—  369  —

Stadtbevölkerung  anknüpft.  Solche  (remeinwesen  haben  von  Vornherein
  bestimmtere  und  festere  Grenzen,  als  eine  das  Schwergericht
  ihres  wirthschaftlichen  Lebens  in  den  Ackerbau  legende  und
ein  weites  Gelände  gleichmässiger,  aber  zerstreut  bewohnende
Bevölkerung  von,  in  und  trotz  dieser  Zerstreuung  sich  gleichberechtigt
  und  zusammengehörig  fühlenden  Stammesgenossen.

So  war  es  natürlich,  dass  auch  der  oben  angegebene  Begriff
des  Zolles  in  seiner  engen  Anlehnung  an  und  Bedingtheit  durch
den  der  Grenze  sich  in  jenen  Städte-Staaten  des  Alterthums  verhältnissmässig
  weit  früher  entwickeln  musste,  als  in  den  Stammes-Staaten
  des  deutschen  Mittelalters.  Aber  wie  dieses  so  oft  die
ihm  nur  geschichtlich  bekannten  Erscheinungen  jener  alten  abgeschlossenen
  und  versunkenen  Cultur  in  zuweilen  kindlich-naiver
Weise  herüber  nehmen  zu  können  glaubte,  so  geschah  dies  auch
sehr  bald  mit  dem  im  alten  Griechenland  und  Rom  hoch  entwickelten
  System  der  Zölle,  da  der  Staat  mit  demjenigen,  was  er
an  directer  Steuer,  und  zwar  für  die  Zwecke  des  Heerwesens
erhob,  nicht  lange  auskommen  konnte.  Das  Wort  „Steuer“  als
Bezeichnung  einer  directen  persönlichen  Abgabe  ist  ein  uralt  einheimisch
  deutsches.  Die  allgemeine  Bedeutung  „Stütze,  Hülfe“,
die  es  schon  im  althochdeutschen  stiura  hat,  erhielt  im  mittelhochdeutschen
  stiure  die  besondere  der  Unterstützung  des  Staates
oder  des  Oberherrn  für  den  Kriegsfall,  weshalb  es  lateinisch  mit
stipendia  wiedergegeben  und  durch  heristiura,  Heersteuer,  erklärt
wurde').  Man  sieht  also,  dass,  wenn  wir  heute  den  Druck  unserer
Steuerlast  als  durch  die  Heeresausgaben  begründet  schwer  empfinden,
  wir  auf  streng  geschichtlichem  und  nationalem  Boden
stehen.  Aber  was  diese  Steuer  sehr  wesentlich  von  unserer  heutigen
  unterschied,  war  der  Umstand,  dass  sie  ursprünglich  eine

 

1)  S.  Lexen,  Mittelhochdeutsches  Taschenwörterbuch.  Leipzig  S.  HırzEL
1881  u.  d.  W.  stiure,  stiur,  stiuwer.  GRIMM,  deutsches  Wörterbuch  u.  d.  W.
Steuer.  Morırz  HrrnE  deutsches  Wörterbuch.  Leipzig.  S.  Hırzer.  1893  u.  d.
W.  Steuer.