,  105  u.
A.  1,  106,  119,  148°,  158,  174,
666,  679,765.  Abschied  190,  235,
276,  2821,  3991,  437.  507  f.,  561,
663,  668,  701°,  729%,  731°,  785,
1871,  794.  Ausschreiben  92  u.A  2,
189,  197,  221,  228,  261,  277,  294,
508,  683.  Besuch  158  u.  A.  3,
189,  200,  220f.  Direktion  218f.,
682.  Instruktionen  197,  198?,  209",
2941,  562.  Proposition  198,  218
u.A.1,  219f.,  277.  Protokoll  217,
682%.  Schickungen  176,  2121,  2
256,  342,562.  Verlauf  217  f.,  294,  _
539,  546.  Vertagung  158',  189°,
1%0!,  220,  276.  Spoierer  Tag
34,  52,  54,  661,  751,  2  u.  A.  2,
119,  199?,  2241,  2890.  Wormser
        <pb n="929" />
        Register

Tag  66!,  119,  2241,  280.  —  Vorschlag
  eine  neuen  Unionstages
  703.

Ungleichheit  ia  der  Union  77',
221f.,  2241,  225,  263,  277  f.,  280,
565,  580,  667,  702,  705,  725,  768.
Beziehung  der  Union  zu  Venedig
229  f.,  279,  452°,  667  f.,  703,  788.
Verbesserung  der  Mängel  in  der
Union  93,  198,  261  f.,  277f.,  664,
701.  Verfassung  der  Union
T&amp;gt;f.,  224,  226,  237,  277,  7288,
47,  766,  775,  780,  819.  Erate
Notel  (von  Ahausen)  39,  41,  222,
229,  261f.,  701°,  702,  704,
728,  725,  767,  818.  Partikularbeschlüsse
  34,  35  u.  A.  1,  40
u  A.1,  5,  771,  222.  Ueberschreitung
  der  Verfassung  35,  40
uA.1,75f.  Vermehrung  der
Union  93,  198  f.,  219,  221  f.,  228f.,
263,  279,  562,  5671,  664,  668,
679,  703,  705,  767,784.  Vorteile
der  Union  563,  699  f,,  705,  766.
Vota  in  der  Union  34,  40!,  198,
229,  279,  679,  70b,  7221,  727  f.,
767,  773.  Zweck  der  Union  199,
230,  234,  250',  263,  281,  49,
507,  562,  580,  668,  679,  704,  708,
127,  748,  766,  778  f.,  819,  838  f.

Unna  in  Westfalen  98.

Unterelsass  s.  unter  Elsass.

Urseberg  an  der  Mindel,  Reichsabtei
  271.

Utraquisten  165?

Walette,  mons.  de  la,  Sohn  des
Herzogs  von  Espernon,  215.

Varel  auf  Alten-Trebgast,  Friedrich
Hulderich  von,  markgräflich  culmbachischer
  Kanzler  697.

Vateuil  (Vatteville?),  mons.  de,
lothringischer  Gesandter  689°.

Velada,  marques  de,  Mitglied  des
spanischen  Staatsrates  48',  537.

Venedig,  Signorie  162,  169,  279,
598.  Doge  Marc  Antonio  Memmi  87,
121!,  144°,  Gesandte  am  Kaisorhof
  e.  unter  Padavin  und  Soranzo.
Verhältnis  zur  Liga  s.  unter  Liga;
sur  Union  8.  unter  Union.
Venezianerkrieg  589.

Vereycken,  Ludwig,  Audienziorer
des  Erzherzogs  Albrecht  44.

Viepeck  b  von  Haimbausen,  Theodor,
bairischor  Hofrat  21!,  281,  311,
88°,  99f.,  108,  105°,  3081,  493%,
53l  u.  A.  2,

Villeroy  de  Neufrille,  Nicolas  de,

907

französischer  Staatssekretär  123,
161?,  216,  603,  657?,  764,  841.
Vischere,  Peter  von,  Agent  des
Erzherzogs  Albrecht  am  Kaiserhof
488  u.  A.  1.  2,  514,  527  u.A  |,
611°,  659,  587,  603!,  605,  6096',
617!,  620°,  656,  659!,  688,  732°,
734:,  736,  7411,  7421,  750,  811,
814°,  822,  823?,  842  u.  A.  2.
Visconti,  Ottavio,  Graf  von  Gamalerio,
  Kämmerer  und  Kriegsrat  des
Erzherzogse  Albrecht  42  f.,  452°.
Vivarius,  Henricus  Aquensis,  S.  J.,
Beichtvater  des  Erzherzogs  Leopold
183,  241  f.,  352!,  425°,  5011,

Vliessordon  169.
Vöcklabruck  in  Oesterreich  ob
der  Enns  21!,  22,  83°,
Volckhbamer,  Georg,  Mitglied  des
Rats  von  Nürnberg  33,  39.
Volokersdorf,  Wilhelm  von,  Landeshauptmann
  in  Ocsterreich  ob  der
Enns  58,  120  u.  A.  1,  305!.
Yolbi  ‚  Johann  Paul,  Handelsmann
in  Mainz  473°.
Vorarlberg  169f.,  589f.
Vorbehalt,  geistlicher  s.
Roligionsfrieden.
Vorderösterreich  (Vorlande)  2,
31,  168  u.  A.  4,  589  f.,  636,  739.
Krieg  im  Jahr  1610  178,  589  £.
Landstände  170!.  Eintritt  in
dieLiga  168f.,  1711.  Prälaten
des  Landes  170!.  Begierung
661,  168  U.  A.4,  170  uA.1.
Ritterschaft  170!.  Abtretung
an  Rudolf  1I.  83%.  BSchirmverein
  170  u.  A.  1,  589.

Waadtland  129,  413.

Wacker  von  Wackernfels  auf  Jungferndorf,
  Dr.  Johann  Jakob,  erzbischöflich
  olmätzischer  Kanzler
63°,  306*,  350",  489'!,  610,  836  u.
A.  3.  —  Dr.  Johann  Matthias,
Referendar  des  Reichshofrntes  419
u.  A.  2,  441,  451,  461,  467,  588,
602,  605  f.,  608,  609!,  648,  672u.
A.  1,  673!,  689,  693',  737,  742!,
801,  836  u.  A.  7.

Wahl  des  römischen  Königs  s.  unter
Succession.

Wahlkapitulation  141,  3%,
424°,  573,  575,  577,  678,  833.

Waibstadt  in  Baden  90.

Waldenburg,  Gerhard  von,  genannt
Schenckorn,  kurmainzischer
heimer  Rat  577°,  617,  647.

Wallachei  364,  615.  Gesandte

unter
        <pb n="930" />
        908

bei  König  Matthias  354,  390,  414,
489.  Wojwode  Radul  414.

Wallenstein  d.  J.,  Adam  von,
kaiserlicher  Oberststallmeister  und
Oberstlandrichter  in  Böhmen,  später
Landhofmeister  in  Böhmen  165",
194  u.  A.  1,  251f,  282  u.  A.  4,
287,  288',  419,  439,  461°,  542°,
584,  759,  836.

Wallorn  im  Böhmerwald  347°.

Wallimerodes.unter  Buwinekhausen.

Wanner,  Dr.  Matthäus,  bischöflich
augsburgischer  Kanzler  269!,  377.

Wanzenau  im  Unterelsass  717!.

Warschau  539°,  566,  771,  811,

Wartenberg,  Karl  von,  Mitglied
des  böhmischen  Herrenstandes  179
u.  A.  2,  181  u.  A.  1,  183.

Weber,  Johann  Philipp,  Altschultheiss
  der  Stadt  Worms  217.

Wehr,  Simon,  kaiserlicher  Diener
DO6G!.

Weimar,  Stadt  497.

Weingarten  in  Württemberg,
Reichsabtei  271°.

Weinmann,  Simon,  Bürgermeister
von  Heilbronn  75',  218.

Weissenburg  im  Elsass,  Reichsstadt.
  Unionsstand  351,  1191  ®,
217,  2271.

Wsissenburg  im  Nordgau  (auch
„am  Sand*  und  Kronweissenburg),
Reichsstadt.  Magistrat  s.  unter
Roth  und  Schmidt.  Unionsstand

,  35!,  40',  218,  227';  Gesandte  zum
Unionstag  218.

Weisser  ßerg  beiPrag  121!,  329,
530"

Weissmain  in  Oberfranken  ‘31.

Welling  von  Vehingen,  Sebastian,
wärttembergischer  Kriegsoberst  und
Obervogt  zu  Kirchheim  217,  698.

Wels  in  Oesterreich  ob  der  Enns  21'.

Welser,  Matthäus,  gewesener  Reichspfennigmeister
  181°,  183',  291?,
304,  341,  425°,  438,  441*,  442  u.
A.  3,  592.

Weltmonarchie  s.  unter  Spanien.

Welwarn  bei  Prag  154',  181°.

Wendt,  Dr.  Advokat  der  Stalt
Strassburg  217.

Wensin  auf  Kronwinkel,  Lorenz,
herzoglich  bairischer  Käinmerer  und
Jägermeister  263,  265,  631,  635,
639,  640°.

Wenzel,  deutscher  König  und  König
von  Böhmen  815.

Wesol  am  Rhein  267,  728,  776.

Weser,  Fluss  98.

Register

Westernach,  Johann  Eustach  von,
Deutschordens-Komthur  von  Kapfenburg
  509,  553,  660,  663,  693,  768°,
‘92,  als  kaiserlicher  Kommissar
beim  rotenburger  Unionstag  Ci,
734,  740,  43,  757°,  801.

Westfalen  312,  659.

Westminster  in  London  123.

Wetzeler,  David,  Mitglied  des
innern  Rats  der  Stadt  Schwäbiseb-Hall
  218,  698.

Wick,  Johann  Rudolf,  Advokat  der
Stadt  Ulm  217.

Widmann,  David,  pfalz-neuburgincher
  Kirchenratssekretär  217,

T.

Wiedemärcker,  Kaspar,  Oberstleutnant
  im  Dienst  des  Landgrafen
von  Hessen-Cassel  und  Amtmann
zu  Vacha  217.

Wien  30,  47  u.  A.  2,  541,  68°,  ©,
83°,  86,  90,  98,  100',  101,  118,
145,  150f.,  152°,  1794,  210,  215,
2551,  290°,  296,  357,  370,  425%,
533'1,  545,  584°,  658,  697,  726,
765°,  791,  821.

Wienenthal,  jülichisches  Leben
in  Belgien  46.

Wildenegg,  Herrschaft  in  Oesterreich
  ob  der  Enns  22.

Wild-  und  Rheingraf  s.  unter
Daun.

Wilhelm,  Herzog  von  Baiern  s.
unter  Baiern.

Wilhelm,  Landgraf  von  Hoessen-Cassel
  s.  unter  Hessen-Cassel.

Wilhelm  IV.,  Herzog  von  Jülich  e.
unter  Jülich.

Willstätter  Vertrags.  unterE  sass.
Wimpfen  am  Berg,  Reichsstadt
279,  Eintritt  in  die  Union  68.
Windsheim,  Reichsstadt.  Mägistrat
  8.  untor  Herbst  und  Hofmann.
Unionsstand  35,  40!,  218,  227',
Fr  ;  Gesandte  zum  Unionstag  218,

698.

Wintzler,  Christoph,  Liz  iur.,  kurkölnischer
  Kanzler  109°,  135,  141
u.  A.  1,  154,  191?,  376,  458%.

Winwood,  Ralph,  englischer  Ge
sandter  im  Haag  706  u.A.2,  728,
776,  782f.,  784".

Wittingau  in  Böhmen  177  u.A.7,
212',  332,  501!.

Wladislaw,  König  von  Böhmen  s.
unter  Böhmen.

Wolfenbüttel,  Stadt  618.

Wolfgang  Wilhelm,  Pfalsgraf
von  Neuburg  s.  unter  Neuburg.
        <pb n="931" />
        Register

Wolfsberg,  bambergisches  Vizedominat
  in  Kärnthen  757°.

Wolfstein,  Hans  Albrecht  von,
markgräflich  ansbachischer  Rat  697.

Wolkenstein,  Karl  Freiherr  von,
geheimer  Rat  der  Erzherzogs  Maximilian
  52f.,  4142.  —  Adam  Freiherr
  von  644°,  6891,

Wonsheim,  Johann  Barthold  von,

falz-neuburgischer  Statthalter  in
den  jälicher  Landen  653°,

Worms,  Bistum.  Bischof  Wilhelm
von  Efferen  9,  14,  62,  88,  721°,
722,  726  u.  A.  1,  815.  Ligastand
  108!,  134,  139,  157°,  309,
336,  4171,  473,  474°,  Gesanlte
zum  Ligatag  334.

Worms,  Reichsstadt  199,  224!,  2830,
679,796.  Bürger’26'.  Jesuiten
721  u.  A.  2,  722,  726u.A.1,  727.
Nachbarlicoe  Irrungen  228.
Kommunikationstag  in  Worms
66',  199,  725.  Magistrat  726;
8.  auch  unter  Rennekamp,  Stephan,
Weber.  Unionsstand  34°,  53,
66!,  1191,  217,  227,  698,  785°,
786,  787!;  Gesandte  zu  den  Unionstagen
  217,  223,  2241,  228,  232,
698,  701°,  702,  709%,  715,  717°,
‘20°,  725.

Würth,  Dr.  Johann  Georg,  Stadtadvokat
  von  Heilbronn  218.

Württemberg,  Herzogtum  170'.  Vermittlung
  im  Administrationsstreit
  38,  67  u.  A.  2,  92*,  113°,
158,  218,  516,  663,  801.  Herzog
Johann  Friedrieh  157°,  170',  171',
219°,  223°,  413',  596,  698,  7O3f.,
‘30,  764°;  dessen  Bruder  Ludwig
Friedrich  775,  :82.  Württemberg
und  die  Komposition  206,  207
u.  A.  1,  293  u.  A.  4,  294  u.  A.1,
295  u.  A.  1,  436,  437  u.  A.  3,  549
u.  A.  3,  5öl,  Wul!,  676,  756.
Landesverteidigung  232  f.
Landschaft  680.  Verhältnis  za
König  Matthias  e.  unter  Matthias;
  zu  Erzherzog  Maximilian
37,'66',  293  u.  A.  4,  2441,  676".
Mömpelgardische  Sache  680,
‘19,  «74  u.A.4,  829.  Räte  und
Diener  293*,  400',  470,  775;  s.  auch
unter  Buwinckhausen,  Eberstein,
Engelshofen,  Faber,  Gomer,  Jäger,
Küelmann,  Lutz,  Reichau,  Sattler,
Schenck,  Welling.  Verhältnis  zu
Rudolf  II.  597,  749,  1%.
Unionsstand  31°,  37  f.,  53,
92°,  1191,  158,  198°,  2001,  217,

909

376°,  399  u.  A.  1,  4331,  470,  539*,
379  f.,  673,  679  f.,  698,  768,  771,
776,  783  u.  A.  2,  7861,  787°,  788
u.  A.  1,  793,  795.  Verhältnis  zu
den  unierten  Städten  37,  77!.  Ge
sandte  zu  den  Unionstagen  217  f.,
219?,  220  u.  A.3,  221,  23  u.A.2,
2241,  228,  231  f.,  236',  237,  294  u.
A.  1,  342,  701,  706,  714,  723,
126,  728,  732,  754.

Würzburg,  Bistum  633.  Bischöfe
Friedrich  von  Wirsberg  752;
Julius  Echter  von  Mespelbrunn  15°,
106!,  154!,  183‘,  206,  419,  752.
Einlagerung  der  Unierten  im
Hochstift  im  Jahre  1610  401,  105,
169,  335,  387,  564.  Ligastand
63',  80',  88,  244,  271  u.  A.2,  382*,
384,  417,  450  u.  A.  1,  520.  Ge
sandte  zu  den  Ligatagen  269!,  376.
Truppeuwerbungen  382°,  Vorschüsse
für  dieLiga  271u.A.1.  Verhältnis
za  Mainz  (Hartheimische  Händel)
387;  za  König  Matthias  496'.
Räte  s.  unter  Brandt,  Diemantstein,
  Echter,  Thängen.  Verhältnis
za  Rudolt  II.  165°,  184,  259,
593.  Verhältnis  zurStadtSchweinfurt
  105.

Würzburg,  Stadt  50',  200°,  201,
276,  319,  324,  3801,  389,  415  t.,
473,  520,  732.

Wurmsor,  Claus  Jakob,  Städtemeister
  von  Strassburg  217,  698.

Zabern  im  Elsass  547,  668.

Zach,  Sebastian,  Rat  der  kaiserlichen
  Hofkammer  591,  593.

Zant  von  Merlo,  Johann,  kurtrierischer
  Landhofmoister  393',  458°,
514.

Zeller,  Michael,  Rat  der  kaiserlichen
  Hofkammer  591.

Zeschlin,  Dr.  Georg,  pfalz-neuburgischer
  Pfionnigmeister  217.  —
Dr.  Johann,  ptalz  -neuburgischer
Vizekanzler  400°,  139,  6921,

Zeu  In  bei  Lichtenfels  in  Oberfrankon
«52.

ZJAierotin,  Karld.  Ao.,  Freiherr  von,
Landeshauptmann  in  Mähren  175
u.A.1,  177,  211,  218,  254,  305',
402!,  419,  424°,  500%

Zieka,  Johann,  Husitenführer  403,
427°,

Znaim  in  Mähren  188%.

Zossen  ia  der  Mark  158!.

Zurich,  Stadt.  Rat  66°,  129°,

3.
        <pb n="932" />
        910

Zuniga  yRequesens,  Don  Balthasar,
spanischer  Orator  am  Kaiserhof  1,
21,  79f.,  1301,  143,  182°,  183,
188,  193,  214!,  239,  286,  287  u.
A.  2.  3,  304,  312  f.,  316°,  319,
348',  363°,  413",  416,  487,  492%,

501',  531,  5381,  559  f.,  6060.  A.  1,  |

620,  6431,  650,  669°,  673,  699,
011,  764?,  789,  802,  813,  8211-8,
822.  Verhältnis  zu  Baiern  609',
645;  zu  den  Ständen  in  Böhmen
8.  bei  Böhmen,  unter  Landstände;
zum  Herzog  von  Braunschweig
s.  unter  Braunschweig.  Vermittlung
im  österreichischen  Hausstreit
47,  48  u  A.  1,  85f.,  118,  145  f.
196,  213f.,  250  u.  A.  2,  251  u.
A.  2,  284  f.,  287  f.,  3%,  391  u.
A.  1,  396*,  409,  419,  427  u.  A.  2,
428  u.  A.  1,  429,  447,  451,  459
462  u  A.  1],  463  u.  A.  2,  464,
466  f.,  478  f.,  480,  482  f.,  485  f.,
492,  494  f.,  510,  524,  525  u.  A.1,
632  u.  A.  2,  536  f.,  541,  544,  552
u.A.4,  582°,  602,  605,  608  u.  A.1,
622  u.  A.  1,  659,  687,  689,  732,
737,  7421,  759,  810,  814.  Zuniga
und  der  Kurfürstentag  585,

Register

684,  821,  834,  836,  842.  Verhältnis
  zu  Erzherzog  Leopold  s.  unter
Leopold;  zur  Liga  5,  7,  50,  79f.,
108,  134f.,  137,  149,  319;  zu
Mainz  529,  540,  669;  zu  König
Matthias  und  dessen  Räten  254,
287,  348,  447,  456,  482  f.,.  484,
636,  614,  758,  7591,  834;  zu  Rudolf
  II.  und  dessen  Hof  25,  48,
146,  299  f.,  304,  341,  346,  43,
494  f.,  524  f.,  543,  552°,  565,  588,
596,  761,  814;  za  Sachsen  9),
609,  645.  Sekretäre  s.  unter
Bruneau  und  Montanana.  Zuniga
und  dieSuccessionsfrage  114f.,
245,  348,  492,  4961,  510,  41"  °,
609,  629',  669,  834.

Zweibrücken,  Herzogtum.  Pfalsgrafen
  und  Hoerzoge  Friedrich
Casimir,  Statthalter  des  prote
stantischen  Kapitels  in  Strassburg
s.  unter  Strassburg;  Johann,  Administrator
  der  Kurpfalz  s.  unter
Pfalz.  Pfalzgräfin  und
Magdalene  376  u.A.1.  Deren  Arsprüche
  auf  Jülich  376,  655,  719,
730.  Unionsstand  199*,  217,
682,  786',  788  u.  A.1,  818.
        <pb n="933" />
        Berichtigungen  und  Nachträge.

‚Anm.  1,  2.4  v.  u.  lies  A  9a  statt  Aga.
‚2.5  v.u.  lies  den  Bestimmungen  über  die  Bündnisse  im

on  un
2  0

&amp;gt;

44,  2.  10  v.  n.  lies  Julio  statt  Johann  de  Manceicidor.

48,  2.  13  v.  o.  ist  nach  todo  [no]  zu  ergänzen.

63,  Anm.  2,  2.  12  v.  u.  liess  no.  2988  statt  2983.  2.6  v.  u.
nach  „dem  König*  die  Worte  „durch  das  3littel“.

75,  Anm.  1,  2.5  v.  u.  lies  Starck  statt  Storck.

.83,  Anm.  1,  Z.3  v.o.  lies  Christoph  Hauser  statt  Jakob  Hauser.
87,  Anm.  2  zu  $S.  86,  Z.  3  v.  o.  lies  del  rey  statt  en  el  roy.

98,  2.  5  v.  u.  lies  Sparrenberg  atatt  Spornberg.

104,  Z.  1  v.  u.  (Signatur)  lies  Wolfenbüttel  statt  Bo.

.  111,  Anm,  1  liee  Paul  Freiberr  von  Krausenock  statt
Abraham  zu  Dohna.

8.  112,  Z.  16  v.  o.  lies  Mandome  statt  Mandeme.

8.  115,  Anm.  1,  2.  2  lies  Briefe  und  Akten  V.,  VL,  besonders  S.  538,
Anm.  2  und  das  Register.

8.  117,  Anm.  1,  Z.  8  v.  u.  lies  abone  statt  abona.

8.  130,  Anm.  1,  2.  2  v.  u.  lies  Hedemann  statt  Heydemann.

8.  144,  Anm.  3  lies  Albert  Zdenko  statt  Wilhelm.

8.  147,  Z.  11  ist  abzuteilen  por  medio.  De  los  hereges  ...  .  Palatino
entiendo  que  etc.

8.  177,  2.4  v.u.  und  Anm.  8  lies  Hämmerle  statt  Hemmerle.
Anm.  3  liee  Reichard  statt  Richard.

S.  190  sind  die  Anmerkungen  der  Reibe  nach  von  1  bis  3  zu  bezeichnen.

8.  208,  Anm.  1,  Z.  4  v.  u.  lies  Erzherzoge  statt  Herzoge.

8.  218,  2.  5  v.  o.  lies  Wetzeler  statt  Wetzel.

8.  241,  2.2  v,  u.  lies  Aquensis  statt  Aquentius.

S.  269,  Anm.  1,  2.4  v.u  liee  Dr.  Matthäus  Wanner  statt
Dr.  Matthes.  Z.  2  v.  u.  lies  Eberhard  statt  Everhart.

8.  299,  Z.  15  ff.  ist  die  Interpunktion  in  Unordnung  geraten:  nach
concesserit  (2.  15)  ist  ein  Beistrich  zu  setzen,  nach  fuerunt  (Z.  18)  ein
Doppelpunkt.

8.  307,  Anm.  3,  Z.2  v.  u.  lies  Ortlieb  statt  Hartlieb.

S.  316,  Anm.  2,  Z.  3  v.  u.  lies  no.  123,  Anm.  2  auf  8.  320.

S.  361,  Z.  12  v.  u.  ist  der  Beistrich  nach  „ksl.  M.t“  zu  streichen.

Ss.  376,  2.  14  v.  u.  lies  Prozelten  statt  Brotfelden.

S.  396,  Anm  2,  2.  3  v.  u.  lies  Götze  statt  Götz.

8.  429,  Anm.  (zu  S.  428),  Z.  2  v.  u.  ergänze  nach  Wmz.  das  Wort
„Korrespondenz“.

S.  536,  Anm.  1  lies  no.  242  statt  no.  238.

8.  549,  Anm.  2,  2.2  v.o.  lies  zu  schicken  gedacht  statt  geschickt.

ARM.

o
R
[I
[=DEMMUE


00
        <pb n="934" />
        912  Berichtigumgen  und  Nachträge.
Z.  4  v.  o.  lies  Reichshofrats-  Sekretär.

S.  601,  Anm.  3,

5.  610,  Anm.  3,  2.  2

.  630,  Anm  (su  Ss.  629),2.13v.o.(.:

8.  631,  Anm.  8,  Z.1  v.  1%  lies  Ma.  statt  Mb.

S.  640,  Anm.  4,  2.2  v.

8.  692,  Anm.  1,  Z.  13  v.  .  Vielleicht  ist  Sidonius  mit  dem  aal

2.3  v0.  genanoten  kaiserlichen  Diener  Sudoniz  identisch.
.  719,  2.  19  v.  o.  lies  Döle  statt  Döl.  Anm.  1,  Z.  3  v.  u.  füge
nach  f.  die  Zahl  111  ein.
.  726,  Anm.  1.  Der  erste  Satz  ist  zu  streichen.
.  736,  Anm.  5  lies  Dresden  statt  Prag.
752,  2.1  v.  oo.  lies  Graits  und  Zeuln  statt  Greiz  und  Zeulen.
.  776,  Ang.  5,  2.  1  v.  o.  lies  Odenheim  statt  Eidenheim.
.  794,  Anm.  1  ist  statt  a.a.  0.  die  Signatur  Nbg.,  Unionsakten,
Bd.  55  einzusetzen.

8.  804,  2.  2  vr.  u.  lie  eingesohwerzet  statt  eingeschwetzet.

S  812,  Z.  10  v.  u.  Ob  sich  nicht  hinter  „zwo  meil*  ein  verderbter

tschechischer  Ortsnamen  birgt?

un
x
mn

mn  main  ie:

3.  P.  Himmer’sche  Buohdruckerei,  Augsburg.
        <pb n="935" />
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
