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Schichten  variirende  und  differirende  Bildung  des  individuellen
Rechtsbewusstseins  mit  sich  bringt,  —  so  kann  dieser  Theil  des
PostT’schen  Buches  den  besten  Ausführungen  über  die  anthro- pologischen
  Grundlagen  des  Rechts  zur  Seite  gestellt  werden.
|  Der  Hauptvertreter  der  ethnologischen  Methode  versteht  es  hier
;in  seltenem  Maasse  alle  Fäden  seines  Systems  gleichzeitig  in
Händen  zu  behalten.  Nicht  so  an  anderen  Stellen,  wo  ein  tieferes
Eindringen  in  den  Geist  der  Arbeit  leicht  Nachzügler  an  den
Tag  fördert,  die  alles  Vorhergesagte  wieder  aufzuheben  trachten;
nur  müssen  sie  freilich  unter  der  zuweilen  bestechenden  Diktion
des  Werkes  sorgfältig  hervorgeholt  werden.  So  namentlich  in
den  Abschnitten  über  Rechtsbrüche  und  Ausgleichsakte  und  in
dem  an  „die  Tücke  des  Objekts“  erinnernden  Capitel  über  die
Entwicklungsgeschichte  des  Verschuldens.  —  Mit  diesen  Einschränkungen
  lassen  wir  die  principiellen  Ausführungen  Post’s
auf  uns  einwirken,  seine  Bilder  aus  der  Entwicklungsgeschichte
des  Rechts,  wie  seine  stellenweise  überaus  treffenden  Angaben
über  den  zwischen  Sitte  und  Recht  allmählich  sich  vollziehenden
Prozess  der  Differenzirung.  Während  er  aber  wiederholt  im
ältesten  Recht  ohne  Regel,  ohne  Prozess,  ohne  Urtheil  das  zu
Gunsten  der  Erhaltung  des  socialen  Gleichgewichtes  eingreifende
Walten  und  Wirken  des  „Unbewussten“  betont,  gesteht  er  auch
gleichzeitig  ein,  dass  es  schwer  sei,  sich  von  einem  derartigen
Rechtszustande  einen  Begriff  zu  machen,  wenn  man  in  unseren
modernen  Rechtsanschauungen  befangen  ist.  Die  Vermittlung
sucht  er  aus  dem  folgenden  Gedankengang  zu  gewinnen:  Wie
es  im  Völkerleben  überall  noch  Reste  aller  Entwicklungsstufen
und  Rückschläge  auf  längst  vergangene  Zustände  gibt,  so  gibt
es  auch  noch  in  unserem  heutigen  Leben  Reste  jenes  Urrechts,
und  Rückschläge  in  dasselbe,  und  diese  sind  am  geeignetsten,
uns  ein  anschauliches  Bild  desselben  zu  gewähren.  (Seite  39).
Der  letztere  Gedanke,  der,  wenn  wir  so  sagen  dürfen,  das
Prinzip  der  Solidarität  der  menschlichen  Oultur  als  vorbewiesen
annimmt  !®),  wird  fortan  zum  Leitmotiv  des  Post’schen  Werkes;

18)  Uebereinstimmend  mit  DaBaun  (a.  a.  O.  S.  4)  dessen  Meinung  nach
das  Hauptergebniss  der  Völkerkunde  die  Erkenntniss  der  physiologischen  und
psychologischen  Einheit  des  Menschengeschlechtes  sei  „und  die  darauf  fussende
Veberzeugung:  —  der  Zustand  der  noch  jetzt  lebenden  Wilden  spiegele  den
längst  vergangenen  und  vergessenen  Urzustand  der  Culturvölker  treu,  wenn