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sein  und  glücklicher  machen,  wenn  sie  diese  grossentheils  nur
eingebildete  Superiorität  aufgäben,  sondern  auch  unendlich  an
Geist  und  Charakter  gewinnen.  Denn  Alles  das,  was  den  Geist
befreit  und  das  Herz  erweitert,  das  wahrhaft  Gute  und  Geistvolle,
das  wächst  nicht  eo  ipso  in  den  „höheren  Regionen“,  sondern  es
steigt  dahin  auf  aus  den  grossen  breiten  Massen  des  arbeitenden
Volkes,  durch  diejenigen,  die  sich  selbst  aus  demselben  zu
einer  höheren  gesellschaftlichen  Stufe  erheben,  oder  es  wenigstens
noch  verstehen,  diese  wahren,  und  natürlichen  Zustände  zu  beobachten
  und  zu  schätzen  !®).  Wer  diess  in  seinem  Leben  nicht
kann  und  dazu  durch  seine  Lebensverhältnisse  nicht  angeleitet
wird,  dem  mangelt  das  Allerbeste,  was  auf  dieser  Welt  zu  finden
ist  und  daher  ist  eine  Institution,  die  diesen  Contact  beiden
Theilen  beständig  nahelegt,  eine  Wohlthat  für  beide.

sogar  selbst  dessen  Sitteu,  Sprache,  Tracht  nachzuahmen.  Dass  sie  sich
dabei  augenblicklich  glücklicher  und  freier  fühlen,  als  in  ihrem  gewöhnlichen
Leben,  sollte  ihnen  ein  Fingerzeig  sein.  Gewöhnlich  aber  können  sie  sich
nicht  über  ihre  Schranken  erheben  und  es  bleibt  alles  nur  Spiel  und  Sport,
was  Leben  und  Ueberzeugung  werden  sollte.

185)  Das  Alles  ist  in  einer  Republik  allerdings  selbstverständlicher,  als
in  Monarchien.  Doch  ist  auch  dort  der  Prozentsatz  von  bedeutenden  Menschen,
  die  beständig  von  unten  heraufsteigen,  ein  sehr  grosser  und  andererseits
  schöpft  gerade  ein  Theil  der  höheren  Stände,  der  Adel  namentlich,
seine  besten  Eigenschaften  aus  dem  Landleben,  durch  das  er  in  enger  Berührung
  mit  dem  Volke  aufwächst.  Das  geringste  Mass  von  Greist,  Charakter
und  namentlich  von  Originalität  besitzt  heute  durchschnistlich  der  gewöhnliche
Grossstädter,  der  einen  Bauer  nie  anders  als  auf  dem  Theater  gesehen  hat.
In  diesen  Städten  allein  nimmt  auch  die  Armuth  und  sogar  die  „Arbeit“  die
hässliche  Gestaltung  an,  die  sie  von  Natur  und  von  Rechtswegen  durchaus
nicht  zu  baben  braucht.

In  schweren  Zeiten  zeigt  sich  zuweilen  die  Regimentsfähigkeit  des  gemeinen
  Mannes.  An  solchen  Beispielen  ist  namentlich  die  Schweizergeschichte
sehr  reich.  Als  z.  B.  die  Pest  im  Jahre  1519  in  der  Schweiz  allenthalben
herrschte,  flohen  die  angesehenen  Bürger  vielfach  aus  den  Städten  auf
das  Land.  Selbst  der  berühmte  St.  Gallische  Arzt  von  Watt  (Vadianus)
fand  es  mit  seinen  doppelten  Pflichten  vereinbar,  sechs  Monate  lang  nach
Wädenswyl  sich  zu  begeben.  Den  Sommer  durch  starben  in  seiner  Abwesenheit
  in  St.  Gallen  täglich  26  bis  80  Personen.  „Da  floh“,  sagt  eine  zeitgenössische
  Chronik  „männiglich  aus  der  Stadt,  so  dass  schlecht  personen
das  Rathhaus  regiertend,  aber  wol.“.