Wenn  also  aus  all  diesen  Gründen,  denen  sıch  selbstverständlich
  sehr  leicht  noch  eine  grössere  Anzahl  anderer  hinzufügen
liesse,  die  Vereinigten  Staaten  bei  uns  die  gespannteste  Aufmerksamkeit
  verdienen,  so  ist  es  auch  wünschenswerth,  dass  alle  Werke,
welche  hierzulande  über  diesen  Gegenstand  erscheinen,  eine  möglichst
  allgemeine  und  eingehende  Beachtung  finden;  zu  den  besten
hierher  gehörigen  Werken  nun,  welche  die  neuere  Literatur  herorgebracht
  hat,  sind  unstreitig  die  Arbeiten  v.  Horsr’s!)  zu  rechnen,
der,  nachdem  er  bereits  vier  umfangreiche  Bände  über  die  Geschichte
  der  Vereinigten  Staaten  bis  zum  Ausgange  der  fünfziger
Jahre  erscheinen  liess,  nunmehr  auch  das  geltende  Verfassungsrecht
  derselben  für  Marquarnsen’s  Sammlung  der  verschiedenen
modernen  staatsrechtlichen  Systeme  bearbeitet  hat.

Was  zunächst  das  geschichtliche  Werk  betrifft,  so  hat  dasselbe
bei  allen  Fachleuten  grosses  und  gerechtfertigtes  Aufsehen  erregt:
wenn  es  dagegen  in  weiteren  Kreisen  noch  nicht  in  entsprechender
Weise  bekannt  geworden  ist,  so  liegt  das  zweifellos  vornehmlich  darin,
  dass  es  durch  die  Form  seiner  Darstellung  an  Anziehungskraft
einbüsst;  zunächst  ist  die  Disposition  des  Ganzen  keine  besonders
glückliche:  der  Stoff  ist  in  einzelne  Kapitel  zerlegt,  in  denen  sich
die  chronologische  Folge  der  Ereignisse  keineswegs  gewahrt  findet;
wenn  dies  nun  auch  an  sich  nicht  zu  tadeln  sein  dürfte,  so  hätte
doch  der  zeitliche  Zusammenhang  der  einzelnen  Momente  deutlicher,
  als  es  geschehen  ist,  hervorgehoben  werden  sollen;  durch
die  Zerreissung  des  Stoffes,  wie  sie  v.  Horst  beliebt,  wird  es  dem
Leser,  der  nicht  schon  einigermassen  mit  dem  Stoff  vertraut  ist,
sehr  schwer,  sich  ein  klares  Bild  desselben  zu  schaffen;  andererseits
  erscheint  auch  die  Schreibart  etwas  allzu  gekünstelt,  um
fesselnd  zu  wirken;  es  findet  sich  darin  eine  fast  überreiche  Zahl
bildlicher  Redewendungen,  welche  doch  gerade  für  die  Behandlung
eines  so  einfachen  und  nüchternen  Stoffes,  wie  die  Geschichte  der
Vereinigten  Staaten  und  insbesondere  ihrer  Verfassung,  nicht
sonderlich  geeignet  erscheint;  aber  alles  das  kann  doch  nicht  ins
Gewicht  fallen  der  geradezu  erstaunlichen  Gründlichkeit  gegen-!)

  Verfassung  und  Demokratie  der  Verein.  Staaten  von  Amerika,  Band  1.:
Verfassungsgeschichte  der  Verein.  Staaten  von  Amerika.  Bd.  2.3.4  Berlin,
Springer  1878—1884;  sodann  das  Staatsrecht  der  Verein.  Staaten  von  Amerika
  in  Marguarosen’s  Handbuch  des  Öffentlichen  Rechts.  4.  Band,  1.  Halbband,
  3.  Abthlg.,  Freiburg;  Mohr  1885.