—  264  —

weise  die  Anerkennung  des  fremden  Rechtsgebiets  und  dessen
Herrschaft  über  die  dortigen  Rechtsverhältnisse,  wie  aus  der  Behauptung
  des  eigenen  persönlichen  Rechts  zuvor  die  Anerkennung
des  persönlichen  Rechts  des  andern  sich  ergeben  hatte.

Die  historische  Existenz  eines  absoluten  Territorialrechts,
wie  sie  zur  Zeit  des  römischen  Reichs  im  römischen  Recht  bestanden
  hat,  ist  daher  entgegen  der  Anschauung  mancher  Schriftsteller
  von  nun  an  unbedingt  zu  verneinen.  Aus  alledem  ergibt
sich  der  nothwendige  Schluss,  dass  Immobilien  zu  jener  Zeit  nach
der  lex  rei  sitae  zu  beurtheilen  waren.  Was  die  Mobilien  anlangt,
so  kommen  wir  hierauf  unten  zu  sprechen.

Der  Abschluss  dieser  Periode  führt  uns  in  die  Zeit  des  Sachsenund
  des  Schwabenspiegels,  in  denen  zahlreiche  Stellen  auf  die  selbstständige
  rechtliche  Behandlung  des  Ausländer,  sowie  auf  die  lex
reı  sitae  hinweisen?®).  Wohl  führt  aber  die  Besetzung  der  Gerichte
  mit  Laien-Schöffen  zu  einer  einseitigen  Betonung  des  lex
fori,  da  dieselben  natürlich  in  ihrer  Rechtssprechung  eine  Neigung
zeigte,  das  im  Grerichtsorte  geltende,  ihnen  geläufige  Recht  anzuwenden.
  Doch  war  dies  ohne  grossen  Einfluss  auf  die  Weiterentwicklung,
  da  die  Reception  des  römischen  Rechts  alsbald  die
Existenz  der  Schöffengerichte  untergrub.

23)  Vgl.  Sachsenspiegel  III  25  $  2,  3;  besonders  aber  III  79,  $  2:
Niechein  uzwendic  man  en  ist  ouch  phlichtig  in  deme  dorfe  zu  antwurtene
näh  irme  sunderlichen  dorfrechte,  mör  näh  gemeineme  lantrechte,  her  en
clage  där  uf  erbe  oder  uf  güt  oder  umb  schult.  Ferner  ibid  I  $  30  und  III,
83  $  5:  Der  kung  sal  ouch  rihten  umbe  eigen  nicht  näh  des  mannes
rechte,  wen  näh  des  landes,  —  [där  ez  inne  ligt].

Schwabenspiegel  cap.  XXXII.  Ein  iegelich  man,  der  uz  einem  lande
in  das  andere  kumt,  und  wil  vor  gerihte  reht  nemen  umb  ein  gut,  daz  in
dem  lande  lit,  er  muz  reht  nemen  nach  des  landes  rehte,  und  niht  nach
sines  landes  rehte.  Weiter  cap  CCXLVI  $  1  und  2:  Sprichet  ein  man
eines  mannes  eigen  an,  da  sol  er  niht  umbe  antworten,  wan  an  der  stat  da
ez  lit.  Der  künne  sol  ouch  niht  rihten  nach  des  mannes  rehte.  Er  sol  niht
rihten  wan  nach  des  landes  rehte,  da  er  ie  danne  inne  ist.  Vgl.  hiezu  die
Bemerkung  GENGLER’s  in  seiner  Ausgabe  des  Schwabenspiegels,  der  in  zutreffender
  Weise  die  Worte  „um  egen“  einschalten  will.