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Dabei  hält  sich  natürlich  auch  Tynor  frei  von  der  Einseitigkeit,
  gegen  welche  Bastian  ?°%)  mit  scharfer  Waffe  ankämpft,
von  jener  kritiklosen  Voreingenommenheit  für  das  Europäerthum,
mit  der  stets  wieder  behauptet  wird,  dass  die  bei  uns  geltenden
Prinzipien,  die  für  uns  heiligen  Wahrheiten,  desshalb  auch  bei
allen  Völkern  gefunden  werden  müssen  und  der  Natur  des
Menschen  als  solcher  zu  Grunde  lägen.  Als  ob  es  ausser  uns
in  unserer  nördlichen  Halbinsel  keine  anderen  Bewohner  der
Erde  gäbe,  und  wir  seit  den  zwei  Jahrtausenden,  dass  wir  zu
denken  angefangen,  schon  alle  Weisheit  absorbirt  hätten.  Aber
auch  BAsTIan  lehnt  Europas  Kultur  nur  darum  als  generelles
Maass  ab,  weil  Europa  den  übrigen  Kontinenten  gegenüber  als
Ausnahme  sich  zur  Auffindung  des  „Durchschnittsmenschen“
ungeeignet  erweist.  „Obwohl  allerdings  das  Moralsystem  in
Europa  (dem  es  in  anderen  Gebieten  der  Civilisation  nicht  an
einseitig  hypertrophischer  Entwicklung  fehlt),  wegen  dessen  geschichtlich
  nothwendiger  Lebendigkeit  des  Staatslebens  eine  unvergleichlich
  hohe  Vollendung  und  Entwicklung  genommen  hat,  so
muss  man  doch  eben  deshalb  umsoweniger  den  Maasstab  dieser
durch  exceptionelle  Verhältnisse  erreichten  Vollkommenheit  an
alle  übrigen  Nationen  anlegen  wollen,  wenn  die  Mittelzahl  gesucht
werden  soll.  Obwohl  es  für  alle  wünschenswerth  sein
würde,  dieselbe  Höhe  zu  erreichen,  so  darf  doch  das
Prinzip  nicht  übersehen  werden,  dass  eine  durchaus  verschiedene
Entwicklung  stattfinden  und  nichts  desto  weniger  für  den  speziellen
  Fall  die  wahre  sein  kann“.  Neben  diesem  begründeten
Anstreben  einer  objektiven  Weltanschauung,.  wirft  sich  aber
BastıAan  deshalb  noch  nicht  einer  unbegrenzten  Skepsis  in  die
Arme,  für  die  nichts  mehr  feststeht  als  der  Wandel,  „nichts  beständig
  als  der  Tod“.  Kindesliebe,  Hingebung  für  die  Zwecke
der  Gemeinschaft,  Regel  im  Geschlechtsleben  etc.  sind  ihm  die
aus  der  Gleichung  mit  zahllosen  Unbekannten  mühevoll  gewonnenen
  bekannten  Grössen,  auf  die  er  im  methodischen  Prozesse
des  Wägens,  Messens  und  Vergleichens  nicht  verzichten  kann,
noch  will.  Und  in  der  That  muss  ja  auch  die  Menschheit  im
Laufe  ihrer  Entwicklung  doch  zu  einigen  bestimmten  Resultaten,
zu  feststehenden  Krystallisationsformen  gelangt  sein,  gleichviel  ob

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22)  Basrıam,  Der  Mensch  in  der  Geschichte  Bd.  ],  S.  230  fg.

 