—  57  —

hauptsächlich  interessirten  Regierungen  sich  dessen  zu  versichern,
dass  keine  von  ihnen  den  schmählichen  Handel  unter  ihrer  Flagge
treiben  hesse.  Nur  freilich,  sobald  man  sich  auf  diesen  Ausweg
zurückgewiesen  sah,  stand  es  den  britischen  Staatsmännern  von
vornherein  fest,  dass  es  mit  dem  blossen  Versprechen  der  zu  gewinnenden
  Souveräne,  ihren  Schiffen,  Unterthanen,  Häfen  das
reprobirte  Frachtgeschäft  unmöglich  zu  machen,  nicht  gethan  sein
könne.  Solche  Zusagen  waren  billig,  solche  Verbote  waren,  mit
einziger  Ausnahme  Portugal’s,  inzwischen  von  allen  Seehandel
treibenden  Staaten  erlassen  worden.  Nur  halfen  sie  nichts.  So
wie  auf  dem  Meere  der  allgemeine  Friede  wieder  hergestellt  worden
war,  blühte  auch  der  Handelsverkehr  der  afrikanischen  Küsten
mit  Amerika  wieder  auf,  und  den  vornehmsten  Exportartikel  bildeten
die  Negersklaven.  Jenen  landesgesetzlichen  Verboten  wusste  sich
der  mit  gefährlicher  Dreistigkeit,  in  fernen  Meeren,  unter  portugiesischer
  und  spanischer,  bald  auch  unter  französischer  und  nordamerikanischer
  Flagge,  ja,  wie  man  wissen  wollte,  unter  Betheiligung
  englischen  Capitals  betriebene  Uontrebandhandel  bald  zu
entziehn.  Was  half  es,  dass  im  Busen  von  Guinea  fort  und  fort
englische  Linienschiffe  kreuzten,  den  bis  an  die  Zähne  bewaffneten
Sklavenfahrern  bisweilen  förmliche  Gefechte  liefernd!  Was  half
es,  dass  Frankreich  im  Jahre  1818,  um  seinen  guten  Willen  zu
bezeigen,  ein  Geschwader  an  die  westafrikanische  Küste  sandte;
dass  auch  die  Holländer,  sogar  die  Nordamerikaner  zeitweise
kreuzen  liessen!  Der  Schrecken  war  immer  bloss  vorübergehend  und
nur  die  die  eigene  Flagge  führenden  Schiffe  liessen  sich  einschüchtern.
  Waren  doch  seit  der  englischen  und  nordamerikanischen
Abolition  des  Sklavenhandels  die  Preise  für  Neger  auf  den  vielbefahrenen
  Sklavenmärkten  von  Havannah  und  Bahia  kaum  in
die  Höhe  gegangen!  Sollten  diese  Märkte,  sollten  die  berufenen
Greuel  der  Mittelpassage  wirksam  unterdrückt  werden,  so  blieb
nichts  übrig,  als  den  partikulären  Verboten  die  allgemeine  Durchführung
  zu  sichern,  d.  h.  den  Seeverkehr  thatsächlich,  gemeinsam
und  dauernd  zu  überwachen.  Als  das  einfachste  Mittel  um  solche
„surveillance“  auszuüben  erschien  den  leitenden  Kreisen  England’s  ?°)

2%)  Zum  ersten  Mal  hatte  die  englische  Regierung  bald  nach  dem  ersten
Pariser  Frieden  (26.  August  1814)  die  Sache  bei  König  Ludwig  XVIII.  amtlich
  in  Anregung  gebracht,  war  aber  entschiedener  Ablehnung  begegnet;
Hose  1.  1,  I  585.  WenATon,  Enquiry  u.  s.  w.  386  N.  LAwRENOR,  Visi-